Petrus/Kephas, das ist der unveränderliche, den klimatischen und geologischen Eingriffen trotzende Fels. Aber hängt diese Felsbildung nicht mit der Geschichte der drei Leugnungen (und ihrer Beziehung zur Entstehung des steinernen Herzens der Welt) zusammen?
Zwei Beziehungen zum Wasser:
– das Brüten des Geistes über den Wassern,
– die Trennung des Trockenen vom Feuchten (der Fels).
Ist nicht die Geschichte der Kirche die Geschichte der gefesselten Schlange?
Die kurzatmige Kirche: sie hechelt dem Zeitgeist hinterher und hält den Zeitgeist von gestern für die Verkörperung der Tradition.
Walter Benjamin: Einbahnstraße:
– Die Konstruktion des Lebens liegt im Augenblick weit mehr in der Gewalt von Fakten als von Überzeugungen. (Tankstelle, S. 7)
– Überzeugen ist unfruchtbar. (Für Männer, S. 12)
– Zitate in meiner Arbeit sind wie Räuber am Weg, die bewaffnet hervorbrechen und dem Müßiggänger die Überzeugung abnehmen. (Kurzwaren, S. 108)
Was bezeichnen und wodurch unterscheiden sich die Adjektive
– satanisch,
– teuflisch und
– dämonisch?
Sind sie nicht unterschiedene Kristallisationskerne eines Bedeutungszusammenhangs, konkret der Schatten der Trinitätslehre:
– teuflisch: die Rückseite oder der Schatten des Vaters (Wut als Schatten des Zorns),
– satanisch: die Rückseite oder der Schatten des Sohnes (Haß als Schatten der Liebe) und
– dämonisch: die Rückseite oder der Schatten des Geistes (das Schuldverschubsystem, die Natur)?
Teuflische Wut und satanischer Haß haben Subjektqualität, während dämonische (verschuldete) Natur als Produkt der Instrumentalisierung beider subjektlos ist. Kommen nicht im NT, das sich vom AT u.a. durch die Dämonenaustreibungen unterscheidet, alle drei vor (von der Versuchung durch den Teufel über das „Weiche von mir Satan“ bis zu den Besessenen)?
Sind der Weltbegriff und die Bekenntnislogik der Transformator?
– Teufel: der Verwirrer als Versucher; aber der Versuchung kann man entgehen;
– Satan: der Ankläger (und der Richter im kurzen Prozeß); Rechtfertigung und Problem der Selbstverteidigung;
– Dämon: die List, der Zuschauer, die Verblendung (Schuldzusammenhang).
Dämonisch (Verschuldung durch Instrumentalisierung) ist der Anfang, satanisch (der explodierende Haß) ist die Endstufe des Bösen.
Instrumentalisierung (Schuld), Wut und Haß: Natur (als Keim und Endprodukt der „säkularisierten“ Theologie), Mensch und Welt („Wenn die Welt euch haßt“). – Der Haß vermehrt sich mit seiner Ausbeutung, und die Schuld vermindert sich mit ihrer Übernahme.
Zur dämonischen Natur: Gehört dazu nicht das Wort „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, und das Zeichen des Jona (die 120 000, die rechts und links nicht unterscheiden können)?
Die Hegelsche Philosophie, die sich als ihre Zeit in Gedanken gefaßt versteht, unterscheidet sich von der Prophetie allein durch das Dazwischentreten des Naturbegriffs (die Ablenkung von der Gegenwart). Darin steht sie in der Tradition der Philosophie seit ihrem griechischen Ursprung.
Noch heute erfüllt die Naturwissenschaft das Legitimationsbedürfnis jeder Wissenschaft.
Die verschuldete Welt ist das Produkt der „Entsühnung der Welt“: des Mißbrauchs des Kreuzestodes in der christlichen Tradition.
Der Weltbegriff legitimiert die Instrumentalisierung der Dinge und der christologische Naturbegriff liefert die Verblendung dazu.
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07.09.93
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06.09.93
Was wird es dem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewinnt, sein Leben aber einbüßt. (Mt 1626) Ist das nicht ein zentraler Einwand gegen die Theologie? – Man versuche einmal, den Begriff Theologie ins Hebräische zu übersetzen.
Bei dem Versuch einer Übersetzung ins Deutsche kommt etwas so Entsetzliches heraus wie „Rede von Gott“. Wer genauer in den Begriff der Rede hineinhört, dem müßte das Wort im Halse stecken bleiben: Wissen wir von Gott nur noch vom Hörensagen, war nicht irgendwann einmal die Rede von Gott?
Atheismus heute: Ist nicht Gott zu einem apriorischen Begriff geworden, zu dem es keinen Gegenstand mehr gibt?
Zur Geschichte vom Sündenfall: War das Feigenblatt der Mythos, und ist der Rock aus Fellen die Schrift?
Ist nicht der Baum der Erkenntnis heute endgültig zum fruchtlosen Feigenbaum geworden?
Die Philosophie hat das Schuldverschubsystem zu einem Instrument der Erkenntnis gemacht. Seine Verankerungspunkte in der Objektivität sind die Begriffe Natur, Materie und Barbaren. Über die Theologie, die Trinitätslehre, die Christologie und die Opfertheologie, wurde das Schuldverschubsystem zugespitzt zum Objektbegriff (dem Korrelat der kantischen subjektiven Formen der Anschauung).
Der mathematische Raum (die Neutralisierung der Richtungsunterschiede) ist das Instrument der Desorientierung im wörtlichsten Sinne: Unter der Herrschaft des Kausalitätsprinzips (unter den Bedingungen der Instrumentalisierung) ist jegliche teleologische Sicht der Dinge obsolet geworden: Die Welt ist endgültig freigesetzt für subjektive Zwecke, fürs Privateigentum. Außer in der Gestalt der Erinnerung gibt es keine objektiven Ziele mehr: Es gibt keine Hoffnung, außer für die Toten. Objektive Vernunft gibt es nur noch im Kontext der Lehre von der Auferstehung. Ist nicht das Wort von den Pforten der Hölle darauf zu beziehen, daß die Natur nicht siegen wird?
Die Welt ist der Inbegriff dessen, was seit je gesiegt hat: der Vergangenheit. Grund zur Hoffnung liegt allein noch in der Differenz von Welt und Natur, darin, daß der Bruch im System sich immanent nicht schließen läßt. An diese Hoffnung erinnert das Wort von dem über den Wassern brütenden Geist.
Das Wasser ist Gegenstand der Festkörperphysik, im Gegensatz zum Gas (zur Luft) ist es nicht durch Komprimierung, sondern nur von außen zu erwärmen. Welcher Druck bringt ein Gas zum Glühen, und welcher Druck entsteht, wenn Wasser verdampft? Wie hängen Erde, Wasser, Luft und Feuer (die sogenannten Aggregatzustände) mit der Struktur des Inertialsystems, mit dem Verhältnis der drei Dimensionen im Raum und ihrer Beziehung zur Zeit, zusammen?
Glücklich ist, wer seiner selbst ohne Schrecken inne wird. (Walter Benjamin: Einbahnstraße) Ist dieser Schrecken nicht das objektive Korrelat des Weltbegriffs?
Im zweiten Makkabäerbuch kommt (mit dem Begriff Barbaren, 219) auch der Name der Hebräer vor (731, 1113, 1537), in welchem Kontext und mit welcher Bedeutung (vgl. auch den Begriff einer creatio ex nihilo, 728, und die Lehre von der Auferstehung, 1243f)? Handelt es sich hier um eine Zwischenstufe zum Hebräerbrief?
Ist nicht die Beziehung der Erinnerungsarbeit zur Vergangenheit auch eine des Lichts: Wenn die Objektdecke der Vergangenheit (die mit dem Fortschritt wachsende Herrschaft der Vergangenheit Über die Zukunft: die Logik des Weltbegriffs) durchstoßen wird, antwortet die Vergangenheit, gewinnt sie eine die Gegenwart erleuchtende Aktualität. Liegt hier nicht der Ansatz für eine (prophetische) Neubestimmung des Sechstagewerks, mit den Ausgangspunkten
– der Finsternis über dem Abgrund und
– des über den Wassern der Vergangenheit brütenden Geistes?
Spruch zu einem Graffiti in Walldorf: One day a master race, called graffity artists, made crime to art. – Was ist mit der „master race“ gemeint? (Hoffentlich nicht die alte „Herrenrasse“? Aber würde nicht das „making crime to art“ dazu passen?) An der Stelle des neuen Graffiti stand übrigens vor kurzem noch der xenophobe Spruch: „Völkerfreundschaft ja, Vielvölkerstaat nein“. -
05.09.93
Die Schlange oder der gemeinsame Ursprung des Neutrums und des Schuldverschubsystems (des Weltbegriffs). Haben die Schlangen etwas mit den Seraphim zu tun (die nach Jes 6 über dem Herrn, der auf einem hohen und erhabenen Thron sitzt, stehen, ein jeder mit sechs Flügeln: mit zweien bedeckt er sein Antlitz, mit zweien seine Füße und mit zweien fliegt er)? Sind diese Seraphim Ausdruck der Scham, und hängt diese Scham mit den Sternen zusammen, ist deren Erhabenheit in ihrer Beziehung zur Scham begründet? Wie wurden in der theologischen Tradition die Cherubim und Seraphim und wie wurde ihr wechselseitiges Verhältnis verstanden?
Biblische Herrschaftssymbole: Dornen und Disteln, die Schlange, die Salbung, der Kelch, das Schwert, die Trunkenheit.
Durch den mathematischen Raum wurde die Freude des Lichts in den Hohn und Spott des Lachens transformiert. Ist nicht der Raum der Ursprungsort des Lustkitzels (der „Empfindungen“), ist er nicht obszön: der endgültig neutralisierte hieros gamos? Und wäre nicht auf ihn das theologische Verdikt über die Lust zu beziehen?
Wenn Erich Zenger den über den Wassern brütenden Geist aus dem Schöpfungsbericht (Gen 12b, vgl. Gottes Bogen …, S. 81) herausnimmt, so tilgt er den Quellpunkt der Hoffnung. Danach wäre das Sechstagewerk und sein Abschluß, das Ruhen Gottes am siebten Tag, eigentlich nicht mehr möglich. Und konsequenterweise müßten auch die Himmel in Gen 11 gestrichen werden. Kann es sein, daß ein christlicher Theologe das für Männerohren zu weibliche und zu wenig souveräne „Brüten“ (so Rosenzweig im Stern der Erlösung; fast alle anderen Übersetzungen verharmlosen das Brüten zum „Schweben“, während Buber es einmal mit einem zunächst brütenden, dann jedoch „schwingenden“ „Braus“ versucht hat – ein turnender Gott scheint immer noch akzeptabler als ein brütender) nicht erträgt, versuchsweise einen (männlichen) Gewaltakt wie den „Gottessturm“ ins Gespräch bringt, diesen Gedanken aber sogleich verwirft, weil er vom Textzusammenhang her nicht zu begründen ist?
Das Gericht der Gnade über das gnadenlose Weltgericht: Verwandelt nicht das Inertialsystem das Licht in ein verbrennendes (Staub und Asche produzierendes) Feuer, während das andere Feuer (das „Feuer vom Himmel“, auch das des brennenden Dornbuschs) ein reinigendes Feuer ist (die Lehre vom Fegfeuer ist wahr, wenn sie nicht verdinglicht, als gleichsam naturwissenschaftliche Lehre verstanden wird: mit den fürchterlichen Folgen in der kirchlichen Ketzer- und Hexenverfolgung).
Ähnlichkeit der beiden Gestalten des Feuers mit denen des Kelches. Hängt die Trunkenheit mit der Instrumentalisierung des Feuers zusammen, ist das Trunkenmachende im Wein nicht auch ein Feuer? Und gründet die Ähnlichkeit von Feuer und Kelch nicht in der Beziehung beider zum Licht (Himmel als Grenze der Instrumentalisierung: Beziehung von Wasser, Feuer, Wein und Blut; Christentum als Instrumentalisierung des Nichtinstrumentalisierbaren; Bedeutung des Weltbegriffs)? -
04.09.93
Ist nicht der Protestantismus eine Subjekt-Eucharistie (Produkt der Selbstanbetung)?
Bezieht sich der Staub, zu dem Adam wird (und den dann die Schlange frißt), auf den Lehm, aus dem er gemacht ist (Hi 108)?
Gen 503: Vierzig Tage währt die Zeit des Einbalsamierens. Und die Ägypter beweinten ihn (Israel) siebzig Tage. Nach Gen 74 regnete es (bei der Sintflut) vierzig Tage und vierzig Nächte. Waren es nicht auch vierzig Tage von der Auferstehung bis zur Himmelfahrt?
Die Umkehr ist keine bloße Gesinnungsänderung, oder gar ein Bekenntniswechsel, sondern schließt Trauer- und Erinnerungsarbeit mit ein.
Wenn das noachidische Nahrungsgebot zusammenhängt mit Ursprung hierarchischer Strukturen (mit dem Einbau der Gewalt in den Begriff der Objektivität, mit der Geschichte der Verinnerlichung von Gewalt), was bedeutet es dann, wenn „das Wort Fleisch geworden“ ist? Werden nicht mit dem dazugehörigen „Kannibalismus“ (wenn in der Eucharistie nicht nur Fleisch, sondern auch Blut genossen wird) die noachidischen Gebote im Kern verletzt? Wie verhält sich das zum biblischen Blutverständnis generell? Und in welche Konstellation rückt das Blut mit dem (wiederum an Noach gemahnenden) Wasser und dem Wein? Ist nicht die Philosophie als Theologie trunken geworden („Wunder“ von Kana)?
Mit der Installation des Weltbegriffs in der Theologie wurde der Himmel verdrängt (nach dem neuen Weltkatechismus der katholischen Kirche bezeichnen Himmel und Erde nur „alles was ist“): Das Aufspannen von Raum und Zeit im Inertialsystem ist eine Parodie auf den Satz, daß Gott (die Erde gegründet und) den Himmel aufgespannt hat.
Ist nicht das Hegelsche Absolute der Wettlauf zwischen Hase und Igel als perpetuum mobile? Und hat Heidegger nicht die Hegelsche Logik mit dem die Eigentlichkeit begründenden „Vorlaufen in den Tod“ auf ihren kürzesten Begriff gebracht?
Hat die Verwerfung des Symbols bei Augustinus (sein Verständnis von ad litteram) nicht doch schon politische Gründe? Hat er nicht instinktiv das Subversive in der Schöpfungsgeschichte erkannt und verdrängt?
War der Turm von Babel als Bild der Orthogonalität das erste Erektionssymbol?
Die Orthogonalität besiegelt die Vergängnis: so hängen Raum und Zeit, die kantischen subjektiven Formen der Anschauung, zusammen; Ursprung des Naturbegriffs. Orthogonalität ist die Form der Beziehung von Natur und Welt, der babylonische Turm die erste Gestalt des Naturbegriffs, während die Verwirrung der Sprachen auf den Ursprung des Weltbegriffs zu beziehen wäre (die Trennung des Natur- und Weltbegriffs gründet in der Logik der indogermanischen Sprachen, in der gleichen Logik, die seine christologische Struktur fundiert). Hierin ist der Vergleich der Hegelschen Philosophie mit der Klugheit der Schlangen begründet.
Wenn man die kantische Analyse der subjektiven Formen der Anschauung, wie es bereits der deutsche Idealismus getan hat, affirmativ anstatt kritisch begreift, ist das Problem nicht zu lösen. Der affirmative Gebrauch der kantischen Lehre von den subjektiven Formen der Anschauung (oder der affirmative Gebrauch des Weltbegriffs) bringt den Gegenstand der Prophetie: die Gegenwart, die reine Aktualität, zum Verschwinden und „vollendet“ die Philosophie. Aus dem dreifachen „Nichts“ der Gegenwart rekonstruiert Franz Rosenzweig den Stern der Erlösung. -
02.09.93
Verweist das „tu es petrus“ nicht auf das steinerne Herz? Und wenn er darauf seine Kirche bauen will, dann heißt das nicht, daß der Fels die Kirche ist.
Hängen die drei Tage im Bauche des Walfisches (und das „Abgestiegen zu Hölle“ im alten Symbolum) mit den drei Leugnungen zusammen? Und ist das Gebet des Jona im Bauch des Fisches nicht das Gebet, das Reinhold Schneider meinte?
Hat nicht der Logos des Johannes-Evangeliums mehr mit der prophetischen Erfüllung des Wortes als mit dem philosophischen Logos zu tun? Und macht nicht die Identifikation des johanneischen mit dem philosophischen Logos das Johannes-Evangelium überhaupt erst antijudaistisch?
Zur Rehabilitierung der Gnosis: Wenn die Gnosis den Demiurgen (der die Welt erschaffen hat) mit jüdischen Gott (dem alttestamentlichen Schöpfergott) identifizierte, hängt das nicht mit den „Juden“ des Johannes-Evangeliums und der Gesetzes-Kritik des Paulus zusammen? Kann es sein, daß hier die jüdische Tradition in einer Gestalt vor Augen stand, die genau hier die Gefahr der Verweltlichung, der Säkularisation drastisch demonstrierte? Ist hier nicht ein ganzes Nest projektiver Tatbestände beisammen? Und ist dieses System projektiver Verwirrung nicht darin begründet, daß die gleichsam transzendentallogische Übermacht des imperialen Roms die „Welt“ der kritischen Reflexion entzog, die Anpassung an die Welt erzwang. Die Unfähigkeit zur politischen Kritik, die Unfähigkeit zur Kritik des Herrendenkens, entlud sich in diesen projektiven Ersatzhandlungen der urchristlichen Theologie. Nur so war die selbstreferentielle Stabilisierung notwendig und möglich, die dann als Trinitätslehre, Christologie und Opfertheologie zum Grundbestand der Orthodoxie geworden ist. Diese Orthodoxie erlaubte eine Stabilisierung des Subjekts in der Welt (sie erlaubte die Vergesellschaftung des Subjektbegriffs der Philosophie). Weltkritik war nur noch in den Gestalten der Projektion (und in den Gestalten der Weltflucht) möglich: als Identifikation mit dem Aggressor (auch die Flucht erwies sich am Ende als eine Form der Identifikation). Aber war der Preis nicht zu hoch?
Bei den sieben Sakramenten gehören jeweils zwei zusammen:
– Taufe und Firmung (Wasser, Sintflut, Exodus und zweiter Schöpfungstag),
– Buße und Eucharistie (Umkehr, Noach, Fleischessen, Gewalt und Hierarchie und die Verdinglichungs- und Schicksalslogik),
– Priesterweihe und Ehe (Abraham und Melchisedech).
Nur das letzte, die Salbung, ist ein singulare tantum.
Die ungeheure Erkenntnis Heinsohns über den Ursprung des (ge-münzten) Geldes (in der Schuldknechtschaft) wäre nur dadurch zu ergänzen, daß endlich begriffen werden muß, daß am Ende (heute) das Geld in seine Ursprungsgeschichte zurückkehrt. Deshalb ist eine Geschichte der Banken so wichtig.
Das Ecce agnus dei ist das Wort des Rufers in der Wüste, der die Wege geebnet hat. Kann man sagen, daß Jesus kam, als die Zeit erfüllt war, nicht als das Wort erfüllt war?
Die Hilfsverben sein, haben und werden werden benötigt bei der Konjugation, wobei sein und haben in einer Reflexionsbeziehung stehen (ist nicht das Sein das Gehabt-Werden, und das Gottsuchen das Suchen nach dem Subjekt des Gehabt-Werdens?).
Wer das Hamletsche „to be or not to be“ mit „Sein oder Nichtsein“ übersetzt, unterschlägt eine wichtige Nuance.
Zur Vorgeschichte der indogermanischen Sprache gehören das Sanskrit, die hethitische und die persische Sprache. Ist die Geschichte vom Sanskrit bis zum Griechischen nicht eine Geschichte, in der die Konjugation der Verben allein über Prä- und Suffixe läuft, während erst mit dem Lateinischen (und in Abhängigkeit davon in den modernen Sprachen) die Hilfsverben zur Unterstützung der Konjugationen benötigt werden (und erscheint im Lateinischen erstmals das Futur II; wie verhält es sich bei den modernen – sprachlogisch aufs Inertialsystem bezogenen -europäischen Sprachen)? Die Endformen dieser Geschichte (das Griechische und das Deutsche) zeichnen sich aus durch die Einbeziehung der bestimmten Artikel in die Deklination der Nomen und durch die Aussprache des Diphthong eu (oi): Wie verhalten sich „Zeus“ und „theos“ zu „deutsch“, und woher kommt das Wort Gott?
Gibt es in anderen Sprachen eine Entsprechung zum „Göttlichen“ (und zur Vergöttlichung)? Die merkwürdige Sprachbildung des Wortes Vergöttlichung, das die lateinische deificatio übersetzt, wird klarer beim Vergleich mit iustificatio/Rechtfertigung: Während in der iustificatio (der Gerechtmachung) noch der Eingriff der Gnade (das Handeln des Heiligen Geistes) nachklingt, bezeichnet die Rechtfertigung einen sprachlichen Sachverhalt, der so erst im Nominalismus möglich ist: die bloße Umbenennung eines im übrigen unveränderten Schuldtatbestandes (der inertia). Die Rechtfertigung gehört zur „Feigenblatt-“ und Bekenntnislogik, an diesem Begriff läßt sich der Zusammenhang von Bekenntnis und Verinnerlichung von Gewalt demonstrieren: sie hängt mit dem Opfer des Selbst an sich selbst zusammen (mit der Rückkoppelung, die durch die Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit, dem Weltbegriff und der Trennung des Natur- und Weltbegriffs gesetzt ist, mit dem Grund der idealistischen Systemlogik – vgl. hierzu auch die Elemente des Antisemitismus in der DdA). – Die Rechtfertigung und das Bekenntnis gehören zum Symptomenkomplex der Sünde wider den Heiligen Geist.
Zorn und Wut: Der Zorn ist die Reaktion darauf, daß die göttliche Liebe ihren Adressaten nicht erreicht. Nicht erreichbar für die göttliche Liebe ist der Wütende: Dessen Schutz und Waffe ist das Inertialsystem (vgl. Adornos Hinweis in der Negativen Dialektik auf den Zusammenhang von Aufklärung und Wut). -
01.09.93
Arbeit und Bewahren (Ebach, S. 92ff): Gehören nicht
– die Arbeit, der Mensch als Diener des Ackers, das Sklavenhaus (Ägypten) und der Gottesknecht und
– das Bewahren des Paradieses, der Kerub und das kreisende Flammenschwert (Hüter des Eingangs des Paradieses) und die Kerubim, auf denen die Herrlichkeit Gottes thront, Abel (Hüter der Herde) und Kains Frage (bin ich denn der Hüter meines Bruders?), der Sabbat und der Exodus (der Auszug aus dem Sklavenhaus)
zusammen?
Der Naturbegriff hat den Trägheitsbegriff als Grund. Deshalb gibt es im Bannkreis der Natur keinen Sabbat.
Die neutralisierte Welt ist der geronnene, verdinglichte Hass, Produkt der Verdrängung der Seite, die sie den Opfern zuwendet.
Die Schlange frißt den Staub, den Adam produziert; Nebukadnezar frißt Gras wie die Tiere; aber der Pharao geht unter in den Fluten des Roten Meeres.
Ägypten und Babylon: das Sklavenhaus, der Turm und die Hure.
Das Bekenntnis ist die säkularisierte Umkehr.
Institut des Beaux Arts: Läßt sich das nicht auf doppelte Weise übersetzen: Als Institut der schönen Künste und Institut für die schönen Künste? Das Besitzverhältnis wird mit dem Bestimmungs- und Verfügungsrecht kurzgeschlossen.
Das Institut des Beaux Arts ist ein Teil des Institut de France: Steht hier das de auch für den Genitivus, den Genitivus subjektivus, während das des für den Genitivus objektivus stehts? Das Institut de France ist das Institut der Nation (oder das Französische Institut, vergleichbar den Deutschen Instituten: und ins Deutsche eigentlich nur adjektivisch übersetzbar). Es gibt nur das (nicht ein) Institut de France. Ist nicht l’etat nur dieser (französische) Staat, ebenso le nation, le grand nation, diese eine Nation?
Le France ist nicht (wie Great Britain) steigerungsfähig, es gibt nur le grand nation. Sind der Nationbegriff und das Königsinstitut in Frankreich und in England nicht doch sehr genau zu unterscheiden (ebenso wie die Artikulation und die Logik der französischen und englischen Sprache)?
Das Objekt als Produkt der Inkarnationslehre? Ist nicht die Inkarnationslehre, dieser zentrale Teil der Christologie (und der Trinitätslehre), der historische und logische Grund des Objektbegriffs, die Grundlage für die Verselbständigung des Objektbegriffs und Voraussetzung für den aus der Theologie entsprungenen modernen Subjektbegriff?
Das Niederknien während der Wandlung (der Transsubstantiation) und die Anbetung der Eucharistie sind das Knien vor dem Objekt und seine Anbetung: Die Objektvorstellung ist Produkt der Verinnerlichung des Opfers. Das vergöttlichte Objekt ist das vergöttlichte Opfer (Ursprung des christologischen Naturbegriffs). Deshalb ist heute die Objektvorstellung selber tabu, sie darf nicht angetastet werden. Der Preis ist das Vorurteil, die Xenophobie und der Antisemitismus.
Das Inertialsystem ist die Identität des Kreuzes mit den Dornen und Disteln.
Die Eucharistie, das Fleischessen und die Hierarchie sind die andere Seite des Kelchsymbols. Bezieht sich nicht darauf das Wort: „Vater, wenn es möglich ist, laß diesen Kelch an mir vorübergehen“ und das andere: „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Ihr werdet den Kelch trinken, aber …“
Vergleiche auch die einschlägigen Stellen (über das Opfer, das Selbst und die zwangshafte Wiederholung des Kreuzesopfers, an dessen Wirkung niemand mehr glaubt) in den „Elementen des Antisemitismus“ in der Dialektik der Aufklärung.
Ist nicht das kreisende oder das zuckende Flammenschwert sowohl der Blitz als auch das Planetensystem? Und gehören nicht Blitz und Planetensystem zusammen?
(War ich nicht immer der Philosophie nur hilflos ausgeliefert, sogar wenn ich so unsägliche Darstellungen der Geschichte der Philosophie gelesen habe wie die von Stückl oder von Messner?)
Die Trennung von Welt und Natur, oder die Urteilslogik und das Herrendenken: der Klassenkampf in unserm Kopf. -
31.08.93
Die „moralisierende christliche Rezeptionsgeschichte“ (der biblischen Urgeschichte; Ebach, Ursprung und Ziel, S. 64) steht in direktem Zusammenhang mit dem augustinischen „ad litteram“. Sie steht in direktem Zusammenhang mit der Bindung der christlichen Theologie an den historischen Objektivationsprozeß, gegen den jede Moral äußerlich: „moralisierend“ bleibt. Diese Moral ändert nicht mehr, sie macht nur ein schlechtes Gewissen und damit ihre Objekte gefügig. In diesem Kontext gibt es kein eingreifendes Erkennen; erkannt wird nur was ist (und nicht zu ändern ist): islamische Erkenntnis. Es bleibt nur das nachträgliche (und das nachtragende) Urteil.
Theologie ist das dogmatisch stillgestellte Organon eingreifenden Denkens.
Die Weltbegriffe Natur, Materie und Barbaren lassen sich nicht widerlegen, sondern nur durch die Rücknahme des projektiven Moments, das zu ihren Konstituentien gehört, sich auflösen. Das ist gemeint mit dem Satz „Seid klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben“: Die Arglosigkeit ist die Rücknahme des projektiven Moments in der Klugheit der Schlangen. Nur durch Paranoia unterscheidet sich die Schlange von der aufgeklärten Arglosigkeit der Tauben: vom Heiligen Geist.
Nur wer die Sünde der Welt auf sich nimmt, trägt dazu bei, daß sich das Wort endlich erfüllt.
Die Orthodoxie ist (wie das Bekenntnis, dem sie zugehört) männlich.
Im deutschen Wort Welt (wereld) stecken die Begriffe Mann und alt: Der deutsche Weltbegriff ist vom Ursprung her unheilbar patriarchalisch. -
30.08.93
Während die Reste anderer Architektur-Epochen fast restlos dem Krieg und dann dem „Wiederaufbau“ zum Opfer gefallen sind, wurden vorrangig die Fachwerk-Innenstädte (auch die, die es gar nicht gegeben hat) restauriert: Gehört nicht auch das zur Abschaffung der Vergangenheit, die die Nachkriegsgeschichte in Deutschland bestimmt?
Was haben wir (außer der Theologie und der Kindheit) mit der Vergangenheit sonst noch abgeschafft?
Zur Geschichte der Architektur und ihrer Beziehung zu Politik und Philosophie (ihrer Beziehung zur Weltgeschichte: zur Geschichte des Weltbegriffs) gehört die Geschichte der Ruinen.
Musik und Prophetie: Versucht nicht die Musik die Distanz zwischen dem Wort und seiner Erfüllung zu ermessen? (Der Ton macht die Musik. – Ende und Erfüllung der Musik: Heute, wenn ihr seine Stimme hört. – Musik und die Geschichte der Verinnerlichung des Opfers.)
Haß und Schuld: Nur die Schuld verringert sich, wenn sie übernommen wird, während der Haß das einzige Material ist, das sich mit seiner Ausbeutung vermehrt. – Die Führer (und heute die Medien) sagen dem Volk, „was zu hassen sei“. Es gibt keinen spontanen Antisemitismus und keine spontane Ausländerfeindschaft.
Das folgenlose Kabarett: Der Witz ist ein Instrument der Überlebensstrategie (als Instrument des Angriffs und der präventiven Verteidigung). Aber er ist kein Instrument der Veränderung, der Revolution. Käme es nicht darauf an, anstatt über die Verhältnisse nur zu lachen, endlich die Dämonen auszutreiben?
Ursprung und Ziel: Trifft der Begriff der Umkehr (Rosenzweig) den Sachverhalt nicht insofern genauer, als sich in der Umkehr etwas bildet, was „vorher“ noch nicht war. Das Neue ist nicht die Wiederkehr des Verdrängten (auch nicht etwas durch Sublimierung Entstandenes), sondern der Ursprung selber (ein in der Lösung aus dem Bann der Vergangenheit erst Entspringendes).
Rosenzweigs Todesangst und Hegels Logik: Sterblich ist das Eine, es gewinnt den Schein der Unsterblichkeit durch sein Anderssein (Heideggers „Vorlaufen in den Tod“ nennt Hegels Begriff der Aufhebung beim Namen).
Im Französischen heißt Est Osten und Ouest Westen: Ist das Ouest aus „ou Est“ entstanden? Dann wäre der Osten das Sein, der Westen das Nichtsein, und der Anfang der Hegelschen Logik die philosophische Verarbeitung des Verhältnisses vom Im Angesicht zu Hinter dem Rücken.
Ist der Westen aus dem Osten entstanden: seine Vergangenheit; ist er das Totenreich (oder die Grenze zum Totenreich, und das Totenreich selber unten)?
Das Verhältnis des Menschen zur Welt (Ebach, S. 25) abstrahiert von der Beziehung des Ich zum Anderen, leugnet die Asymmetrie zwischen mir un den Anderen.
Zur historischen Bibelkritik: Nach der Trennung der Quellen kommt erst das Wichtigste: die Komposition.
Das Vergangene ist nicht nur vergangen: Die Instrumentalisierung des Kreuzestodes in der logischen Konsequenz des affirmativen Gebrauchs des Weltbegriffs hat der Natur christologische Züge verliehen.
Erster Grundsatz des Herrendenkens: Man darf alles, sich nur nicht erwischen lassen. So werden Sachzwänge zu Verwaltungszwängen.
Sind nicht alle akademischen Berufe dadurch bestimmbar, daß sie dem Delegationsprinzip gehorchen:
– die Rache wurde (als Recht) an die Justiz delegiert (Gericht und Gefängnis),
– die Krankheit an die Medizin (Klinik),
– der Tod (als Unsterblichkeitswunsch) an die Theologie (Kirche und Friedhof),
– das Wissen an die Wissenschaft (Bibliothek und Museum),
– die Erfahrung an Bildung und Erziehung (Schulen).
Der Kern dieses Delegationssystems ist politisch: er liegt im Gewaltmonopol des Staates (Polizei und Militär), sein Symbol ist das einzige außerstaatliche Delegationsverfahren: die Delegation des Tötens der Tiere an den Metzger (der Schlachthof). Ist es ein Zufall, daß zwei „Naturtalente“ der deutschen Nachkriegspolitik Söhne von Metzgern waren (Franz-Josef Strauß und Joschka Fischer – und beide ihre Vornamen veränderten)?
Es gibt eine Sprache der Gewalt, aber sie ist eine gegen den Namen gerichtete Sprache. Wenn Recht „im Namen des Volkes“ gesprochen wird und Gesetze „im Namen des Volkes“ erlassen werden, so dementiert in beiden Fällen der Begriff des Volkes den des Namens: es ist niemand gemeint und niemand angesprochen, aber alle sind in den Schicksals- und Schuldzusammenhang des Rechts und seiner Vollstreckung verstrickt. Verweist nicht die Sintflut- und Noe-Geschichte auf diesen Zusammenhang?
Die Sprache der Gewalt ist namenlos: Ursprung und Abbild reiner Objektbeziehungen. Hier wird der Name zu Schall und Rauch.
Wie hängt der Begriff der Gewalt mit dem der Welt zusammen?
Wird das Werk des zweiten Schöpfungstages, das Firmament, das die oberen von den unteren Wassern trennt, nicht gegenständlich in der Astronomie, die zu den Konstituentien des Subjekts und (in der Alten wie in der Neuen Geschichte) zur Geschichte des Ursprungs des Staats (als Organisationsform einer Gesellschaft von Privateigentümern) gehört?
Monster und teuflisch (zwei Zeitungsüberschriften zu Privatpersonen in den letzten Tagen): Sind Verteufelung und Personalisierung nicht zwei Seiten ein und derselben Sache? Greift das nicht immer weiter um sich, und ist das nicht ein Teil der schleichenden Faschisierung der Verhältnisse, gegen die es kein Mittel gibt außer der Entmythologisierung der Begriffe im Kontext ihres objektiven erkenntniskritischen und politischen Gebrauchs (Kritik der projektiven Charakters der Begriffe)?
Ist eigentlich der Titel „Die Thora als Person“ zulässig? Darf der Logos des Johannes-Evangeliums „personal“ verstanden werden?
Das Feuer vom Himmel holen: geht das nicht nur das Wasser hindurch, während die Nutzung des Wassers, die seit der Rezeption der Philosophie die Theologie beherrscht, das Feuer löscht? – Und er „wollte, es brennte schon“. -
25.08.93
Steckt nicht in der Vorstellung einer „von der Sintflut gereinigten Erde“ (Zenger, S. 169?) das christliche Modell einer entsühnten Welt? Ist dieses Konzept nicht doch in einem verhängnisvollen Sinne opfertheologisch, dem dann der – die Menschen zu bloßen Zuschauern objektivierende und entlastende – „Geschehens“- (und Kosmos-) Begriff entspricht.
S. 172, Anm. 20: Das Keel-Zitat, wonach die „Vorstellung vom himmlischen Plan für einen irdischen Tempel … warscheinlich aus Mesopotamien ins AT eingedrungen“ sei, stammt aus einer geisteswissenschaftlichen Tradition, nach der sich in der Geschichte Vorstellungsmassen von einem Ort zum andern bewegen, wie feindliche Truppen in eine fremde Stadt in einen Text „eindringen“, blendet das Erfahrungsmoment in solchen Vorstellungen aus und verdrängt es.
Philosophie als Instrument der Sprachverwirrung: Gilt die Beziehung des Tempelbaus zur Schöpfung (S. 173) nicht generell für die Geschichte der Architektur (die damit eine Beziehung zur Geschichte der Philosophie gerückt wird, die in Heideggers „Haus des Seins“ nachklingt und auf die biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel zurückweist).
Zum Turmbau von Babel vgl. das Zitat aus dem Emuna-Mythos in der Anm. 26 auf S. 174.
In welcher Beziehung stehen eigentlich Tempel und Schrift: Steckt nicht in der Geschichte von der Auffindung der Schrift im Tempel (durch Hilkija – 1 Kön 228) mehr als ein nur zufälliger Vorgang? Drückt in dem Auffinden nicht auch etwas von der Beziehung des Autors zum Text sich aus, etwas, was es unmöglich macht, vom Willen oder von der Absicht des Autors zu sprechen? Beschreibt nicht das Auffinden auch einen wesentlichen Aspekt der Produktion des biblischen Textes?
S 174: „Nach dem Sieg im Götterkampf über die Götter Ägyptens tritt der Schöpfergott Jahwe definitiv seine Weltherrschaft an.“ Wird hier nicht Jahwe mit Zeus, mit dem Reflex des Ursprungs des Patriarchats am mythischen Götterhimmel, verwechselt?
Ist die Idee von einem „Heiligtum der Weltherrschaft“ bezogen auf den Tempel nicht antisemitisch?
Das Ganze ist das Unwahre: Die Pforten der Hölle (Mt 1618), die die Kirche nicht überwältigen werden, sind die Pforten des hades, des scheol: der Unterwelt, des Totenreichs, d.h. der Natur.
Der ungeheure Satz in Num 1333: von dem Land (Kanaan vor der Landnahme), das seine Bewohner frißt („wir sahen dort auch die Riesen“). Sh. hierzu Zenger, S. 176f.
Haben die Säugetiere (die, anders als die Fische und die Vögel, keine Eier mehr legen) nicht das Meer und den Himmel im eigenen Innern? Und stehen die Wehen nicht in Zusammenhang mit dem Aufruhr der Meere und der Winde?
Hat nicht Tilman Moser schon in seiner „Gottesvergiftung“ das Selbstbewußtsein eines Skins beschrieben: die Aggresson, die die Vorstellung, angeblickt zu werden, auslöst? Gehört das nicht in den Kontext einer verzweifelt abgewehrten und zugleich festgehaltenen symbiotischen Beziehung, deren Modell das Gerücht über Hitlers Blick aufs deutlichste vor Augen stellt? Hier sitzt das Gefühl, nicht geliebt zu werden, so tief, daß alles, was an die Aufforderung selber zu lieben, erinnert, Aggressionen, Mordlust auslöst: Deshalb der Haß auf die Armen und die Fremden.
Steckt nicht in jeder Abwehr der Psychoanalyse die Abwehr der Autonomieforderung, die von ihr ausgeht?
Wer sich ungeliebt fühlt, kennt zur Macht keine Alternative. Deshalb reizt ihn jede Erscheinung von Ohnmacht zur Wut, weil sie ihn an seine eigene erinnert. Jeder andere Ohnmächtige ist ein Konkurrent seines eigenen Liebesverlangens. (Beschreibt dieser Mechanismus nicht aufs genaueste die historische Entfaltung der Raumvorstellung?)
Ralph Giordanos Vergleich eines Statsanwalts mit einem Ochsenfrosch trifft genau das Aufgeblasene unserer Justiz. Krankt nicht der Rechtsstaat in Deutschland auch noch in ganz anderer Weise daran, daß ihm die eigene Aufarbeitung der Vergangenheit nicht gelungen ist: Er ist zutiefst pathologisch (empfindlich) geworden, und das im Kontext einer offensichtlich irreversiblen symbiotischen Beziehung zum Staat; er ist zum Verwalter der Staatsgewalt geworden. Daß unser Recht auf dem rechten Auge blind ist, ist kein Gesinnungs-, sondern ein fast nicht mehr zu behebender Systemfehler.
Nicht die Fähigkeit zur Schuldreflexion, sondern die zur Schamreflexion, die durch den Begriff der Kollektivscham unterbunden worden ist, ist die Grundlage der Herrschaftskritik: der Weltkritik. (Ist nicht das Schicksal der Schamzusammenhang, und nicht der Schuldzusammenhang, des Lebendigen?)
Krankt Erich Zengers „Gottes Bogen in den Wolken“ nicht daran, daß er an der Trennung der Quellen (J, E, P, Dtr) festhält, anstatt sich auf die Konstellationen einzulassen, die mit dieser Trennung erst sichtbar wird? Beeinträchtigt nicht z.B. die Ausscheidung der Sündenfall-Geschichte, die Verdrängung des Schammotivs, des Baums der Erkenntnis, der Schlange, des Fluchs über die Schlange, Adam und Eva (mit dem Staubmotiv, den Dornen und Disteln, den Wehen) das Verständnis der Sintflut-Geschichte (vgl. z.B. die deutliche Beziehung des Spruchs Noachs über seine Söhne zum Fluch über die Schlange, Adam und Eva)? Wie verhält sich z.B. das kreisende Flammenschwert des Kerubs vor dem Eingang des Paradieses zum Bogen in den Wolken? Welche Stellen scheidet Erich Zenger aus dem Priester-Text aus (z.B. den über den Wassern brütenden Geist Gottes), aus welchen Gründen und mit welchen Folgen?
Was fehlt:
– eine Geschichte der Banken,
– eine Geschichte der Architektur,
– eine Geschichte der Sprachen,
– eine politische Geschichte der Liturgie.
Hat der Satz, daß es zur Prophetie die Haltung des Zuschauers nicht gibt, sondern nur die Alternative: entweder man ist selbst Porphet, oder man ist Objekt der Prophetie (und am Ende wird beides eins), nicht auch die Tendenz, die prophetische Vision, das prophetische Wort endlich wahrzumachen: daß am Ende Gotteserkenntnis die Erde bedeckt wie die Wasser den Meeresboden?
Daß das Wort sich erfüllt, heißt das nicht auch, daß es endlich die Kraft des Namens (und das homologein sein Objekt) wiedergewinnt.
Das in Jesus die Schrift sich erfüllt, ist ein prophetisches, kein historisches Wort. Als historisches wäre es ein blasphemisches Wort.
Der Dekalog ist nicht harmlos: Das vierte Gebot ersetzt die Psychoanalyse, das achte Gebot die kritische Theorie.
Mit der Philosophie müssen wir auch ihren Mangel begreifen, und hier liegt die ungeheure Bedeutung Heideggers: Er hat den Geburtsfehler der Philosophie zu ihrem einzigen Inhalt (und damit kenntlich) gemacht.
Wäre nicht die Trias Schöpfung, Offenbarung, Erlösung heute weiterzutreiben in die Trias Schöpfung, Prophetie, Apokalyptik? Das ändert die dynamischen Beziehungen in der Trias, stellt sie auf eine neue Basis. Im Hinblick auf den „Stern der Erlösung“ wäre das daran zu demonstrieren, daß im Falle einer christlichen Rezeption, die noch aussteht, ein affirmativer Gebrauch des Weltbegriffs nicht mehr möglich ist. Die Welt ist in jene apokalyptische Bewegung hereingerissen, die Rosenzweig um jeden Preis draußen vor halten möchte. Aber hier ist zugleich der Verdrängungspunkt der bisherigen christlichen Theologie. Im letzten Teil des Stern der Erlösung würden sich Judentum und Islam als vorapokalyptisch erweisen (und ein Christentum, das zwangshaft versucht, sich auch als vorapokalyptisch zu verstehen, hat damit zwangsläufig beide als „Erbfeinde“).
Für das vorapokalyptische Christentum, das am affirmativen Gebrauch des Weltbegriffs erkannt wird, ist die Schöpfungslehre Teil des Herrschaftszusammenhangs, die Offenbarung (als bloße Erkenntnisquelle) Teil des Verblendungszusammenhangs, und die Erlösung (als privater Exkulpationsmechanismus) das Siegel des Schuldzusammenhangs. Zu den Folgen dieses Zusammenhangs gehört es, daß das Subjekt (der Gläubige) in diesem System in einen Trägheits- und Objektstatus gebannt bleibt. Das vorapokalyptische Christentum steht unterm Bann des von ihm selbst hervorgerufenen Inertialsystems.
Hat das Feuer, das Jesus vom Himmel bringen wollte (und er wollte, es brennte schon), etwas mit dem kreisenden Flammenschwert des Kerubs vor dem Eingang des Paradieses zu tun? -
24.08.93
Zu Erich Zenger, Gottes Bogen in den Wolken: Paßt nicht der Kriegsbogen zum kreisenden Flammenschwert?
Ein prophetischer Begriff der Erkenntnis kann die Trennung von Natur und Welt nicht akzeptieren, er schließt die Kritik der Geschichte im Sinne einer praeparatio resurrectionis mit ein. Gründet nicht die Trennung von Prophetie und Schöpfungsgeschichte in der durch die Philosophie (und den Staat) vermittelten Trennung von Welt und Natur? Diese Trennung von Welt und Natur oder die Herrschaft des Begriffs und des Rechts ist nur zu kritisieren im Kontext einer Theorie des Namens, des Angesichts und des Feuers. Nicht nur die Prophetie, auch die Schöpfungslehre hat einen Aktualitätskern, der nur durch die Kritik der Trennung von Welt und Geschichte und der zugrundeliegenden Trennung von Natur und Welt wiederzugewinnen ist (Geschichte konstituiert sich durch den Naturbegriff: durch die Leugnung der Auferstehung hindurch); und das Medium dieser Wiedergewinnung ist Erinnerungsarbeit.
In der Geschichte der drei Leugnungen ist die Magd des Hohepriesters (bei Johannes 1815ff u. 25ff) zugleich die Türhüterin, an der Petrus nur mit Hilfe des „anderen Jüngers“, der „mit dem Hohepriester bekannt war“ vorbei in den Hof hereingekommen ist. Bei Johannes fehlt der Satz von der Selbstverfluchung des Petrus und dem bitterlichen Weinen.
Zenger, S. 109: Die Flutgeschichte erzählt gerade nicht, „daß und wie der Schöpfergott diesen „Gewaltbazillus“, der die Erde vergiftet hat, durch die Flut aus der Erde herausspült“, sondern dieser „Gewaltbazillus“ ist ein Systemteil der Flut, und seitdem ist die Erde damit vergiftet (hier ist alles Fleisch erst zu Fleisch geworden, auch im paulinischen Sinne: erst hier ändern sich auch die Tiere).
Daß „die Wassertiere … in 721 verständlicherweise (fehlen)“ (S. 110), hat nicht nur den empirischen Grund, daß sie halt im Wasser leben, sondern verweist auch auf die „großen Meerestiere“ des fünften Tages, die, wie Himmel und Erde und wie der Mensch, unmittelbar von Gott erschaffen sind, und nicht nur die Sinflut überleben, sondern diese Katastrophe gleichsam antizipieren (vgl. die merkwürdige Beziehung der großen Meerestiere zur Philosophie und zum Staat: als Weltsymbole?).
S. 111: „am Neujahrstag sind die Wasser von der Erde verschwunden“. Hat das (und die Sintflut insgesamt) etwas mit dem Wechsel vom Mond- zum Sonnenjahr zu tun? – Vgl. hierzu die Anm. 27.
S. 117: Bezieht sich der Schrecken auf den Tieren in Gen 92 außer auf den Gottesschrecken bei der Landnahme (Josue) nicht auch auf den Schrecken Isaaks, und gehört nicht auch der „Schrecken um und um“ in diese Reihe? Und steht das Ganze nicht im Zusammenhang mit der Geschichte des Opfers als Vorgeschichte des Weltbegriffs? Ist nicht die Welt das subjektlose Subjekt dieses Schreckens (das subjektlose Subjekt einer Erkenntnis, deren Subjekt-Objekt der tiefste Grund dieses Schreckens, nämlich das Anderssein ist)?
Verführung und Weltbegriff (et ne nos inducas in tantationem, sed libera nos a malo): Subjekt des Weltbegriffs sind die Menschen, aber davon werden sie durch den Weltbegriff zugleich entlastet: das ist die Sünde der Welt.
Verstellt nicht auch in der Sintflutgeschichte das Chronologie-Problem den Blick auf ihre reale (und aktuelle) Bedeutung?
Verweist nicht die Vorgeschichte (mit den Göttersöhnen und den Menschentöchtern und den Riesen der Vorzeit) aufs deutlichste auf die Zeus- und Heroen-Geschichten des griechischen Mythos?
Ist nicht die Taufe (durch ihre Beziehung zur Sintflut) ein Symbol der Erinnerungsarbeit?
Ist nicht „die Seite“ in der Schrift immer die linke Seite (von der Erschaffung Evas bis zum Lanzenstich am Kreuz)?
Wie hängen die beiden – nach meinem Eindruck sehr katholischen -Wendungen im Verhältnis insbesondere zum Alten Testament zusammen:
– das „Heute wissen wir, daß …“, mit dem störende Konnotationen beiseite geschafft, verdrängt werden, aber auch wenn eine Stelle dem Stand der naturwissenschaftlichen oder der historisch-kritischen Erkenntnis nicht mehr entspricht, und
– die projektiv dem biblischen Autor unterstellte Absicht, die Behauptung zu wissen, was der biblische Autor an einer Stelle gemeint hat (insbesondere, wenn diese „Meinung des Autors“ mit dem Wortlaut des Textes nicht übereinstimmt)? Wäre hier nicht zu prüfen, ob die Vorstellung von der biblischen Autorschaft nicht in der Tat sehr projektive Züge trägt, und bestimmt ist vom eigenen Verfahren: vom Abschreiben aus Büchern in Zettelkästen und aus Zettelkästen in neue Bücher. Verkennt diese Vorstellung nicht doch zentral den realen Prozeß der literarischen Produktion in einer Welt, in der es noch keine Sekundärliteratur (die alle Quellentheorien gerne in die Texte hineinschmuggeln möchten) gibt?
War nicht in der alten Welt das Verhältnis zur Sprache (bis hin zum Logos-Begriff des Johannes-Evangeliums) ein wesentlich anderes als unser heutiges, durch Rechtfertigungszwänge sowie durch Mathematik und Ökonomie zerstörtes und verwirrtes Verhältnis? Und ist nicht ein zentrales Moment der „Schrift“ Sprachreflexion?
So wie zwischen dem „Stern der Erlösung“ und uns Auschwitz steht, so steht zwischen der Schrift und uns die zweitausendjährige Geschichte des Christentums, die in Auschwitz endet. Hier gründet die erschreckende und beklemmende Aktualität der Schrift.
Nochmal zur Stelle: Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde, die Jesus dann selbst, so als sei es nur eine rhetorische Frage gewesen, beantwortet: Ihr werdet den Kelch trinken, aber das Sitzen zu meiner Rechten oder Linken habe nicht ich zu vergeben, sondern der Vater. – Nirgend kommt die Mittler-Rolle dramatischer zum Ausdruck als hier.
Ist nicht die Geschichte der Dogmatisierung eine Geschichte der Subjektivierung (als welche sie zur Vorgeschichte der subjektiven Formen der Anschauung, ihrer Trennung vom Licht, gehört)? Und ist sie nicht (wie die subjektiven Formen der Anschauung) über den Weltbegriff herrschaftsgeschichtlich strukturiert (Verdrängung und Verachtung der Armen und der Fremden)? Bezeichnen nicht Gott, die Armen und die Fremden die andere Seite der Geschichte der Subjektivierung?
Ist nicht das Feuer die Vermittlung zwischen dem Inertialsystem und dem Licht, und das Plancksche Strahlungsgesetz (zusammen mit der speziellen Relativitätstheorie Einsteins) der innerphysikalische Ausdruck dieser Vermittlung? -
22.08.93
Ist der Personbegriff nicht ein Reflexionsbegriff der neutralisierten Welt (er bezeichnet den Schauspieler im Drama und das rechtlich schuldfähige Subjekt).
Die sieben Siegel: Taufe, Firmung, Buße, Eucharistie, Priesterweihe, Ehe und Salbung.
Wer den Faschismus nur unter dem Aspekt der Schuldfrage reflektiert, verfehlt ihn. Zu Auschwitz gibt es kein objektives Verhältnis mehr; das Besondere an Auschwitz ist die nicht mehr abweisbare Einsicht, daß man auch durch Nichthandeln (auch durch die Distanz des „historischen Betrachters“) schuldig wird. Mit Auschwitz enthüllt sich Objektivität insgesamt als Schuldzusammenhang.
Grund des Weltbegriffs: Der Raum ist ein sich-selbst-tragendes Konstrukt (das reine Sich-Fortzeugen); er scheint nur hingenommen werden zu können und jeder Begründung und Reflexion sich zu entziehen. Die Konsequenzen allerdings sind unabsehbar.
Die scheinbar so einfache und klare Struktur des Raumes ist in Wahrheit ein Produkt der Zerwirbelung der raummetaphorischen Elemente der Sprache:
– im Angesicht und hinter dem Rücken,
– rechts und links (Gerechtigkeit und Barmherzigkeit),
– oben und unten (Herr und Knecht).
Dies ist der Knoten, den Alexander als Erbe der Philosophie und Begründer des Cäsarismus, nur durchschlagen hat, während es darauf ankäme, ihn zu lösen.
Hat nicht die Entdeckung des Winkels, der Orthogonalität, jene Seitenansicht der Dinge erst eröffnet und begründet, die dann die Begründung der Philosophie und die Konstituierung des Weltbegriffs (die Trennung des Natur- und Weltbegriffs) ermöglichte? Die ganze nachfolgende Geschichte, einschließlich des Ursprungs und der Ausbildung des Dogmas im Christentum, steht unter diesem Vorzeichen und war so die Voraussetzung für den europäischen Objektivations- und Säkularisationsprozeß. In diesem Prozeß ist die Seitenansicht dann zur Totalen geworden: zum Inertialsystem (der Verkörperung des Jeremias-Wortes vom „Grauen um und um“).
Vgl. die schöne Stelle in Büchners „Lenz“: Sehen Sie, Herr Pfarrer, wenn ich Gott wäre, ich würde retten, retten.
Die Verführung des Feminismus: Wenn der Faschismus eine aus der Logik des Patriarchats erwachsene Erscheinung ist, dann ist der Feminismus gleichsam apriori exkulpiert. – Die große Bedeutung des Feminismus liegt darin, daß sie die politische Dimension des Sexismus wiederentdeckt hat.
Gibt es eigentlich zum Schuldzusammenhang (und zum Rechtfertigungs- und Exkulpierungszwang) keine Alternative mehr?
Die Unfähigkeit zur Schuldreflexion, die einhergeht mit der Unfähigkeit zur Sprachreflexion, reproduziert den Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhang, in dem sie gründet.
Die technische Adaption der kritischen Theorie subsumiert sie unter Rechtfertigungs- und Alibizwänge.
Die Kritik der Postmoderne, die Kritik Drewermanns und auch die Kritik Edith Steins trifft zwar den Sachverhalt, verdrängt aber zugleich das Problem und verfällt deshalb der Bekenntnislogik, der Vorstellung, das Bekenntnis zur richtigen Anschauung würde schon etwas ändern.
Man muß sich klarmachen, daß das Inertialsystem das Referenzsystem aller physikalischen Erscheinungen, Begriffe und Gesetze ist, mit zwei Grenzfällen:
– der speziellen Relativitätstheorie und
– den Statistik-Gesetzen, insbesondere dem Planckschen Strahlungsgesetz.
In beiden wird die Selbstreferenz und das Problem der Vermittlung im System als Gesetzeszusammenhang zu einem Teil des Systems. Die „empirischen“ Konstanten (der Wert der Lichtgeschwindigkeit und das Plancksche Wirkungsquantum) sind selber auch Knotenpunkte des Systems. Hier liegt der objektive, in der Physik selber verankerte Grund einer Theorie des Feuers.
(Sind nicht die Banken die black boxes der Ökonomie?)
Sind die drei großen und die zwölf kleinen Propheten Reflexgestalten der Patriarchen und der zwölf Söhne Israels? -
21.08.93
Gründet nicht das Königtum über David in der Prophetie, das Kaisertum hingegen über Alexander in der Philosophie? So konnte das Christentum erst Staatsreligion werden, nachdem es als Dogma zum Teil der Philosophie (eine Phase im europäischen Aufklärungsprozeß) geworden war.
Im Vordergrund der Diskussion der deutschen Physiker in Farm Hall bei Cambridge (sh. die Dokumentation in der FR von heute), als sie die Nachricht vom ersten Einsatz der Atombombe erhielten, stand die Schuldfrage, aber in einer merkwürdig gespaltenen Version:
– als Erleichterung darüber, daß ihnen die Entscheidung über die Mitarbeit an der Bombe erspart geblieben ist, und zugleich
– als Furcht, daß ihnen in Deutschland das Versagen vor der möglicherweise kriegsentscheidenden Entwicklung der Bombe als Schuld am verlorenen Krieg angelastet werden könne.
Die größte Überraschung und die eigentliche Kränkung scheint jedoch darin gelegen zu haben, daß nicht sie, die Welt-Elite der Physik, sondern diese „Dilettanten“, die nach ihrem Verständnis provinziellen amerikanischen Physiker, den wissenschaftlichen Erfolg erringen konnten.
Gehören nicht „Klugscheißer“ und „Hirngespinste“ sprachlogisch zusammen, und bezeichnen sie nicht einen höchst realen und zugleich erschreckenden gesellschaftlichen Tatbestand?
Warnung vor der Bendorf-Euphorie: Warum fällt den Christlich-Jüdischen Gesellschaften bis heute zu Rostock nichts ein?
Ich glaube nicht, daß man Auschwitz relativiert, wenn man die Indianermorde, die Todesschwadrone und die Folter in den Gefängnissen der Dritten Welt (und jetzt die Ausländerhatz in Deutschland) als Metastasen von Auschwitz begreift. Auschwitz ist nicht vergangen; und Auschwitz ist kein Gegenstand von „Vergangenheitsbewältigung“.
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