• 04.10.1996

    „Es gibt nichts tierischeres als ein reines Gewissen“: Dieser Satz (der die Bekenntnislogik in ihrer Wurzel trifft) rechtfertigt nicht nur den Nobel-Preis: Er bezeugt die Sensibilität und Aktualität, die prophetische Erkenntniskraft, seiner Trägerin. Er ist ein Schlüsselsatz zur Erkenntnis jeder Art von Faschismus.
    Die Logik des apagogischen Beweises ist der Stachel im Herzen des Objekts (Grund des kontrafaktischen Urteils, der Urteilsethik, der Wertethik).
    Die Bekenntnislogik versucht die Lücke zu schließen, die der apagogische Beweis aufreißt. Dazu bedarf sie der Idee des Absoluten (der gegenstandslosen Spiegelung des Subjekts im Unendlichen). Die Confessiones des Augustinus enden mit dem Selbst-Bekenntnis.
    Sind nicht die Confessiones des Augustinus die Urgestalt der erbaulichen Literatur, die lateinischen Ursprungs ist? Zur erbaulichen Literatur gehört die „fromme Lüge“: Religion als Mittel der Verführung anderer? Die Idiosynkrasie gegen das Theater verweist auf eine Dramaturgie, dessen Bühne eine Sprache ist, die die Namenskraft der Sprache aus dem prosaischen Indikativ, an den sie gefesselt ist, nicht mehr zu entwickeln vermag (wodurch unterscheidet sich der lateinische vom griechischen Indikativ?). Die „Wörtlichkeit“ des Genesis-Kommentars des Augustinus (de genesi ad litteram) drückt das aufs genaueste aus. Es ist die Wörtlichkeit eines Indikativs, der im Bann der imperialen Logik der lateinischen Sprache die Herrschaftsreflexion verlernt hat. Der Bann der imperialen Logik ist der Bann der Objektivierung.
    Zu den Elementen der erbaulichen Literatur gehören:
    – die Legende (die, nachdem sie von der Herrschaft in den Dienst genommen wurde, zur Fälschung sich entwickelt hat),
    – die Privatisierung der Idee der Vorsehung (und deren Erkennbarkeit durch den Frommen), die die stoische Ataraxia als Gleichgültigkeit gegen die Welt ins Objektive wendet: in die Dinge projiziert,
    – die zentrale Funktion der Sexualmoral (und der zölibatären Lebensweise), in die die verdrängte Herrschaftskritik projiziert wird,
    – daraus abgeleitet die merkwürdige Beziehung zu Frauen (die heilige Mutter und die namenlose und dann verstoßene Geliebte).
    Die subjektiven Formen der Anschauung (zur Logik der Natur- und Geschichtserkenntnis): Der mitleidlose Blick strahlt als Kälte der Welt zurück.
    Der Bruch zwischen E- und U-Musik (und die zunehmende Verrottung beider) ist ein Reflex der Entstehungs- und Vollendungsgeschichte der Beton-Welt: Die Rockmusik lehrt die Menschen, nach der Pfeife dieser Betonwelt zu tanzen, während die Schlager (und die Pop-Musik) ihnen helfen, vor dieser Welt die Augen zu verschließen, sich aus dieser Welt herauszuträumen. Nicht mehr die Musik, sondern die avancierteste Gestalt ihrer Reflexion erschüttert die Fundamente der Welt.
    Die Beton-Welt ist ein ebenso realer wie sprachlicher Sachverhalt: An der Zeit wäre die Entfaltung einer politischen Grammatik (Ursprung des Neutrum, Geschichte der Deklination und Konjugation, Beziehung der Sprache zur Mathematik, zum Inertialsystem).
    Die Apokalypse unterscheidet zwischen den Gebeten der Heiligen (Rauchopfer) und den Taten der Heiligen (weiße Kleider).
    Sind Satan und Teufel Verkörperungen der imperialen Macht, symbolisieren sie den Caesar? Gibt es hierzu Hinweise in der Geschichte der Versuchungen Jesu (die in der konstantinischen Wende real werden: Teilhabe an der Macht, Steine statt Brot, Sturz von der Zinne des Tempels)?

  • 02.10.1996

    Herrschaft, Macht und Gewalt verhalten sich wie Licht, Gravitation und Mechanik.
    Die Mechanik konstituiert sich in der Abstraktion von der Empfindung (vom Schmerz), die Gravitation in der Abstraktion von der Kritik (deren originäres Objekt die Macht ist) und das Licht in der Abstraktion von Schuld (dem Quell der Dunkelheit, der Finsternis). Das Licht ist das naturale Äquivalent der Sündenvergebung (und die „subjektiven Formen der Anschauung“ das der Beichte, mit der es die Verdrängung der Barmherzigkeit gemeinsam hat).
    Herrschaft ist die sich selbst durchsichtige Macht, die der Gewalt nicht mehr bedarf. Macht aber wird ihrer selbst durchsichtig (und mächtig) in der Barmherzigkeit.
    Ist nicht die Physik das Objekt, an der die Beziehung von Herrschaft, Macht und Gewalt zu studieren wäre?
    Haben Macht, Gewalt und Herrschaft etwas mit den Thronen, Mächten und Herrschaften der alten Dämonenlehre zu tun?
    Ist der Herrgott eine bayerische Spezialität, und der liebe Gott eine westfälische (norddeutsche)? Liebt der „liebe Gott“ nicht doch nur die Erfolgreichen?

  • 01.10.1996

    Das Prinzip der Schuldumkehr (und somit ihre Beziehung zum Schuldbekenntnis) bindet die Bekenntnislogik an die Logik der Verurteilung und ans Feindbild. Die Bekenntnislogik ist das Produkt der Instrumentalisierung des Symbolums. Drückt die Differenz des Bekenntnisses zum Symbolum nicht in der des confiteri zum homologein sich aus? Und ist nicht der Kontext der confessio (ihre passive, auf den Blick und das Urteil der Andern bezogene Beziehung zur Sündenvergebung, zur Rechtfertigung) ein anderer als der des homologein (der aufs Handeln: auf die aktive Nachfolge, verweist)? Die confessio trennt die Sündenvergebung vom Sündenvergeben (das Gericht von der Barmherzigkeit), sie transformiert so das homologein in ein theologisches Inertialsystem (sie subsumiert das Bekenntnis unters Gesetz der Instrumentalisierung).
    Die Trinitätslehre ist – insbesondere in ihrer lateinischen Fassung – ein logisches Konstrukt. Es ist nicht unerheblich, daß die bedeutendsten lateinischen Theologen (von Tertullian bis Augustinus) Rhetoren waren, die die Logik, indem sie sie wie eine Ingenieurswissenschaft betrieben (als Mittel für subjektive Zwecke), zu einem Instrument der gesellschaftlichen Naturbeherrschung gemacht haben. Hier ist der instrumentalisierende Grundzug in die Theologie hereingekommen, der seitdem nicht mehr aus ihr herauszubringen ist. Ist nicht das Modell der trinitas der Raum mit seinen drei Dimensionen (und das der Orthodoxie die Orthogonalität)? Die Trinitätslehre ist das embryonale Modell der universalen Verdinglichung (der Verhärtung des Herzens).
    Rind und Esel: Im Strafrecht verfolgt der Staat seine Konkurrenten: die Anmaßung des „Verbrechers“, von einem Recht Gebrauch zu machen, das nur ihm, dem Staat, zusteht. Deshalb kennt das Strafrecht keine Versöhnung und keine Wiedergutmachung, aber auch keine Umkehr, sondern nur die Strafe: die Befriedigung des Rachetriebs. Das Strafrecht wird, wenn es das Element seiner Humanisierung (die Domestizierung des Rachetriebs) endgültig verwirft, zu einer projektiven Verfolgungsmaschine (die dann im deutschen Judenmord gegen das Strafrecht, aus dem sie hervorgegangen ist, sich verselbständigt hat), eine Maschine, mit deren Hilfe der Staat sein eigenes Verbrechen (das Verbrechen seines Bestehens) an anderen verfolgt, um so sich selbst zu exkulpieren. Ist nicht das Bekenntnis zum Staat, Grund und einziger Inhalt des Nationalismus, das verstockte Bekenntnis zu diesem Verbrechen (und ist nicht die Schuldumkehr, in der das Bekenntnis sich konstituiert, der Grund der Verhärtung des Herzens)?
    Hängt die consubstantialitas mit der homousia auf ähnliche Weise zusammen wie die confessio mit dem homologein?
    Ist nicht die confessio eine passivische Perfektbildung (abgeleitet aus dem Verb confiteri, confessus sum), und ist nicht der lateinische Substanzbegriff ein Produkt (das gegenständliche Pendant) der confessio? Das Substantiv ist das Produkt der logischen Verknüpfung beider.
    Wie kommt es, daß fast alle grammatischen Bezeichnungen (wie Substantiv, Akkusativ, Nominativ etc.) auf -iv(um) enden; drückt sich darin nicht schon ihre Beziehung zur Ursprungsgeschichte des Trägheitsbegriffs, des Inertialsystems, aus? – Verweist das -ivum nicht auch auf einen Eingriff, auf eine gegenständliche, formende Tätigkeit: auf eine apriorische Sprachlogik, eine Herrschaftslogik der Sprache? Ist diese Sprachlogik nicht die Embryonalform der transzendentalen Logik (und ihr Subjekt die des transzendentalen Subjekts)?
    Vor dem Erscheinen des Tiers aus dem Wasser wird der Drache (der „Ankläger unserer Brüder“) vom Himmel auf die Erde geworfen. „Darum frohlockt, ihr Himmel, und die ihr darin wohnt! Wehe der Erde und dem Meer! denn der Teufel ist zu euch hinabgekommen …“ Auf die Erde herabgeworfen, verfolgt der Drache das Weib, das den Knaben geboren hat, und das in die Wüste flieht, „fern vom Angesicht der Schlange“. Es steckt eine ungeheure Dramatik in den Kapiteln 12/13 der Johannes-Offenbarung: Der Drache übergibt dem Tier seine Kraft, seinen Thron und große Macht … Der Drache und das Tier werden angebetet; dann macht das Tier vom Lande ein Bild des ersten Tieres, das große Zeichen tut, sogar Feuer vom Himmel auf die Erde herabfallen läßt, es verleiht dem Bild Lebensgeist, sodaß das Bild sogar redet und bewirkt, daß alle, die das Bild nicht anbeten, getötet werden.
    Worauf bezieht sich das Bild von dem vom Himmel auf die Erde geschleuderten Drachen, hängt es mit dem Wort aus dem Johannes-Evangelium zusammen: „Jetzt ergeht ein Gericht über diese Welt; jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden …“ (Joh 1231, vgl. auch 1430 und 1611, sowie Lk 1018). Und hat diese Geschichte nicht etwas mit der Ursprungsgeschichte des „transzendentalen Subjekts“, der Konstruktion des Bewußtseins und dem Ursprung der Philosophie (in denen die Ursprungsgeschichte des Staates sich spiegelt) zu tun?
    Erinnert nicht die Trennung von Information und Feuilleton in den Medien (die auf die sachliche von Politik/Ökonomie und „Kultur“ zurückweist) an die Unterscheidung des Tiers aus dem Meere vom Tier vom Lande?
    Die kantische Antomienlehre enthält die Ansätze einer Kritik der Logik, sie eröffnet einen Blick in den Abgrund der Logik, den Hegel durch die erneute Einbindung in die Logik (durch Einbindung der transzendentalen Ästhetik in die transzendentale Logik) zu schließen versucht hat.

  • 30.09.1996

    Feigenblatt: Die Bekenntnislogik gehorcht dem Prinzip der Exkulpation durch Verurteilung des Bösen, durch Abscheu vor dem Bösen.
    Die Exkulpation durch Verurteilung verbindet die Bekenntnislogik mit der Form der äußeren Anschauung, dem mitleidlosen, richtenden Blick.
    Was ist mit Gott geschehen, als er die Welt erschuf; und was bedeutet der Satz: Was ihr auf Erden lösen werdet, wird auch im Himmel gelöst sein?
    Alle naturwissenschaftlichen Weltentstehungstheorien haben mehr mit dem Sündenfall als mit der Schöpfung zu tun.
    Hat nicht der letzte Satz im Buch Jona etwas mit dem Satz am Kreuz zu tun: „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“?
    Der Tod ist ein Meister aus Deutschland: Zur Meisterprüfung gehört das Kreidefressen; heute tragen die Wölfe nicht mehr nur Hörner wie ein Lamm, sie sprechen auch wie die Lämmer.

  • 29.09.1996

    Das Verurteilen rührt an die Angel der Welt. Merkwürdiger Doppelsinn des Worts Angel: Es bezeichnet sowohl ein Instrument des Fischfangs, den Haken, als auch den Dreh- und Angelpunkt (das Triangel ist das Dreieck). Verweist dieser Doppelsinn nicht auf den Winkel und dessen Norm, die Orthogonalität (den logischen Kern der Verurteilung)? (Hat die Angel etwas mit dem angelus zu tun; vgl. auch Anker.)
    Haben die Könige von Edom etwas mit den ägyptischen Plagen zu tun, und haben beide etwas mit der Beziehung des Königtums zum Opfer zu tun?
    Austreibung der Dämonen: Ist nicht jede Objektivation dämonisch, und war nicht der Titel „Sohn Gottes“ das erste Produkt der Objektivation (der Logik des Seitenblicks, des Urteils, des Indikativs)? Die homousia affiziert weniger den Sohn als vielmehr den Vater, den sie (in der Trinitätslehre) in die Logik der Instrumentalisierung mit hereinzieht: Die homousia, die die Sohnschaft verfügbar macht, ist das Gericht des Sohnes über den Vater. Wenn Jesus Gott Vater nennt und der Vater ihn seinen geliebten Sohn, so ist das etwas anderes als wenn wir ihn Sohn Gottes nennen (und den Titel zu einem Prädikat in einem Urteil über Jesus machen: zu einem Begriff). So nennen ihn auch die Dämonen und zittern (und so nennt ihn der Hauptmann unterm Kreuz, aber auch Petrus).
    Der Sohn-Gottes-Titel entstammt der gleichen Logik, aus der auch das Gravitationsgesetz stammt (das Gravitationsgesetz verhält sich zur Schwere wie der dogmatische Sohn-Gottes-Begriff zu den Selbstbezeichnungen Jesu). Beide instrumentalisieren die Beziehung von oben und unten, sie rühren an die Grundlage des Begriffs (an die Form der Beziehung des Begriffs zum Objekt, die eine irreversible Oben-Unten-Beziehung, eine Spiegelung des Gravitationsfeldes, ist). Der Sohn-Gottes-Begriff hat die Theologie (auf dem Weg über die Trinitätslehre) zu einem Modell, zu einer Vorform der Naturwissenschaften gemacht. Im Sohn-Gottes-Begriff spiegelt sich die Trennung von Natur und Welt, Objekt und Begriff; er begründet einen Universalismus, der die Asymmetrie zwischen mir und dem Andern unterdrückt, verdrängt und neutralisiert. Die Beziehung des Begriffs zum Objekt gründet in der Herrschaftsbeziehung, in der Beziehung des Herrn zum Beherrschten: sie verdrängt mit dem Bewußtsein der Asymmetrie die Fähigkeit zur Reflexion von Herrschaft, damit aber die Idee der Barmherzigkeit.
    Rechts und Links nicht unterscheiden können ist die Unfähigkeit zur Reflexion von Herrschaft.
    Die RAF-Prozesse, das Feindbild, die Verwaltungslogik, die Bekenntnislogik, das Geld und das Inertialsystem: sie alle gehen davon aus, daß es eine unendliche (die Barmherzigkeit lähmende) Schwere gibt. Diesen Sachverhalt hat Kafka in dem Satz reflektiert: Es gibt unendlich viel Hoffnung, nur nicht für uns.
    Wie hängt der Sohn-Gottes-Titel mit dem Satz zusammen, daß die Pforten der Hölle (der Unterwelt) sie (die Kirche) nicht überwältigen werden? Worauf bezieht sich hier der Name der Kirche?
    Rosenzweigs Kritik des All schließt die Kritik der Äquivalenz aller Richtungen im Raum, ihrer Ununterscheidbarkeit, mit ein.
    Ägyptische Finsternis: Die Fundamentalontologie Heideggers hat den blinden Fleck der Philosophie totalisiert.
    Das Sein ist der Inbegriff des Präsens, aber unser Präsens ist ein durchs Perfekt (durch die „vollendete Vergangenheit“) vermitteltes Präsens: In ihm steckt das ganze, hier wirklich unendlich gewordene Gewicht der Vergangenheit.
    Die Schwere, und zwar die physikalische (der Trägheit äquivalente) wie auch die moralische der Schuld, ist der Ausdruck der Herrschaft der Vergangenheit über die Gegenwart. Der Begriff der Schwere der Schuld gehört zum Feindbildsyndrom, er verwischt die Grenze zwischen einem Angeklagten und dem Feind und macht das Recht zu einem Instrument des Vorurteils. Das faschistische „gesunde Volksempfinden“ war immer schon ein Euphemismus für den völkischen Rachetrieb.
    Gibt es in der hebräischen Bibel (außer dem Satan) auch Teufel oder Dämonen? Woher kommt der Teufel? Sind Satan, Teufel und Dämon drei Phasen oder drei Stufen der Sprachentwicklung?
    Synthetische Urteile apriori sind Verwaltungs- (oder Staatsschutz-)urteile. Wäre Gemeinheit ein strafrechtlicher Tatbestand, würde es keine Staatsschutzsenate geben.
    Das Inertialsystem spannt Rind und Esel gemeinsam vor den Pflug, sein Opfer ist das Lamm.
    Die Instrumentalisierung ist eine Pluralisierung (jeder Begriff bezieht sich auf Objekte im Plural; es gibt keinen individuellen Hammer, sondern jedes Instrument ist logische Massenware: seit Kopernikus gibt es die Frage nach dem Leben auf anderen Sternen).
    Modelle der Instrumentalisierung: Deutscher Gesang, deutsche Frauen und deutscher Wein.

  • 28.9.1996

    Steckt in der kantischen Unterscheidung eines feminenen und eines neutrischen Erkenntnisbegriffs (die bzw. das Erkenntnis) ein bei seinen Nachfolgern schon verdrängtes Bewußtsein davon, daß die transzendentale Logik eine neutralisierte Erkenntnisform begründet? Und liegt hier nicht der Grund für die „romantische Revolution“, die Isaiah Berlin (in Lettre 34, S. 76ff) zu beschreiben versucht? Im Bann der Logik dieser neutralisierten Erkenntnis wird das Wahre (nicht die Wahrheit) zum „bacchantischen Taumel, in dem kein Glied nicht trunken ist“ (Hegel, Vorrede/Einleitung zur Ph.d.G.).
    Kant begründet seine Vernunftkritik mit dem Hinweis auf die kopernikanische Wende, in der er das Modell seiner philosophischen Revolution erkennt. Ist die transzendentale Logik nicht in der Tat das philosophische Äquivalent der newtonschen Gravitationstheorie, beschreiben nicht beide gemeinsam den Grund und die Grenzen des Begriffs der Erscheinung (und im Begriff der Erscheinung das Korrelat des Begriffs, den Inbegriff aller Objekte von Urteilen)?
    Ist die Fähigkeit, Rechts und Links zu unterscheiden, der Anfang der Gotteserkenntnis? Und war es nicht der Pharao, der, weil er Joseph nicht mehr kannte, auch den Namen Gottes nicht mehr kannte? Deshalb mußte Moses auf den „Gott der Hebräer“ sich berufen, wenn er zum Pharao ging.
    Israeliten heißen die, die Gott fürchten; Hebräer heißen die Gottesfürchtigen von außen: in den Augen der Völker. Vereinigt nicht der Name des Gottessohns beide Aspekte in sich (mit der Folge, daß durch die Dogmatisierung dieses Namens seine Wahrheit verdrängt wird, nur der Blick von außen, der dämonische Gebrauch des Namens zurückbleibt: der Gott der Hebräer)?
    Backstreet boys: Gibt es dieses Gekreische nicht auch in der Religion?
    Das „geboren aus dem Heiligen Geist und der Jungfrau Maria“, das in einigen frühen Bekenntnistexten sich findet, enthält die Erinnerung an den Mutterschoß, aus dem die Propheten berufen wurden, während das „natum de spiritu sancto ex Maria virgine“ den Heiligen Geist in den zeugenden Gott mit hereinnimmt (und die Prophetie storniert).
    Die Erstgeburt ist dem Moloch zubestimmt, seine Auslösung durchs Opfer (des Lammes, auch der Taube) gehört zur Ursprungsgeschichte der Offenbarung. Bei der Bindung Isaaks war der erste Engel, der das Opfer forderte, der Engel Gottes, der zweite, der es verhinderte, der Engel des Herrn. Auch dem Zacharias und der Maria ist der Engel des Herrn erschienen: er nannte sich Gabriel.
    Nach Emmanuel Levinas stehen die Attribute Gottes nicht im Indikativ, sondern im Imperativ: Ist nicht der Indikativ die Sprache des Selbstbewußtseins, das sprachliche Korrelat des Weltbegriffs und des Objektivationsprozesses, den der Weltbegriff begründet und legitimiert? Aber gibt es nicht doch auch einen theologischen Indikativ: den der Lehre?

  • 26.09.1996

    Läuft das Plädoyer der BAW nicht auf ein lebenslängliche Beugehaft hinaus? Keine der Taten, deretwegen Frau Hogefeld angeklagt ist, wurde wirklich nachgewiesen; „bestraft“ wird sie dafür, daß sie nicht bereit war, sich als Kronzeugin zur Verfügung zu stellen. Und die Öffentlichkeit interessiert’s nicht, weil es sich um einen RAF-Prozeß handelt.
    Beitrag zur politischen Ökonomie: Der Nationalismus definiert die Grenze, die die Eigentümer von den Nicht-Eigentümern trennt (Sozis waren und bleiben „vaterlandslose Gesellen“). Wenn in Deutschland Gastarbeiter sich „wie Gäste benehmen“ sollen, so heißt das, daß sie als Nicht-Deutsche an den (Eigentümer)-Rechten der Deutschen keinen Anteil haben, daß sie, wie andere Ausländer auch, keine Rechte haben.
    Sprachaufklärung für Theologen: Überzeitlich sind die Schlange und das Tier, ewig ist Gott.
    Haben nicht die beiden subjektiven Formen der Anschauung ein unterschiedliches Gewicht? Vorrang hat die subjektive Form der inneren Anschauung, die Vergegenständlichung der Zeit (die ihre Entsprechung findet in den indoeuropäischen Grammatiken, in den Formen der Konjugation), der Kristallisationskern sowohl der Form des Raumes als auch des Geldes und der Bekenntnislogik. Mit der Vergegenständlichung der Zeit (durch die Trennung der logischen von der zeitlichen Folge, des Grundes von der Kausalität) entspringt überhaupt erst die Logik. Und mit der Vergegenständlichung der Zeit gewinnt die Sprache ihre vergegenständlichende Gewalt, wird sie zum Organ des Herrendenkens. Die vergegenständlichte Zeit trennt Gericht und Barmherzigkeit, macht das Denken zum richtenden Denken (der Seitenblick auf die Zeit ist der schuldverdrängende und der richtende Blick (wer einen „lieben Gott“ oder einen „gnädigen Gott“ sucht, der sucht den Gott der apriorischen Sündenvergebung: das hat einmal das Dogma für die Herrschenden geleistet, das leistet heute das Inertialsystem für alle; Hitler war die letzte Verkörperung dieses „lieben Gottes“, seitdem gibt es nur noch Schmusetiere; der „liebe Gott“, der vom barmherzigen Gott zu unterscheiden ist, ist der Gott, der uns von unseren Schuldgefühlen befreit und dann gnädig über die Folgen unseres Handelns hinwegsieht: der rechtfertigende Gott, der eigentlich das Weltgericht ist, das Hegelsche Absolute). Ist die Zeit (sind die Tempora der indoeuropäischen Sprachen) der Turm, der bis an die Himmel reicht und die Verwirrung der Sprache zur Folge hatte?
    Liegt nicht zwischen dem Demonstrativpronomen und dem Relativpronomen die Logik der Vergegenständlichung (im Hebräischen bezeichnet das ascher den „Ort, wo“; und der Artikel hatte ursprünglich demonstrative Funktion; vgl. Hebräisch, Kurzgrammatik von Hans-Peter Stähli, S. 66)?

  • 25.09.1996

    Gibt es in Staatsschutz-Prozessen heute kein Mittel mehr dagegen, daß die falschen Zeugen gewinnen? Ist nicht die bundesanwaltschaftliche Dialektik das Instrument der Konstruktion synthetischer Urteile apriori (die forensische Dialektik findet ihren Grund in dem mit dem Problem des apagogischen Beweises logisch verknüpften Prinzip, daß Gemeinheit kein strafrechtlicher Tatbestand ist)?
    Das Präsens ist die Zeitform der zweiten Unmittelbarkeit. Diese Unmittelbarkeit verdankt sich dem „Seitenblick“, die jedes Handeln in ein gesetzlich determiniertes Geschehen transformiert (Ursprung des Naturbegriffs, der diesen Seitenblick festschreibt).
    Gott ist weder der Herr der Geschichte noch der Schöpfer der Natur: Er ist keine Legitimationsinstanz der Objektivierung.
    Der kirchliche Begriff der Sündenvergebung ist gnadenlos: Er trennt die Sündenvergebung vom Sündenvergeben, von der Versöhnung.
    Die Theologie heute ist die ebenso hilflose wie verkrampfte Auseinandersetzung mit der transzendentalen Logik, in die sie durchs Bekenntnisprinzip verstrickt ist. Die transzendentale Logik ist der Inbegriff einer Immanenz, die in den Grenzen der Subjektivität eingeschlossen bleibt, sie nicht zu sprengen vermag.
    Christliche Priester-Theologie hat den Heiligen Geist zum Gattungswesen und zum Agenten des Selbsterhaltungsinstinkts des Kirchentiers gemacht. Deshalb ist der Heilige Geist in den Kirchen verstummt.
    Die differentia specifica der Nachkriegsgeschichte gegenüber dem Faschismus, aus dem sie hervorgegangen ist, liegt in dem Fortschritt der Vergesellschaftung von Herrschaft: Nach dem Ende des Faschismus ist fürs Bewußtsein Herrschaft irreversibel von den Menschen auf die Dinge übergegangen. Habermas‘ Verzicht auf Naturkritik war die Kapitulation vor dieser Herrschaft der Dinge. Der Sieg des Objektivationsprozesses drückt unmittelbar in der Historisierung der Gegenwart sich aus, die sich selbst nur als vergangene Gegenwart (aus der Perspektive des Futur II, der zukünftigen Vergangenheit, deren merkwürdiger Doppelsinn erhalten bleibt) noch zu begreifen vermag.
    Hängt damit nicht die seit Jahren etablierte Redewendung, mit der der Redende sich selbst in den Konjunktiv setzt, zusammen: „Ich würde sagen, …“
    Zur frühmittelalterlichen Engellehre: Sind nicht die hierarchischen Strukturen (im Kosmos wie in der Gesellschaft) im Bann von Herrschaft erstarrte Reflexionsformen der Verdinglichung (der Begriffshierarchien)? Der Satz, daß „jetzt der Fürst dieser Welt hinausgeworfen wird“ (Joh 1231), bezeichnet einen (für das Verständnis des Christentums zentralen) sprachgeschichtlichen Sachverhalt.
    Gehört nicht zum Titel Menschensohn die ezechielische Konstellation der Individualisierung der Schuld (die Verwerfung der Erbschuld), die ohne die Übernahme der Sünde der Welt nicht zu halten ist. Der Menschensohn ist der Sohn dessen, durch den „die Sünde in die Welt gekommen ist“.

  • 24.09.1996

    Sind in Zeugenaussagen vor Gericht Wahrnehmungen und Schlüsse eigentlich wirklich stringent zu unterscheiden? Und gründen darin nicht die Probleme der Beweislogik (das Problem des apagogischen Beweises)? Hat die Frage nach der „gleichmäßigen Verteilung der Materie im Raum“, wie auch das Problem, weshalb es nachts dunkel ist, hiermit (mit der Logik des Raumes, der Ursprungsgeschichte des Neutrums, der Neutralisierung) zu tun, wird das Problem des apagogischen Beweises in der Nacht sinnlich erfahrbar?
    Gehört zur Nacht und zum Problem des apagogischen Beweises das bundesanwaltschaftliche Grinsen der Staatsgewalt.

  • 23.09.1996

    Die schlafenden Jünger, die nicht begriffen haben, was es mit dem Kelch in Getsemane auf sich hatte, und die drei Leugnungen Petri, gehört das nicht zusammen? Die Jünger, die im Garten Getsemane geschlafen haben, waren auch auf dem Berg Tabor und bei der Heilung der Schwiegermutter des Petrus dabei.
    Ist die Zahl 666 das Symbol des Herrendenkens, der Verhärtung des Herzens und der Verblendung, das über die subjektiven Formen der Anschauung unser Bewußtsein beherrscht: das Symbol der transzendentalen Logik, der Urteilslogik?
    Fürs Bekenntnis gilt, was für die Moral insgesamt gilt: Das Bekenntnis ist ein Gebot, es ist kein Gesetz. Läßt sich das nicht aus der Formel „Bekenntnis des Namens“ herleiten?
    Die Bekenntnislogik ist die Logik der Gesetzesform des Bekenntnisses: des Bekenntnisses für andere, des instrumentalisierten Bekenntnisses. Die Bekenntnislogik ist die Logik des Andersseins des Bekenntnisses, seiner weltlichen Form, die Hegels Logik in dem Satz erinnert und reflektiert: Das Eine ist das Andere des Anderen. Aber ist das Eine für sich nicht mehr als nur das Andere, das es für Andere ist? Es ist diese Bekenntnislogik, die die Wahrheit neutralisiert, indem sie sie hinter den Rücken Gottes transformiert. Hat diese Bekenntnislogik etwas mit dem Rock aus Fellen zu tun, der den Schurz aus Feigenblättern ersetzt (oder auch mit Elohim, dem Anderssein Gottes)?
    Ist der Vater das Angesicht Gottes, und der Geist das Leuchten Seines Angesichts?
    Die Bezeichnung Sohn Gottes ist weder aus dem Gottesnamen Vater noch aus der Stimme, die ihn Mein geliebter Sohn nannte, ableitbar: Auch die Dämonen (wie auch der Hauptmann unter dem Kreuz) haben ihn Sohn Gottes genannt, aber sie haben Gott niemals Vater genannt. Der Name Sohn Gottes gehört zu jener Ordnung der Vergegenständlichung, in der auch das Dogma (als Sohn-Gottes-Theologie) sich konstituiert (die Verwaltung dieser Ordnung ist Petrus, der Kirche und den Priestern übertragen, die die Kirche zu einer Väterkirche gemacht haben).
    Die Sohn-Gottes-Theologie (das Dogma) ist das logische Modell der kopernikanischen Wende.

  • 22.09.1996

    Ägyptische Finsternis: Das Verdrängen des Bekenntnisses in der Gegenwart, in der keiner mehr glaubt, was er bekennt, ist eine Folge des in die Bekenntnislogik eingebauten Vergessensmechanismus.
    Im Anfang: Die Schrift kennt nicht die Unterscheidung des zeitlichen und des logischen Anfangs; diese Unterscheidung setzt die Trennung von Natur und Welt (Objekt und Begriff, Schrecken und Urteil, zeitlicher und logischer Ordnung) voraus.
    Das (auf den kaiserlichen Konzilien formulierte) Credo unterscheidet sich vom Apostolischen Glaubensbekenntnis u.a. in folgenden Punkten:
    – Der auffälligste Unterschied dürfte die Ersetzung des creare durch das facere sein (Reflex des Banns der gesellschaftlichen Naturbeherrschung?),
    hinzu kommen:
    – die Unterdrückung der descensio ad inferos (eines Artikels, der dem Apostel Thomas zugeschrieben wird),
    – das unum (vor: deum, dominum Jesum Christum, sanctam catholicam et apostolocam ecclesiam, baptisma),
    – die Umstellung von „gelitten unter P.P., gekreuzigt, gestorben und begraben“ in das sehr merkwürdige „gekreuzigt unter P.P., gelitten und begraben“ (Staats unterstellt hier bloße Schlamperei).
    Dem Credo zufolge ist Jesus weder gestorben, noch abgestiegen zur Unterwelt.
    Zum lateinischen Credo gehört auch das genitum non factum und das ex patre natum ante omnia saecula. Im Griechischen wird genitum und natum nicht unterschieden, in beiden Fällen heißt es gennetenta. – Was bedeutet saeculum: wird es nicht je nach Bedarf mit Jahrhundert (Weltzeit) und Ewigkeit übersetzt?
    Ist das Adjektiv katholisch (wie auch das unum) ein Reflex der Rezeption des Weltbegriffs (dessen zentrale Bestimmungen die Totalität und die Einheit sind)?
    Es ist keineswegs sicher, daß die byzantinische Tradition die ältere ist, nur: sie ist die caesarische Tradition. Hat vielleicht das Apostolische Bekenntnis, das historisch durchaus später sein kann, dagegen bewußt auf die ältere Tradition sich berufen?
    Gibt es eine griechische Fassung des Apostolischen Glaubensbekenntnisses, oder anders: wenn es aus einer griechischen Vorform entstanden ist, hat es später eine griechische Version der lateinischen Endfassung gegeben (vgl. Kelly, S. 113ff)?
    Seid klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben: Ist das nicht die Aufforderung, das Urteil dadurch zu unterlaufen, daß man dem Schrecken sich stellt? – Eines wird nicht mehr möglich sein: aus der Faschismus-Erfahrung durch Historisierung den Schrecken zu bannen. Es wird immer wieder ein Goldhagen kommen, der den Historismus erschüttern wird: An ihren Reaktionen wird man die Historiker dann erkennen können.
    Wenn Reinhart Staats „die säkulare Medienwelt mit ihren Publikationen und Propaganda-Institutionen … an das ursprüngliche Wesen des Christentums als einer bekennenden Religion erinnern“ (S. 306), weiß er dann wirklich, wovon er redet?
    Sind nicht die innerkirchlichen Spaltungen Vorgänge, an denen man den Ursprung des Planetensystems studieren könnte (lassen sich nicht die abgespaltene jüdische Tradition als Sonne, die Kirche selbst als Mond, die abgespaltene Orthodoxie als Jupiter, der Islam als Mars, sowie Merkur und Venus als Aufklärung und Kultur („Kunst“) verstehen)?
    Die Planetenwelt ist der Beweis, daß Newtons absoluter Raum ein siebenfacher (kein einfacher) Raum ist?
    Ist es nicht ein ungeheurer Gedanke, daß die Metalle, aber auch die inneren Organe der Tiere und Menschen auf die Konstellation der Planeten verweisen (ist die Deszendenztheorie eine auf die Welt der Planeten begrenzte Kosmogonie?).
    Kein Mitleid mit Jona: Wichtiger als die Frage, wie es mit Jona weitergegangen ist, ist, scheint mir, die Frage, was mit Ninive geschehen ist, nachdem es nicht zerstört wurde. Kann es sein, daß die „Zerstörung Ninives“ gerade darin bestand, daß alles einfach nur weitergegangen ist?
    Es gibt unendlich viel Hoffnung, nur nicht für uns: Gewinnt nicht der zweite Teil dieses Satzes ein umso größeres Gewicht, je mehr wir versuchen, ihn zu verdrängen?
    Erinnerungsarbeit: Surfen im Internet der Logik.
    Das Sparprogramm der Bundesregierungen überzeugt vor allem alle die Hausbesitzer: Auch sie haben sich einmal beim Hausbau übernommen und sind jetzt gezwungen zu sparen.

  • 21.09.1996

    Wenn die sieben Siegel etwas mit den sieben Planeten zu tun haben, ist dann nicht der Himmel das Buch des Lebens, das aufgerollt (abgeschlossen und geöffnet) wird, wenn die sieben Siegel gelöst werden?
    Gilt nicht der Satz über den Faschismus, daß die bloße Verurteilung nicht hilft, sondern der Schrecken zu reflektieren ist, auch fürs Patriarchat insgesamt. Und ist die Instrumentalisierung des Schreckens (in der bloßen Verurteilung des Faschismus wie des Patriarchats) nicht die Falle der Urteilslogik? Hat die „Venus-Katastrophe“ etwas mit diesem Vorgang zu tun, und sind die „Planeten“ die kosmischen Repräsentanten dieser Urteilslogik? Sind die sieben Siegel (wie auch die sieben Planeten, die Wege des Irrtums) Ausdruck objektiver Zwänge, die aus der Verdrängung des Schreckens (an den die paulinischen Elementarmächte erinnern) resultieren? Ist die Astrologie eine Urteilstheorie?
    Die frühe Kirche hat (nach der Rezeption des Weltbegriffs und nach dem Ursprung der Bekenntnislogik) die dämonischen Elementarmächte der Paulusbriefe zu Engelshierarchien gemacht.
    Venus und Merkur sind sonnennahe Planeten, Jupiter und Mars sonnenferne (und auf eine komplizierte Weise auf den Mond bezogene) Planeten. Und gehören Uranos und Pluto auf ähnliche Weise zum Saturn? (Vgl. die Neunzahl der pseudodionysischen Hierarchien: Seraphim/Cherubim/Throne, Herrschaften/Mächte/Kräfte, Fürstentümer/Erzengel/Engel, peri tes ouranias hierarchias.)
    Ist Saturn der Planet der Personalpronomina (erste, zweite, dritte Person bzw. m/f/n)?
    Läßt die Theologie Martin Bubers aus seiner Übersetzung des Gottesnamens (ER, 3. Pers. m.) sich rekonstruieren: aus der Verwechslung des Gottesnamens mit dem Namen Adams? Rührt nicht daher die Affinität seiner Bibelübersetzung (wie auch seiner Bibel-Interpretation) zum Feudalismus? Hatte nicht schon die Orthodoxie, die dogmatische Theologie, Christus mit Adam, den, der die „Sünde der Welt auf sich genommen“ hat, mit dem Sünder, der nur das Bewußtsein der Sünde verdrängt hat, verwechselt?
    Die erst mit dem Dogma entstandene Vorstellung, daß das Reich Christi kein Ende haben wird, heißt eigentlich, daß die Welt unerlösbar ist: die Erlösung wurde ad kalendas graecas vertagt (mit der endlosen Verschiebung seiner Wiederkunft und der Leugnung der Auferstehung). Für die Kirche hatte die Auferstehung mit dem Dogma und seiner Verschmelzung mit dem Bürgerrecht des Imperium Romanum sich „erfüllt“.
    Ist das Ganze nicht (im wörtlichen Sinne) eine Wahnsinnsgeschichte (ebenso wie auch die Astrologie eine Wahnsinnsgeschichte ist)? Aber eine, an deren Lösung die Rettung der eigenen Seele gebunden ist?
    Die naturwissenschaftliche „Lösung“ des Astrologieproblems, hat den Wahnsinn psychotisiert: Sie hat den Wahnsinn ans Selbsterhaltungsprinzip gekoppelt, an das Prinzip der Vergesellschaftung von Herrschaft. Sie hat die translunarische Welt an die Gesetze der sublunarischen Welt geknüpft, sie hat die untere Welt zur oberen Welt gemacht, aber auf der Schiene der Urteilslogik: der Verdrängung des Schreckens (sie hat damit diese und die zukünftige Welt verraten). Kehren nicht die neuen „kritischen Bewegungen“ (der nach-68er-Bewegungen) wiederum die Urteilslogik (mit der Folge der Verinnerlichung des Schreckens)?
    Gegen Kant (und gegen Hegels Logik): Es gibt nicht eine transzendentale Logik (die, in sich selbst reflektiert, zur Idee des Absoluten führt), sondern es gibt sieben transzendentale Logiken. Und deren Repräsentanten sind die sieben Planeten.
    Wenn das Bekenntnis das bara verdrängt, so verdrängt es Himmel und Erde, die großen Meeresungeheuer und das Ebenbild Gottes (an dessen Stelle die homousia des vergöttlichten Sohnes tritt). Und dieser Fehler ist nicht dadurch zu heilen, daß das facere im Deutschen mit erschaffen übersetzt wird, es bleibt ein demiurgisches Machen, es verbleibt im Bannkreis der Naturbeherrschung.
    Sind die ägyptischen wie auch die apokalyptischen Plagen nicht eigentlich Schrecken (die Objektseite der Urteilserfahrung)?
    Die Lösung der sieben Siegel gibt den Blick auf die Schrecken frei (der Faschismus, der diesen Anblick nicht erträgt, erschlägt die, die ihn verkörpern oder ihn laut werden lassen). – Es kann nicht das Ziel sein, daß der Staat sein wahres Gesicht zeigt, sondern es kommt allein darauf an, daß er an den Folgen seines Handelns gemessen wird.
    Sind die sieben Planeten nicht ebenso viele Knotenpunkte der Abstraktion und Verdrängung? Hängt ihre Konstituierung und Erscheinung nicht mit dem Problem der Beweislogik (mit dem kantischen Problem des apagogischen Beweises) zusammen, ebenso mit dem Problem der Genesis des pathologisch guten Gewissens (mit der Logik der Schuld): mit dem Problem, auf das sich das Wort Jesu bezieht „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, mit dem Problem der „Wege des Irrtums“ und der Bekehrung des einen Sünders, mit der Unfähigkeit, Rechts und Links zu unterscheiden? Gehört hierzu nicht auch das Väterproblem in den Evangelien? Und hängt die „Heilung der Schwiegermutter des Petrus“ mit diesem Problem zusammen?
    Der ungeheuerliche Verdrängungsakt am Ende des letzten Krieges, der doch so „natürlich“ war, wäre endlich aufzulösen. Hierbei wäre die Geschichte der Verhärtung des Herzens Pharaos eine unentbehrliche Hilfe.
    Heute in der FR ein Hinweis auf ein Buch mit dem Titel „Blut. Von der Magie zur Aufklärung“. Es ist offensichtlich ein medizinisches Buch, aber ist es nicht zugleich ein theologisches Buch?
    Im Angesicht und Hinter dem Rücken (vorn und hinten): Bezieht sich nicht Rechts und Links auf das Vorn und Hinten des Andern, und das Oben und Unten auf das Angesicht und den Rücken Gottes?
    Nur über die Schuldreflexion (für die im Stern der Erlösung die Todesfurcht steht) ist der Verblendungszusammenhang aufzulösen.
    Die griechische Sprache verhält sich zur lateinischen wie die (prädogmatischen) subjektiven Formen der Anschauung zum (postdogmatischen) Inertialsystem.

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