Der Kerub mit dem kreisenden Flammenschwert: Genesis des Hinter dem Rücken?
In der Mathematik drückt sich der „Name“ im Bruch aus, im „Nenner“: in der Beziehung auf die Einheit, auf das Maß. Welche Bedeutung hat dieser Zusammenhang für die Sprache?
Anzahl, Maß und Gewicht: Anzahl ist die auf sich selbst bezogene Einheit, das Maß die Einheit für andere; aber was ist das Gewicht? – Anzahl, Maß und Gewicht sind die Grundlage, das gegenständliche Korrelat des Tauschprinzips.
In welcher Beziehung steht der Prophetenspruch des Jonas „Noch vierzig Tage und Ninive wird zerstört“ (34) zu seinem Auftrag „Geh nach Ninive, in die große Stadt, und droh ihr an! Denn die Kunde von ihrer Schlechtigkeit ist bis zu mir heraufgedrungen“ (12).
Religion als Ablenkung.
Das Angesicht oder das hörende Auge.
Der Himmel ist im Anfang erschaffen; danach erschuf Gott die Feste, die das obere von dem unteren Wasser scheidet; und diese Feste nennt Gott Himmel (Einheit von Ding und Name).
Die Person ist der Träger des Namens, die aber als Träger sich ausweisen muß, den Beweis führen muß, daß sie einen amtlich legitimierten Namen hat, deshalb einen Personalausweis bei sich führen muß; andernfalls läuft sie Gefahr, zur Feststellung der Identität in Verwahrung genommen zu werden. Was ist der Dogmatisierungsprozeß anderes als diese In-Verwahrung-Nahme zum Zwecke der Identitätsfeststellung? – Was du schwarz auf weiß besitzt, kannst du getrost nach Hause tragen: als Dogma ins Haus des Seins, den letzten Abkömmling des babylonischen Turms (des Tempels und der Kirche).
Was du auf Erden binden wirst: Der Tempel oder der domestizierte Himmel. Kein Tempel ohne Opfer, kein Opfer ohne Priester.
Das Sein ist der Inbegriff der Gewalt des richtenden Urteils und Fundament des Weltbegriffs. So hat es Teil am Gewaltmonopol des Staates.
Die christologische Logik im Naturbegriff, die Logik der Vergöttlichung des Opfers, ist Teil der Schuld-Logik. Sie ist begründet in der Vorstellung von der reinigenden Kraft des Opfers: das Opfer entsühnt.
Die Begriffe Natur und Welt als Totalitätsbegriffe unterstellen, daß es ein dem Subsumtionsverhältnis des Begriffs korrespondierendes Gesamt der Erscheinungen gibt, m.a.W. daß es ein Universum gibt. Und zwar ein Universum als ein dem Subjekt Gegenüberstehendes, das es dem Subjekt erlaubt, die Rolle des unschuldigen Zuschauers einzunehmen.
Totalitätsbegriffe wie Welt und Natur enthalten ihre eigene Logik, die sich auch durchsetzt, wenn sie nicht reflektiert, nicht bewußt gemacht wird. Diese Logik wird auch (und gerade) dann adaptiert, wenn sie der Reflexion entzogen wird.
So wie der Raum sich unter dem Zwang seiner eigenen logisch-mathematischen Struktur theoriebegründend ins Unendliche fortpflanzt und ausdehnt, pflanzt sich das Geld durch seine eigene Tauschlogik praxisbegründend nach allen Seiten fort, dehnt sich als Markt ins Unendliche aus und ergreift alle Dinge. Es sind diese Logiken, die durch die Totalitätsbegriffe Natur und Welt stabilisiert und gegen die Reflexion abgeschirmt werden.
Daß die Sonne Homers auch uns bescheint, ist wahr und falsch zugleich: Die Sonne Homers war weder die Sonne des Kopernikus noch die des Carl Friedrich von Weizsäcker.
Das Christentum: eine philosophische Religion, oder die Philosophie Jesu?
Christentum
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03.03.92
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24.02.92
Hätte Jesus gelacht, er wäre nicht der Logos.
Ist der „herniederfahrende“ Gott in Babel das Ego (Babel sein erstes Exil)? Und ist der Schöpfungsgedanke in einer Sprache, die das Futur (und damit den Begriff der Materie) kennt, überhaupt noch möglich? Und wie hängen beide Fragen mit der Entfaltung der Raumvorstellung zusammen?
Tabus und Konventionen instrumentalisieren das Lachen, den Schrecken und die Schuld.
Fremdworte zitieren die ganze Sprache, aus der sie genommen sind?
Die grammatische Organisation der Sprache, insbesondere die Bildung des Futur, scheint mit der Bildung der Personalpronomina, der Hilfszeitverben und dem exzessiven Gebrauch von Prä- und Suffixen zusammenzuhängen (räumliche und zeitliche Durchorganisation der Sprache, Verdinglichung und Hypostasierung). Und ist die agglutinierende Sprache (die „sumerische“ Sprache) der Ausgangspunkt der grammatischen Durchbildung der Sprache?
In den deutschen Präfixen wie be-, ver-, zer-, ge-, er- etc. drücken sich räumlich praktische Beziehungen aus, deren Resultat in den Hypostasen, in den Substanzen, in den Gerundivbildungen (in den Suffixen -keit, -heit, -ung, -nis etc.) sich manifestiert.
Drücken die Suffixe (als Determinanten der Hypostasierung der Begriffe)
– -heit den Objektaspekt (die unter einen Begriff subsumierte Menge),
– -keit den begrifflichen Aspekt (die begriffliche Allgemeinheit und das Subsumtionsverhältnis),
– -ung die Durchdringung des Objekts von innen (Natur),
– -nis die Affizierung des Objekts von außen (Welt)
aus,
und die Präfixe (als Determinanten der Verben, Ursprung und Reflex ihrer Hypostasierung im Begriff)
– be- die begriffliche Affizierung des Objekts von außen (bestrafen, bekennen, begreifen, behandeln),
– an-, anti-, wider-, gegen- die materielle Affektion von außen (Feindschaft, Objektivierung; anklagen, anerkennen, ansagen, anmahnen, anbeten)?,
– er- die Affizierung des Objekts von innen (erkennen, erlösen),
– ver- die Zerstörung des Objekts (die Zerstörung von außen und/oder von innen; vernichten, verlassen, veranlassen, vermögen),
– zer- die vollständige Zerstörung des Objekts, des Begriffs, des Wesens (die Zerstörung von innen: Grund der Trennung von Begriff und Objekt; Inbegriff des Raumes; zernichten, zerstören, zerfallen, zermalmen)
– ge- das Produkt des -zer (nach Trennung von Begriff und Objekt: die Vergangenheit; die Zerstörung des Begriffs als Bedingung seine Genesis; Partizip Perfekt, verbal nur noch verwendbar mit Hilfszeitverben: Sein – von innen, Haben – von außen, Werden – von außen nach innen).
Vgl. ge-lassen, be-lassen, ver-lassen, zer-lassen.
(genauer)
Hängt der Begriff Volk mit dem Verhältnis von Außen und Innen zusammen (Wadler, S. 161)? Gibt es einen Zusammenhang von Schuld und Schild? Entsteht der Schuldzusammenhang im Zuge der Rechtfertigung, der Abwehr eines Angriffs?
Zum weiteren Zusammenhang des Begriffs der Maske vgl. Wadler, S. 166.
Gegen Wadler: Nicht der Ursprung an sich ist das Ziel, sondern der reflektierte Ursprung: die reflektierte, ins Bewußtsein ihrer selbst gehobene Sprache, zu der auch die Reflexion der Geschichte der Grammatik und die des Ursprungs und der Bedeutung der Prä- und Suffixe gehört.
Zum Prinzip des Turmbaus zu Babel: S. 167.
Frage: Form der Schuldverarbeitung?
Geschichte der Sprache und kollektive Formen der Schuldverarbeitung.
Der Verknüpfung des Rassebegriffs mit Problemen der Sprachgeschichte ist Teil des nationalistischen Geschichtsverständnisses und eine der Ursachen des Antisemitismus: sie rührt an ein Grundproblem einer historischen Sprachphilosophie.
Die Konsonantenschrift ist eine entsubjektivierte Schrift, eine reine objektive Schrift.
Wie es scheint, kommt die altorientalische Geschichte bei Franz Rosenzweig nicht vor; und er sieht auch nicht die jüdische Geschichte als eine Parallelgeschichte zur griechischen, sondern als eine Antwort auf die griechische: erst das Christentum ist eine (die?) jüdische Antwort aufs Griechentum (nur hat das Christentum das bis heute nicht begriffen).
Wächst nicht eine Situation heran, die auch der Satire noch spottet? Und gegen deren Spott kommt das Kabarett nicht mehr an. Mit diesem Spott darf sich das Kabarett nicht gemein machen (gegen Dieter Hildebrands letzten „Scheibenwischer“).
Beziehung der Vokale zur Zeit und zur Hypostasierung: Sind der Infinitiv und das Futur nicht potentielle Hypostasierungsformen? (das Dreschen; der Drescher wird dreschen; er hat gedroschen; Ergebnis: der Drusch. Drei Gestalten der Hypostasierung: Täter, Tat und Produkt aus dem Verb abgeleitet).
Wie beeinflußt die pikto- oder ideographische Schrift die Sprache: insbesondere dadurch, daß sie das Instrument, die Tat und den Täter in einem Bild zusammenfaßt (den Pflug, das Pflügen und den Pflüger)? – Ursprung des Zusammenhangs von Objektivität, Instrumentalisierung und Verdinglichung.
„Ein System siegt sich zu Tode“: Ärgerlich der verdinglichende Herrenblick des Westens, der auf die „Bevölkerungsexplosion“ der Dritten Welt fällt sowie auf die „Alten und Kranken“, die als Ursachen der „Kostenexplosion“ im Gesundheitswesen erscheinen. Dieser Konkretismus hängt aufs engste mit dem zusammen, der das Problem auf den Energiebereich abschiebt und glaubt, es mit Hilfe der (physikalischen) Gesetze der Thermodynamik (einer Konsequenz des Energieerhaltungssatzes) zureichend analysieren zu können. Der Unterschied, den wir bei Betrachtung des Zustandes der Dritten Welt vor und nach der Geschichte der Kolonisierung machen (dort „Kultur“, hier Barbarei), liegt nicht zum wenigstens in unserer Optik: Den Zustand vor der Kolonisierung sehen wir als Folge von Natur, die das „ohne uns“ angerichtet hat; hier sind wir im Unterschied zu den Verhältnissen nach der Kolonisierung moralisch entlastet (exkulpierende Funktion des Naturbegriffs: die „Kultur“ vorher verwehrt es uns noch heute, die „Eingeborenen“ als Menschen, und in ihnen unsere eigene Vergangenheit zu erkennen).
Begründen läßt sich die Anwendung physikalischer Gesetz auf Gesellschaftliches einzig durch den Kontext der Schuldzusammenhangs, der fortwährenden Schuldknechtschaft.
Ziel wäre nicht die resurrectio naturae, sondern die renovatio faciei terrae. (Die resurrectio naturae gehört zum christologischen Naturbegriff, ist eine Folge der nicht geleisteten Erinnerungsarbeit; und der Naturbegriff rührt an die Bindegewalt der Kirche).
Die Naturwissenschaften sind das Korrelat der ohnmächtigen moralischen Urteilslust und der folgenlosen Empörung; und die moralische Urteilslust und die Empörung sind Instrumente der Rechtfertigung und Exkulpierung, der Konstituierung der Gemeinheitsautomatik und der Verhinderung der Gottesfurcht.
Ist die Geschichte mit Nebudkadnezzar im Buch Daniel eine Kurzfassung der gesamten Herrschaftsgeschichte (Babylon; Nabuchodonosor: Planctus judicii; planctus = laute Wehklage)?
Muß die Hoffnung heute durch den Unglauben, durch die Verzweiflung hindurch?
Wenn der Geist kommt, dann werden die Söhne und Töchter, die Knechte und Mägde weissagen: aber weder die Eltern noch die Herren? – Und es gibt keine Herrschaft ohne die Vergegenständlichung des Raumes (die Zahl, die Mathematik, neutralisiert die Genealogie, die Hegel dann für die Monarchie nochmals zu rechtfertigen gezwungen ist; sie macht nicht nur die Dinge gleichnamig, sondern die natürlichen Abhängigkeitsverhältnisse unkenntlich; dem Zählen geht die paarweise Zuordnung, und dem Begriff, wie der Multiplikation, das Zählen voraus; wird die Multiplikation zusammen mit dem Winkel entdeckt, und hängen die Fähigkeiten der Multiplikation und der Begriffsbildung zusammen?).
Hängt die Fußwaschung vor dem Tode Jesu mit der Bereitung des Schemels SEINER Füße zusammen? Und warum wehrt sich Petrus zunächst, um dann umgekehrt gleich ein ganzes Vollbad zu verlangen? – Alle Petrus-Stellen?
Der Hegelsche Satz: das Eine ist das Andere des Anderen, ist wahr in der Anwendung auf mich, er ist unwahr in der Anwendung auf Andere. Darin drückt sich präzise der Grund der Übernahme der Sünde der Welt aus. Die Mathematik konstituiert sich in der umgekehrten Anwendung des Satzes: Sie macht alle zu Anderen für Andere. Und die Differenz zwischen mir und den Anderen ist der Grund dafür, daß indikativische Sätze nicht fähig sind, die Wahrheit auszudrücken.
Der Zusammenhang der Bekenntnislogik mit dem Raum, der subjektiven Form der äußeren Anschauung, hat zur Folge, daß das Bekenntnis des Namens erst möglich sein wird, wenn die Theologie ihre Beziehung zu den Naturwissenschaften aufgearbeitet und geklärt hat. In diesem Zusammenhang wird auch der Schöpfungsbericht in einem neuen Zusammenhang auch neue Bedeutung gewinnen: Hier wird das Rätselwort von der Befreiung von den sieben unreinen Geistern möglicherweise sich aufklären.
Gegen die Ontologie: Das Wesen ist das Unwesen, das Fortleben der Vergangenheit in der Gegenwart, die fortexistierende Macht der Vergangenheit über die Zukunft: es wird bezeichnet im Begriff des Schuldzusammenhangs, der hervorgerufen, hervorgezwungen wird im Kontext der Geschichte der Selbsterhaltung. Das Ich ist das Ding; und das ist die unaufhebbare Schuld bei Hegel, deren ohnmächtige Erinnerung die Gestalt des Absoluten ist.
Totalitätsbegriffe wie Welt und Natur sind automatisierte Verdrängungsapparate; sie dienen einzig noch dazu, die Selbsterhaltung gegen Reflexion abzuschirmen. Und Adornos „Eingedenken der Natur im Subjekt“ ist der Versuch, durch Erinnerungsarbeit und Mimesis an das Gewimmel im Schlangennest der Widersprüche des Naturbegriffs an die Wahrheit sich heranzutasten. Adornos Hinweis auf ein scheinbar harmloses Gespräch im Eisenbahncoupee, in dem der Nichtwiderspruch auf die Zustimmung zum Mord hinausläuft.
Adornos Philosophie als Verkörperung der Gottesfurcht, wobei die Gottesfurcht geleitet wird durch eine Scham (Indikator dessen, was sich heute noch öffentlich schreiben und sagen läßt), die am Ende dann auch den Gedanken an Gott selber ergreift. Er hat damit, weiß Gott, mehr recht als jene, die weiterhin den Namen Gottes munter auf ihren Lippen führen, und deren Theologie eine einzige Verletzung des zweiten Gebots ist.
Die Physik ist ein System der Niedertracht. -
18.02.92
Die Kirchenväter haben aufgrund der Rezeption des Weltbegriffs und in der Konsequenz des philosophischen Erkenntniskonzepts die Schuld von der Urteilslust (dem Grund des Weltbegriffs) auf die Sexuallust verschieben müssen, mit den bekannten dogmatischen Folgen für die Theologie. Diese Theologie war nicht nur Teil, sondern Avantgarde und „Erfüllung“ der philosophischen Aufklärung; hiernach war das jüdisch-christliche Urschisma (und die anschließende Folge der Häresien) zwangsläufig; und die biblische Tradition wurde nur noch soweit mit einbezogen, wie sie das philosophische Konzept stützte (und das war nicht mehr ohne Mißverständnisse und Fehlinterpretationen möglich).
Müßte es bei Reinhold Schneider nicht anstelle „das Schwert ob unsern Häupten“ heißen „das Schwert in unsern Händen“? Bedienen wir nicht selber das „Schwert ob unsern Häupten“?
Was ist der Unterschied zwischen Antlitz, Angesicht und Gesicht? Ist
– das Antlitz: das expressive Gesicht (der erscheinende Eindruck, den die Welt im Gesicht hinterläßt, Ausdruck der Welterfahrung und Gegenstand der Physiognomie: das leidende Gesicht des Opfers: vgl. das „Antlitz“ der Erde),
– das Angesicht: das sprechende Gesicht im Dialog mit anderen und
– das Gesicht: die Verkörperung des aktiven und passiven Sehens?
Vgl. Rosenzweigs Konstruktion des Angesichts Gottes im „Stern der Erlösung“ und Bubers Übersetzung des Schöpfungsberichts („Braus Gottes brütend über Urwirbels Antlitz“).
Ist nicht die Ontologie eine moderne (mit dem „christologischen“ Naturbegriff gemeinsam entsprungene und diesen Naturbegriff stützende) philosophische Disziplin, zu deren Voraussetzungen die Entstehung der Hilfszeitverben und der Personalpronomina (und die Großschreibung der Substantive, die das Objekt mit Bedeutung auflädt, um die des Subjekts zu steigern) gehört? – Beachte die Doppelbedeutung von Bedeutung (die wie der Begriff des Sinns sowohl den Inhalt eines Prädikats als auch den Rang, den ein Prädikat einem Subjekt verleiht, bezeichnet: das Prädikat verleiht dem Subjekt „Sinn“, den es als namenloses Objekt von sich aus nicht gehabt hätte). Diese Doppelbedeutung (z.B. des Heideggerschen „Sinn des Seins“) ist der gebrochene Widerschein des Namens in der namenlosen Sphäre des Begriffs.
Gehören die griechische und die lateinische Sprache (als ontologische Sprachen) in den Kontext des Ursprungs des Weltbegriffs, und sind die modernen europäischen Sprachen nicht schon „nach-weltliche“ Sprachen (von der Instrumentalisierung ergriffen und verfremdet, deshalb grammatisch durchorganisiert)?
Dadurch daß Heidegger den Geburtsfehler der Philosophie zu ihrem einzigen Inhalt gemacht hat, hat er ihn auch kenntlich gemacht.
Die Geschichte vom Hasen und vom Swinegel mit dem „Ick bün all do“ beschreibt das Grundparadigma der Hegelschen Logik. Wie der Swinegel un sin Fru sind bei Hegel das Eine und das Andere ununterscheidbar.
Die griechische Zivilisation war zweifellos keine Menschenrechts-Zivilisation, sondern eine Zivilisation, deren Daseinsgrund die Durchsetzung der Rechte einer Herrenschicht (der Rechte der Privateigentümer) war.
Begriffliches Denken bewegt (und verstrickt) sich in jenem Schuldverschubsystem, das möglicherweise in der Geschichte vom gordischen Knoten sich versteckt (Alexander hat den Knoten bloß durchschlagen, nicht gelöst).
Hat der gordische Knoten, den Alexander durchschlagen, nicht gelöst hat, etwas mit dem Rätsel der Sphinx (und seiner „Auflösung“ durch Sokrates, dem Urbild der Hegelschen „List der Vernunft“) zu tun, und in welcher Beziehung steht er zur Binde-und Lösegewalt der Kirche?
Toledot: Steht zwischen Vater und Sohn die Erschaffung der Welt? Und ist der Himmel die Erneuerung des Antlitzes der Erde?
Das Gebot, Vater und Mutter zu ehren, hängt mit der „Übernahme der Sünde der Welt “ zusammen („auf daß du lange lebest auf Erden“).
Das Christentum verstößt seit den Anfängen seiner gesellschaftlichen Ausbreitung gegen das Gebot, Vater und Mutter zu ehren: Grund ist die Patriarchalisierung und Vergeistigung der Trinitätslehre und die (damit zusammenhängende) Verteufelung der Vergangenheit und Tabuisierung der Erinnerung.
Wer waren die beiden „Schächer“ (Lk 2339ff – „den einen rechts, den anderen links“ 2333)? Und was bedeutet der Ausdruck „Schächer“?
Rousseau und die Sehnsucht nach einer stummen und menschenfreien Natur: Ziel der Ökologie-Bewegung? Er sucht die Unschuld vor dem Sündenfall, nicht die Versöhnung, möchte die Last der Sprache abwerfen.
Gibt es im Gesetz das Hammurabi vergleichbare Gebote zu denen des Dekalogs (Du sollst Vater und Mutter ehren, Du sollst kein falsches Zeugnis geben …)? Die Regelung, daß ein Rechtsstreit gerichtlich nur möglich ist, wenn der Streitgrund durch Zeugen oder Vertrag nachprüfbar ist (vgl. Universalgeschichte der Schrift, S. 233), ist das Gegenteil der Gebote des Dekalogs: Hier werden erstmals die im Rahmen des Rechts unvermeidbaren Lücken für die Gemeinheit definiert, wird das Recht als Mittel der Berechenbarkeit des vom Tauschprinzip bestimmten Handelns begründet.
Thales: Alles ist voller Götter; und Epikur siedelt die Götter in den Zwischenräumen der Welt an.
Im Urteil entspringen die Begriffe auf der Seite des Prädikats; sie sind – wie das Prädikat, das Verb im Satz – zeitlich bestimmt; sie drücken das Verhältnis der Dinge zur Zeit, die Macht der Zeit über die Dinge aus. Damit hängt die Bedeutung des Raumes für die Begriffsbildung zusammen (Inbegriff des Begriffs und der Trennung von Prädikat und Subjekt, Begriff und Objekt; deshalb muß der Raum selber unbegrifflich: reine Form der Anschauung sein).
Eine Botschaft erwartet eine Antwort, während man von einer Nachricht nur betroffen ist (Bedeutung der Medien; Sensation und Betroffenheit; Exkulpation des Zuschauers durch Skandalenthüllung).
Ist nicht das Problem, das Adorno mit seinem „ersten Gebot der Sexualmoral“ angesprochen hat, ein gemeinsames Problem der drei großen Offenbarungsreligionen (der Funktion des unaufgeklärten Weltbegriffs in ihnen)?
Die Verdinglichung unter der Herrschaft des Weltbegriffs fixiert die Menschen an das mit der Sexualmoral bezeichnete Objekt, und die Lösung von den „Schuldgefühlen“ löst das Problem nicht. Adornos „erstes Gebot der Sexualmoral“ ist nur ein anderer Ausdruck für das (es ist ein Teilaspekt dessen), was im Evangelium die „Übernahme der Sünde der Welt“ heißt.
Das Inertialsystem ist nicht nur ein Apriori der Physik, sondern zugleich eines des Historismus und der (Bekenntnis-)Theologie; seine Kehrseite sind der Nationalismus und das Sexualtabu. Die Benjaminsche Kritik der Vorstellung einer homogenen Zeit schließt die Kritik des Inertialsystems mit ein.
Die Aufdeckung der Scham: geschieht das nicht real in der „sumerischen“ Schrift?
Das Gewissen ist das Organ des Ursprungs der Sprache.
Wenn der Spiegelbericht stimmt, dann scheint die Konfliktunfähigkeit vom Drewermann ein Reflex und Korrelat der Konfliktunfähigkeit der Kirche zu sein; sie gehorcht dem gleichen Prinzip der Verdinglichung.
Wenn man den johanneischen Namen des Logos ins Hebräische zurückübersetzte, wie würde er dann heißen, und was würde er bezeichnen? Enthält der Name des Logos nicht den Anspruch, daß hier die Schrift-Tradition in reale Sprache zurückübersetzt wird und darin sich erfüllt?
Das heideggersche „In-der-Welt-Sein“ und die objektlose Angst sind der genaueste Ausdruck des „Schreckens um und um“.
Zur Idee des Islam: Die Ergebenheit kann sich nur auf das ungerechte Schicksal, das ich selbst erleide, beziehen, nicht auf das ungerechte Leiden, das anderen zugefügt wird.
Die lösende Kraft des Weinens und die Erschütterung Jesu vor der Auferweckung des Lazarus (Joh 1133ff – Ursprung und Idee des Logos).
Steinigung und Verbrennung (in der postchristlichen Moderne: Hängen, Enthauptung, Guillotine, elektrischer Stuhl, Gift): welche Todesart verhängt der Islam?
Alle drei Offenbarungsreligionen lehrten einmal das Zinsverbot. Durch die kapitalistische Wirtschaftsweise ist dieses Verbot von der Realität selber unterlaufen worden; es ist nicht mehr anwendungsfähig, aber damit zum Urteil über diese Welt geworden.
Es ist die Orthogonalität, die den Raum zu einem gerichteten, und damit zu einem richtenden System macht. Und wenn heute Politiker von „unserem Rechtsstaat“ sprechen, dann meinen sie ein vergleichbares System. Der Staat ist in der Tat zu einem nützlichen Instrument in den Händen derer, die von ihm Gebrauch machen, geworden. Gegen die, die bloßes Objekt des Systems sind, richtet er seine richtende, zerstörerische Gewalt, sowohl nach innen wie nach außen. Neutral ist Technik nur für den Herrn, niemals für die Beherrschten (außer durch Identifikation mit dem Aggressor: durch Idolatrie oder Chauvinismus).
Die „Persönlichkeit“ ist es nur in den Augen der Welt, und die Person ist das sich selbst entfremdete Antlitz, das Gesicht, von außen gesehen. Im Personalausweis beansprucht der Staat die Herrschaft über unser Gesicht. Zerstörung des Angesichts durch die Person, Ursprung der Hörigkeit?
Im Lichte der Kritik der reinen Vernunft wird man sagen dürfen, daß das Dogma die Theologie als Erscheinung präsentiert, aber nichts über die Dinge an sich sagt.
Hat die Barmherzigkeit der Kirche heute nicht Ähnlichkeit mit der der Ärzte, die einem Kranken einreden, er sei nicht krank.
Es gibt einen Zugang zur Theologie, wenn man sie aus dem Gefängnis des Bekenntnisses befreit und in das Licht ihrer praktischen Konsequenzen rückt.
Wer einen anderen anschwärzt, wäscht sich damit nicht selbst rein.
Dur sollst kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten. Übersetzt heißt das: Du sollst über sie hinter ihrem Rücken nicht anderes reden als in ihrem Angesicht; genauer: du sollst, wenn du über einen Abwesenden redest, seinen Redepart mit übernehmen. So ist im achten Gebot eigentlich schon die Umkehr mit einbegriffen.
Wie kann ER sein Angesicht leuchten lassen über uns, wenn wir nicht umkehren.
Die Habermassche Vorstellung, daß „hinter den Erscheinungen“ das „An sich“ nicht zu finden ist, ist wahr, bedarf aber der Ergänzung: Wir können die Dinge wenden wie wir wollen, wir bleiben immer hinter ihrem Rücken, wir bleiben immer im „Reich der Erscheinungen“, der Weg heraus ist allein der labyrinthische der Umkehr.
Ist das Herniederfahren Gottes in Babylon der Ursprung der Idolatrie? Und ist das Telos dieses Herniederfahrens nicht der Minotaurus und der Rückweg der labyrinthische?
Für wen sind die Israeliten Hebräer? Zunächst für den Pharao und für die Philister, aber auch für Assur und Babylon? Worauf bezieht sich beim Ezechiel das Wort von der Hurerei und den Leichen der Könige? Sind das die Philister (die Liebhaber der Astarte), und sind es die Pharaonen?
Die Rechtfertigungstheologie verhindert die Gottesfurcht.
Die Kirche verstrickt sich immer mehr in ihren Fundamentalismuszwängen: Vgl. dazu die Schibboleth-Geschichte im Buch der Richter (Ri 126). -
12.02.92
Kann es sein, daß der Materiebegriff der Physik (träge und schwere Masse) aufgrund der Systemkonstruktion mit dem Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit konvergiert, daß beide – nur unter divergierendem Aspekt – die gleiche Sache bezeichnen? Genauer: daß sie die Grenze des Systems zum „Objekt“, das selber projektive Züge trägt, bezeichnen? Dingbegriff Folge einer selbstreferentiellen Spiegelung am Inertialsystem: wie hängt der Begriff des Dings mit dem der Sache zusammen – lateinisch = res; Trennung erst im Deutschen, mit der zusätzlichen Konstituierung des „Sachverhalts“, der „Tatsache“? Dingbegriff und Sexualmoral.
Das Christentum verrät den Logos und wird selbst böse und gemein, wenn es die Übernahme der Sünde der Welt durch Exkulpierungsmechanismen (durch Unterwerfung unter Verweltlichungszwänge, durch Verschiebung des moralischen Schuldprinzips von der empörungsbereiten Urteilslust auf die Sexuallust: Grund der Personalisierung und der Verdinglichung, Ursprung der Naturwissenschaften) ersetzt.
Physik und Vergewaltigung.
Der Begriff des Allgemeinen ist ebenso wörtlich zu nehmen wie der des Universalen: Die Gemeinheit des All gründet in der Herrschaft des Identitätsprinzips, der Einheit, dem logischen Kern des Universums. Schon das Verhältnis der Totalitätsbegriffe Welt und Natur, die nicht auf einen Nenner zu bringen sind, widerspricht dem Prinzip der Universalität, untergräbt seine theoretische Kompetenz.
Nicht die neutralisierte räumliche Beziehung von Innen und Außen, sondern die fundamental-ethische Beziehung von „Im Angesicht“ und „Hinter dem Rücken“ ist das theologische Grund-Paradigma. Die Ebenbildlichkeit Gottes ist an das menschliche Antlitz, nicht an den Personbegriff oder an den der Seele gebunden. Das menschliche Antlitz (in der Präsenz des Feindes und des Opfers) ist der Platzhalter und Widerschein einer Wahrheit, die nicht an der Angemessenheit des Begriffs an die Sache und am kommunikationstheoretischen Konsens sich mißt, sondern an der Idee der Errettung und Versöhnung, das messianische Objekt im Reich der Erscheinungen.
Das Relativitätsprinzip (das Einstein nicht entdeckt, sondern seines quasi-absoluten Charakters entkleidet hat) ist das Paradigma des mathematisch-naturwissenschaftlichen Abstraktionsgesetzes. Mit dem Relativitätsprinzip konstituiert sich nicht nur das „Inertialsystem“, sondern mit ihm das gesamte Reich der naturwissenschaftlichen „Erscheinungen“. Grund sind jene mathematischen Eigenschaften des Raumes, seine Homogenität und Isotropie, die ihm die Eigenschaft der Selbstreferenz verleihen, ihn zu einem reinen Bilde seiner selbst machen. Die Bewegung des Raumes in sich selbst, die seine Struktur, seine Qualität, nicht ändert (nicht affiziert), ist, als reale, zeitliche Bewegung gefaßt, das Äquivalent einer materiellen Bewegung im Raum.
Die „kantische Konstruktion eines Ding an sich“ (Habermas, TuK, S. 18) resultiert nicht aus einer Spiegelung, die „hinter den Erscheinungen“ noch etwas zu suchen hätte, sondern verweist darauf, daß die Erscheinungen selber die Dinge hinter ihrem Rücken betrachtet präsentiert. Trotzdem ist das platonische Höhlengleichnis falsch: das An sich ist im Antlitz präsent. Und das Suchen „hinter den Erscheinungen“ ist Opfer des Vorrangs des „Außen“ vor dem „Innen“: zieht das „hinter den Erscheinungen“ in das Graviationsfeld der Erscheinungen mit herein (Bedeutung des Prinzips der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit: exzentrischer Charakter des Inertialsystems, Kritik der Kopenhagener Schule).
In der inversen Beziehung von Barbaren und Hebräern drückt sich eine Beziehung zur Schrift aus: die Barbaren sind von der Schrift (und vom Subjektsein) ausgeschlossen (sie stammeln, können nicht artikuliert reden), die hebräische Schrift schließt das Subjekt von sich aus (sie ermangelt der Artikulation und erzwingt die theophoren Namen in Israel: jeder hebräische Satz ist – ohne jeden Artikel – „Spruch des Herrn“). Die Israeliten leben im Angesicht der Sprache, nutzen sie nicht instrumental. Der Gebrauch und das Fehlen der Vokale sowie die gegensätzlichen Schreibrichtungen verweisen auf die sinnliche Grundlage dieser Differenz. Das Christentum ist in der anbivalenten Situation, sowohl Israel als auch die Griechen zu beerben, ohne bis heute begriffen zu haben, daß das nur über die simultane Errettung des hebräischen und des barbarischen Elements möglich ist. Aber das Dogma wollte dem mosaischen Stammeln sich entziehen; der Preis: die Instrumentalisierung der Wahrheit, ist jedoch zu hoch.
Jede Schrift ist eine fremde, gleichsam eine hebräische Schrift; deshalb verlernen heute die Menschen die Sprache. Die grammatische Logik der Schrift ist von der der Sprache zu unterscheiden: das „Sein“, die Zeitformen des Futur I und II, die Hypostasierung der Substantive, der Akkusativ bezeichnen sprachlogische Strukturen, die mit der Logik der Schrift konvergieren, sie vorbereiten, zum Ursprung der Schrift dazugehören. Die Vorstufe dieser Schrift ist der Mythos, ihre sich entfaltende Logik die Bekenntnislogik (oder die Urteilslogik, und deren Grund das Verhältnis der reinen Äußerlichkeit). Dagegen enthält die hebräische Schrift die verbleibende Fremdheit, das Anderssein, als ein konstitutives, ihre Ausdruckskraft und ihren Wahrheitsbezug determinierendes Element in sich. Die hebräische Schrift sträubt sich gegen die Formen der sprachlichen Vergesellschaftung, die der griechischen Schrift – und den folgenden europäischen Schriften, die das Ergebnis der griechischen Revolution sich aneignen, deren Opfer aber verdrängen – wesentlich sind.
Sind die Satzzeichen Punkt, Komma, Semikolon, Doppelpunkt, Ausrufe- und Fragezeichen so bedeutungsneutral und willkürlich, wie es uns heute scheint? Steckt darin nicht der geometrische Punkt (als dimensiosloses Zentrum des Raumes), der bewegte Punkt, die Verknüpfungen beider (das Doppelkomma als Anführungszeichen), die (durch Orthogonalität definierte, „gerichtete“) imperative Gerade (der erhobene Zeigefinger), im Fragezeichen die Schlange?
Wie wirkt sich das Schriftprinzip auf Struktur und Verbindlichkeit der Grammatik (und damit der Logik) aus? Ist eine differenzierte Grammatik (Bestimmung des Verhältnisses zur Zeit: Konjugation; der Objekt- und Herrschaftsbestimmungen: Deklination, Gebrauch von Artikeln, Präpositionen u.ä.) nicht doch nur in einer phonographischen (alphabetischen) Schrift möglich, die das auch ausdrücken kann? Ist nicht die (mathematisierte) formale Logik ein Rückfall hinter die Alphabetisierung? Und basiert die Alphabetisierung nicht auf einer (im Verhältnis zur Astronomie) bestimmbaren Beziehung zur Mathematik? Hängt der Ursprung der Schrift mit der Ausbildung der Ausbildung der Geometrie der Ebene zusammen (Entdeckung der Winkelfunktionen und Erfindung des Begriffs durch die Griechen, Satz des Thales, des Pythagoras, Euklid)? Wer hat die flächenhafte Grundlage des Schreibens (die Tafeln des Moses) entdeckt; Beziehung dieser „Fläche“ zum Antlitz (Maske), zum Begriff des hypokeimenon (des Grundes), zur Substanz und zur Person? Sind die Masken Vorstufen der Schrift (bis hin zur Maske in der Tragödie)? Und ist die Person das durch die Schrift vermittelte Produkt der Abstraktion vom Angesicht (der Verinnerlichung des Opfers)? Beziehung dieser Abstraktion zur Kosmologie? Entfaltet sich das „von Angesicht zu Angesicht“ im Lesen? -
10.02.92
Der Habermassche Begriff des „kommunikativen Handelns“ kommt erst zu seiner Wahrheit, wenn er die sprachliche Struktur z.B. der Gewalt, des Lachens, des Raumes, des Geldes, der Mathematik und zusammen damit die Beziehung von Schuld und Sprache (den Kern des dialogischen Verhältnisses, das nach Levinas ein unaufhebbar asymmetrisches ist) mit reflektiert. Nicht der Konsens, sondern die Versöhnung ist das zentrale Sinnesimplikat der Wahrheit. Der Hinweis auf die argumentative Struktur des kommunikativen Handelns vergißt, auf welche Probleme die Beweislogik führt, wie tief die argumentative Struktur der Sprache durch ein paranoides Element vergiftet ist (vgl. hierzu die kantische Antinomie der reinen Vernunft, Hegels „Reflexionsbegriffe“, auch die List der Vernunft). Wenn Habermas den Frankfurtern „negativistische Verfallstheorien“ (sic: der Plural steht so bei Habermas, T.u.K., S. 145) nachsagt, wenn er, was bei Horkheimer und Adorno – und darin ist ihr Denken in der Tat eines – als philosophische Erkenntnis auf die Struktur der Welt sich bezieht, zu ihrer subjektiven Meinung, zu einer Art Bekenntnis, macht, dann hat er den Kern z.B. der Dialektik der Aufklärung nicht begriffen oder inzwischen vergessen.
Zur Asymmetrie des dialogischen Prinzips: Genau das ist der parvus error in principio (qui magnus est in fine): die Symmetrisierung, die „der subjektiven Form der äußeren Anschauung“, dem Erkenntnis-Apriori des Raumes und dem dadurch determinierten Begriff des philosophischen Subjekts, der auch den Begriff und das Verständnis der Sprache verhext, sich verdankt, die gleiche Symmetrisierung, die dann bei Hegel in dem Satz „Das Eine ist das Andere des Anderen“ zum Grund der „sprachlichen Intersubjektivität“ wird, zugleich aber den Wahrheits- und Erkenntnisbegriff zur Unkenntlichkeit entstellt, zum Einfallstor des Mythos in die Philosophie geworden ist (bis hin zur Hellenisierung des Christentums, zur Wiederkehr der mythischen Gewalt in der Orthodoxie und im Dogma).
Woran die habermassche Philosophie ebenso krankt wie die an ihn sich anschließenden Theologien, ist die Unfähigkeit, die Kritik der Naturwissenschaft und der Theologie, die nur zusammen geleistet werden können, mit in ihren Begriff aufzunehmen.
Der Begriff „negativistische Verfallstheorien“ (Habermas) gehört, wie mir scheint, in den Zusammenhang des Begriffs „Nestbeschmutzung“. Nicht die Welt ist schlimm, sondern der, der sie als schlimm denunziert. Es gibt auch einen Welt-Nationalismus. Damit scheint auch die bloß doch emotionale Reaktion der Habermas-Gruppe auf die Postmoderne zusammenzuhängen (wobei H. die Wadenbeißerei seinen Schülern überläßt). Habermas scheint den Blick in den Abgrund nicht zu ertragen, der in Derridas Grammatologie, im Levinasschen Begriff der Asymmetrie, in Lyotards Analyse des Auschwitz-Syndroms und der Beweislogik sich eröffnet. Im Anblick dieses Abgrunds wäre die Kommunkationstheorie nicht mehr zu halten. Deshalb leugnet H. die Realität diese Abgrunds und denunziert den Blick als verantwortungslos, wenn nicht paranoid. Aber mit diesem taktischen und strategischen Gebrauch dessen, was Hegel die List der Vernunft genannt hat entzieht er der argumentativen sprachlichen Intersubjektivität die Grundlage.
Abgedeckt wird die Habermassche Kommunikationstheorie durch das Ausblenden der Natur und durch Adaptation jenes Weltbegriffs, dessen prädikativer Ursprung in der Tat der Grund der Kommunikationstheorie ist.
Am Begriff des Logozentrismus, den Habermas durch Hinweis auf seinen faschistischen Gebrauch abwehrt, läßt sich der Komplex aufs schönste nachweisen. Unter Logozentrismus verstehen alle die Fähigkeit, die Wahrheit durch prädikative Urteile auszudrücken. Und dieser Logozentrismus wird dann in den Logosbegriff der Theologie hineinprojiziert, in dem er in der Tat seit Beginn des Dogmatisierungsprozesses enthalten ist. Was hier geschehen ist (und bis heute nachwirkt), ließe sich am Bekenntnisbegriff aufs schönste demonstrieren. Der biblische Logosbegriff selber aber steht in einem ganz anderen Kontext, der vergessen ist und heute insbesondere unter dem Rätselbild der Natur zu reflektieren wäre. Die christologische Struktur des Naturbegriffs (die der Vergöttlichung des Opfers) gibt darauf einen sehr deutlichen Hinweis. Der Logosname im Johannes-Evangelium steht in eindeutiger Beziehung zur „Übernahme der Sünde der Welt“, und d.h. er steht im Kontext nicht des Begriffs, sondern der Namenlehre (der jüdischen Traditon, nicht der griechischen).
Es ist eigentlich doch erstaunlich, daß die Dialektik der Aufklärung bis heute nicht zum Anlaß genommen wurde, die Beziehung von Mythos und Philosophie in der Geschichte ihres griechischen Ursprungs einmal konkret aufzuzeigen und nachzuweisen. Die Entwicklung des Mythos in der griechischen Geschichte hat der Entstehung der Philosophie vorgearbeitet (durch die Entfaltung der Schicksalsidee), und der griechische Begriff des Mythos ist singulär und kein allgemeiner Obegriff für andere Mythologien, z.B. die altorientalischen, die einer anderen Konstellation, einem anderen Kontext angehören. Hier handelt es sich sogar umgekehrt um eine inverse Geschichte zur griechischen, die dann in der jüdischen Prophetie ihren Umkehrpunkt findet (in der Kritik der Idolatrie, des Sternendienstes und der Opferreligion, im „stammelnden“ Konzept der jüdischen Tradition).
Das „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ hat die Kirche zum Objekt, die die Nachfolge der Richter Jesu angetreten hat.
Die Verdrängung der Probleme der Beweislogik hängt damit zusammen, daß man die Probleme der (überlebensnotwendigen) Gemeinheitslogik nicht sehen will (oder, weil man sich selbst im Wege steht, nicht sehen kann). Der Ursprung dieses Problems scheint im Konzept der Habermasschen Habilitationsarbeit (Strukturwandel der Öffentlichkeit) zurückzureichen. Deren Thema wäre Anlaß gewesen, den Zusammenhang des Öffentlichkeitsbegriffs mit dem Syndrom der Gemeinheitslogik aufzuzeigen (Problem der Medien, der Wissenschaft, der Politik): Funktion der Dialektik des Sein für Andere(s); Begriff, Funktion und Geschichte der Scham (des Nichtöffentlichen, des Intimen, Privaten; reale und metaphorische Funktion der Sexualität und der Sexualmoral; Schamgrenze gegenüber der Theologie; Bedeutung des Antlitzes: von Angesicht zu Angesicht), Geschichte und Bedeutung des Objektivationsprozesses.
Der Raum ist auch über die mathematische Anwendung hinaus die subjektive Form der äußeren Anschauung: Begriff der Weltanschauung. Die objektivierende, verdinglichende und instrumentalisierende Logik ist von diesem Konzept der nicht mehr hinterfragbaren subjektiven Form der äußeren Anschauung nicht zu lösen. Und darin liegt ihre selbstreferentielle Begründung: in diesem pragmatischen, herrschaftsbegründenden Aspekt. Das hat sich vergegenständlicht und verselbständigt im Weltbegriff. Die Vorformen des Weltbegriffs, die Geschichte seines Ursprungs, sind in der Prophetie benannt als Idolatrie, Sternendienst und Opferreligion. Das prophetische „Nicht Opfer, sondern Barmherzigkeit“ trifft die christliche Opfertheologie (das christliche Dogma) im Kern; es gilt auch im Hinblick auf die zivilisationsbegründende Verinnerlichung des Opfers (Reflex der Vergegenständlichung der Natur).
Das Konzept der Säkularisation aller theologischen Gehalte führt nicht (wie das naturwissenschaftliche Erkenntniskonzept) zu haltbaren Resultaten, die man „schwarz auf weiß besitzen und getrost nach Hause tragen kann“, sondern ist ständig neu zu leisten. Das ist das entscheidende Argument gegen das christliche Orthodoxie- und Dogmenverständnis. -
05.02.92
Entspringt die Mathematik der Gleichsetzung des Perfekt mit dem Futur II, dem „es ist gewesen“ mit dem „es wird gewesen sein“, m.e.W. dem „Wesen“? Das in den neueren Ontologien so beliebte „Geschehen“ und „Sich Ereignen“ gehört in diesen Bereich. Die Funktion dieser Gleichsetzung ist die der Exkulpation: durch Übersetzung in ein apersonales, gegenständliches „Geschehen“ und „Sich Ereignen“, Begriffe, die zunächst für natürliche Prozesse. dann aber, insbesondere nach dem Ausgang der Kollektivschuld-Debatte, sich auch für Auschwitz zu eignen scheinen, wird ein ganzes Volk entschuldigt, das sich ohnehin je nach Bedarf nur als Schicksalsgemeinschaft oder als Gemeinschaft passiver und ohnmächtiger Zuschauer (Rundfunkhörer, Fernseher) versteht. Liefern hierzu die verwalteten Religionen den Gewissenskomfort?
Anders als Radio und Fernsehen, die ein ganzes Volk zu ohnmächtig-passiven Hörern autoritativer Verlautbarungen (eine neue Evangelienübersetzung heißt „die gute Nachricht“) und zu Zuschauern von Herrschafts- und Machtritualen sowie von schicksalhaften Katastrophen macht, ist das Telefon ein Instrument der Intrige. Der neue Faschismus appelliert nicht mehr an die Hörigkeit, sondern an den Bilderwunsch. Deshalb wimmelt es nur so von Welt-, Menschen- und Gottesbildern.
Die gute Nachricht: Ein Botschaft richtet sich an den Adressaten und erwartet seine Antwort, eine Nachricht liefert nur eine Information über ein objektives, meinem Eingriff entzogenes Geschehen, macht den Adressaten zum passiv-ohnmächtigen Zuschauer. Aber dahin tendiert das Religionsverständnis in den verwalteten Betreuungs-Religionen ohnehin (verweltlichtes Christentum als Dynamisierung der Idolatrie).
Raum ist ein Verwaltungsbegriff; er präpariert sowohl das Subjekt wie die Objekte der Verwaltung (auch die Vorstandsetage liegt auf einer Verwaltungsebene; kein Zufall, daß Hochhäuser bevorzugte Objekte sowohl für Verwaltungen als auch für Wohnungen von Beamten und Angestellten sind).
Jede Intention (jedes Ziel, jeder Zweck) hat einen Richtungssinn. Was der Raum – und mit ihm jedes der Orthogonalität nachgebildete System – leistet, ist die Wiedereinbindung jeder Intention in ein Vergangenheitssystem.
Enthält die double-bind-Theorie eine Theorie des Raumes (Zusammenhang mit der Struktur der Lohnarbeit)?
Wie bestimmt sich das Trägheitsmoment eines Kreisels, der Widerstand gegen eine Änderung der Rotationsgeschwindigkeit?
„Ausländer raus“, „Nazis raus“: Belege dafür, daß die Relation Innen/Außen keine humane ist. Wenn die Grenze zwischen Innen und Außen zur Grenze der Humanität wird, hat die Humanität keine Chancen mehr.
Dybas Hooligan-Argument: „Welcher Verein kann es sich leisten, einen Spieler, der ständig aufs eigene Tor schießt, weiter zu ertragen?“ – Ist das Bekenntnis-Problem nicht doch ein sehr deutsches Problem, ähnlich wie die Staatsmetaphysik und der Staatsanwalt.
Erinnert Nietzsches Lehre von der ewigen Wiederkunft (und ihr Zusammenhang mit der Lehre vom Willen zur Macht) nicht an die Notwendigkeit, die politische Bedeutung der Sternenkunde neu zu bestimmen?
Hinter der Maske ist das Gesicht: und nicht die Person, sondern das Antlitz ist Gegenstand der Theologie. -
29.01.92
Die Vorstellung einer natürlichen Unschuld, einer stummen, vorsprachlichen Unschuld, auch die Bindung der Unschuld an den Bereich der Sexualität, honoriert das Vergessen. So hängt die Übernahme der Sünde der Welt mit dem Logos zusammen (gegen Rousseau und Derrida: gegen den christologischen Naturbegriff). Was bedeutet eigentlich die christliche Trinitätslehre, die Christologie und die Opfertheologie (die Lehre vom Sühneleiden Jesu) für das Verständnis der Sprache und der Erinnerung (Erinnerung und Raum: nicht getrennt vom Raum als Form der äußeren Anschauung, sondern Arbeit der Umkehr als Bedingung der Rekonstruktion der Sprache – Adams Benennung der Tiere)?
Der Zusammenhang des Logos mit der Übernahme der Sünde der Welt, wird noch deutlicher, wenn man mit hereinnimmt, daß der Weltbegriff die Hypostase des anklagenden Prinzips ist und die Sprache erst in ihrer parakletischen Funktion sich konstituiert und entfaltet.
Lukas hat ein Evangelium und die Apostelgeschichte (die Geschichte des Paulus und der beginnenden „Heidenmission“), Johannes ebenfalls ein Evangelium, dazu aber die Apokalypse. Werden die Evangelien des Lukas und des Johannes nicht durch die zweiten Schriften mit bestimmt? Steht im Johannes-Evangelium die Geschichte mit den sieben unreinen Geistern?
Steht nicht der „Jünger, den der Herr lieb hatte“ für diesen Zusammenhang von Logos und Übernahme der Sünde der Welt und von Weltkritik und Name des Parakleten (vgl. auch die Geschichte vom Wettlauf zwischen Petrus und diesem Jünger zum Grab).
Die Beziehung des Raumes zur Sprache wird durch ihre drei Dimensionen definiert: durch das Verhältnis von „Im Angesicht“ und „Hinter dem Rücken“, von Rechts und Links und von Oben und Unten. Die trigonometrischen Funktionen sind Vergegenständlichungen der verdinglichten Umkehr. Wie hängen diese Dinge zusammen mit der Konstellation von Idolatrie, Sternendienst und Opfer? (Der Historismus: die Verdoppelung des Hinter dem Rücken. Die Last der Vergangenheit durch Vergegenständlichung sich zueignen anstatt sie zu übernehmen.)
Die Erinnerungsarbeit wird symbolisiert durch den descensus ad inferos.
Die Hilflosigkeit Drewermanns hängt damit zusammen, daß er an einem Begriff der Unschuld festhält, der auf Natur (den Mythos) und nicht auf die versöhnende Kraft der Sprache (den Logos, die Übernahme der Sünde der Welt und die Gottesfurcht) verweist. Das ist es, was ihn auf so merkwürdige Weise nicht nur hilflos, sondern zugleich stumm und aggressiv macht (was wiederum die Erfahrung einer ganzen Schicht von Gläubigen zu treffen scheint). In seinem Konflikt mit der Kirche prallen zwei Formen der Stummheit aufeinander, und deshalb ist eine Konfliktlösung fast unmöglich.
Goethes „zu den Müttern“ ist ein Echo des rousseauschen inzestuösen Naturbegriffs.
Es gibt keine Häresie, die nicht auf ein ungelöstes Problem in der theologischen Tradition hinweist. Nur mit der Verurteilung der Häresie wird das Problem bloß verdrängt, nicht gelöst, verurteilt die Kirche sich selber. Das gilt zuletzt auch für ihr Verhältnis zur naturwissenschaftlichen Aufklärung.
Im Gegensatz zur griechischen (und zu den dann folgenden europäischen Sprachen insgesamt) hat die hebräische Sprache kein Futur: Sie ist eine Sprache der Erinnerung, des Eingedenkens. Die Vergangenheit ist ihr apriorischer Gegenstand. Die Bildung des Futur (insbesondere des Futur II) zieht ihre Kraft aus der Vergegenständlichung und Instrumentalisierung der Vergangenheit. Sie macht die Zukunft wie die Vergangenheit: In diesem Kontext (von Mythos, Schicksal und Philosophie) entspringt der Begriff. Das Christentum hat durch das Bekenntnissyndrom, durchs trinitarische Dogma und die Opfertheologie, diese Instrumentalisierung der Vergangenheit verinnerlicht und damit fast unangreifbar gemacht. Es hat damit das Vergessen gefördert, dem Eingedenken, der Erinnerung die Grundlage entzogen. Die Christologie ist an die Stelle der Auseinandersetzung mit der Vorvergangenheit getreten; seitdem werden in der christlichen Geschichte Vergangenheiten nur noch überwunden (bis in die Geschichte der Aufklärung hinein, die insoweit ins christliche Erbe eingetreten ist). Mit der Verdrängung aber wächst die Last der Vergangenheit.
Welche Bewandnis hat es eigentlich damit, daß Maria Magdalena und die anderen Frauen am Ostermorgen zum Grab hinausgehen mit „Spezereien“, offensichtlich um den Toten zu salben („einzubalsamieren“)? Wie hängt diese Salbung mit der messianischen Salbung zusammen, mit dem Namen des Messias? Und wie hängt sie mit der Königstradition zusammen? Gibt es eine Beziehung zur Präparierung der Toten in Ägypten? -
27.01.92
Die kopernikanische Wendung hat das, was Adam Smith in der Ökonomie die „invisible hand“ genannt hat, in der Natur als eine Instanz etabliert, die sich dann bei Kant als das transzendentale Subjekt enthüllt.
Die auftrumpfende Bescheidenheit des deutschen Idealismus.
Ist ein „Kronzeuge“, der in den Händen eines vom Verfassungsschutz beauftragten Therapeuten war, überhaupt noch in der Lage, die Aufgabe eines Kronzeugen wahrzunehmen?
Das Verhältnis von Idee und Begriff hat Teil an dem Verhältnis von „Im Angesicht“ und „Hinter dem Rücken“. Nur durch seine Beziehung zu den Ideen gewinnt der Begriff seine benennende Kraft.
Das „liberum arbitrium“ ist Indiz für eine Gesellschaft, die rechts und links nicht mehr unterscheiden kann. Die Wahlfreiheit setzt Verhältnisse voraus, in denen ich frei wählen kann, ob ich ein Auto, einen Fernseher oder eine Waschmaschine kaufe; und er setzt ein Weltverständnis voraus, in dem ich mich im Raum frei nach allen Seiten wenden (und bewegen) kann, in dem die Freiheitsgrade des Raumes für mich (unter den Prämissen der Geldwirtschaft, und sei es der Schuldknechtschaft) real geworden sind. Das „liberum arbitrium“ hat sowohl die Geldwirtschaft als auch das Inertialsystem zur Voraussetzung.
Die Vorstellung von der Unsterblichkeit der Seele ist insoweit falsch, als sie die Vorstellung mit enthält, daß man für sich allein selig werden könne. Sie genetisch von der Hades-Vorstellung nicht zu trennen.
Mit jeder Häresie hat die Kirche auch ein Stück ihrer selbst verurteilt. Und jede Häresie war ein Hinweis auf ein Unaufgelöstes in der Kirche selbst, das sich dann mit der Verurteilung der Häresie auch verhärtet hat, unkenntlich gemacht wurde. Sofern es doch wahrgenommen wurde, blieb diese Wahrnehmung punktuell, folgenlos.
Gibt es außer im Buch Jona noch andere Schiffskatastrophen in der Schrift (außer bei Paulus auf dem Wege nach Rom).
Ist die Gottesknecht-Vorstellung nicht auch ein Hinweis auf den Charakter und die Bedeutung der „hebräischen“ Schrift?
„Das Heil kommt von den Juden“: das sagt Jesus zur Samariterin.
Hängt die „Erschaffung“ der Seetiere damit zusammen. daß nur der Vater den Tag und die Stunde kennt?
Die Mathematik und die Naturwissenschaften verhärten sich, bevor die Stimme das Ohr erreicht.
Der Begriff der Materie enthält die Erinnerung an die Geschichte des Mordes und der Opfer.
Nietzsches Lehre von der „ewigen Wiederkehr des Gleichen“ ist die moderne (verinnerlichte) Variante des antiken Sternendienstes: Die Anbetung des sinnlosen Kreisens der Planeten. Es ist das Herrendenken, das zwangsläufig in den Götzen- und Sternendienst hineinführt, und in dessen Bannkreis kein Weg herausführt. Insofern gehören der Wille zur Macht und die Idee der ewigen Wiederkehr des Gleichen zusammen.
Es ist der ungeheure Anspruch des Christentums, daß durch das Leben und den Tod Jesu die Sünde der Welt hinweggenommen ist. Und es ist dieses Exkulpationsversprechen, dieses Versprechen, schuldfrei leben zu können, das die Menschen immer noch ans Christentum bindet. Aber der Grund und die Bedeutung dieses Versprechens wird durch die Theologie nicht mehr eingelöst. Es hat keinen rationalen Hintergrund mehr. Und das ist die Situation, in der die Drewermänner ihr Geschäft machen können.
Drewermanns Kirchenkritik ist nicht prophetisch, sondern wird durch die Struktur des Schuldverschubsystems bestimmt, das ohne Projektion nicht funktioniert.
Die Kirche hat ihr Herrschaftssystem u.a. dadurch begründet und etabliert, daß sie das Mitleid von den real Armen und Bedrängten auf sich selbst umgeleitet hat. Das war nur möglich im Rahmen und auf der Grundlage des Schuldverschubsystems. Sie hat damit in sich selber und in den Gläubigen den Keim des Selbstmitleids eingepflanzt. Ein Opfer dieses Selbstmitleids ist Drewermann, der diese Mechanismen phantastisch beherrscht und das für Psychotherapie hält. Ist nicht Drewermann Ausdruck einer Gefahr, die ihre Wurzeln nicht in ihm, sondern in der Kirche hat, und deren erstes Opfer selber ist?
Drewermann versucht die vermeintlich exkulpatorische Kraft des Bekenntnisses (die es erst durch die Annahme des Bekenntnisses seitens des Opfers wird) durch Privatisierung zu retten. Er hat etwas von einem Theologen der freien Marktwirtschaft (ein Ludwig Erhard der Kirche: auch sein Konzept war nur eine Währungsreform).
Gibt nicht Kohl der raf im Nachhinein recht, wenn er den ermordeten Rohwedder in die Tradition der Göringschen Treuhand-Gesellschaft stellt (übrigens der gleiche Kohl, der selber von jenem Herrn Ries gesponsert worden ist, der selbst ein Nutznießer der ersten Treuhand-Gesellschaft war).
Es kommt darauf an, die erkenntniskritische Tradition, die von Berkeley über Locke und Hume bis Kant und Ernst Mach die Naturwissenschaft kritisch begleitet hat, endlich auf den Punkt zu bringen, an dem sie greift.
Gibt es ein Konsens-Ideal ohne Feindbild? Ist der Konsens ein erstrebenswertes Ziel (sofern nicht die eigene wissenschaftliche Karriere davon abhängt)? Würde es nicht auch mit dazugehören, daß man begreift, daß es Fragen gibt, zu denen es keine konsensfähige Antwort gibt? Kant hat das reflektiert in seinen Antinomien der reinen Vernunft. Das Problem, das Kant hier angesprochen hat, ist eigentlich nie wirklich aufgearbeitet worden, auch von Hegel durch Harmonisierung eher verdrängt als gelöst worden. Die Hegelsche Verarbeitung war an den affirmativen Gebrauch der List gebunden („das Eine ist das Andere des Anderen“); genau damit hat Hegel das verbleibende kritische Moment neutralisiert.
Darin liegt die große Bedeutung des Begriffs der Gottesfurcht, daß er in die Lage versetzt und den Grund dafür liefert, daß auch Schuld Gegenstand der Reflexion ist, und daß auch Diskonsens auszuhalten und zu ertragen ist. Die Fragen, die die Kantischen Antinomien der reinen Vernunft aufwerfen, sind dann (z.B. hinsichtlich des Raumes zugunsten der Verstellung seiner unendlichen Ausdehnung) nach dem Prinzip Bequemlichkeit gelöst worden, nicht nach dem Anspruch der Vernunft. -
21.01.92
Als Person bin ich „zurechnungsfähig“, und diese Zurechnungsfähigkeit wird durchgesetzt über Gefängnisse und Irrenanstalten. Ist die Person das leere, reine und geschmückte Haus für die sieben unreinen Geister? Und gründet die Person in der Austreibung des einen unreinen Geistes?
Unsere Theologie heute ist nur noch verständlich auf der Grundlage und im Kontext des Verwaltungsdenkens, sie ist eine Theologie der verwalteten Welt und deshalb blasphemisch.
Die katholische Kirche in Deutschland wird heute schon durch die Physiognomie ihrer Bischöfe widerlegt. Heute beruht die Qualifikation zu gehobenen Positionen (zum Bischofsamt wie zu jeder anderen Managementfunktion) im wesentlichen auf der Fähigkeit, einen bedeutenden Eindruck zu machen; das gilt sowohl physiognomisch als auch fürs Verhalten: vom Gang bis zum Tonfall der Stimme. Aber worin besteht dieser „bedeutende Eindruck“; was ist es, was der Öffentlichkeit heute imponiert?
Für die Verinnerlichung des Opfers gibt es angesichts des gesellschaftlichen Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhangs, in den wir alle verstrickt sind, und zu dem auch die Naturwissenschaften gehören, keine Alternative, aber es gibt zwei Wege: den der Verdrängung und den (christlichen) der Erinnerungsarbeit.
Der Brief an die Hebräer: Kann es sein, daß er die Christen als Hebräer anspricht: d.h. in ihnen die Fähigkeit, die Fremdbezeichnung als Selbstbezeichnung und damit auch dieses jüdische Erbe zu übernehmen (und daß er nicht die Juden als Adressaten hat)? So wäre der Hebräerbrief eine Konkretisierung der jesuanischen Übernahme der Sünde der Welt.
Ist nicht die Apokalypse
– eine nachprophetische Reaktion auf die Verweltlichung der Welt (in der die Idolatrie in rationalisierter Gestalt sich durchsetzt)? Stichwort: Hellenismus, Römisches Imperium.
– Und gehört diese Apokalyptik nicht zu den Ursprüngen und Quellen des Christentums? Stichwort: Übernahme der Sünde der Welt.
– Und schließlich: Hat nicht das Christentum das im wörtlichen Sinne apokalyptische (aufdeckende, enthüllende) Element in der Apokalyptik durch Verdinglichung (durchs Dogma) neutralisiert und entstellt?
Jede Ontologie ist Transzendentalphilosophie (Ausdruck und Produkt von Subjektivität) und zur Begründung der Theologie unbrauchbar. -
20.01.92
Steckt in der Bocksgestalt des christlichen Teufel (Hörner, Schwanz und Bocksfuß) nicht die Erinnerung an den Bock als Opfer, den Sündenbock, auch den Widder bei der Bindung Isaaks. Zusammenhang der Tragödie und des islamischen Bock-Opfers (zur Erinnerung an die Bindung Isaaks) mit dieser Tradition? Diese christliche Vorstellung ist deutlich geschieden sowohl von der jüdischen Gestalt des Satans (des Anklägers) als auch von der griechischen des diabolos, des Verwirrers: Mit der Rezeption der Bocksgestalt wird das Teufelssymbol von den Herrschenden auf die Beherrschten, von den Tätern zu den Opfern, verschoben, wobei das fundamentum in re in der bei den Opfern unterstellten Ranküne und Wut zu suchen ist, in dem Reflex der Ohnmacht und des Leidens, die die Herrschenden ihnen antun und auf diesem Wege zugleich diskriminieren. Kein Zufall, daß mit der Vergesellschaftung und Ausbreitung des Herrendenkens auch das Teufelssymbol funktionslos wird.
Bezieht sich das Wort von dem unreinen Geist, der in der Wüste umherirrt, dann sieben weitere unreine Geister findet, mit ihnen in das Haus zurückkehrt, das er leer und gereinigt vorfindet („und die letzten Taten dieses Menschen werden schlimmer sein als die ersten“), auf die Sexualmoral: Ist das der Geist, den die Kirche in die Wüste geschickt hat? Und erinnert das Durchirren der Wüste nicht an den vierzigjährigen Aufenthalt des Volkes Israel in der Wüste nach dem Exodus? Ist der „unreine Geist“, der durch die Wüste irrt, der Sündenbock, und Asasel die auf der Sexualmoral basierende Zivilisation? In welcher Beziehung steht diese Geschichte zur Tragödie und zu den Versuchungen Jesu (zu denen die sexuelle Versuchung nicht gehört)?
Der Raum ist ein zirkuläres System, in dem jedes Element sich durch seine Beziehung zu allen anderen Elementen definiert. Kein Element kann isoliert definiert werden. Über diesen Raum kann nicht mehr gesagt werden, ob er hell oder dunkel ist, ebensowenig wie über die Materie gesagt werden kann, welche Farbe sie hat (beide haben die Qualität des Hades, des Schattenreichs).
Ebenso zirkulär wie die Struktur des Raumes ist die der Bekenntnislogik (und die des Tauschprinzips). Und der Weltbegriff stabilisiert und verbirgt zugleich diese zirkulären Strukturen, macht sie unkenntlich und handhabbar.
Der Komfort, den der Weltbegriff dem modernen Bewußtsein bietet, hat seinen Ursprung in dem Komfort, den der Götzendienst einmal geboten hat (Befreiung von der Angst, die er zugleich erzeugte).
An der zirkulären Struktur des Raumes prallt die benennende Kraft der Sprache und mit ihr die Idee der Wahrheit ab.
Der Ursprung des geschichtlichen Emanzipationsprozesses liegt nicht im Ursprung der Philosophie, sondern in dem des Mythos. Nur: daß der Mythos die Erfahrung der Schuld noch in sich enthält (und verarbeitet), während die Philosophie sie verdrängt: über die projektive Konstituierung des Weltbegriffs eine schuldfreie Wahrheit zu konzipieren versucht, aber eben damit unrettbar sich in den Schuldzusammenhang verstrickt.
Das Jesuswort „Ich bin das Licht (der Weg?), die Wahrheit und das Leben“ erinnert an
– das rein durchs Wort erschaffene Licht,
– den Gegenstand des Segens (das sich fortpflanzende und vermehrende Leben) und
– eine Idee der Wahrheit, die dem Schuldzusammenhang entronnen ist.
Die Selbstzerstörung des Christentums wird bewußtlos vorangetrieben von Leuten wie Drewermann und Degenhardt, die sich gegenseitig benutzen zur Stabiliserung ihres pathologisch guten Gewissens.
Zum Ursprung des Personbegriffs: Walter Burkert weist darauf hin, daß gelegentlich „vermummte, maskierte Männer das (Opfer-) Tier zu töten haben. Die tragoidoi verstecken ihre Identität: Keine Tragödie ohne Masken.“ (Wilder Ursprung, S. 26, sh. auch Anm. dazu) – Zusammenhang von Bekenntnislogik und Opfertheologie. -
19.01.92
Läßt sich aus dem biblischen Schöpfungsbericht eine Theorie der Sprache entnehmen? Oder ist die Sprache der Schöpfung eine Frage, die immer noch auf unsere Antwort wartet?
– Himmel und Erde sind stumm erschaffen (ohne das Wort).
– Erst das Licht ist durchs imperative Wort geworden (Anfang der Schöpfung durchs Wort).
– Das Firmament, die Lichter am Himmelsgewölbe, wurden, nach der Ankündigung durchs Wort, gemacht,
– die großen Seetiere, die Fische und die Vögel, nach der Ankündigung durchs Wort, geschaffen (nicht vom Wasser hervorgebracht).
– Durch das imperative Wort wurde die Sammlung des Wassers an einem Ort veranlaßt.
– Durch den instrumentalen Imperativ wurde die Erde veranlaßt, die Pflanzen wachsen zu lassen, ebenso die Tiere hervorzubringen (Gott hat dann die Tiere gemacht, und Adam hat sie später benannt).
– Die Menschen wurden erschaffen (3 x „schuf“) nach dem Selbstgespräch Gottes („Laßt uns den Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich“).
– Geschieden wurden (stumm, ohne ankündigendes Wort) Licht und Finsternis sowie (mit ankündigendem Wort und instrumental: durch das Firmament) die Wasser oberhalb und unterhalb des Firmaments.
– Benannt wurden Licht und Finsternis (nach der Trennung) als Tag und Nacht sowie das (die Wasser trennende) Firmament als Himmel (Zusammenhang von Scheiden und Be#nennen).
– Instrumentalisierung, Ermächtigung (und Delegation des Scheidens, Herrschens, Hervorbringens und Benennens): das Firmament (scheidet Wasser von Wasser), die Leuchten am Himmel (erleuchten den Tag und die Nacht und herrschen über die Zeiten), die Erde (läßt Pflanzen wachsen, bringt Tiere hervor), der Mensch (herrscht über die geschaffene Welt, benennt die Tiere). Zusammenhang von Instrumentalisierung und Benennung?
– Zu unterscheiden sind:
. das hervorbringende Wort (Licht)
. das imperative Wort (an das Wasser: Sammlung an einem Ort, an die Erde: Wachsen der Pflanzen, Hervorbringen der Tiere)
. das ankündigende (z.T. auch imperative, zweckbestimmte) Wort (das Firmament, die Leuchten, die Pflanzen, Fische, Vögel, Tiere)
. das reflexive Wort (die Menschen)
. das benennende Wort (Tag und Nacht, der Himmel)
. das segnende Wort (an die Fische, Vögel, Tiere und Menschen: „Seid fruchtbar und vermehret euch …“)
– Gottes Wort wird unmittelbar repräsentiert
. als das schaffende Wort durch das Licht,
. als benennendes Wort durch den Tag und die Nacht sowie durch das Firmament (als Himmel) und schließlich
. durch den Segen (der sich an die Fische und Vögel, an die Menschen und an den siebten Tag richtet: die Reproduktion und Ausbreitung des Lebens: das „Seid fruchtbar und vermehrt euch“).
Beim Segen für die Menschen sprach er erstmals „zu ihnen“ (im Plural, nämlich zu Mann und Frau).
Wer spricht wann zu wem im zweiten Schöpfungsbericht? Hier kommen
– nach lauter stummen Tätigkeiten:
. noch keine Feldsträucher, -pflanzen, aber Feuchtigkeit stieg aus der Erde auf und tränkte den … Acker;
. Gott formte den Menschen und blies ihm den Odem ein;
. legte in Eden einen Garten an und setzte dorthin den Menschen (wie vorher die Leuchten an das Himmelsgewölbe);
. ließ aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, in der Mitte den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse;
. ein Strom entspringt in Eden, der den Garten bewässert; teilt sich in vier Hauptflüsse;
. Zweck: daß der Mensch den Garten bebaue und hüte;
– als erstes Wort das Gebot Gottes an die Menschen („von allem Bäumen …“, mit der direkten Ansprache: „Du“),
– dann erst spricht er (Monolog: „es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei“);
– danach benennt Adam die Tiere (die Gott dem Menschen zuführt),
– dann – nach einem „tiefen Schlaf“ und nach der Trennung von Mann und Frau – spricht erstmals der Mensch (Monolog: „Das endlich ist …“).
– „Beide, Adam und seine Frau, waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander.“
– Der erste Dialog (Dialog der Verführung, des Betrugsvorwurfs gegen Gott) ist der zwischen der Schlange und der Frau, während die Interaktion der Frau „mit ihrem Mann“ noch stumm ist.
– „Da gingen beiden die Augen auf, und sie erkannten, daß sie nackt waren. … versteckten sich Adam und seine Frau vor Gott … unter den Bäumen des Gartens.“
– Gott ruft Adam, Adam meldet sich, antwortet; Dialog Gottes mit der Frau;
– Gott verflucht die Schlange, die Frau und Adam, sowie im Wort an Adam den Acker.
– Adam benennt seine Frau (Eva, Mutter aller Lebendigen).
– Abschlußmonolog Gottes, Vertreibung aus dem Paradies und Aufstellung der Kerube „mit dem lodernden Flammenschwert“.
– Adam erkennt Eva, seine Frau.
Was war das Wort Gottes ohne den Menschen? Ist nicht in dem (noch unentfalteten, gleichsam embryonalen) sprachlichen Element des Schöpfungsberichts der Adressat dieser Sprache mitgesetzt? Wer ist dieser Adressat? Gibt es ein Hören und Verstehen des Geschaffenen schon vor der Erschaffung des Menschen, oder ist die Schöpfung ein ins Leere, in der Erwartung, daß der Mensch sie einmal vernehmen und begreifen wird, gesprochenes Wort? Ist die objektive Sprache das Element, in dem die Schöpfung bis hin zum Menschen sich entfaltet?
Zum Inertialsystem: die Erhaltungssätze ergeben sich zwangsläufig aus den Orthogonalitätsbedingungen des Systems (nach der Übertragung und Erweiterung der räumlich-metrischen Strukturbestimmungen aufs Inertialsystem: auf die Zeit und die Materie, die „träge Masse“).
Die Reflexion des Herrschaftsmoments im Inertialsystem ist nur möglich, wenn sich das Inertialsystem als etwas Abgeleitetes bestimmen läßt (Bedeutung des Prinzips der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit). Die Kommunikationstheorie, die (nach der falschen Versöhnung mit der Natur) die Versöhnung durch den Konsens ersetzte, verdrängt das Schuld- und Herrschaftsmoment in der Erkenntnis.
Gründet die Sexualmoral im Verbot des Mißbrauchs des Segens? Hängt hiermit die Selbstverfluchung in der Geschichte der petrinischen Verleugnungen zusammen?
Wer den „inneren Schweinehund“ (sc. das Gewissen oder die Gottesfurcht) in sich besiegt hat, hat seitdem Angst vor der „Nestbeschmutzung“ („die Juden haben das Gewissen erfunden“: die Gottesfurcht).
Die private Existenz ist die vergesellschaftete, verdinglichte Gestalt des Lebens „im Angesicht“, seine Geschichte ist mit der des Christentums (und mit der der christlichen Sexualmoral, der Privatisierung der politischen Moral) untrennbar verbunden. Die christliche Sexualmoral gehört in den Kontext der verwalteten Lehre und des verwalteten Segens (der verwalteten Gnade: der christlichen Opfertheologie). Grund ist die Verwechslung der Schöpfung mit der Welt (die dann am Ende die schöpferische Potenz blasphemisch naturalisiert; sie ist vorbezeichnet im trinitätstheologischen Begriff der Zeugung, der den der Versöhnung neutralisiert, indem er ihn naturalisiert).
Zwei Zitierweisen: Neben dem autoritären Zitat, das den Zitierenden der Begründung enthebt, gibt es das Einsichtzitat, in dem die Begründungspflicht fortbesteht, der Zitierende nur die Formulierungshilfe eines anderen in Anspruch nimmt (Verhältnis von Einsicht und Begründung: Problem des Erkenntnisbegriffs).
Die Geschichte der Dogmenentwicklung ist die Geschichte der Identifikation mit dem Aggressor.
Kant hat mit seinem Begriff der „kopernikanischen Wendung“ etwas sehr Wichtiges bezeich#net: Das Inertialsystem und die naturwissenschaftliche Aufklärung übernimmt von dem Herrschaftsauftrag an die Sonne das Herrschen über die Zeit, von dem an den Mond das Erleuchten der Nacht (Bedeutung der Astronomie für die Geschichte der Aufklärung).
Die Welt ist der Inbegriff der Urteile der anderen (des Auslands, der Geschichte, der Wissenschaft), die nur deshalb meine Zustimmung fordern, weil ich selbst für andere ein anderer bin (der ohnmächtig-wütende Protest des Ausländerfeinde gründet in diesem Konzept). -
16.01.92
Unter der Voraussetzung, daß es gelingt, den Weltbegriff, seinen Zusammenhang mit der Idolatrie und deren erkenntnistheoretische (erkenntnisleitende) Funktion durchsichtig zu machen, findet der Cohensche Titel „Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums“ eine überraschende Auflösung: diese Religin ist das Christentum.
Gemessen an der Sprache des Buches der Richter ist die christliche Theologie eine Theologie aus dem Hinterhalt.
Zwei haben Anteil an der künftigen Welt: die Opfer (die Märtyrer, die Zeugen) und die Helfenden (die Verteidiger). Die christologische Vergöttlichung des Opfers verrät beide.
Die Idee des Ewigen bezeichnet etwas, das sich nicht als vergangen denken läßt, etwas, das die Vergangenheit von sich ausschließt. Nicht zu verwechseln mit der Idee des Überzeitlichen, zu der sämtliche Begriffe gehören (die Idee des Ewigen gehört nicht in den Bereich des Begriffs): Im Überzeitlichen drückt sich allein die Macht der Vergangenheit über die Zukunft aus, das Schicksal oder die Quelle der Gewalt, theologisch gesprochen die Erbschuld. Die Philosophie hat seit je das Ewige mit dem Überzeitlichen verwechselt; nur so ließ sich die Erkenntniskraft der Begriffe sichern. Damit hängt es zusammen, wenn die Philsophie (und das philosophische Subjekt) sich begreifen läßt als Produkt der Verinnerlichung des Schicksals (des Opfers); nicht zufällig erweist sie sich in der Hegelschen Philosophie als Reflex der Geschichte der Herrschaft, sie steht in einer noch aufzuklärenden Beziehung zum Sternendienst, zur Vorgeschichte der Astronomie. Im Gegensatz zum Überzeitlichen, das den Quellpunkt der Begriffe bezeichnet, bezeichnet die Idee des Ewigen den Quellpunkt der Sprache: nicht der Begriff, sondern der Name hat Anteil an der Idee des Ewigen.
Mir scheint, es ist kein Zufall, daß der Ursprung des begrifflichen Denkens bei den Griechen zusammenfällt mit der Erkenntnis der Bedeutung und der Funktion des Winkels in der Geometrie, der Orthogonalität als des Grundes der Unabhängigkeit der Dimensionen im Raum. Die Form der Beziehungen der Richtungen im Raum ist Grund und Modell des Abstraktionsprozesses, in dem
– die Begriffe sich bilden und
– am Ende der Raum gegen die Zeit und die Materie sich verselbständigt, alle drei hypostasiert werden.
Es gibt keine Wissenschaft, kein System apodiktischer Urteile, ohne ontologische Absicherung. Kritik der Wissenschaft ist nur möglich im Rahmen der Reflexion der Ontologie: im Rahmen der Reflexion des Satzes „das Eine ist das Andere des Anderen“ und des Rosenzweigschen Hinweises auf die „verandernde Kraft des Seins“, die sich genau auf den Kontext und die Folgen des Hegelschen Satzes bezieht. (Heideggers berühmter Titel wäre zu variieren: Raum und Sein.)
Der Weltbegriff und sein unreflektierter Gebrauch ist die Grundlage und die Rechtfertigung zugleich für Machtpolitik und Gewinnökonomie, fürs Herrendenken. Die gleiche politisch-ökonomische Funktion und den gleichen Zweck erfüllte vor Konstituierung der „Welt“ die Idolatrie, der Götzendienst.
Ethik als prima philosophia: die Ethik ist kein additum zu einer fix und fertigen Welt, sondern sie besetzt die Stelle, an der die Welt noch offen ist, und von der aus der die Welt begründende Schuldzusammenhang und die von der Welt ausgehende Verblendung durchschaut werden kann. Die Physik, oder allgemein die naturwissenschaftliche Aufklärung entgründet die Welt in gleichem Maße, in dem sie den Himmel entspannt.
„Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel schauen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.“ (Mt 1810) „Ihre Engel“: Sind das die Engel der Kinder, und wie unterscheiden diese sich von den Engeln Gottes (Engel Elohims, Engel JHWHs)? Woher kommt die Vorstellung vom Schutzengel (im Christentum seit dem 9. Jhdt. nachweisbar; an deren Stelle ist im 20. Jhdt. – in Auschwitz – die „Schutzstaffel“ getreten)?
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