Justiz

  • 29.3.1995

    Die Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit begründet den Weltbegriff und installiert im Subjekt den Mord-, Rache- und Rechtfertigungstrieb. Die Opfertheologie hat diesen Trieb bewußtseinsfähig gemacht, ihn aber mit dem Konzept der „Entsühnung der Welt“ zugleich gerechtfertigt und stabilisiert.
    Die Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit ist das Gegenteil der Erinnerung, der innere Kern des Verdrängungsapparats, der über den historischen Objektivationsprozeß auch die Vergangenheit noch in seinen Dienst nimmt. Die Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit treibt die Zukunft aus der Vergangenheit aus, macht sie erst wirklich zur toten Vergangenheit: Das ist die conditio sine qua non ihrer Vergegenständlichung. Das aber bedeutet, daß Erinnerungsarbeit nicht auf die Geschichte sich beschränken läßt: Sie schließt auch die Natur mit ein. (Ulrich Sonnemann: Zukunft ist von außen wiederkehrende Erinnerung; daher hat die Gedächtnislosigkeit keine.)
    Enthält das Griechische in den im Lateinischen bereits verdrängten Konjugationsformen (insbesondere in Aorist und Medium) Erinnerungsspuren seines Ursprungs?
    Wenn die drei Dimensionen des Raumes drei verschiedene Formen seiner Beziehung zur Zeit repräsentieren, steckt dann nicht in der Linearisierung der Zeit ein Konstruktionsfehler?
    War nicht das Newtonsche Konzept des absoluten Raumes Reflex und Grundlage historischen (herrschaftsgeschichtlichen) Absolutismus, aus dessen Bann wir bis heute nicht herausgetreten sind?
    Der Fundamentalismus verwechselt die zweite Natur mit der ersten.
    Enthält nicht die Figur des Henoch in den pseudepigraphischen Schriften des Alten Testamentes Hinweise zur Lösung der Beziehung von Astronomie, Zeitmessung und Schrift?
    Die Orthogonalität macht das Ungleichnamige gleichnamig. Ist nicht die christliche Theologie (als Theologie hinter dem Rücken Gottes) das Opfer dieses bis heute unbegriffenen Mechanismus?
    Sind nicht Pflanzen und Tiere verschiedene Formen der Verkörperung der Beziehung des Lebendigen zur Zeit?
    Wenn Recht im Namen des Volkes gesprochen wird, ist dann nicht das Volk das Kollektivsubjekt, das zur Entlastung der Richter in Haftung genommen und eben dadurch zur Schicksalsgemeinschaft zusammengeschweißt wird? Dieser Begriff des Volkes drückt genau das aus, was dann vergeblich versucht wurde, im Namen der Heiden vom Begriff des Volkes, aus dem er sich herleitet, zu trennen. So wurde der Name der Heiden neutralisiert und dem griechischen Namen der Barbaren angeglichen. Das Wort, das in unseren Bibeln mit Heiden übersetzt wird, heißt im Original Völker.
    Wenn die Sekten die Apokalypse als Angstgenerator benutzen, beuten sie dann nicht einen Mechanismus aus, den die Kirchen zuvor installiert haben? Und dagegen hilft nicht das Tabu auf der Apokalypse, sondern dagegen hilft einzig die Selbstaufklärung der Apokalypse. Und die ist möglich.
    Johann Baptist Metz auf die innere Differenzierung des Begriffs des Universalen hinweisen:
    – Gericht und Barmherzigkeit, Vergangenheit und Zukunft, Ich und Du (Asymmetrie),
    – Rind und Esel (Joch und Last),
    – Adornos „erstes Gebot der Sexualmoral“,
    – Levinas: Die Attribute Gottes stehen nicht im Indikativ, sondern im Imperativ,
    – Ontologie als vergeblicher Versuch, die Ethik als prima philosophia zu leugnen.

  • 21.3.1995

    Wenn die Philosophie der Schlaf des prophetischen Bewußtseins ist, dann ist die kirchliche Theologie der Traum, der heute dem Vergessen Nebukadnezars zu verfallen scheint. Ist Daniel der Hahn?
    Das erbauliche Schriftverständnis ist durch die kirchliche Selbstverblendung determiniert, die in der Verdrängung der symbolischen Beziehungen des Neuen zum Alten Testament gründet. Logischer Grund dieser Verdrängung ist die opfertheologische Objektivation und Instrumentalisierung des Kreuzestodes (Produkt der Redundanz der Logik der Schrift).
    Immanenz und Transzendenz unterscheiden sich nicht wie Zeitliches und Überzeitliches, sondern wie Vergangenes und Zukünftiges. Während die Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit (die in den Totalitätsbegriffen Wissen, Natur und Welt sich ausdrückt) jeden Gedanken an eine Zukunft, die anders wäre, und damit die Erinnerung ihres vergangenen Erscheinens, ausschließt, sprengt die Erinnerung und Reflexion dieser Zukunft auch die Vergangenheit des Vergangenen. Theologie hinter dem Rücken Gottes steht unter dem Gesetz der Vergangenheit, Theologie im Angesicht Gottes gründet in der Erinnerung der vergangenen Zukunft.
    Die Distanz zum Objekt gründet in der Distanz, die der Herr durch den Beherrschten gewinnt: In diesem Kontext wird die Eingangskontrolle im Hogefeld-Prozeß verständlich. Das Beweisverfahren verläuft mangels objektiver Tatsachen nach den Kriterien der selffulfilling prophecy.
    Sind die paulinischen „Archonten“, und ist in ihrer Folge die mittelalterliche Engellehre nicht Teil einer Theologie der Herrschaftssicherung? In diesen Zusammenhang gehört die Differenz zwischen einem Stephanus, der den Himmel offen sah, und einem Paulus, der in den dritten Himmel enmtrückt wurde.
    Die Kritik des deutschen Idealismus müßte mit Fichtes Nicht-Ich beginnen: mit der „Entfremdung“ des Fremden zum Andern, dem logischen Kern der Welt-Philosophie. (Die kopernikanische Wende war die paradigmatische Anwendung dieses Verfahrens auf den Kosmos.)

  • 19.3.1995

    Der Turm von Babel wurde gebaut, um „sich einen Namen zu machen“, der Tempel in Jerusalem hingegen, um dem Namen Gottes ein Haus zu bauen. Ist es nicht der Begriff, mit dem die Menschen „sich einen Namen machen“?
    Welche Abstraktionsschritte sind nötig zur Bildung des Zahlbegriffs?
    Erbaulichkeit und Trost: Der Trost, den das Erbauliche spendet, ist ein exkulpierender Trost. Er bedient sich des Schuldverschubsystems, um von „Schuldgefühlen“ zu befreien. Damit hängt es zusammen, wenn die erbauliche Schriftinterpretation ohne Antisemitismus nicht zu haben ist.
    War nicht die Fixierung des „Kenntnisstandes“ des Gerichts am Anfang des Hogefeld-Prozesses die Selbstlegitimation einer massiven Vorverurteilung, eine Verurteilung ohne die Notwendigkeit, das Urteil durch sorgfältige Beweisführung begründen und absichern zu müssen. Hier wurden die synthetischen Urteile apriori festgezurrt, unter die die Angeklagte vor jeder Beweisführung, nur aufgrund der transzendentalen Logik des gerichtlichen Vorurteils, zu subsumieren war. Das Ansinnen, sich mit der Sache selbst noch einmal auseinanderzusetzen, war damit vom Tisch gewischt; jedes Argument der Verteidigung, das in diese Richtung ging, galt danach als Versuch einer Prozeßverzögerung. Dazu paßt der Eindruck, den das Verfahren selber im Beobachter hervorruft: Durch Mimik, Gestus und Ton geben Gericht und Staatsanwalt zu erkennen, wie lästig ihnen die Verteidigung ist, so als beruhe deren Anwesenheit (wie auch die der Prozeßbesucher, die man dann auch durch entwürdigende Eingangskontrollen abzuschrecken versucht) auf eigentlich nicht mehr recht einsichtigen formalen Verfahrensvorschriften, an die man sich leider halten muß.
    Haben früher einmal die Taten der raf dazu beigetragen, ihre eigenen Ziele und Motive, und damit auch deren öffentliche Diskussion, zu diskriminieren, so scheint sich heute das Blatt zu wenden: Das rigide Vorgehen gegen Mitglieder der raf in Verfahren, mit denen man nur noch zu testen scheint, was der Öffentlichkeit heute alles zugemutet werden kann, erzwingt geradezu die Reflexion auf die so massiv verdrängten Intentionen der raf, indem sie beginnt, die Weigerung, diesen Diskurs aufzunehmen, unter einen moralischen Rechtfertigungsdruck zu setzen.
    Was Auschwitz und den Nationalsozialismus von allem Vergleichbaren bis in die Gegenwart hinein unterscheidet, scheint darin zu liegen, daß hier erstmals die nationale Paranoia die Mordlust zur vorgeschriebenen Staatsgesinnung gemacht hat. Was bei anderen totalitären Systemen (im Stalinismus wie in den Militärdiktaturen) als ein nicht intendierter Nebeneffekt erscheint, ist im Nationalsozialismus (und in den nachfolgenden rechtsradikalen Gruppierungen) zum Kern der Sache geworden: Ausdruck dessen sind der Antisemitismus und allgemein die Xenophobie (die eigentlich Manifestationen einer Gewissensphobie sind: Vorstufe dieser Gewissensphobie ist die merkwürdige Beziehung der Deutschen zum „Ausland“, das heute im seelischen Haushalt der Deutschen die Stelle einzunehmen scheint, an der in Zeiten, in denen das Moralische das Sich-von-selbst-Verstehende war, das Gewissen seinen Platz hatte).
    Beitrag zur Logik der Schrift: Ist nicht das Verfahren der Pseudepigraphie eines der Delegation: Man möchte für das, was man schreibt, nicht selbst die Verantwortung übernehmen? Und waren nicht die Fälschungen im Mittelalter schon ein Werk der List der Vernunft, Reflex des gleichen Problems, das am Ende im Problem des kontrafaktischen Urteils sich manifestiert?
    Kosmologie, Erkenntnis- und Gesellschaftskritik: Die Verinnerlichung des Schicksals (Ursprung des Begriffs) und die Verinnerlichung der Scham (Ursprung des Inertialsystems) waren ebensosehr objektive wie subjektive Prozesse. Bezeichnen nicht Sem, Japhet und Ham auch welthistorische Knotenpunkte? Und sind nicht die apokalyptischen Tiere Gestalten des Weltgeistes (und der Weltgeist selber die Schlange, die „das klügste aller Tiere“ war)?
    Apokalypse: die Ermittlung und Deutung der Träume der Herrschenden (Nebukadnezars). Nebukadnezar hatte einen Traum, den er aber vergessen hatte, und den Daniel, um ihn deuten zu können, erst finden muß: Die Hegelsche Logik ist dieser Traum; sie ist die Wahrheit, die Hegel verborgen geblieben ist, als Traum. Wäre nicht das Freudsche Verfahren der Traumdeutung dahin zu korrigieren, daß nicht Träume ihre eigene Logik haben, sondern daß die Logik das Material bildet, aus dem die Träume sind? Ohne Logik gäbe es keine Träume: Die Logik ist der Schlaf der Sprache und insofern der Ursprungsort der Träume. Und war nicht die mathematische Logik das Vergessen dieses Traums (Modell des traumlos gewordenen Schlafs)? Verweisen nicht gerade die Elemente der Logik, von denen die mathematische Logik abstrahiert, auf ihre Beziehung zum Traum: das Subjekt und der Grund?
    Die Orthodoxie ist das Mahnmal der heute in sich selber zur Unkenntlichkeit entstellten Erinnerung an das, was die Mathematik, als sie die Orthogonalität entdeckte, verdrängen mußte.
    Wie hängen die sieben Sakramente, die sieben Planeten, die sieben Schöpfungstage und die sieben Siegel miteinander zusammen? Verweist nicht das Siegel auf den Namen: Es war einmal Unterschrift und Signum der Person zugleich. So war mit dem Siebentage-Werk die Welt auf den Namen Gottes versiegelt. Im Namen Beerscheba ist beides enthalten: die Sieben und der Schwur (vgl. hierzu die Siebener-Gruppen in der Johannes-Offenbarung).

  • 18.3.1995

    Zu den Konstituentien der Gegenständlichkeit des Vergangenen gehört der Tod, und zwar der instrumentalisierte Tod. Deshalb gehört die opfertheologische Verarbeitung des Kreuzestodes zur Geschichte der Aufklärung.
    Die Angst vor der Sexualität ist ein Teil der Todesangst (und die Angst, an den Trieb sich zu verlieren, ist ein Teil der Angst, in der Natur unterzugehen, aus der beruhigenden Gegenständlichkeit der Natur, aus der Absicherung des Selbst durch die vergegenständlichende Gewalt der subjektiven Formen der Anschauung herauszufallen). Aber stark wie der Tod ist die Liebe: Die Wendung, die Rosenzweig diesem Satz aus dem Hohenlied der Liebe gegeben hat, ist befreiend.
    Die Höllenangst war die Rache der Bekenntnislogik an der Verräumlichung des Himmels. Und die Vorstellung, daß zum Glück der Seligen im Himmel der Anblick der Qualen der Verdammten in der Hölle gehört, hat sein fundamentum in re in der Sühne- und Strafrechtslogik in der staatlich organisierten Privateigentumsgesellschaft.
    Zu den Stabilisatoren der Vergegenständlichung des Vergangenen gehört auch das Strafrecht.
    Die Hellenisierung der Theologie ist der Beweis dafür, daß die Bitte „et ne nos inducas in tentationem“ nicht erfüllt wurde. Aber darauf verweist schon das Wort von Getsemane „Vater, wenn es möglich ist, laß diesen Kelch an mir vorübergehen, aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe“.
    Durch die Theologie hinter dem Rücken Gottes ist die Religion zur Staatsreligion geworden (zu einem Instrument der Selbstrechtfertigung des Bestehenden). Genau dagegen richtet sich die prophetische Erkenntnis, die Kritik des Götzendienstes und der Hurerei.
    (Zur Eingangskontrolle im Hogefeld-Prozeß:
    – Die Würde des Menschen ist antastbar;
    – Eingangskontrolle als „Beweismittel“, als Instrument der Vorverurteilung;
    – Eingangskontrolle als Mittel der Abschreckung der Öffentlichkeit.)
    Heute ist das Erkennen selber in die historisch-gesellschaftlichen Unheilsstrukturen verstrickt; es wirkt als deren Verstärker. Der Verstärkungsmechanismus gründet in den institutionalisierten, die Wahrheit ausblendenden Rechtfertigungszwängen.
    Solange es noch Zukunft gibt, sind die Pforten der Hölle noch nicht verschlossen. Nur für die, die die Toten vergessen, sind sie verschlossen. Die Kraft des Lösens (die Kraft, die Gefangenen zu befreien) liegt in der Erinnerung, im Eingedenken.
    Den blasphemischen Gehalt des Kohlschen Satzes über eine „Versöhnung über den Gräbern“ (der die Aufforderung in sich schließt, die Vergangenheit endlich ruhen zu lassen) wäre innerchristlich erfahrbar gewesen, wenn die freie Erinnerungsarbeit die eigene Tradition bereits aufgearbeitet hätte.

  • 16.3.1995

    Abgeschlossen und vollendet („perfekt“) ist im Indogermanischen nur die Vergangenheit. Das ist der Grund des Neutrum, der indogermanischen Formen der Konjugation, die an den Zeitablauf sich anlehnen, und nur so, nicht mehr unmittelbar, aufs Handeln sich beziehen, und der Steigerungsformen der Adjektive. Hier entspringt das Verdinglichungsgesetz, das dann als Inertialsystem von der Sprache sich ablöst, sie als „leeres, gereinigtes und geschmücktes Haus“ (als Ort der sieben unreinen Geister) zurückläßt.
    Die Wirkung dieses Verdinglichungsgesetzes hängt mit der Funktion und Bedeutung des Begriffs Sühne zusammen. Die Bemerkung eines (amerikanischen) Zeugen im Prozeß gegen Birgit Hogefeld (am 14.03.95), er habe mit seiner (offensichtlich falschen) Aussage „der Regierung und dem Recht“ einen Dienst erweisen wollen, verweist auf eine Logik, in deren Kern ein Begriff der Sühne steht, der fürs Strafrecht insgesamt grundlegend ist (und das Strafrecht mit der Logik des Objektivationsprozesses, mit der er durch den Begriff des Urteils verknüpft ist, verbindet). Dieser Logik liegt die Vorstellung einer gleichsam reinigenden Kraft der Sühne zugrunde. Hiernach hat die Sühne (und auf ihrem Grunde das Strafrecht) eine hygienische Funktion für den Gesellschaftskörper (Element einer Logik, zu deren wahnhaften Konsequenzen der Antisemitismus gehört, der u.a. dazu diente, die Sühne-Logik des Strafrechts gegen jede Anfechtung durch Empathie, durch Identifikation mit dem Angeklagten, abzuschirmen und zu stützen).
    Die Sühne-Logik konstituiert das Kausalprinzip in der sittlichen Welt (im Rahmen dieser Logik ist der Antisemitismus die Atomphysik des zugehörigen Welt- und Gesellschaftsbildes, zu dem u.a. auch der Begriff des Volkes gehört, der die Gesellschaft als Schicksalsgemeinschaft definiert, deren mythischer Kern in der Sühne-Logik gründet). Die Sühne-Logik ist eine völkische Logik.
    Das „Entsühnungs“-Konzept (die Entsühnung der Welt durch den Kreuzestod Jesu, Grund der Opfertheologie) hat den historischen Säkularisationsprozeß in der Theologie eröffnet; es ist u.a. eine Voraussetzung des Begriffs der Materie. Und es ist dieses Konzept, das dem Schein eine wesenskonstituierende Funktion gibt, und zu dessen eigenen Konstituentien die Hegelsche „List der Vernunft“ gehört (vg. Hegels Logik). Aber dieses Konzept zerstört zugleich – zwar schon in ihrer theologischen Fassung, in der mit ihr verbundenen Gottesvorstellung – die Idee der Barmherzigkeit in der Wurzel.
    Die Sühnelogik ist die Logik des Schuldverschubsystems, die auch die Bekenntnislogik mit ihren speziellen (Feigenblatt-)Effekten begründet.

  • 7.3.1995

    Apologetik gibt es nur im Kontext der Bekenntnislogik, die von Grund auf dogmatisch strukturiert ist. Deshalb gibt es keine Apologetik ohne projektives Moment. Genau das ist der Knoten, der zu lösen wäre.
    Fällt der theologische Gebrauch des Begriffs der Stellvertretung nicht auch unter den Satz von Rind und Esel (beruht er nicht auf der Verwechslung von Joch und Last)? Ich trage Mitschuld an den Sünden der andern, kann aber meine Sünden nicht andern anlasten. Bezieht sich darauf nicht der Begriff der Geiselhaft bei Levinas? Die Übersetzung von Joh 129, wonach das Lamm die „Sünden“ der Welt „hinweggenommen“ hat, beruht auf dieser Verwechslung: Das Lamm hat die Sünde der Welt auf sich genommen. Mit der kirchenüblichen Übersetzung ist ein Anfang gesetzt, dessen bitteres Ende Hitler war.
    Die Kirchen sollten im Ernst ihren Erlösungsbegriff überprüfen. Wenn Luther die Söldner für rechtfertigungsfähig hält, wenn sie das, was sie tun, nur ohne egoistisches Interesse tun (sondern nur im Interesse der Wahrung der staatlichen Ordnung), wäre dann nicht auch Hitler der Rechtfertigung würdig?
    Die kirchliche Erlösungslehre, das Konstrukt der „Entsühnung der Welt“ durch den Opfertod Jesu, hat dadurch, daß sie zur Entzauberung der Welt beigetragen hat, zugleich den Menschen aus der Welt, die unabhängig von ihm vorhanden ist, herauskomplimentiert, ihn eben dadurch aber auch an die Welt gebunden. Mit der kopernikanischen Wende wurde diese Logik auch auf die Natur ausgedehnt; an dieser Stelle entspringt der Dingbegriff (der apriorische Objektbegriff und der transzendentale Apparat). Heute, in der nachhegelschen Ära des Positivismus, wird das Subjekt aus dem Wissen herauskomplimentiert: verliert es seinen objektiven Grund. Alle drei Formen der Befreiung waren zugleich Formen der Bindung. Die ersten beiden Formen der Befreiung und Bindung konnten durch Vätertheologie und Scholastik theologisch aufgefangen werden, die dritte kann es nicht mehr. Zur dritten gehört die ergänzende Bemerkung, daß mit dem wachsenden Rechtfertigungsbedarf und -zwang auch das destruktive Potential der Bekenntnislogik wächst.
    Ist nicht die Rechtfertigungslehre eine Emanation der apologetischen Logik (unter den veränderten weltgeschichtlichen Bedingungen der beginnenden Aufklärung)?
    Heute morgen eine Notiz in der FR: Einige Prähistoriker beschweren sich darüber, daß die in den Schulen genutzten Lehrbücher nicht auf dem gegenwärtigen wissenschaftlichen Stand seien; so werde z.B. in einem Lehrbuch das Alter der Neandertaler mit 800 000 statt 600 000 Jahren angegeben. Sollten nicht, anstatt die „Ergebnisse“ zu dogmatisieren, die Methoden, die zu diesen Ergebnissen geführt haben, und die Kriterien, die der Ermittlung zugrundegelegt wurden, offengelegt und diskussionsfähig gehalten werden? Und gilt dieser Hinweis nicht auch für naturwissenschaftliche Theorien wie die über den Urknall, das Alter des Universums oder die „schwarzen Löcher“, ja eigentlich schon das Gravitationsgesetz, die Optik, die gesamte Atomistik?
    Gemeinheit ist kein strafrechtlicher Tatbestand: Hört sie damit nicht auch auf, Gegenstand der Diskriminierung zu sein? und Läßt sich daraus nicht heute schon fast eine Rechtfertigung der Gemeinheit herleiten (insbesondere im Bereich der Strafrechtspflege: und hier vor allem in den Knästen und im Bereich der Staatsschutz-Rechtsprechung)? In welcher Beziehung steht dieser Tatbestand (und mit ihm das Recht insgesamt) zum Satz über Rind und Esel?
    Gibt es nicht im Staatsschutzbereich bereits offenkundige Fälle der Komplizenschaft, der rechtlich nicht mehr überprüfbaren Zusammenarbeit von Staatsschutzsenaten, Bundesanwaltschaft, Bundeskriminalamt und den anderen Staatsschutzbehörden wie BND und Verfassungsschutz?
    Führt nicht heute der Versuch, den Rechtsstaat mit Hilfe der Idee der Gerechtigkeit zu begründen, in unauflösbare Probleme?
    Wäre es nicht aufschlußreich, wenn man einmal alle Geschichte, in denen Petrus, Jakobus und Johannes zusammen auftreten, sich anschauen würde (dazu gehören insbesondere die Verklärungsgeschichte und Getsemane)?
    Unterscheidung des Ewigen vom Überzeitlichen: Wäre es nicht an der Zeit, den Schelerschen Titel („Die Idee des Ewigen“) daraufhin zu überprüfen?
    Waren nicht die Tempel seit je realsymbolische Bilder des Himmels und zugleich Grabstätten des toten Gottes (hat die Eucharistie etwas mit den Pyramiden und den Pharaonen zu tun)?
    Wenn heute die Neigung besteht, vorgeschichtliche Grabstätten und Begräbnisriten (bis hin zu den Pyramiden) als frühe Dokumente der Unsterblichkeitslehre anzusehen, wäre es dann nicht notwendig, auch den prähistorischen Kontext dieser Dokumente mit hereinzunehmen?
    Tatsachenwissen ist fallbezogenes Wissen. Heute – und eigentlich gilt das schon für die Situation, in der Wittgenstein seinen logisch-philosophischen Traktat schrieb – ist der Fall nicht mehr ein Problem der Welt, sondern eines des Wissens.
    Der Antijudaismus leugnet den Dank (den Namen Judas), der Antisemitismus die Kraft des Namens (den Namen Sems). Sind nicht beide Formen der Halsstarrigkeit, die die Schrift im Symbol des Esels sieht?
    Ochs und Esel hat erst das Mittelalter der Krippe hinzugefügt; bei Matthäus sind es nur die Hirten, die zur Krippe eilen.
    Erst mit der Trennung des Gebots von seiner Innenseite, von den göttlichen Verheißungen, wird die Last des Gebots zum Joch des Gesetzes. Es ist das gleiche Verhältnis, das die sinnliche Welt von der Welt der durchs Inertialsystem (durchs System der Naturgesetze) vermittelten „Erscheinungen“ trennt.
    Eine sanfte Kritik an Emanuel Levinas: Die Attribute Gottes stehen sehr wohl im Indikativ, nur: dieser Indikativ ist ein Imperativ.

  • 23.2.1995

    Die Kosmologie war seit je eine Legitimationswissenschaft; sie hat (als theoretisches Korrelat des Rechts) der Politik und dem Geschäft den Rücken freigehalten.
    Last und Joch: Die Justiz produziert die Schuld, für die sie dann – wie das Inertialsystem für die träge Masse – das Maß liefert. Es gibt kein Schuldurteil ohne projektives Moment; jedes Schuldurteil reproduziert das Schuldverschubsystem und ist eine Quelle der Paranoia. Wie das funktioniert, läßt sich am Prozeß gegen Birgit Hogefeld ablesen: Die paranoiden Eingangskontrollen erhärten die Schuld der Angeklagten mehr, als jede Beweisführung es vermöchte. So entsteht der Eindruck, als sei die Beweiserhebung nur eine lästige Pflichtübung, von der man absehen könnte, wenn nicht die Verteidigung den Gang des Verfahrens, dessen Ergebnis ohnehin schon feststeht, durch unnötige Fragen und Anträge behindern und verzögern würde. Dem entspricht das gereizte Klima in der Verhandlung ebenso wie das Verhalten der polizeilichen Hilfsorgane, denen der Hinweis auf „diese“ Angeklagte zur Begründung und Rechtfertigung der schikanösen und entwürdigenden Kontrollen, die sie mit deutlicher Demonstration von Berufsstolz durchführen, genügt. Nirgends wird deutlicher, daß dieser Prozeß auch der Erhaltung und Stabilisierung eines Vorurteils dient. „Rechtsstaatlichkeit“ ist, wie es scheint, nur eine Formalie, die beachtet werden muß, um keinen Revisionsgrund zu liefern.
    Noch dem Sohar ist es „das Ich …, das die Flut bringt“ (Ausgabe Diederichs, S. 119). Vor allem bei der Sintflut spricht Gott in der ersten Person Singular („ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vom Erdboden vertilgen“, „so will ich sie denn vom Erdboden vertilgen“ und „ich lasse jetzt die Sintflut über die Erde kommen“ – Gen 67,13,17), voher jedoch schon bei der Erschaffung Evas („ich will ihm eine Hilfe schaffen“ – 218), nach dem Sündenfall, beim Fluch gegen die Schlange („ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, …“ – 315) und gegen Eva („ich will dir viel Beschwerden machen bei der Schwangerschaft“ – 316); bei der Erschaffung des Menschen (Adam) spricht er (im Selbstgespräch) in der ersten Person Plural („laßt uns den Menschen machen“ – 126). Die weiteren Stellen, an denen Gott in der ersten Person Singular spricht, betreffen dann den Bund (mit Noe, mit Abraham), die Selbstoffenbarung im brennenden Dornbusch, die zehn Gebote, und welche anderen außerdem? Schließt z.B. in der Prophetie die Unterscheidung zwischen erster und dritter Peron, zwischen „ich, JHWH“ und „Spruch des Herrn“ (bei Ezechiel: „Ich, ich“ und „Spruch des Herrn, des Herrn“) eine inhaltliche Differenz mit ein, und welche Bedeutung hat das Ich Gottes in den Psalmen? Was hat es hiernach mit der Sintflut auf sich, was war im Sohar gemeint?
    Der Sohar übersetzt Dt 3323: „Voll vom Segen JHWHs, West und Süden werden ihn erben.“ Der Satz steht im Segen des Moses über Naphthali, in dem dieses „West und Süd“ in der Regel mit „Meer und Süd (Meer und Mittag)“ übersetzt wird. Die Beziehung zwischen Meer und West mag in der Geographie Palästinas begründet sein, wo das Meer im Westen lag. Aber läßt sich die Möglichkeit apriori ausschließen, daß die symbolische Beziehung des Westens zum „Hinter dem Rücken“ (im Gegensatz zum Angesicht) und in diesem Kontext auch zum Meer, zum Wasser, mit hereinspielt? Zum Meer gehören die großen Meerestiere (Rahab, Leviatan, der große Fisch), und nicht zuletzt das „Tier aus dem Meer“ der Apokalypse (die Verkörperung der Leugnung des Angesichts). Die Hure Babylon, „die an den an den vielen Wassern sitzt“, gehört hierher, auch der Satz, daß das Meer am Ende nicht mehr sein wird. Die Philosophie beginnt mit dem Satz „Alles ist Wasser“, und sie endet mit dem Inertialsystem, durch das die Dinge in eine Perspektive gerückt werden, in der sie „von allen Seiten hinter dem Rücken“ gesehen, in eine Logik eingetaucht werden, in der sie nur noch sind, was sie für andere sind (genau das drückt der kantische Begriff der Erscheinung aus). Das, was sie „an sich“ sein mögen, wird im wörtlichen Sinne „liquidiert“: verflüssigt. Naturwissenschaftlich gehört das Wasser zur Festkörperphysik (und das Glas zu den flüssigen Körpern): Ist das Wasser nicht das Realsymbol des Relativitätsprinzips, der Identität des Starren mit der vollständigen Beweglichkeit in sich selber? Wie im Inertialsystem und im Geld lassen sich auch im Wasser Ruhe und Bewegung nicht unterscheiden. Aber bezeichnen nicht das Inertialsystem und das Geld den Übergang vom Wasser zum Feuer (der Sohar ergänzt: vom Was zum Wer), der im biblischen Namen des Himmels sich anzeigt?
    Weitere Konnotationen:
    – Das Ich und die Sintflut (das Wasser und die Manifestation des göttlichen Ich), oder Noah, der Weinbau, die Trunkenheit und die aufgedeckte Blöße, Ham und Kanaan.
    – Die Feste und die Scheidung der oberen von den unteren Wassern.
    – Jesus, das Meer und das Wasser; die Berufung von Fischern zu Aposteln; die Kirche und das Schiff.
    – Die Hochzeit zu Kana und die Verwandlung von Wasser in Wein.
    – Das Zeichen des Jona.
    Erst mit dem Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit wird das Inertialsystem gegenständlich, konkret, materiell.
    Die Orthogonalität (der „Seitenblick“ auf die Zeit, ihre Verräumlichung) ist der Grund des Relativitätsprinzips: der Einheit von starrer Form und absoluter Beweglichkeit, der Nicht-Unterscheidbarkeit von Ruhe und Bewegung, die gleichwohl als Natur und Welt (als dynamisches und mathematisches Ganzes: als Bewegtes und Ruhendes zugleich) unterschieden und getrennt werden. Gründet in dieser Konstellation nicht auch das Konstrukt der Orthodoxie, mit einer merkwürdigen genetischen Wechselbeziehung zur Objektivationsgeschichte insgesamt.
    Befreiung der Kritik aus der projektiven Logik des Schuldverschubsystems: Erst wer die „Schuld der Welt auf sich nimmt“, hat es nicht mehr nötig, sie zur eigenen Entlastung nach draußen zu projizieren. Kritik, die diesen Namen verdient, zielt, anstatt auf die Fixierung des Kritisierten, seine Dingfestmachung, auf seine Auflösung: auf die Änderung der Welt.

  • 20.2.1995

    Gilt nicht der Satz „die Tora, das ist die Braut“ (Bahir, S. 151) auch für die Hochzeitsstellen im NT (von der Hochzeit zu Kana bis zum letzten Abendmahl)?
    Wie verhalten sich arbiter (Augenzeuge, Schiedsrichter) und arbitrium (Schiedsspruch) zum liberum arbitrium (zur Willensfreiheit)? Der Schiedsrichter setzt auf die (freiwillige) Zustimmung der Kontrahenten, während der Richter aufgrund seiner Amtsautorität auch gegen den Willen der Beteiligten entscheidet, den Willen unter den Zwang des Staates setzt.
    Wie hängt das liberum arbitrium mit den drei „Freiheitsgraden“ des Raumes zusammen (und die Orthogonalität mit der Orthodoxie)? Gibt es eine Beziehung zu den drei Leugnungen? Von den sechs Richtungen des Raumes sind jeweils drei die Negationen ihrer Gegenrichtungen: Der Westen ist (wie im Französischen) der Nicht-Osten, der Norden der Nicht-Süden, das Unten das Nicht-Oben.
    Hat das Suffix -tum in Reichtum (Heidentum, Deutschtum, Judentum) etwas mit der Umkehrung des Mut (Armut, Demut, aber auch Hochmut, der vor dem Fall kommt) zu tun?.
    Sind die indoeuropäischen Formen der Konjugation Negationen der semitischen Konjugationsformen (Produkt eines Systems von Spiegelungen am Neutrum)? Ist die „hebräische“ Sprache in diesem Kontext, vor diesem Hintergrund, zur Sprache „der Fremden im Lande“ geworden, zur Sprache der „Hebräer“? Ist dieses negative Konstrukt insbesondere in der griechischen Sprache affirmativ geworden, und bedarf diese Sprache deshalb des projektiven Begriffs der Barbaren (ebenso wie der Begriffe Natur und Materie) als Mittel der Abfuhr, der projektiven Verarbeitung des Schuldzusammenhangs, in dem sie sich konstituiert? Läßt die Logik der indoeuropäischen Grammatiken als Kern eines (mit dem Weltbegriff im Zentrum) sich fortentwickelnden Schuldverschubsystems begreifen, dessen letztes Produkt das Inertialsystem ist?
    Ist die Identifikation des johanneischen mit dem philosophischen Logos nicht dessen Leugnung: die Leugnung des Lammes, das die Sünde der Welt auf sich nimmt und stumm zur Schlachtbank geführt wird?
    Fällt das Bekennen (als homologein) nicht in die Bitte des Herrengebets: Geheiligt werde Dein Name? Dieser Konjunktiv Passiv (geheiligt werden möge …) wartet auf den, der ihn ins Aktiv übersetzt: auf den, der es tut. Wer aber ist als Subjekt dieses Satzes gemeint, wenn nicht wir?
    Wenn Drewermann (in seinen „Strukturen des Bösen“) den ruach mit einem Furz vergleicht, verwechselt er dann nicht die Nuß mit einer Zwiebel, bei der der Kern sich immer wieder als Schale erweist, die den, der den Kern sucht, weinen macht und in der Tat nur Winde erzeugt?
    Der Ring um das Senfkorn (Bahir, S. 130): Ist das nicht der Weltbegriff, die harte Schale, die den Kern verbirgt? Im Weltbegriff wird dieser Ring zur Totalität, zum kantischen Reich der Erscheinungen, das die Dinge, wie sie an sich sind, ins Unerkennbare rückt. Auch Hegels Logik ist eine Logik der Erscheinungen (ihre erste Fassung ist eine „Phänomenologie“ des Geistes). So verfällt sie selber dem Gericht, das in ihr sich verkörpert, und das im Gericht der Barmherzigkeit über das gnadenlose Weltgericht in sich zerfällt.
    In ihrer spekulativen Gestalt, die bewußtlos der Bekenntnislogik gehorcht, ist die Trinitätslehre Schale, nicht Kern (hinterm Rücken, nicht im Angesicht). Sie ist verstrickt in die Geschichte der drei Leugnungen, deren dritte die Leugnung des Heiligen Geistes ist. Nicht zufällig erweist sich die „negative Trinitätslehre“ (Antisemitismus als Leugnung des Vaters, Ketzerfeindschaft als Leugnung des Sohnes, Hexenverfolgung und Frauenfeindschaft als Leugnung des Heiligen Geistes) als Kern der Kritik der Bekenntnislogik, zu deren Konstituentien das Feindbild, das Verrätersyndrom und die Frauenverachtung gehört.

  • 10.2.1995

    Ästhetik und Massenwahn, Drama und Prozeß: Der Faschismus war das Produkt einer Inszenierung, zu der die Massenaufmärsche ebenso gehörten wie die einstudierten Wutanfälle des „Führers“ und der von oben angeordnete „spontane“ Pogrom; Inszenierungen sind die Rituale der Staatsschutzprozesse: von der MP-bewehrten Polizei vor dem Gerichtsgebäude über die entwürdigende Eingangskontrolle, der die Besucher ausgesetzt sind, bis zur Ausstattung des Gerichtssaals, die insgesamt ein vorverurteilendes Klima schaffen. Inszenierungen sind möglich in einer Welt, die nicht mehr durchs Angesicht Gottes, sondern durchs Anschauen aller (durchs Gesetz der Schamlosigkeit) sich definiert. Diese Welt ist das Produkt der kopernikanischen Wende; die erste Getalt ihrer Selbstreflektion war die kantische Philosophie. Die Waren bedürfen der Inszenierung durch die Reklame, die Privatexistenz der Selbstinszenierung durch Beruf, Wohnung und Kleidung (als Bühne, Kostüm und Ausdrucksmittel der „Rolle der Persönlichkeit“). Zu den ersten Inszenierungen gehören die Kulte der Religionen und die Rituale der Herrschaft: der byzantinische Herrscherkult und die Eucharistie-Verehrung im Mittelalter, die die Kulisse bildete für die Juden-Pogrome, die Ketzer- und Hexenverfolgungen.
    Inszenierungen gibt es, seit es Zuschauer gibt. Sie setzen einen Begriff der Welt voraus, zu dessen Konstituentien der Zuschauer (das Bewußtsein des Von-allen-Gesehen-werdens), die „Öffentlichkeit“ (ein Euphemismus für die biblischen Nacktheit), gehört.
    Sind nicht die Tiere Produkte erstarrter, nicht mehr reflexionsfähiger Öffentlichkeiten, Produkte des „Bewußtseins“, von einer namenlosen, nicht ansprechbaren Instanz gesehen zu werden; hat nicht jede Gattung ihre eigene, sie definierende Öffentlichkeitsdefinition? Menschen leben im Angesicht Gottes, die Tiere im Angesicht Adams. Deshalb wartet „die ganze Schöpfung … sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes“ (Röm 819ff).
    Haben nicht die apokalyptischen Tiere mit diesem Begriff der Öffentlichkeit zu tun, sind sie nicht Reflexionsformen der Öffentlichkeit?
    Wer die Reflexion der Natur (das Eingedenken der Natur im Subjekt) verweigert, verweigert die Reflexion des Eigentums: Die kopernikanische Wende hat dem Prinzip der Selbsterhaltung die kosmologische Begründung gegeben. Sie hat das Sich-auf-sich-selbst-Beziehen des sturen Eigeninteresses ontologisiert.
    Die Arbeit des Begriffs, deren Geschichte mit der Hegelschen Philosophie nicht beendet war, hat das, was einmal das Substantielle hieß, zermahlen.
    Die Mathematik ist keine rationale, sondern eine ästhetische Wissenschaft.
    „Euch gebührt es nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater nach seiner eigenen Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist über euch kommt, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und ganz Judäa und Samarien bis ans Ende der Erde (heos eschatou täs gäs).“ (Apg 18) Die Erde hat demnach nicht ein Ende, sondern mehrere Enden: welche sind schon erreicht, und welche stehen noch bevor?.
    Sind nicht die „drei Abmessungen des Raumes“, wie Kant sie nennt, drei Formen seiner Beziehung zur Zeit?
    Es gibt die Himmelsheere, die Vögel des Himmels und die Wolken des Himmels. In welcher Beziehung stehen diese drei zu einander?
    Die Rache Gottes ist die Rache der Barmherzigkeit über das gnadenlose Gericht. Und sind nicht der Zorn und der Grimm (der Inhalt des Taumelkelchs) die Außenseite dieser göttlichen Barmherzigkeit, die göttliche Barmherzigkeit im Bann und im Kontext der Logik der Schrift? Theologie heute müßte sich zur Sprache dieses Gerichts der göttlichen Barmherzigkeit machen. Findet nicht Adornos „Eingedenken der Natur im Subjekt“, sein Begriff der bestimmten Negation und sein Votum für das Nichtidentische, darin seine Begründung?
    Hängt nicht das Wort von den zwei Auferstehungen (in der Apokalypse des Johannes) mit den Beziehungen der Dimensionen des Raumes zur Zeit zusammen?

  • 8.2.1995

    Verhalten sich im Hogefeld-Prozeß die Richter und die Bundesanwälte nicht so, als wären sie die Angeklagten? Man hat das Gefühl, als könnten sie selbst an die Konstrukte der Anklage, die dem Verfahren zugrunde liegen, nicht glauben, so daß sie die fehlende eigene Überzeugung (auch die fehlenden Beweise) durch Aggressivität ersetzen müssen: durch beleidigte Empörung, durch den polemischen Ton, durch „Schimpfen“. Die Plädoyers der Bundesanwälte gleichen denen von demagogischen Verteidigern in schlechten Filmen, die zu glauben scheinen, nur so auf die Entscheidung der Schöffen Einfluß nehmen zu können. Hier aber gibt es weder Schöffen noch wirkliches Publikum (das durch die entwürdigenden Formen der Eingangskontrolle dem Prozeß ferngehalten wird); so gibt der Ton, in dem Zeugen befragt oder Plädoyers vorgetragen werden, nur Sinn, wenn man sie als Mittel der Selbstüberredung begreift. Der Eindruck entsteht, daß sie sich selbst „besoffen reden“ müssen, weil sie nur in diesem Zustand fähig sind, das zu glauben, was sie glauben, als Anklage vertreten zu müssen. Souverän wirken vor diesem Hintergrund nur die Angeklagte und ihre Verteidiger.
    Erinnert dieses Verfahren nicht zwangshaft und bewußtlos an die Ursprungsgeschichte des Opfers? Die projektive Umkehrung der Beziehungen, in der Richter und Ankläger sich als Angeklagte erfahren, die durch das Urteil über den Angeklagten bestrebt sind, sich selbst freizusprechen, macht den Angeklagten tendentiell zum Opfer. Erinnert diese Logik nicht an die des Ursprungs des Staates und des Weltbegriffs, in dem sie entsprungen ist: in der projektiven Schuldverarbeitung durchs Opfer im Kontext der Tempelreligion? Darauf bezieht sich das Prophetenwort: Barmherzigkeit, nicht Opfer. Werden nicht in jedem Opfer in Wahrheit der Richter und das Gericht, die im Opfer (nicht im Priester) sich verkörpern, geopfert? Das Menschenopfer, der Opferpfahl und die Statue, zusammen mit der Apotheose des Opfers (seine Erhöhung im Sternzeichen), gründen in dieser Logik. Wird die Entfaltung dieser Logik nicht begleitet von der Ausbildung der Raumvorstellung (der subjektiven Form der Anschauung)?
    Das destruktive Potential dieser Gesellschaft erwächst aus dem Trieb, sich an andern dafür zu rächen, was man sich selber antun muß.
    Die Philosophie verwechselt die Fremden mit den Anderen, während die Prophetie in der Selbstreflexion im Fremden wurzelt. Die Identifizierung des Fremden mit dem Anderen ist die Grundlage des Begriffs der Natur und der Materie, sie begründet die Formen der projektiven Erkenntnis (den Bereich der synthetischen Urteile apriori); hierauf bezieht sich das prophetische Verbot, mit Rind und Esel gemeinsam zu pflügen.
    Hängt das astrologiehistorische Problem der Beziehung des Tierkreises zu den Planeten hiermit zusammen? Waren nicht die mythischen Götter prima facie Planetengötter, während die Welt der „Fixsterne“ die Projektionsfolie des heroischen Zeitalters war und die Sternzeichen auf die Apotheose der Heroen (und auf die adamitische Benennung der Tiere) zurückweisen.
    Aristoteles, Thomas, Hegel: Nach der kosmologischen Begründung der aristotelischen Philosophie (der reinsten Verkörperung der Logik der Schrift) hat diese beim heiligen Thomas ihre theologische und bei Hegel ihre geschichtsphilosophische Anwendung gefunden (in der Idee des Absoluten, der Selbstreflexion des Subjekts im Unendlichen).
    Die Schrift begründet die Welt, das Geld die Natur.
    Das Selbst, die Ästhetik und der Schuldzusammenhang. Kunst ist eine Form der Schuldverarbeitung vor der Sündenvergebung. Ihr objektives Substrat sind die Reflexionsformen des Selbst, das selber im Schuldzusammenhang sich konstituiert, während es in der Gotteserkenntnis, in der prophetischen wie in der messianischen und parakletischen Erkenntnis, sich auflöst. Auch die subjektiven Formen der Anschauung (der Grund der Mathematik) sind Emanationen des Selbst. Das Selbst ist das Signum des Todes. Die Tiere sind zu Gattungen, in denen ihr Selbst beschlossen ist, erstarrt, als sie von Adam benannt wurden. Das Selbst ist das Korrelat der Welt, nicht Gottes (gegen Adornos Bemerkung in den Minima Moralia).

  • 30.1.1995

    Haben das unreflektierte Anschauen und die Reflexion des Gegenblicks etwas mit der Unterscheidung von kurzem und langem Gesicht (se’ir anpin und arich anpin, der Ungeduldige und der Langmütige, der streng Richtende und der Barmherzige, vgl. Scholem, Hauptströmungen, S. 296) in der Kabbala zu tun? Dann wären die Formen der Anschauung Instrument und Symbol der Ungeduld und des strengen Gerichts.
    Die subjektiven Formen der Anschauung sind das Äquivalent der Logik der Schrift im Subjekt. Die transzendentale Logik ist die logische Entfaltung dieser Formen.
    Zur Ursprungsgeschichte des Neutrums: Das Neutrum (zusammen mit den es absichernden Formen der Konjugation) ist der Boden, aus dem der Objektbegriff erwächst (die erste sprachliche Gestalt der subjektiven Formen der Anschauung). Die am Präsens orientierten Formen der Konjugation sind das Modell und die Ursprungsgestalt der transzendentalen Logik.
    In den sogenannten Staatsschutzprozessen wird der Grundsatz „in dubio pro reo“ so angewandt, als wäre der Staat der Angeklagte, von dessen Unschuld im Zweifelsfalle auszugehen ist. Alle Verfahren laufen so, als ob im Grunde alle wüßten, daß der Staat schuldig ist, während jedoch zugleich das Recht als Instrument eingesetzt wird, dieses Wissen in sich selbst und in den Andern zu unterdrücken. Nur in diesem Zusammenhang macht der Titel „Staatsanwalt“ Sinn. Zugleich wird der Zweck der Robe deutlich: Die Robe, das sind die Bäume, unter denen Adam, nachdem er erkannt hatte, daß er nackt war, sich versteckte; ohne Robe wären Ankläger und Richter nackt.
    Auf die Frage, ob sie bei der Eidesleistung von der religiösen Eidesformel Gebrauch machen wolle, fragte heute eine Zeugin den Richter: „Wie ist es denn hier üblich?“
    Daß die Justiz auf dem rechten Auge blind ist, ist nicht (personalisierend) als Gesinnung zu kritisieren, sondern aus ihrer Wurzel abzuleiten: aus der Bindung der Justiz an eine Staatsmetaphysik, in der am Ende die Gewalt des anklagenden Prinzips auf ihren Urheber zurückschlägt. Der zugrunde liegende Sachverhalt drückt sich in dem Titel Staatsanwalt aus. Ist nicht der Staatsanwalt der Verteidiger des Staats, und gehört nicht zur Vorgeschichte des Staatsanwalts das kirchliche Institut der Inquisition, deren Aufgabe es war, die Kirche gegen die Angriffe der Ketzer zu verteidigen?
    Wenn die Generalbundesanwaltschaft die objektivste Behörde der Welt ist, dann ist die Deutsche Bundesbank die vom Eigeninteresse freieste. Die Geschichte des Rechts und des Staates ist in der Tat von der Geschichte des Geldes und der Banken nicht zu trennen.
    Je weniger die Politik in der Lage ist, Konflikte zu lösen, umso mehr muß sie nach außen den Eindruck erwecken, sie allein täte es. Das Gewaltmonopol des Staates löscht die benennende Kraft der politischen Sprache: Es ersetzt die Notwendigkeit der konkreten Begründung politischen Handelns durch Reklame, Geschwätz.

  • 3.1.1995

    Ist nicht die „Bruderschaft“, als Form der Allgemeinheit, die in der gemeinsamen Beziehung zum „Vater“ gründet, das Medium, in dem die Logik der Schrift (und mit ihr der Begriff des Wissens) sich entfaltet: das Medium der Vergesellschaftung, des Objektivierungsprozesses und der Verweltlichung (Ursprung des Neutrum, Bekenntnislogik)?
    Fantastisch die Ableitung des Begriffs „frei“ (und der „Liebe“) aus dem Selbstmitleid, dem Bedürfnis geliebt zu werden (Benveniste, S. 257ff): Folge des Opfers der Vernunft, das die Bedingung der Aufnahme in die Brüderhorde ist: deren späterer Repräsentant ist das Bekenntnis, dessen Logik hier entspringt.
    Der Begriff des Tieres und der der Selbsterhaltung sind korrelative Begriffe; deshalb gehört der Weltbegriff, der Inbegriff der gegenständlichen Korrelate der Selbsterhaltung, zu dem des Tieres. Die Menschwerdung beginnt mit der Fähigkeit, das Selbsterhaltungsprinzip zu reflektieren.
    Ist nicht mit der „affektiven Beziehung zum Selbst“, die dem indoeuropäischen Begriff der Freiheit zugrundeliegt, der Grund dafür gelegt worden, daß im Deutschen das Sein sowohl das allgemeine Possessivpronomen als auch den Infinitiv des Hilfsverbs „Sein“ bezeichnet (vgl. S. 257 und S. 260)? Diese affektive Beziehung zum Selbst ist Teil eines Schuldzusammenhangs, den das Christentum theologisch verankert hat: Sie konstituiert sich in einer Gestalt der Selbst-Exkulpierung (der „Sündenvergebung“), die über das theologische Konstrukt der „Entsühnung der Welt“ (der Opfertheologie und ihrer theologischen Konnotationen) vermittelt ist (und dem Verweltlichungsprozeß seine Schubkraft verleiht).
    Raub der Sabinerinnen: Der Funktion der „angeheirateten Verwandschaft“ im Kontext der indoeuropäischen Institutionen liegt eine im Eigentumsprinzip gründende Rechtsbeziehung zugrunde. Ihr Ursprungsmodell ist der Frauenraub, der der ersten Gestalt der Ehe in der Männerhorde ähnlich zugrunde liegt wie der Diebstahl dem Handel. Gründet das Institut des Privateigentums (sowie der Ehe und des Staates) nicht doch generell in der gewaltsamen Aneignung der Beute durch nomadisierende Männerhorden (das erste rechtsfähige Eigentum waren Sklaven und Frauen)?
    Benveniste hat nur bedingt recht, wenn er versucht, den Begriff des philein, des Liebens, aus der Possessivbeziehung herauszulösen. Selbstverständlich ist er nicht auf die positive, dingliche Eigentumsbeziehung eingeschränkt; aber konstituiert er sich nicht in einer Eigentumsordnung, die auch das Subjekt, den Eigentümer, in ihren Bann zieht und verändert (im Kontext des Ursprungs des Staates, dessen Vorläufer die Brüderhorde ist, und der die Eigentumsordnung, in der es dann Eigentum als Privateigentum überhaupt erst gibt, konstituiert). Wer die Idee des richtigen Handelns, und wer Schuld und Verantwortung an den König und die durch ihn gesetzte Rechtsordnung delegiert, wer sie von der Barmherzigkeit trennt, bleibt unversöhnt, anfällig fürs Selbstmitleid, süchtig danach geliebt zu werden.
    Das Geliebt-werden-Wollen ist ein apriorischer Tatbestand im Herrschaftsbereich der Ontologie und diese eine Emanation des Staates.
    Das Christentum ist dem Liebessyndrom verfallen, als es die Prophetie vor dem Hintergrund des Theologumenons seiner Erfüllung im Christentum als erledigt und abgetan, wie in der vorchristlichen Vergangenheit, so auch heute nur für die Juden zuständig, definierte. Dieses Konstrukt gehört in die Ursprungsgeschichte des Antisemitismus. Der Antisemitismus war immer schon ein Rädchen im Exkulpationsmechanismus.
    Die logischen Strukturen, in die (Glaubens-)Bekenntnis und Sündenvergebung heute geraten sind, werden durchsichtig in der Reklame (die Adorno zufolge den Tod verschweigt).
    Der Fundamentalismus ist der Greuel am heiligen Ort: Er ist nicht mehr durch bloße Verurteilung zu bekämpfen, sondern allein durch Reflexion und Auflösung des Schuldzusamenhangs, zu dessen Konstituentien die Verurteilung und zu dessen Folgen der Fundamentalismus gehören.
    Die Schlange, die das klügste aller Tiere war, hat das Wissen erfunden. Welche Beziehung besteht zwischen der Schlange (dem saraph) und den Seraphim? Nicht die Seraphim, sondern die Cherubim mit dem „kreisenden Flammenschwert“ stehen vor dem Eingang des Paradieses.
    Wut ist ein unkeuscher Zorn. Die Empörung hat ihn zur kleinen Münze gemacht, für den täglichen Gebrauch (im Tratsch) umgeformt. Wessen Bild trägt diese Münze?
    In welcher Beziehung stehen die kantischen Antinomien der reinen Vernunft zur Logik des Beweises, was bedeuten sie für die Logik des Beweises? Im Zusammenhang des Rechts gibt es drei Beweisverfahren: den Zeugenbeweis (hierzu gehören das Martyrium und die Folter), den Indizienbeweis (ausgebildet in der Geschichte der Hexenvefolgung) und das Geständnis (das Judesein war einmal das absolute, vom Juden nicht mehr widerrufbare Geständnis). Als „sicherstes“ Verfahren gilt das Geständnis, in dem der Angeklagte die Schuld auf sich nimmt („gesteht“): Dieses Verfahren spricht den Richter frei, während der Zeugen- und der Indizienbeweis der Würdigung durch den Richter unterliegen, ihn in die Verantwortung mit hereinnehmen. – Im Recht führt das Bekenntnis der Schuld, die Übernahme der Verantwortung, nicht zur Befreiung, sondern zum Urteil und zu der als Strafe neutralisierten Rache; der Zeugenbeweis unterliegt dem Verdacht des falschen Zeugnisses, während der Indizienbeweis die Möglichkeit des Fehlurteils (der Täuschung oder des Irrtums) nicht ausschließt.
    Verweist nicht das Phänomen der Fälschungen in der Geschichte auf ein herrschaftsgeschichtliches Problem? Die Fälschung gehört ebenso zur Herrschaftsgeschichte wie Mord und Raub; sie gehört zur Herrschaftsgeschichte als Geschichte des Ursprungs und der Entfaltung der projektiven Erkenntnis: als Schatten des dem Erkenntnistriebs innewohnenden Exkulpationstriebs. Hegels List der Vernunft gehört in diesen Zusammenhang. Die Geschichte der Fälschung vollendet sich in der Vorstellung des unendlichen Raumes und der unendlichen Zeit: in der Konstituierung der subjektiven Formen der Anschauung (der Objekte der kantischen Antinomien).
    Das hängt zusammen mit der eigentumsbegründenden Kraft und Funktion des Staates, dem Nationalismus als Manifestation der Gewalt gegen die konkurrierenden Eigentumsansprüche anderer Nationen.
    Es wäre zu untersuchen, ob und wie die anwachsenden Einbruchs- und Diebstahlsphantasien in den Medien und in der Gesellschaft logisch mit der anwachsenden Xenophobie zusammenhängen.
    Sind nicht die Stämme und Völker, Sprachen und Nationen Denkmäler der Geschichte der Konstituierung der Raumvorstellung?

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