Die „an sich seiende Wirklichkeit“, auf die sich das Handeln bezieht, ist „eine absolute Vielheit der Umstände, die sich rückwärts in ihre Bedingungen, seitwärts in ihrem Nebeneinander, vorwärts in ihren Folgen unendlich teilt und ausbreitet. – Das gewissenhafte Bewußtsein ist dieser Natur der Sache und seines Verhältnisses zu ihr bewußt …“ (S. 472) Die Umstände bilden demnach eine Fläche, keinen Raum: Das Oben ist durchs Selbstbewußtsein besetzt, unten ist das Objekt.
Zur Geschichte des Empirismus gehört es, daß das Bewußtsein, das in der Erkenntnis dabei sein will (Hegel: Enzyklopädie, S. 38, 64), am Ende daraus verschwindet, nachdem die Welt (Hegel: die Substanz) zum Subjekt der (vergesellschafteten) Erkenntnis geworden ist.
Das Tauschprinzip verwandelt die Gesellschaft in eine anorganische Natur (ohne die es eine „organische Natur“ nicht gibt) und begründet so die Erkenntnis der „anorganischen Natur“, das Inertialsystem.
Hegel
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20.02.94
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19.02.94
Muß Hegel nicht den göttlichen Zorn leugnen (Ph.d.G., S. 564), um das Weltgericht begründen und rein herausarbeiten zu können (um nicht sehen zu müssen, daß das Jüngste Gericht nicht das Weltgericht ist, sondern das Gericht der Barmherzigkeit über das gnadenlose Weltgericht, dem auch Hegels Philosophie verfallen ist, und der göttliche Zorn eine Manifestation dieser Barmherzigkeit)?
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18.02.94
Die Frage, was es mit der „Leberverfettung“, die er bei der Ultraschall-Untersuchung festgestellt hatte, auf sich habe, beantwortete der Arzt heute nur mit dem Hinweis, es sei eine allgemeine Wohlstandserscheinung. D.h. er ließ die Frage, die auf mögliche gesundheitliche Auswirkungen sich bezog, unbeantwortet. Seine Antwort unterstellte, daß Normabweichungen Schuldgefühle hervorrufen, daß diese hier aber unerheblich seien, da es sich um eine allgemeine Erscheinung handle (die Leberverfettung ist nur medizinisch eine Normabweichung, nicht aber gesellschaftlich). – Welche Vorstellung haben diese Ärzte eigentlich von ihren Patienten, und welche Erfahrungen machen sie mit ihnen: kann es sein, daß es den Patienten heute vorrangig um den Abbau von Schuldgefühlen geht und nicht um das Menschenrecht, über ihre gesundheitlichen Probleme informiert, sachgemäß therapiert und am Therapieprozeß selber beteiligt zu werden? Und konvergiert das nicht mit der Absicherung des Interesses von Ärzten, den Patienten aus der Therapie herauszuhalten, ihn auf die reine Objektrolle zu fixieren, vom Therapiebedürfnis abzulenken, um dann umso ungestörter dem Eigeninteresse an einer möglichst umfassenden Nutzung aller abrechnungsrelevanten Untersuchungen, die sich aus der Symptomlage ableiten lassen, nachgehen zu können?
Die Unterscheidung von Ding und Sache (Grund der modernen europäischen Sprachen und Institutionen) ist durchs kirchliche Christentum (durch Dogma und Bekenntnislogik) vermittelt. Im Lateinischen waren beide noch ungeschieden in der res enthalten (wie im Griechischen im pragma). Liegt nicht das kantische Ding an sich in der Linie der Konsequenz der mittelalterlichen katholischen Eucharistie-Verehrung (und diese in der opfertheologischen Umformung der res publica)? Läßt nicht das Spezifische der Hegelschen Logik an der zentralen Stellung des Dingbegriffs in ihr (und seiner Beziehung zur Logik des Dogmas) sich entfalten? Zum Verhältnis von Ding und Eigenschaft (zum hypostasierenden, verdinglichenden Denken) gibt es weder in der griechischen Philosophie noch in der lateinischen Theologie eine Entsprechung. Die logische Ableitung dieses Verhältnisses, deren Voraussetzung die kantische Erkenntniskritik als Transzendentalphilosophie geschaffen hat, war erst im Kontext der Hegelschen Logik möglich, die durch den Dingbegriff den Rahmen einer bloßen Urteilstheorie gesprengt, zugleich aber den mit der Opfertheologie in der Theologie selber initiierten Säkularisationsprozeß zu Ende geführt hat.
Hat das „dritte Bewußtsein“ (Ph.d.G., S. 399) etwas mit der dritten Leugnung (dem Eindringen der Umstehenden, der Welt, auf Petrus) zu tun? Ist das Ziel der Aufklärung das Wissen fürs dritte Bewußtsein (Beweislogik und Zeugenschaft): ein Wissen, dessen Subjekt die Welt ist (Begriff der Wissenschaft)? -
15.02.94
„Im Denken bin ich frei.“ (Ph.d.G., S 156) Genau darin gründet der Schein der Hegelschen Philosophie, während im Kontext der Erkenntnis wirkliche Freiheit in der Fähigkeit zur Schuldreflexion gründet (als Freiheit von Rechtfertigungszwängen).
„Das unglückliche Selbstbewußtsein entäußerte sich seiner Selbständigkeit und rang sein Fürsichsein zum Dinge heraus.“ (S. 260) – Ist das nicht die präzise Beschreibung des Ursprungs des Dingbegriffs in der mittelalterlichen Eucharistieverehrung und des Zusammenhangs des Dogmas (Trinitätslehre, Christologie und Opfertheologie) mit dem Ursprung des modernen Ding- und Objektbegriffs?
Hegels Philosophie war nur auf der Grundlage einer vom Tauschprinzip durchdrungenen und beherrschten Welt möglich: einer auf der Grundlage des Eigentumsprinzips organisierten Welt (und d.h. einer staatlich organisierten Welt).
Fällt die Unterscheidung von Welt und Natur nicht schon in die Hegelsche Philosophie: als Unterscheidung von An sich und Für uns?
Aufgrund der Beziehung des Seins zum Seinen ist die Fundamentalontologie unausweichlich nationalistisch und antisemitisch zugleich. Sie verkörpert den Anspruch: „Denn heute gehört uns Deutschland, und morgen die ganze Welt.“
War nicht das Seiende, der Gegenstand der Philosophie seit ihrem Ursprung, seit je „herrenloses Gut“, durch Philosophie anzueignen (und zu zivilisieren)?
Es bezeugt den verworfenen Zustand der Theologie, wenn es bis heute keinem Theologen aufgegangen ist, was es mit dem Hegelschen Verständnis des Christentums und der Trinitätslehre (wie sie zuerst in der Gestalt des unglücklichen Bewußtseins sich ausdrückt) auf sich hat.
Beschreibt nicht die Philosophie den Flucht- und Aggressionsweg der Angst vor den im Mythos verkörperten Ängsten vor der Offenbarung? Und endet dieser Weg nicht wieder im (fundamentalontologischen) Mythos: in der objektlosen Angst und der antwortlosen Frage Heideggers?
Tiere sind Verkörperungen der Instrumentalisierung (des Weltbegriffs) und der davon nicht zu trennenden Rücksichtslosigkeit. Deshalb orientiert sich die Artenbildung an den Prinzipien der Flucht und des Angriffs. Die Rücksichtslosigkeit ist ein Sinnesimplikat des Organischen (auch in der Gesellschaft).
Wie hängt das Auf-dem-Bauche-Kriechen mit dem Staubfressen (und das Staubfressen der Schlange mit dem Feuerspeien des Drachens) zusammen?
Weshalb ist die Schlange das klügste aller Tiere, und war sie nicht (neben Bileams Esel) das einzige Tier der Bibel, das sprechen konnte? (Haben die Evangelien nicht mehr mit dem Bileam zu tun, als man auf den ersten Blick erkennt, und ist das etablierte Christentum nicht an der Sünde Bileams erkrankt?)
Die Philosophie sind die Wasser, die den Meeresboden bedecken, und die Elohim haben die großen Meeresungeheuer geschaffen. Der Engel Elohims hatte Abraham aufgefordert, seinen einzigen Sohn zu opfern, der Engel JHWHs hat ihn dann von der Ausführung der Tat abgehalten. -
13.02.94
Grund der Unterscheidung von „Kraft und Verstand, Erscheinung und übersinnliche Welt“ in der „Phänomenologie des Geistes“ ist die von Hegel undurchschaute Beziehung der Begriffe Natur und Welt.
„Mit dem Ineinanderfallen aber verlieren die Gesetze ihre Bestimmtheit; das Gesetz wird immer oberflächlicher, und es ist damit in der Tat nicht die Einheit dieser bestimmten Gesetze, sondern ein ihre Bestimmtheit weglassendes Gesetz gefunden; wie das eine Gesetz, welches die Gesetze des Falles der Körper an der Erde und der himmlischen Bewegungen in sich vereinigt, sie beide in der Tat nicht ausdrückt.“ (Ph.d.G., S. 121) Hier (wie generell in seiner Naturphilosophie) unterschätzt Hegel die Gewalt des Inertialsystems, die er nicht wahrhaben darf, ohne seiner eigenen Philosophie den Grund zu entziehen: den Weltbegriff als Grund des Absoluten.
Wäre nicht die Wirkung des newtonschen Gravitationsgesetzes: die Gleichnamigmachung des Ungleichnamigen, endlich an der politischen Ökonomie des modernen Staats, in der sie gründet (und dessen Begriff mit der Trennung von Ding und Sache entspringt), zu demonstrieren? -
06.02.94
Das sic et non kommt der Wahrheit näher als das sic vel non: Im Hinblick auf den Bereich der Wahrheit gelten das Urteil und das Widerspruchsprinzip nur mit Einschränkung.
Die Geschichte des Weltbegriffs (die hegelsche Geschichtsphilosophie) ist die Geschichte der Stellung des Bewußtseins zur Objektivität. Sie ist ein Teil der Herrschaftsgeschichte, die ihr Zentrum ist.
Wie hängen die „gegenständlichen“ Begriffe Barbaren, Welt, Natur und Materie, die zum Begründungszusammenhang der Philosophie gehören, mit der Gemeinheit und mit den Grenzen der Beweislogik zusammen? Machen sie nicht durch ihr projektives Moment (durch ihre systembegründende Redundanz) die Grenzen der Beweislogik unsichtbar, und deshalb (als Rücksichtslosigkeit: als Gemeinheit nach außen) umso wirksamer? – Deshalb ist die Justiz (und mehr noch die Polizei) tendentiell ausländerfeindlich. Und deshalb ist sie tendentiell nationalistisch und spricht das Recht „im Namen des Volkes“.
Gemeinheit ist keine Frage der Zwecke, sondern eine der Mittel: Grundprämisse einer Kritik der Verwaltung (einschl. der verwalteten Ökonomie: auch das Geld reinigt nicht seine Objekte).
Heute nutzen die Menschen die Schlechtigkeit der Welt, die ihnen aus diesem Grunde wie nichts sonst gelegen kommt, zur Rechtfertigung ihrer eigenen. Hier ist den Medien die neue apokalyptische Aufgabe erwachsen (Lieferung von Drachenfutter).
Sind Urknall und Schwarzes Loch nicht auch Modelle zur Erklärung
a. wirtschaftlicher Vorgänge (Stichwort: Export und Reimport der Armut als Grundlage der „Schöpfung und Erhaltung“ von Reichtum, oder: die Selbstzerstörungskräfte des „reinen Marktes“) und
b. von Einrichtungen der Medien (Urknall: Radio, und Schwarzes Loch: Fernsehen),
insgesamt: realsymbolische Modelle gesellschaftlicher Naturkatastrophen? -
01.02.94
Zu Jer 3137: Die Astronomie als Initiationsritus der Zivilisation.
Das Tier ist das Realsymbol jeden Idealismus. Und die Bedrohung des Subjekts durch das Tier ist primär weder die durch den animalischen (sexuellen) Trieb, noch die physische (die animalische Aggression), sondern die durch den Idealismus. Die Stummheit des Tieres ist die Stummheit des Idealismus und der Welt.
Je auswegloser die moralische Ohnmacht (die Verstrickung in die Verhältnisse), umso stärker die Rechtfertigungszwänge, und umso stärker die Projektions- und Strafbedürfnisse (das Bedürfnis nach moralischer Empörung: deshalb beriefen sich die Nazis auf das „natürliche Rechtsempfinden“ des Volkes, Produkt der Instrumentalisierung der moralischen Empörung).
Zum Grund der Unterscheidung der primären und sekundären Sinnesqualitäten: pecunia non olet.
Bezeichnet die Unterscheidung zwischen der Buhlerei Israels und den kanaanäischen Baalen und der mit den großen Nachbarstaaten (Ägypten, Assur, Babylon) – vgl. Ez 1623 – nicht einen ganz entscheidenden Sachverhalt: die kanaanäische Buhlerei war die der Händler, die es allen recht machen mußten (Silvia Schroer S. 179).
Der Weltbegriff bewirkt eine schleichende Neutralisierung der Religion (deshalb kennen wir einen anderen Begriff der Religion schon nicht mehr), er macht sie verwaltungsfähig. Die episkopale Kirchenverfassung ist eine Konsequenz aus der Rezeption des Weltbegriffs (aus der Rezeption eines aus dem Eigentumsprinzip abgeleiteten Selbst- und Weltverständnisses): aus der Verwerfung von Joh 29.
Ist nicht die Hegelsche Philosophie, indem sie die Dinge auf ihr Anderssein reduziert, die Spiegelschrift der Wahrheit. Hier liegt der Grund der negativen Dialektik Adornos.
Wer die Religion vom Anthropomorphismus reinigt – und das hat die christliche Theologie mit Hilfe der Trinitätslehre versucht -, macht sie zweideutig, macht sie dämonisch. Das Dogma ist das vergrabene Talent.
War Petrus je Bischof, und ist nicht der episcopus eine paulinische Erfindung: Hat Paulus der Kirche den Kelch zu trinken gegeben?
Bezeichnen nicht die Dornen und Disteln den gleichen Sachverhalt am Objekt, den die Hörner am Subjekt bezeichnen?
Bibel-Kritik versucht, die biblischen Texte in eine eindeutige zeitliche Folge zu bringen: Stimmen hierzu die Prämissen? -
18.01.94
Zu Orion und den Plejaden, „deren Verschwinden die Trockenheit anzeigt“, sh. Loretz, Ugarit, S. 164 (Anm. 535). – Kommen Orion und die Plejaden auch in „Saturn und Melancholie“ vor?
Die Astrologie war eine an den Himmel projizierte Gesellschaftstheorie. Und das Verbot der Astrologie hängt sicherlich auch damit zusammen, daß mit fortschreitender Säkularisation die gesellschaftliche Reflexion mit einem Tabu belegt wurde.
Der Name des Menschensohns ist antitotemistisch. Freud: „Totem und Tabu“ prüfen: Enthält es den Schlüssel zum Rätsel des apokalyptischen Tieres?
Erst, wenn das „interesselose Wohlgefallen“, das kantische Prinzip der Kunst, aus der passiven in die aktive Form: in die Liebe übersetzt wird, wird die Grenze zur Theologie überschritten.
Die Kabbalah unterscheidet sich von der christlichen Mystik dadurch, daß sie keine Vereinigungsmystik ist, daß sie die keusche Distanz zu Gott (die Distanz der Keuschheit) wahrt.
Im Zuge seiner Hellenisierung hat das Christentum die Sprachwurzeln der Metaphorik durchschnitten; besiegelt wurde dieser Akt durch die Rezeption des Weltbegriffs: Liegt hier der Grund der Vereinigungsmystik, der Unkeuschheit der christlichen Theologie?
Der Weltbegriff hat die Trunkenheit und die Unzucht im Kern, er ist in sich selber orgiastisch. Der Taumelbecher und die Hurerei bezeichnen eher ein logisches als ein moralisches Problem: einen herrschaftslogischen Sachverhalt (die „Sünde der Welt“).
Die Probleme der Physik, der Naturwissenschaften, des Inertialsystems, sind allein mit Hilfe der drei evangelischen Räte zu lösen.
Ist nicht die Josefs-Geschichte eine Erläuterung zu Hegels Satz, wonach die bürgerliche Gesellschaft bei all ihrem Reichtum nicht reich genug ist, der Armut und der Erzeugung des Pöbels zu steuern? Und gehört nicht die Josefs-Geschichte zur Urgeschichte der Marxschen Kapitalismus-Kritik?
Nach Walter Benjamin ist die jeweils jüngst vergangene Mode das Veraltetste. Ist das nicht ein Kehrbild des anderen Sachverhalts, daß im historischen Prozeß das Allerälteste, der Anfang, sich nicht immer weiter von uns entfernt, sondern immer näher an die Gegenwart heranrückt?
In der Konstitution und Begründung der subjektiven Formen der Anschauung steckt nicht nur ein psychologisches, sondern ein kosmologisches und politisches Problem zugleich.
Hat das Bild von den vier apokalyptischen Reitern etwas mit dem anderen Bild von dem wie eine Buchrolle sich aufrollenden Himmel zu tun?
Das Hosanna in excelsis im Sanctus ist falsch: Hier wird ein Hilfeschrei als Jubelruf mißverstanden.
Oswald Loretz (S. 169) sieht in Ps 19A einen Widerspruch darin, daß, nachdem die Himmel und das Firmament laut die Herrlichkeit ihres Schöpfers verkünden, dann in V 4 – so Loretz – „folgende gegenteilige Behauptung aufgestellt“ wird:
Keine Worte, keine Sprache,
nicht vernimmt man ihren Laut!
Er unterschlägt dabei, daß unmittelbar davor der Vers steht:
Tag dem Tag sprudelt Worte,
Nacht der Nacht kündet Wissen.
Könnte es nicht sein, daß die Sprache dem Tag und (ebenso wie das Denken und das Wissen und gemeinsam mit ihnen) die Stummheit, die Lautlosigkeit, der Nacht zuzuordnen sind, daß das Wissen dem Schlaf entspricht, am Traum partizipiert? Ist das Wissen die „Kunde der Nacht“, die die Tage (siebenfach) voneinander scheidet (die Finsternis über dem Abgrund und das Warten auf die Morgenröte und den Hahnenschrei)? -
05.01.94
Das Absolute ist der Reflex des Todes (der Herrschaft der Vergangenheit) in den Dingen: die Besiegelung der Verworfenheit der Welt, oder die Besiegelung der Verzweiflung, die nicht mehr daran glauben kann, daß die Natur siegen (die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwinden) wird.
Beziehung von Natur, Staat und Kirche zur Trinitätslehre?
Die Geschichte der drei Leugnungen gründet in der Geschichte der theologischen Rezeption des Weltbegriffs.
Theologie im Angesicht Gottes: die Antizipation des Jüngsten Gerichts oder eine Theologie, die dem Jüngsten Gericht standhält.
Wer Lachen sät, wird Weinen ernten.
Die episkopale Religion ist die institutionalisierte Religion für andere: die Religion der Aufseher und Vormünder (als welche sie heute von den Laien, den Gläubigen, übernommen und mißbraucht wird).
Ist nicht der Ausdruck die „sieben Kirchen in Asien“ (in der Johannes-Apokalypse) sehr viel deutlicher und genauer als die Übersetzung: die „sieben Gemeinden in Asien“?
Hat Horkheimers Satz über das Christentum („keine menschenfreundlichere Religion …“) etwas mit Getsemane zu tun?
Hängt nicht das „hodie genui te“: Heute habe ich dich gezeugt, mit den toledot zusammen, damit, daß das Schöpfungswerk auch eines der Zeugungen ist? Und gehört nicht die creatio mundi ex nihilo zum Bekenntnisdogma „gezeugt nicht geschaffen“, zu einem Schöpfungsbegriff, der von dem der Zeugung getrennt wurde und in dem dann Himmel und Erde zur Welt zusammenschrumpfen?
Liegt in der Trennung von Schöpfung und Zeugung der Grund der caesarischen Theologie, die (bei Hegel nachklingende) Begründung der Monarchie? Augustus war ein Adoptivsohn des Caesar und hat dessen Namen als Titel angenommen (und wurde Saulus nicht doch durch Adoption durch den zyprischen Statthalter Sergius Paulus zum Paulus?).
Bezeichnet nicht die Trinitätslehre, insbesondere in der Gestalt des Parakleten und im Kontext der Sünde wider den Heiligen Geist, den Umkehrpunkt, den Paulus beschreibt, wenn er darauf verweist, daß Jesus dem Vater am Ende alles übergeben wird, und dann „wird Gott alles in allem sein“ (1 Kor 1528), welchen Satz Franz Rosenzweig unter Hinweis auf das Prophetenwort korrigiert hat: dann „wird Gott einzig sein, und seine Name einzig“ (Sach 149).
Zur Kritik der Inkarnationslehre: Ist nicht im Kontext der Welt-Theologie das Wort in der Tat Fleisch (und das Christentum zu einer Art spiritualisiertem Kannibalismus) geworden?
Ist nicht Jakob, der Betrüger (vgl. Hos 124), erst durch den Kampf mit dem Engel zum Israel geworden? -
03.01.94
Welt und Natur sind die elliptischen Brennpunkte des Herrschafts-, Schuld und Verblendungszusammenhangs.
Der Rechtspositivismus macht den Satz, daß Gemeinheit kein strafrechtlicher Tatbestand ist, zu einem Rechtsprinzip.
So wird auch das Dogma zum Feigenblatt, zum Alibi, das die Sünden zudeckt, wenn man es als Dogma versteht, wenn man es aus dem Kontext der Umkehr herauslöst: durch Positivismus. Im Kontext der Umkehr jedoch sind der Satz, daß Gott die Welt erschaffen hat, wie auch die Opfertheologie nicht mehr zu halten.
Wenn es von Propheten heißt, Gott habe sie vom Mutterleibe her berufen, hat das dann etwas mit der realsymbolischen Beziehung der Gebärmutter zur Barmherzigkeit zu tun? Welche Bedeutung hat dann die Radikalisierung des Symbols, wenn Jesus vom Heiligen Geistes empfangen ist?
Ist die Redensart, daß „gut gemeint“ eine Steigerung von gemein ist, christlichen Ursprungs, Produkt der Bekenntnislogik, wonach das Erwischtwerden schlimmer ist als die Tat? Bezieht sich nicht hierauf das Wort am Kreuz: Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun? Und hängt das Sakrament der Buße nicht mehr mit diesem Wort (nämlich als Einübung in diesen Satz) als mit dem Satz vom Binden und Lösen zusammen? Sündenvergebung ohne Umkehr ist keine. Das andere Wort: Denen ihr die Sünden nachlassen werdet, denen sind sie nachgelassen, ist mehr als eine administrative Ermächtigung.
In der Vorstellung einer unendlichen Vergangenheit wird das Nichts zitiert, daß mit der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit Macht über die Zukunft gewinnt.
Hängen die drei Bücher des ersten Teils des Sterns der Erlösung (Gott, Mensch, Welt) nicht mit den drei Dimensionen des Raumes zusammen, haben sie darin nicht ihren empirischen Grund?
Der Säkularisationsprozeß und der historische Objektivationsprozeß beginnt mit der Trinitätslehre und der Opfertheologie, er endet mit den subjektiven Formen der Anschauung Kants.
Treibt Jesus nicht zusammen mit den Geldwechslern auch die Taubenhändler aus dem Tempel? Sie gilt nicht nur der Herrschaft des Tauschprinzips allgemein, sondern insbesondere der Subsumtion des Heiligen Geistes unters Tauschprinzip.
Physik: Die Identifizierung der Außenwelt mit der gemeinsamen stummen Innenwelt aller.
Kant und die Metaphysik: Ist nicht der aristotelische Gott bei Kant zum transzendentalen Subjekt, ins Ich denke, das alle meine Vorstellungen muß begleiten können, zusammengeschnurrt? Hegel hat versucht, ihn wieder daraus hervorzuzaubern, während Gott in der kantischen Philosophie (im Kontext von Unsterblichkeit und Freiheit) auf die jüdisch-christliche Tradition zurückweist (die Hermann Cohen dann darin auch wiedererkannte).
Bezeichnet der Turm von Babel, der bis an den Himmel reicht, nicht einen sprachlichen Sachverhalt: das Konstruktionsprinzip der indogermanischen Grammatik, in der die Vergangenheit Macht über die Zukunft gewinnt (Bedingung der Bildung des Neutrum, das in der Schrift durch die Schlange symbolisiert wird)? Verweist die Ziegelherstellung (wie später im Sklavenhaus Ägypten) auf diese Neutrumsbildung?
Israel kommt aus Ägypten. Aber zu dieser Herkunft gehört der Exodus und der Durchzug durchs Rote Meer (auch ein Sprachsymbol?).
Wird Gott die Toten erwecken, wenn es uns gelingt, ihn zu erwecken? -
01.01.94
Das Schöne ist die Ergänzung und das Korrelat des Objekts der transzendentalen Ästhetik, als Gegensatz (durch Umkehr im System) daran gebunden. Die Idee des Schönen begründet (durch die Geschichte des Mythos und der Kunst hindurch) den Weltbegriff, verleiht ihm gegenständliche Bedeutung. Das Schöne, der Schein und die Erscheinung gehören zusammen: Ist das Schöne die säkularisierte, ins System eingebundene Umkehr (und das Häßliche das Objekt des Hasses der Welt)?
Das Absolute ist der gerichtete Richter („Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“): der Kelch, von dem Jesus wünschte, er möge an ihm vorübergehen?
War nicht die erste Gestalt des Absoluten der „absolute Raum“ Newtons: telos des Höllensturzes (vgl. Hegels „absolute Mechanik“, den Barock und den Absolutismus)? Gibt es eine Beziehung des Begriffs des Absoluten (als eines Organismus, in dem kein Glied nicht trunken ist) zu den apokalyptischen Tieren, und in welcher Beziehung steht es zu Meer und Land (vgl. das Tier aus dem Meer und das Tier vom Lande sowie den „starken Engel“, der „seinen rechten Fuß auf das Meer, den linken aber auf das Land“ setzte (Offb 10)? Bezeichnet das Meer die ungewisse Zukunft, das Land die feste Vergangenheit (das Objekt des Wissens), und stehen Meer und Land in Beziehung zum zeitlichen Signum des Tieres, „das war, nicht ist, aber wieder sein wird“?
Ist die Philosophie das Tier aus dem Meere (Thales: Alles ist Wasser) und die Physik (das Paradigma der Wissenschaft) das Tier vom Lande? Welche Bedeutung hat das „gläserne Meer“ in der Johannes-Apokalypse?
Worin liegt der Unterschied zwischen Synagoge und Kirche (ekklesia tou theou, kehal JHWH, Versammlung des Herrn) im NT, und weshalb hat die Kirche (als sancta catholica et apostolica ecclesia) diesen Namen übernommen?
Der Heros ist stumm, aber er begründet mit der neuen Ordnung des Rechts eine neue Welt (oder überhaupt die Welt: das Prinzip ihrer Einheit), und deshalb wird er unter die Sterne versetzt.
„So wahr ich lebe, spricht Gott der Herr, weil meine Schafe zum Raube und allem Getier des Feldes zum Frasse geworden sind, da sie keinen Hirten hatten, und weil meine Hirten nicht nach meinen Schafen fragten und sie nur sich selbst und nicht meine Schafe weideten, darum höret, ihr Hirten, das Wort des Herrn!“ (Ez 348f, vgl. auch 341ff) Wer sind die Hirten und wer die Schafe, wenn die Personalisierung nicht mehr möglich ist („Wir sind das Volk“)? Heute sind Hirten und Schafe nicht mehr zu trennen, und ist nur der „gute Hirt“ kein verlorenes Schaf mehr. Hat das etwas mit dem Namen des Lammes zu tun? -
29.12.93
Die Welt ist als Substanzbegriff ein Funktionsbegriff (Zusammenhang mit dem Ursprung und der Bedeutung des Begriffs des Absoluten: Produkt der Abstraktion von der Funkion des Weltbegriffs, der Abstraktion vom Schuldzusammenhang, in dem der Weltbegriff sich konstituiert; Konstituierung des Absoluten als Kern der Exkulpationsautomatik). Wenn es den Weltbegriff ohne den Begriff des Absoluten nicht gibt, dann bedarf es der Theologie zur Kritik des Absoluten (zur Kritik der Hybris).
Hegels Philosophie radikalisiert den kantischen Ansatz: wonach wir nur das erkennen, was wir in die Dinge hineingelegt haben. Das Ich als Absolutes erkennt in den Dingen nur sich selbst. Aber diese Hybris ist vorgezeichnet in der logischen Struktur des Denkens selber, durch den Weltbegriff ist sie zu einer selbsttätigen Automatik geworden. In der Schrift wird der Weltbegriff durch die Schlange symbolisiert: die Schlange ist das klügste aller Tiere (klug, d.h. der Selbsterhaltung fähig, sind alle Tiere). Seinen Jüngern hat Jesus geraten: Seid klug wie die Schlangen (und ergänzt: und arglos wie die Tauben – ist das nicht eine Anweisung, wie Hegel zu lesen ist: nämlich ohne der Paranoia zu verfallen, die mit der Logik sich durchsetzt?).
Seht, ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe: So hat Jesus seine Jünger darauf hingewiesen, daß sie in eine vom Privateigentum und vom Selbsterhaltungsprinzip: vom Staat, beherrschte Welt kommen. Die Wolfswelt ist der Staat.
Der Antijudaismus und in seiner Konsequenz auch der Antisemitismus ist vom Weltbegriff nicht abzulösen. Die Rezeption des Weltbegriffs (zusammen mit der Philosophie, dem Hellenismus) war das Medium der antijudaistischen Verarbeitung des Urschismas.
Ist nicht der jesuanische Gottesname „Vater“ der Platzhalter einer Theologie im Angesicht Gottes? Aber wurde dieser Vatername nicht schon mit dem Titel der Kirchenväter säkularisiert, verweltlicht, historisiert, verendlicht?
Vater, laß die Augen dein über meinem Bette sein: So sind die schlafenden Jünger in Getsemane zum Vorbild der Kirche geworden.
Wer war die Königin von Saba?
Die Empörung ist die Schrumpfform der Leidenschaft (ihr Erstickungstod), an den Weltbegriff, die intentio recta, die Herrschaft der subjektiven Formen der Anschauung, gebunden: Ausdruck der Irrealität, der „Gegenstandslosigkeit“ der Umkehr, des herrschenden Atheismus. Reflexion, und damit Humanität, gibt es nur noch im Kontext der Schuldreflexion (der „Gottesfurcht“): unter der Bedingung, daß der Bann der subjektiven Formen der Anschauung (und damit der Bann der Welt) sich brechen läßt.
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