Ist nicht die Bühne ein Inertialsystem, und das Schauspiel, die Oper ein ästhetisches Korrelat der Physik?
Opfer, Tragödie, Schauspiel: Ist das nicht ein Teil der Geschichte der Ausbildung der Raumvorstellung?
Hat die Salbung des Königs etwas mit der Einbalsamierung der Toten, insbesondere des Opfers, zu tun? Ist der König nicht das gerettete (das wieder auferstandene) Opfer, der Kaiser hingegen die Verkörperung des philosophischen Monotheismus (der Einheit der Welt)? Was bedeutet dann die Krone, hatten die israelischen Könige eine Krone (David: 1 Sam 1230, 1 Chr 202; Joasch: 2 Kön 1112, 2 Chr 2311)? Ist die Krone der Kranz des Siegers oder der Kranz des Siegers ein Abbild der Krone? Hat nicht (nach der Legende) Karl der Große sich selbst die Krone aufs Haupt gesetzt?
Natur und Welt werden durch den Einbruch der Subjektivität (genauer: der Intersubjektivität) getrennt.
Es fehlt eine Kritik der indogermanischen Sprachen.
Reicht nicht Rosenzweigs Bemerkung, daß das Äquivalent der modernen Technik in der alten Welt die Rhetorik gewesen sei, tiefer, als er selbst es gewußt hat: Sind nicht die sogenannten klassischen Sprachen des Altertums Ingenieursprodukte?
Was verändert sich in der Sprache mit und nach der Entdeckung der Schrift? Welche innersprachlichen Voraussetzungen müssen für die Entwicklung der Schrift gegeben sein, und welche Rückwirkungen hat die Schrift auf die Sprache (Zusammenhang mit der Tempelreligion, dem Tempelbau, der Tempelwirtschaft: War die Schrift der Turm von Babel)?
Ist das Christentum nicht ein Produkt der griechischen und lateinischen Tradition, bei gleichzeitiger Instrumentalisierung der jüdischen (wodurch unterscheiden sich die griechischen von den lateinischen Kirchenvätern)?
Welche ökonomische Entwicklung liegt der Entdeckung des Winkels und welche der des Inertialsystems zugrunde?
Auf das Futur II und die Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit antwortet der Logos mit einer Art Zeitumkehr: mit der Übernahme der Sünde der Welt und der Hereinnahme der schöpferischen Kraft des Wortes in die Schöpfungsidee. Wird hier nicht verständlicher, was mit dem homologein gemeint ist? Und gewinnt nicht erst hier das von den Kirchen entsetzlich verharmloste Wort vom Binden und Lösen seinen ungeheuren Sinn?
Sind nicht die drei evangelischen Räte Ansätze oder Teile des Versuchs, den Wiederholungszwang endlich zu durchbrechen, der Katastrophe, die darin besteht, daß es immer so weitergeht, Einhalt zu gebieten?
War nicht der Untergang des Zweiten und Dritten Reiches (die Ergebnisse der beiden Weltkriege) ein zweistufiger Weltuntergang? Oder waren sie nicht die Nachwehen (und ein spätes schreckliches Echo) jenes Weltuntergangs, dessen Zeuge Hegel war? Ist nicht das Erste Reich untergegangen, als Hegel seine Phänomenologie des Geistes schrieb?
Der 68er Marxismus war von einer erschreckenden Banalität, eigentlich doch nur ein Rechtfertigungskonstrukt privater Probleme der 68er Generation: der Generation der verlorenen Söhne. Sie lebten von dem Gefühl, neu und unbelastet in die Welt gekommen zu sein und haben die Last der Vergangenheit (auch in ihnen selber) offenkundig falsch eingeschätzt.
Zum Weltbegriff: Wird hier nicht seit seinem Ursprung eine entstehende Atombombe mit einem Rettungsboot verwechselt? Die Geschichte der Welt ist das Maß für das Anwachsen der kritischen Masse der Selbstzerstörung.
Kritik des Weltbegriffs als Weissagung des Jüngsten Gerichts: Das Jüngste Gericht ist das Gericht der Barmherzigkeit über das Weltgericht.
Das Zeichen des Jona: Jona, der vor dem Prophetenamt nach Tarschisch flieht, wird ins Meer geworfen, vom großen Fisch verschlungen, betet im Bauch des Fischs, wird wieder ausgespien und geht dann nach Ninve, um zu verkünden: In vierzig Tagen wird Ninive zerstört. Und welche Folgen hatte das?
War die BALM der große Fisch?
Wo und in welchem Kontext kommt die Auferstehung im AT vor (Jes 2619, Ez 37, Dan 122f, Hos 1314, 2 Makk 79, 1244f)? Alle im Zusammenhang mit der Unterwerfung Israels unter die Weltreiche (Assur, Babylon, Griechen)?
Privatexistenz heute: das Ersticken im Komfort; das Fernsehen: der Schnuller im Mund; die Medien als Drachenfutter? Aufgabe der Medien heute: den Leuten die Welt, von der sie leben, vom Leibe halten?
Wäre nicht Habermas‘ Strukturwandel der Öffentlichkeit endlich fortzuschreiben? Ist nicht Habermas der Mentor einer Wiederbelebung einer Theologie, die längst an den Naturwissenschaften erstickt ist? Gemeinsam mit Bloch, dessen große mystische Inspiration nach seiner marxistischen Bekehrung zur Rhetorik verdampft ist. Und wäre es nicht fortzuschreiben unter dem Aspekt:
– Distanz zu den Frankfurtern (Verwerfung der Idee einer Rettung der Natur) und
– im Hinblick auf die gegenwärtige Engführung des „Strukturwandels der Öffentlichkeit“ selber (die Hilflosigkeit und die Ohnmacht der Öffentlichkeit gegen dem, was jetzt sich zuträgt: Zusammenbruch des Ostblocks und Nichtgelingen der „Wiedervereinigung“, Ausbruch der Nationalismen, Verschärfung der ökonomischen Weltsituation; Fremdenhaß, Haß auf das Sichtbarwerden von Armut, Situation der Frauen)
Hat nicht Habermas mit dem Ausklammern der „Naturfrage“ der Erinnerungsarbeit die Wurzeln abgeschnitten, dem einzigen Hilfsmittel gegen eine immer mehr in der eigenen Logik sich verstrickenden Öffentlichkeit? Ist der Verzicht auf die Kritik an den Naturwissenschaften nicht der Grund für den affirmativen Öffentlichkeits- (und Welt-) Begriff, an dem Habermas festhält, und der seinem Diskurs-Konzept zugrundeliegt (und ihn so harmlos macht)? Ist nicht die Abwehr der Postmoderne (ein Gemeingut der Habermas-Schule) die Abwehr dessen, der sich ertappt fühlt? Ist nicht die Verwechslung des Fremden mit dem Andern das, was die Habermas-Schule mit der Postmoderne verbindet, nur daß Derrida daraus die logischen Konsequenzen zieht, während Habermas die Früchte der Frankfurter Schule weiterhin ernten möchte, aber den Baum längst abgehauen hat? Weiter hilft nur die Einsicht, daß der Begriff des Anderen systemimmanent bleibt (und das Anwachsen der kritischen Masse mit befördert), während nur der des Fremden das System sprengt (bzw. die Sprengkraft des Systems auflöst). Zum Adorno/Benjaminschen Konzept der Säkularisierung aller theologischen Gehalte: Diese Säkularisierung setzt die Erinnerungsarbeit voraus, die Rekapitulierung der theologischen Gehalte. Denn: Auch die Naturwisenschaften sind eine Gestalt der restlosen Säkularisation der theologischen Gehalte, aber eine bewußtlose und die automatische und universale Verdrängungsarbeit fördende. Opfertheologie und Christologie sind Gestalten einer Logik, deren blindes und bewußtloses Fortwirken in den Zivilisationsprozeß selber eingewandert ist und, um des Begreifens dieses Prozesses willen, durch Erinnerungsarbeit der Bewußtlosigkeit zu entreißen ist.
Die Physik ist der Stein vorm Grab der Vergangenheit: Wer wird ihn fortwälzen?
Die ersten sechs Siegel (Off 6): die vier apokalyptischen Reiter, die Seelen der Märtyrer und Sonne, Mond und Sterne (die vom Himmel fallen wie ein Feigenbaum seine Blätter abwirft).
Muß nicht, wer die Lehre von der Auferstehung ernst nimmt, die Unsterblichkeitslehre, die die Welt verrät, indem sie sie affirmativ rezipiert, verwerfen?
Zur prophetischen Tradition: Neben dem Votum für die Fremden steht das für die Witwen und Waisen, wobei das für die letzten beiden gemeinhin zusammengefaßt wird als Votum für die Armen. Aber gehören die Frauen (die Witwen) nicht konstitutiv zu den Armen: Wer sind die Witwen? Sind es nicht die, die wie die Fremden und die Armen nur noch herausfallen aus den Strukturen des Patriarchats? Die Töchter leben unter dem Schutz des Vaters, die Frauen unter dem ihres Mannes, aber die Witwen fallen nur noch heraus. Müßte es heute nicht heißen: das Votum für die Fremden, die Armen und die Frauen?
Wo wurde das Konzept der „narrativen Theologie“ entwickelt? Verdacht der Ambivalenz: Ist es nicht auch ein Kozept der Remythisierung, der Neutralisierung des kritischen Gedankens? (Gefahr, daß mit dem Urteil, dem Begriff, auch das Gebot, die Lehre, verworfen wird.)
Naturwissenschaft
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11.08.93
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10.08.93
Vielleicht lohnt es sich doch, den verbleibenden Irritationen bei Erich Zenger noch einmal genauer nachzugehen (teilweise erinnern sie mich an FW Marquardt).
Ist der reiche Mann in dem Gleichnis vom armen Lazarus, den Lazarus auf Moses und die Propheten verweist, nicht die Kirche? Und wer sind Martha und Maria (wer ist insbesondere Maria, die „den besseren Teil erwählte“)?
Hat Thales mit dem Satz, mit dem die Philosophie beginnt: Alles ist Wasser, nicht das Feuer verdrängt?
Urknall und Schwarzes Loch: Sind nicht die Naturwissenschaften selber das Schwarze Loch, das die ganze Schöpfung in sich hereinsaugt und keine Strahlung mehr herausläßt, und wird der Urknall nicht am Ende sein (wie alle Erscheinungen, die mit dem Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit zusammenhängen, Zeitumkehr-Erscheinungen sind: Die Kausalität ist eine verdinglichte Finalität)? Steckt darin nicht der Ansatz zur Lösung des Rätsels der Beziehung von Gravitation und Licht (das Rätsel Newtons und Einsteins)? Paradigma Newton: Seine Optik war eine zwangsläufige Konsequenz aus seiner Gravitationstheorie.
Die Seitenansicht der Dinge, die über Kopernikus und Newton sich durchgesetzt hat, hat die sinnliche Welt von innen zerstört (das Bewußtsein desensibiliert).
Der Begriff der Umkehr basiert auf einer Raummetaphorik; dazu gehört
– im Angesicht und hinter dem Rücken,
– rechts und links (Gericht und Gnade), und
– oben und unten (die Herrschaftsmetaphorik).
Aber diese Metaphorik hat ihre Eindeutigkeit verloren, seitdem jede Richtung im Raum mit jeder anderen austauschbar geworden ist. Der Raum selbst hat die in ihm gründende Metaphorik vernichtet. Nur über die Kritik des Weltbegriffs (über die Rekonstruktion der Metaphorik, die keine bloße Metaphorik ist, gegen die sie vernichtende mathematische Raumvorstellung): durch die Kritik des durch die intentio recta definierten Erkenntnisbegriffs hindurch, der dann in die mathematische Konstruktion der Raumvorstellung sich verstrickt, läßt sich der Begriff der Wahrheit rekonstruieren. Deshalb gehören heute die Logik der Umkehr, die Logik des Namens und die Logik des Angesichts zusammen. Zusammengefaßt sind diese drei Elemente in dem Wort Johannes des Täufers über Jesus in Joh 129.
Durch den Gehorsam haben die Christen das Hören verlernt, durch die Enthaltsamkeit die Keuschheit und durch das Selbstmitleid die Armut.
Hängt das hebräische Wort für Schiff: anijah, mit dem Ich (ergänzt durch das theophore Element) zusammen, oder ist es die feminine Fassung des Wortes für Ich (Hebr. Grammatik, S. 80.87)? -
08.08.93
Das Werk von Charlotte Klein wäre noch wirksamer, wenn es das mit Händen zu greifende projektive Moment im kirchlichen Antijudaismus mit herausgearbeitet hätte. Aber das wäre nur möglich gewesen, wenn der Antijudaismus nicht nur als subjektive Gesinnung, sondern als ein objektiv in Geschichte und Selbstverständnis der Kirche verankertes Strukturelement begriffen worden wäre: Der Antijudaismus wirft den Juden genau das vor, was man selber tut, aber, da mit dem eigenen Selbstbild nicht vereinbar, vor sich selber verbergen, verdrängen muß (die Kirche war die erste jüdische Häresie, die diesen Makel dann in der Geschichte der Häresien, die ihre eigene war, unter einem selbstverschuldeten Wiederholungszwang abarbeiten mußte); für die Verdrängungsarbeit benötigte sie die Juden, die Ketzer und die Frauen als Projektionsfolie.
Siegel und Etikett (Name und Markenzeichen): Wenn ich auch einen Baum mit lauter Feigenblättern behänge, so wird doch kein Feigenbaum daraus.
Die Sexualmoral ist zur Sexualmoral erst geworden, als sie um ihre politische, herrschaftskritische Dimension verkürzt wurde. Das war nur möglich durch die Rezeption des Weltbegriffs, aber dann auch zwangsläufig (Beschneidung des Erkenntnisbegriffs durch Einbau redundanter Projektionsmechanismen).
Der Begriff macht das wiederkehrende Tun eines Subjekts zu einer dauernden Eigenschaft eines Objekts. Diese Differenz begründet den Unterschied zwischen Natur- und Weltbegriff (Natur bezeichnet das empirische, Welt das logische Apriori des Objektbegriffs). Aber diese beiden Momente: Tun und Eigenschaft, stehen gleichsam orthogonal zueinander (die Griechen haben den Winkel entdeckt); und erst vor dem Hintergrund eines vollständig orthogonalen Systems (der apriorischen Raumvorstellung) werden Natur und Logik zu in sich geschlossenen Systemen (Zusammenhang mit dem biblischen Kelchsymbol und der Trunkenheit, die auf den Grund der Trennung von Natur und Welt verweist: nur die nach allen Seiten offene Natur garantiert die Geschlossenheit der Welt, begründet den objektiven Schein ihrer Beherrschbarkeit; erst im Horizont einer unendlichen Zeit kann ich alle Vorgänge in ihr als abgeschlossen, als einmal der Vergangenheit angehörig ansehen: indem ich jeden Gedanken an eine Auferstehung ausschließe).
Der Gewaltakt, mit dem die Vorsokratiker die Philosophie begründet haben, war der der Trennung von Natur und Welt, sprachlogisch begründet im Futur II.
Mit der Definition der Wahrheit als Übereinstimmung von Begriff und Gegenstand wurde die Idee der Wahrheit gesprengt.
Käme es nicht darauf an, den Staat und die raf aus dem Clinch zu lösen?
Hat nicht die Linke recht: das, was ist, ist die Katastrophe; aber hat nicht auch die Rechte recht: dazu gibt es keine Alternative?
Die subjektiven Formen der Anschauung, die auch systemlogisch zusammengehören, sind das Grundinstrument der Vergesellschaftung des Bewußtseins, seiner Beherrschbarkeit und seiner Selbstausblendung zugleich. Durch die intentio recta schließt sich das Denken, ohne es zu merken, selbst von der Wahrheit aus.
Sind nicht die Wasser das Realsymbol der Einheit von Mythos und Aufklärung?
Die Trennung der primären und sekundären Sinnesqualitäten, die den Anfang der erkenntniskritischen Reflexion der modernen Naturwissenschaften bezeichnen, steht unter dem Bann des Gesetzes der Intentionalität und entstellt den zugrundeliegenden Sachverhalt insoweit, als sie seine wichtigsten Folgen zugleich ausblendet und unkenntlich macht. So verschwindet vor allem die Erinnerung an die alten Elemente völlig. Die Elemente, und hier vor allem das Wasser (das Flüssige) und das Feuer (das brennt und erleuchtet), lassen sich (wie insbesondere auch das Licht) nicht auf punktuelle Empfindungen reduzieren, sondern sind bestimmbar nur als innigste Vereinigung sinnlicher und sprachlicher Elemente: man darf vermuten, daß sie an das Zentrum der benennenden Kraft der Sprache rühren; mit ihnen wird Sensibilität (die etwas anderes ist als Empfindlichkeit, und ohne Sprache, ohne Mimesis, ohne objektive Phantasie nicht zu denken ist) an der Wurzel abgeschnitten. Gewinnt nicht das Desiderat einer Theorie des Feuers eine immer brennendere Aktualität? Dazu gehört:
– Ich bin gekommen, Feuer vom Himmel zu bringen, und ich wollte, es brennte schon; aber auch
– die Stelle aus dem Petrusbrief, wonach diese Welt in Feuer vergehen wird.
Das Feuer, der Name und das Angesicht: die drei Zentren einer Logik der Umkehr.
Ist nicht
– der Raum der Ursprung des Begriffs und die Leugnung des Namens,
– das Geld der Ursprung des Wassers und die Leugnung des Feuers und
– das Bekenntnis der Ursprung der Sexualmoral und die Leugnung des Angesichts;
wie stehen diese drei Zusammenhänge
– zur Trinitätslehre und
– zu den drei evangelischen Räten?
Haben wir nicht das Feuer vom Himmel geholt, und brennt es nicht schon? Aber das Wasser ist geblieben, das Flüssige im Oberen, in dem sich nichts mehr dingfest machen läßt (sind Feuer und Wasser die zwei Seiten des Himmels: das Feuer sein Angesicht, das Wasser seine Rückseite, und hat in der Sintflut die Rückseite des Himmels die Erde überflutet?).
Gilt das Wort: Laßt die Toten ihre Toten begraben, für die Physik, die Ökonomie und das Bekenntnis?
Die Würde und das Sein: Problem der Hilfszeitworte (gründet nicht auch der Wertbegriff in einem Hilfszeitwort?). – Treten nicht im Lateinischen erstmals Hilfszeitworte auf (bei den Perfektbildungen: im Prozeß der Vergegenständlichung des Vergangenen), und welche Bedeutung hat das für die sprachlogische Struktur dieser Sprache?
Hegels Satz, er sei von Gott dazu verdammt, ein Philosoph zu sein, wäre, um der Wahrheit willen, ein wenig zu korrigieren: nicht von Gott, sondern vom Absoluten war er verdammt.
Ist nicht das Scheiden eine Tätigkeit des Richtens? So schied Gott das Licht von der Finsternis, und so schuf Gott eine Feste, die die oberen von den unteren Wassern schied (an die er demnach erstmals das Richten delegierte), und er nannte diese Feste Himmel. Und schließlich schied er das Wasser unter dem Himmel vom Trockenen (er ließ es sich an einem Orte sammeln, damit das Trockene sichtbar wurde).
Der Weltbegriff macht das, was eine Sache für andere ist, zu ihrem Wesen.
Was bedeutet das Wort
– „Laßt die Toten ihre Toten begraben“ (Mt 822)? So beantwortet Jesus die Bitte eines Jüngers, der, bevor er ihm folgen will, heimgehen und seinen Vater begraben möchte;
– zuvor beantwortete er die Bitte eines Schriftgelehrten, der ihm nachfolgen will, mit dem Hinweis: „Die Füchse haben ihre Höhlen, die Vögel ihre Nester, aber der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“ (819f);
– bei Lukas kommt noch ein dritter, der vorher von seiner Familie Abschied nehmen möchte; ihm antwortete er: „Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes“ (Lk 957ff). -
06.08.93
Die Reversibilität aller Richtungen im Raum ist der Grund der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit und die absolute Verhinderung der Umkehr. Das Tote ist das Produkt der Verweigerung der Umkehr.
Ist nicht die Philosophie eine Seitenansicht des Mythos, in der die Formelemente erhalten bleiben, aber die Inhalte sich gleichsam in Luft auflösen. Ein zweiter Schritt des Herrendenkens; den dritten hat dann das Christentum getan (mit der dogmenbegründenden Ausbeutung der Ambivalenz des Oben/Unten-Paradigmas).
Was bedeutet eigentlich der Satz: Musik erfüllt den Raum? Edgar Morin hat einmal darauf hingewiesen, daß im Kino Musik die Funktion erfüllt, den flachen Bildern des Films Tiefe und Plastizität zu verleihen. Ist die Musik nicht (im Rosenzweigschen Sinne) eine Weissagung der Einheit von Licht und Sprache? Und ist es nicht auch von daher begründet und sinnvoll, in der Philosophie der Neuen Musik den Teil über Schönberg auch auf Einstein zu beziehen?
Zu den Konnotationen des Wassers: Schicksal, Sintflut, Rotes Meer, Taufe, der Geist Gottes über den Wassern und die Trennung der unteren von den oberen Wassern. Sind die Wolken des Himmels, auf denen der Menschensohn am Ende wiederkehren wird, Projektionen der unteren Wasser in die obere Welt (Produkt der Subsumtion der oberen Wasser unter die Vergangenheit, die Entstellung und Vertreibung des Segens)?
Wir sind die Sintflut, die über die Welt gekommen ist.
Zum Wunder von Kana: Waren es nicht Reinigungskrüge, und war es nicht im Kontext einer Hochzeit, und fällt hier nicht das Wort: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Seine Jünger waren mit dabei, jedoch merkwürdig stumm. Man hat das Gefühl, sie sitzen nur dabei, sperren Nase, Mund und Ohren auf, und verstehen nicht, was hier vorgeht.
Ist nicht die Geschichte von David, dem Hetiter Urijas und seiner Frau Batseba (der Mutter des Salomo) typologisch (der messianische David, Batseba, die Frau des „indogermanisch“-hetitischen Urijas, und Salomo, der Sohn der Batseba)?
Zur Geschichte von den drei Leugnungen: Ist nicht
– die Magd des Hohepriesters die Theologie, und sind nicht
– die Umstehenden die Welt?
Und lassen sich nicht die drei Leugnungen ohne Mühe auf die Anfragen
– der Juden (und den kirchlichen Antijudaismus und die Kirchenväter),
– des Islam (und die Scholastik) und
– der modernen Aufklärung (und die Unfähigkeit der Kirche, darauf noch rational und – aufgrund der Selbstreferenz, der Rückbeziehung auf die erste Leugnung – unterm selbstverschuldeten Rechtfertigungszwang ohne Selbstverfluchung zu reagieren), sich beziehen?
Die Welt ist nicht nur, wie bei Heidegger, das Vorhandene und das Zuhandene; die Einschränkung des Weltbegriffs auf diese beiden Attribute schließt das Moment der Selbstverfluchung mit ein (das Vorlaufen in den Tod, die Entschlossenheit).
Der Heideggersche Begriff der Frage, die heroische Leugnung der Beantwortbarkeit der „eigentlichen“ Fragen, ist die letzte Konsequenz des Nominalismus: die Leugnung des Namens, die letzte Leugnung der Erwartung, daß das Wort sich erfüllt (Heidegger: das letzte Objekt der Sintflut – vgl. das In-der-Welt-Sein, die Entschlossenheit, das Vorlaufen in den Tod, die selbstverschuldete Verstrickung in den alternativlosen Gegensatz des Vorhandenen und Zuhandenen, Folge der Verführung durch die indikativische Logik der Fundamentalontologie, oder: die Selbstneutralisierung durch Eigentlichkeit). Die Fundamentalontologie identifiziert den Infinitiv Sein (aufgewertet zum Seyn) mit dem Possessivpronomen der dritten Person sing. masculinum und neutrum (und findet sein biblisches Gegenstück im Staubfressen der Schlange).
Der Existentialismus, und zwar schon der Kierkegaardsche, dispensiert von der Logik; daher kommt es, daß es zur Struktur des Sterns des Erlösung bis heute, abgesehen von den Ansätzen bei Stephane Moses, keine wirklich zureichenden Analysen gibt. Erst eine produktive und konstruktive Analyse des Sterns, dieses kunstvoll verschlungenen Systems, befreit die Rosenzweig-Rezeption vom Stammeln.
Vater und Mutter ehren heißt auch, ihre Dummheiten begreifen.
Heißt parakletisches Denken nicht, in der von den Vergangenheiten beherrschten Welt die Gegenwart wieder zu entdecken?
Die Instrumentalisierung des Marxismus in diesem Jahrhundert und der Theologie vor 1600 Jahren zum Herrschaftswissen waren nur möglich, solange sie das herrschaftskritische Moment, das beide enthielten, projektiv nach außen wenden konnten, anstatt es reflexiv in den Erkenntnisbegriff mit hereinzunehmen (wie Benjamin, Horkheimer und Adorno es im Anschluß an Georg Lukacs getan haben). Aber ist das heute nicht erst dann möglich, wenn das projektive Moment in den Fundamenten unserer Zivilisation, in dem ihre zugrundeliegenden Erkenntnisbegriffs selber (auch in der Kerndisziplin der Aufklärung: den Naturwissenschaften), begriffen wird?
Ist nicht der Hegelsche Begriff der Aufhebung eine subtile Entstellung des Auf-sich-Nehmens der Sünde der Welt, und so, zusammen mit der List der Vernunft (die eine Selbstüberlistung ist: sie leugnet den Tod und ersetzt die Hoffnung auf Auferstehung durch die leere Unsterblichkeitslehre), der reallogische Grund des Absoluten? – Vgl. hierzu Zenger, S. 135f, das Kehl-Zitat. Ist nicht die Grundlage der Hegelschen Aufhebung (der Konstitution des Hegelschen Begriffs) die Ersetzung des Auf-sich-Nehmens durch das Hinwegnehmen? So hängt die Hegelsche Logik in der Tat mit der christlichen Trinitätslehre zusammen. Franz von Baaders Bemerkung über die Hegelsche Philosophie wäre zu ergänzen: Sie ist nicht nur das Auto da Fe der bisherigen Philosophie, sondern auch das der bisherigen Theologie.
Nur im Kontext der Auferstehungslehre ist der Satz im Stern zu begründen: Der Name ist nicht Schall und Rauch.
Ist nicht Simson, der, nachdem ihm die sieben Locken abgeschnitten waren, im Keller der Philister die Mühle drehen mußte, ein Typos der Theologie? Aber als ihm die Locken wiedergewachsen waren, hat er die Säulen eingedrückt und das Haus der Philister zum Einsturz gebracht. Waren es nicht Philister – wie vorher die Ägypter -, die die Israeliten Hebräer nannten?
Ist die griechische Sprache der Kelch, den seine Jünger trinken mußten?
Entspricht der systembegründenden Subsumtion der Arbeit unters Tauschprinzip im Ursprung des Kapitalismus am Ende die aus Gründen der Systemerhaltung notwendige Rückkoppelung von Massen-Produktion und Massen-Konsum durch die Werbung (die Adorno zufolge den Tod verschweigt)? (Gibt es einen systemlogischen Zusammenhang mit dem Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit, der speziellen Relativitätstheorie und seiner ungeklärten Beziehung zur Quantenphysik?)
Im Sozialismus gab es keine Reklame, nur Propagande und die Hypertrophie der Geheimdienste.
Dienstleistungsgewerbe: Ist nicht auch das Militär ein Dienstleistungsgewerbe, und muß heute nicht (aus Gründen der Systemerhaltung) ein immer größerer Teil der Produktion für den Dienstleistungsbereich verwandt werden (vgl. auch das Anwachsen der Kosten der Dienstleistungen im Bereich der privaten Selbsterhaltung)? Und erniedrigt sich nicht der Staat zum Dienstleistungsunternehmen für die Erhaltung des Apparats, in den sich das ganze Gewicht der vergesellschafteten Selbsterhaltung verlagert?
Getsemane: Steckt nicht in jeder Todesangst etwas davon, daß das Entscheidende, das man hätte tun können, um die Welt aus ihrer Verstrickung zu befreien, nicht getan worden ist? Steckt nicht in der Todesangst die unaufgehellte Beziehung zur Welt?
Zu Mantel und Rock (Mt 540, Lk 629) vgl. im Stern der Erlösung, S. 361ff: Der Mantel ist der Gebetsmantel, und zum vollständigen Sterbekleid (das der Bräutigam unterm Trauhimmel auch als Hochzeitskleid trägt) gehört außer dem Gebetsmantel auch noch der Rock (Chiton und Tunica). Steht dieser Rock in der Tradition des Rocks aus Fellen und der Rock, der keine Naht hatte (über den unterm Kreuz das Los geworfen wurde)?
„Es gibt keine menschenfreundlichere Religion als das Christentum, aber es gibt auch keine Religion, in deren Namen solche Untaten begangen wurden.“ (Horkheimer) Sind das nicht zwei Seiten eines Blattes: wenn ich die eine durchreiße, vernichte ich auch die andere? Das Gleichnis Jesu vom Weizen und Unkraut würde dazu passen. Hat nicht dieses Blatt solange zwei Seiten, wie die Welt besteht? Aber dann müßte zur „Rückseite“ des Blattes als konstitutives Moment jene Subjektivität mit dazugehören, die den Weltbegriff konstituiert (der die Sicht „Hinter dem Rücken“ zum Ganzen macht: der das Angesicht leugnet). – Es gibt keine Theologie im Angesicht Gottes ohne Kritik des Weltbegriffs. Die Rückseite des Blattes besteht solange wie die Zukunft wie die Vergangenheit sein wird (wie ein hoffnungsloser Begriff von Erfahrung seine Geltung behält). – „Kehrt um, denn das Reich Gottes ist nahe.“
Ist nicht die Leugnung des Sohnes die Leugnung der Auferstehung? Und ist nicht die Geschichte der Beziehung der Kirche zu den Häresien ein Indiz und Gradmesser dieser Leugnung? Welche Bedeutung hat das für die beiden anderen Leugnungen (des Vaters: den Antijudaismus, und des Geistes: den Sexismus)? Verweist nicht das Wort von der Sünde wider den Heiligen Geist darauf, daß der Beginn der Umkehr hier, bei der dritten Leugnung, die „weder in dieser noch in der zukünftigen Welt vergeben wird“, liegt? Aber wird die Umkehr nicht gekrönt durch die Rücknahme der Leugnung des Vaters?
Das trinitarische Dogma: Produkt der Selbstreflexion der Subjektivität im Unendlichen (an der Todesgrenze).
Ist nicht das Wort von der Sünde wider den Heiligen Geist in der Geschichte des Christentums zu leicht genommen worden; und gehört hierzu nicht auch das Prophetenwort, daß am Ende die Erkenntnis Gottes die Erde bedecken wird, wie die Wasser den Meeresboden bedecken?
Haben die Sündenvergebung und die Austreibung der Dämonen (Maria Magdalena) etwas mit der Aufhebung der Reinheitsgebote zu tun? Ist nicht der Weltbegriff dämonisch (Inbegriff der sieben unreinen Geister)?
Symbolisiert die Dornenkrone nicht beides: das Auf-sich-Nehmen der Sünde der Welt und den Haß der Welt (zielt die Aufschlüsselung der Dornen und Disteln durch den Eleasar von Worms nicht schon auf den Weltbegriff)?
Die Welt als Gemeinheitsgenerator und Exkulpierungsmaschine.
Zum Kelch und zur Trunkenheit: Jemandem reinen Wein einschenken.
Physik und Schuld: Nur in der Physik addieren sich die Lasten, während in theologischem Zusammenhang ich mich von den Lasten befreie, die ich auf mich nehme.
– Elementenlehre hebräisch: ät haschamajim we’ät ha’arez und ruach.
– Theologische Elementenlehre: Der Himmel ist sein Thron, die Erde der Schemel seiner Füße; und der Geist brütend über den Wassern.
Destruktion beider durchs Inertialsystem: Grauen um und um.
Zur Theorie des Namens gehört:
– eine Theorie des Lachens und des Weinens;
– das Lachen und der Schrecken;
– die Logik des Angesichts (das Antlitz des Hundes);
– Prophetie (Erfüllung des Worts) und Apokalypse (Aufdeckung des Namens).
Wird außer Abram, Sarai und Jaakob in der Schrift noch jemand neu benannt? -
04.08.93
Jedes Urteil enthält ein projektives Element und ist in Schuld verstrickt, aber in eine Schuld, in die die Welt selber verstrickt ist: Diese Schuld ist der logische Grund des Weltbegriffs.
Futur und Futur II sind Reflexionsformen von Imperfekt und Perfekt, davon nur durch die Prämisse einer unter die Vergangenheit subsumierten Zukunft unterschieden (Produkt einer innerzeitlichen Verschiebung: Ursprung des Naturbegriffs und seines sprachlichen Pendants, des Neutrums). Das Plusquamperfekt ist eine sprachlogische Konsequenz dieses grammatischen Eingriffs. Die hebräische Sprache kennt keinen Indikativ, diese verhängnisvolle Mischung von Präsens und Imperativ, das sprachliche Äquivalent dessen, was neudeutsch Sachzwang heißt.
Der ungeheure sprachlogische Prozeß, in dem sich Futur und Futur II, Plusquamperfekt und Indikativ gebildet haben, auch das Neutrum (und der Welt- und Naturbegriff), hängt zusammen mit der Ausbildung der mathematischen Raumvorstellung. Dessen Einheitsprinzip ist die Orthogonalität. Aber die Orthogonalität ist zunächst nur ein Strukturelement der Fläche, die selber wiederum dadurch definiert ist, daß sie auf eine und nur eine zu ihr orthogonale Richtung im Raum bezogen ist. Der Raum ist zwangsläufig dreidimensional. Der Preis für die Ausbildung der mathematischen Raumvorstellung ist die Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit: der oben bezeichnete sprachlogische Prozeß (oder die apriori positiv beantwortete Frage: if the future will be like the past).
Die exkulpatorische Funktion der Ontologie wird erkennbar an dem unter Ontologen so beliebten Begriff des Geschehens, in das sie den Weltprozeß verzaubert. Dem entspricht das Fernsehen, das Politik und Zeitereignisse als Zeitgeschehen dem Konsum präsentiert, aber mit dem systemimmanenten Hinweis: Du bist Zuschauer und hast keine Chance, einzugreifen und die Dinge zu ändern. Mit der Betroffenheit, mit der alle auf die Darbietung des Schlimmsten reagieren (und aus dem die Fernseh-Theologie ihren erbaulichen Honig saugt), wird das moralische Subjekt, das hier ohnehin nicht mehr vorkommt, endgültig ausgelöscht. – Ist die Betroffenheit nicht eine Reflexionskategorie der Kollektivscham?
Mit der Subsumtion unter die Vergangenheit schneiden wir den Dingen (auch dem Kreuzestod Jesu) die Zukunft ab. Was meint das Wort Name im Bekenntnis des Namens?
Ist nicht die Beziehung des Begriffs zum Objekt (im Urteil die Beziehung des Prädikats zum Subjekt und in der Realität die des Schicksals zu seinem Substrat) eine genitivische: eine Eigentums- und Herrschaftsbeziehung (und zwar als wechselseitige oder als Reflexionsbeziehung: Grund der Unterscheidung von genitivus subjektivus und objektivus)? Der Eigentümer ist nicht nur Herr über seinen Besitz, sondern er selber wird durch seinen Besitz beherrscht („besessen“). Hier liegt der Ansatz zur Lösung des Problems des Weltbegriffs.
Zum Antlitz des Hundes: Sind nicht alle Blickbeziehungen Herrschaftsbeziehungen, und ist das nicht der Grund, weshalb Hunde aufs Angeblicktwerden aggressiv reagieren? Der freie Blick ist etwas davon deutlich (nämlich durch die Fähigkeit zur Schuldreflexion) Unterschiedenes; er schließt die Umkehr mit ein, die Fähigkeit zur Reflexion der Intentionalität. Frei ist nur, wer den Rechtfertigungszwängen und der in den modernen Erkenntnisbegriff mit eingebauten Projektionsautomatik entronnen ist: Notwendigkeit einer Logik des Angesichts (das Gesehenwerden durchs Objekt und das Hören aufs Objekt in das Sprechen übers Objekt mit hereinnehmen)!
Die Probleme des dritten Buchs im zweiten Teil des Sterns der Erlösung (die Probleme des Rosenzweigschen Erlösungsbegriffs) hängen zusammen mit den Problemen im zweiten Buch des ersten Teils des Stern (mit den Problemen des Weltbegriffs). Hier wird deutlich, was die jüdische Tradition in der Rosenzweigschen Fassung vom Christentum unterscheidet; aber diese Differenz war zwangsläufig, weil sie im Christentum selber bis heute nicht begriffen ist.
Nicht der Erste Weltkrieg, sondern Getsemane ist das Korrelat des Anfangs des Sterns.
Stern, S. 37: „Die Natur ist stets die eigene Natur der Götter.“ Darin steckt schon der christologische Naturbegriff.
S. 153: Der Begriff einer Schöpfung aus Nichts „enthält die Leugnung des Chaos“; er ist ein Instrument der Leugnung und Verdrängung der Vergangenheit, der Diskriminierung der Erinnerung und der Verhinderung von Herrschaftskritik: Vor dem Ursprung des Weltbegriffs war nichts. Wenn doch etwas war, was nicht mehr zu leugnen ist, muß es dem Weltbegriff angeglichen und subsumiert werden (wie im Inertialsystem die Zukunft unter die Vergangenheit).
Ebd.: Mit der Urteilsform ist die „Vorstellung“ eines Unvorstellbaren: einer unendlichen Vergangenheit, mitgesetzt.
Zur Sünde der Welt: „Die Seele ist ihrer Last ledig im Augenblick, wo sie sie ganz auf die Schultern zu nehmen gewagt hat“ (S. 201).
Ontologie und Umkehr: Das Sein, als allgemeines Possessivverhältnis, ist die Umkehr der Gnade, der Barmherzigkeit; daher seine „verandernde Kraft“ (Instrumentalisierung durch Vergegenständlichung rückt alles, was es ergreift, in ein vergesellschaftetes Possessivverhältnis: Deshalb gibt es ohne Staat keine Welt).
Das Haus hat nicht nur mit Zweckmäßigkeitsgründen zu tun (Schutz vor den Unbilden der Witterung), sondern ebenso mit der Geschichte der Scham (Schutz der Intimsphäre): Hängen das Sklavenhaus Ägypten und der Name Pharao damit zusammen?
Was bedeutet es eigentlich, wenn das Paradigma Innen/Außen nicht mehr zu halten ist: das Innere zu Nichts geworden ist?
Die intersubjektive Welt ist zum gemeinsamen Gefängnis aller geworden: Alle sitzen in Isolationshaft.
Der Korpuskel-Welle-Dualismus resultiert aus der objektiv unvermeidbaren Alternative, die der Lichtgeschwindigkeit zugrundeliegende „Bewegung“ entweder nur auf eine Richtung des Raumes zu beziehen, oder auf die Zeit, und damit auf die Totalität des Raumes.
Das Inertialsystem abstrahiert vom Gesehen-Werden, von der Scham, die sich dann gegenständlich als Materie in den niederschlägt (sic, B.H.) (projektive Erkenntnis und Schuld). Scham ist Selbstbewußtsein des Andersseins, logische Konsequenz des Satzes: Das Eine ist das Andere des Anderen.
Wann wird es gelingen, die Vergangenheit so einzudämmen, daß sie nicht mehr die Zukunft überschwemmt?
Ist nicht im ersten Satz der Genesis (im „elohistischen“ Schöpfungsbericht, Gen 11) auch die Reihenfolge des Geschaffenen (Himmel und Erde) von Bedeutung? Erst am Anfang des zweiten („jahwistischen“) Schöpfungsberichts (24b), der die Paradiesesgeschichte und die Geschichte vom Sündenfall erzählt, wird die Folge umgekehrt („Zur Zeit, als Gott, der Herr, Erde und Himmel machte, …“). Wird der erste Schöpfungsbericht im Imperfekt, der zweite im Perfekt erzählt? Ist die Reihenfolge des Geschaffenen nicht in der Logik der Sprache begründet (in der perfektivischen Gestalt gewinnt die Erde den Vorrang vor dem imperfekten Himmel)? Deshalb endet der zweite Bericht mit dem Sündenfall und der jahwistischen Urgeschichte (bis zur Sintflut und zum Turmbau von Babel), der erste hingegen mit dem „sehr gut“. Enthält nicht die Geschichte von der Bindung Isaaks (mit dem Engel Elohims am Anfang und dem Engel JHWHs am Ende) den Lösungansatz?
Zum ersten Satz der Genesis: den Himmel nutzt Gott als Namen für das Firmament, die Erde zur Herbringung der Kreaturen.
Zum paradiesischen Nahrungsgebot: Nur dem Menschen ist die Frucht verheißen, den Tieren nur das Grün, die Blätter (vgl. das Feigenblatt und die Scham).
(Gibt es im Hebräischen ein Partizip?)
Ist nicht majim, das Wasser, ein Plural (wie schamajim, der Himmel), und ist nicht auch der deutsche Begriff Wasser ein Plural von Was (wie Völker von Volk)? Merkwürdig, daß der Ursprung der Philsophie mit der Neutralisierung des Wassers (Thales: Alles ist Wasser, Heraklit: panta rhei, und: niemand steigt zweimal in den gleichen Fluß) beginnt: der unendlich schwere, am Ende vergebliche Versuch das Flüssige dingfest zu machen (in einer wahrscheinlich entscheidenden Phase mit Hilfe der Theologie: Bedeutung der Trinitätslehre!)?
Ist Theologie heute nicht doch nur noch in einer bekenntnishaften Form möglich, aber einer, die es wirklich ist: auf die Neutralisierung des Bekenntnisses, die Konfessionalisierung der Theologie, endgültig verzichtet? Dieses Bekenntnis wäre eines im Angesicht Gottes, nicht im Angesicht der Welt (dem Scheffel überm Licht). Durch Objektivierung und Theoretisierung wird der Inhalt der Theologie generell verfehlt.
Das zum Bekenntnis neutralisierte Symbolon ist das vergrabene Talent.
(Die Welt ist das Verwesungsprodukt des toten Gottes.)
Steckt nicht in der projektiven Vorstellung vom „jüdischen Rachegott“ (bei Drewermann, Alt, Christa Mulack u.a.) auch die Angst vor einem Gericht, in dem die Opfer der Vergangenheit, die nur still sind, wenn sie endgültig tot sind, die Richter sein werden? Müßten nicht Kirche und Theologie, Gegenwart und Vergangenheit, aber auch Politik und Gesellschaft, völlig anders sich darstellen, wenn es auch nur einen gäbe, der wirklich an die Auferstehung glaubte? Hat das Christentum nicht die Theologie (Trinitätslehre und Christologie) auch dazu mißbraucht, sich die Vergangenheit (ihre jüdischen Wurzeln, aber dann auch ihre fatale eigene Rolle in der Geschichte) vom Leibe zu halten? Mit der Gehorsamsforderung wurden die Ohren verstopft, damit niemand das Blut, das zum Himmel schreit, mehr hören konnte. Ist nicht der „christliche Liebesgott“, der in der Vorstellung gründet, daß Gott seinen eigenen Sohn hingeschlachtet habe, „um uns zu retten“, Produkt und Deckbild einer nun wirklich sadistischen Phantasie? Während wir glauben, den „Rachegott“ nicht mehr zu brauchen, haben wir in Wahrheit genau diesen Aspekt längst neutralisiert und instrumentalisiert, indem wir ihn, wenn wir ihn nicht zu Zeiten auch einmal selbst in die Hand genommen haben, an den Staat, an die Institutionen des Rechts: der staatlichen Strafverfolgung und des Strafvollzugs, delegiert haben. Das „Volk“, in dessen Namen Gesetze erlassen, Recht gesprochen und Urteile gefällt werden, ist der anonymisierte Erbe dessen, den das antijudaistische Vorurteil einen „Rachegott“ nennt. Wer sich auch nur ein wenig mit den Zuständen in unseren Knästen (die jeder zu verantworten hat, der dem Volk angehört, in dessen Namen hier die „Strafen vollzogen“ werden) vertraut gemacht hat, weiß, daß zu den realen Gründen des Strafrechts auch, wenn nicht zentral, die Vergesellschaftung der Rachebedürfnisse gehört, während der „alttestamentliche Rachegott“ (das „Mein ist die Rache“ des Gottes, dessen wichtigste Eigenschaft die Barmherzigkeit ist) in seinem realen Kontext auf die Auflösung der Rachebedürfnisse der Opfer abzielt. Übrigens: Im Neuen Testament (im Hebräerbrief, 1030) steht der Satz: „Furchtbar ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen“, während im Alten Testament (im Buch Jona, 411) Gott gegen Jona den Verzicht auf die Zerstörung Ninives so begründet: „Mir aber sollte es nicht leid sein um Ninive, die große Stadt, in der mehr als 120 000 Menschen leben, die nicht einmal rechts und links unterscheiden können, und soviel Vieh.“
Das gedankenlos Bösartige an der antijudaistischen Unterscheidung des „alttestamentlichen Rachegottes“ vom „neutestamentlichen Liebesgott“, das zum Syndrom der verfolgenden Unschuld gehört, wird deutlich, wenn man auch nur einen Augenblick daran denkt, wer – in einem geschichtlichen Kontext, zu dem Auschwitz gehört – hier an wen welches Ansinnen stellt: Der Täter schlägt dem Opfer das einzige Mittel, die Erinnerung an die Leiden zu verarbeiten, aus der Hand. Hier darf nicht mehr aufgearbeitet, hier soll nur noch verdrängt werden.
Der Beter rächt sich nicht selbst (Zenger, S. 71): Ist das nicht das zentrale Anliegen eines jeden Gebets, das Moment, durch das es mit dem Gottsuchen sich verbindet, und der Wahrheitsgrund des Satzes von Reinhold Schneider? Wäre dieser Satz nicht heute eine der Grundlagen der Rechtskritik: als Kritik eines Instruments der instrumentalisierten Rache?
Wird mit dem Gerede vom „jüdischen Rachegott“ nicht
– der zugrundeliegende Text entstellt, seine Wahrnehmung verzerrt, und zugleich
– ein theologischer Erkenntnisgrund durch Verdrängung neutralisiert?
Verräterisch die Rede vom Gottesbild im Hinblick auf eine Religion, zu deren zentralen Elementen das Bilderverbot gehört: Zu den objektiven Intentionen des Bilderverbots gehört es, sich die reale Erfahrung nicht durch Bilder verstellen zu lassen. Hierzu gehört auch die biblische Unterscheidung von Im Angesicht und Hinter dem Rücken. Der Antijudaismus ist ist ein System von Vorstellungen über die Juden hinter ihrem Rücken, er ist (nach einer auch hierauf zutreffenden Formulierung Adornos über den Antisemitismus) das Gerücht über die Juden, das jede reale Erfahrung mit Juden und mit der jüdischen Tradition scheut, wie der Teufel das Weihwasser.
Hebr 1030f: Wenn wir vorsätzlich sündigen, gibt es für diese Sünden keine Opfer mehr. – Ist nicht das Opfer die Vergebung?
In einer Welt, die bis in ihre innersten Strukturen hinein, und ohne daß eine Alternative dazu überhaupt noch sichtbar wäre, durchs Selbsterhaltungsprinzip geprägt und bestimmt ist, braucht man, wie es scheint, einen „Gott der Liebe“; aber gilt nicht hierfür Adornos Satz: Heute fühlen sich alle ungeliebt, weil keiner mehr zu lieben fähig ist? Die Sperre vor der Fähigkeit zu lieben liegt in der Struktur dieser Welt.
Die antikirchlichen Positionen in Kirche und Theologie sind nicht einfach nur falsch und zu verurteilen, sondern haben ihren eigenen Erkenntniswert in einem System, in dem Erkenntnis insgesamt seine projektiven Anteile nicht mehr abwischen kann.
Den Begriff zum Sprechen bringen: das setzt eine Theorie des Lachens und des Schreckens voraus.
Die subjektiven Formen der Anschauung und das Inertialsystem (der „luftleere Raum“) zerstören den Himmel durch die Zerstörung der „Elemente“ hindurch: die Erde, die Luft (das Pneuma), das Wasser und das Feuer (haschamajim).
Physik als Kloß im Hals der Theologie: im „luftleeren Raum“ gibt es keine Luft zum Atmen.
In welcher Beziehung stehen die Juden, Ketzer und Hexen der christlichen Geschichte zu den Barbaren der Griechen (trinitarische Entfaltung des projektiven Erkenntnisbegriffs der Philosophie)?
Kants Philosophie war Erkenntniskritik, der stringente Nachweis, daß der Erkenntnisbegriff der Philosophie sich auf die Dinge, nicht wie sie an sich selber sind, sondern wie sie uns erscheinen, sich bezieht.
Bekenntnisse des Jeremias: 1118-21, 121-6, 1510-21, 1714-18, 1818-23, 207-18: prophetischer Ursprung der Reflexion?
Jeremias, der Prophet des welthistorischen Bruchs?
– Dreimal verbietet Gott dem Jeremias, für das Volk zu beten; aber Jeremias gebietet dem Volk, für das Wohl der Stadt, in der sie nach der Deportation leben, zu beten.
– Selbst wenn Mose und Samuel … (Jer 14-15?)
– „Wer sich den Chaldäern ergibt, wird sein Leben als Beute gewinnen.“ (Jer 282, vgl. dazu den „Ursprung des Weltbegriffs“ und das Jesus-Wort: Wer sein Leben gewinnen will, wird es verlieren.)
– Dreimal „Grauen um und um“.
– Ist der „Feind aus dem Norden“ (Babylon) ein Vorbegriff der Welt?
– tewel (hebr. für Welt und Natur) nur zweimal im AT, beide Stellen bei Jeremias (?). Sonst „Himmel und Erde“; haolam ist der Bereich der göttlichen Herrschaft, nicht die Welt.
– Zu Jer 1010-16: außer an dieser Stelle nur noch zwei andere „Schöpfungsberichte“, Ps 104 (der älteste) und Hiob 38ff.
Erfüllung des Worts: „Der Prophet aber, der Heil weissagt – an der Erfüllung des prophetischen Worts erkennt man den Propheten, den der Herr wirklich gesandt hat.“ (Jer 289, vgl. Dt 1821-22, Ez 3333) Ist der Name die Erfüllung, das Eintreffen des Worts?
Das Wunder gehört zur Prophetie: daß „das Wort sich erfüllt“, zum Namen wird (das Wunder erlischt im Namen).
Das Absolute ist ein Korrelat der Welt: deshalb ist kein Gied in ihm nicht trunken.
Zur Bestimmung der Theologie:
– Aktualität (Prophetie),
– eingreifende Erkenntnis,
– apokalyptisch (aber nicht die Endzeit berechnend: dazu zwingt nur die Logik des Weltbegriffs).
Kommen die Völker Kanaans in der Völkertafel, in den Genealogien der Genesis vor?
Zur Vorgeschichte der drei Leugnungen Petri gehört ihre Weissagung:
– Mt 2630 und Mk 1432: Ihr werdet in dieser Nacht (!) an mir Anstoß nehmen und zu Fall kommen.
– Lk 2231ff: … der Satan hat verlangt, daß er euch wie Weizen sieben darf …, daß der Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich bekehrt hast, stärke dein Brüder.
– Joh 1336ff: Wohin ich jetzt gehe, dorthin kannst du mir nicht folgen …
Binden und Lösen: Ist nicht durchs Binden das Lösen neutralisiert, unkenntlich gemacht worden: und der Glaube zur Hybris?
Das Dogma hat die Frage: Wie ist die Thora „heute“ (und d.h. prophetisch) zu verstehen, neutralisiert.
Das Urschisma: auch eine Frage der Grammatik? Sind physis und kosmos (natura und mundus) grammatisch bedingte Begriffe? (Vgl. Rosenzweig: der „Mittler“ nur für die Heiden, nicht für die Juden).
Der Weltbegriff fundiert den Egoismus (das Prinzip der Selbsterhaltung), den Sexismus und die Desensibilisierung, die Erfahrungsunfähigkeit.
Die Welt ist Welt für andere: Schamgenerator. Durch die Identifikation der Kirche mit der Welt (mit dem Aggressor) ist die Kirche zum steinernen Herzen der Welt geworden.
Hegel: die Neutralisierung der Philosophie zum Absoluten.
Jeder Machtgewinn wird mit Sprachverlust erkauft.
Zur Raummetaphorik: Die Neutralisierung von Oben und Unten ist ein Teil der Vergesellschaftung von Herrschaft.
Ursprung des Geldes im Kontext der Schuldknechtschaft: Hat nicht das Bußsakrament das Lösen in kleine Münze umgemünzt (und ist nicht der verdinglichte Glaube ein Stück verinnerlichter Schuldknechtschaft)?
Das Christentum hat der frühen Christenheit die Last der Umkehr abgenommen, heute blockiert es sie.
Jona ben Amittai und Jesus kommen aus der gleichen Gegend (Nazareth und Umgebung). -
14.07.93
Getsemane und die Todesangst im Kontext des Ursprungs des Herrendenkens und seines gegenständlichen Korrelats: des Natur- und Weltbegriffs.
Christologie als Folge der Neutrumsbildung: Ist nicht der Säkularisationsprozeß, und in seinem Zentrum der Weltbegriff, Medium und Motor des Neutralisierungsprozesses? Und ist nicht auch die Vergöttlichung Jesu eine Folge seiner Neutralisierung (Neutralisierung als Verinnerlichung des Opfers)?
Mit der „Entsühnung der Welt“ wurden die Herren freigesprochen, die Armen und die Fremden hingegen ihrem Schicksal überlassen.
Der Bemerkung von Otto Karrer nachgehen (zu Joh 129, unter Hinweis auf Jes 537.12): Der Doppelsinn der (vorauszusetzenden) aramäischen Worte „Lamm Gottes“ (oder „Knecht Gottes“) und „hinwegnimmt“ (oder „trägt“) läßt sich griechisch und deutsch nicht wiedergeben. – Ist das Lamm Gottes der Knecht Gottes? Und rückt das nicht die „Kleinviehnomaden“, den Hirten-Typos und das „Weide mein Lämmer“ in ein neues Licht?
Die Versuche einer zweckrationalen Erklärung mosaischer Gebote (die Rückführung der Beschneidung, des Verbots, Schweinefleisch zu essen, der Reinheitsgebote auf hygienischen Gründe) sind auch ein Mittel, das Verstörende an diesen Geboten zu verdrängen, das Realsymbolische darin unkenntlich zu machen: anstatt die Welt an der Schrift, die Schrift an der Welt zu messen, und gehört zu den Ursachen des Antisemitismus. Wäre die vulgärdarwinische Rückführung der Geschichte der Menschheitsentwicklung auf den Überlebenskampf mit der Natur die Wahrheit, und jeder Fortschritt nur ein Ergebnis von Versuch und Irrtum (von „naturwissenschaftlichen Experimenten“), die Menschheit hätte die ersten Jahre ihres Bestehens nicht überlebt. Notwendigkeit einer Sprachgeschichte, die sowohl die Geschichte der Grammatik als auch die Wortgeschichte, die Bedeutungszusammenhänge, das symbolische und das metaphorische Element in der Sprachgeschichte, die Gestalt der Kommunikation mit der Natur, die mit der Vergegenständlichung der Natur und dem Ursprung des Weltbegriffs unkenntlich gemacht und unterdrückt worden ist, mit einbezieht. Muß man nicht davon ausgehen, daß in den Geboten der Zusammenhang mit den göttlichen Verheißungen sichtbar gewesen sein muß? Nur deshalb hatte das Tun den Primat vor dem „Glauben“.
Haben die Dornen und Disteln und ebenso die Hörner etwas mit der Form der Verknüpfung von Vergangenheit und Zukunft (mit der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit) im Inertialsystem zu tun (Folge des Relativitätsprinzips: Verschiebung in der Zeit)? -
12.07.93
Erkenntnis und Interesse: Ist nicht der Begriff des Interesses ein Hinweis auf das Schuldmoment an jeder Erkenntnis, und die Einschränkung aufs unmittelbar „materielle Interesse“, die Abstraktion vom „Unschulds“-Interesse, deren Reflexion im Anschluß an die kantische Erkenntniskritik auch die Notwendigkeit der Kritik der Naturwissenschaft mit einschließen würde, der Grund, daß es zu Gemeinheit, Unrecht und Gewalt keine Alternative mehr zu geben scheint? – Und ist nicht die „Übernahme der Sünden der Welt“ eine logische Konsequenz aus der Zeitstruktur jeder Erkenntnis (Unschuld liegt nicht außerhalb, neben der Schuld, sondern in der Linie ihrer Reflexion: der Kritik der subjektiven Formen der Anschauung)? Wird man beim heutigen Weltzustand nicht schuldig durch Nichthandeln (hier liegt der Grund des Begriffs der Erbsünde), und unschuldig nur durch Handeln?
Die Virginitas war nichts weniger als ein Name der natürlichen Unschuld, und die sexuelle Unberührtheit Symbol eines von Gewalt (auch der Gewalt des Ehevertrages, vom Mythos der männlichen Vorherrschaft) nicht mehr befleckten Glücks: kein biologisches, sondern ein politisches Symbol, Symbol der Befreiung. Aber ist nicht der Mythos der männlichen Vorherrschaft ein siebenfacher: sind nicht die sieben unreinen Geister die sieben Geister der Unreinheit des Patriarchats (von denen bisher nur Maria Magdalena befreit wurde)?
Kann es sein, daß die confessio und die virginitas, wenn sie einmal vom Bann der Herrschaftsgeschichte befreit sein werden, sich als Symbole der Rechten und der Linken (des Gerichts und der Barmherzigkeit) erweisen werden?
Hat die Schrift den Gehorsam vom Hören getrennt, und ist dadurch die Schrift zu dem Feigenblatt geworden, als welche sie von der Konfessions-Theologie dann nur noch benutzt worden ist? Das Instrument dieser Trennung war der kirchliche Antijudaismus (der die jüdische Vergangenheit als Projektionsfolie ihrer eigenen verdrängten Schuld benutzt hat).
Wird sich nicht vielleicht doch einmal die Geschichte vom Feigenblatt und vom Feigenbaum als zentral erweisen, und muß man nicht zum Symbol der virginitas das andere Wort hinzunehmen: ihr wird viel vergeben werden, denn sie hat viel geliebt?
Das Wort Johannes XXIII., Jesus sei nicht gekommen, den Menschen tausend Lasten aufzubürden, hat der Kirche die Unschuld genommen. Nach dem 2. Vatikanischen Konzil, dessen Chance sie nicht genutzt hat, ist die Kirche zum steinernen Herzen der Welt geworden. Sie hat die Rechtfertigungszwänge, unter denen sie steht, nicht auflösen können.
Theorie und Praxis: Der Weltzustand heute ist so, daß man durch Nichthandeln, dadurch, daß alle, auch die heute Handelnden, im Habitus des Zuschauers gebannt bleiben, schuldig wird, während doch alles zum Eingreifen auffordert.
Zur Kritik der subjektiven Formen der Anschauung, des Begriffs des Wissens und der Wissenschaft bei Kant: Das Wissen konstituiert sich in dieser Beziehung des Zuschauens zu den Dingen, in dieser Passivitätshaltung, durch die der Zuschauende schuldig wird, solange er nicht begreift, daß dieses Zuschauen (und seine Prämissen: die Hypostasierung der subjektiven Formen der Anschauung) zu den Ursachen des gegenwärtigen Weltzustandes gehört. Dieser Habitus des Zuschauens ist nur noch aufrechtzuerhalten durch Verachtung der Armen und durch Fremdenhaß.
Ist nicht der Weltbegriff die Rechtfertigung des Zuschauers?
Das Substantiv ist der Greuel am heiligen Ort (Mt 2515, Dan 927, 1131, 1211).
Gibt es nicht einen Hinweis zum Verständnis des Wortes vom Greuel am heiligen Ort: in der Geschichte von den drei Leugnungen, wenn Petrus beim dritten Mal „sich selbst verflucht und abermals leugnet“.
Die Vorstellung von einer überzeitlichen Wahrheit (oder auch die Definition der Wahrheit als „Übereinstimmung von Begriff und Gegenstand“) ist Produkt der Leugnung des Zeitkerns und des Aktualitätsbezugs der Wahrheit: ihres prophetischen Kerns, und zugleich die Basis und das Medium der Geschichte der drei Leugnungen.
Die ungeheure Geschichte vom Kampf gegen die Amalekiter in Ex 178ff: Josue kämpft gegen Amalek, während Mose, Aaron und Hur auf den Berg steigen. Solange Mose seine Hände erhoben hält, siegt Israel, wenn er sie sinken läßt, siegt Amalek. Als er ermüdet, holen sie einen Stein, schieben ihn unter Mose, dann stützen Aaron und Hur seine Arme, der eine rechts, der andere links. Und am Ende spricht der Herr zu Mose:
– … ich will die Erinnerung an Amalek unter dem Himmel austilgen. Und:
– Krieg ist zwischen JHWH und Amalek von Generation zu Generation.
Wer ist Hur, und wer ist der Fels; und ist das Ungeheurliche denkbar, daß sich das Gebot der Feindesliebe auch auf Amalek bezieht? War Haman (der Typos des Judenfeindes im Buch Esther) als Agagiter ein Amalekiter (vgl. Num 247, 1 Sam 158 und Est 83)?
Ist nicht die Geschichte der raf und die der in jeder Hinsicht mißlungenen „Auseinandersetzung“ mit ihr, eine zwangsläufige Folge der mißlungenen Aufarbeitung der Geschichte der größten terroristischen Vereinigung, die es je in diesem Lande gegeben hat: des Nationalsozialismus?
Hatte nicht Jutta Ditfurth recht: der Staat braucht seine Terroristen; nur das reicht heute nicht mehr: er braucht auch die den Staat und seine „Leistungen“ mißbrauchenden Armen und Fremden, während der Gewaltmißbrauch des Staates in jeglicher Hinsicht, Justiz, Polizei und Militär eingeschlossen, im Dunkeln gehalten wird. Die Gefahr liegt darin, daß dem ein sehr breites und tiefes Rechtfertigungs- und Projektionsbedürfnis in der Bevölkerung entgegenkommt.
Heute berufen sich die, die gegen alle Ehebrecherinnen die Steine werfen, auf das Jesuswort: Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein.
Ist es nicht wirklich beängstigend, und greifen einen nicht Schrecken und Kälte ans Herz,
– wenn die öffentliche Verarbeitung der Vorgänge von Bad Kleinen wieder einmal darauf hinausläuft, daß die, die auf Aufklärung bestehen, Gefahr laufen, als Sympathisanten diffamiert zu werden?
– wenn in einer Talkshow (Talk im Turm am 11.07.) der Tod eines mutmaßlichen Terroristen (Wolfgang Grams) mit dem Tod des GSG-Beamten begründet und gerechtfertigt wird, und keiner der Anwesenden (u.a. Erich Böhme, Gottfried Bernrath, Johannes Gerster, Dagobert Lindlau) die in den Beifallsäußerungen des Publikums lautwerdende Lynch-Gesinnung bemerkt (und schon garnicht beim Namen nennt)?
Sind die meisten Diskussionen heute nicht deshalb so unfruchtbar, weil sie nicht mehr an den Sachen, sondern an Rechtfertigungsproblemen sich entzünden? -
07.07.93
Zu Mt 532 und 199: Hängt diese rigorose Eheauffassung nicht mit der Stellung der Gesamtlehre Jesu zum Weltbegriff (mit dem Prinzip der „Übernahme der Sünden der Welt“) zusammen? Wenn die ganze Schöpfung seufzt und in Wehen liegt: wenn die Frau gleichsam diese ganze Schöpfung vertritt, dann ist in der Tat eine Scheidung nicht mehr möglich. (Daß Paulus ein Christ und ein Theologe war, beweist seine Kosmo-Theologie: die Lehre von den Archonten und der Satz, daß die ganze Schöpfung seufzt und in Wehen liegt. Hängt das nicht zusammen mit der Geschichte von der Befreiung der Maria Magdalena von den sieben unreinen Geistern?)
Hat Jesus etwas mit den „Sünden der Mutter“ und der „Schuld der Väter“ zu tun? Bezieht sich die Übernahme der Sünden der Welt auf die Sünden der Mutter (vgl. die problematischen Beziehungen Jesu zu seiner Mutter, die jedoch selber „alles, was geschehen war, in ihrem Herzen bewahrte“), und ist das Verschwinden Josefs und seine Hypostasierung des Vaters darin begründet?
Hängt das Trinken des Kelchs mit der „Schuld des Vaters“ zusammen?
Zu Joh 129 vergleiche Jes 537.12.
Die Zweideutigkeit des konziliaren Aggiornamento ist vor allem in Deutschland wahrzunehmen: Anstatt für die prophetische Aktualität hat die deutsche Theologie sich für die Anpassung an die Welt entschieden. Ist nicht die entsetzliche Verwirrung insbesondere in der katholischen Theologie ein Produkt der Übermacht der Welt, vor dem sie jetzt kapituliert hat?
Weshalb unsere Justiz auf dem rechten Auge blind ist: Der Exkulpationsdruck, der sich des Staats bedient, um die Schuld verdrängen zu können, mit der niemand mehr glaubt leben zu können, ist das Energiepotential, das das Strafbedürfnis erzeugt und sein Maß bestimmt, das heute zugleich in Haß gegen die Linke und gegen die Fremden explodiert. Die Justiz gehört zu den Abfuhrinstanzen dieses Exkulpationsdrucks, sie löst ihn nicht auf.
Hat dieser Exkulpationsdruck nicht etwas zu tun mit der Schuld der Väter und den Sünden der Mutter? Zu den Mechanismen seiner Erzeugung und Verwertung gehört das sprachliche Element und die Sprachgeschichte der Bildung des Neutrums (des ne-utrum als Entlastung von der Schuld der Väter und den Sünden der Mutter). Diese Geschichte hängt zusammen mit der des Ursprungs des Weltbegriffs, der Philosophie und des Rechts, sie wurde mit einer Theologie abgesichert, zu der essentiell die Christologie, die Opfertheologie, das Konzept der Schöpfung (und Entsühnung) der Welt gehört.
Der Sündenfall, das Substantiv und die Geschlechter der Nomen: Ist im Begriff des Substantivs nicht das Bewußtsein erreicht, daß die Substanz (das substare) ein Produkt der projektiven Gewalt (Struktur) des Denkens ist, ist der Staub (aus dem Adam gemacht ist und zu dem er wieder werden wird, und den die Schlange frißt) das Substrat der Neutrumsbildung? Damit hängt es zusammen, wenn der Objektbegriff die benennende Kraft der Sprache zerstört, den Namen zum Begriff neutralisiert.
Gibt es einen sprachlichen Zusammenhang zwischen bereschit und berith, bara, Abraham und den Hebräern, und den Barbaren?
„Möget ihr, in der Liebe festgewurzelt und gegründet, fähig werden, mit allen Geheiligten zu begreifen, was es ist um die Breite und Länge, die Höhe und Tiefe der Liebe Christi, um sie zu erkennen, die erhaben ist über alle Erkenntnis, damit ihr die ganze Gottesfülle mit ihrem Reichtum in euch erfahret.“ (Eph 317ff) Ist in dieser Raummetaphorik nicht die vollständige Umkehr angesprochen? Aber ist die Metapher der Höhe und Tiefe nicht obsolet geworden durch ihr restloses Aufgehen in die Herrschaftsmetaphorik (zu der es nach der kantischen Lehre von der Form der äußeren Anschauung fast keine Alternative mehr gibt)? Sie wäre aufzulösen nur noch im Kontext einer herrschaftskritischen Theologie: der Kritik des Weltbegriffs und des Begriffs. Vergleiche hierzu den Baaderschen Hinweis auf den Zusammenhang von Hochmut und Niedertracht, sowie den Begriff der Empörung im Zusammenhang der Konstituierung des moralischen Urteils (was entspricht dieser „Empörung“ im Bereich der theoretischen Vernunft? Gibt es ein Bekenntnis ohne Empörung? Und war es nicht die Selbstverblendung durch Empörung, die das „Bekenntnis des Namens“ zum „Glaubensbekenntnis“ verhext hat: zum Ersatz für die Umkehr? – Wer ist der Fürst dieser Welt?).
Was hat es der Erkenntnis der „Tiefen Satans“ (Off 224, Schreiben an die Gemeinde Thyatira) auf sich?
Begriff und Name sind durch die Idee der Umkehr, objektiv durch die Idee der Auferstehung aufeinander bezogen: durch die Rücknahme des projektiven Elements, durch die Ergänzung der Klugheit der Schlange durch die Arglosigkeit der Tauben, durchs Gebot der Feindesliebe und das Verbot zu richten.
„… und schließlich ist das Ziel erreicht: wenn er Gott, dem Vater, das Reich übergibt, nachdem er jede Herrschaft, jede Gewalt und jede Macht entmachtet hat. Denn er muß herrschen, bis Gott ihm alle Feinde unter die Füße gelegt (Ps 1091) hat. Als letzter Feind aber wird der Tod entmachtet (Jes 258): denn alles hat Er ihm zu Füßen gelegt (Ps 87). Wenn es heißt, alles sei ihm zu Füßen gelegt, dann offenbar alles außer Dem selbst, der ihm alles zu Füßen legte. Wenn ihm aber einmal alles unterworfen ist, dann wird auch der Sohn sich Ihm unterstellen, der ihm alles unterworfen hat. damit Gott alles in allem sei.“ (1 Kor 1524ff) Ist das nicht die genaue Beschreibung dessen, worauf sich das Wort vom Lösen bezieht?
„Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 2540): In den Geringsten seiner Brüder leidet Er; was wir denen tun, das tun wir ihm, damit machen wir uns zu den Tätern der Kreuzigung. Da hilft keine projektive Abfuhr mehr, wie im kirchlichen Antijudaismus (die „Gottesmörder“ sind wir). Von hier her läßt sich präzise begründen, daß das Wort „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ in erster Linie sich auf uns, auf die Kirche bezieht. (Vgl. hierzu den letzten Satz aus dem Buch Jonas: die Antwort auf die Bitte Jesu?)
Zur Logik des Inertialsystems, zur Konstituierung seiner metrischen Struktur, gehören die sogenannten Erhaltungssätze (der Erhaltung der Materie und der Energie). In dieser Logik gründet auch die Einsteinsche Äquivalenzgleichung E = m.c2. Aber dazu gehören auch das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit (ein den Maxwellschen Gleichungen korrespondierender Erhaltungssatz) und die daraus abzuleitenden Konstanten der Mikrophysik: das Plancksche Wirkungsquantum, die elektrische Elementarladung sowie die damit wiederum zusammenhängenden Erhaltungssätze (Parität, Spin etc.). Was hier gleichsam von Natur (unabhängig von der Willkür der Menschen) vorgegeben ist, bedarf im Bereich der Geldwirtschaft des aktiven politischen Handelns, insbesondere die Aufgaben der Geldpolitik: Hier sind die die Gesamtprozesse regulierenden (berechenbar machenden) Erhaltungssätze (Regulierung der Geldmenge, Erhaltung der Geldwertstabilität) nicht naturgegeben, sondern durch geld- (und wirtschafts-) politische Maßnahmen sicherzustellen (die Zentralbanken als Garanten des gesamtwirtschaftlichen Inertialsystems). Die Sicherung dieser „Erhaltungssätze“ ist nur über Wachstumsraten möglich und unterliegen damit den konjunkturzyklischen Prozessen und den tendentiellen gesellschaftlichen Naturkatastrophen der Modernisierungsschübe.
Die Kostenseite des wirtschaftlichen Gesamtprozesses (das projektive Sparen: das „Sparen“ aus den Taschen der anderen) verknüpft die Entstehung des Reichtums zwangslogisch mit der Erzeugung der Armut, und zwar
– über den Druck auf die Welthandelspreise für Rohstoffe (Export der Armut nach draußen) und
– über den Druck auf die Lohnkosten (Rationalisierung, Arbeitslosigkeit, „industrielle Reservearmee“, Kürzung der Sozialausgaben: Reimport der Armut nach innen).
Der Reimport der Armut ist (wie die „politische Stabilität“ in den Ländern, in die die Armut exportiert wird) nur über das Vorurteil abzufangen: durch die Erzeugung des Faschismus (Fremdenhaß und Antisemitismus). -
05.07.93
Der Aktualitätsbezug der Theologie wäre zu begründen aus dem Jesus-Wort „Das Gottesreich ist mitten unter euch“ (hä basileia tou theou entos hymon estin – Lk 1721).
Es gibt keine sprachliche Äußerung, kein Gespräch, ohne Beziehung zur Schuld. Das entlastende Gespräch unterscheidet sich vom befreienden (Philosophie und Wissenschaft von der Prophetie) dadurch, daß es auf den Gebrauch von Projektionen nicht verzichten kann, nur zur Selbstentlastung ihnen ein Höchstmaß an Objektivität zu sichern versucht, die allein der Begriff und die Mathematik ihnen zu geben vermag. Wird nicht die Grenze zwischen beiden Formen der Sprache durch die Todesgrenze des Begriffs und der Mathematik definiert: durchs Gesetz der Objektivation und Verdinglichung (durch Konkretismus und Personalisierung)?
Vergangenheit und Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhang: Zusammenhang von Wissen und Vergangenheit, Begriff und Projektion ins Vergangene, Verdinglichung und Tod (Rosenzweigs „Todesangst“ und die drei „Nichtse“ im Stern der Erlösung).
Wenn Heideggers Fundamentalontologie den Geburtsfehler der Philosophie zu ihrem einzigen Inhalt macht und die Philosophie mit dem Thalesschen „Alles ist Wasser“ beginnt, ist dann nicht die Ontologie das innerphilosophische Äquivalent der Sintflut? Und ist nicht die Philosophie in der von der Philosophie, d.h. vom Begriff und vom Gesetz der Instrumentalisierung überschwemmten Welt das am fünften Tag erschaffene „große Meeresungeheuer“? (Haben das Tier aus dem Wasser und das Tier vom Lande etwas mit Natur und Welt zu tun? Und ist das Tier aus dem Abgrund (Off 118), das war und nicht ist und wieder sein wird (ebd. 178), der in der unbekehrten Kirche überlebende Mythos? – Bedeutung der Dialektik der Aufklärung für die Theologie.)
Wie hängt das Gefallen (lt. Kluge eine Präfigierung von „fallen“ – „und den Menschen ein Wohlgefallen“) mit dem Fall (mit der Assoziation an das Fallen des Würfels, den Zufall) zusammen („Die Welt ist alles, was der Fall ist“)? -
01.07.93
Bezeichnet nicht das liberum arbitrium die Freiheit von Privateigentümern (die freie Verfügbarkeit über das Eigentum und die freie Wahl der Ziele und der Mittel), und gründet diese Freiheitsvorstellung nicht in den (drei) „Freiheits“-graden des Raumes?
Waren die alten Schriftsprachen Alltagssprachen, gesprochene Sprachen? Unverkennbar ist im Hebräischen wie im Griechischen und Latein das konstruktive, systematische Element, etwas, das eher an die Rationalität der Technik als an das, was die Moderne Empfindung, Gefühl, Emotion nennt, erinnert und in erheblichem Umfange als künstlich erfahren wird. Die Flexionen (Konjugation und Deklination), die je nach Kontext unterschiedlich sich auskristallisieren, sind gleichsam Formen der technischen Durchorganisation, und deren Medium waren die Elemente der Artikulation (die in der Schrift sich vergegenständlichenden Konsonanten und später auch Vokale) und dann die Prä- und Suffixe (die Nachfolger der sumerischen „Determinanten“: War insbesondere die sumerische außer in Verwaltung und Religion je eine gesprochene Sprache?). Je nach Kontext: Kann es sein, daß in der strukturell (und nicht biologisch-genetisch, gar rassisch) begründeten Unterscheidung der semitischen von den indogermanischen Sprachen unterschiedliche Stellungen zur Objektivität sich ausdrücken, die in der frühgeschichtlichen Gesellschaftsgeschichte (Ursprung der Städte, der Religion und des Opferwesens, des Königtums und der Geldwirtschaft) ihre Wurzeln haben und insbesondere in der Differenz von Philosophie und Prophetie erkennbar werden? Sind die Geschichten von der Sintflut und vom Turmbau von Babel nicht Hinweise hierauf?
Ist nicht die Stadt die Keimzelle sowohl des Privateigentums und der Geldwirtschaft als auch der Sprachentwicklung, und ist beides nicht zusammengefaßt in dem Symbol des Turmbaus zu Babel?
Bezeichnet im bereschit bara elohim et haschamajim we’et ha’arez das schamajim den Konstruktionsraum der Sprache (nicht zufällig ist mit dem Verschwinden des Himmels auch die benennende Kraft der Sprache erloschen)? Und gewinnt nicht vor diesem Hintergrund das Wort am Ende des Buches Jona von den Menschen, die Rechts und Links nicht unterscheiden können, eine ungeheure Bedeutung; verleiht sie nicht dem „Raumproblem“ überhaupt erst sein metaphysisches Gewicht?
schamajim oder die Sintflut und der brennende Dornbusch: das Desiderat einer Theorie des Feuers (Dornen und Disteln, das Jesus-Wort „Ich bin gekommen, Feuer vom Himmel zu bringen“, die indogermanischen und die semitischen Sprachen).
Im Namen des Himmels verbinden sich nach kabbalistsicher Tradition das Wasser und das Feuer. Nach der Sintflut: next time fire. Gibt es eine Beziehung des Feuers zum Blut und zur Scham? Sind nicht die Übernahme der Sünde der Welt und die Aufopferung der Sünde andere Bezeichnungen für das Feuer (daß Jesus vom Himmel bringen wollte, und er wollte, es brennte schon)?
Ist nicht die Sintflut die Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit, und das Feuer die Erinnerung an die vergangene Zukunft? Im Feuer verbrennt die Sünde der Welt, wird die vergangene Zukunft befreit. So steht das Feuer in Beziehung zur Idee der Auferstehung der Toten (nur unter dem Bild des Wassers sind die Toten tot). Welche Bedeutung hat der Regenbogen nach der Sintflut?
Gibt es einen Zusammenhang der deutschen Namen Himmel und Gott mit den hebräischen Namen der Himmel und Gottes (schamjim, Elohim und JHWH)?
Wenn die Sprache die Morgengabe des Schöpfers an die Schöpfung ist, ist dann darin nicht die Idee der Auferstehung bereits mit einbegriffen?
Hodie, si vocem ejus audieritis: Hat nicht das Hören etwas mit dem Feuer zu tun? – So wie das Sehen mit dem Licht: Im Licht durchdringt das Feuer die Vergangenheit und ihre Finsternis. Im Bogen erscheint der farbige Rand der Grenze von Licht und Finsternis. (Sind nicht die schwarzen Objekte der Physik allesamt realsymbolische Objekte: von der Materie über die die Strahlung des „schwarzen Hohlraums“ bis zu den „Schwarzen Löchern“ der Astronomie, beides Reflexionsbestimmungen des Dunkels im Begriff der Materie, Stufen des projektiven Elements in der Physik, vergleichbar den „Stufen“ in der Entwicklung der drei Leugnungen Petri?)
Kann es sein, daß die von Weizsäckersche Formel für die Energiebilanz der Sonne die richtige Frage ans falsche Objekt stellt: Geht es nicht eigentlich um die „Energiebilanz“ der schwarzen Strahlung und der Schwarzen Löcher?
Im Unterschied zur christlichen war mit der jüdischen und dann der rabbinischen Tradition kein Staat zu machen (mit dem empirischen Beweis durch Sabbatai Zwi).
Erst mit der „Überwindung des Mythos“, mit der Verinnerlichung der Schicksalsidee und des Opfers wurde das technische Konzept, das Konzept der Instrumentalisierung, (von der Philosophie und dem Recht über das Dogma bis zu den Naturwissenschaften) nach draußen verlagert. Den Opfern darußen entsprach die technische Durchorganisation der Sprache, der Verinnerlichung des Opfers die Instrumentalisierung der Welt.
Die arrogante Bescheidenheit der katholischen Theologie (vgl. den neuen Katechismus).
Hat das Rosenzweigsche dreifache Nichts etwas mit der Form des Raumes, mit der Form der Beziehungen der Dimensionen im Raum, zu tun, und gründet die Beziehung des Nichts zum Tode im Konstrukt des Inertialsystems als Todesgrenze? Ist nicht die tote Materie die von uns „fertiggemachte“ Materie (fertiggemacht in dem Sinne, wie ein Ausbilder beim Kommiß einen Rekruten, der sich herausnimmt, selber zu denken, „fertigmacht“: aber ist dieses „Fertigmachen“ nicht der Kristallisationskern aller hierarchischen System, vom Kommiß über die Verwaltungen bis hin zu den Kirchen)?
Die Theologie unterscheidet sich von den Wissenschaft (wie die Prophetie von der Philosophie) dadurch, daß für sie die Vergangenheit nicht nur vergangen ist; Voraussetzung der Wissenschaft ist hingegen die verewigte Herrschaft der Vergangenheit über die Zukunft oder der Weltbegriff. Deshalb kann es eine Theologie, die diesen Namen verdient, ohne Erinnerungsarbeit nicht geben. Sie beantwortet die Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit mit der Erinnerung der vergangenen Zukunft (Kritik des Raumes und des Weltbegriffs). Schon für Kant war die Frage, „if the future will be like the past“ (die heute jeden Theologen ins Grübeln, wenn nicht in Melancholie versetzen müßte), keine nur empirische Frage. Im Kontext eines Begriffs der Vergangenheit, der deren Unveränderlichkeit mit einschließt, und d.h. im Kontext des modernen Naturbegriffs gibt es keine Entsprechung mehr für die Idee der göttlichen Gerechtigkeit.
Der Weltbegriff macht das Prinzip, wonach die Zukunft wie die Vergangenheit sein wird, zum Apriori der Erkenntnis: Ist das Gesehenwerden der Statthalter der Zukunft im Raum (der Blick der Schlange und der Blick des Hundes)? -
02.07.93
Zum Titel Staatsanwalt: Als „öffentlicher Ankläger“ wäre der Staatsanwalt für sich und nach außen für sein Handeln (Ermittlung und Beweiserhebung) verantwortlich, müßte er die Anklage als Person vertreten, als Staatsanwalt ist er Anwalt des Staates, nur dem Staat, der ihm die Schuld der Anklage und die Last des Subjektseins, der persönlichen Verantwortung abnimmt, verpflichtet. Nicht er ermittelt mehr, sondern durch ihn hindurch der Staat. Dem entspricht mittlerweile deutsche Verwaltungspraxis generell: Das Ich eines Referenten in einem deutschen Ministerium ist nicht der Referent selbst, sondern der Minister.
Am ersten Tag hat Gott das Licht und nicht das elektromagnetische Feld und den Korpuskel-Welle-Dualismus erschaffen.
Grund jeglicher Scham ist das Sich im Anblick der Anderen Wahrnehmen. Ihr Kernsatz ist der Satz aus der hegelschen Logik: Das Eine ist das Andere des Andern. Das Substrat der Scham ist der objektive Grund der Reflexionsbegriffe, deren Geltung ist die Grundlage der Scham: Die Form des Raumes ist das objektivierte Gesetz der Scham (ein Produkt der Verdinglichung und Instrumentalisierung der Scham).
Steckt nicht in den drei Begriffen Umkehr, Gottesfurcht und Nachfolge – und zwar genau in dieser Reihenfolge – die ganze Trinitätslehre?
Die Trennung des Symbolischen vom Realen (z.B. in dem augustinischen „ad litteram“) ist der Grund der Trennung des Bekenntnisbegriffs von dem der Erkenntnis.
Das Instrument, gleichsam das Schwert, das den Knoten durchschlägt anstatt ihn aufzulösen, ist der Weltbegriff (und dieser das „kreisende Flammenschwert“ des Cherubs, der den Eingang des Paradieses bewacht). Der Weltbegriff schneidet die Sprache von ihrer metaphorischen Wurzel ab, er zerstört die benennende Kraft der Sprache, er ist der Grund des Nominalismus. Auf diesen Bereich, auf das Konzept der kritischen Auflösung des Weltbegriffs, bezieht sich das der Erinnerungsarbeit zugrunde liegende Erkenntnisprogramm, Anwendung des Prinzips „nichts Vergangenes ist nur vergangen“, und das Wort vom Lösen.
Das Wissen bezieht sich auf den Primat der Vergangenheit: Gewußt wird nur das Vergangene (und das Zukünftige nur, soweit es unter die Vergangenheit sich subsumieren läßt); der Glaube unterliegt dem Primat der Zukunft: er bezeichnet real sowohl die Treue zu den göttlichen Verheißungen als auch das homologein, die Nachfolge, die Umkehr und die Gottesfurcht (und nicht das Bekenntnis, das sich der Subsumtion des Glaubens unter das Gesetz des Wissens: unter die Form der Vergangenheit verdankt, und in dieser historischen Folge die Umkehr, die Gottesfurcht und die Nachfolge leugnet).
Zur Ermittlung dessen, was mit den Sumerern bezeichnet wird, den Namen der Chaldäer auflisten.
Gehört es nicht zu den verhängnisvollen Wirkungen der paulinischen Theologie, daß sie das prophetische Element im Gesetz unkenntlich gemacht hat?
Symbol und Allegorie: Die Allegorie ist in der Auseinandersetzung mit der heidnischen Götterwelt entsprungen, sie ist selber dadurch der Remythisierung verfallen: die urallegorische Gestalt ist in der Tat der Teufel. Und durch die Allegorie wurde das Symbol selber verhext. Waren nicht die von der Allegorie beherrschten Zeitalter immer auch Zeitalter der Verfinsterung des Symbols zur Orthodoxie? Das Symbolon lebt vom Bewußtseins des Bruchs, und wichtig sind die Bruchstellen: an ihnen wird sich die Wahrheit des Symbols erweisen. Als symbolische Gestalt der Wahrheit ist das Symbolon eben kein „Bekenntnis“; dazu wird es erst als Dogma im Kontext der Orthodoxie.
Nochmal zur Unterscheidung von Symbol und Allegorie: Die Allegorie ist eine Folge der Hellenisierung der Theologie, der philosophischen Logos-Spekulationen; sie ist an den Begriff gebunden. Das Symbol hingegen bezieht sich auf die Rückbeziehung des Logos zum Namen, seine Befreiung aus der Verstrickung in den Begriff; seinen Grund, seine Wurzel hat das Symbol in der benennenden Kraft der Sprache. – Aber was hat es dann mit der idealistischen Symboltheorie auf sich? -
30.06.93
Hat nicht die Unkenntnis des Blutsymbols, die Verwendung des Begriff „ad litteram“ und die Unfähgkeit zu Kritik des Weltbegriffs und in diesem Falle der Naturwissenschaften (die Rückprojektion unseres heutigen Bewußtseinsstandes in die frühe Christenheit), die Opfertheologie und das Dogma insgesamt verhext?
Die Natur ist die aufgedeckte Blöße der Welt, und die Materie die Scham.
Klingt nicht in dem paradiesischen „Sie waren nackt und sie schämten sich nicht“ die Verklärung an (der Stand vor der Verblendung durch Materie)? Steckt darin wie in dem anderen Satz „Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten, daß sie nackt waren“ nicht die Geschichte des Ursprungs der Materie?
Sind nicht die subjektiven Formen der Anschauung Fixierungen aufs Sehen und die Abstraktion vom Gesehenwerden (Grund des Prinzips: man darf alles, sich nur nicht erwischen lassen)? Die Abstraktion vom Gesehenwerden drückt sich selbst wieder in der Form der inneren Anschauung aus. Hier ist der Zusammenhang mit der Schicksalsidee begründet (Verinnerlichung des Schicksals als Grund des begrifflichen Denkens). Der Begriff der Materie bezeichnet die auf dem Sehen auf der Objektseite korrespondierende Scham. Die Heußsche „Kollektivscham“ hat nicht nur die Aufarbeitung der Vergangenheit blockiert, sie hat die Deutschen in die schicksalhafte Beziehung zur Welt, zum „Ausland“ gebracht, dagegen der Rechtsradikalismus heute so vergeblich wie selbstzerstörerisch aufbegehrt. Und kein Zweifel: Es gibt eine lustvolle Scham, wobei die Lust daher rührt, daß die Scham den Sich Schämenden von Schuldgefühlen befreit, indem es ihn von dem Subjektsein befreit, das den Schuldgefühlen zugrunde liegt. So ist die Scham der Keim des moralischen Trägheitsprinzips. Die Scham macht namenlos („Oh, wie gut, daß niemand weiß, …“), man begibt sich in der Scham außer Reichweite des Hörens.
Ein Papst, der Galilei rehabilitiert und der Inquisition guten Glauben bescheinigt, kann natürlich auch einen Pinochet seiner Freundschaft versichern (FR heute).
Eine Kirche, die sich so in ihrem Schuldverschubsystem verfangen hat, daß sie selber zur Schuldreflexion unfähig geworden ist, ist der Greuel am heiligen Ort.
Entspricht nicht die Beziehung von Kaninchen und Schlange in mancher Beziehung der des Hundes zum Mond: Gibt es diesen bannenden Blick der Schlange, und hat er etwas mit dem berüchtigten Blick Hitlers zu tun?
Während Seiters, Rühe, Hintze, auch Kinkel und Rexroth so aussehen, als könnten sie einen nicht anblicken, hat Schäuble den stechenden Blick.
Beelzebul, der Herr der Fliegen: Verhalten sich nicht die Insekten (Ursprung des Namens der Insekten?) zu den Blüten wie das Inertialsystem zum Licht und zur Materie? Sind die Insekten gleichsam lebendige Verkörperungen des Inertialsystems (ähnlich wie vielleicht die Dornen und Disteln und die Hörner der jüdischen Opfertiere)?
Sind nicht generell die symbiotischen Systeme in der Natur Repräsentanten der Doppelnatur des Lichts?
Bei Elisa (2 Kön?) steht die Geschichte von der Frau, die nach dem Tode ihres Mannes ihre Kinder in Schuldknechtschaft geben muß.
Ist nicht die Geldwirtschaft insgesamt ein System der Schuldknechtschaft, die sich auf die Naturwissenschaft bezieht wie die Trunkenheit Noes auf das Aufdecken der Blöße durch Ham.
Die in der Simson-Geschichte immer wiederkehrende Wendung „Da überkam ihn der Geist Gottes …“ ist sowohl komisch als auch ein noch aufzuklärender Hinweis auf die Beziehung des Geistes Gottes zu den Grundlagen der Gewalt, zu ihrem Naturgrund.
Die Welt ist das fensterlose Haus der Monade: die Isolationshaft des Subjekts. Nur die Kritik des Begriffs und die Wiedergewinnung der benennenden Kraft der Sprache führen heraus. Das „qui tollit peccata mundi“ ist das Ausbruchswerkzeug.
Der Antisemitismus (und sein kirchliches Pendant, der Antijudaismus) ist ein Versuch, sich die prophetische Kritik vom Leibe zu halten, der Verpflichtung des Votums für die Armen und die Fremden sich zu entziehen.
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