Bekenntnislogik

  • 11.10.91

    Kann es sein, daß in dem gleichen Prozeß, in dem die Natur für uns zur Rückseite ihrer selbst geworden ist, dahinter Gottes Angesicht sich bildet, Er sich mit sanftester, aber zunehmender Gewalt manifestiert und nur deshalb nicht wahrgenommen wird, weil die Umkehr, die uns sein Antlitz enthüllen würde, unerträglich scheint; „Du kannst mein Angesicht nicht sehen, denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben“ (Ex 3320).
    Jakob/Israel hat „Elohim von Angesicht zu Angesicht gesehen“ (Gen 3231), während Moses die Herrlichkeit Jahwes nur von hinten sehen durfte (Ex 3218ff).
    Ich habe einmal vor der Entscheidung gestanden, zum Judentum überzutreten, habe es dann aber nicht getan, weil ich den Versuch für unzulässig hielt, dem objektiven Schuldzusammenhang, unter dem ich als Deutscher und Christ stand, dadurch zu entgehen, daß ich von der Täter- auf die Opferseite wechselte. Aus diesem Grunde bin ich in der Kirche geblieben.
    Das Gravitationsgesetz bezeichnet ein Gesetz im Inertialsystem. die Lichtgeschwindigkeit bezieht sich auf eine Erscheinung im Inertialsystem. Der leere Raum ist nicht nur der von Materie, sondern auch der gegen die Fallkraft und gegen das Licht leere Raum (weder dunkel noch hell).
    Das Inertialsysatem ist das Bezugssystem, das Referenzsystem, in dem sich
    – die physikalischen Begriffe definieren,
    – die physikalischen Erscheinungen auskristallisieren und
    – in dem die physikalischen Gesetze herrschen.
    Wenn man es an irgendetwas merkt, daß wir die Täter von Auschwitz sind, dann an der verhängnisvollen, alles vergiftenden Gewalt der Exkulpierungssucht: Alle suchen eine Art natürliche Unschuld wiederzugewinnen, die es im Kontext von Staat, Welt und Natur nie gegeben hat.
    Das pfingstliche Sprachwunder bezieht sich eindeutig auf die Verwirrung der Sprachen beim Turmbau zu Babel; und wenn diese mit der Trennung von Herren- und Sklavensprache zu tun hat, so müßte jenes eigentlich die reale Versöhnung beider vorwegnehmen.
    Der parvus error in principio ist sowohl der Grund, aus dem die Häresien erwachsen sind, als auch der Grund der Selbstverblendung der Kirche.
    Theologie ohne Ansehen der Person treiben, heißt die Trinitätslehre kritisieren.
    Wenn Marx, Freud und Einstein die drei Patriarchen der neuen Theologie sind, wer sind dann die zwölf Söhne Israels?
    Über das, was Hegel selber die List der Vernunft nennt, wird der Schein erzeugt, aus dem dann das Wesen und der Begriff hervorgehen. Diese List, dieser Schein, dieses Wesen sind die Grundlagen der Philosophie des Begriffs. Zentral sind die Reflexionsbegriffe; zu erläutern wäre deren Zusammenhang mit dem Inertialsystem (über die Kantischen Formen der Anschauung und die Antinomien der Vernunft). Nicht zufällig begreift Hegel diese List (und das darin versteckte Moment der Gewalt) als ein wesentliches Moment der Technik, der Maschine. Diese List ist eine objektive List (und die Gemeinheit eine objektive Gemeinheit); Kant hat sie, ohne es zu bemerken, mit den subjektiven Formen der Anschauung in die Philosophie eingeführt (oder aus ihrem begrifflichen Wesen, aus der Trennung von Begriff und Objekt, herausgelesen: ihre Folgen hat er in den Antinomien der Vernunft bezeichnet). Das Resultat war das Reich der Erscheinungen (des gesetzmäßigen Zusammenhangs des Scheins), durch das der Weg zu den Dingen an sich zugleich versperrt war. Grund dafür, daß dieser Zusammenhang bis heute nicht durchschaut werden konnte, war
    – die theologische Besetzung des Bekenntnisbegriffs (deren gegenständlicher Ausdruck die Trinitätslehre und die Opfertheologie ist) und
    – die bis heute unbegriffene Bedeutung des Prinzips der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit.
    Die Sonne, die die Dinge bescheint, erzeugt sie nicht.
    Auch der kirchliche Antijudaismus rührt an den Augapfel Gottes (deshalb benötigte die Kirche die trinitarische Maskerade, den Personbegriff in der Trinitätslehre).
    Der Begriff des Scheins, substantiell geworden im kantischen Begriff der Erscheinung, läßt auch die kopernikanische Wende und die newtonsche Gravitationstheorie nicht unberührt. Auf einen einfachen Nenner gebracht: Hier wird die Nachtansicht der Welt auf den Tag übertragen (kann es sein, daß sich Nacht und Tag unterscheiden wie Jahwe und Elohim, und wie die Hebräer und die Israeliten?).
    Der Unterschied zwischen CDU- und SPD-Politikern ist der zwischen Profis und Laien-Darstellern, wobei man einfach sehen muß, daß ein Kohl das Instrumentarium der Gemeinheit besser beherrscht als ein Vogel, Lafontaine oder Engholm (Engholm hatte nur das zweifelhafte Glück, Opfer eines CDU-Laienschauspielers zu werden; aber das macht ihn noch nicht zum Profi).
    Wodurch unterscheidet sich die Luft vom Wasser (das Gasförmige vom Flüssigen: Beziehung zum Raum: Volumen beim Flüssigen unabhängig, bei der Luft abhängig vom Druck)? Gibt es eine mikrophysikalische Theorie des Flüssigen (in Analogie zur thermodynamischen Gastheorie und zur Festkörperphysik)?
    Wasser und Schuldzusammenhang: Wasser nicht geschaffen; Medium des Chaos (des Chaos-Drachens); Trennung durchs Firmament (Drachen oben und unten); Sintflut; Schöpfung des Himmels und der Erde/ Sch. d. H., d. E. und des Meeres; am Ende wird das Meer nicht mehr sein. – Thales: Ursprung von allem ist das Wasser; Schuldzusammenhang flüssig (Verschiebung, Projektion).

  • 09.10.91

    – Welt und Natur als Totalitätsbegriffe (Produkte der verandernden Kraft des Seins),
    – das Inertialsystem, das Geld und das Bekenntnis,
    – oder die transzendentale Logik und ihr Objekt
    sind (als Stabilisatoren des Ich) Grund und Folge der Vernichtung der Gegenwart (oder des Antisemitismus als Grund und Inbegriff jedes Vorurteils: der Antisemitismus ist keine Folge der Xenophobie, sondern die Xenophobie Folge des Antisemitismus; Antisemitismus ist die Furcht vor dem Antlitz Gottes, Xenophobie die vor dem eigenen Gesicht), die Schrift das einzige Medium ihrer Wiederherstellung (durch Erinnerungsarbeit). Das Inertialsystem durch die Schrift ersetzen!
    Falsch ist die Vorstellung, daß die Richtungen im Raum einander äquivalent sind (Differenz von unten und oben, leuchtenden und beleuchteten Gegenständen).
    Blochs „Dunkel des gelebten Augenblicks“: Das Ich (oder auch das Sein oder der Begriff) bringt die Gegenwart zum Verschwinden (es steht sich selbst im blinden Fleck). Das Absolute Hegels, in dem kein Glied nicht trunken ist, ist der Inbegriff des Verschwindens der Gegenwart (als Totalitätsbegriff: die Trunkenheit des Begriffs die präzise Beschreibung dieser Bewegung des Verschwindens).
    Zur mathematischen Struktur der Bekenntnislogik: der Freund meines Feindes ist mein Feind, und der Feind meines Feindes ist mein Freund (das Ich gründet im Nein).
    „… ist die Intentionalität genau diejenige Modalität des Denkens, die das Mögliche dem Sein unterordnet und somit als Mögliches aufopfert. Das Denken des Seins wird zum Sein des Denkens. Der Genitiv der Intentionalität kehrt sich um.“ (Levinas: Außer sich, München 1991, S. 50f) Erläuterung des Rosenzweigschen Hinweises auf die „verandernde Kraft des Seins“, Zusammenhang mit dem Gesetz der Umkehrung, dessen gegenständliches Korrelat das Inertialsystem und seine seine Reflexionsformen (Geld, Bekenntnis) sind.
    Begriff und Ursprung der Gemeinheit: Gemeinheit ist strafrechtlich nicht zu fassen, weil sie beweislogisch nicht zu fassen ist. Gemeinheit verdankt sich der Verführungskraft der Reflexionsbegriffe: das Nicht-Beweisbare ist nicht; und das Eine ist das Andere des Anderen (also nicht das Eine). Sie unterdrückt und verdrängt Erfahrung, erfahrene Wahrheit, indem sie „nachweist“, daß das Andere der Erfahrung wahr, die reale Erfahrung dagegen (wie die Thesen und Antithesen der Kantischen Antinomien der reinen Vernunft) nicht nachweisbar und, da einem anderen vorrangigen Beweisinteresse (im Bereich des Staatsschutzes: dem des Staates) widersprechend, irreal ist. Das Gewaltmonopol des Staates ist der beste Schutz der Gemeinheit, seit die Gemeinheit im Rahmen des herrschenden Begriffs der Objektivität (in Naturwissenschaft und Kapitalismus, und in Verwaltung und Staat: letztlich in den Totalitätsbegriffen Natur und Welt) selber objektive Realität und Gewalt gewonnen hat. Gemein ist jede Instrumentalisierung; und gegen Instrumentalisierung ist keine Wahrheit (auch nicht der kritische Begriff der Instrumentalisierung selber) mehr gefeit.
    Der Personbegriff trennt den Namen von seinem „Träger“, macht ihn zu einer Eigenschaft, einem Prädikat: Produkt der Anpassung ans begriffliche Denken. Die Person ist das apriorische Objekt des Rechts, gleichsam deren materia prima, sie bezeichnet das Rechtssubjekt, das sich in seiner Beziehung zum Eigentum konstituiert, in dieser Beziehung schuldfähig ist, deshalb die Zurechenbarkeit von Schuld begründet: Personen sind berechenbar. Durch den Personbegriff werden umgekehrt Prädikate zu Namen (wird, wer gemordet hat, zum Mörder), werden Namen zum Ausdruck von Schuld. Im Bannkreis des Personbegriffs wird Freiheit zur Wahlfreiheit, zum liberum arbitrium, während der der Idee des Glücks zugrunde liegende Freiheitsbegriff die Befreiung von Schuld, das Heraustreten aus dem Bannkreis der Herrschaft, die Erlösung bezeichnet: das Sich-geliebt-Wissen, das die Fähigkeit zu lieben zur Grundlage hat, das Ende des Selbstmitleids.

  • 8.10.91

    Unterscheidet sich die neue Welt von der alten dadurch, daß wir uns (wie nach Newton der Kosmos insgesamt) dem Fallgesetz unterordnen, während die Alten ihm nur unterlegen sind (der Zerfall der Sprache hängt damit zusammen)? Die Abfolge der Reiche im Danielschen Bilde geht von oben nach unten, und nicht, wie wir unbewußt erwarten, von unten nach oben. Gibt es nicht einen Hinweis, daß auch die Musik anders erfahren wurde (Melodie in der tiefen Stimme, Begleitung in der Oberstimme)? Hängt hiermit die u.a. auch die (nach unserem Geschmack barbarische) Bemalung der Statuen zusammen, während wir auf die „Harmonie“ von Form und (nach Möglichkeit „edlem“) Material abstellen, auf das, was heute Echtheit und Authentizität heißt? Die moderne Welt hat im Kampf gegen die Idolatrie schlicht kapituliert. Deshalb erscheint sie wie in einen Sturz, in einen Strudel hereingerissen, in dem nur noch eine Niedertracht die andere zu übertrumpfen scheint und am Ende die Gemeinheit siegt. So bleibt als Alternative in der Tat nur noch die Umkehr.
    In der alten Welt suchten die Menschen (auch die Herrschenden) in der Stadt, im Staat, Zuflucht; Entlastung, Exkulpation brachten die Götter, die Opfer, der Kult. Religion und säkulare Welt waren nicht zu trennen, Religion ein Stück Herrschaftstechnik. In der neuen Welt ist das alles, ist der gesamte Herrschaftsapparat verinnerlicht worden; Herrschaft liefert ihre eigene Exkulpation (jedenfalls nach außen) gleich mit, wird – nach Absicherung durch den transzendentalen Apparat, durch die „Gemeinheitsautomatik“ – unangreifbar: das ist das Wesen der westlichen Zivilisation. Katalysator dieses historischen Prozesses war das zur Herrschaftsreligion verkommene („Bekenntnis“-)Christentum.
    Die Darstellung der Nacktheit in der Geschichte der Kunst (nach der Vergesellschaftung des Herrendenkens ist nur noch die Vermarktung der nackten Frau möglich) scheint damit zusammenzuhängen. Der nackte Mann in der griechischen Kunst (und bei den alten Olympischen Spielen): Welches Selbst- und Fremdverständnis (welches „Körpergefühl“) liegt dem zugrunde, wie hängt das mit dem Kosmosbegriff, mit dem Mythos, dem Begriff des Helden und der Schicksalsidee zusammen? (Grund des jüdischen Bilderverbots: Verbot der Selbst- und Fremdobjektivierung; sie verletzen das Recht des Angesichts.)
    „Und sie erkannten, daß sie nackt waren“: Nach der Erkenntnis des Guten und des Bösen sahen sie sich zum erstenmal „von außen“, gegenständlich (auch von vorn hinter dem Rücken). Die Scham und der Schutz durch die Kleidung (Schutz der Privatsphäre ist Schutz der Scham, die heute vom Tratsch, von den Medien bis hin zu den staatlichen Ermittlungsbehörden und Nachrichtendiensten, die insgesamt obszön sind, so unwiderruflich verletzt wird; im Islam schützt die Frau auch ihr Antlitz): vor diesem Hintergrund wird der Zusammenhang von Zeugung und Erkennen (Kain und Set; Bedeutung der toledot: der Genealogien und des Sechstagewerks; Trinitätslehre) vielleicht ein wenig verständlicher. Obszön ist auch das Inertialsystem: es bringt das Antlitz zum Verschwinden (Zusammenhang von Porträt und Perspektive; Naturwissenschaft, Hexenverfolgung und Auschwitz).
    Wie verhält sich das „Vom Kopf zu den Füßen“ zum „Von der Sohle bis zum Scheitel“ (vgl. Silvia Schroer, auch Marx, der Hegel vom Kopf auf die Füße stellen wollte, und Büchners Lenz, der auf dem Kopf gehen möchte).
    Drei Voraussetzungen des Inertialsystems:
    – das Relativitätsprinzip,
    – die Neutralisierung der Schwerkraft,
    – die Trennung des Raumes vom Licht und von der Materie, die Vorstellung des leeren Raumes, in den das Licht und die Materie „von außen“ hereinkommt (ambivalent: der Raum ist sich selbst äußerlich).
    Ist das Firmament der Sternenhimmel (der Nachthimmel) oder der azurne Tageshimmel (der die Sterne verdeckt)? Am Tageshimmel gibt es außer der Sonne den zu- oder abnehmenden Mond und den Morgen- oder Abendstern.
    Wieviel Könige gibt es von Saul bis zum Ende des Königtums in Israel: 3 + 17; Juda: 3 + 20? Und in welcher Beziehung stehen Saul, David, Salomon zu Abraham, Isaak, Jakob? Ist die Geschichte der Könige eine „Umkehrung“ der Genealogie?
    Ist Stalin nicht der Hammer, und heißt er nicht Josef?

  • 07.10.91

    Die aufgedeckte Scham bei Noe bezeichnet einen „Fortschritt“ gegenüber dem Ursprung der Scham in der Geschichte vom Sündenfall. Wie verhält sich die Scham zur Erkenntnis?
    Ist das mit der Todesdrohung verbundene Sehen „von Angesicht zu Angesicht“ bei Jakob auf Elohim bezogen, mit der Folge der Benennung Jakobs als Israel; ist es bei Moses, der Gott nur von hinten sieht, auf Jahwe bezogen?
    Gibt es entsprechend der aufgedeckten Scham auch ein aufgedecktes Antlitz?
    Die Physik gehört in den zweiten Schöpfungsbericht (in die Geschichte vom Sündenfall), nicht in den ersten.
    Das griechische Erbe, oder das Erbe des begrifflichen Denkens (der Hypostasierung des Prädikats, Konsequenz des Seinsbegriffs und der damit verknüpften Zeitformen des Verbs), hebt die Differenz zwischen Selbst- und Fremdbezeichnung auf: die Selbstbezeichnung des Fremden verschwindet im großen Sack der Barbaren (und der Materie).
    Der Weltbegriff ist der Inbegriff der vollendeten Fremdbezeichnung (der Zerstörung des Namens). Er verwischt die Differenz zwischen dem Einen und dem Anderen, ist der Grund der Reflexionsbegriffe. Diese Differenz kehrt dann wieder als Differenz zwischen Welt und Natur (begrifflosem Objekt und objektlosem Begriff). Beide stehen unter dem Bann des Totalitätsbegriffs Welt.
    Ins Verhältnis des Welt- zum Naturbegriff scheint auch das von Sonne und Mond (das sprachliche und das genealogische) mit hereinzuspielen.
    Wenn der Stammbaum Kains stimmt, dann gehört der Brudermord zu den Fundamenten der Zivilisation.
    Der Säkularisationsprozeß ist eins mit dem Prozeß der fortschreitenden Instrumentalisierung: In der Welt gibt es keinen Endzweck.
    Das Verhältnis des Säkularisationsprozesses zur Genealogie bestimmen (Indikator: mein Verhältnis zu meiner Familie; sh. die Namen meiner Töchter und die Last, die ich ihnen damit aufgebürdet habe; ist es den Eltern eigentlich klar und bewußt, was sie ihren Kindern zumuten durch Institutionen wie Erstkommunion und Schulbesuch?).
    Die Wünsche der Eltern sind Fallen für die Entwicklung der Kinder. Das Verhältnis zur Welt wird vorgeprägt durch das zu den Eltern (durch die Form der Ablösung von den Eltern).
    In der entfremdeten Welt scheint es ein Ich-Gefühl nur noch über den Mechanismus der Empörung zu geben.
    Der Vater Alexanders war Philippus, der Pferdefreund; sein Lehrer war Aristoteles, dessen Metaphysik schon Hegelsche Staatsphilosophie war.
    Das Gravitationsgesetz korrespondiert der Subsumtion der Arbeit unters Tauschprinzip. D.h. das Subjekt der Physik steckt im Gravitationsgesetz (allerdings durch Gleichnamigmachung entstellt).
    Es muß möglich sein, die Sprache der Musik (ebenso wie die der Bilder) genauso zu verstehen, wie der heilige Franziskus die Sprache der Tiere verstanden hat.
    Kohls Dementi „Wir sind kein ausländerfeindliches Land“ klingt wie der in Gesprächen und Diskussionen immer wieder zu hörende Satz „Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber …“ Es ist ein Dementi, das der Begründung nicht mehr bedarf, weil es das Gesamtgewicht der Persönlichkeit (und in diesem Falle das des politischen Amtes, oder des blinden Flecks, den es repräsentiert) in die Waagschale wirft. Das Dementi erfüllt den taktischen Zweck, eine offen zutage liegende Erfahrung zu tabuisieren: diese darf nicht mehr laut werden. Genau dieses Dementi gießt Öl ins Feuer der Ausländerfeindschaft.
    Der positive Bekenntnisbegriff, der dem heutigen Religionsbegriff zugrundeliegt und seinen Ausdruck findet im Glaubensbekenntnis, verdankt sich der Umkehrung (und Bewahrung) des Schuldbekenntnisses, das hier umschlägt in ein Instrument der Komplizenschaft. Genau darin liegt die gemeinschaftsbildende Kraft dieses Bekenntnisses begründet. So wirkt es als Bindemittel, mit dem die Kirche ihre Gläubigen, die Nation das Volk und der Fußballverein seine Hooligans, an sich bindet.
    Der Satz „Richtet nicht …“ schließt Kritik nicht nur nicht aus, sondern liefert dazu das reflektive Moment, durch das Kritik vom richtenden Urteil sich unterscheidet. Ziel von Kritik ist nicht die Widerlegung einer These oder die Überwindung eines falschen Standpunkts.
    Unser Denken ist ein Teil der Welt, und die Kritik der Welt schließt die Kritik des eigenen Denkens mit ein.
    Theologie, die nicht dazu beiträgt, den gegenwärtigen Weltzustand zu begreifen, verdient diesen Namen nicht. Der gegenwärtige Weltzustand ist ein Zustand in dem Sinne, in dem die allgemeine Relativitätstheorie einen Weltzustand beschreibt, der das Gravitationsgesetz in sich enthält.
    Nur durch die positive Rezeption des Weltbegriffs ist die Theologie in die verhängnisvolle Lage geraten, den Begriff einer creatio es nihilo aufzunehmen. In der Schrift heißt es „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“; es gibt kein Davor, insbesondere kein Davor, das mit Nichts auch nur halbwegs zureichend zu bezeichnen wäre. Heideggers Frage „Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?“ ist ohne Auschwitz nicht mehr zu denken; und das Nichts vor der Schöpfung hat sich als Quelle der vernichtenden Gewalt gegen die Schöpfung enthüllt. Das real existierende Nichts ist der Tod.
    Der Fall ist die Bewegung, in der das Subjekt seinen Namen verliert und ins Prädikat hereinrutscht (Ableitung der babylonischen Sprachverwirrung).
    Zur prädikativen Struktur der Mathematik: Die Griechen haben die Winkel entdeckt. Die Fähigkeit, damit mathematisch umzugehen, wurde erworben mit der Entdeckung der trigonometrische Funktionen. Wie verhalten sich diese zur Infinitesimalrechnung, zur Integration und Differentiation? Sind die trigonometrischen Funktionen rein räumliche Funktionen, während die Infinitesimalrechnung sich der Hereinnahme der Zeit verdankt (Begründung des Bewegungs-, Kraft- und Energiebegriffs: Inertialsystem). Wie verhalten sich dazu die Irrationalzahlen wie die Kreiszahl und die Basis des natürlichen Logarithmus?
    Resultiert die Sprachverwirrung aus der Schuldknechtschafts-Katastrophe (Polarisierung in eine Herrensprache und eine Schuldner-/Sklavensprache)?
    Hängt der Satz „Seid klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben“ mit dem anderen zusammen, wonach Gott die Erde gegründet und den Himmel aufgespannt hat?
    Das Überzeugen, das Bekennen und das Rechtbehalten gehören zusammen. Das Rechtbehalten begründet die Beweislogik des Bekenntnisses: es muß unwiderlegbar sein. Unwiderlegbar aber ist nur die Apokalypse, die Katastrophe.
    Wie hängt der Ödipuskomplex mit der Astronomie zusammen?
    Wo nichts ist, da hat der Kaiser sein Recht verloren: Dieser Satz beschreibt präzise die Gründe für den Untergang des Römischen Reiches.
    Ist das Problem der Ableitung der Mikrophysik aus dem Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit ebenso und aus vergleichbaren Gründen unlösbar wie das Dreikörper-Problem in der Astronomie?
    Hat die aristotelische steresis, die privatio, die Beraubung, etwas mit der Geldwirtschaft und mit dem privaten Eigentumsbegriff zu tun?
    Wo wurden die Christen zum erstenmal Christen genannt: in Antiochien? Diese Fremdbezeichnung haben sie dann für sich übernommen; eine davon abweichende Selbstbezeichnung scheint es nicht zu geben. Dieser Begriff des Christentums hat den dogmatischen Prozeß (mit dem Personbegriff als absoluter Fremdbezeichnung des Selbst im Zentrum) determiniert und bestimmt.

  • 25.09.91

    Umkehr heißt bei Adorno „bestimmte Negation“, und die negative Dialektik ist nichts anderes als der Versuch, das bis zu dem Punkt, den er im letzten Stück der „Minima Moralia“ bezeichnet hat, zu vollziehen.
    Der staatskapitalistische Totenkult bei den Ägyptern und in der Sowjet-Union ist der verzweifelte Versuch, die sterblichen Retter (die Wohltäter des Vaterlands) zu verewigen (Vergleich mit der christlichen Vergöttlichung Jesu). Rettung aber kann nur das gemeinsame Werk aller sein.
    Adonai: mein Herr, wird zum „Herrn über Personen“ durch Vergegenständlichung (oder durch den Vergleich mit Baal, der als „Herr über Sachen“ verstanden wird: deshalb Prinzip der Idolatrie: Verdinglichung des Herrn durch Verdinglichung der Sachen, wechselseitige Instrumentalisierung).
    Ist Sarai (meine Herrin, Sara: Herrin) eine Parallelbildung zu Adonai? Und ist Sarai deshalb unfruchtbar, weil in der matriarchalischen Sarai noch die Erinnerung ans Paradies wach ist, in der es noch keine Zeugungen und keine Schmerzen der Geburt gab?
    Wenn die Planetenbahnen Ellipsenbahnen sind, welche Konstellation ergibt sich dann aus der Zusammenstellung der zweiten Brennpunkte (die nicht in der Sonne liegen)?
    Die Geschichte der Astronomie fällt mit der Geschichte der Struktur der Herrschaft zusammen. Das Rätsel beider ist nur gemeinsam zu lösen. Ist dieses gemeinsame Rätsel das Rätsel Simsons:
    „Vom Fresser kommt Speise, vom Starken kommt Süßes“ (Ri 1414)?
    Hat der „Triumph der Ironie“ hier seine logischen Ort (Zusammenhang mit dem Namen Isaak)?
    Was für eine Bewandtnis hat es damit, daß auf das Buch Josua das Buch der Richter folgt und darauf die Königsgeschichte (die beiden Bücher Samuel: Saul, David, Salomo; die Bücher Könige und Chronik)? Handelt es sich nur um eine chronologische Folge, oder sind die Beziehungen anderer, kompositorischer Art?
    Zum Konzept: Beginnen mit dem Begriff einer objektiven Verdrängung, mit seiner objektiven gnoseologischen Bedeutung? Anzuwenden auf den transzendentallogischen Erkenntnisbegriff (Naturwissenschaft; Objektivation und Instrumentalisierung; Bekenntnislogik und Realitätsprinzip). Der Fortschritt der naturwissenschaftlichen Aufklärung ist die Kehrseite eines gesellschaftlichen Verdrängungsprozesses. Es gibt Gründe dafür, anzunehmen, daß der heute herrschende Objektivitätsbegriff psychose-ähnliche Strukturen aufweist (Rückfall hinter den Ödipus-Komplex), mit eindeutig selbstzerstörerischen Tendenzen. Grund der Notwendigkeit von Erinnerungsarbeit, die auf vorzivilisatorische Phasen der Subjektbildung zurückgreift.

  • 25.09.91

    Das Gebot „Du sollst nicht lügen“ scheint in der Thora nicht vorzukommen. Im Dekalog heißt es: „Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen“ (Ex 2016, Deut 520). In Lev 1911 heißt es: „Ihr sollt nicht stehlen, nicht täuschen und einander nicht betrügen“; diese Stelle bezieht sich offenkundig auf den gleichen Sachverhalt wie z.B. Deut 2513: „Du sollst in deinem Beutel nicht zwei verschiedene Gewichte haben, ein größeres und ein kleineres“; beide beziehen sich auf die auch beim Tausch zu beachtende Anerkennung des Eigentums des anderen. Im Übrigen scheint der Begriff der Lüge in der Schrift nur auf Herren und Propheten (beide verführen das Volk) angewandt zu werden, er bezeichnet keinen Tatbestand der Privatmoral. – Vergleiche damit die geschichtsnotorische Umkehrung im Christentum: Hier darf der kleine Mann, hier dürfen Kinder nicht lügen, während die, die oben sind, den Begriff der Armut für sich usurpieren: Mit ihnen sollen die Unterworfenen Mitleid haben (weil sie es anders in ihrem Selbstmitleid nicht aushalten): Grund der Bekenntnislogik, Paradigma der Identifikation mit dem Aggressor, Ursprung des „Gottesbildes“ (was muß das für ein Gott sein, der der Anerkennung durchs Bekenntnis der Gläubigen bedarf, der durch Blasphemie gekränkt werden kann, der das Lügen verbietet).
    Zur Kritik des Wahrheitsbegriffs: Der Wahrheitsbegriff, der Kindern das Lügen verbietet (und womöglich gleichzeitig das Petzen erlaubt, es darüber hinaus als Kronzeugenregelung nahelegt), vergöttlicht den Vater (den Staat), macht ihn fürs Kind (für den Bürger) allmächtig und allwissend, verschüttet die Quellen der kindlichen Phantasie, beraubt das Kind (den Bürger) der letzten Verteidigungsmöglichkeit, macht es (ihn) ohnmächtig: leugnet den Heiligen Geist. Was das Christentum für den Privat-(und Staats-)gebrauch so anziehend gemacht hat, hat zugleich den Grund für das falsche Begreifen der Welt gelegt, den falschen Weltbegriff fast unangreifbar gemacht. Wenn es ein Gebot, das das Lügen verbietet, gibt, dann kann es nur für Väter gelten.
    Zur Säkularisation des Begriffs der Tiefe und zum Systembegriff (oder Dornen und Disteln und das Gesetz der Profangeschichte): Der Begriff der Tiefe bezeichnet gegenüber dem Flächenhaften, Plakativen, prima facie die dritte räumliche Dimension (die dann allerdings zusammenhängt mit dem ableitenden Verfahren, mit dem Ursprung des Begründungszwangs: mit der Weigerung, eine Sache so zu nehmen, wie sie sich gibt, mit der Tendenz zu Unterstellung und Verdacht, Angst vor Verrat, Paranoia). Im Film fügt nach einer klugen Bemerkung von Edgar Morin die Musik den flächenhaften, bewegten Bilder die Tiefe, die dritte Dimension hinzu. Die Perspektive in der Malerei (die Eröffnung der Tiefe des Bildes) ist ein Reflex der Entdeckung des Inertialsystems, des Ursprungs der naturwissenschaftlichen Aufklärung, des Beginns der dynamischen „Erklärung“ der Naturerscheinungen (die in der Entdeckung des Gravitationssystems ihre erste kosmologische Erfüllung findet), ebenso des frühen Kapitalismus, der „Tiefe“, und d.h. in diesem Falle (wie auch im Falle der naturwisenschaftlichen Aufklärung): Systemcharakter (tendentielle Unwiderlegbarkeit) gewinnt durch die Subsumtion der Arbeit unters Tauschprinzip, die der Begründung des Systemcharakters des Inertialsystem entspricht. Die gleiche Tiefe, das Durchdringen der Oberfläche, zeigt sich in den literarischen Ursprüngen der psychologischen Erkenntnis, der Entdeckung der Spannung, die sich aus der Unterscheidung der Motive des anderen von seinem manifesten Verhalten ergibt (Aufhebung der Täuschung durch Enttäuschung: durch Aufklärung, die die Spannung auflöst, indem sie den Verbrecher dingfest macht) mit der realen, praktischen Konsequenz der Entwicklung von Verfahren der rationalen Bearbeitung des Verdachts: Ursprung und Entfaltung der Ermittlungsverfahren in der Inquisition; Übernahme dieser Verfahren in der wissenschaftlichen Forschung). Ihren letzten Ausdruck hat die säkularisierte Tiefe und die ihr zugrundeliegende Unterscheidung von manifester Oberfläche und Tiefe in der kantischen Unterscheidung der Erscheinungen von den Dingen an sich gefunden.
    Die romanhaften Züge der Josephs-Geschichte – das möglicherweise erste Beispiel der geschickten Gestaltung psychologischer Spannung, das an der historischen Stelle, an die es der biblische Text rückt, völlig anachronistisch ist – zeigen sich vor allem in der sentimentalen Wiedersehens-Szene vor der Übersiedlung der Jakobsstämme nach Ägypten. An dieser Szene ließe sich erstmals die Frage studieren, warum die Menschen im Kino weinen. Und diese Szene steht in einem erhabenen Kontrast zur Isaak-Geschichte. Zur richtigen Bewertung und Einordnung dieser Szene scheint es notwendig zu sein, darauf hinzuweisen, daß die schlaue Geschichte des Bauernlegens, der Enteignung der Landbevölkerung durch Joseph vorausgeht und die Versklavung der Hebräer durch den Pharao folgt.

  • 23.09.91

    Kann es sein, daß der Nachweis der Abhängigkeit der Strukturen der Mikrophysik vom Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit erst erbracht werden kann, wenn Hegels Satz, daß die bürgerliche Gesellschaft bei all ihrem Reichtum nicht reich genug ist, der Armut zu steuern, konkret entfaltet werden kann. (Schuldenproblem: die antiken Banken haben verliehen, was sie hatten, die Banken heute verleihen, was sie nicht haben.)
    Warum ist im Deutschen die Sonne weiblich und der Mond männlich (Zusammenhang mit der Frage Selbst- / Fremdbezeichnugn in dem Volksbegriff „die Deutschen“)?
    Hängt die weibliche Sonne und der männliche Mond im Deutschen mit dem Prinzip Verantwortungslosigkeit zusammen: Man darf alles tun, sich nur nicht erwischen lassen (Zusammenhang mit dem, was in der deutschen Tradition Romantik heißt?). Dem entspricht die organisierte Verantwortungslosigkeit, die vom Ressortdenken bis zum Rechtspositivismus reicht und in Institutionen wie dem „Staatsanwalt“ und dem BKA (in der Tat die „objektivste“ Behörde der Welt) Gestalt gewinnt, und deren öffentlicher Reflex die folgenlosen Skandale (Prinzip Spiegel: „Kritik“ als Unterhaltung) dieser Republik sind. Das Land der unbegrenzten Zumutbarkeiten ist das Land der organisierten Verantwortungslosigkeit, das Land des Herrendenkens und der Knechtsgesinnung und das Land, in dem das Antlitz ein Neutrum ist. (In Deutschland ist ein Gesicht etwas, das man „sich merken“ muß.)
    Die Selbstwahrnehmung im Blick (und Urteil) der anderen (des Auslands, der Welt) ist der Grund der Ausländerfeindschaft: der lästige Ankläger muß weg (der Türke, der Neger ist der lebende Beweis dafür, daß das Gewissen eine pure Anmaßung ist): Ambivalenz des Weltbegriffs.
    Hängt der Gebrauch der Majuskel im Deutschen, die Großschreibung der Substantiva und der Personennamen, mit der Verweiblichung der Sonne und der Vermännlichung des Mondes und mit dem Selbstverständnis der Deutschen über die Selbstbezeichnung als Deutsche zusammen?
    Hat Gemeinheit etwas mit „mein“ zu tun (auch mit der „Meinung“), und ist das eine Folge des unbegrenzten Rechts auf Eigentum? Hängen Gemeinheit und „Eigentlichkeit“ sprachlich zusammen? Und sind die weibliche Sonne und der männliche Mond nicht Sprachgründe für das deutsche Inertialsystem?
    Die Physik reißt uns aus der sinnlichen Gegenwart der Welt heraus, betrachtet uns und die Welt von außen und sieht zu, was dann dabei herauskommt (an den Vorgang dieses Herausreißens erinnert das Relativitätsprinzip; die Narbe wird am Ende der Operation sichtbar: das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit). Die sinnliche Welt wird aufgespalten in die physikalische Welt und in die chaotischen Menge der Empfindungen; diese wird subjektiviert, verdrängt und bleibt ohne Begriff.
    Wir haben den „Schweiß des Angesichts“ im Rahmen der kapitalistisch-technischen Produktionsweise zur entfremdeten Arbeit vergesellschaftet; was diese „Welt“ zusammenhält, sind die diesen Kosmos begründenden Institutionen des Staates und der Verwaltung, ist letztlich das Gewaltmonopol des Staates (und die Bekenntnislogik, die dieses Gewaltmonopol des Staates und die Gemeinheit vor dem Begriff und vor der Kritik schützt).
    Objektivation, Vergesellschaftung und Instrumentalisierung gehören zusammen wie Erscheinung, Begriff und Gesetz im Inertialsystem (Verblendungs-, Schuld- und Herrschaftszusammenhang). Zusammenhang mit der Bekenntnislogik: dem Feinddenken, dem paranoiden Verdacht gegen Verrat und der Verdrängung der Empathie (der Feind, der Fremde und der Arme sind die drei Dimensionen der B.-Logik).

  • 20.09.91

    Theorie des Feuers (gibt es in der Schrift eine Erinnerung an den Ursprung des Gebrauchs des Feuers?).
    Off 1318: Hode hä sophia estin. ho echon noun psäphisato ton arhithmon tou thäriou. arhithmos gar anthropou estin. kai ho arhithmos autou hexakosioi hexäkonta hex. – Ist es die Zahl eines oder des Menschen? Weisheit und Verstand werden dann in Off 179 zitiert und erläutert: auf Rom bezogen.
    Der Drache, das Tier aus dem Meere und das Tier vom Lande: wie verhalten sich diese drei zur Struktur von Herrschaft, Schuld und Verblendung?
    Die Schrift macht das hic et nunc gegenstandslos und das Eine zum Anderen des Anderen (oder sie befreit den Gegenstand vom hic et nunc, von seinem Namen, und begründet die verandernde Kraft des Seins).
    Der Fisch ist ein Christus-Symbol (ichthys = iesous christos theou uios sotär), aber ebenso das Lamm (der Widder?). Jedoch der Fisch aufgrund seines Namens, das Lamm, weil es stumm zur Schlachtbank geführt wird. Das Lamm liefert Wolle und Fleisch, die Kuh Milch und Fleisch, das Schwein nur Fleisch (das Schwein wird durch Domestizierung nackt).
    Gibt es eine Evolutions-Synopse, die die Erdentwicklung, die Entwicklung der Pflanzen und die der Tiere synoptisch, in ihrem gleichzeitigen Verlauf, darstellt?
    Die Sonne beherrscht den Tag und das Jahr, der Mond die Nacht und den Monat.
    Der Sabbat ist der Tag des Saturn, nicht der Sonne. Der Sonnentag ist der erste Tag, der der Erschaffung des Lichts. Die Wochentage, die auch mit dem Schöpfungswerk (dem Hexaemeron) zusammenhängen, stammen wahrscheinlich aus dem Sternendienst, sie orientieren sich an den „Planeten“, den beweglichen Sternen:
    – Sonne
    Licht (Tag und Nacht)
    – Mond
    Gewölbe mitten im Wasser, scheide Wasser von Wasser (Himmel)
    – Merkur
    Wasser sammle sich, das Trockene werde sichtbar (Land, Meer)
    das Land lasse Grün, Pflanzen mit Samen, Bäume mit Samen und Früchten wachsen (das Land brachte … hervor)
    – Jupiter
    Lichter am Himmelsgewölbe, um Tag und Nacht zu scheiden (als Zeichen und zur Bestimmung von Festzeiten, Tagen und Jahren); Gott machte die beiden großen Lichter (das größere soll über den Tag, das kleinere über die Nacht herrschen) und die Sterne; Gott setzte die beiden Lichter ans Himmelgewölbe (sie sollen über die Erde hin leuchten, über Tag und Nacht herrschen, Licht von der Finsternis scheiden)
    – Mars
    das Wasser wimmele von lebendigen Wesen, Vögel über der Land am Himmelsgewölbe; Gott schuf …; Gott segnete sie (fruchtbar, vermehren, bevölkern)
    – Venus
    das Land bringe alle Arten von lebenden Wesen hervor (Vieh, Kriechtiere, Tiere des Feldes).
    Laßt uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich, sie sollen herrschen über Fische des Meeres, Vögel des Himmels, das Vieh, die ganze Erde und alle Kriechtiere auf dem Land. Gott schuf … (als sein Abbild, als Abbild Gottes, als Mann und Frau). Gott segnete (seid fruchtbar, vermehrt euch, bevölkert die Erde, macht sie euch untertan, herrscht über Fische, Vögel, Tiere). Nahrungsgebot (vegetarisch).
    So wurden Himmel und Erde vollendet und ihr ganzes Gefüge.
    – Saturn
    Gott vollendet das Werk, das er geschaffen hatte.
    ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte.
    segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig, denn an ihm ruhte Gott, nachdem er … geschaffen hatte.
    Hängt die Finsternis (die Scheidung des Lichts von der Finsternis) mit dem Gravitationsfeld zusammen? Und hängt die Mathematik mit den Zeugungen zusammen?
    Wehalb durfte am Freitag kein Fleisch, wohl aber Fisch gegessen werden (Venus/Drachen: apokalyptisches Mahl des Leviatan)? Der Freitag ist der Tag der Kreuzigung, der Donnerstag der des Abendmahls.
    Zum Zeichen des Tieres an Hand und Stirn: Was bedeuten Hand und Stirn? (Off 1316ff; zu Zeichen vgl. Gen 415, 912; zu Hand Deut 68; zu Stirn Ez 94 und Off 94).
    Er ging hinaus und weinte bitterlich: das Weinen ist Trauerarbeit. Das Weinen bezieht sich auf den Trotz, in der Geschichte der drei Verleugnungen auf den in der Selbstverfluchung sich vollendenden Trotz. Das Weinen ist Ausdruck der Einsicht und des Bekenntnisses: Ja, das bin ich gewesen, das habe ich getan.
    Wenn ich noch die Zeit und die Kraft dazu hätte, würde ich gerne
    – einen Kommentar zur Hegelschen Logik schreiben. Arbeitstitel: Die Hegelsche Logik und das Inertialsystem.
    – Oder eine Kritik der Heideggerschen Philosophie. Arbeitstitel: Die Fundamentalontologie oder das Herrendenken als Selbstverfluchung.
    Kann es nicht sein, daß ebenso wie Abraham in der Genealogie vor die Könige (mit dem Einschub der Parodie auf beide: das Richterbuch) gesetzt wird, auch die Schöpfungsgeschichte, das Hexaemeron, im Rahmen der (nachdynastischen) Auseinandersetzung mit dem Sternendienst, an den Anfang gesetzt wurde?
    Welche Rolle spielen eigentlich Lot, Ismael und Esau in der Vätergeschichte?
    Ist Melchisedech, der „König von Salem“, ein Nachfahre des David? Welche Abraham-fremden Vorfahren gibt es in der Genealogie Davids (und Jesu): die Frauen?
    – Tamar die Kanaaniterin (Mutter des Perez),
    – Rahab die Frau aus Jericho (Mutter des Boas),
    – Rut die Moabiterin (Mutter des Obed),
    – Batseba die Hethiterin (Mutter des Salomo)?
    Schon der Vorläufer des Personbegriffs, die hypostasis (das hypokeimenon oder die Substanz), das Zugrundeliegende, der Träger der Eigenschaften (wie die Person Träger des damit neutralisierten Namens ist) ist vom Bekenntnisbegriff (und der Bekenntnislogik, die die Logik der Verdinglichung ist) nicht zu trennen. Das Bekenntnis drückt genau die Trennung des Subjekts vom Prädikat, des Trägers (Dings) von seinen Eigenschaften aus; diese Trennung ist der Grund der Verdinglichung, sie verwandelt die dann sich bildende Beziehung in eine Schuldbeziehung. So zieht der Personbegriff auch den Namen in diese Schuldbeziehung mit herein (und neutralisiert seine benennende Kraft, verwandelt ihn in einen singulären Begriff: in eine singuläre Eigenschaft, die die Person dingfest macht; im Spitznamen drückt sich diese verdinglichende, fertigmachende Gewalt als Gelächter, deren letztes Objekt die Person ist, aus).
    Empörung gibt es nur im Kontext der Personalisierung (Personalismus und Wertethik). Grundsatz der Personalisierung: An sich ist die Welt in Ordnung, aber leider gibt es ein paar Bösewichter (Prinzip der Idolatrie: Vergöttlichung der Bösewichter).
    Personalismus und Wertethik ratifizieren die Zerstörung der Idee des Glücks. Benjamins Satz „Glücklich ist, wer seiner selbst ohne Schrecken inne wird“ bezieht sich auf ein Selbst, das sich allein im Angesicht Gottes konstitituiert.
    Der Personalismus ist ein Ableger der christlichen Sexualmoral, die ihn zugleich stabilisiert; diese ist der Grund dessen, was seitdem „persönliche Verantwortung“ heißt: Zentrum einer Moral, die als Urteilsnorm das moralische Urteil durch Setzung des korrespondierenden Objekts: der Person, konstituiert. Hier liegt der Grund und der Ursprung des historischen Verdrängungsprozesses, Produkt einer auf den ersten Blick geringfügigen Verschiebung: der Vorstellung, die Erbsünde werde durch die Sexuallust (anstatt durch durch die sexualmoralische Urteilslust) auf die nachfolgenden Generationen übertragen. Das einzige Gegenmittel ist das Nachfolgegebot, das dem sexualmoralisch begründeten Feinddenken den Boden entzieht. (Zusammenhang von Sexualmoral, Objektivation und Verdinglichung, Personalisierung und Verinnerlichung des Opfers, Verschiebung des Mitleids vom Opfer aufs Selbst). Neubestimmung des Schuldbegriffs im Kontext des Nachfolgegebots (Befreiung vom Projektionszwang).
    Personalisierung ist die letzte Möglichkeit, unter Verkennung der realen Beziehungen zwischen Welt und Person (der Weltgrundes der Person) Rachephantasien auszuleben. Die Verdrängung der Frage, was nach dem revolutionären Akt kommt, brutalisiert den revolutionären Akt, macht ihn terroristisch; ihr subjektiver Grund sind Heile-Welt-Phantasien (das Unheil kann nur von Bösewichtern kommen: so aber hat’s seit je die Kirche gelehrt). Die Säkularisierung der falschen Theologie, die Beibehaltung des Bekenntnisprinzips (mit Feinddenken, Ketzerverfolgung und -nicht zuletzt – Frauenfeindschaft) ist nur ein Indiz dafür, wie tief das christliche Erbe sitzt, wie sehr es uns in Fleisch und Blut übergangen ist; sie ist aber nichts weniger als eine geglückte Aufhebung des falschen Christentums. Der Atheismus, die Gottesleugnung, ändert die Welt nicht, versperrt nur der Reflexion die letzte Chance, das Moment der Unwahrheit im Weltbegriff zu begreifen.
    Der Personbegriff drückte einmal die Anerkennung durch andere aus, die Hegel zufolge im Kampf um Leben und Tod errungen wurde und (ebenso wie das Eigentum, die Rechtsfähigkeit) die Person zur Person machte; in der verwalteten Welt ist die Person zum Knoten im Netz geworden, in dem sie gefangen ist und aus dem sie nicht mehr herauskommt: ist sie zu einer bloßen Funktion des Staates geworden, dessen Gewaltmonopol sie hilflos ausgeliefert ist, sofern sie nicht durch Eigentum geschützt ist. In dem Schimpfwort „diese Person“, das seinen logischen Ort im nachbarlichen Gerede hat, drückt sich die Wahrheit der vorfaschistischen Wertethik aus: als Person ist sie ungeschützt den Werturteilen ihrer Umwelt ausgeliefert; ohne Personbegriff kein Feinddenken: Horkheimers Wort über die Ambivalenz des Christentums gründet im christlichen Gebrauch des Personbegriffs (ohne den Personbegriff in der Trinitätslehre würde es keinen Grund für Apologetik und Theodizee geben; die damit systemlogisch verbundene Gottesidee ist ohne verteidigendes, apologetisches Denken nicht zu halten: Umkehrung der so neutralisierten Idee des Heiligen Geistes; es ist nicht unwichtig zu wissen, daß Tertullian, der den Personbegriff in die lateinische Theologie eingeführt hat, Jurist war: der Gedanke ist nicht abzuweisen, daß der Personbegriff hier nur noch das gemeinsame Verfügungsrecht der drei göttlichen Personen über die eine Wesenheit, die homoousia, ausdrückt).
    Der Bekenntnisbegriff sowie Form und Inhalt des christlichen Dogmas bilden ein System, das jedoch nur dann zu begreifen ist, wenn das System als ganzes gleichsam als sein eigener Umkehrpunkt begriffen wird. Die Bekehrung dieses Systems, seine Rettung vor dem Instrumentalismus, läßt sich begründen aus dem Nachfolgegebot; ihre Realisierung wäre die Wahrheit des Satzes „Schwerter zu Pflugscharen“.
    Gegen Heinsohn: Das Opfer ist kein Mittel der Katastrophenbewältigung, sondern eines der Schuldbewältigung: es will (wie das Experiment in der Physik) eine Untat durch Wiederholung ungeschehen machen. Und die Idolatrie (auch der Sternendienst und das Bilderwesen) ist ein Mittel der Komplizenschaft: der Rechtfertigung von Herrschaft.
    Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Bezeichnungen Barbaren und Hebräern? Wenn, dann würde das genau die Differenz zwischen der hellenischen und der israelitischen Tradition ausdrücken: der Unterschied zwischen der projektiven Fremdbezeichnung und der reflexiven Selbstbezeichnung (sie „lebten als Fremde im Lande“ – ist der „hebräische Sklave“ ein „fremder“ Sklave?). Ist die Teilung bei Eber die zwischen Hellenen (im weitesten Sinne) und „Barbaren/Hebräern“ (der erste historische Ausdruck der Klassengesellschaft), die Teilung, in der sich die Hebräer auf der anderen Seite wiederfinden (und „Abraham der Hebräer“ sollte „ein Segen für die Völker“ werden)? Der verzweifelt scharfsichtige Nietzsche hatte Recht: die jüdisch-christliche Religion ist eine Sklaven-Religion (aber der „Wille zur Macht“ ist die falsche, die faschistische Konsequenz daraus: jedoch die einzige, wenn die jüdisch-christliche Tradition verworfen wird). Die Söhne Ebers waren Peleg (Teilung) und Joktan, Peleg gehört zum Stammbaum Jesu. Zwischen den Genealogien Joktans (Gen 1026) und Pelegs (Gen 1118) liegt der Turmbau zu Babel (Gen 111ff).
    Nochmal zu den Söhnen Ebers: Ist der Teil der Nachkommenschaft Ebers, der vor der Sprachverwirrung benannt wird und wohl im Arabischen wohnt, eine Abspaltung, in der sich die Ursprache (die Sprache vor der Sprachverwirrung) erhalten hat? Oder hat Eber mit Abraham und seine Söhne mit den Söhnen Abrahams (und insbesondere Joktan mit Ismael) zu tun (wo sind ihre Siedlungsgebiete: die Söhne Joktans von Mescha, wenn man über Sefar kommt, bis ans Ostgebirge – Gen 1030 – und die Söhne Ismaels von Hawila bis Schur, das Ägypten gegenüber an der Straße nach Assur liegt – Gen 2518; ist nicht die Jakobsleiter in der Jakobsgeschichte das Gegenstück zum Turmbau von Babel)?
    Die barbaroi sind die „Stammelnden“, nur die Hellenen sind sich selber verständlich. Ist nicht in der Prophetie der „Taumelkelch“ ein Bild für das, was im Hellenismus (im griechischen Mythos und in der Philosophie, in dem, was Nietzsche im Dionysischen, der Innenseite des Apollinischen, begriffen hat) dann sich entfaltet? Im Hegelschen Absoluten, in dem „kein Glied nicht trunken ist“ (vgl. hierzu auch Kants Antinomien der reinen Vernunft und Hegels Bemerkungen dazu), kehrt das wieder. In der philosophisch instrumentierten Trinitätslehre ist dieser „Taumelkelch“ ins Christentum eingewandert. Und der zentrale Begriff war wohl der der homoousia, den Konstantin in Nizäa durchgesetzt hatte.
    Das Stammeln der Barbaren ist in der Schrift Wort geworden. Und die Aufgabe der historischen Bibelkritik scheint es zu sein, die Bibel aus ihrer falschen Verständlichkeit in dieses Stammeln zurückzuübersetzen, aus dem heraus sie vielleicht einmal wirklich verstanden werden kann. (Ist Hebräisch eine Objektsprache? Und verweist die Unterscheidung von Hellenen und Barbaren auf den Turmbau zu Babel?)
    Die Sprache des NT ist Griechisch: die damalige „Weltsprache“ und die Sprache der Philosophie. Aber das neutestamentliche Griechisch ist weder das eine noch das andere, es stammelt gleichsam in beiden Sprachen. Zu begründen ist das neutestamentliche Griechisch eigentlich nur durchs Nachfolge-Gebot: als ein erster Versuch, in der Sprache der Welt die Schuld der Welt auf sich zu nehmen. So hat es auch sprachlich die Gestalt des Gottesknechts angenommen (Jes 421-9, 491-7, 504-11, 5213-53).
    In Heideggers Fundamentalontologie wird der Taumelkelch zur Droge; davon ist die Kirche süchtig geworden.
    Maß, Zahl und Gewicht (Waage): sind das nicht Raum, Zeit und Materie (vgl. Hegels Logik, Quantität)?
    Zu Maß, Zahl und Gewicht (die Produkte der Abstraktion und des Vergleichens, von Augustinus als Hinweis auf die Trinitätslehre verstanmden): Liegt der Ursprung des „Gewichts“ im Geldwesen (das Geld als Einheit von schwerer und träger Masse; babylonische Tempelwirtschaft und Astronomie / Astrologie, Schuldknechtschaft; moderne Astronomie und Gravitationslehre als Stabilisator der Mechanik; Kopernikus und Newton waren Münzbeamte)?
    Die Welt, auch die physikalische, ist die Wolfswelt.
    Der „Schrecken Isaaks“ ist der Schrecken des „Er lacht“. Die tiefe Zweideutigkeit, die Dämonie des Lachens, in dem Freude und Hohn kaum voneinander sich trennen lassen, klingt hier an. Zuletzt erscheint das in der verkehrten (unbekehrten, mit dem christlichen Begriff der Sexualmoral zusammenhängenden) Vorstellung des Augustinus, daß zur Glückseligkeit der Seligen im Himmel der Anblick der Leiden der Verdammten in der Hölle gehört. Hier ist einer der christlichen Ursprünge des Faschismus; hier sind die Seligen im Himmel schon auf der Bahn zum KZ-Wächter. In jeder Law and Order-Mentalität steckt etwas davon.
    Der positivistische Ansatz in Loretz‘ Hebräer-Buch hängt nachweislich zusammen mit der Unfähigkeit, das Moment der Gemeinheit im wissenschaftlichen Objektivismus (und in der vergesellschafteten Welt) zu reflektieren.
    Die Josephs-Geschichte beschreibt den Vorgang der ursprünglichen Akkumulation des Kapitals im Kontext des Staatskapitalismus, während die ökonomisch-religiösen Institutionen in Babylon solche der Privatwirtschaft gewesen zu sein scheinen. Das Königtum und die Tempelwirtschaft sind Instrumente eines Handelsbürgertums, das so die Grundlagen des Handels: das Geld und das Vertragswesen, absicherte (dagegen ist der Dekalog von Grund auf antikapitalistisch).
    Pyramide und Mausoleum: Zusammenhang von Staatskapitalismus und Totenkult.
    Der Ursprung der Idee, die Welt müsse zivilisiert werden, ist griechisch (Alexander); und der Ursprung der Idee, sie müsse befriedet werden, römisch (Cäsar / Augustus). Beides kehrt wieder in der spätchristlichen Verbindung von Mission und Kolonialismus (die Asylanten von heute sind die Nachfahren der Hebräer).
    Ebenso, ja mehr noch wie im Wörterbuch steckt die Weltgeschichte in der Grammatik (Genitiv / Dativ; mit dem Ablativ verschwindet der Sprachgrund der Gnadenlehre). Der Weltbegriff selber ist Teil einer grammatischen Struktur, eines grammatischen Konstrukts, des gleichen Konstrukts, durch das der Begriff in der Sprache verankert wurde (das prädikative Urteil, die damit zusammenhängenden Strukturen der Deklination und Konjugation), während die Mathematik sich aus der Sprache und gegen die Sprache entfaltete (Beziehung von Mathematik und prädikativem Urteil; Verstärkung der Gewalt des prädikativen Urteils durch die Mathematik: Was bedeutet der Begriff Mathematik?).
    Die Metaphysik setzt die Physik, die Gegenstandswelt, voraus. Deren Konstruktion setzt wiederum die Astronomie voraus.
    Die Heideggersche Philosophie ist ein Reflex der verdinglichten Objektwelt: die auftrumpfende Ohnmacht des Subjekts, der zwangshaft sich selbst reflektierende Instrumentalismus, der das Bewußtsein, Instrument zu sein (der „Uneigentlichkeit“), unter taktischer Verwendung der selber instrumentalisierten Bekenntnislogik (des Dezisionismus) zur „Eigentlichkeit“ aufspreizt.

  • 13.09.91

    Bekenntnis- und Beweislogik: Zusammenhang durch das gemeinsame Moment des „Nicht-erwischt-Werdens“; darin ist der ungeheure Wert der „Tatsachen“ (die durch ihre Beweisbarkeit, nicht durch ihre objektive Realität definiert werden) für das moderne Bewußtsein begründet. Die Beweislogik beherrscht sowohl das Recht wie auch die Wissenschaft, insbesondere die Naturwissenschaft. Sie verweist die Wahrheit auf den Weg des geringsten Widerstands, konstituiert zugleich den Konnex von Objektivation und Instrumentaliserung (Schuld und Sühne; Projektion ins Vergangene und Verfügbarkeit). Zu den Grundlagen der Beweislogik gehört das Prinzip der Intersubjektivität: daß der Beweis durch jeden nachvollziehbar sei. (Auch das Bekenntnis gehorcht der Beweislogik; allerdings auf der Grundlage einer zukünftigen Vergangenheit: dem „Ihr werdet es erfahren“. Die Zeitdifferenz muß zwischenzeitlich überbrückt werden durch Glauben und Hoffnung. Vgl. hierzu Hinkelammerts Reflexionen über den Zusammenhang des Opfers mit der Beweispflicht, der der Opfernde – im Christentum die Kirche – sich selbst unterwirft: Wenn das Opfer und sein mythischer Begründungszusammenhang sinnvoll sein soll, muß das intendierte Ziel: die Vernichtung Trojas, erreicht oder ins Unerreichbare prolongiert werden. In den gleichen Zusammenhang gehören das von Lyotard analysierte Konstrukt des vollkommenen Verbrechens, das nicht mehr aufzuklären ist, weil alle Beweise vernichtet wurden: Auschwitz – das Patriarchat?.)
    Beweislogik und Bekenntnislogik gehören zusammen mit Welt und Natur, Begriff und Objekt. (Frauen sind im Patriarchat nicht bekenntnisfähig und unterwerfen sich – wie die „verstockten“ Juden – nicht der Beweislogik, sie sind nicht zeugungsfähig -weder biologisch noch rechtlich. Frauen sind auch nicht erbfähig.)
    Zur Dialektik der Beweislogik: nach Horkheimer ist der Antisemit unbelehrbar.
    Es ist eine notwendige Konsequenz aus der Beweislogik, wenn Gemeinheit kein strafrechtlicher Tatbestand ist, wie auch das Bekenntnis keine Absicherung gegen Gemeinheit enthalten kann („Heute ist schon jeder Katholik so schlau wie früher nur ein Kardinal“), für beliebige Zwecke nutzbar ist: Universal-Instrument, zusammen mit der Entdeckung des Raumes und der Erfindung des Geldes die größte Erfindung der Menschheit, aber zugleich ein Mittel zur Selbstzerstörung der Sprache und zur Abschaffung der Wahrheit, die beide nicht der Beweislogik unterliegen (Gott aber kennt die innersten Regungen des Herzens).
    Das mittelalterliche sic et non und die Ausbildung der Beweislogik.
    Der Intention nach ist jedes Verbrechen ein vollkommenes Verbrechen (jeder geht davon aus, daß er nicht erwischt wird). Und es sind nur die Dummen, denen es nicht gelingt. Und diese Dummheit wird bestraft.
    Wie hängen das Bekennen, das Beweisen und die Zeugenschaft zusammen? Ist der Vaterschaftsbeweis der erste Beweis, und ist das Zeugnis der Frauen vor diesem Hintergrund nicht akzeptabel (vgl. die Geschichte der Thamar)?
    Bezeugt sich das Bekenntnis selbst (vgl. die Jesus-Worte hierzu)?
    Glauben und Wissen.
    Womit handeln die Banken? die Frage wird beantwortbar, wenn man weiß, wie der Kredit mit dem Credo zusammenhängt (und wenn man weiß, weshalb es eine Banco di Spiritu Santo gibt).

  • 12.09.91

    Die Probleme der drei großen monotheistischen Religionen heute gründen u.a. darin, daß die modernen Naturwissenschaften schon von ihrem Ansatz her das für alle drei Religionen geltende Bilderverbot (so wie die kapitalistische Ökonomie das Zinsverbot) verletzen, ohne daß eine Alternative sichtbar wäre. Der Fundamentalismus, der alle drei Religionen von innen (bei ihren treuesten Anhängern) bedroht, ist insofern eine Antwort auf diese Situation, als er Ausdruck davon ist, daß – wie es scheint – Rettung nur noch auf der Grundlage des Verrats möglich ist, daß der Verrat mit eingebaut ist und nur die Komplizenschaft des Opfers der Vernunft diese Religionen noch am Leben erhält. Diese Komplizenschaft gleicht in allen drei Religionen nicht zufällig der faschistischen, sie ist Ausdruck des Schicksals und der Gewalt der Bekenntnislogik unter den Bedingungen des derzeitigen Stands der Aufklärung.
    Durch die Naturwissenschaften (und durch die Form der kapitalistischen Ökonomie) ist die Sünde gleichsam in die Struktur der Welt mit eingewandert; diese Sünde ist die (fast unaufhebbare) Last der Vergangenheit, die sich durch die Reproduktion der Welt hindurch reproduziert, und die durch keine individuelle Moral mehr aus der Welt entfernt werden kann. Es gibt keine reale Beziehung der Moral zur Unschuld mehr; der Begriff der Unschuld selber ist keine moralische Kategorie mehr, sondern einzig eine theologische. Die Vorstellung, daß es auch einen moralischen Begriff der Unschuld gebe, leugnet die Gottesfurcht und befördert das Herrendenken.
    Reflexionsbeziehungen sind unkenntlich gemachte Herrschafts- und Schuldbeziehungen; sie begründen den Verblendungszusammenhang. Das Eine ist das Andere des Anderen: Hierin (in dem Primat des Anderen: auch der Personbegriff ist eine Reflexionskategorie und steht unter diesem Primat des Anderen) gründet der Hinweis Rosenzweigs auf die verandernde Kraft des Seins.
    Der Raum ist das Modell aller Reflexionsbegriffe: Im Raum ist in der Tat eine Dimension wie die andere. Und das Inertialsystem gründet in der Verräumlichung der Zeit: im Begriff der Bewegung, der die Zeit in eine quasi-orthogonale Beziehung zum Raum setzt.
    Die Umkehr wird heute eher durch das Bild von der Heilung von den sieben bösen Geistern beschrieben als durch ihr räumliches Vorbild (obwohl sie hierin ihre Wurzel hat: Im Angesicht und hinter dem Rücken; unter der Herrschaft der Reflexionskategiren verschwinden das Licht und das Angesicht). Das Inertialsystem (als Grund der Reflexionsbegriffe) hat den Begriff der Umkehr nur scheinbar gegenstandslos gemacht.
    Idolatrie und Opfer gehören zur Vorgeschichte der naturwissenschaftlichen Aufklärung. Sie sind Frühformen des Herrendenkens (der Objektivation und Instrumentalisierung), das dann in der Form des Inertialsystems und seiner vergegenständlichenden Gewalt sich sedimentiert und stabilisert hat, wie es scheint: fast irreversibel.
    Drewermanns Kritik des Anthropozentrismus leugnet das Antlitz Gottes.
    Der Personbegriff ist ein Produkt der Bekenntnislogik; seine theologische Anwendung ist der Grund der Selbstzerstörung der Theologie (Wiederkehr des Verdrängten).
    Die Universität ist der Grund des Universums. Ist der gekreuzigte Logos nicht ein Realsymbol des Inertialsystems? Und ist das „gekreuzigt, gestorben und begraben“ nicht die Geschichte der Naturwissenschaft (so, daß eigentlich nur noch das „abgestiegen zur Hölle und auferstanden von den Toten“ fehlt)?
    Hegel hat am Ende den Abstraktionsprozeß mit der Auferstehung verwechselt. Genau das drückt sich in seinem Begriff der Aufhebung aus.
    Hegels Leidensmystik (dem Negativen standhalten) ist gnostisch: er meint, er könne sich mit dem Negativen, den Verhältnissen abfinden, wenn er sie nur durchschaut.
    Wer oder was ist Mamre (heiliger Ort mit Terebinthen bei Hebron; Abraham und Isaak)? Und wer sind die kanaanitischen Völker, wenn die Amoriter die Perser sind und die Hethiter die Hethiter?
    Die Abraham-Geschichte, die voller Anachronismen ist, wird erst durchsichtig, wenn man die Schwierigkeiten (das Verständnis der Realien) häuft und nicht harmonisiert.
    Von Abraham und von Isaak (sowie von den Hebräern in Ägypten; auch noch von anderen?) wird immer wieder gesagt, daß sie als Fremde im Lande leben. (Kann es sein, daß das Verhältnis Elohim / Jahwe mit dem von Herbäern und Israeliten, d.h. mit der Komposition der Schrift zu tun hat?)
    Woher kommt diese merkwürdige Rezeption des Begriffs des Philisters in der deutschen Burschenschaftsbewegung?
    Gibt es bei Marx Materialien, Hinweise zur Geschichte der Banken?
    Die Geschichte der tendentiellen Privatisierung des Christentums (die Umformung der politischen Moral in die christliche Sexualmoral) ist eins mit der Geschichte der Verinnerlichung und Vergesellschaft von Herrschaft (der Immunisierung der Religion gegen Herrsschaftskritik). Sie schlägt heute in einer Weise auf das Christentum zurück, die eigentlich nur noch im Bilde der Selbstverfluchung zu fassen ist.
    Zu den Folgen der christlichen Sexualmoral gehört auch die Unfähigkeit, das „Alte Testament“ überhaupt noch zu verstehen. Durch die christliche Sexualmoral sind die Bibel-Leser zu Antisemiten geworden (bis hinein in die christliche Bibel-Wissenschaft).
    Adornos Satz über das erste Gebot der Sexualmoral ist ein spätes Echo des augustinischen Satzes: ama et fac quod vis. Die Liebe ist die die verdinglichende und instrumentalisierende Gewalt der Anklage auflösende Macht.
    Das Wort Johannes‘ XXIII. „Ich bin Joseph euer Bruder“ trifft den Sachverhalt genauer als er selber wahrscheinlich meinte; darin klingt auch die Rolle Josephs in Ägypten: in der Geschichte der ursprünglichen Akkumulation des Kapitals und der Enteignung des Volkes, nach.
    Zu Anfang: die Wormser Chassidim, nach dem Hinweis auf Hegels Erörterungen zum Problem des Anfangs der Philosophie; am Ende: der Taumelkelch.

  • 10.09.91

    Ist die Schuld der Welt, die Jesus auf sich nimmt, nicht die Schuld des Vaters, und hat die homousia, das „Ich und der Vater sind eins“, nicht doch einen ganz anderen als jenen affirmativen Sinn, den dann die dogamtische Trinitätslehre daraus gemacht hat?
    Das Geheimnis der Person ist die Gesellschaft. Der Personbegriff ist der imaginäre Schutz gegen das Bewußtsein „nackt zu sein“ („da gingen ihnen die Augen auf und sie sahen, daß sie nackt waren“). Die Aggression gegen den Schador, gegen die islamische Verhüllung der Frau, rührt daher, daß erst die Verhüllung wieder ins Bewußtsein ruft, daß man nackt ist, und daß die neue Verhüllung, die Charaktermaske der Person, bloßer Schein ist, eigentlich Teil des Akts der Selbstzerstörung.
    Mit dem Bekenntnis wurde der Personbegriff zum Begriff der Charaktermaske.
    Person und Charakter: Ist die Person die Form und der Charakter der Inhalt des Bekenntnisses?
    Das Bekenntnis ist die verinnerlichte Idolatrie, das Medium und der Katalysator der Verinnerlichung des Opfers, Grund und Motor des historischen Objektivationsprozesses. Es ist Teil einer Subjektstruktur, die jene Objektivität begründet und stabilisert, gegen die das Nachfolgegebot steht. Es ist ein Knotenpunkt in der Geschichte der Schuld und der Scham (der Verinnerlichung des Opfers entspricht die der Scham: seitdem gibt es Verdrängungen).
    Womit handeln die Banken: mit der Schuld, die die Zukunft unter die Vergangenheit subsumiert, die Erblast der Vergangenheit reproduziert und potenziert; und zwar sowohl fürs Bewußtsein (Zusammenhang der Banken mit den Tempeln, der Idolatrie und dem Opfer; Erfindung der Null, doppelte Buchführung, Objektivierung und Verdinglichung des Debet und Ursprung der modernen Naturwissenschaften) als auch real (Schuldenkrise). Banco de Spiritu Santo: Banken und Ursprung des Bekenntnisses (der Vergeistigung des Martyriums).
    Das Bekenntnis ist die falsche Auflösung der Erbschuld, eigentlich das Medium über das sie sich fortpflanzt. Das Bekenntnis ist Babel (sowohl Turmbau wie Hure). Luther hat’s gewußt, aber dadurch, daß er die Kritik nur von außen vollzog, ist er selber in ihren Bannkreis hineingeraten, ist er gleichsam zum Neubabylonier geworden.
    Das Bekenntnis stabilisiert die Erfahrung des Liebesentzugs (nulla salus extra ecclesiam; salus ist femininum, nicht – wie im Deutschen – neutrum).
    Die Schuld auf sich nehmen heißt, die Macht des Begriffs brechen (den Vater von der Last, Vater zu sein, befreien: das ist der erste Teil des Sinns des Gebots: Du sollst Vater und Mutter ehren).
    Welt und Natur: oder Herrschaft und Symbiose?
    Kernpunkt scheint immer mehr die Übersetzung des tollere im „qui tollit peccata mundi“ (Joh 129) zu werden (airho heißt – wie tollere – sowohl aufheben wie wegnehmen). Das „hinwegnehmen“ ist vermutlich falsch (ist agnus/amnos das Lamm oder der Widder?).
    Wer eine Sache von außen kritisiert, gerät in ihren Bann, verfällt selber dem, was er kritisiert.
    Daß die Richtungen im Raum nicht äquivalent sind, läßt sich am Verhältnis von vorn und hinten sowie an dem des Leuchtenden zum Beleuchteten nachweisen (äquivalent sind dagegen die Beziehungen der Dinge unterm Gravitationsgesetz). Und bei dem Satz „Es werde Licht“ darf man um Gottes willen nicht an einen Lichtschalter denken.
    Kann es sein, daß die Berechnungen zur Entstehung der Erde oder zu den Entfernungen im Weltall einer ähnlichen Logik folgen, wie jener, die der Berechnung zugrunde liegt, die Richard Price im Jahre 1772 anstellte: „Ein Penny, ausgeliehen bei der Geburt unseres Erlösers auf Zinseszinsen zu 5 % würde schon jetzt zu einer größeren Summe herangewachsen sein, als enthalten wäre in 150 Millionen Erden, alle von gediegenem Gold.“? (Zitiert von Hinkelammert in „… in euren Häusern leigt das geraubte Gut der Armen“, Fribourg/Brig 1989, S. 168)

  • 08.09.91

    Woher kommt die Differenz zwischen dem Abraham- und Ödipus-Mythos (Hinkelammert)? Was drückt sich in dem mythischen Kinder-(Sohnes-)Opfer aus? Woher kommt der Zwang, die Söhne/Töchter „durchs Feuer zu führen“? Ist es nur die Begründung eines Erfolgszwangs (das Opfer muß wahr sein, deshalb muß das damit angestrebte Ziel auch erreicht werden). Wer ist der „Sohn“, die „Tochter“? Hängt das mit der Bedeutung, die die „Tochterstädte“ im Rahmen des antiken Kolonialismus hatten, zusammen (in diesen Tochterstädten ist im übrigen die Philosophie entstanden, die dann erst in die Metropole zurücktransportiert wurde)?
    Zur Vorgeschichte Jerusalems: Melchisedek war der „König von Salem“; die Opferung Isaaks fand auf dem Berge Morija statt (dem späteren Tempelberg).
    Führt Gorbatschow sein Land (und führen die neuen Regierungen in den anderen ehemaligen Ostblockländern ihre Länder) bewußtlos in die gleiche Schuldenautomatik hinein, in der jetzt die lateinamerikanischen Länder zugrundegehen? Rächt sich hier ein zweites Mal das herrschaftssoziologisch (und bekenntnislogisch) bedingte Unvermögen, den Marxismus als Analyse-Instrument zu nutzen (anstatt als Herrschaftsinstrument, als welches er zu Recht gescheitert ist). Kann es darüber hinaus sein, daß die Nutzung als Analyse-Instrument nach dem bis heute rätselhaften Diktum Benjamins ohne die Hilfe der Theologie (die so zur Befreiungstheologie wird) nicht möglich ist?
    Entkonfessionalisierung der Kirchen heißt, daß die Kirchen auf das Instrument des Bekenntniszwangs verzichten, d.h. daß sie darauf verzichten, ihre Gläubigen in die Bekenntnis-(Verblendungs-)falle hineinzuführen, in der sie glauben, von dem „Bekenntnis zu“ (zur Gottessohnschaft Jesu, zur Trinitätslehre, zur Jungfrauengeburt, woraus dann die Bekenntnisse zur Nation, zur FDGO, zur Familie, zur Partei, zum Verein: generell zu irgendeiner Gemeinschaft, sich herleiten) hinge überhaupt irgend etwas ab. Diese Bekenntnisfalle wirkt inhaltsunabhängig, d.h. sie ist marxistisch, in jedem Falle antisemitisch (dem strukturellen Kern jeder Bekenntnisfalle), nationalistisch, sowie in jeder „Fan“-Automatik (bis hin zu den Hooligans) nutzbar: sie ist die genaueste Gestalt dessen, was heute Idolatrie heißen müßte. Ihre Verführungskraft liegt darin, daß sie durch eine der Komplizenschaft vergleichbare projektive Feindbild-Automatik vom Tötungsverbot dispensiert, ohne Schuldgefühle wachzurufen (die verdrängte Schuld verstärkt die gemeinschaftsbildende Bindungskraft des Bekenntnisses zusammen mit der Aggressivität nach außen: Ursprung des historischen Objektivationsprozesses).

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