Am Ende kommt es heraus: Das Christentum war seit Beginn seiner Instrumentalisierung auch eine blasphemische Bild-Religion (der Bildersturm – und in anderer Beziehung auch der Islam – ein ohnmächtiges, weil den Ursprung und den Kontext nicht begreifendes Aufbegehren dagegen). Bild und Dogma sind zwei Seiten der gleichen Sache: ihr Zusammenhang rührt her von der Verdrängung der gleichen Schuld, deren Reflexion die eigentliche Quelle theologischer Inspiration wäre (das Dogma verstößt gegen das Bilderverbot).
Aus dem gleichen Grunde ist die christliche Sexualmoral erwachsen: Ihr Ursprung ist zu begreifen aus dem Zusammenhang von Entfremdung, Lust und Macht. Die Verteufelung der Sexuallust meint bewußt-unbewußt (mit bewußter Ambivalenz jedenfalls) eigentlich die politische Macht, die Lustverführung der Macht, deren letzter Abkömmling das pathologisch gute Gewissen ehemaliger Nazis ist. Das technologisch (durch die neueren Verhütungstechniken, nicht im Kontext realer Befreiung) begründete Tabu auf der Lustkritik verstärkt den politischen Schuldzusammenhang durch Stabilisierung des Konsumzwangs als Phantasmagorie der Befreiung. Insbesondere: Die Reduzierung der Moral auf ein Anklage- und Urteils-System (unter Verletzung des Gebots: „Richtet nicht …“), verstellt mit dem Verlust der Bereitschaft und der Fähigkeit zur Empathie (dem Grund des parakletischen Denkens) den spekulativen Kern und die theologische Wahrheit der patristischen Sexualtheorie. Die Sexualmoral ist verinnerlichte und deshalb verhexte politische Philosophie.
Vor diesem Hintergrund wäre das Verhältnis von Psychoanalyse, Religion und Politik zu überprüfen. Die falschen Harmonisierungen von Jung bis Drewermann unterschlagen und neutralisieren, was Freud in „Totem und Tabu“, „Die Zukunft einer Illusion“ und „Der Mann Moses“ hierzu mit großem Ernst erarbeitet hat; sie verfallen der (politisch und moralisch reaktionären) Lust am Urteil (im übrigen nach dem gleichen Schema, dem die Sexualmoral sich verdankt). Der entscheidende Punkt dürfte in der Einsicht liegen, daß Verdrängung nicht allein ein innerlicher, psychologischer Vorgang ist, sondern primär ein objektiver, gesellschaftlicher. Die Objektivität der Verdrängung ist der gesellschaftliche Schuldzusammenhang, im Kern der Sexismus: Hier hängen politische und Sexualmoral zusammen, mehr noch: sind sie eins.
Hinzu kommt, daß die Verinnerlichung und Psychologisierung selber begründet sind in der Objektivierung der Subjektivität: in der Geschichte der Naturwissenschaft (die die Entstehung des Schuldzusammenhangs in der Gesellschaft ebensosehr voraussetzt und begleitet wie begründet).
Die Theologie droht heute zu verschwinden, weil die Einsicht in diese Zusammenhänge zu nahe gerückt ist. Kann es sein, daß dieses Verschwinden der Theologie die einzige Möglichkeit ihrer Rettung wäre?
Christentum
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13.04.90
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17.03.90
Wenn Heidegger den Geburtsfehler der Philosophie (die Ontologie) zu ihrem einzigen Inhalt gemacht hat, dann Luther den Geburtsfehler der Theologie (die „Rechtfertigung“) zur deren einziger Grundlage. – Genesis der Fundamentalontologie und des Fundamentalismus (Fundamentalismus und Antichrist: das Mittelalter, die Heiden und die Juden; Geschichte der Beziehung von Islam und Christentum).
Rechtfertigung und Bekenntnis.
Die Frage „was ist Wahrheit“ ist obsolet geworden als Frage des Pilatus, der dann übrigens die Hände in Unschuld gewaschen hat (wie in den katholischen Kirchen die Priester während der Messe: „lavabo inter innocentes“ – Ursprung des pathologisch guten Gewissens und des kirchlichen Antisemitismus: Verschiebung der Schuld von Pilatus auf die Juden; Grundlage des Ursprungs der Orthodoxie, der Vorstellung von einer exkulpierenden Kraft der rechten Lehre; Ursprung des Bekenntnisbegriffs).
Im Gegensatz zum Begriff der Unschuld (einer Kategorie des Seins oder des Mythos), ist der der Gerechtigkeit (einer Kategorie des Handelns) ein theologischer Begriff. Nicht zufällig erinnert der Begriff der Unschuld an den Bereich der Sexualmoral, während seine Anwendung im Bereich der politischen Moral (im Gegensatz zur Anwendung des Begriffs der Gerechtigkeit) unmöglich ist (es sei denn als Anwendung auf einen marginalen Objektbereich der Politik wie den der Armen, der Außenseiter, derer, die nur noch herausfallen wie z.B. die Asozialen, die Penner). Unschuldig ist nur der, dem das Handeln unmöglich geworden ist, während der Handelnde der Gefahr, schuldig zu werden, nicht entgehen kann, und die Gerechtigkeit nicht auf Unschuld (einen Bereich vor der Schuld), sondern auf Befreiung (einen Bereich jenseits der Schuld: auf die Auflösung des Schuldzusammenhangs) abzielt. Auf diesen Zusammenhang bezieht sich die Lehre von der Sünde wider den Heiligen Geist: parakletisches (verteidigendes) Denken.
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30.01.90
Die Unterscheidung von Erinnerung und Gedächtnis, Vernunft und Verstand ist erst möglich (und notwendig) auf dem Boden der modernen Subjektivität. Die rhetorische Ars Memoriale und das moderne Gedächtnistraining sind nicht identisch. Die Umkehrung der Beziehung von Objektivität und Subjektivität. Konsequenzen für die Konstruktion der transzendentalen Logik? Der Geschichtsphilosophische Ort der „Verdrängung“ (Psychoanalyse), des „falschen Bewußtseins“ (Marx) und der „Seinsvergessenheit“ (Fundamentalontologie).
Es gibt keinen direkten Zugang zur alten (griechischen) Philosophie; ebenso keinen zum „Urchristentum“. Zwischen ihnen und uns liegt ein historischer Bruch (der nicht sich durch eine spenglersche Kulturentheorie neutralisieren läßt: kein Nebeneinander, keine Beziehungslosigkeit, kein bloß räumliches Verhältnis; hier bleibt Sp. selbst in der „faustischen“ Weltanschauung befangen: historischer Kolonialismus). Dieser Bruch ist zugleich einer in der Konstruktion des Subjekts: er steckt in uns selbst, und er bedarf der kritischen Reflexion, wenn überhaupt eine Rekonstruktion von Philosophie und Theologie möglich sein soll. Die Kritik der Vorstellung eines linearen Fortschritts (die u.a. auch Hegelkritik sein muß) hat hier ihr fundamentum in re.
Mangel des R.’schen „Stern“: es fehlt die ägyptische (Pharaonen- und Pyramiden-) Welt: Modell des Despotismus als Gravitationszentrum der todverfallenen Welt und Ursprung der Offenbarung. Ist die Spitze der Pyramide nicht das steinerne Abbild des Zentrums des Inertialsystems, des Vergangenheits- und Todessystems (hier enthüllt sich die spenglersche Weite als dämonische Tiefe, die Ferne als Unten)? – Weiterer Mangel (Gefahr?): das beziehungslose Nebeneinander der „Elemente“: Gott Mensch Welt.
Schritte der Offenbarung: Auszug aus Mesopotamien(Sumer)/Ägypten (Gott); Rom=Babylon (Welt); Kritik der Subjektivität, Umkehr (Mensch).
Die Bekehrung ist nicht schon erfolgt, sondern steht noch bevor.
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26.12.89
Zum Begriff des Richtens: Ein Gericht wird angerichtet (nach Peter von Matt richtet Hitler bei Heinrich Mann sein Gesicht an); Kinder (und Untäter) richten etwas an (was dann die Automatik des Urteils auslöst). Was hast Du denn da angerichtet?
Der kunstvoll gefügte Bau des Systems kehrt (bei Rosenzweig, „Stern“ Nr. 457) am Ende als Antlitz des Menschen (Gottes?) wieder (und dieses strahlt in die Konstruktion des Systems zurück; ein System von Entsprechungen?). Rechtfertigt das Ergebnis die Verletzung des Bilderverbots? Wenn ja, hängt es dann mit der Anerkennung des Christentums im „Stern“ zusammen?
Hegels Logik als in sich bewegte Geschichte des Absoluten ist in Wahrheit – im wörtlichsten Sinne – Weltgeschichte, Geschichte der Welt (Einheit von genitivus subjectivus und objectivus: diese fast unauflösbare Zweideutigkeit); in sich bewegt ist die Welt, nicht das Absolute, oder vielmehr die Welt als das Absolute; das Jüngste Gericht wird zum Weltgericht (Gericht der Welt; genitivus subjectivus), in dem Gott, Mensch und Dinge angeklagt und verurteilt zugleich sind (allerdings mit unterschiedlichem Resultat des Urteils: Gott fällt nicht unters Urteil, wird unfaßbar; umgekehrt: richtet nicht das über Gott gefällte Urteil den Urteilenden? – hat das „Vorlaufen in den Tod“ im Kontext des Heideggerschen Atheismus vielleicht doch noch eine weit entsetzlichere Bedeutung, als bisher bewußt war?).
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29.11.89
Die Welt ist Produkt der gleichen Abstraktion, der historisch auch die Philosophie sich verdankt. Das R’sche „von Jonien bis Jena“ bezeichnet als die Geschichte des Alls zugleich die der Welt, deren Begriff (und Realität) ebenso vergänglich ist wie die der Philosophie.
Thales „die Welt ist voller Götter“ dokumentiert die erste Folge der Einheit der Welt: die Vielheit der Götter, die im Christentum dann auf die Trinität reduziert wird, darin jedoch fortlebt. Dagegen bezeichnet der jüdische Monotheismus die offene Wunde der Welt, über die der Mythos hinwegtäuscht, die er verdrängt.
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14.11.89
Materialismus: Seit den griechischen Anfängen der Philosophie gibt es den physikalischen und den sinnlichen Materialismus (Demokrit und Leukipp). Der erste war der Motor des gesamtgesellschaftlichen Fortschritts, der zweite der Ausgangspunkt aller Befreiungsbewegungen. Das klingt noch in der Marxischen Unterscheidung des Reichs der Freiheit vom Reich der Notwendigkeit nach (oder des Boehmeschen vom Baconschen Materialismus).
Die teleologische Deutung des Opfers (seine Instrumentalisierung) ist die Ursünde des Christentums, der Anfang seiner Zubereitung zur politischen Ideologie, und zugleich Kern jeder Ideologie (Rechtfertigungslehre) seitdem.
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04.11.89
Opfer, Liturgie, Sakramente gehören einer Welt an, die in den Weltkriegen untergegangen ist; gleichwohl ist es nicht überflüssig, ihren vergangenen Rechtsgrund näher zu bestimmen. Die notwendige Entkonfessionalisierung des Christentums kann nicht nur auf Vergessen begründet werden: Hier ist die Trauerarbeit zu leisten, zu der insbesondere Auschwitz ohnehin zwingt.
So wie es heute keine Passagierschiffe mehr gibt (Untergang der Titanic), ist das Bild der Kirche als Schiff (in den Wellen der Völkerwelt: vgl. das Bild der Arche, die Geschichte von Jonas, den Schiffbruch des Paulus) nicht mehr tragfähig. Damit verliert auch das Bekenntnis (im Anblick des unsäglichen Mißbrauchs, der heute in der Politik damit getrieben wird) seinen theologischen Rechtsgrund. (Zusammenhang von sakramentalem Wesen und Konfessionalismus: Verbot der sakramentalen Gemeinschaft?) Modell des Glaubens und der Theologie heute: das Wandeln Jesu auf dem Meere.
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01.10.89
Heideggers Philosophie läßt sich auf zwei ganz unterschiedliche Weisen lesen: einmal als reine Sachanalyse, die dann aber zugleich die Verführungskraft der sich aufspreizenden Ich-Schwäche beiseite lassen, übersehen, verdrängen muß; zum andern als Analyse dieser Verführungskraft, der Heidegger selbst zum Opfer gefallen ist und deren historische Wirkung die des Sachgehalts bei weitem übersteigt. Die systematische Konstruktion und die Strategie der Argumentation (das „Zaubern“) der Fundamentalontologie entsprechen exakt dem Muster, das der Unbelehrbarkeit des Vorurteils, dem „pathologisch guten Gewissen“ zugrundeliegt. Und die ungeheure Wirkung der Heideggerschen Philosophie hängt genau mit der Bereitstellung dieses begrifflich-systematischen Musters zusammen. Sowohl die Affinität zum Nationalsozialismus (die sich nur hier aus seiner Philosophie ableiten läßt) als auch die Brauchbarkeit nach dem „Zusammenbruch“ des Faschismus (die Brauchbarkeit als Alibi) sind genau darin begründet. Hier liegt das Geheimnis der Heideggerschen Philosophie verborgen, das zugleich das Geheimnis der Philosophie seit Thales ist, gleichsam ihr Geburtsfehler, den Heidegger zu ihrem einzigen Inhalt gemacht hat. Wer dieses Rätsel löst, löst das Rätsel der Philosophie (das übrigens mit dem des Christentums unlösbar verbunden ist: das Rätsel ist auch ohne Reflexion auf die besondere Beziehung von Heideggers Philosophie zum unbekehrt mythischen Gehalt des „abendländischen Christentums“, zur Herrschaftsgeschichte des etablierten Christentums, nicht zu lösen).
Oder: die erste Lösung des Rätsels der Philosophie schien das Christentum zu sein; in Wahrheit jedoch hat das Christentum den Knoten nur fester zugezogen.
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03.09.88
Zusammenhang von Sexualangst, Frauenfeindschaft und Naherwartung: Könnte es nicht sein, daß der Ursprung darin zu suchen wäre, daß die Erwartung des nahen Gottesreiches, der endgültigen Erfüllung, die alle Seligkeit für Menschheit und Welt in sich schließt, in der (sexuellen) Lust eine Konkurrenz, eine falsche Vorwegnahme und damit die Gefahr einer Verzögerung, wenn nicht Verhinderung der Parusie sah? Sowohl die gnostische Verachtung der Materie als auch die Prävalenz der mönchischen Lebensform scheinen Reaktionen auf die Enttäuschung darüber, daß die Parusie auf sich warten ließ, zu sein (übrigens noch heute: deshalb erscheint es notwendig, diesen Gesichtspunkt mit einzubeziehen, damit die konkretistische Verfälschung der Apokalypse, die die Zeichen der wirklichen verdrängt, nicht alleine übrig bleibt).
Die Verinnerlichung des Christentums, die Sexualangst und der Verzicht auf Kritik an der Welt (Politik und Gesellschaft) gehören zusammen.
Luthers Rechtfertigungslehre ist nur verständlich vor dem Hintergrund seiner augustinischen Sexualitäts-/Lust-/Erbsündenlehre. Die concupiscentia und die „sündige Lust“ sind in der Tat nicht aufhebbar und nur durch Nichtansehung zu rechtfertigen.
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02.09.89
Ebenso wie Ketzerverfolgung und Frauenfeindschaft ist auch der Antisemitismus nicht wirklich überwunden, sondern nur teilweise neutralisiert; er lebt fort auf eine weit gefährlichere Weise: als selbst- und weltzerstörerisches Potential. Der Schatten des Absoluten ist das einzige, was von der Religion geblieben ist.
Was not tut, ist nicht die Religion, wohl aber ihr einziger Inhalt: das Gott-Suchen und das Verlangen nach Gerechtigkeit. Das aber ist ohne ein Zerbrechen der Institutionen, ohne radikale Entkonfessionalisierung des Christentums, ohne einen Kirchenbegriff, der durch Umkehr begründet wird und den Antisemitismus, die Ketzerausgrenzung und die Frauenfeindschaft (den Sexismus) ausschließt, nicht mehr möglich.
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01.09.89
Antisemitismus, Ketzerverfolgung und Frauenfeindschaft: die Kehrseite der Trinitätslehre und der Inbegriff der Sünde wider den Heiligen Geist zugleich?
– Antisemitismus: der Haß gegen die Vaterimago, gegen das Gewissen, oder die falsche Autonomie (der Schatten des Absoluten? – vgl. Lyotard: Heidegger und die Juden);
– Ketzerverfolgung (Dogma, Bekenntnis, Inquisition; Jesus selbst ein Ketzer?: er erscheint nur als Objekt im Credo – „geboren, gekreuzigt, gestorben und begraben“): die kirchliche Usurpation des Gerichts, Entäußerung als Selbstentfremdung (Vernichtung des Inhalts), Religion als Blasphemie (Selbstzerstörung durchs richtende Urteil, Rezeption der Philosophie als „Empörung“, Rückfall in den Mythos aus Angst vor dem Mythos);
– Frauenfeindschaft (Sexismus), Hexenverfolgung: Diskriminierung des Trostes, der Hilfe, der Empathie, des verteidigenden, Parakletischen Denkens (Rückfall in Magie aus Angst vor der Magie). – Besondere Affinität (Parallelität) der Geschichte des Dogmas zur Stabilisierung des Patriarchats und zur Diskriminierung der Frauen im Christentum?
Trinitätslehre: an der Welt gespiegelte Theologie, solange gültig wie die Weltgeschichte (= Herrschaftsgeschichte), oder solange gültig wie die episkopale (= weltliche) Verfassung der Kirche? – Christus nur bis zum „Ende der Welt“ bei der Kirche (vgl. Rosenzweig, Briefe S. 73f). Trinitätslehre als notwendige Konsequenz der Subsumtion der Theologie unter die Vergangenheit, Vergangenheitsform der theologischen Wahrheit (Instrumentalisierung wie Naturwissenschaft; Christentum als Ausbildung einer Theologie des futurum perfectum).
„Macht Euch die Erde untertan“: Es heißt nicht: macht Euch den Himmel untertan (das entscheidende Argument gegen das Dogma!) – Aber die unterworfene Erde ist zur Welt, zum Universum geworden und hat den Himmel zum Verschwinden gebracht (das Dogma als Reliquie des Himmels?).
David-König (Messias)/Cäsar-Kaiser (Imperialismus): Ursprung der politischen Theologie. Seit wann ist Kyrios ein Gottesname?
Disteln und Dornen/Dornbusch/Dornenkrone: vgl. den Dornbusch in der Jotam-Fabel (Königsfabel, Ri 9,8) und bei Deutero-Isaias: „Zypressen wachsen statt des Dornengestrüpps“ (Is 55,13).
Ursprung der Schrift: Zusammenhang mit dem Ursprung der Städte (vgl. die Kainsgeschichte), der Geldwirtschaft, des Königtums? (Weltlich wird die Welt durch die Stadt als logisches und transzendentales Zentrum – als Inertialsystem.)
Trier, Liebfrauenkirche: der Heilige Geist als Stuka (Ähnlichkeit mit der ästhetischen Form der unsäglichen Raketen-Madonna).
„Mühselig“ (selig der Mühe: Entschuldung, Versöhnung durch Arbeit als zentrale Denkfigur der Herren-/Opfer-Theologie, vorauseilende Anpassung an Lohnarbeit und Kapitalismus? Arbeit und Erbschuld – vgl. armselig), „Misericordia“ (Barmherzigkeit, ein Herz für die Armen?):
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09.08.89
Die Welt (Korrelat des Realitätsprinzips) ist durch die besondere Beziehung von Allgemeinem und Besonderem, die sie repräsentiert, bezogen auf das Selbsterhaltungsprinzip (objektiv: das Tauschprinzip); dieses ist der Kristallisationskern, an den die Begriffe und Anschauungen, die die Welt konstituieren, anschließen. Zugleich damit wird jedoch alles, was nicht in das System paßt, was durchs Sieb fällt, ausgeschlossen, insbesondere Güte, Mitleid, Empathie. Die Welt repräsentiert eine Gestalt der Realitätswahrnehmung und -erkenntnis, genauer: ein Begriffssystem, das die Wahrnehmung im vorhinein strukturiert und bestimmt, das insbesondere Anklage und Gericht kurzschließt und jede Verteidigung als „Rechtfertigung“ ideologisiert. Die Welt ist der Inbegriff aller Objekte des Herrendenkens. Insoweit ist die Welt die Sünde wider den Heiligen Geist, und der Vulgärbegriff der Ideologie der Kern der zugrunde liegenden Abwehrreaktion.
Die Welt als ein System des Zerfalls von Sprache durch Logik ist Grund und Medium der Subjektivität, gesellschaftlich des Nationalismus (als kollektive Gestalt von Subjektivität). Es ist kein Zufall, daß Deutschgesinnte in der Regel Probleme mit der deutschen Sprache haben.
v. Rad: Wie kann man noch 1957(!) eine „Theologie des Alten Testamentes“ schreiben, ohne auch nur mit einem Wort Auschwitz und den Holocaust (die Shoah) zu erwähnen? – Kann man den „sinnlich-übersinnlichen“ Gehalt, der nicht nur unmittelbar auf die Liebe, sondern ebenso auf ihre Derivate zu beziehen ist (Beispiel: Dornen, Dornbusch, Dornenkrone), so einfach als „vagen Symbolismus“ abtun (und dagegen auf dem historischen Realgehalt bestehen, dem dann jedoch nur noch eine Theologie abzugewinnen ist, die nicht mehr harmlos ist). Kann man eine „Theologie des Alten Testamentes“ schreiben, ohne die jüdische Tradition (die Kabbala) zu kennen? Hier kann man mit Händen greifen, welchen verhängnisvollen Einfluß eine unaufgeklärte naturwissenschaftliche Aufklärung auf die historische Aufklärung hat. (Zusammenhang der großen protestantischen Tradition der Bibelkritik mit der Rechtfertigungslehre?)
Das Christentum ist keine Siegesreligion: Es sollte skeptisch machen, daß die Dogmengeschichte auch eine Geschichte der jeweils Siegenden ist, mit der Zusammenfassung der Siege im Triumphalismus Roms. Sicher waren die Unterlegenen nicht jedesmal die Besseren; aber ist die Vorstellung so abwegig, daß mit der Abtrennung der Häresien jedesmal auch ein Teil der (zu früh und deshalb unreif hervorgetretenen) Wahrheit abgetrennt, ausgeschieden und verdrängt wurde? Eine unter diesem Aspekt geschriebene Geschichte der Häresien wäre zweifellos einer der wichtigsten Beiträge zur Selbstverständigung der Theologie (vgl. z.B. Elaine Pagels Darstellung der Gnosis oder auch Thomas‘ und Mussners Beiträge zu einer christlichen Theologie des Judentums, die freilich zu revidieren wären anhand Radford Ruethers „Brudermord und Nächstenliebe“ und der weitergehenden Konsequenzen daraus).
Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie