Theologie im Angesicht Gottes: Erst im Licht des göttlichen Antlitzes wird die Welt erleuchtet, wird sie im Licht der göttlichen Verheißungen durchsichtig.
Sind nicht alle Formen des Glaubens heute durchsetzt von Verlassenheitsängsten, und hat die Flucht der Jünger angesichts der Kreuzigung Jesu sich nicht im dogmengeschichtlichen Prozeß fortgesetzt? Ist der Fluchtpunkt der Geschichte der drei Leugnungen darin nicht vorgezeichnet?
Nach Franz Rosenzweig sind die Gebete der Einsamen immer in Gefahr, Gott zu versuchen, Aber ist es nicht die Geldwirtschaft, indem sie jeden auf das Gesetz der Selbsterhaltung fixiert, die die Menschen isoliert und in ihnen die Verlassenheitsängste induziert, und die die Gebete zu Gebeten der Einsamen macht? (Deshalb gibt es seit der „Liturgie-Reform“ der Kirche keine Liturgie und keine Gebete mehr.) Nicht die Verurteilung des „Egoismus“, sondern die Reflexion seiner Existenzbedingungen befreit von diesen Zwängen.
Die Selbstlegitimation des Bestehenden durch die Naturwissenschaften gründet in den Beziehungen der Naturwissenschaften zum System der Selbsterhaltung.
Identifikation mit dem Aggressor: War es nicht der Existenzbegriff, der die Philosophie aufs Prinzip der Selbsterhaltung vereidigt hat. Zu diesem Existenzbegriff gehört der Begriff der „Eigentlichkeit“.
Reflex der Selbsterhaltung in der Theologie ist die Bekenntnislogik.
Liegt die Bedeutung der Apokalypse nicht darin, daß die Kirche erst in dem Augenblick, in dem sie sich selbst im Bilde des Tiers erkennt, vom Bann der Bekenntnislogik sich befreit?
Ist es nicht die apokalyptische Gestalt der Offenbarung, vor der Franz Rosenzweig zurückgeschreckt ist? Das war die Schwelle, die er nicht hat überschreiten können. Deshalb wird der Stern der Erlösung mit dem dritten Buch des zweiten Teils und dann mit dem dritten Teil so hilflos. Der dritte Teil beschreibt die Wahrheit in der Gestalt ihrer vergangenen Zukunft, den liturgischen Jahreslauf als mythische Wiederkehr des Gleichen. Rührt diese Remythisierung im Jahreskreislauf der Liturgie nicht an das Rätsel der Astrologie?
Rührt der letzte Satz des zweiten Teils des Stern der Erlösung nicht an einen apokalyptischen Sachverhalt, und wird er nicht wahr, wenn er mit reflektiert wird? Diese Reflexion wird heute erzwungen durch die inzwischen eingetretene faschistische Katastrophe. Sind nicht zum Stern der Erlösung der Geist der Utopie und Lukacs‘ Geschichte und Klassenbewußtsein mit hinzuzunehmen?
Skinheads und Hooligans: Wäre nicht (vor allem im Hinblick auf die Selbstverständigung der Theologie) endlich zu begreifen, daß der Faschismus nur den Fluchtlinien der Bekenntnislogik gefolgt ist und diese bis zum bitteren Ende ausgezogen hat? Der Rechtsextremismus heute ist nur die real existierende Erinnerung an die Versäumnisse der Theologie: ein Exzess der Bekenntnislogik ohne Gott.
Zum Verständnis der Schrift als Komposition: Franz Rosenzweig nennt einmal Simson und Saul in einem Atemzug (S. 83). Hat nicht das Erblinden der Einwohner von Sodom im xenophoben Exzess außer mit dem Untergang Sodoms auch etwas mit rätselhaften Wort über die Blinden und Lahmen bei der Eroberung Jerusalems durch David sowie schließlich mit der Antwort Jesu auf die Frage des Täufers, ob er es sei, der da kommen soll, zu tun: mit dem Hinweis darauf, daß die Blinden sehen und die Lahmen gehen?
Die Blinden sehen und die Lahmen gehen: Verweist das nicht auf den Zusammenhang des Trägheitsprinzips, des Inertialsystems, mit der Verwirrung der Optik bei Newton?
Theologische Erkenntnis kommt zu sich selber, wenn sie zur eingreifenden Erkenntnis wird. Hängt die Rosenzweigsche Trennung der Erleuchtung von der Liebestat (die nach Rosenzweig blind ist) nicht damit zusammen, daß er die apokalyptische Schwelle der Erkenntnis nicht zu überschreiten wagt? Die Erleuchtung, die die Liebe sehend macht, ist die apokalyptische. Darin steckt der dreifache Bezug des Symbols der Schlange, ihre Beziehung
– zum sprachgeschichtlichen Ursprung des Neutrum (die bei Rosenzweig anklingt, aber nicht im Zusammenhang begriffen wird),
– zur Ursprungsgeschichte der Astronomie (und zu den Seraphim), und
– zu Babylon, zur Ursprungsgeschichte der politischen Theologie.
Die Geschichte der modernen Naturwissenschaften beginnt mit der Hexenverfolgung und endet mit Auschwitz. Als Referenzsystem der Aufklärung gehört die Naturwissenschaft zu den Konstituentien der Projektionsfolie, deren die Aufklärung bedurfte, um davor ihre Leuchtkraft zu begründen: dem Begriff der Wilden, der die der Barbaren und der Heiden ersetzt hat. Wenn der Begriff der Barbaren als eine Inversion des Namens der Hebräer sich begreifen läßt, und der der Heiden (der „Völker“) auf den Namen der Christen verweist, worauf bezieht sich dann der Begriff der Wilden?
Die mythische Welt ist die verschlossene Welt, die erst durch Umkehr sich auftut: So entspringt – durch Umkehr
– Gottes Schöpfermacht seiner Freiheit, die Offenbarung dem Schicksal,
– des Menschen Demut seinem Trotz, seine Liebe dem Charakter.
Was geschieht der Fülle und dem Logos der verschlossenen Welt, wie findet der Begriff der Umkehr hier einen Ansatz und ein Ziel?
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26.1.1995
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25.1.1995
Der Dingbegriff ist ein Reflex des Präsens.
Symbolisiert das Herniederfahren Gottes beim Turmbau zu Babel den Ursprung der indoeuropäischen Sprachen? Und hat dieses Herniederfahren etwas mit der Inkarnation des Logos zu tun?
Zu Liebe und Barmherzigkeit: Zwar ist die Liebe stark wie der Tod, aber sie erreicht die Toten nicht mehr. Diese Grenze überschreitet nur die Barmherzigkeit.
Die Sünde der Welt auf sich nehmen heißt anerkennen, daß die Vergangenheit nicht nur vergangen ist, während die „Entsühnung der Welt“ gleichbedeutend ist mit Verurteilung der Vergangenheit: Sie macht sich das Todesurteil, das über die Vergangenheit ergangen ist, zueigen. Die Entsühnung der Welt ist das Werk der unbarmherzigen „Arbeit des Begriffs“ (oder auch des gnadenlosen Weltgerichts). Die Kurzformel dafür heißt Rechtfertigung. Und die Vergegenständlichung der Geschichte (die sie gegen die Erinnerungsarbeit immunisiert) ist die Vorausssetzung des Objektbegriffs, der Verdinglichung der Gegenwart (ihrer Immunisierung gegen die prophetische Erkenntnis). Sprachlicher Ausdruck dessen sind das Neutrum und das Präsens. Das Präsens ist der Riegel vor der Prophetie. Das Neutrum entzieht die Vergangenheit der Erinnerung und der Reflexion und begründet die Macht des Vergangenen über die Gegenwart. Hegels List der Vernunft gehört zu den Konstituentien des Neutrums, das in der Idee des Absoluten sich erfüllt. Erst im Kontext des Neutrum gibt es so etwas wie das hinterhältige Denken, die reservatio mentalis, den Betrug, die Verstellung.
Hurerei und Unzucht sind keine sexualmoralischen, sondern herrschaftskritische Kategorien, und nur als solche sind sie auch sexualmoralische. Man kann, ohne dem Fundamentalismus zu verfallen, die sexualmoralische Bedeutung von der herrschaftskritischen nicht trennen. Deshalb hat jeder Fundamentalismus sein Zentrum in der Sexualmoral.
Adornos Satz: „Erstes Gebot der Sexualmoral: Der Ankläger hat immer Unrecht“, ist eine Übersetzung des jesuanischen Satzes: „Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein“. Sind nicht alle Fundamentalisten Steinewerfer?
Ist nicht die Umkehr durch die Privatisierung der Buße in der Ohrenbeichte zum Herrschaftsmittel geworden (Zusammenhang mit der Ausbildung der Raumvorstellung)?
Die kritische Theorie der Frankfurter Schule war ein Dualis.
Die Geschichte der dreifachen Leugnung Petri ist ein Gleichnis, das sich auf die Beziehung der Erfüllung des Worts zur Logik der Schrift bezieht. (Sind nicht die Leugnungen Petri immer mit dem Verrat des Judas verwechselt worden?) -
24.1.1995
Die katholische Theologie sollte endlich Kant zur Kenntnis nehmen (und das, ohne ständig die Transzendenz mit dem Transzendentalen zu verwechseln). Das setzte voraus, daß sie den wissenschaftskritischen Impuls mit aufnimmt. Das experimentum crucis wäre die Naturwissenschaft. Damit würde sie sich allerdings der eigenen Geschichte als Legitimationswissenschaft begeben (sic, B.H.), die dazu ohnehin nicht mehr taugt.
War nicht die kirchliche Sexualmoral seit je Ursprung und Transporteur des „islamischen“ Religionsverständnisses (zum Begriff des Islam vgl. Stern der Erlösung, S. 191). Eine rigide Sexualmoral und ein fundamentalistisches Schrift- (und Geschichts-) Verständnis haben sich seit je wechselseitig fundiert.
Der Stern der Erlösung ist die erste konsequente Entfaltung der Idee, daß die theologische Idee der Wahrheit mit einer Änderung des Subjekts einhergeht, daß zur Theologie eine Idee der Wahrheit gehört, die ins Bestehende eingreift, weil sie die Umkehr mit einschließt. Aber: Ist die Umkehr bei Rosenzweig nicht schon eine sechsfache, und kommt sie nicht in die Nähe der Lösung der sieben Siegel?
Hat Rosenzweig die Theologie nicht doch nur bis zur Schwelle, die sie jetzt überschreiten müßte, geführt? Vgl. hierzu den Satz über das Verhältnis von Barmherzigkeit und Liebe (S. 193) sowie die Aussparung der Apokalypse (die Nicht-Reflexion der Beziehung von Gericht und Gnade). Die Schwelle, die Rosenzweig nicht überschritten hat, ist die Schwelle von Gethsemane. Ist nicht der Rosenzweigsche Koffer (Stern, S. 124) in Wirklichkeit der Kelch, und hat nicht das Gott Mensch Welt mehr mit der Trinitätslehre zu tun, als Rosenzweig weiß?
Hängt nicht die Verdrängung der Barmherzigkeit bei Rosenzweig, die er unterm Islam abhakt, mit der Verdrängung der apokalyptischen Dimension der Theologie zusammen: die Barmherzigkeit hängt über den Namen der Gebärmutter (und durch die projektive Beziehung der Hysterie zur Barmherzigkeit) mit den messianischen Wehen zusammen.
Die Form des Raumes, das ist das gegenständliche Korrelat der List der Vernunft, die bewirkt, daß mit jeder Umkehr der alte Zustand sich wiederherstellt. Die Zusage, daß die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwältigen werden, bezieht sich hierauf.
Eine Erkenntnis, die nicht ins Bestehende eingreift, verdient diesen Namen nicht, aber mein Gefühl ist, daß Johann Baptist Metz sich seit einiger Zeit in die Ecke gedrängt fühlt und deshalb der Apologie verfallen ist. Bezieht sich nicht das Wort vom Binden und Lösen auf die Idee der eingreifenden Erkenntnis?
Ist nicht das Christentum immer wieder von seinen Vergangenheiten eingeholt worden, und das gerade von jenen, die es glaubte überwunden zu haben?
Die christliche Theologie hat eigentlich seit je alle Vorkehrungen getroffen, die es ihr ermöglichten, sich von der Schrift nicht angesprochen zu wissen. Das gilt für die ganze Breite von den Propheten bis Gethsemane.
Nicht die Ökumene (kein Multi-Kirchen-Konzern), sondern die Entkonfessionalisierung der Kirchen wäre das Ziel.
Ist nicht die in der Genesis vor dem ersten Schöpfungstag beschriebene Situation (wüst und leer, Finsternis über dem Abgrund, der Geist Gottes über den Wassern) ein Bild des gegenwärtigen Weltzustandes?
Wenn Auschwitz mit dem Kreuzestod zu tun hat, sind dann nicht auch wieder einmal die Jünger davon gelaufen (die dreifache Leugnung ließe sich hierauf beziehen)? Es ist vielleicht weniger wichtig, daran zu erinnern, daß in Auschwitz gebetet worden ist; wichtiger erscheint mir der Bezug zu dem Satz: Wer Euch anrührt, greift seinen Augapfel an.
Die verandernde Gewalt des Objektivationsprozesses hat sich zuerst in der Geschichte der Dogmenbildung, der opfertheologischen Verarbeitung der Erinnerung an den Kreuzestod, manifestiert.
Angst und Projektion: Sind es nicht generell unsere Ängste, die uns in die Projektion hineintreiben; ist nicht jede Projektion eine falsche Form der Angstverarbeitung? Gründen nicht alle Ängste in der Sünde der Welt. Die Aufarbeitung dieser Ängste, die Aufarbeitung des Empörungstriebs und seiner projektiven Wurzeln, sprengt die Herrschaft der Urteilsform über das Denken und begründet jene Sensibilität, die mit der Idee des Heiligen Geistes mehr zu tun hat, als das kirchliche Lehramt. -
23.1.1995
Der Kelch, oder Theologie hinter dem Rücken Gottes: Die Logik der Schrift abstrahiert vom dialogischen Wesen der Sprache; die subjektiven Formen der Anschauung abstrahieren vom Blick des Anderen; die Bekenntnislogik abstrahiert vom Angesicht Gottes.
Im Symbol des Weltbegriffs B=A hat Rosenzweig den systematischen Ort der transzendentalen Logik bestimmt. (Um Rosenzweig zu verstehen, wäre es wichtig, im tragischen Helden die Geburtswehen des Weltbegriffs und im mythischen Gott die Wasserscheide des Naturbegriffs zu erkennen.)
Gott sprach: Es werde Licht, und es ward Licht. Steht nicht das Werden im Hebräischen in beiden Fällen im Imperfekt (oder ist der Imperativ vom Imperfekt nicht zu unterscheiden)? Geben Imperativ und Praeteritum den sprachlichen Sachverhalt eigentlich richtig wieder, ist er im indoeuropäischen Sprachbereich überhaupt reformulierbar? Führt nicht die indoeuropäische Form der Konjugation andere zeitliche Konnotationen mit sich als die hebräische?
Das indoeuropäische Präsens, zu dem es im Hebräischen keine Entsprechung gibt, ist ein Gegenwartsersatz (das grammatische Äquivalent des philosophischen tode ti). George Steiners „Von realer Gegenwart“ gibt sehr präzise die Intention des Kunstwerks (eigentlich jeder ästhetischen Repräsentation, auch der durch die subjektiven Formen der Anschauung) wieder, indem er aber diese Intention als erfüllt unterstellt, belastet er sie mit einem ästhetisch uneinlösbaren Anspruch (als dessen ironisch-blasphemische Realisierung das Fernsehen sich begreifen ließe). Er wäre einzulösen nur in theologischem Kontext.
Mit der kopernikanischen Wende, die Newton in seiner Optik nur vollstreckt hat, wird das Werk des ersten Schöpfungstages revoziert, fällt der Naturbegriff in den Bereich der Finsternis über dem Abgrund zurück.
Nicht unterschätzt werden sollte die chaotisierende Gewalt des Inertialsystems, die im übrigen erstmals drastisch sich anzeigt in der Unterscheidung der primären und sekundären Sinnesqualitäten und der Subjektivierung dieser sekundären Sinnesquelitäten. Das Inertialsystem produziert die chaotische Mannigfaltigkeit der „Empfindungen“, des „Gegebenen“, die sich in diesem Kontext überhaupt erst konstituiert. Daraus versucht die transzendentale Logik dann die Dingwelt wieder zu rekonstruieren. Dieser Rekonstruktionsversuch produziert, wie Kant in den Antinomien der reinen Vernunft festhält, eine Vorstellungstotalität, die in ihren Rändern merkwürdig ausfranst. (Mit dem Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit werden die zerfransten Ränder gleichsam in den Kern des Systems zurückgenommen.)
Ist es eigentlich wirklich das gleiche Inertialsystem, das die Mechanik, Newtons Gravitationsgesetz und die Mikrophysik mit einander verbindet? Gründet der Nominalismus nicht darin, daß hier über die Gewalt der Logik des Systems Ungleichnamiges gleichnamig gemacht wird? Sind nicht die subjektiven Formen der Anschauung, insbesondere nach ihrer Vergegenständlichung zum Inertialsystem, ein Realsymbol der Gewalt?
Hat die Verdreifachung der altorientalischen Vorgeschichte (Heinsohn) etwas damit zu tun, daß die Linearität der Zeit, die zugrundeliegende Konstruktion der „Tiefenzeit“, ein Reflex der Dreidimensionalität des Raumes ist? Ist die Ungleichnamigmachung des Gleichnamigen nicht die Rache der Logik der Aufklärung an der Gleichnamigmachung des Ungleichnamigen? Die Vorstellung der linearen, homogenen Zeit verdankt sich der Neutralisierung des Raumes (dem Realitivitätsprinzip und dem Inertialsystem), der Abstraktion von den Differenzen, durch die sich die Richtungen im Raum (vorn und hinten, rechts und links, oben und unten) voneinander unterscheiden. Gestützt wird diese Abstraktion durch das, was man die exkulpierende Kraft der Objektivierung nennen darf. Es scheint der gleiche Effekt zu sein, den Peter L. Berger die Selbstlegitimation des Bestehenden genannt hat, die insbesondere über die Naturwissenschaften vermittelt ist.
Zur Rosenzweig-Kritik: Im Kontext seines Begriffs der Offenbarung, wenn das verschlossene Selbst im Kontext der Liebe Gottes als Seele sich öffnet und dabei als sündig sich bekennt, gerät seine Konstruktion in die Nähe des Erbaulichen (und des Autoritären). Die Sünde, die die Seele bekennt, wäre genauer zu bestimmen: als Sünde der Welt? -
22.1.1995
Was ergibt sich, wenn man im NT die Gehorsam-Stellen mit Hören übersetzt (gehorsam bis zum Tod am Kreuz)?
Zu Rosenzweigs Begriff der „historischen Aufklärung“ (sh. Stern der Erlösung, S. 108) – für ihn der Ausgangspunkt seiner Abkehr vom Relativismus – vgl. Hegels Bemerkung über den Begriff der Geschichte.
Die Objektivation des Vergangenen durch die historische Aufklärung zerstört die Erinnerung; sie neutralisiert die Vergangenheit, indem sie sie zu einem Objekt des Wissens macht. (Zusammenhang von Objektivierung, Instrumentalisierung und Vergesellschaftung: die historische Aufklärung ist eine politische, welt- und staatsbegründende Wissenschaft; sie hat gleichsam kosmogonische Bedeutung, verdrängt aber zugleich das Bewußtsein davon. Mit der Objektivierung der Vergangenheit beweist sich der Staat seine weltbegründende Macht.)
Zum Begriff des Eigentums: Jeder Staat hat seine Geschichte.
Kohls Berufung auf die Geschichte hatte vor einigen Jahren sein komisches Echo in einem Statement Boris Beckers, der in der Anfangsphase seiner Karriere nach einem gewonnenen Match einmal erklärte, die Bedeutung dieses Sieges werde man erst nach zwanzig Jahren ermessen können.
Die Schuld haftet wie eine Eigenschaft an der vergangenen Tat; ich kann nicht aufgrund einer noch nicht begangenen Handlung schuldig werden. Aber ich kann sehr wohl aufgrund der vergangenen Tat anderer schuldig werden: Auschwitz und Adam.
Hegels Kritik des heiligen Dings (des katholischen Eucharistie-Verständnisses) schlägt auf ihn selbst zurück. Das heilige Ding ist der Kern seiner Logik: die Quelle des Begriffs des Absoluten.
Der Atheismus, der im übrigen bis in die Kirche und in die Theologie hineinreicht, ist heute der Schlaf, aus dem man nicht geweckt werden will, der den Traum von der Religion nicht mehr ausschließt. Deshalb bedarf es des Hahns.
Der Fortschritt, dem die Konstruktion und die Ausstattung des Komfortzugs „Industriegesellschaft“ sich verdanken, ist zum Maß der Beschleunigung geworden, mit dem er dem Abgrund zurast. -
21.1.1995
Zum projektiven Denken: Der Grund der Finsternis liegt in der Vergangenheit; die Verfinsterung der Dinge gründet in ihrer Subsumtion unter die Vergangenheit. Das Licht, das die Vergangenheit wirklich erhellen würde, wäre das im Buch des Lebens noch verschlossene Licht. Dieses Buch wird lesbar, wenn „der Himmel wie eine Buchrolle sich aufrollt“.
Zur Logik der Schrift: Das Buch ist das Grab des Autors. Gründet die Idee der Auferstehung nicht darin, daß auch die der Logik der Schrift unterworfene Sprache nicht endgültig tot ist, daß sie wieder zum Leben erweckt werden kann?
Verweisen die Totenerweckungen in der Schrift nicht alle auf die Beziehung der Logik der Schrift zur Erfüllung des Wortes? (Welche Erweckungsgeschichten gibt es: die vom Jüngling zu Nain, von der Tochter des Jairus und vom Lazarus?) Kann es sein, daß die Schrift (oder das Dogma?) am Ende als das leere Grab sich erweist (es war das Grab des Joseph von Arimathaea, „der ein Jünger Jesu war – freilich im geheimen, aus Furcht vor den Juden“ – Joh 1938)? Wird nicht erst in diesem Zusammenhang deutlich, was es mit dem Logos auf sich hat?
Wie verhalten sich Ereignis und Geschehen zueinander? Das eine ist reflexiv, das andere objektiv (es ereignete sich, es geschah). Gibt es eine sprachliche Beziehung des Ereignisses zum Eigenen, zum Eigentum, zur Eigentlichkeit?
Adornos Bemerkung, daß das Selbst in theologischem Zusammenhang gründet, wäre zu korrigieren: Wie der Begriff des Absoluten, zu dem es gehört, fällt es in die Ursprungsgeschichte des Staates (zusammen mit dem Eigentumsbegriff). Es gründet im Kontext der Ästhetik (vgl. Rosenzweigs Bemerkung über die Beziehung des Selbst zum Kunstwerk). Das Selbst ist ein Reflex der subjektiven Formen der Anschauung; deshalb scheinen sich diese der Reflexion zu entziehen (und deshalb mußte Hegel die Antinomien der reinen Vernunft, die Kant auf die transzendentale Ästhetik bezogen hatte, aus dieser herausnehmen und in Logik transponieren, was nur mit Hilfe des Konzepts der List der Vernunft möglich war; so wurde das Gesetz der Erscheinungen zum Begriff des Scheins).
Konstruktion der Ästhetik: Das Selbst ist der Reflex einer Erfahrung, in der einer sich als anderer für andere erfährt: Es gehört in den Kontext der Geschichte der Scham.
In der Jotam-Fabel kommen neben dem Dornenstrauch, der zum König wird, der Feigenbaum, der Weinstock und der Ölbaum vor.
Sind nicht die Bäume und Sträucher, unter denen Adam, als er erkannte, daß er nackt war, sich verbarg, die Ahnen der Bäume der Jotam-Fabel? – Nathanael stand unterm Feigenbaum, als Jesus ihn als „wahren Israeliten, ohne Falsch und Tadel“ erkannte.
Ist nicht das Inertialsystem der Dornenstrauch, und das durchs Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit korrigierte Inertialsystem der „brennende Dornbusch“?
Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein: Löst dieser Satz nicht das Rätsel des Absoluten? Ist das Absolute (der Schatten, den das Selbst auf Gott wirft) nicht die Grube, die wir andern graben, und in die wir dann selber hineinfallen? Hier erweist es sich, daß das Absolute die Reflexionsgestalt des Raumes ist. Hat die Grube nicht etwas mit dem Kelch und mit dem Richten zu tun? Nur das Gebot der Feindesliebe schützt vor dieser „Grube“.
Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein: Diesen Effekt der List der Vernunft hat Hegel nicht begriffen.
Ist nicht die Natur die Grube, in die wir die Schöpfung gestürzt haben? Und ist der Satz von der Grube nicht auch auf die Kirche zu beziehen, wogegen allein das Wort steht, daß die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden (die Grube, die die Kirche den andern gegraben hat, war die Höllenvorstellung: das Äquivalent der Gottesfurcht im Schuldverschubsystem des Weltbegriffs, des Herrendenkens; sie ist ohne die Transformation der Sexualmoral in eine Urteilsmoral, durch die sie dann nur noch auf andere sich bezieht – und auf den Urteilenden selbst nur insoweit, als er selbst als anderer für andere sich erfährt -, nicht zu denken: Unzucht ist der apokalyptische Name für den richtenden Gebrauch der Sexualmoral).
Die subjektiven Formen der Anschauung (die transzendentale Ästhetik) sind der Inbegriff der Grube, die wir andern graben, und in die wir selber hineinfallen.
Die Logik der Schrift abstrahiert von der dialogischen Struktur der Sprache (vom Hören), das Inertialsystem (das in den subjektiven Formen der Anschauung gründet) vom Licht, vom Gesehenwerden, vom Angesicht. Zur Logik der Schrift gehört als Projektionsfolie der Begriff des Barbaren, zum Inertialsystem der des Wilden (das Antlitz des Hundes). -
20.1.1995
Werden die Rekonstruktionen von Gott Mensch Welt im ersten Teil des Stern der Erlösung durchsichtig, wenn man sie auf den Raum, das Geld und das Bekenntnis bezieht? Es gibt nicht die Welt, sondern die Welt ist ein plurale tantum. Und es gibt auch nicht „die beste aller Welten“, sondern hier gilt: Was dem eenen sin Uhl, ist dem annern sin Nachtigall. Der Singular Welt (das Universum) ist Produkt einer Dezision. Und der Dezisionismus, den Christian Graf Krockow an Heidegger, Schmitt und Jünger wahrgenommen hat, hängt damit zusammen. Dieser Dezisionismus ist ebensowenig durch den Hinweis auf den Satz des Widerspruchs aufzulösen wie der Schmittsche Souveränitätsbegriff durch den Hinweis auf seine Folgen: die Begründung der Diktatur. Im Kern des Weltbegriffs steckt die Hegelsche List der Vernunft, ein Stück Betrug. Die Entfaltung dieses Betrugs zur Totalität: das wäre der Greuel am heiligen Ort. Ist nicht die Existenz unterschiedlicher Tiergattungen (nach Hegel Hinweis darauf, daß „die Natur den Begriff nicht halten kann“) der Beweis dafür, daß es die eine Welt nicht gibt? Was Rosenzweig im Stern der Erlösung so gelassen beschreibt, ist in Wahrheit ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch. Zu Illigs Fälschungstheorie: Ist die Phase, die dieses Bild der Vergangenheit produziert hat, sie zur Selbstlegitimation erfunden hat, nicht die gleiche Phase, die in die Kirchengeschichte als die pornokratische Phase eingegangen ist, und hängt nicht beides mit einander zusammen, ähnlich wie die pornographische Phase der kirchlichen Moraltheologie mit dem Ursprung des politischen Absolutismus (und mit dem Barock) zusammenhängt? Liegt nicht der Fehler Illigs – wie überhaupt der Heinsohn-Gruppe – darin, daß sie glauben, post festum feststellen zu können, es hätte auch anders laufen können? Sie unterschätzen die Gewalt der Schuldängste und der Rechtfertigungszwänge, denen auch der historische Erkenntnisprozeß unterworfen ist. Liefern Heinsohn und Illig nicht Reflexionsmaterial zum Problem des kontrafaktischen Urteils? Kommt Karl der Große eigentlich bei Thomas von Aquin vor? Theologie im Angesicht Gottes, das heißt: Aus dem Bann der Logik der Schrift heraustreten.
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19.1.1995
„Pleiten, Pech und Pannen“: Lachen tötet einen Gedanken, widerlegt ihn aber nicht. Dieser Satz gehört in den Kontext
– einer Kritik der subjektiven Formen der Anschauung (Lachen ist Grund der Form des Raumes im Subjekt; die objektivierende Wirkung beider ist identisch),
– der Rekonstruktion der Idee der Wahrheit,
– der Kritik des Naturbegriffs (der Naturbegriff leugnet die Auferstehung),
– der Kritik des Dogmas (durch ihre Verurteilung wurden die Probleme, die in den Häresien sich anzeigten, nur verdrängt, nicht aufgelöst; sie sind zur kritischen Masse im Innern des Dogmas geworden, die heute die Theologie zu sprengen droht: die Orthodoxie als Auslachen der Offenbarung),
– der Begründung der politischen Unwirksamkeit der Karikatur und des Kabaretts,
– der Kritik des Rechts (Urteil und Strafe als Mittel der projektiven Verarbeitung der eigenen Strafbedürfnisse).
Lachen unterdrückt die Kraft der Erinnerung und fördert das Vergessen. Die Kritik des Lachens ist ein Teil der Kritik der Gewalt.
In der Nacht sind nicht nur alle Katzen grau: Die projektiven Formen der Erkenntnis, zu denen es unterm Bann des Weltbegriffs keine Alternative gibt, schaffen die Finsternis, verdunkeln die Welt; Ausdruck dessen ist der Begriff der Materie. Instrument der projektiven Erkenntnisformen ist das Inertialsystem, in seinem Kern die mathematische Form des Raumes (als Instrument der Neutralisierung der Gottesfurcht, der Umkehr und der Barmherzigkeit Folge und Korrelat einer Opfertheologie, die auf den Begriff einer entsühnten Welt abzielt).
Die Form des Raumes ist das objektive Korrelat des Kelchsymbols. -
18.1.1995
Die Opfertheologie ist ein Teil der Geschichte der Aufklärung: Sie liefert die Begründung für den exkulpierenden Effekt des Säkularisationsprozesses.
Die dem Säkularisationsprozeß eingebaute Exkulpationsautomatik ist der Grund, aus dem die Selbstrechtfertigung des Bestehenden sich herleitet.
In welchem Zusammenhang kommen der „Sand am Meer“ und die „Sterne des Himmels“ außer im Hinblick auf die Nachkommenschaft Abrahams sonst noch vor? Und kann es sein, daß der Sand am Meer und die Sterne des Himmels auf eine doppelte Nachkommenschaft Abrahams hinweist, auf die Möglichkeit, daß Gott auch aus den Steinen dem Abraham Nachkommen erwecken kann?
Wenn die Schlange auch einen sprachlichen Sachverhalt, und nur durch den sprachlichen hindurch einen realsymbolischen Sachverhalt bezeichnet, enthält dann nicht auch die Tierutopie (das Kind mit der Natter) eine Sprachutopie? Erinnert nicht das Bild vom Kind mit der Natter auf das „Seid klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben“?
Israeliten und Hebräer: Das Subjekt der Offenbarungsreligion ist nicht das empirische, private Subjekt, sondern Israel; und ein zentrales Indiz für den Stellenwert der Schriften des Flavius Josephus ist es, daß er die Israeliten Hebräer nennt. Und wenn Moses zum Pharao sagt: „Der Gott der Hebräer schickt mich“, provoziert er dann nicht die Verstocktheit und den Starrsinn des Pharao (und gilt das nicht für den Gebrauch des Namens der Hebräer generell)? Der Gott der Hebräer ist der Nationalgott.
Liegt nicht in der Abfolge Sodom, Jericho, Gibea auch eine Art „Fortschritt“?
Der ontologische Gottesbeweis begründet die Staatsmetaphysik und nicht die Theologie.
Die Frauen unterm Kreuz und die Jünger, die davongerannt sind: Waren diese Jünger nicht seit je die Repräsentanten der Kirche?
Der Begriff des Absoluten ist ein Tabu-Generator: Als Newton den absoluten Raum erfand, hat er ihn gegen die Reflexion immunisiert. Der Begriff des Absoluten benennt das dezisionistische Moment in jedem Dogma. -
17.1.1995
Die Gottesfurcht ließe sich definieren als die Rücknahme des projektiven Denkens (als Produkt der Metanoia), so wie umgekehrt der projektive Erkenntnisbegriff aus der Strategie der Gottesfurcht-Vermeidung sich ableiten läßt (das Neutrum als Kern eines Schuldverschubsystems).
Der Weltbegriff ist der Inbegriff und der Versuch der Selbstlegitimation des projektiven Denkens.
Logik und Funktion des Substantivs wären anhand der Logik und Funktion des idealistischen Ich zu demonstrieren.
Zur Unterscheidung des Anderen vom Fremden: Das Andere ist das, was Fichte das Nicht-Ich genannt hat, eine systemimmanente, logisch aufs Ich bezogene und zugleich den Weltbegriff fundierende Bestimmung. Während der Andere ichfremd ist, bezeichnet der Name des Fremden ein der eigenen Welt Fremdes, etwas Gattungsfremdes: Hier liegt der Grund, weshalb Xenophobie nur rassistisch sich begründen läßt.
Sind Sodom, Jericho und Gibea nicht auch Decknamen des Hellenismus (und die Fremden in diesen Städten für deren Bewohner „Barbaren“)? Sodomitisch ist die Xenophobie, deren Beziehung zum biblischen Begriff der Unzucht aus den biblischen Texten sich entnehmen läßt.
Die Sexualmoral und das Tier: Indem die Sexualmoral der bloßen Tabuisierung zuarbeitet, die Reflexion verhindert, enthumanisiert sie die von ihr beherrschte Gesellschaft. Die Sexualmoral entzieht den Bereich der Gattung der Reflexion: Sie ist sie im Kern rassistisch.
Tiere sind Verkörperungen erstarrter, verdinglichter Projektionsmechanismen; deshalb sind sie erfahrungsunfähig.
Die Forderung, das projektive Denken zurückzunehmen, das betrifft insbesondere den Gebrauch, den die Theologie von der Schrift macht. Die „Unheilsprophetie“ und die Schreckensbilder der Apokalypsen sind nicht auf andere anwendbar: sie sind Konkretisierungen der Gottesfurcht. Man könnte auch sagen: Nur die göttlichen Verheißungen gelten für alle, die göttlichen Gebote gelten nur für mich.
Die Rücknahme der projektiven Verarbeitung der Apokalypse (die nur so als Quelle der Angst, als Herrschaftsmittel, sich ausbeuten läßt) hat insbesondere zur Folge, daß der Glaube in den apokalyptischen Bildern und Symbolen nicht in der Opferrolle, sondern in der des Täters sich reflektiert.
Ist nicht durch das Sabbath-Gebot für die jüdische Tradition die Astrologie ab ovo zeitlich, und nicht räumlich begriffen worden? Und gewinnt hier nicht die Begründung des Sabbath-Gebots durch ihre Beziehung sowohl auf das Sechs-Tage-Werk als auch auf den Exodus ihre enscheidende Bedeutung?
War Paulus nicht in der Tat der Völker-Apostel (und der Begleiter des Petrus, mit dessen Gedächtnis sein Gedächtnis zusammen gefeiert wird)? Und ist er dadurch nicht zum „Erfinder“ des Christentums geworden und zum Urheber der ersten der drei Leugnungen (das Modell des „falschen Propheten“, der „zwei Hörner hat wie das Lamm und redet wie der Drache“)? So wurde er zwar in den dritten Himmel entrückt, aber der Himmel stand ihm nicht offen (zuletzt dem Stephanus). Gehören die Dämonen-Geschichten der Evangelien (sowie die merkwürdige sachliche Affinität des Petrus zu den Dämonen) in diesen Kontext?
Ist nicht die Übersetzung der Schrift ins Erbauliche insgesamt das Produkt ihrer projektiven Verarbeitung? Alle negativen Bilder werden auf andere bezogen und so für die Gottesfurcht unschädlich gemacht, neutralisiert.
Die drei Versuchungen, das waren:
– die Versuchung, Steine zu Brot zu machen,
– die Versuchung, sich (von der Zinne des Tempels) hinabzustürzen, und
– die Herrschaftsversuchung.
Sind sie nicht alle auf die Kirche, die ihnen verfallen ist, zu beziehen? Was waren die Antworten Jesu auf die Versuchungen? Der Hinweis, daß
– „der Mensch … nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt“, lebt;
– „du … den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen“ und
– ihn „anbeten und ihm allein dienen“ sollst.
Sind das nicht allesamt Mahnungen an die Kirche? -
16.1.1995
Ist die Sprengung des All bei Rosenzweig nicht die Sprengung der Orthogonalität (ähnlich wie das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit die Reversibilität der Richtungen im Raum sprengt)?
Orthogonalität und Reversibilität gehören zusammen; sie destruieren gemeinsam die Gottesfurcht und die Umkehr. Wären Orthogonalität und Reversibilität die Wahrheit, so wären die Pforten der Hölle unüberwindbar: es gäbe keine Gottesfurcht und keine Umkehr.
Wenn bei Rosenzweig das All in die drei Stücke Gott Mensch Welt zerspringt, zerspringt dann nicht die neutralisierende Gewalt des Raumes (sind die drei „Stücke“ nicht die mit der Sprengung der drei Dimensionen hervorstretenden Elemente Gott <oben/unten>, Mensch <vorn/hinten> Welt <rechts/links>)?
Die restlos verweltlichte Welt: das wäre Ninive, die große Stadt und die 120000, die rechts und links nicht unterscheiden können, deren Gott am Ende sich erbarmt.
Zu Hegels List der Vernunft und ihrer Beziehung zur Naturbeherrschung: Rächt sich nicht die Natur für die Überlistung, indem sie den Menschen ein Bild ihrer selbst vor Augen stellt, das sie überleben soll? Diese Überlebensgewalt der Natur ist ein Reflex (und die Selbstrechtfertigung) des Gewaltmonopols des Staates, sie begründet sich rückwärts in der Vorstellung der „Tiefenzeit“.
Leugnung und Bekenntnis gehören zusammen wie Leugnung und Schuld. Erst wenn das Glaubensbekenntnis zum Bekenntnis des Namens sich umkehrt, wird die Wahrheit sich enthüllen.
Zu den Volksnamen Israeliten und Hebräer vgl. die beide Patriarchen, von denen diese Namen sich herleiten: Jakob/Israel und Heber. (Hat der Hebräerbrief etwas mit Flavius Josephus, der den Namen Israel verschweigt und nur von „Hebräern“ spricht, zu tun?)
Ist der Hebräerbrief nicht ein Brief „von außen“, ähnlich wie die Schriften des Flavius Josephus (der wie Paulus einen römischen Namen angenommen hat)? Beide sind aus der Solidarität Israels herausgetreten. -
15.1.1995
Heinsohn: der Kopernikus der altorientalischen Geschichte.
Ist der Himmel die Decke und der Spiegel der Vergangenheit (und bezieht sich darauf der Name schamajim)?
Hat der „Feuersee“ der Apokalypse etwas mit dem schamajim zu tun?
Die Grenze, die den Zuschauer vom Handeln trennt (die Grenze seiner Ohnmacht, die Grenze jeder Ästhetik), ist die gleiche Grenze, die uns vom Himmel und von der Vergangenheit trennt (Ursprung und Begründung der Astronomie und des Naturbegriffs): die Präsensgrenze.
Hat die Weltraumfahrt etwas mit der Geschichte der Fälschungen im Mittelalter zu tun: mit dem Versuch, die Vergangenheit im Eigeninteresse der Herrschenden (zu denen wir alle gehören) zu berichtigen?
Die Geschichte der Astronomie ist ein Teil der Ursprungsgeschichte des Staates.
Die heute üblich gewordene Übersetzung des Namens der Theologie mit „Rede von Gott“: Wie kommt hier das Wort „Rede“ herein (heute ist jede Rede zum Gerede degeneriert)?
Spricht Flavius Josephus immer nur von den Hebräern, oder nennt er auch den Namen der Israeliten?
Die neue Auflage des etymologischen Wörterbuchs von Kluge hat ihren Gegenstand sterilisiert (keimfrei und zeugungsunfähig gemacht).
Die Benennung der Tiere durch Adam: Modell der gesellschaftlichen Selbstreflektion der Philosophie. (Hätte Adam in den Tieren die Gehilfen erkannt, wäre dann die Trennung des Weiblichen vom Männlichen unterblieben? Klingt in der Erschaffung Evas als seiner Gehilfin nicht schon der Paraklet an?)
Der gegenwärtige Atheismus geht davon aus, daß heute die Welt das leistet, was früher einmal die Gottesfurcht leisten sollte. Aber: zu wessen Lasten geht das? Angst ist ein Nebenprodukt der zur Herrenfurcht degenerierten Gottesfurcht (die Befreiung von der Angst durch Teilhabe an an der vergesellschafteten Herrschaft ist nicht allen offen, und auch in diesen Fällen bloßer Schein).
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