Kann es sein, daß in dem gleichen Prozeß, in dem die Natur für uns zur Rückseite ihrer selbst geworden ist, dahinter Gottes Angesicht sich bildet, Er sich mit sanftester, aber zunehmender Gewalt manifestiert und nur deshalb nicht wahrgenommen wird, weil die Umkehr, die uns sein Antlitz enthüllen würde, unerträglich scheint; „Du kannst mein Angesicht nicht sehen, denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben“ (Ex 3320).
Jakob/Israel hat „Elohim von Angesicht zu Angesicht gesehen“ (Gen 3231), während Moses die Herrlichkeit Jahwes nur von hinten sehen durfte (Ex 3218ff).
Ich habe einmal vor der Entscheidung gestanden, zum Judentum überzutreten, habe es dann aber nicht getan, weil ich den Versuch für unzulässig hielt, dem objektiven Schuldzusammenhang, unter dem ich als Deutscher und Christ stand, dadurch zu entgehen, daß ich von der Täter- auf die Opferseite wechselte. Aus diesem Grunde bin ich in der Kirche geblieben.
Das Gravitationsgesetz bezeichnet ein Gesetz im Inertialsystem. die Lichtgeschwindigkeit bezieht sich auf eine Erscheinung im Inertialsystem. Der leere Raum ist nicht nur der von Materie, sondern auch der gegen die Fallkraft und gegen das Licht leere Raum (weder dunkel noch hell).
Das Inertialsysatem ist das Bezugssystem, das Referenzsystem, in dem sich
– die physikalischen Begriffe definieren,
– die physikalischen Erscheinungen auskristallisieren und
– in dem die physikalischen Gesetze herrschen.
Wenn man es an irgendetwas merkt, daß wir die Täter von Auschwitz sind, dann an der verhängnisvollen, alles vergiftenden Gewalt der Exkulpierungssucht: Alle suchen eine Art natürliche Unschuld wiederzugewinnen, die es im Kontext von Staat, Welt und Natur nie gegeben hat.
Das pfingstliche Sprachwunder bezieht sich eindeutig auf die Verwirrung der Sprachen beim Turmbau zu Babel; und wenn diese mit der Trennung von Herren- und Sklavensprache zu tun hat, so müßte jenes eigentlich die reale Versöhnung beider vorwegnehmen.
Der parvus error in principio ist sowohl der Grund, aus dem die Häresien erwachsen sind, als auch der Grund der Selbstverblendung der Kirche.
Theologie ohne Ansehen der Person treiben, heißt die Trinitätslehre kritisieren.
Wenn Marx, Freud und Einstein die drei Patriarchen der neuen Theologie sind, wer sind dann die zwölf Söhne Israels?
Über das, was Hegel selber die List der Vernunft nennt, wird der Schein erzeugt, aus dem dann das Wesen und der Begriff hervorgehen. Diese List, dieser Schein, dieses Wesen sind die Grundlagen der Philosophie des Begriffs. Zentral sind die Reflexionsbegriffe; zu erläutern wäre deren Zusammenhang mit dem Inertialsystem (über die Kantischen Formen der Anschauung und die Antinomien der Vernunft). Nicht zufällig begreift Hegel diese List (und das darin versteckte Moment der Gewalt) als ein wesentliches Moment der Technik, der Maschine. Diese List ist eine objektive List (und die Gemeinheit eine objektive Gemeinheit); Kant hat sie, ohne es zu bemerken, mit den subjektiven Formen der Anschauung in die Philosophie eingeführt (oder aus ihrem begrifflichen Wesen, aus der Trennung von Begriff und Objekt, herausgelesen: ihre Folgen hat er in den Antinomien der Vernunft bezeichnet). Das Resultat war das Reich der Erscheinungen (des gesetzmäßigen Zusammenhangs des Scheins), durch das der Weg zu den Dingen an sich zugleich versperrt war. Grund dafür, daß dieser Zusammenhang bis heute nicht durchschaut werden konnte, war
– die theologische Besetzung des Bekenntnisbegriffs (deren gegenständlicher Ausdruck die Trinitätslehre und die Opfertheologie ist) und
– die bis heute unbegriffene Bedeutung des Prinzips der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit.
Die Sonne, die die Dinge bescheint, erzeugt sie nicht.
Auch der kirchliche Antijudaismus rührt an den Augapfel Gottes (deshalb benötigte die Kirche die trinitarische Maskerade, den Personbegriff in der Trinitätslehre).
Der Begriff des Scheins, substantiell geworden im kantischen Begriff der Erscheinung, läßt auch die kopernikanische Wende und die newtonsche Gravitationstheorie nicht unberührt. Auf einen einfachen Nenner gebracht: Hier wird die Nachtansicht der Welt auf den Tag übertragen (kann es sein, daß sich Nacht und Tag unterscheiden wie Jahwe und Elohim, und wie die Hebräer und die Israeliten?).
Der Unterschied zwischen CDU- und SPD-Politikern ist der zwischen Profis und Laien-Darstellern, wobei man einfach sehen muß, daß ein Kohl das Instrumentarium der Gemeinheit besser beherrscht als ein Vogel, Lafontaine oder Engholm (Engholm hatte nur das zweifelhafte Glück, Opfer eines CDU-Laienschauspielers zu werden; aber das macht ihn noch nicht zum Profi).
Wodurch unterscheidet sich die Luft vom Wasser (das Gasförmige vom Flüssigen: Beziehung zum Raum: Volumen beim Flüssigen unabhängig, bei der Luft abhängig vom Druck)? Gibt es eine mikrophysikalische Theorie des Flüssigen (in Analogie zur thermodynamischen Gastheorie und zur Festkörperphysik)?
Wasser und Schuldzusammenhang: Wasser nicht geschaffen; Medium des Chaos (des Chaos-Drachens); Trennung durchs Firmament (Drachen oben und unten); Sintflut; Schöpfung des Himmels und der Erde/ Sch. d. H., d. E. und des Meeres; am Ende wird das Meer nicht mehr sein. – Thales: Ursprung von allem ist das Wasser; Schuldzusammenhang flüssig (Verschiebung, Projektion).
Kant
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11.10.91
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09.10.91
– Welt und Natur als Totalitätsbegriffe (Produkte der verandernden Kraft des Seins),
– das Inertialsystem, das Geld und das Bekenntnis,
– oder die transzendentale Logik und ihr Objekt
sind (als Stabilisatoren des Ich) Grund und Folge der Vernichtung der Gegenwart (oder des Antisemitismus als Grund und Inbegriff jedes Vorurteils: der Antisemitismus ist keine Folge der Xenophobie, sondern die Xenophobie Folge des Antisemitismus; Antisemitismus ist die Furcht vor dem Antlitz Gottes, Xenophobie die vor dem eigenen Gesicht), die Schrift das einzige Medium ihrer Wiederherstellung (durch Erinnerungsarbeit). Das Inertialsystem durch die Schrift ersetzen!
Falsch ist die Vorstellung, daß die Richtungen im Raum einander äquivalent sind (Differenz von unten und oben, leuchtenden und beleuchteten Gegenständen).
Blochs „Dunkel des gelebten Augenblicks“: Das Ich (oder auch das Sein oder der Begriff) bringt die Gegenwart zum Verschwinden (es steht sich selbst im blinden Fleck). Das Absolute Hegels, in dem kein Glied nicht trunken ist, ist der Inbegriff des Verschwindens der Gegenwart (als Totalitätsbegriff: die Trunkenheit des Begriffs die präzise Beschreibung dieser Bewegung des Verschwindens).
Zur mathematischen Struktur der Bekenntnislogik: der Freund meines Feindes ist mein Feind, und der Feind meines Feindes ist mein Freund (das Ich gründet im Nein).
„… ist die Intentionalität genau diejenige Modalität des Denkens, die das Mögliche dem Sein unterordnet und somit als Mögliches aufopfert. Das Denken des Seins wird zum Sein des Denkens. Der Genitiv der Intentionalität kehrt sich um.“ (Levinas: Außer sich, München 1991, S. 50f) Erläuterung des Rosenzweigschen Hinweises auf die „verandernde Kraft des Seins“, Zusammenhang mit dem Gesetz der Umkehrung, dessen gegenständliches Korrelat das Inertialsystem und seine seine Reflexionsformen (Geld, Bekenntnis) sind.
Begriff und Ursprung der Gemeinheit: Gemeinheit ist strafrechtlich nicht zu fassen, weil sie beweislogisch nicht zu fassen ist. Gemeinheit verdankt sich der Verführungskraft der Reflexionsbegriffe: das Nicht-Beweisbare ist nicht; und das Eine ist das Andere des Anderen (also nicht das Eine). Sie unterdrückt und verdrängt Erfahrung, erfahrene Wahrheit, indem sie „nachweist“, daß das Andere der Erfahrung wahr, die reale Erfahrung dagegen (wie die Thesen und Antithesen der Kantischen Antinomien der reinen Vernunft) nicht nachweisbar und, da einem anderen vorrangigen Beweisinteresse (im Bereich des Staatsschutzes: dem des Staates) widersprechend, irreal ist. Das Gewaltmonopol des Staates ist der beste Schutz der Gemeinheit, seit die Gemeinheit im Rahmen des herrschenden Begriffs der Objektivität (in Naturwissenschaft und Kapitalismus, und in Verwaltung und Staat: letztlich in den Totalitätsbegriffen Natur und Welt) selber objektive Realität und Gewalt gewonnen hat. Gemein ist jede Instrumentalisierung; und gegen Instrumentalisierung ist keine Wahrheit (auch nicht der kritische Begriff der Instrumentalisierung selber) mehr gefeit.
Der Personbegriff trennt den Namen von seinem „Träger“, macht ihn zu einer Eigenschaft, einem Prädikat: Produkt der Anpassung ans begriffliche Denken. Die Person ist das apriorische Objekt des Rechts, gleichsam deren materia prima, sie bezeichnet das Rechtssubjekt, das sich in seiner Beziehung zum Eigentum konstituiert, in dieser Beziehung schuldfähig ist, deshalb die Zurechenbarkeit von Schuld begründet: Personen sind berechenbar. Durch den Personbegriff werden umgekehrt Prädikate zu Namen (wird, wer gemordet hat, zum Mörder), werden Namen zum Ausdruck von Schuld. Im Bannkreis des Personbegriffs wird Freiheit zur Wahlfreiheit, zum liberum arbitrium, während der der Idee des Glücks zugrunde liegende Freiheitsbegriff die Befreiung von Schuld, das Heraustreten aus dem Bannkreis der Herrschaft, die Erlösung bezeichnet: das Sich-geliebt-Wissen, das die Fähigkeit zu lieben zur Grundlage hat, das Ende des Selbstmitleids. -
27.09.91
Was steckt hinter der Erklärung zur Bezeichnung Seraphim, daß saraf „feurig, und d.h. giftig“ bedeute? Gehören der Chaosdrache und die Meeresungeheuer in das noch ungeschiedene Wasser (vor der Trennung durchs Firmament)? Ist die Schlange der aus den oberen Wassern gestürzte Drache (Venus, Luzifer), muß sie deshalb auf dem Bauche kriechen und Staub fressen, und verwandelt sich dadurch das unrsprünglich feurige Element in ein giftiges (Lösung des Rätsels der Chemie)?
Beelzebul, Herr der Fliegen: ist das nur ein Spottname, ein Spitzname, oder erinnert das doch an den Ursprung der Fliegen (Insekten); vgl. auch die ägyptischen Plagen, die Heuschrecken, Fliegen, Skorpione.
Silvia Schroer beruft sich zwar auf Elisabeth Schüßler-Fiorenza, übersieht dabei aber, daß das, was sie (und in mancher Hinsicht die feministische Beschäftigung mit der jüdischen Bibel überhaupt) macht, sich doch erheblich von der feministischen Exegese des NT unterscheidet: die Suche nach der matriarchalischen Schicht unterhalb des biblischen Patriarchats steht in der Tradition der protestantischen Bibelkritik; sie behandelt den monotheistischen Aufklärungsprozeß wie ein neutralisiertes Bekenntnis und gerät damit in den Bann der nationalistischen Geschichtsschreibung und in die Nähe des Antisemitismus. Grund ist, daß sie den Zusammenhang von neutralisiertem Bekenntnis (der Abschirmung des Bekenntnisses gegen seine gesellschaftlichen Voraussetzungen) und Sexismus nicht begreift, was zur Folge hat, daß ein Titel wie der von R. Radford Ruether: Frauen für eine befreite Gesellschaft, hier nicht mehr denkbar wäre; das utopische Element scheint ins sogenannte Alte Testament nicht mit herübergerettet werden zu können; deshalb wird hier alles zur Rechtfertigung (und damit zur Ideologie).
Wenn eine Rettung der Utopie möglich ist, dann über die Rettung und Kritik der Bilderwelt in der Apokalyptik; Voraussetzung wäre, daß das sprachliche Wesen der Bilder (Fall, Empörung, Umkehr) begriffen, ihre dingliche Gegenständlichkeit kritisiert wird. Die Hure Babylon ist das Patriarchat. Und die Bilder sind Elemente des kritischen Begriffs von Herrschaft.
Die Privatsphäre enthält die Erinnerung an den Tempel, und dieser die Erinnerung ans Paradies (Schutz der Scham). Vor den Toren stehen die Kerubim und das kreisende Flammenschwert. Ist aber das Paradies nicht auch der Uterus, und die Vertreibung aus dem Paradies die Geburt, auf die der Satz aus der Sündenfallgeschichte zu beziehen ist: Mit Schmerzen sollst du deine Kinder gebären? Die Geschichte der Vertreibung aus dem Paradies ist noch nicht abgeschlossen.
Gehören die beiden Geschichten nicht zusammen: Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, und: Mit Schmerzen sollst du deine Kinder gebären?
Läßt sich die Lücke, die das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit im Inertialsystem bezeichnet, nur durch ein System von Rotationen schließen (mit einem System innerer und äußerer Spannungen, vom Fall bis zu den elektrodynamischen Prozessen)?
Zu den kantischen Antinomien der reinen Vernunft: Der Rechtsstaat ist gegen das vollkommene Verbrechen (das mit den Mitteln der Beweislogik nicht mehr nachweisbar wäre) nicht zu sichern; und der technische und gesellschaftliche Fortschritt hat unter anderem zur Folge, daß die Möglichkeit und Chance des vollkommenen Verbrechens sich erhöht (bis hin zu dem Punkt, an dem der Rechtsstaat sich selbst als das vollkommene Verbrechen enthüllt).
Zusammenhang von Gemeinheitsautomatik und Paranoia: Ist nicht das Weltsystem soweit entwickelt, daß es aus sich selbst bereits die Paranoia erzeugt? Konstruktion der erfahrungsbildenden Kraft der Paranoia (ihrer transzendentalen Logik). Der Weltbegriff ist selber paranoid und deshalb Paranoia-erzeugend.
Die babylonische Sprachverwirrung endet im Schweigen Wittgensteins („die Welt ist alles, was der Fall ist“). Und das Schweigen Wittgensteins rührt an den Grund der seit der babylonischen Sprachverwirrung wirksamen Verdrängung.
Im Briefwechsel zwischen Hooke und Newton weist Hooke darauf hin, daß ein freier Fall aus großer Entfernung nicht direkt aufs Zentrum zuläuft, sondern generell eine Abweichung aufweist, die dann in eine elliptische Bahn übergeht (Ivo Schneider, S. 46). Läßt sich aus den Planetenbahnen Richtung und Geschwindigkeit der Ursprungsbahnen rekonstruieren (oder aus den Mond-, Sonne-und Planetenbahnen insgesamt deren Ursprungsbahnen)? – Newton selbst hatte angenommen, daß der Fall in Spiralbahnen übergeht: Hängt die Struktur der „Spiralnebel“, der Galaxien, mit dem astronomischen Dopplereffekt zusammen?
Gegen Marx weist Heinsohn zu Recht darauf hin, daß das Geld nicht gleichsam aus Vereinfachungsgründen, zur Erleichterung des Tauschhandels, erfunden wurde (Erfindung eines allgemeinen Tauschmittels, um nicht mehr Ochsen gegen Anzüge tauschen zu müssen), sondern das Geld war eine unzureichende Antwort auf eine gesellschaftliche Naturkatastrophe: auf die Probleme der Schuldknechtschaft als unbeherrschbar gewordene Folge der Einführung des Privateigentums.
Das Schicksal Jakobs bei seinem Onkel Laban ist das typische Schicksal eines Mannes, der in Schuldknechtschaft geraten ist und seine Schuld abarbeitet. Und der Verkauf des Erstgeburtsrechts von Esau an Jakob: Ist das nicht auch eine Abgeltung des Kinderopfers, das das Schicksal des Erstgeborenen war? Hatte nicht auch Esau einen Vorteil aus dem Verkauf des Erstgeburtsrechts? War es diese „Schuld“ des Erstgeborenen, die Jakob dann bei Laban abarbeiten mußte? Ist nicht der Götzendienst – so wie heute Religion generell – die Ideologisierung der Schuldknechtschaft: das Sich-Abfinden mit der Schuldknechtschaft (und der Kampf gegen die Idolatrie Grundlage und Folge des Aufbegehrens gegen das System der Schuldknechtschaft)?
Die Fleischtöpfe Ägyptens und die Hurerei Babylons sind zwei Seiten der gleichen Sache. Ägypten ist hierbei das erste naturwüchsige staatskapitalistische System, und die Geschichte des Ursprungs dieses Systems ist aufgezeichnet in der Josephsgeschichte in der Bibel.
In Ägypten sind es die Priester, die als einzige ihr Land behalten, in Israel die Leviten, die kein eigenes Land zugewiesen bekommen. Der Stamm Levi muß vielmehr von den übrigen Stämmen mit unterhalten werden, und die levitischen Städte werden dann zu Asylstädten in denen jene, die ohne eigene Schuld Mörder geworden sind, Asyl und vor der Blutrache Schutz finden können. -
25.09.91
Das Gebot „Du sollst nicht lügen“ scheint in der Thora nicht vorzukommen. Im Dekalog heißt es: „Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen“ (Ex 2016, Deut 520). In Lev 1911 heißt es: „Ihr sollt nicht stehlen, nicht täuschen und einander nicht betrügen“; diese Stelle bezieht sich offenkundig auf den gleichen Sachverhalt wie z.B. Deut 2513: „Du sollst in deinem Beutel nicht zwei verschiedene Gewichte haben, ein größeres und ein kleineres“; beide beziehen sich auf die auch beim Tausch zu beachtende Anerkennung des Eigentums des anderen. Im Übrigen scheint der Begriff der Lüge in der Schrift nur auf Herren und Propheten (beide verführen das Volk) angewandt zu werden, er bezeichnet keinen Tatbestand der Privatmoral. – Vergleiche damit die geschichtsnotorische Umkehrung im Christentum: Hier darf der kleine Mann, hier dürfen Kinder nicht lügen, während die, die oben sind, den Begriff der Armut für sich usurpieren: Mit ihnen sollen die Unterworfenen Mitleid haben (weil sie es anders in ihrem Selbstmitleid nicht aushalten): Grund der Bekenntnislogik, Paradigma der Identifikation mit dem Aggressor, Ursprung des „Gottesbildes“ (was muß das für ein Gott sein, der der Anerkennung durchs Bekenntnis der Gläubigen bedarf, der durch Blasphemie gekränkt werden kann, der das Lügen verbietet).
Zur Kritik des Wahrheitsbegriffs: Der Wahrheitsbegriff, der Kindern das Lügen verbietet (und womöglich gleichzeitig das Petzen erlaubt, es darüber hinaus als Kronzeugenregelung nahelegt), vergöttlicht den Vater (den Staat), macht ihn fürs Kind (für den Bürger) allmächtig und allwissend, verschüttet die Quellen der kindlichen Phantasie, beraubt das Kind (den Bürger) der letzten Verteidigungsmöglichkeit, macht es (ihn) ohnmächtig: leugnet den Heiligen Geist. Was das Christentum für den Privat-(und Staats-)gebrauch so anziehend gemacht hat, hat zugleich den Grund für das falsche Begreifen der Welt gelegt, den falschen Weltbegriff fast unangreifbar gemacht. Wenn es ein Gebot, das das Lügen verbietet, gibt, dann kann es nur für Väter gelten.
Zur Säkularisation des Begriffs der Tiefe und zum Systembegriff (oder Dornen und Disteln und das Gesetz der Profangeschichte): Der Begriff der Tiefe bezeichnet gegenüber dem Flächenhaften, Plakativen, prima facie die dritte räumliche Dimension (die dann allerdings zusammenhängt mit dem ableitenden Verfahren, mit dem Ursprung des Begründungszwangs: mit der Weigerung, eine Sache so zu nehmen, wie sie sich gibt, mit der Tendenz zu Unterstellung und Verdacht, Angst vor Verrat, Paranoia). Im Film fügt nach einer klugen Bemerkung von Edgar Morin die Musik den flächenhaften, bewegten Bilder die Tiefe, die dritte Dimension hinzu. Die Perspektive in der Malerei (die Eröffnung der Tiefe des Bildes) ist ein Reflex der Entdeckung des Inertialsystems, des Ursprungs der naturwissenschaftlichen Aufklärung, des Beginns der dynamischen „Erklärung“ der Naturerscheinungen (die in der Entdeckung des Gravitationssystems ihre erste kosmologische Erfüllung findet), ebenso des frühen Kapitalismus, der „Tiefe“, und d.h. in diesem Falle (wie auch im Falle der naturwisenschaftlichen Aufklärung): Systemcharakter (tendentielle Unwiderlegbarkeit) gewinnt durch die Subsumtion der Arbeit unters Tauschprinzip, die der Begründung des Systemcharakters des Inertialsystem entspricht. Die gleiche Tiefe, das Durchdringen der Oberfläche, zeigt sich in den literarischen Ursprüngen der psychologischen Erkenntnis, der Entdeckung der Spannung, die sich aus der Unterscheidung der Motive des anderen von seinem manifesten Verhalten ergibt (Aufhebung der Täuschung durch Enttäuschung: durch Aufklärung, die die Spannung auflöst, indem sie den Verbrecher dingfest macht) mit der realen, praktischen Konsequenz der Entwicklung von Verfahren der rationalen Bearbeitung des Verdachts: Ursprung und Entfaltung der Ermittlungsverfahren in der Inquisition; Übernahme dieser Verfahren in der wissenschaftlichen Forschung). Ihren letzten Ausdruck hat die säkularisierte Tiefe und die ihr zugrundeliegende Unterscheidung von manifester Oberfläche und Tiefe in der kantischen Unterscheidung der Erscheinungen von den Dingen an sich gefunden.
Die romanhaften Züge der Josephs-Geschichte – das möglicherweise erste Beispiel der geschickten Gestaltung psychologischer Spannung, das an der historischen Stelle, an die es der biblische Text rückt, völlig anachronistisch ist – zeigen sich vor allem in der sentimentalen Wiedersehens-Szene vor der Übersiedlung der Jakobsstämme nach Ägypten. An dieser Szene ließe sich erstmals die Frage studieren, warum die Menschen im Kino weinen. Und diese Szene steht in einem erhabenen Kontrast zur Isaak-Geschichte. Zur richtigen Bewertung und Einordnung dieser Szene scheint es notwendig zu sein, darauf hinzuweisen, daß die schlaue Geschichte des Bauernlegens, der Enteignung der Landbevölkerung durch Joseph vorausgeht und die Versklavung der Hebräer durch den Pharao folgt. -
20.09.91
Theorie des Feuers (gibt es in der Schrift eine Erinnerung an den Ursprung des Gebrauchs des Feuers?).
Off 1318: Hode hä sophia estin. ho echon noun psäphisato ton arhithmon tou thäriou. arhithmos gar anthropou estin. kai ho arhithmos autou hexakosioi hexäkonta hex. – Ist es die Zahl eines oder des Menschen? Weisheit und Verstand werden dann in Off 179 zitiert und erläutert: auf Rom bezogen.
Der Drache, das Tier aus dem Meere und das Tier vom Lande: wie verhalten sich diese drei zur Struktur von Herrschaft, Schuld und Verblendung?
Die Schrift macht das hic et nunc gegenstandslos und das Eine zum Anderen des Anderen (oder sie befreit den Gegenstand vom hic et nunc, von seinem Namen, und begründet die verandernde Kraft des Seins).
Der Fisch ist ein Christus-Symbol (ichthys = iesous christos theou uios sotär), aber ebenso das Lamm (der Widder?). Jedoch der Fisch aufgrund seines Namens, das Lamm, weil es stumm zur Schlachtbank geführt wird. Das Lamm liefert Wolle und Fleisch, die Kuh Milch und Fleisch, das Schwein nur Fleisch (das Schwein wird durch Domestizierung nackt).
Gibt es eine Evolutions-Synopse, die die Erdentwicklung, die Entwicklung der Pflanzen und die der Tiere synoptisch, in ihrem gleichzeitigen Verlauf, darstellt?
Die Sonne beherrscht den Tag und das Jahr, der Mond die Nacht und den Monat.
Der Sabbat ist der Tag des Saturn, nicht der Sonne. Der Sonnentag ist der erste Tag, der der Erschaffung des Lichts. Die Wochentage, die auch mit dem Schöpfungswerk (dem Hexaemeron) zusammenhängen, stammen wahrscheinlich aus dem Sternendienst, sie orientieren sich an den „Planeten“, den beweglichen Sternen:
– Sonne
Licht (Tag und Nacht)
– Mond
Gewölbe mitten im Wasser, scheide Wasser von Wasser (Himmel)
– Merkur
Wasser sammle sich, das Trockene werde sichtbar (Land, Meer)
das Land lasse Grün, Pflanzen mit Samen, Bäume mit Samen und Früchten wachsen (das Land brachte … hervor)
– Jupiter
Lichter am Himmelsgewölbe, um Tag und Nacht zu scheiden (als Zeichen und zur Bestimmung von Festzeiten, Tagen und Jahren); Gott machte die beiden großen Lichter (das größere soll über den Tag, das kleinere über die Nacht herrschen) und die Sterne; Gott setzte die beiden Lichter ans Himmelgewölbe (sie sollen über die Erde hin leuchten, über Tag und Nacht herrschen, Licht von der Finsternis scheiden)
– Mars
das Wasser wimmele von lebendigen Wesen, Vögel über der Land am Himmelsgewölbe; Gott schuf …; Gott segnete sie (fruchtbar, vermehren, bevölkern)
– Venus
das Land bringe alle Arten von lebenden Wesen hervor (Vieh, Kriechtiere, Tiere des Feldes).
Laßt uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich, sie sollen herrschen über Fische des Meeres, Vögel des Himmels, das Vieh, die ganze Erde und alle Kriechtiere auf dem Land. Gott schuf … (als sein Abbild, als Abbild Gottes, als Mann und Frau). Gott segnete (seid fruchtbar, vermehrt euch, bevölkert die Erde, macht sie euch untertan, herrscht über Fische, Vögel, Tiere). Nahrungsgebot (vegetarisch).
So wurden Himmel und Erde vollendet und ihr ganzes Gefüge.
– Saturn
Gott vollendet das Werk, das er geschaffen hatte.
ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte.
segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig, denn an ihm ruhte Gott, nachdem er … geschaffen hatte.
Hängt die Finsternis (die Scheidung des Lichts von der Finsternis) mit dem Gravitationsfeld zusammen? Und hängt die Mathematik mit den Zeugungen zusammen?
Wehalb durfte am Freitag kein Fleisch, wohl aber Fisch gegessen werden (Venus/Drachen: apokalyptisches Mahl des Leviatan)? Der Freitag ist der Tag der Kreuzigung, der Donnerstag der des Abendmahls.
Zum Zeichen des Tieres an Hand und Stirn: Was bedeuten Hand und Stirn? (Off 1316ff; zu Zeichen vgl. Gen 415, 912; zu Hand Deut 68; zu Stirn Ez 94 und Off 94).
Er ging hinaus und weinte bitterlich: das Weinen ist Trauerarbeit. Das Weinen bezieht sich auf den Trotz, in der Geschichte der drei Verleugnungen auf den in der Selbstverfluchung sich vollendenden Trotz. Das Weinen ist Ausdruck der Einsicht und des Bekenntnisses: Ja, das bin ich gewesen, das habe ich getan.
Wenn ich noch die Zeit und die Kraft dazu hätte, würde ich gerne
– einen Kommentar zur Hegelschen Logik schreiben. Arbeitstitel: Die Hegelsche Logik und das Inertialsystem.
– Oder eine Kritik der Heideggerschen Philosophie. Arbeitstitel: Die Fundamentalontologie oder das Herrendenken als Selbstverfluchung.
Kann es nicht sein, daß ebenso wie Abraham in der Genealogie vor die Könige (mit dem Einschub der Parodie auf beide: das Richterbuch) gesetzt wird, auch die Schöpfungsgeschichte, das Hexaemeron, im Rahmen der (nachdynastischen) Auseinandersetzung mit dem Sternendienst, an den Anfang gesetzt wurde?
Welche Rolle spielen eigentlich Lot, Ismael und Esau in der Vätergeschichte?
Ist Melchisedech, der „König von Salem“, ein Nachfahre des David? Welche Abraham-fremden Vorfahren gibt es in der Genealogie Davids (und Jesu): die Frauen?
– Tamar die Kanaaniterin (Mutter des Perez),
– Rahab die Frau aus Jericho (Mutter des Boas),
– Rut die Moabiterin (Mutter des Obed),
– Batseba die Hethiterin (Mutter des Salomo)?
Schon der Vorläufer des Personbegriffs, die hypostasis (das hypokeimenon oder die Substanz), das Zugrundeliegende, der Träger der Eigenschaften (wie die Person Träger des damit neutralisierten Namens ist) ist vom Bekenntnisbegriff (und der Bekenntnislogik, die die Logik der Verdinglichung ist) nicht zu trennen. Das Bekenntnis drückt genau die Trennung des Subjekts vom Prädikat, des Trägers (Dings) von seinen Eigenschaften aus; diese Trennung ist der Grund der Verdinglichung, sie verwandelt die dann sich bildende Beziehung in eine Schuldbeziehung. So zieht der Personbegriff auch den Namen in diese Schuldbeziehung mit herein (und neutralisiert seine benennende Kraft, verwandelt ihn in einen singulären Begriff: in eine singuläre Eigenschaft, die die Person dingfest macht; im Spitznamen drückt sich diese verdinglichende, fertigmachende Gewalt als Gelächter, deren letztes Objekt die Person ist, aus).
Empörung gibt es nur im Kontext der Personalisierung (Personalismus und Wertethik). Grundsatz der Personalisierung: An sich ist die Welt in Ordnung, aber leider gibt es ein paar Bösewichter (Prinzip der Idolatrie: Vergöttlichung der Bösewichter).
Personalismus und Wertethik ratifizieren die Zerstörung der Idee des Glücks. Benjamins Satz „Glücklich ist, wer seiner selbst ohne Schrecken inne wird“ bezieht sich auf ein Selbst, das sich allein im Angesicht Gottes konstitituiert.
Der Personalismus ist ein Ableger der christlichen Sexualmoral, die ihn zugleich stabilisiert; diese ist der Grund dessen, was seitdem „persönliche Verantwortung“ heißt: Zentrum einer Moral, die als Urteilsnorm das moralische Urteil durch Setzung des korrespondierenden Objekts: der Person, konstituiert. Hier liegt der Grund und der Ursprung des historischen Verdrängungsprozesses, Produkt einer auf den ersten Blick geringfügigen Verschiebung: der Vorstellung, die Erbsünde werde durch die Sexuallust (anstatt durch durch die sexualmoralische Urteilslust) auf die nachfolgenden Generationen übertragen. Das einzige Gegenmittel ist das Nachfolgegebot, das dem sexualmoralisch begründeten Feinddenken den Boden entzieht. (Zusammenhang von Sexualmoral, Objektivation und Verdinglichung, Personalisierung und Verinnerlichung des Opfers, Verschiebung des Mitleids vom Opfer aufs Selbst). Neubestimmung des Schuldbegriffs im Kontext des Nachfolgegebots (Befreiung vom Projektionszwang).
Personalisierung ist die letzte Möglichkeit, unter Verkennung der realen Beziehungen zwischen Welt und Person (der Weltgrundes der Person) Rachephantasien auszuleben. Die Verdrängung der Frage, was nach dem revolutionären Akt kommt, brutalisiert den revolutionären Akt, macht ihn terroristisch; ihr subjektiver Grund sind Heile-Welt-Phantasien (das Unheil kann nur von Bösewichtern kommen: so aber hat’s seit je die Kirche gelehrt). Die Säkularisierung der falschen Theologie, die Beibehaltung des Bekenntnisprinzips (mit Feinddenken, Ketzerverfolgung und -nicht zuletzt – Frauenfeindschaft) ist nur ein Indiz dafür, wie tief das christliche Erbe sitzt, wie sehr es uns in Fleisch und Blut übergangen ist; sie ist aber nichts weniger als eine geglückte Aufhebung des falschen Christentums. Der Atheismus, die Gottesleugnung, ändert die Welt nicht, versperrt nur der Reflexion die letzte Chance, das Moment der Unwahrheit im Weltbegriff zu begreifen.
Der Personbegriff drückte einmal die Anerkennung durch andere aus, die Hegel zufolge im Kampf um Leben und Tod errungen wurde und (ebenso wie das Eigentum, die Rechtsfähigkeit) die Person zur Person machte; in der verwalteten Welt ist die Person zum Knoten im Netz geworden, in dem sie gefangen ist und aus dem sie nicht mehr herauskommt: ist sie zu einer bloßen Funktion des Staates geworden, dessen Gewaltmonopol sie hilflos ausgeliefert ist, sofern sie nicht durch Eigentum geschützt ist. In dem Schimpfwort „diese Person“, das seinen logischen Ort im nachbarlichen Gerede hat, drückt sich die Wahrheit der vorfaschistischen Wertethik aus: als Person ist sie ungeschützt den Werturteilen ihrer Umwelt ausgeliefert; ohne Personbegriff kein Feinddenken: Horkheimers Wort über die Ambivalenz des Christentums gründet im christlichen Gebrauch des Personbegriffs (ohne den Personbegriff in der Trinitätslehre würde es keinen Grund für Apologetik und Theodizee geben; die damit systemlogisch verbundene Gottesidee ist ohne verteidigendes, apologetisches Denken nicht zu halten: Umkehrung der so neutralisierten Idee des Heiligen Geistes; es ist nicht unwichtig zu wissen, daß Tertullian, der den Personbegriff in die lateinische Theologie eingeführt hat, Jurist war: der Gedanke ist nicht abzuweisen, daß der Personbegriff hier nur noch das gemeinsame Verfügungsrecht der drei göttlichen Personen über die eine Wesenheit, die homoousia, ausdrückt).
Der Bekenntnisbegriff sowie Form und Inhalt des christlichen Dogmas bilden ein System, das jedoch nur dann zu begreifen ist, wenn das System als ganzes gleichsam als sein eigener Umkehrpunkt begriffen wird. Die Bekehrung dieses Systems, seine Rettung vor dem Instrumentalismus, läßt sich begründen aus dem Nachfolgegebot; ihre Realisierung wäre die Wahrheit des Satzes „Schwerter zu Pflugscharen“.
Gegen Heinsohn: Das Opfer ist kein Mittel der Katastrophenbewältigung, sondern eines der Schuldbewältigung: es will (wie das Experiment in der Physik) eine Untat durch Wiederholung ungeschehen machen. Und die Idolatrie (auch der Sternendienst und das Bilderwesen) ist ein Mittel der Komplizenschaft: der Rechtfertigung von Herrschaft.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Bezeichnungen Barbaren und Hebräern? Wenn, dann würde das genau die Differenz zwischen der hellenischen und der israelitischen Tradition ausdrücken: der Unterschied zwischen der projektiven Fremdbezeichnung und der reflexiven Selbstbezeichnung (sie „lebten als Fremde im Lande“ – ist der „hebräische Sklave“ ein „fremder“ Sklave?). Ist die Teilung bei Eber die zwischen Hellenen (im weitesten Sinne) und „Barbaren/Hebräern“ (der erste historische Ausdruck der Klassengesellschaft), die Teilung, in der sich die Hebräer auf der anderen Seite wiederfinden (und „Abraham der Hebräer“ sollte „ein Segen für die Völker“ werden)? Der verzweifelt scharfsichtige Nietzsche hatte Recht: die jüdisch-christliche Religion ist eine Sklaven-Religion (aber der „Wille zur Macht“ ist die falsche, die faschistische Konsequenz daraus: jedoch die einzige, wenn die jüdisch-christliche Tradition verworfen wird). Die Söhne Ebers waren Peleg (Teilung) und Joktan, Peleg gehört zum Stammbaum Jesu. Zwischen den Genealogien Joktans (Gen 1026) und Pelegs (Gen 1118) liegt der Turmbau zu Babel (Gen 111ff).
Nochmal zu den Söhnen Ebers: Ist der Teil der Nachkommenschaft Ebers, der vor der Sprachverwirrung benannt wird und wohl im Arabischen wohnt, eine Abspaltung, in der sich die Ursprache (die Sprache vor der Sprachverwirrung) erhalten hat? Oder hat Eber mit Abraham und seine Söhne mit den Söhnen Abrahams (und insbesondere Joktan mit Ismael) zu tun (wo sind ihre Siedlungsgebiete: die Söhne Joktans von Mescha, wenn man über Sefar kommt, bis ans Ostgebirge – Gen 1030 – und die Söhne Ismaels von Hawila bis Schur, das Ägypten gegenüber an der Straße nach Assur liegt – Gen 2518; ist nicht die Jakobsleiter in der Jakobsgeschichte das Gegenstück zum Turmbau von Babel)?
Die barbaroi sind die „Stammelnden“, nur die Hellenen sind sich selber verständlich. Ist nicht in der Prophetie der „Taumelkelch“ ein Bild für das, was im Hellenismus (im griechischen Mythos und in der Philosophie, in dem, was Nietzsche im Dionysischen, der Innenseite des Apollinischen, begriffen hat) dann sich entfaltet? Im Hegelschen Absoluten, in dem „kein Glied nicht trunken ist“ (vgl. hierzu auch Kants Antinomien der reinen Vernunft und Hegels Bemerkungen dazu), kehrt das wieder. In der philosophisch instrumentierten Trinitätslehre ist dieser „Taumelkelch“ ins Christentum eingewandert. Und der zentrale Begriff war wohl der der homoousia, den Konstantin in Nizäa durchgesetzt hatte.
Das Stammeln der Barbaren ist in der Schrift Wort geworden. Und die Aufgabe der historischen Bibelkritik scheint es zu sein, die Bibel aus ihrer falschen Verständlichkeit in dieses Stammeln zurückzuübersetzen, aus dem heraus sie vielleicht einmal wirklich verstanden werden kann. (Ist Hebräisch eine Objektsprache? Und verweist die Unterscheidung von Hellenen und Barbaren auf den Turmbau zu Babel?)
Die Sprache des NT ist Griechisch: die damalige „Weltsprache“ und die Sprache der Philosophie. Aber das neutestamentliche Griechisch ist weder das eine noch das andere, es stammelt gleichsam in beiden Sprachen. Zu begründen ist das neutestamentliche Griechisch eigentlich nur durchs Nachfolge-Gebot: als ein erster Versuch, in der Sprache der Welt die Schuld der Welt auf sich zu nehmen. So hat es auch sprachlich die Gestalt des Gottesknechts angenommen (Jes 421-9, 491-7, 504-11, 5213-53).
In Heideggers Fundamentalontologie wird der Taumelkelch zur Droge; davon ist die Kirche süchtig geworden.
Maß, Zahl und Gewicht (Waage): sind das nicht Raum, Zeit und Materie (vgl. Hegels Logik, Quantität)?
Zu Maß, Zahl und Gewicht (die Produkte der Abstraktion und des Vergleichens, von Augustinus als Hinweis auf die Trinitätslehre verstanmden): Liegt der Ursprung des „Gewichts“ im Geldwesen (das Geld als Einheit von schwerer und träger Masse; babylonische Tempelwirtschaft und Astronomie / Astrologie, Schuldknechtschaft; moderne Astronomie und Gravitationslehre als Stabilisator der Mechanik; Kopernikus und Newton waren Münzbeamte)?
Die Welt, auch die physikalische, ist die Wolfswelt.
Der „Schrecken Isaaks“ ist der Schrecken des „Er lacht“. Die tiefe Zweideutigkeit, die Dämonie des Lachens, in dem Freude und Hohn kaum voneinander sich trennen lassen, klingt hier an. Zuletzt erscheint das in der verkehrten (unbekehrten, mit dem christlichen Begriff der Sexualmoral zusammenhängenden) Vorstellung des Augustinus, daß zur Glückseligkeit der Seligen im Himmel der Anblick der Leiden der Verdammten in der Hölle gehört. Hier ist einer der christlichen Ursprünge des Faschismus; hier sind die Seligen im Himmel schon auf der Bahn zum KZ-Wächter. In jeder Law and Order-Mentalität steckt etwas davon.
Der positivistische Ansatz in Loretz‘ Hebräer-Buch hängt nachweislich zusammen mit der Unfähigkeit, das Moment der Gemeinheit im wissenschaftlichen Objektivismus (und in der vergesellschafteten Welt) zu reflektieren.
Die Josephs-Geschichte beschreibt den Vorgang der ursprünglichen Akkumulation des Kapitals im Kontext des Staatskapitalismus, während die ökonomisch-religiösen Institutionen in Babylon solche der Privatwirtschaft gewesen zu sein scheinen. Das Königtum und die Tempelwirtschaft sind Instrumente eines Handelsbürgertums, das so die Grundlagen des Handels: das Geld und das Vertragswesen, absicherte (dagegen ist der Dekalog von Grund auf antikapitalistisch).
Pyramide und Mausoleum: Zusammenhang von Staatskapitalismus und Totenkult.
Der Ursprung der Idee, die Welt müsse zivilisiert werden, ist griechisch (Alexander); und der Ursprung der Idee, sie müsse befriedet werden, römisch (Cäsar / Augustus). Beides kehrt wieder in der spätchristlichen Verbindung von Mission und Kolonialismus (die Asylanten von heute sind die Nachfahren der Hebräer).
Ebenso, ja mehr noch wie im Wörterbuch steckt die Weltgeschichte in der Grammatik (Genitiv / Dativ; mit dem Ablativ verschwindet der Sprachgrund der Gnadenlehre). Der Weltbegriff selber ist Teil einer grammatischen Struktur, eines grammatischen Konstrukts, des gleichen Konstrukts, durch das der Begriff in der Sprache verankert wurde (das prädikative Urteil, die damit zusammenhängenden Strukturen der Deklination und Konjugation), während die Mathematik sich aus der Sprache und gegen die Sprache entfaltete (Beziehung von Mathematik und prädikativem Urteil; Verstärkung der Gewalt des prädikativen Urteils durch die Mathematik: Was bedeutet der Begriff Mathematik?).
Die Metaphysik setzt die Physik, die Gegenstandswelt, voraus. Deren Konstruktion setzt wiederum die Astronomie voraus.
Die Heideggersche Philosophie ist ein Reflex der verdinglichten Objektwelt: die auftrumpfende Ohnmacht des Subjekts, der zwangshaft sich selbst reflektierende Instrumentalismus, der das Bewußtsein, Instrument zu sein (der „Uneigentlichkeit“), unter taktischer Verwendung der selber instrumentalisierten Bekenntnislogik (des Dezisionismus) zur „Eigentlichkeit“ aufspreizt. -
03.09.91
Das Bekenntnis (und der dazugehörige Personbegriff) sind an die Ausbildung des formalen Rechts (an die staatliche Organisation der Gesellschaft) gebunden, das jene Objektivität (Welt als Distanz zur Welt; die Dinge als potentielles Eigentum von Personen) begründet, in der dann die Dogmenentwicklung, insbesondere die Entfaltung ihrer lateinischen Version, überhaupt erst möglich war. (Zusammenhang mit der Aufgabe des „Rechtsstaats“, alle in den Anklagezustand zu versetzen, aus dem man sich nur durchs Bekenntnis lösen kann; deshalb gibt es Staatsanwälte, und deshalb gilt das erste Bekenntnis dem Rechtsstaat, dem alle Bekenntnisgemeinschaften nachgebildet sind.) In diesem Zusammenhang gewinnt der Bekenntnisbegriff (zusammen mit seiner technisch-instrumentellen Qualität, seiner Handhabbarkeit für Herrschaftszwecke) den gleichen changierenden Bedeutungshorizont wie die Begriffe Person, Sache, Schuld. Das ist die Folge davon, daß er die Funktion und Bedeutung einer Anschauungsform im Sinne der kantischen Erkenntniskritik, der Transzendentalphilosophie, annimmt (wobei das Bekenntnis den reinen Anschauungsformen, die Person dem transzendentalen Subjekt, die Sache dem Objekt, die Schuld dem Kausalitätsbegriff entspricht: hier wird die Beziehung des synthetischen Urteils apriori zum Schuldurteil, zum richtenden Denken, hergestellt; Verdrängung der verteidigenden Instanz). Jedes Bekenntnis ist in der Tat ein (Schuld-)Geständnis. Und der Konfessionalismus begründet nicht eine Gemeinschaft von Erlösten (die „Freiheit der Kinder Gottes“), sondern einen fast ausweglosen Schuldzusammenhang.
Person und Subjekt: Während sich das Subjekt in Beziehung zum Objekt definiert, drückt der Personbegriff die Beziehung zu anderen Personen und zum Eigentum aus. Das christliche Dogma hat den Begriff des Erlösten durch den Personbegriff ersetzt (und säkularisiert: auf den Kopf gestellt). – Vgl. auch die konstitutive Bedeutung des Eigentumsbegriffs für die Distanz zum Objekt („durch die Distanz vermittelt, die der Herr durch den Beherrschten gewinnt“: Der Eigentumsbegriff schließt das Eigentum über den Beherrschten mit ein: über die Geschichte des Sklaventums; diese Geschichte hat sich in der des Geldes – und in der des Raumes, des Inbegriffs der Distanz zum Objekt – vergegenständlicht).
Die Idolatrie dehnt das Eigentumsverhältnis auf die Religion aus.
Bekenntnis und Recht: Auch das Bekenntnis (das dieses Eigentumsverhältnis endgültig stabiliert) ist kein Schutz gegen Gemeinheit, im Gegenteil: es ist heute zu einem zentralen Teil der Gemeinheitsautomatik geworden (dessen Genese und Wirkungsweise sich nirgend eindringlicher als an der Kirchengeschichte studieren läßt). Der Ursprung dieser Gemeinheitsautomatik liegt in der Geschichte der Sklaverei als der Urgeschichte des Eigentums (und der „Welt“, die insgesamt als potentielles Eigentum definiert ist, während der Naturbegriff an dem daraus abgeleiteten Objektbegriff sich orientiert).
Bekenntnis und Jungfräulichkeit: Instrumentalisierung des Widerstands gegen die Instrumentalisierung.
Wie heißt und was bedeutet der hebräische Ausdruck für die „Dornen und Disteln“: kann es sein, daß in den Dornen eine Beziehung zur Orthogonalität, zur Struktur des Raumes mit anklingt? (Sind Dornen die Hörner von Pflanzen? – Vgl. „Horn“ in der Schrift: Dan 77, Off 2215 und die Jotam-Fabel.)
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Rache, Recht und Orthogonalität, Orthodoxie? Kann es eine Orthodoxie ohne Opfer geben?
„Der Opfertisch werde für sie zur Falle, das Opfermahl zum Fangnetz.“ (Ps. 6923) Gilt das Gleichnis vom Unkraut und vom Weizen auch für die Opfertheologie? -
18.07.91
Der Urknall: So lösen Techniker das Problem der Schöpfung.
Bilderverbot und Nachfolgegebot: Ödipus als Grenzscheide?
Hat die Stabilisierung der Venusbahn zur Stabilisierung der Zeit (Ursprung des Plusquamperfekt; Regenbogen) geführt?
Heute genügen gesellschaftliche Naturkatastrophen (Änderungen nach Weltkrieg II?): Der bloß verdrängte Antisemitismus macht die Gesellschaft handlungsunfähig, geborgenheitssüchtig; Zusammenhang mit der Potenzierung der Bedürfnisse (Bedürfnisse der Objekte).
Das Eine ist das Andere des Anderen: Mit dieser Logik (Grund der Reflexionsbegriffe, der positiven Dialektik) rechtfertigt man die eigenen Untaten („die anderen sind auch nicht besser“; entscheidend ist nicht, nicht gemein zu werden, sondern sich nicht erwischen zu lassen; vgl. Ez 2227, Jer 526).
Die Wertphilosophie (der Personalismus) als entfremdete Wissenschaft vom „Antlitz“ (Parallelität zum Ursprung des Films, Organ der Selbstverfluchung).
Kants „Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung“: Die Einführung des Intersubjektivitäts-Prinzips in die Moral leugnet das Angesicht und vergißt, daß es keine Gesetzgebung gibt, die gegen Gemeinheit schützt.
Falsch an der Opfertheologie ist die Vorstellung, daß Gott das Leiden, die Unterwerfung, will. Die Opfertheologie gilt nur im Bereich des aus dem Tauschprinzip sich herleitenden Herrendenkens (und fürs entfremdete Bekenntnis, für die Konstitution der Materie – den Staub -, der das Zwangsbekenntnis – die Selbstlosigkeit, der „reine Altruismus“ – sich gleichmacht).
Nachdem die Aufklärung die richtende Gewalt endgültig als Inbegriff der Welt (als Weltgericht) etabliert hat, bleibt dem Jüngsten Gericht nur noch das Erbarmen, das Gericht der Barmherzigkeit über die gnadenlose Welt: Bleibt allerdings da noch ein Rest, der gerettet werden kann?
Nicht der Materialismus, sondern der Idealismus ist materialistisch.
Es gibt kein Bekenntnis ohne Härte. (Verdinglichung und Paranoia; Objektivation und Opfertheologie)
Wie hängt die Frage nach dem „Sinn“ (nach dem „Sinn von Sein“ z.B.), überhaupt der im Deutschen so belastete Sinnbegriff (auch die seit Heidegger so beliebten „Fragen“, wie die Seinsfrage, die Judenfrage, die deutsche Frage u.ä.) mit dem Zerfall der benennenden Kraft der Sprache, mit dem Stand der Geschichte des Begriffs, zusammen? -
27.06.91
Heinsohns „Schuldknechtschaft“ ist der zentrale Begriff der Systemlogik des mythischen Zeitalters, Grundlage des Schicksalsbegriffs.
Die Verinnerlichung des Schicksals, Voraussetzung der Philosophie und des politischen Selbst- und Weltverständnisses im Römischen Imperium, schließlich Grundlage des bürgerlichen Bewußtseins insgesamt, ist die reale Zeitenwende, auf die das Nachfolge-Gebot die der jüdischen Tradition angemessene Antwort gibt. Das Nachfolge-Gebot hat im Christentum den gleichen Stellenwert wie das Bilderverbot in der jüdischen Tradition (und schließt dieses mit ein).
Zur Dialektik der christlichen Dogmenentwicklung gehört es, daß sie dem Bann, den sie gegen die Häretiker verhängt, selber dann verfallen ist. Das „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“ ist das Urteil über diese Dogmengeschichte. Das Dogma ist dann in der Geschichte zu einer Waffe geworden, an der Blut klebt, die Millionen Opfer gefordert hat. Die Aufforderung „Schwerter zu Pflugscharen“ greift tief in den Glaubensbegriff und in die Bekenntnislogik ein.
Wer kann heute noch im Ernst an die Möglichkeit des seligen Lebens glauben, ohne in diese Hoffnung die Opfer von Auschwitz und die Opfer der Kirchengeschichte mit hereinzunehmen.
Die Vergesellschaftung von Herrschaft und die Vergesellschaftung der Natur sind miteinander verbundene und nicht voneinander zu trennende Prozesse; sie haben den gleichen Verdrängungshintergrund: sie schließen den Gedanken an die Idee des seligen Lebens aus. Und beide zusammen ergeben den Säkularisationsprozeß. Die vergegenständlichte Natur ist ein Stabilisator von Herrschaft.
Nenne mir einen, der an die Auferstehung der Toten glaubt: dann müßte er auch an die Auferstehung der in Auschwitz Gemordeten glauben, deren Gericht er dann zu erwarten hat. Ist er auf die Fragen, die ihm dann gestellt werden, vorbereitet?
Wir leben heute in einer Zeit, in der die individuelle Gewissenserforschung sich auf die gesamte Menschheitsgeschichte erstrecken muß (dem theologischen Eiertanz ein Ende bereiten).
Heute haben alle Angst, die realen Verheißungen des Christentums könnten wahr sein, deshalb basteln sich die einen ihre Privatversion des Christentums, während die anderen alles daran setzen, die Tradition unter Kontrolle zu halten, damit das nicht hochkommt, was das entfremdete Selbstverständnis, zu dem man keine Alternative sieht, erschüttern könnte. Der Zustand ist daran erkennbar, daß die Eucharistie, seit sie unter den magischen Bann geraten ist, zu einem Mittel der Entsensibilisierung geworden ist (wie weit sind Drogenabhängige Eucharistiegeschädigte?), und die Kirche zu einem Ort der toten Seelen. – Erst die Gottesfurcht vermag die Sinne wieder zu öffnen. Nach dem Krieg hat sich die Kirche nur noch als Exkulpierungsanstalt, als Hilfe bei der Gewissensentlastung angeboten (statt bei der Gewissensverschärfung: beim Erlernen des angstfreien Gewissensgebrauchs). Sie war nicht nur kontraproduktiv, sie ist so zur Droge geworden, und die Gläubigen süchtig.
Die Boulevard-Presse übersetzt die Politik ins Private, schirmt die private Existenz gegen die störende Politik ab, macht das, was dann von Politik noch hereindringt, vollends irrational, verwandelt das Private in ein voyeurhaft entfremdetes und vergegenständlichtes Medium. Das verstärkt den Gemeinheitstrend.
Das Nachfolge-Gebot, die Übernahme der Schuld der Welt und die benennende Kraft der Sprache sind miteinander verbunden.
Zum Zeitalter der nationalistischen, chauvinistischen Geschichtsschreibung und ihrer Auswirkung auf das Prophetieverständnis: Es gibt auch einen kirchlichen Chauvinismus. Und mit wenigen Ausnahmen beherrscht sie die Kirchengeschichtsschreibung.
Moralische Urteile („Werturteile“) sind Verdammungsurteile, sind Verurteilungen; sie schließen, wie das Recht, den Verurteilten von der Gemeinschaft der anständigen Menschen, zu denen man sich selber zählt, aus. Diese Anständigen sind – das hat Himmler in seiner berüchtigen Rede begriffen – zu Herren des Totenreichs geworden. Jede Empörung – und Empörung ist im Kern moralische Empörung – ist der Versuch, dieser Objektzone, diesem Totenreich, zu entrinnen; daher rührt die (seit je manipulierbare) Emphase der Empörung. Aber eben durch die Empörung verfällt man dieser Objektzone. Auch die Arroganz der Macht ist, wie es die „Ossis“ dann am eigenen Leibe erfahren haben (und an andere marginale Gruppen weitergeben), längst sozialisiert.
Bedeutet Arroganz ein Verhalten, das durch Unansprechbarkeit, Unbelehrbarkeit, generelle Abweisung von Bitten, Fragen, Ersuchen gekennzeichnet ist? Gibt es einen Zusammenhang mit den zuerst wohl von Heidegger entdeckten „Fragen“ (Seinsfrage, Judenfrage, deutsche Frage)? Hängt auch Marquards „diskussionslose Unterwerfung“ (mit dem schiefen Vergleich der Unterwerfung unters Dogma mit der jüdischen Treue zur Tora) damit zusammen?
Kann es sein, daß die Begründung der Mathematik nur astrologisch möglich ist?
Zu Reinhold Schneider: „Allein den Betern …“
– Geht es nur um „das Schwert ob unsern Häuptern“? Genau das hat nach dem Krieg in die „zweite Schuld“ hineingetrieben. Und zu der Zeit, als Reinhold Schneider das schrieb, war es über die andern längst niedergegangen.
– „… und diese Welt den richtenden Gewalten durch ein geheiligt Leben abzuringen“? Käme es nicht allein darauf an, die Opfer dieser Welt von den richtenden Gewalten, deren Inbegriff diese Welt ist, zu befreien? Denn:
a. Diese Welt ist der Inbegriff der richtenden Gewalten, und
b. die diese Welt richtenden Gewalten sind die Anwälte der Opfer.
Bezieht sich im Anfang der Genesis das „wüst und leer“ auf den „Himmel und die Erde“? – Und der Geist Gottes schwebte über den Wassern: Der Chaos-Drache kommt nicht vor, an seiner Stelle sein Gegenbild, der Geist.
Das Märchen-Motiv „Er ging hinaus in die weite, weite Welt“ hat heute seine Erfahrungsgrundlage verloren: Die Welt ist eng geworden.
Heinsohns Hinweis auf den genetischen Zusammenhang der Geldwirtschaft mit der Schuldknechtschaft verweist auf die Verschmelzung von Schuld und Armut, das Objekt der prophetischen Kritik.
Wie verhält sich die Urteilslust, die Lust am moralischen Urteil, zum Glück der Erkenntnis? Wenn man weiß, daß die Intention des Vergewaltigers nicht auf die sinnliche Lust, sondern auf die Lust an der Erniedrigung des Objekts abzielt, begreift man vielleicht etwas genauer den rationalen Kern der kirchlichen Sexualmoral (den die Kirche allerdings längst verraten hat).
Das Selbsterhaltungsprinzip ist der Kristallisationskern für den Aggregatzustand der weltlichen Erkenntnis; die Transzendentalphilosophie Kants hat die Bedingungen dieses Aggregatzustands erstmals präzise beschrieben. Hier liegt der Ursprung des Objektivationsprozesses, der Trennung von Begriff und Objekt, der Ablösung des Objekts von sich selbst, seine Hereinnahme in die apriorische Struktur des Urteils. Vom Ursprung der Philosophie bis in die Ausbildung und Entfaltung der modernen Naturwissenschaften beweist dieser Objektivationsprozeß seine abstraktive Gewalt. Die ungeheure Bedeutung des Prinzips der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit liegt darin, daß es erstmals die Distanz des Systems zum Objekt im System selbst kenntlich macht und bestimmt.
Aufgabe einer Philosophie, die aus Auschwitz die Konsequenzen zieht, wäre es, das Interesse der Erkenntnis auf das zu richten, was im Windschatten dieses Systems liegt, durchs System unterdrückt, verdrängt wird. Das haben Levinas und die französische Philosophie im Rahmen der anderen Rezeption Heideggers durch den Begriff des Anderen, der Differenz zu bestimmen versucht. -
26.06.91
Wolfdietrich Schmied-Kowarzik: Franz Rosenzweig, Existenzielles Denken und gelebte Bewährung, Freiburg/München 1991:
– „Existentielles Denken“ apriori falsch; aus der einen Bemerkung über Heidegger nach dem Davoser Gespräch läßt sich das nicht ableiten, ohne den Ernst des „Stern“ zu desavouieren, ihn dem Jargon der Eigentlichkeit unterzuordnen;
– ebenso „gelebte Bewährung“: bei Franz Rosenzweig geht es um die Bewährung der Wahrheit, die den Weg ins Leben eröffnet; gelebte Bewährung: er hat sich bewährt, ihm wird die Reststrafe erlassen?
Als ich den „Hinweis“ schrieb (mit dem ich überhaupt nicht zufrieden war), habe ich nur dunkel geahnt, worauf ich mich da eingelassen hatte. Mir war nur eines unzweifelhaft klar: hier war die einzige theistische Philosophie, die dem Anspruch des Stands der Aufklärung standhielt. Benjamins Wort über R., er habe es vermocht, „die Tradition auf dem eigenen Rücken zu befördern, anstatt sie seßhaft zu verwalten“, war mir schlicht einleuchtend. Aber es hat mir den Zugang zu diesem doch sehr spröden und unzugänglichen Werk nicht erleichtert. Hinzu kam, daß mir sehr früh klar war, daß eine unmittelbare Rezeption nach Auschwitz nicht mehr (und wahrscheinlich auch vorher nicht) möglich war. Dieses Buch war (schon vor dem Eintritt der Katastrophe) eine jüdische Antwort auf den Antisemitismus; es von der Opfer- auf die Täterseite herüberzubringen, erschien mir (auch angesichts meiner Erfahrungen mit der Theologie) zwingend notwendig, aber auch fast unmöglich. Den leichteren Weg der existentiellen Adaptation mochte und konnte ich nicht gehen (vor R. hatte ich Adorno gelesen, über den ich an Walter Benjamin und dann an R. geraten bin).
Der Fall Rosenstock ist für mich eigentlich die rätselhafteste (wenn nicht die peinlichste) Geschichte in meiner Beziehung zu Rosenzweig: Ich habe Eugen Rosenstock-Huessy noch in Münster anläßlich einer Gastvorlesung in den fünfziger Jahren gehört, habe es dann aber, nach dem, was ich von ihm an wilden Spekulationen über Rosenzweig (so meine Erinnerung) zu hören bekam, vorgezogen, ihn nicht auf sein Verhältnis zu Rosenzweig anzusprechen. – Ich habe übrigens den Briefwechsel Rosenzweig-Rosenstock nie als einen Beitrag zum „jüdisch-christlichen Dialog“ verstanden, sondern, soweit er Rosenstocks Beitrag betrifft, als eine wenig interessante Privatangelegenheit.
R.’s Sprachphilosophie ist Ergebnis, Resultat seiner Kritik der Philosophie des Begriffs, auf die seine Kritik des „All der Philosophie“ abzielt. Hier findet die Auseinandersetzung zwischen Philosophie und Prophetie nach dem Ende der Geschichte der Philosophie erstmals ihre Stelle (unterschiedliche Stellung von Sprache und Begriff zum Objekt, Kritik des Wissens – vgl. hierzu Benjamins theologische Formulierung dieser Kritik im „Ursprung des deutschen Trauerspiels“ -, unterschiedliche „Aggregatzustände“ der Erkenntnis).
Was ist „unvordenkliche Existenz“ (S. 30)? – Wer Adorno gelesen hat, weiß, daß der Begriff der Existenz aus dem Idealismus nicht herausführt, vielmehr in ihm (sowohl bei Kant wie auch bei Hegel) seinen präzise bestimmbaren Stellenwert hat; Existenz ist eine idealistische Kategorie. Was Rosenzweig anspricht (ich mit Vor- und Zunamen, nicht das Ich mit seinem Palmenzweig), ist eigentlich nur im Rahmen seiner Sprachphilosophie, im Zusammenhang mit der erkenntniskritischen Rehabilitierung des Namens (der Name ist nicht Schall und Rauch) gegen den von der Philosophie sonst nicht abzutrennenden Bann des Begriffs (der Subsumtions- wie der dialektischen Logik) zu verstehen, d.h. eher vor dem Hintergrund von Benjamins erkenntniskritischer Vorrede zum „Ursprung des deutschen Trauerspiels“, als im Kontext der Fundamentalontologie Heideggers, gegen die Rosenzweigs Hinweis auf die „verandernde Kraft des Seins“ (im „Neuen Denken“) immer noch das entscheidende Argument liefert.
Das „ich mit Vor- und Zunamen“ ist übrigens nicht die „Person“, deren Begriff aus der lateinischen Theologie (Tertullian) stammt und heute zu einer verwaltungstechnischen Kategorie geworden ist. Die Differenz ist minimal, fast nicht mehr zu bestimmen, aber zugleich eine ums Ganze: Aufhebung der Differenz zwischen mir und den anderen, Resultat und Grund der Instrumentalisierung des Subjekts, Angleichung des Subjekts ans vergegenständlichte Objekt. Nicht zufällig definiert die Person das Subjekt der Schuld; Grund der Zurechenbarkeit. In der Theologie (zuerst in der Trinitätslehre) bezeichnet die Einführung des Personbegriffs den Ursprungspunkt des apologetischen Denkens, des Theodizee-Zwangs: Der Personbegriff setzt die Menschen und Gott unter Rechtfertigungszwang, gleichsam unter ständigen Anklagedruck. Er ist so nur mit einer Opfertheologie zu begründen, in der am Ende die Gottesidee selber untergeht.
Kann man die Stellung des Islam aus dem R.schen System herauslösen (S. 36), ohne das System selbst zu zerstören? Wird es nicht so wieder zu dem, was es doch um keinen Preis sein will: zur Religionsphilosophie, zur Weltanschauung?
Auf andere Weise ist dann freilich doch das „System zu zerstören“ – um es zu retten: Nach Auschwitz (und im Kontext einer Kritik des Herrendenkens in ihrem Kern: in der Geschichte der naturwissenschaftlichen Aufklärung) haben sich die elliptischen Zentren so verlagert, daß das System nur über eine Neukonstruktion zu retten ist. Die bloße Konservierung, die nützlich ist zum Verständnis, vergißt das Beste, trägt bei zur Zerstörung.
Franz Rosenzweigs „Stern der Erlösung“ ist auch ein Genie- und Gewaltstreich. Und genau von diesem Bann wäre es zu befreien. (Vgl. dazu auch die Bemerkungen Scholems zum Stern.)
Bei Heidegger ist von der Philosophie nur der autoritäre Gestus übriggeblieben, und dessen Begründung und Erhaltung dient die gesamte Fundamentalontologie. Die strategische und taktische Absicherung dieses Gestus ist ihr einziger Inhalt.
Meine Intention ist der des Historikers genau entgegengesetzt: mir geht es nicht um die Vergegenständlichung der Vergangenheit, sondern um ihre Entgegenständlichung: um das Eingedenken, um die Erinnerung, darum, auch in den fremdesten und chockierendsten Dingen noch meine eigene Geschichte zu erkennen. Was ich in mir selber aufarbeiten muß, steckt in dieser Vergangenheit.
Der raf ins Album: Die terroristischen Aktionen haben die ihrer Absicht genau entgegengesetzten Wirkungen; sie exkulpieren die Strukturen und Handlungen, die sie angreifen. So, wie nach den Morden an der Startbahn alles, was vorher passiert ist, vergeben und vergessen war. D.h. mit in Rechnung zu stellen ist immer die antiaufklärerische Wirkung, die Tatsache, daß im Rahmen des Schuldverschubsystems die andere Seite am stärkeren Hebel sitzt. Der Terrorismus macht die Charaktermasken des Bestehenden zu Opfern, und damit unangreifbar. -
12.06.91
„Der Kläger (gegen die Existenz von Gaskammern in Auschwitz, H.H.) dürfte nicht behaupten, daß sie nicht existiert, sondern daß die Gegenpartei den Beweis ihrer Existenz nicht erbringen kann.“ (Lyotard: Der Widerstreit, S. 20) Die kantischen Antinomien der reinen Vernunft (KdrV, S. 325ff) benennen den beweislogischen Grund dafür, daß Gemeinheit kein strafrechtlicher Tatbestand sein kann (der Gewinner in diesem Spiel lacht: wer zuletzt lacht, lacht am besten).
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07.06.91
Bezeichnet die „Urflut“ im Schöpfungsbericht das flüssige, frei verschiebbare Element der Schuld, in dem dann die Meeresungeheuer sich bilden?
Die Gottesfurcht ist der Anfang der Weisheit, weil sie der Riegel vor der projektiven Schuldverarbeitung ist, weil sie die Leugnung der Schuld durch Exkulpation, durch Verdrängung und Abwehr verbietet.
Ich habe Kant nie als Rechtfertigung, sondern immer als Kritik des naturwissenschaftlichen Erkenntnisbegriffs verstanden. Ich stand sozusagen auf der Seite Schopenhauers, nicht auf der Seite Fichte, Schelling, Hegel.
Der Grund für den Konkretismus bei Heinsohn und seinen Mitarbeitern liegt in der Unfähigkeit, die Dialektik von Geltung und Genesis zu durchschauen. Gunnar Heinsohn hebt zu Recht das subjektive Moment in der Geschichte des Ursprungs der Geldwirtschaft (der „Schuldknechtschaft“, der Beziehung zur Schuld überhaupt) hervor. Das schließt aber nicht mit ein, daß darin heranwachsende Moment der Herrschaft des Tauschprinzips bloß falsch ist. Nur, weil er das Tauschprinzip tendentiell verdrängt, kommt er in den zwangshaften Empirismus herein, der dann in der konkretistischen Naturkatastrophen-Theorie zutage tritt. Er muß dazu seine Zuflucht nehmen, weil er anders den gesellschaftlichen Bruch, der damals eingetreten ist, nicht erklären kann: eine der Folgen ist dann die Vulgärpsychologie, mit der er das „Ereignis“ dann ausmalt, um den Ursprung des Opfers zu erklären; Totem und Tabu ist vollständig vergessen.
Übersieht er nicht in seinem Konzept des Ursprungs des Privateigentums durch die Landaufteilung unter den aus dem Matriarchat exilierten Männern die nomadische Vorform des Privateigentums (die Tierherde, das erste Geld: pecunia); vgl. hierzu die Patriarchengeschichten der Bibel (Ismael und Isaak, Jakob und Esau, Jakob und Laban, Lea und Rahel). Werden diese deutlichen Hinweise nicht schlicht unterschlagen? Oder ist Abraham schon der zweite, nicht erbberechtigte, rechtlose Sohn, der deshalb mit seinem Neffen Lot aus dem chaldäischen Ur emigriert, zum kleinviehzüchtenden Nomaden wird, aber auch in den Königen und Priestern seinesgleichen (aus gleichem Ursprung herkommend) erkennt? Welche Bedeutung haben dann die Geschichten mit Sara, Rebekka und Rahel?
In der Abraham-Geschichte ist das erste Privateigentum, der als Begräbnisstätte gekaufte Acker.
Unaufgeklärt bleibt bei Heinsohn immer noch der Ursprung und die Funktion des Tempels und des Opfers in der Geschichte der Geldentstehung und auf der anderen Seite der Grund für die Verstaatlichung der Münze (wann und durch wen?). Die Tempelbank hat wohl nur binnenwirtschaftliche Bedeutung, während die Verstaatlichung der Münze außenwirtschaftliche Bedeutung hat, mit dem Ursprung des Weltbegriffs, mit der Kolonisation, mit dem Eroberungstrieb zusammenhängt.
Welche Bedeutung haben überhaupt die Eroberungen durch Assur, durch Babylon, durch die Makedonier, durch Rom (die vier Reiche des Daniel), in welcher Beziehung stehen sie zu dieser ökonomischen Entwicklung? Ist Sumer das ökonomische Babylon? Läßt sich das prophetische und das apokalyptische Babylon in diesem Zusammenhang genauer bestimmen (wenn Sumer das ökonomische B. ist)?
Welche Bedeutung hat es für die neuere Geschichte, daß die Missionierung von der Peripherie, von Irland und Schottland, ausgeht, und die ökonomische Moderne von den Wikingern, den Normannen?
Wie sieht es mit der ökonomischen Struktur, den ökonomischen Grundlagen des Islam aus, mit der Nähe zum Nomadentum und zum Handel, bei gleichzeitigem Zinsverbot (Verhinderung der „Schuld-knechtschaft“)? Ist das Privateigentum, der beginnende Kapitalismus mit der Ausplünderung der Majorität durch die restlichen, verbleibenden Privateigentümer, hier ohne Grundlage geblieben? Gibt es im Islam Sklaverei, Lohnarbeit? Welchen ökonomischen Hintergrund hat die Scharia, das islamische Recht?
Wenn Gunnar Heinsohn seine ökonomischen Analysen nur auf die Beziehungen von agrarischen und städtischen Verhältnissen anwendet, den nomadischen Bereich (und mit ihm die Geschichte des Opfers) aber ausklammert, vernachlässigt, wird damit nicht der ganze Problembereich der Domestikation und Zucht der Tiere, des Fleischessens, ausgeklammert? Welche Bedeutung hat dann die Beschneidung und das Verbot, Schweinefleisch zu essen?
Zu Heinsohns „Schuldknechtschaft“: Schuld (das fehlende Privateigentum, die Armut) ist die gesellschaftliche Energiequelle der Geldwirtschaft, des Kapitalismus.
Während in der gesamten Vorgeschichte das Opfer irrationale Notwehr war (Entlastungsfunktion), hat erst das Christentum das Opfer verinnerlicht, instrumentalisiert und zum Herrschaftsmittel gemacht. -
06.05.91
Walter Benjamins Bemerkung zur Theologie, daß sie heute bekanntlich klein und häßlich sei und sich nicht dürfe blicken lassen, erinnert an die Geschichte vom Sündenfall: Adam versteckte sich auch unter den Bäumen, weil er sich nicht mehr durfte blicken blicken lassen. Oder genauer: Er hatte vom Baum der Erkenntnis gegessen, erkannte, daß er nackt war, und versteckte sich unter den Bäumen. Auch die Theologie hat vom Baum der Erkenntnis gegessen, aber noch nicht erkannt, daß sie nackt ist.
Die kantischen subjektiven Formen der Anschauung sind eine direkte Konsequenz aus dem Relativitätsprinzip: Jedes Subjekt ist ein bewegtes Inertialsystem, schleppt dieses System als apriorische Raum- und Zeitanschauung mit sich herum.
Exponentialfunktion, Zusammenhang mit den trigonometrischen Funktionen (imaginärer Exponent), Bedeutung für die Statistik (Plancksches Strahlungsgesetz).
Das feministische „Bekenntnis“ ist ein Produkt der Identifikation mit dem Aggressor (der dann auch aus Gründen der projektiven Selbstentlastung als Feind im Bekenntnis erscheint).
Der Arglosigkeit entspricht die Trauer, nicht die Empörung; zur Empörung werde ich gereizt, wenn ich die Trauerarbeit vermeiden will.
Woher stammt das Trinitätssymbol: das Auge im Dreieck?
Das Ohr ist ein passives Organ, dem als aktives Organ der sprechende Mund entspricht (aber das wirkliche Hören ist ein sehr aktiver Akt).
Das Auge ist ebenfalls ein passives Organ, es nimmt auf, was von außen ans Auge herankommt; das zugehörige aktive Organ ist Teil der Außenwelt: die Sonne. der Mond, jede Lichtquelle. Aber es gibt gleichwohl den aktiven Blick.
Geruch und Geschmack sind rein passive (dingbezogene) Sinnesorgane, während das Gefühl auf merkwürdige Weise aktiv und passiv zugleich ist.
Wie kommt es zu der Doppelbedeutung des Begriffs des Fühlens, des Gefühls: Das Gefühl ist das eigentlich ästhetische Organ (das Grundorgan des Empfindens, mit einer Tendenz ins Pathologische); es ist aber zugleich das Tastorgan, das mechanischste aller Organe.
Hat es im Paradies Insekten gegeben? Hängen Insekten als in besonderer Weise „weltliche“ Lebewesen (als besonders anpassungs- und überlebensfähige Lebewesen mit der Möglichkeit des Staatenbildung: des Kollektivsubjekts, des subsistierenden Gattungswesens) mit dem Sündenfall (mit der Weltentstehung und der Weltgeschichte als Entstehung und Geschichte der Welt) zusammen? Ähnlich die Farne und alle Pflanzen, die nicht über Blüten (und Insekten) sich fortpflanzen?
Lag Schellings (und Hegels) Fehler darin, daß er die Entstehung (und die Geltung) von Raum und Zeit sozusagen mit einem Schlage erledigt wissen wollte? Raum und Zeit sind (wie der Logos) „im Anfang“, aber sind sie deshalb auch in der Zeit am Anfang? Wenn die Unendlichkeit des Raumes nicht mehr zu halten ist, dann auch nicht die der Zeit: insoweit hängt die Kosmologie mit der Schöpfungslehre (oder auch mit der Evolutionsvorstellung) zusammen. – Hat insbesondere das newtonsche Gravitationsgesetz das Ungleichnamige gleichnamig gemacht? Ist die Übertragungsmöglichkeit der physikalischen Gesetze auf räumlich und zeitlich entfernte Vorgänge wirklich so gesichert? Ist es generell auszuschließen, daß hier – unter dem Systemzwang des Inertialsystems – projektiv ergänzt wird, was möglicherweise auch ganz anders sein könnte? (Ist es die gleiche Masse Licht, die am Tag den Raum bis zum azurnen Firmament erfüllt und in der Nacht nur punktuell die entfernte Sternenwelt erscheinen läßt?)
Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie