Wie hängt der „Schrecken vor euch auf alle(n) Tiere der Erde“ (Gen 92f: nach der Sintflut, im Zusammenhang mit dem Noah-Bund und dem zweiten Nahrungsgebot) mit
– der Erschaffung und dem Segen (Gen 124ff) sowie
– der Namensgebung durch Adam, dem Herrschaftsauftrag und dem ersten Nahrungsgebot (Gen 219f)
zusammen? – Zusammenhang mit der christlichen Eucharistie (Ver-innerlichung des Schreckens)?
Drückt sich in dem Zusammenhang des „Schreckens auf allen Tieren“ mit der Namengebung ein sprachliches Moment aus (Terror als Grund und Teil der Kommunikation; Ausdruck des Schreckens als Grund der Benennbarkeit)?
Der Andere und der Fremde: Der Andere ist das Nicht-Ich, das Objekt, bleibt auf das individuelle Ich bezogen (Asymmetrie von Ich und Du); der Fremde ist fremd für uns, der Angehörige einer fremden Nation, Religion, Rasse, eines fremden Kollektivs („Stämme, Sprachen, Völker und Nationen“). Für das Autonomie-Konzept ist das Problem des Fremden (wie auch der Grund des Antisemitismus) bloß irrational, Folge der Identifikation mit einem Kollektiv, der Heteronomie. Nur: Auch das Autonomie-Konzept ist an eine Gemeinschaftsvorstellung gebunden, an die der Zivilisierten (nur daß hier die Kollektivität durch den Weltbegriff gesichert wird, nicht mehr ins Bewußtsein fällt), wobei die Nichtzugehörigkeit zu diesem Kollektiv als Rückständigkeit und als moralisch-zivilisatorischer Defekt erfahren wird. Unter der Hand werden die Nichtzivilisierten (die Wilden, Barbaren, Muslime, Juden u.ä.) zu den Fremden, auf die der Zivilisierte glaubt, nicht mehr mit Xenophobie reagieren zu müssen, weil er autonom, vernünftig ist; und er glaubt, in diesen Fremden nur deren Unvernunft zu verurteilen, jene Verhaltensweisen, die ihn von der Gemeinschaft der Vernünftigen ausschließen. Aber steckt in diesem Vernunftbegriff nicht schon jene Gewalt als Fundament mit drin, die die Erhaltung der Realität (der nur mit Gewalt aufrecht zu erhaltenden kollektiven Eigentums- und Machtverhältnisse) garantiert, in deren Anerkennung die Vernunft besteht? Und ist nicht der Arme gleichsam vom Grunde her schon unvernünftig, weil seine Interessen in dieser Realität nicht aufgehoben und gewahrt sind? Die herrschende Vernunft der Zivilisierten ist die Vernunft der Herrschaft (und des Gewaltapparats), die die Nichtzivilisierten (ebenso wie die Kinder und in weitem Maße auch immer noch die Frauen) materiell von der Zivilisationsgemeinschaft der Vernünftigen, Erwachsenen ausschließt (und die Forderung nach Aufhebung des Ausschlusses als Materialismus denunziert).
Fremdheit ist ein sprachlicher, Anderssein ein mathematisch-begrifflicher Sachverhalt (setzt die Subjekt-Objekt-Beziehung voraus). Die Differenz zwischen dem Fremden und dem Anderen ist der Schlüssel für die Erkenntnis der Differenz zwischen Sprache und Mathematik, Name und Begriff.
Die Fremdheit (der Ursprung der verschiedenen Sprachen) entspringt beim Turmbau zu Babel (zusammen mit der Idolatrie), die Subjekt-Objekt-Beziehung im Sündenfall.
Das Votum für die Armen und die Fremden definiert die Prophetie, macht sie zur Urform der Herrschaftskritik, während die Philosophie beide stigmatisiert, indem sie die durch den Weltbegriff begründete Verdrängung des Problems zur Geschäftsgrundlage hat.
Der Fremde (der Hebräer) war einmal der Sklave, der Söldner, der Kleinviehnomade.
Die Theologie wird heute verdrängt, weil ihr Anblick unerträglich wäre; hierzu leisten die Kirchen Amtshilfe. Ihr Problem ist nur, daß diese „Amtshilfe“ im Rahmen der „orthodoxen“ Tradition nicht mehr zu leisten, daß die Anpassung an die „ideologiefreie“ Welt (Paradigma: Naturwissenschaften) die Lehre selber angreift und vernichtet.
Gesellschaft
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13.08.92
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12.08.92
Es gibt keinen euklidischen Raum, es gibt nur euklidische Flächen (im orthogonalen Raum). Und die sogenannten nichteuklidischen Räume sind eigentlich Systeme nichteuklidischer Flächen im orthogonalen Bezugsraum.
Was passiert eigentlich sprachlich, wenn der Psalmensatz „… heute habe ich dich gezeugt“ mit Hilfe der Beweislogik auf das trinitarische Dogma von der Zeugung des Sohnes durch den Vater bezogen wird?
Der Rensch’sche Determinismus, sein Begriff der Willensfreiheit und der Freiheit überhaupt, hängt damit zusammen, daß er sein Naturgesetz-Konzept als Exkulpationsmittel mißbraucht. Er ist so unfähig, Freiheit in Beziehung zur Schuld zu begreifen, sondern nur in Beziehung zum Kausalgesetz; und da ist die Freiheit in der Tat das Wunder in der Erscheinungswelt, das er leugnen muß. So wird die Ethik für ihn gegenstandslos. (Vgl. u.a. S. 203)
Die Begriffe Wissenschaft, Natur und Welt bilden ein System, in dem keiner der Begriffe ohne den anderen besteht. Es ist das Verdienst der transzendentalen Logik Kants, das erstmals ins Bewußtsein gehoben zu haben. So wird nicht zufällig die nachfolgende Geschichte des deutschen Idealismus, die Abfolge der Systeme in ihr, durch das Verhältnis dieser drei Begriffe geprägt: Der Fichteschen Wissenschaftslehre folgt die Schellingsche Naturphilosophie und dann die Hegelsche Weltphilosophie. Der Zusammenhang wird deutlich, wenn man diese drei Begriffe auf die Theologie bezieht:
– Die Wissenschaftslehre leugnet die Offenbarung,
– die Naturphilosophie die Auferstehung der Toten und
– Hegels Welt-Philosophie leugnet die Schöpfung.
Grund ist das Verfahren der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit, die transzendentale Logik oder das Prinzip des Ursprungs und der Auflösung der Begriffe.
Objektivation und Instrumentalisierung: das scheint der Kern des Hegelschen Begriffs der List zu sein, aber mit der Instrumentalisierung verdampft die Idee der Wahrheit, verflüchtigt sich die benennende Kraft der Sprache. Die kritische Theorie verdankt sich der Reflektion des Instrumentalisierungsmoments im Hegelschen Begriff der Dialektik. Und genau diese Reflektion hat Habermas in seiner Kommunkationstheorie unterbunden: Konsens ist in der instrumentalisierten Welt nur möglich durch Unterwerfung unter „gemeinsame“, d.h. fürs Subjekt vorgegebene Ziele; diese „Gemeinsamkeit“ aber wird durch den Bruch in der Welt selber verwehrt. Auf diesem Wege ist das Herrendenken in die Habermassche Philosophie wieder eingewandert. Habermas hat begriffen, daß die Idee der Versöhnung, die der kritischen Theorie zugrunde liegt, auch die Änderung der Natur und die Aufhebung der Vergangenheit (die „Auferstehung der Toten“) mit einschließt; er hat nur die falschen Konsequenzen daraus gezogen.
Zur Bedeutung des Reliquienkults: Die Erinnerung des Martyriums ist der Realgrund des Bekenntnisses. Und das reale Schuld- (und Glaubens-) Bekenntnis ist das Bekenntnis, zu den Tätern und nicht zu den Opfern zu gehören (sich auf die Seite der Welt geschlagen zu haben). Daran erinnerten die Märtyrer. Die Verdinglichung dieser Erinnerung im Reliquienkult war zugleich der Ursprung des überwältigenden Exkulpierungs- und Verdrängungsapparats, zu dem die Kirche dann geworden ist. Der Schlüssel hierzu ist der Naturbegriff.
Mit der Opfertheologie wurde dem Opfer etwas aufgebürdet, was es nicht leisten konnte: wurde es nochmals verraten.
Es ist der wissenschaftliche Objektbegriff, der uns alle, ohne daß wir es auch noch wahrnehmen, auf die Seite der Täter transportiert und ans am Ende auf entsetzliche Weise stumm macht.
Die Marxsche Idee einer resurrectio naturae ist eine ähnliche contradictio in adjecto wie die einer Erschaffung der Welt.
Hegels Idee, daß die Substanz als Subjekt sich erweist, ist über den Weltbegriff vermittelt und nur um den Preis zu realisieren, daß durch den Begriff die verandernde Kraft des Seins dann auch die Substanz affiziert, ihr (wie allgemein dann der subjektlosen Natur) den Schein des Subjekthaften verleiht. So ist die spätere Welt-Philosophie Hegels schon in der Phänomenologie des Geistes angelegt.
Was mich am Angehörigen-Info stört, ist diese Larmoyanz, die gezielt genutzte Instrumentalisierung der eigenen Opferrolle. Darüber darf man freilich nicht vergessen, daß die Gefangenen in der Tat heute auch Opfer sind, und von denen, die ihre Strafhaft als Geiselhaft mißbrauchen, bewußt und gezielt dazu gemacht werden. Auch hier gibt es eine Instrumentalisierung des Opfers: eine der terroristischen Abschreckung dienende Instrumentalisierung (in der an die faschistische Vergangenheit erinnernder Wiederholungszwang weiterwirkt).
Bedeutung des Ursprungs des Futur II in der Sprache, Beziehung zum Inertialsystem (zukünftige Vergangenheit), zum Ursprung des Materiebegriffs (Zusammenhang mit dem Ursprung des Staates). Materie und der biblische Begriff des Staubs (Sündenfall, Name der Hebräer). Futur II: Begriffsbildung, Hypostasierung des Prädikats, Ursprung der Raumvorstellung und des Objektbegriffs (das sich in sich selbst reflektierende Prädikat). Wer ist die Schlange, die auf dem Bauche kriecht und Staub frißt? Und wie hängt Adam, der Staub ist und wieder zu Staub wird, mit der Tertullianischen Systematisierung der lateinischen Theologie zusammen, dem Ursprung des Personbegriffs und der Vorstellung, daß die Frau, wenn sie in den Himmel kommt, zum Manne wird?
Ist die christliche, an die Person gebundene Unsterblichkeitslehre im Gegensatz zur Lehre von der Auferstehung der Toten nicht doch die ausweglose Hypostasierung des Staubs (des Selbsterhaltungsprinzips, des Objektbegriffs, des Materiebegriffs)? -
06.08.92
Denn sie essen das Brot der Gottlosigkeit und trinken den Wein von Gewalttaten. (Spr 417)
Er wird den Gewalttätigen schlagen mit dem Stab seines Mundes und mit dem Hauch seiner Lippen den Gottlosen töten. (Jes 114)
Staat und Sinnlichkeit, oder Ableitung der Sexualmoral: Die Abtreibungsdebatte fördert es zutage, daß es in allen Rechtsverhältnissen um die Anerkennung von Besitzansprüchen geht. In der Abtreibungsfrage geht es darum, wer Besitzansprüche gegen den Fötus geltend machen kann: der Staat oder die Frau. So erweitert der Staat sein Gewaltmonopol bis in den Schoß der Frau. Und die sexuelle Lust steht gleichsam in Konkurrenz zur Gewaltlust des Staates (zur Verletzbarkeit seiner Eigentumsansprüche); deshalb war sie als Träger der (vorweltlichen) Erbschuld zu kriminalisieren. Und die Gewaltlust des Staates wurde zum Ursprung und Modell jeglicher Vergewaltigung.
Begriffe sind Verkörperungen des Gewaltmonopols des Staates, unkenntlich gemachte Vergewaltigungen der Sprache.
Vernunft und Sexualität verhalten sich zueinander wie Welt und Natur; als getrennte gründen beide in Gewalt.
Die Vorstellung von einer schöpferischen Kraft der Natur ist phallokratisch.
Die Heiligengestalt der virgo entstammt einer Zeit, in der den Menschen das Bewußtsein der Erbschuld noch präsent war. Und der Vollständigkeit halber wird man sagen müssen, daß auch die Kirche die Lehre von der natürlichen Unschuld nie akzeptiert hat; Beweis: die Kindertaufe.
Wollte man heute die virginitas dem Verständnis näherbringen, so müßte man anstatt von Unschuld von Keuschheit reden. Keuschheit aber ist keine Naturqualität, sondern eine ausgesprochen soziale und moralische. Und Keuschheit steht nicht einer direkten, gleichsam intentionalen Beziehung zur Sexualität, sondern in einer reflektierten; sie ist vor allem eine Qualität der politischen Praxis, aber eine fast nicht mehr auffindbare, nicht mehr erkennbare. Ich glaube, man kommt der Sache näher, wenn man Keuschheit im Kontext von Gewalt und Gewaltfreiheit begreift und zu bestimmen versucht. Keuschheit hängt eher mit Arglosigkeit (und ihrer Beziehung zur Unschuld) zusammen als mit jener Unschuld, die sich ausschließlich durch ihre Beziehung zur Sexualität definiert. Dafür ist die Kirche nun wirklich der schlagende Beweis, daß es eine sehr unkeusche Art der sexuellen Enthaltsamkeit gibt.
Keuschheit ist einer der drei evangelischen Räte (die alle sich auf das Leben im Angesicht Gottes beziehen). Die beiden anderen sind Gehorsam und Armut: die Fähigkeit zu hören (das Eingedenken, die Erinnerung) und das reflektierte Verhältnis zum Geld und zu den durchs Geld bestimmten Verhältnissen (Übernahme der Sünde der Welt). Das Verständnis der Keuschheit wird erschwert durch die das Bewußtsein beherrschende Funktion der Naturwissenschaft (Inbegriff der Unkeuschheit?). „Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten, daß sie nackt waren, und sie schämten sich“: das ist der Ausgangspunkt. Die Keuschheit ist eine Weise des Umgangs mit dieser Nackheit, ein Reflex der Scham, der Fähigkeit, sich in den Augen der Anderen zu sehen. Die Scham, die Furcht, nackt und bloß da zu stehen, bezeichnet einen sozialen Sachverhalt: Kinder schämen sich für ihre Eltern; Eheleute schämen sich für einander; wir schämen uns, Deutsche zu sein. Scham ist ein Reflex der Erkenntnis, von anderen gesehen zu werden: ein Reflex der Erfahrung, als Objekt (gleichsam hinter dem eigenen Rücken oder im Stande der realen Schuld) gesehen zu werden. Grundlage fürs Verständnis der Keuschheit ist das Begreifen, wie sich die Nacktheit von der sexuellen Sphäre in alle Lebensverhältnisse verlagert und ausbreitet, und zwar ausbreitet im Prozeß der Objektivation, der das Maß abgibt für den weltgeschichtlichen Stand von Scham und Keuschheit.
Ist nicht das Bild des Objekts, das der Begriff der Natur uns vor Augen stellt, das Bild absoluter Schamlosigkeit (wie sich leicht anhand der Stellung des Objekts in der transzendentalen Logik nachweisen läßt)?
Obszön ist die Abtreibungsdebatte, die ein Problem der Sexualität (letztmals?) zur Rechtfertigung der Gewalt mißbraucht.
Die Vorstellung, Kinder seien unschuldig, ist insoweit zynisch, als sie die Kinder mit ihrer realen Schulderfahrung allein läßt. Ebenso ist allerdings die kirchliche Lehre von der Erbschuld zynisch, weil sie den Kindern die ganze Last der Sünde der Welt aufbürdet, anstatt endlich dem Nachfolgegebot zu gehorchen und sie selber zu übernehmen.
Adornos Hinweis auf den Einschulungsschock und seine Funktion im Hinblick auf die Genese des Antisemitismus greift – wie mir scheint – noch zu kurz: Der Zustand, in den unser Schulwesen gegenwärtig hineintreibt (vom Zustand des zu vermittelnden Wissensstandes bis hin zu den objektiven Bedingungen wie numerus clauses, Leistungsprinzip, Elterndruck), prolongiert den Einschulungsschock; das scheint überhaupt den gegenwärtigen Weltzustand zu definieren: Schock als andauernder Weltzustand (wichtig für die Rezeption Benjamins).
Beachte das Verhältnis von Schule, Kinder und Musik, das das eines Opfergangs geworden ist. Die BILD-Zeitung und der Zustand der Konsum-Musik heute sind die schärfste Anklage gegen den Zustand unseres Schulwesens.
Der Begriff des Anstands hilft nur, den Schein zu wahren, während der des Takts die Sensibilität für den Umgang mit fremder Scham bezeichnet. Leute, die auf Anstand pochen, sind in der Regel taktlos.
Sind Petrus und Paulus (?) Namen, die sowohl im Griechischen als auch im Lateinischen unmittelbar verständlich sind?
Zu den Insignien der Herrschaft gehören neben dem Thron die Krone, das Zepter und der Reichsapfel:
– Der Reichsapfel war das Bild der Welt, deren Einheit durch Herrschaft definiert wurde, war er auch Modell für das Bild des Apfels, den der Tradition nach Eva Adam reichte? Ist die Frucht des Baumes der Erkenntnis der Ursprung des Weltbegriffs?
– War das Zepter ein Phallussymbol (vgl. das Buch Esther)?
– Und welche Bedeutung hatte die Krone?
Die Astronomie seit Kopernikus (seit dem altorientalischen Sternendienst?) gleicht dem Versuch, Anthropologie anhand von Zinnsoldaten zu studieren. -
03.08.92
Wann war Jesus „erschüttert“? – Beim Tod des Lazarus (Joh 1133) und bei der Ankündigung des Verrats (Joh 1321). Und im Garten Gethsemane?
Zum evangelischen Rat der Armut: Mit dem Eigentum verlängere ich meine Sinnlichkeit (über die Abtötung der eigenen Sinnlichkeit: Ursprung der christlichen Sexualmoral), mache ich mich über meine Physis hinaus (in die Dinge hinein) empfindlich und verletzbar. Dazu muß ich sie vorher töten: Das historische Mittel dazu ist der Begriff, dann die Universalisierung des Begriffs in der Geschichte der naturwissenschaftlichen Aufklärung (die Verweltlichung der Welt: ein verkehrt magischer Vorgang oder die Umkehrung der Magie). Der Satz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ am Frankfurter Gerichtsgebäude meint eigentlich: Das Eigentum – denn darin verkörpert sich fürs Recht die Würde des Menschen – ist unantastbar („Faß mein Auto nicht an“).
Ist das nicht der Grund, aus dem die Geschichte der Medizin erwächst (vgl. die gesellschaftlichen Bedingungen für den Ursprung der Anatomie)? Mit der medizinischen Wissenschaft melden die Ärzte ihre Eigentumsansprüche an die Körper der Menschen an. – Welche gesellschaftlichen Veränderungen drücken sich heute in den Fortschritten der Medizin und in den Veränderungen der Einrichtungen des Gesundheitswesens aus? Fallen nicht mittlerweile die Zähne unter den Eigentumsanspruch der Zahnärzte, die operierbaren Teile des Körpers unter den der Chirurgen? Sind nicht Vorsorgeuntersuchungen vorsorglich geltend gemachte Eigentumsansprüche? (Sind Ärzte nicht in einem sehr tiefen Sinne Verbündete des Todes, Erben, die ihre Ansprüche schon vor dem Ableben geltend machen?)
Eigentum ist kein einfacher Sachverhalt mehr; Mein und Dein lassen sich nicht mehr säuberlich trennen. Es gibt nicht mehr nur sich wechselseitig berührende, sondern auch wechselseitig sich durchdringende und überlagernde Eigentumsansprüche.
Der Systemfehler des Rechts liegt darin, daß es die Grundsätze des (zukünftigen) Handelns zu Kriterien des Urteils über vergangenes Handeln macht: in der Zeitumkehr, die es (als weltbegründendes Institut) mit den nachfolgenden Naturwissenschaften gemeinsam hat. Hierin liegt das vom Recht nicht abzulösende Herrschaftsmoment. Über die Logik der Rechtfertigung führt das dazu, daß das Richten über die Objekte, das Gericht nach draußen (die subjektive Form der äußeren Anschauung), von der Selbstexkulpierung, der Barmherzigkeit nach innen, nicht abzulösen ist (Projektion).
Die materiale Wertethik führt nicht heraus aus dem Formalismus in der Ethik, sondern schürzt den Knoten der Verstrickung zur Unlösbarkeit.
Der transzendentale Idealismus ist der Beweis für den idealistischen Ursprung des Materialismus.
Wissen ist Macht, und Begriffe sind Eigentumsansprüche; das Mein in Begriff des Allgemeinen und in dem der Meinung (auch in dem des Gemeinen, der mit dem des Allgemeinen ähnlich zusammenhängt, wie die Allbarmherzigkeit Allahs mit der Barmherzigkeit) erinnert daran. So ist die Philosophie sowohl das Modell der modernen Aktiengesellschaft als auch des demokratischen Staates, der das Eigentum aller ist, und dessen Gewalt und dessen Handeln der gemeinsamen Verantwortung aller unterliegen. Und der Widerspruch zwischen Aktiengesellschaft und Staat ist als Widerspruch in der Philosophie nicht zu heilen, auch nicht durch (rechte oder linke) Parteinahme aufzulösen, nur zu reflektieren.
Die christliche Sexualmoral, wenn sie aus dem Kontext der Urteilsform herausgenommen wird, gewinnt prophetische Bedeutung.
Gibt es einen Zusammenhang der „sieben unreinen Geister“ mit den mosaischen Reinheitsgeboten, die auf der einen Seite mit dem Gebot der Beschneidung verbunden waren, auf der anderen Seite in den Essens-, Sakral- und Sexualbereich hineinwirken, und die insgesamt dann aufgehoben worden sind durch die petrinische Vision? – Der Kreuzestod ist in der Tat die Abgeltung des Opfers, aber in einem Kontext, der mit dem Ursprung und der Bedeutung des Weltbegriffs zusammenhängt. Eben darin ist die ungeheure Ambivalenz begründet, die vom Christentum seit seinem Ursprung nicht abzulösen ist (Unkraut und Weizen).
Das Wasser als realmythisches Symbol: Es gibt eine Festkörperphysik und eine kinetische Gastheorie, und es gibt (im Planckschen Strahlungsgesetz) eine „Theorie des Feuers“. Aber es gibt keine Physik des Flüssigen (keine Wasserphysik). Es gibt allerdings die metaphorischen Begriffe des Verflüssigens und der Liquidation (Tötung des Verräters und Aufforderung zur Begleichung einer Schuld). -
23.07.92
Medizin und Astronomie gehorchen dem gleichen Entfremdungsgesetz. Und die ungeheure Gewalt der Physis, die im Krankenhaus erfahrbar wird, ist ein Reflex, ein Spiegelbild der unaufgeklärten Astronomie.
Die Naturwissenschaften sind die letzte Manifestation des Engels mit dem kreisenden Flammenschwert.
Ist die Vorstellung des Teufels als eines Versuchers oder Verführers („Einflüsterung“) islamischen Ursprungs, in das Christentum jedoch schon vor dem Ursprung des Islam eingewandert, wie überhaupt die Islamisierung des Christentums nicht durch den Islam verursacht ist, sondern ihm vorausgeht?
Der Personbegriff durchschneidet die Wurzeln der Erfahrungsfähigkeit, die in die vorpersonalen Beziehungen zu anderen hinabreichen.
Der „Sturm vom Paradiese her“ in Benjamins Thesen „Über den Begriff der Geschichte“: Ist das nicht nur ein anderer Ausdruck für „kreisendes Flammenschwert“ (das Planetensystem)?
Zu den Aufgaben der Bundeswehr soll unter anderem auch die „Si-cherung des Zugangs zu den strategisch wichtigen Rohstoffen“ gehören: Auf dem Umweg über die sogenannte Verteidigungsgesetzgebung wird ein potentieller Eigentumsanspruch auf die Rohstoffe der Erde erhoben mit dem Hinweis, daß dieser Anspruch u.U. auch mit Gewalt geltend zu machen wäre.
Hängt die Trinitätslehre mit dem prophetischen Votum für die Armen und die Fremden zusammen, wobei das Votum für die Fremden das parakletische wäre? Und ist das prophetische Votum für die Armen und Fremden das Modell der Beziehung von Praxis (Christentum) und Theorie (Heiliger Geist)? Bedeutet das, daß das christliche Dogma den Sohn leugnet?
Schamlos und zynisch: Das Symbolum war in der Zeit der Kirchenväter als Sakrament noch Ausdruck der Scham, die scholastische Bearbeitung des Dogmas, seine Umwandlung in ein Objekt des öffentlichen Bekenntnisses war schamlos, die moderne Vergesellschaftung des Bekenntnisses, die das Dogma fundamentalistisch vergiftet hat, ist zynisch.
Der Islam kapituliert vor der Welt, die für ihn deshalb in jedem Augenblick neu erschaffen werden muß, weil er sich in ihr in jedem Augenblick dem neu sich manifestierenden Willen Gottes unterwerfen muß.
Der lange Schatten, den Auschwitz auf uns wirft, hat für uns den ersten Schöpfungstag, die Erschaffung des Lichts, zu einer vergangenen Zukunft gemacht (wenn Jesus das Licht ist, ist die Kirche zum Scheffel über dieses Licht geworden); wir sind ins Chaos vor der Schöpfung zurückgefallen. Seitdem darf der Schöpfungsbericht nicht mehr als Kosmogonie (miß-)verstanden werden; er ist zur Prophetie geworden.
„Es gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten, daß sie nackt waren, und sie schämten sich“. An diesem Punkt erkannten sie, daß sie nicht nur ein Ich, sondern ein Du für andere waren; deshalb versteckten sie sich, als Gott in der Abenddämmerung sich im Garten erging. Die Scham ist Ausdruck und Folge des Ursprungs der Reflexion, die dem Essen vom Baum der Erkenntnis sich verdankt.
Zum Problem des Todes: Der erste Tote in der Bibel ist das Opfer eines Mordes; und dieser Mord ist die Grundlage der Kulturentwicklung.
Die Parteien- und Politikerkritik der von Weizsäcker, Hamm-Brücher und von Arnim wird verständlich eigentlich erst als Kehrseite dessen, daß eine inhaltliche politische Kritik, eine Kritik der politischen Ziele, mangels eines zureichenden öffentlichen Bewußtseins der politischen Realität völlig ausfällt, und zwar auch bei den Politikern selber: Indiz dafür ist das Leiden der Politiker an den Zwängen, die sie zugleich masochistisch genießen. Da gewinnt das Korruptionsproblem (die Frage der moralischen Integrität) unangemessene Bedeutung. Dazu gehört, daß sich seit dem Ende des Krieges Politik zunehmend in die Verwaltung verlagert hat. Heute beherrscht der Apparat (die „Sachzwänge“) die Politik, die er zugleich durch Korrumpierung an sich bindet. Das Verhältnis von Politik und Verwaltung ist die Parodie der Hegelschen Dialektik von Herr und Knecht. Der Knecht ist zum Herrn des Herrn geworden, jedoch ohne die Chance, sich real von ihm befreien zu können. -
13.06.92
„Ich werde niemals den warmherzigen Empfang in Panama vergessen.“ Präsident George Bush auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Albrook, nachdem er zuvor in Panama-Stadt von Demonstranten mit Kokosnüssen beworfen worden war und eine Rede abbrechen mußte. („Aufgespießt“ in der Frankfurter Rundschau vom 13.06.92) -Handelt es sich hier nicht um eine Sprachregelung, die mehrere Zwecke gleichzeitig erfüllt:
– PR: die negative Erfahrung soll abgespalten, isoliert, privatisiert, jedenfalls vom öffentlichen Gebrauch (insbesondere im Hinblick auf den gegenwärtigen Wahlkampf) ausgeschlossen werden;
– aus Gründen, die mit der Instrumentalisierung des eigenen Selbstbildes zusammenhängen, muß G.B. die eigene Erfahrung verdrängen, um seine Rolle als Präsidentenschauspieler weiterspielen zu können (Politiker-Syndrom); nicht auszuschließen, daß er es am Ende selber glaubt (vgl. den hEV im hessischen Gesamtschulkonflikt);
– in diesem Kontext gewinnt Bush’s im Golfkrieg präsentiertes Konzept einer „neuen Weltordnung“ (auch die reale Führung des Golfkrieges im Verhältnis zu seiner öffentlichen Vermittlung) einen neuen, direkt apokalyptischen Sinn: diese „Weltordnung“ ist keine reale Ordnung mehr, sondern ein (dem zwangsneurotischen Selbstbild entsprechendes) Bild der Welt, dessen Durchsetzung nur mit Mitteln der PR und – begleitend oder alternativ – der massivsten Gewalt noch möglich ist. Konsequenz: Diese „neue Weltordnung“ ist nicht Ergebnis eines „letzten Krieges“, sondern wird sein Ursprung sein. Hier, in diesem Syndrom (das aus der der philosophischen zugrundeliegenden politischen Geschichte des Universalienstreits sich ableiten läßt), liegt der Ursprung und die Legitimation der explosiv sich ausbreitenden Rüstung in der Folge des zweiten Weltkriegs.
Nachdem die SPD nach der Wende nicht in der Lage war, insbesondere in der öffentlichen Selbstdarstellung Kohls diesen Sachverhalt zu durchschauen (und zum Gegenstand öffentlicher Kritik zu machen), scheint sie ihm selbst endgültig verfallen zu sein; auf dieser Basis gibt es in der SPD nur noch Karriere-Politiker (die die innerparteiliche Ochsentour nur mit Hilfe der gleichen Mittel bestehen konnten), gibt es (innerparteilich und im Verhältnis zu den Konkurenz-Parteien) nur noch Intrigen und Häme, aber keine Kritik mehr.
Ist das Poltiker-Syndrom nicht doch nur die Potenzierung eines an die subjektive Form der äußeren Anschauung gebundenen Subjekt-Syndroms? Und ist die Affinität von Sprachregelung (Er-nennungsbefugnis) und Gewalt, die Hannah Arend u.a. an Eichmann diagnostiziert hat, nicht der Grund des faschistischen Syndroms?
Wie hängen das Politiker-Syndrom, Bushs Neue Weltordnung und Kohls „Versöhnung über Gräbern“ miteinander zusammen?
Nach der Lektüre des Interviews mit Herbert Schnädelbach (in: Geist gegen den Zeitgeist. Erinnern an Adorno. S. 54f): Kann es nicht sein, daß, was als angeblich Überholtes in Adorno hineinprojiziert wird, Konsequenz der heute erstmals durchschaubar zu machenden verdrängten Beziehung zur Natur ist? Damit hängt es auch zusammen, daß, was Adorno Säkularisation aller theologischen Gehalte genannt hat, im Kontext der theologischen Halbbildung, die im Umkreis der christlichen Tradition unvermeidbar war, einfach nicht verstanden werden konnte. Frage: War eine Weiterführung der „Kritischen Theorie“ im überkommenen akademischen Rahmen und ohne konkrete und inhaltliche Reflexion der theologischen Tradition überhaupt möglich?
Vielleicht wäre es doch einmal interessant, die Strategien der Selbsterhaltung bei den Adorno-Schülern mit den Denkblockaden in ihren Konzepten zu vergleichen: wie hier selbst noch die Erinnerung an den personalisierten Adorno als Verdrängungshilfe genutzt wird. -
15.04.92
Geldwirtschaft und Rüstung: Hängt die Erfindung (und militärische Nutzung) des Schießpulvers mit der der doppelten Buchführung zusammen? Oder die Gründung und Ausbreitung der Tempelbanken mit dem assyrischen Militarismus (und ihrem theologischen Reflex im Deus Sabaoth, im Herrn der Heerscharen), ähnlich wie die Einheit von „Entdeckung“, Eroberung und Missionierung Amerika mit dem Raub der Tempelschätze im „entdeckten Amerika“, dem mit seinem Reichtum auch noch der Name geraubt wurde.
Zum Schreiben der raf vom 10.04.92: Konsequenzen aus dem Prinzip der Kleinschreibung: Verzicht auf Hypostasierung und Personalisierung? Es gibt Handlungen, die Komplizenschaft begründen und in Rechtfertigungszwänge hineinführen, und so die verändernde Kraft der Reflexion unterlaufen, verhindern. – Umgekehrt die völlig unangemessene Reaktion der Politiker: von der CSU war nichts anderes zu erwarten, aber daß auch die SPD, die doch selbst an der Einführung der Sonderbehandlung der Terroristen maßgeblich beteiligt gewesen ist, jetzt jede „Sonderbehandlung“ glaubt ablehnen zu müssen, ist nur verständlich aus den Rechtfertigungszwängen, denen sie seit dem Deutschen Herbst 77 unterliegt. Und wenn Herta Däubler-Gmelin, im vorhinein schon Forderungen der raf glaubt ablehnen zu müssen, die gar nicht gestellt worden sind, so drückt sich genau darin die Unfähigkeit aus, den Kern des Konflikts überhaupt wahrzunehmen. Die Äußerungen des Herrn Penner lassen es nachträglich noch als Glücksfall erkennen, daß nicht er damals Nachfolger Rebmanns geworden ist. Die SPD steht sich selbst im kollektiven blinden Fleck, zu dem sie geworden ist (sie hat insoweit Teil am Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus, als auch sie den Sozialismus noch für eine Frage der Innen- und Wirtschaftspolitik hält: der reale Problem- und Existenzgrund der raf – die Fundierung des Reichtums der westlichen Staaten auf dem Export der Armut – ist auch der Problemgrund der SPD; das ahnt sie, möchte aber nicht daran erinnert werden, und deshalb reagiert sie so paranoid).
Die Reiselust der Deutschen: sie halten es zuhause nicht aus, suchen dann aber doch nur Plätze, an denen sie wieder unter sich sind. Trift nicht auch noch die (erweiterungsfähige) Erklärung die der König der Tartaren den Portugiesen in der Urphase der Kolonisation gegeben hat: „Die Tatsache, daß diese Menschen sich so weit von zu Hause entfernen, … zeigt deutlich, daß es bei ihnen so wenig Gerechtigkeit und so viel Gier geben muß.“ (John H. Elliott: Die Welt nach Kolumbus, Lettre 16, Frühjahr 1992, S. 80)
Zur Geschichtsphilosophie der Oper: Rousseau, der Erfinder des modernen Naturbegriffs (der Natur-Christologie), war Opernkomponist und Librettist (Waltraud Gölter: Die Schrift und das Reale, Lettre 16, S. 87). Die Confessiones (des Augustinus wie die des Rousseau) sind der genaueste Ausdruck der Einsamkeit: einer Sehnsucht, eines Verlangens, das kein Objekt mehr findet. Die Oper reflektiert diese Einsamkeit als die gesellschaftliche des Herrn, der sich durch den Herrschaftszusammenhang gegen die beherrschte Welt und das Leben in ihr verblendet, sie als Oper, als musikalischen Traum, reproduziert (Oper als Traum-Äquivalent der instrumentalisierten Welt).
Einleitungen, Vorreden, Vorworte haben nur den Zweck, mögliche Mißverständnisse, die jeder Autor zu fürchten scheint, zu vermeiden. Käme es heute nicht umgekehrt darauf an, Mißverständnisse zu provozieren?
Drückt sich im lateinischen AcI nicht genau die undurchdringliche, der Kommunikation und dem Handeln nicht mehr kommensurable Herrschaft des Römischen Imperiums und die damit verbundene Konstituierung des Privaten, die in der Philosophie vor allem in der Stoa sich reflektiert, aus?
Die seitenperspektivische Betrachtung des Charakters (und ihre Objektivierung in der Maske, der Person) gehört zu den Grundlagen des begrifflichen Denkens und bestimmt den Charakter der Aufklärung seitdem. Der Personbegriff ist nicht zu trennen von dem des Charakters, beide sind verbunden durch den der Maske. Das Ebenbild Gottes hingegen ist sinnlich erfahrbar im Angesicht des Andern.
Dieser wahnsinnige Jakobus-Brief (Jak 123)! Diese Forderung ist (fast?) nicht mehr erfüllbar.
Enstsprechen den drei Verleugnungen Petri die drei Versuchungen Jesu in der Wüste? Bei beiden, am Ende der Versuchung in der Wüste und bei Petrus (und nur hier?), kommt es zu dem „Weiche von mir, Satan“.
Zum Begriff der Geschichte: Die historische Genese ist zu unterscheiden von der logischen Genese, die aber selber wiederum in die Geschichte fällt. Der Begriff des Ursprungs ist diachronisch.
Uns hat’s die Sprache verschlagen, fast unmöglich der Versuch, sie wiederzufinden.
Hängt der Name des Wassers zusammen mit dem Fragewort „Was“? Und haben die biblischen und die philosophischen Wasser (die Wasser über und unter dem Firmament, und dem „Alles ist Wasser“ des Thales) etwas mit dem Heideggerschen Begriff der Frage zu tun, dem Topos einer leeren, objekt- und antwortlosen, aber rang-(d.h. die Eigentlichkeit) bestimmenden und die Hierarchie begründenden Frage?
Siegfried war, nachdem er im Blut der erschlagenen Drachen gebadet hatte, unverletzbar (Ausnahme: die Stelle an der Ferse).
Es ist das seit den Anfängen des Privateigentums und der Geldwirtschaft ins Ungemessene gesteigerte Exkulpationsbedürfnis, das die Tempel und die Opfer begründet hat.
Das christologische Erbe des Naturbegriffs: Es ist dieser Naturbegriff, von dem Habermas sich nicht lösen kann. Und es ist genau dieser Naturbegriff, der die Reflexion an der von der Herren erwünschten Stelle abschneidet. Die Abwehr jeglicher Naturspekulation bei Habermas scheint mit seinem Öffentlichkeitsbegriff zusammen zu hängen: damit, daß er es sich versagen muß, den Quellpunkt der Gemeinheit im Strukturgesetz der Öffentlichkeit wahrzunehmen und zu analysieren, in das Problem der Bewußtseins- und Kulturindustrie sich ernsthaft einzulassen. So wird er hilflos gegenüber jenem Prinzip, nach dem die Boulevard-Presse und das Fernsehen vor allem sich richten: Gemeinheit ist kein strafrechtlicher Tatbestand, weil sie die Beweislogik (die Logik jeglicher Öffentlichkeit, aber auch die der Philosophie, den Quellpunkt der Dialektik) transzendiert. Darzustellen wäre, daß das, was Habermas Öffentlichkeit nennt, ein Strukturgesetz ist, dessen nachvollziehbare Geschichte eins ist mit der Geschichte des Weltbegriffs und heute behemothische Qualität annimmt. Diese Öffentlichkeit blendet durch ihr eigenes Strukturgesetz jene Bereiche aus, die Habermas dann auch aus seiner Philosophie hinausweist. Das Habermassche Konzept von Erkenntnis und Interesse, Grundlage seiner Diskursphilosophie und des Konsensbegriffs, blendet die Erinnerung aus; übrig bleibt die instrumentalisierte Erinnerung. Diese Instrumentalisierung der Erinnerung ist das Erbe der dogmatischen Theologie; sie gründet im Zusammenhang von Schicksal und Begriff und endet in der Heideggerschen Seinsvergessenheit. Der Inbegriff der instrumentalisierten Erinnerung ist der gegenständliche Weltbegriff (als Begriff eines subjektlosen Subjekts der Erkenntnis).
Die Lösung für das Problem der Beziehung des Reichs der Erscheinungen zu den Dingen an sich liegt im theologischen Begriff der Umkehr.
Der Schicksalsbegriff ist ein sprachimmanenter Begriff, Ausdruck einer bestimmten Form der Beziehung der Sprache zu den Dingen, er müßte insbesondere aus der Struktur der indogermanischen Sprachen, aus ihrer grammatischen Struktur, ableitbar sein.
Woher stammen die Tierkreiszeichen und ihre Namen (sie fanden sich u.a. in Synagogen)? Und in welcher Beziehung stehen sie zu den Sternengöttern (zu den Planeten)? Und wie verhält es sich mit der Astrologie: ist das Schicksal an die Planetenkonstellationen, der Charakter an die Tierkreiszeichen gebunden (oder umgekehrt)?
Kelch und Becher: Hängen der Taumelkelch, der Kelch von Gethsemane und beim Abendmahl sowie die Ursprungsgeschichte von Moab und Ammon (Lot und seine Töchter) zusammen?
Ein Feminismus der mit Rangkategorien argumentiert, arbeitet dem Sexismus in die Hände.
Der Wittgensteinsche Satz „Die Welt ist alles, was der Fall ist“ wird erläutert und kenntlich gemacht durch den Hegelschen Satz „Das Eine ist das Andere des Anderen“. Der Fall ist dieses Anderssein, Produkt der „verandernden Kraft des Seins“.
Es ist diese Mischung von Euphorie und Schrecken, die den Verdacht wachhält, daß an der Sache noch etwas falsch sein muß.
Die autoritäre Struktur des christlichen Dogmas ist von dem Zusammenhang mit dem Weltbegriff nicht abzulösen. -
07.04.92
Die Frage, „warum Juden als erste Geschichte schreiben“, beantwortet Heinsohn zurecht mit dem Hinweis auf die Geschichte der „Überwindung des Opfers“ (Gunnar Heinsohn: Die Sumerer gab es nicht, S. 130). Nur seine Theorie des Ursprungs der Opfer in „traumatisierenden Kollektiverlebnissen“ wäre ein wenig zurecht zu rücken: Mir scheint, allein aus Naturkatastrophen (Velikovskys Venus-Theorie) läßt sich die dramatische Religionsentwicklung in der Frühgeschichte nicht herleiten; die Form der Verarbeitung der Erfahrungen ist gesellschaftlich determiniert und wäre aus den den gesellschaftlichen Reproduktionsbedingungen und ihrem Widerschein in der subjektiven Erfahrung abzuleiten. Rätselhaft ist das Zusammenfallen der kosmischen und gesellschaftlichen Veränderungen (Ursprung des Privateigentums, der Städte, des Priester- und Königtums, der Opferreligionen, der Tempel, des Sternen- und Bilderdienstes, des Handels, des Militärs, des Geldes, der Schrift; Ursprung der Geschichtsschreibung in der patriarchalischen Genealogie).
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03.04.92
Es hat Zeiten gegeben, in denen Eltern ihre Kinder und Könige ihre Untertanen in der dritten Person Singular anredeten. Umgekehrt durften die Untertanen den König nur in der dritten Person Plural ansprechen (ähnlich die Kinder ihre Eltern). Diese Anrede in der dritten Person Plural ist im Prozeß der Vergesellschaftung von Herrschaft mit vergesellschaftet worden. Steckt in dieser Kollektiv-Anrede nicht die (durch die Institution des Königs vermittelte, dann im Christentum institutionalisierte) Anerkennung der Welt (als Kollektivsubjekt aller objektiven Urteile).
Im Englischen ist es das wechselseitige „you“, die zweite Person, die sowohl im Singular wie im Plural verwandt wird. Hängt das Kollektiv-Du mit dem englischen Empirismus zusammen?
Was ist der Unterschied zwischen Kollege, Kamerad und Genosse?
Das katholische pokerface, diese harten, verschlagenen Gesichter, Produkt eines Religionsverständnisses, das nicht mehr die Schuld auflöst, sondern nur noch das Schuldbewußtsein wegnimmt und deshalb der Reue, der Umkehr nicht mehr bedarf, sie – mehr noch – diskriminiert. Wer büßt, der muß es schlimm getrieben haben. Und Umkehr wird nur noch als Eingeständnis der Schuld verstanden (anders hätte es der Umkehr nicht bedurft), das aber darf um keinen Preis laut werden (Ursprung der Apologetik, mit deren Hilfe immer schon die schlimmsten Untaten gerechtfertigt, und d.h. im Nachhinein begründet wurden).
Die subjektive Form der Anschauung ist
– der Angelpunkt, um den sich die Welt dreht,
– das firmamentum, das die Wasser über und unter dem Firmament scheidet,
– der Balken, durch dessen Optik hindurch die Splitterforschung betrieben wird.
Das Poe’sche Bild vom Maelstrom, das Adorno in seinem Kierkegaard-Buch zitiert, realisiert sich im Hegelschen Absoluten (Inbegriff und Modell der Isolationshaft des Denkens).
Philosophie in Erfahrung übersetzen bedeutet heute insbesondere: endlich den Geburtsfehler der Philosophie begreifen. Die Philosophie ist der Balken im eigenen Auge.
Vom Splitter und vom Balken: Der Balken, ist das der Baum der Erkenntnis?
Die Person ist als Objekt, was die Persönlichkeit als Subjekt ist.
Das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit rührt von der anderen Seite her an den Begriff der Materie. Es bezeichnet gleichsam dessen Innenseite und macht damit die Naturwissenschaft zur Schale, die zu knacken ist, wenn man an den Kern herankommen will.
Ist der (christologisch bestimmte) Naturbegriff der (gordische) Knoten, den Alexander bloß durchschlagen hat, und den es jetzt endlich zu lösen gilt?
Ist der Hahn in der Geschichte der drei Leugnungen eine Metamorphose des über den Wassern brütenden Geistes, der auch vor der Morgendämmerung des ersten Tages erscheint?
Haben die Wasser oberhalb und unterhalb des Firmaments etwas mit der Gravitation zu tun? Und hat die Feste, die die Wasser scheidet, etwas mit den kantischen subjektiven Formen der Anschauung oder mit dem Inertialsystem zu tun? Steckt nicht in dem kantischen Wort von dem erhabenen Sternenhimmel über mir und dem moralischen Gesetz in mir ein Hinweis auf diese Feste?
Haben die Wolken des Himmels etwas mit den Wassern oberhalb des Firmaments zu tun?
Der Balken im eigenen Auge wächst mit der Anpassung an die Welt: Die Welt ist alles, was der Fall ist; d.h. die Welt ist der Abgrund, der die Menschen voneinander trennt, und dem sie in dem Maße verfallen, in dem sie selber der Welt sich anpassen.
Der descensus ad inferos hat mit der Lösung des Drachens am Ende des Millenariums zu tun (Signatur dieser Epoche).
Der Unterschied zwischen Genitiv und Dativ ist bei „trotz“ und „wegen“ der Unterschied ums Ganze. (Nach der Duden-Grammatik, Nr. 641, ist der Dativ in der Regel veraltet, regional oder umgangsprachlich: Es wäre nun doch wohl an der Zeit, endlich einmal den Geist der Duden-Grammatik zu bestimmen.)
Babylon, genauer Ur in Chaldäa (die Schuldknechtschaft), ist der Ursprung der Hebräer, Ägypten (das Sklavenhaus) ihr natürliches (unerlöstes) Telos. -
01.04.92
Gleichnamigkeit des Ungleichnamigen: Grund des Selbstmitleids (Symbol des Kelches, Getsemane, unbekehrtes Christentum); der verandernden Kraft des Seins: das Eine ist das Andere des Anderen. Unvermeidbarkeit unter den Bedingungen des Nominalismus (der Vorstellung des unendlichen Raumes). Erste reale Anwendung: das newtonsche Gravitationsgesetz. Verhexung Gottes, der Natur und der Menschen. Anwendung auf die Naturphilosophie: erstes Opfer das Licht, das einzige direkt durchs Wort Geschaffene?
Erkennbar ist die Gleichnamigkeit des Ungleichnamigen im Kontext von Schuld, Verdacht und Empörung (und hier liegt zugleich der Grund der Mathematik). Indiz für den Stand der Dinge sind die Erkenntnisse von Marx und Freud, die als Wissenschaften des Verdachts seit je Empörung provoziert und auf sich gezogen haben (Beweis des flüssigen Charakters der Schuld).
Modell der Gleichnamigmachung des Ungleichnamigen: die Abtreibungsdebatte (Beispiel für das Verfahren der Verschiebung und Projektion: Zusammenhang mit der Raumvorstellung).
Die praktische Bedeutung der Marxschen und Freudschen Theorien (proletarische Revolution und Psychoanalyse als Therapie) ist sicherlich zu Recht umstritten, nicht aber die theoretische Bedeutung, ihre originäre Beziehung zur „Sünde der Welt „; und praktische Bedeutung hat weiterhin der Umgang mit diesen Theorien: ihre Abwehr führt genau in jenen Bereich (der Schuld) herein, der von ihrer Kritik getroffen wird.
Biblische Elementenlehre: Hier sind die „Elemente“ die Buchstaben der Schrift; aber welche Bedeutung haben Erde (und Himmel), Wasser (unter und über dem Firmament), Luft (pneuma, ruach) und Feuer (fire next time)?
Der Begriff des Volkes bezeichnet die Schicksalsgemeinschaft, der der Nation die Sprach-Gemeinschaft (unterm Gesetz des Inertialsystems die „Rasse“-Gemeinschaft: Grund in der Trinitätslehre nach der Verknüpfung von Logos und Zeugung?), oder die Rechtsgemeinschaft (Bund, Vertrag, Verfassung)?
Num 2420: Amalek war das erste unter den Völkern, doch es endet im Untergang.
Zum Begriff der Welt vgl. Deut 2849f: Der Herr trägt zum Kampf gegen dich ein Volk aus der Ferne herbei, von den Enden der Erde, das wie ein Adler herabstößt, ein Volk, dessen Sprache du noch nie gehört hast, ein Volk mit unbeweglichem Gesicht, das sich dem Greis nicht zuwendet und für das Kind kein Mitleid zeigt.
Das Bekenntnis ist die genaue Umkehrung des anklagenden, richtenden Denkens. Beide beziehen sich auf die gleiche Schuld, nur mit dem Unterschied, daß das (objektivierende) anklagende, richtende Denken diese Schuld nach außen projiziert und so sich selber in den Schuldzusammenhang verstrickt, während das Bekenntnis (als Bekenntnis zum messianischen Namen) seinen Anteil an der Auflösung des Schuldzusammenhangs durch die (messianische, parakletische) Übernahme der Sünde der Welt wahrnimmt. Dieses Bekenntnis ist dem anderen genau entgegensetzt: die entfremdete Bekenntnislogik hat das objektivierende, anklagende und richtende Denken zur Voraussetzung. Es ist mit ihm wesensgleich und verhärtet, stabiliert es zugleich. Das wirkliche Bekenntnis konstituiert sich in der Umkehr des entfremdeten als Gottesfurcht. -
29.03.92
Der Raum (Inbegriff des „Hinter dem Rücken“) ist das Nichts, aus dem der Demiurg die „Welt“ (das System aller Prädikate) erschaffen hat, und zwar als dreifaches Nichts.
Die These scheint begründbar zu sein, daß der Weltbegriff erfunden wurde, um die Herrschenden gegen Kritik abzuschirmen. Der Weltbegriff lebt von der eingebauten Logik der Identifikation mit dem Aggressor. Und er ist die automatisierte (und unkenntlich gemachte) Verletzung des achten Gebots: Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten.
Ist die Simson-Geschichte ein Astralmärchen?
Die kantische Vorstellung vom Chaos des Gegebenen – eine Zwangsvorstellung, soweit sie dem Zwang der transzendentalen Logik gehorcht – bezeichnet präzise die chaotische Struktur des Dativ in einer vom Akkusativ beherrschten Vorstellungswelt: die Verwandlung von Gnade, Barmherzigkeit (der rechten Seite) in Chaos. Hiermit hängt es zusammen, wenn die Menschen das (aktive wie passive) Schenken verlernen, zwangshaft jedes Geschenk am Tauschprinzip messen.
Linken Autoren scheint generell der Gebrauch des Konjunktiv suspekt geworden zu sein. Ein Verdacht, der – wie auch immer er begründet erscheinen mag – im Indikativ ausgesprochen wird, kann nur als Unterstellung erfahren und „zurückgewiesen“ werden. -Sprache als Kriegssprache: Der Indikativ als Eroberungsversuch, als Versuch, ein dem Feind gehörendes Gelände zu besetzten. Aber nur wenn das Moment des Verdachts am Verdacht festgehalten und keine Gewißheit supponiert wird, wird auch die Schuldsolidarität festgehalten, verschwindet das Feinddenken.
Auch Robert Kurz scheint dem Tausch-Paradigma verfallen zu sein, seine Beziehung zum Schuldzusammenhang (Ursprung des Geldes in der Schuldknechtschaft) nicht zu durchschauen.
Name und Angesicht: die Grenzen des Raumes (des Inertialsystems) gegen das An sich. Gibt es einen Zusammenhang des Angesichts und der benennenden Sprache mit Licht und Schwerkraft?
Die Form der Raumes (der äußeren Anschauung) ist der Grund dafür, daß wir als Urteilende immer auch Objekte unserer eigenen Urteile sind. Als Urteilende sind nicht nur die Anderen Andere für uns, sondern wir sind auch Andere für Andere.
Der Titel Weltbild zeigt nur noch einen Kontenpunkt der paranoischen Struktur der Welt an.
Die Erkenntnis des Guten und Bösen ist die erste Gestalt der Unterscheidung von Innen und Außen, der Ursprung des Innen-Außen-Paradigmas.
Der Wiederaufbau und die Sanierung unserer Städte hatte u.a. auch diese Wirkungen: die Abschaffung der Vergangenheit und die Schaffung von Bedingungen, unter denen Arme nicht mehr leben können.
Der Staat gründet auf dem Opfer, und zwar konkret auf dem Menschenopfer; die letzte Erinnerung daran war die Todesstrafe. Und mit der Abschaffung der Todesstrafe wurde auch diese Erinnerung an den Ursprung des Staates beseitigt, und der Staat ist vollends böse geworden.
Gewalt bezeichnet die Fähigkeit zu töten. Deshalb drückte sich das Gewaltmonopol des Staates vorab in seiner Kompetenz, die Todesstrafe zu verhängen, aus. Der Todesstrafe aber bedarf es nicht mehr, wenn die andere Potenz, die die Macht zu töten, in sich enthält, nämlich das Eigentum, das schon von sich aus leistet.
Eigentum und Gemeinheit: Gewalt ist heute deshalb nicht mehr domestizierbar, weil sie in die Formen der Gemeinheit gerutscht ist. Gemeinheit ist nicht an sich, sondern nur dort, wo sie auch die Gestze verletzt, ein Straftatbestand; wäre sie es an sich, müßte das Eigentum abgeschafft werden. Und nicht mehr Kriminalität an sich, sondern nur noch Dummheit und Armut (Reichtum verbunden mit Dummheit, jedoch Armut, auch wenn sie schlau ist) stehen heute in der Gefahr, in die Hände des Rechtsstaats zu fallen.
Im Augenblick bricht mehr zusammen als nur der real existierende Sozialismus. An allen Ecken und Enden tauchen „Grenzfragen“ auf; und hierbei zeigt sich, daß Grenzfragen nicht mehr nur Grenzfragen sind, sondern mit aller Deutlichkeit auf den naturgeschichtlichen Aspekt des Eigentumsbegriffs hinweisen.
Heute schützt das Militär keine Grenzen mehr (dazu gab es in der BRD dann auch schon den „Grenzschutz“), sondern das Kapital (den Eigentumstitel) direkt. Das ist der Grund für die Existenz der Folter in der Welt.
Die gegenwärtige Verfassungsdiskussion hat etwas Hilfloses. Das Gefühl drängt sich immer mehr auf, daß auch eine neue Verfassung an den Grund der Dinge nicht mehr rührt, daß der vorentschieden ist insbesondere dadurch, daß wir in einer Welt leben, in der eine Versöhnung (eine Bestimung der Grenzen des Staates nach Außen und nach Innen) durch einen Friedensvertrag nicht mehr möglich ist, weil die Ökonomie nationalstaatlich nicht mehr zu domestizieren ist. Das war das realgeschichtliche Problem von Versailles, das nach dem zweiten Weltkrieg zusätzlich in der nicht wirklich gelösten Rechtsproblematik der Nürnberger Prozesse (dem Versuch, ein zwischenstaatliches Problem mit Hilfe des Strafrechts zu lösen) sich manifestierte.
Nicht die Identität sondern die Differenz der Genealogien des Kain und des Kenan ist entscheidend (ähnlich wie in den Fällen Jahwe und Elohim, Hebräer und Israeliten). Sie hat auch zu tun mit den Brüder-Problemen: Kain und Abel, Ismael und Isaak, Esau und Jakob. Lot hingegen war ein Neffe Abrahams. – An die Patriarchenzeit erinnern Moab und Ammon, Ismael und Edom.
Hat Ilias etwas mit El und Troja mit Jahwe zu tun? Und woher stammt die Verbindung von Edom und Rom (Heine)?
Der Raum ist die Brille, die die Schöpfung zur Natur verhext und die Barbaren produziert: Und die „subjektive Form der Anschauung“ ist nur zu verstehen als „Brille“, durch die hindurch wir die Welt sehen. „Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten, daß sie nackt waren“: Sie erkannten sich hier zum ersten Mal im Blick des Andern.
Wie hängt der Turmbau zu Babel mit dem Paradies zusammen: Beide bezeichnen Angelpunkte in der Urgeschichte der Sprache, und beidemale kommt Gott hernieder.
Die Orthogonalität des Raumes und die Trennung der drei Dimensionen im Raum (die Existenz der drei Freiheitsgrade des Raumes) hängen mit seiner Beziehung zur Zeit, zur Materie und zum Raume selbst im Inertialsystem zusammen.
In der Vorstellung des unendlichen Raumes war Auschwitz tendentiell mit angelegt.
Der biblische Charakter des Buchs der Richter scheint sich mir auch darin anzuzeigen, daß keine Pferde darin vorkommen (während Pferde auch religionsgeschichtlich mit dem Sonnenkult zusammenzuhängen scheinen).
Die Entfremdung ist die Verfeindung. Und das Gebot der Feindesliebe ist auch als Gebot, die Entfremdung aufzuheben, zu verstehen.
Der Kubismus war ein Angriff auf die Perspektive: So hing er mit der Russischen Revolution zusammen. -
25.03.92
„Vom Fresser kommt Speise, vom Starken kommt Süßes“ (Ri 1414), oder zur Kritik des Darwinismus: Das wirkliche Fressen und Gefressenwerden findet nicht mehr in der Natur, sondern in der Gesellschaft statt und läßt sich an der Veränderung der Funktion des Gebrauchswerts demonstrieren: Es gibt keinen Tausch- ohne Gebrauchswert, und zu den Gebrauchswerten zählen nicht mehr nur so schöne Dinge wie der Gänsebraten, der Wein und das schöne Kleid, sondern auch die Arbeitskraft und das „sinnliche Ding“, die Frau. Und Konsumenten sind nicht nur die heute so genannten „Endverbraucher“, sondern die instrumentalisierten Produkte selber: vorab das „Instrument an sich“, der Staat, aber auch jeder Betrieb, der Arbeitskräfte und know how konsumiert, sowie die Wohnung und die dauerhaften Gebrauchgüter, insbesondere die technischen Geräte, die Wasser, Energie und die Erhaltungs-, Renovierungs- und Wiederbeschaffungskosten konsumieren. Das Auto ist heute schon teurer und wichtiger als Kinder (die tendentiell zu „unnützen Essern“ werden: Grund der sinkenden Geburtenrate). Wir füttern die Maschinerie, die uns ernährt, und ihre Unterhaltung wird langsam so teuer, daß die Frage, wie lange wir sie uns noch leisten können, nur deshalb nicht gestellt wird, weil keine Alternative sichtbar ist. Sofern es daran liegen sollte, daß etwas den Blick verstellt (Grund des Verblendungszusammenhangs), wäre auf den Inbegriff der instrumentalisierten Produkte hinzuweisen: auf den Begriff der Welt. Transzendentales Subjekt dieser Welt ist die subjektlose (gleichsam tierische, behemothische) Maschinerie, nachweisbar an der logischen Konstruktion des Wertbegriffs, den Robert Kurz nur deshalb mit dem „schlechthin Guten“ in Verbindung bringen kann, weil er das Subjekt zu dem im Wertbegriff versteckten Urteil: die Welt, nicht sieht.
Nochmal Ri 1414: Kurzfassung der Kritik der politischen Ökonomie des Faschismus.
Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie