Angriff auf die Barmherzigkeit: Mit fortschreitender Säkularisation, mit der Entfaltung, Ausbreitung und Stabilisierung des Inertialsystems (der Geldwirtschaft, der Bekenntnislogik), entfalten sich die Kräfte der Gemeinheit, die dann gegen jede Manifestation der Barmherzigkeit draußen, deren Regung im eigenen Innern sie um der Selbsterhaltung willen schon im Keim verdrängen müssen, sich zuspitzen. Gnadenlosigkeit wird zum Markenzeichen der „Persönlichkeit“ (Ursprung des „steinernen Herzens“). Eines der frühesten Warnsignale (dem der Ursprung der Psychoanalyse sich verdankt) war die diskriminierende Abwehr der letzten Erinnerung an die Barmherzigkeit, die im Namen der Hysterie sich ausdrückt. Ausdruck der Hysterie aber war ihr Name. nicht das, was dieser Name bezeichnen sollte (exemplarisches Modell des projektiven Erkenntnisbegriffs). Im Namen der Hysterie hat sich der Schoß geöffnet, aus dem der Faschismus gekrochen ist (Eichmann sprach immer von den Ideen, die er „geboren“ hatte). – War die Erfindung der Hysterie eine Vorstufe der Abtreibungsdiskussion?
Die kirchliche Stellung zur Abtreibungsfrage wird wahr, wenn man sie auf die messianischen Wehen bezieht.
Ist der gnostische Lösungsversuch des Weltproblems (Erschaffung der Welt durch einen Demiurgen, der dann allerdings, anstatt als Staat begriffen, durch projektive Verschiebung mit dem jüdischen Gott identifiziert wurde) nicht eng mit der paulinischen Tendenz, den Konflikt mit dem Römischen Staat auf die jüdische Tradition (das „jüdische Gesetz“) abzuwälzen, verbunden? War nicht die Gnosis überhaupt so etwas wie die – zwangsläufig aus dem christlich-jüdischen Urschisma folgende – Urhäresie, aus der die nachfolgenden häretischen Bewegungen (bis zum Verbrauch der häresienbildenden Kraft in der Reformation) sich müssen ableiten lassen? Das Urschisma, die Gnosis und die Verurteilung der Gnosis ist als Ganzes der dramatische Prozeß der ersten Leugnung.
Atomphysik und die Umkehr: Ist das Atommodell die mathematische Parodie der Lösung der sieben Siegel (vorgestellt am Prozeß der Abfolge der Umkehr aller Richtungen in ihrem Ursprungspunkt)?
Tod und Auferstehung haben etwas mit der Beziehung von Erde und Himmel zu tun (wer den Himmel leugnet, leugnet die Auferstehung). Und wenn Jesus in den Himmel aufgefahren ist, ist das nicht auch ein Hinweis darauf, daß der Name des Messias im Namen des Himmels mit erschaffen ist?
Ist das Wort „Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist“ nicht ein Hinweis auf die messianischen Wehen?
In dem Feuer, das Jesus auf die Erde bringen wollte, und von dem er wünschte, es brennte schon, werden die oberen und die unteren Wasser wieder zusammengefügt.
Die unverschämte (unkeusche) Dreistheit einer bestimmten Art des öffentlichen Auftretens von Katholiken (ein Exhibitionsmus, dem man ansieht, welche Mühe er hat, den Vergewaltigungstrieb in sich unten zu halten).
Als das Christentum seinen Weg in die Welt hinaus begann, war es hilflos und wehrlos gegen die Philosophie und gegen den Römischen Staat.
Das Objekt des Satzes „Herr vergib ihnen, …“ sind wir, denn wir wissen weniger den je, was wir tun (wir sind die 120 000 in Ninive, die rechts und links nicht unterscheiden können).
Die Unterscheidung von oben und unten (Religion und Herrendenken) und von vorn und hinten (im Angesicht und hinter dem Rücken) ist relativ leicht verständlich zu machen, während die Unterscheidung von rechts und links (Gericht und Barmherzigkeit) ist die schwierigste. Das scheint damit zusammenhängen, daß diese Unterscheidung keine theoretische, sondern eine praktische Unterscheidung ist.
– Mit der Unterscheidung von vorn und hinten hängt das Urschisma,
– mit der von oben und unten die Gnosis und die daraus folgende Geschichte der Häresien,
– mit der von rechts und links die patriarchalische Struktur der Kirche und der Sexismus zusammen; hier beantwortet sich die Frage nach der Hilfe im zweiten Schöpfungsbericht.
Leben wir nicht in einer Welt, in der das Normale verrückt ist und das Verrückte der normale Ausdruck der Ohnmacht, Hilflosigkeit und Wehrlosigkeit dagegen?
Zu Umberto Ecos Sprachphilosophie: Es fehlt die Kritik des Neutrum.
Drei Gestalten der Finsternis: die Nacht, die Farben und die Materie.
Geld
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14.6.1994
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8.6.1994
Ist die Lichtgeschwindigkeit (das Prinzip der Konstanz der Lichtgschwindigkeit) eine „Schranke“ im Hegelschen Sinne (keine Grenze): die des Inertialsystems und der naturwissenschaftlichen Erkenntnis insgesamt? In der Vorstellung des leeren Raumes abstrahiere ich nicht nur von den Dingen, sondern auch vom Blick der andern: Diese Abstraktion wird zusammengefaßt in dem Begriff „Laborbedingungen“. Schuld, Arbeit und Tausch: die drei Dimensionen des Geldes. Merkwürdig, daß der Begriff der „Erschaffung der Welt“ im Neuen Testament nur bei Paulus, und zwar bei seinem Besuch in Athen (in der Apostelgeschichte) und in seinem Brief an die Römer, vorkommt. Ist nicht das Fehlen einer Kritik des Finanzkapitals, des Depositengeschäfts und des Kreditwesens (der Banken), der Geschichte der Schuldknechtschaft, der Basisfehler der marxschen Kritik der politischen Ökonomie? So wurden die Schätze der Hegelschen Logik nicht wirklich ausgeschöpft und gerettet, während umgekehrt schon bei Engels die Anpassung an den naturwissenschaftlichen Erkenntnisbegriff (und das daraus geschöpfte Technologiekonzept) den Weg in den „real existierenden Sozialismus“, der eigentlich ein Staatskapitalismus war, eröffnete. Zur Theorie des Feuers: – Das Feuer ist ein Grenzproblem der Sprache (genauer: ein Problem der Grenze der Sprache, wie das Lachen, das Weinen, die Scham, die zu den Konstituentien der Sprachlogik, nicht zu ihren Objekten, weder zu ihren Formen, noch zu ihren Inhalten, gehören); – hierzu gehört die Stelle im Jakobusbrief über die Zunge (Sprache, Logik und Gemeinheit); – der sprachliche Grund des katholischen Mythos: Himmel, Hölle und Fegfeuer; – doppelte Umkehrung der Kritik der Astrologie: die apokalyptische Passage in 2 Ptr bezieht sich auf den Himmel der Astrologie und der Astronomie zugleich; – die paulinischen Archonten, die Elemente der Welt und das Harren der Kreatur. Benjamins Theorie vom Zerfall der Aura hat mit der Abstraktion vom Gesehenwerden zu tun (der Blick des Kunstwerks, sein mythisches Erbe, das im Licht des Tauschprinzip zur Echtheit verdinglicht wurde, wird mit seiner technischen Reproduktion gelöscht). Darauf bezieht sich die Bemerkung Benjamins über das Verhältnis von Nähe und Ferne im Begriff der Aura. Schuldverschubsystem, Unrecht und Bekenntnis: Die Fähigkeit eines Sportlers, nach der berechtigten Ahndung eines Fouls die empörte Unschuld zu demonstrieren, gehört nach einer Bemerkung des Sportreporters „zum Handwerk“ (das Publikum fällt drauf rein, hält die Entscheidung für himmelschreiendes Unrecht und läßt seinen Ärger am Schiedsrichter und an den Parteigängern des Gegners aus). – Hierzu paßt die Funktion der Medien in realen Konflikten, im Golf- und im Bosnienkonflikt ebenso wie in politischen und sozialen Auseinandersetzungen, die ohne die Wirksamkeit (und den geschichtlichen Stand) der Bekenntnislogik keinen Grund finden würde.
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4.6.1994
Weltbegriff:
– Das Eine ist das Andere des Anderen. Logik des Andersseins.
– Logik des Andersseins ist die Logik der Vergesellschaftung. Der Blick des Andern, die Scham und der Objektbegriff (Aufdeckung der Blöße).
– Das tode ti, der Ursprung des Objektbegriffs, die subjektiven Formen der Anschauung. Der Raum, die Verdrängung der Vergangenheit und die Konstituierung des inneren Sinns.
– Objektivation und Instrumentalisierung: die Wiederkehr des Verdrängten.
– Medien der Objektivierung: die subjektiven Formen der Anschauung (der Raum, das Geld und die Bekenntnislogik).
– Ursprung der Raumvorstellung, Entfaltung der mathematischen Logik des Raumes: die alte Welt und der Winkel (Orthogonalität), die neue Welt und das Inertialsystem (Verdinglichung).
– Der Raum (das Geld, das „Bekenntnis“): das halbierte Licht (das Sein und das Eigentum, Ursprung der Urteilsform).
– Gemeinsamer Ursprung des Weltbegriffs und des Staates (als Organisationsform einer Gesellschaft von Privateigentümern). Der Weltbegriff als apriorische Logik der Welterfahrung: die Urteilsform. Das Urteil, die Scham, die aufgedeckte Blöße, das Keuschheitsgebot. Scham und Herrschaft, Weltbegriff und Sexualmoral (Besiegelung der apriorischen Weltlogik). Die Urteilsform, der Staat und das Absolute (die Gottesleugnung).
– Nicht Gott, sondern der Staat (der gnostische Demiurg) hat die Welt erschaffen; Gott hat Himmel und Erde erschaffen.
– Der Raum, die Mathematik: das bewußtlose Medium der Vergesellschaftung. Erinnerung und Sprache: der Begriff und die benennende Kraft der Sprache.
– Die Armut (oder die Sünde der Welt), die Keuschheit (oder Herrschaftskritik und Scham; „Kollektivscham“ und Restauration der Herrschaftsstrukturen) und das Hören (nicht der Gehorsam).
– Zum Weltbegriff gehört das Tier (und der Schöpfer der Welt, das Absolute, ist ein Tier).
Gewaltenteilung: Ist nicht die eigentliche gesetzgebende Gewalt das Geld?
Die Trennung von Ding und Sache gründet im modernen Wertbegriff und ist insofern aus der Geldgeschichte ableitbar.
Gemessen an der griechischen Idee der Polis ist die Trennung von Ding und Sache „idiotisch“. Es ist der idiotes, der in der Hegelschen Rechtsphilosophie die Letztentscheidung an den Monarchen delegiert und darin sein „Bewußtsein der Freiheit“ gewinnt: Der König ist eine Ich-Funktion.
Sokrates und Jesus haben selber nichts geschrieben. Die Bibel verdankt sich u.a. auch der Anstrengung, gegen die Logik der Schrift zu schreiben, im Medium der Schrift deren Logik nicht zu verfallen (heißt die Schrift der Bibel deshalb die „hebräische“, und war es erst nach Jesus möglich – und notwendig? -, griechisch, und d.h. gegen den Geist dieser Sprache, zu schreiben?).
Die grammatische Organisation und Entfaltung der Schriftsprachen – und die erste war die heute so genannte „sumerische“, die chaldäische Sprache – verdankt sich der Auseinandersetzung mit der vorgegebenen Logik der Schrift: Die Geschichte der Grammatik ist die Geschichte der Entfaltung der Logik der Schrift in der Sprache. Ihr Nebenprodukt und die Rückführung auf den Grund dieser Logik ist die Geschichte der Entfaltung des Inertialsystems.
Die drei Richtungen des Raums sind der Grund und das Bild des liberum arbitrium, sie sind „Freiheitsgrade“ deshalb, weil dank der Dreidimensionalität des Raumes jede Richtung in ihm durch Drehung des Objekts im Raum, ohne daß seine Identität affiziert wird, intendierbar ist. Zum Weltbegriff gehört das Tier. Und der Schöpfer der Welt, das Absolute, ist ein Tier.
Die Philosophie ist die Rückseite der Prophetie, und so sind beide aufeinander bezogen: Es bedarf nur der Umkehr. Und wenn die Geschichte der christlichen Theologie seit den Kirchenvätern die Geschichte der Theologie hinter dem Rücken Gottes ist, so ist mit dieser Beziehung (der Beziehung zweier Seiten eines Blattes) der Weg zu einer Theologie im Angesicht Gottes vorbezeichnet.
Das „Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu bringen, und ich wollte, es brennte schon“, diese Umwandlung des Wassers in Feuer ist vorbezeichnet in der Verwandlung des Wassers in Wein in Kana und in den Feuerzungen zu Pfingsten.
Ist das Problem des biblischen Schöpfungsberichts nicht auch ein Problem der Beziehung von Synchronie und Diachronie? Die sieben Tage werden durch sechs Nächte (sechs Finsternisse) getrennt (nach der Lösung des siebten Siegels war eine Stille im Himmel).
Die sieben Donner durften nicht niedergeschrieben werden, wohl aber die sieben Posaunen und die sieben Plagen, deren Abfolge gleich ist.
Der Ursprung des Weltbegriffs wird in der Noah-Geschichte beschrieben, in der Geschichte von der Sintflut, der Tiere in der Arche, des Weinbaus, der Trunkenheit, der aufgedeckten Blöße und des Ursprungs der Knechtschaft sowie in dem neuen Nahrungsgebot.
Bezeichnet nicht der Turmbau zu Babel, der die Verwirrung der Sprache zur Folge hat, den Ursprung der Logik der Schrift? Es wäre ein entscheidender Schritt, wenn es gelingen würde, aus der „sumerisch“-chaldäischen Sprache, der ersten Schriftsprache (und der ersten „heiligen Sprache“), der Ursprung der semitischen und der indogermanischen Sprachen sich herleiten ließe.
Kanaan ist selbst eines der sieben Völker Kanaans.
Für Ägypten sind die Hebräer Sklaven, für die Philister sind sie Feinde. Abraham war ein Hebräer: dazu gehören die Geschichten mit Abimelech, dem König der Philister, und dem Pharao, dem König Ägyptens.
Wer waren die Bewohner Sodoms, und wer waren die Bewohner Jerichos? Rahab in Jericho hatte die Kundschafter der Israeliten aufgenommen, Lot in Sodom die Engel Gottes (in Gibea war es ein alter Mann aus dem Gebirge Ephraim, der als Fremder in Gibea lebte, der einen Leviten, der als Fremdling im hintersten Gebirge Ephraim lebte, zusammen mit seiner bethlehemitischen Nebenfrau aufgenommen hatte).
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3.6.1994
Wie tief die Hegelsche Staatsmetaphysik verwurzelt ist, mag man daran erkennen, daß das Carl Schmittsche Konstrukt von Souveränität, Notstand und Führerprinzip sein Modell in der Hegelschen Rechtsphilosophie (278) hat. Genau diese Stelle ist der Beweis dafür, daß auch die Dialektik die Asymmetrie der Beziehung des Ich zu den Andern nicht aufhebt, sondern zugunsten der Andern (der Welt) neutralisiert.
Die Welt ist für jeden die Welt für die Anderen; das Anderssein der Andern (nicht zu verwechseln mit dem Fremdsein) begründet die Objektivität der Welt.
Zur logischen Äquivalenz von Individuellem und Allgemeinem (oder Problem einer Geisterlehre): Kann es nicht sein, daß, was hier ein Individuelles, dort ein Allgemeines, und das, was hier ein Allgemeines, dort ein Individuelles ist: daß die Einzelsterne Gattungen sind, und die Gattungen Geister? Liegt hier der logische Grund für die Konzeption des Tierkreises und der frühchristlichen Engellehre (auch der biblischen Himmelsheere und des göttlichen Hofstaates)? Dann wären die subjektiven Formen der Anschauung der genaue Reflex der christlich-mythischen Gestalten des Satan und des Teufels. Und was bedeutet dann die Entdeckung des Begriffs: war sie nicht der Anfang der Vertreibung der Engel? Oder anders: Greift hier nicht eine Art Umkehrung des Verhältnisses von Natur und Welt (Objekt und Begriff), so daß wir in der Tat nur durch unseren Beitrag zur Rettung der Welt hindurch gerettet werden können? Wirft das nicht ein neues Licht auf die paulinischen Archonten und auf den Namen des Fürsten dieser Welt?
War nicht der Kreuzestod die antizipierte Strafe für eine Untat, die erst folgte, oder ist er dazu erst durch die christliche Opferthologie geworden? Bezieht sich darauf nicht das jesuanische Kelchsymbol (in der Antwort an die Zebedäussöhne, in Gethsemane und in dem Hinweis an Petrus)?
Die Bemerkung, daß die Theologie heute „bekanntlich klein und häßlich“ sei, ist noch zu harmlos: Sie ist zur Stätte des Greuels der Verwüstung geworden.
Kann es sein, daß es deshalb keine Aktualisierung der Marxschen Kapitalismus-Kritik mehr gibt, weil niemand mehr fähig ist, in diesen Abgrund zu schauen?
War nicht die Vertreibung der Händler und Wechsler aus dem Tempel der letzte Akt des Kampfes gegen Kanaan, und enthält sie nicht den Hinweis, daß zur Theologie heute eine Geschichtstheologie der Banken gehören müßte? Die Befürchtung scheint nicht unbegründet, daß eine Kritik der Banken davon ausgehen müßte, daß es eine technische Lösung des Problems nicht gibt: Es gibt keine Alternative zu den bestehenden Institutionen, gleichwohl muß man dem, was ist, ins Auge sehen, – und es dann auch aussprechen: Ninive wird in 40 Tagen zerstört.
Der Sündenfall hat sehr viel mehr mit der Organisation und Entfaltung der Sprachen (Grammatik, Beziehung der Sprachen zur Mathematik und Ursprungsgeschichte des Neutrums) zu tun als mit der Sexualmoral.
Die besondere theologische Qualität der deutschen Sprache, die nicht zu leugnen ist, kann man an Begriffen wie „Fall“, an der Unterscheidung von Zorn und Wut (sowie Ding und Sache), auch an Begriffen wie Urteil und Empörung ermessen.
Zusammenhang der Urteilsform mit den subjektiven Formen der Anschauung: Ihr gemeinsamer Ursprung liegt in der Halbierung des Lichts. Das erste Urteil gründete in der Abstraktion vom Gesehenwerden. Insofern ist die Scham in die Konstruktion des Urteils mit eingegangen. Das Objekt ist ein Produkt der projektiven Verarbeitung der Scham; es ist die Scham vor vor dem leeren Blick des Allgemeinen, vor dem subjektlosen „Gesehenwerden“ durch den Begriff, die das Objekt gegen den Begriff zusammenschließt, durch die es gegen den Begriff sich vergegenständlicht (Genesis der Urteilsform). – Deshalb war der Heußsche Begriff der „Kollektivscham“ so verhängnisvoll: Er hat die Deutschen an den Blick „des Auslands“ gefesselt, in dem sie sich seitdem „spiegeln“. Die Fremdenfeindschaft heute ist ein ebenso ohnmächtiger wie vergeblicher Ausbruchsversuch.
Mit dieser Beziehung des Urteils zur Scham (der Verwechslung der Wahrheit mit der aufgedeckten Blöße) hängt der Ursprung der Sexualmoral zusammen.
Creatio mundi ex nihilo: Das Nichts, aus dem Gott die Welt erschaffen hat, ist das durch die Verdrängung der Scham erzeugte Nichts. Hier liegt der Ursprung des Idealismus. Und vor diesem Hintergrund gewinnt Heideggers Frage „Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts“ ihre ungeheuerliche Bedeutung.
Das Keuschheitsgebot, das sich auf diese Geschichte der Scham und des Urteils bezieht, gehört wirklich zu den Fundamenten der Theologie. Und der Greuel der Verwüstung ist das Produkt der vollständigen Entblößung (Philosophie heute wäre Reflexion des Ekels).
Wodurch unterscheiden sich Kohl, Hintze, Rühe, Seiters, Schäuble und Kanter von Kinkel, Frau Schwätzer, Rexrodt? Nur durch die Reflexion des Ekels hindurch, so scheint mir, läßt sich der Abgrund dieser Koalition noch ausmessen. Koalition der aussitzenden Gnade der späten Geburt mit den gnadenlosen Leistungsträgern: Und daneben eine SPD, die den Eindruck erweckt, daß ihr das imponiert.
In der Anmerkung zu 279 seiner Rechtsphilosophie gibt Hegel einen bedeutenden Hinweis auf den Zusammenhang des Begriffs mit der Schicksalsidee (Hinweis auf den Dämon des Sokrates) und auf den Hintergrund, auf den sich die Untersuchung von Marie Theres Fögen über die „Enteignung der Wahrsager“ bezieht. Hier übrigens auch das Wort von der „wüsten Vorstellung des Volkes“ (die „formlose Masse, die kein Staat mehr ist“). In Hegels Staatslehre steht der Monarch an der Stelle, an der in der Theologie das Opfer steht: als Verhinderer des Chaos.
Ist nicht der Zerfall der europäischen Agrarmarktordnung in den 70er, 80er Jahren (ähnlich wie die sogenannte Schuldenkrise der Dritten Welt) ein Menetekel für das Schicksal der Geldwirtschaft insgesamt: die Schrift an der Wand?
Ist die Hegelsche Philosophie nicht der Beweis für die Wahrheit der biblischen Überlieferung, daß außer Petrus nur die Dämonen den Gottessohn erkennen?
Wenn die Philosophie der Leib Christi ist, dann wäre heute die descensio ad inferos an der Zeit. Nicht auszuschließen, daß sie dort auf die Propheten trifft.
Gründet nicht die Erbaulichkeit im Selbstmitleid (in der Anwendung des Schuldverschubsystems aufs Opfersein, oder in der Verschiebung der Armut von der Realität draußen ins Selbstgefühl drinnen): In der Ersetzung der Nachfolge durch die Imitatio?
Daß der Terrorismus-Paragraph im Strafrecht nur ein Instrument zur Bekämpfung und Diskriminierung der Linken war, ist daran erkennbar, daß er bei den Nachfahren der größten terroristischen Vereinigung, die es in diesem Lande je gegeben hat, nicht greift.
In Westfalen sagt man statt „es ist egal“: et is een Dohn, es ist ein Tun. Das heißt: das eine Tun unterscheidet sich nicht von dem anderen, beide sind in ihren Folgen gleich.
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30.5.1994
Mit der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit (mit dem Inertialsystem) setze ich auch die Gegenwart als vergangen: Das ist die Voraussetzung des gesamten historischen Abstraktionsprozesses. (Der Historismus setzt die Ausdehnung des Raumes über das ganze Universum voraus: Das Interesse an der Astronomie ist das Interesse an der logischen Durchgestaltung des Natur- und Geschichtsverständnisses, es ist identisch mit dem Interesse des Staates an seiner Selbstbegründung, mit seinem Legitimationsintersse.) Der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit korrspondiert das Heideggersche Vorlaufen in den Tod“: Ich setze mich als gestorben (und mache so die Todesangst gegenstandslos).
Liegt die Unterscheidung zwischen Besitz und Eigentum nicht darin, daß der Begriff des Eigentums auf die Anerkennung durch andere (das Recht und den Staat) abzielt, während der Besitz nur das Nutzungsrecht des Dings bezeichnet?
Hängt das Suffix „-tum“ (in Eigentum, Reichtum, Christentum etc.) mit dem Ursprung des Dingbegriffs zusammen?
Wurde die Todesstrafe, als sie abgschafft wurde, nicht in das reine Funktionieren der gesellschaftlichen Mechanismen, aus denen es kein Entrinnen mehr gibt, verlegt (Vergesellschaftung als kalte Exekution der Todesstrafe)?
Zur Begründung der Sprachphilosophie gehört die Umkehr des Satzes „Der Ursprung ist das Ziel“: Das Ziel ist der Ursprung. Das Matriarchat liegt nicht vor dem Patriarchat, sondern ist ein Teil der in der Katastrophe des Ursprungs des Patriarchats aufblitzenden Utopie: Der Gedanke daran, daß es auch anders sein könnte.
Double-bind-Falle Dritte Welt: Wir zwingen ihr die Verhältnisse auf, die die Barbarei hervorrufen, die wir dann zugleich verurteilen.
Die Illusion, Richter über die Geschichte zu sein, gründet darin, daß wir uns selbst von den Untaten, die wir in der Vergangenheit verurteilen, heute durch Delegation an andere (an Gefängnisse, Schlachthäuser, Irrenhäuser und an die Diktaturen der Dritten Welt) freisprechen. Wir machen uns die Hände nicht mehr schmutzig.
Wir brauchen die Sünde der Welt nicht mehr „auf uns (zu) nehmen“, sie lastet auf unsern Schultern.
Sind wir nicht der Verführung erlegen, uns als „Spätgeborene“ als Erben derer, die je gesiegt haben, der Herrschenden, zu begreifen. So sitzen wir uns selber im blinden Fleck.
Kohl ist in der Tat ein Historiker, aber einer, der sein Handeln im Blick der „Geschichte“ (die einmal ihr Urteil fällen wird) sieht. Die Logik dieses Konstrukts ist der Grund seines politischen Handelns und seines demagogischen Talents. So einer kann in der Tat durch „reines Zusehen“ (durch Aussitzen) Politik machen und durch Zuwarten die Opposition in die Fallen locken, in denen er sie dann unschädlich machen kann. Kohl ist der zum reinen Punkt zusammengeschrumpfte und dann wieder aufgeblasene Hegel. Sein karrierewirksamste Qualifikation: Er beherrscht die Technik des kontrafaktischen Urteils.
Zum kontrafaktischen Urteil:
– Hegels Kritik des Sollens und der Satz aus der Rechtsphilosophie („das Wirkliche ist vernünftig …“),
– Nietzsches Essay „vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben“ (Kritik der Machtanbetung des Historikers, die Lehre von der ewigen Wiederkunft und vom Übermenschen),
– Benjamins geschichtsphilosophische Thesen,
– die Konversion Rosenzweigs (die Kritik des Historismus und der Stern der Erlösung),
– kontrafaktische Urteile und ideologische Geschichtsschreibung (Kollektivscham, Exkulpationsstrategien und Geschwätz),
– die Selbstverblendung der Politik in Deutschland (im „Land der unbegrenzten Zumutbarkeiten“), Kohls Demagogiekonzept und die Instrumentalisierung des kontrafaktischen Urteils: Ick bün all do.
Der, der wiederkommt, muß das unbedingt derselbe sein, der einmal da gewesen ist?
Die Materie ist der Reflex der Totalisierung des Raumes im Objekt (wie unterscheiden sich die Beziehungen der Zeit und der Materie zum Raum?).
Die Römer haben dem Staub den Namen der Mutter gegeben (Materie), damit jedoch die Erinnerung an die messianischen Wehen verdrängt. Aber diese „Mutter“ war tot, und so sind die Mütter zu Hexen, zu Herrscherinnen des Totenreichs, geworden.
Im Griechischen heißt die Materie „hyle“ (Holz, Wald); hängt das damit zusammen, daß der Naturbegriff im Griechischen auf das Zeugen anstatt auf die Geburt verweist? Im Christentum wurde das Zeugen in die Trinitätslehre mit hereingenommen und vergöttlicht.
Wenn die Propheten schon im Mutterschoß berufen waren, heißt das nicht auch, daß sie im Namen der Barmherzigkeit berufen worden sind? Wie diese Barmherzigkeit aussieht, ist der Verkündigungsgeschichte zu entnehmen, dem Magnificat („die Mächtigen stürzt er vom Thron“).
Was in der Sprachlogik des Hebräischen, in ihrer Grammatik, fehlt, erscheint in ihr als Symbol (die Schlange). Versuch, die griechische und die hebräische Sprache anhand des Modells dieser Beziehung zu vergleichen?
Die Heiligung des Gottesnamens setzt die Kritik des Dogmas (und der Bekenntnislogik) voraus und schließt sie mit ein.
Die subjektiven Formen der Anschauung sind die Pforten der Hölle. Gründet nicht
– der Raum in der Beziehung von Vorn und Hinten (in der Abstraktion vom Angesicht),
– das Geld in der von Rechts und Links (in der Abstraktion von der Barmherzigkeit) und
– die Bekenntnislogik in der von Oben und Unten (in der Abstraktion vom Himmel)?
Und bilden sie nicht genau in dieser Folge den Verblendungs-, Schuld- und Herrschaftszusammenhang?
Ist nicht durch den Begriff der Schöpfung im Deutschen die Schöpfungslehre zu einem Teil des Trinkens aus dem Kelch geworden, und ist dieser Schöpfungsbegriff nicht eher aufs Kreditwesen bezogen als auf die Theologie? Ist er nicht eine logische Konsequenz aus dem Weltbegriff (aus dem Begriff einer creatio mundi ex nihilo)? Aber: die Schöpfung ist geschaffen, nicht geschöpft (und die Erschaffung ist etwas anderes als die Erschöpfung). – Aus welchen sprachlichen Wurzeln stammen das hebräische bara, das lateinische creare und das griechische ktizo?
Die Kirche hat den Staub vergesellschaftet und die Wehen privatisiert (nach und aufgrund der Rezeption der griechischen Philosophie). -
27.5.1994
Die Sexualmoral besiegelt die Unfähigkeit zu lieben (das Geschwätz ist die Vergesellschaftung des Wölfischen). – Die Mathematik oder das Lachen und das Weinen (Grenze zwischen Mathematik und Sprache); – die Feste des Himmels oder Wasser und Feuer. Es gibt nicht nur eine Logik, sondern eine Gruppe, eine Konstellation von Logiken, in deren Zentrum der Weltbegriff steht: – die Logiken der Schuld, der Herrschaft und der Verblendung, oder – die Bekenntnislogik, die Logik des Geldes und die Logik der Anschauung. Natur, Materie und Autismus (der Feminismus als Ausbruchsversuch aus dem Käfig des Autismus). Die „Übereinstimmung von Begriff und Gegenstand“ ist nicht identisch mit „adaequatio intellectus et rei“. Zwischen diesen beiden Wahrheitsdefinitionen liegt die Geschichte der Trennung von Ding und Sache (die Geschichte der mittelalterlichen Eucharistieverehrung und des Ursprungs des Inertialsystems). Gibt es nicht diese generelle Beziehung zwischen Sprache und Symbol (wie die zwischen Schlange und Neutrum), und ist nicht der babylonische Turm die Ursprungsgestalt der Reflexion dieser Beziehung; das Bild, in dem die Prophetie den Ursprung der indogermanischen Sprachen erkannt haben? Ist der Stier das Symbol der Schrift (es gibt eine Logik der Schrift, ebenso wie eine Logik des Geldes und die Bekenntnislogik, die daraus sich herleiten)? – Vgl. hierzu die Geschichte vom „goldenen Kalb“, die zur Sinai-Geschichte und als Kontrapost zu den mosaischen Gesetzestafeln dazugehört; auch das Stier-Gesicht in der Ezechiel-Vision (sh. auch die Apokalypse). Der Nominalismus wird durch die Logik der Schrift, die zunächst auf die Astronomie zurückweist und am Ende das Inertialsystem aus sich entläßt, ebensosehr begründet, wie dann auch widerlegt. Die Schrift ist die Verkörperung des Hinter dem Rücken (sh. die Gottes-Offenbarung an Moses). Zum Kelchsymbol gehört neben Gethsemane („Vater, wenn es möglich ist, laß diesen Kelch an mir vorübergehen“) und der Antwort auf die Frage der Zebedäussöhne („könnt ihr den Kelch trinken? – ihr werdet den Kelch trinken …“), das Wort an Petrus („soll ich den Kelch nicht trinken …“), aber als Grundlage auch die prophetischen und apokalyptischen Bilder (Taumelkelch, Kelch des göttlichen Zorns, der Becher der Unzucht – der Becher der Hure Babylon) sowie dann am Ende bei Hegel die Definition des Wahren in der Phänomenologie des Geistes („das Wahre ist der bacchantische Taumel, in dem kein Glied nicht trunken ist“) und der ungeheuerliche Schluß dieses Werkes („aus dem Kelche dieses Geisterreichs schäumt ihm seine Unendlichkeit“). Die Formen der Anschauung und das Inertialsystem haben sowohl mit dem Symbol des Kreuzes als auch mit dem des Kelches zu tun (das Kreuz, Bild der Orthogonalität: mit dem Ursprung des Inertialsystems, Repräsentant des Subjekts, des Herrendenkens, der Last, die der Objektivationsprozeß dem Subjekt und den Dingen aufbürdet; der Kelch, das Bild des „Behälters“, des Inertialsystems: des unerschöpflichen Brunnens, aus dem wir die „Naturerkenntnis“ schöpfen: sie zu Objekten unserer Vorstellungen machen, Referenzsystem der Vergewaltigung und Verdinglichung des Objekts). Das Kreuz symbolisiert den Weltbegriff, der Kelch den der Natur (die „Naturerkenntnis“ ist das Trinken aus dem Kelch des göttlichen Zorns: so haben die Naturwissenschaften in der Tat etwas mit der Religion zu tun)? Das Absolute ist ein Konstrukt aus Schicksal und Scham (Begriff und Anschauung, Kreuz und Kelch). Bezieht sich nicht die Konstellation von Kreuz und Kelch außer aufs Inertialsystem auch aufs Geld und auf die Bekenntnislogik? Oder: gehört nicht auch das Dogma zum Unrat im Becher der Hure Babylon?
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12.5.1994
Kehrt nicht in den modernen Universitäten die Logik der Schrift zwangshaft in ihre Ursprünge zurück: in Technologie und Ökonomie? Und ist nicht die Kopenhagener Physik-Mythologie der letzte Ausläufer der Astrologie?
Das Problem der Eigentumsübertragung verweist das Tauschprinzip auf seinen Ursprung in der Geschichte des Tempels. Steckt nicht in jedem Tausch etwas von der Geschichte des Mords am vorherigen Eigentümer? So hängt das Geld mit der Geschichte des Opfers zusammen.
Die Ursprungsgeschichte des Tauschprinzips fällt in die Geschichte der alten Welt, die des Trägheitsprinzips in die der neuen. Und was der Tempel in der alten Welt war, das ist das Bekenntnis (die Bekenntnislogik) in der neuen (und werden nicht alle religionsgeschichtlichen Untersuchungen verhext durch das Apriori der Bekenntnislogik).
Wird nicht auch die Astrologie in ein ganz neues Licht gerückt, wenn man sie als ein Konstrukt in der Urgeschichte des Eigentumsbegriffs (des Staats, des Weltbegriffs) begreift? Erst die Griechen haben das Eigentum ontologisiert; in diesem Kontext ist die Idee des Absoluten (als Erbe der Götter, als Produkt der Verinnerlichung des Stoffes, aus dem die Götter einmal gebildet worden sind) entsprungen. Gehört nicht das Opfer, und zwar das Tieropfer als Ablösung des Menschenopfers, in die Urgeschichte des Eigentums? Und sind die nicht die Sakramente die Erben der Astrologie (mit der Eucharistie als Nachbild der Sonne): die Beziehung beider ist vermittelt durch den Prozeß der Verinnerlichung des Opfers, in dem der Gesamtbegriff der Objektivität sich verändert hat. Diese Veränderung wurde besiegelt durch die Sakramente, in ihrem Zentrum das Brotbrechen und der Kelch. Die Sakramente verhalten sich zur Astrologie wie der Weltbegriff zu den mythischen Kosomologien.
Hängt nicht das Problem des Ursprungs der Schrift mit dem Problem der Eigentumsübertragung zusammen? Konstituiert sich mit der Schrift nicht erst das Allgemeine, auf dessen Basis (wie auf der des Geldes) eine Eigentumsübertragung überhaupt erst möglich ist. Zur Tauschbarkeit gehören: der Tempel, die Opfer und der Götzendienst.
Zum Eigentum: Das Ding hat Eigenschaften, oder: die Füchse haben Gruben und die Vögel des Himmels haben Nester, aber der Menschensohn hat nicht, wo er sein Haupt hinlegen kann. (Mt 820)
Die Geschichte der drei Leugnungen ist gleichsam die Innenseite der Geschichte der Rezeption des Weltbegriffs.
Ließe sich nicht unter dem Aspekt von Joh 129 so etwas wie eine johanneische Botschaft herauspräparieren, auf die sich insbesondere die Geschichten von dem Jünger, „den der Herr lieb hatte“, beziehen würden und das Wort: „Wenn ich will, daß er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an. Folge du mir nach!“ (Joh 2122)
Die genealogische Logik ist in der Schrift nicht streng durchgehalten: Abraham war ein Hebräer, aber auch ein „umherirrender Aramäer“; die Bewohner Jerusalems waren Jebusiter, aber ihr Vater mar ein Amoriter, ihre Mutter eine Hethiterin.
Die Schrift (die Bibel) aus der babylonischen Gefangenschaft des Historismus befreien. Das Binden und Lösen bezieht sich auf die Orthodoxie, und über die Orthodoxie auf das Problem der Orthogonalität: der Form des Raumes. Diese ist der Knoten, den Alexander nur durchschlagen, nicht gelöst hat.
Kehrt um, denn das Gottesreich ist nahe: Werden im historischen Prozeß nicht auch Kräfte freigesetzt, die, indem sie die Welt weitertreiben, auch das Vergangene bewegen, so daß Korrespondenzen sich herstellen, durch die das Gottesreich näher gebracht wird? Vielleicht darf man es sich so vorstellen: Je mehr die Zukunft unter die Herrschaft der Vergangenheit gebracht, umso näher rückt uns die vergangene Zukunft, die Erfüllung der vergangenen Hoffnungen.
Der Drache und das Tier: Sind das Leviathan und Behemoth? Der eine hat die Diademe auf den sieben Köpfen, der andere auf den zehn Hörnern.
War nicht der Absolutismus insofern eine Vorstufe des Kapitalismus, als er Menschen zu Privateigentum, und damit tendentiell zu Handelsware gemacht hat? Und der barocke Pomp war ein Maß für den Druck des Exkulpationstriebs.
Sind Sprachreflexionen zur Genesis des Neutrum nicht etwas ähnliches wie das Wechseln der Windeln in Kafkas Allegorie vom Schauspieldirektor?
Raum und Umkehr: Die drei Freiheitsgrade des Raumes, als Freiheitsgrade der Richtungen im Raum, sind zugleich Freiheitsgrade der Umkehr: Jede Richtung des Raumes ist auch eine Drehachse. Nur durch alle drei Drehungen hindurch läßt sich die ursprüngliche Orientierung des Raumes wiederherstellen.
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10.5.1994
J. Goody, Die Logik der Schrift, S. 283: „… findet sich während der gesamten Menschheitsgeschichte ein Zusammenhang zwischen Geldverleih, Bankwesen und Literalität.“ Die Kanonisierung heiliger Schriften ist Ausdruck einer präzise zu bestimmende Phase in der Geschichte der Beziehung der Schrift zur Ursprungsgeschichte des Staates. Das Schreiben sowohl Homers als auch der Autoren der Bibel war kein bloß technischer Vorgang (die Vorstellung, daß nur niedergeschrieben wurde, was zuvor in mündlicher Tradition hervorgebracht worden ist und herangereift war, ist naiv). Das Schreiben selbst war Quelle und Organisationsprinzip einer neuen Sprache und eines neuen Inhalts. So ist der Staat ein Produkt der Schrift und selber wiederum ein Agent ihrer Weiterbildung und Entfaltung (war nicht Cicero ein Augur?). Das Wort vom Binden und Lösen: „Was du auf Erden binden wirst, wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst sein“, hat auch kosmologische Bedeutung. Die Wendung, die die christliche Tradition dem Motiv der Sündenvergebung gegeben hat, ist heute in die Automatik des Weltbegriffs mit eingegangen: So wurde das Christentum überflüssig, aber die Welt zugleich zu einem Feld der Barbarei (zum Greuel der Verwüstung).
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9.5.1994
Es ist das Anschauen, das das Angesicht verdrängt und es durch Vorstellungen ersetzt. Das Anschauen als die reine Abstraktion vom Blick des andern, vom Gesehenwerden (der Ursache der Scham), ist zugleich die vollständige Identifikation mit dem Blick der anderen; darin gründen die Formen der Anschauung, die das Anschauen endgültig taktlos und voyeuristisch machen: zum Anblick der Blöße, die die Selbstverdammung zur Knechtschaft nach sich zieht. Die Idee einer „Anschauung Gottes“ ist die Kurzform der Theologie hinter dem Rücken Gottes, Grund der Idee des Absoluten, der Logik des autistischen Gottes. Die Neutralisierung und Verdrängung der Asymmetrie zwischen mir und den andern (die Subsumtion des Ich unter das Alle) geht nur über die Identifikation mit dem Anderssein (den Ursprung des Weltbegriffs) und die Leugnung des Selbst. Die Selbstverleugnung ist keine theologische Kategorie. Die Funktion und Bedeutung des Begriffs des Falls („die Welt ist alles, was der Fall ist“) läßt sich an dem ärztlichen „Wir“, das dem Patienten die Ehre des Subjektseins verweigert, das Ich des Patienten auslöscht („wie geht es uns denn heute“), ablesen. Emanationen der subjektiven Formen der Anschauung sind das Geld und die Bekenntnislogik. Die Bekenntnislogik (die Logik der „Weltanschauungen“) ist gleichsam die Innenseite der transzendentalen Logik: der entfaltete logische Sinn der Formen der Anschauung (die Logik des Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhangs, als welche die Form des Raumes wie auch die Zeit am Ende sich enthüllt). Ist das Verhältnis des Geldes zu den Waren das Modell der Beziehung des Dings zu seinen Eigenschaften: das Geld das wahre hypokeimenon, oder auch die Wasser, die den Meeresboden bedecken? Die Idee der Seligkeit wird durch die Unsterblichkeitslehre nur abgelenkt und verwirrt, nicht erfüllt. Ist der grasfressende Behemoth (der Erstling der göttlichen Schöpfung) ein Monster (Hiob nachlesen)? Haben nicht die Kirchen den Teufel mit dem Satan ausgetrieben (war das die Verführung, der sie erlegen sind)? Und haben die Kirchen etwas mit dem Widersacher im Buch Hiob zu tun? Haben die sieben Köpfe des Drachen und des Tieres in der Apokalypse etwas mit den Planeten (mit der Astrologie) zu tun? Aber was bedeuten dann die zehn Hörner (und die sieben/ zehn Diademe des Drachen/ des Tieres)? Ist das archaische Lächeln (und das Lächeln der Seligen in Bamberg) ein Lächeln im Angesicht der Katastrophe; hat es nicht etwas mit dem Lächeln der Auguren zu tun? Und ist die Isaak-Geschichte die Ursprungsgeschichte dieses Lächelns? Die meisten Faschismus-Theorien tragen die Züge der Abwehr; deshalb erreichen sie ihren Gegenstand nicht. Gibt es überhaupt eine Chance, die Erfahrung, aus der der Faschismus erstanden ist, an sich herankommen zu lassen? Aber gründet darin nicht die Gefahr einer Transformation des Faschismus, der mit Sicherheit nicht in der gleichen Gestalt wiederkommen wird, in der er einmal da gewesen ist. Kontrafaktische Urteile haben eine Ähnlichkeit mit der Frage, ob es Leben auf anderen Planeten gibt. Sie lenken ab von den realen Problemen dieser Geschichte (dieses Planeten). Sie sind ein Element ideologischer Geschichtsschreibung; eine ihrer Brutstätten war der Marxismus, eine andere die nationalistische Geschichtsschreibung. Liegen nicht Auschwitz, aber auch die „Auschwitzlüge“ und die Friedhofschändungen von heute in der Konsequenz kontrafaktischer Urteile, sind sie nicht zu verstehen als der Versuch, die Geschichte zu korrigieren, ein einmal Versäumtes nachträglich doch noch in die Tat umzusetzen? Gehört nicht zum Schuldverschubsystem (dem Relativitätsprinzip wissenschaftlicher Erkenntnis) die Exkulpations- und Verteufelungslogik? Theologie im Angesicht Gottes ist der Versuch, in die Theologie die Idee der Auferstehung und das Bewußtsein des Jüngsten Gerichts mit hereinzunehmen. Die, die da sagen, daß die Deutschen nicht ewig im Büßerhemd herumlaufen können, wissen nicht, wovon sie reden: Was sie das Büßerhemd nennen, ist das weiße Kleid der Umkehr. Was sind das eigentlich für Christen, die das Wort Buße nur noch mit einem pejorativen Klang hören und aussprechen können (wie bei der „Büßerin“ Maria Magdalena, von der man sich nur noch hat vorstellen können, sie müsse es aber schlimm getrieben haben)? Ist der Menschensohn (der bar enasch) der Sohn des Enosch, in dessen Lebenszeit man anfing, den Namen des Herrn anzurufen? Mit der Sprengung des All hat Rosenzweig die Form des Raumes gesprengt, die drei „Freiheitsgrade“ des Raumes aus ihrer orthogonalen Verklammerung (aus ihrer Beziehung zum All, zum totalisierenden Weltbegriff) gelöst und als Freiheitsgrade in einen neuen Zusammenhang gerückt, in dem sie als Umkehr, als Name und am Ende als Angesicht sich enthüllen? Problem des Schreibens: Das Ganze ist durchsichtig und klar, aber immer, wenn ich es niederschreiben will, wird es chaotisch und undurchsichtig. Kann es sein, daß das Schreiben die Sache der gleichen Logik unterwirft, deren Destruktion die Voraussetzung dafür ist, daß sie klar und durchsichtig wird? Dann wäre der Knoten gelöst, wenn es gelänge, die Logik des Schreibens mit in die Reflexion und Kritik einzubeziehen (dem Bücherschreiben ein Ende zu machen)? Wie hängt die Logik der Schrift mit der Logik der Welt zusammen? Ist die Logik der Schrift die Logik der Veranderung (das Äquivalent des Inertialsystems in der Sprache): der Objektbindung? Ist die Schrift die das finstere Geheimnis abschirmende Außenseite des Dings? (Liegt hier der Grund der Pseudepigraphie im apokalyptischen Schrifttum, in der mittelalterlichen Philosophie und Mystik und der geschichtswirksamen Fälschungen im Mittelalter, sowie nicht zuletzt die Lösung der Rätsel der Chronologie – der „Sumerer“ und Karls des Großen, aber auch der chronologischen Beziehungen zwischen der Abraham-, Moses-/Exodus-/Landnahme- und der Königsgeschichte Israels, der Zuordnung zu der Geschichte Chaldäas, Kanaans, Ägyptens, der Philister, Assurs und Babylons?)
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7.5.1994
Grundlage des Weltbegriffs ist das Schuldverschubsystem, dessen Logik diesen Begriff durchdringt und beherrscht. Damit hat der Weltbegriff eine gleichsam eingebaute Entsühnungsautomatik. Diese Automatik ist einmal durchs Christentum installiert und eingeübt worden, sie beginnt heute das Christentum überflüssig zu machen. Die Frage ist nicht, ob die Erbsündenlehre sich noch halten läßt, die unschuldigen Kinder den Makel der Schuld angeheftet hat, sondern ob die augustinische Interpretation (die selber aus der Problemlage am Ende des vierten Jahrhunderts abzuleiten wäre) mit der Unfähigkeit zur Reflexion des Weltbegriffs selber ans Schuldverschubsystem gebunden bleibt und deshalb der Erbsündenlehre (die im Kontext von Joh 129, im Lichte des Begriffs der „Sünde der Welt“ eine ganz andere Bedeutung gewinnt) diese terroristische Wendung gibt. Die Erbsünde ist die Sünde der Welt. Ein anderes Produkt dieses Schuldverschubsystems, das deshalb dann so wichtig geworden ist, weil es seine Instrumentalisierung ermöglichte, war die Sexualmoral. Sie war das Bindeglied, das die Erbsündenlehre mit der Sexuallust (anstatt mit der Urteilslust) verbunden, ihr damit die so verhängnisvolle und folgenreiche Wendung ins Biologistische und Rassistische gegeben hat. Frauenfeindschaft und Antisemitismus haben dann geholfen, diese Verbindung abzusichern. Damit wurde die Erbsündenlehre zu einem Konstrukt, das sich selber im blinden Fleck stand: sie ist selbst in den Bann der Erbsünde hineingerückt. Mit der dritten Leugnung wendet sich der zerstörerische Objektivationsprozeß nach innen und wird zum Prozeß der Selbstzerstörung. Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten, daß sie nackt waren: Sie lernten, sich und die Dinge im Blick der anderen wahrzunehmen. Die gesamte Geschichte der Aufklärung steht unter diesem Gesetz. Der Erkenntnisbegriff der Aufklärung enthält im Kern diesen Blick der anderen, den er zu seinem eigenen zu machen versucht. Der Weltbegriff konstituiert sich in diesem Blick. Zugleich entspringen der Name der Barbaren wie auch die Begriffe Natur und Materie, deren Logik seitdem den Erkenntnisbegriff an den der Welt bindet. Die Hereinnahme des Blicks der anderen in den Erkenntnisbegriff ist der Grund der Urteilsform; erst in diesem Blick trennen sich Objekt und Begriff, Leib und Seele. Die Logik dieses Blicks bestimmt seitdem die Struktur (und die Geschichte) der Sprachen, ihre Grammatik. Mit dem Neutrum entspringt und mit dem Ding vollendet sich die Identifikation mit dem Blick des andern. Das Zentrum dieses Blicks ist das Inertialsystem, sind die subjektiven Formen der Anschauung und die ihnen korrespondierenden Erscheinungen. Das kopernikanische System hat diesen Blick totalisiert (sein frühestes Symbol ist das kreisende Flammenschwert des Cherubs vorm Eingang des Paradieses), wie überhaupt die Astronomie in der Geschichte des Ursprungs des Weltbegriffs eine zentrale Bedeutung gewinnt. Sind nicht die Namen der Planeten Erinnerungsmale der Differenzierung der Verinnerlichung des Blicks der andern auf die Welt und auf die Dinge (Merkur und Venus, Jupiter und Mars, aber auch Sonne und Mond: diese als Hälften des Angesichts – das getrennte Sehen und Gesehenwerden -, sie alle sind Verkörperungen des Blicks der anderen, während der Saturn den nach innen gekehrten Blick der Melancholie repräsentiert). Der Merkur ist der Götterbote. Hat der Engel Elohims, der Abraham aufforderte, Isaak, seinen Sohn, zu opfern, das kanaanäische Kinderopfer an seinem Sohn zu vollstrecken, etwas mit diesem Merkur zu tun? Die Identifikation mit dem Blick des andern bedarf zu ihrer Absicherung (zur Überbrückung der Kluft der Asymmetrie) der Idee des Absoluten. Das Absolute ist der Schatten, den das Ich auf Gott wirft, die Wand, hinter der es sich dem Anblick Gottes zu entziehen versucht (die Bäume im Garten Eden); aber der Schatten des Absoluten ist der Antisemitismus (und niemand kann über seinen eigenen Schatten springen). Der Mechanismus der Identifikation mit dem Blick der anderen hat die Naturwissenschaft zur Grundwissenschaft macht. Das Hinter dem Rücken ist in den subjektiven Formen der Anschauung und im Inertialsystem institutionalisiert worden. Das Krähen des Hahns verkündet am Ende der Nacht den kommenden Morgen, den neuen Tag. Das Geld ist die Materie des Rechts (Begründung durch die Beziehung beider zum Eigentum); deshalb wäre eine Theorie der Banken ein Schlüssel zur Auflösung des Rätsels der Astronomie. Ist nicht alles, was von außen wie Bosheit aussieht, von innen Dummheit? Heute stehen sich alle selbst im blinden Fleck ihrer Dummheit, deren praktische Seite Gemeinheit heißt, die bekanntlich kein strafrechtlicher Tatbestand ist. Problem der Übersetzung des Gottesnamens: Die traditionelle Übersetzung mit „Herr“ knüpfte an an den dem unaussprechlichen Gottesnamen unterlegten Namen Adonai. Jüdische Versuche sind die Übersetzung mit „der Ewige“ (Moses Mendelssohn, vgl. Rosenzweigs Aufsatz hierzu); Buber hat den Namen mit dem Personalpronomen „Er“ zu übersetzen versucht. Die schlechteste Übersetzung ist die Nichtübersetzung, die direkte Wiedergabe des Tetragrammaton. Der Gebrauch dieses Namens unterstellt, daß es das Ich, mit dem Gott nur sich selbst nennen kann, nicht gibt. Er ist ein sich als Atheismus bekennender Atheismus in der Theologie, der, indem er den Namen ausspricht, sagt, daß es dieses Ich nicht gibt. Darin drückt sich eine Beziehung zum Text aus, die ihn endgültig in die Vergangenheit setzt, der ich als Historiker glaube, entronnen zu sein. Er ist das verstockte Bekennntnis des Endes der Gottesfurcht. Dagegen läuft das Bubersche Er in die gleiche Patriarchatsfalle, in der das christliche Herr sich verfangen hat: Zum Er gehört das Sie und Es; es unterwirft Gott dem Geschlecht, das von der dritten Person nicht abzulösen ist, und dem in der christlichen Theologie das Attribut des Zeugens (und das Männliche in der gesamten Trinitätslehre) sich verdankt. Der theologische Gebrauch des Gottesnamens steht in der Tradition der Eucharistie-Verehrung; er unterliegt der gleichen entfremdenden und verdinglichenden Gewalt. Sind nicht die Namen der Schriftgelehrten, der Pharisäer und der Sadduzäer nur noch typologisch-prophetisch, und nicht mehr historisch-projektiv zu verstehen und verwendbar? Ist nicht das augustinische ad litteram, diese ans Vergangene fixierte „Wörtlichkeit“, endlich kritisch aufzulösen? In dieser Wörtlichkeit steckt das exkulpatorische Moment, das seitdem die Theologie verhext, und durch das der Freiraum geschaffen worden ist, in dem dann die christlichen Schriftgelehrten, Pharisäer und Sadduzäer sich geschützt fühlen durften (der gleiche Mechanismus verstellt heute auf entsetzliche Weise das Verständnis der Schrift insgesamt, insbesondere auch das der Propheten). Durch die Historisierung der Schriftgelehrten, Pharisäer und Sadduzäer ist die Projektionsfolie geschaffen worden, durch die der Objektivierungsprozeß, die Heuchelei und die Instrumentalisierung der Religion (die Theologie hinter dem Rücken Gottes) der Kritik entzogen worden sind. Zusammenhang mit Joh 129, dem Wort von der Sünde der Welt! Die Heuchelei ist die Außenseite der Exkulpationsautomatik. Wir sind die getünchten Gräber, die Heuchler und die Schlangenbrut (und liegt nicht die Logik des „korban“ auch der Kirchensteuer zugrunde?).
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4.5.1994
Der Wiederholungszwang ist die Kehrseite der Idee der Auferstehung.
Hängt die Geschichte vom Hasen und Igel mit der Geschichte des Ursprungs der Raumvorstellung und der Mechanik zusammen? Die Dinge mögen laufen wie sie wollen, der Raum ruft überall: Ich bün all do. Ist nicht die Geschichte vom Hasen und Igel der Schlüssel fürs Verständnis des Relativitätsprinzips, wir müssen nur begreifen: es ist nicht immer der Igel, sondern es sind zwei, der Igel und sin Fru.
Das Hebräische kennt kein Neutrum, wohl aber beim Interrogativpronomen die Unterscheidung von Person und Sache, wobei das sächliche Interrogativpronomen als Quellpunkt des Neutrum sich bestimmen läßt. Nur wird dieser Übergang vom Was zur Sache (und schließlich zum Ding) grammatisch nicht vollzogen. Wird er etwa blockiert durch die Beziehung des mah zum majim (ihr spätes Echo im Deutschen ist die sprachliche Beziehung des Wasser zum Was, im Lateinischen erinnert als Ursprungsbeziehung des a-qua zum femininen oder instrumentalen qua)? So hängen das Thalessche „Alles ist Wasser“, der terminos a quo des Ursprungs der Philosophie, und die Heideggersche Hypostasierung der Frage, die als Rückfall hinter diesen Ursprung der Philosophie, als Versinken in den Wassern des Mythos sich begreifen läßt, zusammen.
Hängen die Beziehungen des deutschen Infinitivs Sein zum gleichlautenden Possessivpronomen 3.m.s. und des Was zum Wasser mit der Zweideutigkeit der Heideggerschen Frage nach dem „Sinn von Sein“ zusammen? Liegt nicht der Bedeutungsfrage (nach dem Sinn des Wortes Sein) der Infinitiv, dem bodenlosen Tiefsinn der Frage, ob das Sein überhaupt einen Sinn hat („Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts“), hingegen dessen sprachliche Beziehung zum Possessivpronomen (dessen Repräsentanten in Subjekt und Gesellschaft der Raum, das Geld und die Bekenntnislogik sind) zugrunde? -
3.5.1994
Die Lahmen und die Blinden (politische Aspekte des Inertialsystems): Wer heute die „Prophets of Deceit“ fortschreiben und auf den gegenwärtigen Stand bringen wollte, dürfte sich nicht mehr nur an der Figur des Agitators orientieren, sondern müßte die Reflexion auf die Struktur der politischen Öffentlichkeit, auf die veränderte Form ihrer Beziehung zur realen Politik mit einbeziehen. Wichtiger als eine Analyse der Reden der Schönhubers und Freys wäre eine Analyse der Selbstdarstellung der etablierten Parteien, die „ihre Politik“ nur noch verkaufen wollen, auf einen öffentlichen Diskurs der realen Probleme und Ziele jedoch längst verzichtet haben. In diesem Kontext wird Politik zur Sache von Verwaltung und Karriere, mit der Folge
– der Konstituierung einer zunehmend nicht-öffentlichen Politik: der fortschreitenden Abschirmung der politischen Entscheidungsprozesse gegen ihre öffentliche Diskussion,
– der Personalisierung von Sachfragen (öffentlichkeitswirksame „Korruptionsfälle“ verstellen den Blick auf die inhaltlichen Fragen der Politik),
– der Lähmung und Selbstverblendung einer immer mehr den Trägheitsgesetzen des Apparats gehorchenden Politik.
Die Lahmen und die Blinden: SPD und CDU.
Ist nicht das Geheimnis des Erfolges von Helmut Kohl die Fähigkeit zur öffentlichkeitswirksamen Darstellung des Nichtstuns, der politischen Trägheit, zu der es ohnehin keine Alternative mehr zu geben scheint? Ist er nicht der Darsteller einer Politik, die so von vorgeblichen Sachzwängen beherrscht ist, daß es wirklich nur noch darum geht, wie man sie trotzdem so präsentieren kann, als ginge es um politische Ziele?
Die Gerechtigkeits-Blindheit des Rechts drückt sich in dem Satz aus, daß Gemeinheit kein strafrechtlicher Tatbestand ist.
Anwendung des Paradigmas der Lahmen und Blinden auf die Naturwissenschaften: Kernforschung und Weltraumfahrt.
Ist nicht der Kern dieses Paradigmas die Verklammerung des kirchlichen Machtapparats mit der zwanghaften Selbstverblendung der Theologie: der Greuel der Verwüstung oder Greuel am heiligen Ort?
Sind nicht die kantischen subjektiven Formen der Anschauung die Repräsentanten der Lahm- und Blindheit im Subjekt, die Agenten der Lähmung und Verblendung des verdinglichten Subjekts? Erinnert nicht die Trennung von Natur und Welt an das Paradigma der Lahmen und Blinden (die Natur lähmt, und die Welt macht blind)? Ist nicht die Trennung von Natur und Welt Produkt jener exkulpatorischen Logik, die das Schuldverschubsystem zur Grundlage hat, die dann zur Absicherung der Opfertheologie bedarf.
Der Dativ und das „Es gibt“. Der kantische Begriff des Gegebenen (eine der Wurzeln des Begriffs der Erscheinung) enthält über das Es im „Es gibt“ den Hinweis auf den anonymisierten Gesamteigentümer der Welt. Nur weil es dieses „Es gibt“ gibt, weil es den Dativ gibt, gibt es Meinungen.
Wenn der Infinitiv Sein etwas mit dem Possessivpronomen (3. m. sing.) zu tun hat, dann hat auch der Name des Wassers mit Interrogativpronomen „Was“ (mit der Frage nach dem Wesen, nach der Sache) etwas zu tun. Frage: Wie hängt das Interrogativpronomen mit dem Possessivpronomen zusammen? Hat es etwas mit dem Kommerz, mit dem Akt des Kaufs zu tun?
Bezieht sich die Vertreibung der Taubenhändler und der Geldwechsler aus dem Tempel auf den Greuel am heiligen Ort, den Greuel der Verwüstung?
Muß die Kirche, wenn sie beansprucht, das „wahre Israel“ zu sein, nicht auch die Prophetie auf sich beziehen?
Haben die Lahmen und Blinden etwas mit den Namen des Satans und des Teufels zu tun: Ist nicht der Ankläger der Lähmende, der Verwirrer der Verblendende (vgl. den apokalyptischen Gebrauch der beiden Namen: neben der Synagoge des Satans gibt es den Teufel als Vater der Lüge)?
Ist nicht die Blutmetaphorik (im Kontext des Kelchsymbols) eine bewußte Verletzung (Aufhebung?) des noachidischen Gebots?
Wird nicht ein zentrales kirchen- und dogmengeschichtliches Problem mitgelöst, wenn es gelingt, die Geschichte der Fälschungen (zusammen mit dem Phänomen der Eponymie) im Mittelalter anstatt personalisierend auf Priestertrug und Machtgier auf objektive gesellschaftliche Kräfte, auf die Zwangslogik der Profangeschichte, zurückzuführen? Liegt hier nicht auch der Schlüssel zur Lösung des Problems des Nominalismus (und des Problems der benennenden Kraft der Sprache)?
Der Begriff lebt vom Namen und vergewaltigt ihn zugleich. Die Gewalt der Urteilsform, die objektiv in der Astronomie sich konstituiert. Sind nicht die Todesstrafen allesamt Symbole der Urteilsform: von der Steinigung über das Schwert, das Hängen, das Verbrennen bis hin zur Kreuzigung. Die Juden haben gesteinigt, die Römer haben (nach Rezeption einer persischen Tradition) gekreuzigt, die Christen haben verbrannt.
Bezeichnet Kanaan gegenüber dem Hebräischen ein logisches oder ein historisches Prius?
Ist nicht der Bruch zwischen Natur und Geschichte der Abgrund, in dem die benennende Kraft der Sprache untergangen ist und aus dem Natur und Geschichte als getrennte Bereiche sich erheben?
Zu den drei Weisen aus dem Morgenland gehören der Balthasar, der mit dem Daniel etwas zu tun hat, der Melchior, der an den melech, die Königstradition, erinnert, und der Caspar: Wer ist das (hat Kasper des Puppenspiels etwas mit ihm zu tun)?
Die drei Leugnungen Petri lassen sich den räumlichen Dimensionen zuordnen:
– die erste (die Magd des Hohepriesters spricht Petrus an) enspricht der Beziehung vorn/hinten, Im Angesicht und Hinter dem Rücken,
– die zweite (die Magd spricht mit den Umstehenden über Petrus) der Beziehung rechts/links, dem objektivierenden Denken und dem darin mit eingeschlossenen Verhältnis des richtenden Urteils zum verteidigenden Denken, und
– die dritte (die Umstehenden sprechen Petrus an) der Beziehung oben/unten: hier enthüllt sich das objektivierende Denken als vergesellschaftetes Herrendenken, als reine Verkörperung der Wut, die ihrem Objekt keinen Ausweg mehr läßt.
Interessant sind
– die zweite Leugnung: als Paradigma des Ursprungs des objektivierenden Denkens, und
– die dritte Leugnung: die Genesis der Wut (der Selbstverfluchung),
beide sind Folgen einer Theologie hinter dem Rücken Gottes (der ersten Leugnung).
Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie