Geld

  • 19.07.92

    Der Beifall ist nicht so sehr Lohn für eine Leistung, als vielmehr Teil jenes verdinglichten Seligkeitsbegriffs, zu dem -nach Augustinus (dessen Predigten nach van der Meer nicht selten vom Beifall der Gläubigen unterbrochen wurden) – auch der Anblick der Qualen der Verdammten in der Hölle gehört. Im Beifall verpufft die Angstfreiheit, die die Musik verspricht; er stellt die Alltagssituation, in der sich niemand mehr diese Angstfreiheit leisten kann, wieder her. Im Beifall manifestiert sich explosiv und zugespitzt die ganze Problembreite des Lohns in der vom Tauschprinzip beherrschten Gesellschaft; des Lohns, der von der Moral und Theologie bis hin zum Arbeitsentgelt im Kapitalismus die Idee des Glücks (der Güte ohne Lohn, des richtigen Lebens, das seinen Lohn in sich selber hat) neutralisiert und zerstört. Seitdem glaubt niemand mehr im Ernst (sondern nur noch in dem demonstrativen Sinne eines Glaubens für andere, der dann zum Teil eines Herrschaftssystems und Gegenstand der wissenschaftlichen Theologie geworden ist) an die Unsterblichkeit der Seele oder an die Auferstehung der Toten.
    Liszt (und vor ihm in einigen Werken Beethoven, nach ihm dann allerdings potenziert der unsägliche Richard Wagner) hat den Beifall in die Musik mit hineinkomponiert.
    Das „Wissen um“ oder die Neutralisierung der Theologie (zu Tiemo Rainer Peters „Mystik Mythos Metaphysik“, S. 70): Mit dem Hinweis auf die IX. der Benjaminschen Thesen „Über den Begriff der Geschichte“ spricht Peters von „einem memorativen Wissen um den Tod und die Toten“. Mit dieser Formulierung neutralisiert er den theologischen Sinn des Eingedenkens, der Erinnerung, und transportiert ihn ins sterilisierte Begriffs-Labor einer Wissenschaft, die aufs peinlichste jede Berührung mit einer Sprache meidet, die vielleicht doch in Gefahr geriete, ihre benennende Kraft (und im Begriff der Erkenntnis selber deren Beziehung zum Gebet) wiederzugewinnen. Die Erinnerung haftet am Namen, das „Wissen um“ verweist auf das namenlose, vergegenständlichte Korrelat des Begriffs. Diese (memorativ vergegenwärtigte) Vergangenheit unterscheidet sich von der erinnerten dadurch, daß in ihr der „Anspruch“ an die „schwache messianische Kraft“, die „uns wie jeder Generation vor uns mitgegeben“ ist (These II), bereits gelöscht ist. Vergangenes wird gewußt, aber erst das „Wissen um“ die Vergangenheit, das dem Eingedenken sich in den Weg stellt, neutralisiert sie, raubt ihr die theologische Kraft. Das „Wissen um“ leugnet um einer Gewißheit willen, die sich an die Stelle des Gewissens setzt, den Grund der Lehre von der Auferstehung der Toten. Auch das ist eine Methode, mit Auschwitz (der Massenreproduktion des Kreuzestodes, der bis heute nur der Abstieg zur Hölle, aber keine Auferstehung folgte) fertig zu werden.
    Das Christentum hat seit je „Vergangenheiten überwunden“: den Mythos, die jüdische Tradition, die Häresien (und heute auch Auschwitz?). „Überwunden“ aber hat es damit eigentlich nur die Erinnerung der Schuld, die ihm in den Gestalten des Heidentums, der Juden, der Ketzer (und schließlich auch der Frauen: in der Geschichte vom Sündenfall ist allein der Fluch über Eva mit einer Verheißung verknöpft, während Adam nur die Schlange nährt) vor Augen stand. Die Überwindung aber war seit je ein anderer Name für Verdrängung: jedenfalls ist die Erinnerung dessen, was die Kirche in ihrer Geschichte alles überwunden hat, bis heute nicht ins theologische Selbstverständnis der Christen (und ins christliche Verständnis der Theologie) mit eingegangen. Deshalb war Theologie seit je bloß apologetisch, Rechtfertigung: Theologie hinter dem Rücken Gottes, und aus dem gleichen Grund dogmatisch; und das Bekenntnis war der Institutionskitt, der die Gemeinschaft der Gläubigen bei der Stange hielt; beide sind Produkt der Kraft des Bindens, die der Kirche mitgegeben ist. Theologie im Angesicht Gottes hingegen (der Anfang der Kraft des Lösens, die der Kirche verheißen ist) wäre nicht mehr apologetisch, sondern prophetisch; das Bekenntnis würde das der Erbschuld (und den Anteil der Kirche daran: die bis heute verweigerte Übernahme der Sünde der Welt ) mit einschließen, es wäre endlich Teil der Gottesfurcht, die nach der Schrift der Anfang der Weisheit ist.
    Notwendig wäre eine sprachliche Analyse der Theologie beider christlichen Konfessionen heute (z.B. Wendungen wie Theologie als „Rede von Gott“, „Vollzug“ von Gedanken innerhalb der Theologie – so als handele es sich um eine Art Strafvollzug – u.ä.). Trotz oder wegen der Logos-Theologie ist auffällig, wie niedrig der Level der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit ist. Gründe scheinen zu sein:
    – der Stand der naturwissenschaftlichen Aufklärung, der eine Kritik des positivistische-gegenständlichen Wahrheitsbegriffs fast unmöglich macht,
    – insbesondere in Deutschland der unabweisbare Exkulpations- und Rechtfertigungsdruck nach Auschwitz und Faschismus,
    – der geschichtslogische Stand des Bekenntnisbegriffs (zusammen mit der Rezeption des lutherischen Rechtfertigungsbegriffs im Katholizismus): als Folge der Verinnerlichung und Verdrängung der häresienbildenden Kraft,
    – Theologie hinter dem Rücken anstatt im Angesicht Gottes,
    – Rückwendung der im Entstehungsprozeß des Dogmas entsprungen projektiven Gewalt gegen das Subjekt der Theologie selber: die Kirche,
    – Unauflösbarkeit des Komplexes Opfertheologie, Gnadenlehre und Heilsverwaltung, nach Verdrängung der Nachfolgeidee (Zusammenhang von Logosidee und Übernahme der Sünde der Welt, von Sprach- und Schuldreflexion),
    – im Katholizismus auffällig die Verwechslung von transzendent und transzendental (ontologisches Mißverständnis der transzendentalen Logik), das positivistische Dogmen- (und Wissenschafts-)verständnis, die Unfähigkeit zur Erkenntniskritik.
    Zum Problem des Atheismus: Heideggers Frage, warum überhaupt etwas ist und nicht vielmehr nichts, unterstellt, daß ein Nichts im Sinne seines Satzes (wenn auch nicht sich denken, so doch) sich vorstellen lasse. Und kein Zweifel, vorstellen läßt es sich nur in Anlehnung an die Vorstellung des leeren Raumes, ähnlich wie in dem Satz: Wo nichts ist, hat auch der Kaiser sein Recht verloren. Schwierig wird’s jedoch, wenn man sich alles fortdenkt (von allem abstrahiert), bleibt dann nicht doch der leere Raum, auch das Vorher und Nachher, die leere Zeit? Der Arme hat nichts, aber ist dieses Nichts nicht doch schon ein bestimmtes Nichts, das Nichts an Nahrung, Kleidung, Haus und Freunden? Noch bestimmter wird das Nichts der verschuldeten Länder der Dritten Welt: Sie haben nichts, um ihre Schulden (und die Zinsen für ihre Schulden) zu bezahlen. Der Arme hat nicht einmal Schulden (denn er hat niemanden, der ihm zuvor etwas leihen würde), während das Nichts der verschuldeten Länder, die verbrauchten Kredite, immer noch die Beziehungen zu den Gläubigerbanken voraussetzen. Das Nichts, das Heidegger vor Augen steht, setzt voraus, daß es sich auf ein All bezieht, das sich hinwegdenken läßt. Aber diese Voraussetzung ist durch den „Stern der Erlösung“ widerlegt. Dieses All, das Universum, von dem unsere Universitäten ihren Namen haben, konstituiert sich erst im Kontext des bürgerlichen Subjektbegriffs, der ohne die Vorstellung, daß dem Begriff „alle Objekte“ in der Realität etwas entsprechen muß, nicht zu halten ist.
    Eigentumsabgrenzungen:
    1. die Grenze einer Fläche (der abgegrenzte Acker, die Nation),
    2. die Oberfläche eines Dings (als Außengrenze der Identität zählbarer Einzelobjekte, das Tier) und
    3. das Gewicht (bei Massengütern, unabhängig von der Identität der Einzelobjekte).
    Das Geld vereinigt alle drei Grenzbestimmungen:
    – Sein Geltungsbereich bestimmt sich nach 1. (die Grenzen einer Nation, zu deren essentiellen Souveränitätsbestimmungen die Währungshoheit gehört);
    – als zählbare Einheit bestimmt sich die einzelne Münze nach 2. (durch ihre dingliche, jedoch als zugleich massenhaft bestimmte Identität, ohne benennbare Einzelidentität),
    – während ihr „Wert“ sich durch ihre Beziehung zur (namengebenden, benennenden) Münzeinheit, die grundsätzlich als Gewichtseinheit definiert ist, bestimmt.
    Geldwirtschaft und „Zerstörung“ der benennenden Kraft der Sprache (Turmbau zu Babel, Ursprung und Geschichte des Nominalismus). Der Sündenfall und die Bedeutung des Gravitationsgesetzes für die Geschichte des Geldes (wie hängt der Wittgensteinsche Satz „Die Welt ist alles, was der Fall ist“ mit dem Stand der Geschichte des Kapitalismus zusammen?).
    Horror vacui: Die Vorstellung des leeren Raumes hat kein objektives Korrelat. Ich muß den Raum erst in Gedanken leermachen (ihn zugleich aus seinen mathematischen Voraussetzungen rekonstruieren), um ihn mir als leer vorstellen zu können. Welches Interesse aber habe ich an dieser Operation, wer ist in welcher Weise an dieser Operation beteiligt, und was bewirke ich damit: was richte ich damit an? Welchem Schrecken setze ich die Dinge aus? Gleicht die Vorstellung des leeren Raumes in ihrer Wirkung aufs Objekt nicht dem zynisch-obszönen Witz (dem Herrenwitz), der alle anderen auf Kosten seines Objekts zum Lachen bringt, der Produktion des Gelächters (das im übrigen – wie die Vorstellung des unendlichen Raumes – seine Wirkung nach außen und nach innen zugleich und auf gleich verheerende Weise entfaltet)? – Vgl. Büchners Lenz und Nietzsches Fröhliche Wissenschaft.
    Es gibt den zynisch-obszönen Witz nur als Herrenwitz (als Frauen- oder Damenwitz ist er unvorstellbar); hängt das genetisch und geschichtstheologisch mit dem männlichen Confessor (und seiner Beziehung zur Virgo) zusammen? Der zynisch-obszöne Witz ist ein Bekennerwitz (mit einer bekenntnislogischen apriorischen Objektbeziehung); für das schallende Gelächter sind Frauen nur Objekt, sie sind aufgrund ihrer Stimme zum schallenden Gelächter nicht fähig (ist die weibliche Stimme die der Panik, des passiven Schreckens – Grund der Mode als Identifikation mit dem Status des Objekts einer Aggression, der Anpassung an den Zwang zur öffentlichen Ausstellung des eigenen Körpers?).

  • 04.07.-13.07.92

    Krankenhausaufenthalt:
    Ist nicht der Weltbegriff Produkt der Verletzung des gesamten Dekalogs (insbesondere des 4. und 8. Gebots)?
    Die Opfertheologie, die Vorstellung von der Wiederholbarkeit des einen Opfers, hat die christliche Theologie an den Mythos gebunden. Der Preis war die Vergöttlichung des Geopferten (und der Ursprung des modernen Naturbegriffs).
    Gesellschaftlicher Zusammenhang von Schuld: Täter – Opfer; Vater (Herr) – Sohn (Knecht); Schuld/Schulden; Schuld – Bekennntis -Rechtfertigung; Schuld gibt es nur vor jemandem (vor Gott); kann Robinson schuldig werden? Schuld ist ein gesellschaftliches Phänomen, auch als ontologisches.
    Vermittlung des christologischen Naturbegriffs durch den modernen Kunstbegriff (W.B. I 1, S, 64 – Novalis). Bedeutung des Naturschönen.
    Ist nicht die Religion gleichsam der verwesende Rest des mythischen Opfers, sein christlicher Umkehrpunkt das Martyrium (Zeugenschaft)? Verinnerlichung des Opfers im Bekenntnis (mythischer Ursprung des Bekenntnisses: Notwendigkeit einer letzten Summa contra gentiles).
    Außen und Innen: Auch die Funktionalität der modernen Architektur steht unterm Primat des Außen (Rasenmäher und Plätschern beim Krankenhaus nur für den zerstreuten Besucher (Betrachter), aber gegen die Bedürfnisse der Patienten, die ohnehin nur Objekte sind – Gewöhnung als Gewöhnung ans Objektsein, an die Entmündigung, die die Ärzte bereits voraussetzen – Ansätze beginnender Paranoia).
    Im Krankenhaus die Bedeutung des Satzes erfahren: Die Welt ist alles, was der Fall ist (die Hölle des Selbstmitleids).
    Die Stationsärztin, die bis heute kein Wort mit mir gesprochen hat, erklärt an meinem Bett mit allen Details meinen „Fall“ dem Chefarzt: So erfährt man, wie es um einen steht (vgl. die zweite Leugnung Petri).
    Außen und Innen: Naturwissenschaft als Produkt der Veräußerlichung und Verinnerlichung des Kosmos zugleich (= Weltanschauung). Das Innen ist das Außen des Außen.
    Ist nicht der Begriff der Weltanschauung im Sinne eines Genitivus subjectivus zu verstehen (Welt als Subjekt, nicht Objekt der Anschauung)? – Aus diesem Grund gibt es Weltanschauungen nur im Plural.
    Ist nicht die Anschauung die Leugnung des Angesichts?
    Erst die durchinstrumentalisierte Welt ist frei für nicht mehr kritisierbare subjektive Zwecke; sie ist „ideologiefrei“, weil es jedem offen steht, in ihr seine Interessen und Zwecke zu verfolgen. Hierbei wird nur die „Kleinigkeit“ übersehen, daß diese „Offenheit“ nur für den geringeren Teil der Menschheit real und gegeben ist; für alle anderen ist sie eine geschlossene Welt, ein Gefängnis, ein Irrenhaus, Grund des universalen Hospitalismus (Verhältnis von Raum und Geld!).
    Die Vorstellung des unendlichen Raumes und das Tauschparadigma verdrängen den Widerspruch (kein Reichtum ohne Armut, keine Materie ohne Energie).
    Pharao, das „große Haus“: Hängt der Name des Pharao mit der geschichtsphilosophischen Bedeutung des Hauses (der Architektur mit dem Toten im Innern) zusammen? Ist das „Haus des Seins“ pharaonisch und ontologisch (der babylonische Turm hingegen instrumental)?
    Benjamin zufolge können „Gestalten keiner Dichtung je der sittlichen Beurteilung unterworfen“ sein (I 1, S. 133). Gilt das nicht mit fortschreitendem Objektivationsprozeß auch bereits für die Lebenden?
    S. 189: „von Haus aus“.
    Pharao: Haben die Juden sowohl die institutionellen Grundlagen (Josef) als auch die äußere, architektonische Realisierung des Pharaonentums (das Sklavenhaus) geschaffen? Ist der Josef-Roman das früheste Dokument der Dialektik von Herr und Knecht (aber anders als die Hegelsche)?
    Walter Benjamin I 1, S. 332f: Der neudeutsche Kult der Trägheit des Herzens (acedia).
    Rührt Benjamins Theorie der Allegorie nicht auch an den Ursprung der Schrift (S. 339f, 351)?
    Schrift und Vergesellschaftung: Mit der Schrift beginnt die Zivilisation (Modell und Ursprung der Beziehung von Begriff und Gegenstand, des Objektivations- und Vergesellschaftungsprozesses).
    Schlange als Bild der Zeit (S. 346): Seid klug wie die Schlangen.
    Benjamin II 1, S. 351: die „fallende Sucht“; wie verhält sich die Epilepsie zum Mond und zur Mutter?
    S. 352: Dummheit und Bosheit bereits Grundlage der herrschenden Politik, der Herrschaft überhaupt (keine Alternative dazu?). Der subjektlose Gemeinheitskern der Öffentlichkeit: Ontologie der Strudel, in dem die Moral versinkt.
    Ist die Eucharistie nicht mehr nur Zeichen, sondern bereits Ersatz der Nachfolge? Bezieht sich darauf der Satz vom Zusammenhang des unwürdigen Essens mit dem Gericht (1 Kor 1127)?
    Die islamische Polygamie verweigert die Erfahrung des ehelichen Konflikts ebenso wie die Verarbeitung dessen, worauf sich das vierte Gebot bezieht (den Ödipuskonflikt).
    Sabotiert der Islam (die Ergebung in den „Willen Allahs“) die Spontaneität und die Aufmerksamkeit?
    Ist der Islam die verdinglichte Version des jüdischen „Monotheismus“ (die jüdische Religion als Fall), und deshalb gleichsam „von Haus aus“ fundamentalistisch? Kein Ausweg aus dem Sexismus (Pascha: Herrschaft und Selbstmitleid)? Islam als Gottesfurcht-Vermeidungsstrategie, als scheinhafter Ersatz der Gottesfurcht?
    Ist der Islam nicht auch Ausdruck einer erschütternden Hilflosigkeit (wie jeder Fundamentalismus, und jede zum Terrorismus neigende politische Bewegung, einschließlich der durch den unaufgearbeiteten Faschismus bestimmten herrschenden Politik)? – Läuft nicht die Art, wie die Kinder des Pakistani ihrem Vater jeden Wunsch erfüllen, noch bevor er ihn überhaupt äußern kann, auf eine ganz sublime Entmündigung (Infantilisierung) des Vaters hinaus? Er ist nicht mehr fähig, die einfachsten Dinge selbst zu tun. So rächt sich die Familie an ihrem „Oberhaupt“. (Oder: Die arme, klagende Kreatur rächt sich für das, was ihr angetan wurde, an ihrer Umwelt.)
    Der Islam scheint eine Erlösung der Welt nicht zu kennen (deshalb der Freitag als Wochenfeiertag: der Tag vor dem Sabbat). Der Islam kennt Erlösung nur als individuelle Erlösung (Belohnung oder Bestrafung); deshalb ist er mehr noch als das Christentum auf die unerlöste Sexualität (und damit an die Frauenfeindschaft) fixiert. Paradigma der Erlösung ist die unio mystica oder die Rückkehr ins Paradies (den Garten mit den Flüssen) als reine Regression. Wenn die Welt nicht erlösbar ist, ist es auch die Frau nicht (Zusammenhang des Weltbegriffs mit dem Patriarchat und der Frauenfeindschaft).
    Vgl. hierzu die Entrüstung, mit der der Autor von „Jesus starb in Indien“ auf die Salbung Jesu durch eine „Prostituierte“ reagiert (überhaupt die Empfindlichkeit gegen „Schande“, gegen eine Beeinträchtigung des Rufs, des öffentlichen Ansehens: deshalb darf Jesus nicht am Kreuz gestorben sein.)
    Zusammenhang von Nationalismus und Befreiungsbewegungen:
    – Konsequenz daraus, daß es ohne Geldwirtschaft (als subjektiver und objektiver Nationalitätsgrund) nicht geht, der Sozialismus hieran seine Grenze findet.
    – Grund des Wiederauflebens religiös-politischer Kräfte (Nordirland, Islam, Jugoslawien, GUS).
    – Grund für das theoretische Gewicht und die Bedeutung einer Analyse des Geld- und Bankenwesens.
    Die Vorstellung des unendlichen Raumes setzt die ganze Welt unter Laborbedingungen, sterilisiert sie gleichsam, unterwirft sie dem Herrenblick, bringt das Andere zum Verschwinden.
    Mit der Verdrängung des Sterbens aus der Erfahrung schwinden die Toten aus der Erinnerung. Die Welt wird vom Sterben und von den Toten nicht mehr berührt: sie wird steril (durchs Inertialsystem zum universalen Labor).
    Der Personalismus in der Philosophie trat auf, als die Seele (und mit ihr der Gedanke der Unsterblichkeit und des seligen Lebens) aus dem Bewußtsein verdrängt wurde. Aber niemand (auch die „Gläubigen“ nicht) hat’s gemerkt, weil alle andere Ziele haben.
    Ist die Erschaffung der „großen Seeungeheuer“ der Hinweis auf die Erschaffung des Bösen? Vgl. auch Hiob: den Ankläger und Behemoth und Leviatan.
    Hat die Sara (im Buch Tobit) etwas mit Maria Magdalena zu tun (die sieben in der Brautnacht verstorbenen Männer mit den sieben unreinen Geistern)?
    Die Trennung von Begriff und Objekt, Geist und Materie, dient auch der Erhaltung und Absicherung von Herrschaft, schließt den Gedanken einer Änderung der Gesellschaft (und der Natur) vom Grunde her aus. Kein Zufall, daß jede Namenslehre in Gefahr steht, magisch mißverstanden oder mißbraucht zu werden (Beziehung der Astronomie zur Schrift?).
    Was bedeutet es, wenn die Schrift der Magie das Ende bereitet hat (Ausnahme: das Verhältnis von Kabbalah und Magie)?
    Herrschaft ist Herrschaft über die Vergangenheit. Keine Änderung ohne Änderung der Vergangenheit (Beziehung der Herrschaft zur Sternenwelt).
    Man kann nicht die Menschheit, um sie zu befreien, abschaffen. Die Wahrheit ist nicht durch Unwiderleglichkeit (gegen die Häretiker), sondern durch ihre Ausbreitungsfähigkeit (daß alle in ihr sich als gemeint wiederfinden) zu bestimmen. Die alltägliche Erfahrung, daß die Menschen über ihr unmittelbares Eigeninteresse hinaus nicht mehr ansprechbar sind, ist kein Anlaß zur Empörung, sondern zur Trauer. Empörung verwandelt auch die Wahrheit in ein Moment des gleichen bornierten Eigeninteresses, über das sie sich empört, macht sie zur Ideologie, die dann keinen anderen Weg mehr kennt außer dem der Gewalt, die die Wahrheit durch Unwiderlegbarkeit zerstört.
    Es ist ein an der gegenwärtigen Konstruktion des Lebens geschulter böser Scharfsinn, der uns die Ursprünge des kirchlichen Christentums heute anders wahrnehmen läßt. Dagegen hilft keine Apologie.
    Zu Kants Bemerkung über das Verhältnis von Natur- und Weltbegriff die transzendentale Logik (Deduktion der synthetischen Urteile apriori) vergleichen: Der Ursprung der Unterscheidung und ihre Folgen sind hier ablesbar.
    In Benjamins Wort von der „Erektion des Wissens“ (I 1, S. 131) klingt sowohl die Erinnerung an der Turmbau zu Babel als auch ein Hinweis auf den Ursprung und die Geschichte der modernen Naturwissenschaften mit an. Diese Erektion des Wissens begründet den Weltbegriff.
    Gründet das Gefühl in der Trauer? (S. 139)
    Der Weltbegriff gründet in der gleichen objektiv vermittelten Abstraktion, der auch der Ursprung der Schrift sich verdankt.

  • 14.06.92

    Wie verändert die Vorstellung des unendlichen Raumes den Erkenntnisbegriff?
    Nicht die Vermeidung, sondern die Reflexion neurotischer Gefährdungen, und nicht die Vermeidung, sondern die Reflexion von Angst ist der Quellpunkt jener Aufklärung, die heute notwendig wäre.
    Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein: Ist nicht die Kirche mittlerweile zu einer Gemeinschaft von Steinewerfern geworden?
    Ist nicht die Unterscheidung zwischen Berufung und Besessenheit eine Frage des Standpunkts: Was von innen Berufung heißt, erscheint von außen als Besessenheit.
    Zum Begriff des Sinns: Während der deutsche Heideggerianismus sich von der berüchtigten Sinnfrage, die an das blasphemische „Warum ist überhaupt etwas, und nicht vielmehr nichts“ sich anschließt, narkotisieren läßt, hat die französische Heidegger-Rezeption die Frage nach dem Sinn im Anschluß an Husserl als phänomenologische Bedeutungsanalyse verstanden.
    Die Frage „Warum ist überhaupt etwas, und nicht vielmehr nichts“ erinnert in brutaler Weise daran, daß man im Hegelschen Übergang vom Sein zum Nichts (zu Beginn der Logik) nicht vergessen darf, daß die Differenz Sein und Nichts trotz der Identität beider erhalten bleibt, oder daß in dem Satz „Das Eine ist das Andere des Anderen“ das Eine gleichwohl vom Anderen unterschieden werden muß.
    In der französischen Tradition und in dem Rückgriff auf Husserl klingen jene Nuancen mit an, die den Begriff des Sinns mit dem des Sinnlichen (den Namen Rot mit der Farbe Rot) verbinden, und die die Phänomenologie auf das im naturwissenschaftlichen Aufklärungsprozeß Subjektivierte und Verdrängte verweisen (Zusammenhang mit den primären Sinnesqualitäten); hier ist die Anschlußstelle, die den Sinnbegriff mit dem Inkommunikablen: der Empfindung und dem Gegebenen, aber auch der benennenden Kraft der Sprache verbindet. Als Repräsentant dieses Inkommunikablen erscheint dann als Zentralbegriff dieser Philosophie nicht zufällig der des Anderen (als Bezeichnung sowohl des Gegenständlichen im Subjekt als auch des Subjektiven im Objekt).
    Man könnte das Verhältnis der deutschen zur französischen Heidegger-Rezeption am Hegelschen Satz „das Eine ist das Andere des Anderen“ demonstrieren: Hier ergreift die deutsche Seite die Partei des Einen, die französische die des Anderen. Hat hierzu nicht Franz Rosenzweig im „Stern der Erlösung“ den entscheidenden Hinweis auf eine Möglichkeit der Lösung geliefert: indem er erstmals die Umkehr als gnoseologische Kategorie, durch die das Eine und das Andere in dem genannten hegelschen Satz sich aufeinander beziehen lassen, einführt und in der späteren Erläuterung des „Neuen Denkens“ das kostbare Wort von der „verandernden Kraft des Seins“ bereitstellt.
    „Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“: Es gibt nichts Gottverlasseneres als unsere Theologie.
    Ist nicht die gemeinsame Geschichte der Physik und des Kapitalismus die der Selbstverfluchung in der Geschichte von den drei Verleugnungen?
    Mit dem Fernsehen dringt die Öffentlichkeit, das Für andere Sein, die Entfremdung in die Privatsphäre ein und zerstört sie von innen (Modell einer Theorie der Banken?). Seit der Einführung des Fernsehens (insbesondere seit dem Ursprung des Familienserien) leben die Menschen in der eigenen Wohnung als Fremde, so als lebten sie selbst (und nicht nur die Personen in den für den Zwangs-Voyeurismus produzierten Serien) ständig unter dem zudringenden Einblick aller anderen (vgl. den bewußt inszenierten Schein, von den Nachrichtensprechern, Ansagern und Moderatoren selber angeschaut zu werden, mit ihnen in Blickkontakt zu stehen). Wen wunderts, daß es heute fast nur noch „aufgeräumte“ Wohnzimmer gibt (während noch in meiner Jugend, das aufgeräumte „beste Zimmer“ von der Familie – außer zu den Namenstagen der Eltern, und vielleicht noch zu Weihnachten – nicht genutzt wurde).
    Womit handeln die Banken? Mit dem verdinglichten Medium und Instrument des Für andere Seins: dem Geld.

  • 11.06.92

    Zentrale Funktion der Banken: Sie üben eine der vatikanischen vergleichbare Orthodoxie- oder Rechtgläubigkeitskontrolle über alle am Markt Beteiligten aus (vgl. Baeckers Beschreibung der „autopoietischen Systeme“ in „Womit handeln die Banken“, S. 35f; Anwendung aufs Inertialsystem?). Aus funktionalen Gründen ist das Bankwesen hierarchisch organisiert. Und der Glaube (das Vertrauen) ist wie bei den Kirchen Grundlage des Bankgeschäfts. Gibt es ein Äquivalent des Bekenntnisses (begründet in einer vergleichbaren Beziehung zur Schuld)? – Das Eigentum, den Besitz: daher die rechtfertigende, von Schuld befreiende Kraft beider (des Bekenntnisses und des Eigentums).
    Gibt es ein Sein ohne ein Haben? Gibt es eine Kirche ohne das Besitzrecht an Dogma und Gnade (daher der Objektivismus der katholischen Kirche, während der Protestantismus – gut kapitalistisch – vom Kredit lebt, deshalb, um kreditfähig zu bleiben, der Rechtfertigung bedarf) – Gegen Fromm: Sind nicht die Hilfszeitverben Herrschafts- und Reflexionsbegriffe besonderer Art, abhängig vom Futur II, ähnlich wie der Zusammenhang von Objekt und Begriff (Objektivation und Instrumentalisierung, Vorhandenem und Zuhandenem)?
    Ist nicht das Relativitätsprinzip – die Äquivalenz von Ruhe und Bewegung – auch Grundlage des Bankgeschäfts (ruhen die Einlagen auf den Bankkonten, oder bewegen sie sich, ist das Geld, das ausgezahlt wird, das gleiche wie das, das eingezahlt wurde? Beziehung von Relativitätsprinzip und doppelter Buchführung). Gibt es ein Äquivalent zum Gravitationsgesetz und zum Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit? Hängt das Problem nicht mit dem der Beziehung zur Zeit (Ausschluß der Gegenwart, Identifikation von Vergangenheit und Zukunft: das Tier, das war, nicht ist, und dann wieder sein wird) zusammen und mit der Verschiebung der Bedeutung von Reichtum und Armut (Grund dafür, daß es keine Produktion von Reichtum ohne die Produktion von Armut gibt)?
    Beziehungen des Bankenzahlungsverkehrs zur kinetischen Wärmetheorie: Sind die Banken das Feuer im brennenden Dornbusch?
    Nur durch ein sytemimmanentes Äquivalent der Zeitfolge (Grundlage der Zinsberechnung), gleichsam durch das ökonomische Pendant der Lichtgeschwindigkeit, lassen sich die einzelnen Zahlungsvorgänge unterscheiden und als Teile eines mathematischen Kontinuums aufeinander beziehen.
    Im Bankwesen wird der Kapitalismus als Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhang unmittelbar anschaulich. Hier ist das, was zu Beginn der naturwissenschaftlichen Aufklärung deren Konzept begründet hat, durchsichtig geworden.
    In der griechischen Philosophie hat sich das Subjekt durch Vergegenständlichung der Welt aus dem Mythos gelöst, gegen den Mythos verselbständigt. Im deutschen Idealismus hat diese Vergegenständlichung das Subjekt selber ereilt: Damit wurde die Welt zum Subjekt der Philosophie. Das drückt sich aufs genaueste in dem enphatischen Begriff der Wissenschaft aus, der den deutschen Idealismus kennzeichnet. Aber omne animal post coitum triste: im nachhegelschen Wissenschaftsbegriff ist nur noch der Katzenjammer geblieben; die Identität von Subjekt und Welt war nicht zu halten, geblieben ist die Anpassung.
    In der Patriarchengeschichte: das Verhältnis
    – von Herrin und Sklavin (die bei Kinderlosigkeit für die Herrin eintritt) und
    – von Herr und Knecht (für Isaak wirbt der Knecht Abrahams um die Hand der Rebekka, während Jakob selbst als Knecht den Preis für Lea und Rahel abarbeiten muß)
    noch einmal nachsehen. Abraham hatte Sara (die Fürstin) zur Frau, Lot eine namenlose Frau (von der nur berichtet wird, daß sie bei der Flucht aus Sodom zur Salzsäule erstarrt).
    Hat etwas zu bedeuten, daß die islamische Tradition den Abrahambund aus der Absage an den Sternendienst ableitet, während in der jüdischen Tradition die Absage an den Götzendienst im Vordergrund steht (und die christlichen auf eine höchst ambivalente Weise das Opfer). Drücken sich in den drei Religionen nicht drei verschiedene Aspekte des Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhangs aus?
    Der Sündenfall der Theologie lag in der Ausblendung der Herrschaftskritik (als Erbe der Philosophie) und ihrer Verinnerlichung in der Privatisierung der Sexualmoral. Damit war der Keim gelegt für den Ursprung und die Geschichte der naturwissenschaftlichen Aufklärung, und damit hat sich die Theologie selber hilflos und ohnmächtig gemacht gegenüber den Naturwissenschaften, der Ökonomie und der Politik.
    Bedeutung der drei evangelischen Räte für die Grundlegung der Theologie: Gehorsam, Armut und Keuschheit verweisen auf die Beziehung zu den Naturwissenschaften (zur Sprache), zur Ökonomie (Geldwirtschaft) und zur Politik (Idolatrie).
    Die Welt ist das Bild, die Verdoppelung der Welt; sie verstößt damit schon im Ursprung gegen das Bilderverbot. Und sie ist deshalb und insoweit Erbe der Idolatrie. Aber diese Verdoppelung ist das Resultat eines Prozesses, und dieser Prozeß wäre durch Erinnerungsarbeit zu re-/dekonstruieren.
    Als Herren der Zeit sind die Leuchten des Himmels zugleich auch Herren des Raumes. Ist die Sonne auf ähnliche Weise Zentrum des Lichts, wie die Erde als Zentrum der Schwere anzusehen ist; und ist der Mond nur die äußere Reflexion beider (und stammt nicht von ihm das Licht der Aufklärung)?

  • 10.06.92

    Ist die Magd des Hohepriesters die ancilla theologiae (die Philosophie)?
    Die Arbeit ist immer die Arbeit anderer, und deshalb ohne Schmerz und ohne Mühsal, d.h. unkörperlich (vgl. Assmann, S. 88). Grundsatz der Mechanik: Man muß Schläge einstecken, um Schläge austeilen zu können. Und verdrängt werden die „Taten und Leiden des Lichts“. Nur mein Schmerz ist realer Schmerz; er ist irreal für andere, und mit dem Für-andere-Sein wird der Schmerz irrealisiert, gegenstandslos.
    Zu dem Satz „Da interessiert sich kein Schwein für“ und zu der Geschichte mit den Dämonen und der Schweineherde: Das Schwein ist schamlos, aber nur deshalb, weil es keine Fähigkeit zur Selbstreflexion von außen hat. Es ist ebenso unfähig sich selbst in den Augen anderer wahrzunehmen wie, in den anderen mehr als nur ein Objekt zu erkennen; Schweine fressen ihre eigenen Kinder. Sie wälzen sich im eigenen Dreck, sind Verkörperungen des Kummerspecks, und sie sind „nackt“. Aber werden sie dazu nicht erst im Zuge ihrer Domestikation? Sind Tiere nicht generell Verkörperungen von natürlichen Sozialcharakteren, und liegt darin der Grund für das Symbol Behemoth?
    Ist das Ich nicht pathologisch, Produkt eines Entzündungsvorganges (des induzierten Selbstinteresses)?
    Das Wunder von Kana: die Verwandlung von Wasser in Wein. Sind es die Wasser oberhalb oder unterhalb des Firmaments, die in den Wein des Taumelkelchs verwandelt werden? Und worauf verweist die Hochzeit zu Kana? In welcher Beziehung steht der Wein zur Hochzeit (vgl. die Töchter Lots)?
    Ist nicht die Atomistik mit all ihren Differenzierungen, die ganze Mikrophysik (mit Elektro-, Thermodynamik und Chemie), Produkt der dem Inertialsystem immanenten apriorischen Objektbeziehung (der Einbeziehung des Objekts in die Urteilsform: der transzendentalen Logik), Pendant der Subsumtion der Lohnarbeit unters Tauschprinzip im Ursprung des Kapitalismus (paradigmatisch die Verschiebung der Arbeit vom realen Arbeitenden ins Kapital)? Ist hier nicht der Punkt, an dem die verwirrende Obszönitat des Zusammenhangs von Zeugung und Zeugenschaft sich zu klären beginnt?
    Zusammenhang und Differenz von Geld und Raum: Der Kapitalismus subsumiert die Vergangenheit unter die Zukunft (zerstört durch die Subjektivierung und Instrumentalisierung der Zwecke die Idee einer objektiven Teleologie), während die Naturwissenschaft die Zukunft unter die Vergangenheit subsumiert; zusammengehalten wird beides durch die Vorstellung einer homogenen Zeit. Aber deshalb ist nur die Naturwissenschaft in einem strengen Sinne prognostisch. – So hängen Götzendienst, Sternendienst und Opferwesen zusammen.
    Zwölf Apostel und sieben Diakone: Tierkreis und Planetensystem? Wer waren die sieben Diakone, und weshalb war Stephanus (die Krone) der erste Märtyrer?
    Weitere Zuordnungen zu 12 und 7: Judentum und Heidentum (12 Stämme und 12 Apostel, aber 7 Diakone); 12 Monate und 7 Tage (Jahr und Woche); 12 Tierkreiszeichen und 7 Planeten.
    Worin bestand die Buße der 120000 in Ninive, die Rechts und Links nicht unterscheiden konnten, und des Viehs?
    Was bedeutet es, wenn im Buch Tobit der Dämon Asmodai siebenmal den Bräutigam der Sara in der Brautnacht tötete, und erst Tobias die Sara von diesem Fluch befreit; und wie hängt das zusammen mit der Geschichte des Tobit, der erblindete, weil er gegen den Befehl des Königs die Toten begrub, und nach der Tötung des Fischs geheilt wird? Aber am Ende wird Ninive dann doch zerstört, weil Jona es prophzeit hatte.
    In der Skyline Frankfurt kehrt die ökonomische Rationalität des Marktes in ihre idolatrischen Ursprünge zurück.
    Jesus hat gesagt: Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu bringen, und ich wollte, es brennte schon. Gilt auch für Theologie: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß?
    Ist das Heute nicht etwas anderes als das An diesem Tag? Es gibt kein Gestern, das nicht zuvor ein Heute war (es gibt kein ursprüngliches Gestern: zum Begriff der Ewigkeit).
    Die Bedeutungen der Präpositionen und der Präfixe überschneiden sich, sie lassen sich nicht eindeutig trennen. Soweit sie sich trennen lassen, sind Präpositionen in erster Linie räumliche und zeitliche Objektbestimmungen, während Präfixe objektbezogene Bestimmungen des Tuns und Leidens sind. Auch Präfixe sind vom Ursprung her Präpositionen, nur daß sie ins Werk zurückgenommen worden sind und ihm eine prismatische Vielfalt von Bedeutungen verleihen (be-, ver-, zer-, ent-, etc.).
    Gibt es eigentlich die Hilfszeitverben (sein, haben etc.) ohne das Futur II?
    Würde nicht die Bedeutung des Marktparadigmas und auch die der politischen Ökonomie entscheidend sich ändern, wenn man die Geschichte der Banken (Schuld und Kredit) mit hereinnimmt?
    Das Hinter dem Rücken ist kein einfacher Tatbestand, sondern setzt sich zusammen aus den Prinzipien der Anklage, der Verwirrung und der Zuteilung des Schicksals (des Zufalls: Modell der Zuordnung von Begriff und Objekt). Die Zuteilung des Schicksals ist die Macht, die das Prädikat im Objekt über das Subjekt gewinnt (die adaequatio intellectus et rei ist mehr als die „Übereinstimmung von Begriff und Gegenstand“). Wer gemordet hat, ist ein Mörder: Diese Macht ist zugleich das Prinzip der Hypostasierung (der Personbegriff in der Trinitätslehre) und der Ursprung des Begriffs der Materie.
    In der Geschichte des Bekenntnisbegriffs wurde der Knoten geschürzt, der uns heute zu strangulieren droht.
    Zum Heideggerschen Begriff des Daseins: Dieses deiktische Da -Heidegger spricht auch vom „Sein des Da“ – enthält die Leugnung des Du; das Dasein ist das zum Verstummen gebrachte, fertiggemachte, aus der Kommunkation herausgefallene („geworfene“) Subjekt.
    War die Gnadenlehre nur möglich in einem sprachlichen Kontext, in dem es den Dativ und den Konjunktiv gibt?
    Liegt der Fehler des Augustinus, der bis in die Taten der raf nachwirkt, nicht darin, daß er das „Nicht soll ihrer gedacht Werden“ ersetzt durch den fixierenden Genuß der Seligen im Himmel im Anblick der Leiden der Verdammten.
    Die falsche Übersetzung des tollere (airho – aufheben, aufnehmen) mit „Hinwegnehmen“ hängt zusammen mit der falschen Identifikation des johanneischen mit dem philosophischen (philonischen?) Logos-Begriff (genauer: der Verwechslung von Name und Begriff). Sie bezeichnen gemeinsam präzise den Sündenfall der Theologie.
    Zu den Unterschieden des Opferparadigmas in Markt- und Planwirtschaft: Hier wäre auch hinzuweisen auf die Selbstopfer und die Opfer der Vernunft, die von den Angeklagten in den stalinistischen Schauprozessen gebracht worden sind (nur weil es der Sache diente, der Lüge zuzustimmen, deren Opfer sie selbst dann waren). Schon vor diesem Hintergrund wäre die Klärung der Frage der Tode von Stammheim wichtig (waren es marktwirtschaftliche Morde oder stalinistische Selbstopfer: hier konvergieren beide Paradigmen).
    Das In-der-Welt-Sein ist die Vorprägung durch die Welt, zu der es fast keine Distanz mehr gibt, nur noch das Mitmachen.
    Liegt das Firmament (die Mondsphäre), die die Wasser oberhalb von den Wassern unterhalb scheidet, nicht auch zwischen Nord und Süd (Links und Rechts)? Gehören Kopernikus und Kolumbus nicht auch in diesem (geschichtstheologischen) Sinne zusammen? Wo liegt das „Schwarze Loch“: in Süd- oder in Nordamerika?
    Hat das firmamentum, die Feste, die Trennung der Wasser oben und unten und die Einheit von Feuer und Wasser, etwas mit der Beziehung von Reichtum und Armut zu tun?
    Zum Verhältnis von Opfer und Gewalt siehe Assmann, S. 184.
    Ist die „Sinnfrage“ (die Husserl noch in der Bedeutungslehre rationalisieren konnte) nicht das letzte Rudiment der Namenlehre in der vom Begriff durchherrschten Sprache? Zusammenhang mit der Idolatrie: sie ist Ausdruck der Hybris des Subjekts, sie macht das Subjekt zum Logos (Sinn ist Sinn für mich; und wenn, dann soll die Welt Sinn für mich haben; Konsequenz aus dem heutigen Verständnis der Unsterblichkeitslehren: was scheren mich die anderen).
    Heute ist schon der Begriff des Eigentums transzendental: alle sind Proletarier; und das Eigentum repräsentiert das trandzendentale Subjekt.
    BEF und BALM: Der Unterschied zwischen einem Amt und Anstalt (zwischen Beamten und Angestellten) ist in vorliegendem Falle haushaltsrechtlich begründet. Der Haushalt eines Amtes (einer nachgeordneten Behörde) ist im Bundeshaushalt auszuweisen, während bei einer Anstalt nur die Kosten der Anstalt auszuweisen sind (z.B. im Falle einer Kreditaufnahme nur die Kosten des Kredits, der Schuldendienst, nicht die Kreditaufnahme selber). Aber weshalb heißen dann Schulen, Gefängnisse, Irrenanstalten und Krankenhäuser sowie die Rundfunk- und Fernsehanstalten auch Anstalten? Kommen etwa alle, die angestellt werden oder etwas angestellt haben, in eine Anstalt? Und wie hängen Anstalten mit Veranstaltungen zusammen?
    Müßte nicht in etymologischen Wörterbüchern die Darstellung der Herkunft von Begriffen außer auf die Geschichte der Wortbedeutung auch auf die institutionelle Geschichte seiner Anwendung (zuletzt auf die politische Ökonomie) reflektieren?
    War nicht die Führerrede das Realsymbol des Rundfunks; was ist das Realsymbol des Fernsehens? Es müßte irgendwo in der Fluchtlinie der Einheit von Sport und Kultur zu suchen sein: der Stillstellung des Subjekts im Zuschauer. Unterhalten werden, um nicht auf den richtigen Gedanken zu kommen?
    Ist nicht der Titel „Götze Markt“ und das Konzept, das dahinter steht, auch ein Stück Verharmlosung? Ein Freund der Familie, der Anfang der vierziger Jahre für kurze Zeit aus Dachau entlassen wurde, antwortete damals auf die Frage „Wie war’s“: „Noch schlimmer“. Hier wird etwas identifiziert, was getrennt gehalten werden muß: Das Marktparadigma (Privateigentum, Geldwirtschaft, Handel; Ursprung des Rechts) ist nicht selbst der Götze, sondern in der Tat, auch historisch, die Wurzel der Idolatrie (es wäre Aufgabe der Altorientalistik, das endlich aufzuarbeiten: nur so wäre auch dem Ursprung der Religonen und der politischen Institutionen der frühen Großreiche, des Geldes und auch der Schrift auf die Spur zu kommen). Die Idolatrie war eine Form der Absicherung, der Herstellung von Strategien der Schuldverarbeitung, die notwendig waren, um die durch das Marktparadigma veränderten Bedingungen der Erfahrung zu verarbeiten. Zum Ursprung des Christentums: Was einmal der Götzendienst leistete, wurde dann durch den Ursprung und die Konstituierung des Weltbegriffs übernommen (über die Philosophie und die Institutionen des Römischen Reiches), das Christentum ist nur die jüdische Antwort auf diese veränderte Situation (eine Antwort, die dann allerdings von real existierenden Christentum im Sinne der Idolatrie verfälscht wurde: das Marktparadigma ist gleichsam in die Substanz des historischen Christentums mit eingegangen).
    Insbesondere wird bei Assmann (obwohl er die „Dialektik der Aufklärung“ zitiert) ausgeblendet, daß in diese Geschichte des Marktparadigmas (als Grund und Teil der Herrschaftsgeschichte) auch in die Geschichte der Auseinandersetzung mit der Natur mit eingegangen ist, daß es einen realhistorischen Zusammenhang des Marktparadigmas mit dem Grundkonstrukt, dem dann – durch Vermittlung der Theologie – die naturwissenschaftliche Aufklärung sich verdankt, gibt. Auch deren Anfänge liegen in der altorientalischen Geschichte.
    Die Übersetzung des zweiten Gebots durch das Gebot „Du sollst nicht fluchen“ ersetzt die Gottesfurcht durch die Herrenfurcht und unterbindet das Gottsuchen, sie installiert im Zentrum der Theologie den Götzendienst, die Idolatrie.

  • 06.06.92

    Armut ist die Energiequelle, aus der der Kapitalismus den Reichtum schöpft. (Zum Begriff des Proletariats: Wer kein Eigentum hat, ist durch seine „Existenz“ schon verschuldet und muß seine Schulden lebenslänglich abarbeiten.)
    Mit der Denunzierung des Marktes als Götzen ist noch nicht viel getan; sie erinnert zu sehr an die Auseinandersetzung mit den „Häresien“; sie unterstellt, daß eine Gesinnungs- (Bekenntnis-) änderung schon der Anfang einer Änderung der Dinge sei. Notwendig wäre die genaue Analyse der Gewalt, die im Markt sich zu einem die Gesellschaft insgesamt beherrschenden System zusammengeschlossen hat; das Pseudoreligiöse am Markt ist Teil der Vergötzung der Macht: Teil eines Religionsbegriffs, dessen christliche Ursprünge zu bestimmen wären.
    Mit der Armut exportiert diese Gesellschaft auch die Paranoia: die autoritären Systeme und den Terror in die Dritte Welt. Hier liegt die Schuld der Kirche, daß eine wirkliche Bekehrung trotz der Christianisierung nicht gelungen ist.
    Wie hängen die Banken mit dem Militär zusammen?
    Das Futur II und die Astronomie: Schon im Schöpfungsbericht wird den Leuchten am Himmel die Herrschaft über die Zeit übertragen.
    Welches waren die jüdischen Opfertiere: u.a. das Lamm (Vorbild des Gottesknechts), die Tauben (Typos des Heiligen Geistes) und der Stier (Verkörperung JHWHs?).
    Zu dem Schiller-/Hegel-Wort „Die Weltgeschichte ist das Weltgericht“ (die Welt als Inbegriff des richtenden Prinzips in der Geschichte): Heißt das nicht im Hinblick auf Heidegger, daß er durch die Fundamentalontologie, durch den Begriff der Eigentlichkeit, der Entschlossenheit, des Vorlaufens in den Tod, sich selbst an die Stelle dieses richtenden Prinzips zu setzen versucht, damit jedoch das Gericht auf sich zieht (dieses Gericht über Heidegger wäre die Neubegründung der Theologie). Es war seit je die Anpassung an die Welt, die das Gericht auf sich gezogen hat (die Anpassung an die Welt oder die Verführung des Richtens). Der Weltbegriff ist das Subjekt und Medium der Erbschuld (das ist der präzise Sinn von Joh 129). Der Naturbegriff als Inbegriff des Objekts (Nicht-Subjekts) vermischt den Begriff des Opfers mit dem der Unschuld der richtenden Gewalt, verleiht ihm die exkulpatorische Kraft, die auch im naturwissenschaftlichen Erkenntnistrieb mit enthalten ist. Vorbild des modernen Naturbegriffs war u.a. der christliche Typos der Jungfrau.
    Der Begriff der Rechtfertigung bezeichnet ein Moment der Bekenntnislogik: die falsche Form der Schuldverarbeitung.
    Lassen sich die unterschiedlichen Beziehungen rechter und linker politischer Gruppen zu Tod aus den unterschiedlichen Beziehungen von Markt- und Planwirtschaft (Babel und Ägypten) zur Zeit herleiten?
    Als Grundlage der Handels- und Rechtsbeziehungen im Imperium Romanum war das Pantheon zugleich Grundlage der Pax Romana.
    Hat nicht die Übernahme der Sünde der Welt etwas mit dem Baum des Lebens zu tun? Und verhält sich der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zum Baum des Lebens nicht wie die Philosophie zur Prophetie, oder wie die Erkenntnisfunktion des Raumes zur benennenden Kraft der Sprache?
    Bedeutung des Tierkreises:
    – in der chaldäischen Astrologie,
    – im griechischen Mythos (Idee des Heros),
    – in den Megalith-Kulturen,
    – in der jüdischen Tradition (Tierkreis-Mosaiken in antiken Synagogen?).
    Hat der später als Sothis-Periode mißdeutete Sachverhalt in der ägyptischen Geschichte etwas mit dem Tierkreis zu tun? Ist die Patriarchen- und Exodus-Geschichte so etwas wie ein Astral-Mythos?
    Freude, Lachen und Johlen; oder: Befreiung, Herrschaftskritik und Freude, und Herrendenken, Objektivierung durch Lachen, Johlen und Rache.
    Die Instrumentalisierung der Welt und die Zerstörung der teleologischen Prinzipien gehören zusammen; sie machen den Raum frei für das liberum arbitrium und die Subjektivierung der Zwecke, die dann selber wiederum über das Tauschprinzip und die Geldwirtschaft in eine der instrumentalisierten Welt angemessene Beziehung gerückt werden. In der instrumentalisierten Welt gibt es zur Herrschaft keine Altenative.
    Hat nicht die Übersetzung des zweiten Gebots in „Du sollst nicht fluchen“ ein ähnliche Funktion wie die des achten „Du sollst nicht lügen“? Auch das „Du sollst nicht fluchen“ ist ein Teil des Herrschaftsmechanismus, der Herrschaftskritik schon im Keim unterdrückt. Beide Übersetzungen haben hinterhältig und gemein gewirkt.
    Hat Auschwitz nicht eine zweitausendjährige Vorgeschichte? Und ist die Angst im Garten Gethsemane nicht eher auf diese Geschichte als auf die private Todesfurcht zu beziehen?

  • 04.06.92

    Heidegger und die Bergpredigt: Ist nicht die „Sorge“ der Platzhalter des Futur II in beiden (und Heideggers Philosophie insgesamt die Selbstreflektion der inertia: seine Fundamentalontologie gleichsam das Inertialsystem von innen)?
    Die Übernahme der Sünde der Welt bezeichnet im Christentum genau den Punkt des Widerstands gegen die Abstraktion, gegen das falsche Allgemeine (und seinen Grund im Tausch- und im Trägheitsprinzip). Schuld ist immer konkret, und sie ist immer vergangene Schuld (Inbegriff der Last der Vergangenheit); erst durch die Opfertheologie ist der Kreuzestod Christi auch zu der für ihn zukünftigen Schuld in Beziehung gesetzt worden, nur so war die christliche Erlösungs- und Gnadenlehre zu begründen. Aber diese Begründung war falsch (und mit ihr ein Pfeiler des kirchlichen Selbstverständnisses); den Schein der Wahrheit verdankte sie allein der Unfähigkeit zur Kritik des Tauschprinzips; zugleich war sie fähig, Modell des Inertialsystems zu werden. Mit dieser Begründung wurde die Vergangenheit bloß verdrängt anstatt durch Erinnerungsarbeit übernommen, wurden die Verdrängungsmechanismen selber in den Kern der Religion mit aufgenommen und durch den potentiellen Häresie- und Blasphemievorwurf unangreifbar gemacht, zugleich die Verführung und der Genuß der Exkulpierung gegen das Bewußtwerden abgeschirmt.
    Zur Täufergeschichte: Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem „ecce agnus dei, qui tollit peccata mundi“ und dem „Das ist mein geliebter Sohn …“: zwischen der Übernahme der Sünde der Welt und der Vater-Sohn-Theologie? Gehören nicht die Begriffe Schuld, Bekenntnis, Zeugenschaft dem gleichen Kontext an (beachte die Doppelbedeutung des Zeugungsbegriffs im Deutschen)? Wie verhalten sich kennen, erkennen, bekennen zu zeugen, erzeugen, bezeugen?
    Hatte Jesus nicht zusammen mit den Geldwechslern auch die Taubenhändler aus dem Vorhof des Tempels vertrieben (Bedeutung der Tauben in der Schrift und des Taubenopfers)?

  • 29.05.92

    Ist nicht die „Gottesruhe“ (Augustinus), das selige Ruhen Gottes in sicher selber, die Kehrseite des Gottesschreckens, den der „selige“ Gott in der Geschichte des Christentums nach außen verbreitet hat?
    Hinweis des Augustinus darauf, daß das Kreuzeswort Jesu „Es ist vollbracht“ und die anschließende Grabesruhe dem Ende des Schöpfungswerks und der Ruhe am siebten Tag korrespondiert. Ergibt sich daraus nicht der natürliche Schluß, daß das Christentum insgesamt dann den drei Tagen im Grab (dem Zeichen des Jona) entspricht?
    Neutralisiert die Unterscheidung der Erkenntnis vor, in und nach der Sache (die spätere analogia entis) nicht die Bedeutung der Umkehr für die Erkenntnis (Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhang), den Begriff der Prophetie (Grund seiner Umwandlung in Allegorie)?
    Es gibt kein Feindbild ohne projektives Element. Und der Götzendienst hat genau diese Funktion: das projektive Element abzustützen, das Feind- (und Herren-)denken zu exkulpieren. In der Philosophie wird dieses projektive Element über den Begriff der Materie, in der Theologie durch die Allegorie, die Vorstellung des Teufels und der Hölle und durch den Zusammenhang von Bekenntnis und Frauenfeindschaft, in der objektiven Realität selber verankert (Grundlage und Reflex des Weltbegriffs).
    Die Unterscheidung von Gesinnungs- und Verantwortungsethik gehört zum System der transzendentalen Logik; sie unterliegt selber der moralischen Urteilslust, dem Empörungs-, dem Feinddenken, die sie in der Gesinnungsethik denunziert. Die bloße Gesinnung ist in der Tat bloß Ausdruck des ohnmächtigen Exkulpationswunsches, der durch die Verurteilung des andern glaubt, sich selbst reinwaschen zu können (Sündenbockmechanismus). Sie kommt zu sich selber erst im Verzicht auf Exkulpation: im Kontext der Gottesfurcht. Diese neue Gestalt der Gottesfurcht war das Feuer, das Jesus auf die Erde bringen wollte, und von dem er wünschte, es brennte schon.
    Die Vergegenständlichung des Lichts ist mit der Elektrodynamik erkauft. Das am ersten Tage geschaffene Licht hat weniger mit dem physikalischen Objekt als vielmehr mit dem Beginn (der Potenz) der Einsicht zu tun. Das Licht ist das Medium des Angesichts. Extreme des Angesichts: das Lachen und der Schrecken.
    Das ist der entscheidende Einwand gegen Heidegger: es gibt keine objektlose Angst; oder anders: es gibt keine Angst ohne Objektbezug. Insofern ist die Angst ein Sinnesimplikat der transzendentalen Logik (ihres apriorischen, aber leeren Objektbezugs) und vom Geltungsbereich der Begriffe Natur und Welt nicht abzulösen. Gegenstand der Angst ist der Tod; und die heideggersche objektlose Angst ist ein Produkt seiner „Entschlossenheit“, des „Vorlaufens in den Tod“, sie ist der Preis für die „Eigentlichkeit“. Der Tod wird immer nur als Tod anderer erfahren. Der eigene Tod ist nicht erfahrbar. Soweit ich mich im eigenen Tod erfahre, erfahre ich mich nur durch Reflexion: als Anderer für Andere. So ist die „Erfahrung“ des eigenen Todes nur ein Sinnesimplikat meines In-der-Welt-Seins. Aber: Stark wie der Tod ist die Liebe. Und Adornos Satz: Heute fühlen sich alle ungeliebt, weil keiner zu lieben fähig ist, wäre insoweit auch auf diese Beziehung von Angst und Tod anwendbar. – Ist die heideggersche „Entschlossenheit“ nicht doch nur der Kult des Selbstmitleids?
    Stark wie der Tod ist die Liebe: Schließt das nicht eine neue Gestalt der historischen Erkenntnis mit ein, nämlich als Erinnerungs- und Trauerarbeit. Und ist nicht diese Erinnerungs- und Trauerarbeit im Credo vorbezeichnet in dem Satz: abgestiegen zur Hölle.
    In der objektlosen Angst, in der Entschlossenheit und in dem Vorlaufen in den Tod, sowie im Begriff der Eigentlichkeit hat Heidegger etwas von der Innenerfahrung der Arbeit des Begriffs erhascht.
    Hoffnung ist uns allein um der Hoffnungslosen willen gegeben: das ist der Anspruch, den die Toten an uns haben.
    Entspricht nicht der Feste oben (zweiter Tag) das Trockene unten (dritter Tag)?
    Sed libera nos a malo, muß das nicht heißen: sondern befreie uns von der (von unserer) Bosheit.
    Kritik des Dogmas, oder die Entkonfessionalisierung der Kirche.
    Der Unsterblichkeitsglaube hat das Selbsterhaltungsprinzip in die Theologie eingeschmuggelt.
    Hat der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen etwas mit dem Geld (mit der erkenntnisleitenden Funktion des Geldes in der durch Eigentum definierten Gesellschaft: mit der Geltung des Selbsterhaltungsprinzips) zu tun?
    Sind nicht die drei Verleugnungen des Petrus eigentlich Identifikationen mit dem Aggressor, d.h. gleicht Petrus sich nicht durch die Verleugnungen dem anklagenden Prinzip, das von der Magd des Hohepriesters und den Umstehenden vertreten wird, an (bis hin zur Selbstverfluchung)? Beginnen die Verleugnungen nicht mit der Opfertheologie, mit der falschen Übersetzung des „tollere“ im „ecce, qui tollit peccata mundi“ (und ist die Figur des Täufers in diesem Zusammenhang auch typologisch zu begreifen: ist er der Hahn; Geschichte des Herodes; Verhältnis von Wasser- zu Geisttaufe)?
    Die Feindesliebe und die Erneuerung des Antlitzes der Erde.

  • 19.05.92

    Die aristotelische Metaphysik ist von der aristotelischen Körperphysik nicht zu trennen, zu der u.a. auch die Lehre vom natürlichen Ort gehört, die dann durch die noesis noeseos, durch das Denken des Denkens, das (über das teleologische Element darin) eins ist mit dem ersten Beweger, direkt in die Metaphysik einmündet. Mit der Kritik und Auflösung der Zweckursachen, mit der Subjektivierung der Teleologie und d.h. mit der Etablierung des Inertialsystems verliert die aristotelische Metaphysik ihre Basis. Das ist vermittelt durch die Theologie, durch die Einführung des Schöpfungsbegriffs in die aristotelische Metaphysik (in die er nicht hineinpaßt). Durch die Idee einer creatio ex nihilo gewinnt zwar der aristotelische Gott Schöpferkraft, gewinnt er seine besondere Art von Allmacht, die ihn dann allerdings (durch die genau hier logisch erzwungene nominalistische Revolution) gleichsam von innen aushöhlt, als Hypostase des Staates erkennbar macht. Nicht Gott, sondern der Staat ist „Schöpfer“ der Welt; und die creation ex nihilo ist ein Deckbegriff der unbegriffenen ökonomischen Funktion des Staates.
    Quellpunkte des Systems sind:
    – die Geldwirtschaft,
    – dann der (aus der Verbindung der philosophischen Gotteslehre mit der theologischen Schöpfungsidee entspringende) theologische Bekenntnisbegriff,
    – und am Ende das Inertialsystem (mit dem daraus entspringenden christologischen Naturbegriff).
    Die Etablierung des Inertialsystems ist von ähnlicher geschichtsphilosophischer Relevanz und Bedeutung wie der kirchliche Dogmatisierungsprozeß, mit dem sie genetisch, strukturell und logisch zusammenhängt.
    Die fürs Inertialsystem konstitutive (systembildende) Beziehung zur Vergangenheit hat ihr Modell und ihr Vorbild in der Beziehung zur Vergangenheit, die bereits den Prozeß der Dogmenbildung bestimmt. Die „Überwindung“ der Vergangenheit (der vergangenen Gestalten der Religion oder der Erkenntnis) ist in beiden Fällen erkauft mit der unkenntnlich gemachten Wiederkehr des Verdrängten.
    Das newtonsche Gravitationsgesetz und seine Optik gehören zum Inertialsystem als Stabilisatoren (als Wächter des Orthogonalitätsprinzips) dazu.
    „Oh Haupt voll Blut und Wunden …“: das tiefste Symbol des Inertialsystems (eigentlich insgesamt die Passionsgeschichte: mit dem „Warum schlägst du mich?“, der Königsparodie und der Dornenkrone, aber auch unter Einschluß des Unschulds-Händewaschens des Pilatus).
    Der Satz Adornos „Ideologie ist Rechtfertigung“ ist im strengen Sinne christologisch, bringt die „Sünde der Welt“ auf den heutigen Erkenntnisstand.
    „Wenn die Welt euch haßt …“ Das heißt doch auch: der Haß, den ihr verspüren werdet, wird so subjektlos sein wie die Welt; das ist der Hintergrund und die Grundlage für das Wort am Kreuz: „… denn sie wissen nicht, was sie tun“. Und dieses Wort scheint heute zum Wesen und zu Signatur der Welt insgesamt zu werden: Wer weiß noch, was er tut? Vgl. hierzu auch das Ende des Buches Jona. Heute verstricken sich alle in Schuld, die es immer noch nicht wissen und sich wohl dabei fühlen. Nochmal: „Wenn die Welt euch haßt …“ Aber wenn der Geist kommt, wird er das Antlitz der Erde erneuern, das hinter diesem Haß der Welt nicht mehr zu erkennen ist.
    Drei Bemerkungen zur Kritik der Naturwissenschaft:
    – Das Inertialsystem ist das Referenzsystem aller naturwissenschaftlichen Erscheinungen, Begriffe und Gesetze;
    – es konstituiert sich durchs Relativitätsprinzip, durch das Gedankenexperiment, das die Orthogonalität aller Strukturen im Inertialsystem (bis hin zur „Trennung“ von Raum, Zeit und Materie); dazu gehören die Formulierung des Gravitationsgesetzes (die Identität von träger und schwerer Masse) und der Grundlagen der Optik (Feststellung der endlichen Lichtgeschwindigkeit);
    – mit der Etablierung des Inertialsystems ist die Herrschaftslogik mitgesetzt, als Logik des Zusammenhangs von Objektivation und Instrumentalisierung.
    Rosenzweigs Bemerkung zu Schopenhauer und Nietzsche, daß sie als erste die Welt nach ihrem Wert für sie (für Arthur Schopenhauer und Friedrich Nietzsche) beurteilen, bezeichnet den Punkt, an dem erstmals die Sünde der Welt in die Philosphie hereinragt.
    Der Konsensbegriff und die Kommunikationstheorie übersehen, daß die Logik – nach dem Hegelschen Nachweis – ohne ein dezisionistisches Moment nicht zu halten ist; eben deshalb bedarf die Hegelsche Rechtsphilosophie eines Souveräns und seiner Legitimierung durch Geburt. Es gibt in der Tat keine Wahrheit ohne die Idee der Versöhnung.
    Bis heute hat die Kirche ihre Hähne immer rechtzeitig geschlachtet.
    Ohne Metaphorik verliert die Sprache ihre benennende Kraft; aber die Metaphorik lebt von der Logik der Umkehr. Sie verhält sich zur Identitätslogik wie die Begründung zur Kausalität. Ohne Metaphorik verliert die Sprache mit der benennenden auch die begründende Kraft („Traum der Menschheit, sich von einem Punkt des Raumes zu einem anderen Punkt des Raumes zu bewegen“).
    Weltbegriff: historisch, logisch und theologisch.

  • 17.05.92

    Ist nicht die besondere Eigenschaft der Exponentialfunktion die, die auch ihre statistische Anwendung begründet, daß sie selbstreferentiell ist. Diese Eigenschaft hängt zusammen mit ihrer Beziehung zu den trigonometrischen Funktionen.
    Gehört zu den Begriffen Natur und Welt nicht als dritter Totalitätsbegriff der des Bekenntnisses dazu; und hat dieser nicht sogar eine (gnoseologische) Schlüssel- und Angelfunktion, die nur deshalb so schwer zu ermitteln und zu durchschauen ist, weil er genau den blinden Fleck in diesem System bezeichnet? Als Deckbegriff über das durch die Totalitätsbegriffe Natur und Welt Verdrängte begründet und sichert (exkulpiert und neutralisiert) er ihre gegenständliche Funktion und Bedeutung.
    Das Lippenbekenntnis ist die Verhinderung des Zungenredens oder die Sünde wider den Heiligen Geist.
    Effekt der Sexualmoral: die Verdinglichung des Menschen. Die Vergesellschaftung der Sexualmoral, die sich dem Christentum verdankt, macht alle zu Richtern über alle; durch sie halten sich die Menschen gegenseitig in Schach und werden so prinzipiell beherrschbar. Ist hierzu nicht die Abtreibungsdebatte das letzte Rückzugsgefecht?
    Die „religiöse Erneuerung“ nach der pornokratischen Phase der Papstgeschichte, die u.a. zur kirchlichen Zölibatsregelung führte, hat damit diese Funktion der Sexualmoral in der Kirche verankert (Verschiebung der Zentrums vom Unrecht zum Sittenverfall). Sie hat den Grund gelegt für die wachsende Frauenfeindschaft (bis hin zu Hexenverfolgung) und für die naturwissenschaftliche Aufklärung (Ursprung des Trägheitsbegriffs und des Inertialsystems). Die Sexualmoral hat durch die Verdrängung dessen, was mit dem Angesicht und dem Namen bezeichnet wird, die Schuld unentrinnbar im Objekt verankert: Grund und Ursprung des modernen Materiebegriffs. Zusammenhang von Sexualität, Geld und Trägheitsprinzip.
    Die Sexualmoral war der Grund der kollektiven Neurose, die in jedem Dorf den dorfeigenen Dorfidioten produzierte.
    Die heutige Gestalt der Sexualmoral ist die neidbestimmte Empörung über Geld. Beide hängen zusammen mit einem naturbezogenen Unschuldsbegriff: Die Menschen sind von Natur unschuldig und werden schuldig erst durch Handeln (Recht, Personbegriff und Zurechenbarkeit).
    Das Problem der natürlichen Unschuld, die Bekenntnisse des Augustinus (die Sünden des Säuglings), kirchliche Gnadenlehre und Ursprung der Kindertaufe (im direkten Widerspruch zum Wort Jesu über die Kinder). Auflösung durch den Begriff der Sünde der Welt (es gibt einen Zeitpunkt, an dem jeder die Verantwortung für den eigenen Charakter übernehmen muß).
    Die Rechtfertigungsrhetorik „Ich habe doch niemanden umgebracht“ grassierte nicht zufällig in der Zeit des Judenmords in Deutschland.
    Die Orthogonalität begründet den Zusammenhang der subjektiven Formen der Anschauung mit dem Rechtfertigungszwang.
    Was bedeutet das Wort vom „erhöhten“ Christus: Steckt darin die Beziehung zur Herrschaftsgeschichte, die auch im Symbol des Kelches steckt und mit der Geschichte von Gethsemane zu tun hat?
    Bezieht sich das Wort von der Ersetzung des steinernen Herzens durch ein fleischernes Herz auf Petrus? Und wie verhält sich das zu dem rätselhaften ebenfalls auf Petrus bezogenen Wort: „Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du dein Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst“ (Joh 2118), das sich auf seinen Tod beziehen sollte? Was bedeutet die Geschichte mit dem Schwert und dem Knecht Malchus, und dem rechten Ohr, das Petrus abschlägt und Jesus wieder anheftet; und was heißt Malchus?

  • 16.05.92

    Dem Antisemitismus sind die Trauben zu hoch, deshalb zu sauer.
    Hat der gordische Knoten etwas mit der Ökonomie, mit der Geldwirtschaft zu tun und/oder mit dem Planetensystem? Und ist die Transzendentalphilosophie ein Produkt des bloß durchschlagenen, nicht gelösten Knotens?
    Hat das Wunder von Kana, die Verwandlung von Wasser in Wein, etwas mit der Noe-Geschichte zu tun (Sintflut, erster Weinanbau, Trunkenheit Noes und Aufdeckung seiner Blöße durch Ham)?
    In jedem apodiktischen Urteil steckt die Negation mit drin: A ist nicht A, sondern B.
    Die Vögel, die Fische und die Reptilien legen Eier und sind mit Ausnahme der Delphine und Wale keine Säugetiere.
    Lippenbekenntnis und Zungenreden. Zunge: welch merkwürdiges Wort und welch gefährliches Ding.
    Gibt es nicht, vom Indifferenzpunkt der Längenkontraktion und Zeitdilatation aus gesehen, zwei Wege des Falles, zwei Wege, das Inertialsystem zu konstruieren: die Identität von Trägheit und Schwere und das Plancksche Strahlungsgesetz?
    Die Idee Gottes ist von der des Ewigen, die des Menschen von deren zeitlichem Abbild, nicht zu trennen.
    Der Fall ist der Fall in die reine Äußerlichkeit, die Trennung von Raum, Zeit und Materie (Trennung von Leib und Seele).
    Es gibt keine Begriffe ohne projektiven Anteil. Ist nicht der Grund des begrifflichen Denkens das erlösungssüchtige Selbstmitleid?
    Ist der Weltbegriff die Wasserscheide zwischen Hebräern und Juden; und gehört nicht die Geschichte von den verlorenen Stämmen Israels in diesen Kontext? Die Hebräer sind mit dem Haus Israel untergegangen, an deren Stelle ist das Haus Juda getreten?

  • 13.05.92

    Ist nicht die gesamte Physik auch einem Orgasmus vergleichbar, in dem man, Robert Spaemann zufolge, das Bewußtsein verliert? Und die Unzucht, die Hurerei beginnt beim Reden über andere, beim Geschwätz.
    Singen im jüdischen und im christlichen Gottesdienst: Das Singen im christlichen Gottesdienst, die Harmonie und Einheit des Gesangs, dient der erpreßten Versöhnung, während das Singen im jüdischen Gottesdienst von der Erwartung lebt, daß Gott das einmal zusammenfügen wird und dann ein Wohlklang daraus entsteht, der die ganze Welt ergreift und verändert.
    Die babylonische und die ägyptische Mathematik und Astronomie werden immer am Stand der heutigen Erkenntnis gemessen und danach als primitiv und unentwickelt verworfen. Es käme darauf an, sie an dem vorausgegangenen Bewußtseinsstand zu messen, ihren Ursprung zu begreifen; das würde vielleicht helfen, den Verblendungszusammenhang, dem der Fortschritt auch des Wissens und der Erkenntnis sich verdankt, zu durchschauen und zu begreifen.
    Diese ganze Geschichte: Ursprung des Privateigentums, des Patriarchats, der Geldwirtschaft, des Rechtes und des Staats, der Schrift, der Astronomie und der Mathematik, all das, was hier, in dieser Phase der Geschichte gelaufen ist, wird sicherlich nur im Zusammenhang aller Momente begriffen und durchsichtig gemacht werden können. Dieser Gesamtzusammenhang wird dann im Weltbegriff auf einen Nenner gebracht, seine Genesis in der gleichen Bewegung verdrängt.
    Gibt es einen Zusammenhang zwischen der höhnischen Verdoppelung im Namen der Barbaren und der Entdeckung der Funktion des Winkels in der Geometrie?
    Ist die Befreiung von den sieben unreinen Geistern die Lösung des gordischen Knotens?
    Hat der Satz des Thales „Alles ist Wasser“ etwas mit der Sintflutgeschichte zu tun (beide verweisen auf ein Moment im Ursprung der Zivilisation, auf den subjektbegründenden Verdrängungsprozeß: die Arche als Modell des transzendentalen Subjekts, das die ganze Tierwelt in seinem Innern hat)?
    Die Begriffe Welt und Natur blenden den gesellschaftlichen Prozeß, dem ihr Ursprung sich verdankt, aus. Die Begriffe Säkularisation und Vergesellschaftung bezeichnen den gleichen Sachverhalt.
    Zusammenhang der Begriffe Welt und Natur mit der transzendentalen Logik und Ästhetik: Die Form des Raumes (Grund der Vorstellung einer homogenen Zeit und der Hypostasierung der Materie) als Quellpunkt und Kristallisationskern der Urteilsform und der Begriffe Natur und Welt.

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