Zieht nicht das Fernsehen die Menschen aus dem Verkehr, verändert es nicht die Sprache auf beiden Seiten des Geräts in Richtung Verstummen?
Das Problem des Dings (oder das Problem der Hegelschen Logik) ist das des Inertialsystems oder das der Orthogonalität (auch die Beziehungen des Raumes zur Zeit und zur Materie sind Orthogonalitätsbeziehungen: erst die Materie neutralisiert die benennende Kraft der Sprache). Die Orthogonalität gründet in der versäumten Umkehr: sie ist (zusammen mit der Vorstellung der Materie und der homogenen Zeit und mit der Hegelschen Logik) das Produkt der Instrumentalisierung der Umkehr (wie das Dogma das der Instrumentalisierung des Kreuzestods).
Seit Hegels List der Vernunft, in der die Schuld des Systems sich einbekennt, gibt es zum Zynismus keine Alternative mehr.
Der Monotheismus ist intolerant, weil er die Idee des Absoluten – den Schatten, den das Ich auf Gott wirft – mit Gott verwechselt. Das Absolute ist ein Reflexionsbegriff, von dem des Relativen (wie auch vom Ich) nicht zu trennen. Gott hingegen ist ein Name, und nur der Name entzieht sich der Logik der Reflexion.
Von wem stammt der Satz, daß Gott das Maß aller Dinge sei (vgl. Enzyklopädie I, S. 224f, Zusatz zu 111)?
Hegel verwechselt beim quantitativen Verhältnis (Enzyklopädie I, 105, Zusatz) den Quotienten mit dem Exponenten.
Die Ruhe des siebten Tages ist eine Ruhe von der Zeit, nicht in der Zeit. Und das Realsymbol dieser Ruhe ist der Sabbat, der etwas anderes ist als die dies dominica. Aber was bedeutet es, wenn es heißt, daß der Menschensohn Herr über den Sabbat ist, und gibt es eine Beziehung dieses Satzes zu der Befreiung Maria Magdalenas von den sieben unreinen Geistern: Ist diese nicht das Zeugnis für die Herrschaft des Menschensohnes über den Sabbat (und die doppelte Erinnerung des Sabbats an den siebten Schöpfungstag und an den Exodus, die Befreiung aus dem Sklavenhaus Ägypten)?
Jeder Fundamentalismus ist ein Opfer des verdinglichten Bewußtseins: das Opfer einer Logik, aus deren Kritik die Theologie erst wieder zu gewinnen, zu rekonstruieren wäre.
Sind Gelb und Rot Farben der Verdrängung, während Blau eine Farbe der Sehnsucht ist? Ergibt sich das nicht zwanglos aus der Beziehung dieser Farben zu Licht und Finsternis, aus ihrem Zusammenhang mit den Leiden und Taten des Lichts?
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06.03.94
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05.03.94
Belästigen und belasten, unerträglich und tragbar (zumutbar): Welche Last ist im Lande der unbegrenzten Zumutbarkeiten gemeint?
Die Welt ist alles, was der Fall ist: Sie ist alles, was unter den Begriff, unters Urteil fällt. Und Urteile werden (wie Bäume) gefällt.
Wenn der Begriff und die Logik etwas mit der Gravitation zu tun haben, gründet dann die Sprache im Licht? Aber die Last ist beim Namen zu nennen: das Schwere ins Licht zu bringen. -
3.3.1995
Ist nicht Gunnar Heinsohn Opfer seines eigenen historischen Objektivitätsbegriffs geworden? Seine These, daß Hitler die Judenvernichtung angeordnet habe, um mit den Juden die Erinnerung an das Tötungsverbot zu tilgen, ist von der Motivation her wahr; nur gilt diese Motivation für den Antisemitismus insgesamt, und Hitler unterscheidet sich von den Antisemiten sonst durch durch das Maß an Konsequenz, durch den pseudomessianischen Akt: Er legitimiert sich als Führer dadurch, daß er in vollem Bewußtsein der Konsequenzen die Verantwortung für diesen Antisemitismus übernimmt; er nimmt „die Sünde der Welt“ auf sich (er nimmt den Tätern die Schuld ab, in die er sie doch zugleich verstrickt). Es geht in der Tat nicht um die Juden; eine Erinnerung tilgt man nicht, indem man die Träger dieser Erinnerung vernichtet. Zur beabsichtigten Wirkung der „Endlösung“ gehört sowohl die Binnenwirkung der Komplizenschaft (der „Treue“: wer in diese Taten verstrickt ist, kommt davon nicht mehr los) als auch die Außenwirkung des Terrors („wat denn, icke mir uffhängen lassen, lieber gloob ick an’n Sieg“) mit dazu: die irrationale Kommunikation der Gewalt als Verdrängungshilfe, ohne die das Tötungsverbot nicht aufzuheben ist. Ohne den gesamtgesellschaftlichen Resonanzboden, der selber zu dechiffrieren wäre, allein durch den Rekurs auf die Absicht und den Willen Hitlers wäre diese Tat nicht möglich gewesen. Dieser „Resonanzboden“-Effekt hat am Ende des Krieges, als das Konstrukt in der Niederlage implodierte, den ungeheuren Rechtfertigungsdruck erzeugt, der die Nachkriegsgeschichte in Deutschland beherrscht (und alle Voraussetzungen des Wiederholungszwangs in sich birgt). Selbst der Erklärungsbedarf steht unter diesem Rechtfertigungszwang und müßte ihn in die Reflexion mit aufnehmen, wenn er wirklich zur Befreiung beitragen soll. Ich habe das Gefühl, daß die heinsohnsche Form der Verarbeitung des apokalyptischen Aspekts dieser Geschichte (Entschärfung der Apokalypse durch Neutralisierung, durch Reduktion auf die Erinnerung an eine längst vergangene Naturkatastrophe, als hätten wir nicht das Objekt für das Studium der Apokalypse in der jüngstvergangenen gesellschaftlichen Naturkatastrophe vor Augen).
Gunnar Heinsohn scheint alle bisherigen „Auschwitz-Theorien“ nur als Konkurrenz zum eigenen Konzept wahrzunehmen; und es gehört schon einiges dazu, allen bisherigen Reflexionen über Auschwitz (so u.a. den Studies in Prejudice, der Dialektik der Aufklärung, oder etwa dem Werk Hannah Arendts) bloß „Ratlosigkeit“ zu attestieren, um dann sein eigenes Werk als die gleichsam endgültige Lösung des Problems zu empfehlen. Wäre nicht eher von einer gemeinsamen Anstrengung zur Aufklärung des wahrhaft Unbegreiflichen ausgehen. Denn unbegreiflich bleibt diese Tat (wie auch die Welt, in der sie möglich war) für jeden, für den die Moral das sich von selbst Verstehende ist. Das Problem ist eher: Wie müßte die Welt aussehen, wenn man sie unter der Voraussetzung dieses Prinzips zu verstehen versucht; eine Welt, die dem Bann der Ontologie entronnen ist, und deren prima philosophia die Ethik wäre?
Durch seinen Beitrag zur Chronologie-Revision („Die Sumerer gab es nicht“), zur Ursprungsgeschichte des Geldes („Privateigentum, Patriarchat, Geldwirtschaft“), und jetzt zur Erforschung des Antisemitismus („Was ist Antisemitismus“ und „Warum Auschwitz“) hat Gunnar Heinsohn Wesentliches zur Selbstaufklärung der Gegenwart beigetragen. Kann es sein, daß es nur noch einer kleinen Korrektur seines Konzepts bedarf?
Zu Heinsohns Bemerkungen über den Totenkopf wäre an Benjamin zu erinnern, der im Totenkopf die Urallegorie erkannt hat. (Gibt es nicht Gesichter, in denen dieses leere Grinsen des Totenkopfs geronnen, als Charaktermaske eingezeichnet ist? Sind es nicht die „schneidigen“ Profile, die unter Offizieren verbreitet waren, und dann in der SS zum Züchtungsziel der nordischen Rasse geworden sind?)
Tucholskys Satz „Alle Soldaten sind Mörder“ ist zweifellos eine Übertreibung; aber gibt es nicht im Bereich des Soldatischen ein Magnetfeld, das seine Anziehungskräfte vor allem auf einen disziplinierten Mordtrieb ausübt, auf die, die zur Ausübung dieses Triebs die institutionelle Deckung (den „Befehl“) brauchen? Und ist es nicht gerade dieser disziplinierte Mordtrieb, der so empfindlich auf den Vorwurf in dem Satz Tucholskys reagiert?
Die Geschichte der naturwissenschaftlichen Aufklärung, die nicht zufällig mit der Astronomie beginnt (sowohl in der Antike, als auch in der modernen Welt), ist ein Teil des Gattungsprozesses der Menschheit.
Das Angesicht steht für die Fähigkeit, sich mit anderen zu identifizieren, für die Empathie und Barmherzigkeit, dafür daß niemand weiß, ob er selbst anders wäre als einer, den er zu verurteilen geneigt ist, wenn er ernsthaft in seine Situation sich hineinversetzt. So hängt das Angesicht mit Urteil zusammen: Es ist nicht nur die Tötungshemmung, die Emanuel Levinas in ihm erkennt, sondern vielmehr und vor allem eine Urteilshemmung, die zugleich deutlich macht, daß es eine Erkenntnis gibt, die den Rahmen des Urteils sprengt. Auf diesen Sachverhalt bezieht sich das Prophetenwort vom Rind und vom Esel: Diese Urteilshemmung macht die Unterscheidung von Last und Joch erfahrbar.
Die homousia ist das neutralisierte homologein, Produkt der Hellenisierung der Theologie, Anfang der Theologie hinter dem Rücken Gottes. Dieser Neutralisierung verdankt sich der Begriff des Bekenntnisses.
Gründet das Neutrum im Menschenopfer?
Waren nicht die Astrologie und die Alchimie gleichsam Häresien zu einer naturwissenschaftlichen Orthodoxie, die aus ihnen (durch symbolischen Elternmord) sich entwickelt hat? Wie alle Häresien sind sie nur verurteilt, verdrängt und verfolgt, nicht aber aufgearbeitet worden. Während die Astrologie gleichsam die politische Außenseite der Naturwissenschaft repräsentiert, repräsentiert die Alchimie ihre mystische Innenseite. Beide bezeichnen Knotenpunkte der Begriffsgeschichte von Schicksal und Scham.
Der Begriff der Kollektivscham hat den Rechtfertigungszwang, der im Kern der modernen Aufklärung enthalten ist, nur verstärkt, anstatt ihn zu reflektieren.
Der Objektbegriff ist der Pflug, vor den Rind und Esel gespannt sind.
Hodie, si vocem eius audieritis: Dieses Heute tritt ein, wenn der Bann der Natur gelöst ist (mit der Einung des Gottesnamens): Wenn aus den Blinden und Lahmen die, die tun und hören, geworden sind.
Definition der Kommunikationstheorie: Theorie der Signale, mit denen Isolationshäftlinge sich untereinander verständigen (oder auch, nur getrennt davon, ihre Wächter).
Dauer, Folge und Zugleichsein: Gründet nicht die Dauer in der Beziehung von Vorn und Hinten, die Folge in der von Rechts und Links und das Zugleichsein in dem von Oben und Unten (im Verhältnis der Fläche zu der zu ihr gehörenden Normalen)? Ist nicht die Orthogonalität zweier Geraden in einer Fläche zu unterscheiden von der Orthogonalität der Normalen zur Fläche? Kann es sein, daß diese beiden Formen der Orthogonalität sich zueinander verhalten wie die Orthodoxie des Symbolums zu dem der Konfession? -
02.03.94
Ist die Kehrseite der Naturwissenschaften (und ähnlich die der Ökonomie und die des Dogmas und der Bekenntnislogik) elliptisch: Wo ist der zweite Brennpunkt?
Das Interesse an der Erhaltung der Referenzsysteme der Natur, der Ökonomie und der Religion (Inertialsystem, Geld, Bekenntnislogik), die sich ohnehin gegenseitig stützen, der Widerstand gegen ihre Reflexion, ist heute stärker als das Interesse an der Wahrheit.
Was entspricht dem Urknall und dem Schwarzen Loch in der Ökonomie und in der Religion?
Die Rekonstruktion der Bekenntnislogik hat die Entschlüsselung der Sakramentenlehre zur Voraussetzung. Für Augustinus waren das Symbolum und das Herrengebet noch Sakramente, die bei der Taufe übergeben wurden. Wann ist die systematisierte Sakramentenlehre (die Lehre von den sieben Sakramenten) entstanden? Fällt sie nicht unter den gleichen Bedingungszusammenhang wie auch die Konsolidierung der Lehre von den letzten Dingen (Hölle, Himmel und Fegfeuer), die Durchsetzung des Zölibats, der Ursprung der Eucharistie-Verehrung (Fronleichnam) und der Ursprung der Ohrenbeichte; und wird dieser Bedingungszusammenhang nicht durch den neuen, islamisierten (d.h. durch das religiöse Trägheitsgesetz der Ergebung charakterisierten) Weltbegriff, der darin sich abzeichnet, definiert? Ist nicht die Lehre von den sieben Sakramenten (Symptom der Islamisierung des Christentums) bei Thomas von Aquin schon voll ausgebildet?
Die Hegelsche Logik ist die Selbstreflexion des Dings, und ihre Beziehung zur Theologie wäre in dem gleichen Zusammenhang zu bestimmen, in dem der Dingbegriff als die Säkularisationsgestalt der Eucharistie sich erweist. Ist nicht die Philosophie in der Tat der corpus Christi mysticum, aber in der Gestalt des Fronleichnams (der Eucharistie als Symbol des am Kreuz gestorbenen Leibes des Herrn)?
Wie verhält sich der Begriff der Totalität zu dem des Absoluten (oder: wie verhält sich der Faschismus zum Barock)? -
01.03.94
Walter Benjamins Definition „Schicksal ist der Schuldzusammenhang des Lebendigen“ wirft auch ein Licht auf Joh 129. Der Weltbegriff ist aus dem des Schicksals hervorgegangen, er ist das Produkt der Vergegenständlichung dieses Schuldzusammenhangs: deshalb haben Tiere eine Welt. Es käme jedoch darauf an, den Bann des Schicksals, den Schuldzusammenhang, durch Reflexion zu brechen; nur durch „Übernahme der Schuld der Welt“, die dazu die Voraussetzung ist, ist die Welt zu humanisieren.
Charakter ist das Ensemble der Eigenschaften des verdinglichten Subjekts (weil Verdinglichung auf die Logik des Lachens zurückweist, ist der Charakter der erste Gegenstand der Komödie).
Das Lachen gehört zu den Konstuentien der Mathematik, des Ding- und des Weltbegriffs (nicht zu denen des Begriffs der Sache). Ist das Lachen (zusammen mit der Mathematik, dem Ding- und dem Weltbegriff: die Vorstellung einer namenlosen Sprache) Gegenstand der Theorie des Feuers? Der Name des Dings ist ein Deckname fürs unkenntlich gemachte Tier.
Positiv denken heißt sich mit der Rücksichtslosigkeit der gnadenlosen Welt (mit der Rücksichtslosigkeit der Dinge) gemein machen.
Der Weltbegriff bannt die Menschen in die Rolle des Zuschauers und des ohnmächtigen Objekts zugleich (das Fernsehen ist der institutionalisierte Hohn über die Zuschauer, die nicht mehr zu durchdringende Wand zwischen mir und den anderen: das kollektive Gefängnis, in dem alle Insassen und Aufseher zugleich sind); er ist die perfekte Absicherung und das perfekte Alibi fürs Nichthandeln. Durch die Logik der Welt wird das verdinglichte (das bloß zuschauende, von der sprachlich fundierten Gemeinschaft des Handelns abstrahierende) Bewußtsein selber zum Ding. -
28.02.94
Durch die Trennung von Ding und Sache, die durch die Entwicklung der Raumvorstellung (der subjektiven Form der äußeren Anschauung) oder durch den Ursprung und die Entwicklung der Mechanik und der kopernikanischen Theorie, des Relaitivitätsprinzips und des Inertialsystems vermittelt ist, wurde die Sprache ihrer benennenden Kraft beraubt. War die Elementenlehre (Erde, Luft, Wasser und Feuer) hierzu eine Zwischenstufe, wurden in den „Elementen“ nicht Momente des Raumes als gegenständliche Materien (oder der Raum als ein Ensemble gegenständlicher elementarer Materien) vorgestellt, während die Dingvorstellung die Trennung von Raum und Materie (und die Vorstellung einer homogenen Zeit) zur Voraussetzung hat?
Wie verhalten sich Wasser, Wein und Blut (vgl. Noe, die Hochzeit von Kana, die Eucharistie und die christliche Erlösungslehre)?
Zu Ezechiel: Beziehung der Blutschuld zum Blut auf dem Felsen, wäre daran zu erinnern, daß das Blut die Seele des Lebendigen ist.
Hebraismen im NT:
– Mt 2746/Mk 1535 – Eli, Eli, lema sabachthani/ Elohi, Elohi, lama sabachthani (Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, Ps 222)
– Joh 52 – Bethesda (Teich am Schaftor, mit fünf Säulenhallen),
– Joh 1913 – Gabbatha (Steinpflaster, Richtstätte des Pilatus),
– Joh 1917 – Golgatha (die Schädelstätte),
– Joh 2016 – Rabbuni (Lehrer),
– Apg 119 – Hakeldama (der Blutacker),
– Off 911 – Abaddon (Engel des Abgrunds),
– Off 1616 – Harmagedon (Ort der apokalyptischen Endschlacht).
Sind diese Hebraismen nicht allesamt Erinnerungen gegen die Instrumentalisierungen, die mit der Opfertheologie und der Vergöttlichung Jesu der christlichen Theologie fast unauslöschbar sich eingeprägt haben? Ist nicht das Griechische des NT der Kelch, den die Christen trinken sollten?
Enthält das prophetische Symbol der Hurerei nicht auch den Hinweis auf den weiblichen Aspekt Israels, des Gottesvolks (während das Objekt der Hurerei: Assur und Babylon, an den männlichen, patriarchalischen Aspekt erinnert)?
Was hat es zu bedeuten, wenn in der Weissagung Ezechiels gegen den König von Tyros Eden, der Gottesgarten, und der Cherub zitiert werden?
Gehört nicht die Ablenkung der eschatologischen Energien zum Kern der kirchlichen Theologie: durch eine Himmelsvorstellung, die sie neutralisiert und stillstellt? Aber dieses Konzept ist, nachdem der Himmel ins Buch zurückgegangen ist, nicht mehr zu halten. Das theologische Erbe ist als Staub von der Schlange aufgezehrt (und inzwischen ausgeschieden) worden.
Das Wesen ist das Gewesensein, das mit dem Präfix ge- seinen eigenen Ursprung, sein Gewordensein, verdrängt und vergessen hat. Es ist der Inbegriff der Macht der Vergangenheit, die nicht begreift, daß auch das Vergangene eine Gewordenes ist. Das Ding ist das Produkt der Leugnung der Gegenwart.
Wie hängt der von dem des Dings nicht abzulösende Begriff der Eigenschaft mit dem des Eigentums zusammen?
Die Sünde der Welt ist der Grund des Schuldzusammenhangs, der als Natur dann erscheint. -
27.02.94
Hängt die Trennung von Ding und Sache mit der Bildung der Personalpronomina und dem Gebrauch von Hilfsverben bei der Bildung der Tempi der Verben zusammen?
Gibt es nicht ähnlich wie einen objektiven Begriff der Verdrängung auch ein objektives double-bind-Syndrom (in der Struktur des Dingbegriffs), die mit dem Dingbegriff gesetzte objektive verblendende und das Handeln lähmende Zweideutigkeit: seinen mythischen, dämonischen Kern; und haben die Lahmen und Blinden der Bibel damit etwas zu tun? Gibt es einen Zusammenhang der Botschaft Jesu an den Täufer mit der der Folge der Werke im Schöpfungsbericht?
Ist nicht die moderne Atomvorstellung Produkt der gleichen double-bind-Logik, die zuvor die Äthervorstellung beherrschte, die mit der speziellen Relativitätstheorie in der Struktur des Systems sich auflöste.
Das Geheimnis der logischen Äquivalenz des Einzelnen und Allgemeinen wird in der Hegelschen Logik ausgesprochen, in dem Satz: Das Eine ist das Andere des Anderen. Indem das Eine zum Anderen wird, wird es eo ipso zu allem Anderen (zum Objekt, das alle anderen Objekte repräsentiert).
Die Natur ist das An sich, die Welt das Für sich, das Wissen das An und für sich des Andersseins.
Die moderne Sprachwissenschaft scheint das Problem des Namens nur noch als das der Eigennamen (von Personen, Orten, Flüssen u.ä.) zu kennen; das darin verborgene Problem der benennenden Kraft der Sprache scheint für sie gegenstandslos geworden, verdrängt und vergessen worden zu sein. Damit ist das Sprachproblem selber aus dem Blickfeld verschwunden.
Der Rechtfertigungszwang ist der Grund und das Produkt der instrumentalisierten Urteilslust: der Hurerei.
Alle Ursprungsprobleme (auch das des Ursprungs des Weltbegriffs) sind Zielproblem: sie beziehen sich nicht nur auf Vergangenes, sondern ebenso auf Unabgegoltenes, noch nicht Herausgebrachtes, auf ein Noch-nicht-Sein. Das was vorher war, ist das uneingelöste Zukünftige im Vergangenen.
Es gibt – wenn der Ausdruck hier erlaubt ist – eine eigene Logik der biblischen Symbole wie Schwert, Kelch, Dornen und Disteln, Schlange.
Gibt es eigentlich eine Beziehung der drei theologischen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe (vgl. hierzu 1 Kor 1312) zu den drei Totalitätsbegriffen Wissen, Natur und Welt? Das Wissen zerstört den Glauben, die Natur die Hoffnung und die Welt die Liebe; die Zeit der Harmonisierbarkeit ist abgelaufen.
Zum Suffix -schaft (Gesellschaft, Wissenschaft, Gemeinschaft): Es gibt eine Mannschaft, während der Begriff der „Frauenschaft“ eine künstliche Bildung der Nazis war. -
26.02.94
Ez 23 und 24:
– Die Hurerei mit Assur ist real, die mit Babylon läuft über das Bild an der Wand.
– Was bedeutet in 24 das Blut auf dem Felsen (das nicht im Sand versickert und nicht vom Staub bedeckt wird) als Symbol der Blutschuld. Hat es etwas mit dem nt’lichen Bild vom Haus auf dem Felsen, im Gegensatz zum Haus im Sand, zu tun? Ist die Kirche der Fels der Blutschuld, und hat der Fels etwas mit der Leugnung zu tun? Ist die Leugnung der Grund, auf den das Haus gebaut ist, und der Fels das steinerne Herz der Welt?
Das Ende des „Stern der Erlösung“ enthält den entscheidenden Einspruch gegen die Gnosis: Nicht die Erkenntnis ist die Erfüllung, sondern das Leben, das durch Erkenntnis ermöglicht wird. Gibt es für die Idee der seligen Anschauung Gottes, dessen Ursprung wahrscheinlich die aristotelische theoria ist, einen biblischen Beleg? Das Neue Jerusalem bedarf der Sonne nicht mehr, weil Gott selbst die Stadt erleuchtet; aber er erleuchtet die Stadt, er wird nicht selber angeschaut. Ist die Idee der seligen Anschauung Gottes, wenn sie von ihrem telos, vom richtigen Leben, getrennt wird, der Kern der Sünde der Welt, die Kraft, die das Herz versteinern macht? Wie verhält sich das zu 1 Kor 1312: „Wir sehen jetzt mittels eines Spiegels in rätselhafter Gestalt, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt ist mein Erkennen Stückwerk, dann aber werde ich völlig erkennen, wie auch ich völlig erkannt worden bin.“?
Kann es nicht sein, ja ist der Gedanke nicht geradezu logisch zwingend, daß, wenn es einem Pfarrer gelungen wäre, den Oskar Schindler zur kirchlichen Sexualmoral zu bekehren, er seine Tat nicht hätte vollbringen können?
Was hat es eigentlich mit der Hallstimme auf sich (die auch im NT sich findet), und seit wann gibt es sie nicht mehr? -
25.02.94
Die Beantwortung der Frage, ob Raum und Zeit unendlich ausgedehnt sind, oder ob die Materie unendlich teilbar ist, hängt ab von der logischen Gewichtung des Andersseins (von der Bedeutung des Weltbegriffs): sie hängt von der Fähigkeit zur Schuldreflexion: von der Vorentscheidung ab, ob die Ontologie oder die Ethik als prima philosophia begriffen wird. Die exkulpierende Kraft des Wissens (und das Bedürfnis, davon Gebrauch zu machen) begründet die These der unendlichen Ausdehnung von Raum und Zeit und bedarf ihrer zu ihrer eigenen Absicherung und Rechtfertigung; sie ist zugleich der Grund, aus dem die Idee des Absoluten (der Schatten Gottes, der ihn verdeckt) sich speist. Hier ist die „Sünde der Welt“, die am Zusammenhang des Begriffs der Totalität mit dem des Absoluten sich demonstrieren läßt, mit Händen zu greifen.
Das Zwischenglied zwischen den Begriffen der Totalität und des Absoluten ist das Ich: Die Totalität definiert sich unter Ausschluß des Ich, das Absolute durch Einbeziehung des Ich; jene ist das An sich des Absoluten, dieses das Für sich der Totalität, beide stehen in dieser Hegelschen Reflexionsbeziehung und sind als Unterschiedene unmittelbar identisch. Hat nicht unter den Totalitätsbegriffen der der Welt ein gewisses prius, während der des Wissens an den Absolutheitsbegriff sich anschließt? Beide stehen unter dem Vorzeichen der Säkularisation, deren Geschichte mit dem Absolutismus (und der Geschichte der Hexenverfolgung) anhebt und im Totalitarismus (in Auschwitz) endet.
Am zweiten Tag schuf Elohim die Feste (den Staat), die die oberen von den unteren Wassern scheidet, und nannte sie Himmel; am fünften Tag die großen Meerestiere (die Nationen).
Stämme, Sprachen, Völker und Nationen:
– Die Stämme gründen in den Genealogien,
– die Sprachen im Turmbau zu Babel (in der Folge der Sintflut),
– Völker sind Schicksalsgemeinschaften, deshalb mythisch organisiert: in Selbstabsperrung von der Offenbarung; sie gründen im Kontext des Privateigentums und in der beginnenden Geldwirtschaft,
– Nationen sind staatlich organisierte Völker.
Stämme und Sprachen liegen vor, Völker und Nationen nach der durch den Weltbegriff bezeichneten Zivilisationsschwelle.
Gehört die Erfindung der Sumerer zur dritten und die Erfindung der Karolinger zur zweiten Leugnung?
Gründet Habermas‘ „neue Unübersichtlickeit“ in dem Zweifel an der These, daß die technischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen für eine Gesellschaft ohne Hunger und Krieg schon gegeben seien? -
24.02.94
Wirft die Bemerkung in der Enzyklopädie, 262 Anm.: „Die Schwere ist sozusagen das Bekenntnis der Nichtigkeit … der Materie“ nicht auch ein Licht auf den Begriff des Bekenntnisses, auf seinen naturphilosophischen Grund und logischen Stellenwert: auf seinen Zusammenhang mit dem Fall?
Die Konstitution des Objekts, der Neutralisierungsprozeß und die Geschichte der drei Leugnungen: Erst die dritte Leugnung trennt das Ding von der Sache, während die res publica (die Astronomie und der Staat) zur ersten Leugnung gehört. Die Hegelsche Logik ist als das Bewegungsgesetz der Herrschaftsgeschichte der bewußtlose, gleichsam selber naturhafte Nachvollzug der Geschichte der drei Leugnungen. -
23.02.94
Der moderne Existenzbegriff (wie auch die ontologische Mode) schneidet mit der logischen auch die Reflexion auf gesellschaftliche Vermittlung ab, in der sich das Zweideutige der logischen enthüllt: Gesellschaftliche Reflexion ist Schuldreflexion, die sowohl, wenn sie aus Exkulpationsgründen projektiv betrieben wird, der Selbstentlastung dienen, als auch, wenn sie die Schuldreflexion mit einschließt, auf Veränderung, Versöhnung abzielen kann. Fehler der logischen Reflexion ist es, daß sie diese Zweideutigkeit neutralisiert, beide Momente glaubt zusammenschließen zu können: Darin gründet die Idee des Absoluten, der Mythos der Logik. Ist die Logik das „zweischneidige Schwert“ (Ps 1496, Spr 54, Hebr 412, Offb 116, 212).
Der Existenzbegriff bei Kierkegaard ist nur ein schiefer Ausdruck für das, was Emanuel Levinas die Asymmetrie in der Beziehung des Ich zum Andern (zum Du) genannt hat.
Der Objektbegriff wird aus drei Quellen gespeist:
– aus der naturwissenschaftlich-technischen Vergegenständlichung der Dinge in Raum und Zeit (hic et nunc),
– aus dem unter den Bedingungen des Privateigentums, der Geldwirtschaft, des Tauschprinzips entspringenden Warencharakter der Dinge und
– aus der Bekenntnistheologie und ihrer opfertheologischen Zuspitzung zur Eucharistieverehrung.
Auch für den Objektbegriff gilt wie für die Eucharistie: Praestet fides supplementum, sensuum defectui (Thomas von Aquin: Pange, lingua, gloriosi). Ist das nicht ein Hinweis auf die Stellung der Sakramente zur Objektivität insgesamt:
– Die Taufe und das Wasser (das Wasser im Schöpfungsbericht, die Sintflut, Thales),
– die Buße, die Exkulpation und das Binden durch Lösen,
– die Eucharistie, das Opfer und das Ding (Trennung von Ding und Sache),
– die Firmung und das Selbst (Glaube, Bekenntnis und Autonomie),
– die Priesterweihe und die Instrumentalisierung der Versöhnung (Religion und Herrschaft),
– die Ehe, das Patriarchat, das Inzestverbot, der Staat und das Privateigentum,
– die letzte Ölung, der Messias und die sieben unreinen Geister (die Salbung Jesu durch die „große Sünderin“, Maria Magdalena, die Frauen beim Grabe und die erste Zeugin der Auferstehung)?
Ist die kirchliche Sakramentenlehre Produkt einer Umkehrung der Astrologie (Produkt der Verinnerlichung des Opfers und der Etablierung des Herrendenkens)? Wie hängen die Sakramente (von der Taufe über die Buße, die Eucharistie, die Firmung, die Priesterweihe und Ehe bis zur letzten Ölung) mit den Symbolen und Bedeutungen der Planeten (Sonne, Mond, Merkur, Mars, Jupiter, Venus und Saturn) zusammen?
Wer das Rätsel der Hegelschen Philosophie löst, löst den Knoten, den Alexander nur durchschlagen hat (während Hegel ihn erneut geschürzt hat).
Ist nicht das Procedenti ab utroque (im Pange, lingua) der konkrete Einspruch gegen das ne-utrum, das Hegel in der Idee des Absoluten restituiert und vollendet hat? – Wenn das Ding die Ursprungsgestalt des Absoluten (der absoluten Neutralisierung) ist, dann ist der Heilige Geist (das verteidigende Denken) der konkrete Einspruch gegen die Verdinglichung (das richtende Denken). -
22.02.94
Das Ding ist das logische Korrelat des Objektbegriffs in der Transzendentalphilosophie. Im Verhältnis des Dings zu seinen Eigenschaften wird das Haben ins Sein mit hereingenommen (oder manifestiert sich das im Sein verborgene Haben): Reflex der Herrschaft des Privateigentums und des Tauschprinzips (Zusammenhang mit der Geschichte des Staats und der Banken?). Das Ding ist das logische Resultat der Verurteilung (wie es sprachlich aus dem Thing, dem Ort der Verurteilung, hervorgegangen ist), nicht aufzulösen ohne Reflexion des Verhältnisses von Recht, Schuld und Strafe.
Das Ding ist der Gefangene seiner Eigenschaften, wie der Täter der Gefangene seiner vergangenen Taten: Wer gemordet hat, ist ein Mörder und wird dazu verurteilt, es zu sein.
Die moderne Ontologie gründet darin, daß sie vor der Reflexion des Dings kapituliert hat, es bloß verschweigt und verdrängt. Paradigmatisch die durchgehende Verwechslung von Sein und Seiendem, die Übersetzung des Titels „De ente et essentia“ durch „Über das Sein und das Wesen“.
Grund ist das Verständnis der Philosophie als Existenzphilosophie, der den Existenzbegriff trotz des Anklangs an die ökonomische Sphäre als ein Unmittelbares festhält, die Vermittlung dieses Begriffs durchstreicht und vergißt (in der Folge wird bei Heidegger das Subjekt zum Dasein). – Vgl. Hegels Enzykopädie 138. Die Existenzphilosophie ist zur Existenzphilosophie geworden, nachdem sie die Existenz vom Grund getrennt und das Argumentieren verlernt hat. Oder anders: Die Existenzphilosophie fällt unter das Gesetz der Hegelschen Logik, während es darauf ankäme, dieses Gesetz (nämlich das der Reflexion) endlich selber zu reflektieren, anstatt ihm blind zu gehorchen. Vgl auch 142 Anm.: „Die Existenz ist unmittelbare Einheit des Seins und der Reflexion, daher Erscheinung, kommt aus dem Grunde und geht zugrunde.“
Das Ding ist das geheime Zentrum der Hegelschen Logik und die Ursprungsgestalt des Absoluten: der Grund seiner Unwahrheit. Wenn das Absolute der Schatten Gottes ist, so ist das Ding der Schatten des Absoluten. (Ist nicht das Scheinen bei Hegel der Schatten, den das Absolute auf die Dinge wirft, das Gegenteil des Lichts der Erlösung?)
Wenn man begreift, wodurch das Ding und seine Eigenschaften von dem Verhältnis der Substanz zu den Akzidenzen (aus der deutschen Übersetzung dieses Verhältnisses ist das Ding wahrscheinlich einmal hervorgegangen) sich unterscheidet, begreift man den Grund der modernen Philosophie (des Nominalismus).
Der Dingbegriff ist das gegenständliche Korrelat des Weltbegriff, er verankert den Weltbegriff in der Objektivität. Er ist ein zugleich unkenntlich gemachter Deckbegriff fürs Tier. Er vertritt das Tier, von dem er zugleich abstrahiert: Letzte Konsequenz der Kritik des Anthropomorphismus (Folge der Neutralisierung der Astrologie nach der kopernikanische Wende).
Kriege sind Erbschaftsstreitigkeiten in einer Welt und am Ende (als Weltkriege) um eine Welt, die durch ihre Beziehung zum Eigentum sich definiert: die Welt ist selber zum herrenlosen, der nationalen Aneignung frei verfügbaren Gut geworden (vgl. Heideggers Begriffe des Vorhandenen und Zuhandenen).
Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie