Haben die sieben Siegel der Apokalypse etwas mit dem historischen Ursprung und der Funktion des Siegels zu tun (Signum der Person, des Eigentums, des Befehls und Auftrags, des Erlasses)?
Die Beziehung von Person und Eigentum (Grund des Siegels) ist eine genitivische Beziehung; was bedeutet der Begriff Genitiv?
Mordgründe: Vatermord (Freud), Brudermord (Bibel), Tyrannenmord (Herrenmord), Raubmord (Mord des Eigentümers), Sexualmord (Vergewaltigung).
Gibt es eine von der Zwangs- und Schuldlogik (Anklage) abweichende Logik der Befreiung (Verteidigung)? Und sollten nicht endlich die, die darin geübt sind, Anwälte des Staates heißen? Macht nicht das Institut des Staatsanwalts den Staat zu einer paranoischen Institution?
Nochmal gesinnt und gesonnen: Ist nicht der Ursprung der Gesinnung die Nationalgesinnung (als transzendentallogischer Grund und als Absicherung des moralischen Urteils)? Und liegt nicht die unterschiedliche Behandlung rechter und linker Straftaten darin, daß Gesinnung (wie auch die Gemeinheit, in der sie wurzelt) kein Straftatbestand ist? Gleichwohl fiel es Staatsanwälten nicht schwer, Begriffe wie „anschlagsrelevante Themen“ (die in der Regel sich auf Fragen der politischen Moral bezogen) zur Grundlage von Ermittlungen zu machen, und über Rechtskonstruktionen wie „terroristische Vereinigung“, „Befürwortung von Gewalt“ u.ä. Gesinnungen strafrechtlich zu verfolgen, während erhebliche logische Verrenkungen notwendig waren, um die Übernahme der Ermittlungen im Falle Mölln durch die Bundesanwaltschaft zu begründen. Wie kommt es, daß der Begriff der Gesinnung zwar die Gemeinheit schützt, nicht aber die politische Moral? Blendet nicht gerade der Begriff der Gesinnung das Entscheidende aus, und liegt der Grund hierfür nicht in dem Zusammenhang von Gesinnung und Gemeinheit?
Die Asylanten-Diskussion und die rechtsterroristischen Anschläge haben sich wechselseitig begründet und verstärkt. Jetzt schlägt es um – und das war lange schon erkennbar – auch auf andere „Ausländer“, und wahrscheinlich in erster Linie auf Türken; wäre es da nicht endlich an der Zeit, die zutiefst zweideutige und inhumane Situation der „Ausländer“ in diesem Lande dadurch zu beenden, daß das Verfahren der Einbürgerung erleichtert und insbesondere die Möglichkeit einer doppelten Staatsbürgerschaft eröffnet wird. Das unterschwellig diskriminierende Wort von „unseren ausländischen Mitbürgern“ („unseren jüdischen Mitbürgern“) sollte uns langsam im Halse stecken bleiben.
Wie wäre es mit der Überlegung, all jenen, die Straftaten gegen Ausländer begehen, die deutsche Staatsbürgerschaft zu entziehen. Die Begründung dürfte nach der Vergangenheit, die hier wieder hochkommt, keine großen Schwierigkeiten bereiten. Vielleicht, wenn sie schließlich selber Ausländer sind, rotten sie sich dann gegenseitig aus. So könnte das Wort „Wir sind ein ausländerfreundliches Volk“ vielleicht doch noch wahrwerden.
In den Weltuntergang, dessen Zeugen wir und unsere Eltern seit einem Jahrhundert sind. ist auch die Theologie mit hereingerissen worden. Die beiden Fluchtwege: der Fundamentalismus und ein theologischer Liberalismus, der die Trümmerstätte als Steinbruch benutzt, führen nicht ins Freie.
Schuld ist das lähmende Bewußtsein, Objekt des Urteils anderer zu sein.
Verweist das Wort „und sitzet zur Rechten des Vaters“ auf die Bindung der Rechten des Vaters durch den Sohn: auf das Aufhalten der Barmherzigkeit, die seitdem im Exil ist, auf die Herrschaft der richtenden Gewalt, auf den Punkt, auf den die der Kirche verheißene Lösungsvollmacht sich bezieht (den Krieg zwischen JHWH und Amalek von Generation zu Generation – vgl. Ex 78ff)? Erst seine Wiederkunft wird das Gericht der Barmherzigkeit über das gnadenlose Weltgericht bringen.
Gesellschaft
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25.11.92
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10.11.92
Zur Kritik des Tauschprinzips: Der Preis, das Opfer und die Strafe.
Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen: Das Inertialsystem wird nicht siegen. Und ist hiernach die Rücknahme der Verurteilung Galileis, und zwar der Form, nicht der Sache nach, ein Teil der Selbstverfluchung?
– Sollte der Papst wirklich gesagt haben: Galilei, ich verzeihe dir, so klingt das, als wenn auch die Deutschen eines sich bereit erklären würden, den Juden Auschwitz zu verzeihen.
– Und wenn der Papst die Männer der Inquisition mit dem Hinweis auf den „guten Glauben“, in dem sie gehandelt hätten, verteidigt, so wird man daran erinnern müssen, daß mit dem gleichen Argument („fehlendes Unrechtbewußtsein“) die ganze Nazijustiz freigesprochen wurde, ja daß mit diesem Argument die Täter selber (in Auschwitz und den anderen KZs), die auch glaubten, für eine gute Sache zu handeln, nicht hätten schuldig gesprochen werden dürfen. Auch der Fremdenhaß und der Antisemitismus sind bona fide geschehen.
Das „Herr vergibt ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, kann und darf niemand auf sich selbst anwenden (dieser Aspekt, der eine seiner Wurzeln in der paulinischen Gesetzeslehre hat, gehört zu den Gründen der Theologie).
Das bona fide gehört zu den Wurzeln der Perfidie, die die Kirche seit je an den anderen (insbesondere an den Juden) verfolgt hat.
Zur Anzeige der Frankfurter Sparkasse in der FR von heute: Dies ist der unverhohlene Aufruf dazu, Frankfurt endlich mieterfrei zu machen. Der Hinweis darauf, welche Gewinne z.Z. aus den Mietsteigerungen gezogen werden können, ist selber eine der Hauptursachen der Mietsteigerungen. Hier (an der Grenze, an der Politik, Ökonomie und Reklame in einander fließen) läßt sich verdeutlichen, wie Anschauungen, die vorgeben, ideologiefrei zu sein, fast naturgesetzlich und zwangsläufig Zustände begründen, die Haß auf die Fremden dann als Blitzableiter brauchen, d.h. zum Ideologie-Generator werden. Diese Reklame verschweigt nicht mehr nur den Tod, sondern sie gehört zu den Schreibtisch-Ursachen des Mords. Heute glaubt die Politik insgesamt, durch Perhorreszierung des Denkens ideologiefrei leben zu können.
Der Kampf gegen die Fremdenfeindlichkeit unter dem Titel Rassismus ist ohnmächtig und hilflos, weil nach dem Modernisierungsschub, den der Faschismus geleistet hat, die Brutalität die Rechtfertigung durch den Rassismus nicht mehr braucht, sondern schlicht und einfach nur noch auf Fremdheit reagiert. Und die, die heute als Nazis sich gerieren, haben das entweder noch nicht gemerkt (und sind noch dümmer, als die Nazis es schon waren), oder sie verkleiden sich bloß aus Reklamegründen, nutzen das Nazibild als Wirkungsverstärker.
War die Gnosis nicht ein Stück offener Projektion, steckte der Demiurg nicht in der logischen Fluchtlinie jener Gestalt der Theologie, die durch Zuhilfenahme der Philosophie von ihrem jüdischen Ursprung glaubte sich emanzipieren zu müssen? Der christliche Gott trägt seit den Anfängen der hellenisierten Theologie demiurgische Züge; so war der Zwang, sie auf den eigenen Ursprung zu projizieren, fast unwiderstehlich. In der Gnosis hat die Kirche erstmals ein Stück ihrer selbst verdammt, ohne sich real davon befreien zu können. Und hat die Kirche nicht seitdem in ihren Feindbildern das Unerlöste in sich selber gehütet und gepflegt?
Seid arglos wie die Tauben: Steckt nicht in jedem Wohnen ein Stück „Argwohn“?
Rankes Satz, es sei Aufgabe des Historikers zu erkennen, wie es denn eigentlich gewesen sei, unterschlägt das Was. Er vernebelt damit, daß für den Historiker dieses Was vorgegeben ist durch sein (damals vor allem nationales) Interesse. Nur wer das nicht mehr zu reflektieren bereit ist, für den bleibt nur das Erkenntnisziel, wie es den eigentlich gewesen sei. Das Was erscheint als Objekt der freien Wahl.
Randbemerkung hierzu: Spielt hier nicht auch die merkwürdige Beziehung der Fragewörter zu den bestimmten Artikeln mit herein, die Beziehung von wer wie was zu der die das?
– Hier steht das Wie in einer noch unaufgeklärten Beziehung zum femininen Artikel. Hängt das Wie mit der Instrumentalisierung des Weiblichen zusammen, die die patriarchalische Sprache insgesamt charakterisiert? Und
– hängt es nicht auch damit zusammen, daß in den indogermanischen Sprachen im Weiblichen Genitiv und Dativ (und im Weiblichen und im Neutrum Nominativ und Akkusativ) nicht zu unterscheiden sind. Das aber heißt, daß das Weibliche wie das Neutrum im strengen Sinne subjektlos sind (keinen Nominativ haben), nur als (aus dem Akkusativ abgeleitetes) Objekt vorkommen, und daß im Weiblichen darüber hinaus durch die Nichtunterscheidung von Genitiv und Dativ das Herrschafts- und Besitzverhältnis des Genitiv von der Geschenk- und Gnadenbeziehung des Dativ nicht sich trennen läßt: die Differenz von Hingabe und Vergewaltigung (ähnlich wie die Gemeinheit überhaupt) in der Sprachstruktur nicht bestimmbar ist.
– Die Trennung von Masculinum und Neutrum, von Person und Sache, ist im Femininum gegenstandslos; das Neutrum ist ein abgespaltener Teil des Masculinum: deshalb gelten Frauen als unsachlich, als der Logik nicht fähig.
– Frage: Wie hängt das zusammen mit der Bildung des Futur II (dessen Ursprung sich herleiten läßt aus dem Ursprung des Privateigentums, der neuen Bedeutung der Vaterschaft und seiner Beziehung zur Funktion der Erbschaft): liegt hier nicht der Grund der Trennung von Person und Sache, von der das Weibliche ausgenommen ist?
– Wie hängt diese Sprachstruktur mit dem Ursprung des Objektbegriffs, mit dem Begriff des Schicksals und der Geschichte seiner Verinnerlichung in der Gestalt des bürgerlichen Subjekts und im Ursprung der Philosophie zusammen?
– Ist dieser Zusammenhang des Masculinum, Femininum und Neutrum nicht im Sündenfall, im Verhältnis von Adam, Eva und der Schlange vorgebildet; verweist nicht insbesondere die Geschichte mit dem Staub (zu dem Adam wird, und von dem die Schlange sich nährt) auf den besonderen Charakter des Verhältnisses von Männlichem und Sachlichen? Das Neutrum ist die Schlange, die auf dem Bauche kriecht und Staub frißt.
Unter der Herrschaft des Weltbegriffs wurde das Antlitz der Erde entstellt und die ganze Schöpfung in der Naturhölle eingesperrt.
Die andere Bedeutung des Futur II: Es wird (wohl so) gewesen sein, ist zu ergänzen durch das „Wenn du es sagst“. Hier wird die Autorität von der Sache in die Person zurückgenommen und zugleich relativiert. Hier reflektiert sich die Unterscheidung von Person und Sache, die im Männlichen gründet. Das Logozentrische des Indogermanischen ist der Widerpart des Logos.
Hängt die Logik jener „Tiefenzeit“ bei Stephen Jay Gould nicht mit jener Logik zusammen, die die Reklame heute zu einem Mordinstrument macht, und mit der gleichen Logik, die die Politik von den realen Erfahrungen der Menschen auf eine fast nicht mehr nachvollziehbare Weise entfernt? Das aber heißt, ist sie nicht ein Teil jener Logik, die heute die Welt insgesamt in sodomitische Zustände hineintreibt -
06.11.92
Für Sodom und gegen die Engel Jahwes: Sind es nicht die gleichen (nur jetzt zwei anstatt vorher drei) „Männer“, die von Abraham mit großer Gastfreundschaft aufgenommen wurden, den Bund mit ihm schlossen und ihm den Erben und die zahlreiche Nachkommenschaft ankündigten?
Jericho und Sodom haben mit dem Stammbaum Jesu zu tun, und zwar beide über Frauen, über Rahab und Ruth (die als Moabiterin an die Lot-Geschichte erinnert). Aus Gibea stammt der erste König Israels, Saul; sein Namens-Nachfahre, Saulus/ Paulus, war ein Benjaminiter.
Sind der neue Himmel und die neue Erde die alten nach ihrer Befreiung von der Welt?
Die Fremdenfeindschaft, die Xenophobie, ist der Preis für die Zivilisation, und jede Fremdenfeindschaft ist im Kern antisemitisch (inverse Identität von Hebräern und Barbaren).
Der systematische Quellpunkt des Stern der Erlösung hat etwas mit dem systematischen Kern der Kritik der reinen Vernunft zu tun: er entspringt dem Problem der Ableitung der Dreidimensionalität des Raumes, das bei Kant im Zusammenhang mit der Benennung der drei Strukturelemente der Zeit: Dauer, Folge und Zugleichsein, anklingt. Das transzendentallogische Kausalitätsprinzip, die Verknüpfung von Ursache und Wirkung, erinnert nicht zufällig an das theologische Verhältnis von Sünde und Schuld.
Der christlogische Naturbegriff, die Vergöttlichung des Opfers, ist das zentrale Element der Nachfolgevermeidungsstrategie, die er durch die Nutzung des Privilegs der Opfer, durch die theologische Honorierung des Selbstmitleids (Grund der christlichen Seelenvorstellung), fast unaufhebbar in das Bewußtsein der Zivilisierten eingesenkt hat. Diese Beziehung zum Opfer macht den durch den Weltbegriff abgesicherten Objektbegriff, Grund des verdinglichten Bewußtseins, fast unangreifbar.
Daß das neutestamentliche Lösen sich auf einen Knoten bezieht, der nicht nur geknüpft, sondern zusätzlich auch noch durchschlagen wurde (Alexander und der gordische Knoten), macht die Sache so ungeheuer schwierig. Das Schwert, mit dem dieser Knoten durchschlagen wurde, war das Schwert des Urteils, des Begriffs, abgeschirmt durch die zugleich entspringende Gewalt des Weltbegriffs, begründet in dem bis heute unaufgeklärten Konnex von Kosmologie und Herrschaft (Alexander war Aristoteles-Schüler); und was hier durchschlagen wird, ist die benennende Kraft der Sprache, die Gewalt des Namens: ihre Neutralisierung durch die Trennung von Begriff und Objekt. Erst der durchschlagene Knoten hat das Herrendenken von seinen vorweltlichen („asiatischen“) Verstrickungen befreit, um den Preis der Verinnerlichung des Schicksals, Erbe der griechischen Philosophie seitdem. Hegels Philosophie ist die gewaltige Rekonstruktion dieses Knotens, allerdings nicht seine Lösung. Denkmal der Durchschlagung des Knotens ist neben dem Geld die Geometrie (seit der griechischen „Entdeckung“ des Winkels), in der Moderne erweitert durch das systembegründende Inertialsystem und die Infinitesimalrechnung, und durch das Prinzip der Lohnarbeit (die Inertialisierung des Tauschkontinuums: gesellschaftlicher Grund des naturwissenschaftlichen Materiebegriffs).
Indem Kant alle Erkenntnis an die subjektiven Formen der Anschauung, insbesondere an die der äußeren Anschauung, bindet, verhindert er selber die Erkenntnis der Dinge an sich, zugleich aber benennt er damit auch das Hindernis, das der Erkenntnis der Dinge an sich seitdem im Wege steht. Von diesem „Hindernis“ macht das moderne Bewußtsein einen ebenso unverschämten wie selbstmörderischen Gebrauch (Zusammenhang mit der Funktion des Weltbegriffs).
Bezieht sich das Orakel über den gordischen Knoten auf die Herrschaft über Asien? Was bedeutet dann hier der Name Asien (ist er gleichbedeutend mit dem Namen Orient)? Was immer Kaiser Wilhelm, Max Horkheimer und Erich Nolte sonst unterscheiden mag, eines war ihnen gemeinsam: die Angst vor der „asiatischen Gefahr“. Wie hängt das zusammen mit den asiatischen Gestalten des Mythos und der Offenbarung bei Rosenzweig: mit Indien, China und dem Islam? Und wie hängt das auf der anderen Seite zusammen mit der ungelösten Frage der „indogermanischen Sprachen“ (deren innergrammatische Herrschaftsstruktur Indien und Europa in eine gemeinsame Beziehung gegen die „altorientalische“ Geschichte und Kultur rückt)? -
01.11.92
Die Vorstellung, daß die Natur die Menschen überlebt, hängt auf engste mit der Realität der Arbeitslosigkeit in der ersten und der Armut und Naturzerstörung in der dritten Welt zusammen.
Zur Geschichte des Zuschauers: Seit dem Ursprung der Naturwissenschaften (und verschärft seit dem Ursprung des Fernsehens) gehen ihm weit über das bisherige Maß die Augen auf, aber er erkennt nicht mehr, daß er nackt ist, und er schämt sich nicht mehr. Er projiziert die Nacktheit in den Weltbegriff und die Scham in den Naturbegriff. Darin verkörpern sich die Schuld der Väter und die Sünden der Mutter.
Die Person hat das Antlitz durch die Maske ersetzt. Und darin reflektiert sich der Ursprung und die Konstituierung des Weltbegriffs. In den Begriff der Person geht die Stummheit des Helden, die zur Ursprungsgeschichte der Welt gehört, irreversibel mit ein.
Die Sprache als die Morgengabe des Schöpfers an die Schöpfung (Rosenzweig): Dieser Morgen gehört zur vergangenen Zukunft (nicht zur zukünftigen Vergangenheit des Herrendenkens). Und sie hat etwas mit dem Morgenstern zu tun, dem Morgenstern, der (als Luzifer) so tief gefallen ist. Die Bahn dieses Falles wird beschrieben durch die Geschichte Babylons; und die Welt ist in dieser Geschichte zu allem, was der Fall ist, geworden.
Nochmal zum Gordischen Knoten: Wer war Gordion, wozu brauchte er seinen Ochsenkarren, was wird über ihn berichtet, und welche Bewandtnis hat es mit Deichsel und Joch: gehören sie in die Ursprungsgeschichte der Geometrie (und gehört der Gordische Knoten in die Vorgeschichte des Relativitäsprinzips)? Hat das Schwert (mit dem Alexander den Knoten durchschlagen hat) etwas mit der Astronomie zu tun (wie der Bogen mit dem Regenbogen, der Pfeil mit den Sonnenstrahlen)? Hängt daran die Bedeutung des Wortes „Schwerter zu Pflugscharen“ (vgl. den sonstigen Gebrauch des Wortes Schwert in der Schrift)? -
20.10.92
Der Weltbegriff, mit dem wir es heute zu tun haben, unterscheidet sich vom antiken durch den Systemcharakter, durch das Moment der Selbstbegründung: durch den transzendentallogischen Objektbegriff und durch die Selbstbegründung des Warencharakters der Dinge nach der Subsumtion der Arbeit unters Tauschprinzip, oder durch die Beziehung beider zur Urteilsform. Der moderne Weltbegriff ist Ausdruck des Sieg der Subjektivität.
Wichtiger noch als die Säkularisierung der Theologie, scheint mir, ist die Säkularisierung der Teufelsvorstellungen, die Aufdeckung des fundamentum in re der Namen Satan, Diabolus und Daimon.
Was ist das: „Ereignis des Christentums“, „Christusereignis“? Ereignis ist das Korrelat des Erlebnisses, es tritt ohne unser Zutun ein, ist wie das Erlebnis isoliert, aber damit fähig, in ein Possessivverhältnis einzutreten: ein Ereignis kann ich mir als irrationales Erlebnis zu eigen machen, ähnlich wie heute die Deutschen ihren Urlaub (deshalb Er-„eignis“? – Vgl. auch die anderen Possessivableitungen: Eigentlichkeit, Meinung, Allgemeines, Gemeinheit, das „Sein“?), Zusammenhang mit dem Schicksalsbegriff. (Vgl Metz, S. 63)
Metz, S. 64: Was ist eine „Glaubenserfahrung“; setzt sie nicht die Idee einer Glaubenswelt voraus, und welche Folgen hat das (es ist eine contradictio in adjecto, die allerdings genau zum Christusereignis paßt)?
S. 68: Die Vorstellung, daß ein „alles verfügende(r), alles vorsehende(r) Gott“ auf „den Menschen“ „zukommt“, ist nach Auschwitz eigentlich nicht mehr erträglich. Das ist schlechter Jargon der Eigentlichkeit. Was auf uns zukommt, dürfte etwas ganz anderes sein.
FR von heute: Der evangelische Landesbischof von Bayern, Herr Hanselmann, weist zu Drewermann darauf hin, daß die Erlösung an die Gottessohnschaft Jesu gebunden sei (d.h. wer diese in Frage stelle, leugne jene). Aber ist diese Erlösung nicht eine, die voraussetzt, daß Ihm (durch mythische Vergöttlichung) die ganze Schuld aufgebürdet wird: ist sie damit nicht doch zu teuer erkauft? Und wissen nicht imgrunde alle, auch Hanselmann, daß dieses Konzept die Erlösung ad calendas graecas hinausschiebt, d.h. die Garantie enthält, es werde schon nicht eintreten?
Der christliche Schöpfungsbegriff, den Metz unreflektiert übernimmt, ist insoweit auch ein philosophischer (kein theologischer), als er durch seine Beziehung auf den Weltbegriff (die in der Institution des Privateigentums gründet) innerhalb dieser philosophischen Possessiv- und Allgemeinheitsordnung bleibt. Durch den Trick der Idee einer creatio ex nihilo glaubte die christliche Theologie über die griechische Philosophie (und deren Leugnung der Schöpfungsidee) hinauszukommen, hat damit jedoch das Problem in einer Weise verschärft, daß die Gemeinheit seitdem sehr tief in der Theologie angesiedelt und nicht mehr daraus zu entfernen ist. Hier liegt der Grund jener seitdem (über das Dogma bis in die Ursprünge und die Geschichte der naturwissenschaftlichen Aufklärung) sich durchsetzenden Objektivierungstendenz, die heute die theologische Tradition aufzuzehren droht. Durch die Lehre von creatio mundi ex nihilo ist die Leugnung der Schöpfungsidee in den Schöpfungsbegriff mit hereingenommen worden. Und der Preis ist jene Opfertheologie, auf die der bayerische Landesbischof Hanselmann sich bezieht, wenn er gegen Drewermann (der anders zu kritisieren wäre) bemerkt, daß es ohne die Gottessohnschaft Jesu keine Erlösung gebe.
Das Dogma wird wahr, wenn es gelingt, es aus der objektivierenden Einstellung herauszunehmen und unters Gesetz der Nachfolge zu bringen. Aber das hätte die siebenundsiebzigfache Umkehr zur Folge, und danach sähe alles ganz anders aus.
Drewermann wäre nur vorzuwerfen, daß sein Form der Adaptation der Theologie das Nachfolgegebot zu umgehen trachtet, damit aber in den Kontext der Gottesfurcht-Vermeidungs-Strategien hineingerät. Und genau das ist sein kirchliches Erbe. Seine Theologie ist eine um die Welt gekürzte Theologie, und deshalb Tiefenpsychologie.
Ist die kirchliche Theologie nicht der Rückschritt von dem Fell, das Gott den Menschen nach dem Sündenfall gegeben hat, damit sie ihre Scham verdecken, zu den Feigenblättern?
Zum Mannesalter, auf das Karl Thieme einmal hingewiesen hat: Es sieht so aus, als ob die Theologie heute um keinen Preis erwachsen werden möchte.
Wie tief verwirrt muß Otto Schily sein, wenn er den Tod von Petra Kelly und Gert Bastian glaubt dazu nutzen zu können, den Grünen eins auszuwischen (und das noch vor Klärung der Todesursache).
Der erste, der die Schulphilosophie zur Weltphilosophie gemacht hat, Immanuel Kant (der mit Vornamen nicht nur so hieß), hat damit gleichzeitig das Motiv der Sünde der Welt, die die Philosophie seitdem mit zu übernehmen hat, kenntlich gemacht. Aber darüber sind seine Nachfolger hinweggegangen. War Kant nicht der erste Christ?
Ausgangspunkt der falschen Transzendenz nach Kant (im Begriff des Absoluten, der kein Gottesname ist) war die Fichtesche Absolutierung des Wissens.
Erinnerungsarbeit heute ist der Versuch der Aufarbeitung der Ursprungs- und Entwicklungsgeschichte des blinden Flecks, der uns alle – die Theologen eingeschlossen – zu Atheisten macht. Diese Geschichte ist beschrieben in der von den drei Verleugnungen Petri. Und in dieser Geschichte ist der Name des Petrus (Kephas) begründet. (Bezieht sich darauf nicht auch die Frage Maria Magdalenas und der Frauen, als sie zum Grabe eilen: Wer wird uns den Stein fortwälzen? Ist Petrus der Stein, der das Grab verschließt? Jedoch der Stein vorm Grab heißt lithos, nicht kephas. Haben die drei Tage im Grab etwas mit den drei Leugnungen Petri zu tun?)
Welcher hebräische Ausdruck steht am Ende des Jonas-Buchs, in dem: „und so viel Vieh“, für den Namen Vieh? Unter den Haustieren sind nur zwei Raubtiere: die (ägyptische) Katze und der (babylonische) Hund. Die übrigen Haustiere sind Behemoth: grasfressendes Vieh. Wenn auch das grasfressende Vieh am Ende des Buches Jona Behemoth ist, steht das dann nicht in Beziehung zum grasfessenden Nebukadnezzar im Buch Daniel? Und sind nicht eigentlich die Herren auch Behemoth, tendentielle Haustiere?
Die Hebräer waren in Ägypten geächtete Kleinviehnomaden (Schafhirten); die Austreibung der Dämonen verweist sie auf die Schweineherde, die bei den Juden geächtet war. Die Christen sind Schweinefleisch- und Blutwurstfresser: „Seht, ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe.“
Die Schuldvergebung im NT ergibt nur Sinn im Kontext der Übernahme der Sünde der Welt , in die die Schuld aller mit eigneschlossen ist.
Zur Unterscheidung von Sünde und Schuld vergleiche Ps 10914 (über die Schuld der Väter und die Sünde der Mutter).
In Ps 1142 werden das Heiligtum und das Reich auf Juda und Israel verteilt; vgl. dazu die Bemerkungen von Gordian Marshall und Michael Hilton zu Jude und Israelit. Sind die Juden vielleicht tatsächlich durch Auschwitz wieder zu Israel geworden? Jesus kommt wie David aus dem Stamme Juda (der Antijudaismus und der daraus hervorgegangene Antisemitismus tragen projektive Züge: wir sind die Juden, die wir in den anderen verfolgen).
Die Ödipus-Geschichte bezeichnet nicht nur einen individualpsychologischen, sondern zugleich einen welthistorischen Sachverhalt: die Geschichte der Ich-Bildung, des Ursprungs des Realitätsprinzips und des Weltbegriffs. Hier wird es deutlich: der Weltbegriff ist Erbe und Produkt des Mythos; er nimmt in der christlichen Tradition die gleiche Stelle ein wie in der jüdischen Tradition die Idolatrie, der Sternen- und Opferdienst. Auch der Mythos verdankt der Verdinglichung der benennenden Kraft der Sprache: hier wurden Metaphern zu Götzen. Und diese Götzen wurden überflüssig, nachdem die Metaphern irrational geworden sind und das Prinzip der Verdinglichung rein sich durchsetzte durch den Weltbegriff (gleichzeitig mit der Absicherung des Privateigentums durch das Institut des Rechts).
Die Ursünde der Theologie war es, diesen Weltbegriff im Banne des Weltbegriffs und unter Umgehung des Nachfolgegebots, der Forderung, die Sünde der Welt zu übernehmen, naiv gegenständlich übernommen hat. Sie ist damit in Probleme hineingekommen, die sie nicht mehr hat lösen können. Die Geschichte der Häresien ist die Geschichte des beginnenden Bewußtseins dieser Probleme, die dann aber durch die Verurteilung der Häresien (im Prozeß der Dogmenbildung) nur verdrängt, nicht gelöst worden sind. Die Dogmen sind die Narben dieses traumatischen Prozesses. Zentral (und paradigmatisch) für die theologische Erinnerungsarbeit wäre die Aufarbeitung des Anfangs und des Endes der Geschichte der Häresien, nämlich
– des Gnosis-Problems: des aufkommenden Bewußtseins, daß die Lehre von der Erschaffung der „Welt“ falsch ist (die Welt ist in der Tat nicht von Gott, sondern vom Demiurgen: vom Staat erschaffen; vgl. den Zusammenhang des Absoluten mit der Lehre vom Staat im Hegelschen System), und
– der Reformation, mit dessen Entstehung die Kirche ihre häresienbildende Kraft verloren hat, durch Abschluß der Weltanpassung der Theologie (Bekenntnisbegriff und Rechtfertigungslehre).
In diesem Zusammenhang erweist sich die Bemerkung Hanselmanns als Beleg dafür, daß die Kirche bis heute nur gebunden, nicht gelöst hat.
Die Theologie verkörpert eine Gestalt der Erkenntnis, die das Intimste und das Öffentlichste zugleich umfaßt: das hängt mit ihrer Stellung zur Welt zusammen. Aber es macht den Schritt ins Öffentliche so schwer, wenn man das Intimste, an dem die Wahrheit hängt, nicht verraten will. Der Begriff der Öffentlichkeit ist selber ein Aspekt des Weltbegriffs: erst seit der Konstituierung des Weltbegriffs gibt es Öffentlichkeit. Und die Geschichte der Öffentlichkeit hat teil an der Geschichte des Weltbegriffs und an der Geschichte des Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhangs, den der Weltbegriff bezeichnet.
Die Geschichte der Theologie steht unter dem logischen Zwang, den der Weltbegriff auf sie ausübte. Welt und Natur sind keine Objektbegriffe, sondern transzendentallogische Totalitätsbegriffe, Begriffe, die den mundus intelligibilis so vorstrukturieren, daß die zentrale Kategorie der theologischen Erkenntnis, die der Umkehr, neutralisieren.
Zur Kritik der transzendentalen Logik: Indem das Subjekt sich über das Objekt zu erheben vermeint (theologisch: sich „empört“), fällt es selber darunter. Hier liegt der Zusammenhang von Empörung und Fall, und die Begründung des Satzes: Die Welt ist alles, was der Fall ist. Der damit zusammenhängende Satz: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet, bezeichnet zugleich den Grund dessen, was bei Hegel Weltgericht heißt, und eher als Abkömmling des mythischen Schicksals (das als verinnerlichtes im Begriff überlebt) sich begreifen läßt, denn als anderer Name fürs Jüngstes Gericht, mit dem es immer verwechselt wurde: Das Jüngste Gericht wäre vielmehr das Gericht der Barmherzigkeit über das Weltgericht.
Jede Empörung ist ein Aufdecken der Blöße. Bei dem Satz des Täufers: „Ecce agnus dei, qui tollit peccata mundi“, ist daran zu erinnern, daß Er uns wie Schafe unter die Wölfe geschickt hat; d.h. wir selbst unter dem Namen des Schafes, das die Sünden der Welt auf sich nimmt.
Der Hegelsche Satz, daß die bürgerliche Gesellschaft bei all ihrem Reichtum nicht reich genug ist, der Armut und der Entstehung des Pöbels zu steuern (Rechtsphilosophie), bezeichnet genau die Grenze seiner Philosophie. Dagegen setzt die Prophetie das Votum für die Armen und die Fremden (die „Barbaren“, die bei Hegel unter dem Begriff des Pöbels erscheinen).
Jericho und Sodom als Symbole der Fremdenfeindlichkeit: Beide werden zerstört. Aber was bedeutet es, daß Rahab eine Hure ist, und Lot als Ersatz seine Töchter anbietet (die gleichen Töchter, die ihn später trunken machen, um nicht ohne Kinder zu bleiben, und sei es um den Preis des Inzests). Beide: Rahab und (über die Moabiterin Rut) eine der Töchter Lots (und damit auch Lots Weib, die im Angesicht der Katastrophe zur Salzsäule erstarrt) gehören zum Stammbaum Jesu. -
27.09.92
Hängt es mit dem Weltbegriff zusammen, wenn mit der Sünde der Tod in die Welt gekommen ist? (Oder: Stimmt der Satz: Alle Menschen sind sterblich, nur im Kontext des Weltbegriffs? Und würde der andere Satz, daß Gott die Welt erschaffen hat, dann mit einschließen, daß er den Tod erschaffen hat?)
Ist die Vorstellung der zeugenden Kraft im Naturbegriff ein patriarchalisches Erbteil? Hängt die kantische Unterscheidung des dynamischen vom mathematischen Totalitätsbegriff (die Differenz der Begriffe Natur und Welt) nicht auch damit zusammen, daß in der Physik selber, im Inertialsystem, diese wechselseitige Vermittlung der dynamischen und mathematischen Momente auf die Orthogonalitätsbedingungen zurückweist? Und ist insbesondere das dynamischen Moment Produkt der Umkehrung des Zeitbegriffs (der Eliminierung der Hoffnung)?
Die Orthogonalität ist sowohl die Bedingung der Reversibilität der Richtungen im Raum als auch der Irreversibilität der Zeit. D.h. die sprachlich-grammatische Bildung des Futurs hängt mit der Entdeckung der Orthogonalität zusammen. Insofern gehören der Satz des Pythagoras und die Entdeckung des Winkels in der Geometrie zur Vorgeschichte des Ursprungs der Philosophie. Und Heideggers Begriff vom Haus des Seins rührt an den Zusammenhang des Seinsbegriffs mit dem der Orthogonalität.
Ist die Orthogonalität der Inbegriff der Nächte, die die Tage im Schöpfungswerk von einander scheidet?
Ist das Verhältnis von Tag und Nacht nicht das Modell der Umkehr? Und gehört dazu das biblische Bild vom Morgenstern (und die Parallellgeschichte mit der Astarte, der Ischtar, der Venus)? Ist die Schöpfungsgeschichte (das Sechstagewerk) die Geschichte der Bildung des Antlitzes des Menschen (des Ebenbildes Gottes)?
Lag das proton pseudos der christlichen Sexualmoral nicht in der Biologisiserung der Lust? Und ist die Sexuallust nicht ein Reflex jener Entfremdungslust, deren Ursprung und Zentrum im Ursprung und Zentrum des Denkens, des Geistes, zu suchen ist? Auch die Urteilslust, die als Projektionsfolie den Begriff der Materie (und den der Schuld) fordert, ist mit der Sexuallust gleichursprünglich. Dann wären insbesondere das kopernikanische System und die transzendentale Logik Kants Abkömmlinge dieser Sexuallust.
Mit dem Übergang von der Schul- zur Weltphilosophie tilgt Kant die letzten Spuren des scholastischen Realismus (im Sinne des Universalienstreits); er tilgt die letzten Spuren der benennenden Kraft im Begriff.
Ist heute nicht die Zeit gekommen, in der der eine unreine Geist mit den sieben anderen aus der Wüste zurückkehrt?
Die Geschichte der Auseinandersetzung mit der Natur ist insoweit ein Vorgang innerhalb der Geschichte der Philosophie (des Begriffs), als die Abtrennung und Konstituierung der Natur Produkt der Philosophie ist.
Johannes Scottus Eriugena: Bedeutung der Beziehung von Raum und Zeit (S.361) und seine Erläuterung der Scheidung des Wassers vom Trockenen (Zusammenhang der Erde mit den Arten und Gattungen, des Wassers mit den materiellen Individuationsbedingungen – des Selbsterhaltungsprinzips): Zusammenhang von adam und adama: Adams mit der Erde, Bedeutung der „Erschaffung“ der großen Seeungeheuer.
Wird das Feuer am Ende den Tod: den Verschluß aller Gräber und das Siegel auf der Vergangenheit verzehren?
Ist nicht auch der Manichäismus (wie jede Häresie) eine Konsequenz aus dem theologischen Welterschaffungskonzept: Er insistiert darauf, daß Jesus die Sünde der Welt zwar auf sich, aber nicht hinweggenommen hat, und zieht daraus den Schluß, daß sie der Welt anerschaffen sein muß; deshalb ist alles Fleischliche böse und Befreiung nur von der Weltenthaltung (auch von der Erhaltung von aller Sexualität) zu erwarten.
Das Weltschöpfungskonzept entzieht Gott den Thron und den Schemel seiner Füße.
Soweit die Trinitätslehre sich selbst als Erkenntnis des seligen Lebens Gottes in sich selber begreift, lehrt sie einen autistischen Gott.
SPD: ein Gemisch aus Filz und Überzeugungstätern, die immer dann zum Zuge gekommen sind, wenn es galt, die Drecksarbeit zu leisten (von Noske bis Brandt, insbesondere inclusive NATO-Doppelbeschluß, Radikalenerlaß, jetzt Grundrechtsänderung zur Änderung des Asylrechts). Wie hängen Überzeugungen mit Verblendungen zusammen, und kann es sein, daß die Politiker der SPD (jetzt Lafontaine und Engholm) besonders anfällig dafür sind? -
24.09.92
Architektur und Ontologie (Haus des Seins): Die Gründung des Hauses (als Schutz gegen die Außenwelt) ist erkauft mit der ersten Raumerfahrung: In jeder Ecke des Hauses wird die orthogonale, dreidimensionale Struktur des Hauses sichtbar und anschaulich. Aus der Erfahrung des Hauses stammt die des Kosmos, der Welt. Das Innen war seit je das Außen des Außen. (Zusammenhang mit dem Turm von Babel, dem Ursprung der Sprachverwirrung, und dem Namen Pharao, des Herrn des Sklavenhauses?)
Pharao ist das große Haus, Josef war seine rechte Hand (Vorgeschichte mit Potiphar und seiner Frau, die Gefängniszeit, der Mundschenk und der Hofbäcker, der Traum und dann der Ursprung, die Entstehung und die Vollendungsgeschichte dieses „großen Hauses“, des Sklavenhauses, die Geschichte der Akkumulation des Eigentums in der Hand des Pharao). – Mizraim (Ägypten) ist ein Dualis.
Verweist die kantische Bestimmung des Weltbegriffs als Begriff der mathematischen Totalität aller Erscheinungen auf den mathematischen Grund des Weltbegriffs selber?
An dem Kapitel über die Wunder Jesu in Uta Ranke-Heinemann: „Nein und Amen“ läßt sich genau studieren, wie Empörung dumm macht.
Zu den Dämonen, die Jesus als Sohn Gottes erkennen und ansprechen, deren Name „Legion“ ist, und die dann auf eigenen Wunsch in die Schweineherde fahren und sich ins Meer stürzen: Ist es so undenkbar, daß hier die Kirche gemeint ist? War es nicht Petrus, der nach der Apostelgeschichte über einen Traum das Essen von Schweinefleisch eingeführt hat? Und ist es nicht die Kirche, die dem Namen des Gottessohns im Dogma eine dämonische Signatur gegeben hat?
Zum Islam: Ist die Verbindung von Religion und Politik, in die der Fundamentalismus immer wieder zurückfällt, nicht aufgrund der islamischen Schöpfungsvorstellung, wonach Allah die Welt jeden Augenblick neu erschafft, um sie zu erhalten, unvermeidbar?
Zum Kollektivschuld-Problem hat man nach dem Krieg nur eine Sprachregelung, keine Lösung gefunden. Es gibt keine Kollektivscham, es sei denn, daß man ein Kollektiv-Subjekt akzeptiert; aber das wäre genau das Subjekt, von dem die Täterqualität nicht abzuwischen ist. Diese Kollektivscham war der Rettungsanker, über den der Nationalismus sich erhalten hat: Seitdem ist Auschwitz (Hoyerswerda, Rostock etc.) eine Schande für den deutschen Namen: der Opfer braucht nicht mehr gedacht zu werden (und man kann es den Juden übelnehmen, daß sie Anlaß waren, daß dieser Schatten auf den deutschen Namen gefallen ist, mit der Folge, daß Rostock keine Diskussion über den erschreckenden Ausbruch der Gemeinheit und der Niedertracht auslöste, sondern nur über das Asylrecht, die wieder die Opfer zu den in Wahrheit Schuldigen machte). Durch die Kollektivscham wurden die Untaten dem Bereich des Gewissens entrückt und zu einer Sache des Urteils der Geschichte, der Welt, des Auslands über uns. In der Kollektivscham sieht sich die ganze Nation als von außen angesehen. So wurde die Maxime sanktioniert, wonach es nicht aufs Tun, sondern aufs Erwischtwerden ankommt, und die Schleusen der Gemeinheit sind seitdem weit geöffnet. Der einzige Weg, der hätte herausführen können, wurde durch das Stichwort Kollektivscham (in instinktiver Kenntnis der Konsequenzen) versperrt: Das Bewußtsein, daß man auch durch Nichthandeln schuldig werden kann, Grund der Reflexion des Weltbegriffs (Bedeutung des Wortes von der Übernahme der Sünde der Welt und seiner theologischen, dogmenkritischen Konsequenzen: die Opfertheologie wäre nicht mehr zu halten gewesen).
Aber scheitert die sühnelogische Interpretation der Opfertheologie nicht an schon an der Zwei-Naturen-Lehre in der Christologie? Diese Zwei-Naturen-Lehre widerspricht nämlich der Instrumentalisierung des Opfers, ohne die es die Sühnelogik nicht gibt. Erst die Anpassung der Theologie an die Welt, die übernahme der Logik des Weltbegriffs in den theologischen Erkenntnisbegriff oder die innere Säkularisierung der theologischen Gehalte, die selber abhängig ist von der sühnelogischen Interpretation der Opfertheologie, die insbesondere dann im Begriff einer Erschaffung der Welt aus dem Nichts sich manifestiert, zieht als ihren Schatten einen Naturbegriff nach sich, der die theologischen Inhalte gleichsam aufsaugt und dann gegen die Theologie sich verselbständigt. Dieser Naturbegriff neutralisiert den Widerspruch, von dem er lebt: er läßt nicht mehr sich auflösen (und zerstört, durch Gewöhnung an den Widerspruch, jede Kraft der Argumentation: er zerstört die Sprache).
Die Rezeption des Weltbegriffs in der Theologie (die Idee der Erschaffung der Welt aus dem Nichts) schirmt die Politik gegen theologische Kritik ab (neutralisiert die Prophetie) und begründet die seitdem (nicht nur im Christentum) herrschende zentrale Stellung der Sexualmoral (und das in der Geschichte mit der Ehebrecherin bezeugte Verhältnis Jesu zur Sexualmoral ist in seiner Weltkritik begründet). Oder anders formuliert: die christliche Sexualmoral ist ein Produkt der inneren Säkularisation der theologischen Tradition.
Gründet nicht der kantische Begriff der Erscheinung (als eine Totalität des Scheins) und dessen Hegelsche Zuspitzung zum Begriff des Scheins (aus dem das Wesen hervorgeht) in der Beziehung zur Schuld, indem er vom Schuldzusammenhang, aus dem er stammt, abstrahiert, selber (durch das Schuldverschubsystem und die verandernde Kraft des Seins) zu einer Kraft der Exkulpation wird. Dieser Widerspruch wird im Naturbegriff gegenständlich, er ist ein Säkularisat der Theologie. Grund ist die (aus der Innenerfahrung des Hauses stammende) Vorstellung des Raumes, der Reversibilität der Richtungen im Raum, durch die die Differenz zwischen den Richtungen im Raum (Im Angesicht und Hinter dem Rücken, Rechts und Links, Oben und Unten) neutralisiert und zur Unkenntlichkeit entstellt wird. Hier entspringt der logische Zusammenhang, der in der transzendentalen Ästhetik und Logik Kants und im System der Hegelschen Philosophie sich entfaltet, der zugleich in der Grundstruktur des Kapitalismus, in der Subsumtion der Arbeit unters Tauschprinzip, sich manifestiert und seine systembegründende Qualität gewinnt. Hier wurde der Pakt Fausts mit dem Teufel geschlossen, in dessen Bann wir seitdem sind.
Das Christentum ist die jüdische Antwort auf eine veränderte geschichtliche Situation; und diese Veränderung drückt sich zentral in der Funktion und Bedeutung, im logischen und historischen Stellenwert des Weltbegriffs aus. Aber diese neue Antwort war in sich selber ambivalent, und ihre Ambivalenz war unvermeidbar. Diese Ambivalenz abzuarbeiten wäre die heutige Aufgabe der Theologie. -
18.09.92
Der Infinitiv Sein und die dritte Person singularis masculinum: Lassen sich nicht alle indikativischen Sätze auf Eigentumsverhältnisse beziehen? Und ist die „Eigentlichkeit“ Heideggers nicht die verzweifelte, unmittelbar in ihr Gegenteil überspringende Bemühung, sich selbst zum Eigentum seiner selbst zu machen, die „Seinsvergessenheit“ aufzuheben. Das jedoch ist nur möglich über das „Vorlaufen in den Tod“. Ist Eigentlichkeit Selbstbeherrschung ohne Selbst?
Boethius: de consolatione philosophiae. Wird hier der Heilige Geist durch die Philosophie (die Schöpfung durch die Welt) ersetzt, und deshalb der Paraklet vom Verteidiger getrennt und auf den Trost reduziert?
Heideggers Frage: „Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?“ ist die Antizipation des atomaren Holocaust. Eigentlich sollten alle, die den Satz lesen, es sich verbitten, wenn Heidegger sie – und sei es auch nur in Gedanken – hinwegdenkt, ins Nichts auflöst. Dieser Satz ist eine Endlösungsformel. Wie sehr mich auch diese Welt in die Verzweiflung treiben kann, das gibt mir nicht das Recht, die anderen in diesen Abgrund mit hineinzureißen. Hinter dem Heideggerschen Satz stecken Götterdämmerungs- und Weltuntergangs-Phantasien, mit dem Hintergedanken: Wenn das Ganze schon in einem Kladderadatsch untegeht, dann will ich wenigstens noch das Privileg der Kassandra genießen, es gewußt zu haben. Diese Wissenslust, die ihren Grund in der Vorstellung des leeren Raumes hat, ist der Transporteur der Erbschuld.
Ein Bewußtsein über die Bedeutung der Astronomie für das Selbstbewußtsein der Menschen deutet sich darin an, daß der intellectus agens nach traditioneller Auffassung in (oder jenseits?) der Mondsphäre beheimatet war.
Hat das Plancksche Strahlungsgesetz etwas mit dem Zustand der deutschen Nation seit dem Beginn dieses Jahrhunderts zu tun, ähnlich wie die anderen physikalischen Denkmäler: der Urknall und das Schwarze Loch?
Durch den Stoßprozeß und die dazu gehörigen Orthogonalitätsbedingungen (Relativitätsprinzip und Erhaltungssätze) werden die den physikalischen Begriffen zugrundeliegenden Äquivalenzbeziehungen definiert. Hier hat man genau das Verhältnis von Kopf und Wand (den Urstoßprozeß) vor Augen, dessen Auflösung der Philosophie heute aufgegeben, ohne die Theologie allerdings nicht mehr möglich ist. Hier liegt der Knoten, den Alexander nur durchschlagen hat, dessen Lösung der Kirche verheißen ist.
Das Lächeln auf den Gesichtern der Seligenfiguren in Bamberg ist ein Augurenlächeln, ein wissendes Lächeln: ein Lächeln, das das Wissen als Kern hat (Prototyp des double-bind-Syndroms; das zivilisierte Lächeln derer, die wissen, daß die Welt, mit der sie sich identifizieren, für die anderen die Hölle ist, und sie entronnen sind; es steht an der Stelle, an der eigentlich die Gottesfurcht ihren Ausdruck finden müßte; Zusammenhang mit der augustinischen Vorstellung, daß zum Glück der Seligen im Himmel der Anblick der Qualen der Verdammten in der Hölle dazugehört). -
06.09.92
Wir akzeptieren die Gefängnisse, weil wir glauben, daß sie uns teilhaben lassen an der exkulpierenden Kraft des Richtens.
Der Pharao ist das „große Haus“, in Babel ist der Turm (das große Haus) vom König von Babel getrennt, der aber ist der Luzifer, der so tief gefallen ist.
Die Neugläubigen leben von dem Gefühl, daß sie endlich das Recht haben, über die Konkursmasse des Christentums verfügen zu dürfen. Beide Varianten des westeuropäischen Christentums, die feudale und die bürgerliche, sind mit dem Faschismus in Europa zu Bruch gegangen. Und der Bruch ist innerhalb der geschichtlichen Tradition des Christentums nicht mehr zu heilen.
Wie ist das eigentlich mit den Frauen der Väter, mit Sara, Rebekka und Rahel: Sara lacht (Isaak: Er lacht); Isaak weint um Sara und heiratet Rebekka (was ist der „Schrecken Isaaks“?); Rebekka votiert für Jakob (den „Betrüger“), der dann im Kampf mit dem Engel zum „Israel“ wird; und Rahel weint um ihre Kinder.
Der von Polikern immer wieder vorgebracht Hinweis auf das „Urteil des Auslandes“ verschiebt die Opferqualität von den realen Opfern auf die Nation (ähnlich schon im Gerede über Auschwitz: hier sei der deutsche Name befleckt worden – hier sind 6 Mill. Juden umgebracht worden), vom Opfer auf die Täter, macht die Täter zu Opfern. Nicht was die Nazihorden den Asylanten antun, sondern was sie uns, den Politikern antun, ist das Schlimme. Der Tod und der Schmerz, der Schrecken und das Weinen von Asylanten, von Männern, Frauen und Kindern, bleibt ebenso unerhört, wie im politischen Gerede in diesem unserm Lande der Tod und der Schmerz, der Schrecken und das Entsetzen der Opfer der Nazis bis heute unerhört geblieben ist; sonst wäre das, was jetzt passiert, nicht möglich.
Wenn Kohl, Seiters, Schäuble & Co immer wieder betonen, dieses Land sei ausländerfreundlich, so ist das im Anblick des Schreckens und Entsetzens der Opfer, die es täglich anders erfahren, schlicht unerträglich. Aber genau das ist die wahnerzeugende Sprache des double bind, die vorgibt, über die Taten entsetzt zu sein, aber zugleich den Tätern Zustimmung signalisiert, indem sie so, als sei nichts geschehen, weiterhin über das „Asylantenproblem“ und eine Änderung des Art. 16 GG reden. Es wäre ein Zeichen für einen Rest politischer Moral, wenn solange, wie diese Pogrome andauern, das sogenannte Asylantenproblem aus der politischer Diskussion herausgenommen würde, und jeder, der weiter davon redet, öffentlich als Sympathisant der Täter erkannt würde. -
26.08.92
Heinsohns Bemerkung, Norbert Elias habe den Prozeß der Zivilisation „evolutionistisch verrätselt“, drückt nur seine eigenen Verdrängungsmechanismen aus. Wenn er, was er „Verrätselung“ nennt, als Begriff eines realen Prozesses akzeptieren würde, ließe sich sein konkretistisches Konzept („Naturkatastrophe“) so nicht mehr halten. (Merkwürdig, daß Heinsohns Verdrängungsansätze insbesondere im Feld der Bevölkerungstheorie sich manifestieren.)
Die Idee des stellvertretenden Leidens ist sinnvoll nur im Kontext des Nachfolgegebots. Der Gedanke, daß ein anderer durch oder für meine Schuld leidet, ist ohne die Idee der Gottesfurcht unerträglich. Auf keinen Fall ist mir das Produkt dieses Leidens gleichsam zum Konsum (zum Genuß: hier, nicht in der Sexuallust, liegt das Substrat der Erbschuld) gegeben. Mit der Konsumtheorie des stellvertretenden Leidens (der Opfertheologie) schaffen wir uns die Armen und die Fremden aus den Augen: bereiten wir ihren Mord vor.
Das trinitarische Dogma und seine begriffliche Ausgestaltung ist wahr und blasphemisch zugleich (ebenso wie die modernen Naturwissenschaften).
Die Seele und die Person sind amputierte Gestalten des Antlitzes. Als Person macht sich auch die Seele noch unsichtbar (versteckt sie sich hinter der Maske).
Der Personausweis ist ein Verwandter des Fahndungsplakats, Ausdruck davon, daß der Staat apriori seine Bürger unter Anklage stellt, aus der er nur durch sein Bekenntnis zum Staat, durch nationalistische Identifikation mit dem Aggressor Staat herauskommt.
Ist die Dornenkrone nicht ein anderes Symbol für den gleichen Sachverhalt, auf den auch der Kelch verweist?
Das Gravitationsgesetz ist ein Ersatz für die Waage (die es real nicht gibt), um das „Gewicht“ der Erde, des Mondes, der Sonne und der Planeten zu bestimmen (Ursprung des verdinglichenden Denkens).
Die letzte Zeit wird das Gesicht eines Hundes tragen: Hängt das mit jener Erfahrung zusammen, die man mit Hunden (und mit Skinheads) macht, die aggressiv werden, wenn man sie anblickt? Babylon hatte den Hund als Symbol.
Die Fortpflanzungsentscheidung war seit je Teil eines ökonomischen Kalküls (Heinsohn, S. 200). Sie ist heute völlig irrational geworden. Werden Kinder nur noch aus Selbstmitleid gezeugt? Es wächst das Gefühl davon, welche Schuldenlast wir den Kindern aufbürden, welches Schuldenerbe wir ihnen hinterlassen.
Der Gläubiger ist einer, der im Vertrauen auf die „Ehrlichkeit“ (sprich Bonität) des Kreditnehmers diesem einen Kredit gegeben hat. -
18.08.92
Zu den stadt- und zivilisationsbegründenden (und damit zu den natur- und weltkonstituierenden) Institutionen gehören das Geld, die Schrift und die (Opfer-)Religion (Tempelwirtschaft, Idolatrie, Sternen- und Opferdienst). Die Ergründung ihrer Ursprünge ist ein notwendiger Teil der heute notwendigen Selbstreflexion. Insbesondere die Rätsel des Naturbegriffs werden sich erst lösen, wenn das Rätsel der Schrift zusammen mit denen der finsteren Mysterien des Geldes gelöst ist (oder das des Verhältnisses von Sprache und Mathematik, in dem die Geschichte des Opfers sich verbirgt).
Wie verhalten sich mit den biblischen Wesen bei Ezechiel und Johannes, die „überall voll Augen“ sind, zu einer Natur, die nur noch von allen Seiten hinter ihrem Rücken wahrgenommen wird? (Sind Brust und Stirn so etwas wie der Rücken von vorn?) Und haben diese Wesen nicht sechs Flügel (entsprechend den sechs Richtungen im Raum)?
Der Ankläger im Buche Hiob, der dann vertreten wird durch Hiobs Frau und durch seine Freunde, ist das nicht die Welt (das Subjekt der hegelschen Philosophie)? Und in welcher Beziehung steht die Geschichte von den drei Leugnungen zum Buche Hiob? -
17.08.92
Erkenntnis und Sexualität: Wie verhalten sie sich zu Begriff und Name?
War mit der Lokalisierung der Erbsünde in der Sexuallust nicht eigentlich die unio mystica, der Selbstgenuß im Objekt, gemeint? Und hängt das nicht wiederum mit Struktur und Funktion des Begriffs zusammen, mit dem mythischen Element im Begriff?
Mit der Exkulpation des durch Alkohol enthemmten Triebtäters wird eigentlich die positivistisch enthemmte Vernunft (im Recht wie in den Naturwissenschaften) exkulpiert (Alkohol als Zivilisationsdroge). Die Vorstellung, daß der Mann, wenn der Trieb ihn überwältigt, seiner selbst nicht mehr Herr ist, ist ein bedeutender Akt der Selbsterkenntnis.
Zentrales Element jeglicher Enthemmung (und jede Enthemmung ist Enthemmung von Gewalt, Ursprung der Gewalt-, der Mordlust) ist die Paranoia, oder genauer: das Herrendenken und die davon unablösbare Paranoia. Darauf bezieht sich die Arglosigkeit, die einzige Kraft, die diesen Zusammenhang auflöst. Herrendenken und Paranoia ist die Subjektseite und Objektivation und Instrumentalisierung die Objektseite des gleichen Sachverhalts.
Ist das Objekt des Satzes „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ nicht die Kirche, die sich mit der vom Nachfolgegebot getrennten Opfertheologie auf die Seite der Täter gestellt hat (Ursprung im Urschisma, Folge: Antijudaismus und die bis heute unaufgearbeitete Geschichte der Häresien).
Symbol unserer Medizin: die Halbtoten am Tropf sind die ertragreichste Einnahmequelle.
Die durchs System der Marktwirtschaft in die Dritte Welt induzierte Hunger- und Schuldenkrise (Arbeitstitel für eine Zivilisationsgeschichte: Geschichte der Schuldknechtschaft) beginnt auf die Erste Welt zurückzuschlagen:
– in der nicht mehr beherrschbaren Arbeitslosigkeit,
– in der Krise des Wohnungsmarktes, der im Interesse des Wohnungsbaus, seiner „Rentabilität“, hinzunehmenden Obdachlosigkeit,
– im Agrarmarkt (generell im Rohstoffbereich: auch bei Kohle und Stahl, im Montanbereich, der zusammen mit dem Agrarbereich zu den ersten Objekten einer EG-Marktorganisation gehörte), und schließlich
– im Problem der sogenannten Gesundheitsreform (Überwälzung der Kosten der explodierenden Gewinnerwartungen des medizinisch-industriellen Komplexes auf die „Objekte“ des Gesundheitswesens: die Patienten).
Seit dem Turmbau zu Babel sollten eigentlich alle Türme suspekt sein (auch Glocken sind Symptome der Sprachverwirrung: waren vielleicht nicht doch schon vorsorglich die Glocken gemeint, als die Kirche die Erbsünde in der Sexuallust lokalisierte?). Aber woher kommt der Ausdruck „türmen“; hängt er möglicherweise mit der mittelalterlichen (oder schon antiken – vgl. die Türme im Buch der Richter) Funktion der Türme als Fluchtstätten zusammen? Und ist das Heideggersche „Haus des Seins“ der letzte Nachfahre des Turms von Babel (vgl. Rosenzweigs „verandernde Kraft des Seins“), und das „Vorlaufen in den Tod“ seine Form des „Türmens“?
Bezeichnen die „sieben unreinen Geister“ den Zustand der Sprache heute?
Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie