• 23.10.91

    Nach dem Herrschaftsauftrag an Sonne und Mond sollen diese „herrschen über die Zeiten“: damit aber auch über die Menschen, soweit sie den Zeiten unterworfen sind. Bedeutung der Astronomie und des Sternenkults!
    Die Brüder von Braunmühl fragen nach dem Grund, der die „Terroristen“ zum Mord veranlaßt: Liegt er nicht in dieser (durchs Feind- und Frontdenken vermittelten und durch den realen, erfahrenen Feind: durch das Handeln des „Staates“ und seiner Repräsentanten verifizierten) Mechanik, die glaubt, ein Recht zu haben, dem Feind – und sei es prophylaktisch – das anzutun, was einem selbst angetan wurde oder was man erwartet, daß einem angetan werden wird (Real-Paranoia). Wahrnehmung durch die Brille des Kriegszustands (des „Ausnahmenzustands“, nach Carl Schmitt Bedingung der souveränen Entscheidung, des „Politischen“; Äquivalent bei Heidegger: die „Eigentlichkeit“) Konsequenz aus einem historischen Wiederholungszwang.
    Richten sich das Bilderverbot und der Kampf gegen die Idolatrie generell gegen die Hypostasierung von Prädikaten (gegen die Ontologie, die genau das leistet und absichert, damit aber das „Verandern“, die Konstituierung des Objekts und die Vernichtung des Namens: und somit den Ursprung und Grund der Gemeinheit, unkritisierbar macht)?

  • 21.10.91

    Die Person ist das apriorische Objekt der verwalteten Welt: deshalb ist sie eigentums- und bekenntnisfähig; sie ist das Subjekt-Objekt des Rechts und des moralischen Urteils (Ursprung in der Tragödie: als Maske).
    Das Bekenntnis hat seit seinem Ursprung der Erinnerung der Weg versperrt: zunächst (im historischen Dogmatisierungsprozeß: Kirche als Verdrängungsgemeinschaft) der genuin christlichen Erinnerung, heute, als Grund und Focus der Staatsmetaphysik, der geschichtlichen Erinnerung (auch der in den Armen und Fremden gegenwärtigen Erinnerung). Gestützt wird diese Erinnerungssperre (die ein Teil des Herrendenkens ist) durch jede Art von Empörung: von der moralischen (der Wurzel der politischen Empörung) bis hin zu jener Empörung, die in der Anschauung (als deren Form) sich objektiviert: in der naturwissenschaftlichen Erkenntnis. Nicht zufällig war der Weltanschauungskrieg ein Vernichtungskrieg, dem eine durch die Erinnerungssperre vermittelte Wahrnehmungssperre (Bolschewisten, Juden, Untermenschen) vorausging: Abgeschafft werden sollte, was an die Vergangenheit erinnert. Jedes Bekenntnis ist ein Krieg gegen die eigene (verdrängte individuelle und kollektive) Vergangenheit.
    Das Bekenntnis (und das Dogma) war im Ursprung ein Erinnerungsschutz, ohne den ein Leben in der gnadenlosen Welt (wie Schafe unter den Wölfen) kaum zu ertragen gewesen wäre.
    Im Hegelschen Absoluten ist kein Glied nicht trunken: es konstituiert sich im Eiertanz der Verdrängung. Aber dieser Eiertanz ist real: Es gibt keine Unschuld im realen Schuldzusammenhang; und es gibt keine Erinnerungsarbeit, die nicht daran sich abarbeitet.
    Der Raum, das Lachen, der Atheismus und die vollendete Gemeinheit („Fertigmachen“). – Haben Lachen und Gewalt eine gemeinsame sprachliche Struktur (zu unterscheiden sind Subjekt, Objekt, Adressat; Sprache der Stummheit, des „Helden“, der Wut)?

  • 20.10.91

    Die Reversibilität der Richtungen im Raum (Raum als Form der Gleichzeitigkeit, nicht der Gegenwart; Form der Vergangenheit) verdankt sich der Trennung von Raum und Zeit und hat die Abspaltung der Materie zur Folge (Systemcharakter: Inertialsystem); und die drei Bestimmungen Raum, Zeit und Materie reflektieren sich Raum als drei Dimensionen: Korrektur nach dem Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit?
    Gibt es Völker, Nationen im modernen Sinne (die Konstitutierung der Welt durch Verankerung des Rechts im Subjekt, die Fähigkeit zum moralischen Urteil), vor der Verinnerlichung des Schicksals, der Einführung der Bekenntnislogik, der Etablierung des Inertialsystems (Geldwirtschaft, Astronomie, Monotheismus): vor dem Ursprung des Herrendenkens (Staat, Welt und Natur)?
    Gemeinheit: Hegels „List der Vernunft“ oder die Nutzung des Falls als Falle (von der Struktur des Raumes über das Heucheleisyndrom der Bekenntnislogik als Grundlage der Juden-, Ketzer-und Hexenverfolgung und des Inquisitionsverfahrens bis zum „Gemeinheit ist kein strafrechtlicher Tatbestand“).
    Wäre Gemeinheit ein strafrechtlicher Tatbestand, müßte die Lohnarbeit verboten werden.
    Im Kronzeugenverfahren enthüllt sich das Wesen des Staates: er will den Komplizen und den Verrat. Schon im Inquisitionsverfahren (das in der Beichte – gleichzeitig mit dem Zölibat und der Durchsetzung des Fegefeuers – sozialisiert wurde) wurde tätige Reue als Unterdrückung des Gewissens, als Komplizenschaft und als Verrat verstanden: blasphemischste Gewalt war die Grundlage der sakramentalen, exkulpierenden Kraft (Zusammenhang mit der Individualisierung der Schuld und dem Personbegriff, Grund der verwalteten Welt). Referenzsystem wurde eine Moral, die an die Stelle der politischen Kritik (die ihr Maß am prophetischen Votum für die Armen und die Fremden, an der Idee der Gerechtigkeit und des Friedens hat) die Sexualmoral (die Ängste des erschreckten Subjekts, Produkt der Verinnerlichung und Vergeistigung des Terrors) ins Zentrum rückte.

  • 19.10.91

    Wenn E. Morgan Kelley die Vermutung begründet, daß die Skythen „bei der Geburt der „teutschen“ Völker eine wichtige Rolle“ gespielt haben könnten (VORZEIT FRÜHZEIT GEGENWART 5/91, S. 56), und Gunnar Heinsohn glaubt, die biblischen Amalekiter als die Skythen identifizieren zu können (ebd. S. 46), war Haman dann Hitler, und sind dann die biblischen Aussagen über die Amalekiter auf die Deutschen zu beziehen?

  • 18.10.91

    Die ersten Gefangen waren Gefangene aus Kriegen oder Gefangene im Rahmen der Schuldknechtschaft.
    Sind die himmlischen Heerscharen die Wasser oberhalb des Firmaments?
    Der cäsarische Weltbegriff im Rahmen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation unterscheidet sich vom davidischen, der in den Königstraditionen, insbesondere in England, erhalten geblieben ist. Der davidische Weltbegriff enthält das reflektorische Moment in der Selbstbezeichnung der Hebräer, während der cäsarische Weltbegriff das projektive Moment in der Fremdbezeichnung der Barbaren enthält (zusammengefaßt in der Selbst- und Fremdbezeichnung der Deutschen, die sich nur noch als Barbaren verstehen: die Zivilisation wird durchs Ausland vertreten, deshalb die Ausländerfeindschaft – um die Last der Zivilisation endlich abwerfen zu können).
    Das Römische Reich ist sowohl von innen, durch die Krise des Latifundiensystems, als auch von außen, durch den Barbareneinfall, zugrunde gegangen.
    Aufarbeitung von Wut in Zorn, oder Rückgewinnung der prophetischen Kraft (die prophetische Kritik der Idolatrie war Staatskritik: seitdem gehören Staatskritik und Kunstkritik zusammen: der Begriff des Schöpferischen in der Kunst ist ein Reflex der Weltschöpfung durch den Staat).
    Die Bäume sind der manifeste Ausdruck des Kampfs gegen die Schwerkraft und des Strebens zum Licht. Was bedeuten vor diesem Hintergrund der Baum der Erkenntnis und der des Lebens? Der Kampf gegen die Schwerkraft ist der Grund für die Verstockung der Bäume, während das Streben zum Licht ihr alljährliches neues Leben begründet.
    Es gibt kein Bekenntnis ohne Totenkult: das ist der Grund für die Pyramiden wie für die Mausoleen im staatskapitalischen Sozialismus und nicht zuletzt für die christliche Trinitätslehre (die Vergöttlichung Jesu und deren säkularisierte Gestalt im modernen Naturbegriff) wie für den Zusammenhang von Heiligenverehrung und Reliquienkult.
    Die Verfluchung nach dem Sündenfall ergeht direkt nur an Adam, während sie an Eva zusammen mit der messianischen Verheißung ergeht (um aus Adam etwas Brauchbares zu machen, muß man ihn in Tiefschlaf versetzen und ihm ein Stück aus seiner Seite herausnehmen).
    Die Bedeutung der Hegelschen Philosophie liegt darin, daß sie das Moment der Vergegenständlichung am Begriff (Vergegenständlichung des Begriffs und des Objekts) herausgearbeitet (und zur Grundlage der Dialektik gemacht) hat. Nur daß Hegel dann am Ende die Partei des Begriffs (der Vergegenständlichung als Voraussetzung und Sinnesimplikat der „Wissenschaftlichkeit“ seiner Philosophie gegen die Unmittelbarkeit: die Partei der Entfremdung) ergreift. Die „Trunkenheit“ des Absoluten ist die notwendige Folge daraus.
    In einem Zug, der auf den Abgrund zubraust, hilft es wenig, sich über einen Schaffner zu beschweren, der einen wegen Fahrens ohne gültigen Ausweis belangen will. Die Gemeinheit reizt zweifellos und nicht unbegründet zur Empörung. Aber angesichts der Gesamtsituation wäre diese Empörung völlig unangemessen; insbesondere würde sie an der Situation nichts ändern: Der Zugführer ist besoffen; Frage, ob es nicht möglich ist, gemeinsam mit dem Schaffner den Zugführer aus dem Verkehr zu ziehen und den Zug mit Mitteln, die Aussicht auf Erfolg haben, jedenfalls die Katastrophe nicht beschleunigen, zum Halten zu bringen. Es gibt Situationen, in denen es auf die Wirkung und nicht aufs Rechthaben ankommt.
    Das Christentum studieren, weil nur so die Verführungsmechanismen sich bestimmen lassen (Bekenntnislogik; Empörung und moralisches Urteil; Feinddenken und Ausgrenzung von Verrätern; Christologie und die Vergöttlichung des Opfers: Natur- und Staatsmetaphysik; Materialismus als Ideologie und Totenkult; Trinitätslehre, Dialektik und Gemeinheit: Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhang; Religion als Blasphemie: Atheismus und das Fortleben von Auschwitz).
    Die sogenannten Terrristenprozesse sind genau an jener empfindlichen Stelle installiert, an der das offizielle Christentum und das Rechtssystem (die beide über den Bekenntnis- und den Personbegriff verbunden sind) sich gegen ihre kritische Selbstaufklärung abschirmen. Die Grundlage, daß Schuld sich individuell muß festmachen lassen, die den Vorteil hat, daß sie Kirche und Recht exkulpiert, kann sich gegen den Schuldvorwurf nur wehren, wenn sie ihn qua Kollektivität (über die „gerichtskundigen“ eigenen Vorurteile) in den Gegner hinein(zurück-)projiziert. Auch wenn Mord kein Mittel der Aufklärung ist: Gemeinheit ist ungeeignet, zur Herstellung des Rechtsfriedens beizutragen. Beide Seiten unterliegen der gleichen Verblendung.

  • 17.10.91

    Nach Lapide sind die Schweine im NT die Römer (Jesus, das Geld und der Weltfrieden, S. 55ff).
    Die Terrorismus-Prozesse ab Abbild des Verhältnisses Staat, Welt, Natur (Ankläger, Urteil, Angeklagter): Ausschluß der Verteidigung, Unkenntlichmachen der Gemeinheit (kein strafrechtlicher Tatbestand: diese Welt ist gemein, und wer in ihr überleben will, muß sich gemein und andere „fertig“ machen; Inkorporation der Sünde wider den Heiligen Geist). – Karl-Heinz Dellwo, Knut Folkerts und Lutz Taufer zitieren in ihrer Erklärung vom 04.10.91 Primo Levi: „Genie der Zerstörung“, groß in der „Antischöpfung“, nannte Primo Levi dieses deutsche Wesen. (Angehörigen Info 77 vom 11.10.91)
    Jeder Mord ist ein Brudermord: Im verhaßten Bruder hassen und morden wir uns selbst.

  • 15.10.91

    Erkenntnis des Guten und Bösen (Sündenfall, Essen vom Baum der Erkenntnis; Turmbau zu Babel, Verwirrung der Sprache): Für die Getthoisierung heute (für das Front-Denken) ist entscheidend. daß „Aussagen“ nicht mehr nach ihrem sachlichen Gehalt, nach ihrer benennenden Kraft, beurteilt werden, sondern nach dem Freund-Feind-Schema (nach der Bekenntnislogik): Wofür oder wogegen eine Aussage steht. Das Gebot der Feindesliebe (gegen das jedes, auch das christliche Bekenntnis verstößt) ist eine Bedingung der Wahrheit. Das Bekenntnis war seit je eine Waffe (die, indem sie nach außen angewandt wurde, ihre zerstörerische Kraft auch nach innen entfaltete). Es ist eine Mordwaffe, an der Blut klebt, das sich nicht mehr abwischen läßt.
    Die Orthodoxie ist der theologische Reflex der Orthogonalität (die Orthogonalität ist der mathematische Ausdruck von Zwang, Bedingung und Grundlage der „Freiheitsgrade“ des Raumes, ebenso wie der im Geldwesen begründete Zwang zur Arbeit Bedingung und Grundlage der bürgerlichen Freiheit: aber die Freiheiten sind nur formal, nicht inhaltlich gleich; die Entdeckung des Winkels und die des Begriffs gehören zusammen – vgl. Thales und Pythagoras).

  • 14.10.91

    Terror von rechts, der nur die zufällig davon betroffenen Opfer bedroht, wird als Naturkatastrophe wahrgenommen, Terror von links als Angriff auf Staat, der alle bedroht.
    War die Venus-Katastrophe selbst nur der mythologische Ausdruck einer gesellschaftliche Naturkatastrophe, oder war sie eine reale Naturkatastrophe, für die die gesellschaftliche den Resonanzboden geliefert und bereitgestellt hat?
    Bemerkung zum Begriff Kaufkraft (welches Firmament trennt welches Wasser von welchem Wasser?): bezeichnet Verfügungsgewalt über die Arbeit anderer (des Produzenten und des Verkäufers: der Kunde ist König), Teilhabe am Gewaltmonopol des Staates. Kauforgien sind Rituale der Einübung und Selbstvergewisserung des Herrendenkens (Kopernikus‘ Geldtheorie prüfen). Test der Grenzen der Zumutbarkeit: Funktion der Metropolen (Herstellung der Unbewohnbarkeit). Einkaufszentren und Bank-Hochhäuser: jene liegen außerhalb der Wohnviertel, diese zerstören Wohnviertel.

  • 13.10.91

    „Ihnen ist jedes Mittel Recht?“ oder „Gemeinheit ist kein strafrechtlicher Tatbestand“: Die Tendenz, mit der in den sogenannten Terroristen-Prozessen Verteidiger zu „Organen der Strafrechtspflege“ gemacht wurden, gehorcht der gleichen Bekenntnislogik, mit der der Bundeswehr ein „Verteidigungsminister“ vorsteht: Sie zielt – ebenso wie die übrigen begleitenden Maßnahmen von der Isolationshaft bis zur Kronzeugenregelung, und von der Kollektivhaftung aller Mitglieder für die Taten einer „terroristischen Vereinigung“ bis zur schlichten Leugnung und Verdrängung des politischen Hintergrunds – darauf ab, Verteidigung abzuschaffen, weil hier der absolute Feind gesehen wird. Insoweit gleicht der gesamte Komplex der Tradition des Antisemitismus; nur daß hier geschickter, als es die Nazis konnten, die nicht mit einer Niederlage gerechnet hatten, die „Wahrheit“, die sich aus dem vermeintlichen Staatsinteresse definiert, das selber nur noch aus einer zugrunde liegenden Paranoia sich erklären läßt, durch rigorose Beherrschung der Beweismittel im ganzen Verfahrensbereich, insbesondere auch schon im Vorfeld, unwiderlegbar gemacht werden soll. Das Verfahren weckt Bedenken gegen Meldungen wie denen,
    – daß nach den Aussagen von Susanne Albrecht (die ein begründetes Interesse daran hatte, der Bundesanwaltschaft genehme Aussagen zu machen) Zweifel an der Selbstmordthese hinsichtlich der Stammheimer Häftlinge endgültig ausgeräumt werden konnten, oder
    – daß der Barschel-Brief an Stoltenberg sich jetzt als Stasi-Fälschung herausgestellt habe.
    Diese Bedenken mögen unbegründet sein; aber was man hier (und bei Bakker-Schut) erfährt, untergräbt die Glaubwürdigkeit der politischen und staatlichen Institutionen in diesem Lande (den Begriff und die Idee des Rechtsstaats) und damit ihre Legitimation in den Köpfen der Bürger, die bereits soweit sind, anzunehmen, das sei halt so, und damit müsse man rechnen und sich abfinden, weit mehr als es die terroristischen Taten selber je vermochten (verhängnisvollstes Erbteil der Kirchen). Sind nicht die wahren Staatsfeinde jene, die den Staat und seine Institutionen so mißbrauchen?
    Gemeinheit, Bekenntnis, Selbstgetthoisierung: Thesen sind dann keiner sachlichen Bestätigung oder Widerlegung mehr bedürftig, wenn sie entweder „offenkundig“ sind (d.h. dem eigenen Bekenntnis konform sind) oder vor jeder Prüfung sich einem Feindbekenntnis zuordnen lassen (dann ist die Wahrheit oder Unwahrheit nicht zu ermitteln, da davon auszugehen ist, daß sie nur der Selbstbestätigung des Fremdbekenntnisses dient, dieses aber aus übergeordneten Gründen als falsch, gefährlich o.ä. anzusehen ist). Grund ist – insbesondere im Rechtsstreit – eine im positivistischen Rechtsverständnis begründeter instrumentalisierter (und deshalb dezisionistischer) Wahrheitsbegriff (wie in der Physik ist der Objektivismus vom Instrumentalismus nicht zu trennen). Aus dem gleichen Grunde bedarf die rechtlich festgestellte Wahrheit schon aufgrund ihrer Urteilsform der Sanktion. Das Gewaltmonopol des Staates bezieht sich primär auf das Recht zu strafen, und d.h. auf das Recht, die Wahrheit von Urteilen mit Gewalt durchzusetzen. Die Logik des Rechts ist die Bekenntnislogik; ihr Ziel ist der Rechtsfrieden, der erst mit der allgemeinen Anerkennung des Gewaltmonopols des Staates hergestellt ist; und die Vorstellung, daß die Rechtslogik (als Urteils- und Straflogik) auch auf die Handlungen derer angewandt werden könne, die selber Herren des Rechts sind, ist illusionär. Deshalb bedarf eine an der Idee der Gerechtigkeit orientierte Rechtspraxis vor allem
    – der Sicherung der Verteidigerrechte,
    – der Fähigkeit des Richters zur Identifikation mit dem Angeklagten,
    – der Kritik der herrschenden Staatsmetaphysik (der Ankläger ist kein Staatsanwalt).
    Gemeinheit und Staatsmetaphysik:
    – Gewalt wird anders definiert je nachdem, ob es sich um Vergewaltigung oder um „Nötigung“ bei gewaltfreien Sitzblockaden handelt;
    – Staatsanwalt (Staat als Prinzip der Anklage, als institutionalisierte List der Vernunft), computerlesbarer Personalausweise und Ausweitung der Fahndungs- und Ermittlungstechniken, die darauf basieren, daß jeder Bürger ein potentiell Verdächtiger ist, als Bürger aus dem Bann der Anklage nicht mehr herauskommt;
    – Staatsmetaphysik als Technik-Metaphysik: Grund ist die Personalisierung (der Rechtsbegriff der Person), die im Weltbegriff in der Materialisierung sich ausdrückt (im Rahmen der Staatsmetaphysik vertritt die Natur den Bereich des Angeklagten, die Welt den des richtenden Urteil).
    Gemeinheit ist eine Überzeugungstat. Sie ist eine zwangsläufige Konsequenz des Staatshandelns.
    Gemeinheit und die Kohlsche Dementipraxis: Kohls Satz, daß dieser Staat nicht ausländerfeindlich ist, ist genau der Grund der Ausländerfeindlichkeit. Er verhindert nicht die Aktionen, auf die sie als Dementi sich bezieht, sondern er verhindert nur das Aussprechen der realen Erfahrung von Ausländerfeindlichkeit, stigmatisiert den, der nicht verdrängen kann, als pathologisch oder bösartig (staatsfeindlich). Und das ist genau der Zweck dieses und vergleichbarer Dementis, deren Technik Kohl am besten beherrscht; und alle fallen darauf seit Jahren herein.
    Gemeinheit und die Struktur des Vorurteils, Gemeinheit und Mechanik (Funktion der Hegelschen List und der Reflexionsbegriffe: die Hegelsche Vernunft ist eine, die selber das Opfer der Vernunft fordert, es in sich enthält und aufgehoben hat; dieses Opfer der Vernunft – oder die Zerstörung des Antlitzes – ist der Grund für die Trunkenheit des Hegelschen Absoluten).
    Wenn den Armen das Bewußtsein der Armut und sein öffentlicher Ausdruck genommen wird, weil heute die Herrschenden (nach dem Vorbild der Kirchen) ihrer Schuld nicht anders als durch Selbstmitleid (durch Leugnung) glauben Herr werden zu können, das ist gemein (Grund in der Konstruktion der Welt). Was heute nicht selten tragisch (ein Prädikat, das immer schon eine Selbsterfahrung der Herrschenden bezeichnete) genannt wird, ist imgrunde gemein.
    Die Anwendung mythischer Begriffe auf gegenwärtige Erfahrungen scheitert daran, daß an die Stelle des unaufgeklärten Schicksal heute die imgrunde nur noch pathologische Gemeinheitsstruktur getreten ist, die sich gerne in mythische Gewänder kleidet. So glaubt sie, der Kritik sich entziehen zu können.
    BKA (oder GBA?): die „objektivste Behörde der Welt“: das schließt Gemeinheit nicht nur nicht aus, sondern bezeichnet genau ihren Grund.
    Staatsmetaphysik (und die ihr korrespondierende Idee des Rechtsstaats) ist der Grund für die Struktur und die Tendenz politischer Prozesse: Der Staat kann nur aufgrund einer abgrundtiefen Bosheit angegriffen werden, und er kann nur von links angegriffen werden (Angriffe von rechts beeinträchtigen nur „das Ansehen unseres Rechtsstaates im Ausland“). Der politische Charakter der Prozesse gegen Linke kann nur (reflektiert und) anerkannt werden, wenn man bereit ist, auf die Staatsmetaphysik zu verzichten, die aber erforderlich ist, um das „Weltbild“ (bis hinein in die Naturwissenschaften) zu begründen und zu stabilisieren. Die Totalitätsbegriffe Natur und Welt sind nur im Rahmen der Staatsmetaphysik zu halten; und wer sie akzeptiert, akzeptiert zugleich (wie links er sich auch verstehen mag) diese Staatsmetaphysik, die dann im Gewaltkonzept (und im stalinistischen Rechtsverständnis) sich ausdrückt (Ausdruck der Sünde wider den Heiligen Geist).
    Gibt es einen Zusammenhang des erweiterten noachidischen Nahrungsgebot (das nicht mehr vegetarisch ist wie das paradiesische) mit den Kerubim und dem kreisenden Flammenschwert nach der Vertreibung aus dem Paradies und der Bedeutung des Regenbogens nach der Sintflut?

  • 11.10.91

    Kann es sein, daß in dem gleichen Prozeß, in dem die Natur für uns zur Rückseite ihrer selbst geworden ist, dahinter Gottes Angesicht sich bildet, Er sich mit sanftester, aber zunehmender Gewalt manifestiert und nur deshalb nicht wahrgenommen wird, weil die Umkehr, die uns sein Antlitz enthüllen würde, unerträglich scheint; „Du kannst mein Angesicht nicht sehen, denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben“ (Ex 3320).
    Jakob/Israel hat „Elohim von Angesicht zu Angesicht gesehen“ (Gen 3231), während Moses die Herrlichkeit Jahwes nur von hinten sehen durfte (Ex 3218ff).
    Ich habe einmal vor der Entscheidung gestanden, zum Judentum überzutreten, habe es dann aber nicht getan, weil ich den Versuch für unzulässig hielt, dem objektiven Schuldzusammenhang, unter dem ich als Deutscher und Christ stand, dadurch zu entgehen, daß ich von der Täter- auf die Opferseite wechselte. Aus diesem Grunde bin ich in der Kirche geblieben.
    Das Gravitationsgesetz bezeichnet ein Gesetz im Inertialsystem. die Lichtgeschwindigkeit bezieht sich auf eine Erscheinung im Inertialsystem. Der leere Raum ist nicht nur der von Materie, sondern auch der gegen die Fallkraft und gegen das Licht leere Raum (weder dunkel noch hell).
    Das Inertialsysatem ist das Bezugssystem, das Referenzsystem, in dem sich
    – die physikalischen Begriffe definieren,
    – die physikalischen Erscheinungen auskristallisieren und
    – in dem die physikalischen Gesetze herrschen.
    Wenn man es an irgendetwas merkt, daß wir die Täter von Auschwitz sind, dann an der verhängnisvollen, alles vergiftenden Gewalt der Exkulpierungssucht: Alle suchen eine Art natürliche Unschuld wiederzugewinnen, die es im Kontext von Staat, Welt und Natur nie gegeben hat.
    Das pfingstliche Sprachwunder bezieht sich eindeutig auf die Verwirrung der Sprachen beim Turmbau zu Babel; und wenn diese mit der Trennung von Herren- und Sklavensprache zu tun hat, so müßte jenes eigentlich die reale Versöhnung beider vorwegnehmen.
    Der parvus error in principio ist sowohl der Grund, aus dem die Häresien erwachsen sind, als auch der Grund der Selbstverblendung der Kirche.
    Theologie ohne Ansehen der Person treiben, heißt die Trinitätslehre kritisieren.
    Wenn Marx, Freud und Einstein die drei Patriarchen der neuen Theologie sind, wer sind dann die zwölf Söhne Israels?
    Über das, was Hegel selber die List der Vernunft nennt, wird der Schein erzeugt, aus dem dann das Wesen und der Begriff hervorgehen. Diese List, dieser Schein, dieses Wesen sind die Grundlagen der Philosophie des Begriffs. Zentral sind die Reflexionsbegriffe; zu erläutern wäre deren Zusammenhang mit dem Inertialsystem (über die Kantischen Formen der Anschauung und die Antinomien der Vernunft). Nicht zufällig begreift Hegel diese List (und das darin versteckte Moment der Gewalt) als ein wesentliches Moment der Technik, der Maschine. Diese List ist eine objektive List (und die Gemeinheit eine objektive Gemeinheit); Kant hat sie, ohne es zu bemerken, mit den subjektiven Formen der Anschauung in die Philosophie eingeführt (oder aus ihrem begrifflichen Wesen, aus der Trennung von Begriff und Objekt, herausgelesen: ihre Folgen hat er in den Antinomien der Vernunft bezeichnet). Das Resultat war das Reich der Erscheinungen (des gesetzmäßigen Zusammenhangs des Scheins), durch das der Weg zu den Dingen an sich zugleich versperrt war. Grund dafür, daß dieser Zusammenhang bis heute nicht durchschaut werden konnte, war
    – die theologische Besetzung des Bekenntnisbegriffs (deren gegenständlicher Ausdruck die Trinitätslehre und die Opfertheologie ist) und
    – die bis heute unbegriffene Bedeutung des Prinzips der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit.
    Die Sonne, die die Dinge bescheint, erzeugt sie nicht.
    Auch der kirchliche Antijudaismus rührt an den Augapfel Gottes (deshalb benötigte die Kirche die trinitarische Maskerade, den Personbegriff in der Trinitätslehre).
    Der Begriff des Scheins, substantiell geworden im kantischen Begriff der Erscheinung, läßt auch die kopernikanische Wende und die newtonsche Gravitationstheorie nicht unberührt. Auf einen einfachen Nenner gebracht: Hier wird die Nachtansicht der Welt auf den Tag übertragen (kann es sein, daß sich Nacht und Tag unterscheiden wie Jahwe und Elohim, und wie die Hebräer und die Israeliten?).
    Der Unterschied zwischen CDU- und SPD-Politikern ist der zwischen Profis und Laien-Darstellern, wobei man einfach sehen muß, daß ein Kohl das Instrumentarium der Gemeinheit besser beherrscht als ein Vogel, Lafontaine oder Engholm (Engholm hatte nur das zweifelhafte Glück, Opfer eines CDU-Laienschauspielers zu werden; aber das macht ihn noch nicht zum Profi).
    Wodurch unterscheidet sich die Luft vom Wasser (das Gasförmige vom Flüssigen: Beziehung zum Raum: Volumen beim Flüssigen unabhängig, bei der Luft abhängig vom Druck)? Gibt es eine mikrophysikalische Theorie des Flüssigen (in Analogie zur thermodynamischen Gastheorie und zur Festkörperphysik)?
    Wasser und Schuldzusammenhang: Wasser nicht geschaffen; Medium des Chaos (des Chaos-Drachens); Trennung durchs Firmament (Drachen oben und unten); Sintflut; Schöpfung des Himmels und der Erde/ Sch. d. H., d. E. und des Meeres; am Ende wird das Meer nicht mehr sein. – Thales: Ursprung von allem ist das Wasser; Schuldzusammenhang flüssig (Verschiebung, Projektion).

  • 09.10.91

    – Welt und Natur als Totalitätsbegriffe (Produkte der verandernden Kraft des Seins),
    – das Inertialsystem, das Geld und das Bekenntnis,
    – oder die transzendentale Logik und ihr Objekt
    sind (als Stabilisatoren des Ich) Grund und Folge der Vernichtung der Gegenwart (oder des Antisemitismus als Grund und Inbegriff jedes Vorurteils: der Antisemitismus ist keine Folge der Xenophobie, sondern die Xenophobie Folge des Antisemitismus; Antisemitismus ist die Furcht vor dem Antlitz Gottes, Xenophobie die vor dem eigenen Gesicht), die Schrift das einzige Medium ihrer Wiederherstellung (durch Erinnerungsarbeit). Das Inertialsystem durch die Schrift ersetzen!
    Falsch ist die Vorstellung, daß die Richtungen im Raum einander äquivalent sind (Differenz von unten und oben, leuchtenden und beleuchteten Gegenständen).
    Blochs „Dunkel des gelebten Augenblicks“: Das Ich (oder auch das Sein oder der Begriff) bringt die Gegenwart zum Verschwinden (es steht sich selbst im blinden Fleck). Das Absolute Hegels, in dem kein Glied nicht trunken ist, ist der Inbegriff des Verschwindens der Gegenwart (als Totalitätsbegriff: die Trunkenheit des Begriffs die präzise Beschreibung dieser Bewegung des Verschwindens).
    Zur mathematischen Struktur der Bekenntnislogik: der Freund meines Feindes ist mein Feind, und der Feind meines Feindes ist mein Freund (das Ich gründet im Nein).
    „… ist die Intentionalität genau diejenige Modalität des Denkens, die das Mögliche dem Sein unterordnet und somit als Mögliches aufopfert. Das Denken des Seins wird zum Sein des Denkens. Der Genitiv der Intentionalität kehrt sich um.“ (Levinas: Außer sich, München 1991, S. 50f) Erläuterung des Rosenzweigschen Hinweises auf die „verandernde Kraft des Seins“, Zusammenhang mit dem Gesetz der Umkehrung, dessen gegenständliches Korrelat das Inertialsystem und seine seine Reflexionsformen (Geld, Bekenntnis) sind.
    Begriff und Ursprung der Gemeinheit: Gemeinheit ist strafrechtlich nicht zu fassen, weil sie beweislogisch nicht zu fassen ist. Gemeinheit verdankt sich der Verführungskraft der Reflexionsbegriffe: das Nicht-Beweisbare ist nicht; und das Eine ist das Andere des Anderen (also nicht das Eine). Sie unterdrückt und verdrängt Erfahrung, erfahrene Wahrheit, indem sie „nachweist“, daß das Andere der Erfahrung wahr, die reale Erfahrung dagegen (wie die Thesen und Antithesen der Kantischen Antinomien der reinen Vernunft) nicht nachweisbar und, da einem anderen vorrangigen Beweisinteresse (im Bereich des Staatsschutzes: dem des Staates) widersprechend, irreal ist. Das Gewaltmonopol des Staates ist der beste Schutz der Gemeinheit, seit die Gemeinheit im Rahmen des herrschenden Begriffs der Objektivität (in Naturwissenschaft und Kapitalismus, und in Verwaltung und Staat: letztlich in den Totalitätsbegriffen Natur und Welt) selber objektive Realität und Gewalt gewonnen hat. Gemein ist jede Instrumentalisierung; und gegen Instrumentalisierung ist keine Wahrheit (auch nicht der kritische Begriff der Instrumentalisierung selber) mehr gefeit.
    Der Personbegriff trennt den Namen von seinem „Träger“, macht ihn zu einer Eigenschaft, einem Prädikat: Produkt der Anpassung ans begriffliche Denken. Die Person ist das apriorische Objekt des Rechts, gleichsam deren materia prima, sie bezeichnet das Rechtssubjekt, das sich in seiner Beziehung zum Eigentum konstituiert, in dieser Beziehung schuldfähig ist, deshalb die Zurechenbarkeit von Schuld begründet: Personen sind berechenbar. Durch den Personbegriff werden umgekehrt Prädikate zu Namen (wird, wer gemordet hat, zum Mörder), werden Namen zum Ausdruck von Schuld. Im Bannkreis des Personbegriffs wird Freiheit zur Wahlfreiheit, zum liberum arbitrium, während der der Idee des Glücks zugrunde liegende Freiheitsbegriff die Befreiung von Schuld, das Heraustreten aus dem Bannkreis der Herrschaft, die Erlösung bezeichnet: das Sich-geliebt-Wissen, das die Fähigkeit zu lieben zur Grundlage hat, das Ende des Selbstmitleids.

  • 8.10.91

    Unterscheidet sich die neue Welt von der alten dadurch, daß wir uns (wie nach Newton der Kosmos insgesamt) dem Fallgesetz unterordnen, während die Alten ihm nur unterlegen sind (der Zerfall der Sprache hängt damit zusammen)? Die Abfolge der Reiche im Danielschen Bilde geht von oben nach unten, und nicht, wie wir unbewußt erwarten, von unten nach oben. Gibt es nicht einen Hinweis, daß auch die Musik anders erfahren wurde (Melodie in der tiefen Stimme, Begleitung in der Oberstimme)? Hängt hiermit die u.a. auch die (nach unserem Geschmack barbarische) Bemalung der Statuen zusammen, während wir auf die „Harmonie“ von Form und (nach Möglichkeit „edlem“) Material abstellen, auf das, was heute Echtheit und Authentizität heißt? Die moderne Welt hat im Kampf gegen die Idolatrie schlicht kapituliert. Deshalb erscheint sie wie in einen Sturz, in einen Strudel hereingerissen, in dem nur noch eine Niedertracht die andere zu übertrumpfen scheint und am Ende die Gemeinheit siegt. So bleibt als Alternative in der Tat nur noch die Umkehr.
    In der alten Welt suchten die Menschen (auch die Herrschenden) in der Stadt, im Staat, Zuflucht; Entlastung, Exkulpation brachten die Götter, die Opfer, der Kult. Religion und säkulare Welt waren nicht zu trennen, Religion ein Stück Herrschaftstechnik. In der neuen Welt ist das alles, ist der gesamte Herrschaftsapparat verinnerlicht worden; Herrschaft liefert ihre eigene Exkulpation (jedenfalls nach außen) gleich mit, wird – nach Absicherung durch den transzendentalen Apparat, durch die „Gemeinheitsautomatik“ – unangreifbar: das ist das Wesen der westlichen Zivilisation. Katalysator dieses historischen Prozesses war das zur Herrschaftsreligion verkommene („Bekenntnis“-)Christentum.
    Die Darstellung der Nacktheit in der Geschichte der Kunst (nach der Vergesellschaftung des Herrendenkens ist nur noch die Vermarktung der nackten Frau möglich) scheint damit zusammenzuhängen. Der nackte Mann in der griechischen Kunst (und bei den alten Olympischen Spielen): Welches Selbst- und Fremdverständnis (welches „Körpergefühl“) liegt dem zugrunde, wie hängt das mit dem Kosmosbegriff, mit dem Mythos, dem Begriff des Helden und der Schicksalsidee zusammen? (Grund des jüdischen Bilderverbots: Verbot der Selbst- und Fremdobjektivierung; sie verletzen das Recht des Angesichts.)
    „Und sie erkannten, daß sie nackt waren“: Nach der Erkenntnis des Guten und des Bösen sahen sie sich zum erstenmal „von außen“, gegenständlich (auch von vorn hinter dem Rücken). Die Scham und der Schutz durch die Kleidung (Schutz der Privatsphäre ist Schutz der Scham, die heute vom Tratsch, von den Medien bis hin zu den staatlichen Ermittlungsbehörden und Nachrichtendiensten, die insgesamt obszön sind, so unwiderruflich verletzt wird; im Islam schützt die Frau auch ihr Antlitz): vor diesem Hintergrund wird der Zusammenhang von Zeugung und Erkennen (Kain und Set; Bedeutung der toledot: der Genealogien und des Sechstagewerks; Trinitätslehre) vielleicht ein wenig verständlicher. Obszön ist auch das Inertialsystem: es bringt das Antlitz zum Verschwinden (Zusammenhang von Porträt und Perspektive; Naturwissenschaft, Hexenverfolgung und Auschwitz).
    Wie verhält sich das „Vom Kopf zu den Füßen“ zum „Von der Sohle bis zum Scheitel“ (vgl. Silvia Schroer, auch Marx, der Hegel vom Kopf auf die Füße stellen wollte, und Büchners Lenz, der auf dem Kopf gehen möchte).
    Drei Voraussetzungen des Inertialsystems:
    – das Relativitätsprinzip,
    – die Neutralisierung der Schwerkraft,
    – die Trennung des Raumes vom Licht und von der Materie, die Vorstellung des leeren Raumes, in den das Licht und die Materie „von außen“ hereinkommt (ambivalent: der Raum ist sich selbst äußerlich).
    Ist das Firmament der Sternenhimmel (der Nachthimmel) oder der azurne Tageshimmel (der die Sterne verdeckt)? Am Tageshimmel gibt es außer der Sonne den zu- oder abnehmenden Mond und den Morgen- oder Abendstern.
    Wieviel Könige gibt es von Saul bis zum Ende des Königtums in Israel: 3 + 17; Juda: 3 + 20? Und in welcher Beziehung stehen Saul, David, Salomon zu Abraham, Isaak, Jakob? Ist die Geschichte der Könige eine „Umkehrung“ der Genealogie?
    Ist Stalin nicht der Hammer, und heißt er nicht Josef?

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