Naturwissenschaft

  • 24.6.1994

    Zur Theorie des Feuers und zur Unterscheidung von Völkern („Heiden“) und Nationen:
    – Jer 5158 („Die breite Mauer Babels wird bis auf den Grund zerstört und seine hohen Tore verbrannt werden, sodaß Völker sich quälten für nichts und Nationen fürs Feuer sich abmühten“) und
    – Hab 213 (mit der Umkehrung: „Völker arbeiten fürs Feuer, und Nationen mühen sich ab für nichts“).
    Kann es sein, daß die Erschaffung der Pflanzen am dritten und der Tiere am sechsten Tag (die beide „aus der Erde hervorgehen“) auf einen sprachlichen Sachverhalt verweisen? Kann man die Pflanzen den Verben und die Tiere den Nomen (den „Substantiven“: mit der Schlange, dem „klügsten aller Tiere“ als Neutrum) zuordnen? Vgl. dazu:
    – die beiden Nahrungsgebote (und ihre gesellschaftliche Zuordnung zu Freiheit und hierarchischer Herrschaft) und
    – die Opfer Abels und Kains (Gott nahm das Opfer Abels, ein Tieropfer, an, während er das Opfer Kains, der von den Früchten des Feldes opferte, nicht ansah).
    Ist nicht jedes Opfer ein „Tieropfer“, während das Früchteopfer an die Wurzel der benennenden Kraft der Sprache rührt (und zielt nicht die Konstellation von
    – Rache: das Blut Abels schreit zu Gott, und der kainitische Lamech rächt sich siebenundsiebzigmal, und
    – Vergebung: das Kreuzesopfer ist nach Karl Thieme das erste, das nicht nach Rache schreit, sondern um Vergebung bittet, und Jesus fordert Petrus auf, nicht siebenmal sondern siebenmal siebzigmal zu vergeben,
    auf das Verhältnis von Zerstörung und Wiedergewinnung der benennenden Kraft der Sprache)?
    Das Problem der Opfertheologie ist ein Sprachproblem, die Geschichte der Opfertheologie ist die Geschichte des Nominalismus.
    Ist der Bruch, der im Katholizismus mit dem ersten Weltkreig eingetreten ist (und nach dem zweiten sich vollendet hat), nicht an der Stelle eingetreten, an der die Gemeinheit endgültig eingebrochen ist und die Theologie überschwemmt hat?
    Das Transzendentale und das Transzendente sollten nicht verwechselt werden: Das Transzendentale verbleibt im Bann der Subjektivität (der subjektiven Formen der Anschauung).
    Welcher Jakobus gehört zu den „drei Säulen“: der Zebedäussohn oder der Herrenbruder?
    Die Zebedäussöhne sind die Donnersöhne, aber Johannes, einer der beiden Donnersöhne, darf, was die sieben Donner verkünden, nicht aufschreiben.
    Das Wort, wonach Gott „die Welt erschaffen“ hat, kommt nur bei Paulus, und zwar zuerst in Athen und dann im Römerbrief, vor.
    In jeder Abstraktion steckt ein Stück Wut, und was hat es mit dem furor teutonicus auf sich?
    Das Heil kommt von den Juden, aber Jesus war gesandt zu den verlorenen Stämmen Israels. Wann ist der Name „Jude“ entstanden, und was drückt er aus? Was bedeutet es, wenn die Kirche gegen die jüdische Tradition und Kanonbildung die Makkabäerbücher, das Buch Judit u.a. in ihren Kanon mit aufgenommen hat (Berichtigung der Thesen von Hyam Maccoby durch Eisenmann/Wise als Lösungsansatz: Differenzierung der Konstellation Pharisäer, Sadduzäer, Herodianer, Essener; Einbeziehung der „Essener“ in die makkabäisch-zelotische Tradition)?
    Wer war Alexander Jannai?
    Führt nicht Adornos Konzept der vollständigen Säkularisation aller theologischen Gehalte in seiner Anwendung auf die christliche theologische Tradition (die selber schon ein Säkularisationsprodukt ist, in die Geschichte der Säkularisation eingebunden ist) in eine double-bind-Falle?
    Mit der Feststellung der Identität von träger und schwerer Masse in der Allgemeinen Relativitätstheorie hat Einstein den Punkt in der Physik bestimmt, auf den Joh 129 sich bezieht: Die Konstruktion der Last, die in der Vergegenständlichung des Vergangenen gründet.
    Der Dingbegriff gründet im Opfer; deshalb ist der Satz: Barmherzigkeit, nicht Opfer, der Kern der Kritik der Verdinglichung.
    Heute verstecken sich alle in ihrem Winkel und murmeln vor sich hin: Ich habe doch nichts getan.

  • 23.6.1994

    Die subjektiven Formen der Anschauung sind der Pfropf im Ohr.
    Die mathematische Form des Raumes trägt sich nicht selber, sondern sie wird getragen
    – durch das Interesse an der Abstraktion, die in ihr gegenständlich wird, wobei
    – diese Abstraktionsgestalt selber als System von Abstraktionen sich erweist, die durch Verschiebung sich wechselseitig tragen.
    Läßt diese Abstraktionsgestalt sich nicht an der architektonischen Form der gotischen Kathedrale ablesen (hier gründet die Beziehung der mittelalterlichen Architektur zur Scholastik)?
    Daß jede Dimension im Raum wie die andere ist, keine von der andern sich unterscheiden läßt, heißt, daß in jeder Dimension jede andere sich blind reflektiert, wobei diese Blindheit lähmt, wie umgekehrt die Lähmung blind macht (Zusammenhang von Sünde und Schuldverblendung: Die Freiheit der Kinder Gottes wäre das Resultat der Aufhebung beider).
    Heute ist die Welt insgesamt in die Totalabstraktion ihrer „Überzeitlichkeit“ versetzt. Es kommt jetzt darauf an zu begreifen, daß die Wahrheit einen Zeitkern: einen Aktualitätskern, hat.
    Benjamins These, daß die Geschichte bis heute aus der Sicht des Siegers geschrieben worden ist, ist zu differenzieren: Es handelt sich nicht nur um einen Sieger. Zu den Siegern gehören
    – die Kirche, die die Zeitrechnung definiert (die orientalische Geschichte in die absolute Vergangenheit gerückt) hat,
    – der Imperialismus, der diese Vergangenheit zur Projektionsfolie seiner eigenen Wünsche und Ziele gemacht hat, und
    – die Naturwissenschaften, die mit der „Entdeckung der Tiefenzeit“ die Vergangenheit insgesamt (unter Einschluß ihrer Beziehung zu Schöpfung und Erlösung) neutralisiert haben.
    Die Verdinglichung ist ein Resultat des Lachens: Diese Konstellation ist der Grund des „Schreckens Isaaks“. – Gehorcht das Lachen nicht der gleichen Logik, der auch die Form des Raumes sich verdankt? Sind nicht die subjektiven Formen der Anschauung ein entsetzliches Gelächter und zugleich die Verdrängung des Bewußtseins davon? Eine Theorie des Feuers müßte diese Konstellation zur Grundlage haben.
    Die subjektiven Formen der Anschauung sind das Gelächter, das uns im Halse stecken geblieben ist (oder auch das leere, gerinigte und geschmückte Haus, in das die sieben unreinen Geiter einziehen: die letzten Dinge dieses Menschen werden ärger sein als die ersten – bezieht sich die Zahl 666 auf diesen Menschen?).
    Es gibt ebenso viele Konstellationen des Gelächters wie es Charaktere gibt. Aber es gibt auch – und das führt die Freudsche Lehre in die Nähe der kantischen transzendentalen Ästhetik – einen Grundcharakter, der mit dem Freudschen Zwangscharakter, mit der Struktur der Paranoia, zusammenhängt. – Wie verhält sich der Charakter zum Angesicht? Und liegt hier nicht der Grund für die Wahrheit der These, daß jeder wie für seinen Charakter auch für sein Gesicht verantwortlich ist?
    Zur Jotam-Fabel: Rührt die Weigerung der Bäume, König zu werden, nicht daher, daß sie nicht von ihrer Wurzel sich trennen lassen (und nur Krone werden) wollen – mit der einzigen Ausnahme des (wurzellosen?) Dornbuschs?
    Die Kirche ist das Wort, das unter die Dornen und auf steinigen Grund gefallen ist.
    Der biblische Schöpfungsbericht ist keine Kosmogonie oder Kosmologie, sondern deren prophetische Umformung. Er begründet keinen Staat, sondern begleitet kritisch seine Ursprungsgeschichte.
    Zu den ersten drei Schöpfungstagen:
    – Die Trennung von Licht und Finsternis begründet die Trennung von vorn und hinten;
    – das Firmament trennt oben und unten;
    – hängt die Trennung von rechts und links mit der Trennung des Trockenen vom Wasser, des Landes vom Meer (und der Hervorbringung der Pflanzen) zusammen (gründet hier die Unterscheidung des Tieres aus dem Meer von dem Tier vom Lande)?
    Ist nicht auch das Christentum eine Rekapitulation der gesamten Geschichte, und repräsentiert Paulus die totemistische Phase dieser Geschichte?
    Ist der
    – „Herrenbruder Jakobus“ die Säule gegen den Antijudaismus,
    – Petrus, der Fels, die Säule gegen die Ketzerfeindschaft und
    – Johannes, der Jünger, den der Herr liebhatte und dem er seine Mutter ans Herz legte, die Säule gegen die Frauenfeindschaft (gegen die Sünde wider den Heiligen Geist)?
    Es waren diese drei Apostel, die in Getsemane „nicht eine Stunde mit (ihm) wachen konnten“, das Erscheinen des Kelchs verschlafen haben. Weckt nicht das Krähen des Hahns alle drei?
    Hat Gott die „großen Meeresungeheuer“ für den Jona geschaffen, und beschreibt das Buch Tobit den Frevel, daß der Fisch getötet wird (auch wenn Sara und Tobit geheilt werden): dafür wird Ninive am Ende doch zerstört?
    Heute sind Kleinbürger die Kerube, die den Eingang des Paradieses mit dem kreisenden Flammenschwert bewachen.
    Wodurch unterscheiden sich Symbolik, Metaphorik und Allegorie? Ist die Metaphorik das Bindeglied zwischen Allegorie und Symbol?
    Zur Logik der Sprache:
    – Was unterscheidet Prä- und Suffixe? Die Präfixe hängen mit den Präpositionen zusammen, die Suffixe sind Abstraktionssymbole (die Präfixe determinieren die Tätigkeit und seine Beziehung zum Objekt, die Suffixe determinieren den Begriff).
    – In welcher Beziehung stehen die Prä- und Suffixe zur Geschichte der flektierenden Sprachen, zu Deklination und Konjugation? Was bedeutet es, wenn in den modernen europäischen Sprachen die Suffixbildungen sowohl in der Konjugation als auch in der Deklination aus den Wortbildungen herausgenommen, als Hilfsverben (und Personalpronomen) und als bestimmte Artikel (die die Deklination in sich absorbieren) vor das Wort gezogen und dagegen verselbständigt werden?
    – Gibt es zu den Verbalpräfixen wie be-, ver-, zer-, ent- u.ä. Entsprechungen in den klassischen Sprachen? Sind sie nicht gleichsam Raumfunktionen, die die mit ihnen gebildeten Verben in ein wechselseitiges Reflexionssystem rücken, ihrer Bedeutungen in einander spiegeln (das Präfix als Ursprungspunkt eines mehrdimensionalen Verbsystems)? – Beziehung zur griechischen Entdeckung des Winkels und zum modernen Ursprung des Inertialsystems? Reflektiert sich in der Vollständigkeit dieser Präfixe der Abstraktionsprozeß, dem die Form des Raumes sich verdankt?
    Zum „bedeutungsschwangeren“ Sinn von Sein gehörte es, daß Ideen im spätidealistischen Deutschland nicht mehr erzeugt, sondern „geboren“ wurden.

  • 21.6.1994

    Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Ursprung (und der Logik) der Eucharistieverehrung und der Geschichte der Fälschungen im Mittelalter (vgl. die Funktion der List der Vernunft in der Hegelschen Philosophie)?
    Die Habermassche Intersubjektivität und die darauf gegründete Diskurstheorie ist ein Produkt der Kollektivscham (ihrer selbstzerstörerischen und weltbegründenden Gewalt): die schlimmste Form der Verdrängung. Es ist die Scham vor der Welt, die den sich Schämenden in die Fallen der Welt hineintreibt.
    Die Schrift und das Geld haben nicht nur das Bewußtsein der Vergangenheit geändert, sondern die Vergangenheit selber.
    Ernst und schwer sind gleichbedeutende Begriffe: der deutsche Ernst ist der Grund der deutschen Schwere. Bezeichnet nicht Hegels „Sein-für-Eines“ genau den Punkt, an dem das Leichte (das Licht) in den Ernst und die Schwere umgeformt wird? An diesem Punkt ließe sich die Bedeutung des Hegel-Worts, er sei „von Gott dazu verdammt, ein Philosoph zu sein“, demonstrieren. Mit dem „Sein-für-Eines“ wird die Hegelsche Philosophie atheistisch; hier läßt sich der Bruch in der Hegelschen Philosophie festmachen, der das mit der Phänomenologie anhebende System in das der Enzyklopädie verwandelt; mit diesem Begriff konstituiert sich der Weltbegriff als Totalitätsbegriff und mit ihm die Idee des Absoluten: hier beginnt Hegel, sich seine eigene Philosophie vom Leibe zu halten (das „für“ tilgt das Mitleid, die Barmherzigkeit; oder das „für“ verwandelt einen ungeheuren Satz in Geschwätz).
    Mit dem „Sein-für-Eines“ endet der deutsche Idealismus. Hat diese Stelle in der Logik nicht die gleiche Bedeutung für die Philosophie wie – Glenn Gould zufolge – das „b“ im dritten Takt der neunten und letzten Variation von „Sellinger’s Round“ von Byrd für die Musik?
    Die logische Funktion des „Sein-für-Eines“ läßt sich an der Frage zum neuen Freund der Tochter demonstrieren: Was ist das für einer, was macht denn der Vater?
    Mit dem „Sein-für-Eines“ schließen sich die Pforten der Hölle; das „Sein-für-Eines“ ist eine Existenzbedingung des Absoluten, es ist der Grund aus dem das Absolute hervor- (und in den es zugrunde-) geht: die Finsternis über dem Abgrund.
    Zwar stimmt es, daß die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwältigen werden, aber der Abstieg zur Hölle bleibt ihr nicht erspart (war nicht die christliche Höllenvorstellung seit je eine projektive Veranstaltung zur Vermeidung, zur Verdrängung der Gottesfurcht).
    Ist nicht das Sein-für-Eines der Schlüssel zum Verständnis der mittelalterlichen Transsubstantiationslehre und der Eucharistieverehrung (und steckt dieser Schlüssel nicht in dem Sakraments-Hymnus des Thomas von Aquin: Praestet fides supplementum, sensuum defectui, im Pange lingua)?
    Das Sein-für-Eines konstituiert den Geltungsbegriff, er bezeichnet den Punkt in der Sprachlogik, an dem sie vom Tauschprinzip überwältigt wird (Logik der Reklame, die Geltung produziert und – so Adorno – „den Tod verschweigt“; sie verwandelt die Welt ins Totenreich, in ihr erfüllt sich die Abstraktionsgewalt des Inertialsystems). Das Gelten lebt von der projektiven Verarbeitung der Erinnerung (der Macht der Vergangenheit über die Zukunft): hier wird der Abstraktionsakt irreversibel.
    Die Weltkriege haben die Resistenzkräfte im Katholiszismus aufgezehrt; übrig geblieben ist das nur noch die Panik reflektierende Dogma: die reine Anpassung an die Welt (als welche im Vatikanum II das Aggiornamento Johannes XXIII mißverstanden wurde).
    Wir sind alle Hegelianer: Nur die Hegel-Kritik, zusammen mit der Kritik der Naturwissenschaften, vermag den Bann zu lösen, der auf der Welt (und damit auf uns allen) liegt.

  • 18.6.1994

    Gemeinheit ist kein strafrechtlicher Tatbestand: Orthodoxie und Dogma beruhen auf der Anwendung der im Rechtsstreit entwickelten und geltenden Beweisgrundsätze auf den Bereich theologischer Erkenntnis (mit der Folge, daß am Ende der „Glaube“ all das bewahren muß, was durch die Lücken der Beweisbarkeit fällt). Mit diesen Grundsätzen aber wird die Unbeweisbarkeit („nur Gott sieht ins Herz der Menschen“) und schließlich die Unkenntlichkeit der Gemeinheit (die Exkulpationsautomatik des Weltbegriffs) in die Theologie verpflanzt, wird schließlich eine Theologie begründet, die gegen ihren Gebrauch durch die Gemeinheit keinen Schutz mehr bietet. Liegt hier nicht der Grund für den Ursprung (die Konstruktion) des Inertialsystems (und der Schlüssel für das wirkliche Verständnis des Relativitätsprinzips, für die Erkenntnis seines Zusammenhangs mit der Bekenntnislogik)?
    Ein anderer Name für die „Heiligung des Gottesnamens“ (oder auch für das „Bekenntnis des Namens“): Theologie im Angesicht Gottes. Die Kritik der „Theologie hinter dem Rücken Gottes“ gehorcht und entspricht der Intention der Erfüllung der zweiten Bitte des Herrengebets und der Bekenntnispflicht.

  • 14.6.1994

    Angriff auf die Barmherzigkeit: Mit fortschreitender Säkularisation, mit der Entfaltung, Ausbreitung und Stabilisierung des Inertialsystems (der Geldwirtschaft, der Bekenntnislogik), entfalten sich die Kräfte der Gemeinheit, die dann gegen jede Manifestation der Barmherzigkeit draußen, deren Regung im eigenen Innern sie um der Selbsterhaltung willen schon im Keim verdrängen müssen, sich zuspitzen. Gnadenlosigkeit wird zum Markenzeichen der „Persönlichkeit“ (Ursprung des „steinernen Herzens“). Eines der frühesten Warnsignale (dem der Ursprung der Psychoanalyse sich verdankt) war die diskriminierende Abwehr der letzten Erinnerung an die Barmherzigkeit, die im Namen der Hysterie sich ausdrückt. Ausdruck der Hysterie aber war ihr Name. nicht das, was dieser Name bezeichnen sollte (exemplarisches Modell des projektiven Erkenntnisbegriffs). Im Namen der Hysterie hat sich der Schoß geöffnet, aus dem der Faschismus gekrochen ist (Eichmann sprach immer von den Ideen, die er „geboren“ hatte). – War die Erfindung der Hysterie eine Vorstufe der Abtreibungsdiskussion?
    Die kirchliche Stellung zur Abtreibungsfrage wird wahr, wenn man sie auf die messianischen Wehen bezieht.
    Ist der gnostische Lösungsversuch des Weltproblems (Erschaffung der Welt durch einen Demiurgen, der dann allerdings, anstatt als Staat begriffen, durch projektive Verschiebung mit dem jüdischen Gott identifiziert wurde) nicht eng mit der paulinischen Tendenz, den Konflikt mit dem Römischen Staat auf die jüdische Tradition (das „jüdische Gesetz“) abzuwälzen, verbunden? War nicht die Gnosis überhaupt so etwas wie die – zwangsläufig aus dem christlich-jüdischen Urschisma folgende – Urhäresie, aus der die nachfolgenden häretischen Bewegungen (bis zum Verbrauch der häresienbildenden Kraft in der Reformation) sich müssen ableiten lassen? Das Urschisma, die Gnosis und die Verurteilung der Gnosis ist als Ganzes der dramatische Prozeß der ersten Leugnung.
    Atomphysik und die Umkehr: Ist das Atommodell die mathematische Parodie der Lösung der sieben Siegel (vorgestellt am Prozeß der Abfolge der Umkehr aller Richtungen in ihrem Ursprungspunkt)?
    Tod und Auferstehung haben etwas mit der Beziehung von Erde und Himmel zu tun (wer den Himmel leugnet, leugnet die Auferstehung). Und wenn Jesus in den Himmel aufgefahren ist, ist das nicht auch ein Hinweis darauf, daß der Name des Messias im Namen des Himmels mit erschaffen ist?
    Ist das Wort „Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist“ nicht ein Hinweis auf die messianischen Wehen?
    In dem Feuer, das Jesus auf die Erde bringen wollte, und von dem er wünschte, es brennte schon, werden die oberen und die unteren Wasser wieder zusammengefügt.
    Die unverschämte (unkeusche) Dreistheit einer bestimmten Art des öffentlichen Auftretens von Katholiken (ein Exhibitionsmus, dem man ansieht, welche Mühe er hat, den Vergewaltigungstrieb in sich unten zu halten).
    Als das Christentum seinen Weg in die Welt hinaus begann, war es hilflos und wehrlos gegen die Philosophie und gegen den Römischen Staat.
    Das Objekt des Satzes „Herr vergib ihnen, …“ sind wir, denn wir wissen weniger den je, was wir tun (wir sind die 120 000 in Ninive, die rechts und links nicht unterscheiden können).
    Die Unterscheidung von oben und unten (Religion und Herrendenken) und von vorn und hinten (im Angesicht und hinter dem Rücken) ist relativ leicht verständlich zu machen, während die Unterscheidung von rechts und links (Gericht und Barmherzigkeit) ist die schwierigste. Das scheint damit zusammenhängen, daß diese Unterscheidung keine theoretische, sondern eine praktische Unterscheidung ist.
    – Mit der Unterscheidung von vorn und hinten hängt das Urschisma,
    – mit der von oben und unten die Gnosis und die daraus folgende Geschichte der Häresien,
    – mit der von rechts und links die patriarchalische Struktur der Kirche und der Sexismus zusammen; hier beantwortet sich die Frage nach der Hilfe im zweiten Schöpfungsbericht.
    Leben wir nicht in einer Welt, in der das Normale verrückt ist und das Verrückte der normale Ausdruck der Ohnmacht, Hilflosigkeit und Wehrlosigkeit dagegen?
    Zu Umberto Ecos Sprachphilosophie: Es fehlt die Kritik des Neutrum.
    Drei Gestalten der Finsternis: die Nacht, die Farben und die Materie.

  • 12.6.1994

    Berufskleidung für Soldaten (Uniformen und Waffen, sowie Orden und Standarten) gibt es, seit es geprägte Münzen gibt (zur Geschichte der Banken, zur Kritik des Absoluten, des Weltbegriffs und des Staates). Zur Geschichte der Banken: War nicht die Priesterkleidung die erste Banker-Kleidung, und ist nicht die Banker-Kleidung im neunzehnten Jahrhundert zur männlichen Standardkleidung überhaupt geworden (Bedeutung der Krawatte)? Zur Geschichte der Optik: Im Ersten Weltkrieg ist die Gala- und Paradeuniform durch die Tarn- und Schutzuniform (Feldgrau und Stahlhelm) ersetzt worden. Gegen den Monotheismus: Nicht die Einheit, sondern die Einzigkeit ist ein Attribut Gottes (Hermann Cohen, vgl. Hegels Logik über das Eine und das Viele, das Eins und das Leere). Das Christentum hat die Prophetie mit der Philosophie verwechselt, den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs mit dem Absoluten. Durch das Attribut der Einheit wird Gott zu einem Nationalgötzen (wozu der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs dann für die deutsche bibelwissenschaftliche Tradition auch geworden ist: Grund der Verstrickung des deutschen Nationalismus in den Antisemitismus). Befördern die gegenwärtigen Verhältnisse nicht die windigen Geschäfte? Und die F.D.P. ernennt alle, die daran teilnehmen, zu Leistungsträgern (die es nur als „Besserverdienende“ sind). Die röhrenden Hirsche, die irgendwann die Kruzifixe in den Wohnzimmern ersetzt haben: die Eucharistie der steinernen Herzen, Beweis der Anstrengung, die heute notwendig ist, das Realitätsprinzip anzuerkennen (und das Fernsehen: die Aufbereitung des Realitätsprinzips zur frohen Botschaft – Drachenfutter). Hat die Eucharistie nicht in der Tat einmal die Gläubigen in die Anfangsgründe dieses Fotorealismus eingeübt (die Transsubstantiation und die Hostie als Modelle der technischen Reproduzierbarkeit)? Ist das Tier aus dem Wasser die Philosophie (der Weltbegriff), und das Tier vom Lande die theologische Orthodoxie und ihr Produkt: die modernen Naturwissenschaften (der Naturbegriff)? Die Sprache heute ist der (durch Geldwirtschaft, Inertialsystem und Bekenntnislogik) gefesselte Prometheus. Sensibilität ist Sprachsensibilität; sie gründet in der Fähigkeit, die Logik der Sprache nicht zu verdrängen, ihrer Instrumentalisierung zu widerstehen (sie gründet in der Fähigkeit zur Reflexion des Tauschprinzips, des Trägheitsgesetzes und der Opfertheologie).

  • 8.6.1994

    Ist die Lichtgeschwindigkeit (das Prinzip der Konstanz der Lichtgschwindigkeit) eine „Schranke“ im Hegelschen Sinne (keine Grenze): die des Inertialsystems und der naturwissenschaftlichen Erkenntnis insgesamt? In der Vorstellung des leeren Raumes abstrahiere ich nicht nur von den Dingen, sondern auch vom Blick der andern: Diese Abstraktion wird zusammengefaßt in dem Begriff „Laborbedingungen“. Schuld, Arbeit und Tausch: die drei Dimensionen des Geldes. Merkwürdig, daß der Begriff der „Erschaffung der Welt“ im Neuen Testament nur bei Paulus, und zwar bei seinem Besuch in Athen (in der Apostelgeschichte) und in seinem Brief an die Römer, vorkommt. Ist nicht das Fehlen einer Kritik des Finanzkapitals, des Depositengeschäfts und des Kreditwesens (der Banken), der Geschichte der Schuldknechtschaft, der Basisfehler der marxschen Kritik der politischen Ökonomie? So wurden die Schätze der Hegelschen Logik nicht wirklich ausgeschöpft und gerettet, während umgekehrt schon bei Engels die Anpassung an den naturwissenschaftlichen Erkenntnisbegriff (und das daraus geschöpfte Technologiekonzept) den Weg in den „real existierenden Sozialismus“, der eigentlich ein Staatskapitalismus war, eröffnete. Zur Theorie des Feuers: – Das Feuer ist ein Grenzproblem der Sprache (genauer: ein Problem der Grenze der Sprache, wie das Lachen, das Weinen, die Scham, die zu den Konstituentien der Sprachlogik, nicht zu ihren Objekten, weder zu ihren Formen, noch zu ihren Inhalten, gehören); – hierzu gehört die Stelle im Jakobusbrief über die Zunge (Sprache, Logik und Gemeinheit); – der sprachliche Grund des katholischen Mythos: Himmel, Hölle und Fegfeuer; – doppelte Umkehrung der Kritik der Astrologie: die apokalyptische Passage in 2 Ptr bezieht sich auf den Himmel der Astrologie und der Astronomie zugleich; – die paulinischen Archonten, die Elemente der Welt und das Harren der Kreatur. Benjamins Theorie vom Zerfall der Aura hat mit der Abstraktion vom Gesehenwerden zu tun (der Blick des Kunstwerks, sein mythisches Erbe, das im Licht des Tauschprinzip zur Echtheit verdinglicht wurde, wird mit seiner technischen Reproduktion gelöscht). Darauf bezieht sich die Bemerkung Benjamins über das Verhältnis von Nähe und Ferne im Begriff der Aura. Schuldverschubsystem, Unrecht und Bekenntnis: Die Fähigkeit eines Sportlers, nach der berechtigten Ahndung eines Fouls die empörte Unschuld zu demonstrieren, gehört nach einer Bemerkung des Sportreporters „zum Handwerk“ (das Publikum fällt drauf rein, hält die Entscheidung für himmelschreiendes Unrecht und läßt seinen Ärger am Schiedsrichter und an den Parteigängern des Gegners aus). – Hierzu paßt die Funktion der Medien in realen Konflikten, im Golf- und im Bosnienkonflikt ebenso wie in politischen und sozialen Auseinandersetzungen, die ohne die Wirksamkeit (und den geschichtlichen Stand) der Bekenntnislogik keinen Grund finden würde.

  • 5.6.1994

    Die Lichtgeschwindigkeit ist als Grenze zugleich ein Moment der Beziehungen zwischen thermischen und optischen Erscheinungen. Und das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit ist der Grund der Existenz des Planckschen Wirkungsquantums (und der elektrischen Elementarladung).
    Hängt der Rock aus Fellen mit dem Bogen in den Wolken zusammen (und das Feigenblatt mit der Sintflut)? Ist die Farbe ein Schamprodukt (aufgrund ihrer Beziehung zum Licht)?
    Die Bewußtlosigkeit unserer Theologie ist der Grund ihrer Selbstzerstörung.
    Das Über-Ich ist der Schatten, den das Ich auf das Gewissen wirft. Dagegen richtet sich das vierte Gebot.
    Bezieht sich die Frage der Frauen, als sie zum Grabe gingen: „Wer wird uns den Stein wegräumen?“, auf Petrus?
    Stecken nicht in dem „leer, gereinigt und geschmückt“ die drei Leugnungen? Und kann man nicht die drei Adjektive ersetzen durch Universum, mundus und kosmos?
    In den modernen europäischen Sprachen haben sich die Suffixe, die Grundlage der Konjugationen, zu selbständigen Personalpronomina und Hilfsverben gegen die Verben verselbständigt; zugleich hat sich die sprachliche Gestaltung der Verben verändert, während die Nomen zu Substantiven geworden sind: So hat sich das Ding von der Sache getrennt.
    Im griechischen „einai“ wurde das Infinitiv-Suffix zum Sein verselbständigt. Definieren nicht die Infinitivbildungen des Hilfsverbs Sein (der Kopula des Urteils) des Status der Verben in den Sprachen? Das gilt fürs deutsche Sein ebenso wie fürs englische to be (verbale Hypostasierung eines für die Organisation der Sprache zentralen Präfixes: des be-; Zusammenhang mit der den Empirismus fundierenden Logik der englischen Sprache).
    Nichts gefährlicher, als wenn einer, der in der christlichen Tradition aufgewachsen ist, die Bibel aus dem Gedächtnis zitiert (sh. Theodor Haecker und Johann Baptist Metz).
    Hat Theodor Heuß, ohne es zu wissen, mit dem Begriff der Kollektivscham nicht den parvus error in principio getroffen? Ist diese Kollektivscham nicht der Kern eines Weltbegriffs, der den Anblick aller durch alle fixiert und dem keiner mehr entrinnt; ist sie nicht eine Konsequenz aus der falschen Übersetzung von Joh 129? Seitdem sind die Deutschen auf den Blick und das Urteil „des Auslands“ fixiert, und seitdem verweisen sie zur Selbstentlastung immer wieder darauf, daß sie (die andern Länder) ja auch nicht besser sind.
    Ist nicht die Geschichte mit den sieben unreinen Geistern ein Hinweis darauf, daß wer nach der absoluten Untat sich (wie die andern) endlich einmal auch unschuldig fühlen möchte (wie unter anderem auch in der Ökologie-, der Friedensbewegung u.ä.), Gefahr läuft, Opfer noch ärgerer Dinge zu werden? Die Frage ist nicht mehr, wie bleibe ich unschuldig, sondern: wie kann ich produktiv und ohne Selbsttäuschung mit dieser Schuld umgehen? Der Unschuldstrieb endet im Geschwätz und in der projektiven Verarbeitung der Wirklichkeit.
    Analyse der politischen Farben: Es gibt die Schwarzen, die Roten, die Gelb-Blauen und die Grünen.
    Die Hegelsche Logik ist die konsequenteste Selbstexplikation des durchschlagenen Knotens (des gordischen Knotens, nachdem der Aristotelesschüler Alexander ihn durchschlagen hat). Das Schwert, mit dem dieser Knoten durchschlagen wurde, war das kreisende Flammenschwert des Cherubs vorm Eingang des Paradieses.
    Zur Sintflut und zur Arche gehört die doppelte Version der Rettung der Tiere: einmal (so Elohim) sollte von allen Tieren je ein Paar mit in die Arche genommen werden (Gen 619), dann aber (so JHWH) von allen reinen Tieren je sieben, Männchen und Weibchen, von den unreinen Tieren je ein Paar, Männchen und Weibchen, auch von den Vögeln des Himmels je sieben, Männchen und Weibchen (72f). Vgl. hierzu die Bindung Isaaks (Aufforderung zum Sohnesopfer durch Elohim, der Engel JHWHs hält Abraham dann zurück).
    Antisemitismus, Xenophobie und Frauenfeindschaft sind die Fundamente der Bekenntnislogik. Was für die Griechen die Barbaren waren, das waren für die Christen die Heiden und die Ketzer (wobei der Islam beides in sich vereinigte, auch wenn der Aquinate sie unter den gentes, den Heiden, subsumierte: Folge der Rezeption des häretischen Elements in der Islamisierung des Christentums, die dann die Ursache für das Ende der häresienbildenden Kräfte im Christentum war).
    Gibt es nicht ein Systemprinzip, aus dem
    – die Häresien (ihre Abfolge seit der Gnosis) sich ableiten lassen, oder auch
    – die Momente des antisemitischen Vorurteils (vom Ritualmord, über den Hostienfrevel und die Brunnenvergiftung, bis hin zur zionistischen Weltverschwörung).
    Im Zentrum müßte das projektive Moment und das Schuldverschubsystem (im Kontext der Rezeption der Philosophie, des Ursprungs des Weltbegriffs) stehen.
    Das Systemprinzip der Frauenfeindschaft scheint dagegen auf einer anderen Ebene zu liegen: Während Antisemitismus und Fremdenfeindschaft in der Logik des Weltbegriffs liegen, liegt die Frauenfeindschaft dieser Logik zugrunde. Zusammenhang mit dem Kelchsymbol (und seinen Konnotationen)?
    Merkwürdige Affinität der Worte Welt und Kelch: Ersetzung der gutturalen Konsonanten durch labial-dentale.
    Neben den Etymologien gibt es auch Etymogeleinen. Dazu gehören die „Ableitungen“ von: Sein, Würde, Wasser, Sinn, to be. Und wie ist das eigentlich mit der Heiterkeit und dem Ungetüm? Haben diese Etymogeleien etwas mit dem zweischneidigen Schwert zu tun?
    Die Hegelsche Logik wird zur dialektischen Logik durch die Entfaltung der Differenz von Ding und Sache. (Welches griechische Äquivalent gibt es zur lateinischen res? Hat das pragma die gleiche Bedeutung wie die lateinische res?) Der Dingbegriff ist in sich selber theologisch vermittelt; er hat sich aus der Rezeption der Philosophie (der Logik des Weltbegriffs) in der Theologie (bzw. der Weiterbildung und Umgestaltung der Philosophie durch die Theologie, durch Opfertheologie und Bekenntnislogik) ergeben. Insbesondere verdankt sich die Rezeption der Philosophie im Römischen Reich, die Übersetzung der griechischen Kategorien der Metaphysik ins Lateinische durch Tertullian, dem Bedürfnis der Übersetzung der Trinitätslehre.
    Voraussetzung für die Entfaltung der Dialektik von Ding uns Sache war die kantische transzendentale Logik, die Hereinnahme des Objekts in die Urteilsform im Kontext der Lehre von den subjektiven Formen der Anschauung.
    Frage: An welchem Ort ist das Vergangene:
    – In der Unterwelt,
    – in Himmel, Hölle und Fegfeuer,
    – in den Bibliotheken oder
    – in unserm Kopf?
    Aber tun wir nicht alles, das Vergangene zum endgültig Vergangen zu machen (um dem Schuldzusammenhang und der Last der Erinnerung zu entrinnen, zur Absicherung des Inertialsystems und der Naturbeherrschung, zur Konstituierung einer Welt, die nur noch als Reflex des Prinzips der Selbsterhaltung sich manifestiert): Wir halten uns unsere Vergangenheit wie exotische Tiere im Zoo, wie Kunstwerke im Museum, als Mittel der Unterhaltung im abendlichen Fernsehprogramm. Domestiziert im historischen Objektivationsprozeß, zugerichtet zum Objekt des bloßen Zuschauens, der folgenlosen Neugier, neutralisiert zum Panoptikum, fremd und banal wie die Sternenwelt (zu den Folgen der Logik der Schrift gehörte einmal die gemeinsame Entdeckung der Astronomie und der Geschichte).
    Berichtigung: Das Absolute ist der Schatten, den das Subjekt auf den Namen Gottes wirft (nicht auf Gott, der jenseits aller Schatten ist).

  • 4.6.1994

    Weltbegriff:
    – Das Eine ist das Andere des Anderen. Logik des Andersseins.
    – Logik des Andersseins ist die Logik der Vergesellschaftung. Der Blick des Andern, die Scham und der Objektbegriff (Aufdeckung der Blöße).
    – Das tode ti, der Ursprung des Objektbegriffs, die subjektiven Formen der Anschauung. Der Raum, die Verdrängung der Vergangenheit und die Konstituierung des inneren Sinns.
    – Objektivation und Instrumentalisierung: die Wiederkehr des Verdrängten.
    – Medien der Objektivierung: die subjektiven Formen der Anschauung (der Raum, das Geld und die Bekenntnislogik).
    – Ursprung der Raumvorstellung, Entfaltung der mathematischen Logik des Raumes: die alte Welt und der Winkel (Orthogonalität), die neue Welt und das Inertialsystem (Verdinglichung).
    – Der Raum (das Geld, das „Bekenntnis“): das halbierte Licht (das Sein und das Eigentum, Ursprung der Urteilsform).
    – Gemeinsamer Ursprung des Weltbegriffs und des Staates (als Organisationsform einer Gesellschaft von Privateigentümern). Der Weltbegriff als apriorische Logik der Welterfahrung: die Urteilsform. Das Urteil, die Scham, die aufgedeckte Blöße, das Keuschheitsgebot. Scham und Herrschaft, Weltbegriff und Sexualmoral (Besiegelung der apriorischen Weltlogik). Die Urteilsform, der Staat und das Absolute (die Gottesleugnung).
    – Nicht Gott, sondern der Staat (der gnostische Demiurg) hat die Welt erschaffen; Gott hat Himmel und Erde erschaffen.
    – Der Raum, die Mathematik: das bewußtlose Medium der Vergesellschaftung. Erinnerung und Sprache: der Begriff und die benennende Kraft der Sprache.
    – Die Armut (oder die Sünde der Welt), die Keuschheit (oder Herrschaftskritik und Scham; „Kollektivscham“ und Restauration der Herrschaftsstrukturen) und das Hören (nicht der Gehorsam).
    – Zum Weltbegriff gehört das Tier (und der Schöpfer der Welt, das Absolute, ist ein Tier).
    Gewaltenteilung: Ist nicht die eigentliche gesetzgebende Gewalt das Geld?
    Die Trennung von Ding und Sache gründet im modernen Wertbegriff und ist insofern aus der Geldgeschichte ableitbar.
    Gemessen an der griechischen Idee der Polis ist die Trennung von Ding und Sache „idiotisch“. Es ist der idiotes, der in der Hegelschen Rechtsphilosophie die Letztentscheidung an den Monarchen delegiert und darin sein „Bewußtsein der Freiheit“ gewinnt: Der König ist eine Ich-Funktion.
    Sokrates und Jesus haben selber nichts geschrieben. Die Bibel verdankt sich u.a. auch der Anstrengung, gegen die Logik der Schrift zu schreiben, im Medium der Schrift deren Logik nicht zu verfallen (heißt die Schrift der Bibel deshalb die „hebräische“, und war es erst nach Jesus möglich – und notwendig? -, griechisch, und d.h. gegen den Geist dieser Sprache, zu schreiben?).
    Die grammatische Organisation und Entfaltung der Schriftsprachen – und die erste war die heute so genannte „sumerische“, die chaldäische Sprache – verdankt sich der Auseinandersetzung mit der vorgegebenen Logik der Schrift: Die Geschichte der Grammatik ist die Geschichte der Entfaltung der Logik der Schrift in der Sprache. Ihr Nebenprodukt und die Rückführung auf den Grund dieser Logik ist die Geschichte der Entfaltung des Inertialsystems.
    Die drei Richtungen des Raums sind der Grund und das Bild des liberum arbitrium, sie sind „Freiheitsgrade“ deshalb, weil dank der Dreidimensionalität des Raumes jede Richtung in ihm durch Drehung des Objekts im Raum, ohne daß seine Identität affiziert wird, intendierbar ist. Zum Weltbegriff gehört das Tier. Und der Schöpfer der Welt, das Absolute, ist ein Tier.
    Die Philosophie ist die Rückseite der Prophetie, und so sind beide aufeinander bezogen: Es bedarf nur der Umkehr. Und wenn die Geschichte der christlichen Theologie seit den Kirchenvätern die Geschichte der Theologie hinter dem Rücken Gottes ist, so ist mit dieser Beziehung (der Beziehung zweier Seiten eines Blattes) der Weg zu einer Theologie im Angesicht Gottes vorbezeichnet.
    Das „Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu bringen, und ich wollte, es brennte schon“, diese Umwandlung des Wassers in Feuer ist vorbezeichnet in der Verwandlung des Wassers in Wein in Kana und in den Feuerzungen zu Pfingsten.
    Ist das Problem des biblischen Schöpfungsberichts nicht auch ein Problem der Beziehung von Synchronie und Diachronie? Die sieben Tage werden durch sechs Nächte (sechs Finsternisse) getrennt (nach der Lösung des siebten Siegels war eine Stille im Himmel).
    Die sieben Donner durften nicht niedergeschrieben werden, wohl aber die sieben Posaunen und die sieben Plagen, deren Abfolge gleich ist.
    Der Ursprung des Weltbegriffs wird in der Noah-Geschichte beschrieben, in der Geschichte von der Sintflut, der Tiere in der Arche, des Weinbaus, der Trunkenheit, der aufgedeckten Blöße und des Ursprungs der Knechtschaft sowie in dem neuen Nahrungsgebot.
    Bezeichnet nicht der Turmbau zu Babel, der die Verwirrung der Sprache zur Folge hat, den Ursprung der Logik der Schrift? Es wäre ein entscheidender Schritt, wenn es gelingen würde, aus der „sumerisch“-chaldäischen Sprache, der ersten Schriftsprache (und der ersten „heiligen Sprache“), der Ursprung der semitischen und der indogermanischen Sprachen sich herleiten ließe.
    Kanaan ist selbst eines der sieben Völker Kanaans.
    Für Ägypten sind die Hebräer Sklaven, für die Philister sind sie Feinde. Abraham war ein Hebräer: dazu gehören die Geschichten mit Abimelech, dem König der Philister, und dem Pharao, dem König Ägyptens.
    Wer waren die Bewohner Sodoms, und wer waren die Bewohner Jerichos? Rahab in Jericho hatte die Kundschafter der Israeliten aufgenommen, Lot in Sodom die Engel Gottes (in Gibea war es ein alter Mann aus dem Gebirge Ephraim, der als Fremder in Gibea lebte, der einen Leviten, der als Fremdling im hintersten Gebirge Ephraim lebte, zusammen mit seiner bethlehemitischen Nebenfrau aufgenommen hatte).

  • 2.6.1994

    Zur Bedeutung des Kelchs (und seine Beziehung zum Raum, zum Inertialsystem) sh. Mt 2325: „Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler, daß ihr die Außenseite des Bechers und der Schüssel reinigt; inwendig aber sind sie gefüllt mit Raub und Unmäßigkeit. Du blinder Pharisäer, mache zuerst den Inhalt des Bechers rein, damit auch seine Außenseite rein wird“, sowie Mt 1511: Nicht was in den Mund hineinkommt, verunreinigt den Menschen, sondern was aus dem Mund herauskommt, das verunreinigt den Menschen.“ Das Gesetz der subjektiven Formen der Anschauung verdinglicht die Dinge, macht sie zu Dingen „im“ Kelch von Raum und Zeit, unterzieht sie der Taufe der Vergangenheit. Die subjektiven Formen der Anschauung sind als „unsere“ Formen der Anschauung der Kelch, aus dem wir die Erkenntnis „trinken“: sie machen die Tatsachen zu „Tatsachen“ (zum „Greuel und Schmutz der Unzucht“ – Off 174).
    Das Inertialsystem: die Umkehr des Gewissens.
    Das Wort „Laß die Toten ihre Toten begraben“ (Mt 822) ist der zentrale Einwand gegen den Historismus.
    Wer der Erkenntnis, daß keine Vergangenheit nur vergangen ist, (der Einsicht in den realen Schuldzusammenhang mit der Vergangenheit) sich entziehen will, dem bleibt nur das Exkulpationsritual der Empörung; und gehören nicht kontrafaktische Urteile zu dieser Form der Empörung, die – wie das Geschwätz, das sich aus der gleichen Empörungslogik speist – objektiv folgenlos bleibt, aber im Subjekt die Knechtsgesinnung installiert?
    Der Historismus ist wie die Naturwissenschaften ein Instrument des Aufdeckens der Blöße.
    Das Innere ist das Äußere des Äußeren. Dieser Satz beschreibt das Resultat des Prozesses der Verinnerlichung der Scham: Korrelat des Aufdeckens der Blöße (Kritik der Innerlichkeit).
    Die Opfertheologie hat der Nachfolge den Weg verlegt.
    Kann es sein, daß in der Bibel aus prophetie-logischen Gründen synchrone Geschehnisse in diachrone umgeformt werden (Abraham, Josue)?
    Hat das Rosenzweigsche B = B etwas mit dem Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit, konkret mit dem Bereich, auf den sich Zeitdilatation und Längenkontraktion beziehen, zu tun (und ist die logische Entwicklung, die von diesem B = B ins Zentrum der Theologie hineinführt, der Schlüssel zur Lösung des Rätsels der Physik)? Und hat nicht der Bogen in den Wolken etwas mit dem Menschensohn auf den Wolken des Himmels zu tun (wie der Regentanz der Wilden mit der Prophetie)?
    Zu Regen und Prophetie: Elias, die Dürre und der verschlossene Himmel: Drei Jahre und sechs Monate war der Himmel verschlossen (Lk 425, in Anlehnung an Dan 725, 127, vgl. aber 1 Kön 171, 181).
    Astrologie als transzendentale Logik: Gehört der Saturn zu Sonne und Mond (zu den 3 „Totalitätsplaneten“, die die Natur, das Wissen und die Welt repräsentieren), während die anderen vier Planeten (Jupiter, Mars, Venus und Merkur) die „Kategorientafel“: Herrschaft und Feindschaft, Sexualität und Kommerz, repräsentieren?
    Gibt es eine Beziehung zu den Tugendtafeln:
    – theologische Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe,
    – Kardinaltugenden: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, und Maß?

  • 30.5.1994

    Mit der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit (mit dem Inertialsystem) setze ich auch die Gegenwart als vergangen: Das ist die Voraussetzung des gesamten historischen Abstraktionsprozesses. (Der Historismus setzt die Ausdehnung des Raumes über das ganze Universum voraus: Das Interesse an der Astronomie ist das Interesse an der logischen Durchgestaltung des Natur- und Geschichtsverständnisses, es ist identisch mit dem Interesse des Staates an seiner Selbstbegründung, mit seinem Legitimationsintersse.) Der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit korrspondiert das Heideggersche Vorlaufen in den Tod“: Ich setze mich als gestorben (und mache so die Todesangst gegenstandslos).
    Liegt die Unterscheidung zwischen Besitz und Eigentum nicht darin, daß der Begriff des Eigentums auf die Anerkennung durch andere (das Recht und den Staat) abzielt, während der Besitz nur das Nutzungsrecht des Dings bezeichnet?
    Hängt das Suffix „-tum“ (in Eigentum, Reichtum, Christentum etc.) mit dem Ursprung des Dingbegriffs zusammen?
    Wurde die Todesstrafe, als sie abgschafft wurde, nicht in das reine Funktionieren der gesellschaftlichen Mechanismen, aus denen es kein Entrinnen mehr gibt, verlegt (Vergesellschaftung als kalte Exekution der Todesstrafe)?
    Zur Begründung der Sprachphilosophie gehört die Umkehr des Satzes „Der Ursprung ist das Ziel“: Das Ziel ist der Ursprung. Das Matriarchat liegt nicht vor dem Patriarchat, sondern ist ein Teil der in der Katastrophe des Ursprungs des Patriarchats aufblitzenden Utopie: Der Gedanke daran, daß es auch anders sein könnte.
    Double-bind-Falle Dritte Welt: Wir zwingen ihr die Verhältnisse auf, die die Barbarei hervorrufen, die wir dann zugleich verurteilen.
    Die Illusion, Richter über die Geschichte zu sein, gründet darin, daß wir uns selbst von den Untaten, die wir in der Vergangenheit verurteilen, heute durch Delegation an andere (an Gefängnisse, Schlachthäuser, Irrenhäuser und an die Diktaturen der Dritten Welt) freisprechen. Wir machen uns die Hände nicht mehr schmutzig.
    Wir brauchen die Sünde der Welt nicht mehr „auf uns (zu) nehmen“, sie lastet auf unsern Schultern.
    Sind wir nicht der Verführung erlegen, uns als „Spätgeborene“ als Erben derer, die je gesiegt haben, der Herrschenden, zu begreifen. So sitzen wir uns selber im blinden Fleck.
    Kohl ist in der Tat ein Historiker, aber einer, der sein Handeln im Blick der „Geschichte“ (die einmal ihr Urteil fällen wird) sieht. Die Logik dieses Konstrukts ist der Grund seines politischen Handelns und seines demagogischen Talents. So einer kann in der Tat durch „reines Zusehen“ (durch Aussitzen) Politik machen und durch Zuwarten die Opposition in die Fallen locken, in denen er sie dann unschädlich machen kann. Kohl ist der zum reinen Punkt zusammengeschrumpfte und dann wieder aufgeblasene Hegel. Sein karrierewirksamste Qualifikation: Er beherrscht die Technik des kontrafaktischen Urteils.
    Zum kontrafaktischen Urteil:
    – Hegels Kritik des Sollens und der Satz aus der Rechtsphilosophie („das Wirkliche ist vernünftig …“),
    – Nietzsches Essay „vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben“ (Kritik der Machtanbetung des Historikers, die Lehre von der ewigen Wiederkunft und vom Übermenschen),
    – Benjamins geschichtsphilosophische Thesen,
    – die Konversion Rosenzweigs (die Kritik des Historismus und der Stern der Erlösung),
    – kontrafaktische Urteile und ideologische Geschichtsschreibung (Kollektivscham, Exkulpationsstrategien und Geschwätz),
    – die Selbstverblendung der Politik in Deutschland (im „Land der unbegrenzten Zumutbarkeiten“), Kohls Demagogiekonzept und die Instrumentalisierung des kontrafaktischen Urteils: Ick bün all do.
    Der, der wiederkommt, muß das unbedingt derselbe sein, der einmal da gewesen ist?
    Die Materie ist der Reflex der Totalisierung des Raumes im Objekt (wie unterscheiden sich die Beziehungen der Zeit und der Materie zum Raum?).
    Die Römer haben dem Staub den Namen der Mutter gegeben (Materie), damit jedoch die Erinnerung an die messianischen Wehen verdrängt. Aber diese „Mutter“ war tot, und so sind die Mütter zu Hexen, zu Herrscherinnen des Totenreichs, geworden.
    Im Griechischen heißt die Materie „hyle“ (Holz, Wald); hängt das damit zusammen, daß der Naturbegriff im Griechischen auf das Zeugen anstatt auf die Geburt verweist? Im Christentum wurde das Zeugen in die Trinitätslehre mit hereingenommen und vergöttlicht.
    Wenn die Propheten schon im Mutterschoß berufen waren, heißt das nicht auch, daß sie im Namen der Barmherzigkeit berufen worden sind? Wie diese Barmherzigkeit aussieht, ist der Verkündigungsgeschichte zu entnehmen, dem Magnificat („die Mächtigen stürzt er vom Thron“).
    Was in der Sprachlogik des Hebräischen, in ihrer Grammatik, fehlt, erscheint in ihr als Symbol (die Schlange). Versuch, die griechische und die hebräische Sprache anhand des Modells dieser Beziehung zu vergleichen?
    Die Heiligung des Gottesnamens setzt die Kritik des Dogmas (und der Bekenntnislogik) voraus und schließt sie mit ein.
    Die subjektiven Formen der Anschauung sind die Pforten der Hölle. Gründet nicht
    – der Raum in der Beziehung von Vorn und Hinten (in der Abstraktion vom Angesicht),
    – das Geld in der von Rechts und Links (in der Abstraktion von der Barmherzigkeit) und
    – die Bekenntnislogik in der von Oben und Unten (in der Abstraktion vom Himmel)?
    Und bilden sie nicht genau in dieser Folge den Verblendungs-, Schuld- und Herrschaftszusammenhang?
    Ist nicht durch den Begriff der Schöpfung im Deutschen die Schöpfungslehre zu einem Teil des Trinkens aus dem Kelch geworden, und ist dieser Schöpfungsbegriff nicht eher aufs Kreditwesen bezogen als auf die Theologie? Ist er nicht eine logische Konsequenz aus dem Weltbegriff (aus dem Begriff einer creatio mundi ex nihilo)? Aber: die Schöpfung ist geschaffen, nicht geschöpft (und die Erschaffung ist etwas anderes als die Erschöpfung). – Aus welchen sprachlichen Wurzeln stammen das hebräische bara, das lateinische creare und das griechische ktizo?
    Die Kirche hat den Staub vergesellschaftet und die Wehen privatisiert (nach und aufgrund der Rezeption der griechischen Philosophie).

  • 28.5.1994

    Die Erfindung der Schrift und die Entfaltung der darin verborgenen Logik war der erste und wahrscheinlich entscheidende Schritt im
    historischen Objektivationsprozeß, der in die politische, wirtschaftliche und religiöse Geschichte der Menschheit verflochten ist. Nicht das technische Problem der Abbildung der Sprache in der Buchstabenschrift war das entscheidende, sondern der Paradigmenwechsel. Es gibt Gründe dafür, anzunehmen, daß die Entwicklung der Schrift zusammen mit dem Ursprung der Mathematik, der Entdeckung der Zahlen und der Strukturen des Raumes, erfolgte, und daß der Ursprung der Geldwirtschaft und die Entwicklung der Astronomie eine nicht unbedeutende Rolle dabei spielte. In diesem Abstraktionsprozeß, der in der indischen und chinesischen Entwicklung gleichsam abgebrochen, nicht zu Ende geführt wurde, wurden Welten bewegt.
    Mit der Schrift legt sich die Logik des Andersseins über die Sprache.
    Das Anschauen, das uns zu Richtern über das wehrlose Angeschaute macht, ist der Kelch des göttlichen Zorns.
    Theologie ist ein der Rationalitätskontrolle unterworfenes Wunschdenken, dem die Sexualmoral das Wünschen ausgetrieben hat.
    Paßt nicht das Josef-Bild, das die Kirche transportiert, das nur unter dem Blickwinkel der Karriere gesehen wird, während die Geschichte seines Handelns in Ägypten verdrängt wird, paßt das nicht als Korrelat zum Gethsemane-Verständnis, in dem der Kelch nur auf das private Schicksal eines Jesus, der mit Nachnamen Christus heißt, bezogen wird, auf seine private Todesangst (während die Angst um sein Werk merkwürdig unreflektiert bleibt, im Dunkel gehalten, durch das Getöse des Triumphalismus zum Schweigen gebracht wird)? Aber steckt nicht in jeder Todesangst mehr als nur die Todesangst; ist nicht die „Privatisierung“ der Todesangst selber schon Produkt einer gesellschaftlich verwurzelten und sehr tief verinnerlichten Abstraktion, die nicht mehr beim Namen genannt werden darf? Steckt in der Gethsemane-Geschichte nicht auch die Angst vor dem im Kreuzestod sich manifestierenden Mißlingen, die symbolisiert (und verstärkt) wird durch den Schlaf der drei Jünger?
    Ist nicht das „in Ägypten kann man leben“ (Publik-Forum von gestern) eine Falle, eine Falle, die Josef selber mit aufbaut, und in die dann das Volk Israel hineingerät?
    Dann kam ein Pharao, der Josef nicht mehr kannte: Hat das etwas mit dem Josef des NT zu tun, der ebenfalls nach der Kindheitsgeschichte vergessen wird, nicht mehr erscheint (sogar von Jesus, auch da, wo er seine Angehörigen, seine Mutter und Geschwister, nennt, nicht mehr erwähnt wird), zu tun?
    Beide Josefs-Geschichten sind Geschichten, in denen Träume wichtig sind. Die Träume in Ägypten sind die Träume Josefs, die Träume des Mundschenks und des Bäckers und dann die Träume Pharaos; die Träume des Josef von Nazareth sind seine eigenen, aber auch sie führen nach Ägypten (und wieder zurück). – Vgl. hiermit die apokalyptische Zuspitzung der Träume Nebukadnezars, die derart sind, daß er selber sie nicht ins Bewußtsein heben kann, sie vergessen hat, und Daniel soll nicht nur die Träume erläutern (wie Josef die des Pharao), sondern er soll dem König den Traum selber zurückholen, Erinnerungshilfe leisten.
    Wenn die geltenden Asyl-Gesetze die Abschiebung von Kindern und die der Familien von Asylsuchenden (und die Trennung von ihnen) ermöglicht, widersprechen sie dann nicht dem Grundgesetz, das die Familie unter den besonderen Schutz des Staates stellt (und es kann ja wohl nicht sein, daß hier nur die deutschen Familien gemeint sind: er müßte doch wohl in alle Rechtshandlungen im Geltungsbereich des Grundgesetzes eingreifen, auch ins Asylrecht)?
    Anfrage an den neuen Bundespräsidenten: Solange er Präsident der Bundes-Verfassungsgerichts war, unterlag er dem Prinzip „Wo kein Kläger, da kein Richter“; er durfte nicht von sich aus tätig werden. Aber welche Befugnisse hat der Bundespräsident, ist er nicht auf andere Weise Hüter der Verfassung; ist er nicht in den Fällen, in denen er als Richter zuwarten mußte, zum Handeln verpflichtet?
    Unterscheidet sich das Damaskus-Erlebnis des Paulus (seine Berufung zum Apostel: zum Zeugen der Auferstehung) nicht entscheidend von den anderen Erscheinungen des Auferstandenen, die alle vor seiner Himmelfahrt liegen, während das Damaskus-Ereignis danach folgte?
    Ist nicht Paulus nur zu retten, wenn man seine kosmologische Soteriologie mit akzeptiert (die Archonten und das Seufzen der Kreatur)? Nicht Paulus, sondern der seit den Kirchenvätern hellenisierte und durch Luther modernisierte Paulinismus sind Teil der Geschichte des Sündenfalls der Kirche. Zu hellenisieren war Paulus nur um den Preis der Logik des Terrors, die Luther dann verinnerlicht hat (Modernisierung durch die Glaubens- und Rechtfertigungslehre, deren Preis die Verteufelung der Bauern und der Juden war).
    Zum Staub (als Vorbegriff der Materie): Verweist das „aus Staub bist du gemacht, und zu Staub wirst du wieder werden“ im Kontext der staubfressenden Schlange nicht auf die Verschmelzung von Vergangenheit und Zukunft im Inertialsystem und im Bilde des apokalyptischen Tieres? Die Schlange frißt die zur Vergangenheit gemachte Zukunft? Dazu paßt es, wenn man die Schlange als Symbol des Neutrum und des Weltbegriffs begreift.

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