Jede Personalisierung dient der Selbstentlastung (der Selbstexkulpierung, der die Logik des Weltbegriffs zugrundeliegt): darin liegt der Zweck des Rechts und der Theologie zugleich.
Nicht die Person, sondern das Angesicht: Die Personalisierung hält Gott verantwortlich für „das, was er gemacht hat“, für die Welt, und entlastet die Menschen. In der Struktur des Personbegriffs steckt der zugleich unkenntlich gemachte Sündenbock-Mechanismus mit drin (Grund der Geschichte vom rachsüchtigen zum autistischen Gott, über den heute jeder gefahrlos daherreden kann; gehört die Lösung des Autismus-Problems zum Lösen überhaupt?). Das Angesicht Gottes ist die reine Forderung der Barmherzigkeit; das Theodizee-Problem ist eine Folge der Personalisierung.
Zusammenhang der kirchlichen Abtreibungskampagne mit der dritten Leugnung: Ist die Diskriminierung der Abtreibung nicht ein Versuch der projektiven Verarbeitung der seit den Kirchenvätern institutionalisierten Leugnung der Nachfolge; hat nicht die Kirche aus Furcht vor den messianischen Wehen die Wahrheit abgetrieben (das Talent vergraben)? Aber Gott will nicht, daß das Wort leer zu ihm zurückkommt.
Ist nicht das Ding die trunkenheitserzeugende Substanz? Der Name des Dings hängt sprachlich und sachlich mit dem des Things, des Gerichts, zusammen.
Rührt nicht das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit an den potentiellen Umkehrpunkt des Inertialsystems (und damit der naturwissenschaftlichen Erkenntnis insgesamt)?
Zusammenhang von Walten, Verwalten, Gewalt und Bewältigung?
Das Irrationale (z.B. der Faschismus) ist nicht nur irrational: Käme es nicht endlich darauf an, die Rationalität des Irrationalen zu bestimmen (gehört nicht die bloße Empörung zum Drachenfutter: zum Staub, den Adam produziert und den die Schlange frißt)?
Einstein
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15.12.93
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22.11.93
Sind Empfindungen nicht zuerst Schmerzempfindungen, und sind diese nicht der Kern aller anderen Empfindungen? Grundlage des Begriffs der Empfindung ist die Mechanik, die den Stoß, die Stoßprozesse, ins Zentrum der Naturerkenntnis gerückt hat. Und ist nicht das Problem der Gewalt, bis zu ihren gegenwärtigen Manifestationen, eine Folge dieses Konstrukts, demzufolge jeder Existenzbeweis nur noch durch den Stoß und seine logischen Entsprechungen zu führen ist. In den gleichen logischen Zusammenhang gehört der Satz, daß Gemeinheit kein strafrechtlicher Tatbestand ist, der beweislogisch (durch sein Verhältnis zur Nachweisbarkeit) zwingend zu begründen ist. Heute erweist sich die Macht als eine der Wurzeln der Beweislogik. Der Staat, wenn er keine moralischen Rücksichten mehr zu nehmen braucht, ist aufgrund des Gewaltmonopols nicht mehr zu widerlegen. Daß Auschwitz nicht zu einem perfekten Verbrechen geworden ist, lag einzig an der Dummheit der Nazis.
Die Paranoia ist selbst Opfer der Logik der Instrumentalisierung. Es gilt aber, diese Logik zu durchschauen.
Habermas hat sich mit seiner Entscheidung, die Rationalität der Naturwissenschaften nicht mehr zu hinterfragen, selber dumm gemacht. Und er sollte sich eigentlich nicht über die „neue Unübersichtlichkeit“ beklagen, die er mit dieser Entscheidung selber herbeigeführt, verschuldet hat.
Die spezielle Relativitätstheorie hat das Inertialsystem gesprengt, die Kopenhagener Schule hat es notdürftig wieder repariert.
Ist nicht mizrajim (Ägypten, das Sklavenhaus) eine geschichtliche Vorstufe des Neutrum, der Dualis der Bezugspunkt des „ne-utrum“? Was bedeutet der Name mizrajim? Und ist nicht Pharao, das „große Haus“, eine Personalisierung des Turms von Babel?
Die neutralisierende Gewalt erscheint in der Schlange, in Ägypten und in Babel (Astronomie)?
Hängt die Beziehung Israels zum Saturn mit den Kronos-Geschichten in der griechischen Mythologie zusammen?
Ist nicht die Beschneidung eine zurückgenommene Entmannung (vgl. die Sichem-Geschichte und den „Blutbräutigam“ Moses): Teil einer Kritik der Zeus/Jupiter-Religion, des Patriarchats?
Wenn die Welt durchs Wort erschaffen worden ist, ist es dann so abwegig, die Geschichte auch als einen Prozeß in der Sprache zu begreifen?
Et descendit ad inferos: Wir erfahren den Tod nur als den Tod der anderen, den eigenen Tod nur im Spiegel der Erfahrung der anderen: im Kontext unserer eigenen Fremdwahrnehmung, im Kontext der Schamerfahrung. Wie hängen Tod und Scham mit einander zusammen, was bedeutet in diesem Zusammenhang die Blut-Symbolik, und wozu gehört die Geschichte der Eucharistie?
Wenn der Tod (der mit dem Sündenfall und der Scham in die Welt gekommen ist) nicht mehr sein wird, wird auch die Materie, die Natur, nicht mehr sein? Wie hängt das mit der Idee der Auferstehung zusammen? Ist die Lehre von der Auferstehung das gegenständliche Korrelat der Umkehr, wird nicht mit der Auferstehung auch die Umkehr geleugnet?
Ist die Josephs-Geschichte mit den sieben fetten und den sieben mageren Jahren (und der „Geschichte der ursprünglichen Akkumulation des Kapitals“ in den sieben mageren Jahren) nicht die Geschichte Israels und des Christentums? Muß das Christentum nicht von den in der Geschichte Israels gesammelten Schätzen (der Thora, der Prophetie) leben und hierbei sich von allem eigenen Besitz entblößen, der vom Geld, über das Vieh bis zum Land an den Pharao übergeht? -
18.11.93
Muß wirklich „alles, was sich der Entwicklung des Ich hemmend entgegenstellt oder sie zu verhindern sucht, um das von der göttlichen Welt gesetzte Ziel dieser Entwicklung zu verfälschen oder zu verdunkeln, als böse bezeichnet werden“ (Bühler, S. 133)? Was meint er mit dem, „was sich der Entwicklung des Ich hemmend entgegenstellt oder sie zu verhindern sucht“? Kann dieser Satz nicht z.B. auch fremdenfeindlich und antisemitisch verstanden und angewendet werden?
S. 134: Die Versuchungen sind allesamt Ich-bezogen: Sie beziehen sich auf „Genußsucht, Verlust der Selbstbeherrschung oder Schlimmeres“. „Im raffinierten Genuß, der lediglich um des Genusses willen herbeigeführt wird, findet jedoch das Böse ein großes Angriffsfeld.“
Das alles paßt zum „Urübel des Egoismus“ (ebd.), den diese Ego-Bezogenheit so formuliert, daß es nur auf andere zutrifft.
Ist nicht die Personalisierung des Bösen ein Nebeneffekt des Weltbegriffs?
S. 137: Sind nicht Luzifer und Ahriman Personifikationen des Manisch-Depressiven (mit der Gefahr der Dämonisierung der Krankheiten)?
Wer das Böse wie Walther Bühler nach draußen projiziert, dem polarisiert es sich zu Luzifer und Ahriman. Kehrt darin nicht der manichäische Dualismus, nur mit der Dämonisierung beider Seiten, wieder?
S. 144: Kann man sich „technischer Organisationsformen oder der Todeswerkzeuge der modernen Rüstungsindustrie“ auch mit „spirituellem Hintergrund“ bedienen; wäre das nicht eine Definition des Fundamentalismus?
Ebd.: Ist der Eindruck, ein Text sei unverständlich, nicht selten darin begründet, daß man das Gefühl hat, man würde den Autor beleidigen, wenn man das, was man versteht, aussprechen würde?
Widerspricht es nicht dem Jesus-Wort „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, wenn Bühler in der Passionsgeschichte die Menschen, denen er Jesus ausgeliefert sieht, dämonisiert? Vgl. den Text, in dem Bühler diese Menschen beschreibt (S. 152); er könnte aus Oberammergau stammen („Er ist Menschen ausgeliefert, deren Bewußtsein ganz an die Sinnenwelt gebunden ist und die kein verklärendes, höheres Licht in diesem, der Gotteslästerung angeklagten Menschen erblicken können“, „Gegnerschaft der Pharisäer und ihrer Anhänger“, „die menschlich-untermenschlichen Vorgänge der Karwoche“).
Im Hinblick auf Karfreitag und Ostern von Raupe und Schmetterling und von der Metamorphosenlehre zu sprechen, ist schlicht blasphemisch. Hier wird die Sphäre der Wahrheit in Natur zurückgestaut, auf unsägliche Weise verdinglicht, und damit erst wirklich böse.
Ist in die Beziehung, die Walther Bühler zwischen Plastik und Musik sowie Astral- und Ätherleib wahrnimmt, nicht die Bemerkung Spenglers mit hereinzunehmen, daß was bei den Griechen die Skulptur war, in der modernen Welt die Musik ist?
Wichtig und interessant wäre die Analyse der Vermittlerfunktion der Astronomie in der historischen Beziehung von Kosmos und Staat (Chaldäer und Kopernikus).
Der entscheidende Mangel der Anthroposophie scheint zu sein, daß die Zivilisationsgrenze (Ursprung des Weltbegriffs, Zusammenhang mit der Institution des Staates) und hierbei insbesondere die Beziehung von Ich und Eigentum nicht in Frage gestellt, nicht in die Reflexion mit hereingenommen wird.
Gleicht das, was ich Erinnerungsarbeit nenne, nicht dem Verfahren des Anglers, der am Ufer des Unbewußten sitzt und seinen Köder hineinwirft?
Haben nicht der philosophische und der im strengen Sinne theologische Gebrauch des Logos-Begriffs etwas mit einander zu tun: Sind sie nicht durch Umkehr auf einander bezogen?
In apokalyptischen Texten (Jes 344, Off 614, vgl. auch Mt 2429, 1 Pt 37.10) gibt es den Topos, daß am Ende der Himmel wie eine Buchrolle sich zusammenrollt. Aber ist das nicht längst geschehen, ist diese Buchrolle nicht die Thora, der Logos, die Literatur, und erst der davon getrennte Himmel der Gegenstand der Astronomie? Hat sich nicht der im Anfang erschaffene Himmel ins Buch zurückgezogen (die Schrift ist gleichzeitig mit dem Geld entstanden)?
Ist nicht der Historismus ein Versuch, die Vergangenheit durch Vergegenständlichung (und gleichzeitige Instrumentalisierung) unschädlich zu machen?
Die Vorstellung, daß das Ich mit dem Feuer und Entzündungsprozessen zusammenhängt, erklärt den Zusammenhang mit den autoritären Formen der Ichbildung (Beleidigungsbereitschaft, Anklage und Rechtfertigungszwang: Einbindung in den Schuldzusammenhang). Verweist das Bild des Fiebers, dessen sprachliche Wurzel an den Problemen der Ichbildung sich ablesen läßt, nicht auch auf einen heilenden Effekt von Entzündungen (was entspricht in den Ich-Prozessen dem Wadenwickel)? Ist das Christentum nicht (im Unterschied zu den beiden anderen abrahamitischen Religionen) eine Ich-Religion (eine Entzündungskrankheit, ein Fieberanfall), und ist es dazu nicht durch seine ambivalente Beziehung zum Weltbegriff geworden?
Der Objektivierungsprozeß hat das Schreien der Dinge zum Verstummen gebracht, erstickt. Seitdem ist die Materie die zurückgestaute Kraft des Namens (und die Natur die schizophrenisierte Schöpfung).
Der Begriff der Natur deckt die Sünde der Welt zu.
Rousseaus „Zurück zur Natur“ liegt auf der Grenze des Zurück in die Unschuld des Schlafes oder des Todes. Tote sind unschuldig, weil sie nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden können; gilt deshalb: de mortuis nihil nisi bene? Unschuldig sind die Toten nur im Anblick der Welt.
Die Kopenhagener Schule und der Doppler-Effekt (mit der Vorstellung des expandierenden Raumes und der Urknall-Theorie), die an die beiden Relativitätstheorien Einsteins sich anschließen, sind Veranstaltungen, das Inertialsystem (und mit ihm der objektivierende Erkenntnisbegriff und das Herrendenken) gegen die Reflexion abzuschirmen, in die es durch Einstein hereingezogen worden ist. Wobei das Dementi mit der Verachtung der seitdem sogenannten „klassischen Physik“ (zu der dann auch Einstein noch gerechnet wurde) gleich mitgeliefert worden ist (Modell der Kohlschen Rhetorik, oder der Sieg des Lachens über das Weinen). -
15.11.93
Wie stellen sich die Naturwissenschaftler das eigentlich vor, daß irgendwann in der Welt irgendwelche Dinge angefangen sind zu sehen und zu hören?
Unterscheiden sich die beiden Schöpfungsberichte nicht dadurch, daß
– der erste mit dem Licht beginnt (auf das Sehen, das Angesicht sich bezieht), während
– der andere den Menschen durch den Atem Gottes zum Leben erweckt (d.h.: auf die Sprache sich bezieht und mit der Geschichte vom Sündenfall endet)?
Wer den Wahrheitsbegriff auf die Übereinstimmung von Begriff und Gegenstand gründet, versperrt sich selbst den Weg zu der Wahrheit, die lebendig und frei macht. Dieser Weg führt durch die Schuldreflexion hindurch.
Ist der Rechtsradikalismus (und die gegenwärtige Form der Gewalt) nicht der Naturaspekt des heutigen Weltzustandes (die Welt ist blind, die Natur taub)?
Der Zuschauer konstituiert den Schuldzusammenhang, indem er sich davon distanziert. Er spaltet die Schöpfung in Natur und Welt (Gegenstand und Begriff).
Philosophie und Caesarismus haben der Theologie und der Kirche den Trägheitsschutz eingeimpft, der sie vor der Gotteserkenntnis schützt.
Das Buch Jona ist prä- und postapokalyptisch zugleich. Es bezeichnet den Angelpunkt zwischen Prophetie und Apokalyptik. Die Buße in Ninive geht vom Volke aus, ergreift dann auch den König, der die Tiere (die Welt) mit einbezieht. Nicht zuletzt wegen des Viehs wird Ninive verschont.
Innerweltlich gibt es trotz aller Probleme keine Alternative zur Deszendenztheorie; sie verändert sich vollständig, wenn man die Kritik des Weltbegriffs mit hereinnimmt.
Zum Weltbegriff gehören viele (Tier- und Herrschafts-)Götter; er ist an sich polytheistisch. Ist nicht die Welt ein plurale tantum, wobei die Frage nach der besten aller Welten gegenstandslos ist (die Religion, der man angehört, ist ohnehin die falsche)?
Ist nicht auch der Vater ein plurale tantum (Ursprung des plural majestatis) und seine Unterwerfung unters Identitätsprinzip Grund der Vermischung von Gewalt und Autorität?
Im Namen des Hundes begreife ich sowohl die Gattung Hund als auch die Welt des Hundes: alle drei sind ineinander verschränkt (und die Namen der Tiere sind in die Bestimmungsmacht der Menschen gegeben).
Zu Marx, Freud und Einstein: Haben nicht alle drei ihre Kopenhagener Schule, mit wachsender Zuspitzung des Problems, von Marx zu Engels, von Freud zu Jung und von Einstein zu den Promotoren der Atomphysik?
Die Selbstverfluchung Petri bei der dritten Leugnung entspricht dem Danielschen Greuel am heiligen Ort.
Ist der Objektbegriff die Grundlage der Seelenvorstellung?
Cohen, S. 522: Der Hass ist subjektlos, ein Weltaffekt, Produkt der Identifikation mit dem „Haß der Welt“.
S. 523: Ist nicht die Idee des „Naturfriedens“ wie auch die des Naturschönen, und damit die Idee des Friedens insgesamt, begründet im Wunder sinnlichen Naturerfahrung?
S. 524: Der Haß ist Rückfall in Biologie; und das gilt nicht nur für den Rassismus.
S. 527: Die Freude über eine gute Handlung bezeugt die Lebenskraft des Friedens. (Der Rechtsradikalismus ist ein Indikator für den Naturaspekt des Weltzustandes, der die Menschen zwingt, dem Verlangen, gut zu sein, zu entsagen und …)
Dem Glück sind die Tränen der Freude näher als das Lachen. -
26.09.93
Sünde und Schuld, Schuld und Aussatz (Pest?): Sünde und Schuld sind zu unterscheiden wie Natur und Welt, wie Herrschafts- und Schuldzusammenhang. Der Verblendungszusammenhang gründet in der Nichtunterscheidung. Als Getrennte wird die Schuld manifest in dem, was die Schrift Aussatz (ein Abkömmling der Scham) nennt.
Zur Quellentheorie:
– Ist sie nicht insgesamt apriori: Wird nicht das herausgelesen, was man zuvor hineingelesen hat (das zugrunde gelegte Identitätsprinzip)? Dieses Apriori ist zugleich ein nationalistisches und ein christliches (der „historisch interessierte Christ“).
– Kann es sein, daß die historische Bibelkritik als eine christliche, theologische Angelegenheit, auf ein im deutschen Protestantismus gewachsenes Selbstverständnis (auf einen sehr protestantischen Begriff der Erlösung: Rechtfertigung durch Entsühnung der Welt als theologische Freigabe eines säkularisierten Weltverständnisses) zurückgeht (Leidensgeschichte als eines „zwar geschichtlichen, aber doch schon als übergeschichtlich gewerteten Geschehens“)?
– Gibt es nicht eine merkwürdige Beziehung (vielleicht gar Parallele) der vier Quellen zum Charakter der vier Evangelien (möglicherweise sogar eine konkrete Zuordnung beider?
– Ist nicht die Vorstellung, daß die vier (oder auch nur die drei ersten) Quellen aus einer gemeinsamen Quelle herrühren und die jüngeren „aus dem noch nicht versiegten Quell der Sagenbildung geschöpft“ hätten, in sich widersprüchlich (gar, wenn die Redaktoren nur „Kompilatoren“ sein sollen, in den Text nicht eingreifen)?
Die Quellentheorie vermag weder die „weitgehende Parallelität“ des Erzählgutes zu erklären, noch die Notwendigkeit, dieses differierende Traditionsgut dann so zu kompilieren, daß gleichsam willkürlich und ohne innere Logik bloß eine Kollage hergestellt wird. Erinnert an die Zwangslogik der physikalischen Atomtheorien heute.
Im Angesicht Gottes wird die Schrift zu einem nach allen Seiten durchsichtigen Körper, während jeder Blick von außen die Schrift verdunkelt.
Ist nicht die historische Bibelkritik schon im Ansatz, und nicht erst bei ihren radikalen Exponenten, antisemitisch? „Den Griechen eine Torheit, den Juden ein Ärgernis“: Nachdem die Theologie selber der griechischen Torheit verfallen ist, blieb nur die projektive Verarbeitung des jüdischen „Ärgernisses“, das so nur als Verstocktheit und als Angriff auf die glasklare Wahrheit des Christentums (die dann freilich teuer erkauft worden ist) verstanden werden konnte. Wäre nicht endlich die produktive (das Evangelien-Problem mit einbegreifenden) Anwendung der Rosenzweigschen Bemerkung zur Bedeutung des Redaktors an der Zeit?
Projektive Schuldverarbeitung: „den Spieß umkehren“.
Das Verhältnis der vorweltlichen Stammes- (in L) zu den innerweltlichen Familiengeschichten (in J und E) wäre genauer zu bestimmen. Sind die „Quellen“ nicht schlicht und einfach verschiedene Gestalten der Vergegenständlichung, die, indem sie aufeinander sich beziehen, sich gegenseitig überhaupt erst erhellen? Voraussetzung des Schriftverständnisses ist die Kritik des Prinzips der Vergegenständlichung (die Lösung des Banns der Frage, was sich der Autor wohl dabei gedacht haben mag).
Haben die „vier Quellen“ etwas mit der Standwendung „Stämme, Völker, Nationen und Sprachen“ zu tun?
Sind nicht die alten Sprachen Kunstprodukte, erzeugt aus der Logik der Schrift (die die innere Form der Sprache verändert hat)? Und ist es nicht allein die Bibel, in der diese Logik der Schrift, ihr logisch-ästhetischer Zusammenhang, selber reflektiert wird? Zu erinnern ist daran, daß diese „Logik der Schrift“ auch historisch-gesellschaftliche Implikationen in sich enthält, daß sie wie die Geschichte des Ursprungs der Schrift, verbunden ist mit
– der Entwicklung der Stadt und des Staates (Privateigentum und Recht),
– den Anfängen der Naturerkenntnis (zentral die Astronomie),
– dem Ursprung und der Geschichte des Tempels (Priestertum und Opferreligion, auch Ursprung und Geschichte der Architektur und der Kunst),
– dem Ursprung des Geldes und der Geldwirtschaft (im Kontext der Tempelwirtschaft),
die insgesamt ein großes logisches Kontinuum bilden, zu dessen Grundlagen die Schrift gehört.
Ist nicht das Ökologie-Problem, das in dieser Zuspitzung ein sehr deutsches Problem ist, ebenso sehr real wie Teil eines riesigen Projektions-, Schuldverschub- und Entlastungssystems, Produkt der Anwendung des Schuldverschubsystems auf die technische Zivilisation? Verschärft wird das Problem durch das systembegründende selbstreferentielle Moment im Ökologie-Konstrukt. Modell ist die Hegelsche Logik, nach der die Idee, wenn sie sich selbst begreift, die Natur frei aus sich entläßt. In dieser Selbstentäußerung macht sich die Idee selbst unkenntlich.
„Die Aussätzigen werden rein, und den Armen wird die frohe Botschaft verkündet“: Ist nicht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt auf sich nimmt, zugleich das apokalyptische Lamm, das berufen ist, die sieben Siegel zu lösen, und wird das nicht in dem Jesus-Wort an Johannes konkret? Und stellt sich nicht hier auch die Beziehung zu der Geschichte von den sieben unreinen Geistern her?
Der Aussatz ist der Aussatz des Fleisches, der Kleidung und des Hauses.
„Ich bin der Herr, euer Gott. Ihr sollt keine fremden Götter neben mir haben“: Ist nicht das „Keine fremden Götter neben mir“ der Kern der Kritik des Weltbegriffs? Gehören nicht die „anderen Götter neben ihm“ zur Ursprungsgeschichte des Weltbegriffs, zur Begründung und Entfaltung der Logik des Satzes „Das Eine ist das Andere des Anderen“, dessen Kraft einzig an Gott zerbricht?
Ist die Hegelsche Ableitung des Monarchen aus der Logik der Rechtsphilosophie nicht schon vorgebildet im kantischen „Ich denke“ (und eine logische Konsequenz aus dem idealistischen Ich = Ich)?
Hatten die Erwachsenen, die uns, als wir noch jung waren, entgegenhielten: Auch du wirst es noch erfahren, nicht recht (die Welt ist tatsächlich so)? Aber hatte nicht auch wir recht, wenn wir uns durch diesen Satz (und durch den Zustand der Welt) nicht dumm machen lassen wollten?
„Grauen ringsum“ (zu Ps 3114 vgl. Jer 203.10)
Sind nicht in der Geschichte vom Sündenfall die Elemente der Erkenntiskritik beieinander:
– der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen,
– das „Ihr werdet sein wie Gott“ und
– die Instrumentalisierung der Sprache durch die Schlange und die Rechtfertigungslogik in den Antworten Adams, Evas und der Schlange an Gott.
Kephas und Petrus ist aramäisch und griechisch.
Hat nicht die Benjaminsche Kritik der Vorstellung des Zeitkontinuums auch einen innerphysikalischen Aspekt: In der speziellen Relativitätstheorie wird das Zeitkontinuum, das Inertialsystem, dessen Voraussetzung die Vorstellung des Zeitkontinuums ist, nur durch seine Auflösung und Sprengung hindurch gerettet und stabilisiert. -
15.09.93
Hängt nicht der Plural medicinalis, das joviale „Na, wie geht es uns denn heute morgen?“, mit der Logik des Falles zusammen, in der er das kollektive Moment im Begriff des Allgemeinen präzise bezeichnet (Wittgenstein: Die Welt ist alles, was der Fall ist)? Im medizinischen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff des Falles die Enteignung der erkrankten Teile des Körpers, ihre Überführung in die Verfügungsgewalt des Arztes (im Bereich des Strafrechts entspricht der Krankheit das Verbrechen, der Medizin das Recht, dem Krankenhaus die Gefängnisse, und dem Arzt entsprechen die Organe der Rechtspflege; die Anwendung auf die Naturwissenschaften dürfte nicht schwer sein). Hieran läßt sich die Logik des Schuldbegriffs studieren, die auch die grammatischen Formen der Deklination (die casus) beherrschen. Der Schuldbegriff bezeichnet einen Sachverhalt im Geltungsbereich des Eigentumsbegriffs, der Begriff der Sünde hingegen eine Verletzung des göttlichen Worts: das Urteil.
Macht, die selber im Gewaltmonopol des Staates gründet, ist gesetzlich geregelte Gewalt. Dieser Widerspruch im Begriff der Macht spiegelt sich im Widerspruch des Begriffs des Rechts, daß nämlich das Recht die Gewalt, in der es gründet, nicht mehr selbst zu regeln vermag; er bezeichnet aufs genaueste die Grenze des Rechts, die u.a. mit dem in der Logik des Rechts, nicht in der Unfähigkeit des Gesetzgebers begründeten Satz sich bestimmen läßt, daß Gemeinheit kein strafrechtlicher Tatbestand ist.
Gewalt, Recht und Eigentum: Das Recht, das das Eigentum begründet, gründet selber im Gewaltmonopol des Staates. Auch der liberale Eigentumsbegriff hat seine Wurzeln im Feudalismus: Unter den Bedingungen des Rechts ist jedes Eigentum ein Lehen des Staates; auch das Privateigentum ist ein staatlich (nicht gesellschaftlich: hier irrt Rousseau) vermitteltes Eigentum (nichts Vergangenes ist nur vergangen).
Opfer des Scheins: Ist die Marxsche resurrectio naturae nicht das Gegenstück zum Hegelschen Weltgericht, und kranken nicht beide an einem gemeinsamen Fehler? Die Welt ist nicht Subjekt, sondern Objekt des Jüngsten Gerichts, und die Natur ist nicht das Objekt, für das wir die Hoffnung auf Auferstehung hegen, sondern im Objekt der Widerstand gegen diese Hoffnung (Problematik des Adornoschen Programms des „Eingedenkens der Natur im Subjekt“ und des Freudschen Konzepts „Wo Es ist, soll Ich werden“; gehört der parvus error im Übergang von der Speziellen zur Allgemeinen Relativitätstheorie nicht auch hierher?).
Die resurrectio naturae ist ein Reflexionsbegriff der säkularisierten Christologie Hegels.
Die Nachkriegszeit ist einmal die Zeit der Stellvertreterkriege genannt worden, vor allem im Hinblick auf Vietnam. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks, dem „Sieg der freien Marktwirtschaft über den Sozialismus“, haben diese Stellvertreterkriege ihre raison d’etre verloren. Aber wird hier nicht ähnlich, wie bei der Armut, die, nachdem die spekulative Verschuldung der Dritten Welt an die Rationalitätsgrenzen des Bankgeschäfts stößt, über die „Revision des Sozialstaats“ in die Erste Welt reimportiert wird, auch das Problem, dessen Ausdruck (nicht Lösung) der Sozialismus war, reimportiert? Ist nicht die Jugoslawienkrise ein reimportierter Stellvertreterkrieg (dessen Fronten genau zu studieren sind: Weltanschauungskriege sind faschistische Kriege und – seit 1941 – Vernichtungskriege)?
Zur Geschichte der Dogmenentwicklung: Der Weltbegriff war die offene Grenze, durch die die Philosophie in die Theologie eingedrungen ist, um sogleich alle strategisch wichtigen Punkte zu besetzen (Frage: Wer ist die Magd des Hohepriesters, und wer sind die Umstehenden?).
Ist nicht das Jonas-Problem in diesem Punkt doch ernster, als es bei Jürgen Ebach erscheint: Gehört die Reaktion des Jonas nach der Verschonung Ninives durch Gott nicht zur Logik des Auftrags an ihn: Hätte er die Verschonung als Folge seines Spruchs vorausgesehen, so wäre er kein Prophet geworden, sondern Philosoph, und hätte den Spruch nicht getan: „In vierzig Tagen wird Ninive zerstört“. Prophetie ist nicht instrumentalisierbar, als instrumentalisierte (als Mittel zum Zweck, als Höllenpredigt: mit der Absicht, dem Hörer einen gehörigen Schrecken einzujagen, vielleicht merkt er’s) würde sie sich selbst (und „ihre Wirkung“) zerstören. Die „Wirkung“ der Prophetie ist kein Gegenstand der Intention („Überzeugen ist unfruchtbar“).
Die Buße Ninives schließt mit ein, daß auch der König von seinem Thron steigt und Tiere (die Rinder und Schafe: die Opfertiere Israels?) an der Buße teilnehmen.
Wird das Gleichnis von den Talenten nicht doch zu früh beendet; kann es nicht sein, daß das im Acker vergrabene Talent Kräfte aus dem Acker zieht, die die der Geschäfte der anderen übertreffen?
Zur Geschichte des Verräters (Judas Iskariot): Kann es nicht sein, daß am Ende auch das Blutackers zum Himmel schreit?
Wo liegt der Unterschied zwischen ha’adama und ha’arez? Die Erde wurde im Anfang erschaffen und bringt die Pflanzen und (nach der Bildung von Sonne, Mond und Sternen) die Tiere hervor; der Acker ist es, aus dem Adam erschaffen und nach dem er (wie die die Wasser trennende Feste nach dem im Anfang erschaffenen Himmel) benannt wurde: Ist er nicht auch die dem Menschen zur Bearbeitung und Bewahrung übergebene Erde?
Hat der Unterschied zwischen arez und erez (Erde und Land) etwas mit dem zwischen „Himmel und Erde“ und „Welt“ zu tun: Ist das Land (erez) nicht die auf den Staat bezogen, durch ihn vermittelte Erde (arez): die Erde als Eigentum?
Die griechische Philosophie hat sich in ihrer lateinischen Rezeption vollständig verändert: Gibt es nicht erst im Lateinischen das Futur II, den Gebrauch der Hilfsverben bei den Perfektbildungen, und liegt hier nicht der Grund der Differenz zwischen der griechischen und der lateinischen Sprachlogik (vgl. auch die Übersetzungen kosmos/mundus, physis/natura)? Sind diese Veränderungen nicht beim Tertullian ablesbar (vor allem am Personbegriff)?
Wieso gibt es in dieser gottverlassenen Welt keinen von Verlassenheitsängsten geplagten Theologen (statt dessen eher eine Erleichterung darüber, daß es zur Gottesfurcht keinen Anlaß mehr zu geben scheint)? Es gibt zu viele theologische Texte, aus denen man zwar die Angst vor den Kollegen (die heute die vorm kirchlichen Lehramt endgültig abzulösen scheint) heraushört, nicht aber mehr die Gottesfurcht. -
14.09.93
Zum Turm von Babel: Die Verwirrung der Sprache war das Produkt gesellschaftlich bedingter unterschiedlicher Beziehungen zur Sprache.
In der Wendung „Wir Deutschen“ wird das idealistische Ich in ein Kollektivum übersetzt: Beide sind Produkte der Vergegenständlichung eines absolut Ungegenständlichen, was dann ohne Schuldverschiebung: ohne projektive Abarbeitung der Vergegenständlichung, und d.h. ohne Absolutierung, nicht zu halten ist. Dem gleichen Mechanismus verdanken sich im Ursprung der Philosophie insbesondere die Begriffe Natur und Materie.
War der griechische Kosmos der schöne, geschmückte Kosmos, der lateinische mundus die von Feinden und Barbaren gereinigte, durchs Recht befriedete Welt?
Zum Begriff und zur Geschichte des Himmels: Haben die Christen nicht den Himmel mit der Unterwelt vermischt? Was bedeutet es, wenn im Englischen sky und heaven unterschieden werden, im Deutschen eine etymologische Beziehung des Worts Himmel zum Hammer sich nachweisen läßt?
Ist nicht die physikalische Nahwirkungstheorie, der prinzipielle Ausschluß jeglicher „Fernwirkung“, der falsche Ausdruck eines an sich richtigen Sachverhalts: daß das Inertialsystem nicht globalisiert werden darf.
Zahlreich wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Meer: Was bedeutet dieser Sand am Meer?
Haben der Baum der Erkenntnis und die Dornen und Disteln etwas mit den Flexionen, und zwar der Baum der Erkenntnis mit den Konjugationen der Verben (dem Prädikat, dem Begriff), die Dornen und Disteln mit den Deklinationen: den casus, zu tun, die Schlange mit dem Neutrum und der zu bearbeitende Acker, dem die hervorbringende Erde zugrundliegt und von dem Adam, der Mensch, seinen Namen hat, generell etwas mit der Sprache?
Wenn der Erde die Idee der Sprache zugrundeliegt, dann dem Himmel die der Erfüllung des Worts: hat Gott nicht die Erde gegründet und den Himmel aufgespannt?
Gehört nicht der Nominalismus in die Geschichte der Urbanisierung, und wirft das nicht ein Licht auf Ninive, die „große Stadt“, in der die Menschen Rechts und Links nicht unterscheiden können (die genaueste Definition des Nominalismus)?
Bezeichnen die Dornen und Disteln, das Widerständige, nicht aufs genaueste den Objektbegriff (als Kern des Naturbegriffs), die Null und den Punkt im Raum als Quellpunkt des Inertialsystems (genauer den Punkt in der Minkowskischen Raumzeit, in den das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit und die Gleichungen der Lorentz-Transformation schon mit eingearbeitet wurden).
„An jenem Tag wird Israel der Dritte im Bunde sein neben Mizrajim und Assur, ein Segen inmitten der Erde, die der Herr der Heerscharen segnet, indem er spricht: Gesegnet ist Mizrajim, mein Volk, und Assur, das Werk meiner Hände, und Israel mein Erbbesitz!“ (Jes 1924f)
Die Gottesfurcht ist das Ende der Menschenfurcht: Sie macht den Haß der Welt, anstatt ihm nachzugeben, erfahrungs- und verarbeitungsfähig. Sie ist der Schutz vor der Identifikation mit dem Aggressor.
Merkwürdige und erschreckende Erfahrung beim erneuten Lesen von Karl Thiemes Buch „Kirche und Synagoge“ (geschrieben 1944): So tief steckte der Antijudaismus in der kirchlichen Tradition. Steht das Buch nicht unter einem ungeheuren Rechtfertigungszwang: daß der kirchliche Antijudaismus nur ja nicht verwechselt werde mit dem gleichzeitigen Antisemitismus (gegen den Karl Thieme aktiv gearbeitet hat). Deutlich wird, wie eng der Antijudaismus mit Dogma und Bekenntnis, und zwar weniger mit ihrem Inhalt, als vielmehr mit ihrer gleichsam transzendentalen Logik, verknüpft ist.
Aber spiegelt nicht das Thiemesche Kirchenverständnis (in Kirche und Synagoge) etwas von der Kirchenerfahrung unter Hitler wider, was heute zu leicht vergessen wird: die Kirche als Zuflucht, als Asyl und Schutzraum angesichts der Barbarei und der Greuel dieses apokalyptischen Zeitalters? Ist der Thiemesche Bekenntnisrigorismus nicht ein Produkt seiner apokalyptischen Erfahrungen?
Nach diesem Buch würde ich mich heute gerne mit Karl Thieme über die drei Leugnungen Petri unterhalten.
Vom Urknall zum Schwarzen Loch: War nicht der Antisemitismus der Urknall, und wird die Kirche nach der nicht gelingenden Aufarbeitung (in Deutschland heute: die CDU) zum Schwarzen Loch der politischen Astronomie?
Es gibt kein Bekenntnis
– ohne Feindbild (im Christentum: Juden und Heiden),
– ohne Häretiker (Verräter und Abtrünnige),
– ohne Sexismus, ohne patriarchalischen Kern (das „Glaubens“-Bekenntnis ist das Schuldbekenntnis der Natur, zu dem die Sexualmoral und das Unschuldsproblem, die Vorstellung einer natürlichen Unschuld, der Virginitas, gehört).
Wenn der Weg der Befreiung versperrt ist, wird die Unschuldsfrage: das Problem der Rechtfertigung, übermächtig (Zusammenhang mit dem Ursprung des Weltbegriffs, dem projektiven Naturbegriff: die Vorstellung einer natürlichen Unschuld zielt auf die Unschuld und die befreiende Kraft des Opfers: Theologisierung der Logik der Naturbeherrschung?).
Materie als reines Objekt von Herrschaft: Steckt im Begriff der Materie nicht die mater dolorosa? Die Vorstellungen von der unbefleckten Jungfrau, die dann zur Gottesmutter (zur Mutter des Gottes, den die Juden ans Kreuz geschlagen haben) wird, und der unberührten Natur haben etwas miteinander zu tun.
Ist diese Theologie nicht das Abbild einer bis heute mißlungenen Naturphilosophie, und das Bekenntnis der Generator eines von den sieben unreinen Geistern beherrschten Naturbegriffs? Der Bekenntnisbegriff ist nicht abzulösen von der Geschichte des Ursprungs und der Anwendung des Inertialsystems. Das Bekenntnis als verdinglichte und neutralisierte Umkehr (mit dem wir uns das Gottesreich vom Leibe halten), Zusammenhang mit der dritten Leugnung und Selbstverfluchung: Erst in der Umkehr wird das steinerne Herz durch das fleischerne ersetzt.
Ist nicht Adornos Kritik der Verdinglichung als Kritik des Objektbegriffs nur durch die Kritik des Dogmas hindurch noch möglich? Und ist nicht Auschwitz die dritte Leugnung und die Selbstverfluchung?
Sind nicht alle drei großen Religionen, das Judentum, der Islam und das Christentum auf den Weltbegriff verhext? Und ist nicht jeder Fundamentalismus ein Produkt des Weltbegriffs und der daraus hervorgehenden Bekenntnislogik? Aber hat nicht nur das Christentum den Schlüssel zur Lösung?
Der Streit um die Auslegung der Gottesknecht-Kapitel im Deutero-Jesaia ist nicht zu lösen, wenn man nicht das Nachfolgegebot mit hereinnimmt.
Die Übernahme der Sünde der Welt schließt die Kritik des Naturbegriffs (des Kerns des Schuldverschubsystems) und seiner Vorgeschichte (in der altorientalischen Geschichte) mit ein. Hierzu gehören die Probleme
– des Ursprungs der Astronomie und der Schrift,
– des Ursprungs der Tempelwirtschaft und des Geldes sowie
– des Ursprungs des Staates als Organisation einer Gesellschaft von Privateigentümern (Ursprung des Rechts). -
13.09.93
Ist der Nationalsozialismus die Explosion des in der (Herrschafts-)Geschichte des Christentums Verdrängten (der Geschichte der Häresien)?
Der Stand der Theologie läßt sich am Stand des Verständnisses, der Interpretation der Blutsymbolik erkennen.
Die Trinitätslehre gehorcht einer Logik, die ihren Ursprung in der Trennung des Natur- und Weltbegriffs hat (Ursprung des Neutrums).
Das Inertialsystem entzieht der Forderung der Umkehr durch die Vorstellung der homogenen Zeit die damit verbundene Vorstellung der Reversibilität aller Richtungen im Raum den Grund.
Bezeichnen nicht die Dornen und Disteln, die Schlange und der Kelch den gleichen Sachverhalt, nur aus verschiedenen Perspektiven, und hängen sie nicht zusammen mit den drei Aprioris des Objektivationsprozesses: Raum, Geld und Bekenntnis?
Das Glaubensbekenntnis ist das Schuldbekenntnis der Natur; ihm liegt die Sünde der Welt zugrunde, die das Lamm (der Gottesknecht) auf sich nimmt. Ist nicht das Lamm die Naturalisierung des Gottesknechts? Und wird das Lamm nicht erst durch den Geist zum Gottesknecht?
Hat Erich Zenger nicht insofern Unrecht, als der unvermittelte Übergang von der Finsternis über dem Abgrund zum Sechstagewerk (zum „Gott sprach: es werde Licht, und es ward Licht“) eigentlich undenkbar ist. Dazu gehört der über den Wassern brütende Geist. Aber bezeichnet Erich Zenger mit dem Ausschluß von Gen 12b aus Pg (Gottes Bogen, S. 81, Anm. 97) aufs genaueste den parvus error in principio des Christentums, das diesen „brütenden“ Geist seit je durch einen „schwebenden“ Geist ersetzt hat (nur Franz Rosenzweig hat diese Berichtigung im „Stern“, Martin Buber hat in seiner Bibelübersetzung zwar die Alliteration „Braus“ beibehalten, dann aber doch das Brüten wieder in ein Schweben zurückgenommen)?
Der Weltbegriff ist der im Erkenntnisprozeß sich ausbreitende blinde Fleck (oder die aus den unteren Quellen einströmenden Wasser der Sintflut).
„Einmal dem Fehlläuten der Nachtglocke gefolgt: es ist nicht wieder gutzumachen.“ – Ist nicht die Musik das Läuten aller Nachtglocken?
Das „Wenn die Welt euch haßt“ klingt schon bei Jeremias an im „Grauen um und um“, bei Thales in dem Satz „Alles ist Wasser“ (mit dem Thales das mythische Grauen bannt und die Philosophie begründet).
Die spezielle Realtivitätstheorie Einsteins ist insoweit ein Schritt über die kantische Erkenntniskritik hinaus, als sie im Erstarrungsprinzip des Inertialsystems erstmals das Moment der Subjektivität, seine verandernde Kraft, kenntlich macht. Es steht in der Tradition der Geschichten vom Baum der Erkenntnis, des Sündenfalls, der Erkenntnis des Guten und Bösen, der Nacktheit und der Scham, der Schlange und der Vertreibung aus dem Paradies, des Kerubs mit dem kreisenden Flammenschwert, der Sintflut mit der Noe-Geschichte und ihren herrschaftsgeschichtlichen Konnotationen, des Turmbaus zu Babel und der Verwirrung der Sprache, die alle zur Geschichte dieses Erstarrungsprozesses gehören. Deren letzte Phase wurde eingeleitet durch die Theologisierung (Hellenisierung) des Christentums, durchs Dogma und die Begründung der Bekenntnislogik, die Trinitätslehre, die Christologie und die Opfertheologie (die theologische Begründung und Absicherung des Weltbegriffs, mit Hilfe der Fehlübersetzung von Joh 129).
Müßte Joh 129 nicht so übersetzt werden: Seht den Knecht Gottes, der die Sünde der Welt auf sich nimmt? Jesus hat denen, die ihm nachfolgen, nicht die Last abgenommen, er hat sie ihnen aufgehalst (und sie genau dadurch von der Last befreit).
In Publik-Forum gab es einmal einen Sonderteil mit dem Titel: Gott will keine Knechte. Abgesehen davon, daß dieser Titel aus der Geschichte des deutschen Nationalismus stammt (der Gott, der Eisen wachsen ließ …), würde in der Linie seiner Konsequenz nicht die Streichung von Deuterojesaia, des Gotteslammes und der Apokalypse liegen? Wer aber den Gottesknecht im Gotteslamm verschweigt, will nur noch Lämmer.
Prophetie und Aktualität:
– Korrespondenz der Gegenwart (des Weltuntergangs) mit der altorientalischen Geschichte (Ursprung des Weltbegriffs);
– Ursprung des Staates (Privateigentum), des Geldes (Schuld-knechtschaft, Tempelwirtschaft, Idolatrie), der Schrift (Astronomie);
– babylonischer Turm: Sprachverwirrung (hebräische und indogermanische Sprache, Hebräer und Barbaren, Philosophie und Prophetie)
– Welt- und Naturbegriff (Ursprung und Ende der Naturwissenschaft; Dogma: Theologie als Naturwissenschaft; Weltbegriff als blinder Fleck: abzuarbeiten über den Begriff der prophetischen Erkenntnis);
– im Kern Jeremias:
Im Bereich der Verwandtschaft meiner Eltern wurden in jedem Dorf die Diphtonge anders ausgesprochen (in Erkeln: Mäuse = Miuse). Läßt nicht auch die Aussprache des Niederländischen sich aus dem Trieb ableiten, das eu = oi zu vermeiden? Kann es sein, daß der Erfolg der Nazis daher rührt, daß der Name Deutscher zunächst als fremd, dann aber als Nobilitierung erfahren wurde? Sich als Deutscher fühlen zu dürfen, war wie die Verleihung eines Adelstitels. Dieser Name war ein Kollektivum: Vergesellschaftung eines Plural majestatis. Zu den Konstituentien des Namens der Deutschen gehörte das „Im Felde unbesiegt“, nach der realen Niederlage gleichsam ein geheimer, esoterischer, jedenfalls öffentlich nicht anerkannter Ehrentitel, der heute wieder aus dem kollektiven Unbewußten hochkommt (im Zeigen der Reichskriegsflagge sich manifestiert) und in den Exzessen der Neonazis sich auskotzt. Die Niederlagen in den großen Kriegen waren das größte Unrecht, das den Deutschen angetan worden ist. Denn „eigentlich sind wir die Herren der Welt“, gleichgültig ob die andern uns anerkennen oder nicht (an der Anmaßung der Ausländer, die etwas davon zu ahnen scheinen und deshalb hier in Massen einströmen, um an unseren mystischen Privilegien teilzuhaben, rächt sich die verdrängte Wut). Beweisen nicht der Reichtum hier und die Asylantenflut, die daran Anteil gewinnen möchte, die metaphysische Auszeichnung der Deutschen? Darin steckt das finstere Geheimnis der (heideggerschen) „Eigentlichkeit“.
Steckt nicht auch in der Rechten ein Erbe der vulgärmarxistischen Tradition. Liegt hier nicht ein ebenso ironischer wie fataler Beweis der Nolteschen These von bolschewistischen Abkunft des Nationalsozialismus? Vom dialektischen Materialismus ist nur der Neid übriggeblieben, der die Idee der richtigen Gesellschaft von innen zerstört. -
24.08.93
Zu Erich Zenger, Gottes Bogen in den Wolken: Paßt nicht der Kriegsbogen zum kreisenden Flammenschwert?
Ein prophetischer Begriff der Erkenntnis kann die Trennung von Natur und Welt nicht akzeptieren, er schließt die Kritik der Geschichte im Sinne einer praeparatio resurrectionis mit ein. Gründet nicht die Trennung von Prophetie und Schöpfungsgeschichte in der durch die Philosophie (und den Staat) vermittelten Trennung von Welt und Natur? Diese Trennung von Welt und Natur oder die Herrschaft des Begriffs und des Rechts ist nur zu kritisieren im Kontext einer Theorie des Namens, des Angesichts und des Feuers. Nicht nur die Prophetie, auch die Schöpfungslehre hat einen Aktualitätskern, der nur durch die Kritik der Trennung von Welt und Geschichte und der zugrundeliegenden Trennung von Natur und Welt wiederzugewinnen ist (Geschichte konstituiert sich durch den Naturbegriff: durch die Leugnung der Auferstehung hindurch); und das Medium dieser Wiedergewinnung ist Erinnerungsarbeit.
In der Geschichte der drei Leugnungen ist die Magd des Hohepriesters (bei Johannes 1815ff u. 25ff) zugleich die Türhüterin, an der Petrus nur mit Hilfe des „anderen Jüngers“, der „mit dem Hohepriester bekannt war“ vorbei in den Hof hereingekommen ist. Bei Johannes fehlt der Satz von der Selbstverfluchung des Petrus und dem bitterlichen Weinen.
Zenger, S. 109: Die Flutgeschichte erzählt gerade nicht, „daß und wie der Schöpfergott diesen „Gewaltbazillus“, der die Erde vergiftet hat, durch die Flut aus der Erde herausspült“, sondern dieser „Gewaltbazillus“ ist ein Systemteil der Flut, und seitdem ist die Erde damit vergiftet (hier ist alles Fleisch erst zu Fleisch geworden, auch im paulinischen Sinne: erst hier ändern sich auch die Tiere).
Daß „die Wassertiere … in 721 verständlicherweise (fehlen)“ (S. 110), hat nicht nur den empirischen Grund, daß sie halt im Wasser leben, sondern verweist auch auf die „großen Meerestiere“ des fünften Tages, die, wie Himmel und Erde und wie der Mensch, unmittelbar von Gott erschaffen sind, und nicht nur die Sinflut überleben, sondern diese Katastrophe gleichsam antizipieren (vgl. die merkwürdige Beziehung der großen Meerestiere zur Philosophie und zum Staat: als Weltsymbole?).
S. 111: „am Neujahrstag sind die Wasser von der Erde verschwunden“. Hat das (und die Sintflut insgesamt) etwas mit dem Wechsel vom Mond- zum Sonnenjahr zu tun? – Vgl. hierzu die Anm. 27.
S. 117: Bezieht sich der Schrecken auf den Tieren in Gen 92 außer auf den Gottesschrecken bei der Landnahme (Josue) nicht auch auf den Schrecken Isaaks, und gehört nicht auch der „Schrecken um und um“ in diese Reihe? Und steht das Ganze nicht im Zusammenhang mit der Geschichte des Opfers als Vorgeschichte des Weltbegriffs? Ist nicht die Welt das subjektlose Subjekt dieses Schreckens (das subjektlose Subjekt einer Erkenntnis, deren Subjekt-Objekt der tiefste Grund dieses Schreckens, nämlich das Anderssein ist)?
Verführung und Weltbegriff (et ne nos inducas in tantationem, sed libera nos a malo): Subjekt des Weltbegriffs sind die Menschen, aber davon werden sie durch den Weltbegriff zugleich entlastet: das ist die Sünde der Welt.
Verstellt nicht auch in der Sintflutgeschichte das Chronologie-Problem den Blick auf ihre reale (und aktuelle) Bedeutung?
Verweist nicht die Vorgeschichte (mit den Göttersöhnen und den Menschentöchtern und den Riesen der Vorzeit) aufs deutlichste auf die Zeus- und Heroen-Geschichten des griechischen Mythos?
Ist nicht die Taufe (durch ihre Beziehung zur Sintflut) ein Symbol der Erinnerungsarbeit?
Ist nicht „die Seite“ in der Schrift immer die linke Seite (von der Erschaffung Evas bis zum Lanzenstich am Kreuz)?
Wie hängen die beiden – nach meinem Eindruck sehr katholischen -Wendungen im Verhältnis insbesondere zum Alten Testament zusammen:
– das „Heute wissen wir, daß …“, mit dem störende Konnotationen beiseite geschafft, verdrängt werden, aber auch wenn eine Stelle dem Stand der naturwissenschaftlichen oder der historisch-kritischen Erkenntnis nicht mehr entspricht, und
– die projektiv dem biblischen Autor unterstellte Absicht, die Behauptung zu wissen, was der biblische Autor an einer Stelle gemeint hat (insbesondere, wenn diese „Meinung des Autors“ mit dem Wortlaut des Textes nicht übereinstimmt)? Wäre hier nicht zu prüfen, ob die Vorstellung von der biblischen Autorschaft nicht in der Tat sehr projektive Züge trägt, und bestimmt ist vom eigenen Verfahren: vom Abschreiben aus Büchern in Zettelkästen und aus Zettelkästen in neue Bücher. Verkennt diese Vorstellung nicht doch zentral den realen Prozeß der literarischen Produktion in einer Welt, in der es noch keine Sekundärliteratur (die alle Quellentheorien gerne in die Texte hineinschmuggeln möchten) gibt?
War nicht in der alten Welt das Verhältnis zur Sprache (bis hin zum Logos-Begriff des Johannes-Evangeliums) ein wesentlich anderes als unser heutiges, durch Rechtfertigungszwänge sowie durch Mathematik und Ökonomie zerstörtes und verwirrtes Verhältnis? Und ist nicht ein zentrales Moment der „Schrift“ Sprachreflexion?
So wie zwischen dem „Stern der Erlösung“ und uns Auschwitz steht, so steht zwischen der Schrift und uns die zweitausendjährige Geschichte des Christentums, die in Auschwitz endet. Hier gründet die erschreckende und beklemmende Aktualität der Schrift.
Nochmal zur Stelle: Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde, die Jesus dann selbst, so als sei es nur eine rhetorische Frage gewesen, beantwortet: Ihr werdet den Kelch trinken, aber das Sitzen zu meiner Rechten oder Linken habe nicht ich zu vergeben, sondern der Vater. – Nirgend kommt die Mittler-Rolle dramatischer zum Ausdruck als hier.
Ist nicht die Geschichte der Dogmatisierung eine Geschichte der Subjektivierung (als welche sie zur Vorgeschichte der subjektiven Formen der Anschauung, ihrer Trennung vom Licht, gehört)? Und ist sie nicht (wie die subjektiven Formen der Anschauung) über den Weltbegriff herrschaftsgeschichtlich strukturiert (Verdrängung und Verachtung der Armen und der Fremden)? Bezeichnen nicht Gott, die Armen und die Fremden die andere Seite der Geschichte der Subjektivierung?
Ist nicht das Feuer die Vermittlung zwischen dem Inertialsystem und dem Licht, und das Plancksche Strahlungsgesetz (zusammen mit der speziellen Relativitätstheorie Einsteins) der innerphysikalische Ausdruck dieser Vermittlung? -
22.08.93
Ist der Personbegriff nicht ein Reflexionsbegriff der neutralisierten Welt (er bezeichnet den Schauspieler im Drama und das rechtlich schuldfähige Subjekt).
Die sieben Siegel: Taufe, Firmung, Buße, Eucharistie, Priesterweihe, Ehe und Salbung.
Wer den Faschismus nur unter dem Aspekt der Schuldfrage reflektiert, verfehlt ihn. Zu Auschwitz gibt es kein objektives Verhältnis mehr; das Besondere an Auschwitz ist die nicht mehr abweisbare Einsicht, daß man auch durch Nichthandeln (auch durch die Distanz des „historischen Betrachters“) schuldig wird. Mit Auschwitz enthüllt sich Objektivität insgesamt als Schuldzusammenhang.
Grund des Weltbegriffs: Der Raum ist ein sich-selbst-tragendes Konstrukt (das reine Sich-Fortzeugen); er scheint nur hingenommen werden zu können und jeder Begründung und Reflexion sich zu entziehen. Die Konsequenzen allerdings sind unabsehbar.
Die scheinbar so einfache und klare Struktur des Raumes ist in Wahrheit ein Produkt der Zerwirbelung der raummetaphorischen Elemente der Sprache:
– im Angesicht und hinter dem Rücken,
– rechts und links (Gerechtigkeit und Barmherzigkeit),
– oben und unten (Herr und Knecht).
Dies ist der Knoten, den Alexander als Erbe der Philosophie und Begründer des Cäsarismus, nur durchschlagen hat, während es darauf ankäme, ihn zu lösen.
Hat nicht die Entdeckung des Winkels, der Orthogonalität, jene Seitenansicht der Dinge erst eröffnet und begründet, die dann die Begründung der Philosophie und die Konstituierung des Weltbegriffs (die Trennung des Natur- und Weltbegriffs) ermöglichte? Die ganze nachfolgende Geschichte, einschließlich des Ursprungs und der Ausbildung des Dogmas im Christentum, steht unter diesem Vorzeichen und war so die Voraussetzung für den europäischen Objektivations- und Säkularisationsprozeß. In diesem Prozeß ist die Seitenansicht dann zur Totalen geworden: zum Inertialsystem (der Verkörperung des Jeremias-Wortes vom „Grauen um und um“).
Vgl. die schöne Stelle in Büchners „Lenz“: Sehen Sie, Herr Pfarrer, wenn ich Gott wäre, ich würde retten, retten.
Die Verführung des Feminismus: Wenn der Faschismus eine aus der Logik des Patriarchats erwachsene Erscheinung ist, dann ist der Feminismus gleichsam apriori exkulpiert. – Die große Bedeutung des Feminismus liegt darin, daß sie die politische Dimension des Sexismus wiederentdeckt hat.
Gibt es eigentlich zum Schuldzusammenhang (und zum Rechtfertigungs- und Exkulpierungszwang) keine Alternative mehr?
Die Unfähigkeit zur Schuldreflexion, die einhergeht mit der Unfähigkeit zur Sprachreflexion, reproduziert den Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhang, in dem sie gründet.
Die technische Adaption der kritischen Theorie subsumiert sie unter Rechtfertigungs- und Alibizwänge.
Die Kritik der Postmoderne, die Kritik Drewermanns und auch die Kritik Edith Steins trifft zwar den Sachverhalt, verdrängt aber zugleich das Problem und verfällt deshalb der Bekenntnislogik, der Vorstellung, das Bekenntnis zur richtigen Anschauung würde schon etwas ändern.
Man muß sich klarmachen, daß das Inertialsystem das Referenzsystem aller physikalischen Erscheinungen, Begriffe und Gesetze ist, mit zwei Grenzfällen:
– der speziellen Relativitätstheorie und
– den Statistik-Gesetzen, insbesondere dem Planckschen Strahlungsgesetz.
In beiden wird die Selbstreferenz und das Problem der Vermittlung im System als Gesetzeszusammenhang zu einem Teil des Systems. Die „empirischen“ Konstanten (der Wert der Lichtgeschwindigkeit und das Plancksche Wirkungsquantum) sind selber auch Knotenpunkte des Systems. Hier liegt der objektive, in der Physik selber verankerte Grund einer Theorie des Feuers.
(Sind nicht die Banken die black boxes der Ökonomie?)
Sind die drei großen und die zwölf kleinen Propheten Reflexgestalten der Patriarchen und der zwölf Söhne Israels? -
20.08.93
Der Himmel ist die Einheit der Extreme, hat er etwas mit dem Blutsymbol zu tun, und mit der (prophetischen) Erfüllung des Wortes: dem Namen? Ist der Himmel nicht das in den oberen Wassern gebundene Feuer, der darin verschlossene Name? Und ist der gesellschaftliche und erkenntnistheoretische Begründungszusammenhang des Nominalismus nicht das Wasser (die Sintflut), in dem der Name erloschen ist? Ist der Nominalismus das Wasser, das den Meeresboden bedeckt, auf das die Gotteserkenntnis die Antwort ist?
Steckt nicht im Kern des Naturbegriffs der Tod, drückt darin nicht seine konstitutive Beziehung zur Herrschaft sich aus? Und wurde nicht die Todesstrafe abgeschafft, nachdem im Prozeß der Vergesellschaftung von Herrschaft die Todesfurcht als Grund der Herrenfurcht in anderen („existentiellen“) Tatbeständen begründet werden konnte? Ist nicht seit Getsemane der Schweiß des Angesichts, der seit dem Sündenfall zur Arbeit gehört, mit Blut vermischt? Und ist nicht der im Sündenfall gründende Tod der Herr der Welt; aber ist dieser Herr nicht einer, der seine Macht aus unsern Händen empfängt, und ist nicht das die Sünde der Welt? Gründet nicht jede Herrschaft in der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit: in der Todesinfektion?
Stark wie der Tod ist die Liebe. (Hl 86) Aber nur stark wie, nicht stärker als der Tod.
Ist die kantische Erkenntnis, wonach die Vernunftideen nur regulative, nicht konstitutive Bedeutung haben, nicht ein anderer Ausdruck für das, was Levinas die Asymmetrie in der Ich-Du-Beziehung genannt hat, oder für das Benjamin-Wort „Überzeugen ist unfruchtbar“? Ist sie nicht zugleich eine Begründung der Notwendigkeit von Erinnerungsarbeit, und enthält sie nicht den genauesten Einspruch gegen die Instrumentalisierung der Marxschen Theorie aus Herrschaftsgründen? Widerlegt sie nicht die Wertphilosophie? Die kantischen Vernunftideen respektieren die Grenze zwischen mir und dem anderen, sie verhindern die Xenophobie schon dem Grunde nach.
Die Unterscheidung zwischen der (erlaubten) regulativen und der (verbotenen) konstitutiven Bedeutung der Ideen ist eine Anwendung und Präzisierung des jesuanischen Satzes „Richtet nicht …“.
Ist die Xenophobie nicht ein Ausfluß der inneren Logik des Herrendenkens? Gründet sie nicht in dem vom Objektivierungsprozeß unablösbaren projektiven Element?
Sind nicht die Empfindungen, die mit der Trennung der primären und sekundären Sinnesqualitäten erst sich konstituieren und entspringen, Produkte der Selbstobjektivierung; verweist darauf nicht der Regenbogen in der Sintflut-Geschichte?
Gibt das johanneische Komma nicht auch mit seiner trinitarischen Ergänzung Sinn?
Gegen die Kollektivscham: Hängen Scham, Blut und Feuer zusammen? Ist die Scham die Pforte der Hölle?
Wie verhalten sich die Scham und der Zorn: Beide treiben die Röte ins Gesicht, aber während die Scham sich nach innen richtet, geht der Zorn nach Außen? Wie verhalten sich Scham und Wut (ist nicht die Wut ein Zorn, der in Scham verstrickt bleibt)?
Rühe, Seiters, Bohl und Schäuble: die Metastasen des Aussitzens. Aber ist Kohl dem Kanther gewachsen?
Sind nicht die Beziehungen von Engels zu Marx, von C.G. Jung zu Freud und die der Kopenhagener Schule zu Einstein vergleichbar? Aber sind dann nicht doch auch die Differenzen zu beachten:
– das Verhältnis von Engels zu Marx war von großer menschlicher und theoretischer Solidarität geprägt,
– das C.G. Jungs zu Freud hingegen war bestimmt durch das intri-gantische Renegatentum die Ranküne Jungs und
– das der Kopenhagener Schule zu Einstein durch einen von der Verachtung des „Spinners“ durchsetzten Respekt vor der moralischen und theoretischen Integrität Einsteins.
Der Hilfloseste von allen war offensichtlich Einstein. -
10.08.93
Vielleicht lohnt es sich doch, den verbleibenden Irritationen bei Erich Zenger noch einmal genauer nachzugehen (teilweise erinnern sie mich an FW Marquardt).
Ist der reiche Mann in dem Gleichnis vom armen Lazarus, den Lazarus auf Moses und die Propheten verweist, nicht die Kirche? Und wer sind Martha und Maria (wer ist insbesondere Maria, die „den besseren Teil erwählte“)?
Hat Thales mit dem Satz, mit dem die Philosophie beginnt: Alles ist Wasser, nicht das Feuer verdrängt?
Urknall und Schwarzes Loch: Sind nicht die Naturwissenschaften selber das Schwarze Loch, das die ganze Schöpfung in sich hereinsaugt und keine Strahlung mehr herausläßt, und wird der Urknall nicht am Ende sein (wie alle Erscheinungen, die mit dem Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit zusammenhängen, Zeitumkehr-Erscheinungen sind: Die Kausalität ist eine verdinglichte Finalität)? Steckt darin nicht der Ansatz zur Lösung des Rätsels der Beziehung von Gravitation und Licht (das Rätsel Newtons und Einsteins)? Paradigma Newton: Seine Optik war eine zwangsläufige Konsequenz aus seiner Gravitationstheorie.
Die Seitenansicht der Dinge, die über Kopernikus und Newton sich durchgesetzt hat, hat die sinnliche Welt von innen zerstört (das Bewußtsein desensibiliert).
Der Begriff der Umkehr basiert auf einer Raummetaphorik; dazu gehört
– im Angesicht und hinter dem Rücken,
– rechts und links (Gericht und Gnade), und
– oben und unten (die Herrschaftsmetaphorik).
Aber diese Metaphorik hat ihre Eindeutigkeit verloren, seitdem jede Richtung im Raum mit jeder anderen austauschbar geworden ist. Der Raum selbst hat die in ihm gründende Metaphorik vernichtet. Nur über die Kritik des Weltbegriffs (über die Rekonstruktion der Metaphorik, die keine bloße Metaphorik ist, gegen die sie vernichtende mathematische Raumvorstellung): durch die Kritik des durch die intentio recta definierten Erkenntnisbegriffs hindurch, der dann in die mathematische Konstruktion der Raumvorstellung sich verstrickt, läßt sich der Begriff der Wahrheit rekonstruieren. Deshalb gehören heute die Logik der Umkehr, die Logik des Namens und die Logik des Angesichts zusammen. Zusammengefaßt sind diese drei Elemente in dem Wort Johannes des Täufers über Jesus in Joh 129.
Durch den Gehorsam haben die Christen das Hören verlernt, durch die Enthaltsamkeit die Keuschheit und durch das Selbstmitleid die Armut.
Hängt das hebräische Wort für Schiff: anijah, mit dem Ich (ergänzt durch das theophore Element) zusammen, oder ist es die feminine Fassung des Wortes für Ich (Hebr. Grammatik, S. 80.87)?
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