Sind nicht Deklination und Konjugation auch astronomische bzw. astrologische Begriffe?
Ist der gnomon das Bild des babylonischen Turms; und ist er nicht zugleich der logische Kern der griechischen Sprache? Hat der gnomon als Bild der Orthogonalität etwas mit der Erektion und der Konstituierung des Unzuchtsbechers zu tun?
Venus-Katastrophe: Ist in der Venus die Lust, die Begierde, erstmals zum Objekt geworden? War die Venus-Katastrophe eine gesellschaftliche Naturkatastrophe?
Roma locuta, causa finita: Alle dogmatischen Entscheidungen sind Entscheidungen, die eine Revision ausschließen. Darin gleichen sie den Urteilen höchster Gerichte. Ist nicht der Prozeß der Dogmenentwicklung ein Gerichtsverfahren, in dem nicht über Personen (und deren Taten) sondern über Sätze geurteilt wird (die Orthodoxie wird freigesprochen, die Häresie verurteilt)?
Die Erfüllung der Schrift, das waren die Passion und der Kreuzestod; die Erfüllung des Wortes dagegen wird die Heiligung des Gottesnamens sein.
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15.3.96
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14.3.96
Das geozentrische Weltbild war der Kern des Erkenntnisprozesses, in dem die Elemente des Inertialsystems sich herausgebildet haben, an dem zugleich die Logik der Vermittlung sich demonstrieren läßt. Zum geozentrischen Weltbild gehört das Konzept der theoria, es bleibt im Bann der Anschauung, als deren gegenständliche Selbstreflexion es sich begreifen läßt. Die Geozentrik definiert die Rahmenbedingungen des ruhig anschauenden Subjekts, das den am Himmel angeschauten Bewegungen als passiver Zuschauer nur beiwohnt, nicht selbst (wie das Subjekt des heliozentrischen Systems) in diese Bewegungen mit einbezogen ist. Erst bei Kopernikus wird auch die Erde zu einem astronomischen Objekt, ein Vorgang, in dem zunächst die sinnlichen Qualitäten, dann das Denken und am Ende die Schuld subjektiviert werden, den Charakter der Objektivität verlieren.
Hätte Adorno begriffen, daß der Schuld- und Verblendungszusammenhang ein Teil des Herrschaftszusammenhangs ist, hätte er sich in der Theologie wiedergefunden. Theologie ist die Reflexion des Herrschaftszusammenhangs; nur als Reflexion des Herrschaftszusammenhangs wird sie zur Theologie im Angesicht Gottes; diese Theologie wäre das Bekenntnis des Namens Gottes, der Beginn der Heiligung des Gottesnamens. -
13.3.96
Die Legitimation durch Verfahren gibt es sowohl im Recht wie in der Wissenschaft. Hier heißt sie Methode.
Modernisierungsschub: Die Methode des Positivismus gründet in der Weigerung, die Beziehung von oben und unten zu reflektieren. Indem sie zwangshaft mit der Position über der Sache sich identifiziert, bleibt sie am Boden kleben wie die Schlange, die auf dem Bauche kriecht und Staub frißt. Suspendiert wird die Reflexion von Herrschaft, die dann auch noch als privilegierte Form der Erkenntnis diskriminiert wird. Diese Diskriminierung nannten die Nazis „Humanitätsduselei“, heute bracht man diesen diskriminierenden Namen nicht mehr, er wirkt auch ohne Benennung, durch reinen „Sachzwang“.
Theologie und Sprache: Die biblischen Symbole (wie die Schlange, die Dornen und Disteln, der Kelch, der Feigenbaum) sind alle auch Sprachsymbole, Elemente der Selbstreflexion der Sprache. Ihr Ziel ist nicht die Beherrschung der Sprache, sondern Reflexion der Herrschaftsmechanismen, die in der Spracher sich niedergeschlagen haben: die Befreiung der erkennenden Kraft der Sprache.
Hinter dem Rücken des Neutrum, der Abstraktion vom Männlichen und Weiblichen, bildet sich der Unzuchtsbecher. Hegels Philosophie reicht nur bis zur Erkenntnis des Taumelkelchs.
Schicksal des Über-Ich in der vaterlosen Gesellschaft: Gilt nicht heute aufs paradoxeste der Satz von der Bekehrung der Herzen der Väter zu ihren Kindern erstmals auch für die Kinder?
Gibt es außer Sara, der Mutter des Samson, Hannah und Elisabeth noch andere Frauen, die erst im Alter von ihrer Kinderlosigkeit befreit wurden? Und handelt es sich in den genannten Fällen (ausgenommen die Mutter Samsons, die unter den Triumph der Ironie im Buch der Richter fällt) um die Geburt prophetischer Vorläufer (Isaak, den Vater Jakobs/Israels; Samuel, der den Saul und den David gesalbt hat; Johannes, der Jesus getauft hat, aber die Herzen der Väter nicht zu ihren Kindern hat bekehren können)?
Gibt es einen Zusammenhang zwischen den drei Versuchungen Jesu und den drei Leugnungen Petri (und läßt sich aus den Beziehungen beider der Charakter der Evangelien ablesen)? -
12.3.96
Wer die Dialektik der Aufklärung einen schwarzen Text (und ihre Autoren schwarze Philosophen) nennt, tut so, als wäre es ins Ermessen oder ins Belieben eines Philosophen gestellt, zu welchen Ergebnissen seine Reflexionen führen. Die Logik, die dem zugrunde liegt, ist die projektive des Nestbeschmutzer-Vorwurfs. Die Bekehrung zum Verfassungs-Patriotismus, die Habermas am Ende vollzogen hat, war eine Bekehrung zum positiven Denken. Sie dogmatisiert die Spaltung von Realität und Meinung, als deren Überwindung Philosophie sich begreift.
Wie kann man eigentlich Christ sein und zugleich den Kreuzestod Jesu von den politischen Hinrichtungen, von den anderen Kreuzigungen, die die Pilatus-Ära charakterisieren, trennen? Welche Bedeutung hatte hierbei der Gottesmord-Vorwurf, der den kirchlichen Antijudaismus einmal begründet hat (und welche Bedeutung hatte dieser Gottesmord-Vorwurf im Hinblick auf die theologische Rezeption des Weltbegriffs)?
Allein den Betern kann es noch gelingen …: Gehört zu diesem Begriff des Gebets nicht das Wort Mk 1125 („Und wenn ihr dasteht und betet, so vergebet, wenn ihr etwas wider jemanden habt, …“).
Es gibt einen Begriff der Politik, der die Ermächtigung in sich zu enthalten scheint, die Anderen zu instrumentalisieren. -
11.3.96
Ist die griechische Elementenlehre, die die Elemente (von der Erde über das Wasser und die Luft zum Feuer) nach ihrer Schwere und Leichtheit ordnet, ein Produkt der im „geozentrischen Weltbild“ hypostasierten Oben-Unten-Beziehung, der gleichen Herrschaftsmetaphorik, die auch die Beziehung des Begriffs zum Gegenstand definiert? Das griechische Subjekt ist das den Raum beherrschende Subjekt (das geometrietreibende Subjekt). Erst Kopernikus dehnt diese Herrschaft auf die Zeit: auf die Erscheinungen und Prozesse im Raum aus. Das Inertialsystem ist nicht nur das Referenzsystem aller Erscheinungen, Begriffe und Gesetze, sondern genauer: das Referenzsystem aller Erscheinungen und Begriffe sowie aller Prozesse und Gesetze. Hat das Wort des Täufers: „Ich bin nicht würdig, seine Schuhriemen zu lösen“ etwas mit der Geschichte Moses‘ vor dem brennenden Dornbusch (mit der Ausschließung des Privateigentums, der Eigentumsfähigkeit im Bereich des Heiligen), und hat dieses Lösen etwas mit dem Binden und Lösen zu tun? Vgl. auch den Satz des Engels Gabriel an Zacharias, daß dieses Kind das Gottesreich vorbereiten wird, indem es die Herzen der Väter zu ihren Kindern bekehren wird. Die Idee des Ewigen schließt das Inertialsystem (die Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit) von sich aus, die des Heiligen das Tauschprinzip (die Eigentumslogik).
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10.3.96
Das Überzeitliche ist die Unterwelt (deshalb heißt Sterben auch „ad patres ire“: Grund des Partiarchats und der besonderen Rolle der Väter in den Evangelien). Sind nicht die indoeuropäischen Sprachen, die durch ihre Konjugationsformen unterm Bann des Überzeitlichen stehen, ein gleitendes System des Abstiegs zur Hölle?
Das geozentrische Weltbild, indem es die Beziehung von oben und unten hypostasiert, zur Grundlage der Elementenlehre macht, ist ein Stück Herschaftsideologie. Der hebräische Himmel, dessen Name die Einheit von Wasser und Feuer symbolisiert, ist ein Sprachhimmel, kein Naturhimmel. Die kopernikanische Wendung hat in das geozentrische Weltbild (und in die mit ihr verschmolzene Herrschaftsideologie) eine Scheidung hineingetrieben, die bis heute nicht begriffen ist: Sie hat, indem sie die Beziehung von oben und unten ins Subjekt zurückgenommen und so diese Herrschaftsideologie vergesellschaftet hat, Herrschaft erstmals reflektierbar gemacht. Sie hat der Umkehr (der Bekehrung der Herzen der Väter zu den Kindern, Lk 116) den Boden bereitet.
Die Orthogonalität ist der Statthalter und der Grund der Logik (und des Staates) in der Mathematik: Die Entdeckung der Winkelgeometrie (im Medium der frühen Astronomie) gehörte zu den Voraussetzungen des Ursprungs der Philosophie (und des Rechts).
Beschreibt nicht der Satz „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“ einen geometrischen Sachverhalt: nämlich daß es die intentio recta nur im Kontext der subjektiven Form der äußeren Anschauung (der Form des Raumes) gibt?
Verweist nicht diese Beziehung der subjektiven Formen der äußeren Anschauung zur intentio recta auf den Fluch über die Schlange: „Auf dem Boden sollst du kriechen und Staub sollst du fressen“, auf die systemische Unfähigkeit zur Reflexion, auf den Positivismus in Wissenschaft und Recht (und ist nicht das Strafrecht der Versuch der Kodifizierung dieser Unfähigkeit)?
Problem der Pluralbildung: Kehrt nicht die gleiche Sprachlogik, die der Wendung „Wir Deutschen“ zugrunde liegt, in der Logik der Pluralbildung (im Verhältnis des Genitiv der dritten Person zum Nominativ der zweiten Person pluralis <und zum Possessivpronomen der dritten Person femininum singularis>) wieder? (Hat der Genitiv, die grammatische Herrschafts- und Eigentumsform, im Plural die Kraft, die zweite Person zu objektivieren, zur dritten Person zu machen? Und weshalb greift der Genitiv der dritten Person pluralis, und mit ihm der Nominativ der zweiten Person pluralis, auf eine feminine <„ihre“> und der Dativ der dritten Person pluralis auf eine maskuline Bildung <„ihnen“> zurück?)
Gibt es einen Zusammenhang der inneren Pluralisierung, der das Femininum mit dem Begriff der Masse verbindet (überhaupt mit dem Begriff, der Ausdruck des „Gemeinsamen“, der Gattung oder der inneren Pluralität, der unter ihm befaßten Objekte ist)? Und sind nicht die Totalitätsbegriffe der europäischen Aufklärung (Wissen, Natur und Welt) Ausdruck des in ihnen verborgenen Mechanismus der inneren Pluralisierung (der innere Grund der Gemeinheit, die beweislogisch nicht zu fassen ist)?
Das Inertialsystem enthält eine logische Automatik, die das erkennende Subjekt ans Ende der Zeitreihe und ins leere Zentrum (den „Ursprung“) des Raumes setzt. Ausgeblendet werden der Ursprung der Zeit und die Enden des Raumes. -
9.3.96
Hat nicht das Eingedenken der Natur im Subjekt etwas mit der Beziehung des Namens der Barbaren mit dem der Hebräer zu tun: mit der Reflexion (und der Rücknahme) des projektiven Elements in der Erkenntnis, das die Aufklärung mit dem Mythos verbindet?
Die Zwei-Kinder-Familien stehen unter dem Rentabilitätsbann, die Kinder in diesen Familien unter dem Bann der intentio recta (der Unfähigkeit zur Reflexion). Die Konstellation insgesamt ist der genaueste Ausdruck der moralischen Proletarisierung des Mittelstandes.
Moral als Instrument des Wegsehens (der Brief von Antje Vollmer/Felix Ensslin): Das moralische Urteil rückt den Urteilenden in die Position dessen, der über der Sache steht und deshalb der Pflicht sich entbunden fühlt, sich in die Sache einzulassen.
Die hethitische Sprache kennt kein Femininum: Sie ist die Sprache des Staubes (den Adam produziert und die Schlange frißt). Hat nicht Christina von Braun („Nicht-Ich“) den Nachweis erbracht, daß die logozentrische Sprachlogik an diesem hethitischen Erbe teilhat?
Gilt die Warnung in der Johannes-Offenbarung vor denen, die „die Tiefen des Satans erforschen“ (224), der theologischen Rezeption des Weltbegriffs (dem daraus hervorgegangenen Konstrukt der creatio mundi ex nihilo, in dem das gnostische Erbe in der Theologie fortlebt)? Ist darin nicht schon die Warnung vor der Theologie hinter dem Rücken Gottes enthalten? -
8.3.96
Der Urprung und die Grundlage der Beweislogik liegt in der Mathematik (Euklid, Sokrates und der Sklave). Sie entspringt zusammen mit dem Begriff des Wissens (der der indoeuropäischen Sprachlogik und Grammatik zugrundeliegt).
Gibt es zwei Ursprünge des Geldes: das gemünzte Schuld- und Tributgeld in Babylon, das Tauschgeld (die „Ringe“) in Ägypten? Und wird heute nicht wieder aus dem Tauschgeld ein Tributgeld? Nur über das Schuld- und Tributgeld aber macht die Ökonomie sich zum Herrn des Staates (wird der Staat zum Haustier der Ökonomie).
Den beiden Ursprüngen des Geldes entspricht der zweifache Ursprung der Mathematik: der der babylonischen Algebra und der ägyptischen Geometrie (die erst die Griechen mit der Entdeckung der Winkelgeometrie, die die Philosophie, den Naturbegriff und den Begriff begründete, zusammengebracht haben).
Ist nicht das Experiment des realexistierenden Sozialismus (der keiner war) daran gescheitert, daß er glaubte, die Tauschfunktion des Geldes von seiner Schuld- und Tributfunktion trennen zu können? Das war nur möglich durch Regression auf die Stufe unmittelbarer Herrschaft.
Hat die Doppelfunktion des Geldes etwas mit der Unterscheidung des Planetensystems vom Tierkreis zu tun? Gibt es eine systemlogische Beziehung der Astrologie zur Tempelwirtschaft und des Tierkreises zum Sklavenhaus und Eisenschmelzofen? Und hängt hiermit der Unterschied zwischen dem Exodus und dem Ende der babylonischen Gefangenschaft (die Israel zum Satelliten Babylons und seine Folgeimperien gemacht hat) zusammen?
Werden im Tempel, im Haus des Namens Gottes, die beiden Ursprungsmächte Babylon und Ägypten durch die Cherube und die Bundeslade repräsentiert? Und war nicht auch der Tempel ein Gefängnis und ein Sklavenhaus Gottes, das zu seiner Fundierung der Opfer und des Priestertums bedurfte?
Die Deutschen leiden an einer Staatspsychose, mit dessen Hilfe sie glauben, den Faschismus erhalten und domestizieren zu können. Die Auflösung der Verblendung, in die das hineinführt, wäre eigentlich Sache der Theologie.
– Vor der ersten Leugnung sagt die Magd des Hohepriesters zu Petrus: „Auch du warst mit Jesus dem Galiläer“.
– Beim zweiten Mal sagt eine andere Magd zu denen, die dort waren: „Dieser war mit Jesus dem Nazoräer“.
– Beim dritten Mal sagen die Umstehenden zu Petrus: „Wahrhaftig, auch du bist einer von ihnen; deine Sprache verrät dich“ (Mt 2669ff).
Ist der Hahn die Inversion der Eule oder die Eule ein maskierter Hahn? Verhält sich nicht die Eule zum Hahn wie der Abendstern zum Morgenstern, und ist die Eule das Symbol der Venus-Katastrophe? -
7.3.96
Wer den Terrorismus aufarbeiten will, muß den Schrecken aufarbeiten, aus dem er hervorgegangen ist. Auf keinen Fall aber sollte man die Urheber des Schreckens zu Richtern über ihre Opfer machen. Spielt hier nicht der Modernisierungsprozeß, der der Faschismus auch war, mit herein: Was im Faschismus naturwüchsig war (das „gesunde Volksempfinden“), ist zu einem technischen Instrument geworden: zum Rechtspositivismus.
Ist nicht die gegenwärtige ökonomische Entwicklung die höhnische Verwirklichung dessen, was Marx einmal intendiert hatte. Auch die Privatisierung ist eine Form der Vergesellschaftung. Der Staat ist längst abgestorben, er weiß es nur noch nicht: er verrottet und verfault.
Die Erfahrung, aus der der verzweifelte Genius der Kritischen Theorie hervorgegangen ist, daß nämlich das Proletariat nicht mehr das Subjekt der Revolution ist – eine Erfahrung, die bis zu Marcuse die Reflexion durchzieht und beherrscht -, gründet in diesem Sachverhalt. Sie hängt zusammen damit, daß die subjektlose Form der Vergesellschaftung der Produktionsmittel Teil einer allgemeinen Proletarisierung ist: Auch die, die an den Hebeln der Macht sitzen, sind Lohnabhängige. Die Ökonomie ist der Feuerofen, in dem die Barmherzigkeit verbrennt; und das Leiden daran wird solange der Grund des Faschismus bleiben, wie es sich nicht selbst begreift, wie es nur den Weg der projektiven Verarbeitung kennt.
Georg Büchners Frage: Was ist das, was in uns mordet, stiehlt, hurt und lügt, drückt das aufs genaueste aus. Gibt es noch eine Möglichkeit, dieses Marionettenspiel, in dem wir nur noch Puppen in den Händen und an den Fäden einer subjektlosen Regie sind, zu begreifen?
Der strafrechtliche Tatbestand des Mords läßt sich aus dem mosaischen Gebot „Du sollst nicht töten“ nicht ableiten. Der Mord ist kein Tat-, sondern ein Täterdelikt: Strafrechtlich verfolgt wird der Mörder, nicht der Mord, verfolgt wird die Person, die sich ein Recht anmaßt, das der Staat als sein eigenes begreift und um keinen Preis aufgeben kann, an dem er sein Monopol nicht aufgeben will und auch nicht kann: das Recht zu töten. Der biblische Gründungsakt des Staates ist der Brudermord Kains an Abel. Jürgen Ebach hat darauf hingewiesen, daß der Fluch „Unstet und flüchtig sollst du sein auf Erden“ ein sprachliches Echo hat in der Jotham-Fabel, in der Charakterisierung der „wurzellosen“ Königsherrschaft „Soll ich … hingehen, über den Bäumen zu schweben?“ (J.Ebach: Ursprung und Ziel, S. 59) Kain ist der Gründer der ersten Stadt, der er den Namen seines Erstgeborenen (Henoch!) gibt (Gen 417), während zur Zeit, da der Erstgeborene Seths geboren wurde, erstmals der Name Gottes angerufen wird (Gen 426).
War das Ziel des historischen Objektivationsprozesses die Neutralisierung der Prophetie (die Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit, die Neutralisierung der vergangenen Zukunft)? Ist der Historismus aufgrund seiner eigenen Logik antisemitisch?
Der Begriff der Gesinnung gehört zu Bekenntnislogik; jede Gesinnung ist nationalistisch (wohlgesonnen ist in allem das Gegenteil von national gesinnt).
Gibt es einen sprachlogischen Zusammenhang von Sonne und Sinn (gesonnen/gesinnt, Sinnlichkeit)? Ist die Feminisierung der Sonne im Deutschen in dieser sprachlichen Konstellation begründet (Reflex des männlich-heroischen Sinns)?
Ist nicht die Suche nach dem Sinn der Versuch, der zweiten Natur eine Sonne einzubilden? Der Sinn lebt (wie die Gesinnung) von der Bekenntnislogik, die ebenso zwangshaft wie vergeblich versucht, sich als Zentrum zu etablieren.
Hat das lateinische sol etwas mit solus zu tun; welche Wurzeln hat helios; steckt im hebräischen schemesch schem, der Name? Und gibt es neben Sonne/Sinn auch die Beziehung von Sonne und Sohn (vgl. im Englischen son und sun, aber auch sin, die Sünde)? -
6.3.96
Zum Feuer vgl., was im Jakobus-Brief über die Zunge gesagt wird. Hat das paulinische Zungenreden etwas damit zu tun?
Das Feuer, auf das Jesus sich bezieht (das Feuer vom Himmel, von dem er wollte, es brennte schon), ist das Feuer der Selbsterfahrung im Jüngsten Gericht.
Hat das apokalyptische Wort vom Himmel, der wie ein Buch sich aufrollt, etwas mit der Buchrolle zu tun, die Johannes essen soll, und sie war im Munde süß und im Magen bitter?
Der Name Gottes (die Heiligung des Namens) verleiht der Sprache Erkenntniskraft.
Zu den größten Versuchungen gehört, ähnlich wie das Selbstmitleid, die Verbitterung (ein Folgeeffekt der Verurteilung). Hat nicht das Bittere, das sowohl in der Erbitterung wie auch in der Verbitterung steckt, etwas mit der Bitte zu tun? Die Erbitterung ist im Hinblick auf das Ziel unerbittlich, die Verbitterung im Hinblick aufs Urteil (das Strafrecht ist das Instrument der Verbitterung des Staates). Jesus zufolge ist der Vater nicht unerbittlich (welcher Vater gibt anstelle des Brots einen Stein, anstelle des Fischs eine Schlange?).
Ds Inertialsystem ist die unerbittliche Verbitterung gegen die Natur.
Hängt die Sprache (der Schall) nicht sogar physikalisch mit dem Feuer zusammen (bezeichnet das Feuer die Grenze zwischen dem Schall und dem Licht)?
Hat das Wort von der Buchrolle, die im Munde süß und im Magen bitter sein wird, etwas mit der Eucharistie zu tun?
Bezieht sich die Versuchung auf den Zinnen des Tempels (die zweite bei Mt, die dritte bei Lk) nicht auch auf einen sprachlichen Sachverhalt? Wer die Dinge von oben (im Lichte des Begriffs) sieht, stürzt in einer Welt, die alles ist, was der Fall ist, mit ihnen herab, ohne daß ein Engel ihn auffängt. Ist es nicht diese Sprache, die Gott versucht; und ist diese Versuchung nicht die des Sehens, ist das Sehen nicht der Blick von der Zinne des Tempels und das Herabstürzen in eins? – Haben nicht alle drei Versuchungen mit der Beziehung von Sehen und Hören zu tun?
Die drei Versuchungen (Mt 41ff):
– Als ihn nach vierzig Tagen hungerte, trat der Versucher an ihn heran: Wenn du Gottes Sohn bist, so mache, daß diese Steine Brot werden. – „Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein.“
– Nimmt ihn mit in die heilige Stadt, auf die Zinne des Tempels: Bist du Gottes Sohn, so stürze dich hinab. „Er hat seinen Engeln befohlen, die auf Händen zu tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“ – „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.“
– Auf einen sehr hohen Berg, zeigt ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit: Dies alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. – „Hinweg Satan. Du sollst den Herrn, deinen Gott, allein anbeten und ihm allein dienen.“
Da verläßt ihn der Teufel; und siehe, Engel traten herzu und dienten ihm.
(Mk 112f):
Und er wurde in der Wüste vierzig Tage vom Satan versucht; und er war bei den Tieren, und die Engel dienten ihm.
(Lk 41ff):
Wie Mt, nur Austausch der 2. und 3. Versuchung. „Und nachdem der Teufel alle Versuchungen vollendet hatte, stand er von ihm ab bis zu gelegener Zeit.“ -
5.3.96
Der Indikativ, das Wissen und die Gewalt: Gestern gab Birgit Hogefeld zu den Pressemeldungen über den suspendierten BKA-Beamten, der gegen das BKA den Verworf erhoben hat, Akten, die Klaus Steinmetz belastet und Birgit Hogefeld entlastet haben sollen, unterdrückt und vernichtet zu haben, eine Erklärung ab, die sehr deutlich von ihren bisherigen Prozeßerklärungen sich unterschied. Zum erstenmal war, so mein Eindruck, so etwas wie ein RAF-Ton zu vernehmen. Während ihre bisherigen Erklärungen vorrangig ihre eigenen Motive (weshalb sie sich der RAF angeschlossen hat) und Positionen (Verurteilung der Ermordung des GI’s Pimental) zum Gegenstand hatten und in der Sprache der Reflexion vorgetragen wurden, versuchte sie hier, die in den Pressemitteilungen bekanntgewordenen Fakten einzuordnen und zu interpretieren, das jedoch in der Sprache des Indikativs, in einem Ton, der nach außen „Wissen“ demonstrierte, in einer Sprache, die leicht als Echo der Sprache des Staatsanwalts sich identifizieren ließ. (Dieser staatsanwaltliche Indikativ ist reflexionslos, er bricht den Dialog ab, läßt nur noch den Weg der Gewalt offen, der „Bestrafung“.) Steht diese Änderung des Tons in Zusammenhang mit dem Besuch von Antje Vollmer, war sie die Reaktion auf den Senatsbeschluß zur Verlegung von Monika Haas in ein Gefängniskrankenhaus? Vgl. hierzu die Ankündigung eines Hungerstreiks, gemeinsam mit Eva Haule.
Staatsschutzprozesse, Verwaltungsentscheidungen, der Indikativ und die RAF: Sind die sprachlichen Formen, in denen sie sich ausdrücken, nicht allesamt Formen des „kurzen Prozesses“: des Verzichts auf Reflexion, des bestimmenden Urteils (des synthetischen Urteils apriori)? In jedem Falle ist der, über den das Urteil, die Entscheidung ergeht, bloßes Objekt. Das „Wissen“, das in diesen Sprachformen sich ausdrückt (und das den gleichen logischen Anspruch erhebt wie die wissenschaftliche Erkenntnis, in deren logischen Kontext auch das Dogma gehört), läßt grundsätzlich keinen Einspruch mehr zu.
Ist nicht das Konstrukt des stellvertretenden Opfers das logische Modell eines Staates, der seinen Bürgern (in den Kasernen, Knästen, Irrenhäusern und Schulen) die Drecksarbeit abnimmt? Wenn der Staat für Ordnung sorgt und durchgreift, kann der Bürger in seinem privaten Bereich verständnisvoll und voller Mitleid sein. Nur daß es auch wiederum Bürger sind, die für den Staat die Drecksarbeit tun, für die der Staat dann allerdings die Verantwortung übernimmt, wobei er zugleich diese Bürger vor dem Vorwurf in Schutz nimmt, ihre Arbeit sei Drecksarbeit. Dafür erwartet er dann ihren Dank. Der Staat ist das Instrument der Vergesellschaftung einer Sündenvergebung, die der Reue und der Umkehr nicht mehr bedarf (der apriorischen „Rechtfertigung“ der Sünde, die in seinem Namen getan wird).
Ist das Sklavenhaus Ägypten nicht auch der Eisenschmelzofen (Dt 420, 1 Kön 851, Jer 114, vgl. auch Ez 2220), und sind dem nicht die subjektiven Formen der Anschauung vergleichbar, die den Indikativ erzwingen?
Der RAF-Ton ist der verbitterte Indikativ, aber ist nicht die Verbitterung von der Erbitterung zu unterscheiden? Erbittert ist, wer am Ziel festhält und sich dabei nicht verbittern läßt. Der Verbitterte hat schon kapituliert.
Der „Glaube an das Gute im Menschen“ ist naiv, er wäre zu ersetzen durch die Lehre vom Feuer (vgl. den Eisenschmelzofen).
Ist nicht das Bekenntnis des Namens das christliche Äquivalent des Tempels: der das Haus des Namens Gottes war? Das reale Bekenntnis des Namens ist die Nachfolge, die in den Bereich hineinreicht, den die Theologie seit je ausgeblendet hat. Ist nicht das Dogma das Instrument dieser Ausblendung (der Feigenbaum, der nur Blätter, keine Früchte trägt)?
Die Theologie im Angesicht Gottes zielt ab auf die Heiligung des Namens, sie holt das Feuer vom Himmel, von dem er wollte, es brennte schon.
Es ist schlimm, aber der Indikativ der RAF ist die Fortsetzung des Stammtischs mit anderen Mitteln: die Anwendung des Vorurteils, das seit je terroristisch war, auf die Quelle des Vorurteils, den Staat.
Der Indikativ ist die Sprache der Verbitterung; verbittert aber wird, wer an dem Schmerz der Erbitterung verzweifelt.
Die Kopenhagener Schule hat die moderne Physik wieder in den Indikativ (in die Herrschaftsform des Inertialsystems) zurückübersetzt, sie braucht die Gewißheit, sie scheut das Feuer. War nicht Weizsäckers Theorie der Energieerzeugung in der Sonne das Werk eines Staatsanwalts? Und stehen nicht alle physikalischen Theorien mit kosmologischem Anspruch seitdem in dieser Tradition (der Urknall, die schwarzen Löcher, das „expandierende Weltall“)?
„Das Wahre ist der bacchantische Taumel, in dem kein Glied nicht runken ist“: Die dogmatische Tradition, die bis in die modernen Naturwissenschaften hineinreicht, verdrängt diesen Taumel, sie verdrängt ihn nach innen, sie verwirrt. Die Flucht vor dieser Verwirrung endete im Positivismus. So hängen der Indikativ des Anklägers und die diabolische Verwirrung (der Taumelkelch) mit einander zusammen.
Lassen sich Strafprozesse nicht danach unterscheiden, wem jeweils Narrenfreiheit gewährt wird? In RAF-Prozesse sind es die Ankläger, während im Auschwitzprozeß die Verteidiger dieses „Privileg“ hatten.
Die Unterscheidung der Narrenfreiheit des Anklägers (im RAF-Prozeß) von der des Verteidigers (im Auschwitz-Prozeß) hat etwas mit der Unterscheidung von Satan und Teufel zu tun. Und gründen nicht beide Formen der „Narrenfreiheit“ im logischen Problem des Beweises, sind nicht beide Instrumentalisierungen des Verfahrens der Beweisumkehr?
Läßt sich der Indikativ (und mit ihm die sprachlogische Form der indoeuropäischen Grammatik insgesamt, insbesondere das Neutrum und der Kernbestand der indoeuropäischen Formen der Konjugation, das Präsens und das Präteritum) nicht als Instrumentalisierung des Verfahrens der Beweisumkehr begreifen? Und ist das nicht die sprachlogische Wirkung der subjektiven Formen der Anschauung, die erstmals Kant in der Antinomie der reinen Vernunft ins Licht gehoben hat? Ist diese Beweisumkehr nicht der innere Motor des Taumels (das Gesetz der Beziehung von Begriff und Gegenstand unter der Herrschaft der subjektiven Formen der Anschauung, das sprachlogische Wertgesetz)?
Blut und Boden: Als Kant die Achtung vor dem Geld aus der Vorstellung, was man damit machen könnte, ableitete, war das Geld noch in erster Linie ein Produktionsmittel, aber nur in Ansätzen eines der Subsistenz; dazu ist es erst in unserer Zeit geworden. Heute ist aus dem Fundament, auf das die Menschen einmal ihr Haus gebaut haben, der Schlund geworden, der sie verschlingt. War der Faschismus, und war insbesondere Auschwitz nicht der Versuch der projektiven Verarbeitung dieser Erfahrung?
Steckt in der kantischen Widerlegung des ontologischen Gottesbeweises (in dem Hinweis auf den Unterschied zwischen dem Geld in meinem Beutel und dem nur gedachten Geld) nicht schon eine Ahnung des ökonomischen Bruchs, der in seiner Philosophie bewußtlos (als Erkenntniskritik) sich ausdrückt? -
4.3.96
Die Form der Lehre gleicht darin der des Raumes, daß sie, wenn sie einmal die Welt durchdrungen hat, aus eigener Kraft sich ausbreitet.
Bemerkungen zu den Theorien des Angesichts, des Namens und des Feuers: Die Lehre vom Angesicht setzt die Kritik des Raumes voraus (im Angesicht wird die Unendlichkeit des Raumes endlich), die Namenslehre gründet in der Kritik der Bekenntnislogik, die Lehre vom Feuer hätte den Bildungsprozeß des Lichts zum Gegenstand (auf der Basis des Jesaia-Worts: der ich schaffe die Finsternis und bilde das Licht, und des Evangelien-Worts: ihr seid das Licht der Welt).
Bezeichnet nicht Joh 129 das Feuer, das er vom Himmel geholt hat, und er wollte, es brennte schon?
Stämme, Völker, Sprachen und Nationen: Sind das nicht Entwicklungsstufen des Kollektivs?
Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie