… ut adnuntietur nomen meum in universa terra (Röm 917, vgl. Kurt Flasch: Logik des Schreckens): Das Universum war zunächst ein Adjektiv, auf den Namen der Erde bezogen. Ist die (matriarchale) universa terra (und erst in seiner Folge das patriarchale Universum, das den Himmel mit einbezieht und so das Universum zum All gemacht hat) eine Folge der Venus-Katastrophe? Ein zentraler Mangel der Analysen Flaschs ist selber christliches Erbteil, das in ihre Prämissen mit eingegangen ist, von dem sie nicht sich zu lösen vermochte: nämlich die Vorstellung, die Erlösung beziehe sich (als Rechtfertigung) nur auf die einzelnen Subjekte und lasse die Welt unberührt. Damit verbunden ist ein zweiter, ebenfalls aus der christlichen Tradition sich herleitender Mangel: daß die Kategorien, in denen er Gott vorstellt und begreift, politische Kategorien sind; er sieht Gott im Bilde des Monarchen. Beides sind Folgen des unreflektierten Weltbegriffs, unter dessen Herrschaft es zum Selbsterhaltungsprinzip keine Alternative mehr gibt, und dessen Ursprung auf den Monarchen und den Staat (die Verkörperungen des Absoluten) und nicht auf Gott (auf den Namen Gottes, der erst im Kontext der Weltkritik, der „Heiligung des Gottesnamens“, sich bildet) zurückweist. Kann es sein, daß der paulinisch-augustinische Begriff der justificatio erst nach der sprachgeschichtlichen Trennung von Ding und Sache und im Kontext der hier entsprungenen Bekenntnislogik zur Rechtfertigung geworden ist, daß er an Ort und Stelle mit „Gerechtmachung“ (ähnlich wie fides mit Treue, und nicht mit dem auf den Gegensatz zum Wissen fixierten „Glauben“) zu übersetzen wäre? Folgen des Weltbegriffs: – Ontologisierung des Selbsterhaltungsprinzips, des Staates und der Herrschaft, – Hermann Cohen, Franz Rosenzweig und Emanuel Levinas: . die Attribute Gottes sind Attribute des Handelns, nicht des Seins, . die Umkehr (als erkenntnistheoretische Kategorie), der Name (ist nicht Schall und Rauch) und das Angesicht (nicht die Seele und nicht die Person ist das Ebenbild Gottes), . Ethik als prima philosophia. – Ausschließung der Herrschaftskritik, Konstituierung der Sexualmoral (Trennung der Sexualmoral von der Herrschaftskritik), – Beziehung von Namen und Begriff, Zerstörung der benennenden Kraft der Sprache (Prophetie und Philosophie: Liquidierung des Aktualitätsbezugs der Prophetie durch das tode ti; vgl. hierzu Hegels Analyse des Hier und Jetzt), – Trennung von Natur und Welt, Konstituierung des Wissens, Subsumierung der Zukunft unter die Vergangenheit (Vorstellung einer homogenen Zeit), – Konstituierung der mathematischen Raumvorstellung, Ursprung des Naturbegriffs (von der Astronomie zum Inertialsystem), – zum Begriff der Erscheinungen: die Wahrheit liegt nicht „hinter“ den Erscheinungen, sondern bezieht sich durch Umkehr auf die Erscheinungen, – Inbegriff des Schuldverschubsystems (Ursprung des Neutrum, „indogermanische“ Rekonstruktion der flektierenden Sprache), – Ursprung des Weltbegriffs (Philosophie/Mythos, Staat/Recht, Zivilisationsschwelle, Barbaren/Hebräer): Tempel und Opfer, Privateigentum und Geldwirtschaft, Ursprung der Schrift, – Weltkritik als Herrschaftskritik und Erinnerungsarbeit: Sensibilisierung, – Apokalypse, die sieben Siegel (Maria Magdalena und sieben unreinen Geister), Welt und Tier (die zukünftige Vergangenheit und die vergangene Zukunft), der Menschensohn, – die drei Leugnungen, das Binden und das Lösen, – Kant, Hegel und der Weltbegriff (die subjektiven Formen der Anschauung und das Anderssein des Einen), – Theologie im Angesicht Gottes und hinter seinem Rücken, – der Deckel auf der Vergangenheit (Begründung des Wissens und der Natur) und die Idee der Auferstehung, – Welt und Sündenfall („die Welt ist alles, was der Fall ist“): Der Sündenfall ein Sprachproblem? – Joh 129 und Kants Definition des Weltbegriff, – Weltbegriff antisemitisch, paranoid und frauenfeindlich, oder der Weltbegriff und die Bekenntnislogik, – die Konstituierung der Bekenntnislogik als exkulpatorische Logik und die Begründung des Geschwätzes, – der Weltbegriff, das Weltgericht, oder das Jüngste Gericht als das Gericht der Barmherzigkeit über das gnadenlose Weltgericht, – der Haß der Welt und die Idee des Parakleten, oder die Sünde wider den Heiligen Geist, – Verdinglichung und Instrumentalisierung, oder der Kreuzestod und die Opfertheologie, – Trauer- und Erinnerungsarbeit, oder Theologie nach dem Weltuntergang (Theologie und das descendit ad inferos, oder Auschwitz und die Naturwissenschaften), – „Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen“? – 1905, die Weltkriege, oder die Katastrophe der Marktwirtschaft, – Gunnar Heinsohn oder die Geschichte der Banken, – die Eucharistie und das Ding, oder die Geschichte der Theologie als Geschichte der drei Leugnungen, – Kanaan und die Philister: . der Exodus und die Landnahme sind gegen Kanaan gerichtet (Eroberung Kanaans), . die Begründung des Königtums erfolgt im Kampf gegen die Philister; aber das Königtum erliegt dann der kanaanäischen Verführung, – mit der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit ist in den neuen Erkenntnisbegriff und in die Konstituentien des Wissens ein projektives Moment mit eingegangen (Barbaren, Natur und Materie), – der Weltbegriff, die Unfähigkeit zur Sprachreflexion und der Fundamentalismus (das augustinische „ad litteram“ – Augustinus hat den Genesis-Kommentar nach 397 geschrieben – durch dieses „ad litteram“ wurde der prophetische Teil des Schöpfungsberichts neutralisiert, gelöscht, storniert, wurde er in die fundamentalistische Beziehung zur Natur gerückt), – Welt und Computersprache: cancle (löschen, beenden) und quit („quittieren“, Quittung), – mit der Lösung der Theologie aus den Verstrickungen des Weltbegriffs (den Verstrickungen des Andersseins) gewinnen auch die evangelischen Räte ihre wirkliche Bedeutung zurück: . aus dem Gehorsam wird das Hören, . aus der Keuschheit die Herrschafts- und Vergewaltigungskritik. Die Inquisition und der Terror, die Kurt Flasch zu Recht auf die augustinische Gnadenlehre zurückführt, sind Folgen der Verstrickung der Theologie in den Weltbegriff. Mit der dritten Leugnung wendet sich dieser Terror selbstzerstörerisch nach innen (der Greuel der Verwüstung). Hier verfängt sich die Kirche in der Logik ihrer Sexualmoral (es war die gleiche Logik, die Augustinus dazu gebracht hat, die Erbsünde in die concupiscentia zu verlegen (Ursprung des Biologismus und des Rassismus), anstatt sie in der Urteilslogik und im Weltbegriff zu erkennen). – Wird nicht das Wahrheitsmoment an der Trennung von Ding und Sache durch die Unterscheidung von Zorn und Wut ins Licht gerückt (im Kontext der alten res waren sie nicht unterscheidbar)? Hier (in dem Unvermögen, zwischen Wut und Zorn zu unterscheiden) liegt der Grund der augustinischen Verwirrung. Ist nicht das „Alles ist Wasser“ im „Satz des Thales“ (in der Erkenntnis der Orthogonalität) begründet? In der Tat „brütet der Geist über den Wassern“, aber am zweiten Schöpfungstag wurden diese Wasser durch die Feste des Himmels in die oberen und unteren Wasser geschieden. Ist diese Scheidung die Scheidung von oben und unten, und das als eine Trennung in den Wassern? Ist nicht das Wasser der Name, in dem die Trennung von oben und unten gründet, und ist das Wasser nicht deshalb in der Taufe das Symbol der Umkehr (während die Trennung von Licht und Finsternis der Trennung von vorn und hinten, dem Quellpunkt des Angesichts, zugrunde liegt; nur geht hier die „Finsternis über dem Abgrund“ dem Licht voraus)? Ist die Trennung von rechts und links die letzte: das Gericht (die Feuer der Hölle) und die Barmherzigkeit – Gegenstand einer Theorie des Feuers: – vorn/hinten: das Angesicht, – oben/unten: der Name, – rechts/links: das Feuer? Der Weltbegriff oder die Identifikation mit dem Blick von außen (Selbst- und Objektwahrnehmung durch den Blick von außen hindurch). Führt nicht das Konzept der „Umwertung der Werte“ zwangsläufig in die Konstrukte der Verzweiflung: in die Lehre vom Übermenschen und die Idee der ewigen Wiederkehr des Gleichen?
Bekenntnislogik
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5.5.1994
Die gesamte augustinische Philosophie, von der Erbsünden- und Gnadenlehre bis zum entfalteten katholischen Mythos, wird durchsichtig, wenn man das ohnmächtige Aufbegehren gegen die Verstrickung in den Weltbegriff darin erkennt. Ist nicht die „Kultur“ in der modernen Welt (in deren Licht die Kultur der alten Welt erst zur abgehobenen Kultur geworden ist) der Astrologie und dem Mythos (und ihrer Stellung in der Realität der alten Welt) vergleichbar. Logos wird ins Lateinische mit Verbum übersetzt (ins Deutsche mit Wort). Dem Lateinischen zufolge wäre der Logos das Substrat der Konjugationen, im Deutschen der Konjugationen und Deklinationen (Grund des Dingbegriffs, der Trennung von Ding und Sache). In welchen Kontext gehört der Logos-Begriff selber (der nicht mit dem Namen identisch ist)? Ist der Logos der „Sohn“ des göttlichen Namens? Ist die Differenz zwischen Logos und Verbum ein Reflex der Differenz zwischen den Flexionssystemen, den Grammatiken des Lateinischen und Griechischen, und zugleich der Grund der Differenz zwischen der lateinischen und griechischen Theologie (Bedeutung Tertullians)? Ist nicht das Lateinische überhaupt ein sehr viel tiefer und sehr viel mehr vom Zeitlichen (vom Verbalen) tingiertes Griechisch? Gibt es eine lateinische Entsprechung zur griechischen theoria, und gibt es ein griechisches Modell für die lateinische scientia? Wird die Gesamtgeschichte nicht durch zwei Totalitätsurteile bestimmt: durch die Trennung von Welt und Natur in der alten Welt, und durch die Trennung des Dings von der Sache in der modernen Welt? Die Geschichte der christlichen Theologie ist die Geschichte der Transformation von der ersten zur zweiten Trennung: Zwischen beiden liegen die Trinitätslehre, die Opfertheologie und die Vergöttlichung Jesu, und das Resultat dieser Transformationsgeschichte ist die Bekenntnislogik, die von der verdinglichten Welt nicht mehr zu trennen ist. Während alle Kosmologien sonst Reflexe und Rechtsfertigungsprodukte der Staatenbildung (des Ursprungs der Organisation einer vom Privateigentum beherrschten Gesellschaft) sind, ist nur der biblische Schöpfungsbericht herrschaftskritisch, prophetisch, messianisch (antikanaanäisch). Die Redundanz oder die Reflexivität der Systeme ist der Grund ihrer Verselbständigung gegen die Sache, der Grund und der Ausdruck der Lähmung und Blendung (der Verknüpfung von Trägheit und Finsternis, die ihre gemeinsame Wurzel im Inertialsystem haben, wie auch das Inertialsystem erst nach der Begründung des Gravitationsgesetzes und der physikalischen Optik sich konstituiert hat). Modell dieser Redundanz und Reflexivität ist die mathematisch entfaltete Raumvorstellung (die Konstituierung des Raumes als subjektiver Form der äußeren Anschauung). Zum Ursprung der Philosophie: Das Wasser ist „teuflisch“, der Begriff „satanisch“. Sind so nicht beide Symbole (wie in ihrer Folge die Begriffe Natur und Welt) aufeinander bezogen? Die durch die subjektiven Formen der Anschauung hindurch konstituierte und begriffene Welt ist die gerichtete Welt. Deshalb gehören die subjektiven Formen der Anschauung zu den Grundlagen der Urteilstheorie. Als Morgenstern und Abendstern ist die Venus die Einheit von Osten und Westen, von vorn und hinten: Hat das etwas mit der Venus-Katastrophe zu tun? Die Erkenntnis, daß Morgenstern und Abendstern identisch sind, hat die Erde zur Totalität (zum Vorbegriff der Welt) zusammengeschlossen. Hängt diese Erkenntnis mit der der Vaterschaft (und dem Ursprung des Patriarchats) zusammen?
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4.5.1994
Der Wiederholungszwang ist die Kehrseite der Idee der Auferstehung.
Hängt die Geschichte vom Hasen und Igel mit der Geschichte des Ursprungs der Raumvorstellung und der Mechanik zusammen? Die Dinge mögen laufen wie sie wollen, der Raum ruft überall: Ich bün all do. Ist nicht die Geschichte vom Hasen und Igel der Schlüssel fürs Verständnis des Relativitätsprinzips, wir müssen nur begreifen: es ist nicht immer der Igel, sondern es sind zwei, der Igel und sin Fru.
Das Hebräische kennt kein Neutrum, wohl aber beim Interrogativpronomen die Unterscheidung von Person und Sache, wobei das sächliche Interrogativpronomen als Quellpunkt des Neutrum sich bestimmen läßt. Nur wird dieser Übergang vom Was zur Sache (und schließlich zum Ding) grammatisch nicht vollzogen. Wird er etwa blockiert durch die Beziehung des mah zum majim (ihr spätes Echo im Deutschen ist die sprachliche Beziehung des Wasser zum Was, im Lateinischen erinnert als Ursprungsbeziehung des a-qua zum femininen oder instrumentalen qua)? So hängen das Thalessche „Alles ist Wasser“, der terminos a quo des Ursprungs der Philosophie, und die Heideggersche Hypostasierung der Frage, die als Rückfall hinter diesen Ursprung der Philosophie, als Versinken in den Wassern des Mythos sich begreifen läßt, zusammen.
Hängen die Beziehungen des deutschen Infinitivs Sein zum gleichlautenden Possessivpronomen 3.m.s. und des Was zum Wasser mit der Zweideutigkeit der Heideggerschen Frage nach dem „Sinn von Sein“ zusammen? Liegt nicht der Bedeutungsfrage (nach dem Sinn des Wortes Sein) der Infinitiv, dem bodenlosen Tiefsinn der Frage, ob das Sein überhaupt einen Sinn hat („Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts“), hingegen dessen sprachliche Beziehung zum Possessivpronomen (dessen Repräsentanten in Subjekt und Gesellschaft der Raum, das Geld und die Bekenntnislogik sind) zugrunde? -
25.4.1994
Eine Kritik der politischen Ökonomie heute müßte auch die Astronomie durchsichtig machen.
Zur Geschichte des naturwissenschaftlichen Freiheitsbegriffs: Sie beginnt mit dem liberum arbitrium, Reflex der Freiheitsgrade des Raumes und Produkt der Neutralisierung der Richtungen im Raum, und sie endet mit dem Freiheitsbegriff der Quantenphysiker, der an die Unbestimmtheitsrelation und das Komplementaritätsprinzip sich anlehnt (als falsches Bewußtsein der Freiheit vom Zwang des Inertialsystems).
Im Begriff der Weltanschauung enthüllt sich die Bekenntnislogik als (patriarchale und sexistische) eine subjektive Form der Anschauung: Der Krieg Hitlers gegen die Sowjet-Union war als Weltanschauungskrieg ein Vernichtungskrieg (wie jetzt wieder der Bürgerkrieg in Jugoslawien). Weltanschauungen gibt es nur unter der Voraussetzung des „naturwissenschaftlichen Weltbildes“; der Begriff der Weltanschauung rückt die logische Beziehung der Bekenntnislogik zur subjektiven Form der äußeren Anschauung, zum Raum, ins Licht.
Daß die transzendentale Ästhetik in dreifacher Gestalt sich präsentiert: als Form des Raumes, in der Logik des Geldes und als Bekenntnislogik, ist selbst wieder in der Form des Raumes begründet, im Problem der „drei Abmessungen“ des Raumes, in seiner Dreidimensionalität, darin, daß diese drei Dimensionen entgegen der Form ihrer mathematischen Beziehung im Raum nicht gleichwertig, nicht äquivalent, sind. Ihre mathematische Äquivalenz ist selber bereits Produkt der dreifachen, selbstreferentiellen Abstraktion. Das „von allen Seiten hinter dem Rücken“ konstituiert sich in der Abstraktion
– von der Umkehr,
– vom Namen (von der benennenden Kraft der Sprache) und
– vom Angesicht,
wobei
– der Raum primär die Differenz zwischen vorn und hinten,
– das Geld die zwischen Rechts und Links und
– das Bekenntnis die zwischen Oben und Unten
neutralisiert und in dieser Neutralisierung sich konstituiert.
– Das Bekenntnis ist der Quellpunkt des autoritären Charakters,
– das Geld der Quellpunkt der verdinglichten Welt und
– der Raum der Quellpunkt des Absoluten und der Verblendung.
Sind die subjektiven Formen der Anschauung die Pforten der Hölle; und ist nicht der Abstieg zur Hölle die Vorstufe der Auferstehung?
Das Substantiv ist das durch die Kasus, die Formen der Deklination (der Veranderung) hindurch sich bestimmende Nomen; der Staub und die Asche in einer Welt, in der der Name zu Schall und Rauch geworden ist. Zu den Konstituentien des Substantivs gehört die Neutralisierung der differierenden Bestimmungen der Kasus (Akkusativ, Genitiv, Dativ, Ablativ, Instrumentalis, Lokativ): Indem das Substantiv die Objektbeziehung ins Nomen mit hereinnimmt, unterdrückt und verdrängt sie die Reflexion auf den Objektivationsprozeß, der in den Formen der Deklination sich entfaltet. Damit hängt es zusammen, wenn in dem Ausdruck „Wir Deutschen“ der Name der Deutschen zum reinen Ausdruck und zugleich zum Alibi der Gemeinheit und Brutalität geworden ist.
Der Begriff des Substantiv ist Ausdruck der Trennung von Ding und Sache, Geburtsname der Verdinglichung, dem auf der Subjektseite der Personbegriff entspricht (Dinge gibt es, seit es juristische Personen gibt). Er ist der reinste Ausdruck einer Welt, in der alles nur noch das ist, was der Fall ist.
Welche grammatische Bedeutung und welche logische Funktion hat das Suffix -iv in den grammatischen Begriffen (vom Substantiv bis zum Infinitiv)?
Ist der griechisch-lateinische Gottesname Produkt einer Verschmelzung des -ivum mit dem deiktischen Affix d- (und damit der genaueste Ausdruck der Geburt des Absoluten)? Woher kommt dann der germanische Name „Gott“ (nach Ferdinand Ebner soll er aus einer Wurzel stammen, die das Anrufen, das Objekt der Anrufung, ausdrückt)?
Hat die Venus-Katastrophe die Voraussetzungen für die Staatenbildung geschaffen:
– Privateigentum und Geldwirtschaft,
– Tempel, Opfer und Schrift,
– Monogamie und Inzestverbot?
Die Venus-Katastrophe hat das Planetensystem nicht nur ergänzt und vervollständigt, sondern es in Konstellationen eingerückt, die dann in die internen Voraussetzungen der Staatenbildung mit eingegangen sind.
Gehört die chaldäische Astrologie zur Ursprungsgeschichte der indogermanischen Sprachen (insbesondere zur Ausgestaltung der Deklinationsformen, die selber vermittelt sind durch die Umgestaltung der Konjugationen)?
Welcher Kasus und welcher Planet repräsentiert das Selbsterhaltungsprinzip? Die Logik des Selbsterhaltungsprinzips ist eine männliche Logik, es ist die Logik der vom Privateigentum beherrschten Welt. Klingt ihr Geheimnis nicht im Namen des Jupiter an (des Divus-Pater, des Erzeugers des Merkur, der Venus und des Mars, gleichsam seiner Emanationen, der aber der Macht des Kronos, des Saturn, auch wenn er ihn besiegt, nicht entgeht: der der Gefahr der Paranoia ausgesetzt bleibt)?
Ist die Paranoia die patriarchalische Erscheinung der Melancholie (der messianischen Wehen)?
Vgl. die Antwort Jesu auf die Frage der Pharisäer (der Schriftgelehrten, der Sadduzäer?) nach dem jenseitigen Schicksal der Frau und ihrer sieben Männer?
Ist Heideggers Fundamentalontologie nicht gleichsam eine interne Erläuterung des Thalesschen Satzes: Alles ist Wasser? War nicht die Sintflut die Überschwemmung mit dem Was?
Turmbau zu Babel: Der Turm, der bis zum Himmel reicht, und der herniederfahrende Gott bezeichnen präzise den Ursprung des Mythos.
Die Bekenntnislogik ist eine reine Exkulpationslogik, Produkt der Weigerung, die Sünde der Welt auf sich zu nehmen; deshalb gehören die Opfertheologie und das Konzept der Entsühnung der Welt durchs Kreuzesopfer als deren innerster Kern zur Bekenntnislogik.
Die Confessiones des Augustinus sind (als Dokument seiner Bekehrungsgeschichte) Sündenbekenntnisse (z.B. in den Kindheitsgeschichten, aber auch in der Geschichte der namenlosen Mutter seines Sohnes Adeodatus), aber Sündenbekenntnisse, die vom Instrumentarium des mythischen Schuldverschubsystems: von den Formen projektiver Schuldverschiebung, sich nicht lösen können: Darin stellt sich die Beziehung zum Glaubensbekenntnis her, die durchs Schuldverschubsystem (die Opfertheologie und das Konstrukt der Entsühnung der Welt) vermittelt ist. Vermutlich gehört die Geschichte über das mit der Erbsünde belasteten Kind Augustinus zu den geschichtlichen Ursachen der Einführung der Kindertaufe. Hier wurde der Trieb in die Seelen eingesenkt, der antstatt an der Herstellung gerechter Zustände nur noch an der eigenen Unschuld interessiert ist.
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22.4.1994
Im Griechischen zieht das Verb
– „freuen“ den Dativ nach sich: der Gegenstand der Freude ist zugleich ihr Adressat; und
– „überlegen sein“ den Genitiv: die Überlegenheit ist eine dem Besitzverhältnis vergleichbare Abhängigkeit.
Vgl. Langenscheidts Kurzgrammatik Altgriechisch, S. 91, 94.
Die -tümer sind Namen, die durchs Urteil des Weltgerichts in Isolationshaft genommen worden, zu Substantiven gemacht worden sind. Modell: das „Deutschtum im Ausland“, vgl. aber auch den Reichtum, das Volkstum, das Christentum, Judentum oder Heidentum. Sind nicht die -tümer insgesamt Ungetümer (monströs wie die apokalyptischen Tiere)?
Reichtum und Armut: Ist die Umkehrung -tum/-mut reiner Zufall; haben -tum und Mut etwas mit einander zu tun?
Heldenmut und Heldentum (oder über die Signatur des Nationalismus am Ende): Der moderne Held (auch der Held im Kunstwerk) definiert sich – wie die Bekenntnislogik, die zu seinen Voraussetzungen gehört, gegen einen Feind (der für ihn den Tod repräsentiert), der antike (zivilisationsbegründende) Held, der Heros, begründet mit dem Recht einen Weltzustand, in dem es überhaupt erst Feinde gibt (und am Ende alle Fremden, die einmal als Gäste galten, zu Feinden geworden sein werden).
Die exkulpierende Kraft des Absoluten, oder: wie hängt der Kaufrausch mit der Ohrenbeichte (und das Absolute mit dem Geld) zusammen? Verwechselt die Theologie seit den Anfängen der Scholastik nicht die Sündenvergebung mit der Abstraktion, hat sie nicht das Opfer zu einem Moment im Abstraktionsprozeß gemacht (Zusammenhang von Theologie, Säkularisation und Inertialsystem)? Entspringt hier der Begriff des Absoluten: der Greuel der Verwüstung? (Ist das Absolute die christliche Version des Ahnenkults, als Abschaffung der Erinnerung?) Das Absolute entlastet von der Last der Vergangenheit, indem es sie verdrängt, sie dadurch aber zum Absoluten macht (vgl. Newtons Begriff des absoluten Raums und seine verborgene Beziehung zu Hegels Logik).
Zum Weltbegriff: Theologie muß heute durch die Wüste der Abstraktion, die Kritik des Absoluten, hindurch.
Das Ökumene-Konzept durch ein Entkonfessionalisierungs-Konzept ersetzen: die Kirche aus dem Bann der Bekenntnislogik (oder aus dem Bann des Absoluten) befreien. Das aber heißt: Theologie im Angesicht Gottes und nicht hinter seinem Rücken.
Im Anfang erschuf Gott den Himmel und die Erde: Wenn die Erde der Inbegriff des Benannten ist, ist dann der Himmel der Inbegriff der benennenden Kraft, die im Namen Gottes gründet (und das Herrendenken – der „Begriff“ – der Turm, der bis an den Himmel reicht)? Bezieht sich darauf das Bild, wonach der Himmel am Ende wie eine Buchrolle sich aufrollen wird? Die Benennung der Tiere durch Adam gehört in diesen Zusammenhang, aber auch das Wort: Der Himmel ist Sein Thron, die Erde der Schemel Seiner Füße. Am Ende, wenn es die Nacht und das Meer, den Tod und die Vergangenheit nicht mehr geben wird, wird Gott die Sonne sein. Und wenn der Sohn Ihm alles unterworfen hat, wird Gott alles in allem sein.
Im Hebräischen ist der Genitiv durch den Bezug zum Nomen, der Akkusativ durch den Bezug zum Verb bestimmt. Die Deklination ergibt sich (ohne Suffixflexion) aus der Stellung im Satz, während sie im (früheren?) Kanaanäischen durch Suffixe sprachlich sich anzeigt. Gibt es einen Zusammenhang dieser Differenz mit der Differenz im Besitzrecht (im Bodenrecht); ist das Eindringen der Deklination in die Nomina ein Symptom der Subsumtion der Erde unters Wertgesetz: der Beginn der flektierenden Sprachen überhaupt, die dann in der Substantivierung der Nomen (der Verlegung der Deklination in den bestimmten Artikel) endet? Sind die flektierenden Sprachen ein Reflex der sich ausbreitenden Geldwirtschaft und deshalb Herrensprachen? Hier ist die Welt zu allem, was der Fall ist, geworden; Der Bann unter dem die Welt steht, ist der Bann des Absoluten.
Sind die die „hebräischen Sklaven“ betreffenden Regelungen (Dt und Jer) nicht auch Sprachregelungen, und gilt das vielleicht für die die Armen und die Fremden geltenden Gebote insgesamt?
Hat die Gnade etwas mit der benennenden Kraft der Sprache zu tun (und mit ihr die Barmherzigkeit und die Gebärmutter: die messianischen Wehen)?
Verhält sich der Infinitiv Sein zum Possessivpronomen 3.Sg.m. wie das Glaubensbekenntnis zum Schuldbekenntnis (und werden Begriffe nicht überhaupt erst dort interessant, wo der Bruch sich zeigt, anstatt wie bei der Trennung der Begriffe Natur und Welt bloß verdrängt zu werden)?
Kontrafaktische Urteile: Der Historiker ist wie der Richter der Beweislogik unterworfen: Seine Urteile (die „Urteile der Geschichte“) müssen nicht wahr, sondern nur hieb- und stichfest sein. Der Fechtboden, auf dem sich das prüfen läßt, ist der Boden der kontrafaktischen Urteile (und auch hier gilt, was auf jedem Fechtboden eingeübt worden ist: Gemeinheit ist kein strafrechtlicher Tatbestand). Die Konsequenzen, die aus der Kritik des Historismus sich ergeben, sind bei Nietzsche und Rosenzweig nachzulesen. Liegt die Auflösung des Problems der kontrafaktischen Urteile in der Theologie? -
19.4.1994
Die Schrift, das Geld und das Bekenntnis: ihr Zusammenhang mit dem Relativitätsprinzip. Sie alle haben Teil an der Genesis des Abstraktionsprozesses, dessen Kern im Relativitätsprinzip sich kontrahiert (Abstraktion von der Aktualität, die das einzige Objekt der Prophetie ist). Die Physik ist die endgültig aufgedeckte Blöße; der Wein und die Trunkenheit: das Relativitätsprinzip; das Kleid, das die Blöße zudeckt: die Sprache. War der Rock aus Fellen die Sprache, die Morgengabe des Schöpfers an die Schöpfung; und die Trinitätslehre die Ursprungsgestalt der aufgedeckten Blöße im Christentum: der Greuel am heiligen Ort?
Durch die Opfertheologie hat sich die Kirche auf die Seite der Täter gestellt und ist selber zum sacred executioner geworden; so verstrickte sie sich in die Bekenntnislogik. Wenn der Säkularisationsprozeß der Prozeß der Verinnerlichung des Opfers ist, so ist er zugleich Teil der Geschichte der Selbstzerstörung der benennenden Kraft der Sprache. Das war die Grundlage der Ausbildung der Raumvorstellung und des Inertialsystems. Die Geschichte des Opfers ist ein Teil der Geschichte der Sprache: Die Sprache gewinnt ihre benennende Kraft zurück, wenn der Satz „Barmherzigkeit, nicht Opfer“ wahr wird.
Die Konstanten der Mikrophysik: insbesondere das Plancksche Wirkungsquantum und die elektrische Elementarladung, stehen in einer ähnlichen Beziehung zur Struktur des durchs Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit korrigierten Inertialsystems wie die Kreiszahl Pi und die Basis des natürlichen Logarithmus e zur Form des Raumes.
Interessant wäre es, den Schatten, der die drei Patriarchen der Endzeit der europäischen Aufklärung begleitet: Engels (der Schatten von Marx), Jung (der Schatten von Freud) und die Kopenhagener Schule (der Schatten Einsteins), genauer zu betrachten.
Von vier Katastrophen wurde Hiob getroffen:
– die pflügenden Rinder und die daneben weidenden Eselinnen wurden von den Sabäern fortgetrieben und die Knechte mit der Schärfe des Schwertes geschlagen,
– Feuer Gottes ist vom Himmel gefallen und hat zündend in die Schafe und Knechte geschlagen und sie verzehrt,
– die Chaldäer haben drei Heerhaufen gemacht, haben die Kamele überfallen und sie weggetrieben und haben die Knechte mit der Schärfe des Schwertes erschlagen,
– die Söhne und Töchter wurden im Hause des Erstgeborenen von einem starken Sturmwind aus der Wüste, der das Haus an den vier Ecken gepackt und auf die jungen Leute gestürzt hat, erschlagen.
Wer sind die Sabäer: Haben sie etwas mit der Königin von Saba und dem (JHWH) Sabaoth zu tun: den Himmelsheeren?
Nach der Dialektik der Aufklärung ist die Distanz zum Objekt, die den Aufklärungsprozeß begründet, vermittelt durch die Distanz, die der Herr durch den Beherrschten gewinnt. Wird diese Distanz nicht kontrahiert und verinnerlicht (und zugleich unkenntlich gemacht) durch die Raumvorstellung? Die Entfaltung der Form der äußeren Anschauung (der subjektiven Formen der Anschauung überhaupt) ist vermittelt durch die Herrschaftsgeschichte.
Das Opfer des Sohnes war das Opfer der Sprache (des Logos): Realsymbol der Verinnerlichung des Opfers. Der Leib Christi ist der Sprachleib, auf ihn beziehen sich die Passionsgeschichte und Ez 37. Das Kreuz, an das dieser Leib geschlagen wurde. ist die Mathematik (und den Rock ohne Naht haben die Soldaten unter sich verlost).
Ist nicht das Verhältnis der Philosophie zur Prophetie das Verhältnis von Angesicht zu Angesicht (das kein Sterblicher überlebt)? Erst wenn beide sich im andern erkennen, erkennen sie sich wirklich.
Gegen Gemeinheit hilft keine Empörung, sondern nur Selbstbewußtsein und geistesgegenwärtige und geduldige Reflexion.
Das „Grauen um und um“ beim Jeremias hängt mit dem Satz des Thales: „Alles ist Wasser“ zu zusammen. Das Grauen des babylonischen Krieges und das des Mythos haben einen gemeinsamen Ursprung.
Hängt die Raumvorstellung nicht auch insoweit mit der Sexualmoral zusammen, als sie das Herrendenken durch Ausblendung der Folgen exkulpiert?
Weist der Text im biblischen Schöpfungsbericht über die Erschaffung des Menschen (nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes) nicht auf einen grammatischen Unterschied zurück:
– der adjektivische Gebrauch des Possessivpronomens (nach seinem Bilde) entspricht dem Imperfekt (einer nicht abgeschlossenen, noch fortdauernden Handlung), während
– die Genitiv-Konstruktion (nach dem Bilde Gottes) aufs Perfekt verweist (die Handlung ist abgeschlossen, ihr Produkt liegt vor)?
Ist der nächste Satz: „Als Mann und Weib schuf er sie“ ein Erläuterung dazu, oder bezeichnet er einen zusätzliche Sachverhalt?
Daß Maria Magdalena von den sieben unreinen Geistern befreit wurde, steht nur bei
– Mk 169: „… erschien er zuerst Maria Magdalena, von der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte“ (evtl. späterer Nachtrag zum Evangelium) und
– Lk 82: „… und die zwölf begleiteten ihn und einige Frauen, die von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren: Maria, genannt die aus Magdala, aus der sieben Dämonen ausgefahren waren, …“.
Vgl. hierzu Mt 1243ff und Lk 1124ff. – Kann es sein, daß die Mk-Stelle wichtig ist deshalb, weil sie die Befreiung von den sieben Dämonen in Beziehung setzt zur Auferstehungsgeschichte, und daß der Schein des Bruchs zum vorhergehenden „Abschluß“ des Evangeliums zu den Indikatoren der Bedeutung dieser Stelle gehört? -
18.4.1994
Die Wüste vorn (im Angesicht), das Meer hinten (hinter dem Rücken): Hat das etwas mit dem tohu, dem Thalesschen Wasser, mit der Sintflut, dem Geist über den Wassern, der Trennung der Wasser, mit dem Wunder von Kana zu tun? Der Name gehört zum Angesicht, der Begriff ist hinter dem Rücken.
Adornos Satz „Heute fühlen sich alle ungeliebt, weil keiner zu lieben fähig ist“, findet seine konkrete Anwendung in einem Denken, dessen Hauptaugenmerk darauf gerichtet ist, sich selbst zu beweisen, daß die Welt nicht so ist, daß man sie lieben könnte. Der Durchbruch zu diesem Beweis war der Ursprung der Philosophie.
Die Rezeption des Weltbegriffs hatte die Konstituierung der Bekenntnislogik zur Folge, inhaltlich wurden beide abgesichert durch das Konzept der Opfertheologie: Darin lag die Notwendigkeit der christlichen Theologie begründet. Sie hat einen Prozeß ausgelöst, der am Ende auch die Theologie selber ergreift, sie gegen ihren eigenen Inhalt absperrt.
Haben sich nicht die beiden subjektiven Formen der Anschauung der kantischen Transzendentalphilosophie in den beiden Totalitätsbegriffen Natur und Welt kontrahiert? Darin ist es begründet, wenn die transzendentale Ästhetik Kants in der Folge immer als Rechtfertigung der subjektiven Anschauungsformen statt als Kritik verstanden wurden.
Zukünftige Vergangenheit und vergangene Zukunft: Aus dem Relativitätsprinzip (und dem Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit) den Beweis dafür entnehmen, daß das Vergangene nicht nur vergangen ist. Die Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit drückt diesen logischen Sachverhalt (den Knoten, der zu lösen wäre) aufs genaueste aus.
Die Verwechslung des Absoluten mit Gott gründet in der Verwechslung des Überzeitlichen mit dem Ewigen. Im Licht der „überzeitlichen Wahrheiten“ ist das Vergangene nur vergangen, im Lichte des Ewigen ist es nicht endgültig vergangen, sind die Pforten der Hölle nicht schon verschlossen.
In der Idee des Gottsuchens hat die Theologie ihren empirischen Kern. Aber davor sitzt die Kirche wie der Igel im Märchen von dem Fischer und seiner Frau und wiederholt ihr „Ick bün all do“ (Trinitätslehre). Entschlüsselt nicht der Türhüter in Kafkas „Vor dem Gesetz“ (in den Evangelien ist es die Türhüterin: die Magd des Hohepriesters) das Geheimnis der Trinitätslehre?
Jede Opfertheologie ist Herrschaftstheologie: Rechtfertigung derer, die Macht über das Leben anderer haben. Die Opfertheologie stellt die Botschaft des Kreuzestodes auf den Kopf (durch Instrumentalisierung). War nicht auch Paulus ein „Sacred Executioner“ (so der Titel eines Buchs von Hyam Maccoby)? -
17.4.1994
Zur Kritik des Weltbegriffs gehört die Kritik der Opfertheologie und der Bekenntnislogik.
Wie hängen die Interrogative wer, wie, was mit den bestimmten Artikeln der, die, das (und den Personalpronomina der dritten Person: er, sie, es) zusammen; was hat das Wie mit dem Femininum zu tun? Gibt es eine Beziehung zum Semitischen, wo bei den Interrogativa an die Stelle der Unterscheidung von Mask. und Fem. die von Person und Sache tritt (wer und was), ohne daß dem Was ein substantiviertes Neutrum korrespondiert. Heidegger hat die absolute Frage entdeckt, die dort entspringt, wo die Frage nach dem Absoluten gegenstandslos wird.
Ist nicht jede Frage die Frage nach dem Urheber, dem Schuldigen (der „Ursache“), eine Frage, die die Philosophie seit je mit dem Absoluten (der Zusammenhang des Absoluten mit der Absolution ist nicht nur ein sprachlicher), die Prophetie mit der Gottesfurcht beantwortet? Das Absolute ist die durch den Weltbegriff abgelenkte, projektiv vergegenständlichte und so unkenntlich gemachte Gottesfurcht.
Was bedeutet es, wenn in den semitischen Sprachen (Bergsträßer, S. 15) die Zahlen drei bis zehn mit dem zugehörigen Substantiv disgruieren, d.h. zu einem Mask. ein Zahlwort femininer Form tritt und umgekehrt? Die gleiche Polarität im Genus-Gebrauch tritt in hebräischen Pluralen im Verhältnis zum zugehörigen Singular auf (Beispiele bei Bergsträßer, vgl. auch das dort folgende zu Differenzen beim Kasus oder im Numerus u.ä.).
Zu S. 17 („Nach der Abwanderung der Semitenschicht, aus deren Sprache das Akkadische hervorgegangen ist, nach Babylon …“): War es nicht umgekehrt, ist nicht Abraham von Ur in Chaldäa über (das akkadische?) Harran nach Kanaan gegangen?
Woher kommt der Name des Sumerischen? Gibt es einen Zusammenhang mit dem Personalpronomen der dritten Pers. mask. (im Akkadischen: schu = „er“, S. 22, Zusammenhang mit dem deutschen Sein, der Beziehung des Infinitivs zum Possessivpronomen Sein?), ist das „Sumerische“ die früheste Ausprägung des Patriarchalischen, und bezieht sich darauf die Geschichte vom Turmbau zu Babel: das Ursymbol des Absoluten? -
14.4.1994
Drei Dinge stehen der Theologie heute im Wege:
– Auschwitz und die antijudaistische Tradition,
– die Naturwissenschaften und der Stand der Aufklärung und
– in der Theologie selber der parvus error in principio: die Rezeption des Weltbegriffs, das Dogma und die Opfertheologie.
Weltlose Welt: Mit der Rezeption des Weltbegriffs hat sich die Theologie selber liquidiert.
Wenn die Sprache die Morgengabe des Schöpfers an die Schöpfung ist, und der Weltbegriff die Leugnung der Sprache mit einschließt, dann bezeichnet der Naturbegriff, der den Weltbegriff begründet, die aktive Leugnung der Sprache (Ursprung des Begriffs): Der Naturbegriff als Leugnung der Auferstehung ist die Leugnung der Sprache: macht den Namen zu Schall und Rauch.
Der iranisch-zoroastrische Aspekt der Astrologie ist dem babylonisch-chaldäischen genau entgegengesetzt: Hat das sprachliche Gründe (Turmbau zu Babel, Ursprung der indogermanischen Sprache)?
Die drei Umkehrbeziehungen:
– im Angesicht und hinter dem Rücken,
– rechts und links,
– oben und unten,
(die drei Dimensionen des Raumes) sind drei verschiedene Formen der Beziehung zur Vergangenheit. Darin gründet Rosenzweigs Konstruktion des Stern der Erlösung: die Sprengung des All durch die Todesfurcht und die Konstituierung der drei Elemente des Stern der Erlösung.
Zur Kritik der Ästhetik: Hängen nicht die transzendentale Ästhetik, die Kunst und der Staat ineinander wie die drei Dimensionen des Raumes (der blinde Fleck der politischen Theologie). Kant brauchte die Lehre von den subjektiven Formen der Anschauung, um die Subjektivität des Objektbegriffs begründen und so das Objekt in die apriorische Form des Urteils mit hereinnehmen zu können?
Wie hängen der Ursprung des Geldes, die Astrologie, die Erfindung der Schrift (durch die Sprachen sich verändert haben) und die Schicksalsidee mit einander und mit der Ursprungsgeschichte des Staates und des Weltbegriffs zusammen?
Dareios I. hat erstmals mit Einführung einer reichseinheitlichen Münze die Währungseinheit hergestellt (Donner, S. 398): Damit hat er den Schuldzusammenhang, für den das Geld einsteht, in die Struktur des Staates mit hereingenommen und die Grundlage für Rechtseinheit geschaffen, die Dareios II. (der Hammurabi der Orientalisten) als Gesetzgeber dann realisiert hat.
Die Geschichte mit den sieben unreinen Geistern steht (im wesentlichen textgleich) bei Mt (1243ff) und bei Lk (1124ff); nur bei Mt wird sie ergänzt durch den Hinweis: So wird es auch mit diesem bösen Geschlecht sein.
Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben: Steckt darin nicht der Hinweis, daß die Wahrheit nicht absolut ist, sondern nur eine Zwischenstufe zum Leben?
Die Orthodoxie wie die Orthogonalität fixiert eine Beziehung zur Zeit, die in der Vorstellung einer homogenen Zeit sich niederschlägt. War das der Zweck von Orthodoxie und Orthogonalität?
Durch die Orthogonalität ist der Raum zur Form der Gleichzeitigkeit geworden, was er nicht an sich ist.
Historisch gründet die (Entdeckung der) Orthogonalität in der Geldwirtschaft; sie hat dann in der Bekenntnislogik Macht übers Christentum gewonnen.
Die Christen, für die Jesus zur Rechten des Vaters sitzt, können seitdem rechts und links nicht mehr unterscheiden (ist das Buch Jona postapokalyptisch und prächristlich zugleich?).
Eine Theologie im Angesicht Gottes setzt die Kritik der Naturwissenschaften voraus; der Naturwissenschaften, deren Geschichte in die Geschichte der Herrschaft und des Staates verflochten ist. Das Gewaltmonopol des Staates ist ein Konstituens der Naturwissenschaften; es gründet in der Opfertheologie und verweist auf den Realitätsgrund jeglicher Abstraktion.
Das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit bezeichnet den Grund des Idealismus der Physik: Wurde nicht die Nabelschnur längst durchschnitten, die die Physik einmal an die gegenständliche Natur gebunden hat? Ist die Physik nicht zu einem monströsen, tief in die Natur hinein getriebenen Herrschaftsapparat geworden, der die Objektivität nicht mehr abbildet, sondern nur noch unterminiert und aushöhlt? Die Mikrophysik ist die am tiefsten in Feindesland vorgetriebene Bastion, vergleichbar nur dem Eindringen der Strukturen des Marktes in alle Lebensverhältnisse.
Ist nicht der in kirchlichen Kreisen derzeit so beliebte Slogan „Erhaltung der Schöpfung“ antiapokalyptisch?
Der Weg der Kirche war seit je der Weg der Bekehrung, nicht der der Umkehr.
Was hat es mit Magdala auf sich; hat Magdala etwas mit Migdol, Grenzfestung im östlichen Nildelta, Zufluchtsort der z.Z. des Jeremias nach Ägypten ausgewanderten Judäer, zu tun (vgl. auch Ex 142)?
Zitieren nicht alle Mariennamen (die gehäuft in der Passionsgeschichte erscheinen) den Namen der Prophetin Mirjam (welche Marien gibt es, und hat die Befreiung der Maria aus Magdala von den sieben unreinen Geistern etwas mit dem Aussatz der Mirjam zu tun)?
Das etablierte Christentum hat den prophetischen Satz „Barmherzigkeit, nicht Opfer“ (und damit den Namen sowie die Idee der Auferstehung) widerrufen. -
11.4.1994
Die Unterscheidung von Ding und Sache, die zu den Voraussetzungen des Inertialsystems gehört, hat eine innere Unterscheidung im Begriff des Staates und im Eigentumsbegriff zur Grundlage (vgl. Hegels Rechtphilosophie, 45).
Es ist wirklich nur noch komisch, wenn H. Donner in seiner Geschichte des Volkes Israel zu Ri 56: „Zur Zeit des Schamgar ben Anath, zur Zeit der Jael, hörten die Wege auf, und die Pfadläufer gingen verschlungene Wege“ bemerkt: „Das war schwerlich etwas anderes als die Sperrung der Hauptverkehrsstraßen für die Israeliten durch die Kanaanäer“ (S. 160). Hat diese unfreiwillige Komik nicht auch wiederum ihre eigene tiefe Symbolik?
Raum, Geld und Bekenntnis: Das Geld weist ebenso wie auf das Tauschparadigma auf ein Schuldparadigma (Schuldknechtschaft) zurück, ohne das es die Lohnarbeit (die Subsumtion der Arbeit unters Tauschprinzip) nie gegeben hätte. Dem entspricht theologisch (und religionsgeschichtlich) Begriff und Geschichte des Opfers, neutralisiert und unkenntlich gemacht durch ihre Beziehung zum Raum: durch die in der Raumvorstellung, in der Beziehung der Richtungen im Raum, sedimentierte und verkörperte Abstraktionsleistung. Hier liegt der logische Grund, durch den der Raum und Handel im Begriff der Veräußerung aufeinander sich beziehen. -
10.4.1994
Das Absolute ist der Gott für andere.
Sind nicht die drei „großen Weltreligionen“ in der Tat die einzigen, die an den Grund der Welt rühren, und gründet ihre Trennung nicht im Bann des Absoluten?
Muß nicht der Satz, daß wir uns selbst im blinden Fleck stehen, ergänzt werden durch den Hinweis, daß die genaueste Bestimmung dieses blinden Flecks die Idee des Absoluten ist.
Antlitz und Gestalt: Gehört nicht das Antlitz zur Theologie, die Gestalt aber zur Welt (Tiere unterscheiden sich durch ihre Gestalt)?
Der Raum ist nicht die Form der Gleichzeitigkeit (das ist ein Redundanz-, ein Rückkoppelungseffekt), sondern der Stabilisator der Vorstellung einer homogenen Zeit. Er neutralisiert die Differenzen und macht das Ungleichnamige gleichnamig.
Die falsche Übersetzung von Joh 129 ist der Quellpunkt aller „unbegrenzten Zumutbarkeiten“.
Wo die transzendentale Logik beginnt, hat die transzendentale Ästhetik ihr Werk schon getan. Und ist nicht die Bekenntnislogik ein Ableger der transzendentalen Logik? Daß die transzendentale Logik außer dem wissenschaftskritischen auch einen gesellschaftskritischen Aspekt hat, ist schon länger bekannt, während die Anwendung auf Erkenntnis im emphatischen Sinne auf die Kritik der Bekenntnislogik führt: Hier reicht sie in den Kern der Theologie hinein.
Aus Petrus, der die Vollmacht hat, den Himmel aufzuschließen, ist durch den Nichtgebrauch dieser Vollmacht ein Kerkermeister geworden.
Bezieht sich die Dewekut auf die Einigung des göttlichen Namens (die Heiligung des Namens) oder auf die unio mystica (die Vergöttlichung des Mystikers)? Durch die Antwort auf diese Frage unterscheidet sich die Prophetie von der Philosophie. -
5.4.1994
Das Strafbedürfnis (die zivilisatorisch organisierte Wut) ist eine Konsequenz aus der Verinnerlichung des Opfers: das zivilisatorische Erbe des Opfers. Seine Existenzbedingungen sind die Geldwirtschaft, die Bekenntnislogik und das Inertialsystem, die durch Gefängnisse, Schlacht- und Irrenhäuser in der Realität sich verankern und so logisch zusammenhängen (sie bilden gemeinsam die Grundlage der hierarchischen Organisation des Staates): Verweisen sie nicht auf die gesellschaftlich-logischen Ursprünge des Materiebegriffs?
Unschuldsfalle: Die Logik der Sprache (die Grammatik), wenn sie von der Schuldreflexion sich befreit, wird beherrscht von der Logik der Unmittelbarkeit, die selber dem historischen Prozeß unterliegt (sie wird vorgegeben durch den Weltbegriff). Ihr Gravitationszentrum ist der Dingbegriff oder das Substantiv. Gegenstand der modernen Sprachen ist nicht mehr die Sache; damit aber wird die Beziehung der Sprache zur Wahrheit storniert: Wird nicht die Sprache am Ende selber zum Opfer ihrer eigenen Logik?
Zusammenhang von Sprache und Licht (oder die Mühle des Begriffs und die Idee der Verklärung): Beide, Sprache und Licht, verschwinden im Prozeß ihrer Vergegenständlichung. Und die Materie, (Medium des Schuldverschubsystems und Produkt der Mühle des Begriffs) ist der Müll des verrotteten Namens (der Abfall der benennenden Kraft der Sprache).
Müllproduktion: Wer die Gesichter der Leute beim christlichen Gottesdienst beobachtet, wird sich des Eindrucks des Dösens (eines insbesondere beim Singen produzierten Gesichtsausdruck) nicht entziehen können. Ist dieses Dösen nicht der Ausdruck einer „Andacht“, die zwanghaft zum Gebet das Objekt gesucht hat (die andächtig hat beten wollen) und die vergeblichen Bemühungen am Ende aufgegeben hat. Und heißt nicht die Anstrengung, zum Gebet ein Objekt hinzuzudenken (die auf Gott nicht anwendbar ist): den Erkenntnischarakter des Gebets durchstreichen, ist sie nicht Teil des Verfahrens der religiösen Müllproduktion (der Selbstverfluchung nach der dritten Leugnung, Ursprung des Greuels am heiligen Ort)?
Das Entsorgungsproblem gibt es heute nicht nur bei der sogenannten zivilen Nutzung der Atomenergie, sondern im Kern des historischen Prozesses, beim Stand der Aufklärung selber: sowohl bei der Wissensproduktion (im Universitätsbetrieb) wie auch in den Religionen, in denen es die Gebete der Heiligen nicht mehr zu geben scheint.
Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie