Ursprung und Geschichte der modernen Wissenschaft setzen, von der Theologie bis zu den Naturwissenschaften, von der Kirche bis zum Nationalismus, vom Kloster bis zu den Burschenschaften, den Zwang zur kollektiven Absicherung des Wissens voraus.
Der deutsche Idealismus ist der Verführung durch den Begriff des Wissens erlegen.
Jedes Recht hat Anteil am Weltgericht; und für jedes Rechtsurteil gibt es die begründete Hoffnung auf Revision durchs Jüngste Gericht.
In der Verurteilung des Verbrechers sind sich alle einig. Gründet nicht die Bekenntnislogik im Geiste des Rechts? Der Ursprung des Rechts aber war die Vergesellschaftung der Blutrache durch den Staat; diese Blutrache kehrt im Kontext der Bekenntnislogik als Opfertheologie wieder. Nur so erklärt sich die starke affektive Besetzung des Kruzifix, das nicht zufällig insbesondere in Gerichtsälen und in Schulräumen, im privaten Bereich aber vor allem in den ehelichen Schlafzimmern, seinen Platz gefunden hat.
Die Tiere der Apokalypse sind Teile einer außerordentlich dramatischen Entwicklung und Konstellation: Nachdem der Drache vom Himmel auf die Erde geworfen wurde, kommen das Tier aus dem Meere (mit zehn Hörnern und sieben Köpfen, während der Drache sieben Hörner und zehn Köpfe hatte: dieses Tier hat vom Drachen seine Macht) und das Tier vom Lande, der Lügenprophet (der zwei Hörner hat wie ein Widder und redet wie der Drache).
Ist die Venus-Katastrophe ein Bild jener gesellschaftlichen Naturkatastrophe, in der die Sexualmoral entsprungen ist?
Liegt nicht das Problem der mikrophysikalische wie auch der astronomischen Theorien heute in einer redundanten Beweisführung, gleichsam in einer verhedderten Logik? Im Urknall wird das gleiche Inertialsystem, das mit ihm entstehen soll, schon vorausgesetzt: Sonst würde es die physikalischen Gesetze, die die dramatischen Prozesse beherrschen, nicht geben. Das Kaninchen war schon in dem Hut, aus dem die Erfinder des Urknalls es herauszaubern zu können glauben. Wird beim Urknall von den Ursachen abstrahiert, so bei den Schwarzen Löchern von den Wirkungen: Was in den Schwarzen Löchern passiert, bleibt unreflektiert.
Der Name des Geheimnisses bezeichnet heute nur noch das Tabu, mit dessen Hilfe die Aufdeckung einer Untat verhindert werden soll. Gründet nicht auch das Christentum in einem Verbrechen, als es als Kirche – mit der Rationalisierung des Kreuzestodes in der Opfertheologie – auf die Seite der Täter sich gestellt hat?
Gleicht nicht die Beziehung des Dogmas zur Wahrheit der der Bekehrung zur Umkehr? Gibt es nicht heute soviel Religion, weil alle für alle anderen die Religion für nützlich halten? Die Bekehrung war immer schon die Umkehr für andere.
Ist nicht der Begriff die Kreuzigung des Namens? So fundiert die Opfertheologie den wissenschaftlichen Erkenntnisbegriff als einen vergesellschafteten Erkenntnisbegriff. Die kantischen subjektiven Formen der Anschauung sind der Statthalter der Gesellschaft im Subjekt.
Ist nicht das tohuwabohu der früheste Hinweis auf die Urteilslogik, auf Ursprung und die Trennung der Begriffe Natur und Welt? Und beschreibt das tohuwabohu nicht den Ursprung der „Finsternis über dem Abgrund“?
Bekenntnislogik
-
4.12.95
-
3.12.95
Zum Begriff des Objekts:
– Der Begriff des Objekts ist ein Weltbegriff: es ist die Welt, die der Natur den Objektbegriff zugrundelegt, so den Naturbegriff begründet.
– Die Natur dynamisiert den Objektbegriff, der nur im Kontext des Weltbegriffs als statischer, ein für allemal gegebener Begriff erscheint (darin reflektiert sich das Erhaltungsgesetz der kapitalistischen Produktion, die nur als ständig sich erweiternde sich erhält: mit dem marktwirtschaftlichen Konzept der „Währungsstabilität“, das nur über eine „ausgeglichene Außenhandelsbilanz“ sicherzustellen ist, ist die Ausbeutung der Dritten Welt mitgesetzt). Ohne fortschreitende Naturerkenntnis, und d.h. ohne den Prozeß, den sie gegen die Objekte in sie hineintreibt, würde es den Objektbegriff nicht geben.
– Der Satz aus der Dialektik der Aufklärung, daß die Distanz zum Objekt, Voraussetzung der Abstraktion, vermittelt ist durch die Distanz, die der Herr durch den Beherrschten gewinnt, verweist darauf, daß in der Strukturgeschichte des Objekts (in der Geschichte der naturwissenschaftlichen Erkenntnis) die Herrschaftsgeschichte sich widerspiegelt, die jedoch dem Herrendenken selber, das unter dem Primat des Welt-, nicht des Naturbegriffs steht (oder das sich selbst im blinden Fleck steht), verborgen bleibt: das „Innere der Natur“, das der Erkenntnis sich entzieht, ist die Herrschaftsgeschichte, die sich selbst nicht durchschaut (außer in der „Heiligung des Gottesnamens“).
In dem Satz: Das Innere der Natur ist die Herrschaftsgeschichte, steckt die Beziehung von Hegel zu Schelling.
Hat die Beziehung der Begriffe Natur und Welt etwas mit der Beziehung der Planeten zum Tierkreis, hat sie etwas mit der Beziehung der Plejaden zum Orion zu tun? Und bezieht sich das Wort vom Binden und Lösen auf den Weltbegriff, den Inbegriff des Bindens, zu dem es bis heute ein Lösen (das dann auch auf den Himmel sich erstrecken würde) noch nicht gibt?
Ist nicht die „Währungsstabilität“ das politisch-ökonomische Äquivalent der „subjektiven Formen der Anschauung“: die eine garantiert die Stabilität des Marktes im Innern der Nationen (auf Kosten der „Dritten Welt“), sie garantiert die Einheit der Nationalökonomie, die andere die Stabilität des Wissenschaftsbegriffs (der Identität der wissenschaftsfundierenden Totalitätsbegriffe Natur und Welt), und damit die Einheit des erkennenden Subjekts.
Der Kampf gegen den Baal war der prophetische Kampf gegen die Anfänge des Herrendenkens, während die Apokalypse die Ursprungsgeschichte einer Situation reflektiert, in der (mit der Ursprungsgeschichte des Staates, im Namen Babylons, und in der logischen Konstruktion des Weltbegriffs) das Herrendenken objektivitätskonstituierende Bedeutung gewinnt. Dieser Prozeß wird in der Prophetie im Bilde des Kelchs reflektiert (Taumelkelch, Kelch des göttlichen Zorns: der Kelch, den die Herrschenden trinken, bis hin zum Unzuchtsbecher in der Johannes-Offenbarung; vgl. auch Hegels Satz: das Wahre ist der bacchantische Taumel, in dem kein Glied nicht trunken ist).
Bezieht sich nicht das Wort am Kreuz: „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, auf alle Gestalten des Bewußtseins, die unterm Bann des Weltbegriffs stehen, auch auf die Theologie seit den Kirchenvätern (auf die Theologie hinter dem Rücken Gottes, eine Theologie, die bis heute nur gebunden, nicht gelöst hat)?
Wer an Gott glaubt, muß an die Aufertehung der Toten glauben. Gott ist der Erwecker der Toten. Alles andere ist Rechtfertigung, Ideologie.
Unschuldssyndrom: Wer nur unschuldig sein will, hat der Gerechtigkeit bereits entsagt. Es gibt keine Unschuld in dieser Welt, nur die Gottesfurcht; und die ist in der Tat der Anfang der Weisheit. Die Bekenntnislogik, zu der die Rechtfertigungslehren gehören, verdankt sich dem Unschuldssyndrom.
Der Satz: „Mein ist die Rache, spricht der Herr“, sprengt den Objektbegriff, der selber ein Depositum des Rachebedürfnisses ist (das Rachebedürfnis begründet und konstituiert das Präsens und den Indikativ).
Die theologische Qualität der deutschen Sprache läßt sich an Wörtern wie Zorn und Wut (an der Unterscheidung der beiden Begriffe), an der Äquivokation des Seins (Infinitiv und maskulines Possessivpronomen) oder des Zeugen und der Zeugung, die keine bloßen Äquivokationen sind, an der Deklination der bestimmten Artikel und nicht zuletzt am Begriff des Substantivs erkennen.
Im Kontext seiner Funktion als Possessivpronomen ist das Sein das Fundament des Rechts und des Staats.
Der Substantiv ist der apokalyptische Drache, der das Weib, das den Knaben geboren hat, verfolgt. -
1.12.95
Brief an Ton Veerkamp:
Zum apokalyptischen Symbol des Tieres (das im moralischen Gebrauch dieses Symbols, in seiner Anwendung auf den Trieb, die Sexualität, gleichsam halbiert wird) ist darauf hinzuweisen, daß es nicht im Gegensatz zur selbsterhaltenden Vernunft, sondern als die apokalyptische Gestalt ihrer kollektiven Verkörperungen zu begreifen wäre: als Verkörperung einer Gestalt der Vernunft, die durch Einschränkung aufs Selbsterhaltungsprinzip sich selbst ihrer erkennenden Kraft beraubt. Der Repräsentant der Selbsterhaltung im Erkenntnisprozeß ist die intentio recta: der Positivismus (Zusammenhang mit dem Weltbegriff; Wittgenstein; Hegels Logik; Kants Definition von Natur und Welt; die Urteilslogik und die subjektiven Formen der Anschauung, das Geld und die Bekenntnislogik; Sprachphilosophie und Theologie des Falls). -
28.11.95
Confessor und virgo sind als Verkörperungen der reflektierten und der natürlichen Unschuld Spiegelungen der Begriffe Welt und Natur im Medium des Heiligen: Sie rücken das Bekenntnis und die weibliche Unschuld in den Bereich des Unberührbaren. Hängt die Zweideutigkeit des Zeugungsbegriffs in der Trinitätslehre nicht hiermit zusammen: die Idee einer von der Berührung (und Befleckung) mit dem Weiblichen gereinigten Zeugung, die die natürliche männliche Zeugung in den Kern des „Schuldzusammenhangs des Lebendigen“ rückt, sie zum Quellpunkt der Schicksalsidee und ihrer subjektiven Reflexionform, des Begriffs (christlich gesprochen: der Erbsünde), macht?
In jedem Feindbild steckt ein symbiotisches Element. Das gilt für den faschistischen Antisemitismus wie auch für den Bosnienkonflikt. Jede Empörung rechtfertigt mit den Untaten der anderen, über die sie sich empört, die eigenen.
Hat die Trinitätslehre in der Vater-Sohn-Beziehung dieses symbiotische Element theologisiert, und ist die homousia, zusammen mit der Opfertheologie, dem Kern der Bekenntnislogik, der Ausdruck dieser Symbiose?
Der Begriff des horror vacui war auch einmal eine Warnung davor, Erkenntnis auf der Vorstellung des leeren Raumes zu gründen (auf der Grundlage und im Kontext der subjektiven Formen der Anschauung). Für den Schreibenden erzeugt schon das leere Blatt (die tabula rasa) den horror vacui: in diesem horror gründet die Geometrie. Der Historismus, zu dessen Konstituentien die subjektive Form der inneren Anschauung, das vergegenständlichte Zeitkontinuum gehört (der Seitenblick auf die Zeit, der die Ewigkeit unsichtbar macht, indem er es durch das Überzeitliche ersetzt), ist ein Produkt der Nekrophilie des Herrendenkens: der Betondeckel über dem Abgrund der Vergangenheit. Das Herrendenken weiß, daß für es die Hoffnung auf Auferstehung nicht gilt. Deshalb soll sie auch für seine Opfer nicht gelten. Die Ewigkeit, an die das Herrendenken glaubt, die es (u.a. in der philosophischen Unsterblichkeitslehre) sich erhofft, ist die Ewigkeit des Schweigens der Opfer: die Ewigkeit des Todes derer, in denen es seine Richter erkennt („Mächtige stürzt er vom Thron und erhebt die Niedrigen“). -
26.11.95
Gegen Derrida: Der Benjaminsche Text bietet keinen realen Anlaß, im Begriff der „göttlichen Gewalt“ die Endlösung, den Holocaust, Auschwitz wiederzuerkennen. Diese Assoziation wird im Gegenteil durch eine genaue Lektüre des Textes definitiv ausgeschlossen. Was die Beziehung herstellt, ist ein Verfahren, zu dessen Kritik Levinas das durchschlagende Stichwort gegeben hat, als er bemerkte, daß die Attribute Gottes nicht im Indikativ, sondern im Imperativ stehen. Die Kontamination der göttlichen mit der mythischen Gewalt, die der Derridaschen Assoziation die Basis liefert, ist das Werk Derridas, nicht Benjamins (in dessen Text er sein Verfahren dann hineinprojiziert), wenn er explizit theologische Texte Benjamins, die der Levinasschen Forderung genügen, zurückübersetzt in den Indikativ (das gleiche Verfahren gehört übrigens zur christlichen Begründung und Ausgestaltung des Dogmas, der Orthodoxie, und markiert deren Differenz zur Wahrheit).
Hilfreich zum Verständnis ist die Benjaminsche Unterscheidung von Ausdruck und Mitteilung. Wenn man sie auf die Derridasche Interpretation des Benjaminschen Textes anwendet, wird man schnell gewahr, daß mit der Übersetzung in den Indikativ das, was bei Benjamin sich ausdrückt, in eine Mitteilung umgeformt wird. Diese Umformung ist eine der Instrumentalisierung, die Rückübersetzung der Offenbarung in den Mythos (eine Übersetzung, die der Weltbegriff gleichsam automatisch leistet: der Weltbegriff ist der Inbegriff der transzendentalen Logik der Instrumentalisierung der Wahrheit und selber das Instrument der Zerstörung des Namens).
Wenn Derrida dem Benjaminschen Text hätte gerecht werden wollen, hätte er zumindest auf die zentrale Rolle des Satzes „Du sollst nicht töten“ in diesem Text eingehen müssen sowie darauf, daß die Idee der göttlichen Gewalt deren Instrumentalisierung schon im Ansatz ausschließt. „Mein ist die Rache, spricht der Herr“, und die einzig legitime Konsequenz aus der Idee der göttlichen Gewalt wäre es gewesen, sie auf die Täter des Holocausts, in keinem Falle aber auf ihre Tat zu beziehen. Zu den letzten Manifestationen des katholischen Volksglaubens in Deutschland, bevor er endgültig ins Blasphemische sich aufgelöst hat, gehörte unmittelbar nach dem Krieg die Angst: Das wird sich einmal rächen.
Wenn Auschwitz eine theologische Bedeutung hat, dann die, daß es der Instrumentalisierung des Kreuzestodes Jesu, und damit der Opfertheologie, der Bekenntnislogik, dem Dogma und der verdinglichten Orthodoxie (der Konfundierung der Theologie mit dem Weltbegriff), endgültig den Boden entzogen hat.
Die Benjaminsche Unterscheidung von rechtsetzender und rechtserhaltender Gewalt rührt an den Grund der Unterscheidung von Natur und Welt, die als Totalitätsbegriffe im Erkenntnisprozeß genau diese Funktionen: die Bindung der Erkenntnis ans Urteil, abdecken. (Die Geschichte der Naturerkenntnis ist die ins Innere transformierte Fortsetzung der heroischen Gründungsgeschichte des Staates und der Zivilisation, und der Naturbegriff selber das Korrelat und die Stütze des Gewaltmonopols des Staates.)
Die Polizei ist das Paradigma des Hoheitlichen (der Repräsentation der staatlichen Gewalt). Sie gehört zur staatlichen Verwaltung wie das Militär zur Nationalökonomie. Stammt nicht der Name der Polizei aus den Anfängen der Verwaltungswissenschaft?
Rührt nicht Walter Benjamins These vom mythischen Charakter des Rechts an den Grund des Prinzips, demzufolge Gemeinheit kein strafrechtlicher Tatbestand ist? Die Aufnahme der Gemeinheit in den Kanon strafrechtlicher Tatbestande hätte die Selbstauflösung des Rechts zur Folge. Genau hier wird deutlich, weshalb der Benjaminsche Begriff der göttlichen Gewalt niemals auf die Endlösung Anwendung finden kann. Auschwitz hat das Recht durch Reduktion auf ihren Gemeinheitskern (auf den Kern der rechtsbegründenden und -erhaltenden mythischen Gewalt) zerstört, der Begriff der göttlichen Gewalt hingegen zielt auf die Auflösung des Rechts durch Zerstörung seines Gemeinheitskerns. (Das Jüngste Gericht ist der Widerpart des Hegelschen Weltgerichts: das Gericht der Barmherzigkeit über das gnadenlose Weltgericht.)
Aus dem gleichen Grunde wäre abzuleiten, daß der Antisemitismus niemals als Anwendungsfall des Rassismus oder des Vorurteils sich begreifen läßt, sondern nur als deren Wurzel.
Das Obszöne an den raf-Prozessen ist der offene Gebrauch, den Gericht und Bundesanwaltschaft vom Gewaltmonopol des Staates machen. In der Konsequenz dieses Verfahrens liegt es, daß die Angeklagte nur noch als Feind wahrgenommen wird. (Die Verteidung wird im Lichte des Grundsatzes wahrgenommen: Wer sich verteidigt, klagt sich an.) Hier gibts nicht nur keine „Waffengleichheit“ mehr, sondern hier geht die Vorverurteilung soweit, daß Verteidung und Besucher apriori zur Sympathisanten-Szene gezählt werden.
Gehören nicht die drei Formen des gewaltsamen Todes im Neuen Testament zusammen: die Enthauptung des Täufers, die Kreuzigung Jesu und die Steinigung des Stephanus?
Sind der Orion und die Plejaden die Repräsentanten des Tierkreises und der Planeten am Fixsternhimmel? Und auf wen bezieht sich das Binden, und auf wen das Lösen (vgl. Hiob 3831 und 99)?
Kinder haften für ihre Eltern: Der biblische Satz „Wenn dein Sohn dich fragt …“ bezieht sich auf die Weitergabe der Lehre vom Vater auf den Sohn, der 68er Satz „Wenn meine Kinder mich einmal fragen …“ dagegen auf den Rechtfertigungszwang, unter dem das Bewußtsein in Deutschland seit dem Ende des Faschismus steht. Dieser Satz gehört zu dem Schwarzen Loch, das der Faschismus erzeugt hat, das die Lehre nur noch in sich hereinsaugt und ihre Vernichtung befördert, aber nicht mehr ausstrahlt.
Holgers Waschsalon: Sind heute nicht alle religiösen Positionen besetzt von Gruppen, die die Religion als Exkulpationsmaschine (als Hilfe, ihre Schuldgefühle loszuwerden, als synthetische Kuschelecke) brauchen? Dem hat die Theologie schon seit der Zeit der Kirchenväter vorgearbeitet. Aber konvergiert nicht dieser Exkulpationstrieb auf eine ebenso erschreckende wie verhängnisvolle Weise mit der Tendenz, die Religion zugleich in eine Religion für andere umzuformen: in ein Instrument der Vergesellschaftung von Herrschaft?
Creatio mundi ex nihilo: Produkt einer projektiven Erkenntnislogik, die eigentlich auf ein Stück Urgeschichte des Kapitalismus sich bezieht, auf die Vorgeschichte der Kreditschöpfung der Banken? Die Risiken der Banken sind die Risiken der Sparer, die Risiken der Unternehmer sind die Arbeitnehmer, deren Arbeitsplatz auf dem Spiel steht, und die Risiken des Krieges sind die der Bevölkerungen, deren Anteil an den Opfern der Kriege den des Militärs inzwischen weit übersteigen. Die Risiken der Entscheidungen haben heute nicht mehr die zu tragen, die sie treffen, sondern die, für die sie getroffen werden (Anmerkung zu den Begriffen Verantwortung und Repräsentation).
„Soll aber der Mensch noch einmal in die Nähe des Seins finden, dann muß er zuvor lernen, im Namenlosen zu existieren“ (Heidegger, Kant und das Problem der Metaphysik, S. 150, zitiert nach Derrida, Die Schrift und die Differenz, S. 208). Die Begründung ist einfach: Weil das Sein den Namen löscht, alles gleichnamig macht. Wenn Derrida in diesem Zusammenhang auf die Kabbala verweist (auf die „unaussprechbare Möglichkeit des Namens“), so weiß er nicht, wovon er redet. Das Ziel der Kabbala war die Heiligung des Gottesnamens, während die Ontologie seit je darauf abzielte, den Gottesnamen zu tilgen.
War die Ontologie (das „Sein“: die Installierung des Urteils) das Schwert, mit dem Alexander den gordischen Knoten durchschlagen hat? -
20.11.95
Die Opfertheologie ist das Produkt der Spiritualisierung des Moloch.
Schuldverschubsystem: Die Verführung des Wissens (die Dogmatisierung des Glaubens, seine Übersetzung in den Indikativ) kehrt den Imperativ (und mit ihm die Zeit) um, indem es den Hörenden zum Ankläger und Richter: das Schuld- zum Glaubensbekenntnis macht. Seitdem unterliegt der Glaube dem Rechtfertigungszwang (seitdem gibt es das vergebliche Bemühen der Gottesbeweise). Aus der Vergebung der Sünden wird unterm Rechtfertigungszwang die Entlastung von Schuldgefühlen durch Schuldverschiebung, die das Herrendenken kennzeichnet.
Zur Kritik der Naturwissenschaften: Wer vom Gegenblick abstrahiert, verfällt ihm: „Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten, daß sie nackt waren“. Joh 129 ist der Schlüssel zur Reflexion des Gegenblicks, sein telos ist die Heiligung des Gottesnamens (die Theologie im Angesicht Gottes).
Nach der Dialektik der Aufklärung ist die Distanz zum Objekt, Voraussetzung aller Abstraktion, vermittelt durch die Distanz, die der Herr durch den Beherrschten gewinnt. Verweist das nicht darauf, daß der Begriff des Objekts ein apriorisches Konstrukt bezeichnet, in dessen Identität die des Subjekts sich widerspiegelt? Beide, Subjekt und Objekt, aber bilden eine Konstellation, die in sich selber herrschaftsgeschichtlich vermittelt ist. Die „Distanz, die der Herr durch den Beherrschten gewinnt“, wird verkörpert durch die subjektiven Formen der Anschauung (durch Raum und Zeit), durchs Geld und durch die Bekenntnislogik. Alle drei konstituieren und entfalten sich in einem gemeinsamen Abstraktionsprozeß, in dem sie sich wechselseitig determinieren, stützen und durchdringen. Das Geld stützt ebenso die Bekenntnislogik, wie in beiden die logischen Konstruktionselemente des Raumes sich reflektieren. Sie bilden einen gemeinsamen Verblendungs-, Herschafts- und Schuldzusammenhang. Im Stern der Erlösung sind Welt Gott Mensch die Repräsentanten der Elemente dieser Konstellation. -
18.11.95
Der Weltbegriff ist das Produkt einer Transformation der Schicksalsidee: Die Welt läßt sich als der Inbegriff aller Begriffe bestimmen; der Begriff aber ist ein Produkt der Verinnerlichung der Schicksalsidee. Die Form des Schicksals wird in der Form des Begriffs gleichsam instrumentalisiert, sie reproduziert sich in der Beziehung des Begriffs zum Objekt.
Wie die Prophetie (die Offenbarung) aus der Kritik der Schicksalsidee sich herleitet und bestimmt, so die Apokalypse aus der Kritik des Weltbegriffs. Während die Prophetie (und nicht die Aufklärung) als Widerpart des Mythos, als das Element seiner Auflösung, sich begreift, läßt die Apokalypse als Widerpart des Weltbegriffs (des Staats, der Philosophie und des Rechts) sich bestimmen.
Die beiden Bedeutungen des Seins (die dem Infinitiv zugrundeliegende Hypostasierung der Kopula im Urteil und das Possessivpronomen der dritten Person singular, männlich) reflektieren die Beziehung der Philosophie und des Rechts zum Weltbegriff.
Hängt die Übersetzung von tän hamartian tou kosmou (mit der Sünde im Singular) in peccata mundi (Sünde im Plural) mit der lateinischen Sprachlogik (mit der gleichen Logik, die auch in der Übersetzung von kosmos in mundus und physis in natura sich ausdrückt: mit dem Übergang von einer vordogmatischen in eine nachdogmatische Sprachlogik) zusammen?
Wie präsentiert sich die Venus-Katastrophe im griechischen Mythos? Liegt dem, was Velikovsky e.a. die Venus-Katastrophe nennen, im Zusammenhang mit einer gesellschaftlichen Naturkatastrophe ein sprachgeschichtlicher Paradigmenwechsel zugrunde? Hängt die Geschichte mit der des Ursprungs der indogermanischen Sprache (dem Durchbruch und der sprachlogischen Entfaltung des Herrendenkens) zusammen?
In der christlichen Tradition wurde die Schlange mit dem Weib in eins gesetzt (die „Hure Babylon“ entstammt dieser Tradition): Liegt dem nicht eine Verarbeitung der Ischtar-Astarte-Tradition zugrunde?
Mit der Verinnerlichung der Schicksalsidee entspringt – als dessen gegenständliches Korrelat, als Fundus der projektiven Verschiebungsarbeit – der Naturbegriff (Paradigma der Geschichte der Objektivierung).
Zu den geheimen Voraussetzungen des „All“, das – Rosenzweig zufolge – durch die Reflexion der Todesangst gesprengt wird, gehören die subjektiven Formen der Anschauung: Ohne die totalisierende Einheit des Raumes würde es den Begriff des All nicht geben. Die Raumvorstellung ist der Inbegriff der Abstraktionen, die den Begriff des All konstituieren.
Die Logik des Herrendenkens hat das Verdrängte der Zwangserinnerung der Bekenntnislogik überantwortet. Die Bekenntnislogik (die Umkehr des Schuldbekenntnisses) entsühnt in der Tat die Welt, sie hat den kosmos zum mundus gemacht (gereinigt). Ist die Schuldreflexion (die Auf-sich-Nahme der Schuld der Welt) der Schlüssel zum Verständnis der Apokalypse?
Als Habermas die Naturspekulation aus der Philosophie ausgeschieden hat, hat er da nicht die Sprache ihrer Wurzel beraubt? Seitdem gibt es – insbesondere im Zusammenhang seiner Kommunikationstheorie, seines Konzepts des „herrschaftsfreien Diskurses“ – bei ihm Texte, deren appeal dem technischer Gebrauchsanweisungen immer mehr sich anzugleichen scheint. Der herrschaftsfreie Diskurs ist ein Alibi für die Diskriminierung der Reflexion von Herrschaft.
Unterscheiden sich die beiden Stellen, an denen in der Schrift dem Himmel und der Erde die Attribute „wie aus Eisen“ und „aus Erz“ zugesprochen werden (und die invers aufeinander sich beziehen, vgl. Lev 2619 und Deut 2823), auch noch durch andere Konnotationen? -
15.11.95
Das Schuldverschubsystem ist ein Mittel der Stabilisierung der Welt. Die Selbstentlastung, die mit seiner Hilfe erreicht wird, ist ein Konstituens der Einheit der Welt (und der Einheit des Subjekts, die logisch mit dem Schuldverschubsystem verknüpft ist).
Die transzendentale Ästhetik enthält bereits die Elemente einer Kritik des Inertialsystems, und sie verweist zugleich auf den Grund der Trennung der mathematischen und dynamischen Kategorien, der Trennung von Natur und Welt. Wird diese Trennung im Generationenkonflikt ausgetragen, in der die Trennung von Begriff und Objekt oder der mit der Urteilsform gesetzte Konflikt ausgetragen wird? Das Über-Ich ist der Repräsentant des Begriffs im Ich (Pendant der Objektivierung des Subjekts). Und die vaterlose Gesellschaft verdrängt das Über-Ich anstatt es durch Reflexion aufzulösen.
Auf diese Konstellation verweist der Satz aus der Dialektik der Aufklärung, daß die Distanz zum Objekt vermittelt ist durch die Distanz, die der Herr durch den Beherrschten gewinnt (Hinweis auf den herrschaftsgeschichtlichen Grund der Logik).
Als Dinglogik ist die Hegelsche Logik die Selbstreflexion der Bekenntnislogik. Deren Vorstufe war die aristotelische Logik, die am Neutrum sich entfaltet.
Das Neutrum ist das Schwert, das den gordischen Knoten durchschlagen, die Objektivität begründet, indem sie sie in Welt und Natur getrennt hat. (Das Neutrum ist der Statthalter des Urteils in der Sprache: Repräsentant des durch den Begriff vermittelten Objektbegriffs.)
Durch das opfertheologische Konstrukt der „Entsühnung der Welt“ (durch die Herausnahme von Joh 129 aus dem Nachfolgegebot) ist das Christentum zu einer Religion der präventiven Schuldbefreiung geworden, zum apriorischen Alibi für die Unterwerfung und Ausbeutung der Welt: des europäischen Imperialismus. -
14.11.95
Kanthers entlarvende Entgleisung: sein Wort von der Hetze (die von Seiten der Hessischen Landesregierung oder des Bundesrates gegen die Asylpolitik des Bundes betrieben werde), über die gestern in der Hessenschau berichtet wurde, wird in der FR von heute nicht erwähnt.
„Kriegsgräberfürsorge“. Was ist das, was die Deutschen nicht vergessen können; wird nicht mit den „Kriegsgräbern“ nicht etwas ganz anderes gepflegt: ein Rachepotential, das aus einer „Heldenverehrung“ erwächst, aus der Erinnerung an „Opfer“, die eigentlich Täter waren, aber als Opfer erinnert werden, das nicht umsonst gewesen sein darf? Das Selbstmitleid der Täter, die keinen Erfolg hatten, deckt die Schreie der wirklichen Opfer zu, macht sie unhörbar. Und die Erinnerung an die Täter rechtfertigt nachträglich ihre Untaten. Soll es wirklich so weit kommen, daß eines Tages die Täter an den Schreien der Opfer sich rächen?
Ist der Titel kyrios, Herr, einer, der nur für die Apostel gilt (und für die „apostolische“ Kirche)? Er knüpft an an ein Verständnis der Auferstehung, das der Nachfolge den Weg versperrt.
Die Verinnerlichung des Opfers und die Spiritualisierung des Martyriums sind zwei Seiten ein und derselben Sache, ihr gemeinsames Produkt ist der Confessor, die Verkörperung der Bekenntnislogik. Zum Confessor gehört die Virgo; beide weisen zurück auf ihren gemeinsamen Ursprung im Martyrium, im Blutzeugnis: Die Virgo ist das Bild des Opfers, das als Opfer, durchs Nichthandeln, unschuldig ist, während der Confessor als Täter zwar in den Schuldzusammenhang sich verstrickt, aber durchs Bekenntnis aus dem Bann der Schuld sich zu lösen vermeint: sich selbst als unschuldig erfährt. Das Bekenntnis des Glaubens (das nicht identisch ist mit dem Bekenntnis des Namens, das zur Nachfolge gehört) ist ein umgekehrtes Schuldbekenntnis, ein bindendes, kein lösendes. Gründet nicht in dieser Konstellation, die am Bild der Unschuld anstatt an der Idee der Befreiung sich orientiert, die Bedeutung und Funktion der Sexualmoral, die als Ersatz für die Reflexion von Herrschaft eintritt, zugleich aber die Reflexion selbst für Herrschaftszwecke instrumentalisiert (das Produkt der für Herrschaftszwecke instrumentalisierten Reflexion ist die transzendentale Ästhetik, sind die „subjektiven Formen der Anschauung“ Kants und deren transzendentallogische Äquivalente: das Geld und die Bekenntnislogik)?
Der Faschismus ist auch ein sprachlogisches Problem, das nur zu lösen ist im Kontext der Heiligung des Gottesnamens. -
6.11.95
Die Welt ist der Moloch, der die Kinder frißt. An der Gewalt des Tötens beweist sich die Realität der Welt.
Macht wird verliehen, Gewalt wird ausgeübt, während Herrschaft wie die Natur „gegeben“ ist.
Die Trägheit verhält sich zur Schwere wie das Tauschprinzip zur Schuldknechtschaft. Bezieht sich das Wort vom Binden und Lösen nicht auch auf einen physikalisch-astronomischen Sachverhalt?
Der „freie Fall“ ist die Wahrheit des Relativitätsprinzips. Die Gegenbewegung zum Fall ist das Feuer.
Das Christentum hat das Feuer vom Himmel getrennt und als Feuer der Hölle (und des Fegfeuers) hypostasiert. In dieses Feuer wurden die geschickt, die es vom Himmel holen wollten (und wollten, es brenne schon).
Die Scheiterhaufen haben die descensio ad inferos instrumentalisiert (wie die dogmatische Theologie insgesamt, mit der Opfertheologie im Kern, den Kreuzestod).
Wodurch unterscheidet sich der Dekalog im Exodus von dem im Deuteronomium (außer durch die Begründung des Sabbat, der im Buch Exodus aus dem Sechstagewerk der Schöpfung und im Deuteronomium aus dem Exodus abgeleitet wird)?
Die Ohrenbeichte hat das Bekenntnis, indem sie es von der Versöhnung getrennt hat, zu einem Instrument der Komplizenschaft gemacht: Zusammenhang mit Opfertheologie und Bekenntnislogik. -
31.10.95
Das Geld, das Inertialsystem und die Bekenntnislogik sind die Grundlage des Bewußtseins, der Trennung des Bewußtseins vom Unbewußten.
Der biblische Begriff der Erlösung ist an die Verwandschaftsordnung gebunden. Dadurch, daß Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, durch den Sohn zum Vater aller geworden ist, wird auch die biblische Erlösungsordnung, in der der Nächstverwandte den Verwandten, der unten ist, löst, auf alle übertragen. Deshalb sind die Verwandten Jesu nicht seine Mutter, seine Schwestern oder Brüder, sondern die, die den Willen des Vaters tun. Und diese Erlösungsordnung ist nicht spirituell oder sakramental, sondern sehr materiell.
Der Weltbegriff und in seinem Kern der Objektbegriff (der Dingbegriff) verdanken sich in ihrem Ursprung der Konvertibilität von Mitteln und Zwecken. Modell des Objektbegriffs ist das zum Selbstzweck gewordene Mittel. Der Primat und die Herrschaft des Kausalitätsprinzips gründet in dieser Hypostasierung der Mittel, in dem logischen Vorrang, den sie damit gegen die Zwecke gewinnen. Das Kausalitätsprinzip selber ist ein Mittel der Instrumentalisierung, in deren Bannkreis alle Zwecke zu bloß subjektiven Zwecken werden, die per List in den objektiven Zusammenhang der Kausalitätsordnung (ins Reich der Erscheinungen) überführt werden.
Das Geld, das Inertialsystem, die Bekenntnislogik sind reine Mittel. (Das Geld ist die Inkarnation der List der Vernunft, die Verkörperung der Logik der Hypostasierung der Mittel und der Instrumentalisierung fremder Zwecke.)
Die Verdinglichung ist ein Instrument der List der Vernunft. Der Genitiv im Begriff der List der Vernunft ist ein genitivus subjectivus und objectivus zugleich: Die Vernunft ist ebensosehr Uhrheber wie Opfer dieser List.
Das Frontdenken ist ein Produkt des verdinglichenden Denkens. So verfängt es sich in der Logik des gleichen Systems, gegen das es kämpft, und wird, ohne es noch wahrnehmen zu können, dessen Opfer. Das Frontdenken ist der agent provocateur des Feindes.
Eine Revolution, die auf Änderung der Verhältnisse (und nicht auf Identitätserhaltung der Revolutionäre) abzielt, muß fähig sein, auch die Logik zu reflektieren. Für Marx war die Logik Hegels wichtigstes Buch; aber wäre diese Logik nicht endlich auf ihren aktuellen Stand zu bringen?
Botschaft und Nachricht: Eine Informationsgesellschaft, die nur noch Perspektiven aufs Urteilen, keine mehr aufs Handeln eröffnet, verfängt sich in den Verstrickungen ihrer eigenen Logik.
Die Aufklärung hat die Magie und den Mythos nicht nur überwunden, sondern mit ihrer „Widerlegung“ zugleich auch das verdrängt, wovon sie das falsche Bewußtsein waren. Das Verhältnis gleicht nicht zufällig dem der dogmatischen Theologie zu den Häresien. -
24.10.95
Mein ist die Rache, spricht der HERR. Wird diese Rache als Barmherzigkeit sich manifestieren, als Resultat Seines Gereuens, Seiner Umkehr? Ist der Tag des HERRN der Tag Seines Gereuens?
Wie das Angesicht und der Name ist auch das Feuer ein Attribut Gottes: das Feuer, das die Söhne Aarons und die Rotte Korach trifft, aber auch das Feuer, das bei Aaron und später bei Elias das Opfer für JHWH (nicht das für den Baal) entzündet. Die Verwaltung und das Hüten des Feuers obliegt den Priestern (nicht den Leviten).
Was wird aus der Heiligung des Gottesnamens, wenn der Name – wie unter der Herrschaft des Nominalismus: nämlich im Begriff des Objekts, das er „bezeichnet“ – längst untergegangen und vergessen ist?
Wenn der Rechtfertigungszwang das Schuldverschubsystem irreversibel macht, ist er dann nicht
a. der Grund der Mathematisierung der Erkenntnis (des Inertialsystems) und
b. zugleich der Grund des Herrendenkens (der Bekenntnislogik)?
Ist nicht das Inertialsystem das naturale Äquivalent der Logik, die in der Moral den Rechtfertigungszwang ans Schuldverschubsystem bindet?
Brunnenvergiftung: Das Gewaltmonopol des Staates ist der Brunnen, aus dem die Verwaltungen ihre Allmachtsphantasien schöpfen.
Der Tag des HERRN, das wird der Tag seiner Reue sein und der Tag, an dem seine Rache in Barmherzigkeit sich wandeln wird. Aber hängt nicht die Umkehr Gottes von unserer Umkehr ab? Ist nicht die Umformung der Theologie hinter Seinem Rücken in eine Theologie im Angesicht Gottes (eine Umformung, die IHN von Seinem Autismus befreit) die Voraussetzung dieser Umkehr?
Die Ursprungsgeschichte der Lohnarbeit ist ein Teil der Herrschaftsgeschichte, der Geschichte der „Dornen und Disteln“. (Hat der Schweiß des Angesichts etwas mit Getsemane und die Dornenkrone mit diesen Dornen und Disteln zu tun?)
Die Kirche hat das Symbol (den Vorschein der Erfüllung des Worts) indikativisch verdinglicht, während die jüdische Tradition es konjunktivisch verflüchtigt hat: Aber ist diese Verflüchtigung nicht Teil der Bewegung, in der das Symbol zur ruach, zum Geist wird? Wie hängt die Beziehung von Indikativ und Konjunktiv mit der von Genitiv und Dativ zusammen?
Die Prostitution ist nicht nur das älteste Gewerbe der Welt, sie ist zugleich ein Gründungsgewerbe der Welt, Teil ihrer Ursprungsgeschichte.
Dem melancholischen (saturnischen) Blick wird alles bedeutungsvoll: Josue (Jesus) hieß ursprünglich Hosea.
Was bedeutet es, wenn die „apokryphen“ Bücher, wie Judith, Tobias, die Makkabäer-Bücher, Jesus Sirach, Baruch, zwar in den christlichen Kanon mit aufgenommen worden sind, nicht aber in den jüdischen?
Sind die Naturwissenschaften das Grab (und die Pyramide über dem Grab), in dem die Tradition vergraben ist? Die Kinder Israels haben unter dem Pharao, der Joseph nicht mehr kannte, die Pyramiden bauen müssen.
Fällt nicht der Ursprung der newtonschen Gravitationstheorie zusammen mit der Geschichte, die Marx als die Geschichte der ursprünglichen Akkumulation des Kapitals (Freisetzung des Proletariats durch die Verwandlung des Grund und Bodens in ein handelbares Objekt: die gemeinsame Subsumtion der Arbeit und des Bodens unters Tauschprinzip) beschrieben hat?
Wie hängt der Ursprung des Inertialsystems (der Entwicklung der Mechanik, dem Ursprung des Gravitationsgesetzes und der physikalischen Optik) mit der gemeinsamen (selbstreferentiellen) Subsumtion der Arbeit, des Bodens und des Geldes unters Wertgesetz zusammen?
Was als Gemeinheit erfahren wird, ist in der Regel bloße Gedankenlosigkeit: Ist diese Gedankenlosigkeit nicht das Grundgesetz der gegenwärtigen Welterfahrung und des Weltbegriffs? (Und hat der Positivismus diese Gedankenlosigkeit nicht zur Methode erhoben?)
Auch die Astrologie war einmal ein Stück Welterklärung: in der Phase des Ursprungs des Weltbegriffs.
Zu dem Satz: Das Sein bestimmt das Bewußtsein, gehört der andere dazu: Das herrschende Bewußtsein ist das Bewußtsein der Herrschenden.
Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie