Ist nicht die Redundanz, die Einstein mit dem Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit aufdeckt, der Grund der Gravitationstheorie, der Grund der Kraft des Systems, das Ungleichnamige gleichnamig zu machen?
Das Buch Hiob ist ein Beleg dafür, daß Alexander den gordischen Knoten nur durchschlagen, nicht gelöst hat. Behemoth und Leviathan (das Tier vom Lande und das Tier aus dem Meer) symbolisieren das Ergebnis der Durchschlagung des Knotens: das symbolische Äquivalent der Begriffe Welt und Natur.
Hegels Logik als die bewußtlose Beschreibung der Geschichte einer Katastrophe lesen, sie aus dem Schlaf erwecken: das wäre die Aufgabe des Hahns. Aufgabe der Theologie wäre es, das Feuer in diesem brennenden Dornbusch (das Gericht der Barmherzigkeit über das gnadenlose Weltgericht) begreifen.
Ist nicht der „real existierende Sozialismus“ als Resultat des Konzepts vom Sozialismus in einem Land durch die Rückwirkung seiner außenpolitischen Naturbeziehungen zwangsläufig zum Staatskapitalismus entartet? Und lag darin nicht die Reflexionsbarriere und Erkenntnishemmung begründet, die es ihm verwehrt hat, die Kapitalismuskritik auf ihren jeweils aktuellen Stand zu bringen, insbesondere das Desiderat einer Theorie des Finanzkapitals, mit der Theorie der Banken im Kern, endlich zu erfüllen?
Die Vertreibung der Händler und Geldwechsler aus dem Tempel (Konkretisierung des Wortes „Barmherzigkeit, nicht Opfer“) verweist genau auf diesen Punkt.
Ist nicht Eli Wiesel der Martin Buber zu einem Franz Rosenzweig, der heute Primo Levi heißt?
Zum Turmbau zu Babel: Wenn die Architektur etwas mit der Geschichte der Philosophie (mit der Geschichte der Logik der Schrift) zu tun hat, dann bezieht sich der Turmbau zu Babel auf ein Ereignis, das mit dem Ursprung der Grammatik (dem Eindringen der Logik der Schrift in die Sprache) zu tun hat.
Dialektik ist die instrumentalisierte Umkehr; sie steht unterm Bann des Inertialsystems.
Hegel
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10.11.1994
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7.11.1994
Der Satz aus der DdA, daß die Distanz zum Objekt vermittelt ist durch die Distanz, die der Herr durch den Beherrschten gewinnt, wäre zu ergänzen: Die Distanz zum Objekt (die Urteilsform, die Trennung des Natur- und Weltbegriffs) ist ebensosehr vermittelt durch die Distanz, die mit den Außenbeziehungen der Staaten sich konstituiert. Der Staat als Organisationsform einer Gesellschaft von Privateigentümern entspringt erst im Verhältnis zu und in der Natur-Gemeinschaft mit anderen Staaten. Es ist deshalb nicht unwichtig, darauf hinzuweisen, daß die Bibel die Trennung von Welt und Natur nicht kennt, daß im Namen der Hebräer auch der Begriff der Barbaren (der Fremden) reflexionsfähig gehalten wird, daß mit einem Wort jedes nationalistische Verständnis des hebräischen Gottesnamens und der Geschichte Israels sich vom Ansatz her verbietet.
Hegels Begriff des Absoluten ist eine Folge seiner Einbeziehung der Ästhetik in die Logik. Nur so war es ihm möglich, die Idee des Absoluten vom Staat zu trennen (durch die Logik der Schrift das hic et nunc des realen Staates in der Idee des Absoluten „aufzuheben“). Die Natur, die die Idee Hegel zufolge „frei aus sich entläßt“, ist eigentlich die dem eigenen Staat äußerliche Staatenwelt, in deren Struktur das reine Naturverhältnis sich wiederherstellt: als Krieg. Der Begriff ist die Form des einzelnen Staates, der sich selbst, kraft seiner eigenen Logik, zum Absoluten wird: In dieser Logik ist die Xenophobie (und deren teleologische Urform: der Antisemitismus) vorgezeichnet; das gegenständliche Korrelat dieser Xenophobie ist die Natur im Lichte des naturwissenschaftlichen Herrschaftsdenkens. Alle Natur, auch die erste, ist zweite Natur. Natur ist der Bann, unter dem Natur steht.
Das Inertialsystem ist Produkt und Ausdruck des Gewaltmonopol des Staates (die Astrologie war ein erster Versuch der Rekonstruktion der Struktur der staatlichen Gewalt und seiner Naturbasis). -
5.11.1994
Der mythische Polytheismus ist ein Produkt der Personialisierung im Kontext der Schicksalsidee, die christliche Theologie ebenfalls ein Produkt der Personalisierung im Kontext der Verinnerlichung der Scham.
Nähe des Himmelreichs:
– Walter Benjamin hat einmal bemerkt, daß die jüngst vergangene Mode das Veraltetste ist,
– sein Begriff der Aura bezeichnet eine charakteristische Konstellation von Nähe und Ferne.
Das Himmelreich wäre das Allernächste, wenn wir uns nicht selber im blinden Fleck stünden. Die Nähe des Himmelreichs ist die Widerlegung der Tiefenzeit (ist nicht die Dreidimensionalität des Raumes die Ursprungsbedingung der Vorstellung der Tiefenzeit, der homogenen Zeitvorstellung?).
Das Wertgesetz ist das Gravitationsgesetz der Ökonomie (Abhängigkeit der Anziehungskraft von der Masse des attrahierenden Körpers: Astronomie der Banken).
Die Straflust ist ein Maß der Verworfenheit (in jeder Empörung steckt ein Stück Straflust).
Seid klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben: Das bedeutet für die Politik, daß auch die Hintergedanken offenzulegen sind, anstatt ihre Offenlegung durch Installierung des Geheimbereichs zu verhindern.
Hintergedanken: Die öffentliche Begründung eines Vorhabens stimmt mit den wirklichen Zielen nicht überein. Die gesamte Reklame ist ein System von Hintergedanken. Der Begriff des Wissens begründet mit der konstitutiven Forderung der Einheit des Wissens die Abstraktion von „Hintergedanken“, ihre Verdrängung, schließt sie aber nicht aus. Hegel hat sie im Begriff der List der Vernunft als ein konstitutives Moment im Begriff des Wissens (Voraussetzung des Begriffs des absoluten Wissens) erkannt.
Kriege gehören zu den Ursprungsbedingungen des Naturbegriffs (Zusammenhang mit dem Ursprung des Namens der Barbaren). Deshalb enden die Kriege als Weltkriege. Heute sind Kriege keine Kriege mehr, sondern Weltbürgerkriege und terroristische Aktionen. Die Außenbeziehung (das Naturverhältnis zwischen den Staaten) ist durch Faschismus und Weltkrieg aufgehoben, storniert worden. Seitdem ist das Militär ebenso hybrid wie anachronistisch und hilflos geworden. Damit hängt es zusammen, daß der Zweite Weltkrieg nicht mehr durch einen Friedensvertrag beendet werden konnte: Am Ende waren die militärischen Verlierer die ökonomischen Sieger dieses Krieges.
Das merkwürdige Wort von den Vögeln des Himmels und den Lilien des Feldes, die der himmlische Vater nährt und kleidet (schöner als Salomo in all seiner Pracht).
Die Rezeption der Idee des Absoluten in der Theologie ist eine Konsequenz aus der Rezeption der Urteilslogik (des Weltbegriffs, des Konzepts einer creatio mundi ex nihilo), der Anwendung der Urteilslogik auf den theologischen Erkenntnisbegriff. Die Urteilslogik aber ist eine Emanation der Logik der Schrift.
Das Wort „Barmherzigkeit, nicht Opfer“ sprengt die Logik der Schrift (die Bekenntnislogik, das Dogma und die Opfertheologie). So ist das „Weltgericht“ das Gericht der Logik der Schrift, das Jüngste Gericht hingegen das Gericht der Barmherzigkeit über das gnadenlose Weltgericht. Und dieses Gericht ist es, das die Toten erweckt (während das Weltgericht die Toten im Grabe läßt).
Zum Werk des fünften Tages: Hierzu gehören neben den großen Seeungeheuern und den Fischen auch die Vögel des Himmels, die die großen Seeungeheuer am Ende fressen werden? -
4.11.1994
Wie hängt das Konzept der Gewaltenteilung mit dem Inertialsystem zusammen, mit der Beziehung von Begriff, Erscheinung und Gesetz?
Nimmt nicht bei Hegel der Begriff der Aufhebung die Stelle ein, die bei Rosenzweig (der Sache nach) der der Umkehr innehat? Das Bindeglied zwischen beiden, oder das, was die Hegelsche Aufhebung von der Umkehr unterscheidet, ist das Moment des Scheins – und die List der Vernunft, die im übrigen heute längst zu einem Teil der Sprache selbst geworden ist, die „Verwirrung“, die die Sprache im Kern ergriffen hat, begründet: sie nimmt den Schein für die Wahrheit. Der Schein wird zu einem Teil der „Wahrheit“, wenn das herrschaftskritische Moment verdrängt, suspendiert wird.
Bezeichnen nicht der Begriff des Scheins und die List der Vernunft das Moment der Verführung in Hegels Philosophie (und sind nicht schon bei Hegel die politische Ökonomie und die technische Nutzung der Naturwissenschaften durch die List der Vernunft auf einander bezogen)?
Hegel hat die kantischen Antinomien durch Radikalisierung entschärft. So hat Hegel die kantische Idee der Freiheit (das „Wunder in der Erscheinungswelt“) durch Subsumtion unter den Weltbegriff zum bloßen „Bewußtsein der Freiheit“ idealisiert und verhext (Zusammenhang der „Wahlfreiheit“, des liberum arbitrium, mit der Raumvorstellung: mit den „Freiheitsgraden“ des Raumes). Das Bewußtsein der Freiheit ist mit der Raumvorstellung gegeben, es gewinnt Realität durchs Geld (Grund des Existenzbegriffs). Das liberum arbitrium bezeichnet die Freiheit der Herrschenden; es entfaltet sich mit der Ausbreitung der Geldwirtschaft und des Marktes (und mit der Entfaltung der Raumvorstellung), seine Geschichte ist Teil der Herrschaftsgeschichte (der Geschichte der Verinnerlichung von Herrschaft). Reale Freiheit setzt das Bewußtsein der Freiheit (das liberum arbitrium) voraus, zugleich aber auch die Fähigkeit zur Reflexion seiner herrschaftsgeschichtlichen Voraussetzungen und Implikationen: die Fähigkeit zur Reflexion der „Sünde der Welt“.
Ist die Auseinandersetzung zwischen Idealismus und Materialismus nicht eine Folge der Differenz im Naturbegriff (der Differenz zwischen Zeugung und Geburt, physis und natura)? Der griechischen Naturphilosophie korrespondiert systemlogisch das Römische Recht.
Wie hängt der Satz, daß Gemeinheit kein strafrechtlicher Tatbestand ist, mit der Feststellung zusammen, daß, wenn traditionsgebundene katholische Theologen von der Natur des Menschen reden, in der Regel eine Gemeinheit dabei herauskommt?
Gründet nicht die logische Figur einer messianischen Berufung und Kraft des Proletariats (insbesondere bei Georg Lukacs) in der Verwechslung des Armen mit dem Fremden?
Das Neutrum ist der Sprachgrund des Mythos, sein Fehlen und seine symbolische Repräsentation durch die Schlange hingegen die Konstellation, in der die Idee der Offenbarung entspringt.
Gibt es das Schlangensymbol im Islam (und in seiner Folge eine Apokalypse), oder treten an seine Stelle die Dämonen? Und verdankt sich diese Transformation dem Ursprung und der Rezeption des Weltbegriffs (ist die creatio mundi ex nihilo ein islamisches Konstrukt)? -
3.11.1994
Wer den Begriff abschaffen will, muß die Verwaltung, das Recht und das Geld abschaffen.
Ist nicht der theologische Indikativ (der die Attribute Gottes zu Attributen des Seins macht) blasphemisch? Und ist nicht das Wort „Der Vater und ich sind eins“ nur ein anderer Ausdruck für die ethische Beziehung beider, keine Wesensaussage (kein Beleg für eine homousia)?
Der Nominalismus ist Ausdruck des Todes und der Grablegung des Logos.
Haben die sieben Gemeinden in Asien (in der Apokalypse des Johannes) etwas mit dem gordischen Knoten zu tun? Dem, der diesen Knoten löst, war durch ein Orakel bestimmt, über Asien zu herrschen. Der gordische Knoten war der Knoten, der das Joch mit der Deichsel eines Ochsenkarrens verband. Hat die Deichsel des Karrens etwas mit dem Esel zu tun, und bezieht sich die Dt-Stelle über das Rind und den Esel auf den gordischen Knoten?
Hängt nicht die Geschichte vom Rind und Esel mit der Urteilsform zusammen: Das Urteil ist das gemeinsame Pflügen. Im Urteil werden Ochs und Esel gemeinsam vor den Pflug gespannt.
Verweist nicht der zunehmende Gebrauch des Wortes Gehirn, während Begriffe wie Geist und Vernunft beginnen, ihren Bedeutungshorizont zu verlieren, auf eine rasante Verwilderung der Sprache?
Stand die Kriegsseife und das Gerücht, das im letzten Krieg damit sich verband, nicht in symbolischem Zusammenhang mit der exkulpierenden („reinigenden“) Funktion des Antisemitismus?
Sind die Sphingen, die die toten Könige in den Pyramiden bewachen, nicht eigentlich die Cherubim, die das Paradies (und seine in den Königen real gegenwärtige Vergangenheit) bewachen? Sind die Könige nicht Repräsentanten des verlorenen Paradieses, und hängt es damit zusammen, wenn es mit den Pyramiden auch eine astronomische und kosmologische Bewandnis hat?
Hegel hat die Philosophie als Ausdruck der Geschichte begriffen. Die Rekonstruktion der Erkenntniskritik wäre demnach (als Geschichtskritik) auch auf die Geschichte zu beziehen: als Erinnerungsarbeit.
Die Sünde wider den Heiligen Geist, die weder in dieser noch in der zukünftigen Welt vergeben wird, bezeichnet aufs genaueste den Knoten, der, wenn er auf Erden gelöst wird, auch im Himmel gelöst sein wird: Die Sünde wider den Heiligen Geist ist die Sünde der Welt.
Das Theodizeeproblem wird gegenstandslos, wenn man begreift, daß die Attribute Gottes keine Attribute des Seins, sondern des Handelns sind.
Das Wort ist deshalb in der Schrift fast unauffindbar geworden, weil die Sprache nach der Verinnerlichung des Schicksals und dann der Scham (den Folgen der Logik der Schrift) sich selbst nicht mehr begreift.
Zu Schicksal und Scham: Die Griechen haben die Barbaren erfunden, wir haben die Wilden erfunden.
Was du schwarz auf weiß besitzt, kannst du getrost nach Hause tragen: Aber heute ist jedes Haus ein Sklavenhaus. -
2.11.1994
Aufs Wort gehorchen: Unterm Gesetz der Logik der Schrift wird das Hören zum Gehorsam. Durch diesen Gehorsam wird genau das unterbunden, was die Schrift ins Hören zurück übersetzen könnte: die Reflexion. Die systematische Unterbindung dieser Reflexion ist der Positivismus, dessen Unmittelbarkeit die durch die Logik der Schrift (paradigmatisch: durchs Inertialsystem) vermittelte ist. Modell des positivistischen Wissenschaftsverständnisses sind die mathematischen Naturwissenschaften.
Grund der Unfähigkeit zur Reflexion ist die Unfähigkeit zur Reflexion des subjektiven Apriori der Naturwissenschaften, der subjektiven Formen der Anschauung, die Angst, daß deren Verflüssigung einen Sturz ins Bodenlose nach sich zieht. Aber wäre diese Verflüssigung, die „Liquidierung“ der subjektiven Formen der Anschauung, nicht die Entzündung des Feuers (nach der Sintflut: next time fire)?
Das Plancksche Strahlungsgesetz beschreibt den Dingbegriff (das mechanischen Objekt) von innen: Hat es nicht etwas mit dem brennenden Dornbusch zu tun (Theorie des Feuers)?
Zu den Voraussetzungen des Inertialsystems gehört das Prinzip der Identität von träger und schwerer Masse. Bezieht sich hierauf das biblische Verbot, mit Ochs und Esel gemeinsam zu pflügen: das Joch und die Last in eins zu setzen?
Ist nicht die ganze Geschichte der Physik die Geschichte der Kritik ihrer eigenen Voraussetzungen und gleichzeitig die Geschichte der Verdrängung dieser Kritik? Darin liegt die Ursprungsgeschichte des Positivismus.
Ein Propädeutikum der Reflexion der subjektiven Formen der Anschauung ist die marxsche Kapitalismuskritik, die Reflexion der subjektiven Formen der Anschauung aber wäre die Voraussetzung der Erfüllung des Wortes, die Rekonstruktion der benennenden Kraft der Sprache.
Die Materie ist das gegenständliche Korrelat der Leugnung des Gottesnamens. Darauf bezieht sich das Wort des Täufers von der Sünde der Welt in Joh 129.
Das „Seid klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben“ heißt nicht: Seid hinterhältig (wie die Schlangen), sondern: Begreift den Hinterhalt, in dem ihr steckt.
Durch die Bekenntnislogik (eine Emanation der Logik der Schrift) ist der Faschismus auf die christliche Tradition als seinen Ursprung bezogen. Jedes Bekenntnis ist ein Schuldbekenntnis, und als Bekenntnis gehört es zur Logik der Schuldbefreiung. Die Bekenntnislogik macht von der exkulpierenden Kraft des Bekenntnisses Gebrauch unter gleichzeitiger Nutzung der verandernden Kraft der Weltbegriffs, seiner projektiven Schuldverschub-Automatik. Die Bekenntnislogik gehört zum Schuldverschubsystem (und weckt so das Strafbedürfnis gegen sie) und setzt die identifikatorische („gemeinschaftsbildende“) Kraft des „Glaubens“ (die aus der Zone der Schuld herausführt, den Gläubigen in die Gemeinschaft der Geretteten zurückführt: extra ecclesia nulla salus) dagegen. Hat nicht erst die lateinische Theologie das symbolum durch die confessio ersetzt? Der durchs Bekenntnis definierte Glaube ist der Schlüssel zum Schuldverschubsystem (eine Fortentwicklung der Logik des Begriffs). Hier liegt der Grund, weshalb der Confessor ein männlicher Heiliger war (und sein Gegenstück die Virgo).
An dem Punkt, an dem das Bekenntnis aus einer Sache der Märtyrer zu einer des Confessors wird, verrät Augustinus seine namenlose Geliebte, gerät das Bekenntnis in die Zwangslogik der Männerphantasien. Das Bekenntnis, das die Herrschenden fordern, leugnet das Bekenntnis (die Zeugenschaft) des Märtyrers: Hierauf bezieht sich die Geschichte der drei Leugnungen.
Die Bekenntnislogik, das Dogma und in ihrem Kern die Opfertheologie sind Produkte der Logik der Schrift. In ihnen erfüllt sich die Schrift und nicht das Wort. Mit der Bekenntnislogik, mit dem Dogma und mit der Opfertheologie tritt die Theologie in den Prozeß der Aufklärung ein.
Deutscher Umgangston: Anonymer Hinweis an einer Mülltonne vor einem Mehrfamilienhaus „Wissen Sie nicht, daß … Sie, ja genau Sie sind gemeint“. Das Ich des deutschen Idealismus ist ein Papier-Ich.
Zu Veerkamp, Vernichtung des Baal, S. 60: Unter welchem Busch saß Jona? Und gibt es eine Beziehung zwischen Hagar, Elijahu und Jona? Hat der Busch bei Hagar, Elijahu und Jona etwas mit den Bäumen des Paradieses, unter denen Adam sich versteckte, zu tun?
Ist nicht der Polizei- und Medienaufwand um die beiden Geiselnehmer in diesen Tagen ein Indiz dafür, wie stark der Ablenkungsbedarf (das Strafbedürfnis und das Vorurteilspotential) ist?
Das Votum für die Armen und das Votum für die Fremden hängt mit den beiden getrennten Elementen der Logik des Angesichts zusammen:
– das Votum für die Fremden verweist auf den Ursprung und den Widerschein der eigenen Fremdheit in der Fremdheit des andern; es ist die reinste Reflexionsbeziehung und zugleich die Evokation der Gottesfurcht;
– das Votum für die Armen bezieht sich auf das Verhältnis von Gericht und Gnade; es ist die Evokation der Barmherzigkeit.
Zur Dialektik der Paranoia gehört es, daß sie genau das ausbrütet, wovor sie sich fürchtet; ihr Ursprung wird in Heideggers objektloser Angst bezeichnet.
Das Neutrum und die durch es determinierten Grammatiken sind die Repräsentanten der Logik der Schrift in der Sprache.
Die mathematische Logik hat in der logischen Begründung und im Begriff des Grundes noch das teleologische Prinzip und in ihm die letzte Erinnerung an den Mythos erkannt; deshalb hat sie sie aus der Logik verbannt (und mit ihr die Argumentation aus dem Denken: Ursprung des autoritären Prinzips oder auch die ironische Erfüllung der Prophetie – Jer 3134).
Als Hegel die Antinomien der reinen Vernunft aus der transzendentalen Ästhetik in die transzendentale Logik übertragen hat, hat er die Ästhetik in die Logik mit übertragen; sie erscheint hier unter dem Begriff des Scheins. -
1.11.1994
Die Spekulation verlagert die Arbeit in die Objekte: Nicht die produktive Arbeit, sondern das Vermögen in der Gestalt des Besitzes ist die Quelle des Einkommens und des Reichtums.
Die animalisierende Wirkung der Wut (das Tier und der Weltbegriff; Wut und Anpassung).
Die Geschichte der Sexualmoral ist ein Teil der Geschichte der Verinnerlichung der Scham.
In diesem Lande kommt alles darauf an, nicht zu den Verlierern zu gehören.
Die pädagogische Funktion der Verachtung der Armen: So schreckt man die Kinder von der Armut ab und weckt die Motivation, erfolgreich zu sein und „reich zu werden“.
Das Inertialsystem, der verdrängte Blick des andern und die Gardine.
Die Entzauberung der Welt war bereits das Werk des Mythos, nicht erst das der Aufklärung (Ursprung und Funktion des Tempels).
Urteilsform und Klassenkampf.
Ursprung des Fernhandels: Waren die Wikinger die Vorläufer der Hanse (und die Nomaden die der Kanaanäer)?
Gibt es eine Beziehung der sieben Sakramente zu den sieben Planeten? Sind die Sakramente gleichsam verinnerlichte Planeten, und haben sie eine vergleichbare Funktion bei der Konstituierung des Weltbegriffs?
Der Wille der Gattung unterscheidet sich vom Willen aller einzelnen wie der Raum vom Geld. Werden nicht seit Rousseau das Allgemeine und die Gattung verwechselt (Zweideutigkeit des Naturbegriffs)? Hieraus wäre Hegels Bemerkung, daß die Natur den Begriff nicht halten kann, abzuleiten. Die Identität von Gattung und Allgemeinem ist die Geschäftsgrundlage der Hegelschen Logik und des Begriffs des Absoluten (der nicht zufällig zuerst in Newtons Begriff des absoluten Raumes und im politischen Begriff des Absolutismus auftaucht). Der Begriff des Absoluten ist ohne das Stück Dezisionismus, das in Hegels „List der Vernunft“ steckt, nicht zu halten. Die Lücke zwischen der Gattung und dem Allgemeinen ist nur mit Hilfe der List (mit Gewalt und Gemeinheit) zu überbrücken: im Kontext der Vergesellschaftung von Gemeinheit und Gewalt: Die Schlange war das klügste der Tiere. Seit der Vergesellschaftung von Herrschaft gibt es keine Theologie mehr, die ungestraft die Idee der Barmherzigkeit vernachlässigen darf. Vor diesem Hintergrund ist Christina von Brauns „Nicht-Ich“ ein theologisches Buch.
Die Logik des Raumes entspringt der gleichen Verwandschafts-Logik, die wirksam wird, wenn einer die Schwägerin seines Vaters heiratet (die dann ihre eigene Tante wird, mit eingebautem progressus in infinitum). Ist nicht der Raum der Inbegriff der Unzucht (und beziehen sich die einschlägigen Gebote der Tora auf diesen Raumbegriff)? Und verweist nicht das Rousseausche Inzucht-Motiv (und seine Beziehung zum modernen Naturbegriff) auf diesen Sachverhalt?
Mit der Abstraktion vom Gegenblick (vom Angesicht) abstrahiert das Inertialsystem (dessen Kern die mathematische Raumvorstellung: die subjektive Form der äußeren Anschauung, ist) von der Scham. Ausdruck dessen ist der Begriff der Materie. – Hat nicht der hieros gamos etwas mit dem Ursprung der Raumvorstellung zu tun? Ist der Raum eine Konstruktion, zu dessen Elementen die Logiken der Schrift und des Geldes gehören? Die Logik des Geldes repräsentiert den technisch-praktischen Anteil (den dynamischen Anteil), der der Mechanik (den linearen Prozessen) zugrundeliegt, die Logik der Schrift das Vorgegebene, Schicksalshafte (den mathematischen Anteil): das Moment der Fläche, der „Ausbreitung“ im Raum. Die Geometrie verdankt sich der Logik der Schrift, die Mechanik der des Geldes.
Zur Vorgeschichte der Mechanik gehört nicht die Philosophie, sondern die der Theologie und des Mythos (die Geschichte des Tempels: die Geschichte der Architektur endet im Inertialsystem).
Das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit und die Plancksche Strahlungsformel sind die letzten Folgen des Dingbegriffs.
Gehören nicht die Gott-, Welt- und Menschenbilder zu den Produkten der Logik der Reproduzierbarkeit, deren Grund das Inertialsystem ist (die Physik ist das Produkt der Spiegelung der Welt am Inertialsystem)?
Deus fortior me: Sind die Gedanken wirklich frei? Die Idee des freien Denkens verdankt sich dem Schein, daß das Denken von der Sprache sich trennen läßt. Die Probleme gleichen denen, die entstehen, wenn man die Sprache von den Dingen trennt. Die Idee des freien Denkens gründet in der List der Vernunft, in der Abstraktion vom Schuldzusammenhang; sie ist selber der Grund der Idee des Absoluten, in der der gesellschaftliche Schuldzusammenhang sich reflektiert.
Die rätselhafte Ursprungsgeschichte der Grammatik.
Verschärft sich das Historismus-Problem heute nicht in der Einführung des Generationen-Konflikts?
Ist nicht das Inertialsystem eine negative Utopie, deren Gründe und Folgen einmal unter dem Begriff des horror vacui reflektiert worden sind?
Daß Boden, Arbeit und Geld zur Ware geworden sind, heißt auch, daß sie tauschbar geworden sind, daß sie den Besitzer wechseln können: daß sie als herrenloses Gut vorgestellt werden können, und daß es Menschen geben kann, die von allen dreien entblößt sind. Schlägt nicht Hegels Dialektik von Herr und Knecht heute auf das System der Bedürfnisse durch: Die gleichen Bedürfnisse, die dieses System hervorgetrieben haben, werden heute vom System wieder ausgeschieden: sie werden zum Abfall des Systems (vgl. Hegels Bemerkung in seiner Rechtsphilosophie). Auch das berührt sich mit dem Problem der technischen Reproduzierbarkeit: Das System der Bedürfnisse reproduziert sich im System und hat sich selbst überflüssig gemacht.
Wird nicht heute – im wörtlichen Sinne – den Menschen das Fell über die Ohren gezogen?
Heute wäre es erstmals möglich, die materiellen Grundlagen zu Ulrich Sonnemanns „Land der unbegrenzten Zumutbarkeiten“ zu analysieren (unter dem Titel: Der Positivismus als Rechtfertigungsmaschine).
Steckt in dem Satz, daß man Ochs und Esel nicht gemeinsam pflügen lassen darf, nicht der Ansatz einer Kritik der Astronomie (der Hinweis auf die Differenz von Mechanik und Gravitation: von Joch und Last)? Haben Ochs und Esel etwas mit dem Binden und Lösen zu tun?
Ist die Feste des zweiten Tages, wie auch die Schicksalsidee, die darin enthalten ist, eine Vergegenständlichung, Verkörperung des Selbsterhaltungsprinzips? Und bezieht sich darauf das Wort: Was du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst sein? (Ist der biblische Staub ein Symbol der Subjektivität?)
Die Schrift induziert das Prinzip der Selbsterhaltung ins Wort.
Die neue Unübersichtlichkeit: Diese, und nicht mehr nur die alte Unmündigkeit, ist nach einem kantischen Diktum „selbstverschuldet“.
Drewermann leidet u.a. an einem Nestbeschmutzersyndrom: Er hätte gern eine heile Welt, eine Welt, in der alle Ängste nur psychologisch (und damit therapierbar) sind. Ein solche Welt wäre nicht mehr kritisierbar; aber sie wäre auch das Produkt der Unterwerfung unter die Gewalt. Er verschiebt das Problem aus der Welt ins Subjekt. Darin gründet sein Begriff der Religion (und seine Kritik- und Konfliktunfähigkeit, sein katholische Erbteil). -
12.10.1994
In seiner Bemerkung über das Licht (in der Naturphilosophie) hat Hegel das entscheidende Moment, durch das das Licht vom Raum, den es hell macht, wie auch von der Finsternis sich unterscheidet, vergessen oder verdrängt: den Blick des andern, den er zu einem Moment des Begriffs, des Allgemeinen, verdinglicht. Die kantischen Antinomien sind der transzendentallogische Ausdruck dieses Blicks.
Ist nicht der Naturbegriff das Feigenblatt der Zivilisation, und der Weltbegriff der Rock aus Fellen? (Und ist der Naturbegriff die Ursprungsgestalt des Tieres aus dem Meere: mit zehn Hörnern und sieben Köpfen; der Weltbegriff die des Tieres vom Lande: es hat zwei Hörner wie ein Lamm und redet wie ein Drache?)
Das Schicksal und die Scham sind die Konstituentien des modernen Naturbegriffs. Gegen die Konstruktion und den Gebrauch des Naturbegriffs steht das Wort, daß man nicht mit einem Rind und einem Esel zusammen pflügen soll (Dt 2210).
Die kantische Vernunftkritik ist ein erster Versuch, die (verbotene) Verknüpfung von Rind und Esel zu lösen.
Der johanneische Logos schließt den Imperativ mit ein, in den prophetischen Symbolen das sprachliche Element zu begreifen. Aber was bedeutet dann der Satz, daß man das Böckchen nicht in der Milch seiner Mutter kochen soll (Ex 2319)? Hängt dieser Satz zusammen mit dem über das Rind und den Esel (verhalten sich beide zueinander wie das Weibliche und das Männliche)? Hat der Bock etwas mit dem Lamm zu tun, und ist die Milch seiner Mutter die Tora? Und richtet sich das Verbot u.a. gegen die Opfertheologie (und gegen den Antijudaismus)?
Bedingungen des Christentums: Der Naturbegriff bindet Ochs und Esel zusammen vor einen Pflug, der Weltbegriff kocht das Böcklein in der Milch seiner Mutter? Was bedeutet es, wenn die Erstgeburt des Esels durch ein Lamm ausgelöst werden sollte?
Erwecken unsere Politiker (und ihre politische Klientel) nicht gelegentlich den Eindruck, daß sie immer noch nicht begreifen, warum wir die Juden nicht haben umbringen dürfen, und verhalten sie sich nicht so, als läge der einzige Grund, der gegen das entsetzliche Verbrechen spricht, im Sieg der Weltmächte, die seitdem (mit der Legitimation des Sieges) die Quelle unseres „Gewissens“ sind? -
11.10.1994
Nicht „Nach uns die Sintflut“, sondern „Nach uns der Urknall“ (der in der derzeitigen Entwicklung der Moral sich ausbildet und heranreift) bezeichnet den gegenwärtigen Weltzustand.
Zu dem Satz „Gemeinheit ist kein strafrechtlicher Tatbestand“ gehört der andere: Juristische Personen können nicht festgenommen und nicht in Haft genommen werden.
Was haben juristische mit ästhetischen Personen gemeinsam (ein Beitrag zum Problem des Ursprungs des Objektbegriffs und zum Begriff der Ästhetik)? Juristische Personen sind Objekte im Geldraum; diesen aber gibt es, seit es Schulden gibt. Was war eher da: Schulden oder Privateigentum?
Oder: Institutionen sind Vorläufer und Entsprechungen des Inertialsystems.
Im Begriff des Scheins zitiert Hegel das Inertialsystem (gegen das er die List der Vernunft setzt), und mit diesem Begriff dringt die Ästhetik in Hegels Logik ein (Folge der Transposition der Antinomien der reinen Vernunft aus der transzendentalen Ästhetik in die transzendentale Logik).
Der Begriff einer unsterblichen Seele ist ein Produkt der Logik der Schrift und zugleich der reinste Ausdruck des Schreckens: Ursprung der Höllenvorstellung. Ist die Hölle nicht der Erbe der verdrängten und zugleich christlich verdinglichten „Unheilsprophetie“, und hat nicht der Antijudaismus im Bild des Juden seit je die arme Seele als Teufel angesehen?
Käme es nicht heute darauf an, den Begriff des Glaubens aufzulösen und den der Treue wiederzugewinnen: die Wahrheit aus der Theorie in die Praxis zurückzuholen?
Der Hinweis Emmanuel Levinas‘, daß die Attribute Gottes nicht im Indikativ, sondern im Imperativ stehen, wäre zu erweitern: Auch der Indikativ gewinnt durch seine Anwendung auf Gott imperativische Bedeutung und Funktion, und genau darin liegt das Verführungspotential einer Theologie hinter dem Rücken Gottes.
Ist nicht die Idee des Absoluten eine Vergegenständlichung des imperativen Charakters der Attribute Gottes (die so ihres Inhalts beraubt, formalisiert und für weltliche Herrschaftszwecke verfügbar gemacht werden); oder ist nicht die Idee des Absoluten die Vollendung dessen, was Paulus das Gesetz nennt?
Greuel am heiligen Ort: Der Grad der Vergesellschaftung von Herrschaft ist ein Maß für die Nähe des Gottesreichs.
Wie wäre es mit dem schönen Titel: Die Rückseite Gottes? Weder Angesicht, noch Name: Die Rückseite Gottes ist das Feuer.
Müßte nicht die raf die Sünde des Paulus zurücknehmen (verweist vielleicht der „Stachel im Fleisch“, von dem Paulus in 2 Kor 127 spricht, auf diese „Sünde“: seinen niemals öffentlich bekannten Anteil an dem Tod des Stephanus)? Und gründet nicht beides in der opfertheologischen Verarbeitung des Kreuzestodes (Grund jeglicher Apologetik)? Ist nicht das paulinische Bekenntnis, er habe vor seiner Bekehrung „die Kirche verfolgt“, zu abstrakt im Hinblick auf seine Rolle beim Tod des Stephanus; und ist dieses „Bekenntnis“ nicht das Modell der kirchlichen Apologetik im Anblick ihrer eigenen Vergangenheit?
Haben die sieben Köpfe des Drachen und des Tieres aus dem Meer etwas mit den sieben unreinen Geistern und den sieben Siegeln zu tun?
Was heißt „Roß und Reiter nennen“? Der Ausdruck ist gleichbedeutend mit dem Wort „die Dinge beim Namen nennen“. Hat das etwas mit dem „feurigen Wagen mit feurigen Rossen“ (2 Kön 211) und mit dem Schrei des Elisa „Wagen Israels und sein Reiter“ (ebd. 212) zu tun? -
9.10.1994
„Das Wesen der Sprache wäre demnach Verantwortung“ (Levinas, Vier Talmud-Lesungen, S. 40). Was heißt „Verantwortung“? Die beiden Bücher der Chronik gehören – wie Rut und Ester, Daniel, Esra und Nehmias – zu den „Schriftwerken“, während die Bücher Josua, Richter, Samuel und Könige zu den „Büchern der Geschichte“ gehören.
Die Medien sind zu Riten der Vereinigung mit der Welt geworden (insbesondere das Fernsehen; Computerspiele: Initiationsriten des Apparats). War nicht die unio mystica seit je ein Instrument der Säkularisation?
Rekonstruktion der Sprache aus ihrer Beziehung zum gesellschaftlichen Schuldzusammenhang? Ist es nicht die Sprache, die von der Last befreit, indem sie sie auf sich nimmt?
Die Verschiebung vom Nomen zum Substantiv, vom Namen zum „Hauptwort“, ist die letzte Konsequenz der Unterwerfung der Sprache unter die Logik der Schrift. Läßt sich hierauf nicht das „O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz bedeckt mit Hohn“ beziehen: Reflex der Verwandlung des Verbs ins Prädikat, in den Begriff? Und ist der bestimmte Artikel, der das Nomen zum Hauptwort macht, die Dornenkron‘, die das Substantiv zum Substantiv gemacht hat?
Pilatus: Die Ontologie ist der Statthalter des Inertialsystems in der Sprache.
Die Theologie hinter dem Rücken Gottes macht nicht nur Ihn zum Autisten, sondern – durch das Gesetz, wonach alle Attribute Gottes Imperative sind – auch die Gläubigen. War das nicht der eigentliche Zweck der Sache?
Unter diesem Aspekt – daß die Attribute Gottes Imperative und keine harmlosen Indikative sind – die Trinitätslehre und die Opfertheologie untersuchen: Problem der Anwendung der Objektivationslogik auf Gott und ihrer Wirkungen. Hier bleibt einem das Wort von der „Rede von Gott“ (bei der Theologen wohl nur an die Predigt denken) nicht im Halse stecken?
Ist nicht der Weltbegriff, der zwangsläufig die Idee des Absoluten nach sich zieht, in sich selbst blasphemisch?
„Fremdwörter“: Ich vermute es gibt Leute, die Religion für ein deutsches Wort und Theologie für ein Fremdwort halten. (Aber ist nicht in der Tat Theologie nur innerhalb des Christentums, in der Religion des Logos, erlaubt und möglich?)
Ist nicht die Differenz zwischen der griechischen und lateinischen Theologie u.a. darin begründet, daß der Logos maskulin und das Verbum neutrum ist? Und spielt dieses Differenz nicht in die Beziehung von physis und natura, kosmos und mundus, mit herein? Das neutrale Verbum ist bereits Ausdruck der Einbeziehung des Logos ins imperiale Herrendenken. Der byzantinische Pomp ist eine Ersatzbildung für das fehlende logische Äquivalent des Herrendenkens in der Sprache, das erst im Lateinischen sich bildet.
Autonomie ist das Ziel, aber sie ist nur durch das Votum für die Armen und die Fremden hindurch zu gewinnen.
Bezeichnet nicht die List der Vernunft bei Hegel die Stelle, an der bei Carl Schmitt der dezisionistische Souveränitätsbegriff und bei Heidegger die Entschlossenheit und das Vorlaufen in den Tod steht? Ist nicht Hegels List der Vernunft ein Produkt der Instrumentalisierung der Umkehr? Die Unterscheidung von Begriff, Urteil und Schluß hat die drei Dimensionen des Raumes (ihre Anwendung auf die Sprache) zur Grundlage und gehört zu den Konstituentien des Objektbegriffs.
Schließt nicht die adamitische Benennung der Tiere die des Tierkreises mit ein? Und gehört die Geschichte der Astrologie zur Geschichte des Ursprungs der Schrift (und hängt sie zusammen mit der Bildung des Neutrum und dem Ursprung der indogermanischen Sprachen?
Was bedeutet es eigentlich für die logische Struktur des Staates, wenn es keine Alternative mehr gibt zur strafrechtlich abgesicherten Beschneidung der „Freiheit der Rede“ (Leugnung von Auschwitz)? Kann es überhaupt noch einen Staat geben, zu dessen Vergangenheit ein Verbrechen wie Auschwitz gehört? Welche Nachwirkungen hat dieses Verbrechen:
– für eine Justiz, die nicht fähig war, ihren eigenen Anteil daran aufzuarbeiten, die sich selbst zum Apparat: und damit für unzurechnungsfähig und im Entscheidenden für schuldunfähig erklärt hat,
– für eine Politik, die durch ihre eigenen Rechtfertigungszwänge sich gezwungen sieht, Entscheidungen, die sie nicht mehr zu fällen in der Lage ist, an die Justiz, die für ihre Entscheidungen nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden kann, zu delegieren?
Gibt es eine Beziehung (oder sogar eine funktionale Abhängigkeit) zwischen dem Wert der Lichtgeschwindigkeit und der Gravitationskonstanten? Und kann es sein, daß diese Beziehung zu den Gründen der Bewegungen des Himmels und der Sterne gehört?
Hinweis zur Geschichte der Vergesellschaftung von Herrschaft: Der kopernikanischen Wende in den Naturwissenschaften ist die konstantinische Wende in der Theologie (der Rezeption des Weltbegriffs in der Theologie mit der Folge der trüben Vermischung von Gotteserkenntnis und Herrschaftsmetaphorik, insbesondere im Begriff des Absoluten) vorausgegangen. Die aufklärerische Bedeutung der Naturwissenschaften liegt darin, daß sie, indem sie die Herrschaftsmetaphorik in sich aufgesaugt hat, diese für theologische Zwecke unbrauchbar gemacht hat. -
8.10.1994
Die gemeinschaftsbildende Kraft des Gesangs gründet in der Bekenntnislogik.
Dritte Leugnung: Die Welt ist ein System aus lauter Stellvertretungen. Das weltliche Sein ist ein Sein-für-Anderes: Was sind dann Welt-Religionen? Mit dem Konzept eines stellvertretenden Leidens (dem Modell des naturwissenschaftlichen Experiments) ist der Sündenfall zum Zentrum der Theologie geworden (ist die Theologie zum Selbstverständnis einer instrumentalisierten Religion, einer Religion für andere, geworden).
Hegels Kritik der kantischen Antinomien wird widerlegt durch sein Konstrukt, wonach einerseits die Idee die Natur frei aus sich entläßt, andererseits aber die Natur den Begriff nicht halten kann. Darin setzen sich die gleichen Widersprüche wieder durch, die zuvor angeblich im Begriff sich aufgelöst haben. Hier gewinnt der kantische Versuch, die Begriffe Welt und Natur (nicht zufällig im Zusammenhang der Antinomie der reinen Vernunft) zu definieren, eine ungeheure Bedeutung. Die Idee des Absoluten, mit der Hegel sich selbst gefesselt hat, macht es ihm dann unmöglich, den Einsatzpunkt, den er selbst notiert und benennt, wirklich zu nutzen: In der Unterscheidung des Lichts von den Bedingungen seiner Fortpflanzung im Raum liegen die Elemente einer Kritik des Inertialsystems schon vor Augen.
Wenn bei Hegel die Idee die Natur frei aus sich entläßt, so liegt dem, ähnlich wie in der späteren physikalischen Konstruktion des Urknalls, schon die logische Gewalt des Inertialsystems zugrunde. Die Hegelsche Logik insgesamt ist durch das gleiche Inertialsystem vermittelt, das heute in der naturwissenschaftlichen Erkenntnis sich entfaltet hat. Dieses Inertialsystem ist das Korrelat des prophetischen Kelchsymbols.
Im Verhältnis der Kopenhagener Schule zu Einstein reflektiert sich wie unter einem Wiederholungszwang das unaufgelöste Problem der Beziehung von Hegel zu Kant. Schlüsselfunktion hat in beiden Fällen die Unfähigkeit zur Herrschaftskritik.
Hat das Christentum, als es die Philosophie überboten hat und die Scham internalisierte, nicht auch den Fluch internalisiert? – Hierzu vgl. den Ursprung des Dingbegriffs in der Opfertheologie. -
7.10.1994
Haben das Buch des Lebens und der Baum des Lebens (der mit dem Sündenfall von der Welt getrennt worden ist) etwas mit einander zu tun? Ist es nicht die Prophetie, die sich ins Buch des Lebens einschreibt?
Die Logik der Schrift ist die Urteilslogik; durch sie wurden Natur und Welt getrennt.
Die „fortgeschrittenen“ Zweige der Naturwissenschaften sind heute ebensosehr empirisch wie sie zugleich den vergeblichen und – aufgrund des ihnen innewohnenden Wiederholungszwangs – aussichtslosen Kampf gegen den blinden Fleck führen. Es käme darauf an, den Zirkel (und das logische Gravitationsfeld), in dem sie sich bewegen, zu analysieren und aufzulösen.
Wer heute sagt „Ich bin doch nur ein kleines Rädchen“, den trifft die Frage Gottes: „Wer hat dir gesagt, daß du nackt bist?“
Die Nacktheit ist die Nacktheit des Andern gegenüber allen Andern. Den Ursprung dieser Nacktheit benennt Hegels Satz: Das Eine ist das Andere des Anderen. Nacktheit ist der Reflex des Weltbegriffs in allen weltlichen Dingen. Deshalb sind Tatsachen nackt.
Wenn heute die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und das Mobbing immer deutlicher ins Feld der Aufmerksamkeit rücken, so verweist das zugleich auf einen strukturellen, systematischen Sachverhalt: Sie sind ein Indiz für den historischen Zustand der Welt.
Der Begriff Kollektivscham ist ebenso unverschämt wie schamlos. Zu ihm paßt das Wort des Bundeskanzlers: Es gibt Wichtigeres als Solingen.
Die Externalisierung der verinnerlichten Scham ist vergleichbar jenem Prozeß, in dem die Außenwelt bewußtlos und ungehindert in alle Manifestationen der Religion (der Kirche) eindringt, sie durchsetzt, überwuchert und verformt. Die Verweltlichung der Kirche erreicht heute den Stand der Selbstverfluchung.
Die Kollektivscham ist der Unzuchtsbecher.
Ist nicht die Apokalyptik eine Gestalt der Prophetie, in der sie selber nochmals der Logik der Schrift unterliegt, was sie in ihren avanciertesten Gestalten selber reflektiert. Ihr Antlitz bleibt durch das Erleiden des Zwangs entstellt. Diese Entstellung aber ist wahrer als ihre Neutralisierung durch die Person.
Ohne Ansehen der Person: Die ungeheure Wahrheit dieses Wortes: das Angesicht ist ohne Ansehen der Person.
Die die Apokalyptik bewegende Kraft ist der Wunsch nach Enthüllung des Angesichts.
Nicht „die Juden sind Gottesmörder“, sondern im Kreuzestod erfüllt sich die Schrift. Rückt nicht der ganze Paulus in ein anderes Licht, wenn in seiner Kritik des Gesetzes die Kritik der Logik der Schrift erkennbar wird?
Das Dogma gehört zum Kelchsymbol. Das Wort „Vater, wenn es möglich ist, laß diesen Kelch an mir vorübergehen“ gilt nicht zuletzt auch für das Dogma. Nur in diesem Kontext ist das Dogma ein Teil des Willens des Vaters.
In welcher Beziehung steht der Name des Vaters zum Problem der Logik der Schrift? Zum Namen des Vaters (zur Widerlegung der homousia) gehören:
– Getsemane (Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe),
– „den Tag und die Stunde kennt niemand, auch nicht der Sohn, nur der Vater“,
– nicht der Sohn, sondern der Vater vergibt die Plätze zur Linken oder Rechten des Sohns,
– „Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist“.
Der Name des „dunklen Mittelalters“ ist durchaus projektiv: Das Dunkle am Mittelalter ist das Verdrängte des verdinglichten Bewußtseins (die opfertheologische Vorgeschichte des Objektivierungsprozesses). Die Aufklärung des Mittelalters rührt an die dunklen Gründe der säkularen Zivilisation.
Das Mittelalter ist die Geschichte des Ursprungs des Objektbegriffs; der Objektbegriff ist ein Produkt der Logik der Schrift: Mit dem Abstraktionsschnitt, den Schrift vollzieht, entspringt der Objektbegriff. Der Mechanismus, dem die Konstitution des Objektbegriffs sich verdankt, ist durch die kantische Vernunftkritik erstmals ins Bewußtsein gehoben worden.
Die Verinnerlichung des Schicksals (der Ursprung des Begriffs) und die Verinnerlichung der Scham (der Ursprung des Objektbegriffs) bezeichnen die Phasen der Geschichte der Logik der Schrift. Gegen die Schicksalsidee und seine Folgeprodukte, die Herrschaftsstrukturen, richtet sich das Hören, das dann nicht zufällig als „Gehorsam“ in diese Herrschaftsstrukturen wieder eingebunden worden ist.
Die Logik der Schrift hat die Prophetie von ihrem Aktualitätsbezug getrennt; hier liegt der Grund, weshalb dieser Aktualitätsbezug im kirchlichen Antijudaismus auf die Juden verschoben werden mußte: Nur so war es möglich, sich selbst aus diesem Aktualitätsbezug (aus der „Unheilsprophetie“) herauszustehlen. Zu den Folgekonstrukten gehörten insbesondere die Opfertheologie und die Lehre von der „Entsühnung der Welt“.
Zusammen mit der Entwicklung der Raumvorstellung hat die Logik der Schrift zur Totalität sich entfaltet.
„be-“ ist das Präfix der Vergegenständlichung, „zer-“ das der Zerstörung durch andere, „ver-“ das der Selbstzerstörung, der Zerstörung einer Sache durch ihr eigenes Anderssein.
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