Die Christen haben das Lamm zum Sündenbock gemacht. Sie haben IHM die ganze Schuld aufgelastet; seitdem stehen sie in Gefahr, die Juden (als Gesamtschuldner) in Solidarhaftung zu nehmen.
Das, was man so leichthin das naturwissenschaftliche Weltbild nennt, ist der Inbegriff der ausweglos unerlösten Welt. Das in Verbindung mit „Religion“ ergibt eine hochbrisante Mischung. Die Fundamentalismen geben einen Vorbegriff dessen, was hieraus einmal hervorgehen kann.
Die Physik: das ist der Benjaminsche Schock als irreversibler Dauerzustand. Hängt es mit der Prolongierung des Schocks heute zusammen, wenn das, was Benjamin die „göttliche Gewalt“ nennt, zu fundieren (oder zu berichtigen wäre) im göttlichen Zorn, wobei im Begriff des Zorns ein sprachliches und ein naturales Element mitklingen: die Verbindung von treffendem Wort und Feuer („… und ich wollte, es brennte schon“).
Die Beziehung von Sprache und Natur, die Kopernikus verwirrt und zerstört hat, hat sich durch Einstein wieder eröffnet.
Die Attraktivität der Jungschen Lehre vom kollektiven Unbewußten und von den Archetypen rührt daher, daß sie daran erinnert, daß die Verdrängungsprozesse nicht nur im einzelnen Subjekt sich abspielen, sondern mit objektiven historisch-gesellschaftlichen Prozessen verbunden sind; diese Einsicht wird nur durch die Psychologisierung wieder entschärft, der objektive Katalysator dieser Prozesse aus dem Blickfeld gerückt. Es wird ein gefährliches Gemisch erzeugt: der Effekt der Verdrängung, die Exkulpierung, soll nicht preisgegeben werden und wird nicht angetastet. Die Produkte der Exkulpierung werden verharmlost; man kann dem Schrecken ins Gesicht schauen, weil man sich ihm angleicht. Nicht zufällig verfallen insbesondere religiös gestimmte Leute, wie Alt und Drewermann, dieser Attraktivität. Das, was zu entschlüsseln wäre, die Psychologisierung, rührt daher, daß die objektive Instanz, die diese Verdrängungsprozesse erzwingt und fast irreversibel macht, bis heute der Kritik sich entzieht: die naturwissenschaftliche Aufklärung und die durch Geldwirtschaft definierte Gesellschaft.
Die Tatsache, daß der Raum drei Dimensionen hat, ist ein Hinweis darauf, daß auch der Objektivationsprozeß – und mit ihm der Verdrängungsprozeß – eine reale Grenze haben muß. Diese Grenze ist beschrieben in der Geschichte der drei Leugnungen; auf sie verweisen zusätzlich die sieben unreinen Geister.
Die Geschichte der christlichen Theologie als Teil dieses Objektivations- und Verdrängungsprozesses war so nur möglich auf der Basis und mit Hilfe der christlichen Sexualmoral.
Auch die Philosophie ist eine Art der Identifikation mit dem Aggressor: nämlich der Identifikation mit dem Denken der Anderen (als Ursprung des begrifflichen Denkens).
Begriffe wie Ereignis, Gemeinheit, Tatsache bilden eine Konstellation, in deren Zentrum der Weltbegriff steht: Mithören muß man im Ereignis die Beziehung Eigentum (Wilhelm von Humboldt schreibt Eräugnis: das ins Auge Fallende; gibt es eine sprachliche Beziehung zwischen Auge und Eigen), in der Gemeinheit die Beziehung zu Mein und zur Meinung, und in der Tatsache das Moment der Tat (in jeder Berufung auf die Tatsachen ist der Hinweis auf den Sündenfall mit enthalten).
Fichte und Goethe haben etwas wesentliches getroffen, wenn sie im Hinblick auf den Anfang des Johannes-Evangeliums den Logos glauben durch die Tat ersetzen zu müssen („Im Anfang war die Tat“, und Fichtes Begriff der Tathandlung).
Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen: Heißt das nicht doch nur, daß sie, solange die Kirche besteht, sich nicht schließen werden?
Kopernikus
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07.08.92
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30.05.92
Joachim Fest hat seine Hitler-Biographie seinerzeit als „Geschichte einer Karriere“ verstanden. Er hat damit einen wesentlichen Punkt heutigen Politikverständnisses getroffen: Wo die Politik zu Karriere wird, wo Politik am Prestige gemessen wird, das sie gewährt, wird sie tendentiell faschistisch. Das Prestige, der Ruhm, das Sich-Spiegeln im Urteil der Öffentlichkeit, der Welt oder gar „der Geschichte“ ist Produkt einer pathologischen, Welt und Geschichte mit einbeziehenden Potenzierung des Exkulpationstriebs. Die größte Verführung für den Politiker ist das Gefühl, zum Herrn der Sprache zu werden, durch Sprachregelungen (bis in die Medienpolitik hinein) zwar nicht mehr die Dinge, wohl aber (im Interesse der eigenen Karriere) das Bewußtsein der Dinge bestimmen zu können.
Der Fluch über die Schlange: „auf dem Bauche sollst du kriechen und Staub sollst du fressen“ ist nur ein anderer Ausdruck für den automatisierten Objektbezug (den apriorischen Objektbezug der transzendentalen Logik). Ist es nicht diese Schlange, die am Boden der Tatsachen klebt („die Welt ist alles, was der Fall ist“)?
Die Schlange ist die Verkörperung der Leugnung der Umkehr, die Welt ist der Inbegriff dieser Leugnung.
Die Beziehung von Licht und Finsternis, hat das etwas mit dem Entstehen und Vergehen zu tun (mit dem Verhältnis des Lichts zur Gravitation)? Und drückt sich das nicht in den Farben aus?
Wenn die Fische auf die Wasser unterhalb des Firmaments bezogen sind, sind dann die Vögel auf die Wasser oberhalb bezogen?
Der Turm zu Babel, der bis zum Himmel reicht: war das die Astrologie?
Sind nicht die modernen, nach-einsteinschen Kosmologien (wie zuvor schon die sogenannten nicht-euklidischen Geometrien) Nachfahren der ptolemäischen Epizyklen – auf der Basis der kopernikanischen Wende?
Kommen Leviathan und Behemoth nicht auch im Buch Jonas vor: als der große Fisch (bei der Flucht nach Tarschisch) und als „so viel Vieh“ in Ninive?
Der Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhang hängt mit den drei Dimensionen des Raumes zusammen: mit der Beziehung von
– Im Angesicht und Hinter dem Rücken,
– Gericht und Barmherzigkeit (rechts und links) und
– Oben und Unten (Herrschaft und Gottesfurcht).
Genau hierin gründet der Primat der Ethik, das Konzept der Ethik als prima philosophia.
Prophetie und Sexualität: ein unbearbeitetes Thema (war nicht Jeremias unverheiratet, aber schon „im Mutterschoße“ erkannt; vgl. auch die Ehegeschichte des Hosea sowie den prophetischen Begriff der Hurerei)?
Augustinus, der ausdrücklich darauf verzichtet, im Buche Genesis die „Rätsel der Prophetie“ zu lösen, nimmt damit das Recht der Schlange wahr (und begründet die Allegorie, christliche Sexualmoral und die Höllenlehre).
Labor und Verwaltung; weitere Äquivalenzen: Industrie, Militär, Justiz und Strafvollzug, Schule, Psychiatrie. Definieren sie nicht alle geschlossene Systeme, die aber zugleich alle einander äußerlich sind?
Innen und Außen (rechts und links?): Die Gesinnung verdankt sich der Subjektivierung der exkulpierenden Instanz, die Verantwortungsethik ihrer Objektivierung. Gesinnung und Empörung gehören zusammen (die Empörung ist ein Ausfluß und ein Stabilisator der Gesinnung), beide sind zusammenhängende Quellpunkte einer selbstzerstörerischen Dynamik. Im Begriff der Verantwortung steckt die Beziehung auf eine äußere (richtende, zur Verantwortung ziehende) Instanz. -
13.03.92
Das Kommen des Messias im „Zeichen der Fische“ (S. 183).
Wie hängen
– Welt, Mensch, Gott
– Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhang
– Begriff, Urteil, Schluß
– Verdrängung, Verschiebung, Projektion (das Instrumentarium des Verdachts)
mit der Struktur des Raumes zusammen?
SUPER und BILD scheinen die Funktion zu erfüllen, dem ungeheuren Entlastungsbedürfnis der zweiten Schuld die Opfer vorzuführen, an denen die Last per Projektion abgeführt werden kann, wobei in BILD das objektive Moment (die Präsentation der Bilder) anklingt, während SUPER das energetische Moment bezeichnet: SUPER erinnert nicht zufällig an Super bleifrei, Super plus, oder auch an Warenbezeichnungen für den gehobenen Konsum, oder einfach an das räumliche super im Sinne von Über: von Urteil, Empörung und Erhebung, an.
Beziehung zu Tratsch und vergifteter Nachbarschaft, Zusammenhang mit den Serien, die künstliche Nachbarschaften für Voyeure produzieren.
BILD und SUPER industrialisieren den Tratsch: die bewußte und organisierte Verletzung des achten Gebots (Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider Deinen Nächsten); sie sind der vergeistigte Erbe der Gladiatorenkämpfe (hier werden die Opfer den wilden Tieren vorgeworfen, zu denen man selber gehört). Sie sind der zwangshaft immer wieder neu zu führende Beweis, daß Gemeinheit kein strafrechtlicher Tatbestand ist.
BILD-Lesen und Jogging erfüllen vergleichbare Aufgaben.
Hitler hat den Krieg durch seine Niederlage gewonnen; ähnlich scheint es jetzt mit der sogenannten Stasi-Diskussion, der BILD und vor allem SUPER zuarbeiten, zu laufen.
Heute stellt die Kirche nicht nur ihr Licht unter den Scheffel, sie betet den Scheffel an.
Die Vorstellung des unendlichen Raumes ist die Grundlage und das genaue Äquivalent dessen, was Heidegger das „Vorlaufen in den Tod“ nennt. Sie schafft die Identität von Empörung und Niedertracht, die die Heideggersche Geworfenheit zu einem Euphemismus der Verworfenheit macht.
Nach Kopernikus und nach Kolumbus, d.h. nach der Entdeckung des heliozentrischen Systems und der empirischen Bestätigung, daß die Erde rund ist, wird mit dem Begriff des Innen nur noch die Hölle bezeichnet.
Hängt der Ursprung der Vorstellung des Raumes mit der zweifachen Scheidung zusammen: des Lichts von der Finsternis und der Wasser oberhalb von denen unterhalb des Firmaments?
Das „no pity for the poor“, das Adorno e.a. zufolge zu den Strukturmomenten des autoritären Charakters gehört, ist – theologisch gesprochen – Produkt der Verdrängung der rechten Seite (der Gnade und der Barmherzigkeit).
In drei Bereichen scheint die naturwissenschaftliche Forschung irre Züge anzunehmen: in der Raumfahrt, in der Atomphysik und in der industriellen Chemie-Forschung (einschl. Genforschung). -Zusammenhang von Forschung und technischer Nutzung (Selbsterhaltung, Objektivation und Instrumentalisierung) an den Grenzen des Systems. -
03.03.92
Der Kerub mit dem kreisenden Flammenschwert: Genesis des Hinter dem Rücken?
In der Mathematik drückt sich der „Name“ im Bruch aus, im „Nenner“: in der Beziehung auf die Einheit, auf das Maß. Welche Bedeutung hat dieser Zusammenhang für die Sprache?
Anzahl, Maß und Gewicht: Anzahl ist die auf sich selbst bezogene Einheit, das Maß die Einheit für andere; aber was ist das Gewicht? – Anzahl, Maß und Gewicht sind die Grundlage, das gegenständliche Korrelat des Tauschprinzips.
In welcher Beziehung steht der Prophetenspruch des Jonas „Noch vierzig Tage und Ninive wird zerstört“ (34) zu seinem Auftrag „Geh nach Ninive, in die große Stadt, und droh ihr an! Denn die Kunde von ihrer Schlechtigkeit ist bis zu mir heraufgedrungen“ (12).
Religion als Ablenkung.
Das Angesicht oder das hörende Auge.
Der Himmel ist im Anfang erschaffen; danach erschuf Gott die Feste, die das obere von dem unteren Wasser scheidet; und diese Feste nennt Gott Himmel (Einheit von Ding und Name).
Die Person ist der Träger des Namens, die aber als Träger sich ausweisen muß, den Beweis führen muß, daß sie einen amtlich legitimierten Namen hat, deshalb einen Personalausweis bei sich führen muß; andernfalls läuft sie Gefahr, zur Feststellung der Identität in Verwahrung genommen zu werden. Was ist der Dogmatisierungsprozeß anderes als diese In-Verwahrung-Nahme zum Zwecke der Identitätsfeststellung? – Was du schwarz auf weiß besitzt, kannst du getrost nach Hause tragen: als Dogma ins Haus des Seins, den letzten Abkömmling des babylonischen Turms (des Tempels und der Kirche).
Was du auf Erden binden wirst: Der Tempel oder der domestizierte Himmel. Kein Tempel ohne Opfer, kein Opfer ohne Priester.
Das Sein ist der Inbegriff der Gewalt des richtenden Urteils und Fundament des Weltbegriffs. So hat es Teil am Gewaltmonopol des Staates.
Die christologische Logik im Naturbegriff, die Logik der Vergöttlichung des Opfers, ist Teil der Schuld-Logik. Sie ist begründet in der Vorstellung von der reinigenden Kraft des Opfers: das Opfer entsühnt.
Die Begriffe Natur und Welt als Totalitätsbegriffe unterstellen, daß es ein dem Subsumtionsverhältnis des Begriffs korrespondierendes Gesamt der Erscheinungen gibt, m.a.W. daß es ein Universum gibt. Und zwar ein Universum als ein dem Subjekt Gegenüberstehendes, das es dem Subjekt erlaubt, die Rolle des unschuldigen Zuschauers einzunehmen.
Totalitätsbegriffe wie Welt und Natur enthalten ihre eigene Logik, die sich auch durchsetzt, wenn sie nicht reflektiert, nicht bewußt gemacht wird. Diese Logik wird auch (und gerade) dann adaptiert, wenn sie der Reflexion entzogen wird.
So wie der Raum sich unter dem Zwang seiner eigenen logisch-mathematischen Struktur theoriebegründend ins Unendliche fortpflanzt und ausdehnt, pflanzt sich das Geld durch seine eigene Tauschlogik praxisbegründend nach allen Seiten fort, dehnt sich als Markt ins Unendliche aus und ergreift alle Dinge. Es sind diese Logiken, die durch die Totalitätsbegriffe Natur und Welt stabilisiert und gegen die Reflexion abgeschirmt werden.
Daß die Sonne Homers auch uns bescheint, ist wahr und falsch zugleich: Die Sonne Homers war weder die Sonne des Kopernikus noch die des Carl Friedrich von Weizsäcker.
Das Christentum: eine philosophische Religion, oder die Philosophie Jesu? -
12.11.91
„Je höher der Silbergehalt der Münze wäre, desto größer und denkwürdiger wäre der Ruhm des Königs Sigismund für die Nachwelt und desto strahlender der Abglanz seines Glücks.“ (Nicolaus Copernicus in: Brief der Räte Preußens an Ludwig Dietz; Erich Sommerfeld: die Geldlehre des Nicolaus Copernicus, Vaduz 1978, S. 117).
„Es ist, dünkt mich, eine sehr unphilosophische Idee, unsere Seele als ein bloß leidendes Ding anzusehen; nein, sie leihet auch den Gegenständen.“ (G.C.Lichtenberg: Aphorismen Briefe Schriften, Hrsg. Paul Requadt, Stuttgart 1953, S. 112) – Anwendung auf eine Theorie des Geldes und der Banken? Und was „unsere Seele“ den Gegenständen „leihet“: ist das nicht ein Teil des geldwirtschaftlichen Erbes der Schuldknechtschaft? Ist das Meer als Symbol der „Völker und Menschenmassen, Nationen und Sprachen“ (Off 1715) nicht genau der Inbegriff dessen, was dann „alle Welt“, das „Ausland“, auch die „Nachwelt“ genannt wurde (die Nachwelt ist die Welt).
S. auch „Warum hat Deutschland noch kein großes öffentliches Seebad?“ (Lichtenberg, S. 412ff)
„Und er sagte zu mir: Du hast die Gewässer (ta hydata) gesehen, an denen die Hure sitzt; sie bedeuten die Völker und Menschenmassen, Nationen und Sprachen.“ (Off 1715, vgl. 171: epi hydaton pollon) – „Und das Meer (hä thalassa) gab die Toten heraus, die in ihm waren …“ (2013) – „… auch das Meer ist nicht mehr.“ (211) -
02.11.91
„Kritik der toten Natur“: Hier wurde ein zentrales Thema der heute möglichen Naturphilosophie mehrfach verfehlt.
– Nicht „die tote Natur“, sondern ihr Begriff wäre der Kritik zu unterziehen (nicht das Proletariat, sondern das System, das es dazu macht).
– Die „tote Natur“, oder die Natur im Zustand der vollendeten Naturbeherrschung, ist ein Deckbild der toten Gesellschaft; und die notwendige Kritik beider schließt die Kritik ihrer Genesis: die der Herrschaftsgeschichte mit ein. Es gibt keine „tote Natur“ außerhalb der Naturbeherrschung und keine Naturbeherrschung ohne Herrschaft in der Gesellschaft.
– Wer die Erfahrungen der Opfer zum Sprechen bringen will, muß die stumme Erfahrungsschicht mit zum Sprechen bringen, die uns in der „äußeren Natur“ vor Augen steht. Ist die Natur stumm, weil sie tot ist, oder erscheint sie uns (zwangsläufig und ohne daß eine Alternative sich konstruieren oder benennen ließe) als tot, weil sie stumm ist?
– Man kann keine Herrschaftskritik betreiben, ohne die Geschichte der Naturbeherrschung und deren Objekt mit einzubeziehen.
– Begriffliche Schneisen schlagen: Gibt es eine Definition des Naturbegriffs? Die einfachste, auf die sich das Problem heute zu reduzieren scheint, ist die, die die Definition des Weltbegriffs mit einschließt: Der Begriff der Welt bezeichnet das Resultat des Säkularisationsprozesses, den Inbegriff der Herrschaftsgeschichte, dessen (in der hegelschen Philosophie sich begreifende) begriffliche Seite, der Naturbegriff im gleichen Prozeß die Objektseite (daher rühren die hegelschen Schwierigkeiten, die Natur als „Entäußerung der Idee“ zu fassen, die ihn dann zwingen zuzugeben, daß sie „den Begriff nicht halten kann“; die Natur kann ihn aufgrund der Logik ihres Begriffs nicht halten: das Objekt ist als apriorischer Gegenstand des Begriffs dazu verurteilt, den Begriff nicht halten zu können). Die Begriffe Welt und Natur sind außerhalb der Herrschaftsgeschichte ohne Bedeutung, sie bezeichnen in ihr die begriffliche (die Subjekt-) und die Objekt-Seite als getrennte Wesenheiten. Sie sind Totalitätsbegriffe, die den Herrschaftszusammenhang stabilisieren.
– Liegt es nicht in der Konsequenz der Dialektik der Aufklärung, die Beziehung zwischen der Geschichte der Naturbeherrschung und den geschichtlichen Katastrophen endlich wahrzunehmen (die moderne naturwissenschaftliche Aufklärung beginnt mit der Hexenverfolgung und endet mit Auschwitz)?
Das Urteil, die Ontologie (Natur und Welt) und der Turmbau zu Babel.
Der Übergang vom uneigentlichen zum eigentlichen Dasein bedarf in der Tat nur der Entschlossenheit, in der Sache sind beide nicht zu unterscheiden. Und damit scheint es zusammenzuhängen, daß der Begriff des Asozialen heute die Extreme der Gesellschaft trifft, nämlich sowohl die, die ganz unten, wie die, die ganz oben sind. Seit Kopernikus und Newton sind die ganz oben von denen ganz unten nicht mehr zu unterscheiden.
Heute traut sich niemand mehr, das Wort vom „beschränkten Untertanenverstand“ auszusprechen; dafür läuft die gesamte Politik sprachlich auf zwei Ebenen: es gibt den esoterischen Innenraum, in den niemand hineinblickt, der der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, während der Bereich der Darstellung nach außen, der Öffentlichkeit, auf die von der Bekenntnislogik beherrschten Mechanismen der Massenkommunikation abgestellt ist.
Es hätten eigentlich alle erschrecken müssen, als in einem sozialdemokratischen Parteiprogramm der Begriff „Vertrauensbildende Maßnahmen“ auftauchte (und das in der gleichen Phase, in der von den Notstandsgesetzen und dem Radikalenerlaß über den Nachrüstungsbeschluß bis zur Terrorismusbekämpfung der Graben zwischen realer Politik und Öffentlichkeit vertieft, ausgebaut und befestigt wurde).
Es ist ein allgemein bekannter Grundsatz: Wer in der Politik mitmacht, macht sich die Finger schmutzig, und den Luxus, unschuldig zu bleiben, kann sich niemand mehr erlauben.
Das Gebot „Du sollst nicht lügen“ ist nur dort sinnvoll, wo die Sprache noch fähig ist, die Wahrheit auszudrücken. (Die Menschen wollen glauben, daß die Politiker die Wahrheit sagen, lieber verdrängen sie die Realität).
Die Physik schirmt die Natur ab gegen die Sprache.
Hat die Abfolge der drei Leugnungen eine Beziehung zur Trinität: erinnert die Selbstverfluchung nicht an die Sünde wider den Heiligen Geist? Entscheidend ist, daß das Hinter dem Rücken steigerungsfähig ist (bis hin zur Selbstverfluchung). -
14.09.91
Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Heiligung des Gottesnamens und dem „Du sollst Vater und Mutter ehren“? Wie steht das vierte Gebot zum Vater unser, in dem es nicht vorkommt? Welche Bewandtnis hat es damit, daß nach christlicher Tradition Josef nicht der Vater Jesu ist (obwohl der Stammbaum Jesu über Josef geführt wird) und Maria in diese halbmythische Sonderstellung (Jungfrauengeburt, Himmelskönigin) gebracht wird?
An die Erfüllung des Gebots „Du sollst Vater und Mutter ehren“ ist die Verheißung „Auf daß du lange lebst auf Erden“ geknüpft, an die Heiligung des Gottesnamens, die nach der jüdischen Tradition mit dem Martyrium zusammenhängt, schließt sich die Lehre von der Auferstehung der Toten an.
In der christlichen Tradition ist das Gebot „Du sollst Vater und Mutter ehren“ eigentlich immer ähnlich verstanden worden wie der Satz: de mortuis nihil nisi bene. D.h. wir haben die Eltern immer wie Tote behandelt, wenn glaubten, sie ehren zu müssen. Das ist dann auf alle Autoritäten übertragen worden (Zusammenhang mit dem Hang aller autoritären Regime, auch der kommunistischen, zum Totenkult). In Wahrheit aber müßte das Gebot, die Eltern zu ehren, heißen: sie wie Lebende zu behandeln.
Tempelwirtschaft und Totenkult: Ist Amerika das moderne Babylon und Russland Ägypten? Waren die babylonische Tempelwirtschaft in der Praxis, die ägyptische Tyrannis – und Cheops, der „Verhinderer der Opfer“ – in der Theorie, dem Bewußtsein nach: atheistisch?
Der Dekalog und die Geldwirtschaft: ist nicht die Geldwirtschaft insgesamt eine Sünde wider das Gebot: „Du sollst nicht begehren …“? Ist nicht das Geld das institutionalisierte Begehren des Eigentums der anderen?
Kann es sein, daß der Fehler bei Marx darin liegt, daß er die Anlyse der Geschichte der Banken nicht in seiner Kapitalismus-Kritik mit einbezogen, das Schuldmoment, das Problem der Kreditschöpfung und die Frage: womit handeln die Banken? draußen vor gelassen hat (weil es den Konklusionen, auf die er sein Konzept abgestellt hatte, im Wege gestanden hätte)? Bei der historischen Analyse des Bankenwesens wäre er zwangsläufig auf die Geschichte der Schuldknechtschaft, des Ursprungs des Geldes im Kontext der Schuldknechtschaft, auf den Ursprung der Banken in der Tempelwirtschaft und den Zusammenhang der Geldwirtschaft mit der Geschichte der antiken Religionen gestoßen.
War es ein Zufall, daß die großen Astronomen wie Kopernikus und Newton gleichzeitig im Münzwesen tätig waren (wie auch der Ursprung der Banken mit dem der Astronomie in der babylonischen Tempelwirtschaft zusammenängt)?
Kann es sein, daß wir das Verhältnis der Gravitation zum Licht erst begreifen, wenn wir die Thermodynamik begreifen, und daß die Plancksche Strahlungsformel auch den Schlüssel für die Astronomie enthält? War der brennende Dornbusch (der brannte und nicht verbrannte) ein physikalisches Ereignis: ein Typos des Sternenhimmels wie das kreisende Flammenschwert des Cherub vorm Eingang des Paradieses (Vgl auch Ez1;10 und die Merkaba/Kabod-Mystik)? Und haben die Dornen und Disteln mit dem altorientalischen Sternendienst zu tun (gibt es ein Äquivalent zur Erzählung vom Sündenfall in den anderen altorientalischen Religionen)?
Unterschied zwischen Schem- und Kabod-Theologie (Schem = Namen: deuteronomistisch; Kabod = Herrlichkeit: Priestertradition?)
Sind die neuplatonischen Emanationslehren ihrer Struktur nach astrologisch gestimmt (Dionysius Areopagita)? Ihr Erkenntnisgrund wurde zerstört mit der Gravitationslehre (mit der hier eintretenden konkreten Beziehung zum Sündenfall).
Der Personbegriff ist der Kristallisationkern der Verdinglichung von Schuld und so eine der wichtigsten Voraussetzungen der modernen Aufklärung.
Indem die Kirche das Votum für die Armen auf sich selbst umgelenkt (in die Bereitschaft, auf Kritik beleidigt und durch Aggression zu reagieren: deren Formalisierung ist das Kirchenrecht) und die Schuld- in die Leidensmystik (in die Bereitschaft zum Selbstmitleid) umgeformt hat, hat sie zwangsläufig die politische in die private (im Zentrum dann Sexual-) Moral umlenken müssen. Und das ist ihr über zwei Jahrtausende gelungen.
Die mittelalterliche religiöse Erneuerungsbewegung, in deren Mittelpunkt die Reinigung der Kirche von der Pornokratie stand (Einführung des Zölibats und der Ohrenbeichte), hat die Sexualmoral so tief etabliert, daß sie seitdem zum character indelebilis des Christentums geworden ist. Und dieser character indelebilis ist ein Epizentrum des anderen, der seitdem nach katholischer Auffassung das Priestertum charakterisiert. Die Sexualmoral war die Voraussetzung für den Objektivitätsbegriff in der katholischen Sakramentenlehre und im Ritus. Der Protestantismus ist der innerkirchliche Reflex der kopernikanischen Wende. Ähnlich hängt die unaufgeklärte Geschichte der Naturwissenschaften bis heute mit der Selbstbindung der Kirche, ihrer Unfähigkeit zu lösen, zusammen.
Oswald Lowetz: Hier kann der Universitätsprofessor nicht anders, hier muß er die Schöpfung des Himmels und der Erde in eine Erschaffung des Universums umformen (was ist der Unterschied zwischen der Schöpfung und Erschaffung; liegt der Unterschied in der Beziehung zum Objekt? Die Umkehrung macht’s deutlich: Himmel und Erde sind nicht erschaffen, das Universum ist nicht geschöpft).
Zur Sprachlogik der Schrift (vgl. Fall und Empörung): Die Erde gründen und den Himmel aufspannen: die Erde ist der Inbegriff der Herrschaft der Beweislogik, während der Himmel vor der verdinglichenden Gewalt der Beweislogik sich verflüchtigt, dessen Aufgespanntsein mit dem langen Atem dessen zusammenhängt, der Bücher nicht aus Zettelkästen produziert. Diese Spannung schließt mit ein: die Schuld der Welt (die Last der Vergangenheit) auf sich nehmen, und das scheint niemand mehr zu ertragen. Die Hektik des Begründens mit dem langen Atem des Aufspannens verbinden: Seid klug wie die Schlange und arglos wie die Tauben.
Wie verhalten sich Begründung und Rechtfertigung?
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