Naturwissenschaft, Sexualmoral und die Geschichte der Scham („Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten, daß sie nackt waren“).
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25.11.91
An der Mundpartie erkennt der in die Geheimnisse der Zivilisation Eingeweihte, ob der andere bereit ist mitzulachen (ob er Person ist: vgl. das Augurenlächeln und den Eicherschen Begriff der „Augurenreligion“ – Michael Weinrich in Einwürfe 4, S. 140). Wer hat angefangen, sich zu rasieren, und seit wann? Die Philister und die Ägypter waren bartlos. Für die Griechen sind die Barbaren sowohl die Bärtigen als auch die Stammelnden.
Hat das Rasieren etwas mit der Herstellung des poker-face zu tun? Und ist das poker-face nicht das Gesicht dessen, der selbst den Witz erzählt und nicht darüber lachen darf?
Das diabolein beginnt mit der Erkenntnis des Guten und Bösen und endet mit der Unfähigkeit, rechts und links zu unterscheiden.
Diabolos (oder die entsetzliche theologische Verwirrung im Katholizismus; vgl. die Versuchungen Jesu – Mt 41-11, Mk 112-13, Lk 41-13): Wer andere „durcheinanderwirbelt“, verwirrt den Orientierungssinn. Der Verwirrte kann rechts und links (sowie vorn und hinten) nicht mehr unterscheiden. Er kennt nur noch oben und unten, aber in einer Weise, die es ihm verwehrt, sich oben zu halten. Unsere Theologie müßte auf den Stand gebracht werden, auf dem die Dichtung seit Goethes „Faust“ (vgl. auch Thomas Manns „Doktor Faustus“) und die Philosophie seit Hegels „Phänomenologie des Geistes“ bereits ist. Mit der Etablierung des Raumes (i.e. des Inertialsystems) gegen die Natur und mit der Zurichtung der Ökonomie zum System (durch die Subsumtion der Arbeit unters Tauschprinzip und durch dessen unversale Ausbreitung: die Zerstörung aller „naturwüchsigen“ Verhältnisse) wurde die Orientierungskraft der Offenbarung (ihre erhabene Anthropozentrik) zerstört.
Das Wort Satan hat nach Gershom Scholem im Hebräischen die Bedeutung „Ankläger“, die Bezeichnung Diabolos ist griechisch und bedeutet „Verwirrer“. Die hebräische Bezeichnung stammt aus dem Rechtsbereich, die griechische aus dem räumlich-logischen.
Der Ankläger ist der Verführer: er verführt zur Empörung oder zur Rechtfertigung. Maßgebend ist ist der projektive Umgang mit der Schuld.
Was uns das Festeste zu sein scheint, der Raum, das Geld, das dogmatisierte Bekenntnis (die Orthogonalität, die Stabilität und die Orthodoxie) ist gerade die Quelle und der Ursprung der Verwirrung.
Unterm Zwang des Systems ist die Moral (vgl. die Konstruktion der Wertethik: Moral als anklagende, urteilende, richtende Instanz; Zusammenhang mit dem akkusatorischen Objektivationsprozeß; die Wertethik kennt kein Pardon) zu einem Instrument im Schuldverschubsystem geworden: mit der Nutzung des Scheins der exkulpatorischen Kraft des moralischen Besserwissens (des moralischen Urteils und des vergesellschafteten Bekenntnisses, deren innere Triebkraft die Empörung ist) ist sie zu einem Instrument des hemmungslosen Projektierens geworden, das sowohl dem Gebot der Feindesliebe als auch dem Nachfolgegebot widerspricht (dem Gebot, die Schuld der Welt auf sich zu nehmen, anstatt sie -sich selbst exkulpierend – in den anderen dingfest zu machen).
Omne ens inquantum est ens est bonum: dieser Satz enthält einen utopischen Begriff des „Seienden“. -
24.11.91
Das analsadistische Vokabular schließt die Mimesis a limine aus. Es dementiert das „non olet“. Im Kontext einer homosexuellen Komponente (des männlichen Sexismus) macht es die Sexualmoral zur Basis der Kapitalismuskritik (Grundlage der Personalisierung).
Das petrinische Vorurteil: Personalisierung und Sexualmoral gehören zusammen und sind Folgen der Bekenntnislogik. Deshalb kann der Katholizismus die Sexualmoral nicht aufgeben und Frauen nicht zum Priesteramt zulassen. Dieses Syndrom kommt in der Abtreibungskampagne in die Nähe der Selbstverfluchung.
Steckt nicht in jedem Werturteil eine sexualmoralische Komponente (und ist das analsadistische Vokabular der Kern aller Werturteile)? Oder umgekehrt: Ist das Wertgesetz das obszöne Zentrum des Kapitalismus?
Sexualaufklärung ist der falsche Begriff für einen richtigen Sachverhalt; worauf es ankäme, wäre:
– die Fähigkeit, Sexualität ohne Schuldangst (ohne Rechtfertigungs- und Projektionszwang) zu reflektieren;
– die Anerkennung des „erste(n) Gebot(s) der Sexualmoral: der Ankläger hat immer unrecht“ (Adorno: Minima Moralia); und
– die Anerkennung des Satzes, daß ich niemanden zum bloßen Mittel meiner Bedürfnisse machen darf.
Die Übernahme der Schuld der Welt setzt die Fähigkeit zur freien Reflexion des Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhangs voraus, insbesondere die Fähigkeit zur freien Reflexion
– von Sexualität,
– der Naturwissenschaften,
– des Kapitalismus und
– der Religion.
Darin liegt das Befreiende des Christentums (ama et fac quod vis).
Furcht und Zittern: Es müßte heißen: Gottesfurcht, aber ohne Zittern (Zittern gehört zur Herrenfurcht, nicht zur Gottesfurcht).
Die zuletzt von Drewermann wieder genutzte Charakterisierung der jüdischen Religion als Gesetzesreligion, die einen paulinischen Begriff aufnimmt, ist in dieser Form ein Element des Antijudaismus: eher trägt das Dogma die Züge einer Gesetzesreligion als die Tora. Historisch hat sich das Dogma, und nicht die Tora, als Mittel der Anpassung der Religion an die Welt (an dessen Konstitutionsgrund der Gesetzesbegriff erinnert) erwiesen. Der antijudaistische Gebrauch des Gesetzesbegriffs ist Produkt reiner Projektion. Selbst der Dekalog ist keine Verkörperung des Gerichts (das zum Tode führt), sondern eine der Gnade, der Barmherzigkeit (die christliche Tradition, die hier offensichtlich verlernt hat, „links und rechts zu unterscheiden“, hat nicht zuletzt deshalb keines der zehn Gebote verstanden: vom „keine Götter neben mir“ und von der „Heiligung des Gottesnamens“ bis zum Verbot des falschen Zeugnisses wider den Nächsten und des „Begehrens“).
Die weltkritische Tradition des Christentums ist insoweit bis heute nicht verstanden worden, als sie bis heute nicht auf das weltkonstituierende Moment im Subjekt selber bezogen worden ist, umgekehrt: vom Christentum zur Heiligsprechung der Subjektivität als Weltgrund mißbraucht wurde (im christlich-dogmatischen Gebrauch des Person- und des Bekenntnisbegriffs). Anstatt sie auf die Äonenwende, den Ursprung und Verlauf des weltkonstitutierenden Objektivationsprozesses zu beziehen, wurde das Christentum selber zum Träger dieses Prozesses: Seitdem steht es sich selbst im blinden Fleck. Das Geheimnis dieses Prozesses hat Kant in der Kritik der reinen Vernunft: im Zusammenhang von transzendentaler Ästhetik und Logik, ausgesprochen. In diesen Prozeß ist (als verhängnisvolles Erbteil eines Christentums, für das die Umkehr ein Fremdwort geblieben ist) der Exkulpationsmechanismus eingebaut, der dem begrifflichen Denken insgesamt zugrundeliegt.
Die Trinitätslehre als Gottesfurcht-, Umkehr- und Nachfolge-Vermeidungs-Maschine.
Die Philosophie partizipiert an der Stummheit des Helden; und diese Stummheit vollendet sich in der transzendentalen Logik, in der das Objekt endgültig namenlos wird und die Sprache der Erkenntnis ihre benennende Kraft verliert. Diese Stummheit ist erstmals im Universalienstreit: im Nominalismus zum Bewußtsein ihrer selbst gebracht worden (nomina sunt flatus vocis; Name ist Schall und Rauch).
Erinnerungsarbeit ist der Versuch, den Schuldzusammenhang aufzulösen, in dem sich (zuletzt in der traszendentalen Logik Kants) das namenlose Objekt konstituiert, und der Sprache ihre benennende Kraft zurückzugewinnen.
Was hat Jona der Stadt Ninive gesagt?
In Heideggers „Geschick des Seins“ reflektiert sich die schicksalhafte Struktur des Begriffs, sein Verhältnis zum Schuldzusammenhang, seine sprachzerstörerische Gewalt.
Der Logos (die benennende Kraft der Sprache) konstituiert sich in der Übernahme der Schuld der Welt. -
21.11.91
Bekenntnis (Hypostasierung des Raumes, Logik des Geldes) = Isolationshaft des Geistes.
Daß der Himmel sich wie eine Buchrolle aufrollt, ist ein Bild für die Auflösung des Objektivierungsmechanismus, der uns von der Vergangenheit trennt, sie uns gegenständlich macht. Und das wird sein, wenn wir die Sprache beherrschen und nicht mehr die Sprache uns.
Der Durchbruch der naturwissenschaftlichen Aufklärung ist erfolgt, als es gelang, den Raum gegen die theologische Metaphorik abzuschirmen, ihn davon abzutrennen und die theologische Metaphorik als bloß subjektiv und bloße Anthropozentrik zu diskriminieren. Die Raummetaphorik konnte allerdings nicht ganz zum Verschwinden gebracht werden: Die Unterscheidung von oben und unten ist geblieben; sie hat die Erinnerung daran erhalten, daß die Abstraktion von der theologischen Metaphorik nur dem Herrendenken zugute gekommen ist.
Zur Unterscheidung von Im Angesicht und Hinter dem Rücken: sie paßt genau zu dem Hinweis Horkheimers, es sei eigentlich unvorstellbar, daß auf dem riesigen Leichenberg, den die Vergangenheit uns hinterlassen hat (gleichsam auf dem Rücken der Leiden der Vergangenheit), einmal die richtige Gesellschaft errichtet werden könne.
Die Subjektivierung der theologischen Metaphorik, die zusammenging mit der Derealisierung und Subjektivierung der „sekundären Sinnesqualitäten“, hat der Gemeinheit den Weg frei gemacht.
Das, was Levinas (gegen Buber, aber auch gegen den pseudotheologischen Begegnungsbegriff) die Asymmetrie der Ich-Du-Beziehung genannt hat, läßt sich demonstrieren am Verhältnis von Subjekt und Objekt im Raum.
Kant hat dem sokratischen daimon dingfest gemacht im System der transzendentalen Ästhetik und Logik (insbesondere der Raum erfüllt präzise die Funktion des diabolos gegen die Sprache: er macht das Objekt namenlos).
Nach Ebach ist die Wendung Im Angesicht sowohl auf Gott als auch auf den Feind bezogen: Ist nicht darauf das Gebot der Feindesliebe anzuwenden? Erscheint uns das Antlitz Gottes nicht prima facie im Gesicht des Feindes?
Entkonfessionalisierung der Kirchen heißt: aus den Gestalten der selbstverschuldeten Entfremdung der Kirchen heraustreten, sich befreien.
Das Trägheitsprinzip im Inertialsystem entspricht der Winkelfunktion im Raum (Zusammenhang mit dem Verfahren der Begriffsbildung); es bezieht – ähnlich wie die Winkelfunktion die räumlichen Dimensionen – die Zeit und die Materie in ein gemeinsames metrisches System mit ein. Die Konstituierung des Trägheitsprinzips hat das Relativitätsprinzip zur Voraussetzung. -
20.11.91
Zur Bemerkung eines Kirchenhistorikers (zum Verhältnis der Kirchen zum Nationalsozialismus und zur Shoah), es gehöre zu den Verführungen der Nachgeborenen, aufgrund der genaueren Kenntnisse besser über die Vergangenheit urteilen zu können als der Zeitgenosse.
– Der apologetische (exkulpierende) Gebrauch dieses Arguments ist unzulässig: Wenn die Fakten, die Grundlage des Urteils des Nachgeborenen sind, stimmen, wenn sie nicht zu leugnen sind, dann kann man sie nicht durch den Hinweis auf den Vorteil, den der Nachgeborene aus seiner späten Geburt zieht, aus der Welt schaffen.
– Die Wahrheit dieses Arguments liegt an anderer Stelle:
. Die Vorstellung, daß der Nachgeborene aus seiner späten Geburt einen Vorteil ziehen kann, hat christliche Ursprünge, die im übrigen mit dem christlichen Antijudaismus (der Quelle des Antisemitismus) zusammenhängen: Das Bekenntnis ist grundsätzlich das Bekenntnis des Nachgeborenen, der sich von der Vergangenheit distanziert, sie in die Perspektive der Objektivität rückt: der so glaubt, die Vergangenheit (insbesondere die jüdische Vergangenheit des Christentums) „überwunden“ zu haben. Der kirchliche Antijudaismus ist die Projektionsfolie, auf die das kirchliche Dogma, der zum Bekenntnis umgeformte Glaube, aufgetragen wird, und die dem Christen den Sündenbock liefert und die eigene Erinnerungsarbeit erspart (Ursprung der Heuchelei, die sich selbst nicht mehr durchschaut, deshalb ihre Unwahrheit als Aggression nach draußen kehren muß).
. Die projektive Nutzung des besseren Wissensstandes der späten Geburt ist in der Weigerung begründet, das Nachfolgegebot zu erfüllen; sie ist ein Mittel, die exkulpierende Kraft des moralischen Urteils (der Empörung) sich zuzueignen, ohne dem Schmerz der Gottesfurcht sich zu stellen. Aber die Vorstellung, daß die Verurteilung fremder Schuld den Urteilenden in den Stand der Unschuld versetzt, ist schlimmste Magie (und der Grund fürs Überleben der Magie im christlichen Bekenntnis).
Auch die Nachgeborenen stehen im Hinblick auf Auschwitz auf der Täterseite; oder: Auschwitz ist nicht vergangen, seine Voraussetzungen überleben im Bewußtsein und Unbewußtsein der Überlebenden; mitschuldig ist jeder, der diese Erbschuld nicht als Teil seiner selbst begreift, für den er einstehen muß. -
19.11.91
Gott hat nicht die Welt sondern Himmel und Erde erschaffen, d.h. außer der Erde (mit dem Himmel) auch die Umkehr.
Seit dem Ursprung des Weltbegriffs bedarf es der Idolatrie nicht mehr; der Weltbegriff leistet seitdem dasselbe, was vorher der Götzendienst leistete. Und die jesuanische Übernahme (nicht Hinwegnahme) der Schuld der Welt steht in der Tradition der Kritik der Idolatrie und des Bilderverbots. Das Bewußtsein davon klingt nach in dem mittelalterlichen Bild der Frau Welt, die in der Tradition des prophetischen Begriffs der Hurerei und des Bildes der Hure Babylon steht.
Der kirchliche Antijudaismus war das Mittel, die prophetische Idolatrie-Kritik zu adaptieren, ohne sie auf sich selbst (die Kirche) beziehen zu müssen. Ohne den Antijudaismus wäre die Dogmenentwicklung (als Anpassung des die Welt) und ihre Voraussetzung, die Hypostasierung des Weltbegriffs (die Quelle der Häresien) nicht möglich gewesen
Die vollständige Säkularisation der Religion ist der Faschismus.
Der Fundamentalismus ergibt sich aus dem Festhalten des Prinzips der wörtlichen Wahrheit der Schrift unter den Prämissen des Weltbegriffs und des Herrendenkens.
Der Fundamentalismus (miß-)versteht die Bibel als Lehrbuch der Geschichte oder der Physik; er verfällt eben damit dem Bilderverbot.
Die Vergöttlichung des Opfers ist die christologische Verführung.
Ist das Firmament ein System aus Spiegelungen und Brechungen, dessen Entschlüsselung erst gelingt, wenn ein diachronischer Geschichtsbegriff möglich ist?
Die Apokalyptik steht in der prophetischen Tradition, sie ist deren Weiterbildung unter der Voraussetzung des etablierten Weltbegriffs. Und die apokalyptische Vorstellung des Weltuntergangs bezieht sich auf diese Hypostase, ist Produkt und Ausdruck der Auseinandersetzung mit der (nachprophetischen) „Welt“. Die Frage, ob die Apokalyptik in der Form, wie der Fundamentalismus sie dingfest zu machen versucht, auf die physikalische (oder astronomische) Realität sich bezieht, kann offen bleiben (genauer: diese Frage stellt sich jetzt nicht mehr; in den Minima Moralia gibt es ein Stück, das heißt „Nach Weltuntergang“).
Das Buch Jona ist eine postapokalyptische Schrift:
– Die Prophetie richtet sich nicht nach innen, sondern nach außen (gegen Ninive, die „große Stadt“).
– Am Ende stellt sich heraus, daß Gott barmherzig ist (Gericht der Barmherzigkeit über das gnadenlose Weltgericht).
– Gott begründet die Barmherzigkeit mit dem Hinweis auf die 120.000 Menschen, die rechts und links (Gnade und Gericht) nicht unterscheiden können, und auf „so viel Vieh“.
Ist Jona nicht die genaue Gegenfigur zum Bileam (ein jüdischer Prophet gegen Ninive, ein moabitischer/midianitischer Prophet über Israel? Das NT spricht vom „Zeichen des Jona“ und von der „Sünde Bileams“.
Erst wenn uns die Möglichkeit der Auferstehung der Toten nicht mehr erschreckt – und das ist nach Auschwitz unmöglich -, wird der Messias kommen.
Zum Satz Kafkas „Es gibt unendlich viel Hoffnung, nur nicht für uns“: Es gibt keine Garantie, die steht bei Gott.
Es gibt keine Heiligen mehr in dieser Welt, es sei denn, sie heißen Franz K., Schönfließ und Wiesengrund.
Die nach dem zweiten Weltkrieg modisch gewordene Wendung „Ich würde sagen …“ drückt eine geschichtsphilosophischen Sachverhalt aus: Es ist nicht mehr möglich ungebrochen theologisch zu reden (apodiktisch zu urteilen).
Die Realität heute ist ein kurzer Prozeß über die Kinder, die überall von Real-Verboten umstellt sind, deren Übertretung unmittelbar geahndet wird.
Zum Begriff der Strafe (läßt sich das Strafrecht überhaupt noch begründen: Gemeinheit ist kein strafrechtlicher Tatbestand): Zusammenhang von Strafe, Recht und Bekenntnislogik (Ursprung und Geltung des Weltbegriffs). Der Kreuzestod („Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“) und das Problem der Strafe.
Strafe verhindert a limine (als Institut) die Gottesfurcht, und zwar auf beiden Seiten: durch Fixierung des Strafbedürfnisses (im Interesse der Erhaltung der „Welt“) und durch das, was sie dem, den sie der Strafe unterwirft, antut.
Läßt sich das Nationalprinzip unreflektiert auf die Alte Welt, insbesondere auf Israel, anwenden? Was bedeutet hier Volk, Nation, Sprache? Was heißt Assur, Babel, Moab, Amalek; Kanaanäer sind Händler; Israeliten sind für Ägypten, die Philister, bei Jona für die Schiffsleute (bei Judith für Holofernes) Hebräer (Sklaven, Söldner, Kleinviehnomaden). Wie lautet die hebräische Bezeichnung für die Ägypter, und was bedeutet sie?
Thomas Ziehe (FR vom 19.11.91) leitet das Individuationsprinzip aus dem Konkurrenzverhältnis ab; das Konkurrenzverhältnis bezeichnet aber gesellschaftlich durchaus verschiedene Sachverhalte:
– Im Handel und in der Produktion bezieht es sich auf den Markt,
– in der Verwaltung (wie in der Kirche und beim Militär) auf die Karriere (die Teilhabe am Sakrament der Macht), während
– die Anwendung aufs Proletariat nur auf den „Aufstieg“ aus dem Proletariat sich bezieht.
Sind die Atome das Proletariat der Mechanik, und ist die Astronomie die Verwaltung?
Der Begriff des Daseins ist aus der Hegelschen Diskussion des hic et nunc abzuleiten: Das Da ist das Hier für andere.
Ich habe Elias Canettis „Masse und Macht“ immer als Gegenpol und als Ergänzung zur „Dialektik der Aufklärung“ verstanden: Hier geht es beidemale um die gleiche Sache, das einemal um ihren naturalen Aspekt, das anderemal um ihren historisch-gesellschaftlichen und um ihre erkenntnistheoretischen Aspekt. -
14.11.91
Horkheimers Bemerkung (in: Die Juden und Europa, geschrieben 1939), daß „die Sphäre der Zirkulation … ihre ökonomische Bedeutung“ verliere und „die berühmte Macht des Geldes … im Schwinden begriffen“ sei, ist wahr und unwahr zugleich. Die „zunehmende Ausschaltung des Marktes“ und die Rückkehr zum archaischen Raub ist nicht einfach des Gegenteil des „gerechten Tauschs“, sondern dessen andere Seite; und die Sphäre der Zirkulation hatte ihre „ökonomische Begründung“ nur im Rahmen des Scheins, den das Tauschprinzip selbst erzeugte, zu dessen Erhaltung es aber immer schon der (schließlich staatlich monopolisierten) Gewalt bedurfte. Dieser Schein besteht weiter und verbirgt wie eh und je hinter seiner Fassade die Geschichte der Opfer und den realen Schuldzusammenhang (Rohstoffe: Ausbeutung der Dritten Welt, Krise des Energie- und des Agrarsektors; Arbeitskraft: dank der Instrumentalisierung der Arbeitslosigkeit entfällt die Notwendigkeit der Zwangsarbeit; Verschuldung/Gewalt: Arbeitslosigkeit drinnen und Verschuldungskrise draußen sind nur gegen Unwägbarkeiten abzusichern durch Produktion von realem Vernichtungspotential, dessen Höhe der der Gesamtverschuldung – dem hierdurch erzeugten potentiellen Vernichtungspotential – entsprechen muß).
Wie hängt das E = m.c2, die Äquivalenz von Masse und Energie, mit der Gewalt, die der mathematische Raum gegen die Dinge repräsentiert, zusammen?
Die Gewalt des realen Schuldzusammenhangs läßt sich an der der Exkulpationskräfte, der Rechtfertigungszwänge, messen. Diese verhexen jegliches Bewußtsein: die Erkenntnis, das Wissen und die Logik, durch die Begründung und die Gewalt des Bekenntniszwangs.
Gibt es Untersuchungen über die kabbalistische Zahlenmystik und über die Planeten- und Engellehre? -
13.11.91
Physik und Sündenfall: Die Erkenntnis des Guten und Bösen gründet im Primat des Prädikats gegenüber dem Subjekt; sie markiert die Genesis der Logik und des Begriffs, der dann, indem er sich auf sich selbst bezieht, als Subjekt sich konstituiert, das Objekt namenlos macht, es für die mathematische Gestalt der Erkenntnis, die sich rein im prädikativen Bereich bewegt, freigibt. Ableitung der instrumentalisierenden Gewalt der objektivierenden Erkenntnis (des Zusammenhangs von Objektivation und Instrumentaliserung und seines Ursprungs in der Idolatrie). In der Instrumentalisierung drückt sich die Trennung von Gutem und Bösem aus, die dann durch Verallgemeinerung (durch die Ablösung von der Beziehung auf „mich“ und die Herstellung der Beziehung zum Allgemeinen, letztlich zum Staat) zur reinen Form der Instrumentalisierung wird.
Hat die Geschichte mit dem „dreimal wirst du mich verleugnen“ mit der Beziehung von Bekenntnis und Raum zu tun?
– Zuerst wird Petrus direkt (von vorn) angesprochen,
– dann wird über ihn (zu seiner Seite) gesprochen,
– schließlich dringen die Umstehenden auf ihn ein (von allen Seiten), hier kommt es zur Selbstverfluchung (Steigerung der Identifikation mit dem Aggressor).
Wer ist die Magd, und wer sind die Umstehenden?
Konzept (Thesen):
– Gott hat Himmel und Erde und nicht die Welt erschaffen.
– Die Welt ist ein Teil des historischen Prozesses, an ihn gebunden und nicht von ihm zu trennen (sie konstitutiert sich als Welt im historischen Prozeß, unter nachvollziehbaren Bedingungen, zu denen auch das „Subjekt“ gehört). Der Begriff der Welt hat außerhalb dieses Prozesses keine Bedeutung.
– Der Begriff der Welt zieht dann als zweiten Begriff den der Natur nach sich; beide, Welt und Natur, sind Totalitätsbegriffe, die in bestimmbaren logischen Beziehungen zueinander stehen und deren Anwendung bestimmten logischen Gesetzen unterworfen ist.
– Grundlage ist der Prozeßbegriff, und zwar sowohl im historischen („Fortschritt“), als auch im juridischen Sinne, im Sinne eines Rechtsverfahrens.
– In diesem Rechtsverfahren bezeichnet der Weltbegriff die Momente der Anklage und des Urteils, die Natur das Objekt des Verfahrens (der Anklage und des Urteils). Anmerkung: in der neueren Kirchengeschichte scheint der Protestantismus die Seite der Welt zu repräsentieren (vgl. die Rechtfertigungslehre, das „pecca fortiter“, die Lehre von der Obrigkeit und den zwei Reichen), der Katholizismus die der Natur (Dogmenverständnis, Sakramentenlehre, die Formen der Schuldverarbeitung, mit der Folge heute, daß der übermächtige Exkulpationstrieb die Identifikation mit dem Aggressor fast unausweichlich macht, zu den kirchlichen Bindemitteln gehört).
Klingt in dem „und viel Vieh“ im letzten Satz des Buches Jona der Name des Behemot an?
Es gibt im historischen Objektivierungsprozeß ein Nebenprodukt, aus dem sich zwangsläufig der Antisemitismus ergibt. Wer vom Taumelkelch des Herrendenkens getrunken hat, kommt zu einem Begriff des Absoluten, in dem kein Glied nicht trunken ist.
Der Gedanke an die Nachwelt, die unser Handeln rechtfertigt oder verurteilt, an die „Geschichte“ als letzte Instanz: das Bewußtsein, daß politsche Taten „historisch“ sind, ist der Antike fremd. Wenn ein neuer Pharao die Denkmäler und Inschriften seines Vorgängers zerstört, dann ist das ein magischer Akt: er will nicht die Erinnerung beseitigen, sondern die gegenwärtige, auch nach dem Tod noch weiterlebende Gewalt eines Rivalen. Und wer sich selbst und seinen Taten ein Denkmal setzt, will überleben, nicht in der Erinnerung der Nachwelt „gerechtfertigt“ sein. Die höhere Warte dessen, der bloß überlebt, ist eine Erfindung des säkularisierten Christentums. -
12.11.91
„Je höher der Silbergehalt der Münze wäre, desto größer und denkwürdiger wäre der Ruhm des Königs Sigismund für die Nachwelt und desto strahlender der Abglanz seines Glücks.“ (Nicolaus Copernicus in: Brief der Räte Preußens an Ludwig Dietz; Erich Sommerfeld: die Geldlehre des Nicolaus Copernicus, Vaduz 1978, S. 117).
„Es ist, dünkt mich, eine sehr unphilosophische Idee, unsere Seele als ein bloß leidendes Ding anzusehen; nein, sie leihet auch den Gegenständen.“ (G.C.Lichtenberg: Aphorismen Briefe Schriften, Hrsg. Paul Requadt, Stuttgart 1953, S. 112) – Anwendung auf eine Theorie des Geldes und der Banken? Und was „unsere Seele“ den Gegenständen „leihet“: ist das nicht ein Teil des geldwirtschaftlichen Erbes der Schuldknechtschaft? Ist das Meer als Symbol der „Völker und Menschenmassen, Nationen und Sprachen“ (Off 1715) nicht genau der Inbegriff dessen, was dann „alle Welt“, das „Ausland“, auch die „Nachwelt“ genannt wurde (die Nachwelt ist die Welt).
S. auch „Warum hat Deutschland noch kein großes öffentliches Seebad?“ (Lichtenberg, S. 412ff)
„Und er sagte zu mir: Du hast die Gewässer (ta hydata) gesehen, an denen die Hure sitzt; sie bedeuten die Völker und Menschenmassen, Nationen und Sprachen.“ (Off 1715, vgl. 171: epi hydaton pollon) – „Und das Meer (hä thalassa) gab die Toten heraus, die in ihm waren …“ (2013) – „… auch das Meer ist nicht mehr.“ (211) -
11.11.91
Gleiche Probleme des Raumes, des Geldes und des Bekenntnisses: Ambivalenz, gegensätzliche Bedeutungen, die sich nicht von einander trennen lassen: wie die zwei Seiten eines Blattes, von denen ich nicht eine zerreißen kann, ohne die andere mit zu zerreißen; beide durch Umkehr aufeinander bezogen (Leib und Seele, Physik und sinnliche Welt; Reichtum, Schuld und Herrschaft; Christentum die menschenfreundlichste Religion, aber keine andere, in deren Namen solche Untaten begangen wurden).
Raum und Bekenntnis:
– Antijudaismus (kein Bekenntnis ohne Feindbild): vorn und hinten nicht unterscheiden können, im Angesicht und hinter dem Rücken („Augapfel Gottes“ Sa 212);
– Ketzerverfolgung (kein Bekenntnis ohne Häretiker): rechts und links nicht unterscheiden können (Barmherzigkeit und Gericht);
– Hexenverfolgung (Frauen nicht bekenntnisfähig): oben und unten nicht unterscheiden können (Gottesfurcht ist nicht Herrenfurcht).
Trinitätslehre, Christologie, Opfertheologie und Physik (Raum, Naturbegriff und Opfer der Sinnlichkeit).
Zentrales Kriterium für die Ketzerverfolgung ist bis heute die Unbotmäßigkeit der Ketzer, nicht die Abweichung ihrer Lehre von der Orthodoxie. -
10.11.91
Nicht nur, daß das Auge sonnenhaft ist, die Farben sind augenhaft.
Verschwindet im Herbst der Unterschied zwischen Blüte und Blatt, wird der ganze Wald zu einer blühenden Landschaft, die dann aber abstirbt (oder einschläft)? Oder sind die Herbstfarben die Farben des Feuers (gelb, rot und braun), während die Farben der Blüten die des Himmels oder des Lichts sind (blau, rot, gelb und weiß). Goethe konstruiert die Farben aus der Beziehung von Dunkel und Hell (Finsternis und Licht), die Differenzen kommen daher, was als Inneres oder als Äußeres gesetzt wird: Hell über Dunkel (Morgen) oder Dunkel über Hell (Abend).
schamajim ist der Himmel, majim das Wasser. Gibt es zwischen beiden Worten einen Zusammenhang (vgl. den Schöpfungsbericht: das Wasser gleichsam als Nebenprodukt des Himmels, mit der Finsternis und dem Geist Gottes über den Wassern).
Die Beziehung von außen und innen ist ein vielfältig sich durchdringendes System. Die Grenze zwischen Außen und Innen ist die Haut, die Oberfläche der Dinge, wobei das Innere der Dinge von dem Äußeren nicht zu unterscheiden ist. Die Undurchsichtigkeit und Undurchdringlichkeit der materiellen Dinge: Ist beim Wasser das ganze Innere Oberfläche, nur Grenze zwischen Außen und Innen, weder reines Außen noch reines Innen. Das Wasser leistet Widerstand gegen die Bewegung eines in ihm sich bewegenden Objekts, und das Licht wird im Wasser gebrochen (ist hier die Beziehung zum Himmel, der vielleicht die „ganze Erde“ wie ein Brechungsmedium umgibt, das keine Rückschlüsse zuläßt darauf, was „in“ oder „hinter“ dieser Brechung sich tut?. Und ist das Problem der Seeungeheuer, der Fische, darin begründet, daß das Wasser nur Außenseite, ohne ein Inneres, ist?).
Beziehung des Wassers zum Geld: Wie das Wasser ist das Geld (der Tauschwert) flüssig und unelastisch zugleich; mit der Erfindung des Geldes (der Gesetze, des Gewaltmonopols des Staates) wird das Schöpfungschaos (der vorgeschichtliche Schuldzusammenhang) in der geschichtlichen Welt evoziert, heraufbeschworen, zusammen mit den Herrschaftsinstitutionen (dem Schöpfungsdrachen als Endzeitdrachen). Der Ursprung des Geldes im Kontext der Schuldknechtschaft (Sklaven, outlaws, Kleinviehnomaden, Söldner) hat sein spätes Echo in Hegels Satz, daß „die bürgerliche Gesellschaft in all ihrem Reichtum nicht reich genug (sei), der Armut zu steuern“ (Philosophie des Rechts).
schamir sind die Dornen. Und wie heißen die Disteln, der Dornbusch?
Ist das Wasser mit dem Bekenntnis vergleichbar, in dem auch das Außen und das Innen ununterscheidbar sind (die ins Innere durchgedrungene Oberfläche)?
Das Innere eines Baumstamms ist die verstockte Erinnerung an seine Lebensdauer (und an die äußeren Bedingungen seines vergangenen Lebens).
Das Innere einer Wohnung, die sich abschirmt gegen die Außenwelt, heute aber durch ein Versorgungssystem damit verbunden ist: Wasser, Strom, Abfluß, Wärme, Telefon, Radio, Fernsehen, bis hin zu den (irrsinnigen) Möglichkeiten, die Arbeit, die Bankverbindungen, die Einkaufmöglichkeiten ins Innere zu verlegen, die Bindungen an die Außenwelt so zu gestalten, daß das Innere in eine gleichsam embryonalen Zustand zurückversetzt wird. So ernähren wir den Fisch, der uns ernährt. Der Glaube, daß wir uns durch dieses System vor dem Chaos retten können, ist purer Schein (wie heute jedes Bekenntnis): wir exportieren das Chaos nur nach außen; in eine „Außenwelt“, deren Existenz wir mit Hilfe des Bekenntnisses der Wahrnehmung entziehen und leugnen. Dieses System funktioniert nur noch auf der Grundlage der Opfer, die in den Schlacht- und Zuchthäusern, vor allem aber in der sogenannten Dritten Welt, in den „Schuldnerländern“, aus unserem Blickfeld entfernen.
(Der Mülleimer hat ein Inneres und das Schloß hat ein Inneres, ebenso sind der Himmel und die Hölle Innenräume). Außen und Innen sind unzureichende Deckbegriffe für Im Angesicht und Hinter dem Rücken: Diese bezeichnen den Sachverhalt präziser. Außen und Innen unterliegen der Zweideutigkeit des Raumes: Im Raum ist Rechts und Links nicht zu unterscheiden (Jonas: Ninive, die große Stadt); das Schicksal ist der Inbegriff der Außenwelt als Innenwelt.
Sind nicht alle Siege (zuletzt auch der über den „Kommunismus“) Pyrrhus-Siege, nur daß wir es noch nicht erkennen? Stößt das, was wir auszustoßen meinen, nicht in Wirklichkeit uns aus? Und produzieren wir nicht selber die Hölle, der wir so verfallen?
Die genaueste Definition des „Volkes“ ist der Begriff der Schicksalsgemeinschaft. Im Kern des Schicksals steckt jedoch heute die Bekenntnislogik. „Im Namen des Volkes“ (gibt es diese Wendung eigentlich auch in anderen Rechtssystemen?): das hat eine besondere Beziehung zum „deutschen“ Volk, wenn man daran denkt, daß der Name der Deutschen selbst „das Volk“ bezeichnet (was heißt eigentlich „Amalek/Amalekiter“? – „populus lambens“, das „leckende Volk“: das staubleckende Volk – Ps 729, Jes 4923; das hündische Volk – 1 Kön 2119, 2238; Lk 1621). So wird der Rechtsspruch zum Schicksalsspruch; im Namen des Schicksals (und des Rechts) kehrt sich der Objektivierungsprozeß (der Säkularisationsprozeß) gegen seinen eigenen Ursprung.
Ist die Theologie das Schicksal Gottes (Leugung des Gottesnamens, Theologie als Geschichte der Leugnung des Gottesnamens; was bedeutet der Name „Gott“?): damit der Kern und das Medium der Selbstverfluchung?
„Die Welt ist alles, was der Fall ist“: Das reicht bis in das Spiegelungssystem des Massenbegriffs, der Materie, hinein. Die gesamte Bewegung des Kosmos ist eine Bewegung des permanenten Fallens. Das Kreisen des Mondes und der Planeten ist (wie der Reproduktionsprozeß der Gesellschaft) resultierend aus Trägheit und Fall. -
09.11.91
Schrecken um und um: Musik war das Medium der Bearbeitung dieses Schreckens, bevor sie zum Feind übergelaufen ist: heute stürzt dieser Schrecken auch wieder als Musik (Einheit von Militärmusik und Musik als arbeitsfördende Rhythmik) auf die Menschen ein. Ein Konzept der Musiktherapie ließe sich nur gegen diesen Trend entwickeln: gegen Musik als Schreckensklang und zugleich als die Sprache dessen, den der Schrecken stumm gemacht hat.
Entstehung der Schrift aus Bildern: Ist nicht die Schrift Produkt und Medium der ersten Auseinandersetzung mit der Idolatrie? Und drückt nicht die Konsonantenschrift, die früheste Gestalt der alphabetischen Schrift, genau den Schrecken aus: die Unterdrückung der Subjektivität, die in den Vokalen (im Singen) sich ausdrückt. Die Konsonantenschrift ist die Schrift des „Schreckens um und um“, die Schrift im Angesicht (Gottes, des Feindes), die „hebräische“ Schrift (Verbot der Vokalisierung des Gottesnamens!). Erst mit der Einbeziehung der Vokale geht Subjektivität in die Schrift mit ein: so wird sie zum Medium des (griechischen) Mythos, des Schicksalsbegriffs, der Philosophie, schließlich der christlichen Theologie, des Dogmas, des Bekenntnisses.
Zur Geschichte und zum Begriff des Opfers: Im „Weltbild“ der Physik steckt das entfremdete Subjekt (Inbegriff des anderen) als Erbe aller Opfer mit drin. Die „tote Natur“ ist Produkt eines Objektivationsprozesses, dessen Ursprünge in der Geschichte der Idolatrie und des Opfers (Menschenopfers) liegen (vgl. Abraham, Melchisedek, Opferung Isaaks; Königtum und Menschenopfer; König, Gesalbter/Messias, Kreuzestod; Sakramente). Der Säkularisationsprozeß hat das Opfer nur unsichtbar gemacht, nicht aufgehoben.
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