• 15.4.1994

    Intersubjektivität ist nicht nur ein Versteck vor dem Angesicht Gottes (unter den Bäumen des Gartens), sie wird am Ende zum Institut der kollektiven Isolationshaft. Die vorwerfbare Schuld – als Schuld im Blick der andern – ist der gemeinsame Grund des Mythos, der Natur und des Rechts. Umkehr ist das Instrument der Auflösung der vorwerfbaren Schuld: der Sünde der Welt (des projektiven Schuldverschubsystems). Alle Weltbegriffe sind, auch wenn sie es nicht wissen, nationalistisch: konkrete Anwendungen und Ausgestaltungen des Schuldverschubsystems: Es gibt keinen Weltbegriff ohne das Feindbild der Barbaren, Heiden oder Juden (der Fremden – nicht der Andern, die vielmehr Teil des Weltbegriffs sind). Dem Namen der Barbaren entspricht im Kontext der Naturerkenntnis der Begriff der Materie, der nicht zufällig an den Namen der Mutter – mater – erinnert. Zu prüfen wäre, ob und wie die Begriffe hyle und materia auch inhaltlich und genetisch sich unterscheiden (und ggf. mit den Unterschieden zwischen den Begriffen physis/natura bzw. kosmos/mundus zusammenhängen). Materie: Ist das nicht die von der schmutzigen Sinnlichkeit gereinigte und dadurch finster gewordene Materie, das genaue Pendant der sexualmoralischen Verstrickung der kirchlichen Theologie? Die Apokalypse ist ebenso wie ein historisches auch ein gnoseologisches Problem: die letzte Gestalt des Begriffs der Offenbarung. Der mechanische Stoß ist das gegenständliche Korrelat der Herrschaft der Vergangenheit über die Zukunft, Grund eines Systems von Äquivalenzbeziehungen, aus dem die Möglichkeit mathematischer Naturerkenntnis sich herleitet. Einzig vergleichbar der Macht des Tauschprinzips, der Herstellung von Äquivalenzbeziehungen im Bereich der gesellschaftlichen Reproduktion des Lebens auf der Grundlage des Privateigentums. Bei beiden wird ein Systemmoment impliziert, das mit den Begriffen Orthogonalität, Schuldknechtschaft und Lohnarbeit sich genauer bezeichnen läßt. Heinsohn hat recht, wenn er die Erfindung des Geldes auf das Institut der Schuldknechtschaft zurückführt, den frühesten Vorboten des Kapitalismus und der Lohnarbeit in der Vorvergangenheit. In der Lohnarbeit ist die Schuldknechtschaft instrumentalisiert worden. Ist die Wahrnehmung nicht faszinierend, daß das Institut der Schuldknechtschaft zur Ursprungsgeschichte der Hebräer gehört (und wirft sie nicht ein Licht auf den Namen der „hebräischen“ Schrift)? Hat der Vergleich des Dogmas mit den zwei Seiten eines Blattes (von denen wir nur die eine kennen, die nicht die der Wahrheit ist) eine sehr präzise Bedeutung? Hat die Theologie nicht insofern auch etwas mit der Idee der Auferstehung zu tun, als es in ihr um die Wiedergewinnung der vergangenen Zukunft geht? Die opfertheologische Instrumentalisierung des Kreuzestodes gehört zu den Mächten der Vergangenheit über die Zukunft (zu den „Pforten der Hölle“). Die Zukunft unter dem Verschluß der Vergangenheit halten: Darauf bezieht sich das Wort vom Binden und Lösen; und das Lösen ist das Lösen der Zunge, die vergangene Zukunft das Objekt der Sprache, des Namens. Erst wenn ich begreife, daß die Welt der Abgrund ist, der mich von den andern trennt, begreife ich, was es heißt, die Sünde der Welt auf sich zu nehmen. Die Idee des Absoluten ist der Greuel am heiligen Ort: das sich auf sich selbst beziehende Anderssein Gottes, seine Leugnung. Ist die Geschichte der drei Leugnungen die Geschichte der Idee des Absoluten? „Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt …“ (vgl. Joh Kap. 630ff.54ff)? Mein ATARI hat nicht nur einen Mülleimer, er ist ein Mülleimer, in den ich alles ablade: Aber sind Mülleimer nicht die Lebensquelle der Ausgeschlossenen, der Slumbewohner? Ist nicht der Antisemitismus, der Druck, der ihn produziert, ein Hinweis darauf, wie nahe die Lösung ist? Der Begriff der verwalteten Welt ist ein Pleonasmus: Ohne Verwaltung gibt es keine Welt (gibt es kein Allgemeines, wie auch die Verwaltung die Brutstätte der Gemeinheit ist – das Gemeine ist der Grund des Allgemeinen).

  • 14.4.1994

    Drei Dinge stehen der Theologie heute im Wege:
    – Auschwitz und die antijudaistische Tradition,
    – die Naturwissenschaften und der Stand der Aufklärung und
    – in der Theologie selber der parvus error in principio: die Rezeption des Weltbegriffs, das Dogma und die Opfertheologie.
    Weltlose Welt: Mit der Rezeption des Weltbegriffs hat sich die Theologie selber liquidiert.
    Wenn die Sprache die Morgengabe des Schöpfers an die Schöpfung ist, und der Weltbegriff die Leugnung der Sprache mit einschließt, dann bezeichnet der Naturbegriff, der den Weltbegriff begründet, die aktive Leugnung der Sprache (Ursprung des Begriffs): Der Naturbegriff als Leugnung der Auferstehung ist die Leugnung der Sprache: macht den Namen zu Schall und Rauch.
    Der iranisch-zoroastrische Aspekt der Astrologie ist dem babylonisch-chaldäischen genau entgegengesetzt: Hat das sprachliche Gründe (Turmbau zu Babel, Ursprung der indogermanischen Sprache)?
    Die drei Umkehrbeziehungen:
    – im Angesicht und hinter dem Rücken,
    – rechts und links,
    – oben und unten,
    (die drei Dimensionen des Raumes) sind drei verschiedene Formen der Beziehung zur Vergangenheit. Darin gründet Rosenzweigs Konstruktion des Stern der Erlösung: die Sprengung des All durch die Todesfurcht und die Konstituierung der drei Elemente des Stern der Erlösung.
    Zur Kritik der Ästhetik: Hängen nicht die transzendentale Ästhetik, die Kunst und der Staat ineinander wie die drei Dimensionen des Raumes (der blinde Fleck der politischen Theologie). Kant brauchte die Lehre von den subjektiven Formen der Anschauung, um die Subjektivität des Objektbegriffs begründen und so das Objekt in die apriorische Form des Urteils mit hereinnehmen zu können?
    Wie hängen der Ursprung des Geldes, die Astrologie, die Erfindung der Schrift (durch die Sprachen sich verändert haben) und die Schicksalsidee mit einander und mit der Ursprungsgeschichte des Staates und des Weltbegriffs zusammen?
    Dareios I. hat erstmals mit Einführung einer reichseinheitlichen Münze die Währungseinheit hergestellt (Donner, S. 398): Damit hat er den Schuldzusammenhang, für den das Geld einsteht, in die Struktur des Staates mit hereingenommen und die Grundlage für Rechtseinheit geschaffen, die Dareios II. (der Hammurabi der Orientalisten) als Gesetzgeber dann realisiert hat.
    Die Geschichte mit den sieben unreinen Geistern steht (im wesentlichen textgleich) bei Mt (1243ff) und bei Lk (1124ff); nur bei Mt wird sie ergänzt durch den Hinweis: So wird es auch mit diesem bösen Geschlecht sein.
    Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben: Steckt darin nicht der Hinweis, daß die Wahrheit nicht absolut ist, sondern nur eine Zwischenstufe zum Leben?
    Die Orthodoxie wie die Orthogonalität fixiert eine Beziehung zur Zeit, die in der Vorstellung einer homogenen Zeit sich niederschlägt. War das der Zweck von Orthodoxie und Orthogonalität?
    Durch die Orthogonalität ist der Raum zur Form der Gleichzeitigkeit geworden, was er nicht an sich ist.
    Historisch gründet die (Entdeckung der) Orthogonalität in der Geldwirtschaft; sie hat dann in der Bekenntnislogik Macht übers Christentum gewonnen.
    Die Christen, für die Jesus zur Rechten des Vaters sitzt, können seitdem rechts und links nicht mehr unterscheiden (ist das Buch Jona postapokalyptisch und prächristlich zugleich?).
    Eine Theologie im Angesicht Gottes setzt die Kritik der Naturwissenschaften voraus; der Naturwissenschaften, deren Geschichte in die Geschichte der Herrschaft und des Staates verflochten ist. Das Gewaltmonopol des Staates ist ein Konstituens der Naturwissenschaften; es gründet in der Opfertheologie und verweist auf den Realitätsgrund jeglicher Abstraktion.
    Das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit bezeichnet den Grund des Idealismus der Physik: Wurde nicht die Nabelschnur längst durchschnitten, die die Physik einmal an die gegenständliche Natur gebunden hat? Ist die Physik nicht zu einem monströsen, tief in die Natur hinein getriebenen Herrschaftsapparat geworden, der die Objektivität nicht mehr abbildet, sondern nur noch unterminiert und aushöhlt? Die Mikrophysik ist die am tiefsten in Feindesland vorgetriebene Bastion, vergleichbar nur dem Eindringen der Strukturen des Marktes in alle Lebensverhältnisse.
    Ist nicht der in kirchlichen Kreisen derzeit so beliebte Slogan „Erhaltung der Schöpfung“ antiapokalyptisch?
    Der Weg der Kirche war seit je der Weg der Bekehrung, nicht der der Umkehr.
    Was hat es mit Magdala auf sich; hat Magdala etwas mit Migdol, Grenzfestung im östlichen Nildelta, Zufluchtsort der z.Z. des Jeremias nach Ägypten ausgewanderten Judäer, zu tun (vgl. auch Ex 142)?
    Zitieren nicht alle Mariennamen (die gehäuft in der Passionsgeschichte erscheinen) den Namen der Prophetin Mirjam (welche Marien gibt es, und hat die Befreiung der Maria aus Magdala von den sieben unreinen Geistern etwas mit dem Aussatz der Mirjam zu tun)?
    Das etablierte Christentum hat den prophetischen Satz „Barmherzigkeit, nicht Opfer“ (und damit den Namen sowie die Idee der Auferstehung) widerrufen.

  • 13.4.1994

    Das Absolute ist der Erbe der Idolatrie, die Funktion der Idolatrie läßt sich an der des Absoluten (des Andersseins Gottes) begreifen.
    Donners Bemerkungen zur „assyrischen Krise der israelitischen Religion“, insbesondere seine Hinweise auf 2 Kön 1610-16, 2 Kön 184 (und ergänzend hierzu auf 1 Kön 1423, 2 Kön 1710, 213, 238), sowie auf Zephanja 11-6.8ff (S.332ff), werfen ein Licht auf den Zusammenhang von „Religion“ und Politik: die assyrische Krise in Juda (die ihren Vorläufer in der phönikischen Krise in der Omridendynastie in Israel hatte) ist ein Teil der Geschichte der Beziehung Israels zum Prozeß der Staatenbildung, zum Ursprung der „Weltgeschichte“, zur Geschichte des Absoluten.
    S. 368f gibt Donner eine Zusammenfassung der gesamtorientalischen Restaurationsphase im 7./6. Jhdt.v.Chr. (von Assur über Babylon bis Ägypten), zu der er auch die josianische Reform und das Deuteronomium rechnet. War es eine reale Restaurationsphase (die dann geschichtlich abzuleiten wäre) oder wurde gleichsam eine inexistente Vergangenheit zur „Erklärung“ der Gegenwart neu erfunden (wurden Gestalten wie Moses und Abraham, dessen Lebensweg von Ur über Harran nach Kanaan insgesamt auf Orte der zeitgenössischen Geschichte sich bezieht, nur in die Vergangenheit projiziert, um die Gegenwart verständlich oder erträglich zu machen)? Wirft das nicht auch ein Licht auf die Kosmologien des Zeitalters (Erfindung einer Vergangenheit, einer Ursprungsgeschichte, zu der Welt, die anders nicht zu begreifen wäre)? Ist diese Rückprojektion der Zukunft in die Vergangenheit (sind die „göttlichen Verheißungen“, der prophetische Trieb) nicht das Gegenstück der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit: das Gegenstück des Inertialsystems (Problem der babylonischen Sprachverwirrung)?

  • 12.4.1994

    Der Weltbegriff bezeichnet eine Momentaufnahme im Säkularisationsprozeß. Er bestimmt zugleich die Logik, die den Säkularisationsprozeß beherrscht: den immer wieder vergeblichen Versuch, diese Momentaufnahme zu stabilisieren. Während in Israel Grund und Boden Eigentum JHWHs waren, waren sie in Kanaan Gegenstand privater Kaufverträge (Donner, Geschichte des Volkes Israel, S. 265). Hängt damit der Name Kanaan, der auch die Händler bezeichnet, und die kanaanäische „Religion“, das Urbild der Idolatrie (Ba’al, Moloch, die Ascheren, die „Unzucht“), zusammen? Ist insbesondere Ba’al ein Gott des Privateigentums an Grund und Boden? Ist der Name Kanaans ein Name eines Volkes oder eine soziologische Kategorie (die Volksnamen, die unter dem Namen Kanaans zusammengefaßt werden, legen die Vermutung nahe, daß Kanaan wie der Name der Hebräer eine primär soziologische Bedeutung hat)? Bei den Grundstückskäufen handelt es sich um – Abraham (Gen 23: Kauf des Grundstücks und der Höhle Makpela von dem Hittiter Ephron für das Grab der Sara), – Jakob (Gen 3319: Kauf eines Grundstücks bei Sichem von den Söhnen Hamors zur Errichtung eines Malsteins und eines Altars „El, Gott Israels“), – David (2 Sam 2418ff: Kauf der Tenne des Jebusiters Arawna zur Errichtung eines Altars, Grundstein des späteren Tempels), – Omri (2 Kön 1624: Kauf des Berges Samaria von Semer zum Bau der Stadt Samaria). Kann es sein, daß das Land Israel die religiöse Tradition (die „Sünde Jeroboams“), Juda hingegen die politischen Institutionen Kanaans (Jerusalem, das Stadtkönigtum) übernommen hat? Hat die Unterscheidung zwischen den „Zelten Israels“ und dem „Haus Juda“ (dem nomadischen Israel und dem urbanen Juda) damit zu tun? Es gibt die Häuser Isaak, Jakob, Ephraim, Levi, Juda, Saul, David, aber keine Häuser Manasse, Benjamin. Hängt die Unterscheidung von Zelt und Haus mit der des Himmels und der Sterne zusammen? Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Kapitalisierung des Bodens, dem Ursprung der Banken und der Schuldknechtschaft? Das „gezeugt, nicht erschaffen“ im Credo bezeichnet den Punkt der tiefsten Verzweiflung im Dogma, im Glauben. Genau daraus hat die Trinitätslehre das Moment der Redundanz, der Selbstreferenz, gewonnen, das die theologische Erkenntnis dem Wissen angleicht, es zu einem abgeschlossenen System verdinglicht und vergegenständlicht, den Inhalt zu einem vergangenen („immer schon seienden“) macht. Es ist das untrügliche Symptom der Ontologisierung der Theologie: Nur der Raum zeugt sich in der immergleichen Form seiner selbst fort, nicht Gott. Die kirchliche Sexualmoral ist ein Produkt der Anwendung des des Eigentumsprinzips (Kanaans) auf die Prophetie (Herausnahme der „Sexualität“ als Symbol der Urteils- und Herrschaftskritik aus der Prophetie). Wenn die Kanaaniter die Händler waren, wer waren dann die Amalekiter? Hat das Mehrwertparadigma, das im Tauschparadigma gründet, den Blick auf den Schuldzusammenhang verstellt? Welche Metalle wurden den Planeten zugeordnet: – das Gold der Sonne, – das Silber dem Mond, – das Eisen dem Mars, – das Quecksilber dem Merkur, – das Blei dem Saturn. Und Jupiter und Venus? Mathematik: Die Rekonstruktion der Finsternis über dem Abgrund. Zum fünften und sechsten Schöpfungstag: Nur die großen Seetiere, die Fische und die Vögel des Himmels sind von Gott erschaffen, die anderen Tiere hat die Erde hervorgebracht. Bezieht sich diese Unterscheidung auf die von Matriarchat und Patriarchat (und gründet hierin das nur auf Adam bezogene Staubsymbol und die auf Eva bezogen Feindschaft zur Schlange)? Die Kopenhagener Schule, die Anbetung des Staubs und die renovatio faciei terrae (die Rücknahme des Staubs). Die Jonas-Geschichte ist hegelianisch: die Geschichte des Absoluten und des Weltgerichts, zu der dann aber die Enttäuschung und der Ärger des Jonas über die Barmherzigkeit Gottes gehört. Wie paßt dazu die Tobias-Geschichte (mit dem Engel, dem Fisch, der Erlösung Saras und dem Untergang Ninives)? Ist die Buchstabenschrift ein Produkt der Herrschaft der Fläche, der Geometrie über die Sprache? Wenn Israel der Augapfel Gottes ist, wer ist dann das Ohr (oder: wer sind dann die Lahmen)? Worauf bezieht sich die Orion-Geschichte (vgl. Donner, S. 75, Anm. 8)? Was hat es mit dem Hyrieus (Vater des Orion) auf sich? Franz Rosenzweig hat durch die Konstruktion des Stern der Erlösung (durch die Sprengung des All, das dreifache Nichts und die konstitutive Bedeutung des „und“) der unio mystica endgültig den Boden entzogen (vgl. auch Cohens Bemerkung, daß die Attribute Gottes Attribute des Handelns, nicht des Seins sind, und Levinas‘ Hinweis auf die Ethik als prima philosophia: die unio mystica ist die Besiegelung der Kapitulation vor der Ontologie).

  • 11.4.1994

    Die Unterscheidung von Ding und Sache, die zu den Voraussetzungen des Inertialsystems gehört, hat eine innere Unterscheidung im Begriff des Staates und im Eigentumsbegriff zur Grundlage (vgl. Hegels Rechtphilosophie, 45).
    Es ist wirklich nur noch komisch, wenn H. Donner in seiner Geschichte des Volkes Israel zu Ri 56: „Zur Zeit des Schamgar ben Anath, zur Zeit der Jael, hörten die Wege auf, und die Pfadläufer gingen verschlungene Wege“ bemerkt: „Das war schwerlich etwas anderes als die Sperrung der Hauptverkehrsstraßen für die Israeliten durch die Kanaanäer“ (S. 160). Hat diese unfreiwillige Komik nicht auch wiederum ihre eigene tiefe Symbolik?
    Raum, Geld und Bekenntnis: Das Geld weist ebenso wie auf das Tauschparadigma auf ein Schuldparadigma (Schuldknechtschaft) zurück, ohne das es die Lohnarbeit (die Subsumtion der Arbeit unters Tauschprinzip) nie gegeben hätte. Dem entspricht theologisch (und religionsgeschichtlich) Begriff und Geschichte des Opfers, neutralisiert und unkenntlich gemacht durch ihre Beziehung zum Raum: durch die in der Raumvorstellung, in der Beziehung der Richtungen im Raum, sedimentierte und verkörperte Abstraktionsleistung. Hier liegt der logische Grund, durch den der Raum und Handel im Begriff der Veräußerung aufeinander sich beziehen.

  • 10.4.1994

    Das Absolute ist der Gott für andere.
    Sind nicht die drei „großen Weltreligionen“ in der Tat die einzigen, die an den Grund der Welt rühren, und gründet ihre Trennung nicht im Bann des Absoluten?
    Muß nicht der Satz, daß wir uns selbst im blinden Fleck stehen, ergänzt werden durch den Hinweis, daß die genaueste Bestimmung dieses blinden Flecks die Idee des Absoluten ist.
    Antlitz und Gestalt: Gehört nicht das Antlitz zur Theologie, die Gestalt aber zur Welt (Tiere unterscheiden sich durch ihre Gestalt)?
    Der Raum ist nicht die Form der Gleichzeitigkeit (das ist ein Redundanz-, ein Rückkoppelungseffekt), sondern der Stabilisator der Vorstellung einer homogenen Zeit. Er neutralisiert die Differenzen und macht das Ungleichnamige gleichnamig.
    Die falsche Übersetzung von Joh 129 ist der Quellpunkt aller „unbegrenzten Zumutbarkeiten“.
    Wo die transzendentale Logik beginnt, hat die transzendentale Ästhetik ihr Werk schon getan. Und ist nicht die Bekenntnislogik ein Ableger der transzendentalen Logik? Daß die transzendentale Logik außer dem wissenschaftskritischen auch einen gesellschaftskritischen Aspekt hat, ist schon länger bekannt, während die Anwendung auf Erkenntnis im emphatischen Sinne auf die Kritik der Bekenntnislogik führt: Hier reicht sie in den Kern der Theologie hinein.
    Aus Petrus, der die Vollmacht hat, den Himmel aufzuschließen, ist durch den Nichtgebrauch dieser Vollmacht ein Kerkermeister geworden.
    Bezieht sich die Dewekut auf die Einigung des göttlichen Namens (die Heiligung des Namens) oder auf die unio mystica (die Vergöttlichung des Mystikers)? Durch die Antwort auf diese Frage unterscheidet sich die Prophetie von der Philosophie.

  • 9.4.1994

    Haben die zwölf Stämme Israels (und die zwölf Apostel) etwas mit dem Tierkreis zu tun (und die sieben Schöpfungstage sowie die sieben Diakone etwas mit dem Planetensystem)? Hängt das Wort an Abraham, seine Nachkommenschaft werde zahlreich wie die Sterne sein, damit zusammen (und die hierarchische Organisation des kirchlichen Christentums mit dem Diakonat)? Sind die Zwölf und die Sieben nicht beide Totalitätssymbole, die den Totalitätsbegriffen Welt und Natur korrespondieren: die Zwölf bezeichnet den räumlich-weltlichen (Tierkreis, die Stämme Israels, die Apostel), die Sieben den zeitlich-naturhaften Aspekt (Planeten, das Schöpfungswerk, die sieben Diakone, die sieben Siegel). Gibt es eigentlich eine Beziehung der sieben kanaanäischen Völker zu den Planeten (oder zu den sieben Siegeln)? Kanaan als Grund oder das Allgemeine dieser Völker bezeichnet auch die Händler: Ist der Merkur der Grundplanet? Die Differenz zwischen Theologie und Herrschaftsmystik liegt in der Idee der Auferstehung. Die Mystik, zu deren historischen Voraussetzungen in der Tat die Philosophie gehört, fällt in die Geschichte der drei Leugnungen: Insbesondere die zweite Leugnung, in der die Magd mit den Umstehenden über Petrus redet, bezeichnet eine Stufe, in der jeder für sich die Welt ist, die dann alle bewußtlos, unreflektiert unter sich begreift. In der dritten Leugnung, in der die Umstehenden von der Magd sich emanzipiert haben und auf Petrus eindringen, wird das Objekt in das Subjekt mit hereingenommen; das Medium der Mystik kontrahiert sich zum Absoluten (zum Inertialsystem): das Modell dieser dritten Leugnung, die Subjektivierung des Objekts und die Vergesellschaftung der Erkenntnis und des Wissens (in der der Begriff der Welt sich in sich selbst konstituiert), ist die transzendentale Logik, die kantische Philosophie ihre erste Reflexionsgestalt. Nur die Kirche kennt kanonisierte Heilige (und das Institut der Heiligsprechung): sie sind die Nachfahren der Helden, und die Legenden Rückbildungen des Epos in den Mythos. Durch die Welt (durch die Absperrung von der benennenden Kraft der Sprache) wird der Mensch zum Tier: Nicht durchs Denken, sondern durch die davon noch unterschiedene Sprache unterscheidet sich der Mensch vom Tier (während er durch die subjektiven Formen der Anschauung wieder in den Bann der Animalität: der Selbsterhaltung hereingezogen wird). Im Indizienbeweis (sowie generell im juristischen wie im wissenschaftlichen Beweisverfahren) wird versucht, eine Lücke zu schließen, deren Offenhaltung das Grundinteresse der Theologie ist (hierauf bezieht sich das Wort, daß „die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden“). Diese Lücke wird im einsteinschen Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit offengehalten, während die Kopenhagener Schule in ihrer Interpretation der Mikrophysik (Unbestimmtheitsrelation, Komplementarität, Korpuskel-Welle-Dualismus) sie zu wieder zu schließen versucht (und die Spur dieses Versuchs, die sich nicht verwischen läßt, der falschen Theorie als Prestige gutschreibt): Die Physik hat sich durch ihre selbstgesetzten Prämissen (durchs Inertialsystem) gegen die sinnlich-übersinnliche Welt verschlossen. Und die Fundamentalontologie ist die Selbstreflexion dieses Status. Ist nicht die Rehabilitierung der unio mystica (Grözinger gegen Scholem, sowie in der Sache auch gegen Rosenzweig, Benjamin, Bloch, Horkheimer und Adorno) der Versuch einer Abschirmung der Mystik gegen ihre gesellschaftliche Selbstreflexion, deren Ansätze in der Kabbala, aber auch bei Jakob Böhme, Baader und Molitor doch eigentlich unübersehbar sind? Ziel dieser Mystik war nicht die unio mystica, sondern die Heiligung des Namens. Sie war determiniert durch das Bewußtsein, daß die unio mystica das Keuschheitsgebot (das in der christlichen Tradition, unter dem Zwang der Logik des Weltbegriffs jedoch auch in den anderen „Weltreligionen“, anstatt im genaueren Sinne theologisch immer nur sexualmoralisch verdinglicht angewandt worden ist) verletzt.

  • 8.4.1994

    Hat das astrologische Planeten-Konzept (ebenso wie mit den Deklinationen der Nomen) etwas mit der Form des Raumes zu tun: das Verhältnis von Jupiter und Merkur mit dem von vorn und hinten, Mars und Venus mit rechts und links, Sonne und Mond mit oben und unten (mit dem Saturn als innerer Sprachgrenze dieser Beziehungen)? Gibt es nicht einer Beziehung der drei evangelischen Räte zu den Planeten: – der Armut zum Merkur und Jupiter, – der Keuschheit zum Mars und zur Venus und – des Gehorsams zur Sonne und zum Mond, sowie zum Saturn? Während Armut und Keuschheit eine doppelte Grenze haben, hat der Gehorsam eine dreifache. Woher kommen die Wochentagsnamen im Deutschen: – Dienstag: Tag des Mars (lat. Martis dies, lt. Kluge daraus abgeleitet), – Mittwoch (statt Tag des Jupiter, des Wotan, engl. wednesday) und – Donnerstag: Tag des Donar (auch Tag des Juppiter tonans?), – Freitag: Veneris dies, daraus frijatag, Tag der Freia, – Samstag (statt Saturni dies: sambiztag, abgeleitet aus Sabbat)? Welcher Jup(p)iter hat mit dem Merkur zu tun (nach dem Kleinen Pauly, Sp.1230, wurde Mercurius mit Wotan, dem Windgott, identifiziert: was bedeutet diese Rückbeziehung des Wotan auf den Mercurius, den Handelsgott, während Donar auf den „Himmelsgott“ Juppiter sich bezieht)? Ist der Instrumentalis entfallen, nachdem der Akkusativ diese Funktion mit übernommen und zugleich unkenntlich gemacht hat? Wie hängt das erste Wunder Jesu (die Verwandlung von Wasser in Wein bei Hochzeit von Kana) mit der Eucharistie zusammen: mit der Benennung des Weins als Blut? Und wie verhalten sich diese Geschichten zu den Wassern der Sintflut (und den Wassern des Himmels)? In seinem späteren (öffentlichen) Leben kommen nur noch die Mutter und die Brüder Jesu vor. Was ist mit seinem Vater (und seinen Schwestern), und was bedeutet das für die mit dem Christentum sich bildende Öffentlichkeit (für den Weltbegriff)?

  • 7.4.1994

    Sind die Amoriter und Hethiter (der Vater und die Mutter Jerusalems, Ez 163) die Chaldäer und Perser, und sind die sumerisch-hethitisch-akkadischen Vokabulare Zeugen des Turmbaus zu Babel?
    Der Feminismus und seine Kritik (die den Feminismus voraussetzt, nicht überflüssig macht) sind deshalb so wichtig, weil sie an die geschlechtlichen Wurzeln des Rassismus erinnern.
    Was hat es mit dem Reflexivpronomen (mich, dich, sich, uns, euch, ihnen) auf sich: ist es eine akkusativische Reflexivbildung (Instrument der Selbstvergegenständlichung, Selbstinstrumentalisierung)? Gibt es die reflexiven Verben auch außerhalb des indogermanischen Sprachraums; in welcher Beziehung stehen sie zu den medialen Konstruktionen und zum Aorist?
    Es kommt darauf, an die Religion
    – von der Blasphemie,
    – von der Idee des Absoluten und
    – von der Bekenntnislogik
    zu heilen: von den drei Gestalten der petrinischen Leugnung. Wie hängen sie mit
    – dem Angesicht,
    – der Umkehr und
    – dem Namen
    zusammen?
    Wird die Trinität, wenn sie von der Umkehr, der Nachfolge und vom Angesicht getrennt wird (wenn sie zum Schibbolet einer dogmatischen Orthodoxie wird), nicht zu einer Leerformel, die dann in den
    Begriffen der Natur und der Logik bewußtlos sich reproduziert? Schützt davor nicht allein die Heiligung des Namens?
    Ist nicht der Marxsche Begriff einer resurrectio naturae der Ersatz für die fehlende Lehre des Namens?
    Hündische Philosophie: Hegel hat zur Absicherung seines Reviers Duftmarken gesetzt, zu denen insbesondere die Diskriminierung des Sollens und die Warnung vor dem bloß Programmatischen, nicht Ausgeführten (vor der tatlosen Gesinnung, dem Innern, das sich nicht äußert) gehört. Duftmarken verfolgen aber auch das Ziel, Spuren zu beseitigen; sie haben etwas mit dem Konzept des vollkommenen Verbrechens, das ungeahndet bleibt, weil es sich nicht nachweisen läßt, gemein (vgl. Lyotard).
    Adornos Satz „Das Ganze ist das Unwahre“ ist gegen die logikbegründende Paranoia gerichtet, von der Hegel sich nicht hat befreien können.
    Zum Anfang der Hegelschen Logik (Sein, Nichts und Werden): Unterschlägt Hegel darin nicht das Haben und das Würde (die instrumentalisierende Kraft des Seins und ihre Grenze)? Das Sein (das nicht zufällig an das Personalpronomen 3. Pers. sing. erinnert) hat das Haben in sich und ist dadurch auf das Nichts bezogen (wie Heideggers Vor- und Zuhandenheit).
    Die Würde: Was hat der Konjunktiv mit dem Feminismus zu tun?
    Wie unterscheiden sich Eigentum und Besitz? Ist das Eigentum eine rechts- (und staats-) begründende Kategorie, während der Besitz privatrechtlicher Natur ist: im Vertrag gründet, und damit das Recht und den Staat bereits voraussetzt? Hängt der rousseausche Naturbegriff mit der Verwechslung von Besitz und Eigentum (Konsequenz aus der Begründung des Staats durch einen privatrechtlichen „Gesellschaftsvertrag“) zusammen (wäre auszuführen)?

  • 6.4.1994

    Wie es scheint, hat Jesus mit den Jüngern beim Abendmahl nicht das jüdische Pessachopfer, das Lamm, gegessen: er selbst war das Lamm: das die Sünde der Welt auf sich nimmt, das geopfert wurde und das am Ende würdig sein wird, die Siegel zu lösen. Kann es nicht sein, daß das Wort „Dies ist mein Fleisch“ nur einfach bedeutet: Jetzt ist das Tieropfer abgegolten (und das Fleischessen beendet); und anstelle des Fleisches eßt in Zukunft das Brot: denn das Brot ist mein Fleisch, das Fleisch des Lammes, das Opferfleisch. Aber wie paßt hierzu das Blut-/Wein-Symbol; gibt es einen Zusammenhang mit der Sintflut: anstelle der Wasser wird jetzt der Geist die Erde erfüllen; und die Geschichte mit Noah, dem Wein, der Trunkenheit, der aufgedeckten Blöße und der Knechtschaft ist beendet?
    Hat die aufgedeckte Blöße mit der nicht aufgehobenen Vergangenheit, mit der sichtbaren Macht der Vergangenheit über die Zukunft: mit dem Grund jeglicher Idolatrie, dem Absoluten, zu tun?

  • 5.4.1994

    Das Strafbedürfnis (die zivilisatorisch organisierte Wut) ist eine Konsequenz aus der Verinnerlichung des Opfers: das zivilisatorische Erbe des Opfers. Seine Existenzbedingungen sind die Geldwirtschaft, die Bekenntnislogik und das Inertialsystem, die durch Gefängnisse, Schlacht- und Irrenhäuser in der Realität sich verankern und so logisch zusammenhängen (sie bilden gemeinsam die Grundlage der hierarchischen Organisation des Staates): Verweisen sie nicht auf die gesellschaftlich-logischen Ursprünge des Materiebegriffs?
    Unschuldsfalle: Die Logik der Sprache (die Grammatik), wenn sie von der Schuldreflexion sich befreit, wird beherrscht von der Logik der Unmittelbarkeit, die selber dem historischen Prozeß unterliegt (sie wird vorgegeben durch den Weltbegriff). Ihr Gravitationszentrum ist der Dingbegriff oder das Substantiv. Gegenstand der modernen Sprachen ist nicht mehr die Sache; damit aber wird die Beziehung der Sprache zur Wahrheit storniert: Wird nicht die Sprache am Ende selber zum Opfer ihrer eigenen Logik?
    Zusammenhang von Sprache und Licht (oder die Mühle des Begriffs und die Idee der Verklärung): Beide, Sprache und Licht, verschwinden im Prozeß ihrer Vergegenständlichung. Und die Materie, (Medium des Schuldverschubsystems und Produkt der Mühle des Begriffs) ist der Müll des verrotteten Namens (der Abfall der benennenden Kraft der Sprache).
    Müllproduktion: Wer die Gesichter der Leute beim christlichen Gottesdienst beobachtet, wird sich des Eindrucks des Dösens (eines insbesondere beim Singen produzierten Gesichtsausdruck) nicht entziehen können. Ist dieses Dösen nicht der Ausdruck einer „Andacht“, die zwanghaft zum Gebet das Objekt gesucht hat (die andächtig hat beten wollen) und die vergeblichen Bemühungen am Ende aufgegeben hat. Und heißt nicht die Anstrengung, zum Gebet ein Objekt hinzuzudenken (die auf Gott nicht anwendbar ist): den Erkenntnischarakter des Gebets durchstreichen, ist sie nicht Teil des Verfahrens der religiösen Müllproduktion (der Selbstverfluchung nach der dritten Leugnung, Ursprung des Greuels am heiligen Ort)?
    Das Entsorgungsproblem gibt es heute nicht nur bei der sogenannten zivilen Nutzung der Atomenergie, sondern im Kern des historischen Prozesses, beim Stand der Aufklärung selber: sowohl bei der Wissensproduktion (im Universitätsbetrieb) wie auch in den Religionen, in denen es die Gebete der Heiligen nicht mehr zu geben scheint.

  • 4.4.1994

    Hegel verwechselt das Andere mit dem Selbst (substituiert dem Andern das Selbst: Ursprung der verandernden Kraft der Hegelschen Logik).
    Gott und das Absolute unterscheiden sich durch die Umkehr: Das Abolute verdankt sich dem Schein, Gott ohne Umkehr erkennen zu können; allein im Bannkreis des Absoluten verwandeln sich die Attribute des Handelns in Attribute des Seins: der göttlichen „Natur“ (ontologisches Vorurteil).
    Unterm Bann des Weltbegriffs hat das Christentum (mit der Vorstellung einer absoluten Vergangenheit, mit der Trennung der Zeiten vor und nach Christus) die negativen Zahlen erfunden (und damit die Form der äußeren Anschauung, die Form des Raumes begründet und konsolidiert und der Idee der Umkehr den Weg verstellt). Voraussetzungen waren:
    – die Entdeckung des Winkels durch die Griechen (Orthogonalität und Philosophie) und
    – die Entdeckung der Zahl Null durch die Araber (den Islam); die Erfindung der negativen Zahlen war selber dann die Voraussetzung der
    – Konstituierung des Inertialsystems (Grund der modernen Aufklärung).
    Die Phasen dieser Geschichte haben ihre theologische Entsprechung
    – in der Begründung des Dogmas (der Orthodoxie),
    – der Lehre von der creatio mundi ex nihilo (mit der Ausgestaltung durch den katholischen Mythos: insbesondere durch die in den Raum projizierte – und so instrumentalisierte – Eschatologie: Himmel, Hölle und Fegfeuer) und
    – am Ende in der Konstituierung der Bekenntnislogik (mit der endgültigen Subjektivierung des Glaubens verschwindet die Kraft zur Häresienbildung, da sie in den Kern der Orthodoxie selber eingewandert ist: der Greuel am heiligen Ort).
    Orgelmusik: Läßt sich der Charakter christlicher Gottesdienste nicht am deutlichsten daran ablesen, daß selbst das Singen alle Zeichen der Passivität (der Trägheit, der das Singen gleichsam von außen aufgeprägt wird, der es nur widerfährt) aufweist? In diesen Gottesdiensten ist das Wirken der Bekenntnislogik, ihrer selbstentfremdenden und zugleich welt- und gemeinschaftsbildenden Kraft, mit Händen zu greifen. – Nimmt das entsetzliche Blockflötenspiel in „modernen“ Gottesdiensten nicht das Orgelspiel (das musikalische Pendant der Konfession) nur in eigene Regie (und entspricht es nicht einer kirchlichen Architektur, die nach dem Kriege die Außenwände nach innen gekehrt: die Außenwelt zur Innenwelt gemacht hat, gegen die keine Widerstandskräfte mehr zugelassen werden; beides Formen der Identifikation mit dem Aggressor)?

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