Bekenntnislogik

  • 9.11.1994

    Zum Begriff der Spannung vgl. die Hinweise bei Ton Veerkamp, Autonomie und Egalität, S. 122.
    Das tode ti der Philosophie ist der Ursprung des Objektbegriffs; es konstituiert sich in der Abstraktion vom Aktualitätskern der Prophetie (in der Abstraktion vom Schuldzusammenhang).
    In dem Konzept der „vollständigen Säkularisation aller theologischen Gehalte“ sind die beiden zentralen Begriffe Säkularisation und Theologie äquivok. Das macht die Diskussion dieses Satzes so schwierig, daß die Habermas-Schule lieber ganz davon absieht.
    Wie hängt die Logik des unendlichen Raumes mit der Bekenntnislogik, mit dem Unzuchstbecher, zusammen?
    Wird nicht das Ave Maria durch den Refrain (sancta Maria, mater dei, ora pro nobis peccatoribus nunc et in hora mortis nostrae) storniert? Wie ungeheuer dagegen das Lukas-Zitat: Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum, benedicta tu in mulieribus, et benedictus fructus ventris tui, diese Antwort auf den Fluch über die Schlange.
    Zu Rind und Esel: Unterscheiden sich nicht träge und schwere Masse wie Außen und Innen? Wird mit ihrer Identität nicht diese Differenz verwischt? Und ist diese Differenz nicht der Grund der Unterscheidung von Objekt und Ding? Ist die träge Masse nicht erst durch die Gravitationstheorie, durch ihre Identifikation mit der schweren Masse, zur trägen Masse (zu etwas Totem) geworden? Und ist nicht die Gravitationstheorie der Todeskeim und die instrumentalisierende Gewalt im naturwissenschaftlichen Objektivationsprozeß?
    Wann und in welcher Stunde ist Jesus am Kreuz gestorben, und was ist dabei sonst noch geschehen (die Erde bebte, die Sonne verfinsterte sich, der Vorhang des Tempels riß entzwei und die Gräber öffneten sich)?
    Was bedeutet der Vorhang des Tempels, und haben die Cherubim im Allerheiligsten, die eigentlich Sphinge sind, etwas mit dem Cherub vorm Eingang des Paradieses zu tun? Und wie hängt die Vision des Ezechiel (die Merkaba-Vision) mit der des Tempels bei ihm zusammen?
    Futur II: Der Beitrag der lateinischen Sprache zur Selbstbegründung der Philosophie (und zum Ursprung des Inertialsystems).
    Befreiung von den sieben unreinen Geistern: Die Theologie beginnt mit dem Verzicht auf den unreflektierten Gebrauch der projektiven Logik (mit der Fähigkeit zur Reflexion dieser Logik). Die Kritik der subjektiven Formen der Anschauung ist die Voraussetzung dafür, daß die Blinden wieder sehen und die Lahmen wieder gehen.

  • 8.11.1994

    Die christliche Orthodoxie, die dogmatische Theologie, hat mit Rind und Esel gemeinsam gepflügt. So hat sie der modernen Aufklärung den Boden bereitet.
    Haben Rind und Esel etwas mit dem Verhältnis von Schrift und Wort zu tun?
    Mit Einstein und Planck war die Geschichte der naturwissenschaftlichen Erkenntnis grundsätzlich beendet. Was danach folgte war die Rache der Mechanik: Ein Kampf zwischen Kopf und Wand, wobei übersehen wird, daß diese Wand ein Produkt des eigenen Kopfes ist.
    Der Raum ist der Taumelbecher, das Geld der Kelch des göttlichen Zorns und die Bekenntnislogik der Unzuchtsbecher. Das Bekenntnis war der Anfang der Verinnerlichung der Scham. Deshalb war der Confessor ein männlicher Heiligentyp und sein weibliches Pendant die Virgo (Jeremias war der einzige unverheiratete Prophet, und Rom war der legitime Erbe Babylons).
    Die Bekenntnislogik hat die Frau zu einem mä on gemacht.
    Gehört nicht die Verknüpfung von Virginitas und Unschuld zur Exkulpationsautomatik: Folge der Verschiebung der Erbsünde von der Urteilslust in die Sexuallust?
    Zur Theologie gehört auch das Studium der invisible hand (u.a. wegen ihrer Beziehung zum ausgereckten Arm und zur starken Hand).
    Sollte nicht einmal Schluß sein mit der projektiven Anwendung der apokalyptischen Symbole, nach dem Motto: Da wir ja gerettet sind, kann es sich nur auf die andern beziehen?
    Hat das Paulus-Wort, wonach die Frau durch Gebären sühnt, etwas mit dem Naturbegriff zu tun?
    Metapher, Allegorie, Symbol: leer, gereinigt und geschmückt.
    Der Begriff der Unzucht hat mit etwas mit der Affirmation der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit zu tun: mit der Instrumentalisierung des Kreuzestodes und dem Ursprung der Opfertheologie.
    Seit dem Konzept der Opfertheologie, seit die Kirche sich zum Nutznießer des Kreuzestodes gemacht, sich auf die Seite der Täter gestellt hat, weiß sie nicht mehr was sie tut. Seitdem gehört das Sakrament der Beichte in die Tradition des Satzes „Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“.
    Die negative Dialektik ist der Versuch, unter den Bedingungen der Logik der Schrift dieser Logik nicht zu verfallen.
    Auch für die Wundergeschichte gilt, daß es mit dem stupenden Anschauen nicht getan ist: Das Entscheidende an den Wundergeschichten ist ihr imperativischer Gehalt. Auch die Wunder sind aus dem Bann des Indikativs zu lösen. Und hat Er’s nicht selbst gesagt, daß seine Jünger die gleichen Taten vollbringen werden, wenn nicht größere?
    Edgar Morins Bemerkungen über die Wirkung der Identifikationsmechanismen im Kino (mit dem Hinweis auf die im Gefängnis dem Selbstmitleid ausgelieferten SS-Täter) wäre anzuwenden aufs Fernsehen: Die Ohnmacht derer, die in die Handlung nicht eingreifen, dem Wort nicht antworten können, verstärkt die Exkulpationsmechanismen, die das Fernsehen bedient (Fernsehen als Parodie auf den imperativen Charakter der Attribute Gottes).
    Durch Reklame wird Konsum zur Buße (Teil der Exkulpationsautomatik und Folge des gemeinsamen Pflügens mit Rind und Esel).

  • 2.11.1994

    Aufs Wort gehorchen: Unterm Gesetz der Logik der Schrift wird das Hören zum Gehorsam. Durch diesen Gehorsam wird genau das unterbunden, was die Schrift ins Hören zurück übersetzen könnte: die Reflexion. Die systematische Unterbindung dieser Reflexion ist der Positivismus, dessen Unmittelbarkeit die durch die Logik der Schrift (paradigmatisch: durchs Inertialsystem) vermittelte ist. Modell des positivistischen Wissenschaftsverständnisses sind die mathematischen Naturwissenschaften.
    Grund der Unfähigkeit zur Reflexion ist die Unfähigkeit zur Reflexion des subjektiven Apriori der Naturwissenschaften, der subjektiven Formen der Anschauung, die Angst, daß deren Verflüssigung einen Sturz ins Bodenlose nach sich zieht. Aber wäre diese Verflüssigung, die „Liquidierung“ der subjektiven Formen der Anschauung, nicht die Entzündung des Feuers (nach der Sintflut: next time fire)?
    Das Plancksche Strahlungsgesetz beschreibt den Dingbegriff (das mechanischen Objekt) von innen: Hat es nicht etwas mit dem brennenden Dornbusch zu tun (Theorie des Feuers)?
    Zu den Voraussetzungen des Inertialsystems gehört das Prinzip der Identität von träger und schwerer Masse. Bezieht sich hierauf das biblische Verbot, mit Ochs und Esel gemeinsam zu pflügen: das Joch und die Last in eins zu setzen?
    Ist nicht die ganze Geschichte der Physik die Geschichte der Kritik ihrer eigenen Voraussetzungen und gleichzeitig die Geschichte der Verdrängung dieser Kritik? Darin liegt die Ursprungsgeschichte des Positivismus.
    Ein Propädeutikum der Reflexion der subjektiven Formen der Anschauung ist die marxsche Kapitalismuskritik, die Reflexion der subjektiven Formen der Anschauung aber wäre die Voraussetzung der Erfüllung des Wortes, die Rekonstruktion der benennenden Kraft der Sprache.
    Die Materie ist das gegenständliche Korrelat der Leugnung des Gottesnamens. Darauf bezieht sich das Wort des Täufers von der Sünde der Welt in Joh 129.
    Das „Seid klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben“ heißt nicht: Seid hinterhältig (wie die Schlangen), sondern: Begreift den Hinterhalt, in dem ihr steckt.
    Durch die Bekenntnislogik (eine Emanation der Logik der Schrift) ist der Faschismus auf die christliche Tradition als seinen Ursprung bezogen. Jedes Bekenntnis ist ein Schuldbekenntnis, und als Bekenntnis gehört es zur Logik der Schuldbefreiung. Die Bekenntnislogik macht von der exkulpierenden Kraft des Bekenntnisses Gebrauch unter gleichzeitiger Nutzung der verandernden Kraft der Weltbegriffs, seiner projektiven Schuldverschub-Automatik. Die Bekenntnislogik gehört zum Schuldverschubsystem (und weckt so das Strafbedürfnis gegen sie) und setzt die identifikatorische („gemeinschaftsbildende“) Kraft des „Glaubens“ (die aus der Zone der Schuld herausführt, den Gläubigen in die Gemeinschaft der Geretteten zurückführt: extra ecclesia nulla salus) dagegen. Hat nicht erst die lateinische Theologie das symbolum durch die confessio ersetzt? Der durchs Bekenntnis definierte Glaube ist der Schlüssel zum Schuldverschubsystem (eine Fortentwicklung der Logik des Begriffs). Hier liegt der Grund, weshalb der Confessor ein männlicher Heiliger war (und sein Gegenstück die Virgo).
    An dem Punkt, an dem das Bekenntnis aus einer Sache der Märtyrer zu einer des Confessors wird, verrät Augustinus seine namenlose Geliebte, gerät das Bekenntnis in die Zwangslogik der Männerphantasien. Das Bekenntnis, das die Herrschenden fordern, leugnet das Bekenntnis (die Zeugenschaft) des Märtyrers: Hierauf bezieht sich die Geschichte der drei Leugnungen.
    Die Bekenntnislogik, das Dogma und in ihrem Kern die Opfertheologie sind Produkte der Logik der Schrift. In ihnen erfüllt sich die Schrift und nicht das Wort. Mit der Bekenntnislogik, mit dem Dogma und mit der Opfertheologie tritt die Theologie in den Prozeß der Aufklärung ein.
    Deutscher Umgangston: Anonymer Hinweis an einer Mülltonne vor einem Mehrfamilienhaus „Wissen Sie nicht, daß … Sie, ja genau Sie sind gemeint“. Das Ich des deutschen Idealismus ist ein Papier-Ich.
    Zu Veerkamp, Vernichtung des Baal, S. 60: Unter welchem Busch saß Jona? Und gibt es eine Beziehung zwischen Hagar, Elijahu und Jona? Hat der Busch bei Hagar, Elijahu und Jona etwas mit den Bäumen des Paradieses, unter denen Adam sich versteckte, zu tun?
    Ist nicht der Polizei- und Medienaufwand um die beiden Geiselnehmer in diesen Tagen ein Indiz dafür, wie stark der Ablenkungsbedarf (das Strafbedürfnis und das Vorurteilspotential) ist?
    Das Votum für die Armen und das Votum für die Fremden hängt mit den beiden getrennten Elementen der Logik des Angesichts zusammen:
    – das Votum für die Fremden verweist auf den Ursprung und den Widerschein der eigenen Fremdheit in der Fremdheit des andern; es ist die reinste Reflexionsbeziehung und zugleich die Evokation der Gottesfurcht;
    – das Votum für die Armen bezieht sich auf das Verhältnis von Gericht und Gnade; es ist die Evokation der Barmherzigkeit.
    Zur Dialektik der Paranoia gehört es, daß sie genau das ausbrütet, wovor sie sich fürchtet; ihr Ursprung wird in Heideggers objektloser Angst bezeichnet.
    Das Neutrum und die durch es determinierten Grammatiken sind die Repräsentanten der Logik der Schrift in der Sprache.
    Die mathematische Logik hat in der logischen Begründung und im Begriff des Grundes noch das teleologische Prinzip und in ihm die letzte Erinnerung an den Mythos erkannt; deshalb hat sie sie aus der Logik verbannt (und mit ihr die Argumentation aus dem Denken: Ursprung des autoritären Prinzips oder auch die ironische Erfüllung der Prophetie – Jer 3134).
    Als Hegel die Antinomien der reinen Vernunft aus der transzendentalen Ästhetik in die transzendentale Logik übertragen hat, hat er die Ästhetik in die Logik mit übertragen; sie erscheint hier unter dem Begriff des Scheins.

  • 8.10.1994

    Die gemeinschaftsbildende Kraft des Gesangs gründet in der Bekenntnislogik.
    Dritte Leugnung: Die Welt ist ein System aus lauter Stellvertretungen. Das weltliche Sein ist ein Sein-für-Anderes: Was sind dann Welt-Religionen? Mit dem Konzept eines stellvertretenden Leidens (dem Modell des naturwissenschaftlichen Experiments) ist der Sündenfall zum Zentrum der Theologie geworden (ist die Theologie zum Selbstverständnis einer instrumentalisierten Religion, einer Religion für andere, geworden).
    Hegels Kritik der kantischen Antinomien wird widerlegt durch sein Konstrukt, wonach einerseits die Idee die Natur frei aus sich entläßt, andererseits aber die Natur den Begriff nicht halten kann. Darin setzen sich die gleichen Widersprüche wieder durch, die zuvor angeblich im Begriff sich aufgelöst haben. Hier gewinnt der kantische Versuch, die Begriffe Welt und Natur (nicht zufällig im Zusammenhang der Antinomie der reinen Vernunft) zu definieren, eine ungeheure Bedeutung. Die Idee des Absoluten, mit der Hegel sich selbst gefesselt hat, macht es ihm dann unmöglich, den Einsatzpunkt, den er selbst notiert und benennt, wirklich zu nutzen: In der Unterscheidung des Lichts von den Bedingungen seiner Fortpflanzung im Raum liegen die Elemente einer Kritik des Inertialsystems schon vor Augen.
    Wenn bei Hegel die Idee die Natur frei aus sich entläßt, so liegt dem, ähnlich wie in der späteren physikalischen Konstruktion des Urknalls, schon die logische Gewalt des Inertialsystems zugrunde. Die Hegelsche Logik insgesamt ist durch das gleiche Inertialsystem vermittelt, das heute in der naturwissenschaftlichen Erkenntnis sich entfaltet hat. Dieses Inertialsystem ist das Korrelat des prophetischen Kelchsymbols.
    Im Verhältnis der Kopenhagener Schule zu Einstein reflektiert sich wie unter einem Wiederholungszwang das unaufgelöste Problem der Beziehung von Hegel zu Kant. Schlüsselfunktion hat in beiden Fällen die Unfähigkeit zur Herrschaftskritik.
    Hat das Christentum, als es die Philosophie überboten hat und die Scham internalisierte, nicht auch den Fluch internalisiert? – Hierzu vgl. den Ursprung des Dingbegriffs in der Opfertheologie.

  • 4.10.1994

    Übersehen wir nicht zu leicht, daß die Steigerung der Lebenserwartungen bei uns mit dem Kindersterben in der Dritten Welt zusammenhängt? Und sehen wir nicht allzu leicht davon ab, daß unsere Exportüberschüsse die Kehrseite der wachsenden Verschuldung der armen Länder sind? Sind die Banken nicht in der Tat zu hocheffektiven Verschuldungsmaschinen geworden? Wehe denen, die in ihre Mühlen hineingeraten.
    Die Liebe unterscheidet sich von der Barmherzigkeit durch ihre Folgenlosigkeit.
    Der Satz, daß Heidegger den Geburtsfehler der Philosophie zu ihrem einzigen Inhalt gemacht hat, drückt einen allgemeinen Sachverhalt aus: Heute rücken fast alle gesellschaftlichen Prozesse und Entwicklungen in den Sog einer vergleichbaren Konstellation (von der Geschichte der Religionen über die der Banken, des Staats, des Privateigentums, der Sprache und der Schrift, bis hin zu den Naturwissenschaften). Das gilt für alle Emanationen der Herrschaftsgeschichte, als deren Innenseite die Geschichte der Verinnerlichung der Scham sich erweist.
    Verweist nicht das Problem der Beziehung von Einzelnem und Allgemeinen, das am sprachlichen Verhältnis des Femininum zum Plural sich demonstrieren läßt, auf die Struktur und das Problem der Scham? Ist nicht die Scham (das Sich-durch-die-Augen-der-anderen-Sehen) die Grenze zwischen dem Im Angesicht und dem Hinter dem Rücken? Nacktheit ist die Überformung des Angesichts durch das Hinter dem Rücken (die Fotographie ist nackt). Hier gründet die Logik, die nach theologischer Tradition den Sündenfall mit dem Ursprung von Tod und Krankheit verbindet.
    Aber ist die Scham nicht auch das Element, in dem der logische Zusammenhang von Sexualität und Politik gründet (als Urteilsmoral ist die Sexualmoral ein Bestandteil der autoritären Politik). Die Fähigkeit zur Reflexion der Scham ist die Bedingung der Möglichkeit von Sensibilität. Der Weltbegriff ist der Inbegriff der Schamlosigkeit, der Grund des verdinglichenden Denkens, das apriori schamlos ist. Schamlosigkeit ist der Grund des Begriffs der trägen Masse (die „aufgedeckte Blöße“), und Schamlosigkeit macht blind und lahm.
    Als das Christentum sich aus dem Bereich der prophetischen Herrschaftskritik herausgeschlichen hat, hat es die Erfüllung des Wortes mit der Erfüllung der Schrift (die Frucht des Feigenbaums mit dem Feigenblatt) verwechselt.
    Die Instrumentalisierung des Kreuzestodes durch die Opfertheologie (und in seiner Folge die Verinnerlichung der Scham) ist der Quellpunkt der Geschichte der modernen Aufklärung. Durch diese Konstellation unterscheidet sich die moderne Aufklärung von ihrem griechischen Ursprung.
    Die Differenz zwischen 666 und 618 ist 48 (4 x 12). Das Tier aus dem Wasser ist eine Emanation des Drachen, mit dem es die Zahl der Hörner und der Köpfe gemeinsam hat, während das Tier vom Lande, das zwei Hörner hat wie ein Lamm, aber redet wie ein Drache, aus der Differenz zwischen der Erfüllung der Schrift und der des Wortes erwächst. Im Kontext der Logik der Schrift wird das homologein zum Bekenntnis (dem Emmanuel Levinas Schamlosigkeit attestiert), während es eigentlich die Erfüllung des Wortes (das „Bekenntnis des Namens“: die Nachfolge) meint.

  • 3.10.1994

    Theologie beginnt, wenn endlich einmal nicht mehr die Substantive großgeschrieben werden, sondern allein der Gottesname: wenn Erkenntnis aus dem Bann der Verdinglichung heraustritt.
    Das Substantiv ist eine Steigerung des Nominativ und setzt die Trennung des Nominativ vom Akkusativ voraus (wie sie im Deutschen nur dem Maskulinum, nicht jedoch dem Femininum, eignet, während die griechische und lateinische Sprache die Grenze zwischen Person und Sache legt (nur das Neutrum kennt die Identität von Akkusativ und Nominativ), in den anderen modernen Sprachen erstreckt sich die Neutralisierung des Nominativ, seine Angleichung an den Akkusativ, auf die gesamte Deklination.
    Müßte man nicht in Anlehnung an die „Haupt- und Staatsaktionen“ (im barocken Trauerspiel) die Substantive (die ebenfalls dem Barock sich verdanken) Haupt- und Staatswörter nennen? Die Substantive sind Ausdruck einer Staatsmetaphysik, zu der auch der Titel des Staatsanwalts (dessen sprachlogischer Grund eine eigene Untersuchung verdiente) gehört.
    Die „Schamlosigkeit der Glaubensbekenntnisse“ (Levinas: Schwierige Freiheit, S. 70) ist eine Konsequenz aus der Logik der Schrift – wie auch die Verinnerlichung der Scham, die zum Kontext des Ursprungs der modernen Naturwissenschaften gehört und den Konfessionalismus begründete: Sie ist Teil einer Phase der Geschichte der Logik der Schrift und gehört (wie der Kreuzestod und wie die Ärgernisse, die kommen müssen) zur „Erfüllung der Schrift“. Das letzte Produkt der Verinnerlichung der Scham (und der darin gründenden Schamlosigkeit) ist der Skinhead. Hier hat die verinnerlichte Scham das Subjekt ausgebrannt; dafür rächt es sich an den andern. Das Angeblicktwerden erinnert an die verdrängte Scham und ist deshalb unerträglich und Auslöser der Aggression.
    „Herr der Himmelsheere“: Ist das nicht der Herr und Adressat der Engelschöre? Sind die Engelschöre die Himmelsheere?
    Rührt der Name des Himmels nicht an das gleiche Problem, das im Deutschen im Verhältnis des Femininum zum Plural steckt: Die Deklination des bestimmten Artikels im Femininum singular ist identisch mit der allgemeinen Plural-Deklination. Ist hier nicht die Grenze, an der das Verhältnis von Einzelnem und Allgemeinem aus dem starren Subsumtionsverhältnis des Begriffs sich löst und in ein Umkehrverhältnis transformiert wird? Der Begriff der Materie verdankt sich der Abstraktion von diesem Umkehrverhältnis, dessen gegenständliches Korrelat die Feste des Himmels ist (deren Ausdruck ist das Gravitationsgesetz): Die Materie ist das gleichnamig gemachte Ungleichnamige.
    Grenzen der Beweislogik, Zeuge und Zeugnis: Selbst die Gestalt des Märtyrers ist vor Mißbrauch nicht geschützt: Die „Heldenfriedhöfe“ machen von diesem Konstrukt Gebrauch, wenn sie den „Heldentod“ zum Zeugnis für die Wahrheit des Bekenntnisses zur Nation instrumentalisieren. Das war der Hintergrund und die Basis der faschistischen Parole „Blut und Boden“. Mit Hilfe dieses Konstruktus schirmt der Nationalismus gegen jede Kritik sich ab, wenn er auf den Tod und das Blut der Helden sich beruft. Das Blut der Helden heiligt den Boden, auf dem es vergossen wurde.
    Vgl. hierzu
    – den biblischen Satz von der Erde, die „der Schemel Seiner Füße“ ist,
    – die Zerstörung dieses Satzes durch das Institut des Privateigentums, die den Boden zur Ware vergegenständlicht (Staat, Eroberung und Handel),
    – die logische Sanktionierung dieses Vorgangs durch die naturwissenschaftliche Vergegenständlichung der Welt, durchs Inertialsystem.
    Die Kopernikanische Wende hat durch Identifikation von Last und Joch im Begriff der Materie Gottes Thron und den Schemel Seiner Füße zerstört.
    Grundsätzlich obliegt im Rechtsstreit die Beweispflicht der Anklage und nicht der Verteidigung; der Verteidigung obliegt sie nur aufgrund der gleichen Lücke in der Beweislogik, der auch das Faktum, daß Gemeinheit kein strafrechtlicher Tatbestand ist, sich verdankt. Auf dieser Grundlage wäre (gegen Carl Schmitt) nachzuweisen, daß wirkliche Souveränität im Gnadenrecht, nicht im Exekutionsrecht sich manifestiert.
    „Ich werde euch den Beistand senden“: nicht zur Selbstverteidung, sondern zur Verteidigung der Barmherzigkeit, zur Verteidigung des Glücks, das der Erfüllung des tiefsten Wunschs der Menschen sich verdankt, endlich uneingeschränkt gut sein zu dürfen.
    Wenn die Theologie hinter dem Rücken Gottes Gott autistisch macht, und wenn es stimmt, daß die Attribute Gottes nicht im Indikativ, sondern im Imperativ stehen, dann liegt die eigentliche Wirkung dieser Theologie darin, daß sie nicht Gott, sondern die Gläubigen zum Autismus verführt. Bezieht sich der Satz vom Binden und Lösen auf diesen Sachverhalt?
    Die Philosophie wird zur monologischen Theorie dadurch, daß sie nur das Denken des Andern ins eigene Denken mit aufnimmt (durch die noesis noeseos, die sich bei Kant zur Erkenntniskritik entfaltet), nicht aber die Barmherzigkeit, das Votum für die Armen und die Fremden, die „Witwen und Waisen“. Das Denken des Denkens konstituiert sich im Verhältnis zur Natur, es verkörpert, vergegenständlicht, materialisiert sich im Weltbegriff (der die Barmherzigkeit a limine aus dem Begriff der Erkenntnis ausschließt). Es schlägt seine Wurzeln im Subjekt in den subjektiven Formen der Anschauung. Diese Wurzeln sind die Wurzeln des Baumes der Erkenntnis und das Instrument der Vergesellschaftung zugleich.
    Emmanuel Levinas hat die These Hermann Cohens, wonach die Attribute Gottes keine Attribute des Seins, sondern des Handelns sind, verschärft: Ihm zufolge stehen die Attribute Gottes nicht im Indikativ, sondern im Imperativ (Schwierige Freiheit).

  • 27.9.1994

    Nicht daß menschliches Handeln bestraft wird, ist der Sinn der biblischen Verknüpfung von Handeln und Vergeltung, sondern der Hinweis auf die menschliche Verantwortung: Ursache der politischen Ereignisse ist nicht das Schicksal, sondern menschliches Handeln. Vgl. Ton Veerkamp, S. 261.
    Die subjektiven Formen der Anschauung sind das Instrument der Vergegenständlichung und der Vergesellschaftung zugleich. Und das Objekt als Produkt der Vergesellschaftung wird durch den Weltbegriff naturalisiert.
    Drei Gestalten des Kelches: der Raum, das Geld und die Bekenntnislogik. Mit der Bekenntnislogik wird der Kelch, der vorher (als Raum) der Taumelbecher und (als Geld) der Kelch des göttlichen Zorns war, zum Becher der Unzucht (Produkt der Verinnerlichung der Scham).
    Mit der Verinnerlichung des Schicksals wurde der Begriff erzeugt, mit der Verinnerlichung der Scham (mit dem Ursprung des Inertialsystems) wurde der Name zerstört. Die Geschichte der Verinnerlichung des Schicksals (ihre Vorgeschichte war die des Tempels) und die der Verinnerlichung der Scham (deren Vorgeschichte die der Kirche war) waren Phasen eines universalen Verdrängungsprozesses. Zum Tempel in Jerusalem: zum Haus des Namens Gottes, gibt es in der modernen Welt keine Entsprechung.
    Jürgen Habermas hat die Kritische Theorie verraten, als er sie ins Projektive gewendet (und das Eingedenken der Natur – nicht der „gequälten Natur“ – im Subjekt verworfen) hat.
    War nicht die Verurteilung des Sabellianismus, die Verwerfung der Vorstellung, daß auch der Vater den Kreuzestod mit erleidet, eine der Bedingungen, unter denen die Hellenisierung des Christentums überhaupt möglich war? Hier ist das Christentum caesarisch geworden: Während das Königtum aus der Institution des Opfers sich herleitet, bezeichnet der Caesar nicht zuletzt die Geldhoheit des Reiches; das Bild des Kaisers ist auf der Münze, die Münze aber ist die Verkörperung der Abstraktion von einer möglichen Identifikation mit dem Schicksal der Opfer: vor der Logik des Geldes sind die Armen nicht Opfer, sondern schuldig; die Hohepriester kennen keinen König außer dem Kaiser. Die Münzhoheit ist der Ursprung und ein Teil der caesarischen Gestalt der Herrschaftsgeschichte (sh. Darius).

  • 22.9.1994

    Das Oberlandesgericht Frankfurt hat das Verfahren gegen den 38-jährigen Siegfried Nonne „mit Rücksicht auf die Kronzeugenregelung“ eingestellt. Siegfried Nonne hatte Anfang 1992 ein „Geständnis“ über eine angebliche Beteiligung an dem Mord an Alfred Herrhausen abgelegt, und hierbei Namen von Leuten genannt, die die Tat begangen haben sollen. Später hat er dieses „Geständnis“ öffentlich (u.a. in der ARD-Sendung „Brennpunkt“) mit dem Hinweis widerrufen, er sei „von hessischen Verfassungsschützern gezwungen“ worden. Das Oberlandesgericht unterstellt, daß das erste Geständnis stimmte. Wer wurde damit freigesprochen: Siegfried Nonne, der Generalbundesanwalt oder der hessische Verfassungsschutz? Und außerdem: Liegt diese Entscheidung nicht in der Linie der Konsequenz aus dem dezisionischen Souveränitäts-Begriff Carl Schmitts, der immer mehr und immer deutlicher aus dem politischen in die juristische Ebene sich verlagert? Souverän ist nicht mehr das Staatsoberhaupt („Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet“), sondern die Justiz, die im Verfassungs- und im Staatsschutzbereich immer mehr politische Kompetenzen übernimmt. Grund ist ein Rechtsstaatsverständnis, das die Lücke im Recht durch eine gnadenlose und in ihrer Konsequenz selbstmörderische Staatsmetaphysik zu schließen versucht (hier liegt der systemische Grund für den Titel Staatsanwalt).
    Liegt in den Sätzen des Hiob und des Jeremias, in denen sie wünschen, schon vor ihrer Geburt gestorben zu sein, nicht die Geburt der modernen Naturwissenschaft: der Ursprung der der Vorstellung einer homogenen Zeit, die, indem sie die Zukunft unter die Vergangenheit subsumiert, den Tod vor die Geburt verlegt (Zusammenhang mit der Reichsidee und dem babylonischen Caesarismus)?
    Wie hängen die Hiob- und die Jeremias-Stelle mit der anderen Stelle bei Jeremias (15: Noch ehe ich dich bildete im Mutterleib, habe ich dich erwählt) zusammen? Und hat diese Konstellation etwas mit dem Ursprung des Weltbegriffs (und seiner Vorankündigung bei Jeremias) zu tun? Die Verfluchung der eigenen Geburt und das Motiv des Schreckens um und um sind die Innenansicht der Verzeitlichung der Konjugation und des Ursprungs des Neutrum, beide sind durch die Geschichte der Reichsbildung vermittelt. Herrschafts- und sprachgeschichtlich gehört das zusammen wie Nebukadnezar und der Turmbau von Babel. Die babylonische Sprachverwirrung gehört zur Ursprungsgeschichte der Zivilisation: die Bibel hält die Erinnerung an die Schreckenserfahrung fest, die die Zivilisationsgeschichte (unterm Vorzeichen der Philosophie) in der Sprache selber (durch ihr ihre eingeschriebene Logik und Struktur) verdrängt. Diese Erfahrung wird durch den Weltbegriff neutralisiert.
    Bezieht sich Deut 2210 „Du sollst nicht Ochse und Esel zusammen vor den Pflug spannen“ (wie auch die damit zusammenhängenden Gebote der Vermischung) auf die „Vermischung“ von Vergangenheit und Zukunft in der Vorstellung einer homogenen Zeit (auf die Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit)? Hat diese Stelle (das Verbot, Joch und Last gleichzusetzen: die Diskriminierung des mechanischen Materiebegriffs) etwas mit dem gordischen Knoten (der Joch und und Deichsel verbindet) zu tun?
    Gibt es in der Bibel das Gebot: Du sollst nicht lügen? Vgl. Lev 1911: „Ihr sollt nicht stehlen und nicht ableugnen und nicht einer den andern betrügen“ (Zürcher Bibel)/ „Ihr sollt nicht stehlen, nicht täuschen und einander nicht betrügen“ (Einheitsübersetzung).
    Nicht aufs Ansehen (auf den Ruf), sondern aufs Tun kommt’s an.
    Ist der Katholizismus heute nicht endgültig zur Weltreligion geworden (und geht er daran nicht zugrunde)?
    Die Zukunft aus der Herrschaft der Vergangenheit befreien (die Zukunft freischaufeln), das kann niemand allein. Deshalb kann niemand alleine Christ sein.
    Die Personalisierung des Teufels hat (wie jede Verteufelung seitdem) nur zur Stabilisierung von Herrschaft beigetragen (Verteufelung als Blitzableiter der Herrschaftskritik). Besser als hinter seiner Personalisierung konnte sich der Teufel nicht verstecken. Aber das funktionierte nur solange, wie das Bild des Teufels aus der Sexualmoral sich nährte. Die Schrecken der Hölle waren nur solange wirksam, wie es möglich war, die Schrecken der Herrschaft in der Phantasie noch zu steigern.
    Die Opfertheologie ist das Produkt der Theologisierung der Logik der Ausbeutung.
    Hegels Philosophie heult mit den Wölfen (und das Weltgericht ist das Heulen der Wölfe). – Wie hängt die Klugheit der Schlange mit dem Heulen der Wölfe zusammen?
    Hat das Gebot, den hebräischen Sklaven nach dem sechsten Jahr freizulassen, etwas mit der Geschichte der hebräischen Schrift (mit der Geschichte der Logik der Schrift als Grund und Spiegel der Herrschaftsgeschichte) zu tun?
    Mit der kopernikanischen Wende ist die Erde ein zur kapitalistischen Aneignung freigegebenes „herrenloses Gut“ geworden. Darin liegt die theologische Bedeutung des Konzepts eines unendlichen Raumes. Insofern gehören Kopernikus und die „Entdeckung Amerikas“ (als Paradigma der Kolonialisierung der Welt) zusammen.
    „Spruch des Herrn“: Ist das nicht der Versuch, die Logik der Schrift von ihrem Fluch, an die Adresse des Allgemeinen gefesselt zu sein, zu befreien? Rosenzweigs Kritik des „All“ wäre durch die Kritik der Gemeinheit (die Kritik der Logik der Schrift) zu ergänzen (und als Kritik des Allgemeinen, des Weltbegriffs zu entfalten).
    Die Allgemeinheit des schriftlich fixierten Rechts hat zum Grund die Souveränität dessen, der das Gesetz erlassen hat (nach Heinsohn des gleichen, der auch als erster in seinem Namen Geld geprägt hat: Hammurabi = Darius).
    Hat der Rekurs der Heinsohn-Gruppe auf eine Naturkatastrophe (die Venus-Katastrophe) nicht seine eigene Logik in der Konsequenz, die ihn mit seinem historistischen Ansatz verbindet? Hier wird gleichsam ein zweitesmal die Zukunft unter die Vergangenheit subsumiert.
    Handelt nicht der „Sündenfall“ von der Geschichte, in der die Sprache (auf dem Wege von Jerusalem nach Jericho) unter die Räuber (unter die Logik der Schrift) gefallen ist („die zogen ihn aus und schlugen ihn und gingen davon und ließen ihn halbtot liegen“)? Der Priester und der Levit sahen ihn und gingen vorüber.
    Der Weltbegriff ist der Ursprung, das Instrument und das Produkt der Identifikation mit dem Aggressor.
    Die kopernikanische Wende hat die Verinnerlichung der Schicksalsidee zur Verinnerlichung der Scham weitergetrieben, ein Prozeß, in dem die Scham gegen das Subjekt selber sich wendet, es tendentiell auslöscht.
    Nur die deutsche Sprache hat die kopernikanische Wende in ihre Sprachlogik mit aufgenommen, während die anderen modernen Sprachen, insbesondere die romanischen Sprachen, in der Logik der Islamisierung der Sprache steckengeblieben sind. (Ist nicht die gesamte osteuropäische Orthodoxie insofern ein Archaismus, als sie die Lehre in einem vorislamischen Stand konserviert?).
    Sünde wider den Heiligen Geist: Das Inertialsystem hat mit der Natur gemacht, was die Schrift mit der Sprache (und die Bekenntnislogik mit der Theologie) gemacht hat.
    Gott und Teufel, Feindbild und Opfertheologie: Zur Bekenntnislogik gehört das Feindbild wie das Idol zum Götzendienst; über die Bekenntnislogik gleicht deren Subjekt dem Bild seines Feindes ebenso sich an wie umgekehrt das Feindbild auch als Projektion dessen, was das Subjekt in sich selber verdrängen muß, begriffen werden muß. Über das Feindbild stellt eine Reflexionsbeziehung sich her, die den Inhalt des Bekenntnisses mit bestimmt. In seiner entfalteten Form leistet die Bekenntnislogik
    – die Sicherung der Verdrängungsleistung (durch Projektion des Verdrängten auf den Feind),
    – den Schein der Schuldfreiheit (Befreiung durch Bestrafung des Feindes als Sündenbock) und
    – die Abfuhr der Aggression, deren Ursprung ins Objekt verlegt wird, die dem Täter gleichsam nur objektiv und schicksalshaft widerfährt: Schuldig ist das Opfer, dessen stellvertretendes Leiden den Täter von der Schuld befreit.
    Dieser Mechanismus hat über die Opfertheologie (den transzendentallogischen Kern der Bekenntnislogik) den Weltbegriff nicht nur begründet, sondern zugleich „entsühnt“, den herrschaftslogischen Kern des Weltbegriffs (die poltische Theologie der Staatsmetaphysik) unsichtbar und unangreifbar gemacht.
    Die Tatsache, daß Jesus ein Jude war, wird sich erst dann produktiv in der Reflexion und Auflösung des Antijudaismus verwenden lassen, wenn sie als Teil der Kritik der Bekenntnislogik (und als Grundlage der Rekonstruktion eines prophetischen Erkenntnisbegriffs) begriffen wird.

  • 19.9.1994

    Das Lachen ist die Finsternis über dem Abgrund wie auch die dem Feind zugewandte Seite der Bekenntnislogik, die mit dem Feindbild zugleich den Inhalt des Bekenntnisses stabilisiert (Beziehung zur Opfertheologie). Das Lachen gehört ebenso wie die hierarchische Grundordnung, zu der es gehört, zu den Konstituentien einer durch Gewalt bestimmten Welt. Das Lachen steht in einem Systemzusammenhang mit dem Problem der Souveränität (Carl Schmitt); es definiert die Grenze zwischen dem Eigentlichen und dem Uneigentlichen, die Bei Heidegger als Produkt einer reinen Dezision („Entschlossenheit“) sich erweist. Das Stück Irrationalität, die Lücke, die das Lachen (der Dezisionismus) überbrücken soll, ist die systemische Lücke der Beweislogik. Nicht zwar überbrückt, wohl aber ausgelotet wird diese Lücke durch die theologische Idee der Barmherzigkeit, ohne die es eine Schöpfungslehre und die Lehre von die Lehre von der Auferstehung nicht gibt: sie sprengt den Natur- und Weltbegriff, indem sie die Trennung beider, die der eigentliche Grund des Lachens ist, aus dem Bann des Absoluten erlöst. Während im Schrecken (im „Grauen um und um“) die Schrift sich erfüllt, erfüllt sich das Wort in der Erlösung von diesem Bann. Die gesamte christliche Tradition hat die Erfüllung des Wortes mit der Erfüllung der Schrift verwechselt: Diese Verwechslung war der Kelch, von dem Jesus wünschte, er möge an ihm vorübergehen.
    Man kann Carl Schmitt nicht widerlegen, wenn man die Lücke, die er mit seinem Begriff der Souveränität zu schließen versucht, bloß leugnet (vgl. Krockow).
    Der Paulinismus hat mit dem Namen des Gesetzes (der in der Logik der Schrift gründet), die Erinnerung an die Lehre (die Voraussetzung der Erfüllung des Worts) gelöscht und nur deren Leichnam, das Dogma und die Eucharistie, übrigbehalten.
    Hat Joachim Ritter nicht recht, wenn er das Lachen als ein Ingrediens des Weltbegriffs begreift? Das Lachen ist das Instrument der Trennung von Welt und Natur: Mit dem Lachen hält die Welt sich die Natur vom Leibe. Die Sprache bewegt sich nur noch in der zweiten Natur der Subjektivität, sie reicht an die erste nicht mehr heran (wie in Habermas‘ Kommunikationstheorie).
    Aber Ritters Begriff der Subjektivität ist das Zeichen der Kapitulation vor der sprachfremden Objektivität, des Verzichts darauf, diese Objektivität mit der Vernunft zu durchdringen.
    Joachim Ritter übersieht den blutigen Ernst des Lachens, seine doppelte Beziehung zum Mord, in dem es sowohl gründet als auch endet.
    War nicht das homerische Lachen der Götter Ausdruck der Auseinandersetzung mit dem Schicksal: die Subjektivierung des Lachens war ein Nebeneffekt der Verinnerlichung des Schicksals (und des Ursprungs einer Gottesidee, zu der die Vorstellung gehört, daß Gott seiner nicht spotten läßt: Modell des heute vergesellschafteten Instituts der „Majestätsbeleidung“).
    Ist der Mond die astronomische Verkörperung des Lachens? Das würde begründen, weshalb Hunde den Mond anbellen. (Und der Zyklus der Frauen hängt mit dem Mondzyklus zusammen.)
    Gibt es innersprachliches Äquivalent jener Engel-Kosmologie, die die Paulus-Briefe auszeichnet (und u.a. in der kirchlichen Liturgie, in der Präfation, erscheint)? Ist das kreisende Flammenschwert des Kerubs vorm Eingang des Paradieses die Verkörperung des Lachens (JHWH thront auf den Kerubim)?
    Wenn Jesus nicht gelacht, dafür aber die Dämonen ausgetrieben hat, so ist das das genaueste Symbol der Erfüllung des Wortes.
    In ihrer mystischen Tradition haben die Juden versucht, das Wort aus seiner Verstrickung in die Logik der Schrift zu befreien, während die christliche Tradition das Wort erneut der Logik der Schrift unterworfen hat.
    Ist nicht das Deutsche die vollendete Entfaltung der Logik der Schrift? Und sind davon nicht die deutsche Klassik, die deutsche Musik und die deutsche Philosophie der vollendetste Ausdruck? Daß bei Schelling die Zukunft „geahndet“ wird (und nicht, wie es nach der Entfaltung des Weltbegriffs allein noch möglich ist, erinnert), ist hierzu ein Schlüsselwort: Spökenkieker mögen die Zukunft „ahnen“, geahndet wird nur die Schuld, in deren Zusammenhang die Zukunft mit dem entfalteten Weltbegriff irreversibel sich verstrickt.
    Vgl. die Vermutung Gunnar Heinsohns, daß Darius (der Erfinder des gemünzten Geldes) der biblische Hammurabi ist (der erste, der das Recht der Logik der Schrift subsumiert, es zum Gesetz gemacht hat). Gegen das persischen Reich waren in der Tat das assyrische und das babylonische nur Vorstufen.
    Hat der Ursprung und die Geschichte der Beichte etwas mit dem Ursprung und der Geschichte des Geldes (Heinsohn) zu tun? Auch hier wurde die Schuld in kleine Münze umgeformt, die am Ende als ganze eingefordert werden wird (Ursprung und Geschichte der Schuldknechtschaft, Geschichte der Banken).
    (Liegt „meiner“ Interpretation der Geschichte der drei Leugnungen die matthäische Version zugrunde?)
    Das typologische Schriftverständnis müßte im Kontext einer Kritik der Philosophie (einer Kritik der Geschichte der Logik der Schrift) sich sprachlogisch begründen lassen.
    Nur die Schriftreligionen sind Weltreligionen.
    Heute machen sich die Bücher mit dem Weltgericht gemein (mit wenigen Ausnahmen). Der Hegelsche Weltgeist ist das durch die Logik der Schrift gekreuzigte, gestorbene und begrabene Wort.
    Mit dem Übergang vom Märtyrer zum Confessor, der dann die Geschlechtertrennung der Heiligen (den Ursprung der „Virgo“) nach sich gezogen hat, ist das Zeugnis der Wahrheit, das vorher das des Martyriums war, vergeistigt worden zur confessio: Hierdurch ist die Wahrheit in die Logik der Schrift zurückgenommen, in ein Herrschaftsmittelt umgeformt (und patriarchalisiert) worden. Die Logik der Schrift ist die Logik der Instrumentalisierung (oder auch die Logik der Vergegenständlichung, des Weltbegriffs).
    Reflektieren nicht die Grammatiken allesamt den Punkt, an dem die Sprachen zu Schriftsprachen geworden sind?
    Das Substantiv ist der Verdunkelungspunkt der Grammatik, das schwarze Loch, das alle Erkenntniskraft der Sprache in sich aufsaugt und nicht mehr herausläßt.
    Wie kommt es, daß in den modernen romanischen Sprachen (mit Ausnahme des Rumänischen) tendentiell das Neutrum wieder entfällt?
    Gründet das Neutrum in der Angleichung von Ja und Nein (Ursprung der Reflexionsbegriffe).
    Gehört nicht zur Bekenntnislogik als ihr Kern das Opfer der Vernunft? Der Ausgleich ist das Feindbild (Ursprung des Weltbegriffs).
    Korruption und Verschwendung der Regierenden steigen mit der Not des Volkes.
    Ist nicht jeder Staatskapitalismus zum Untergang verurteilt, sobald er beginnt, die agrarische Produktion zu vergesellschaften; liegt nicht hier die Quelle der Paranoia aller „sozialistischen“ Diktaturen, und gründet nicht hier der Mechanismus, der sie zwingt, am Ende von der eigenen Substanz zu leben? Und sind das nicht zugleich drastische Beispiele für die Folgen der Bekenntnislogik, die unvermeidbar waren, nachdem Kritik in ein Herrschaftsmittel verwandelt (der historische Materialismus zur Ideologie) wurde: für die Folgen Instrumentalisierung der Sprache, der Trennung einer sprachfreien Realität von der subjektivierten Sprache?
    Der Wohlgesonnene ist für den Nationalgesinnten ein Sympathisant.
    Der Staat gründet im Urteil, und das Gewaltmonopol des Staates ist das Prinzip der Selbstzerstörung der Sprache.
    Der Grund, aus dem jede Ästhetik erwächst, ist die Reflexion. Auf diesem Boden von „realer Gegenwart“ zu sprechen (George Steiner) heißt: den Schein hypostasieren.
    Der Satz „Das Eine ist das Andere des Andern“ fixiert mit der Konsequenz, die Hegel daraus zieht, den Blick des Anklägers und treibt die Barmherzigkeit aus (die jeder Ankläger mit den Dämonen verwechselt). Die Welt ist der Inbegriff der verandernden Kraft, und deren Repräsentanten im Subjekt sind die subjektiven Formen der Anschauung (und deren objektiver Grund wiederum ist die Logik der Schrift).
    Zu Begriff der Spekulation: Das Subjekt, das sich in der entfalteten Reflexion zu verlieren droht, bedarf des Absoluten als eines Spiegels, in dem es sein Selbst entdeckt und wiedergewinnt. Dieses Absolute ist Subjekt, Gegenstand und Produkt der Spekulation. Der Grund, aus dem es hervorgeht und erwächst, ist der Schein. Bezieht sich hierauf nicht das Bild von der Konstellation Schlange, Adam und Staub (die Schlange frißt den Staub, den Adam produziert)? Der Dezisionismus, der nicht zufällig in der Lehre von der Souveränität gründet, ist das unfreiwillige Schuldeingeständnis des Absoluten. Und die Idee des Absoluten ist das Denkmals des philosophischen Erbes der Theologie. Durch die Idee des Absoluten ist die Theologie auf eine höchst ironische Weise zur Magd der Philosophie geworden.
    Kopernikanisches System und Fernsehen: Das Inertialsystem ist die Schaubühne, auf der wir Autor, Regisseur und Schauspieler in einem sind, nur daß wir es am Ende als Zuschauer nicht mehr merken.
    Verkehrte Welt: Der Weltbegriff ist die Einheit der Gegenständlichkeit des Wissens mit der Subjektivität der Natur.

  • 17.9.1994

    Die Spuren der zukünftigen Welt liegen in der Vergangenheit, und hier liegt die Kraft zu lösen. Und wenn es von der Sünde wider den Heiligen Geist heißt, daß sie „weder in dieser noch in der zukünftigen Welt vergeben“ wird, so bezieht sich dieses Vergeben auf die Sünde Adams als die Sünde der Welt: auf das Problem der vergangenen Zukunft.
    Liegen nicht die Fehler der bisherigen Kritik des Werkes von Carl Schmitt darin, daß die Erkenntnisses Carl Schmitts als Bekenntnisse auffaßt: daß sie dieses Werk verharmlost.
    Hat Carl Schmitt nicht recht: Schließt nicht jedes Urteil ein dezisionistisches Moment mit ein, das die Lücke schließen soll, die die Beweislogik nicht schließen kann, und gründet nicht alle gesellschaftliche Ordnung in der Kraft der Urteilslogik (und bezieht das Urteil diese Kraft nicht aus dem Gewaltmonopol des Staates)? Deshalb gehört zum Dogma – ebenso wie eine Opfertheologie – das Dogma der Unfehlbarkeit (das theologisch-kirchliche Pendant der Souveränität).
    Liegt nicht ein Grundfehler der kirchlichen Schriftauslegung in der fehlenden Problematisierung der neutestamentlichen Gemeinschafts-Bezeichnungen Kirche und Synagoge, die eher auf Strukturen der Vergesellschaftung der Religion verweisen als auf die Unterscheidung von Christen und Juden. Kann es nicht sein, daß die dem neutestamentlichen Bild der Synagoge zugrundeliegenden Strukturen heute eher die christlichen Gemeinschaften treffen als die jüdischen, auch wenn diese noch den gleichen Namen tragen?
    Liegen nicht die Gefahrenpunkte des Weltprozesses überall dort, wo die caesarische Tradition mit hereinspielt: das gilt außer für Deutschland auch für die Schah-Tradition im Iran und für die Zaren-Tradition in Rußland und deren politische Folge-Strukturen. NB: Hat die islamische Tradition nicht schon in ihren Anfängen mit dem Weltbegriff und dem Konzept der Bekehrung durch Eroberung (das dann vom westlichen europäischen Christentum fortgeführt und in die Fundamente der westlichen Zivilisation mit hereingenommen worden ist) dieses caesarische Erbe als religiöses Erbe übernommen? Sind nicht alle „Welt-Religionen“ caesarisch? Ist nicht die Bekenntnislogik die Logik des Caesarismus?
    Daß man in Deutschland keine Lüge aussprechen kann, ohne sie selber zu glauben, hängt mit der caesarischen Tradition (mit der caesarisch instrumentierten Sprachlogik des Deutschen) zusammen.
    Nicht-Ich: Die Struktur der Welt selber erzwingt einen Begriff der Religion, der Religion nur noch als „Religion für andere“ (das wäre übrigens die präziseste Definition der „Weltreligion“) zuläßt, in der aber jeder von den Forderungen der Religion sich dispensiert weiß.
    Was bedeutet der Begriff des „Samen“ („Nachkommen“) in der Sündenfall-Geschichte?
    In welchen Sprachen gibt es ein Neutrum? Wie ist es im Russischen oder im Persischen?
    Sind nicht alle Kosmologien Produkte des Exkulpationstriebs, des Rechtfertigungszwangs, des Schuldverschubsystems (und dessen Ursprungsgeschichte die Geschichte vom Sündenfall)?
    „Das mußt du mir büßen!“ Ist nicht dieser Satz Ausdruck einer blasphemischen Hybris, die die Umkehrforderung auf sich anstatt auf Gott bezieht; aber steht er nicht in der Tradition der christlichen Opfertheologie? Und ist nicht das Geld die säkularisierte Gestalt dieses instrumentalisierten, blasphemischen Opferverständnisses? Vgl. den Titel „Büßerin“ für Maria Magdalena.
    „Herr“ ist, wer sich das Recht erworben hat, Opfer zu fordern und Bußen aufzuerlegen.
    Wie hängt die Bekenntnislogik mit der Logik der Schrift zusammen, und wie verhalten sich beide zum Weltbegriff und zur caesarischen Tradition?
    Zum letzten Stück der „Minima Moralia“: Es ist wahr, „Erkenntnis hat kein Licht, als das von der Erlösung her auf die Welt scheint“ (S. 480). Aber ist die Quelle dieses Lichts nicht in Joh 129 bezeichnet, und käme es nicht endlich darauf an, dieses Licht unter dem Scheffel, unter den die Kirche es gestellt hat, hervorzuholen?

  • 15.9.1994

    Carl Schmitt, der Weltbegriff, die Bekenntnislogik und der Begriff der politischen Theologie.
    Die politische Theologie ist das Objekt der vorletzten Bitte des Herrengebets: et ne nos inducas in tentationem.
    Der Caesarismus ist die logische Konsequenz der Philosophie (des Weltbegriffs). Er gründet im Problem der Souveränität: er ist ein Versuch, das Problem des politischen Handelns unter den Bedingungen der Ontologie zu lösen; dieser Versuch mündet zwangsläufig im Dezisionismus.
    Ist nicht das, was wir heute den Rechtsstaat nennen, die Verlagerung des Problems der Souveränität in die Verwaltung, in die Person des Richters (vgl. die Entwicklung zur Politisierung des Bundesverfassungsgerichts) und in die Institutionen staatlicher Gewalt (Milität und Polizei)? Insgesamt scheint es nur noch um die Destruktion der Verantwortung zu gehen. So läßt sich der heutige Stand des Problems der Souveränität am Anwachsen der Verwaltung, an der wachsenden Stummheit der Politik und an der generellen Tendenzen zu Militärdiktatur und Polizeistaat ablesen. Vgl. hierzu Carl Schmitt, Politische Theologie, S. 37: „Daß es die zuständige Stelle war, die eine Entscheidung fällt, macht die Entscheidung relativ, unter Umständen auch absolut, unabhängig von der Richtigkeit ihres Inhalts und schneidet die weitere Diskussion darüber, ob noch Zweifel bestehen können, ab.“
    Carl Schmitt zieht die politischen Konsequenzen daraus, daß die Kirche spätestens seit der Privatisierung der Sexualmoral die Erbsünde unter das Schuldverschubsystem subsumiert hat.
    Joh 1915: „Wir haben keinen König außer dem Kaiser.“ Dieser Satz der Hohepriester vor Pilatus ist ein Schlüsselsatz zum Verständnis des Johannes-Evangeliums; außer dem „Antijudaismus“ des Johannes-Evangeliums begründet er, weshalb die Sadduzäer nicht an die Auferstehung glaubten. Im unmittelbaren Anschluß an diesen Satz heißt es: „Darauf lieferte er (Pilatus) ihn an sie aus, damit er gekreuzigt würde.“

  • 14.9.1994

    Zur Kritik des Fundamentalismus: Ziel der Gotteserkenntnis wäre es, aus dem Bann der Gottesvorstellung herauszutreten.
    Merkwürdige Stellung des Neutrum in der französischen, italienischen und spanischen Sprache:
    – Die französische und die italienische Sprache kennt beim Nomen kein Neutrum, auch kein entsprechendes Personalpronomen; wohl gibt es im Französischen die unpersönlichen Verben mit „il“ (3. Pers. m.) als grammatischem und einem Substantiv als (nachgestelltem) logischem Subjekt (und im Italienischen die unpersönlichen Ausdrücke wie basta, es genügt, u.ä.).
    – Das Spanische kennt das Neutrum beim bestimmten Artikel, auch als Personalpronomen, der sächliche Artikel wird aber nur bei substantivisch gebrauchten Adjektiven, Adverbien, Fürwörtern und Zahlwörtern verwendet.
    Alle drei Sprachen kennen keine Deklination der bestimmten Artikel.
    Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Bildung des Neutrum und und der politischen „Reichs“-Bildung (Griechen, Römer, Deutsche), dem Carsarismus, der herrschaftsgeschichtlich von der Monarchie zu unterscheiden ist (Differenz der caesarischen zur davidischen Tradition)? Steckt im Reich, in der caesarischen Tradition, die babylonische Tradition?
    Ist das nicht auch ein Hinweis auf die Logik der Deklination, der Fallbildungen, daß in den „monarchischen“ Sprachen die bestimmten Artikel nicht der Deklination unterliegen, sondern insbesondere Genitiv und Dativ mit de und a (im Spanischen wie im Französischen), oder mit of und to (im Englischen) gebildet werden? In diesem von/zu scheint noch die Wechselseitigkeit durch, die durch die Monarchie stabilisiert und erst im Caesarismus nochmal vergegenständlicht wird. Erst die moderne Aufklärung, die den Caesarismus totalisiert (im Kapitalismus wie im Inertialsystem), hat der Monarchie den Boden entzogen.
    Verhalten sich nicht Deklination und Konjugation wie Geometrie und Algebra (wie die subjektiven Formen der Anschauung: wie Raum und Zeit)?
    Ist das Neutrum (als Ausdruck und Produkt des Caesarismus) die säkularisierte (politisch instrumentalisierte) Herrlichkeit Gottes (Produkt der Vertreibung der Schechina aus der Sprache)?
    Der Fall ist der Fall in die Finsternis: Wichtig ist vor allem, was er zum Verschwinden bringt.
    Die Beziehung von Genitiv und Dativ reflektiert das Tauschprinzip, die Beziehung von Nominativ und Akkusativ die Schuldknechtschaft (die drei romanischen Sprachen kennen keine Unterscheidung von Nominativ und Akkusativ: hier ist das Prinzip des Neutrum in die beiden personalen Geschlechter mit hereingenommen worden; entfällt damit die Notwendigkeit eines gesonderten Neutrums; oder umgekehrt: fehlt mit dem gesonderten Nominativ und mit der fehlenden Großschreibung der sprachliche Repräsentant des vergesellschafteten Caesarismus?).
    Was ist der Unterschied zwischen Konjunktiv (coniungo – verbinden) und Subjunktiv (subiungo – (unten) verbinden, anfügen, anspannen; unterwerfen)?
    Modell: Die Geschichte vom Sündenfall als Darstellung des Schuldverschubsystems, der Verschlingung von Schuldknechtschaft und Tauschprinzip; die ausgeführte Gestalt ihrer Selbstreflexion ist die Hegelsche Philosophie, die aber in ihr eigenes Prinzip sich verstrickt hat und daraus nicht mehr sich zu lösen vermochte.
    Bemerkung zur Geschichte der Grammatik: Sind nicht die Skinheads (mit ihren nackten „Häuptern“) zwangsneurotisch-paranoide Verkörperungen des Substantivs, das selber der Logik des durchdeklinierten bestimmten Artikels sich verdankt?
    Johannes Scottus Eriugenas bezieht in seine Interpretation des Gleichnisses von barmherzigen Samariter die typologische Bedeutung von Jerusalem und Jericho mit ein: das Paradies und „diese Welt“ (Über die Einteilung der Natur, S. 97). Wirft das nicht ein Licht auf den Zusammenhang der sonstigen Jericho-Geschichten (mit der Dirne Rahab, die dann in den Stammbaum Davids und Jesu hereinkommt, der Xenophobie-Geschichte und der Zerstörung Jerichos, aber auch dem Wiederaufbau Jerichos in 1 Kön 1634 in den Tagen Ahabs, der es ärger trieb als alle, die vor ihm gewesen sind, der sogar die Isebel zur Frau nahm und dem Baal diente und ihn anbetete)?
    Jedes Bekenntnis definiert sich durch ihr Feindbild; deshalb war die Hölle für die kirchliche Tradition (und der Antisemitismus für die Nazis) so wichtig. Eben deshalb aber mußten auch das Dogma und das Credo seit je großzügig über das Gebot der Feindesliebe sich hinwegsetzen. Im Dogma selbst mußte die Bekenntnislogik durch ein Denkverbot verankert werden, das den Widerspruch zum Gebot der Feindesliebe unsichtbar machte. Dieses Denkverbot war der innere Grund der homousia: Ausdruck und Deckbild der Haßliebe von Vater und Sohn, ohne die die Opfertheologie nicht zu halten war. Der Vater der Trinitätslehre rechtfertigt seitdem jede Form von Herrschaft und jede Form von Gewalt, die von oben kommt (Verschiebung der Bedeutung des theologischen Begriffs der Empörung, der seitdem anstatt auf die Gewalt oben auf jegliche Gewalt von unten sich bezieht).

Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie