Sehen und hören: Sehen heißt urteilen (und Gott sah, daß es gut war; nachdem die Menschen vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen gegessen hatten, gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten, daß sie nackt waren). Theologie (Gotteserkenntnis) aber gründet im Hören.
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6.2.96
Zur Verwechslung von Genitiv und Dativ gibt es auch die Umkehrung: „Der erste, der sich dem Gestapo-Thema in seiner gesellschaftsgeschichtlichen Erweiterung annahm, war der kanadische Historiker Robert Gallately“ (Norbert Frey: Kein Angst vor der Gestapo, FR vom 6.2.96).
Das Prinzip der Legitimation durch Verfahren ist die Grundlage der Konstruktion synthetischer Urteile apriori in der Justiz. Gerechtigkeit ist nur zu retten durch Reflexion der Verführungsgewalt dieses Prinzips (durch Reflexion des Schuldzusammenhangs). Das selektive Hören im Hogefeld-Prozeß, das dazu führt, daß die Erklärungen von Birgit Hogefeld oder auch die wichtigsten Anträge der Verteidigung inhaltlich nicht zur Kenntnis genommen werden, gründet in diesem Prinzip: Wahrgenommen wird nur, was die legitimatorische Kraft des Verfahrens (die „Formalitäten“) berührt; das Urteil, das am Ende herauskommt, braucht nicht gerecht, es muß revisionsicher sein.
Das Problem des Rechts liegt darin, daß es den Begriff und das Problem der Sünde nicht kennt: Das „Verbrechen“ ist die Widerspiegelung der Sünde im Spiegel des Schuldzusammenhangs.
Symbolisiert nicht das Feigenblatt den Ursprung des Weltbegriffs (die Logik, die Gott blind macht)?
Die Bemerkung im Buch Henoch, wonach Leviathan weiblich und Behemoth männlich ist, enthält einen noch unentfalteten Hinweis auf den symbollogischen Grund der „Hure Babylon“ und des Begriffs der Unzucht (des Bechers der Unzucht) in der Johannes-Apokalypse. Das Tier aus dem Meer wäre danach weiblich, das Tier vom Lande, der falsche Prophet, männlich?
Die Heiligkeit des Heiligen Geistes gründet in der Reflexion und Kritik des Schuldzusammenhangs (der objektivierenden und instrumentalisierenden Eigentumslogik und ihrer Verkörperung im Staat). Deshalb ist der Weltgeist in allen Stücken das Gegenteil des Heiligen Geistes.
Kritik der Verurteilung: Ist nicht jede Gemeinheit Folge und Symptom einer Verletzung, die der Verletzte projektiv abzuarbeiten versucht? Die Vorstellung, ein Verhalten, bei dem man den Frust als Wut abzureagieren versucht, ließe sich psychohygienisch begründen, ist nicht mehr zu halten. Die Begründung wird in der Regel eine mechanische sein, nach dem Modell: Ventil öffnen, Dampf ablassen. Soweit ein solches Verhalten als Erleichterung empfunden wird, handelt es sich um eine Erleichterung, die man empfindet, wenn man die Last, in den andern sich hineinzuversetzen, bloß abwirft: Es ist die Erleichterung der Lust an der Gemeinheit. Eine solche Erleichterung mögen Folterknechte bei ihrer „Arbeit“ empfinden, die vorher durch entsprechenden Druck konditioniert worden sind. – Ist es heute nicht schon so weit, daß, wer sich weigert, sich auch in einen Folterknecht noch hineinzuversetzen, Folterknechte produziert?
Die Verurteilung ist der Schlüssel zum Schuldverschubsystem (der Schlüssel zum Abgrund, Off 201). -
5.2.96
Wenn Recht „im Namen des Volkes“ gesprochen wird, so verweist das auf die Definition des Volkes als einer Schicksalsgemeinschaft. Hat diese Konstellation in der germanischen Institution des Thing ihren Ursprung (vgl. auch den Zusammenhang mit der Versammlung am Tor, mit dem Kohelet, der Ursprungsgeschichte des Begriffs der Kirche)? Gehört zur Ursprungsgeschichte des Rechts nicht auch das Institut des vom Volk gewählten, dann genealogisch sich „fortpflanzenden“ Königs? Setzt das durch Zeugung sich fortpflanzende Erbrecht des Herrschens nicht an die Stelle des Volks die Gattung (und die Diskriminierung der Sexualität)? In welcher Beziehung steht diese Geschichte zur Ursprungsgeschichte des Dings, des Objektbegriffs, der transzendentalen Logik?
Das Ding: Heißt das nicht auch, daß das Gerichtete der Richter sein wird (ist die Robe des Richters ein Schutz gegen das Wiedererkanntwerden durch das im Angeklagten präsente Jüngste Gericht)?
Die Verurteilung der Nazis führt mitten in den faschistischen Bann (in den Schuldzusammenhang, in dem der Faschismus gründet) hinein, ebenso der Hinweis auf das Urteil der Nachwelt (das „Urteil der Geschichte“ oder der Satz: „Meine Kinder sollen mir nicht einmal vorwerfen können, …“). Aus dem Bann heraus führt einzig das Bewußtsein, daß die Opfer unsere Richter sein werden: die Reflexion der Sünde, nicht der Schuld. -
4.2.96
Nach herrschender Auffassung sind alle Apokalypsen entweder – wie die Johannes-Apokalypse – in griechischer Sprache geschrieben oder aber nur in „Übersetzungen“ (griechische, äthiopische, arabische, syrische, slawische u.a.) erhalten. Kann es sein, daß auch die Übersetzungen keine sind, daß vielmehr die nichthebräischen Sprachen Grundlage der apokalyptischen Symbolwelt sind, daß die Apokalypsen die katastrophischen Erfahrungen widerspiegeln, denen das durch die hebräische Sprache und Schrift sensibilisierte Bewußtsein sich ausgesetzt sieht, wenn es in einem fremden Sprachraum sich zu bewegen gezwungen ist, wobei die Symbole, in denen diese Erfahrungen sich ausdrücken, kosmische, sprachlogische und moralische zugleich und in eins sind? Das fundamentalistische Mißverständnis dieser Symbolwelt, das allein die kosmischen Ereignisse wahrnimmt, von den moralischen und sprachsymbolischen Konnotationen dagegen abstrahiert, würde dann selbst zu den Objekten der Apokalypse (zu den „Greueln am heiligen Ort“) gehören. Die Vermutung, daß zwischen der Prophetie und der Apokalypse der Ursprung des Weltbegriffs (und der Ursprung des Staates) liegt, drückt den gleichen Sachverhalt aus. Ausgangspunkt wäre die Vermutung, daß z.B. die paradiesische Schlange schon das Neutrum (das es in der hebräischen Sprache nicht gibt, und das die indoeuropäische von der hebräischen Sprachlogik unterscheidet), die „großen Meeresungeheuer“ (der „Chaosdrache“) die Sprachen der Völkerwelt (nicht der Heiden) insgesamt symbolisieren.
Wenn das Tier aus dem Meer und das Tier vom Lande auf neutrumsabhägige Formen der Konjugation sich beziehen, was bedeuten dann die Köpfe und Hörner?
Off 123ff:
– ein Zeichen im Himmel,
– ein feuerroter großer Drache,
– mit sieben Köpfen und zehn Hörnern, auf seinen Köpfen sieben Kronen.
– Der große Drache, die alte Schlange, genannt der Teufel und der Satan, wurde auf die Erde geworfen, seine Engel mit ihm.
Off 131ff:
– Ich sah aus dem Meer ein Tier heraufkommen,
– mit zehn Hörnern und sieben Köpfen, auf seinen Hörnern zehn Kronen, auf seinen Köpfen gotteslästerliche Namen.
– Das Tier wär ähnlich einem Panther, seine Füße die eines Bären, sein Rachen der eines Löwen.
– Der Drache gab ihm seine Kraft, seinen Thron und seine Macht.
– Einer seiner Köpfe war wie zu Tode getroffen, seine Todeswunde wurde geheilt; die ganze Erde sah staunend dem Tiere nach, sie beteten den Drachen an, sie beteten das Tier an.
Off 1311ff:
– Ich sah ein anderes Tier aus der Erde hervorkommen,
– zwei Hörner gleich einem Lamm und redete wie ein Drache.
– Alle Macht des ersten Tieres übte es vor seinen Augen aus, und bewirkte, daß die Erde und ihre Bewohner das erste Tier anbeteten.
– Es tut große Zeichen, Feuer vom Himmel auf die Erde vor den Menschen; verführt die Bewohner der Erde aufgrund der Zeichen, die vor den Augen des Tiers zu tun ihm verliehen ist, beredet die Bewohner der Erde, dem Tier ein Bild zu machen (der die Wunde vom Schwert hat und lebendig geworden ist), dem Bild des Tiers Lebensgeist zu verleihen, sodaß es sogar redet und bewirkt, daß alle getötet werden, die das Tier nicht anbeten.
– Bewirkt, daß alle sich ein Malzeichen auf ihre rechte Hand und auf ihre Stirn machen, und daß niemand kaufen oder verkaufen kann, der nicht das Malzeichen hat: den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens.
– Weisheit und Verstand berechnen die Zahl des Tieres (es ist die Zahl eines Menschen): 666.
Wenn die Momente des Namens des Himmels, Feuer und Wasser, auf das Wer und das Was verweisen, heißt das nicht, daß im Namen des Wassers das Neutrum sich verbirgt? Es bleibt als Objekt im Namen des Himmels, gewinnt nicht Macht über die Sprache.
Muß man nicht die erkennende Kraft der Sprache, die im Namen gründet, von ihrer mitteilenden Funktion unterscheiden (und trennen), und gründet nicht der Begriff (das Neutrum) in der Subsumtion der erkennenden Kraft der Sprache unter ihre mitteilende Funktion?
Gründet nicht die noesis noeseos im deklinierbaren bestimmten Artikel (in dem innersprachlichen Verweisungszusammenhang, den der bestimmte Artikel begründet, in seiner idealisierenden Kraft)? -
3.2.96
Das Cliché von der „postmodernen Beliebigkeit“ trägt aufs deutlichste projektive Züge: Die Informationsgesellschaft zementiert das Bestehende und macht jede Kritik zur Meinung, zu etwas Subjektivem, Beliebigem. Objektiv ist nur das, was ist, worüber man andere (wertneutral) informieren kann. Ist nicht das Konstrukt des „kommunikativen Handelns“ ein Haus der Beliebigkeit? Fehlt nicht im Begriff des „herrschaftsfreien Diskurses“ die Reflexion auf die Außenbeziehungen der Gründe und auf die Außenwirkung seines Ergebnisses, müßte nicht die Herrschaftsfreiheit des herrschaftsfreien Diskurses auch diese Außenbeziehungen mit einbeziehen? Jeder reale Diskurs (jedes Gespräch am Bankschalter, im Büro des Chefs, im Amtszimmer einer Verwaltung) bezieht sich auf Sachverhalte, die bis in die innerste Struktur hinein durch Herrschaftsbeziehungen bestimmt sind, und in der Regel sind es diese Herrschaftsbeziehungen, die das Ergebnis des Diskurses bestimmen. Aber auch der herrschaftsfreie Diskurs am Stammtisch kann durchaus diskriminierende Außenwirkungen, etwa eine Ausländerhatz, zur Folge haben. Die Logik des herrschaftsfreien Diskurses schließt das Vorurteil nicht aus.
Die subjektive Form der äußeren Anschauung verwandelt die Natur in Ausland (die der inneren Anschauung transformiert ihre Objekte ins Vergangene).
Enthält nicht der Satz aus Hegels Rechtsphilosophie, daß die bürgerliche Gesellschaft bei all ihrem Reichtum nicht reich genug ist, um der Armut und der Erzeugung des Pöbels zu steuern, die Begründung der Notwendigkeit des Strafrechts und der Knäste, ist er nicht ein Produkt der Säkularisation der Höllenvorstellung?
Die positivistische Subjektivierung der Kritik ist die letzte, sprachlogische Konsequenz aus der Subjektivierung der „Sinnesqualitäten“, der „Empfindungen“.
Seid vollkommen, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist: Hängt die Bedeutung dieses Satzes nicht vom Verständnis des perfectum ab, davon, ob das perfectum als vergangenes Sein oder als vollendete Handlung verstanden wird? Müßte es nicht heißen: Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen sein wird?
Wer das perfectum ins Vergangene transformiert, muß dann auch das perfectum wiederum als Vergangenes reflektieren, und zwar sowohl als Plusquamperfekt, als Vorvergangenheit, wie auch als Futur II, als zukünftige Vergangenheit. Ist der Schritt vom Plusquamperfekt zum Futur II der Schritt von der griechischen zur lateinischen (von der dogmatischen zur postdogmatischen) Sprachlogik?
Apokalyptische Sprachlogik: Wenn der Drache (die Schlange) das Neutrum ist (das Präsens der vollendeten Vergangenheit: Kristallisationskeim der verdinglichten, instrumentalisierten Welt), ist dann das Tier aus dem Meer das Plusquamperfekt und das Tier vom Lande (der falsche Prophet) das Futur II?
Mein ist die Rache, spricht der Herr: Im Licht des Ewigen ist die Justiz das Verbrechen, das zu verfolgen sie vorgibt.
Der Knast ist das Produkt der Identifizierung des Plusquamperfekt mit dem Futur II, das Inertialsystem das logische Abbild des Knasts: Die Vorstellung des leeren Raumes verbindet die Offenheit der Zukunft mit dem Nichtsein des Vergangenen.
Ist der leere Raum das Realsymbol des Rosenzweigschen Nichtwissens, und sind die Gegenstände des Nichtwissens (Gott, Welt, Mensch) die Namen des Nichtobjektivierbaren, des nicht unter die Vergangenheit Subsumierbaren? -
2.2.96
„Präpositionen wie anläßlich, betreffs, bezüglich, mangels, mittels[t], seitens, vermittels[t], zwecks gelten als Papierdeutsch.“ (Duden, Grammatik, S. 364) – Gibt es auch Papieritalienisch, Papierfranzösisch, Papierenglisch? In welchem Zusammenhang werden diese Präpositionen gebraucht (Herrschafts-, Verwaltungs-, Mediensprache)? Gibt es noch andere Sprachelemente und sprachlogische Konstruktionen, die in diesen Bereich gehören? Ist die papierdeutsche Grammatik das Produkt einer transzendentallogischen Rekonstruktion der Sprache, ist das Papierdeutsch Subjekt-Objekt der Sprache der Hegelschen Logik, die die Logik der Schrift ebensosehr reflektiert wie sie sie als Maß ihrer eigenen Rationalität anerkennt (sprachlogisches Paradigma: „Was für eines“)?
Ideal der Verwaltung: Alle tun ihre Pflicht, und keiner weiß, was er tut. Globke war nicht zufällig der erste Staatssekretär an der Spitze der bundesdeutschen Administration.
Die Sprachlogik des Papierdeutsch ist die Sprachlogik der deutschen Verwaltung. An der Durchführung des Asylkompromisses wäre zu demonstrieren, daß der Faschismus in der Verwaltung als Modernisierungsschub sich begreifen läßt. Das Papierdeutsch ist wie die deutsche Verwaltung insgesamt (mit einem „Kanzler“, einem Verwaltungsamt, an der Spitze einer „Regierung“) ein Reichserbe: Es gibt keinen Kaiser mehr, aber die der Verantwortung enthobene Verwaltung, die ihre Pflicht tut, ist geblieben. Im führerlosen Staat wird das Ausland zum Repräsentanten der politischen Vernunft.
Das Papierdeutsch ist das Ergebnis eines unüberbietbar radikalen Versuchs, eine reine Subsumtionssprache herzustellen, eine Sprache, die alles Handeln ins Passiv übersetzt. Das Papierdeutsch ist Ausdruck der Gewalt der Verwaltung, die die Politik am Ende demoralisiert und handlungsunfähig macht. Die Medien sind zu einem Organ der Hofberichterstattung geworden, nur daß an die Stelle des Hofs das reine Nichts getreten ist.
Vergleiche auch die Rechtssprache, die diesem Zustand immer deutlicher sich anpaßt („in Augenschein nehmen“: ein Realitätsbezug, der sich selbst dementiert).
Habermas‘ Theorie des kommunikativen Handelns, deren Urspünge in den USA wahrscheinlich sehr viel anders klingen, ist durch seine Übertragung ins Deutsche ins Papierdeutsche übertragen worden.
Sind nicht die philosophischen Kategorien seit ihrem Ursprung (bei Aristoteles) Papierkategorien: Kategorien einer Sprache, die unter den Voraussetzungen der Logik der Schrift sich gebildet hat, zur Verkörperung und zum Gerüst dieser Logik geworden ist?
War nicht der Übergang vom prosopon zur persona ein Übergang vom Sehen (des Gesichts) zum Hören (der Stimme, die durch die Maske hindurchtönt), aber eines Hörens, das über die Logik der Schrift selber wieder zu einem durchs Sehen vermittelten Hören geworden ist? Ist der Begriff der Person nicht durch seine Ursprungsgeschichte fast unanalysierbar geworden (vgl. die mittelalterliche Definition der Person: persona est rationalis naturae individua substantia)?
Das Problem der Scholastik gründet darin, daß sie die Kategorien der aristotelischen Philosophie in einen sprachlogischen Kontext übertragen hat, in dem sie ihren Sinn und ihre Erkenntniskraft eingebüßt hat: sie ist durch Instrumentalisierung ins Dogmatische verschoben worden ist. Der griechische Ursprung der Trinitätslehre war ein politischer; er steht in sprachlogischem Zusammenhang mit der Logik des Römischen Reiches (Konstantin gehört in die Ursprungsgeschichte des Dogmas); durch die Übertragung der Trinitätslehre ins Lateinische ist die Opfertheologie in den Kern des trinitarischen Dogmas gerückt, das Dogma selbst konfessionalisiert worden. Die „Wirkung“ des Dogmas ist aus dem Bereich der Erkenntnis in den der Moral verschoben worden: Sein Hauptzweck war die „Entsühnung der Welt“, die zur Grundlage der Entzauberung der Herrschaft und ihrer Vergesellschaftung geworden ist.
Das Computerdeutsch (das Informatikdeutsch) ist eine Steigerung des Papierdeutsch.
Wenn die Ökonomie die anorganische Natur des Staates ist, dann ist die Privatisierung der staatlichen Aufgaben, ihre Übertragung an die Ökonomie, das Werk der Verwüstung.
Das Scheitern Jesu war das Scheitern des Worts an der Schrift.
Ist der Hahn der Morgenstern unter den Tieren? -
1.2.96
Daß Väter im NT fast nicht mehr vorkommen, ist nur eines der Motive, an denen sich ablesen läßt, daß das „Neue“ nicht die Erfüllung des „Alten Testaments“ ist. Der Versuch, die Erfüllung der Schrift von der des Worts zu unterscheiden, ist ein erster Versuch, die Differenz zu begreifen. Aber liegt der Schlüssel nicht in dem weltgeschichtlichen Paradigmenwechsel, der mit dem Stichwort „Ursprung des Weltbegriffs“ zu bezeichnen wäre?
Ist nicht die Richtung der Bewegung, deren Maß die Lichtgeschwindigkeit ist, die Gegenrichtung der „Bewegung“ des Lichts, des Sehens? -
31.1.96
Verhält sich nicht die Verwaltung zur Ökonomie wie das Inertialsystem und die in ihm ausdifferenzierten Begriffe und Gesetze zu den naturwissenschaftlichen Erscheinungen? Und konstituiert sich die naturwissenschaftliche Erscheinungswelt nicht erst durch die Rationalisierung der Schwerkraft (durchs Gravitationsgesetz) – so wie das Tauschprinzip durchs Institut der Lohnarbeit, durch die Subsumtion der Arbeit unters Tauschprinzip?
Mit dem Begriff des Verfassungspatriotismus hat Habermas die Erkenntniskritik (den Kern der Gesellschaftskritik) aus der Philosophie ausgeschieden.
Zur Frage, ob (neben Zacharias und Joseph) im NT Väter als handelnde Personen vorkommen:
– Ist der Synagogenvorsteher, dessen Tochter Jesus zum Leben erweckt (Mt 918), der einzige (er heißt Jairus <Mk 522>; hat er etwas mit der Sippe Jairs zu tun, die in Zelten wohnt)?
– Die Zebedäus-Söhne verlassen, als sie Jesus folgen, „das Schiff und den Vater“ (Mt 422).
– Als einer, der, bevor er ihm nachfolgt, erst seinen Vater begraben will, antwortet Jesus: „Laß die Toten ihre Toten begraben“ (Mt 821).
– Bei der Heilung des epileptischen Sohnes ist es der Vater, der Jesus um Hilfe bittet („Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben“, Mt 921).
– Simon von Kyrene war der Vater des Alexander und des Rufus (Mt 1521).
– Der Vater in der Geschichte vom verlorenen Sohn (Lk 1512).
– Bei Johannes wird aus der Geschichte vom Hauptmann und seinem Knecht die Geschichte des königlichen Beamten und seines Sohnes (Joh 446).
Der Vater der Zebedäus-Söhne erscheint nur am Anfang; ihn lassen sie „mit dem Schiff“ zurück. Die Mutter der Zebedäus-Söhne erscheint erst am Ende: Sie bittet Jesus, er möge ihre Söhne in seinem Reich zu seiner Rechten und Linken sitzen lassen; und sie gehört zu den Frauen unterm Kreuz (im Mt-Evangelium).
Staatsschutzsenat: Aufgabe des Rechts wäre es, die Gerechtigkeit im Staat, nicht aber den Staat mit den Mitteln des Rechts zu schützen. Hier liegt einer der Gründe, die die Institution des Staatsanwalts so tief unsittlich machen. Notwendig wäre, den Staatsanwalt endlich durch einen öffentlichen Ankläger (der sein Tun als Person und nicht qua Amt zu verantworten hat) zu ersetzen. Es ist kein Zufall, daß, nachdem in Stammheim die Verteidigung zu einem Hilfsorgan der „Rechtspflege“ (was immer das sein mag) gemacht worden ist, im Hogefeld-Prozeß (und offensichtlich auch im Prozeß gegen Monika Haas) der Eindruck immer stärker wird, daß hier in wachsendem Maß das Gericht sich selbst zu einem Hilfsorgan der Bundesanwaltschaft macht? Steckt darin nicht ein Stück institutioneller Logik in einem Lande, in dem der öffentliche Ankläger Staatsanwalt heißt und ein Staatsschutzsenat eben den Staat zu schützen hat, dessen Anwalt der Staatsanwalt ist? Im Hogefeld-Prozeß läßt sich die Macht- und Rollenverteilung der Beteiligten inzwischen an ihrem Verhalten ablesen. -
30.1.96
Welche Differenz drückt sich darin aus, wenn im NT Personen durch den Herkunftsort anstatt durch den Vaternamen bezeichnet werden? Es gibt den Simon bar Jonas und die Maria aus Magdala; der erste wird in Kephas/Petrus umbenannt (so wie es den Saulus aus Tarsis gab, der auch Paulus hieß), die zweite wurde von den sieben unreinen Geistern befreit.
Vaternamen: Jesus Barabas (auch Barnabas, Bartholomäus, die Zebedäus-Söhne, den Jakobus, Sohn des Alphäus, den Judas, Sohn des Jakobus); im übrigen kommen im NT (außer im Falle des Synagogenvorstehers) in keinem Falle Väter als handelnde Personen vor, dafür aber eine ganze Reihe von Müttern (und die Schwiegermutter des Petrus).
Herkunftsnamen: Jesus von Nazareth (aber auch Jesus, Sohn Josephs, Joh 145; ist der Nazarener identisch mit dem Nazaräer, und gibt es hierzu eine Beziehung zur Frage des Nathanael: Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?), Simon von Kyrene.
Ist Iskariot ein Herkunftsname, was bedeutet der Namenswechsel (Simon/Petrus und Saulus/Paulus) und welche Bewandnis hat es mit den griechischen Namen (Andreas, Philippus)?
Der Weltbegriff ist das Instrument der Zerstörung des Namens (nicht zuletzt auch des Gottesnamens; Die Heiligung des Gottesnamens setzt die Kritik des Weltbegriffs voraus).
Wann und durch wen wurde aus dem Haus des Namens Gottes das Haus Gottes?
Ist das Haus der Schwiegermutter des Simon ein Symbol für die Heidenwelt?
Es kommt nicht darauf an, daß man Freunde hat; es kommt nicht darauf an, daß man geliebt wird; und es kommt nicht darauf an, daß man nicht einsam ist. Worauf es ankommt, ist, daß man mit sich selbst ins Reine kommt; davon hätte man allerdings gerne ein Echo. Mit sich ins Reine aber kommt man nur über seine Beziehungen zu anderen, zur Welt und zur Gesellschaft.
Die Ontologie ist eine philosophische Disziplin, die im Barock, in der Ära des Absolutismus, entstanden ist, in der gleichen Phase der Herrschaftsgeschichte, in der Herrschaft privatisiert (und endgültig säkularisiert) wurde: in der sie die Logik des Privateigentums in sich aufgenommen hat. Der Barock hat den Staat als die Organisation einer Gesellschaft von Privateigentümern selber zum Privateigentum der Herrschenden gemacht (ein Vorgang, der heute, mit der globalen Durchsetzung der Logik des Marktes, auf neuer Stufe sich wiederholt). Der Absolutismus (der Begriff des Absoluten selber) gründet in dieser Konstellation (die zugleich das logische Modell der Gravitationstheorie war).
Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Konstituierung der Ontologie und Newtons Begriff des absoluten Raumes?
Ist nicht der Personalausweis, der erstmals in Fichtes Staatsphilosophie auftaucht, ein Beleg dafür, daß es nicht mehr auf die naturale Identität einer Person, sondern nur noch auf die Nachweisbarkeit dieser Identität (nicht mehr auf die Tat, sondern aufs Erwischtwerden) ankommt?
Ist es nicht ein Unterschied, ob
– alles was nicht verboten ist, erlaubt ist, oder
– alles, was nicht erlaubt ist, verboten ist?
Der erste Satz begründet das angelsächsiche Recht, der zweite das deutsche.
Die Verwechslung von Genitiv und Dativ gründet in der Depersonalisierung, Entsubjektivierung von Eigentumsbeziehungen (in der Umkehrung der barocken Konstellation: in der Verstaatlichung des Privaten nach der Privatisierung des Staates).
Ist die „Fehlübersetzung“, die im Lateinischen zum Begriff des Akkusativs führte, nicht eine Folge des Fortfalls des Medium und seiner Ersetzung durch die reflexiven Verben (im Fortgang von der Polis zum caesarischen, imperialen Staat)? Und haben nicht in dem gleichen Prozeß die Spezialitäten der lateinischen Grammatik, vom Futur II über das Supinum zum Gerundium und Gerundivum, sich gebildet? Und nicht nur die Spezialitäten der Grammatik, sondern auch die der herrschafts- und sprachlogischen Formen des westlichen (lateinischen) Christentums, die postdogmatische Gestalt der katholischen Kirche (auch ein Produkt der imperialen Instrumentalisierung der griechischen Philosophie/Vätertheologie)? -
29.1.96
Die Theorie des kommunikativen Handelns gründet in der Abstraktion von den Folgen des Handelns. Sie setzt voraus, daß die realen Folgen durch die Rechtsfolgen bereits ersetzt, substituiert, sind. Seitdem sind alle Handlungen folgenlos, die keine rechtlichen Folgen haben. Ausgeblendet werden insbesondere alle Folgen, die unter dem Begriff der Gemeinheit sich zusammenfassen lassen. Säkularisation: Verhält sich der Glaube zum Wissen wie die Erde zur Natur und der Himmel zur Welt? Ein Objekt wird zum Objekt, wenn es durch dreifache Spiegelung (durch dreimalige Umkehr) in sich selbst zurückgeführt werden kann. In der realen Zeit des Naturkreislaufes drückt diese dreifache Umkehr in den Einheiten Tag, Monat und Jahr sich aus. Kann es sein, daß der Satz, wonach vor Gott ein Tag wie tausend Jahre ist, auf den Tierkreis (die „Sothis-Periode“) sich bezieht? Die alte Theologie hat die vier Evangelien im Bilde der vier Tierwesen aus der Vision Ezechiels (aus der Merkaba-Vision, Ez 15ff und 10) erkannt. In diesem Bilde erscheinen sie auch wieder in der Apokalypse (Off 46ff). Der Personbegriff, der zusammen mit der Etablierung und Ausbreitung des römischen Rechts sich konstituiert, ist ein Produkt der Vergesellschaftung des anklagenden Prinzips, er ist ein Teil der Geschichte der Vergesellschaftung von Herrschaft. Gemeinheit (das rechtliche Äquivalent des horror vacui) ist kein strafrechtlicher Tatbestand, aber gibt es nicht heute schon Gesetze, die Gemeinheit legitimieren? Sind es nicht die gleichen Gesetze, die ein rechtliches Äquivalent der „subjektiven Formen der Anschauung“ ins Recht einführen, um auch hier den Grund für die Konstruktion synthetischer Urteile apriori zu legen, und gehören sie nicht zu jenem Bereich, in dem der Angeklagte zum Feind (dem Äquivalent des Objekts in der transzendentlane Logik) wird?
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28.1.96
Die subjektiven Formen der Anschauung sind automatisierte Formen der Verurteilung (der Konstituierung des Objekts). Das ist das Erbe der Opfertheologie. Der gleichen Opfertheologie, die Gott in die Masken des Personseins gebannt hat (wie auch im Namen des „persönlichen Gottes“ Gott als mein Eigentum <mein persönlicher Gott> nicht mehr von Gott als Person sich unterscheiden läßt).
Der Personalismus ist ein logischer Bestandteil der Wertethik, d.h. einer Ethik, die sich im Kern nur noch als Maßstab des Urteils, nicht mehr als Richtschnur des Handelns begreift. Die Person ist die Hypostase der Unbarmherzigkeit (und die theologische Lehre von der Personalität des Heiligen Geistes die theologische Sünde wider den Heiligen Geist). Deshalb ist die Person der Grund der Verletzlichkeit.
Die tiefe Zweideutigkeit des Rechtsgrundsatzes „ohne Ansehen der Person“. Das positivistische Recht (und das Prinzip der Legitimation durch Verfahren) trifft apriori die Schwachen. Der Rechtspositivismus ist ein Objektrecht, das den zum Objekt Gewordenen apriori verurteilt. Objektrecht ist Subsumtionsrecht, bei dem es nur auf die richtige Anwendung ankommt.
Enthält nicht die Idee der Auferstehung die Umkehrung des Historismus? Nicht wir urteilen über die Vergangenheit, sondern die Vergangenheit wird über uns urteilen.
Für die Theorie des kommunikativen Handelns sind die Folgen des Handelns gegenstandslos geworden. Darin, in dieser Entlastung von der Verantwortung, liegt die Verführung dieser Theorie. Die Theorie des kommunikativen Handelns begründet eine Theorie der immanenten Logik des Handelns, die sich in dem Augenblick konstituiert, in dem von den Folgen des Handelns (von seiner Beziehung zur Wirklichkeit) abstrahiert wird.
Verweist nicht der Aufsatz von Hinkelammert in der „Jungen Kirche“ (1/96) auf den gemeinsamen Grund der Ökonomie (des Marktes) und der Naturwissenschaften (des Inertialsystems), durch den die Naturwissenschaften zu einem Instrument der Rechtfertigung des Bestehenden geworden ist (deshalb hat Habermas, als er die Idee einer Kritik der Naturwissenschaften verwarf, der Kritik des Bestehenden den Boden entzogen)? -
27.1.96
Horror vacui: In der Vorstellung des leeren Raumes vereinigt sich die Offenheit der Zukunft mit dem Nichtsein des Vergangenen. Oder anders: Der leere Raum ist die gegenständliche Verkörperung der Vorstellung, daß die Zukunft durch Verdrängung der Vergangenheit sich eröffnen läßt. Die Logik dieses in der Raumvorstellung geronnenen Verfahrens ist durchs Dogma, durch die opfertheologische Verarbeitung des Kreuzestodes Jesu, vorgebildet worden.
Gibt es eine ökonomische Entsprechung des horror vacui, und wäre er nicht in der Logik und Funktion der Banken zu suchen (oder, in der Vorgeschichte der Banken, in der des Tempels im Bereich der Tempelwirtschaft; hängt hiermit die Funktion des Tempels in der Ursprungsgeschichte der Kosmologie zusammen, der Tempel als Abbild des Kosmos)?
Was bedeutet es, wenn im zweiten Schöpfungsbericht die Reihenfolge des Geschaffenen umgekehrt wird, wenn das „im Anfang schuf Gott (Elohim) den Himmel und die Erde“ transformiert wird in den Satz „zur Zeit, da Gott der Herr (Elohim JHWH) Erde und Himmel machte“? Zu dieser Transformation gehört im einzelnen
– die verändert Name des schaffenden Subjekts: die Differenz Elohim/Elohim JHWH,
– der Fortfall des bestimmten Artikels (bei den geschaffenen Objekten) nach Umkehrung der Objektfolge,
– die Änderung der Benennung des Tuns von Schaffen ins Machen und
– die Änderung der Zeitbestimmung vom absoluten „Im Anfang“ zum relativen „Zur Zeit, da …“.
Im Selbstmitleid, das heute als fast unausweichlich sich erweist, zu dem es keine Alternative mehr zu geben scheint, manifestiert sich die eigene Ohnmacht; oder genauer: Im eigenen Selbstmitleid manifestiert sich das Selbstmitleid und die Ohnmacht der Andern und darin die eigene Ohnmacht.
Es gibt einen Atheismus, der mit der Leugnung Gottes die Menschheit verrät.
Gotteserkenntnis ist ein notwendiges Sinnesimplikat einer Erkenntnis, die die Reflexion auf die Asymmetrie, die unaufhebbare Differenz zwischen mir und dem Andern, in sich mit aufgenommen hat: den Einspruch gegen einen Universalismus, der es sich zu leicht macht, der nur den Weg des geringsten Widerstands wählt und um der Erkenntnis willen die Welt verrät (ist der Habermassche Universalismus – ähnlich dem der Naturwissenschaften, dem er nacheifert – nicht ein auf den Kopf gestellter Fundamentalismus?).
Die kantische Frage nach der Objektivität der subjektiven Formen der Anschauung (weshalb sie „gleichwohl objektiv“ sind) schließt die Frage nach dem Grund der Vorstellung mit ein, weshalb es eine Natur gibt, die ohne uns da ist. Die subjektiven Formen der Anschauung sind das Instrument der Verinnerlichung des Opfers, des Opfers des Selbst an die ohne dieses Opfer nicht bestehende Natur.
Es gibt einen sehr tiefsinnigen Hinweis auf das Problem Kants in der Frage nach der Objektivität der subjektiven Formen der Anschauung: die Hegelsche Bemerkung, daß der Begriff der Geschichte sowohl die Geschichtsschreibung als auch die Geschichte als Inbegriff der historischen Ereignisse selber bezeichnet. – Bezeichnet nicht Rosenzweigs Konzept des Sterns der Erlösung genau den Punkt, an dem er den Bann des Historismus bricht (das logische Problem der historischen Gegenständlichkeit in den Blick rückt)?
Das Moment der Selbsthistorisierung, der Selbstobjektivation, das in der Berufung auf das Urteil der Geschichte steckt, begründet und rechtfertigt die Politik des Nichthandelns, des Aussitzens. Der gleichen Politik, die durch die „Wiedervereinigung“ in den Schein einer historischen Bestätigung gerückt worden ist, die sich selbst dementiert (die „Wiedervereinigung“, die das Ergebnis des verlorenen Krieges revidiert, ist das reallogische Pendant eines Krieges, der nicht mehr durch einen Friedensschluß beendet werden konnte).
Israel ist die Verkörperung des Baums des Lebens in einer Geschichte, die durch den Baum der Erkenntnis und den Sündenfall determiniert ist.
Das Wort „Richtet nicht …“ wäre heute zu ersetzen durch das „Verurteilt nicht, auf daß ihr nicht verurteilt werdet“: durch die Kritik des Objektivationsprozesses insgesamt.
Das „Richtet nicht …“ ist ein Einspruch gegen das Hegelsche Weltgericht.
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