Das Subjekt und die Person sind die Korrelate des Natur- und des Weltbegriffs, der in ihnen sich manifestierenden Objektivationsmechanismen (das Tier aus dem Meere/ das Tier vom Lande): Das Subjekt konstituiert sich im Kontext der subjektiven Formen der Anschauung (der Geschichte der Philosophie und Wissenschaft), die Person im Kontext des Geldes (der Ökonomie und des Rechts: des Staates). So ist die Natur fürs Subjekt ein Gegenstand der Kontemplation (der Anschauung), die Welt für die Person ein praktischer, sein Handeln bestimmender Begriff. Die Person verhält sich zur Welt wie die Natur zum Subjekt, oder: Während das Subjekt gegen die Natur (die sich in desem Zusammenhang überhaupt erst konstituiert) die Welt vertritt, regrediert die Person in ihrem Verhältnis zur Welt in Natur.
Das Verhältnis von Subjekt und Person gehört zu den Grundlagen des modernen Materiebegriffs. Bezieht sich nicht hierauf das prophetische Verbot, mit Rind und Esel gemeinsam zu pfügen, Joch und Last in eins zu setzen (Hinweis auf die Elemente einer Kritik der Logik der Schrift)?
Der Markt frißt den Himmel und die Erde auf.
Sind nicht die Atome (die Objekte der Mikrophysik) Objekte der Physik jenseits der Feuergrenze (jenseits der Lichtgeschwindigkeit)? Davon abstrahiert die Vorstellung des „leeren Raumes“, des Vakuums (der horror vacui ist der Schrecken, den der Herr um sich verbreitet).
Die Diskussion des Kausalitätsprinzips verweist auf die Grenze der Naturbeherrschung: die Grenze, an der „die Natur“ zurückschlägt, an der die Wirkungen von den Nebenwirkungen nicht mehr sich trennen lassen (die atomare Strahlung läßt sich weder verhindern noch beseitigen, vgl. auch die „Nebenprodukte“ der Giftküche Chemie)?
Zu der Feststellung, daß ich in der Schule Schizophrenie gelernt habe, gibt es noch eine Steigerung. Heute trennt die Verstellung, zu der ich damals gezwungen war, nicht mehr nur Außen- und Innenwelt (Schule und Privatsphäre), sie ergreift auch das Verhältnis der Kinder zu ihren Eltern (die gegen sie die Außenwelt repräsentieren). Gründet in dieser Konstellation nicht das Antlitz des Hundes (und in letzter Konsequenz die Ursprungsgeschichte der Tiergattungen)?
Das Angesicht ist das Produkt einer Umkehr, die die Seele, das Subjekt und die Person nicht mehr bloß beiseite läßt, von ihnen absieht, sondern sie vielmehr in sich auflöst, sie gegenstandslos macht. Zur Idee des Angesichts gehört es, daß es ein Hinter dem Rücken nicht mehr gibt. Darauf haben sich einmal die Idee der Auferstehung und das Wort Verklärung bezogen.
Gleicht nicht Poppers Versuch, die Idee der Unsterblichkeit mit dem Hinweis auf Bakterien und Krebszellen zu beweisen, dem Versuch, die Idee des seligen Lebens durch den Hinweis auf den „Wurm, der nicht stirbt“ zu bestimmen?
Steht Martin Buber nicht unterm Bann der Welt? Was bei ihm zur Grundlage von Befreiung oder Erfüllung wird, die „Du-Bezogenheit“, wird bei Emmanuel Levinas zum Begriff der Geiselhaft.
Ist die Trennung (der Ursprung) des Männlichen und Weiblichen durchs Neutrum vermittelt?
Gehorcht nicht die Sprachgeschichte einer Logik, die die Musik zu reproduzieren (der sie durch Mimesis sich zu assimilieren) versucht? Die Logik der Sprache ist die Musik, nach der alle tanzen. Das Wort aber erfüllt sich jenseits der Musik.
Erkenntnis führt nicht immer zum Wissen; Wissen ist vergesellschaftete Erkenntnis. Das Wissen verandert die Erkenntnis (und den Erkennenden), nimmt die Reflexion auf den Andern in die Erkenntnis mit herein (ersetzt Gott durch die Idee des Absoluten). Hier (in der realen historischen Abfolge des philosophischen Gedankens, in der die Idee des Absoluten sich entfaltet) liegt der Grund der Dialektik. Es kommt darauf an, diesen Vergesellschaftungsprozeß in der Genese der subjektiven Formen der Anschauung zu begreifen und so deren Bann über alle Erkenntnis zu lösen.
Die Kirche verhindert die Auferstehung des Wortes Gottes, indem sie den Kreuzestod Jesu instrumentalisiert. Diese Instrumentalisierung war das einzige Mittel, das katastrophische Moment in der Geschichte, auf das der Kreuzestod verweist, zu verdrängen.
– Brot: Weizen, Mühle, Sauerteig und Backofen,
– Wein: Weintraube, Kelter, Gärung und neue Schläuche.
– Ölbaum: der Ölberg, die Lampen der klugen Jungfrauen und die Salbung.
Gibt es einen Zusammenhang der Teilnahme an den sportlichen Wettkämpfen im Hellenismus, der Vergesellschaftung der Salbung (2 Makk und Jotam-Fabel), mit dem Ursprung des Christentums?
Steht das Sakrament nicht unter dem Zeichen des Täufers (der Taufe mit Wasser), während die Taufe mit dem Geist noch aussteht? Erst dann wird der Geist die Erde erfüllen, wie das Wasser den Meeresboden bedeckt.
Das englische man, das sowohl den Mann als auch den Menschen bezeichnet, ist ein sprachlogische Folge (eine Funktion) des to be.
Die Präfixe sind Operatoren, die die Verben qualifizieren, die Suffixe sind Determinatoren der Substantivierung. Wirft das nicht nachträglich eine Licht auf die Bedeutung und Funktion der Suffixe in den klassischen Sprache, in denen sie die Flexion beherrschten. Über die Form der Artikel, die Personalpronomina und die Hilfsverben sind sie aus Bildung der Nomina und Verben wieder herausgenommen worden (bei gleichzeitiger Änderung der Affinität von Begriff und Sprache: Ursprung des Nominalismus).
Das Substantiv ist eine Endgestalt der Sprachgeschichte (ein End- und Zielpunkt des Falles). Zusammenhang des „Hauptworts“ mit der „Tatsache“ (und der Mathematik)?
Frohe Weihnachten: „Was hast du denn da wieder angerichtet, Das ist ja eine schöne Bescherung.“
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6.12.1994
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5.12.1994
Die Zeit der Welt ist abgelaufen.
Das gesellschaftliche Äquivalent der Energie ist die Ausbeutung.
Die Opfertheologie und die Vergöttlichung Jesu sind Ausdruck des versteinerten Herzens der Welt (der Lüge, die Welt sei schon „entsühnt“). Das Trinitätsdogma ist das steinerne Herz der Welt (der Ursprung der subjektiven Form der äußeren Anschauung).
War nicht der Versuch der „negativen Trinitätslehre“, die
– den Antisemitismus als Leugnung des Vaters,
– die Ketzerverfolgung als Leugnung des Sohnes und
– die Frauenfeindschaft als Leugnung des Heiligen Geistes begreift,
eine Konsequenz aus der These, daß die Attribute Gottes Attribute des Handelns und nicht des Seins sind?
Wie kann man an die Unsterblichkeit der Seele und an die Auferstehung der Toten glauben, wenn man gleichzeit glaubt, man könne die ganze Vergangenheit hinter sich lassen („Versöhnung über den Gräbern“)?
Das Christentum ist heute zu einer Frage der Logik geworden, genauer: der kritischen Selbstanwendung der Logik, der Anwendung der Logik auf ihre eigene Geschichte und Funktion.
Zu Alfred Sohn-Rethel: Gehören nicht die Geschichten von den Jünglingen im Feuerofen und vom Daniel in der Löwengrube zu den ermutigenden Geschichten in der Bibel? Und gehört nicht die Geschichte von den drei Jünglingen im Feuerofen in die Tradition der Geschichte vom brennenden Dornbusch?
Das Medium des symbolischen Denkens ist die von der Ökonomie und von den Naturwissenschaften verdrängte sinnliche Erfahrung.
Zum apokalyptischen Unzuchtsbecher: In dem vergegenständlichten Licht der Naturwissenschaften kommen die Beziehungen des Lichts zur Finsternis und des Sehens zum Gesehenwerden, kommt die Scham nicht mehr vor, weil die Verdrängung der Scham zu den Voraussetzungen dieser Vergegenständlichung gehört. Der objektive Ausdruck dieser Verdrängung der Scham ist der Begriff der Materie.
Der Export der Armut in die Dritte Welt war ein Zwangsmittel zur Ausbeutung ihrer Ressourcen. In diesen Kontext gehört die Neudefinition der Funktion und Aufgaben des Militärs in den hochmilitarisierten Industrieländern, in deren Folge die Sicherung des Zugangs zu diesen Ressourcen immer deutlicher ins Zentrum gerückt worden ist (bei gleichzeitiger politischer Instrumentalisierung der Menschenrechts-Diskussion). -
4.12.1994
Zur Kritik des Sollens: Wer sieht, daß ein Kind in einen Brunnen fällt, handelt, ohne sich in einer Ethik (in einer „Gewissensentscheidung“) rückzuversichern. Sein Handeln ist spontan, weil notwendig: Er holt das Kind heraus. Ein Sollen würde erst entstehen, wenn dieses Handeln (unterm Rechtfertigungszwang) nicht mehr das Normale, sondern durch Reflexion erst zu begründen wäre: Aber ist dieses Nicht-mehr-Normale, wenn man heute auf die Knäste, die Asylpraxis, den Zustand der sogenannten Dritten Welt sieht, nicht mittlerweile das Normale: Brennt nicht die Welt, während wir den Schrei der Verbrennenden als Unterhaltung genießen? Das ist gemeint, wenn nach Levinas die Attribute Gottes im Imperativ und nicht im Indikativ stehen. Die prima philosophia ist nicht die Ontologie, sondern die Ethik (und nur so, nicht als zweite Disziplin der Philosophie ist die Ethik noch zu begründen).
Die Form des Raumes (die sich in den grammatischen Strukturen der indoeuropäische Sprachen vorbereitet und ankündigt) trennt die Logik der Schrift von der Sprache. Deshalb wurde das Licht durchs Wort erschaffen.
Mit dem Präfix be- gebildete Verben haben im Passiv und im Perfekt die gleiche Form; die Perfektbildung mit ge- entfällt. Begründet das be- den passivisch-perfektiven Objektstatus, ein durchs Haben (durch den im Haben begründeten Zwang) bestimmtes Sein, und seine Vorform das griechischen sym-/syn bzw. des lateinischen con-/cum (vgl. symbolum, confessio, Bekenntnis)? Ist das be- der sprachliche Reflex eines durchs Tauschprinzip definierten Eigentumsverhältnisses (des Staates)?
Zur Geschichte der Banken wäre der Hinweis wichtig, daß
– der Modernisierungsschub in der politischen Ökonomie, aus dem auch der Faschismus abzuleiten wäre, sich auf eine merkwürdige Weise widerspiegelt in der Geschichte des Positivismus (von Mach zum Wiener Kreis) und ihrer Affinität zum Ursprung des Neoliberalismus (Hinkelammert, Popper);
– es ist die gleiche Geschichte, in der der Staat immer mehr seiner Funktionen abgibt an politisch nicht mehr zu kontrollierende Instanzen (Bundesbank, Bundesverfassungsgericht, Europäische Gemeinschaft), parallel dazu immer größere Teile seiner Aufgaben privatisiert;
– mit der Ausweitung der Funktionen des Marktes (mit den Banken als Clearingstellen) degeneriert Politik zusehends zum Wechselspiel von Privatwirtschaft und Verwaltung, während die Regierung immer deutlicher auf die auf die immer weniger zu erfüllende Funktion der Erhaltung und Garantie des Privateigentums zusammenschrumpft (mit einem Militärapparat, der die einfachsten Funktionen nicht mehr zu erfüllen in der Lage ist – vgl. den Golfkrieg, den Somalia-Einsatz und den Jugoslawien-Krieg mit dem Vietnam-Krieg -, und einer zusehends von innen sich kriminalisierenden Polizei).
Hat der Abbau der Sozialleistungen (die „Verschlankung des Staates“ im Kontext der Privatisierung seiner Aufgaben und der Delegation von Regierungsaufgaben an „autonome“, d.h. nur dem Gesetz der Eigentumserhaltung, dem Wertgesetz des Marktes, verpflichtete Institutionen) etwas mit dem Problem der Energieerzeugung zu tun, mit der Senkung der Lohnkosten und der Steigerung der Energieausbeute (Ausbeute und Ausbeutung)?
Poppers Konzept der wissenschaftlichen Erkenntnis, die aus Hypothesen hervorgeht, die sich im strengen Sinne nicht verifizieren lassen und nur so lange gelten, wie sie nicht falsifiziert (empirisch widerlegt) worden sind, orientiert sich am Modell der freien Marktwirtschaft, in der das Ergebnis des wirtschaftlichen Handelns sich auch nicht antizipieren (höchstens durch begleitende Strategien bis zu einem gewissen Grade absichern) läßt: Über das Ergebnis entscheidet letztendlich – wie in der empirischen Naturwissenschaft das Experiment – der Erfolg oder Mißerfolg am Markt. Der Neoliberalismus ist der Versuch, das Äquivalenzsystem der Naturwissenschaften auf die Ökonomie zu übertragen. -
3.12.1994
Ägypten ist das Sklavenhaus, Babylon die Gefangenschaft in der Schuldknechtschaft. Persien, der Erbe Babylons, der erste Schritt zum Staat (zu Recht und Münzgeld).
Die entscheidenden Dinge sind nicht im direkten Zugriff, sondern nur auf (manchmal labyrinthischen) Umwegen zu erreichen.
Die Lehre von der Entsühnung der Welt (durch den „Opfertod“ Christi) war ein entscheidender Schritt im historischen Säkularisationsprozeß: Sie hat den Schuldzusammenhang zwischen Subjekt und Welt aufgelöst, Herrschaft exkulpiert (in Natur zurückverwandelt) und die objektivierte Welt zur „Erkenntnis“ freigegeben.
Durch die Bekenntnislogik ist die Religion zu einem Herrschaftsmittel geworden. Der Gott, an den ich glaube (oder den ich für mich vor anderen bekenne), ist ein Gott für andere (er ist ein Gott für mich insoweit, als ich selbst mich als anderer für andere begreife). Hier liegt die Wahrheit des Blochschen Satzes am Ende des „Geist der Utopie“. Löst die Bekenntnislogik nicht erst dann sich auf, wird sie nicht erst dann gegenstandslos, wenn Jer 3134 sich erfüllt: in einer Gotteserkenntnis, die es nicht mehr nötig hat, den anderen zu belehren?
Das Tabu auf dem Anthropozentrismus hat die benennende Kraft der Sprache, den Grund der Gotteserkenntnis, zerstört. -
2.12.1994
Zum Begriff der Energie:
– Das Gesetz der Erhaltung der Energie ist kein empirisches, sondern ein apriorisches Gesetz: Stabilisator des Inertialsystems (Beziehung von Quadrat und Orthogonalität);
– in Wellenbewegungen bewegt sich keine Materie, sondern Energie (physikalischer Begriff der Fortpflanzung, Zusammenhang dieses Begriffs mit dem Relativitätsprinzip; wird hier nicht die potentielle Energie kinetisch?); gilt das Prinzip der Geschwindigkeitskonstanz für jede Fortpflanzungsgeschwindigkeit (ist es der logische Grund jeder Wellenbewegung)? – Gibt es ebenso wie einen Lichtraum auch einen Schallraum (mit einem veränderten Begriff der Gleichzeitigkeit)?
– die Einsteinsche Äquivalenz von Materie und Energie, Folge des Prinzips der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit, transponiert den Energiebegriff in eine veränderte Konstellation; das Plancksche Wirkungsquantum und die elektrische Elemantarladung konstituieren sich in dieser veränderten Konstellation (in dem durchs Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit korrigierten Inertialsystem).
– Beziehung zum Statistik-Problem: Kann es sein, daß statistische Phänomene nicht nur wegen der Undefinierbarkeit des Anfangsbedingungen, sondern in erster Linie wegen der Unanwendbarkeit des mechanischen Modells dem mechanischen Kausalitätsbild (nicht -begriff!) sich entziehen: Unterliegen vielleicht schon in der kinetischen Gastheorie die Richtungen der bewegten „Atome“ einer Feldsteuerung durch ein vorgelagertes „Wellenfeld“ (Elastizität, bei Gasen adiabatische Kompressibilität: Zustandsänderungen ohne thermischen Austausch; Problem der Interpretation der Planckschen Strahlungstheorie)? Ist die Energie (ähnlich dem Kapital in der Ökonomie, das erst mit der Subsumtion der Lohnarbeit unters Tauschprinzip sich konstituiert – vgl. das Bankenproblem) ein Systemproblem?
– Entspricht dem Begriff der Energie (Energie ist „gespeicherte Arbeit“) der des Kapitals (nicht des Geldes) in der Ökonomie? Wie der Energiebegriff mit der Orthogonalität des Inertialsystems (mit der Gleichnamigmachung des Ungleichnamigen) zusammenhängt, so der des Kapitals mit der Anwendung des Tauschprinzips auf die Lohnarbeit, mit dem Schuldzusammenhang (dem Fortleben der Schuldknechtschaft im Lohnarbeitsverhältnis). Wenn das Kapital „arbeitet“, so gründet das in einer Logik, zu deren logischen Konstituentien der Energiebegriff gehört. Auch das Kapital ist „gespeicherte Arbeit“. Hat der Energiebegriff in der Physik etwas mit den Banken in der Ökonomie zu tun (vgl. die Unterscheidung von potentieller und kinetischer Energie, die nach der Allgemeinen Relativitätstheorie gegenstandslos geworden sein müßten).
Das Plancksche Wirkungsquantum ist ein Produkt der Atomisierung der Energie in der Zeit (in der Minkowskischen Raumzeit wird die Zeit in eine Äquivalenzbeziehung zum Raum gerückt). Wie hängt die Energie mit der Orthogonalität (der Dimensionalität) des Raumes zusammen?
Sind das Plancksche Wirkungsquantum und die elektrische Elementarladung Konsequenzen aus dem durchs Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit korrigierten Satz von der Erhaltung der Energie? -
1.12.1994
„Der Nomos einer Gesellschaft legitimiert zu allererst sich selbst, durch sein bloßes Vorhandensein“ (Peter L. Berger, zitiert nach Hinkelammert, Kritik, S. 47). Gründet diese Selbstlegitimation nicht im Erkenntnis- und Wahrheitsbegriffbegriff der Naturwissenschaften, nachdem sie mit Hilfe der neopositivistischen Erkenntnistheorien und der metaphysischen Absurditäten der Kopenhagener Schule die letzten Erinnerungen an ihre gesellschaftliche Vermittlung gelöscht hat?
Ist nicht die transzendentale Ästhetik der Grund aller Ästhetik: der Grund, aus dem sie hervorgeht und in den sie zurück (zugrunde) geht? Aber leugnet nicht auch hier – wie im Verhältnis der christlichen Orthodoxie zu den Häresien (zuletzt zur Geschichte der Aufklärung, und innerhalb der Logik der Aufklärung im Verhältnis der Natur zu ihren Hervorbringungen) die Mutter ihr eigenes Kind?
Die subjektiven Formen der Anschauung konstituieren, begründen die Urteilsform (heißt das aber nicht eigentlich, daß sie durch die Urteilsform vermittelt sind?). Deshalb zielt die Kritik der Naturwissenschaften ab (nicht auf ein „wahres Bild der Natur“, das es nicht gibt, sondern) auf die Rekonstruktion der benennenden Kraft der Sprache, auf die Restituierung des Namens.
Islam: Ein Gott, der (nachdem mit Mohammed das Ende der Prophetie eingetreten war) nicht mehr mit den Menschen spricht, sondern nur noch in der Schrift (im Koran) sich den Menschen mitteilt, dem man nicht mehr antworten, sondern nur noch sich unterwerfen kann (Ersetzung des Hörens durch den Gehorsam). Das Christentum war der Anfang der Emanzipation des Wortes von der Schrift, aber es hat sich bis heute noch nicht als diesen Anfang begriffen. In diesem Nichtbegreifen (in dieser Islamisierung des Christentums) gründet der „Logozentrismus“: Die babylonische Gefangenschaft des Wortes in der Schrift, die Selbstverwerfung (Selbstverfluchung) des Christentums. -
30.11.1994
Das Tier ist der Fürst dieser Welt.
Die aristotelische Prämisse: „Alle Menschen streben nach dem Glück“ wäre durch die Definition des Glücks zu ergänzen: Glücklich ist, wer die Möglichkeit hat, gut sein zu können. Nur so gewinnt die daraus abgeleitete christliche Idee des seligen Lebens Inhalt.
Der Weltbegriff ist der Quellpunkt und der Inbegriff der Staatslogik, deren Ursprungsgeschichte die mythischen Kosmologien und Kosmogonien zu beschreiben suchten.
Taucht der Naturbegriff bei Rosenzweig in systematischem Zusammenhang nur in der „Metaphysik“, bei der Konstruktion des mythischen Gottes auf? Interessant wäre die Rekonstruktion der Stellung und des Schicksals der drei kantischen Totalitätsbegriffe, Wissen, Natur und Welt.
– Das Wissen erscheint in der Gestalt des Nichtwissens (zu dessen Konstituentien die Todesangst gehört),
– die Natur erscheint im Kontext der Konstruktion des mythischen Gottes, und
– nur die Welt ist (als eines der Objekte des Nichtwissens) eines der drei „Elemente“, in die das All mit der Reflexion der Todesangst zerspringt.
Wenn die Philosophie (die Selbstreflexion der Herrschaftsgeschichte) der mystische Leib Christi ist, wirft das nicht ein neues Licht auf das Bild der Pieta?
Der Kelch: Nachdem die Kirche mit der Opfertheologie sich auf die Seite der Täter der Ermordung Jesu gestellt hat, wiederholt sie zwangshaft dieses Tätersyndrom im Säkularisationsprozeß. Ist nicht dieses Tätersyndrom der Grund einer Gnadenlehre, die die Christen zur Ohnmacht (und die Attribute Gottes, die nach Hermann Cohen Attribute des Handelns, nicht des Seins sind, zum spurlosen Verschwinden) verurteilt? Und war diese Gnadenlehre nicht die christliche Transformation des Islam (das Handeln eine Form der Ergebung)? Aber hatte Jesus nicht seine „Vollmacht“ auf die Jünger und Apostel übertragen, und bezieht sich diese Vollmacht nicht auf die Taten, mit denen Jesus die Frage des Täufers beantwortete, ob er es sei, der da kommen soll?
Hätte Jesus länger gelebt, wenn er seinen Vater, der nach seiner Kindheit aus der Geschichte Jesu spurlos verschwindet, und seine Mutter, die er mit dem „was habe ich mit dir zu schaffen“ abfertigt, geehrt hätte?
Das Christentum ist der Verführung durch die Sexualmoral erlegen: einer Verführung, die in dem Glauben sich ausdrückte, es gebe so etwas wie Unschuld in dieser Welt. Indem nur die Frauen an der Idee der Virginitas gemessen wurden, wurden zwei Effekte erzielt:
– Die Politik wurde aus dem Bereich der Idee der Keuschheit ausgegrenzt, und
– die (an das Organ der Gebärmutter gebundene) Idee der Barmherzigkeit wurde theologisch gegenstandslos (um dann im projektiven Konstrukt der Hysterie wiederzukehren).
Bezieht sich der apokalyptische Unzuchtsbecher auf diesen Sachverhalt?
Ist die Beziehung des Femininum zum Plural (beim bestimmten Artikel im Deutschen) nicht im Begriff der Materie vorgebildet (dem Begriff der Materie einbeschrieben)? Und ist dieser Gedanke nicht der Schlüssel zur Lösung des Rätsels der Planckschen Strahlungstheorie (des Planckschen Wirkungsquantums)? (Hatte Hitlers Instinkt nicht die Masse als Weib erkannt?)
In welcher Beziehung stehen im Planckschen Strahlungsgesetz die zeitbezogenen Energiequantelungen (der Korpuskelt-Welle-Dualismus) und die raumbezogenen Materiequantelungen (die Atome)? Drückt nicht das Plancksche Strahlungsgesetz die Beziehung der mechanischen Bewegung zur Lichtgeschwindigkeit (der kinetischen Wärmeenergie zur Strahlungsenergie) nach dem Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit aus? Und sind nicht die Gleichungen der Lorentz-Transformation nur ein anderer Ausdruck der Form dieser Beziehung? -
29.11.1994
Die göttliche Macht gründet in der Sprache, weltliche Herrschaft in der Logik der Schrift.
Die Form des Raumes homogenisiert die Zeit und materialisiert die Dinge.
War nicht der Tempel die Geburtsstätte des Geldes?
Der parvus error des Islam liegt darin, daß er die Unterscheidung von Schrift und Sprache nicht kennt (oder sie verdrängt).
Die Logik der Schrift abstrahiert vom Zeitkern der Wahrheit und ersetzt ihn durch das Objekt. Sie verfängt sich in den Netzen des Inertialsystems, aus denen sie dann nicht mehr sich lösen kann.
Ist die Höhle Platos nicht eine dreifache Höhle, und sind es nicht (mindestens) drei Umkehrungen, die aus dieser Höhle herausführen? Oder führt nicht heute jede Umkehrung wieder in die Höhle zurück?
„Alles ist Wasser“, und der Versuch des Thales, in dieser Lage wieder festen Grund unter die Füße zu bekommen, führte über die Astronomie und die Geometrie zur Philosophie. Für das Verständnis des Ursprungs der Philosophie ist es nicht unerheblich, wenn man sich daran erinnert, daß Thales den ersten Lehrsatz der Geometrie entdeckt und formuliert und er als erster eine Sonnenfinsternis vorausgesagt hat. Er hat als erster begriffen, daß die Astronomie nicht im Kontext der kosmologischen Spekulationen des Mythos zu begründen ist, sondern allein mit Hilfe der exakten mathematischen Phantasie. Es ist überhaupt wichtig zu begreifen, daß die Geschichte der Mathematik ein Teil der Geschichte der Naturwissenschaften (und wie diese ein Teil der Geschichte der Ökonomie) ist. Die Entdeckung der Null (durch die Inder, die dann über die Araber nach Europa gelangt ist) gehört in den Kontext der Konstituierung des Inertialsystems. Die Null war die Voraussetzung für die Vergleichbarkeit positiver und negativer Zahlen; sie war sowohl eine der Voraussetzungen der doppelten Buchführung (der Subsumtion der Arbeit unters Tauschprinzip) als auch der mathematischen Darstellung und Analyse der Reversibilität aller Richtungen im Raum (der Konstituierung der Form des Raumes). In der Antike war die Beziehung der positiven und negativen Zahlen durch ihre Beziehung zum Besitz (Reichtum und Schuldknechtschaft) qualitativ bestimmt und noch nicht durch das Gesetz ihrer rein mathematischen Beziehung vergegenständlicht (einer der Gründe, aus denen die antiken Erlösungsreligionen sich herleiten). Der Abstraktionsschnitt, der die moderne von der alten Welt trennt, ist theologisch vermittelt.
Opfertheologie und Vergöttlichung Jesu waren zwangsläufige Folgen der theologischen Rezeption des Weltbegriffs, die diesen Abstraktionsschnitt vorbereitet hat. Mit dem Weltbegriff hat die Philosophie sich gegen den Mythos durchgesetzt, ist sie aber zugleich erneut in seinen Bann hineingeraten.
War nicht die Übersetzung von adonai/JHWH mit „Herr“ eine Rückübersetzung in den baal? Wodurch unterscheiden sich adonai und baal?
Wird der Schöpfungsbericht in der Geschichte von den sieben unreinen Geistern widerrufen, oder wird er korrigiert? Dieser Widerruf wäre allerdings von dem durch Astronomie und Deszendenztheorie zu unterscheiden.
Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, als ein Reicher ins Himmelreich eingeht: Kann das nicht auch heißen, daß der Durchgang eines Kamels durchs Nadelöhr die Bedingung des Himmelreichs ist, das dann das Erbe der Reichen antreten wird? Ist das Bild vom Kamel und vom Nadelöhr – ähnlich wie das Wort von der Übernahme der Sünde der Welt – zu früh verworfen worden? -
28.11.1994
Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet: Haben nicht seit je die Häresien, auch wenn sie im Widerspruch zur Lehre standen, die Praxis der Kirche auf den Begriff gebracht (bis hin zum Trägheitsprinzip der Naturwissenschaften)? Heißt das aber nicht, daß anstelle der Verurteilung (aus deren historischer Folge die Orthodoxie sich entwickelt hat) die Umkehr notwendig gewesen wäre?
Zum Eucharistie-Verständnis vergleiche Belo, S. 253 (und als Kontrast – oder Erläuterung? – dazu die Paulus-Stellen über die Eucharistie!): Was bedeutet vor diesem Hintergrund die Geschichte und Praxis der Eucharistie-Verehrung? Gehört sie nicht in die Urgeschichte des gesellschaftlichen und kosmologischen Verdrängungs- und Projektionsprozesses, dem der Ursprung und die Entwicklung der naturwissenschaftlichen Aufklärung sich verdankt?
Belos Bemerkung, daß die jesuanische Praxis „nicht auf die Produktivkräfte selber …, sondern auf die Zirkulations- und Konsumsphäre“ sich bezieht (S. 308), bezieht sich auf einen Sachverhalt, der seine sprachliche Entsprechung (und den Grund seiner theologischen Aufklärung) in der Unterscheidung von Schrift und Wort findet. Es ist die Logik der Schrift, in der die Abstraktion von der Produktionssphäre (und real die Sklavenwirtschaft, die Leibeigenschaft und die Lohnarbeit) gründet, während die sprachlichen Produktivkräfte (der Begriff der eingreifenden Erkenntnis und die benennende Kraft der Sprache) erst mit der Reflexion der Logik der Schrift sich bilden: als prophetische, messianische und parakletische Form der Erkenntnis, als Vorbereitung der Erfüllung des Worts (die nicht mit der Erfüllung der Schrift zusammenfällt). -
27.11.1994
Wichtiger Hinweis auf den Zusammenhang von Gebet und Versöhnung bei Mk (1125). Gibt es dazu Parallelstellen bei den anderen Evangelisten? (Nur Mt 523, hier jedoch nicht aufs Gebet, sondern aufs Opfer bezogen.)
Beim Opfer ist nur von der Versöhnung „mit dem Bruder“ die Rede (ist nicht die Ver-„söhn“-ung, die an die Vater-Sohn-Beziehung in der Trinität erinnert, ein patriarchalischer Begriff; ist der Begriff der „Versöhnung“ auf „Töchter“ oder „Schwestern“ überhaupt anwendbar)? Verweist das nicht (ähnlich wie die „Brüder“ in den Apostel-Briefen, vielleicht sogar im Zusammenhang damit) auf eine Grenze in der christlichen Botschaft (auf die Funktion des Kelchsymbols im NT)? Liegt hier der Grund, daß Frauen keine Bekennerinnen sein konnten und ihnen nur der Weg der Virginitas, der „Unschuld“, offenblieb? Es gibt nur eine Stelle in den Evangelien, an der die Sündenvergebung auf Frauen bezogen wird – außer bei Maria Magdalena, die von den sieben unreinen Geistern befreit wurde. Zur Ehebrechering hatte Jesus gesagt: „Auch ich verurteile dich nicht; geh, sündige von jetzt an nicht mehr“, von einer Vergebung der Sünden ist nicht die Rede. Nur von der „großen Sünderin“ heißt es, daß ihr viel vergeben werden wird, da sie viel geliebt hat, und anschließend: „Deine Sünden sind dir vergeben“.
Hat das Christentum mit der Opfertheologie und der Vergöttlichung Jesu nicht einen Weg der Verinnerlichung beschritten, der der Erlösung jede Möglichkeit, sich öffentlich und materiell zu manifestieren, den Weg verbaut hat?
Kritik an Belo würde anzusetzen haben bei der unzureichenden Berücksichtigung symbolischer Begriffe (insbesondere des Kelchsymbols) und beim unkritischen Gebrauch des Mythos-Begriffs (die Unterscheidung von Himmel und Erde ist nur dann mythisch, wenn der Weltbegriff der Dialektik der Aufklärung enthoben ist: wenn der mythische Bann, den er auf die Dinge legt, verdrängt und geleugnet wird.
Ist nicht der „Greuel der Verwüstung“ nach der Geschichte der Verinnerlichung des Tempels (der Verinnerlichung des Opfers) anders zu lokalisieren: nämlich im Subjekt selber (im Selbst)?
Ist nicht die Orthogonalität, die, nachdem sie in der Theologie als Orthodoxie sich durchgesetzt hat, in der Sprache als Orthographie sich durchsetzt, Produkt und Manifestation der Unterdrückung und Verdrängung der Barmherzigkeit, der dann nur noch die Möglichkeit verblieben ist, als Hysterie sich zu äußern?
Die Naturwissenschaften haben das Erbe des Kampfes der Orthodoxie gegen die Häresien angetreten: Sie sind ein Opfer der Illusion geworden, es genüge, entgegenstehende Anschauungen zu widerlegen. Der Verdrängungsprozeß, der in der Bildungsgeschichte der Orthodoxie sich durchgesetzt hat, setzt sich fort in der Geschichte der naturwissenschaftlichen Aufklärung.
Müßten wir nicht in einer Welt, in der die Normalität zum Ausdruck tiefer psychotischer Störungen zu werden droht, während in den Psychosen die Normalität hilflos vor der Welt kapituliert, aufhören, das neutestamentliche Phänomen der Besessenheit psychiatrisch zu interpretieren? -
26.11.1994
Die Welt ist alles, was der Fall ist: Hat das etwas mit der Deklinierbarkeit des bestimmten Artikels in der deutschen Sprache zu tun?
Merkwürdige sprachliche Konnotationen der Possessivpronomina 3. Pers. sing.:
– Das männliche Possessivpronomen (sein) ist gleichlautend mit dem Infinitiv Sein,
– das weibliche Possessivpronomen 3. Pers. sing. (ihr) ist gleichlautend mit dem Possessivpronomen 3. Pers. plural und dem Personalpronomen 2. Pers. plural (der Kollektivform des Du).
Gehört zu der Unterscheidung von sky und heaven, sex und gender auch die von she und they (Reflexionsformen von Natur und Welt?)?
Die Personalpronomina sind in den Begriffen als verdrängte Momente mit enthalten. Der Verdrängungseffekt verdankt sich der monologisierenden Gewalt der Logik der Schrift.
Die Unterscheidung von Rechts und Links ist die vergegenständlichte Unterscheidung von Im Angesicht und Hinter dem Rücken; diese gilt für die erste Person, die andere für den Fall, daß diese erste Person ein anderer ist (für das Subjekt als Objekt: den „Nächsten“).
Der Ausdruck „persönlicher Gott“ ist zweideutig. Er bezeichnet nicht nur den Tatbestand der göttlichen Personalität, sondern rückt zugleich Gott in ein Possessivverhältnis zum Sprechenden. Der „persönliche Gott“ ist „mein Gott“, wobei seine Beziehung zu mir sich von der zu den anderen wie Gott und Satan unterscheidet. Hierin liegt das unendlich aggressive Potential der Vorstellung eines persönlichen Gottes (eines jeden Gottesbildes). Diese Eigentumsbeziehung ist die Grundlage der Idolatrie und der historische Grund des Eigentumsbegriffs überhaupt. Der gleiche Gott, der mir eine Hilfe ist, ist es nur dadurch, daß er gegen andere als Herrschaftsmittel sich erweist. Auf diese Konnotation scheint sich der prophetische Begriff der Trunkenheit (als Symbol des Herrendenkens) zu beziehen. Und hieraus wäre die zentrale theologische Bedeutung des Armutsbegriffs (Verzicht auf die Eigentumsbeziehung zu Gott: Verzicht auf die Idee des Absoluten) abzuleiten. Der Begriff der Person, der genetisch dem Bereich des Rechts zugehört, läßt sich unabhängig vom Eigentumsbegriff nicht bestimmen, er ist außerhalb seiner Beziehung zum Eigentumsbegriff (außerhalb der Eigentumslogik) gegenstands- und bedeutungslos.
Ist nicht Heideggers „Seyn“ ein gleichsam geadelter, arisierter Seins- und Eigentumsbegriff?
Zur Orthographiereform: Wäre es nicht sinnvoller, anstatt jetzt neue Sprachverkehrsregeln zu erlassen, endlich auch differierende Regeln zum Gebrauch freizugeben? Wer heute die Orthographieregeln Goethes oder Hegels anwenden würde, würde keinen Deutschtest mehr bestehen. Die Freigabe der Orthographie würde die Sprache wieder reflexionsfähig (die Grammatik zu einem Organ des Denkens) machen. Ist nicht die Funktion des Duden, die es einer privatwirtschaftlichen Institution überläßt, über die Regeln der Grammatik und Orthographie zu wachen, eigentlich ein Skandal (auch rechtlich fragwürdig, dem Grundrecht der Meinungsfreiheit, das auch den Gebrauch der Sprache mit einschließen müßte, widersprechend)?
Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten, daß sie nackt waren: Diese Erkenntnis bezieht sich aufs Gesehenwerden.
Der Instrumentalis und die Präposition „durch“: Entspringt ihre Sprachlogik nicht der Erfahrung der Armut, der Schuldknechtschaft, der Sklaverei? Diese Erfahrung mag historisch vergangen sein; aber sie hat ihre Spuren in der Sprache hinterlassen. Der Nominalismus gehört zu den Folgen dieser Erfahrung (ist Ausdruck dieser Sprachlogik). Ausgeblendet werden diese Erfahrung und Logik durch die subjektiven Formen der Anschauung, die nicht zuletzt deshalb der Reflexion sich entziehen. Hier wird nur noch geopfert, während die Barmherzigkeit gegenstandslos wird. Das Inertialsystem ist das Produkt der Verinnerlichung des Opfers, deren Spuren an der Konstruktion des Naturbegriffs sich ablesen lassen.
Die Strenge unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von der „Stränge“: Im Kontext des Strangs bin ich nur Objekt, während die Strenge (das „strenge Gericht“) eine Eigenschaft bezeichnet, in der ich mich als Subjekt weiß, in der ich als Subjekt mit enthalten bin. Durch die Rückbeziehung der Strenge auf den Strang würde die Subjektivität, die sich in dem Vokalwechsel (ä > e) ausdrückt, gelöscht. Gilt nicht ein vergleichbares Moment auch bei der Differenz behende/behände (vgl. die Beziehung zum „behandeln“)? Es wäre zu prüfen, ob nicht die Orthographiereform (die an der Großschreibung festhält) generell an der Exkulpationstendenz sich orientiert (an der Kollektivscham: an der Auslöschung des Subjekts)?
Die Sprache ist sowohl über ihre grammatische wie auch über ihre etymologische Struktur in die Geschichte der gesellschaftlichen Institutionen und Strukturen (Grundlage und Medium des gesellschaftlichen Objektivationsprozesses) verflochten.
Der Logozentrismus ist Ausdruck und Medium der sprachlichen Internalisierung des Staats: der Logik der Schrift. (Die Erfüllung der Schrift ist von der des Worts zu unterscheiden wie die Unheils- von der Heilsprophetie. Die Schrift hat sich in der Passion erfüllt, das Wort erfüllt sich in der Befreiung. Untersuchung der Ausdrücke „graphe“ und „logos“ im NT!)
Das Problem der Theologie ist nicht, daß Sprach- und Sachprobleme verwechselt werden, sondern daß die Differenz zwischen Sprach- und Sachproblemen nicht mit reflektiert wird.
Die 120 000 (am Ende des Buches Jona), die rechts und links nicht mehr unterscheiden können, können am andern die Unterscheidung zwischen dem Im Angesicht und Hinter dem Rücken nicht mehr nachvollziehen (sich in den andern nicht mehr hineinversetzen). Sie bleiben in ihrer eigenen Unmittelbarkeit befangen, das verbindet sie mit „soviel Vieh“. Grund dieser (Tieren und Menschen gemeinsamen) Befangenheit ist der Weltbegriff. -
25.11.1994
Ist das Schweige-Gebot an den Dämon bei Mk (bei Belo S 6c) nicht ein Schweige-Gebot an die Theologen (vgl. auch Anm. 7 bei Belo)?
Gestern (nach Teilnahme an einem Preisausschreiben) Einladung zu einem „Verkaufsgespräch“ bei der Holiday Marketing International, Neu-Isenburg:
– Die Grenze zwischen Sektenwerbung und Verkaufsveranstaltungen wird immer undeutlicher:
. Hinweis auf die Vertrauenswürdigkeit des Firmenchefs, der mit Foto auf einer Präsentationswand vorgestellt wird (die Qualität des Angebots, über das es verbindliche schriftliche Unterlagen nicht gibt, wird von ihm „persönlich garantiert“)
. Fotos von „glücklichen Mitgliedern“ des „Clubs“ (Betonung der „Gemeinschaft“),
. Demonstrativer Applaus bei der Neuaufnahme eines „Mitglieds“ (spätestens hier entsteht der Verdacht auf einen möglichen Zusammenhang mit Scientology, Moon-Sekte o.ä.; Assoziation an die Werbe-Methoden einer Drücker-Kolonne).
– Bei der Präsentation (durch eine 22-jährige Frau) laute Hintergrund-Musik; feste Sitzordnung, auch für meine Frau und mich (mit Blickkontakt zwischen der Präsentierenden und einem Firmen-Team im Hintergrund, außerhalb unseres Blickfeldes).
– Während der Präsentation zum Schein Fragen nach unseren (sehr dezidierten) Urslaubsvorstellung, mit denen das Angebot dann allerdings garnichts mehr zu tun hat.
– Es ist offensichtlich taktlos, über den Preis zu reden. Die junge Frau war nicht ermächtigt, mit uns über den Preis zu reden. Das blieb einem (männlichen) Mitarbeiter des Teams vorbehalten, der aggressiv und unverschämt reagiert, als ich auf mein Interesse an einem Preis-Leistungs-Vergleich hinweise (ein Hinweis, daß HMI „nicht jeden“ aufnimmt, hat schon den Ton einer Drohung).
– Erst am Ende (nach einer Präsentation, die eher wie einem Bekehrungsversuch gleicht, und bei der kein einziges Detail durch eine schriftliche Unterlage belegt wird) dann die Information über den (Fantasie-)Preis für ein Angebot, das mit dem mündlich vorgestellten Angebot nicht mehr viel zu tun hat (Nutzungsrecht für eine Woche im Jahr für ein Appartement an der spanischen Südküste, Nähe Malaga, zum Preis von DM 18.400,00, dazu DM 400,00 Bearbeitungs-/Notargebühr; zusätzliche Kosten für Instandhaltung, Reinigung etc. DM 416,00 im Jahr; bei Wahl eines anderen Urlaubsorts zusätzlich DM 180,00/Woche Verwaltungsgebühr). Bei sofortiger Entscheidung wird ein Rabatt von 20% (!) auf den Kaufpreis angeboten.
– Zuvor (schon bei der telefonischen Einladung am 21.11.94) ein Lockangebot (in jedem Falle eine Woche freie Urlaubsunterkunft in einem ihrer Anlagen in Europa); hierzu werden im Falle eines Vertragsabschlusses noch die Reisekosten und Verpflegung angeboten.
Ist die HMI so etwas wie ein UFO in der Touristikbranche? Die ganze Verkaufsveranstaltung schien unter der Voraussetzung zu laufen, daß alles nur mündlich erfolgte; war dabei bewußt, daß „mündliche Absprachen“ rechtlich unerheblich sind (die zivilrechtliche, aber auch die logische Kehrseite des Prinzips, wonach Gemeinheit kein strafrechtlicher Tatbestand ist)? Um einen Vergleich des Verkäufers zu variieren: Man kann mündlich einen SAAB vorstellen, aufgrund des Kaufvertrages aber einen Trabby liefern.
Hat nicht jede Reklame etwas von einem Bekehrungsversuch; läuft nicht jede Reklame auf ein Glaubensbekenntnis hinaus (Persil bleibt Persil)? Und ist die Bekenntnislogik nicht die Logik der Reklame, die ebenfalls den Tod verschweigt? Gleichen nicht die Ängste kirchlicher Mitarbeiter den Ängsten in einem Unternehmen wie HMI? Symbolisieren nicht Sekten wie Scientology oder die Moon-Sekte die wahrhaft apokalyptische Identität von Religion und Reklame, die uns bevorsteht? (War nicht die Wertphilosophie Ausdruck des Einbruchs der Reklame in die Philosophie und die Fundamentalontologie die fundamentalistische Konsequenz daraus?)
Wäre es nicht vielleicht doch sinnvoll und notwendig, die nach Zeitungsberichten vorgesehene Rechtschreibreform noch einmal zu überprüfen: Hat „behende“ (jetzt: behände) wirklich noch etwas mit der Hand zu tun, oder „gestreng“ (jetzt gesträng) etwas mit dem Strang? Werden hier nicht Sprachbeziehungen (wieder-)hergestellt, die die durch die Vokaländerung eingetretene Bedeutungsänderung (ein Stück objektiver Sprachentwicklung) bloß auslöschen? Stränge ist nicht das gleiche wie Strenge. Und war nicht schon der Übergang von Bureau zu Büro eine Sprachkatastrophe? Wie müßte man jetzt Niveau schreiben? Wäre es nicht an der Zeit, die ideologische Großschreibung der „Hauptwörter“ endlich abszuschaffen, eine Orthographieregelung, die über den Begriff des Substantivs die deutsche Grammatik verhext und zugleich die Selbstreflexion der Sprache blockiert, weil sie sie unter das Verdikt der deutschen Staatsmetaphysik stellt (während sie vielleicht eine der Ursachen der deutschen Xenophobie beseitigen würde)? Haben nicht die Großschreibung und das Substantiv das grammatische Geschlecht insgesamt neutralisiert und dieses (zusammen mit den subjektiven Formen der Anschauung) der Reflexion entzogen. Die Großschreibung ist der blinde Fleck der Grammatik und zugleich der Grund der Sexualisierung der Verhältnisse. Über die Großschreibung ist das Wertgesetz und die Bekenntnislogik (die Dornen und der steinige Grund in dem evangelischen Gleichnis vom Weizen), der Grund der Staatsmetaphysik, in die Sprache eingedrungen. Aber mit der Großschreibung wird der Markenartikel, ein essential jeder Reklame, überhaupt erst möglich. Ein Satz wie „Persil bleibt Persil“ wäre ohne die Großschreibung nicht denkbar.
Zu Petrus, Jakobus und Johannes: In den geschichtsphilosophischen Konstruktionen seit Joachim von Fiore erscheint immer die Trias Petrus, Paulus und Johannes; der viel wichtigere Jakobus (der „judaistische“ Gegenspieler des Paulus) scheint vergessen zu sein; er wird ohnehin immer mit dem „Herrenbruder“ verwechselt. Nicht nur Petrus erhielt einen zweiten Namen, sondern auch die Brüder Jakobus und Johannes, denen Jesus den Namen Donnersöhne gab. War nicht Jakobus der erste Apostel, der zum Märtyrer (durch Herodes) geworden ist, während Paulus der Urheber des ersten Todes eines Zeugen Jesu (des Stephanus) war?
War Paulus (der Geringste der Apostel) der Erfinder des Kleinglaubens (nach Hyam Maccoby der Erfinder des Christentums)?
Ist nicht die „Natur des Menschen“ ein Zivilisationsprodukt: ein Produkt der Verinnerlichung des Opfers und eine Folge des Ursprungs des Weltbegriffs?
Hat die Unterscheidung von sex und gender im Englischen mit der Unterscheidung von sky und heaven zu tun? Und gibt noch andere, vergleichbare Unterscheidungen, die dann alle auf die empiristische Struktur der englischen Sprachlogik (auf das to be) zurückzuführen sein müßten: auf die Unterscheidung der Objekte des Raumes und der Bekenntnislogik)?
Ist nicht der Geheimbereich des Staates der Preis für die Trennung von Objekt und Begriff (Natur und Welt)? Im Geheimbereich muß der Staat den Gemeinheitsgrund seiner Praxis verstecken. Zur Absicherung dieses Bereichs bedarf es des Militärs, zu seinen Emanationen gehören die Knäste und Irrenanstalten.
Das Possessivpronomen zur 2. Pers. pl. (ihr) ist „euer“, das zur 3. Pers. pl. und zur 2. Pers. f. sing. (sie) ist „ihr“.
Im Griechischen und im Deutschen wird der bestimmte Artikel dekliniert, aber die Konstruktionselemente sind toto caelo unterschieden. Insbesondere die Beziehung der Artikel zu den Personalpronomina in Verbindung mit dem deiktischen „d“ (er: der, sie: die, es: das), die Einschränkung des besonderen Nominativs auf das Maskulinum und die Gleichheit des Femininum mit dem Plural finden sich nur im Deutschen. Steht nicht zwischen dem Griechischen und dem Deutschen die gesamte Geschichte der Mathematik, insbesondere die Ursprungsgeschichte des Inertialsystems (und damit die Konstituentien der Bekenntnislogik: das Feinddenken, das Verrätersyndrom und die Frauenfeindschaft)? Das Griechische war noch geschützt vorm Inertialsystem, es hatte noch kein Futurum II; das ist erst im Lateinischen, zusammen mit dem Prozeß der caesarischen Verinnerlichung des Opfers, die dann in die Grundlagen des Christentums mit eingegangen ist, entsprungen (hängt es hiermit zusammen, wenn die romanischen Sprachen kein Neutrum mehr kennen?).
Die Logik der Schrift ist monologisch: diese Monologik greift im Inertialsystem auf die Optik über (Abstraktion vom Gegenblick). Die Hereinnahme des Blicks des Andern ins Denken und in die Erfahrung verfällt nur dann nicht der Magie (die insoweit auch in die Urgeschichte der Logik der Schrift hereinfällt), wenn sie die Fähigkeit zur Schuldreflexion (zur Reflexion der verinnerlichten Scham) in sich mit aufnimmt: Zusammenhang des Angesichts mit dem theologischen Begriff der Autonomie.
Zu Kanthers Weigerung, im Falle der Kurden und der Jugoslawien-Flüchtlinge einen Abschiebestop zu erlassen:
– Wenn er die Folgen, die das für die Betroffenen haben kann, nicht berücksichtigt sehen will, wodurch unterscheidet sich dann seine Entscheidung von den Brandanschlägen auf Ausländerwohnungen?
– Und wenn er diese Entscheidung (für den „Asylkompromiß“) mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit der Wahrung des „inneren Friedens“ in diesem Land begründet, akzeptiert er dann nicht die Erpressung durch den Rechtsextremismus?
Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie