Bekenntnislogik

  • 10.11.93

    Die Welt ist immer Welt für jemanden (für andere): Es gibt die Welt des Jägers, und es gibt die Welt der Maus. Aber beide werden als Welt bestimmbar nur von außen: für andere (als den Jäger oder die Maus). Liegt die Grenze des Weltbegriffs zwischen Pflanze und Tier (oder gibt es eine Welt der Rose, der Eiche, des Farns)? Der Preis für die Hypostasierung der Welt ist ihre Subjektivierung. Die Welt ist das Produkt der Vergesellschaftung und Anonymisierung des Subjekts, ihr liegt kein bestimmtes Subjekt mehr zugrunde, nur noch das „Absolute“: die Leugnung Gottes durch den Staat, als welcher das Absolute bei Hegel sich enthüllt.
    Das Problem der Kirche scheint heute darin zu liegen, daß die Welten der Eltern und ihrer Kinder logisch unversöhnbar geworden sind.
    Zu Marie Theres Fögen, Die Enteignung der Wahrsager: Ist die Trinitätslehre nicht deshalb zur Römischen Staatsreligion geworden, weil sie das einzige Mittel war gegen die Paranoia der Caesaren? Aus dem gleichen Grunde stammen das Bekenntnis und die Opfertheologie; und zwangslogisch folgte die den historischen Aufklärungsprozeß begründende Konstituierung des Objektbegriffs. Die Dogmatik ist ein Teil der res publica (die als der geschichtsphilosophische Grund des Dingbegriffs zu bestimmen ist): sie steht unter dem Gesetz der Öffentlichkeit.
    Schwert, Hunger, Pest und wilde Tiere: Was wird hier mit dem Wort Pest bezeichnet? Gibt es das zweischneidige Schwert erst in christlichem Kontext (in der Apokalypse)?

  • 16.10.93

    Füllt das homousion nicht die Lücke aus, die die Umwandlung des homologein ins Bekenntnis hinterlassen hat, überbrückt es nicht falsch den Abgrund, den das Bekenntnis aufgerissen hat?
    Durch das homousion ist die Theologie zur Magd der Philosophie geworden.
    Das homousion ist der Kompromiß zwischen der Vergöttlichung des Kaisers und dem Christentum. Ein Kompromiß, der durch die Ohnmacht gegenüber der Gewalt des Weltbegriffs erzwungen wurde.
    Ist das johanneische en arche dem mosaischen bereschit deckungsgleich, bezeichnen beide Worte den gleichen Sachverhalt, den gleichen „Anfang“?
    Ist der johanneische logos nicht eine theologische und politische Kategorie zugleich, und worauf bezieht er sich: auf die Schöpfung der Welt oder auf die Erschaffung von Himmel und Erde (Joh 13: Alle Dinge sind durch dasselbe geworden, und ohne dasselbe ist auch nicht eines geworden, das geworden ist)? Wenn die Einfügung des homousion ins Credo (der dogmatische Sündenfall der Kirche) nicht zuletzt dem kaiserlichen Eingriff Konstantins sich verdankt, so spricht einiges dafür, daß zumindest Konstantin (und möglicherweise nur er) wußte, was er tat.
    Liegt hier nicht der Grund der paulinischen Obrigkeits-Lehre und des paulinischen Satzes, wonach am Ende, wenn dem Sohn alles unterworfen sein wird, „auch der Sohn selbst sich dem unterwerfen wird, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allem sei“ (1 Kor 1528)?
    Verschiebt sich das Problem der dogmatischen Theologie nicht immer deutlicher in die innertrinitarische Beziehung von Vater und Sohn: in den Begriff der Zeugung?
    Die Logik, der der Naturbegriff seine ganze Gewalt (und seine verborgene christologische Struktur) verdankt, ist die Logik der Exkulpation; mit der gleichen Logik wälzen die Arbeitgeber ihre eigenen Fehler auf den Markt ab und lassen für die Folgen die Arbeitnehmer haften; und es ist die gleiche Logik, mit der wir IHM die ganze Last aufbürden, um dann schlicht und frech zu behaupten, er habe die Sünden der Welt hinweggenommen.

  • 15.10.93

    Zebrastreifen: Überleben ist wichtiger als Rechtbehalten. Das Privileg, Recht zu behalten, haben nur die, die der Probleme des Überlebens enthoben sind. – Heute haben Militärs die größte Chance, Kriege zu überleben.
    Zu Kelly, Glaubensbekenntnisse, S. 194: Wenn die östlichen Bekenntnisse „stärker theologisch“ sind, mit Ideen zu tun haben, während westliche Bekenntnisse „von Tatsachen sprechen“, so hängt das mit der stärkeren Verrechtlichung (und Individualisierung) des Glaubens zusammen (dem westlichen credo entspricht im Osten in der Regel das credimus). Ideen sind prinzipiell nachvollziehbar und einsichtig, Tatsachen unterliegen (wie die „Erkenntnis“ des Richters im Rechtsstreit) der Beweislogik und bedürfen, wenn sie nicht durch Eigenwahrnehmung gesichert sind, der Bestätigung durch Zeugen. Tatsachen unterliegen der Logik der Öffentlichkeit. Die theologischen Begriffe des Westens sind von einem Juristen (Tertullian) aus dem Griechischen ins Lateinische übertragen worden. Hat nicht Tertullian die westliche Theologie zu einer Bekenntnis-Theologie, und d.h. zu einer Objekt-Theologie, gemacht? Hier läßt sich die Bekenntnis-Logik als Logik des Bindens (die am Ende bei Kant als transzendentale Logik, als apriorisches System der Subjektivität, sich enthüllt) begreifen. Die Tatsachen-Logik zerstört den Zeitkern der Wahrheit: das Moment des Namens in der Idee der Wahrheit.
    Wenn das liberum arbitrium der Repräsentant des Inertialsystems in der Moral ist: In welcher Beziehung steht es dann zur Umkehr?
    Wovon hat die frühe Kirche gelebt, wie waren ihre materiellen Grundlagen geregelt?
    Zum Begriff der projektiven Erkenntnis: Die Griechen brauchten den Begriff der Barbaren, um den Ursprung der begrifflichen Erkenntnis, der Philosophie, projektiv abzusichern, die moderne Aufklärung benötigte den Begriff der Wilden.
    Abraham war ein Hebräer: Hat das etwas mit Beziehung des Namens Adam zu adama zu tun?
    Das Urschisma war die erste Leugnung, die Scholastik (aufgrund ihrer genetischen Beziehung zum Islam) die zweite und am Ende die Unfähigkeit zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Aufklärung die (mit der Selbstverfluchung einhergehende) dritte Leugnung.
    Beweisen die Starnberger Studien 3 nicht das Gegenteil dessen, was sie beweisen wollen: Wenn der Staat die Organisationsform einer Gesellschaft von Privateigentümern ist, dann führt die Privatisierung staatlicher Aufgaben nicht zu einer Schwächung, sondern zu einer Stärkung des Staates: zur Totalisierung des Gewaltmonopols des Staates (und zur explosiven Ausdehnung der Sicherheitsaufgaben und der Rüstung). Hängt es nicht hiermit zusammen, daß heute Soldaten die größte Chance haben, einen Krieg zu überleben? – NB: Gegenstand dieser Starnberger Studie ist das „Problem der Sicherung von Bankeinlagen“.

  • 13.10.93

    Ist nicht mit der Rezeption der Rechtfertigungslehre in der katholischen Theologie (seit den dreißiger Jahren, und d.h. im Kontext des Rückfalls in die Barbarei) der letzte Damm gebrochen? Die Verknüpfung von Bekenntnis und Rechtfertigung hat der Theologie insgesamt eine Wendung gegeben, die Orthodoxie und Positivismus miteinander verschmolzen hat.
    Die Wahrheit hat einen Zeitkern, und dieser Zeitkern steht in einer Korrespondenz zur Vergangenheit: Beide erhellen sich wechselseitig.
    Gott will nicht, daß sein Wort leer zu ihm zurückkehrt. Darauf bezieht sich das Gleichnis von den Talenten. Aber ist die kirchliche Tradition nicht ein einziges Talente-Vergraben?
    Das Adjektiv ist ein Abkömmling des Possessivpronomens: Die Burg des Königs ist eine königliche Burg. Und alle Eigenschaften eines Dings sind Ausdruck der Allgemeinbegriffe, unter die das Ding subsumiert wird. Es gibt kein Ding ohne Eigenschaften.
    Das Allgemeine ist der blinde Fleck der Gemeinheit.
    Nicht die Person, sondern Name (der jüdische Tempel war das Haus des Namens Gottes).
    Zu den Siegeln: Sie sind Repräsentanten des Namens (sind nicht die unreinen Geister Repräsentanten des Mißbrauchs des Namens?).
    Werden nicht in der Lebensphilosophie und in der Sakralisierung des Organischen die Spuren des vergeblichen Kampfes gegen die Gitter des Weltgefängnisses angebetet?
    Ist nicht das Präsens der indogermanischen Sprachen das Imperfekt der semitischen Sprache, und das indogermanische Imperfekt das semitische Perfekt? Drücken nicht die semitischen Bezeichnungen die Funktion und Bedeutung der Tempora präziser aus?
    Nach der kirchlichen Tradition gehört der trinitarische Titel Vater nicht der natürlichen, sondern der Gnaden-Ordnung an. Gott ist Vater, nachdem der Christ in der Taufe zum Sohn geworden ist. Aber die Gnadenordnung gehört zum Bereich der göttlichen Verheißungen; sie ist im Anfang mit dem Himmel miterschaffen. Dem entspricht das Vater unser: der du bist in den Himmeln.
    Durch die Trennung der Begriffe Natur und Welt, die in dieser Trennung erst entspringen, wird die Geschlechtertrennung totalisiert: Inbegriff der Unzucht.
    Das hilflose Bekenntnis: Das Bekenntnis ist nicht nur ein Produkt der Hilflosigkeit, sondern schließt den Wiederholungszwang: die zwangshafte Reproduktion der Hilflosigkeit, das Eingesperrtsein in die Hilflosigkeit, mit ein. Zur Bekenntnistheologie gehört die Gnaden- und die Rechtfertigungslehre (Logik der Orthodoxie).
    Solange man den Kapitalismus nur als technisches, nicht jedoch auch als logisches Problem begreift, gibt es keine Kritik der Physik, der Naturwissenschaften.
    „Unser tägliches Brot gib uns heute“ und „dies ist mein Leib“: Hängt nicht beides zusammen, und wird das Brot nicht erst dann zum Leib Christi, wenn alle ihr tägliches Brot haben und niemand mehr hungern muß?
    Die Kirche als Verkörperung des verdinglichten Bewußtseins der Theologie ist das versteinerte Herz der Welt. Wenn es zu diesem verdinglichten Bewußtsein der Theologie keine Alternative mehr zu geben scheint, so hängt das mit zwei Dingen zusammen:
    – einmal mit der unaufgearbeiteten Vergangenheit (der Beziehung des Faschismus zur kirchlichen Tradition) und
    – zum andern mit der unaufgearbeiteten Beziehung zur Geschichte der Aufklärung, insbesondere zu den Naturwissenschaften.
    (Weil sie den Haß der Welt nicht ertragen hat, ist sie selbst zum steinernen Herzen der Welt geworden.)
    Die Schöpfungslehre und die Lehre von der Auferstehung der Toten sind unserer Theologie bloß aufgesetzt: theologisch durchdrungen wären sie erst, wenn die Kritik des Natur- und Weltbegriffs gelungen (und die Geschichte der Philosophie und des Staates aufgearbeitet) wäre.
    Emitte spiritum tuum et renovabis faciem terrae. Hierzu ist anzumerken: Das Antlitz ist kein optischer, sondern ein sprachlicher Sachverhalt. Und die Erneuerung des Antlitzes hat etwas mit dem Parakleten zu tun.
    Vom allen Seiten hinter dem Rücken: Das ist das durch richtendes und objektivierendes Denken, durch Instrumentalisierung und Herrendenken potenzierte Hinter dem Rücken (hinten, links und unten).
    Hegels Philosophie ist eine, die post festum (nachdem sie vom Rathaus gekommen ist) klüger geworden ist; aber die so gewonnene Klugheit ist auch eine, mit der man vom Rathaus kommt.
    Nur die Erkenntnis des Ewigen (die Reflexion der Zeit) befreit das Denken davon, bloße Funktion der Zeit zu bleiben.

  • 11.10.93

    Feindschaft begründet Gemeinschaften, macht aber zugleich dumm: Weil es keine Feindschaft ohne Projektion gibt.
    Das Feindbild (das Feinddenken) macht nicht nur dumm, sondern durch das selbstreferentielle Moment im Feinddenken, wird man selbst zu dem, als das man den Feind (mit Hilfe des Instrumentariums der Projektion) erkennt.
    Die Vorstellung, daß, wenn man Herrschaft abschafft, alles weiterläuft, nur eben besser, ist lebensgefährlich naiv.
    Solange Revolution nur aus der Empörung sich nährt, verändert sie nur das Selbstgefühl, nicht die Welt.
    Zur Erschaffung des Menschen:
    – Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde,
    – nach dem Bilde Gottes schuf er ihn,
    – als Mann und Weib schuf er sie (Gen 127).
    Drückt sich darin nicht vor dem Geschlechterverhältnis das Herrschaftsverhältnis aus, das zur Erschaffung des Menschen gehört (Gott – den Menschen nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes -er ihn, als Mann und Weib – er sie)?
    Gibt es im Hebräischen ein Äquivalent zu der Unterscheidung von bestimmtem und unbestimmtem Artikel; gibt es eine Beziehung des unbestimmten Artikels (und des Infinitivs Sein) zum Possessivpronomen und zur Negation (ein, mein, sein, nein)?
    Die Orwellschen Sprachregelungen sind nicht nur willkürlich, sondern haben einen logischen Kern. Das Problem der Sprachregelung hängt mit der Beziehung von Begriff, Name und Instrumentalisierung (der Subjektivierung der Zwecke) zusammen, wobei der entscheidende Einbruch in der kantischen Philosophie aufs präziseste bestimmt wird: Kristallisationskern einer Logik, die keine anderen als subjektive Zwecke mehr kennt, der Objektbegriff, der sich im Kontext der Lehre von den subjektiven Formen der Anschauung konstituiert. Mit dem Objektbegriff, mit der der transzendentalen Logik zugrunde liegenden apriorischen Objektbeziehung des Urteils verliert der Begriff seine benennende (und die Sprache ihre argumentierende) Kraft. Der Name wird zu einem Teil des Reichs der Erscheinungen: er wird willkürlich, kontingent. Das Objekt und seine Derivate (die transzendentale Ästhetik und Logik insgesamt), in ihrem Kern die mathematische Raumvorstellung, machen den Namen gegenstandslos, zerstören die Sprache von innen.
    Das Verteidigungsministerium ist in der Tat kein Kriegs-, sondern ein Verteidigungsministerium: Nur was hier verteidigt werden soll, ist das Recht auf Unterwerfung, Beherrschung und Ausbeutung der Welt (der Stand der Rüstung ist ein Indiz dafür, wie tief das Gesetz des Krieges schon in die Logik der Ökonomie integriert ist: wer heute vor den Folgen des Krieges sich schützen möchte, sollte Soldat werden; anders als die Zivilbevölkerung ist er im „Ernstfall“ am wenigsten gefährdet).
    Ist es in der Eucharistie nicht das Gesetz der Verdinglichung, das das Wahrheitsmoment darin, nämlich die Beziehung des Namens zu Brot und des Blutes zum Wein, gleichsam mystisch verdampft. „Dies ist mein Leib“: Bezieht sich das nicht auf den Sprachleib des logos, auf den sich auch das homologein, das dann zum Bekenntnis neutralisiert wurde, bezieht? Der theologische Begriff der Transsubstantiation ist dagegen ein paradoxales philosophisches Konstrukt (keine verheilte Narbe, sondern die Theologie als offene Wunde der Philosophie). Die Eucharistie: ist das nicht das öffentliche Ding als theologisches Erbe der res publica?
    Alles Wissen bezieht sich auf Vergangenes. Liegt darin nicht der Schlüssel zur Mathematik und zu den subjektiven Formen der Anschauung: zum Verständnis der Form des Raumes?
    Hegels Philosophie: ist das nicht die gestorbene und begrabene Wahrheit, und bezieht sich hierauf das Wort: Herr, sie riecht schon?
    In der Logik des Andersseins gründet die paranoische Verführung jeder Philosophie, und gegen sie ist der Rat gerichtet: Seid arglos wie die Tauben.
    Ist nicht der griechische Mythos die bereits im Ursprung verdrängte Innenseite der Philosophie?
    Kern einer Neubegründung der Theologie wäre die Kritik des Begriffs der Anschauung Gottes. Hier wurde das Angesicht Gottes verdrängt, der christliche Paganismus begründet, der der kantischen Lehre von der Subjektivität der Anschauung zugrundeliegt und in ihr sich vollendet.
    Sind nicht die drei abrahamitischen Religionen insgesamt verdinglichte Gestalten der Wahrheit, und führte das Gesetz der Verdinglichung nicht zwangsläufig auf diese drei Gestalten der Verdinglichung? Sind nicht alle drei auf den Weltbegriff verhext?
    Zur Isolationshaft: Sind nicht die Zellen (Erbe und Fortentwicklung der platonischen Höhle) Erfindungen der Mönche, und welche Bewandnis hat es in diesem Zusammenhang mit den drei evangelischen Räten?
    Ist der Neue Katechismus nicht der Mühlstein, der der Apokalypse zufolge am Ende ins Meer geschleudert wird (und zugleich – wie der „splendor veritatis“ – das Schwarze Loch, das alles Licht in sich aufsaugt, nicht mehr fähig ist, die Welt zu erleuchten)?

  • 04.10.93

    Die Anschauung verletzt das Bildergebot, ihr ist das Gesetz der Verdinglichung einbeschrieben.
    Ist nicht das Präsens in jeder Hinsicht eschatologisch: das Ende des Alten und der Beginn des Neuen?
    Muß man den hegelschen Satz, wonach die bürgerliche Gesellschaft bei all ihrem Reichtum nicht reich genug ist, der Armut und der Erzeugung des Pöbels zu steuern, nicht heute dahin verschärfen: daß der bürgerliche Reichtum jetzt aus seinen eigenen Prämissen und Voraussetzungen die Armut und den Pöbel erzeugt?
    Stämme, Völker, Sprachen und Nationen: Ist das nicht aufzuschlüsseln nach: Genealogien, Königtümern (Tempel und Opfer), Sprachen, Städte (Geldwirtschaft, Handel)?
    Zum Kerub mit dem kreisenden Flammenschwert: Thront nicht Gott auf den Keruben, und ist nicht der Himmel sein Thron (und die Erde der Schemel seiner Füße)? Aber heißt es nicht auch: Was du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst (und das kreisende Flammenschwert zurückgenommen) sein?
    Das Bekenntnis ist undialogisch: das gemeinsame Bekenntnis von Einsamen.
    Wenn Kohl vom Urteil der Geschichte spricht, denkt man nicht dann an den zukünftigen Tatenruhm, der den toten Helmut überleben soll? Aber ist der Toten Tatenruhm nicht heute durchsetzt von dem Leichengift und dem Leichengeruch von Auschwitz?
    Ist nicht Brechts „Der Schoß ist fruchtbar noch“ noch zu harmlos, beginnt nicht die Vergangenheit, aus der Auschwitz hervorgegangen ist, heute Auschwitz zu überleben? Und war es nicht genau das, was Heitmann zum Ausdruck gebracht hat?
    Hat Auschwitz nicht in der Tat der Opfertheologie (der theologischen Instrumentalisierung des Kreuzestodes) die Grundlage entzogen, und ist der Hinweis in den Elementen des Antisemitismus (in der Dialektik der Aufklärung) nicht doch endlich ernst zu nehmen?
    – Ein undeutliches Bild aus der Kindheit: Es ist Winter, draußen liegt Schnee, ich stehe in der Küche am Küchenfenster. Draußen ist jemand mit einem Schlitten, der mich auffordert, herauszukommen und auf dem Schlitten mitzufahren. Aus einer Wunde (wessen Wunde es war, weiß ich nicht mehr) tropft Blut in den Schnee, und ich bin nicht mehr dazu zu bewegen, nach draußen in den Schnee zu gehen.
    – Kann es sein, daß es am Rande (neben dem realen Anlaß: den Gesprächen zuhause über Hitler und die wachsende Nazibewegung) eine Beziehung zur Frage des Fünfjährigen gibt, wann die Welt untergehen wird?
    – Das Ganze wächst weiter, als ich in der Vorbereitungszeit vor der Erstkommunion auf Geschichten aus der Märtyrerzeit stoße, die mir klarmachen, daß man nicht Christ sein kann ohne die Bereitschaft, im Ernstfall auch physisches Leiden auf sich zu nehmen.
    – Das nächste ist die Geschichte der Operation, der ich mich als 16-jähriger habe unterziehen müssen, eine Operation an einer für einen Jungen in diesem Alter sicher empfindlichsten Stelle: eine Phimose-Operation. In dem Lazarett (1943, ich war Luftwaffenhelfer), in dem die Operation vorgenommen wurde, lag im gleichen Zimmer ein SS-Unterscharführer, der von seiner Beteiligung an den Judendeportationen aus Holland erzählt. Hat sich vielleicht die Erinnerung an die Operationen mit Vorstellungen über eine Beschneidung vermischt? – Aber die Operation war ebensowenig eine Beschneidung wie Auschwitz ein Holocaust war.
    Hängen meine Ängste bei physischen Eingriffen, von der Blutentnahme beim Arzt bis zur Zahnarzt-Behandlung, mit diesen Erinnerungen zusammen? Und reicht das nicht mit hinein in die (zweifellos aus der christlichen Sexualmoral erwachsene) Vorstellung, daß Sexuelles an den Grund der Welt rührt (in welcher Beziehung steht die Sexualität zu den objektivierenden, verdinglichenden Logiken des Inertialsystems, der Geldwirtschaft und des Bekenntnisses)?
    Das Werk der subjektiven Formen der Anschauung (insbesondere der Form des Raumes) ist die Vernichtung des Angesichts.

  • 01.10.93

    stoicheia bezichnet sowohl die Buchstaben als auch die Elemente. Kann es sein, daß die Natur zu sprechen beginnt, wenn der Bann der Natur gelöst ist? (Haben das Opfer, der Moloch und die Bindung Isaaks etwas mit dem Ursprung der Schrift zu tun? Weshalb nimmt Gott das Opfer Abels an, während er das Opfer Kains verwirft? – Was heißt Abel?)
    In der Geschichte des Tempels verbinden sich
    – der Ursprung der Religion (des Opfers) mit dem des Staates,
    – der Ursprung der Schrift mit dem des Geldes (Tempelwirtschaft) und
    – der der Astronomie mit der der Architektur.
    Unser gesamter Erkenntnisapparat bleibt solange von paranoiden Strukturen durchsetzt, wie es nicht gelingt, das Rätsel der subjektiven Formen der Anschauung zu lösen.
    Enthält nicht Joh 129 auch den Aktualitätsbezug der Prophetie (die Gegenwart als Grund der benennenden Kraft der Sprache); stellt dieser Aktualitätsbezug sich nicht überhaupt erst durch die Schuldreflexion her?
    Zu dem Satz in der Dialektik der Aufklärung, daß die Distanz zum Objekt vermittelt sei durch die Distanz, die der Herr durch den Beherrschten gewinnt: Das aber heißt, daß in der Distanz zum Objekt die Herrschaftsgeschichte: die Geschichte der Schuldknechtschaft, der Sklaverei und der Lohnarbeit enthalten ist. Wird diese Geschichte nicht durchs Anschauen verwischt? Wer ist das Subjekt der Aufklärung?
    Der Bann der Natur hängt zusammen mit dem Bann des Privaten: Wenn dieser Bann gelöst ist, werden die Geschichte von den drei Leugnungen und der Ursprung und Stellenwert der Sexualmoral in den drei „Weltreligionen“ durchsichtig und verständlich.
    Wie hängen die Sexualmoral, der Begriff der Anschauung und der des Bekenntnisses zusammen?
    Bezeichnet nicht das homologein etwas anderes als das, was wir heute Bekenntnis nennen, ein Begriff, der die Geschichte der Privatisierung der Religion (die Geschichte ihrer Entpolitisierung) begleitet und gegen ihre Erkenntnis abschirmt? Bezeichnet er nicht aufs genaueste die Umkehr? Das Bekenntnis des Namens ist die Nachfolge.
    Der logos konstituiert sich durch die Übernahme der Sünde der Welt (hier gewinnt die Sprache ihre benennende Kraft zurück). Das aber ist im homologein mit eingeschlossen.
    Die Naturwissenschaften sind undialogisch; ihr Existenzgrund sind die Köpfe der Einsamen. Sie hängen zusammen mit dem, was Levinas die Asymmetrie der dialogischen Verhältnisses genannt hat.
    Wer die transzendentallogische Isolationshaft, in der wir alle gefangen sind, sprengen will, muß den Ursprung des Naturbegriffs in die kritische Reflexion mit aufnehmen.
    Was haben die Engel mit der Schrift zu tun, und wie sind sie in die Astronomie hineingekommen?
    Zu Crüsemann: Hat er Angst vor der kritischen Reflexion der politischen Institutionen: Es gibt in der Bibel schließlich ein Buch der Richter, dessen zentrales Thema der Ursprung des Richtens in der Geschichte der Gewalt ist? Wenn er vom Begriff des geschriebenen Rechts ausgeht, setzt er als Prämisse, was vom Ursprung her erst zu bestimmen wäre: den Zusammenhang von Recht, Gewalt und Schrift (in dem der Gesetzesbegriff sich erst bildet).

  • 29.09.93

    Zu Johann Baptist Metz: Was hat die Welt davon, wenn wir „Ja und Amen zur Welt“ (anstatt zu den göttlichen Verheißungen, wie es bei Paulus korrekt heißt) sagen? Merkwürdig, daß Metz der Welt ein Anerkennungsbedürfnis unterstellt: Ändert das die Welt oder nicht doch nur den Anerkennenden (den Konformisten)? Und wer ist das Subjekt dieses Bedürfnisses: Ist es nicht der der Welt sich Anpassende, der aus guten Gründen die Anpassung ohne die Komplizenschaft der Anderen (ohne ihre bekenntnishafte Zustimmung) nicht zu leisten bereit ist? Ist nicht das „Ja und Amen zur Welt“ der eigentliche Inhalt jedes Glaubensbekenntnisses (und seiner logischen Durchbildung in Trinitätslehre und Opfertheologie)?
    Es gibt keinen Weltbegriff ohne Bekenntnislogik. Die Idolatrie gehört zur Geschichte der Ausbildung und Entfaltung dieser Bekenntnislogik (und des Weltbegriffs), sie hat sich vollendet im Dogma. Das Dogma (das erst durch Umkehr wahr wird) ist das versteinerte Herz der Kirche, und die Kirche das versteinerte Herz der Welt.
    Weist nicht das „Weiche von mir, Satan“ darauf hin, daß die Petrus- und die Dämonen-Geschichten zusammengehören (ähnlich wie die drei Leugnungen mit den sieben unreinen Geistern)?
    Die Wahrheit ist nicht Gegenstand des Urteils; deshalb hat Jonas Unrecht.
    Hat das Binden und Lösen etwas mit dem Millenium zu tun, und ist die Kirchengeschichte dieses Millenium (die Zeit der Bindung)?
    Die Welt ist die Welt der anderen, zu denen ich selbst als anderer für andere auch gehöre. Das ist der logische Kern des Weltbegriffs und der Entfremdung.
    Sind die Banker nicht die Priester der Geldreligion?
    Wenn die Konservativen den Linken vorwerfen, sie könnten nicht mit Geld umgehen, so wäre gegenzufragen: Welcher Politiker kann schon mit Geld umgehen?
    Der Begriff der Weltanschauung bezeichnet den (logisch unmöglichen) Sieg und das Attribut des Siegers in der zum Weltgericht sich aufspreizenden Weltgeschichte. Deshalb war der Weltanschauungskrieg ein Vernichtungskrieg. Zur Vorgeschichte der Weltanschauung gehört die Geschichte der Juden-, Ketzer- und Hexenverfolgung. Im Begriff der Weltanschauung erweist sich die Anschauung als Medium der richtenden Gewalt. Zum Anschauen gehören auch das Schaufenster (der Erwecker der concupiscentia) und die Reklame (die nach Adorno den Tod verschweigt).
    Die Unfähigkeit, die Formen Anschauung selber in die Reflexion mit einzubeziehen, ist eine Folge davon, daß Reflexion nur im Medium der Anschauung möglich ist; sie ist der Grund der Hybris.
    Wenn die Theologie die Lehre von der Anschauung Gottes auf das Objekt der Trinitätslehre bezieht, verdrängt sie dann nicht das Angesicht Gottes, eliminiert sie dann nicht das Gesehenwerden, das „von Angesicht zu Angesicht“: die Gottesfurcht?
    Als aus der Anschauung Gottes das Angesicht gestrichen wurde, wurde die Gottesfurcht gestrichen. Das ist in der Philosophie umgeschlagen in die Angst vor dem Angesicht (Ursprung des Portraits?), die dann in der Entfaltung der Mathematik und in der Bildung des Neutrums sich ausdrückte.
    Das Schwert, mit dem Alexander den gordischen Knoten durchschlagen hat, hat etwas mit dem kreisenden Flammenschwert des Kerubs vorm Eingang des Paradieses zu tun: Es zerschneidet das Licht und entfernt aus ihm die Quelle des Angesichts, verwandelt es in eine Form der Anschauung.
    Wie verhält sich das Sehen zum Schauen? Ist nicht im Sehen das reflexive Moment mit enthalten, von dem das Schauen dann abstrahiert (vgl. den Zuschauer und die Anschauung Gottes)? Die Welt heute verhält sich zum Faschismus wie das Fernsehen zum Radio. Deshalb ist die Reflexion der kantischen Philosophie und der Bedeutung der subjektiven Formen der Anschauung in ihr an der Zeit.
    Müssen die Psalmen, wenn sie als Lieder Davids verstanden werden, nicht als Versuch der Durchdringung der Königsidee mit prophetischem Geist verstanden werden: als messianisch? Die Apokalypse hingegen ist das auf die Kaiseridee und die Weltreiche bezogene Gegenstück zur Prophetie: Als Instrument der projektiven Verarbeitung der Angst instrumentalisiert sie die Angst, ist sie angsterzeugend; wahr ist sie nur als Medium der reflexiven Verarbeitung der Angst: als Erkenntnis. Die projektive Verarbeitung der Angst ist fundamentalontologisch und faschistisch. Bangemachen gilt nicht, aber die Apokalypse ist endlich zu begreifen.
    Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Jesus-Wort an Johannes und den drei Gestalten des Bösen?
    – Gegen den Satan, den Ankläger, steht der Paraklet,
    – gegen den Teufel, den Verleumder und die Verkörperung der Wut, steht der göttliche Zorn,
    – dämonisch ist die Instrumentalisierung, Verinnerlichung und Neutralisierung beider: ihre Subjektivierung; hiergegen steht die Austreibung der Dämonen, die der frohen Botschaft den Weg zu den Armen freimacht.
    Heidegger hatte recht: Die deutsche Sprache ist die Sprache der Philosophie, aber sie ist es als Grenze zur Theologie und wird theologisch, wenn sie die Reflexion auf diese Grenze in sich mit aufnimmt.
    Woher kommen und was bedeuten die Begriffe des Anderen und des Fremden? Gründen nicht beide in Präpositionen, und zwar das „an“ bzw. das „vor“ oder „für“ (im Englischen „for“; weshalb heißt der Fremde im Englischen the stranger)?
    Das Präfix be- im Englischen: Vgl. die Beziehung von for und before (auch between, become, behalf, belief, belong, beloved, below, beneath, beside, betray, beware, beyond).
    -schen: Suffix zur Bildung von Verben aus Nomina (feilschen, herrschen). Gilt diese Definition eigentlich generell, oder sind es nicht bestimmte Verben (z.B. grapschen), die so aus Nomina sich bilden lassen? Bezeichnen nicht alle diese Verben Tätigkeiten, die sich direkt auf andere als Objekte beziehen; steckt nicht in allen etwas von einer objektivierenden, erniedrigenden Tätigkeit, etwas Verächtlich-Machendes?
    Das Verb „zernichten“ taucht an zwei Stellen auf,
    – bei Georg Büchner: „Ich fühle mich wie zernichtet im Anblick des gräßlichen Fatalismus der Geschichte“ (aus einem Brief an die Eltern, nach Hinweis auf das Studium der französischen Revolution), und
    – bei Franz Rosenzweig: „Zeit ist’s zu handeln für den Herrn, sie zernichten seine Lehre“ (Überschrift über einen Aufruf zur Gründung einer Hochschule für die Wissenschaft des Judentums).
    Beide Stellen bezeichnen welthistorische Wendepunkte.

  • 28.09.93

    Zum Ursprung des Nominalismus: Mit der Lehre vom liberum arbitrium, der die Raumvorstellung und mit ihr die drei Freiheitsgrade des Raumes als Bild der Wahlfreiheit zugrunde liegen, war die Neutralisierung der Welt (unterm Titel der „Entsühnung der Welt“) besiegelt: wurde die Sprache ihrer benennenden Kraft beraubt (und der Kreuzestod Jesu durch die Opfertheologie instrumentalisiert).
    Der Naturbegriff bezeichnet die die Erkenntnis zurückstauende Gewalt (Zusammenhang mit der Geschichte des Gewaltmonopols des Staates), der Begriff der Materie die zurückgestaute Erkenntnis selber (die zurückgestaute Kraft des Namens) und der Name der Barbaren den gesellschaftlichen Reflex, das gesellschaftliche Korrelat dieses Zusammenhangs. Natur, Materie und Barbaren: das Jenseits der Zivilisationsschwelle.
    Wenn die Materie die zurückgestaute Kraft des Namens (die mit der Begriffsbildung verdrängte benennende Kraft der Sprache) in sich birgt, hat sie dann nicht auch etwas mit dem kabod, mit der Herrlichkeit Gottes zu tun?
    Das Verhältnis von Natur und Dogma läßt sich am Prozeß der naturwissenschaftlichen Erkenntnis demonstrieren: Hier ist die Dogmatisierung der Erkenntnis ein Produkt ihrer Mathematisierung (der Grundlage ihrer Geltung: jede einmal „gewonnene“ Erkenntnis ist ist in dem Augenblick, in dem sie gewonnen wird, eine vergangene Erkenntnis, und somit frei verfügbar). Es gibt kein Dogma ohne mathematisches Sinnesimplikat: Es ist eines und das Gleiche für alle (es neutralisiert die Differenz zwischen mir und den anderen), und es erhebt den Anspruch der Orthodoxie.
    Ist die Schrift nicht deshalb und nur dann ein durchsichtiger Körper, weil sie, anstatt der indogermanischen Herrensprache sich zu überantworten, ihr ihr sprachmythisches Spiegelbild entgegenhält. Ist nicht die Schlange das sprachmythische Bild der homogenen Zeit und des Ursprungs des Neutrums zugleich (das Bild des Staates)?
    Was bedeutet der Name Joseph („er (Gott) fügt hinzu“) und worauf bezieht sich das Wort von dem Pharao, der „Joseph nicht mehr kannte“?
    Hängen nicht die Kasus mit den Himmelsrichtungen (den Richtungen des Raumes) zusammen:
    – Nominativ = Osten (im Angesicht),
    – Genitiv und Dativ = Nord und Süd (Gericht und Barmherzigkeit) und
    – Akkusativ = Westen (hinter dem Rücken)?
    Welchen Ursprung haben der Vokativ (semitisch?) und der Ablativ (lateinisch?, und wie hängt der Ablativ mit dem Instrumentalis zusammen?); wann und aus welchem Grunde wurden sie überflüssig und sind sie wieder verschwunden? War der Vokativ eine Vorstufe des Nominativ und der Ablativ eine Reflexionsform des Dativ (Indiz der Instrumentalisierung)?
    Kritik des Materialismus: Nicht auf die Identifikation mit dem Opfer (und auf den Genuß der Privilegien des Opfers), sondern auf die Befreiung der helfenden Kraft: auf parakletisches Denken kommt es an.
    Hat nicht Steffen Heitmann genau die drei Gestalten des Opfers benannt: die Fremden (die „Ausländer“), die Frauen und die Juden („Auschwitz“)? Seine Inspiration stammt aus der Bekenntnislogik (des Theologen Heitmann), die seit je das Opfer instrumentalisiert. So war das Bekenntnis seit je ein politisches Instrument: die zum bloßen „Umdenken“ instrumentalisierte Umkehr, in dem der Ruf des Täufers: Kehret um, denn das Reich Gottes ist nahe, ins Leere verhallte.
    Heitmann: Was in der DDR nicht geleistet werden durfte: die konkrete Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, soll jetzt endlich durch Verjährung aus der Welt geschafft werden (die ganze ehemalige DDR soll teilhaben an der Gnade der späten Geburt).
    Ist das Chronologie-Problem, mit seinen geologischen, entwicklungstheoretischen und historischen Konnotationen, nicht in der Tat die Verdrängung und Verwischung des mit dem Wort vom Lösen bezeichneten Problems? Und ist dies nicht die letzte Bindung Isaaks (die letzte Konvergenz von Lachen und Schrecken)?
    Ist nicht jedes Bekenntnis ein Schuldbekenntnis, und das Glaubensbekenntnis nur ein auf den Kopf gestelltes (an die Natur delegiertes) Schuldbekenntnis, Produkt einer projektiven Logik? Führt nicht das Bekenntnis in den Rechtfertigungszwang (wie die „Entsühnung“ der Welt, die dann das subjektlose Bekenntnis als Bekenntnis der Natur nach sich zieht, nur als ideologische Verdoppelung ihrer Neutralisierung sich begreifen läßt)? Ist nicht die Geschichte des Bekenntnisses (die Entfaltung ihrer Logik) die Geschichte der drei Leugnungen, und das Bekenntnis selber der Vorhang vorm Allerheiligsten, der beim Tod Jesu am Kreuze, zusammen mit der Verfinsterung der Sonne, dem Beben der Erde und der Auferweckung der Toten, zerriß: der Vorhang vorm Angesicht Gottes? Aber löst sich nicht der Bann des Bekenntnisses nur zusammen mit dem des Naturbegriffs?
    Der innere Widerspruch des Feminismus, auch der Ökologie- und der Friedensbewegung, liegt darin, daß sie einerseits die Opferrolle endlich abwerfen, auf der anderen Seite aber deren Privilegien weiterhin genießen möchten.
    Der banausische Witz zur Frage, ob man beim Beten rauchen dürfe, rührt insofern an ein Stück Wahrheit, als mit dem Rauchen das Beten endgültig verlernt wurde. Sind nicht die Gebete der Heiligen ein lieblicher Geruch für Gott, und ist nicht die Nase das Organ des göttlichen Zorns? – In die Nase wurde dem ersten Menschen der belebende Hauch des göttlichen Atems eingeblasen. Und gehört nicht zum Fluch über Adam der Nasenschweiß zur Arbeit unter den Bedingungen der Dornen und Disteln?
    Von der Taube abgesehen, waren nur gehörnte Tiere Opfertiere: Warum stellt man sich den Teufel mit Hörnern vor (während die Taube das Symbol des Heiligen Geistes ist)? Haben die Hörner etwas mit den Dornen und Disteln zu tun, und das Opfer mit der Sünde der Welt?
    Bei der Bindung Isaaks ist als Ersatz für die Opferung Isaaks der Widder eingetreten, der sich mit seinen Hörnern im Dornengestrüpp verfangen hatte. (Ist das Lamm, das stumm zur Schlachtbank geführt wird, neben der Taube das andere nicht gehörnte Opfertier?)
    Im Sündenfall gewann die Vergangenheit Macht über die Zukunft, mit ihm ist der Tod in die Welt gekommen. Drückt sich das in den Dornen und Disteln aus, im „Schweiße des Angesichts“ und in der Beschwernis der Schwangerschaft?
    Eine Naturphilosophie, die daran arbeitet, daß der Bann, der auf der Natur liegt, endlich sich löst, wäre Teil einer apokalyptischen Erkenntnistheorie. Müßte nicht eine Erkenntnis, die nach der Erkenntnis des Angesichts Gottes sich sehnt, prophetisch, apokalyptisch und messianisch in eins sein? Gibt es eine Beziehung des Prophetischen, Apokalyptischen und Messianischen zu den drei Totalitätsbegriffen Welt, Natur und Wissen?
    Hängt das Personalpronomen der 1. Pers. pl. im Deutschen, das Wir, mit dem „virum“, dem Mann, zusammen (als Selbstbegriff der kollektiven Männlichkeit: der „wereld“)? Wie sieht das im Hebräischen aus, und wie in den klassischen alten Sprachen? Vgl. auch die anderen Personalpronomen (Ich – Nichts, ego – nego; ist das Ich nicht zugleich der säkularisierte Gottesname: Ich – JH; steckt im Gottesnamen Jahu das hu = er; das Ich ist die Verneinung des Andern, das im Weltbegriff zur Totalität sich aufspreizt, – gibt es auch eine sprachliche Beziehung des Ich zum Licht?).
    Die Geschichte Israels beginnt mit Jakobs Kampf mit dem Dämon (an diesen Kampf ist der Ursprung des Namens gebunden), sie endet in der Austreibung der Dämonen, während die Philosophie in der Verinnerlichung des Dämons gründet, die mit der Verinnerlichung des Opfers und mit der Hybris zusammenfällt (Begriff der Besessenheit).
    Gibt es im Hebräischen Possessivpronomen, oder beginnt die Unterscheidung von Mein und Dein erst in den indogermanischen Sprachen?
    Sind nicht die Geschichten von der Sintflut und vom Turmbau zu Babel die Lösung der Geschichte vom Ursprung der Philosophie (vom „alles ist Wasser“ des Thales bis zur noesis noeseos des Aristoteles).
    Haben die Jahreszahlen bei den Urvätern etwas mit den Umlaufzeiten der Planeten zu tun (Henoch wurde 365 Jahre alt)? Und gibt es nicht drei Genealogien: Kain, Set (jeweils bis Lamech) und Noach (bis Abraham), hier mit der Spiegelung in den Söhnen des Noach: Sem, Ham (Kain) und Japhet (Set)?

  • 27.09.93

    Die Schrift wird zu einem durchsichtigen Körper im Angesicht Gottes, wenn in ihr die Gegenwart sich selbst begreift.
    Im Begriff des Monarchen in der Hegelschen Rechtsphilosophie begreift Hegel die Welt als Erbe, zu dem es ein Testament, einen Erblasser und einen Erben geben muß. Das Testament ist die Logik.
    Wollte man die Kritik der reinen Vernunft heute noch einmal schreiben, so müßte man anstatt mit den subjektiven Formen der Anschauung mit den Begriffen Welt und Natur (den Reflexionsbegriffen der subjektiven Formen der Anschauung) beginnen.
    Beerscheba: Wie hängt der Name Siebenbrunnen mit dem Namen Schwurbrunnen zusammen? Drückt sich darin auch ein Inhaltliches aus: ein Zusammenhang der Zahl Sieben mit dem Schwur (dem Siegel)?
    Schwur, Eid und schwören, Zeuge und Zeugenschaft (vgl. auch Quell und Brunnen): Hängen die Verwerfung des Schwurs und die Austreibung der Dämonen (und die Stellen mit den sieben unreinen Geistern) zusammen? Der Schwur ist eine Bekräftigung der Zeugenschaft (Unterschied zwischen der männlichen und weiblichen Zeugenschaft: Beziehung zum Bekenntnisbegriff).
    Meineid hängt mit gemein, dem Allgemeinen, zusammen, ähnlich das Tauschen mit dem täuschen.
    Wie verhalten sich die sieben Völker Kanaans zu den Philistern?
    Ist das Antlitz Gottes das Antlitz JHWHs oder das Antlitz Elohims?
    Nur die Gotteserkenntnis befreit von der Trägheit des bloß Urteilenden. Aber die Idee Gottes ist nur zu halten zusammen mit der Idee, daß
    – das Vergangene nicht nur vergangen ist und
    – die Natur nicht siegen wird.
    Und die Vorstellung, daß Auschwitz endlich in die Geschichte einzuordnen sei, ist schlicht blasphemisch (warum erhebt kein Theologe Einspruch gegen die Sprüche des Theologen Heitmann?).
    Heute hat der Faschismus Kreide gefressen und sich ein Schafsfell umgehängt.
    Ist nicht die Subjektivität das Feuer, in dem der Himmel und die Elemente verbrennen, während die Welt als Asche zurückbleibt?
    Bindung Isaaks: Sind wir nicht heute dabei, unsere Kinder zu opfern, und wo bleibt der Engel JHWHs, der uns davon abhält? (Ist das vergleichbar?)
    Ein Beitrag zur Geschichte der Verinnerlichung des Opfers: Der eucharistische Ursprung des kantischen Objektbegriffs. Das Objekt ist das gekreuzigte Ding (es liegt im Zentrum der Todesgrenze, des Inertialsystems: so ist es auf die subjektiven Formen der Anschauung bezogen und an sie gebunden).

  • 22.09.93

    Nach Flavius Josephus symbolisieren die vier Farben im Vorhang des Tempels die vier Elemente:
    – Scharlach: das Feuer,
    – Weiß: die Erde,
    – Blau: die Luft und
    – Purpur: das Meer.
    Sind die „vier Vokale“, die nach Flavius Josephus auf der Kopfbinde des Hohepriesters geschrieben sind, die des Tetragrammaton, die vier Buchstaben des Gottesnamens? Wie verhält sich diese Tradition zum bibelwissenschaftlichen „Jahwä“?
    Wer die Religion vollständig auf die Gesinnungs- und Bekenntnisebene schiebt, leugnet die Erkenntnisforderung und den Erkenntnisanspruch der Religion. Diese Beziehung zur Erkenntnis ist im Christentum nach dem Urschisma durch die Gnosis verstellt worden.
    Wenn Hegel in der Rechtsphilosophie den Monarchen aus der Logik des Systems ableitet, so rührt er damit an die Logik des Namens. Und er bezeichnet zugleich den Punkt, an dem die messianische mit der Königstradition zusammenhängt.
    Sind nicht der Urknall, der schwarze Hohlraum und das schwarze Loch projektive Verkörperungen der Verdrängung des Namens, und stehen sie nicht in einer systematischen Wechselbeziehung (die aus der Logik des Inertialsystems sich müßte ableiten lassen)?
    Ist das bara in Imperfektum oder ein Perfektum (Produkt einer nicht abgeschlossenen oder einer abgeschlossenen Handlung)? Oder kommt dieses Verb in der Schrift in beiden Formen (bei Buber erkennbar als „schuf“ und „hat geschaffen“) vor, allerdings mit differerierenden Konnotationen (bis hin zum Gottesnamen)? Und wie verhält das Schaffen zum Machen? Vgl. hierzu den Wechsel in Gen 24a,b:
    – vom Imperfekt zum Perfekt, mit anschließender Versetzung in die Vergangenheit („Zur Zeit, da …“) und Änderung des Verbs (von schaffen zu machen),
    – von Elohim zu Elohim JHWH und
    – von „Himmel und Erde“ zu „Erde und Himmel“ (Vertauschung der Folge der Objekte): aus der unabgeschlossenen Schöpfung von Himmel und Erde wird die abgeschlossene Schöpfung von Erde und Himmel.
    Die Unterscheidung der „Quellen“ orientiert sich nicht nur am Gebrauch des Gottesnamens. Welche anderen sprachlichen Kriterien liegen ihr noch zugrunde? Kann es nicht sein, daß sich dahinter ein kompositorisches Element verbirgt?
    Läßt sich Bubers Bibel-Übersetzung nicht unter dem Stichwort Ästhetisierung kritisieren (vgl. das „Braus Gottes schwingend über dem Antlitz der Wasser“, in dem das Tätige des Brütens zu einem artistischen Akt wird)? Spielt das nicht mit herein, wenn die Armen, die Fremden, das Opfer, der Geist, die Gerechtigkeit, die Wahrheit, die Barmherzigkeit und andere aus dem Text verschwinden? Was wird aus dem Zorn?
    Natur ist der Inbegriff aller Objekte, die der Herrschaft der Vergangenheit unterworfen sind, während der Weltbegriff Vergangenheit und Zukunft dadurch trennt, daß er die Zukunft unter die Vergangenheit subsumiert (nur unter der Herrschaft der Vergangenheit sind Zukunft und Vergangenheit getrennt). Auf diesen Schnitt beziehen sich die Schwertsymbole: vom kreisenden Flammenschwert des Kerubs am Eingang des Paradieses bis zur Duchschlagung des Gordischen Knotens durchs Schwert des Alexander. Konstituiert das Schwert die Zeit, indem es sie von der Ewigkeit trennt, sie der Vergangenheit unterwirft?
    Wer ist Malchus?
    Das Schwert, das die Wunde schlägt, heilt sie auch (oder: Schwerter zu Pflugscharen): Sind die subjektiven Formen der Anschauung (und ist das Inertialsystem), und mit ihnen das Reich der Erscheinungen, das Werk des Schwertes? Begründet das Schwert mit der Trennung von Zukunft und Vergangenheit (und der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit) auch den Begriff des Wissens und die Trennung des Natur- und Weltbegriffs?
    Steht nicht die Natur unter dem Bann der Subjektivität? Und ist nicht Adornos „Eingedenken der Natur im Subjekt“ zu radikalisieren durch die Kritik des Naturbegriffs selber?
    Ärgernisse müssen kommen, aber wehe denen durch die sie kommen: Ist dieser Fluch nicht auch ein Segen (und ein Fluch nur für die, die den Segen darin nicht sehen)?
    Die Wahrheit hat einen Zeitkern (Adorno): Dieser Satz wird mißverstanden, wenn man ihn relativistisch versteht.
    Auch Herrschaftskritik ist vor der Gefahr des Herrendenkens nicht gefeit.
    Problem der Chronologie: Die sogenannte Tiefenzeit ist ein Versuch, den Naturbegriff so zu verankern, daß er unwiderlegbar wird. Mit der Tiefenzeit kapituliert das Subjekt endgültig vor dem Bann, den es selbst über die Natur legt. Jeder Bann aber ist ein Todesbann.
    Nicht nur die Rettung der vergangenen Hoffnung, sondern die Errettung der vergangenen Zukunft (gegen das „Prinzip Hoffnung“).
    Wer sind heute die Aussätzigen: Gehören dazu nicht auch die Objekte des Vorurteils, die Juden, die Frauen, die Ausländer?
    Gibt es eigentlich keinen Theologen, dem beim Kohlschen Wort vom „Umdenken“ (ähnlich wie damals beim Ehrhard-Wort von der „Sünde wider den Geist der Marktwirtschaft“) etwas einfällt? (Es paßt zu einem geistigen Klima, in dem die Reichen die Armen sind, die sich für das Ganze aufopfern.) Ist die Theologie schon so verderbt, daß ihr Gegenteil sich als ihre Verkörperung ausgeben kann (vgl. die „Theologen“ in der CDU, mit denen sich Kohl jetzt umgibt: Hintze und Heitmann, während er bei die Besetzung der Fachressorts Wirtschaft und Finanzen Fachleute um jeden Preis zu meiden versucht). Die Regierungsmannschaft Kohls wird durch das Feuer kabarettistischer Kritik nur noch gestählt (mit Hilfe der Theologie).
    Stichwort „falsche Propheten“ (vom Deuteronomium bis zum NT, insbesondere auch in der Apokalypse): Das Problem sind nicht die falschen Propheten selber, sondern das Problem ist eine Politik, die wie ein Magnet die falschen Propheten anzieht. Die falschen Propheten sind am projektiven Gebrauch der Diskriminierungslogik (am instrumentellen Gebrauch der double-bind-Falle) erkennbar:
    – „Asylantenflut“: wir überschwemmen die Welt mit der Armut, die wir nach draußen exportieren;
    – die Xenophobie ist der Spiegel des Schreckens, den wir in der Welt verbreiten;
    – die „Banden-Kriminalität“ (Begründung des „großen Lauschangriffs“) das Spiegelbild der realen Politik und Ökonomie: des Überfalls und der Beraubung der Armen).
    Zugleich wird der Anspruch der Religion durch die projektive Ausmalung ihrer raf-Variante: des Fundamentalismus (den es zugleich tatsächlich gibt) destruiert.
    Der Weltbegriff als Instrument der Schizophrenisierung: Psychose-Generator.
    Das Buch Hiob ist nicht die Antwort auf das Theodizee-Problem, sondern der Nachweis, daß bereits die Frage (notwendig und) blasphemisch ist. Es beschreibt die Grenzen der Urteilskraft, dazu braucht es den „Ankläger“.
    Wer nachweist, daß Äpfel keine Birnen sind, hat damit nicht nachgewiesen, daß es keine Birnen gibt.
    Ist nicht die große Musik, spätestens seit Bach, der ohnmächtige, aber keineswegs hilflose Versuch, das Problem des Nominalismus (auch des double bind, der Trennung von Ton und Inhalt eines Satzes) zu bestimmen?
    Ein Text, der es nicht erträgt, daß Worte in ihm auch gegensätzliche Bedeutungen repräsentieren, kann nicht wahr sein. Der Nachweis, daß ein Text Widersprüche enthält, ist nicht in jedem Falle eine Widerlegung.
    Der ontologische Gottesbeweis hat die Selbstoffenbarung Gottes im brennenden Dornbusch neutralisiert (und die Persil-Reklame antizipiert).
    Wer die Erfindung der Schrift als technisches Problem begreift, neutralisiert das Problem anstatt es zu lösen. Welches gesellschaftliche (und sprachlogische) Interesse liegt der Erfindung der Schrift zugrunde? Gibt es einen Staat ohne Schrift?
    Das Schlimme heute ist, daß unsere Theologie erinnerungslos Abschied von ihrer eigenen Vergangenheit zu nehmen versucht. So macht sie sich selbst zum Agenten des Hasses der Welt. Nur so (durch Identifikation mit dem Aggressor) glaubt sie, selbst der Angriffszone dieses Hasses sich entziehen zu können.
    Haben sich nicht alle am Schicksal der raf mitschuldig gemacht, die damals wußten, daß Analysen der raf so falsch nicht waren, dieses Bewußtsein aber verdrängten, weil sie gegen die Sympathisanten-Hetze hilflos waren.
    raf und Scheiterhaufen: Beide sind falsche, instrumentalisierende Verkörperungen des Feuers (und seiner Beziehung zum Opfer und zur Sünde der Welt; Zusammenhang des Scheiterhaufens mit der Geschichte der Alchemie, der „Goldmacherkunst“).
    Nur von der Sünde wider den Heiligen Geist heißt es, daß sie weder in dieser noch in der künftigen Welt vergeben werde, während es heißt, daß, wer den Vater und den Sohn leugnet, der Antichrist sei (1 Joh 222).
    Ist der Feminismus nicht zunächst ein Symptom, nur in einigen Verkörperungen auch schon der Ansatz zu einer Lösung (Elisabeth Schüßler-Fiorenza, Rosemary Radford-Ruether, Mary Daly)?
    Ist nicht durch die Logik des Weltbegriffs das Sein zum Haben anderer geworden? Darin gründet die verandernde Kraft des Seins, wird das Sein zu einem Moment im gesellschaftlichen Schuldzusammenhang (als dessen innere Reflexion die Heideggersche Fundamentalontologie zu begreifen ist).
    Lassen sich die englische und die deutsche Sprachlogik nicht an der Form der gesellschaftlichen Anrede erkennen: Im Englischen ist die zweite Person sing. mit der zweiten Person plural (you) identisch, im Deutschen reden sich Erwachsene mit dem Personalpronomen der dritten Person plural (Sie) an: Hängt das nicht mit der Beziehung des Seins zum to be zusammen?
    Durch den Begriff des Wissens wird die Wahrheit auf Objekte bezogen (als Übereinstimmung von Begriff und Gegenstand definiert).

  • 19.09.93

    Sind die drei Gegenstände, in die bei Rosenzweig das All zerspringt (Mensch Gott Welt), nicht in den drei Totalitätsbegriffen Kants (Wissen Natur Welt) vorgebildet, die die Grundlage für die drei Gestalten des deutschen Idealismus (Fichte Schelling Hegel) bildeten, über deren innere Beziehungen aber seit Kant niemand mehr nachgedacht hat?
    Macht nicht die Rosenzweigsche Sprachreflexion Halt vor dem Genus-Problem (Ursprung des Neutrum) und vor der grammatischen Logik der Konjugation und des Gebrauchs der Hilfsverben (Futur, Änderung der Bedeutung und Funktion des Perfekt, Futur II und Plusquamperfekt)?
    Im Lateinischen endet der Akk. sing. mit -m, im Griechischen (und im Deutschen) mit -n (im Deutschen rutscht das -m in den Dativ). Hängt das mit der Geschichte des Eigentumsbegriffs und seiner Stellung zum Staat zusammen?
    Der Weltbegriff entspringt aus der Neutralisierung des Vater-Sohn-Konflikts; deshalb steht der Kreuzestod für den Zustand, nicht für die Entsühnung der Welt. Der Kreuzestod ist die offene Wunde der Welt. Wie hängen die subjektiven Formen der Anschauung damit zusammen?
    Naturphilosophischer Aspekt der vaterlosen Gesellschaft: Mit den Himmeln wurde der Vater abgeschafft (pater noster, qui es in coelis).
    Die Welt ist der zur absoluten Konfrontation stillgestellte Geschlechter-, Generationen- und Geschwister-Konflikt.
    Grundlage der Bildung des Weltbegriffs ist die Bildung des Neutrum (eine indogermanische Bildung, die wahrscheinlich aus dem Akkusativ entsprungen ist: vgl. die Beziehung von Satan und Schlange).
    Zur Theorie des Lachens: Muß man nicht auch hier zwischen einem satanischen, teuflischen, und dämonischen Lachen unterscheiden (zu welchem gehört das zynische Lachen)?
    Durch die theologische Rezeption des Weltbegriffs wurde Herrschaftskritik zur Sexualmoral und die Umkehr zur Gesinnung, zum Bekenntnis instrumentalisiert (und zugleich spiritualisiert und depotenziert).
    Die Welt und die Zerstörung des Angesichts (Geschichte der Scham und der Privatsphäre, der Skulptur und des Portraits): Nach dem Sündenfall verbargen sich Adam und Eva vor dem Angesicht Gottes unter den Bäumen des Gartens.

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