Wie hängen die Begriffe des Scheins (der ökonomische, vertragsrechtliche und der ästhetische, logische) mit einander zusammen? Der Geldschein ist (wie z.B. ein Pfandschein, ein Lagerschein) ein Dokument der Verpflichtung des Gläubigers, das auf dem Schein genannte Objekt, das er repräsentiert, bei Vorlage auszuhändigen.
Ist nicht das Geld – wie der Raum als Form der Ausbreitung des Lichts – der Ursprung des Scheins? Und ist von hierher der erkenntniskritisch-logische Begriff der Erscheinung zu begründen? – Die vom Geld beherrschte (und von der Form des Raumes durchdrungene) Welt ist sprachlich fast nicht mehr zu durchdringen. Das reflektiert sich in der Bekenntnislogik.
Ist nicht die Erscheinung die aus dem Kristallisationskern des Scheins erwachsende Totalität des Scheins: Zusammenhang mit den Begriffen des Wissens, der Natur und der Welt? Ist nicht das kantische „Ganze der Erscheinungen“ die von der Idee der Wahrheit (vom Angesicht) befreite Welt?
Ist der Schein das halbierte Angesicht: Inbegriff des Hinter dem Rücken, Produkt des Objektivationsprozesses; und dieses der Grund des Fremdenhasses (deshalb bellen Hunde den Mond an, und deshalb ist der Raum als verdinglichte Form der Anschauung und Grund des Objektivationsprozesses in allen Richtungen reversibel)?
Es gibt eine Art, über die Dinge zu sprechen, hinter der die Welt verschwindet, in die die Welt nicht mehr eingeht, in der die Sprechenden gegen jegliche Erfahrung und gegen die Welt sich abschirmen: Die Außengrenze der Monade ist ein Produkt der Identität von Herrendenken und Rechtfertigungszwang, des Exkulpationstriebs. Die Monade lebt in einem Zwangstraum, aus dem sie nicht erwachen will, den sie durch Beleidigungsrituale (die die Grenzen dessen, worüber gesprochen werden darf, bestimmen) gegen das Erwachen (gegen das Krähen des Hahns) schützt. Wenn man nicht (zur Erhaltung des Banns, der auf allen liegt) über Nachbarn und Verwandte redet, dann über eigene vergangene (und zukünftig vergangene) Entscheidungen, um sie nachträglich durch die Zustimmung des andern absichern zu lassen (Rechtfertigungstrieb). Man möchte leben wie einem Film, in dem die Handlung vorgegeben und nicht vom Spieler zu verantworten ist, und dazu wie ein Zuschauer sich verhalten können.
Kohls Geschick, durch Sprachregelungen, die die eigene Schuld anderen, in der Regel den Opfern, die sich nicht wehren können und keine Verteidiger mehr haben, anzulasten, sich selbst unangreifbar zu machen („Solidarpakt“, auch die Bemerkung, der Staat dürfe nicht zum „Steinbruch für die egoistischen Interessen Einzelner“ verkommen: die „Sprachgewalt“ des Feigenblatts ist die Sprache der Gewalt).
Unanständige Wahlwerbung der F.D.P. in Frankfurt: Zielt auf das Stammtischgerede, wonach die Beamten ohnehin nichts tun und Kultur zu teuer ist („alles von unsern Steuergeldern“). Mittlerweile ist offensichtlich alles, was nicht dem Geschäft dient, Ideologie, auch eine der letzten Instanzen, die noch an Humanität erinnern: die Kultur, das Theater. Dazu paßt es, wenn der wegen Steuerbetrugs rechtskräftig verurteilte Graf Lambsdorf darauf hinweist, daß auch Blüms Vorschlag, durch schärfere Kontrollen den „Mißbrauch“ einzudämmen, die Kürzung der Arbeitslosengelder nicht mehr werde verhindern können. Sparen heißt für die, die sich ohnehin als Eigentümer der öffentlichen Finanzen („unsere Steuergelder“) sehen: Sparen beim „Personal“ (in Kultur und Verwaltung) und der Griff in die Taschen der Ärmsten.
Bekenntnislogik
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24.01.93
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22.01.93
Die irrationalen Schuldgefühle erwachsen gerade aus der Verdrängung des realen Bewußtseins von Schuld, sind eine Gestalt ihrer projektiven Verarbeitung. Nur die bewußte Reflexion der Schuld (die Gottesfurcht) befreit, während die Verdrängung nur tiefer verstrickt und hineinführt. Hier ist das Christentum einer Verführung zum Opfer gefallen, die bis heute nachwirkt: der Verführung durch den projektiven Mißbrauch der Sexualmoral, die den Gläubigen zum idiotes gemacht hat (Zusammenhang der Sexualmoral mit dem Trägheitsprinzip und der transzendentalen Logik?).
In welche Probleme die Philosophie ohne die Hilfe des Dogmas gerät, hat die arabische Philosophie aufs genaueste demonstriert. Und die Islamisierung des Christentums (die die Gottesfurcht leugnende Unterwerfung unter den „Willen Gottes“) resultiert aus der Hereinnahme dieses Bruchs, sie war der Auslöser für den dann einsetzenden Objektivierungsprozeß (projektives Korrelat des „Islam“, die Unterwerfung des Objekts). Hierher gehören u.a. die im Islam erzielten mathematischen Fortschritte (u.a. die Entdeckung der Null, Begründung der Algebra) zusammen mit den theologischen Konstrukten, wonach u.a. Gott die Welt jeden Tag neu erschafft (weil er sie nicht zu erhalten vermag).
Die Differenz zwischen der lateinischen und der griechischen Sprache: die u.a. im Fortfall des Dualis (zusammen mit der reinen Ausbildung des Neutrum?) sich ausdrückt, darf nicht zu unterschätzt werden.
Die Selbstverfluchung am Ende der Geschichte der drei Leugnung ist die zwangsläufige Folge der Geschichte der Verurteilungen (des Heidentums, der Juden, der Häresien), die alle schon Formen der Selbstverurteilung waren, gleichsam Anwendungsfälle des Satzes „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“.
Das Inertialsystem verletzt das Gehorsamsgebot, das Tauschprinzip (das Geld) das Armutsgebot, das Herrendenken (das Bekenntnis) das Keuschheitsgebot.
Die creatio-mundi-Lehre leugnet die Schöpfung, die Lehre von der Verbalinspiration die Offenbarung; in der Selbstverfluchung, das im Konfessionalismus, im Bekenntnisprinzip gründet, wird die Erlösung geleugnet. All diese Momente sind in der vätertheologischen Begründung der Theologie schon vorhanden: die creatio mundi, das Prinzip der wörtlichen Schriftauslegung und das Bekenntnisprinzip (der Confessor, der dann zwangsläufig die weibliche Heiligengestalt der Virgo nach sich zieht).
Der johanneische Logos ist nicht der Grund des Logozentrismus, sondern bereits die Antwort darauf. Und das Problem des Todes ist auch über den Rosenzweigschen Ansatz hinaus, über die Todesangst als Inbegriff der Sprengung des Alls und Ursprung der Erkenntnis hinaus, erkenntnisrelevant: wenn man das Inertialsystem (und das Geld) als Todesgrenze in der Natur selber begreift, als Grund des Banns der mit dem Namen der Natur auf der Natur lastet. -
28.12.92
Erst die Inquisition hat mit drastischen Mitteln das Bekenntnisprinzip eingeführt und die Bekenntnislogik durchgesetzt. Die grundsätzliche Konfikation des Besitzes eines als Ketzer Verurteilten verweist auf den Zusammenhang des Bekenntnisses mit dem Eigentumsprinzip. Die Inquisition hat die Religion als Herrschaftsmittel vergesellschaftet, das hat ihren Inhalt nicht unberührt gelassen: sie hat den Glauben in Isolationshaft genommen.
Die Konfiskation des Besitzes der Ketzer war der Vorläufer des Goldraubs in Amerika (Bedeutung der spanischen Inquisition).
Ist ein Zufall, daß die Inquisition gleichzeitig mit der Hochscholastik sich entwickelt und ihre Träger Vertreter der gleichen Orden sind, die auch die Hochscholastik repräsentieren?
Die Desensibilisierung des Glaubens durch die Inquisition war die Voraussetzung für die Entsinnlichung der Natur in den modernen Naturwissenschaften; und schon die Inquisition hat auch die Toten in ihr paranoides System hereingezogen, sie nicht mehr in Ruhe gelassen (Grund war die Konfiskation des Besitzes von den Erben: Zusammenhang mit dem paranoiden Weltbegriff).
Enthält die kantische Kategorienlehre nicht ein Stück verkehrter Theologie: einer Theologie, die durch Umkehr daraus „erwächst“? Es wäre eine Theologie, die aus den Totalitätsbegriffen Wissen, Natur und Welt die theologischen Kategorien Offenbarung, Auferstehung und Schöpfung rekonstruiert. Aus den Formen der Anschauung wäre die Offenbarung, aus den dynamischen Kategorien die Auferstehung und aus den mathematischen Kategorien die Schöpfung abzuleiten (genauer: die Formen der Anschauung konstituieren sich durch Leugnung der Offenbarung, die dynamischen Kategorien durch Leugnung der Auferstehung und die mathematischen durch Leugnung der Schöpfung). Ist der Existenzbegriff der Schlüsselbegriff, das Siegel, das zu lösen wäre (ist es nicht der Existenzbegriff, der die Mächte des Abgrunds evoziert; sh. Heideggers Frage, warum überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts sei)?
Der philosophische Weltbegriff, der Begriff des Kosmos, ist der Schatten des Naturbegriffs. -
26.12.92
Das Zölibat soll das Erben verhindern: so bleiben die Institutionen und die Lehre Eigentum der Kirche. Der Staat hingegen ist das Eigentum der Bürger, der sich in der Geschlechterfolge durch Geburt, durch das Blut) vererbt; deshalb gilt es, seine Einrichtungen und sein Eigentum (zu dem auch „unsere Frauen“ gehören) gegen fremde Eingriffe (gegen „Ausländer“) zu schützen.
Hängt es nicht mit dem Blutprinzip zusammen, daß das Sein im Deutschen das männliche Possessivpronomen ist (ist im Deutschen das Präfix be- in die erste und zweite Person Singular gerutscht: ich bin, du bist)?
Merkwürdig, daß im Englischen das you are (in der zweiten Person, es hat das thou verdrängt) identisch ist mit der Pluralbildung (we/you/they are). Wie lautete das Verb in der zweiten Person Singular, als anstelle des you noch das thou in Gebrauch war? Hängt die englische Pluralbildung in der zweiten Person (die im Deutschen nur regional, und dann despektierlich, üblich ist, während sonst die dritte Person Plural an dessen Stelle getreten ist) damit zusammen, daß die Welt als kollektives Subjekt im Anderen repräsentiert wird: die zweite Person Singular ist Repräsentant dieses kollektiven Subjekts. Es ist die reine Mannigfaltigkeit.
Im Futur II wird der Infinitiv des Seins als Konstruktionselement mit verwandt: It will be have done, es wird getan worden sein.
Ist die Musik in dem Abgrund zwischen Natur und Welt angesiedelt, und kann es sein, daß Musikalität deshalb, weil sie das Unrecht in der Herrschaft der Sprache wahrnimmt, nicht selten mit grammatischen oder orthographischen Problemen einhergeht? Musik als Ausdruck des Leidens an der Unzulänglichkeit der Sprache (Zusammenhang mit der Struktur der deutschen Sprache: mit ihrer besonderen Ich-Bezogenheit, ihrer Egoität, dem deutschen Idealismus?).
Egoität und Blut-Bezogenheit (Definition der Staatsbürgerschaft): Hegels Deduktion der Geburt des Monarchen aus der Logik des Begriffs hängt zusammen damit, daß das Sein ein männliches Possessivpronomen ist, Besitz sich durch Vererbbarkeit definiert und die Welt über den Seinsbegriff im Institut der Erbschaft begründet ist (deshalb die zentrale Bedeutung des Andersseins für die Logik). Sie bezeichnet genau den Kontrapunkt zum Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit.
Dem heidnischen Primat von Zeugung und Geburt (sedimentiert im Naturbegriff) entsprechen in der jüdischen Tradition die Schuld der Väter und die Sünden der Mutter.
War Galiläa der pagane, der ländlich-heidnische Teil Israels?
Die Verweltlichung der Welt ist das Fegfeuer der Theologie: ihre Reinigung von der Herrschaftsmetaphorik. Nicht die Anbetung des Logos, sondern Gott will nicht, daß das Wort leer zu ihm zurückkommt: „So ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verläßt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück …“ (Jes 5511)
Jes 5511: Ist das nicht die Widerlegung des Dogmas? Und ist das Wort, das aus dem Munde Gottes kommt, anders als durch Erinnerungsarbeit und Tun zu füllen (durch die Klugheit der Schlange und die Arglosigkeit der Tauben)?
Das Dogma hat das Vakuum in der Gotteserkenntnis erzeugt und zugleich den horror vacui verdrängt: Das ist der Grund der Desensibilisierung durch Theologie.
Das Bekenntnis ist das sprachimmanente (welterzeugte) Prinzip der Zerstörung der Sprachlogik (der sprachlichen Sensibilität: des Wahrnehmungsorgans der Gotteserkenntnis). Es hat die Bahn freigemacht für das Herrendenken.
Steckt nicht im Namen Israels die Sara und im Namen der Hebräer der Abraham? -
19.12.92
Die Apriorität des Geldes unterscheidet sich von der des Raumes durch das gesellschaftliche Element, durch ein Moment des passiven Glaubens und durch das einer passiven Moral, einer Herrschaftsmoral. Vermittelt sind dieser Glaube und diese Moral durch den Weltbegriff. Hier liegt der logische Grund des Bekenntnisses, der Bekenntnislogik, deren Beziehung zur transzendentalen Logik zu bestimmen wäre (Konstituierung des Objekts und Verinnerlichung des Opfers). Die Lücke hat die Philosophie nur unter Zuhilfenahme der (christlichen) Theologie schließen können, die dadurch in den Bannkreis der Philosophie mit hereingezogen worden ist.
Die kantischen subjektiven Formen der Anschauung definieren aufs genaueste den theologischen Begriff der Todsünde.
Die allen gemeinsame Natur war das Totenreich, und der Seelenbegriff der dazugehörige Gespensterglaube.
Was mit der Sünde wider den Heiligen Geist gemeint ist, ist in den Abschiedsreden Jesu im Johannes-Evangelium aufs genaueste bezeichnet.
Fremdenfeindschaft ist des Medium der Selbstzerstörung des Urbanen.
Das Dogma und der kirchliche Kleinglaube: Hier liegt der Grund für das benjaminsche Wort von der Theologie, die heute bekanntlich klein und häßlich sei und sich nicht dürfe blicken lassen.
Gibt es nicht bei den Sakramenten diese polaren Beziehungen: Taufe und Firmung, Buße und Eucharistie, Priesterweihe und Ehe, mit der Ausnahme nur des letzten: der Krankenölung, der letzten Erinnerung an die Salbung des Messias.
Nur im dreidimensionalen Raum stellt sich durch die Umkehr in jeder Dimension am Ende die Identität des Objekts, seine Anfangsorientierung (Grundlage der Identität der Zeit) wieder her.
Hat nicht die Trennung von Licht und Finsternis mit Vorne und Hinten, die der Wasser oberhalb von den Wassern unterhalb mit Oben und Unten, und die der Wasser unterhalb und des Trockenen und die Hervorbringung der Pflanzen mit Rechts und Links zu tun (und weshalb ist diese Scheidung die letzte)? Dann haben die Lichter am Himmelsgewölbe mit Vorn und Hinten, die Erschaffung der Fische und der Vögel mit Oben und Unten, und die der Tiere und der Menschen mit Rechts und Links zu tun.
Worin bestand die Buße der Menschen und des Viehs in Ninive? „Und die Leute von Ninive glaubten Gott. Sie riefen ein Fasten aus, und alle, groß und klein, zogen Bußgewänder an. Als die Nachricht davon den König von Ninive erreichte, stand er von seinem Throne auf, legte seinen Königsmantel ab, hüllte sich in ein Bußgewand und setzte sich in die Asche. Er ließ in Ninive ausrufen: Befehl des Königs und seiner Großen: Alle Menschen und Tiere, Rinder, Schafe und Ziegen, sollen nichts essen, nicht weiden und kein Wasser trinken. Sie sollen sich in Bußgewänder hüllen, Menschen und Tiere. Sie sollen laut zu Gott rufen, und jeder soll umkehren und sich von seinen bösen Taten abwenden und von dem Unrecht, das an seinen Händen klebt.“ (Jon 35ff)
Die Kirche als steinernes Herz der Welt: Sie ist hilflos und ohnmächtig gegen die Ausdehnung der Raum- und Zeitvorstellung, die die Welt versteinern läßt.
Das Inertialsystem definiert das Abstraktionsgesetz, durch das Innen und Außen untrennbar sich vermischen, die Natur sich verdoppelt, gegen sich selbst sich verselbständigt (Grund der Reproduzierbarkeit). Es ist zugleich die Schiene wie auch das Konstruktionsgesetz der Lokomotive, die auf jener Schiene dem Abgrund zurast. Gelegt wurde die Schiene mit dem Futur II, durch das die indogermanischen Sprachen sich von allen anderen Sprachen unterscheiden. Kern der Lokomotive ist, was seit dem Ursprung der Philosophie Substanz heißt (das Korrelat des deklinierbaren Nomens).
Wann beendet Gott den christlichen Karneval, wann legt er die drei Masken ab? -
15.12.92
Nur zusammen mit den theoretischen Folgen der Lehre von der „Hinwegnahme der Sünden der Welt“ sind die entsetzlichen praktischen Folgen des Wortes von der „Erfüllung der Prophetie“ zu verstehen: Nur so war es möglich, die „Unheils“-Prophetie allein auf die Juden anzuwenden, sich selbst aber davon freizusprechen: Voraussetzung war die Vorstellung, daß durch den Opfertod Jesu die Welt bereits entsühnt war, die Christen die Sorge um die Welt den dazu berufenen Herren überlassen konnten (gegen den Inhalt der „Abschiedsreden“ Jesu im Johannes-Evangelium, und gegen die darin enthaltene Lehre vom Parakleten, vom Heiligen Geist: die Lehre von der Entsühnung der Welt durch den Opfertod Jesu hat die Politik gegen Kritik immunisiert). Mit diesem Weltbegriff war der Antisemitismus untrennbar verbunden.
Ist nicht die Geschichte der drei Leugnungen Petri eine prophetische Antizipation der Entwicklung der Beziehungen des Christentums zur Geschichte des Staates als Organisation einer Gesellschaft von Privateigentümern (deren Auswirkungen bis in den Naturbegriff hereinreichen). Die Erfindung des Rechts war ja nicht nur ein Mittel zur Humanisierung des Staates, sondern zugleich eine Sanktionierung des Rachedenkens, verknüpft mit der des Selbsterhaltungsprinzips. Es hat nie ein Recht ohne Strafe gegeben.
Die Kirche verfängt sich in ihrer eigenen Schlinge, wenn sie heute von außen als Ursache der Greuel, die in ihrem Namen verübt worden sind, begriffen wird. Da hilft keine Apologetik mehr, die im Gegenteil die Sache nur verschlimmert. Sie hat nur die Rechtfertigung der Greuel geliefert, deren Ursache politisch-ökonomische Ursachen waren. Auch das war eine Form der Übernahme der Sünden der Welt, aber die falsche: Der Preis war ein Idealismus, der den bloßen Meinungen Kausalität zusprach in einer Welt, die von anderen Mächten beherrscht wird, deren Erkenntnis aber – auch mit Hilfe der Kirche – tabuisiert und diskriminiert wurde. Der kirchliche Bekenntnisbegriff, seine Logik und seine, aus seiner Hilflosigkeit stammende praktische Explosivkraft, schlägt heute auf die Kirche zurück, wenn sie von ihren Kritikern als schuldig erklärt wird insbesondere am Antisemitismus und an der Frauenfeindschaft.
Rosenzweigs Hinweis, daß das Wort von der Mittlerschaft des Sohnes (daß niemand zum Vater komme, außer durch den Sohn) nur für die Heiden, nicht aber für die Juden gelte („Wir sind schon beim Vater“), wäre dahin zu ergänzen, daß jenes „durch“ nicht instrumental, sondern nur im Sinne der Nachfolge verstanden werden darf. Die Juden sind schon beim Vater, aber wir, die Christen, haben die Welt, die über unseren Köpfen und hinter unserem Rücken sich etabliert und entfaltet, aufzuarbeiten. Diese Aufarbeitung hat das offizielle Christentum versucht zu umgehen durch die Vorstellung, daß diese Welt von Gott aus dem Nichts erschaffen und durch den Opfertod Jesu entsühnt wurde. Beide Vorstellungen enthalten – mit Kant zu reden – ein Rattennest von Widersprüchen. Nur (gegen die Gnosis) der Schöpfer der Welt ist auch nicht der jüdische Gott, sondern der Staat (der sterbliche Gott).
Sakral sind die Herrschaftsinstitutionen und ihr naturaler Reflex, nicht die religiösen. Die Säkularisation ist der notwendige Prozeß der Entmischung von Politik und Religion, aber sie ist noch nicht am Ende (welche politische Bedeutung haben die sieben Sakramente?).
Hat nicht der Entzauberungsprozeß Halt gemacht vorm Subjekt selber, und liegt hier nicht der Grund für das, was man heute den religiösen Ego-Trip nennen muß?
Die multikulturelle Gesellschaft: Ist das nicht der Versuch einer anderen Platzverteilung in einem Zug, der auf den Abgrund zurast?
Ist nicht die Politik (unter dem Einfluß der Bekenntnislogik) zu einem Inbegriff der Sprechblasen geworden, mit denen die bloße Verwaltung, das bloße Reagieren, sich nach außen präsentiert, allerdings mit jener besonderen Sprechblasen-Technik, die endlich zu analysieren wäre, und deren Beherrschung, wie es scheint, insbesondere Kohl seine Karriere verdankt (nicht mehr nur ein Schurz, sondern eine ganze Physiognomie aus Feigenblättern)?
Was bedeuten die Namen des Himmels und der Erde?
Das Bekenntnis ist ein Ausdruck der Ohnmacht (der Hilflosigkeit) und der Furcht vor Verfolgung (der Furcht, für sein Denken haftbar gemacht zu werden); deshalb gibt es kein Bekenntnis ohne Feindbild. Das Feindbild (das Stück Projektion in ihm) ist der Kitt, der sowohl das Dogma als auch die Gemeinschaft der Gläubigen zusammenhält. Das Bekenntnis ist Subjekt-Objekt (Opfer-Täter) der Instrumentalisierung: Grundlage der Dynamik der verfolgenden Unschuld, die im Faschismus ihr immanentes Ziel hat und in der Mordlust der Faschisten kulminiert.
Das peri physeos der ersten Philosophen war das Instrument der Verarbeitung der Erfahrung im Interesse der Verinnerlichung des Schicksals und der Etablierung des Weltbegriffs. Die Philosophie unterscheidet sich von den vorausgegangenen Gestalten der Verarbeitung der Erfahrung durch das Argument, die Begründung, den Beweis (die Prosa).
„Man ist jetzt allgemein der Meinung, daß die Anfänge der von den Vorsokratikern betriebenen Spekulation mit der kormogonischen Tradition orientalischen Zuschnitts zusammenhängen.“ (Die Anfänge der abendländischen Philosophie, dtv 1991, S. 11) Gemeinsam ist beiden (der Philosophie und den mythischen Kormogonien), daß sie die Ursprünge zu ermitteln suchen.
Die Homogenität der Zeit wird durch eine imaginäre Zeitumkehr hergestellt, durch die Vorstellung, daß ein Vorgang auch rückwärts ablaufen könne und dann den gleichen Gesetzen gehorchen müßte. Deshalb ist die Homogenität der Zeit an die Reversibilität aller Richtungen im Raum gebunden. Und deshalb werden mit dem Kausalitätprinzip alle teleologischen Elemente unterbunden und verdrängt.
Die orphischen Mysterien sind Produkt der Privatisierung des Sakralen, oder auch der Sakralisierung des Privaten. (Anfänge, S. 14)
Nach Kritias sollen die Götter „verhindern, daß die Menschen heimlich die kriminellen Handlungen verüben, die die Gesetze verbieten“. (S. 21) -
13.12.92
Der Naturbegriff verstellt das Votum für die Fremden, der Weltbegriff das für die Armen: eine Neubegründung der Theologie ist nur durch die Kritik beider Begriffe (durch die Metakritik der kantischen Vernunftkritik) hindurch möglich.
Das Votum für die Fremden und das für die Armen sind zentrale Motive der prophetischen Tradition, die Kritik der Frauenfeindschaft ist ein apokalyptisches Motiv: sie ist mit der Enttäuschung der Parusie-Erwartung vergessen und verdrängt worden.
Die Wiedergewinnung der sensibilisierenden und benennenden Kraft theologischer Erkenntnis ist nur möglich durch die Kritik der neutralisierenden Gewalt des Bekennens hindurch. Das Bekenntnis ist Produkt der Mimesis an die entfremdete Welt: der Identifikation mit dem Aggressor.
Der Freudsche Urmythos ist eine verschlüsselte Christentums-Kritik: Die Judenfeindschaft und der kirchliche Antijudaismus waren der Vatermord.
Wenn es praktische Vorschläge zur Behebung der Fremdenfeindschaft gibt, dann jedenfalls nicht in der Richtung, die durch die unsägliche Asylanten-Diskussion vorgegeben zu sein scheint. Vergessen wird, daß die Xenophobie an den Grund des Problems der Beziehung von Theorie und Praxis (oder an die Fundamente des Selbstverständnisses des Staates: der deutschen Staatsmetaphysik) rührt, daß insbesondere jede technologische Lösung zunächst einmal zurückzustellen ist und die genaueste Erkenntnis des Problems, auch wenn sie „praktische Lösungen“ zunächst auszuschließen scheint, Voraussetzung jedes weiteren Schrittes ist. Zu überprüfen sind:
– der Staatsbegriff: wie er sich z.B. im Namen des Staatsanwalts manifestiert, nämlich den Staat als Prinzip der Anklage begreift, deren „Anwalt“ der öffentliche Ankläger ist, der jedoch in Deutschland nicht so heißen darf: durch seinen Namen ist der Staatsanwalt primär auf die Verteidigung des Staates, und erst in zweiter Linie auf die Verfolgung des Unrechts (oder gar auf das Ziel der Verteidigung der Schwachen) verwiesen: eine die Paranoia fördernde Institution;
– der Gewaltbegriff: ein Verständnis des Gewaltmonopols des Staates, das
. Gewalt in erster Linie als Gewalt gegen den Staat begreift, deshalb rechte Gewalt nicht in gleichem Maße der strafrechtlichen Verfolgung aussetzt wie linke, und aus dem gleichen Grunde
. eher darauf abzuzielen scheint, kritisches Denken (das mit „anschlagsrelevanten Themen“ sich befaßt) zu kriminalisieren als die realen Ursachen der Gewalt ernsthaft zu bekämpfen: in diesen Zusammenhang gehören z.B. die zögerliche Verfolgung von sexuellen Gewaltdelikten (Vergewaltigungen, insbesondere auch in der Ehe), aber auch die skandalösen Anerkennung von Trunkenheit als Strafmilderungsgrund bei Gewaltdelikten (kritisches Denken gilt als strafverschärfend, Trunkenheit als strafmildernd: ein wesentlicher Grund für die Gewaltaffinität in diesem Staat).
– Blindheit gegen Rechts nicht gesinnungs-, sondern systematisch begründet (Problem des Gesinnungsbegriffs),
– Gemeinheit ist kein strafrechtlicher Tatbestand,
– Eigentum und Selbsterhaltung (Weltbegriff): Ego-Trip,
– Staatsbürgerschaft: endlich das Blutsprinzip durch rechtliche Regelung ersetzen.
Steckt darin (in dieser ethnisch begründeten Staatsmetaphysik) nicht jene kirchliche Tradition, die seit der Rezeption des Weltbegriffs in der Theologie zwar jede unreglementierte Sexualität diskriminiert, aber die Kritik der Gewalt (in Kriegen, bei Anwendung von von Mitteln politischen Terrors: Folter, Scheiterhaufen, Völkermord) fast grundsätzlich vermeidet? Der Hinweis auf den Zusammenhang mit dem Weltbegriff rührt an den Kern des Problems. Nicht zufällig hat der Papst bei der Rehabilitierung Galileis den Inquisitoren „guten Glauben“ attestiert, und so mit instinktiver Präzision das Problem auf den Kopf gestellt.
Zum Begriff der Natur: Warum heißt die Einbürgerung „Naturalisierung“ (begrifflicher Zusammenhang mit „Säkularisierung/Verweltlichung“)? Der Naturalisierte wird Objekt und Subjekt des Staates, der ihn naturalisiert. Vor diesem Hintergrund wäre Natur als Schuldzusammenhang, Volk als Schicksalsgemeinschaft zu definieren. Der Fremde steht außerhalb der Natur (Grund der Xenophobie).
Christologische Logik des Naturbegriffs: Die Vergöttlichung des Opfers ist der Grund der zivilisatorischen Selbstvergöttlichung, der Sakralisierung des Subjekts durchs Selbstmitleid (Tabuisierung der Opferrolle). -
12.12.92
„Die Götterwelt fungiert als eine völkerrechtliche Instanz, die auf die Einhaltung der Verträge achtet.“ (Assmann, S. 256)
Vertragsbruch als Urmodell der Sünde. (ebd.)
In welchem Zusammenhang stehen im Christentum Kanonbildung und Dogmatisierungsprozeß?
„Das Problem ist für die Wissenschaft das, was die „Mythomotorik“ für die Gesellschaft im Ganzen ist. Das Problem enthält ein Moment dynamischer Beunruhigung. Die Wahrheit ist einerseits problematisch, andererseits wenigstens theoretisch lösbar geworden.“ (S. 288)
Im Kontext des „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ gibt es den anderen, an die Pharisäer gerichteten Satz, wonach sie durch Wissen schuldig werden. Dieser Satz, der auf den Rat hinausläuft, dumm zu bleiben, denn „Was ich nicht weiß macht mich nicht heiß“, ist böse. Hier liegt der Grund der Verdrängungsmechanismen, der Verdummungsautomatik, die ihre schlimme Wirksamkeit dann entfaltet hat. Hier werden die Dummen heiliggesprochen.
Die systematische Stelle des Naturbegriffs im Stern der Erlösung macht deutlich, welchen Bann er begründet, und daß er nur durch Umkehr, in der der Bann sich löst, auf die Idee der Wahrheit zu beziehen ist.
„Gehet hin in alle Welt“, dieser Auftrag ist nicht nur geographisch, sondern auch begrifflich zu verstehen. Er bezieht sich auch auf die Apperzeption und vollständige Durchdringung der weltkonstituierenden Philosophie.
Staub, Schmutz und Abfall sind Kategorien der Xenophobie. (Hat der Name der Hebräer etwas mit dem Fluch über Adam und die Schlange, mit dem Staub, zum dem Adam wird und den die Schlange frißt, zu tun? Wird nicht die Erinnerung an das „Staub bist du, und zu Staub wirst du wieder werden“ zur Selbstbezeichnung? Als Hebräer aber sind sie Nahrung der Schlange. Ist in diesem Licht nicht die Schlange des Moses, ihr Kampf mit den Schlangen der Zauberer des Pharao, die erhöhte Schlange, zu sehen? Wann wurde die Schlange aus dem Tempel entfernt? – Wird im Christentum der Benennende und Fressende: Ägypten, die Philister, auch Holofernes ins hebräische Subjekt mit hereingenommen; ist das der Kelch, von dem Jesus wünschte, er möge vorübergehen; und drückt sich das im Kreuzestod, dem ambivalentesten Symbol des Christentums, für das das „Ein Gehenkter ist ein Fluch Gottes“ – 5 Mos 2123, Gal 313 – weiterhin gilt, aus? – Vgl. auch Hebr 1126, 122, 1313)
Der Weltbegriff macht die Schande (das Aufdecken der Blöße) allgemein, das Christentum macht sie reflexionsfähig: es relativiert die Schande, die Schmach, befreit die Menschen von ihrer Gewalt (das Kreuz ist Grund der Ästhetik, aber selbst kein ästhetisches Objekt; Beziehung der Schande zur Sexualmoral): Schande wird reflexionsfähig durch Übernahme der Sünde der Welt.
Hat der Name des Petrus etwas mit den drei Leugnungen zu tun, mit dem „Von allen Seiten von außen“ und der Hilflosigkeit dagegen, (Genesis der Verdinglichung, Versteinerung)?
Gethsemane, und nicht die Todesangst, wäre der Anfang einer christlichen Theologie, die dem mit dem Stern der Erlösung gesetzten Anspruchsniveau genügt.
Vorweihnachtliche Unzufriedenheit: omna animal post coitum triste.
Der Begriff unterscheidet sich vom Namen wie das Zeitlose vom Ewigen. Das Zeitlose gilt zu aller Zeit, das Ewige besteht zu keiner Zeit, außer „Heute, wenn ihr meine Stimme hört“. Das Zeitlose ist bis zur Strangulierung verstrickt in die Zeit, nur das Ewige bringt die Luft zum Atmen.
Das jesuanische „Die Blinden sehend machen“ sollte nicht verwechselt werden mit dem „Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten, daß sie nackt waren“. Gegenstand der erlösten Erkenntnis ist nicht die Nacktheit, sondern das Angesicht.
Es gibt eine Vergöttlichung Jesu, die ihn gleichsam stillstellt, unschädlich macht. Sie hat mehr mit dem Binden zu tun als mit dem, was in seinem Munde Bekenntnis hieß.
Gehört es mit zum Providentiellen in der deutschen Sprache, daß in ihr der Name der Taube an den der Taubheit anklingt (mit der Konnotation des Doven)?
Mit scheint, die Abtreibungsdiskussion hängt strukturell mit der Xenophobie zusammen. Innerkirchlich implodiert in der Abtreibungsdiskussion die Sexualmoral, Folge ihrer unaufgeklärten Beziehung zum theologischen Weltbegriff und seiner Verflochtenheit in die reale Geschichte (Zusammenhang mit der unaufgearbeiteten Frauenfeindschaft und dem Zölibatsproblem und mit den drei ungelösten Vergangenheitsproblemen: Antisemitismus, Ketzer- und Hexenverfolgung).
Lippen und Zunge, Phallus und Vagina: Weshalb heißt das Lippenbekenntnis Lippenbekenntnis?
Ist nicht heute die Nutzung der Welt als Exkulpationsmaschine die Wand, die uns von Auschwitz trennt, und der Grund der Unfähigkeit, Auschwitz und seine gegenwärtigen Metastasen wirklich wahrzunehmen?
Zu Metz am 11.12.: Die Verwechslung der Empfindlichkeit mit der Sensibilität beharrt auf der unzivilisierten Verletzbarkeit, während die Sensibilität ihrer selbst auch nach Verletzungen noch mächtig bleibt. Die Sensibilität unterscheidet sich von der Empfindlichkeit durch ihr parakletisches Element.
Errettung der vergangenen Zukunft: Siehe hierzu das Gleichnis vom armen Lazarus, der den Reichen darauf hinweist: deine Brüder haben Moses und die Propheten; an die sollen sie sich halten. -
09.12.92
„Den „Sozialkörper“ gibt es nicht im Sinne sichtbarer, greifbarer Wirklichkeit. Er ist eine Metapher, eine imaginäre Größe, ein soziales Konstrukt. Als solches aber gehört es durchaus der Wirklichkeit an.“ (S. 132) Und ich kann mir gleichwohl an ihm den Kopf einrennen: Er ist durchaus ein mechanisches Objekt (Frage: wie unterscheidet sich diese Materialität von der einer Wand?).
„Kulturelle Identität ist … die reflexiv gewordene Teilhabe an bzw. das Bekenntnis zu einer Kultur.“ (S. 134) (Problem: Teilhabe und Bekenntnis.)
Hier scheint es wirklich schlimm zu werden: wenn er als Kardinalsünde die „Habgier“ notiert und dazu die gesellschaftliche Wirkung der Unmoral mit dem Krebs vergleicht: „Der Habgierige ist gewissermaßen die „Krebszelle“ der Gesellschaft“ (unter dem Titel „Zirkulation“, S. 140f)
„Sprichwörter haben es vornehmlich mit Gemeinsinn als Common Sense zu tun.“ Z.B. „Gutheit ist Dummheit“ (vgl. auch Adornos Bemerkung über Sprichwörter). Vielleicht ist hier der Begriff „Gemeinsinn“ durchaus wörtlich zu nehmen. Aber das Zitat geht weiter: „Ihr zentrales Anliegen ist die Einübung von Solidarität, so „daß sich jede Zelle im Einklang mit dem Gesamtorganismus befindet.““ (S. 141f)
Wenn Gott die Welt erschaffen hat, dann hat er auch die Hölle erschaffen. Aber keine Auferstehung ohne den Abstieg zur Hölle!
Zu S. 150: Ich befürchte, auch Jan Assmann hat den Begriff der „Volksgenossenschaft“ nicht (oder doch zu gut?) verstanden.
Zum Ursprung der Sprache: Daß Gott die Seele liebt, muß ein Stück paradiesischer Welterfahrung, mit enthalten. Diese Liebe kann nicht nur die einer intimen Zweierbeziehung (eine „echte Begegnung“) sein, sie muß den Status der Erlösung der ganzen Welt als Vorbegriff mit enthalten.
Ist die zweite Schöpfungsgeschichte die nachgetragene Begründung der ersten (liegt der Sündenfall vor der Schöpfung)?
Die Vernunft hat das Maß ihrer Erkenntnis an der Idee des Paradieses (an der Idee des seligen Lebens).
Stehen Ziel und Maß nicht in Opposition zu einander? Konstituiert sich das Maß nicht erst im Untergang des Ziels, zusammen mit der Subjektivierung der Zwecke und der Instrumentalisierung der Dinge (Baum der Erkenntnis)? War die Entdeckung des Winkels (eines der Momente im Prozeß des Ursprungs der Philosophie) die erste Entdeckung einer selbstreferentiellen Maßbeziehung (Kreiszahl Pi)?
Sind die Gesten bei Kafka nicht Teil einer Sprache, die ihr Objekt verloren hat?
Das „ad litteram“ in dem augustinischen Titel „de genesi ad litteram“ bezeichnet schon das Inertialsystem in nuce. Es steht unter dem Verdikt des Pauluswortes, nach dem der Buchstabe tötet, während es der Geist ist, der lebendig macht. (Steckt darin nicht die ganze Lehre von Tod und Auferstehung?)
Erinnert die Geschichte der Bekehrung des äthiopischen Eunuchen in der Apostelgeschichte nicht an eine Begebenheit, eine Konstellation, einen Namen oder etwas ähnliches im AT?
Ist nicht der kirchliche Konfessionsstreit vorgebildet in dem Streit der Soldaten um den Rock Jesu, der keine Naht hat? Und hat dieser Rock etwas mit den Rücken aus Fell, die nach dem Sündenfall den Schurz aus Feigenblättern ersetzen, und dem bunten Rock des Josef zu tun?
Zu dem Schild am Kreuz:
– Heißt es Jesus Nazarenus oder Jesus, der Nazoräer?
– Weshalb fordern „die Juden“ von Pilatus, er solle nicht schreiben: der König der Juden, sondern: er habe gesagt, er sei der König der Juden; darauf antwortet Pilatus: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.
Die Phänomenologie des Geistes ist das Werk Hegels, das der Sache am nächsten kommt: Mit diesem Werk hat sich Hegel vorm Wahnsinn gerettet.
Der Sieg über den Nationalsozialismus hat dem Geist eine Ruhepause verschafft, die er nicht genutzt hat. Anstatt das Paradigmatische am Nationalsozialismus zu begreifen und aufzuarbeiten, hat er geglaubt, sich in den beruhigten Verhältnissen danach gemächlich einrichten zu können; er hat versäumt, die vor Augen liegenden Bedingungen gesellschaftlicher Naturkatastrophen zu studieren.
Hängen nicht Xenophobie und Abtreibungsdebatte auf eine sehr subtile Weise zusammen? -
27.11.92
Was heißt eigentlich: su ei Petros, kai epi tautä tä petra oikodomäso mou tän ekklesian, kai pylai hadou ou katischysousin autäs. kai doso soi kleis täs basileias ton ouranon, kai ho ean däsäs epi täs gäs estai dedemenon en tois ouranois, kai ho ean lyseis epi täs gäs estai lelymenon en tois ouranois. (Mt 1618f, vgl. 1818: hosa ean däsäte epi täs gäs estai dedemena en ourano kai hosa ean lysäte epi täs gäs estai lelymena en ourano.)
– „auf diesem Felsen“: Petrus, der Fels, ist der Grund der Kirche wie die Erde der Grund des Bindens und Lösens, das auch in den Himmeln gilt, ist;
– an Petrus: die Schlüssel des Himmelreichs, beziehen sich auf das Schließen und Öffnen: Objekt im Singular, „in den Himmeln“ im Plural;
– an die Jünger: Binden und Lösen: Objekt im Plural, „im Himmel“ im Singular.
Adornos Bemerkungen „Zum Ende“ in den Minima Moralia: wären sie nicht anzuwenden auf die Kirche, und wäre damit nicht das Lösen vorbezeichnet? Ist nicht die „vollendete Negativität“ die Kirche als steinernes Herz der Welt (die Greuel am heiligen Ort)? In den gleichen Kontext gehört auch das Wort von der vollständigen Säkularisation der theologischen Gehalte, insbesondere die Reflexion auf die Zweideutigkeit des Konzepts der „vollständigen Säkularisation“.
Was ist der Unterschied zwischen Erfahren und Ergehen: Das habe ich erfahren, aber: so ist es mir ergangen.
Die Stummheit des Helden durchdringt seit der Verinnerlichung des Schicksals fortschreitend die Sprache insgesamt. Der Nominalismus ist das wachsende Bewußtsein davon. Diese Stummheit hat sich aber im allgemeinen Gebrauch als Geschwätz unkenntlich gemacht. Die Sprachlosigkeit wird nicht mehr erfahren. Wir selbst haben die Schöpfung als Natur zum Schweigen gebracht.
Bezeichnen das deutsche Sein und das englische to be nicht doch beide ein Possessivverhältnis: das Sein als selbstbezogenes, das to be als fremdbezogenes Possessivverhältnis. Hängt es damit zusammen, daß die englische Sprache und der englische Geist gleichsam hebräischer und alttestamentlicher sind als der deutsche? Hängt es damit zusammen, daß die englische Sprache die Intimkonkurrenz, die in Deutschland diese fürchterlichen Folgen hatte, nicht kennt? Und ist nicht die Schelersche Englandkritik (wie überhaupt die Englandfeindschaft der Deutschen) ein projektiv verschobener Antisemitismus?
Wann hat sich das Neutrum gebildet? Das sprachliche Geschlecht, das den Akkusativ zum Nominativ, das Objekt zum Subjekt macht: Ausdruck der Erfahrung, daß auch die Sache tätig ist. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Bildung des Neutrum und dem Ursprung des Futur II? Gibt es im Hebräischen ein Neutrum, und hängt das Neutrum mit dem Auf-dem-Bauche-Kriechen und dem Staubfressen der Schlange zusammen (ist das Neutrum durch die Institution des Königtums vermittelt – vgl. die Jotam-Fabel)? Das Hegelsche Absolute ist der gefallene Gott.
Josef war ein Zimmermann, Simon/Petrus ein Fischer, Saulus/Paulus ein Zeltmacher.
Das Verhältnis von Bekenntnis und Tat ist genau umgekehrt, als die Bekenntnislogik uns einreden will. Nicht nur das Schuldbekenntnis, auch das „Glaubens“-Bekenntnis folgt (als Rechtfertigung) dem Handeln. Das Bekenntnis steht in der magischen Tradition, wenn es glaubt, sich der Verurteilung durch andere dadurch entziehen zu können meint, daß es gleichsam prophylaktisch in sie mit einstimmt (automatisierte Heuchelei). Das neutestamentliche homologein meint die Nachfolge, nicht das „Lippenbekenntnis“. Zur Bekenntnislogik gehört als Grundlage und als Konsequenz: Man darf alles, sich nur nicht erwischen lassen.
Über den peer-group-Effekt, die Mutprobe und die Komplizenschaft führt das Bekenntnissyndrom direkt in den Faschismus. Aber diese Mechanismen gibt es auf beiden Seiten: Auf der staatlichen Seite (in der Verwaltung, in der Polizei, im Strafvollzug, der jede hierarchische Struktur auf ihren gemeinsamen Nenner bringt) ist der Grundsatz: Sich nur nicht erwischen lassen, durch den anderen „Gemeinheit ist kein strafrechtlicher Tatbestand“ handbar gemacht, instrumentalisiert worden.
Jericho, Sodom, Gibea:
– in Jericho: die Boten Josues werden von der Hure Rahab aufgenommen und vor dem Angriff der Einwohner Jerichos gerettet; beim Untergang Jerichos wird nur Rahab gerettet.
– in Sodom: die Boten JHWHs werden von Lot aufgenommen und vor dem Mob in Schutz genommen; Lot bietet dem Mob seine Töchter an, die Boten JHWHs schlägt die Angreifer mit Verblendung (und retten Lot und seine Töchter).
– in Gibea: ein Levit, der als Fremder im entlegensten Teil des Gebirges Ephraim lebt, kommt mit seiner Nebenfrau (aus Bethlehem in Juda, dem Geburtsort Davids) nach Gibea (dem Geburtsort Sauls), findet keine Herberge, sitzt auf dem Marktplatz bis ein alter Mann, der als Fremder in Gibea lebt, kommt und ihn in sein Haus aufnimmt. Als der Mob kommt und die Herausgabe des Fremden fordert, bietet der Gastgeber seine jungfräuliche Tochter und die Nebenfrau des Leviten an; der Levit greift seine Nebenfrau und bringt sie dem Mob, der bis zum Anbruch der Morgenröte seinen Mutwillen mit ihr treibt. Am Morgen findet der Levit die Frau tot vor der Schwelle. Er nimmt die tote Frau auf seinem Esel mit in seine Heimat, zerschneidet sie dort in 12 Teile und schickt je einen Teil an die Stämme in Israel (es folgt der Rachefeldzug Israels gegen Benjamin, die Zerstörung Gibeas, der Schwur von Mispa, die Neubegründung Benjamins: Raub der Frauen von Jabesch-Gilead). -
17.11.92
Die Orthodoxie und das Dogma sind die Waffen der Selbstgerechtigkeit. Sie sind Produkte jenes Schuldverschubsystems, das dem Gebot der Nachfolge und dem der Feindesliebe im Kern widerspricht.
Wie hängt die sprachliche Geschlechtertrennung, die Trennung in Masculinum, Femininum und Neutrum, mit der Struktur des Raumes und mit der Bildung des Futur II zusammen? Ist sie nicht ein Reflex des Inertialsystems in der Sprache? Und was bedeutet dann der Hinweis am Ende des Buches Jona auf die 120000, die Rechts und Links nicht unterscheiden können? Vgl. auch die Erschaffung des Menschen im ersten Schöpfungsbericht: Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Weib schuf er sie. (Gen 127)
Was bedeutet die kantische Unterscheidung des Mathematischen und Dynamischen?
Das Wort von der falschen Zärtlichkeit für die Welt bezeichnet präzise den projektiven Kristallisationskern der Hegelschen Philosophie, des Hegelschen Systems.
Ist der Begriff des Bekenntnisses ist nicht eine Konsequenz der falschen Beziehung von Sünde und Schuld in der Wurzel von Philosophie und Recht? Spiegelt sich in der Beziehung von Philosophie und Recht die kantische Unterscheidung des Mathematischen und Dynamischen? Gründet hierin die unvermeidbare Zweideutigkeit des Bekenntnisbegriffs, der sowohl das Schuldbekenntnis als auch das „Glaubensbekenntnis“ bezeichnet? Das griechische homologein, das dann mit confiteri, bekennen, übersetzt wurde, liegt näher am Nachfolgegebot. Im Schuldbekenntnis bekenne ich: Ich war’s, das bin ich gewesen. Hier unterwerfe ich mich meiner Vergangenheit; die Vergangenheitsbeziehung ist fürs (lateinisch-deutsche) Bekenntnis konstitutiv.
Welche Bedeutung hat die Geschichte vom Sündenfall in den drei großen Weltreligionen?
Der Habermassche Konsensbegriff schließt die Neutralisierung des Adornoschen Versöhnungsbegriffs mit ein; das aber geht nur durch Stillstellung und Leugnung des Konfliktmoments in der Erkenntnis (der Differenz von Natur und Welt): die Anerkennung des Primats des Weltbegriffs.
Wenn der Ursprung der Philosophie aus der Verinnerlichung der Schicksalsidee sich ableiten läßt, dann braucht die hier entstehende, durch die Philosophie konstituierte neue Gestalt des Bewußtseins, die dann in der Objektivität mit dem Weltbegriff sich verankert, als Projektionsfolie, um die Selbstbetroffenheit als Objekt des Schicksals nach draußen ableiten zu können und so loszuwerden, und als Mittel der Selbstbestätigung Begriffe wie Barbaren, Natur und Materie. Hier bilden sich jene Strukturen, die dann übers Christentum in die Geschichte des Objektivationsprozesses eingegangen sind, und die der Grund dafür sind, daß im Naturbegriff die Struktur der Christologie sich widerspiegelt (die Hypostasierung, Vergöttlichung des Opfers, die exkulpierende Kraft der „Natur“: insgesamt die falsche Bestätigung, die falsche Verständlichkeit der Theologie, ihre Irrationalität heute). -
07.11.92
Gegen die Frankfurter Schule: Das Privileg des Opfers ist nicht übertragbar. Übertragbar ist (insbesondere in der Philosophie) nur die Schuld der Väter. Die Tradition auf dem eigenen Rücken weiterbefördern heißt auch: alles tun, daß man die eigene Schuld nicht auf die Nachfahren abwälzt: daß man ausbricht aus dem Kontinuum der Schuld der Väter.
Väter wollen den Erben, Mütter den Messias, den Erlöser. Väter wollen, daß die Hoffnung nicht untergeht, Mütter, daß sie sich erfüllt. Alles andere ist Ausdruck der objektiven Verzweiflung, deren Verkörperung die Welt ist.
Aus der Schuld der Väter heraustreten heißt, aus dem Schuldzusammenhang des Erbens heraustreten. Nicht der letzte Erbe, sondern der Erstgeborene (der erst als letzter kommt) ist Prototyp des Messias.
Jakob hat zwar das Erstgeburtsrecht und mit ihm den Segen seines Vaters Isaak bekommen, aber nicht das Erbe (das Linsengericht war nur der Preis für das Erstgeburtsrecht).
Das Erbe perpetuiert mit der Eigentumsordnung die Welt. Diese Eigentumsordnung (und in ihr das Erbe) ist das Modell der Natur, die die Menschen „überlebt“ (des sinnlosen Kreisens der Planeten).
Der Sohn ist der Erbe: daher die Namen des Gottes- und Menschensohnes? Vgl. auch das Gleichnis vom Besitzer des Weinbergs (Mt 1138, Mk 127, Luk 2014, auch 1213), sowie
– Röm 413 (der Welt Erbe),
– Gal 47 (wenn aber Sohn, so auch Erbe),
– Hebr 12 (der Sohn als Erbe aller Dinge) und 117 (durch ihn verurteilte er die Welt und wurde Erbe der Gerechtigkeit).
Vaterland und Muttersprache unterscheiden sich wie Erbschaft und Erlösung.
Der Spruch „Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen“ ist in der Tat ein Nazispruch.
Hängt das Wort Erben etymologisch mit der Personalpronomen der dritten Person sing. masc. zusammen: dem Er? Wird man nicht durchs Erbe zu einem Er, zu einem Stammhalter (Aufhebung des dialogischen Prinzips)?
Gibt es auch etymologische Beziehungen, die die These begründen könnten, daß das lateinische esse sich im deutschen Essen fortsetzt, das griechische einai, on, im deutschen ein (engl. a bzw. one, lat. unum)? Verweist der Zusammenhang von esse und Essen auf die ontologische Bedeutung der Eucharistie? Gibt es eine Beziehung zwischen dem englischen to be und dem deutschen Präfix be- (vgl. auch become = werden)? Das würde bedeuten, daß im Präfix be-, insbesondere im Wort Bekenntnis, die Reflexion auf das Sein als Angelpunkt der Urteilsform enthalten ist (das Schuldbekenntnis als Antizipation des Urteils; im Bekenntnis macht sich das bekennende Subjekt zum Objekt des Urteilsspruchs: im Glaubensbekenntnis in der Erwartung des Freispruchs, der Rechtfertigung).
Verweist die Differenz zwischen dem englischen to be und dem deutschen Sein nicht auf die fundamentalontologische Differenz von Vorhandenem und Zuhandenem (Grund der Differenz von Natur und Welt)? Müßte man nicht zwischen einem (deutschen) Weltbegriff, einem (französischen) Wissensbegriff und einem (englischen) Naturbegriff der Ontologie unterscheiden? Diese Unterscheidung hängt zusammen mit der zwischen dem besitzergreifenden Prädikat und dem besessenen Objekt. Die Natur ist die von der Welt besessene Schöpfung.
Ist das Bekenntnis (in dem sich das Subjekt zum Objekt seines verdinglichten Glaubens macht) eine Gestalt der Besessenheit, und ist es nicht das Signum des einen unreinen Geistes, der in die Wüste geht? Die Ontologie ist der unreine Geist in der Wüste, im Begriff, mit den sieben unreinen Geistern zurückzukehren.
Steckt im Präfix er- (Erkennen, Erleben) auch das Personalpronomen der dritten Person sing. masc.? Aber bedeutet das nicht auch, daß die patriarchalische Struktur der Sprache bis in ihren Grund zurückreicht? Das Präfix er- hat auch die Bedeutung des „durch und durch“, Ausdruck der Affizierung des Subjekts (im Urteil) durch das Verb vom Grunde her bis ins Innerste hinein. (Hängen esse und Essen mit der dritten Person sing. neutr. zusammen? Gibt es nicht überhaupt eine merkwürdige innere Beziehung des Masculinum und Neutrum, ähnlich der Beziehung der zwei Seiten eines Blattes?)
Der Begriff ist Ausdruck der Besessenheit des Objekts durchs Prädikat. Die Theologie wird erst dann wahr, wenn sie auf die verdinglichende Gewalt der Objektbeziehung verzichtet: in der Auflösung jener Gestalt des Wissens, zu der auch der Begriff des Objekts gehört, d.h. wenn sie reines Wort wird. So tief reicht der Satz aus der Apokalypse, daß das Vergangene (als Inbegriff aller Gegenstände des Wissens) nicht mehr sein wird. Die Theologie wird erst wahr mit der Auferstehung der Toten. Im Objektbegriff (in dem von der Welt besessenen Naturbegriff) verkörpern sich die „Sünden der Welt“, und der Objektbegriff und das System, in dem er gründet, sind der Deckel auf den Gräbern. Natur selber ist der Inbegriff der Besessenheit.
Im Kontext des Weltbegriffs ist die Lehre von der Auferstehung der Toten nicht zu halten; beide verhalten sich wie Feuer und Wasser: Es ist Zeit, daß der Himmel wie eine Buchrolle sich aufrollt.
Der Weltbegriff ist vorbedeutet im Bilde der Sintflut; deshalb beginnt die Philosophie mit dem Satz: Alles ist Wasser. Und deshalb war es der Wunsch der unreinen Geister, in die Schweineherde zu fahren, die dann sich ins Meer stürzte.
Der Jordan ist der Fluß, der vom Meer zum Meer fließt: vom Galiläischen Meer zum Toten Meer. Am Jordan hat Johannes getauft (und mit der Aufforderung zur Buße: zur Umkehr, vor dem Schicksal Sodoms gewarnt); das Wirken Jesu fand im Bereich des Galiläischen Meeres und auf ihm statt. Kommt auch das Tote Meer im NT vor (oder nur im AT im Zusammenhang mit der Geschichte von Sodom)?
Das Tote Meer ist das Salzmeer: vos estis sal terrae. Wozu braucht die Erde das Salz? Und was bedeutet der Hinweis „Wenn aber das Salz schal wird“?
Mt 1624: Das Auf-sich-Nehmen des Kreuzes im Nachfolgegebot wird durch das gleiche Verb bezeichnet wie das Auf-sich-nehmen der Sünden der Welt in Joh 129. Und Mt 1626: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber Schaden leidet an seiner Seele“; die ganze Welt ist to kosmos holon, die Sünden der Welt sind täs hamartias tou kosmou.
Das Auf-sich-Nehmen der Sünden der Welt begründet beides: das Sündenvergeben und die Austreibung der Dämonen (der unreinen Geister).
Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie