Naturwissenschaft

  • 9.9.1995

    Ist das Licht ein Tunnel-Effekt und die endliche Lichtgeschwindigkeit eine Folge der Beziehung der Fortpflanzungsrichtung zu den orthogonal zugehörigen („raumzeitlichen“) Richtungen im Inertialsystem? Wird man nicht davon ausgehen müssen, daß der Blick von außen, seine verandernde Kraft, die Struktur der elektrodynamischen Gleichungen überhaupt erst konstituiert, daß diese nicht unabhängig davon bestehen (wobei dieses „von außen“ selber durchs Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit vermittelt ist)? Oder anders formuliert: Das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit erweist sich in diesem Kontext als konstitutiv für die Objektivität und die Realität der Elektrodynamik (und der dadurch vermittelten Mikrophysik) insgesamt: Übernimmt es im Hinblick auf diesen Objektbereich nicht die Funktion der subjektiven Formen der Anschauung, des Mediums, in dem auch das Inertialsystem sich noch gegen das Anschauen vergegenständlicht, verdinglicht, zu einem Objekt der Anschauung wird? Ist nicht mit der Lichtgeschwindigkeit (und den Konstanten der Mikrophysik: dem Planckschen Wirkungsquantum und der elektrischen Elementarladung) das Feuer zu einer Form der Anschauung geworden, zum objektivierenden Prinzip, aber zu einem, in dem die Beziehung zur Sprache verbrennt (die Sprache erlischt)?
    Enthält nicht die spezielle Relativitätstheorie den Beweis des Satzes, daß Rind und Esel nicht gemeinsam vor den Pflug gespannt werden dürfen? Hier (und nicht in der Mikrophysik) stößt die Physik erstmals auf einen Sachverhalt, der auch einer moralischen Anwendung fähig ist.
    Gründet der Korpuskel-Welle-Dualismus darin, daß es zu jeder Richtung im Raum zwei orthogonale Richtungen, und d.h. daß es zum „Licht“ einen doppelten Seiten-Anblick gibt? Hat nicht unter diesem Aspekt die Mikrophysik in der Tat etwas mit der Trinitätslehre (mit dem „doppelten Seitenblick“ als Bedingung der Vergegenständlichung Gottes) zu tun? Diese Beziehung aber ist für apologetische Zwecke nicht mehr verwendbar.
    Hat der Begriff der Zeugung in der Trinitätslehre etwas mit dem der Fortpflanzung des Lichts im Raum zu tun? Ist nicht der Sohn „Licht vom Licht“, zu dem das ungeheure Wort gehört: Das Licht kam in die Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht erkannt (Joh 15, vgl. auch 19f)?
    Die Physik bildet die Welt vor dem ersten Schöpfungstag ab: sie ist wüst und leer, und Finsternis liegt über dem Abgrund. So ist sie ein Beleg für den Satz: Ich bilde das Licht und schaffe die Finsternis. Aber ist nicht der erste Schöpfungsbericht die Umkehrung des zweiten: Was im ersten der Anfang ist: das Chaos und die Finsternis, ist im zweiten das Resultat: die gefallene Natur, die im historischen Objektivationsprozeß bewußtlos sich selbst begreift. Und sind nicht die beiden Elemente des Himmels (das Feuer und das Wasser) Reflexe dieser Beziehung von Anfang und Resultat, von Katastrophe und Rettung? Hat der Kerub mit dem Flammenschwert etwas hiermit zu tun?
    Die Beziehung der Begriffe Natur und Welt hängt mit der Trennung von Geschichte und Natur zusammen. Die objektivierte Natur ist der Boden, auf dem der Begriff der Geschichte sich entfaltet, sie ist zugleich der Riesen-Leichenberg, zu dem die Frage gehört, ob in seinem Anblick die richtige Gesellschaft überhaupt noch denkbar ist? Walter Benjamins Engel der Geschichte ist das Bild dieser Frage und das Gegenbild des Kerubs mit dem Flammenschwert.
    Kommunikationstheorie und Unzuchtsbecher: Heute vergewaltigt die Realität die Sprache.

  • 6.9.1995

    „Verurteilen“: Ist das Verurteilen nicht das Werk der subjektiven Formen der Anschauung, steht es nicht unter dem Bann der Anschauung? Das Verurteilte ist das reine, von allen inhaltlichen Bestimmungen abgelöste Objekt, und der Objektivierungsprozeß ist ein unendlicher Verurteilungsprozeß: das Gericht der Welt über die Dinge (ihre Vertreibung aus dem Licht der Sprache). Das Objekt ist das gegenständliche Korrelat der Subjektivität, des Gemeinheitskerns im Subjekt (und die Idee des Absoluten Produkt der Selbstreflexion des Subjekts im Unendlichen oder der Vergegenständlichung Gottes, Objekt einer Theologie hinter dem Rücken Gottes).
    Gibt es eine Untersuchung über den Ursprung und die Geschichte des Neutrum? Kann es sein, daß die Stelle bei Ezechiel (das Zerbrechen des Stabs des Brotes in Jerusalem und das Backen des Brots auf Menschen-/Rinderkot) auf die Bildung des Neutrum sich bezieht: Ist nicht das Neutrum auf Scheiße gebackenes Brot („Steine statt Brot“)?
    Gibt es zu den Strafregelungen der Thora dort oder in anderen Büchern der Schrift „Fälle“, an denen sie exemplifiziert werden? Läßt der Eindruck sich verifizieren, daß alle Strafregelungen symbolisch, und d.h. sprachlogisch zu verstehen sind, als Projektionen eines Strafbedürfnisses, das in Israel keine Chance hatte, sich durch das Mittel der strafrechtlichen Verschiebung zu befriedigen, weil es die dazu notwendige Form des Staates nicht gab? Gefängnisse gab es im pharaonischen Ägypten und in Babylon.
    Wenn man die Bücher der Chronik parallel mit den Genealogien und den Büchern Samuel und Könige liest, wodurch unterscheiden sie sich?
    Es gibt unendlich viel Hoffnung, nur nicht für uns (Kafka): Heißt das nicht auch, daß es nur noch vergangene Hoffnungen gibt, und alles von der Möglichkeit abhängt, sie zu retten?
    Sich in den andern hineinversetzen heißt, seine Lebensbedingungen reflektieren: Damit aber bin ich schon in der gesellschaftlichen Reflexion und nicht mehr auf der Suche nach dem Schuldigen (außerhalb des Bereichs kontrafaktischer Urteile). Dieses Verfahren ist nicht brauchbar zur Selbstentschuldigung (die „Gesellschaft“ ist nicht schuldfähig, auf die Gesellschaft kann ich mich nicht herausreden).
    Die subjektiven Formen der Anschauung sind ein komfortables Werkzeug, weil sie die Möglichkeit des Urteilens eröffnen: durch die Konstruktion und Bereitstellung des Objektbegriffs. Objektiv und feststehend ist nur die Vergangenheit, deren Formgesetz durch die Formen der Anschauung (durchs Inertialsystem) auf die Zeit insgesamt, auch auf die Gegenwart, übertragen wird. Der Begriff des Wissens und die Objektwelt (das kantische Reich der Erscheinungen) konstituieren sich durch den Ausschluß dessen, was nicht unter die Vergangenheit sich subsumieren läßt; so wird das Reich der Erscheinungen zur Totenwelt, zum Schattenreich, zum Staub, aus dem Adam geworden ist und zu dem er wieder werden wird, den die Schlange frißt. Hieraus wäre abzuleiten, weshalb und wie die kirchliche Höllenvorstellung (als Erbe des Hades, des Totenreichs) als Vorstufe zur Konstituierung des Inertialsystems, des Referenzsystems aller naturwissenschaftlichen Erscheinungen und Erkenntnis, dazugehört (das Inertialsystem ist der Schlüssel zum Abgrund).
    Wenn Hegel darauf verweist, daß im Deutschen der Begriff der Geschichte sowohl die Darstellung als auch den Gegenstand der Geschichte bezeichnet, so ist das in der logischen Konstruktion des Objektbegriffs, des Begriffs der Erscheinung, begründet. Die gleiche Konstruktion beherrscht die Beziehung der naturwissenschaftlichen Erscheinungen zu ihrer Erkenntnis.

  • 3.9.1995

    Leiden nicht alle christlichen Bibel-Übersetzungen daran, daß sie zwangshaft die Spuren der Herrschaftskritik verwischen müssen? Eines der Mittel dieser Spurenverwischung war die Übersetzung der Prophetie in den historischen Indikativ: die Transformation des „Alten Testaments“ ins Vergangene (das traditionelle christliche Verständnis der „Erfüllung der Prophetie“ in Christus war die Voraussetzung). So hat der „Gott der Liebe“, der die Herren exkulpiert, den „Gott der Rache“, der sich der Erniedrigten annahm, besiegt. Der Tag des Ewigen war nahe, aber er wurde vertagt.
    Der Begriff wendet die Schulderfahrung, die im Namen laut wird, nach außen, projiziert sie ins Objekt, das in dieser Projektion sich konstituiert. Natur und Welt sind die Repräsentanten der externalisierten Sünde und Schuld.
    Der Gott der Liebe ist nicht der Barmherzige: Die Barmherzigkeit ist nicht der Widerpart (die „abstrakte Negation“) der Rache, sondern Resultat ihrer Umkehr.
    Die Dinge beim Namen nennen, Roß und Reiter nennen: Heißt das nicht, den Schuldigen benennen? Ist die benennende Kraft der Sprache nicht ein Teil des Schuldverschubsystems? Und sind Roß und Reiter (die vier apokalyptischen Reiter) nicht das Gegenstück zum Wagen (Ez und Hoh)?
    Ist das gerade Bein des Cherubs (Ez 1) ein nicht gebeugtes Knie? Was hat das gebeugte Knie mit der Orthogonalität und mit der Orthodoxie zu tun?
    Schuldverschubsystem und Opferfalle: Heute wollen alle geliebt werden. Heißt das nicht, daß sie Herrschaftskritik nur solange bereit sind zu akzeptieren, wie sie selbst als Opfer von Herrschaft betroffen sind?
    Hat Jesus nicht das Feuer schon vom Himmel geholt, und brennt es nicht bereits: als Feuer der Hölle in der Phantasie der Gläubigen? War nicht die Hölle das Produkt projektiver Verarbeitung der Verdrängungsmechanismen, die dann in den Naturwissenschaften, die mit der Hölle auch den Himmel beseitigt haben, sich entfalteten: eine Vorstufe des Inertialsystems?
    Wenn die Sintflut die Materialisierung der Dinge (das gegenständliche Korrelat der Ich-Bildung) symbolisiert, ist dann nicht die Vorgeschichte mit den Adamstöchtern und den Gottessöhnen Symbol der Ich-Bildung? Ist hier die erste Stelle, an der das Attribut „schön“ erscheint? (Die Adamstöchter waren „schön von Aussehen“, während es von Rahel, Joseph und Esther heißt, sie seien „schön von Gestalt und schön von Aussehen“.) Wie verhält sich die Schönheit (des Geschaffenen) zur Herrlichkeit (Gottes)? Ist nicht das Bild des Gottesknechts das Gegenbild des Schönen („weder Gestalt noch Schönheit“, Jes 532)?
    Kultur für alle? Sollte nicht das dumme Staunen vor den „Kulturgütern“ endlich ein Ende haben?
    Von Kindern, die schlimme, nicht mehr verarbeitungsfähige Erfahrungen hinter sich haben, sagt man, sie sähen „wissend“ aus. Die tiefe Verzweiflung in diesem Wort hallt nach im indoeuropäischen Begriff des Wissens und in der Sprachlogik, die er begründete.
    Als Brecht das Ausrauben einer Bank mit dem Gründen einer Bank verglich und dieses für wirksamer hielt, war er der Sache näher als er wußte.
    Bierzeltmusik ist die Vorstufe des Gejohles auf dem Fußballplatz. (Fundamentalismus: Gibt es nicht auch das Gottgejohle, das seit je das Pogrom, den Terror, ankündigt?)
    Wichtiger als den Staat zu zwingen, sein faschistisches Gesicht zu zeigen, wäre es, der Kirche den Spiegel vorzuhalten, um dem Gottesgejohle, der Wurzel des Faschismus, die Möglichkeit zu geben, in der Selbsterkenntnis sich aufzulösen.
    War nicht die raf ein Harakiri-Unternehmen von Anfang an, das Verliebtsein in die Opferrolle (mit durchaus religiösen Wurzeln)?
    Die Parole des real existierenden Sozialismus: „Von der Sowjet-Union lernen heißt siegen lernen“, war die Parole des Staates, nicht die des Sozialismus. Sie bezeichnete genau den faschistischen Kern dieses Staates. Nicht mehr an der Spitze des Weltgeistes, sondern bei den Verlierern sind die Kräfte freizumachen, die das Ganze zu ändern vermöchten.
    Von der raf lernen heißt, es anders machen, heißt verlieren lernen.
    Walter Benjamins Satz, Gott sei der Ernährer der Menschen, der Staat ihr Unterernährer, wird wahr erst, wenn Gott aus den Verstrickungen des Staates sich befreit: Auch für Gott ist der Staat der Unterernährer.
    Ein Christentum, das begreift, daß der Prozeß der Aufklärung sein Werk ist, das darin sich wiedererkennt, vermöchte den Prozeß der Aufklärung über sich selbst hinauszutreiben. Adornos Konzept einer vollständigen Säkularisation aller theologischen Gehalte ist als ein selber theologisches Konzept zu begreifen: Theologie im Angesicht Gottes ist die Auflösung der Religion durch Selbstaufklärung, ihre vollständige Säkularisierung. Die Säkularisierung aller theologischen Gehalte beginnt damit, daß die Theologie aus dem Bann des Weltbegriffs heraustritt, sich von ihm durch Reflexion des Weltbegriffs befreit.
    Den kritischen Naturbegriff Kants durch die Kritik des Weltbegriffs (durch die Reflexion der Vorgeschichte) ergänzen und fundieren.
    In Auseinandersetzungen mit meinem Vater habe ich gelernt, daß ich gegen ihn nur eine Chance hatte, wenn ich in seiner Sprache mit ihm sprach: in der Sprache der Religion. Hieraus habe ich meine ersten theologischen Erfahrungen und Einsichten gewonnen.
    Zur Kritik der Astrologie, des Planetensystems: Zentral wäre die Einsicht, daß das Inertialsystem in der Sonne (im Sonnensystem) sich verkörpert. Die Sonne ist das „anschauende“ (und deshalb in sich selbst blendende) Licht, der Mond die Abstraktion vom Gegenblick. Die verschiedenen Gestalten des verdrängten Gegenblicks sind der König (Jupiter), der Feind (Mars), die Frau (Venus) und das Geld (Merkur). Hat die Stelle im Hohenlied, an der es heißt „schön wie der Mond, rein wie die Sonne, furchtbar wie Heerscharen“ (610, vgl. auch 64: „Schön bist du, meine Freundin, wie Thirza, lieblich wie Jerusalem, furchtbar wie Heerscharen“) etwas mit dieser Konstellation zu tun?
    Thirza war nach der Reichsteilung zunächst Hauptstadt des Reiches Israel (Vorläufer von Samaria, das von Omri als neue Residenz erbaut wurde). Was haben Thirza und Jerusalem mit Mond und Sonne zu tun?
    Adidas oder die Instrumentalisierung der transzendentalen Logik in der Reklame: Das Ende des Geschmacks, der ästhetischen Urteilsfähigkeit, das in dem Satz „Über Geschmack läßt sich nicht streiten“ sich ankündigte, wird durch die Markenbindung ratifiziert: Die Markenbindung enthebt von der Last des eigenen Urteils, macht über den Markennamen auch den Geschmack zu einem Teil der Bekenntnislogik, zu einer durchs Wertgesetz determinierten Anschauungssache. Die objektive Wertphilosophie Schelers gehörte zu den Wegbereitern der Markenbindung.

  • 1.9.1995

    Haben die Pforten der Hölle etwas mit dem Tor, dem Ort der Versammlung und des Gerichts (mit der ecclesia), zu tun? War die agora das ins Innere der polis verlegte Tor, und entspringt der Handel dem Bereich des Gerichts?
    Die ecclesia, die Kirche, war eine säkulare, keine religiöse Institution, die Nachfolgerin der Versammlung am Tor. Wie weit klingt das im neutestamentlichen Gebrauch des Begriffs der ecclesia noch nach (insbesondere bei Mt, in der Apg und in der Off)? Das mulier taceat in ecclesia wäre dann nicht auf den sakralen Ort, sondern auf diese „Versammlung“ zu beziehen. Daß die Kirche dann Nachfolgerin des Tempels (mit Opfer und Allerheiligstem) geworden ist, läßt sich aus ihrem Ursprungsbegriff nur im Kontext ihrer kosmologischen (weltkonstituierenden) Funktion ableiten. Die Resakralisierung der Kirche, der neue Opferbegriff, war das Korrelat der Verzauberung der Welt, die das Objekt und die Voraussetzung der modernen Aufklärung war.
    Ecclesia wird in der Regel in der Apostelgeschichte mit Kirche, in der Johannes-Apokalypse hingegen mit Gemeinde übersetzt. Werden hier nicht Spuren verwischt? Seit diesem Präzendenzfall glauben Theologen und andere kirchliche Autoritäten (seit dem Ende des Faschismus auch Laien, an denen Adorno schon wahrgenommen hat, daß sie heute bereits so schlau sind wie früher nur ein Kardinal) den Autoren der Schrift vorschreiben zu können, was sie „eigentlich“ gemeint haben.
    Der Protestantismus hat aus der zum Tempel gewordenen Kirche eine Synagoge (den Ort einer neuen Nationalreligion) gemacht.
    Wann und auf welche Weise ist aus der Versammlung am Tor das synhedrion, der Hohe Rat, geworden? Hat nicht Pilatus wieder am Tor gesessen, mit der Versammlung als Chor? War das der Gründungsakt der Kirche?
    Der Weltbegriff begründet und sanktioniert den Konkretismus und die Personalisierung (Personalisierung und Konkretismus sind die Verführungen zur Sünde der Welt: die Kehrseite der Instrumentalisierung). Deren Kritik setzt die kritische Reflexion des Weltbegriffs voraus. Aber ist diese Kritik heute nicht versperrt? Was die Reflexion des Weltbegriffs verhindert, ist die Grenze zur Vergangenheit, die der Faschismus (als Instrument der Vergesellschaftung der Naturwissenschaften), der die Zukunft ausgelöscht hat, in Deutschland neu definiert hat. Dem Fluch der „Gnade der späten Geburt“ vermag keiner der Nachgeborenen zu entrinnen: gemeinsam mit der ebenso ungeheuerlichen Bekenntnislogik, die nur noch verurteilt, nicht mehr begreift, schirmt die Ungeheuerlichkeit dessen, was geschehen ist, diese Vergangenheit gegen jede Reflexion ab; diese Vergangenheit ist nur noch vergangen, der sich identifizierenden Erinnerung nicht mehr zugänglich. Das ist der letzte Sieg Hitlers.
    Die intentio recta ist in ihrem Ursprung durch die Internalisierung der Schicksalsidee, in ihrer modernen Gestalt durch die Ohrenbeichte, das Zölibat und das Konstrukt des Fegfeuers (die verzauberte Welt als Ursprungsort des Inertialsystems) vermittelt.
    Der Sabbat als Symbol der Lehre: Hat nicht der Sabbat (wie dann auch der Indikativ der Lehre) Gott von der Last des Imperativs befreit? Die Ruhe des Sabbats ist das Gegenteil der Friedhofsruhe (und der Indikativ der Lehre das Gegenteil des historischen Indikativs). Sind nicht die antisemitischen Grabschändungen ein apokalyptisches Symbol? Grabschändungen sind Mutproben im Anblick der Idee der Auferstehung der Toten, an die keiner mehr glaubt.
    Die kopernikanische Wende hat in der Natur die Friehofsruhe hergestellt (und mit dem Himmel die Erinnerung an den Sabbat zerstört).
    Kommt die Wendung „unter der Sonne“ noch an anderer Stelle, außerhalb des Buches Kohelet, vor, und was bedeutet sie (dazu gehört das „nichts Neues“, die Leugnung der Zukunft)?
    Haben die Sterne des Himmels etwas mit den himmlischen Heerscharen zu tun, und sind die Planeten die Wächter dieser Heerscharen (die Versiegelung des Abgrunds, aber auch der Schlüssel zum Abgrund)?
    Beerscheba: Schwurbrunnen und Siebenerbrunnen. Hat das etwas mit den Planeten zu tun?
    Ist der Bogen eine Spiegelung des Gewölbes an den Wolken?
    Das Moment der asymmetrischen Spiegelung aus seiner trinitarischen Gefangenschaft befreien. Ist die Trinitätslehre der Bogen in den Wolken am Himmel der Geschichte, der das Ende der Sintflut des mythischen Zeitalters anzeigt?
    Franz Rosenzweig hat einmal die Vermutung geäußert, daß, wenn ein Christ den Stern der Erlösung geschrieben hätte, er ihn in der Sprache des Neuen Testaments geschrieben hätte. Hier irrte R.: Das Neue Testament hat keine eigene Sprache, seine Sprache ist die des Alten Testaments, und nur wer diese wiedererweckt, bringt das Neue Testament zum Sprechen. Das Neue Testament ist kein Problem der Sprache, sondern eines der Logik der Schrift; deshalb ist es bis Hegel als Offenbarung der Trinitätslehre begriffen und erfahren worden.
    Die Trinitätslehre ist die Endlösung eines logischen Problems, aus dessen Bann wir nur mit Hilfe von Joh 129 werden heraustreten können. Voraussetzung wäre, daß Joh 129 ins Nachfolgegebot mit hereingenommen wird. Die Trinitätslehre ist die Ursprungsgestalt der Idee des Absoluten, und diese das Produkt der Selbstreflexion der Subjektivität im Unendlichen. Die Einheit des Absoluten (die in der Trinitätslehre durch die homousia garantiert wird) ist das Bild der Einheit des Subjekts (und deren erster Repräsentant der Monarch, der Kaiser Konstantin).
    Wenn die Beziehung von Vater und Sohn die einer asymmetrischen Spiegelung ist, welche Bewandnis hat es dann mit der Beziehung von Vater und Tochter, von Mutter und Sohn? Gibt es so etwas wie eine doppelt asymmetrische Spiegelung (Ergänzung der genealogischen durch die Geschlechterspiegelung)? Und liegt hier nicht das Problem und die Kraft der feministischen Theologie?
    Die Psychoanalyse war der erste Versuch, das Problem der doppelt asymmetrischen Spiegelung (am Beispiel der Hysterie) zu lösen.
    Verweist nicht der apokalyptische Unzuchtsbecher auf dieses Problem der doppelten Spiegelung, liegt hierin nicht die Differenz zum Zornes- und Taumelbecher (männlich und weiblich schuf er sie)?
    Liegt hier der Grund, weshalb die Frage des sexuellen Mißbrauchs von Kindern (real und in der öffentlichen Aufmerksamkeit) nach dem Krieg öffentlich geworden ist, öffentliche Relevanz gewonnen hat?
    Die Vater-Sohn-Beziehung (die Genealogie) war ein Konstrukt zur Stabilisierung des Zeitkontinuums (der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit), die Vater-Tochter-Beziehung sprengt das Zeitkontinuum. War die Tochter Zion die erste Reflexionsgestalt dieses Problems (und das Hohelied der Focus)? Vgl. die übrigen Tochter-Stellen (von den Töchtern Adams, den Menschentöchtern, über die Töchter Noes bis zu den Töchtern Jerusalems und Zions; vgl. auch den „einzigen Sohn einer Witwe“ und die Tochter des Jaïrus). Wann hat in der biblischen Symbolik die Tochter (Jerusalems oder Zions) die Gattin (JHWHs) ersetzt? Rührt das nicht an das Wer im Namen des Himmels, das Feuer?
    Waren nicht die Kirchenväter in der Regel die Söhne frommer Mütter (Basilius und Gregeor, Augustinus, auch Konstantin), während die Ordensgründer fromme Schwestern hatten (Benedikt, Franziskus)?
    Zu Basilius: Der Regenbogen ist auf die Vater-Sohn-Beziehung anwendbar, nicht auf die Vater-Tochter-Beziehung. Ist der Bogen ein Symbol des Patriarchats?
    Zur Trinitätslehre: Hat der Vater im Himmel und der Geist auf Erden den Sohn gezeugt? Wie aber kann dann der Geist „aus dem Vater und dem Sohne“ hervorgehen. Steckt darin nicht das Problem der doppelt asymmetrischen Reflexion, das Rätsel des Raumes, auf das die Trinitätslehre versiegelt ist? Die Form des Raumes ist das Instrument des Bildes, der Grund der Logik der Instrumentalisierung.
    Das tohu wa bohu (wüst und leer) ist eine asymmetrische Spiegelung, ein Bild der Vater-Sohn-Beziehung, während die Logik der Tochter-Beziehung auf den Geist verweist. Gibt es eine Hilfe zur Auflösung dieses Strukturproblems in der Apokalypse? Hängt die Rezeption der Opfertiere mit diesem Strukturproblem zusammen: Ist die Verdrängung des Stieres, des Rindes, eine Folge der Ersetzung des Namens durch die Vater-Sohn-Beziehung? Verweist nicht das Spottbild vom gekreuzigten Esel auf die Esel-Lamm-Beziehung, und kehrt nicht die Taube in der Gestalt des Geistes wieder?
    Das Tor/der Tor: Die Versammlung im Tor ist durch die Herrschaft Babylons zu einer Versammlung von Toren (idiotes) geworden.
    Gehört nicht zur Vorgeschichte des Buches Rut (Rut war eine Moabiterin) die Geschichte von den Töchtern Lots (die ihren Vater trunken machen, um die Generationenfolge sicherzustellen) und von Lots Weib (die im Anblick der Katastrophe zur Salzsäule erstarrt)?
    Ist die Magd des Herrn nicht die Gottesknechtin (ein Übersetzungsproblem ähnlich den sieben „Gemeinden“ in Asien, die eigentlich Kirchen sind)?
    Als Juda von der Schwangerschaft seiner Schwiegertochter Tamar erfuhr, sollte sie verbrannt werden (1 Mos 3824). Warum nicht gesteinigt? – Die Thora sieht in der Regel die Steinigung als Todesstrafe vor, nur in 3 Mos 2014 (wenn ein Mann eine Frau heiratet und ihre Mutter dazu, so ist das eine Schandtat), ebd. 219 (wenn sich die Tochter eines Priesters durch Unzucht entweiht: sie entweiht ihren Vater) und Jos 715 (wer im Besitze des Gebannten betroffen wird, den soll man verbrennen samt allem, was er hat) ist das Verbrennen vorgesehen.
    Die physikalische Unsterblichkeit, auf die selbst die Herder-Korrespondenz jetzt hinzuweisen sich gedrängt fühlt, wirft endlich das nötige Licht auf eine Idee des Absoluten, die an dieser Art der Aufhebung, der subjektlosen Erinnerung, der Ästhetisierung ihre Substanz hat. Die Idee der Unsterblichkeit bezieht sich nicht auf das mediale Überleben in einem Buch oder in einem Computer (die ebenso zerstörbar sind wie die physische Existenz der Menschen).
    Der Urknall hat mehr mit Auschwitz und mit Hiroshima (mit der Apokalypse) zu tun als mit dem Schöpfungsbegriff. Zu den Konstituentien der Vorstellung vom Urknall gehört die Logik der Spiegelung, die die virtuelle Zeitumkehr (als Grund der transzendentalen Ästhetik) mit einschließt: Der Urknall projiziert das Ende in den Anfang.
    Hat nicht das Vater-Sohn-Problem etwas mit der Gravitation, das Vater-Tochter-Problem mit der Elektrodynamik zu tun? Das würde ein Licht auf die Bedeutung der speziellen Relativitätstheorie werfen.
    Die „liebende Zustimmung Marias“ zum Foltertod ihres Sohnes am Kreuz (sh. Weltkatechismus) erinnert an den verordneten Stolz der Mütter, die beim „Heldentod“ ihrer Söhne im letzten Krieg nicht einmal mehr trauern durften. Das Vaterland erträgt keine Trauer über das, was es anrichtet.
    Wie würden wir diese Welt wahrnehmen, wenn es kein Fernsehen gäbe? Wer könnte sie ohne diese Dauerablenkung, diese organisierte Dauerverdrängung, noch ertragen?

  • 31.8.1995

    Zwischen dem historischen und dem prophetischen Indikativ liegt die Reflexion des Inertialsystems, die Kritik der Naturwissenschaften.
    An Gott will keiner erinnert werden, weil im Angesicht des Ewigen das Vergangene nicht nur vergangen ist.
    Der Indikativ der Lehre ist vom historischen Indikativ dadurch unterschieden, daß er ein Indikativ im Angesicht Gottes ist. Die Lehre wird nicht durch ein kirchliches Lehramt definiert, sie gewinnt allein Bestand im Angesicht Gottes.
    Der Objektivitätsanspruch der Medien schließt das Fertigmachen mit ein.
    Ist der Name der „Tochter Sion“ nachexilisch (von Ps 915 über Jes, Jer, Klag (6 Stellen), Mich, Zeph bis Sach 214 und 99)?
    Trinitätslehre: Wenn die Attribute Gottes im Imperativ und nicht im Indikativ stehen, dann beweisen Männer ihre Gottähnlichkeit schon durchs Zeugen. War das der Grund, weshalb diese Theologie, die nicht mehr unmittelbar Quellpunkt der Moral war, durch eine Sexualmoral ergänzt werden mußte?
    Ist die Übersetzung des Namens mit „Herr“ nicht die Ursache einer verhängnisvollen Zweideutigkeit? So lassen sich Herr und Herr nicht mehr unterscheiden. Vgl. Ps 1101: Es sprach der Herr zu meinem Herrn, die Buber so übersetzt: Erlauten von IHM zu meinem Herrn. Ist diese Unterscheidung nicht eine ums Ganze? Auf welchen „Herrn“ bezieht sich der Name kyrios in den Evangelien? Steckt in diesem Titel nicht die List der Vernunft Hegels (oder die der politischen Theologie, der Herrschaftstheologie)?
    Zum Problem der asymmetrischen Spiegelung: Steht nicht die gesamte christliche Theologie im Zeichen des noachidischen Bundes, des Bogens (Gen 912f)? Hat dieser Bogen etwas mit dem „Gewölbe“ (der Feste) des zweiten Schöpfungstages zu tun?
    Ist nicht auch das ein Stück asymmetrischer Spiegelung, wenn der Faschismus sich genau dadurch reproduziert, daß er die Vergangenheit eingebunkert, sie durch seine Finsternis verdunkelt hat? Aber ist die Zerstörung der Erinnerungsfähigkeit nicht auch ein objektiver Sachverhalt (der durch den bloßen Entschluß sich nicht ändern läßt), war der Faschismus nicht auch ein Modernisierungsschub, einer, der ihn fast unangreifbar gemacht (die bloße Verurteilung erreicht ihn nicht, dagegen ist er immun). Kritik des Faschismus heute meint den Esel und schlägt den Sack.
    Deutschunterricht: „Was will uns der Autor damit sagen?“ – Taugen am Ende nicht doch nur die Sätze was, die mehr sagen, als der Autor „sagen wollte“? Ist nicht die Germanistik (ist nicht der Deutschunterricht) darin der Theologie verwandt, daß sie anstelle des Herzens eine kontrafaktische Urteile produzierende Automatik hat?
    Das kontrafaktische Urteil ist das Kuckucksei im spekulativen Nest des Absoluten (ist das Absolute der Inhalt dieses Eis?).
    Der historische Indikativ, auf den die christliche Tradition das von ihr so genannte „Alte Testament“ festgelegt hat, ist der Quellpunkt der Idee des Absoluten.
    Wer begreift, weshalb in der Johannes-Apokalypse der Taumelkelch zum Unzuchtsbecher geworden ist, hat das Rätsel der christlichen Theologie gelöst.
    Die Sexualmoral ist das kontrafaktische Urteil der göttlichen Barmherzigkeit.
    Sind nicht moralische Urteile insgesamt kontrafaktische Urteile, und sind nicht kontrafaktische Urteile durch das Interesse an moralischen Urteilen determiniert (eine Konsequenz aus der Transformation des Gebots ins Gesetz, Folge der Verwechslung von Rind und Esel)?
    Evangelische Räte: Ist die Armut auf den Vater, das Hören (der „Gehorsam“) auf den Sohn und die Keuschheit auf den Geist bezogen?
    Wie hängen Kohelet und Jesus Sirach, Ekklesiastes und Ekklesiastikus, mit einander zusammen? Verweisen nicht beide auf den neutestamentlichen Kirchenbegriff (die ekklesia, im Unterschied zur synagoge)? Wie hängt die ekklesia mit der Versammlung im Tor (Ort der Versammlung und des Gerichts, nicht des Gebets!) zusammen?
    Sind nicht die sieben Gemeinden in Asien (in der Johannes-Apokalypse) sieben Kirchen (ekklesiai)? Und wird nicht durch diese sieben Kirchen der Name der una sancta catholica ecclesia widerlegt?
    Paßt nicht zur „Versammlerin“ die Maria Magdalena, die von den sieben unreinen Geistern befreit wurde?
    Mein ist die Rache, spricht der Herr: Liegt nicht das Problem der Beziehung des historischen zum prophetischen Indikativ darin, daß, wer in der Vergangenheit nach Schuldigen sucht, selber in den Bann der Vergangenheit gerät: durch die Exkulpationsstrategien, in denen die Logik der Schuld sich konstituiert, in eben diese Schuldlogik sich verstrickt, aus der er nicht mehr sich zu lösen vermag? Ist nicht das Historismus-Problem wie auch das Welt-Problem allein über die Rekonstruktion der Logik der Schuld zu lösen, über ihre Beziehung zum Angesicht Gottes (im Leuchten seines Angesichts löst die Logik der Schuld sich auf).
    Festzuhalten ist das gleichsam flüssige Wesen der Schuld, daß, wer sie dingfest zu machen versucht, von ihr überschwemmt wird.
    Der Segen ist der Grund der Fruchtbarkeit, das Feigenblatt der der Unfruchtbarkeit.
    Teilt nicht das Buch Kohelet das Schicksal des Hiob-Buches, aus dem in der Regel auch nur die „Freunde Hiobs“ zitiert werden? Die Freunde Hiobs repräsentieren die Schrift, während Hiob darauf besteht zu hören (und sei es das Donnern des Herrn).
    Worauf bezieht sich der Satz im Schlußteil des Kohelet: Des vielen Büchermachens ist kein Ende, und das viele Studieren ermüdet den Leib (1212)?

  • 28.8.1995

    Die Herrschaftsgeschichte löst die Menschen nicht nur aus der Dumpfheit, den Ängsten und der Not der Natur, sie verstrickt sie auch wieder in Natur, als deren Kern Herrschaft sich erweist. Als zweite Natur ist Herrschaft eine neue Quelle der Dumpfheit, der Ängste und der Not.
    Himmel und Sprache: In diesen Kontext gehören Wasser und Feuer, die Feste des Himmels und die Trennung der oberen von den unteren Wassern, der Bogen in den Wolken, der Menschensohn auf den Wolken des Himmels, das sich aufrollende Buch, die Heiligung des Gottesnamens. Ist der Indikativ (seine Beziehung zur Logik der Schrift und zum Wort, zu den beiden Bedeutungen des Perfekts) die Feste des Himmels (ist der Perfekt, die Beziehung von Vergangenheit und Utopie, die Feste des Himmels)? Wie verhält sich die Scham zum Himmel? Ist der Himmel die Schamgrenze, die die beiden Indikative von einander trennt (und verweist das Wort vom „aufgespannten Himmel“ auf die Spannung, die die Beziehung der Logik der Schrift zum Wort – die Beziehung dieser zur zukünftigen Welt – kennzeichnet: auf den prophetischen Erkenntnisbegriff und den Begriff der Lehre)?
    Scham ist die Fähigkeit, sich in den Augen der Andern zu sehen. Nur im Kontext der Scham gibt es die Nackheit (die zum Begriff der Tatsachen gehört). Nur im Kontext der Scham gibt es das Aufdecken der Blöße, das die Aufklärung seit ihrem Ursprung mit der Erkenntnis verwechselt. Der Radikalisierung dieses Erkenntnisbegriffs durch die Medien verdankt sich die endgültige Trennung von Realität und Sprache im Begriff der Information, der Nachricht, der Kommunikation, des Diskurses, und in diesem Kontext die Verschiebung von Genitiv und Dativ.
    Zur politischen Ökonomie der Medien (und der Banken?): Wenn Informationen zur Ware werden, werden sie zu einer paradoxen Ware, deren Produktion ihre Reproduktion, ihre Verwandlung in Masse, voraussetzt, einer ab ovo flüssigen Ware, deren Tauschwert, deren Masse, im Massenkonsum (wie der Kredit in der Kreditschöpfung) erst sich bildet. Wenn sie nach der Logik von Tausch- und Gebrauchswert sich konstruieren lassen, verhält sich diese Logik zu der der materiellen Produktion nicht ähnlich wie das Glaubens- zum Schuldbekenntnis: stehen beide nicht in der gleichen Beziehung der asymmetrischen Spiegelung? Die Extreme der Medien, die Propaganda und die Reklame, sind ein Teil ihrer Definition. Anders als in der materiellen Technologie setzt hier die Anwendung der Gesetze ihre Erkenntnis nicht voraus, sondern ihre Gesetze entspringen erst in ihrer Anwendung. So wie sie die Bedürfnisse, die sie zu befriedigen vorgeben, erst schaffen (aus einem Nichts, das zu bestimmen wäre), rechtfertigen sie sich durch einen „Erfolg“, den sie nicht mehr wahrnehmen dürfen (weil er sich selbst denunziert). Medien gehorchen einer Logik, die ausschließt, daß sie wissen, was sie tun. Die Subsumtion der Information unters Tauschprinzip (durch die sie zur Information überhaupt erst wird) ist kein leichtzunehmender Sachverhalt. Jede Propaganda ist eine propaganda fidei (einer „Philosophie“), und auch die Reklame ist Propaganda. Und jede „seriöse Presse“ ist eine, die weiß, daß sie propaganda fidei ist, die dem Gesetz einer eigenen Orthodoxie gehorcht.
    Stehen nicht die Medien und die Banken (ähnlich wie Glaubens- und Schuldbekenntnis) in einem Spiegelungsverhältnis, das sein asymmetrisches Pendant in der technischen und ökonomischen Naturbeherrschung hat?
    Ist die Sexualmoral der apokalyptische Unzuchtsbecher (Inbegriff der der Bekenntnislogik zugrunde liegenden Formen der Anschauung)? Welchen Stellenwert haben in diesem Zusammenhang der der Sexualmoral zugeordnete Begriff der Unschuld (die Beziehung confessio/virginitas), die kirchengeschichtlichen Phasen der Pornokratie und der Pornographie, die Institution des Zölibats (im Kontext von Ohrenbeichte, Fegfeuer und Ablaßhandel)?
    Dann aber gehört Adornos erstes Gebot der Sexualethik zur Kritik der Naturwissenschaften: Die Sexualmoral war seit je der Schatten der Geschichte der Naturbeherrschung.
    Gründet die Taufe in der Trennung der oberen von den unteren Wassern, und ist die Taufe das Symbol der Aufhebung dieser Trennung? Der Fehler des Christentums war es, daß es anstatt mit den oberen mit den unteren Wassern getauft hat: es hat immer nur bekehrt, nie die Umkehr vollzogen, es hat die Umkehr durch die Bekehrungswut ersetzt.
    Hegels Kritik des Sollens hat ihr fundamentum in re darin, daß das Gebot sich nicht ins Universale transformieren läßt. Hegel aber konnte vom Begriff des Universalen sich nicht befreien; so ist ihm die Menschheit zur massa damnata geworden, zum Kelch, aus dem „ihm seine Unendlichkeit“ schäumt.
    Ist nicht jeder Stern, unter dem einer steht, ein Jüngstes Gericht? Und gehört nicht zum Stern von Bethlehem der bethlehemitische Kindermord? Es käme darauf an, in dieser Geschichte nicht das Glück, entronnen zu sein, zu erkennen, sondern das Entsetzliche dieses Schuldzusammenhangs, in den das Kind von Bethlehem seit seiner Geburt verstrickt ist. Hat dieser Kindermord den Entronnenen nicht auch am Kreuz noch eingeholt?
    Ist nicht das Matthäus-Evangelium eine Rekapitulation oder eine Relektüre der Schrift insgesamt (oder nur eines Teils der Schrift, und wenn, dann welchen Teils)?
    Toledot: Die Trennung des Zeugens vom Schaffen und seine Hereinnahme in die Trinitätslehre („gezeugt, nicht geschaffen“) haben die Theologie insgesamt verhext.
    Zu Gen 24: Handelt es sich bei den „Zeugungen des Himmels und der Erde“ um einen genitivus subjectivus oder objectivus, sind Himmel und Erde die Erzeugenden oder die Erzeugten? In welcher Beziehung stehen die Toledot, die Zeugungen Adams und der ihm Folgenden, zum Erschaffen? Sind sie gleichbedeutend, gehen sie ihm (wie in der christlichen Theologie, in der Trinitätslehre: als ewige Zeugung des Sohnes) voraus oder folgen sie ihm (als zeitliches, selber geschaffenes Bild und Echo des Erschaffens) nach?
    Zu Mt 11ff und Lk 323ff: Zeugungen sind keine Stammbäume (Stammbäume sind umgekehrte Zeugungen).
    Der Objektivationsprozeß als Vergangenheitsproduktion. Wie verhalten sich das Objektivieren und die Objektivität, die Verweltlichung und die Welt?
    Politische Ökonomie der Naturwissenschaften: Verhalten sich die Banken zu Produktion und Zirkulation wie das Inertialsystem zu Physik und Astronomie?

  • 27.8.1995

    Kritik des Universums: Die drei Dimensionen des Raumes bezeichnen drei differierende, nicht austauschbare Abstraktionsverfahren, die im Objekt als Widerspruch stehen bleiben (und im Subjekt das Denkverbot, das Opfer der Vernunft, begründen), wenn man sie auf einen Nenner zu bringen versucht. Dieses Abstraktionsverfahren macht drei an sich asymmetrische Spiegelungen reversibel. Der „eine Nenner“ dieser Abstraktion, das Unum des Universums (und sein Vorläufer die Unitas in der Trinitätslehre), ist der der Herrschaft, konkret zu machen nur in der Institution des Staates und in der transzendentalen Logik des Nationalismus.
    In England heißen Verwaltungsangestellte immer noch clerc, „Kleriker“. Ist nicht das Modell hierarchischer Verwaltungsstrukturen die kirchliche Hierarchie (zusammen mit ihrer kosmischen Verdoppelung in den frühkirchlichen Engelhierarchien)? In welcher Beziehung stehen diese hierarchischen Strukturen zu den militärischen Herrschafts- und Befehlsstrukturen (zu den biblischen Himmelsheeren)?
    Die Trinitätslehre ist ein Teil der Staatstheologie; und wenn der Staat ein Teil der Schöpfungsordnung ist, ist dann nicht auch die Trinitätslehre ein Teil dieser Schöpfungsordnung?
    Rind und Esel: Die Bekenntnislogik ist ein Konstrukt, das – wie die Personen in der Trinität – in einer asymmetrischen Spiegelung gründet. Glaubens- und Schuldbekenntnis stehen in genau dieser Beziehung, in der das Glaubensbekenntnis überhaupt erst sich konstituiert. Wäre die Asymmetrie dieser Beziehung nicht als Herrschaftsbeziehung zu entschlüsseln?
    Joh 129, Rind und Esel, Binden und Lösen: Die Welt als Produkt der Weigerung, die Sünde der Welt auf uns zu nehmen, ist das Erbe, das wir unseren Kinder hinterlassen: die Last, die wir auf sie abwälzen. Die Erbsünde ist die Sünde des Erbens (die Naturwissenschaften sind sind als Erbe zugleich eine Hypothek).

  • 20.8.1995

    Babylon will einen Turm bauen, dessen Spitze „bis an den Himmel reicht“ (Gen 114), Jakob träumt von einer Leiter, dessen Spitze „bis an den Himmel reicht“ (Gen 2812). Zum Himmel schreit das Blut Abels (Gen 410), an den Himmel reicht die Wut des Königs von Israel (2 Chr 289), die Schuld des Volkes (Esr 96), das Gericht über Babel (Jer 519), der Wipfel des Baums im Traum des Nebukadnezar (Dan 48), die Größe des Königs (ebd. 419).
    Die Sprache unterscheidet sich von der Sache durch das eingeschobene -pr-. Stecken in dieser Einschiebung die Barbaren, die Hebräer, die Hapiru?
    Das Neutrum läßt sich aus dem Maskulinum herleiten, wenn man den Akkusativ als Nominativ nimmt (z.B. bei Kollektivbegriffen wie Gehölz, Gebirge: durch innere Pluralisierung des Individuellen). Das Neutrum gründet in der logischen Nichtunterscheidbarkeit des Einzelnen und Allgemeinen: Deshalb bezeichnen die Begriffe Objekt und Person Hypostasen oder Verkörperungen des Schuldverschubsystems (Konkretismus und Personalisierung). Erst die moderne Aufklärung hat – im Kontext der Entfaltung des Inertialsystems und mit der Ablösung der Sklaverei und der Leibeigenschaft durch das Institut der Lohnarbeit (im Kontext von Naturwissenschaft und Kapitalismus) – das Objekt zum Subjekt synthetischer Urteile apriori gemacht.
    Kritik des Gattungsbegriffs: Der Begriff der Gattung ist der Ursprungsbegriff der Philosophie: Er ist das Realsymbol der Leugnung der Asymmetrie, der Verletzung des Verbots, mit Rind und Esel gemeinsam zu pflügen. Im Begriff der Gattung (und in seiner Folge in jeglichem Universalismus) werden Zeugung und Tod (Last und Joch) zusammengedacht: Christologie, Opfertheologie und Trinitätslehre, und mit ihnen das Dogma insgesamt, konstituieren und legitimieren den Begriff der Gattung wie sie zugleich im Kontext ihrer Reflexion als Schlüssel sich erweisen, der diesen Begriff und seine geschichtliche Funktion (seine Beziehung zum apokalyptischen Realsymbol des Tieres, das war, nicht ist und wieder sein wird) aufzuschlüsseln vermag. Man könnte sagen: Gegenstand der apokalyptischen Lösung der sieben Siegel ist der Gattungsbegriff. Hiermit hängt es zusammen, wenn der Bekenntnisbegriff (wie er im männlichen Heiligentypos des Confessor sich spiegelt) seit je ein männlicher Begriff gewesen ist: In ihm, in seiner Beziehung zum Gattungsbegriff, spiegelt sich die konstitutive Beziehung des Gattungsbegriffs (und seiner Momente Zeugung und Tod) zum Naturbegriff (und zwar sowohl zur griechischen physis wie zur lateinischen natura, die aus der unterschiedlichen Akzentuierung der Beziehung von Zeugung und Tod im Gattungsbegriff sich herleiten) wie auch zum Begriff und zur Logik des Bekenntnisses. Rosenzweigs Reflexion der Todesangst bezieht sich ebensowenig wie das Kelch-Symbol in der Getsemane-Geschichte in den Evangelien auf die private Todesangst; beide gründen vielmehr in dieser Konstellation; daraus gewinnt der Stern die argumentative Kraft, die mit dem Begriff der Gattung (der dann im zweiten Buch des ersten Teils des Stern, in der „Metalogik“, seinen „logischen Ort“ findet) den Begriff des Alls und mit ihm den Universalismus der Philosophie sprengt: die Verletzung des Verbots, mit Rind und Esel gemeinsam zu pflügen, aufhebt. Darin gründet das „Neue Denken“, die Reflexion der verandernden Kraft des Indikativs, die Wiedergewinnung einer Theologie, in der Gebet und Erkenntnis eins werden, die Begründung einer Theologie im Angesicht Gottes, in der die Mystik rational wird.

  • 17.8.1995

    Last und Joch: Eine Differenzierung im Begriff des Begriffs. Wie hängen Last und Joch mit Hören und Sehen zusammen (mit Wort und Schrift)?
    Zur Prophetie gibt es nur zwei Positionen: Man ist entweder selbst Prophet, oder man wird zu ihrem Objekt. Die gegenständliche, historische Beziehung zur Prophetie führt in einen logischen Zwang, durch den man selber zum bewußtlosen (zum blinden und lahmen) Objekt der Prophetie wird.
    Von den biblischen Opfertieren ist das Rind in den Kernbestand der Evangelien nicht mit eingegangen, während Lamm und Taube zu innertrinitarischen Symbolen, zu Symbolen des Sohnes und des Geistes, geworden sind (die Erstgeburt des Menschen wird durchs Opfer des Lammes, nur bei den Armen durch das Opfer der Taube ausgelöst; nach Mt und Mk treibt Jesus die Wechsler und die Taubenverkäufer, nur nach Joh auch die Verkäufer von Ochsen und Schafen aus dem Tempel).
    Ist nicht die Geschichte vom reichen Jüngling eine parakletische Geschichte? Die Aufgabe des Reichtums sollte er nicht nur für den Moment den Armen helfen (Maurer: „die Urgemeinde ist am Kommunismus gescheitert“), sondern die Ursache der Armut, ihren Zusammenhang mit dem Reichtum, reflexionsfähig machen.
    Es ist so leicht, die Worte Jesu durch Übersetzung in den Indikativ unsinnig und die Nachfolge unmöglich erscheinen zu lassen.
    Eine Sprache, die nur Imperfekt und Perfekt kennt, kennt eigentlich keine (abgeschlossene) Vergangenheit, sie kennt insbesondere keine Herrschaftslogik, die den Sprechenden selber in die Vergangenheit versetzt und als Ersatz das Präsens (eine in die Vergangenheit eingetauchte Gegenwart) braucht. Realsymbol dieser Herrschaftslogik in der Schrift ist das Sklavenhaus Ägypten, dann die babylonische Gefangenschaft.
    Die Verlagerung des Perfekt in die Vergangenheit begründet die Ontologie. Zugleich wird die Erinnerung an die Zukunft (und mit ihr der Kern der theologischen Tradition) ausgeschieden.
    Die Trinitätslehre entlastet die Theologie von der Last der Apokalypse, der Parusie-Erwartung.
    Schuldverschubsystem: Heute wird das Wort Goethes noch überboten: Wir lassen nicht mehr nur die Armen, sondern auch die Opfer schuldig werden: So werden sie wirklich zu Vertretern des Gekreuzigten. (Die Vergebungsbereitschaft der Kirche geht heute soweit, daß sie auch den Juden Auschwitz vergeben würde, wenn sie ihre Halsstarrigkeit aufgeben und die immer ausgestreckte Hand der Versöhnung endlich ergreifen würden.)
    Der Versuch, die ganze Mikrophysik aus der speziellen Relativitätstheorie, aus dem Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit, abzuleiten, hatte bereits als bewußtloses Modell die Vorstellung, daß die Wahrheit der Trinitätslehre erst in ihrer Konfrontation mit der jüdischen Tradition hervortreten wird. War nicht die Physik Einsteins in der Tat, nur anders als es die Vertreter der „Deutschen Physik“ sich vorstellten, eine „jüdische Physik“?
    Die Welt ist (wie auch ihre Emanationen) die Totalität des Feigenblattes.
    Was in der Trinitätslehre mit Gott begonnen hat und über die Welt fortgesetzt wurde, die Gewalt der Vergegenständlichung, ergreift am Ende unser Herz (das Herz der Kirche).

  • 9.8.1995

    Die Bewußtseinsgeschichte ist in die politische Geschichte eingebunden: Bezieht sich nicht die große Prophetie auf die Geschichte des Ursprungs der (assyrischen und babylonischen) Großreiche? Die Verinnerlichung des Opfers (und das Ende der Prophetie) ist ein Teil des politisch determinierten Ursprungs des Weltbegriffs.
    Bekenntnisfragen sind Machtfragen. Deshalb ist Überzeugen unfruchtbar.
    Doppelbedeutung des Seins (und Doppelbedeutung des Sinns, die in der des Seins begründet ist): Die verandernde Kraft des Wörtchens „ist“ gründet darin, daß es das An-sich zu einem Für-mich macht; und das läuft über das Prädikat und den Begriff: seine Eigenschaften machen das Ding (so wie der Begriff das Objekt) verfügbar.
    Wenn der speziellen Relativitätstheorie zufolge die Zeit richtungsbezogen ist, wären dann nicht drei (sich wechselseitig durchdringende) Chronologien anzusetzen: durchsetzt mit katastrophischen Zeitbrüchen? Bezieht sich nicht die Geschichte der drei Leugnungen auf diese Zeitbrüche?
    Die subjektiven Formen der Anschauung sind Formen der Selbstzerstörung ihrer eigenen Grundlagen: die Form der äußeren Anschauung zerstört das Licht und das Sehen, die der inneren Anschauung die Erinnerung. Beide sind Produkte der Instrumentalisierung des Todes (der Opfertheologie).
    Ist nicht die Opfertheologie der Greuel am heiligen Ort (und das Substantiv ein Produkt der Opfertheologie)?
    Hängt nicht der Begriff der Allseitigkeit in der marxistischen Tradition mit der Herrschaft des Tauschparadigmas zusammen?
    Es gibt keine Verwaltung ohne Kollektivschuld. Die Kollektivschuld ist das Subjekt-Objekt der Verwaltung.
    Der Unterschied zwischen Himmel und Erde und der Welt drückt sich auch in ihrer Beziehung zur Schöpfungsvorstellung aus: „Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde“. Der Schöpfungstheologie zufolge aber „hat Gott die Welt erschaffen“. Es ist der Unterschied zwischen Imperfekt und Perfekt.
    Ziel des „Rechtsstaats“ ist nicht die Gerechtigkeit, sondern die Entsühnung der Welt: die Exkulpation der Bürger.
    Wenn nicht Ham, sondern Kanaan vom Fluch wegen der Sünde Hams getroffen wird, ist das nicht das Urteil über die „freie Marktwirtschaft“, aber auf keinen Fall eine Begründung der Apartheid, des Rassismus? Hängt Kanaan mit Merkur und Hermes zusammen?
    Der jüdische Tempel war das Haus des Namens Gottes: Rührt nicht die Idee des Heiligen an den Grund der Sprache, an den Grund ihrer Beziehung zur Logik der Schrift? In welcher Beziehung stehen die Ideen des Heiligen und des Ewigen?
    Die Vertauschung von Genitiv und Dativ ist an bestimmte Konstellationen, insbesondere an ihre Verknüpfung mit bestimmten Präpositionen gebunden. Kann es sein, daß es hierbei um die Gewinnung eines Begriffs der Objektivität geht, die gegen Begründungsforderungen als immun sich erweist? Für die Medien spaltet die Sprache sich auf in das bloß feststellende, konstatierende Sein und die Meinung dazu. Die Meinung wird aber erst zur Meinung, wenn sie den Anspruch auf eingreifende Kraft leugnet. Die Meinung läßt die Dinge, wie sie sind. Die feststellende Gewalt der kommunikativen Wahrnehmung hebt die Veränderbarkeit (das Flüssige) nicht auf, sondern verdrängt sie bloß. Der Indikativ (die durch die ästhetische Grenze von den Dingen getrennte Sprache des Zuschauers) stabilisiert das Herrendenken, entzieht der Kritik den Boden. Die Trinitätslehre macht Gott zu einem ästhetischen Objekt.
    Wenn die Sprache im Namen Gottes gründet, dann hat Gott in der Sprache uns sich selbst offenbart.
    Die Ontologie ist die Leugnung der Idee des Heiligen und der des Ewigen zugleich.

  • 8.8.1995

    Wie hängen Präpositionen mit der Deklination zusammen: Im Englischen werden Dativ und Genitiv allein mit Hilfe von Präpositionen (of und to) gebildet. Im Deutschen gibt es eine in der Regel streng definierte Bindung der Präpositionen an die Deklination (gleichsam eine orthogonale Beziehung beider).
    Wer Genitiv und Dativ vertauscht, kann rechts und links nicht unterscheiden.
    Sind nicht die Deklinationsformen und die Präpositionen ein sprachlicher Reflex der Entfaltung der Raumvorstellung?
    Erinnert der „Zeitbruch“ nicht an die Einsteinsche Zeitdilatation: an den Zeitbruch zwischen den getrennten Dimensionen des Raumes. Ist nicht die Orthogonalität Ausdruck des Zeitbruchs?
    Zum Begriff der Scham: In den Formen der Anschauung, in der Abstraktion vom Gegenblick, setzt der Gegenblick, der Blick des Andern, sich durch. Im Anschauen erkennen wir, daß wir nackt sind. Ist nicht die Abstraktion vom Gegenblick die Abstraktion vom Angesicht?
    Im Deutschen werden beim bestimmten Artikel im Femininum Genitiv und Dativ (die beide dem Nominativ mask. entsprechen) nicht unterschieden, im Plural, das sonst dem Femininum nachgebildet ist, wird beim Genitiv der Nominativ, beim Dativ der Akkusativ mask. verwendet. Im Plural werden die Geschlechter nicht unterschieden (im Hebräischen hingegen gibt es ein männliches und ein weibliches Plural).
    Ist beim Dativ nicht die Ambivalenz festzuhalten: die Unterscheidung von Geschenk und Tribut (das einzig legitime Objekt der Barmherzigkeit ist der Arme, nicht der Herr).
    Im Hebräischen ist der bestimmte Artikel (der dem Nomen als Suffix angehängt und nicht dekliniert wird) identischen mit Ausdruck des Lachens.
    Hängt die Bedeutung der Zahl 10 mit dem Zehnten, dem Tribut, zusammen (der erstmals in der Begegnung Abrahams mit Melchisedech auftaucht)?

  • 4.8.1995

    Kelch des göttlichen Zorns, das Inertialsystem oder der Ursprung der indogermanischen Sprachen: Wer sich zum Herrn des Raumes macht, wird zum Objekt der Zeit. Das Perfekt ist keine Qualität des Handelns mehr, sondern eine der Zeit: die „vollendete Vergangenheit“.
    Transzendentale Ästhetik: Das Reich der Erscheinungen ist der Inhalt des Kelchs.
    Wie der Begriff des Ewigen die Vergangenheit von sich ausschließt, so der des Heiligen die Eigentumsfähigkeit, die Verfügbarkeit, die Beherrschbarkeit. Die Idee des Ewigen konstituiert sich in ihrer Beziehung zur Zeit, die des Heiligen in ihrer Beziehung zum Raum. Deshalb gehört zur Heiligkeit die Umkehr. Heiligkeit hat mit den drei evangelischen Räten, mit Armut, Hören und Keuschheit, zu tun.
    Die Heiligung des Gottesnamens ist das Abarbeiten der Ontologie in der Theologie. Die Ontologie bezeichnet das Moment der Selbstreferenz in der Philosophie.
    Der Säkularisationsprozeß ist die Geschichte der Entfaltung des Eigentumsprinzips, er ist zugleich die Geschichte der Selbstlegitimation des Bestehenden.
    Im Modernisiserungsschub des Faschismus ist der beschränkte Untertanenverstand zum Verwaltungsverstand geworden.
    Heidegger hat mit seinem Begriff des „In-der-Welt-Seins“ die Distanz, die Kant mit dem Imperativ, daß der Mensch niemals nur als Mittel, sondern zugleich auch als Zweck zu behandeln sei, bezeichnet hat, endgültig aufgehoben, nivelliert, neutralisiert. Dann aber bleibt in der Tat nur das Vorlaufen in den Tod (das die Eigentlichkeit begründet: den verzweifelten Nachhall dessen, was einmal Würde hieß).
    Die Paranoia gründet im Eigentumsprinzip.
    Gotteserkenntnis, die Erkenntnis, daß Gott den Himmel aufgespannt und die Erde gegründet hat, schließt die Kritik eines Schöpfungsbegriffs, der den Staat und die Welt an einander bindet, mit ein.
    Handel, Banken, Verkehr: Das Trägheitsgesetz wird durchsichtig am Modell der Zirkulation, das Gravitationsgesetz an dem des Kredits.
    Wo kommt der Name des „Neuen Testaments“ erstmals vor? Wahrscheinlich (zusammen mit dem Begriff des Erben, der Erbschaft) bei Paulus? Wenn nach Paulus die Christen (als „Kinder Gottes“) „Erben des Reiches“ sind, so werden sie hier in die Passivität der Erwartung gebannt, dem Wort vom Binden und Lösen wird die Grundlage entzogen, das Lösen (oder genauer: jede Alternative zum Binden) wird ausgeschlossen. Das „Neue Testament“ steht unter dem Bann der Vergangenheit. Gründet nicht der Name des „Neuen Testaments“ in der Rezeption des Weltbegriffs?
    Was bedeutet Hebr 916f: „Denn wo ein Testament ist, da muß der Tod dessen erfolgen, der es errichtet hat; denn ein Testament ist für den Todesfall fest, weil es keine Kraft hat, solange der lebt, der es errichtet hat“? Heißt das, daß Gott tot ist, oder daß Gott von uns durch eine Todesgrenze getrennt ist?
    Die List der Vernunft bezeichnet den projektiven Anteil am Begriff der Erkenntnis und des Wissens: die List der Schuldverschiebung, die die Erkenntnis neutralisiert, sie „objektiv“, „für alle gültig“ macht. Die Idee der Wahrheit aber schließt die Fähigkeit zur Schuldreflexion mit ein (und so, im asymmetrischen Kontext der „Sündenvergebung“, auch das des Bekenntnisses).
    Bekenntnis und Sündenvergebung: Nur wer zur Kirche (zur Nation etc.) sich bekennt, wird von der Sünde, nicht dazu zu gehören: von der Sünde der Trennung befreit. In dieser logischen Konstellation (die mit der Entstehung der Großreiche – mit dem Ursprung des Staates – sich bildet und in der Prophetie erstmals reflektiert wird) konstituiert sich der Glaube.
    Herrendenken: Das Inertialsystem (Repräsentant des Staats in der Natur) trennt Täter und Opfer in der Katastrophengeschichte, trennt die Verursacher von den Objekten (vgl. die sprachlogische Diffenrenz von Sehen und Hören bei Ezechiel).

Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie