Einstein

  • 04.03.90

    Es fehlt immer noch eine objektive Interpretation der speziellen Relativitätstheorie Einsteins und des Prinzips der Konstanz der Geschwindigkeit:

    – Inertialsystem als Medium der physikalischen Begriffe,

    . Inertialsystem als Todesgrenze (Begriff des Wissens);

    . Inertialsystem als Medium der Instrumentalisierung;

    . Inertialsystem als System der „Fälle“ (Wittgenstein).

    – Bedeutung der Lichtgeschwindigkeit

    . Beziehung auf den geradlinigen Weg nur Reflex ihrer Beziehung zum ganzen Raum (Korpuskel-Welle-Dualismus);

    . keine „Geschwindigkeit“ einer Bewegung, sondern Maß der Vergängnis;

    . Abweichung vom Gesetz der Objektivität, Projektion;

    . Bedeutung des Prinzips der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit für den Begriff des Lichts;

    . Einsatzpunkt für eine qualitative Interpretation der mathematischen Naturerkenntnis;

  • 26.02.90

    Die Probleme der alten Äthertheorien haben sich in der modernen Atomphysik präzise reproduziert; nur hat es noch niemand bemerkt. Beide sind Ausdruck und Konsequenz der projektiven Struktur der gesamten Physik, des Verdinglichungszwangs (der an das apriori der Kantischen Anschauungsformen bzw. – gegenständlich und selber verdinglicht formuliert – des Inertialsystems gebunden ist: Ableitung des Verdinglichungszwangs, des Objektbegriffs aus der Struktur des dreidimensionalen Raumes, der Form der Äußerlichkeit, die im Ding – wie im Ich – sich auf sich selbst bezieht).

    Das Inertialsystem als selber verdinglichte Gestalt der Kantischen Anschauungsformen: Ohne diese Verdinglichung wäre das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit nicht formulierbar gewesen.

    Die Objektivität der physikalischen Erkenntnis und Theorie ist jedoch ebenso auch nur Schein: Der verdrängte Herrschaftstrieb kehrt notwendig als aggressiver Nationalismus wieder. Modell des pathologisch guten Gewissens: Die Harmonie und Ästhetik der mathematischen Theorie wird gerne beschworen, nachdem man im Konkurrenzkampf die Siegerposition, die Zugehörigkeit zur herrschenden Meinung erobert hat. Wer oben ist, hat das Sagen, erläßt die Sprachregelungen, die die eigene Position dann gegen lästige Newcomer abschirmt.

  • 09.01.90

    Das Problem der kontrafaktischen Urteile stellt sich in der Geschichte ebenso wie in der individuellen Biographie: Kontrafaktische Urteile drücken im Verhältnis zur eigenen Vergangenheit zwar eine Kritik der Gegenwart aus, lenken aber zugleich ab vom Prinzip Verantwortung, von der an sich notwendigen Erforschung der Änderungsmöglichkeiten hic et nunc; sie bleiben in die Haltung des Zuschauers gebannt, dessen Unschuld sie erhalten sollen durch Verschiebung der Schuld in die Vergangenheit, die jedoch eben dadurch unaufhebbar wird; sie sind Funktionen der eingebildeten Ohnmacht, des Selbstmitleids (Heideggers „Seinsvergessenheit“ ist ein kontrafaktisches Urteil, dem er sich nur zum Schein selbst unterwirft; die „Seinsfrage“ ist das endgültige Verdammungsurteil). Kontrafaktische Urteile werden bösartig und gemein, wenn sie (im allgemeinen im Interesse der Selbstrechtfertigung, der Entlastung von Schuldgefühlen: im Kontext des pathologisch guten Gewissens) auf andere bezogen, auf die Vergangenheit anderer angewandt werden.

    Der Begriff des dreidimensionalen Raums ist eine Funktion der Verräumlichung der Zeit (der Subsumtion der Zeit unter die Vergangenheitsform). Rätsel der Lichtgeschwindigkeit. Ist der Blick zum „Sternenhimmel“ ein Blick in die Vergangenheit? Ist alles Gesehene ein Vergangenes, nicht mehr Erreichbares? Ist die Physik insgesamt ein kontrafaktisches Urteil (Zusammenhang mit Projektion und Paranoia?), und dessen kritische Auflösung die heute notwendige Gestalt einer parakletischen Naturphilosophie?

    Was bedeutet es, wenn (auch christliche) Politiker Ereignisse und Taten dem „Urteil der Geschichte“ anstatt dem göttlichen Urteil unterstellen? – Der faschistische Schicksalsglaube ist noch lebendig.

    Spenglers Begriff der Sorge (Madonna als Muttersorge; der Staat die Sorge des Mannes, UdA, S. 178): Hat Heidegger Spengler gekannt?

    Weltanschauung als Droge.

    Wie begründet Heidegger seine Behauptung über die besondere Affinität der deutschen (wie früher der griechischen) Sprache zur Philosophie, und welche Schlüsse lassen sich aus dieser Begründung ziehen (Vgl. Ulrich Sonnemanns Hinweis hierzu)?

  • 28.10.89

    Das Maß theologischer Erkenntnis ist ihre Kraft zur Versöhnung, und die wiederum hat ihr objektives (geschichtsphilosophisches und menschliches) Maß an der Schuld. Es ist die Last der Schuld, die in der Neutralisierung der Natur, ihrer Vergegenständlichung und Entfremdung sich ausdrückt. Der kopernikanische (newtonsche) Kosmos ist keiner; er hat seine nicht mehr abschließbare Grenze nicht im Objekt, sondern in der Erkenntnistheorie (erst die spezielle Relativitätstheorie hat sie wieder ins Objekt verlegt); zu seinen Konstituentien gehören subjektive, ins Objekt hineinprojizierte, nicht vom Objekt abstrahierte Prämissen; und diese Prämissen haben ihr fundamentum in re in der Gesellschaft, im Herrschaftsprozeß, in der Geschichte der Naturbeherrschung, nicht in der Natur; durch sie ist Natur in den gesellschaftlichen Schuldzusammenhang (der hier identisch wird mit dem Naturzusammenhang, der immer schon einer der zweiten, schuldbeladenen Natur war) verflochten, nicht mehr daraus abzulösen. Durch den Objektivationsprozeß wird Natur in einen nicht mehr aufzuhebenden Anklagezustand versetzt; die Naturerkenntnis ist das Gericht über die Natur, und dieses Gericht kennt keine Verteidigung und keine Gnade (unmögliche Aufgabe einer Naturphilosophie?). Hier ist der Ursprung der unauflösbaren Verbindung von Herrschaft und Schuld: Beherrschbar ist jedes Objekt nur durch Schuld, durch die es in das Inertialsystem der Herrschaft hereingezogen, ihrem Gesetz unterworfen wird; nur das Schuldmoment bietet den Ansatzpunkt, den Widerstand, an dem das Objekt greifbar, begreifbar wird; an diesem Widerstand arbeitet Herrschaft sich ab, entwickelt sie sich selbst zum Duplikat ihres Objekts (wie die Sonne zum Duplikat der Erde im newtonschen System). Trägheit, Masse, Materie (als Inbegriffe der Subjektlosigkeit) sind Begriffe, in denen in der Natur dieses Schuldmoment sich anzeigt. (Levinas hat den Zusammenhang des Materiebegriffs mit dem theologischen Schuldbegriff anhand seiner erkenntnistheoretischen Konstituentien aufgezeigt: Dieser Materiebegriff gründet in der Isolation des Einsamen. Ähnlich schon Ferdinand Ebner.)

  • 14.07.89

    Mathematik und Sprache: Das Verhältnis der Mathematik zur Sprache drückt sich nicht in der „Grammatik (Logik) der Mathematik“, sondern allein im Übergang im Objekt (als Übergang von der Mathematik zur Sprache): in der Schöpfungslehre aus. Hier (und nur hier) läßt sich der erkenntnistheoretische Sinn des theologischen (nicht bloß moralischen) Begriffs der Umkehr demonstrieren. Der Weltbegriff und der naturwissenschaftliche Objektbegriff stehen außerhalb (nämlich diesseits) des theologischen Erkenntnisbereichs, nur durch ihre Kritik hindurch läßt sich der theologische Erkenntnisbereich rekonstruieren. (Chemie = domestizierte Alchimie; der Elektromagnetismus – die Instrumentalisierung von Licht und Feuer – hat den qualitativen Naturbegriff zum Verschwinden gebracht, die spezielle Relativitätstheorie mit dem Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit den Grund der Möglichkeit der Instrumentalisierung/Domestizierung der Natur benannt; die genaue Analyse der Planckschen Strahlungsformel, die gleichsam das Feuer dingfest macht, müßte das konkretisieren. Atomphysik/-technik = Spiel mit dem Feuer.)

    Hängen die Schöpfungstage mit dem Planetensystem zusammen (die Benennung der Wochentage scheint darauf hinzudeuten)? Gibt es in der Kabbalah oder in der frühchristlichen Engellehre Hinweise auf solche Zusammenhänge?

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