Ist die schechina das Reich Gottes? Und ist die Nähe des Reiches Gottes eine zeitliche?
Die Umkehr ist das genaue Gegenteil all der Fluchtbewegungen, als welche die Religionen sich heute anbieten. Jede Fluchtbewegung führt nur in die Verstrickungen wieder herein, aus der nur die Umkehr herausführen kann.
Das liberale Motto: Leistung muß sich wieder lohnen, wäre an seiner Umkehrung zu messen: Ist alles, was sich heute „lohnt“ damit als Leistung ausgewiesen? Interessante Fragen: In welcher Relation stehen die Geldbewegungen und Gewinne an der Börse zu den leistungsbezogenen „Personalkosten“ eines Unternehmens? Und in welcher Beziehung stehen sie zu den („arbeitsplatzschaffenden“) „Investitionen“, auf die sie ideologisch bezogen werden? Der spekulative Anteil an den Geldbewegungen im Spätkapitalismus (in dem u.a. die Leistungen des Staates, der Gesellschaft, die die Infrastruktur bereitstellen, mit gerechnet werden) verweist fast direkt auf dessen astronomischen Hintergrund.
Wurden die Sparkassen erfunden, als man wegen der spekulativen Zirkulation für die effektiven Kredite (für „Investitionen“) billiges Geld brauchte? Haben Börsen- und Bodenspekulation nicht einen gemeinsamen (ökonomischen und transzendentallogischen) Grund?
Irrationale (vom Leistungsprinzip abgelöste) Geldbewegungen finden statt im Show-Business (einschl. der Fernsehreligion, zu der auch der Sport gehört), im Bankengeschäft, insbesondere im spekulativen Geschäft (paradigmatisch das Termingeschäft: Brecht und die Getreidebörse, Herstatt-Krise, VW-Krise, Metallgesellschaft).
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07.01.94
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06.01.94
Verhalten sich der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis zueinander wie Sprache und Mathematik? Und läßt die Frage der Schlange nicht den Schluß zu, daß sie (verstrickt in die Gesetze der transzendentalen Logik) den Baum des Lebens nicht sieht?
Der corpus Christi mysticum ist ein Sprachleib. Dieser Satz erläutert und widerlegt die Transsubstantiationslehre zugleich.
Ist die Lehre von der Gewaltenteilung ein Säkularisat der Trinitätslehre (und wie diese durch den Caesarismus vermittelt)? Und ist (mit dem Caesarismus) nicht die Zeit beider abgelaufen?
„Gezeugt, nicht geschaffen“: Als (mit der Trennung von Schöpfung und Zeugung) die politische Dimension der Sexualmoral ausgeklammert wurde, ist die Theologie sexistisch und frauenfeindlich geworden. Aber genau das war die logische Folge der theologischen Rezeption des Weltbegriffs (und einer Opfertheologie, die die Vorstellung mit einschließt, die Welt sei durch den Kreuzestod Jesu entsühnt worden).
Zur Geschichte der drei Leugnungen: Die erste Leugnung endete in der Pornokratie, die zweite in der Pornographie; und worin wird die dritte enden?
Gibt es nicht schon zu viele Dinge, über die man in der Theologie heute nicht mehr nachdenken darf; dazu gehören:
– die Zeugung des Sohnes durch den Vater,
– die Bedeutung der Eucharistie („dies ist mein Fleisch; esset alle davon“),
– die Entsühnung der Welt durch den Kreuzestod,
– das „Kruzifix“ (schon dieser entsetzliche Begriff).
Ist nicht die Sexualmoral selber ein Produkt des Sexismus? -
05.01.94
Das Absolute ist der Reflex des Todes (der Herrschaft der Vergangenheit) in den Dingen: die Besiegelung der Verworfenheit der Welt, oder die Besiegelung der Verzweiflung, die nicht mehr daran glauben kann, daß die Natur siegen (die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwinden) wird.
Beziehung von Natur, Staat und Kirche zur Trinitätslehre?
Die Geschichte der drei Leugnungen gründet in der Geschichte der theologischen Rezeption des Weltbegriffs.
Theologie im Angesicht Gottes: die Antizipation des Jüngsten Gerichts oder eine Theologie, die dem Jüngsten Gericht standhält.
Wer Lachen sät, wird Weinen ernten.
Die episkopale Religion ist die institutionalisierte Religion für andere: die Religion der Aufseher und Vormünder (als welche sie heute von den Laien, den Gläubigen, übernommen und mißbraucht wird).
Ist nicht der Ausdruck die „sieben Kirchen in Asien“ (in der Johannes-Apokalypse) sehr viel deutlicher und genauer als die Übersetzung: die „sieben Gemeinden in Asien“?
Hat Horkheimers Satz über das Christentum („keine menschenfreundlichere Religion …“) etwas mit Getsemane zu tun?
Hängt nicht das „hodie genui te“: Heute habe ich dich gezeugt, mit den toledot zusammen, damit, daß das Schöpfungswerk auch eines der Zeugungen ist? Und gehört nicht die creatio mundi ex nihilo zum Bekenntnisdogma „gezeugt nicht geschaffen“, zu einem Schöpfungsbegriff, der von dem der Zeugung getrennt wurde und in dem dann Himmel und Erde zur Welt zusammenschrumpfen?
Liegt in der Trennung von Schöpfung und Zeugung der Grund der caesarischen Theologie, die (bei Hegel nachklingende) Begründung der Monarchie? Augustus war ein Adoptivsohn des Caesar und hat dessen Namen als Titel angenommen (und wurde Saulus nicht doch durch Adoption durch den zyprischen Statthalter Sergius Paulus zum Paulus?).
Bezeichnet nicht die Trinitätslehre, insbesondere in der Gestalt des Parakleten und im Kontext der Sünde wider den Heiligen Geist, den Umkehrpunkt, den Paulus beschreibt, wenn er darauf verweist, daß Jesus dem Vater am Ende alles übergeben wird, und dann „wird Gott alles in allem sein“ (1 Kor 1528), welchen Satz Franz Rosenzweig unter Hinweis auf das Prophetenwort korrigiert hat: dann „wird Gott einzig sein, und seine Name einzig“ (Sach 149).
Zur Kritik der Inkarnationslehre: Ist nicht im Kontext der Welt-Theologie das Wort in der Tat Fleisch (und das Christentum zu einer Art spiritualisiertem Kannibalismus) geworden?
Ist nicht Jakob, der Betrüger (vgl. Hos 124), erst durch den Kampf mit dem Engel zum Israel geworden? -
04.01.94
Der Satz, daß Gott die Welt erschaffen hat, ist nicht aus Gen 11, sondern 121 abzuleiten: aus der Erschaffung der großen Seeungeheuer.
Ist nicht der Klassenkampf ein Vorgang ebenso in der Realität wie in der Sprache: eine Manifestation des Herrendenkens? Wer die Macht hat, Fakten zu schaffen, braucht seine Begründungen nur noch diesen Fakten anzupassen: er spottet jeder Argumentation (wie die Reklame und die Propaganda). Zu klären wäre das Verhältnis von wirtschaftlicher Macht und politischer Gewalt, der materiellen Gewalt der Ökonomie zum Gewaltmonopol des Staates: wirtschaftliche Macht ist Macht über Objekte, politische Gewalt Gewalt über das Leben und die Sprache. Die Ökonomie herrscht über Erscheinungen, die Politik über die Namen.
Nur der Staat hat Militär und Polizei, wobei das Militär das Gewaltmonopol des Staates nach außen, die Polizei nach innen wahrnimmt. Heute, da das Militär immer mehr die Funktion einer Weltpolizei in einer durch die Ausbreitung der Marktmechanismen geeinten Welt wahrnimmt, sind Innen und Außen nur noch relativ, im Verhältnis zueinander zu unterscheiden (Außenpolitik als Welt-Innenpolitik).
Die beiden Asylrechtsfälle, die heute in der Rundschau zitiert wurden, haben mit Sicherheit keine dienstrechtlichen Folgen für die verantwortlichen Sachbearbeiter gehabt. Reicht eigentlich noch die Empörung auslösende Beschreibung der Fälle, käme es nicht darauf an, den systematischen Zusammenhang, in dem sie möglich waren (und weiterhin sind), zu analysieren? Sie haben paradigmatische Bedeutung für die Wahrheit des Satzes, daß Gemeinheit kein strafrechtlicher Tatbestand ist. Der Grund liegt in der Beweislogik, aus deren Analyse allein noch die Grenzen des Rechtsstaats sich bestimmen lassen. Läßt sich nicht die Differenz zwischen der politischen Rechten und der Linken aus ihrer Beziehung zu dieser Gemeinheit bestimmen: Während die Linke die folgenlose Empörung über die Gemeinheit zu mobilisieren sucht, macht die Rechte sie sich zu eigen und versucht, sie zu übertrumpfen. An den Grund der Gemeinheit rührt keiner von beiden. Hängt es nicht mit ihrer Beziehung zur Gemeinheit zusammen, wenn die Rechten Gräber schänden (die Wahrheit der „Versöhnung über Gräbern“ drückt sich darin aus) und die Linken Mausoleen errichten (letzte Folge des Heroen- und Reliquienkults)?
Mit zu reflektieren ist die systemlogische Beziehung des Rechts zur Wahrheit: Rechtsgültige Urteile sind wahr, auch wenn sie falsch sind. Und wer je zum Objekt des Polizeihandelns geworden ist, weiß, daß, was nicht beweisbar ist, auch nicht existent ist. (Hierher gehören die Usancen beim Fußballspiel, wenn die Spieler jede Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters hinzunehmen haben, auch wenn sie falsch war: Einübung in den Rechtsstaat.)
Bemerkung eines Mitglieds der Geschäftleitung eines Konzerns zum Fall Barschel: Schlimm war nicht, was er getan hat, sondern daß er sich hat erwischen lassen.
Die zentrale Funktion der Beweislogik im Recht verrückt das crimen von der Tat ins Erwischtwerden. Das perfekte Verbrechen wäre eins, bei dem das Erwischtwerden sich ausschließen läßt (unter diesem Gesichtspunkt hat Lyotard einmal Auschwitz untersucht; wären nicht die „Selbstmorde“ in Stammheim auch ein lohnendes Objekt der Analyse?). Hat hier nicht der Staat generell die besseren Chancen und Möglichkeiten (von der Gesetzgebung bis zu den Einrichtungen des Staatsschutzes), und die Logik, die dem Titel des Staatsanwalts zugrundeliegt, ihr fatales fundamentum in re? -
03.01.94
Welt und Natur sind die elliptischen Brennpunkte des Herrschafts-, Schuld und Verblendungszusammenhangs.
Der Rechtspositivismus macht den Satz, daß Gemeinheit kein strafrechtlicher Tatbestand ist, zu einem Rechtsprinzip.
So wird auch das Dogma zum Feigenblatt, zum Alibi, das die Sünden zudeckt, wenn man es als Dogma versteht, wenn man es aus dem Kontext der Umkehr herauslöst: durch Positivismus. Im Kontext der Umkehr jedoch sind der Satz, daß Gott die Welt erschaffen hat, wie auch die Opfertheologie nicht mehr zu halten.
Wenn es von Propheten heißt, Gott habe sie vom Mutterleibe her berufen, hat das dann etwas mit der realsymbolischen Beziehung der Gebärmutter zur Barmherzigkeit zu tun? Welche Bedeutung hat dann die Radikalisierung des Symbols, wenn Jesus vom Heiligen Geistes empfangen ist?
Ist die Redensart, daß „gut gemeint“ eine Steigerung von gemein ist, christlichen Ursprungs, Produkt der Bekenntnislogik, wonach das Erwischtwerden schlimmer ist als die Tat? Bezieht sich nicht hierauf das Wort am Kreuz: Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun? Und hängt das Sakrament der Buße nicht mehr mit diesem Wort (nämlich als Einübung in diesen Satz) als mit dem Satz vom Binden und Lösen zusammen? Sündenvergebung ohne Umkehr ist keine. Das andere Wort: Denen ihr die Sünden nachlassen werdet, denen sind sie nachgelassen, ist mehr als eine administrative Ermächtigung.
In der Vorstellung einer unendlichen Vergangenheit wird das Nichts zitiert, daß mit der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit Macht über die Zukunft gewinnt.
Hängen die drei Bücher des ersten Teils des Sterns der Erlösung (Gott, Mensch, Welt) nicht mit den drei Dimensionen des Raumes zusammen, haben sie darin nicht ihren empirischen Grund?
Der Säkularisationsprozeß und der historische Objektivationsprozeß beginnt mit der Trinitätslehre und der Opfertheologie, er endet mit den subjektiven Formen der Anschauung Kants.
Treibt Jesus nicht zusammen mit den Geldwechslern auch die Taubenhändler aus dem Tempel? Sie gilt nicht nur der Herrschaft des Tauschprinzips allgemein, sondern insbesondere der Subsumtion des Heiligen Geistes unters Tauschprinzip.
Physik: Die Identifizierung der Außenwelt mit der gemeinsamen stummen Innenwelt aller.
Kant und die Metaphysik: Ist nicht der aristotelische Gott bei Kant zum transzendentalen Subjekt, ins Ich denke, das alle meine Vorstellungen muß begleiten können, zusammengeschnurrt? Hegel hat versucht, ihn wieder daraus hervorzuzaubern, während Gott in der kantischen Philosophie (im Kontext von Unsterblichkeit und Freiheit) auf die jüdisch-christliche Tradition zurückweist (die Hermann Cohen dann darin auch wiedererkannte).
Bezeichnet der Turm von Babel, der bis an den Himmel reicht, nicht einen sprachlichen Sachverhalt: das Konstruktionsprinzip der indogermanischen Grammatik, in der die Vergangenheit Macht über die Zukunft gewinnt (Bedingung der Bildung des Neutrum, das in der Schrift durch die Schlange symbolisiert wird)? Verweist die Ziegelherstellung (wie später im Sklavenhaus Ägypten) auf diese Neutrumsbildung?
Israel kommt aus Ägypten. Aber zu dieser Herkunft gehört der Exodus und der Durchzug durchs Rote Meer (auch ein Sprachsymbol?).
Wird Gott die Toten erwecken, wenn es uns gelingt, ihn zu erwecken? -
02.01.94
Sein und Haben, der sprachliche Grund der Verdinglichung, die falsche Sündenvergebung oder die Äquivalenz von Exkulpation, Natur und Vergangenheit: Die Hilfszeitwörter, die Heidegger zur Vorhandenheit und Zuhandenheit ontologisiert, werden im Deutschen zur Perfektbildung (Grund des Naturbegriffs in den indogermanischen Sprachen) benutzt; in ihnen drückt sich eine Beziehung zur Vergangenheit aus, die die Schuldreflexion apriori unterdrückt. Entweder „habe“ ich meine Vergangenheit (als objektive und deshalb instrumentalisierbare, subjektiven Zwecken unterworfene Vergangenheit), oder ich „bin“, was ich gewesen oder geworden bin, so und nicht anders, Produkt eines Geschehens, das ich nicht ändern kann. Beidemale ist die Vergangenheit zu einem Stück Natur geworden, die ich nicht ändern, deren Last ich nur abwerfen kann. Gibt es Erinnerung ohne die Idee der Auferstehung der Toten, und gibt es die benennende Kraft der Sprache ohne Erinnerung? Was wäre, wenn in der Kirche auch nur einer wirklich an die Auferstehung der Toten glaubte?
Ist die Gewalt der indogermanischen Sprachen nur durch die Idee der Auferstehung der Toten zu heilen?
Das Hilfszeitwort „werden“ drückt sowohl das Passiv wie die Zukunft (das Werden im Gegensatz zum Sein, oder das Subjekt als Objekt von Vergangenheit und Zukunft, Natur und Schicksal) aus. Beachte die Hypostasierungen der Hilfszeitwörter: das Sein, das Haben, das Werden und die (unantastbare) Würde: Ist der Indikativ ein Neutrum (die Prosa ein Produkt der Neutralisierung), der Konjunktiv weiblich? – Der bestimmte Artikel oder die Vergewaltigung der Welt.
Grammatiken werden heute nur noch wie ein System von Verkehrsregeln (in einer vergegenständlichten Welt) behandelt: der Geist wird ausgetrieben. Liegt der Ursprung dieses Sprachverständnisses nicht im augustinischen „ad litteram“?
Was unterscheidet das Imperfekt vom Präteritum?
Das Walten, die Gewalt und die Verwaltung: Beispiele für die Präfixe ge- und ver-. Was bedeutet das „sund“ in dem Wort gesund?
Ursprung des Nominalismus: Ähnlich wie der Begriff des „Monotheismus“ die griechische und die jüdische Tradition gleichnamig gemacht hat, hat das Inertialsystem in Verbindung mit der Gravitationstheorie Himmel und Erde auf einen gemeinsamen Nenner gebracht: Beidemale war der Preis die Kürzung gegen den Namen. -
01.01.94
Das Schöne ist die Ergänzung und das Korrelat des Objekts der transzendentalen Ästhetik, als Gegensatz (durch Umkehr im System) daran gebunden. Die Idee des Schönen begründet (durch die Geschichte des Mythos und der Kunst hindurch) den Weltbegriff, verleiht ihm gegenständliche Bedeutung. Das Schöne, der Schein und die Erscheinung gehören zusammen: Ist das Schöne die säkularisierte, ins System eingebundene Umkehr (und das Häßliche das Objekt des Hasses der Welt)?
Das Absolute ist der gerichtete Richter („Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“): der Kelch, von dem Jesus wünschte, er möge an ihm vorübergehen?
War nicht die erste Gestalt des Absoluten der „absolute Raum“ Newtons: telos des Höllensturzes (vgl. Hegels „absolute Mechanik“, den Barock und den Absolutismus)? Gibt es eine Beziehung des Begriffs des Absoluten (als eines Organismus, in dem kein Glied nicht trunken ist) zu den apokalyptischen Tieren, und in welcher Beziehung steht es zu Meer und Land (vgl. das Tier aus dem Meer und das Tier vom Lande sowie den „starken Engel“, der „seinen rechten Fuß auf das Meer, den linken aber auf das Land“ setzte (Offb 10)? Bezeichnet das Meer die ungewisse Zukunft, das Land die feste Vergangenheit (das Objekt des Wissens), und stehen Meer und Land in Beziehung zum zeitlichen Signum des Tieres, „das war, nicht ist, aber wieder sein wird“?
Ist die Philosophie das Tier aus dem Meere (Thales: Alles ist Wasser) und die Physik (das Paradigma der Wissenschaft) das Tier vom Lande? Welche Bedeutung hat das „gläserne Meer“ in der Johannes-Apokalypse?
Worin liegt der Unterschied zwischen Synagoge und Kirche (ekklesia tou theou, kehal JHWH, Versammlung des Herrn) im NT, und weshalb hat die Kirche (als sancta catholica et apostolica ecclesia) diesen Namen übernommen?
Der Heros ist stumm, aber er begründet mit der neuen Ordnung des Rechts eine neue Welt (oder überhaupt die Welt: das Prinzip ihrer Einheit), und deshalb wird er unter die Sterne versetzt.
„So wahr ich lebe, spricht Gott der Herr, weil meine Schafe zum Raube und allem Getier des Feldes zum Frasse geworden sind, da sie keinen Hirten hatten, und weil meine Hirten nicht nach meinen Schafen fragten und sie nur sich selbst und nicht meine Schafe weideten, darum höret, ihr Hirten, das Wort des Herrn!“ (Ez 348f, vgl. auch 341ff) Wer sind die Hirten und wer die Schafe, wenn die Personalisierung nicht mehr möglich ist („Wir sind das Volk“)? Heute sind Hirten und Schafe nicht mehr zu trennen, und ist nur der „gute Hirt“ kein verlorenes Schaf mehr. Hat das etwas mit dem Namen des Lammes zu tun? -
31.12.93
Ist Schönheit (auch in ihrer vulgären Gestalt, als Kitsch) inverse Scham, Teil der Geschichte der Vergegenständlichung (der Neutralisierung der Umkehr)? Und liegt darin der Grund des Mythos wie der Kunst? Das Naturschöne wäre dann ein Schlüsselphänomen. Die beiden Begriffe der Ästhetik (als Kunstphilosophie und als Grund der traszendentalen Logik) hängen über diese strukturelle Beziehung zur Scham miteinander zusammen.
Die Transformation der Naturwissenschaften in Technik ist erst über die Lösung des Problems der technischen Nutzung der Energie, der Erzeugung und des Transports der Energie, erfolgt (Dampfmaschine und dann Elektrizität). Gleicht nicht die Logik dieses Energietechnikproblems der des Kapitals (und die Logik der Dampfmaschine der der Banken: beide abstrahieren von der Lohnarbeit, in der sie gründen)? War nicht der Kampf gegen die Atomkraftwerke, so wichtig und notwendig er in der Sache war (und immer noch ist), zugleich auch ein Alibi für die unmögliche Korrektur des Kapitalismus: für die nicht gelungene Revolution (der Linken ist es nie gelungen, eine ernsthafte, ihrem Gegenstand angemessene Theorie der Banken zu entwickeln: sie hätte begreifen müssen, was es mit dem „Greuel am heiligen Ort“ auf sich hat)?
Zu den Konstituentien des Inertialsystems gehören die Erhaltungssätze: der Masse und der Energie. Die logische Analyse beider steht noch aus. Zu ihrer Voraussetzung gehört die Einsicht, daß die Dimensionen des Raumes nicht an sich, sondern nur aufgrund der abstraktiven Gewalt der Mathematik ununterscheidbar sind. Zu den Konsequenzen aus dem Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit gehört die Einsicht, daß die Beziehungen der Dimensionen des Raumes zur Zeit nicht äquivalent sind: Nicht der Raum, sondern die in sich dynamische Struktur der Raum-Zeit (die u.a. in den mikrophysikalischen Strukturen und in den dazugehörigen „Naturkonstanten“, wie z.B. dem Planckschen Wirkungsquantum, der elektischen Elementarladung u.ä. sich vergegenständlicht) gehorcht dem Gesetz der Gleichzeitigkeit.
Liegen die Anfänge der Schrift in der Buchhaltung? Und wie hängt die Geschichte der Buchhaltung mit der der Astronomie (und die Sklaven mit dem Namen der Barbaren und der Apotheose der Heroen) zusammen?
Nur durch den stringenten Aktualitätsbezug vermag die Erkenntnis der verwirrenden Gewalt des Nominalismus sich zu entziehen: wird sie zur Prophetie.
Wenn man an den hessischen Löwen im Startbahnkonflikt und an die fette Henne im deutschen Bundestag, die sich für einen Adler hält, denkt: gehört dann nicht die Verunglimpfung staatlicher Symbole, als Erbe der Blasphemie, zu den Grundlagen und Voraussetzungen der Theologie? -
30.12.93
Die subjektiven Formen der Anschauung konstituieren sich im Kontext des Weltbegriffs, der die Umkehr ausschließt. Mit der Ausschließung der Umkehr wird die benennende Kraft der Sprache storniert (Genesis des Nominalismus).
Sind die Dornen und Disteln des Ackers und die Hörner der gehörnten Tiere nicht Symbole der Ausschließung der Umkehr? Objektive Realität gewinnt die Idee der Umkehr nur im Kontext des Glaubens an die Auferstehung (deshalb schließt der Naturbegriff die Leugnung der Auferstehung mit ein).
Die Verwerfung des Anthropomorphismus ist die Verwerfung des Menschlichen in Gott: die Verwerfung der Barmherzigkeit.
Wo kommt außer in der Simson-Geschichte und in der Apokalypse (im Anschluß an Jesaias) noch an anderen Stellen in der Schrift die Mühle vor?
Ist JHWH der „Gott der Hebräer“?
Das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit ist als Konsequenz aus den Maxwellschen Gleichungen eigentlich deren nachträgliche Begründung. -
29.12.93
Die Welt ist als Substanzbegriff ein Funktionsbegriff (Zusammenhang mit dem Ursprung und der Bedeutung des Begriffs des Absoluten: Produkt der Abstraktion von der Funkion des Weltbegriffs, der Abstraktion vom Schuldzusammenhang, in dem der Weltbegriff sich konstituiert; Konstituierung des Absoluten als Kern der Exkulpationsautomatik). Wenn es den Weltbegriff ohne den Begriff des Absoluten nicht gibt, dann bedarf es der Theologie zur Kritik des Absoluten (zur Kritik der Hybris).
Hegels Philosophie radikalisiert den kantischen Ansatz: wonach wir nur das erkennen, was wir in die Dinge hineingelegt haben. Das Ich als Absolutes erkennt in den Dingen nur sich selbst. Aber diese Hybris ist vorgezeichnet in der logischen Struktur des Denkens selber, durch den Weltbegriff ist sie zu einer selbsttätigen Automatik geworden. In der Schrift wird der Weltbegriff durch die Schlange symbolisiert: die Schlange ist das klügste aller Tiere (klug, d.h. der Selbsterhaltung fähig, sind alle Tiere). Seinen Jüngern hat Jesus geraten: Seid klug wie die Schlangen (und ergänzt: und arglos wie die Tauben – ist das nicht eine Anweisung, wie Hegel zu lesen ist: nämlich ohne der Paranoia zu verfallen, die mit der Logik sich durchsetzt?).
Seht, ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe: So hat Jesus seine Jünger darauf hingewiesen, daß sie in eine vom Privateigentum und vom Selbsterhaltungsprinzip: vom Staat, beherrschte Welt kommen. Die Wolfswelt ist der Staat.
Der Antijudaismus und in seiner Konsequenz auch der Antisemitismus ist vom Weltbegriff nicht abzulösen. Die Rezeption des Weltbegriffs (zusammen mit der Philosophie, dem Hellenismus) war das Medium der antijudaistischen Verarbeitung des Urschismas.
Ist nicht der jesuanische Gottesname „Vater“ der Platzhalter einer Theologie im Angesicht Gottes? Aber wurde dieser Vatername nicht schon mit dem Titel der Kirchenväter säkularisiert, verweltlicht, historisiert, verendlicht?
Vater, laß die Augen dein über meinem Bette sein: So sind die schlafenden Jünger in Getsemane zum Vorbild der Kirche geworden.
Wer war die Königin von Saba?
Die Empörung ist die Schrumpfform der Leidenschaft (ihr Erstickungstod), an den Weltbegriff, die intentio recta, die Herrschaft der subjektiven Formen der Anschauung, gebunden: Ausdruck der Irrealität, der „Gegenstandslosigkeit“ der Umkehr, des herrschenden Atheismus. Reflexion, und damit Humanität, gibt es nur noch im Kontext der Schuldreflexion (der „Gottesfurcht“): unter der Bedingung, daß der Bann der subjektiven Formen der Anschauung (und damit der Bann der Welt) sich brechen läßt. -
28.12.93
Ist der Rock aus Fell, in dem keine Naht ist, der Tierkreis, die vom Himmel sich ablösende Buchrolle?
Der Heilige Geist, der Paraklet, ist in der Tat auch der Tröster, aber der einzige, der der Illusion und des Betrugs nicht bedarf.
Ist Drewermann nicht der lebendige Beweis dafür, daß die Personalisierung (der Konkretismus, der Mechanismus der Verdinglichung: der Weltbegriff) zum Aufdecken der Blöße gehört?
An die Feindesliebe sind bei Mt Konsequenzen geknüpft: „damit ihr Söhne eures Vaters in den Himmeln seid“ (545). Ist die Feindesliebe das Ende der Unzucht?
Die Vorstellung, daß in Jesus die Prophetie, das Wort, sich erfüllt, daß er selbst das Wort ist, ist wahr und unwahr zugleich: Aber das Moment der Unwahrheit daran hat das etablierte Christentum seit je verdrängt, und damit auch die Wahrheit entstellt. Es hat die benennende Kraft des Worts durch die objektivierende, verdinglichende Gewalt der Logik ersetzt.
Waren es nicht die Jünger in Emmaus, denen Jesus erklärte, daß und weshalb alles so kommen mußte?
Der Menschensohn unterscheidet sich dadurch vom Tier (und wird dadurch zum Menschensohn), daß er die Sünde der Welt auf sich nimmt, den Bann der Welt, dem die Tiere verfallen sind, entrinnt.
Die Urteilslust partizipiert durch das Moment der Projektion in ihr an der Exkulpationslust (sie ist Exkulpationslust).
Abraham war ein Hebräer, Josef war ein Hebräer, Judith war eine Hebräerin, Jona war ein Hebräer: Alle waren es als Fremde. Auch Paulus bekennt sich als Hebräer: 2 Kor 1122, Phil 35. Aber vgl. hierzu den falschen (unsensiblen) Gebrauch des Namens der Hebräer in der Einheitsübersetzung und die verräterische Verwechslung der Namen Israelit und Hebräer (und die damit verknüpften antisemitischen Assoziationen) in den „Tag- und Nachtbüchern“ von Theodor Haecker.
Ist das Millenium (als die Geschichte, in der Jesus dem Vater „alles unterwirft“: als Herrschaftsgeschichte des Christentums) der Kelch, von dem Jesus in Getsemane wünschte, er möge an ihm vorübergehen?
Mt 1626: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber Schaden leidet an seiner Seele“; die ganze Welt: to kosmos holon, die Sünde der Welt: täs hamartias tou kosmou. -
27.12.93
Die Opfertheologie verweigert genau das, was sie leisten soll: die Befreiung. Eine Kritik der Opfertheologie, der Vergöttlichung des Opfers, ist schon deshalb notwendig, weil sie die Bindung an die Opferrolle sprengt.
Die Christen haben das Christentum als Religion für andere (als Weltreligion) zu einem undurchdringlichen System gemacht, in dem man, wie man sich auch wendet, gefangen bleibt. Z.B. Drewermann bleibt gerade durch seine Opposition zur Kirche (und durch die damit verbundene Opferrolle) in dem Netz gefangen. Eine Schlüsselfunktion scheint bei ihm die Personalisierung der Probleme zu haben (die ihn konfliktunfähig macht, seiner Position aber zugleich den Schein des Absoluten verleiht). Es ist eine kirchlich produzierte Psychose, die ihn aus der Kirche heraustreibt.
Ist Drewermann das letzte Opfer der kirchlichen Ketzerverfolgung, die seit je die Wahrheit aus Furcht vor den Wehen abgetrieben hat?
Die Beziehung der Wissenschaft (des Positivismus) zur Wahrheit ließe sich am ehesten als Abtreibungsautomatik beschreiben (und die Alma Mater als Hure Babylon).
Grund des Antijudaismus: In den Juden hat die Kirche immer schon sich selbst gehaßt. Enthält nicht Mt 523f das Gebot zur Beseitigung des Urschismas; und ist nicht vorher jede Eucharistie blasphemisch?
Ist nicht jeder Fundamentalismus Produkt einer Anpassung der Religion an das steinerne Herz der Welt? Aber diese Gefahr gibt es nur für die Buchreligionen (sie ist im Christentum entstanden und eines ihrer ersten Symptome war das augustinische „ad litteram“).
Daß der Himmel wie eine Buchrolle sich zusammenrollt (Jes 344): Gibt es eine bessere Beschreiung der Thora?
Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie