Die Trinitätslehre gehört zu den Konstituentien des Weltbegriffs (des Objektivations- und Instrumentaliserungsprozesses).
Im orthos im Begriff der Orthodoxie steckt der gleiche Abstraktionsmechanismus, dem auch der Begriff der Orthogonalität sich verdankt. Damit hängt es zusammen, wenn die Geschichte der Orthodoxie sich als die Geschichte der drei Leugnungen begreifen läßt.
Das metaphorische Element, in dem die benennende Kraft der Sprache gründet, ist im griechischen Mythos, und zwar bereits in seinem Ursprung, im Bilde des Labyrinths (mit dem Minothaurus im Zentrum) vorgestellt worden. In der Metaphorik kann man sich wie im Labyrinth verirren. In der Philosophie wurde dieses Labyrinth von seiner metaphorischen Wurzel abgeschnitten und als Logik des Begriffs (der Begründung und der Reflexion) spiritualisiert. Hier gründet die Verführungskraft der (von ihren Wurzeln in der Schrift abgehobenen) Trinitätslehre. Die Welt des Mythos und der logische Zusammenhang der Philosophie sind zwei Seiten ein und derselben Sache.
Ist nicht die Sintflut und das „Alles ist Wasser“ beim Thales ein Symbol für den Ursprung des Weltbegriffs (mit dem das Ich die Schöpfung überflutet), und die Arche schon ein Prototyp des Turms von Babel?
Der Weltbegriff bezeichnet die Wände der Monade, der Naturbegriff die Spiegelung des Außen im Innern der fensterlosen Monade.
In ihren wesentlichen Gestalten ist die Philosophie ein Versuch des Auftauchens aus dem Meer des Vergessens, in dem das Leben der Gesellschaft sich bewegt. Steckt nicht in diesem Satz die Auflösung des Rätsels der großen Meerestiere?
Der Zusammenhang von Phylogenese und Ontogenese gilt auch für die Sprache und das Bewußtsein. Das Vergangene ist nicht nur vergangen, es steckt noch in uns drin.
Laßt die Toten ihre Toten begraben: In der Geschichtsforschung begraben die Toten die Toten; aber wird so nicht die Auferstehung vorbereitet? Eine Kirche, die an die Auferstehung der Toten glaubt, muß auch die Verantwortung für ihre eigene Vergangenheit übernehmen.
Ist nicht das Modell jenes augustinischen Konstrukts, wonach zum Glück der Seligen im Himmel der Anblick der Leiden der Verdammten in der Hölle dazugehört, die Beziehung von Reichtum und Armut: Zum „Glück“ der Reichen gehört das (unerträgliche und deshalb seit dem Ursprung des bürgerlichen Bewußtseins verdrängte) Bewußtsein der Leiden der Armen (das real ebenso unabänderlich ist wie nach kirchlicher Lehre das Leiden der Verdammten in der Hölle), denn diese Leiden sind die Quellen seines Reichtums, und er genießt sie zusammen mit seinem Reichtum. Verarbeitet wurde dieses Syndrom in der Opfertheologie, in der entsetzlich entstellten kirchlichen Rezeption von Joh 129. Hilft dagegen nicht die ungeheuerlich Wendung im Hebräerbrief (928 im Zusammenhang mit 104 und 11?
Zu Brot und Wein (Melchisedech):
– das Brot vom Himmel, die ungesäuerten Brote und das Gleichnis vom Sauerteig;
– die Beziehung des Weins zur Blutsymbolik (die noachidischen Gebote und die Trunkheit und die aufgedeckte Blöße Noahs), der Kelch (der Kelch des Neuen Bundes und Gethsemane: „Könnt ihr diesen Kelche trinken?“ und „Vater, wenn es möglich ist, laß diesen Kelch an mir vorüber gehn“, der Taumelkelch und der Becher des göttlichen Zorns, der Becher mit dem Unrat in der Apokalypse), Kelch des Segens und Kelch der Dämonen, Wasser, Wein und Blut.
– Sauerteig und Kelch (Ihr werdet ihn trinken, aber das Sitzen zu meiner Rechten oder meiner Linken habe nicht ich zu vergeben), Brot und Wein: Rechts und Links, Barmherzigkeit und Gericht.
Ist die Materie die Scham der Dinge, gleichsam der Erdboden, in den sie versinken möchten: das Sein wie die anderen? Ein Medium, in dem das Selbstsein als Schuld erfahren wird, dessen man sich schämen muß. Ist das Blut die Scham des Lebendigen, Substanz und Medium des Ursprungs und des Mediums des Schuldzusammenhangs des Lebendigen, Grund des Schicksals? (Wenn das Volk sich als Schicksalsgemeinschaft definiert: ist dann ein Volksstaat denkbar ohne das ius sanguinis?)
Der Blutkreislauf wurde in der gleichen Zeit entdeckt, als auch das heliozentrische System: das Kreisen der Planeten um die Sonne (und damit dem Erkenntnisgrunde nach, das Gravitationsgesetz) entdeckt worden ist. Gibt es eine Beziehung des Blutes zum kreisenden Flammenschwert des Kerubs, der den Eingang des Paradieses bewacht? Hat das Blut etwas mit dem Fall zu tun (ist das Blut das Realsymbol des Falles? Gibt es aus deisem Grund keine Sühne ohne das Blut? Und ist das Opfer der Sünde deshalb das Blutopfer? Denn „fast alle Dinge werden mit Blut gereinigt nach dem Gesetz, und ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung“ (Hebr 922), und „Fleisch und Blut können nicht das Reich Gottes ererben“ (1 Kor 1550).
Liegt nicht eine sehr tiefreichende logische Konsequenz darin, daß im Paradies bemerkt wird, daß die Menschen nackt waren, aber sich nicht schämten, während sie nach dem Sündenfall, nachdem ihnen die Augen aufgingen, „erkannten“, daß sie nackt waren: Die Scham selbst wird nicht mehr genannt; sie steckte in dieser „Erkenntnis“.
Ochs und Esel: Der Ochs kennt seinen Eigner, der Esel die Krippe seines Herrn (Jes 13). Was unterscheidet den Eigner vom Herrn? Der Ochse wird ins Joch gespannt und zieht den Ochsenkarren, dem Esel wird die Last aufgebürdet.
Läßt sich der Satz „Man soll dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden“ (Deut 254 und 1 Kor 99) nicht auf den „Umbau des Sozialstaats“ beziehen?
Sind die Billardkugeln, das gegenständliche Paradigma der mechanischen Stoßprozesse, nicht die neutralisierten Bücke des mythischen Zeitalters?
Zur Logik des Raumes: Wir nutzen die verdinglichende, objektivierende und instrumentalisierende Gewalt des Raumes, sind aber unfähig, das in den Beziehungen der Dimensionen versteckte Moment der Reflexion (das Rätsel der Reversibilität und Orthogonalität der Richtungen im Raum) zu begreifen, genauer: wir verdrängen es.
Die mathematische Form des Raumes verdankt sich der Abstraktion von jenem Zeitmoment, das am Ende der Geschichte der Physik im Prinzip der Konstanz der Lichtsgeschwindigkeit gleichsam zwangserinnert wird.
Das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit klärt die Beziehung von Rechts und Links, von Wein und Brot, von Griechisch und Hebräisch.
Marx, Freud und Einstein: das Geld, das Bekenntnis und der Raum, oder Armut, Keuschheit und Gehorsam. (Die Physik ist nicht der Kloß im Hals, sondern der Stöpsel im Ohr.)
War nicht die Verklärung auf dem Berge Tabor die Antizipation des vollendeten Werks des Opfers der Sünde? Und hier wollte Petrus drei Hütten bauen: dem Moses eine, dem Elias eine und Jesus eine.
Naturwissenschaft
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29.06.93
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27.06.93
Merkwürdige Bileams-Geschichte: Die Verführung durch die moabitischen Frauen: Essen von Götzenopferfleisch und Unzucht (Off 214, vgl. dazu Num 22-24, und 251-3, 318,16, Jos 1322 u.a., 1 Kor 7-10, 2 Petr 215, Jud 111). Besteht ein Zusammenhang mit der anderen Bileams-Geschichte: mit der Weigerung, den Fluch über Israel zu sprechen (und der Rolle des Esels und des Engels in dieser Geschichte)? Gibt es eine Beziehung zur Ruth-Geschichte, die auch eine Moabiterin war, dann in den Stammbaum Davids und Jesu hineingekommen ist
Sind nicht bei den Bewegungen im Raum zu unterscheiden:
– die reine Trägheitsbewegung, die von der Seite gesehen wird (Rechts und Links),
– die Bewegung auf uns zu und von uns weg (im Angesicht und hinter dem Rücken), die uns als Größer- bzw. Kleinerwerden des Objekts erscheint, und auf die wohl primär das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit sich bezieht (vgl. den Doppler-Effekt), und
– die Fallbewegung (Oben und Unten).
Im Inertialsystem wird die Seitensicht zur Totalen gemacht.
Hat die Geschichte von den drei Leugnungen nicht auch die Bedeutung, daß sie das perspektivische Moment in der Wahrheit hervorhebt, ihre Beziehung zur Reflexion, wobei die dritte Leugnung das Ende der Fallbewegung bezeichnet (den Fall als Grund der Reflexion in die Reflexion mit einbezieht). Aber steht das nicht auch in Beziehung zur Geschichte des Nominalismus, daß diese letzte Stufe, die die der sogenannten Postmoderne ist, das Konzept der Moderne in der Tat destruiert. Dagegen an der Moderne festhalten begründet einen neuen Dogmatismus und führt in die „Neue Unübersichtlichkeit“. Anders als bei Hegel, bei dem die Natur den Begriff nicht halten kann, kann hier der Begriff sein Objekt nicht mehr halten.
Zum Begriff der Welt-Religion: War nicht die christliche Mission, ähnlich wie die islamischen Eroberungen, ein Versuch, das, was wir heute Natur-Religionen nennen, gleichsam auf Welt-Niveau zu heben (die Einheit der Welt durchzusetzen: deshalb war die Mission vom Kolonialismus nicht zu trennen und diese Durchsetzung der Einheit der Welt der Beginn ihrer Selbstzerstörung)?
Wäre es nicht ein fantastisches Programm, die Geschichte der Menschheit insgesamt als Sprachgeschichte zu begreifen (Voraussetzung wäre es, zu begreifen, daß die alten Schriftsprachen alle Kunstsprachen waren, insbesondere das Hebräische, das Griechische und das Lateinische, während erst die modernen Sprachen gesprochene Sprachen, und zwar erstmals reflexions- und deshalb literaturfähige gewordene gesprochene Sprachen sind)? Die Konstruktionsprinzipien der Sprachen sind alle Ausdruck des historischen Prozesses.
Die Geschichte der Mode als eine Geschichte der Scham begreifen.
Zwischentitel:
– Joh 129,
– der kantische Versuch der Definition des Natur- und Weltbegriffs,
– der Weltbegriff und die Bekenntnislogik, die Natur und das Dogma;
– im Angesicht und Hinter dem Rücken;
– die Logik des Raumes (die Logik der Rückkoppelung, selbstreferentielle Strukturen; das Geld und das Bekenntnis; Trinitätslehre und Opfertheologie);
– Maria Magdalena,
– die sieben Siegel der Offenbarung,
– Hören und Sehen,
– der Haß der Welt,
– Rechts und Links,
– alles ist Wasser: Thales und die Sintflut,
– Turmbau zu Babel,
– und es ward Licht,
– als Mann und Weib schuf er sie,
– die drei Leugnungen Petri,
– das Substantiv und der Name,
(bleibt fortzusetzen). -
26.06.93
Mit dem Weltbegriff wurde die Herrschaft der Vergangenheit über die Zukunft etabliert, damit die Quelle des Fortschritts eröffnet und die Erinnerungsfähigkeit domestiziert (abgeschnitten). In diese Geschichte ist das Christentum als Lehre und als Institution solange unheilbar verstrickt, wie es seine eigene Vergangenheit, nämlich die jüdische Tradition, nur in der durchs Dogma entstellten, antijudaistischen Gestalt erinnert.
Bezieht sich das zweite bara in der Schöpfungsgeschichte (die Erschaffung der großen Seeungeheuer) auf den Staat?
Ist die Metzsche Ersetzung der Sensibilität durch die Empfindlichkeit nicht ein Anpassungseffekt?
Die Erweckungsgeschichten: der Jüngling von Naim, die Tochter des Jairus und Lazarus.
Der Begriff der Gesellschaftskritik hatte auch ein Stück Exkulpations- und Alibifunktion: Schuldig waren die, die sich mit dieser Gesellschaft identifizierten, sie repräsentierten; der Gesellschaftskritiker war (wie generell der Empörte) durch seine Kritik (Empörung) ausgewiesen als einer, der der Schuld enthoben war. Auf die Änderung kam es schon gar nicht mehr an.
War nicht die Enttäuschung der Parusieerwartung durch ihre Folgen (durch einen selbstreferentiellen Rückkoppelungseffekt) selber eine der Ursachen der Verzögerung, des Ausbleibens der Parusie? War sie nicht selber ein Teil der Parusieblockade? Und ist nicht das Dogma der Felsen, in den das Grab gehauen war, und der Stein vor dem Grab? Aber am Ende wird sich erweisen, daß das Grab leer ist. Als Petrus und der andere Jünger (Joh 203ff) zum Grab liefen, war der andere Jünger als erster am Grab, aber Petrus ging als erster hinein.
Ist nicht der Begriff einer Enttäuschung der Parusieerwartung nur ein taktvoller Ausdruck für die Verdrängung der Parusieerwartung, und das etablierte Christentum die Erfüllung einer selffulfilling prophecy? Die Christen haben das letzte Wort am Kreuz umgekehrt: Sie vertrauen auf die Vergebung Gottes, indem sie sich bemühen, nicht mehr zu wissen, was sie tun. Wenn auch der neue Katechismus wieder die Barmherzigkeit Gottes in die Sündenvergebung legt, so apelliert er genau an diesen Mechanismus. Begründet ist das ganze in einem Personalismus, der die Schuld verrechtlicht, sie an das Prinzip der Zurechenbarkeit (und damit ans Prinzip des Beweises) knüpft, und dann nach dem Motto lebt, was die Welt nicht weiß, macht mich nicht heiß.
Der Rechtsradikalismus heute hat seine Wurzeln nicht auf der Bekenntnisebene (im „Rassismus“), sondern auf der Verhaltensebene: in Ritualen und Wiederholungszwängen. Das ist es, was die Linken so irritiert, die selber von der idealistischen Vorstellung, daß das Tun in Vorstellungen und Ideen gründet, nicht mehr loskommen. Der Rechtsradikalismus zeichnet sich dadurch aus, daß er die Bekenntnislogik endlich vom Inhalt des Bekenntnisses gelöst, sie auf ihre Identifikationsfunktion reduziert und so zu einer reinen Verhaltenslogik gemacht, damit aber erstmals analysierbar gemacht hat.
Läßt sich nicht die Kritik des verdinglichenden Denkens und die Kritik des Weltbegriffs aus dem „Richtet nicht …“ herleiten?
Steckt die Beziehung des Glaubens- zum Schuldbekenntnis nicht in dem Schein der Schuldbefreiung (der „Rechtfertigung“) durch den Glauben, in der falschen, weil autoritären Plausibilität der Vorstellung, daß Er, wenn ich Ihn als den Herrn anerkenne, mich dafür lieb haben wird? Hier ist nicht mehr die Tat, sondern wie ich angesehen werde: das Erwischtwerden entscheidend (Problem der Scham). Und geht es nicht genau darum in der Geschichte von den drei Leugnungen: repräsentieren die Umstehenden nicht die Welt, die Ursache der Scham?
Auschwitz ist die Frage an Petrus (die Kirche) vor der dritten Leugnung, und die Kollektivscham (der neue Katechismus, mit dem die Kirche der Kollektivscham ausweglos verfällt) die mit der Selbstverfluchung verbundene dritte Leugnung.
Die Sorge um die Zukunft und die Sorge um den andern gehorchen der gleichen Logik.
Auch das „Liebet eure Feinde“ ist (wie die Umkehr und das „Richtet nicht …“) ein erkenntnistheoretisches Prinzip: Es ist ein Sinnesimplikat der Kritik der Verdinglichung. Der Objektbegriff selber ist Repräsentant des Feindes im Objektivierungsprozeß, der von der Unterwerfung des zum Objekt Gemachten sich nicht trennen läßt. Das Urteil gründet im Schuldzusammenhang und konstituiert ihn zugleich; diesen Zusammenhang erstmals in die Nähe der Erkenntnis gebracht zu haben, ist das große Verdienst der kantischen Transzendentalphilosophie. Das Gebot der Feindesliebe ist nicht zu trennen vom Nachfolgegebot und seiner Begründung in Joh 129, von der „Übernahme der Sünden der Welt“. Die dogmenbegründende Opfertheologie perpetuiert das Feindbild und seine Logik (die Bekenntnislogik, die durch das opfertheologische Konstrukt der „Entsühnung der Welt“ und durch das Opfer der Vernunft das Bekenntnis von der Erkenntnis trennt). Sie hat seit je mehr an den Teufel als an Gott geglaubt.
Ist nicht das lateinische ire (gehen) ein reines Infinitivsuffix? Hat dieses ire etwas mit ira (Zorn) zu tun? Was bedeuten Verben wie dare (geben) und fere (tragen), die das Infinitivsuffix nur an einen Vokal binden? Gibt es nicht auch zu den gestae (Geschehnissen) einen Infinitiv gere?
Nochmal zum Sein:
– Ist nicht auch das esse ein reiner Infinitivsuffix? Dann aber diese merkwürdige Folge sum, es, est, sumus estis, sunt, mit gleichen Stämmen
. in der 1. Pers. sing. und der 1. und 3. Pers. pl. (ich, wir und sie) bzw.
. der 2. und 3. Pers. sing und der 2. Pers. pl. (du, er, sie, es und ihr).
Hat das sum, sumus, sunt etwas mit sumere (nehmen) zu tun, das auf die merkwürdige (instrumentalisierende) Beziehung des Seins zum Eigentumsprinzip verweisen könnte?
– Ist das Griechische einai ein durch das -ai suffigiertes Infinitivsuffix -ein? Gibt es das Suffix -ai auch sonst noch im Griechischen, ist es vielleicht Ausdruck einer Hypostasierung (durch Pluralisierung)?
– Im Deutschen sind die Stammbindungen anders verteilt: bin, bist, ist, sind, seid, sind: Verbunden sind das ich und du, dann die Pluralbildung, während die 3. Pers. sing. (und anders die 3. Pers. pl., die rückwirkend auch die 1. Pers. pl. bestimmt: Selbstobjektivierung des wir!) an die entsprechende lateinische Bildung anklingt.
– Im Englischen ist der Infinitiv von Sein (das to be) von den präsentischen Deklinationsformen getrennt (am, are, is, are, are, are, mit der merkwürdigen Identität aller Pluralformen mit der 2. Pers. sing. – Zusammenhang mit dem to be, der Hypostasierung des Präfixes be-?).
Zur Sprachlogik des „Seins“ vgl. auch die Frage der Perfektbildungen mit den Hilfszeitverben haben und sein (im Englischen nur mit have). Ich habe getan, ich bin gewesen (I have been).
Wird der Ausdruck „(diese) Person“ nur von Frauen über Frauen im diskriminierenden Sinne gebraucht? Bei einem Mann ist ein vergleichbarer Ausdruck „(der) Kerl“. Ist im Falle des Personbegriffs nicht gemeint, daß hier eine Frau sich herausnimmt, Person zu sein, was doch nur einem Mann zusteht? Und drückt darin nicht auch sich aus, daß der Personbegriff sich als Produkt einer Projektion begreifen läßt: als Produkt der Personalisierung; indem ich jemand als Person bezeichne, halte ich ihn für sein Tun rechtlich und moralisch verantwortlich. (Vgl. den theologischen Ursprung und Gebrauch des Personbegriffs in der Theologie: bei Tertullian; Grund der urpatriarchalischen Trinitätslehre?)
Mit herauszuhören ist beim diskriminierenden Gebrauch des Personbegriffs auch der Anklang an die Diskriminierung der Prostitution, die weniger an die Verletzung des Sexualtabus (dann müßte die Diskriminierung sich gegen den Mann richten) als an das Problem der Emanzipation (der aktiven Teilnahme von Frauen am Warenverkehr) erinnert. Ist nicht der diskriminierende Personbegriff ein veralteter Ausdruck für das, was heute „Emanze“ heißt? Und rührt das ganze nicht viel mehr an das Problem der Ehe und deren Verstrickung in den historischen Prozeß (und an die politischen Konnotationen der Sexualmoral bei den Propheten)? Kulminiert dieser Konflikt nicht heute in der Werbung, die nicht nur den Tod verschweigt, sondern jeden Genuß auf den der sexuellen Gewalt reduziert (zurückführt)? Wäre nicht anhand der Werbung (und ihrer Vorform: der Propaganda, deren Begriff kirchlichen Ursprungs ist) zu demonstrieren, was heute Keuschheit heißen müßte, zusammen mit der Reflexion des Sachzwangs: Es gibt keine Massenproduktion (weder von Waren, noch von Christen) ohne Werbung. Die Produkte müssen sich (wie Babylon durch den Turm, wie die Christen seit Antiochien) einen Namen machen. Seitdem kann man sich dem Zwang, in jeder sprachlichen Äußerung nur noch herauszuhören, wofür oder wogegen einer ist (der Erkenntnis des Guten und Bösen), fast nicht mehr entziehen kann.
Merkwürdige Beaobachtung beim Scharping (gestern in der ARD): Was hatte es zu bedeuten, wenn er in der Befragung gestern abend beim Wechsel des Fragenden jedesmal mit einer Wendung des Kopfes reagierte, die auszudrücken schien, welche Mühe es ihm bereitete, sich von der vorhergehenden Frage (und dem Fragenden) zu lösen, um der neuen Frage sich zuwenden zu können?
Im Angesicht Gottes, oder wie hängen Sehen und Hören mit einander zusammen? Sind nicht die Blinden und die Tauben, nur beide mit charakteristischen Differenzen, auch von physiognomischen Wahrnehmungen und Erkenntnissen bestimmt? Die physiognomischen Wahrnehmungen des Blinden und seine Art der Aufmerksamkeit unterscheiden sich signifikant von denen des Tauben: Der Blinde lebt vom natürlichen Vertrauensvorschuß, während der Taube dem paranoiden Mißtrauen nur mit großer Anstrengung sich entziehen kann. Ist nicht die Erfahrung des Hasses der Welt eher ein Sinnesimplikat eher des Hörens als des Sehens? Und muß nicht, wer mit den Augen hören lernen will, durch diesen Haß der Welt hindurch? An diesem Haß der Welt habe ich als Sehender größeren Anteil denn als Hörender; er wird auf den begriffslosen Begriff gebracht durch die subjektive Form der äußeren Anschauung: durch die Form des Raumes. Heute vergeht dem wirklich Sehenden das Hören, dem wirklich Hörenden das Sehen. Aber lernen müßten wir, mit den Augen zu hören und mit den Ohren zu sehen. Steckt nicht das in dem Wort: Wer euch angreift, greift meine Augapfel an.
Hat es nicht doch eine ganz anderen metaphysischen, oder genauer prophetischen Hintergrund, wenn heute die Beziehung der Geschlechter nicht mehr im Kern durch die Ehe, sondern durch den Zustand der Welt (der prophetisch im Bilde der Ehe zu begreifen wäre) definiert werden?
Anhand der Ehe wäre zu demonstrieren, welche Bedeutung die Sakramente einmal für das „Bestehen der Welt“ (im objektiven, logischen, wie im subjektiven, moralischen Sinne) hatten, und welche Kräfte, Zwänge und Notwendigkeit hier wie auch bei der Säkularisation der anderen „Sakramente“, in der Geschichte des modernen Staates, wirkten und zugleich sich entfalteten, freigesetzt wurden (Ursprung der modernen Staatsmetaphysik). Diese Geschichte steht in Wechselwirkung mit dem Ursprung und der Entfaltung des Inertialsystems: Hier wurden die Sakramente zu den Siegeln (mit dem Nationalismus als säkularisierter Eucharistie: vgl. Bölls Sakrament des Büffels), deren Lösung die Apokalypse beschreibt.
Ist nicht die Säkularisierung der sieben Sakramente beschrieben in Geschichte von den sieben unreinen Geistern? Und bezieht sich das Wort vom Binden und Lösen nicht auf diese sieben Sakramente? Welche Bedeutung hat in der Johannes-Apokalypse (108ff) das Essen des Buches (im Munde süß, im Magen bitter)? Gibt es eine Beziehung zum Trinken des Bechers des Zorns? Ist das nicht die letzte Gestalt der Eucharistie? (Vgl. 1 Kor 1125ff)
Was bedeutet das to arnion to esphagmenon (Offb 512, lt. Einheitsübersetzung: das Lamm, das geschlachtet wurde) wörtlich? Ist nicht das im Katechismus zitierte entsetzliche Lumen gentium-Wort von der „liebenden Zustimmung zur Schlachtung des Sohnes“ eine projektive Verarbeitung der Schuld, ohne die das Amt des Papstes nicht mehr zu ertragen wäre? Es reicht nicht mehr, nur Jesus die Schuld der Welt aufzubürden; auch diese Schuld (der Verdrängung, der zwangshaften und vergeblichen Wiederholung des Opfers) muß noch abgewälzt werden auf Maria: So wird sie zur „Mittlerin aller Gnaden“. Da ist das Stabat mater ehrlicher. Gibt es nicht ein herzzerreißendes und steinerweichendes Weinen?
Diese ungeheure Schwammspinner-Johannistrieb-Natursymbolik? Wann begreifen wir’s endlich?
Bezieht sich die Vertreibung der Geldwechsler aus dem Tempel auf das finster gewordene Geheimnis des Bußsakraments?
Hängt der Patriarchalismus des Christentums mit dem Gebrauch des Personbegriffs in der Trinitätslehre zusammen? Welche Bedeutung hatte hier die Übertragung der Theologie aus der griechischen in die lateinische Sprache (Tertullian)? -
19.06.93
Securus adversus deos: Das war der Sinn des Götzendienstes in jeder Gestalt, die Menschen vor dem Angesicht Gottes zu schützen. Aber damit gerieten die Menschen in den Bann des Schicksals, über den sie dann mit dem Begriff und der Idee des Kosmos, der Welt, glaubten sich erheben zu können.
Götterdämmerung: Ist das ein Spezifikum des germanischen Mythos, oder gibt es Entsprechungen dazu in den Mythologien anderer Völker? Sind nicht überhaupt die Weltuntergangsvorstellungen seit dem Mittelalter mehr durch das germanische Erbe als durch christliche Traditionen bestimmt? Dazu: Kann es sein, daß insbesondere die deutsche Sprache (ihre innere Struktur: Deklination und Konjugation, Funktion der bestimmten Artikel und der Großschreibung, Funktion der Prä- und Suffixe usf.) die Logik der indogermanischen Sprache (Futur II, Neutrum, Komparativ und Superlativ) bis zur Selbstzerstörung des Namens, der benennenden Kraft der Sprache (Sprache Kohls) weitergetrieben hat? Und was bedeutet der Name Gott (Vater und Sohn), wodurch unterscheidet er sich von theos, deus (Zeus, Jupiter), Elohim, JHWH u.a.?
Sind nicht die subjektiven Formen der Anschauung der ins Subjekt verlagerte, zum Eisberg gewordene Rest der Himmel? Antizipiert die Trennung der inneren und äußeren Form der Anschauung die Trennung von Feuer und Wasser (Zeit und Raum)? Und ist nicht das Inertialsystem in der Tat der Spott und das Gelächter über die Dinge: das Schweigen Gottes.
Berith und diatheke: Das Testament ist ohne die Lehre von der Auferstehung nicht zu begreifen: Das Erbe ist die Aufhebung der Vergangenheit (der Inbegriff der göttlichen Verheißungen), nicht die Fortexistenz des Vergangenen (die Welt).
Gibt es eine Zusammenstellung der Zitate aus dem AT im NT (sortiert sowohl nach den Stellen des AT wie nach den Fundstellen im NT)?
Zur Bekenntnisfrage: Wenn ich frage, was Jesus davon hat, ob ich ihn als Sohn Gottes bekenne (anerkenne), kann die Antwort nur heißen: Nichts. Aber wie müßte die Antwort lauten, wenn ich frage, was ich davon habe? Führt die Beantwortung dieser Frage nicht auf das finstere Geheimnis der kirchlichen Tradition: die Geschichte des Dogmas als Geschichte der Exkulpationsstrategie und deren Verstrickung in die Herrschaftsgeschichte (auf die Frage nach dem Kelch)?
Theologie im Angesicht Gottes und Aktualität: Ergibt sich der Zusammenhang beider nicht aus der Idee des Ewigen, dem Begriff der Prophetie und dem des parakletischen Denkens (der Gegenwart des Zukünftigen: seiner Befreiung aus dem Bann der Vergangenheit)? -
18.06.93
Kann es sein, daß, wenn auch die Gottesfurcht, die Umkehr und das Nachfolgegebot beim Paulus nicht vorkommen, sie aber dennoch die Grundlage seiner Theologie sind und diese anders nur mißverstanden werden kann? Aber ist dann dieses Mißverständnis nicht die Grundlage der kirchlichen, dogmatischen Bekenntnis-Theologie?
Hat die augustinische Vorstellung, daß zum Glück der Seligen im Himmel der Anblick des Leidens der Verdammten dazugehört, etwas mit dem Hegelschen Satz, daß die bürgerliche Gesellschaft bei all ihrem Reichtum nicht reich genug ist, der Armut und der Erzeugung des Pöbels zu steuern, zu tun? Und weist das nicht darauf hin, daß die Rezeption der paulinischen Theologie von Anfang an durchs Tauschprinzip verhext war? Ist nicht das entsetzliche Mißverständnis der paulinischen Theologie noch eine Schicht tiefer anzusetzen, als Hans-Joachim Schoeps es tut, nämlich als die Verfälschung eines völlig unverständlich gewordenen symbolischen Konstrukts durch den Tauschprinzip-Realismus. Das wäre insbesondere anhand der Christologie und der Opfertheologie zu demonstrieren. Es käme vor allem darauf an, endlich die Kelch- und Blut-Symbolik genauer herauszupräparieren, sie aus der „Metzger-Theologie“ herauszulösen, und endlich von den kannibalischen Aspekten der Eucharistie-Lehre loszukommen.
Zu dem Satz „Ein Fluch Gottes ist der Gepfählte“ gehört auch das Wort vom Zornesbecher und Taumelkelch. Beides hängt mit dem Problem der Scham (der Schande), dem „Hinter dem Rücken“ und der Übernahme der Sünden der Welt zusammen.
Die wirklich gefährlichen Sätze, wonach Sühne nur durch das Blut geleistet werden kann, und daß Erlösung die Reinwaschung durch das Blut einschließt, daß Erlösung (nur?) auf die Vergebung der Sünden abziele (anstatt auf die Rettung der Welt), begründen die ungeheuerlichen Mißverständnisse, von denen die Kirche und ihre Lehre seitdem nicht mehr losgekommen ist.
Durch den Tauschprinzip-Realismus ist das Erlösungskonzept, das etwas ganz anderes meinte: nicht die Erlösung von der „entsühnten“ Welt, sondern die Rettung der Menschen mit der Welt, in ein Herrschaftsinstrument umgewandelt worden.
Der von Schoeps zitierte Satz aus der rabbinischen Tradition, wonach „die Tore der Umkehr … niemals geschlossen“ sein werden (S. 313), ist die jüdische Entsprechung zum dem christlichen „Die Pforten der Hölle werden sie nie überwältigen“.
Die Mathematik erinnert an die Geschichte von Hase und Igel: Die Mathematik ist der Igel, der, wo der Hase auch hinrennt, rufen kann: Ick bün all do. Und der Hase rennt sich die Seele aus dem Leibe. Aber sollten wir nicht doch endlich die Partei des Hasen und nicht die des Igels ergreifen?
Nach Wahlen gab es immer die „Elefanten-Runden“, welche Bezeichnung den Sachverhalt sehr genau traf: Sind nicht Elefanten dickfellig, empfindlich und nachtragend? Aber verstärkt sich heute nicht der zusätzliche Eindruck, daß Kohl immer mehr dazu neigt, sich mit Elefanten-Babys zu umgeben? Eine physiognomische Beurteilung des männlichen Teils des Kabinetts Kohl (die FDP-Minister eingeschlossen) wäre zweifellos vernichtend. Man weiß eigentlich nicht mehr, mit welchen Organen diese Politiker hören (genau so, wie es immer unerfindlicher wird, weshalb Bundestagsdebatten in den Medien übertragen werden).
Der Fehler des Julian Jaynes („Ursprung des Bewußtseins“) liegt darin, daß er das Produkt des entfremdeten Bewußtseins, das Unbewußte, in den Ursprung des Bewußtseins hineinprojiziert, eine Rückkoppelung vornimmt, die so nicht zulässig ist.
Ist nicht das apokalyptische Tier, sind nicht die verschiedenen Gestalten des apokalyptischen Tieres aus sprachlichen Sachverhalten zu rekonstruieren, und zwar genauer aus den Mechanismen der Vergesellschaftung und Instrumentalisierung der Sprache, mit der Mathematik im Kern? Ihr Platzhalter im Subjekt sind die kantischen subjektiven Formen der Anschauung. Die subjektiven Formen der Anschauung gewinnen diese Funktion erst durch die Trennung des Anschauens vom Licht, nach dem Herauspräparieren des Angeschautwerdens aus dem Anschauen, nach dem Herauspräparieren der Scham und der Schuld und deren gegenständliche Neutralisierung im Begriff der Materie: durch die Zerstörung des Angesichts; bezieht sich hierauf nicht das biblische Symbol des Blutes? Das Verbot des Blutvergießens und das des Genießens von Blut meint eigentlich das Verbot, sich jener Paranoia zu überantworten, aus der der Materiebegriff entspringt (Zusammenhang mit dem Naturbegriff und mit dem Gebrauch des Namens der Barbaren). Wer Blut genießt, trinkt vom Taumelbecher des göttlichen Zorns. Hier liegt die Lösung des Rätsels der Genesis der Mordlust. Was der neue Katechismus „bedauerliche Vorkommnisse“ nennt, sind die Folgen davon, daß die Kirche den Kelch getrunken hat.
Der Tauschprinzip-Realismus ist transzendentallogisch in den subjektiven Formen der Anschauung begründet, verstärkt durch die These, daß diese der kritischen Reflexion sich entziehen. Er läuft auf die dann ebenfalls nicht mehr reflektierbare Konsequenz hinaus, daß Umkehr nicht möglich sei, und auf die Leugnung des Satzes, daß die Pforten der Hölle sie (die Kirche) nicht überwältigen werden. Unter dem Gesetz dieses Tauschprinzip-Realismus steht schon das augustinische „ad litteram“. Es steht schon unter dem Gesetz des Nominalismus, der Zerstörung der benennenden Kraft der Sprache.
Wer vor der Gottesfurcht flieht, kann sich aus der Unschuldsfalle nicht mehr retten. Zu Paulus und zur dogmatischen Tradition der Christologie und Opfertheologie: Zu klären wären ihre Beziehungen zur Gottesfurcht, zur Umkehr und zum Nachfolge-Gebot. -
17.06.93
Zu Schoeps, S. 271: Ist Auschwitz das Werk der Engel Elohims?
Es sollte auch in der Kirche endlich zur Kenntnis genommen werden, daß die Kirche in den materiellen Lebensprozeß der Gesellschaft verflochten und nicht darüber erhaben ist (Grundlage dieser Kenntnisnahme ist die Kritik des Weltbegriffs).
Ist die Trinitätslehre, wie sie zuletzt im neuen Katechismus der Kirche wieder vorgestellt wird, nicht eine logische Konsequenz aus der Lehre von der creatio mundi ex nihilo? Die mit der Trinitätslehre verbundene, biblisch jedoch völlig unbegründete Vorstellung eines „innertrinitarischen Prozesses“ als eines „seligen Lebens Gottes in sich selber“ ist Produkt einer zwangsläufigen (vom affirmativen Gebrauch des Weltbegriffs nicht abzulösenden) Ästhetisierung der Theologie (Instrumentalisierung der Gottesidee zum „Gottesbild“), und trägt die damit verbundene Vorstellung der seligen Anschauung Gottes (als Teilnahme und Einbeziehung in diesen „innertrinitarischen Prozeß“) nicht voyeurhafte Züge? Liegt hier die früheste Antizipation des Fernsehens und des Sports: des gegenständlichen Korrelats einer von Schuld und Verantwortung befreiten, dafür nur noch identitätssüchtigen Gesellschaft von Zuschauern, von Massen-Voyeuren? Davon sind die Instrumentalisierung der Sprache und das Geschwätz, deren Zusammenhang mit dem Voyeurhaften (der Fixierung an das Aufdecken der Blöße und der Verstrickung in die Knechtsgesinnung) offenkundig ist, nicht mehr trennen.
Die moderne Astronomie hat uns zu Voyeuren des Kosmos gemacht (Modell der Entpolitisierung der Gesellschaft).
Tauschprinzip und Inertialsystem: Das erste ist tatsächlich ein aktiv an die Dinge herangetragenes Prinzip, das zweite ein System, das sich hinter dem Rücken dieser Tat bildet (und den Täter in seine Verstrickungen mit einbezieht). Beide sind aufeinander bezogen wie das „Richtet nicht“ und das „damit ihr nicht gerichtet werdet“. Das Tauschprinzip war der verborgene Motor der Naturerkenntnis, in deren Rücken sich (mit Beginn der Zivilisation) der Weltbegriff gebildet hat.
Hat die Form des Raumes die Trinitätsspekulationen abgelöst (und neutralisiert)? berith und diatheke sind beides Rechtsbegriffe; der eine begründet die Partnerschaft, der andere die Erbschaft. Hiermit hängen die Differenzen der jüdischen und der christlichen Theologie (und die zentrale Bedeutung der Vater-Sohn-Beziehung in der christlichen Theologie) zusammen. Ist die Testamentsbeziehung (und in ihrem Konstext die Vater-Sohn-Theologie) nicht im Weltbegriff begründet, der selber auf den Begriff des Erbes zurückweist? Die Trinitätslehre (deren Funktion dann die mathematische Form des Raumes übernimmt, die Kant als subjektive Form der Anschauung der transzendentalen Logik insgesamt zugrunde legt) konstituiert die Identität der Welt. Hinweis: Die Form des Raumes, das Geld und das Bekenntnis begründen die Subjekt-Objekt-Identität, sie neutralisieren das Herr-Knecht-Verhältnis und machen sie zu logischen Zentren des Objektivationsprozesses: der Feind-, Verräter- und Patriarchats-Logik.
Die Fähigkeit zur Schuldreflexion und ihre Einbeziehung in den Begriff der Erkenntnis begründet den Aktualitätsbezug, der jede wirkliche theologische Erkenntnis definiert (und u.a. Adornos Begriff einer „eingreifenden Erkenntnis“ begründet).
Auch wenn man das Urteil über die Bedeutung der paulinischen Theologie für den Ursprung und die Geschichte der Kirche offenläßt, bleibt doch festzuhalten, daß die dogmatisch verdinglichte Lehre von der Göttlichkeit Jesu, die aus Paulus herausgelesen worden ist, die wirkliche Erkenntnis und die ungeheure Bedeutung dessen, was hier sich zugetragen hat, eher versperrt. -
16.06.93
Hat nicht das Inertialsystem den Charakter eines Gesellschaftsvertrages, und sind nicht „Tatsachen“ Tatsachen nur innerhalb des Geltungsbereichs dieses Vertrages?
Nicht das Inertialsystem allein, sondern das Inertialsystem, das Gravitationsgesetz und das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit (zusammen mit seinen mikrophysikalischen Metastasen) markieren die Todesgrenze der Erkenntnis und der Vergegenständlichung (Zusammenhang mit der Dreidimensionalität des Raumes und mit dem Verhältnis von Begriff, Erscheinung und Gesetz).
Vertrag und Testament: Partner und Erbe. Von wem stammt der Begriff des Testaments (diatheke) und die Namen des „Alten“ und „Neuen Testaments“? – Von Paulus, sh. 2 Kor 314 (hä palaia diatheke).
Verträge bedürfen des Schwurs (der Anrufung Gottes, der „Religion“), Testamente setzen das Recht voraus (den Staat und den Weltbegriff). Das Recht erweist sich in diesem Zusammenhang als Erbe des Mythos. Der Sohn ist Erbe; sitzt er deshalb zur Rechten des Vaters?
Sind nicht Gottesfurcht, Umkehr und Nachfolge bei Paulus sakramentalisiert und zum Glauben konfessionalisiert worden?
Zu welchem Bedeutungsumfeld gehört, welche Konnotationen hat der Begriff nomos (Brauch, Sitte, Gesetz, wörtlich: Zugeteiltes); und wie verhält er sich zum lateinischen lex (Gesetzesvorschlag, Gesetz, Verordnung, wörtlich: Wortformel)? Gibt es eine Ähnlichkeit mit der Beziehung von physis und natura (Zeugung und Geburt), kosmos und mundus (Schmuck und Gereinigtes)?
Hätte Gott nur „alles, was ist“ erschaffen, wozu brauchte es dann den Glauben, die Hoffnung und die Liebe?
Hat das Prasseln, mit dem Petrus zufolge der Himmel am Ende vergeht (2 Petr 310), etwas mit dem Geräusch, mit dem nach Ezechiel die Gebeine der Toten zusammenrücken, „Bein an Bein“ (Ez 377), zu tun?
Verhalten sich die Schmetterlinge (die Insekten) zu den Blüten wie der Hund zum Mond? Denkmale der Beziehung „von Angesicht zu Angesicht“?
Muß man nicht generell, wie in der Geschichte der Bindung Isaaks, zwischen den Boten Elohims und den Boten JHWH’s unterscheiden? Und waren nicht die Fremden in Sodom Boten JHWH’s (die dann im Hebräer-Brief zitiert werden)? Sind die Herrscharen des Gott Sabaoth Engel Elohims oder Engel JHWH’s? Hat die Versuchung Abrahanms etwas mit der Versuchung Hiobs (und der Ankläger im Hofstaat Gottes etwas mit dem Engel Elohims) zu tun, und diese etwas mit der Versuchung Jesu (und der Teufel etwas mit dem Ankläger)? Und in welcher Beziehung stehen dazu die Kerubim und Seraphim (die Schlangenwesen), und die paulinischen Archonten?
– Abraham heiratet Sara ohne Vermittlung; für Isaak wirbt der Knecht Abrahams um Rebekka; Jakob, der dann den Namen Israel erhält, muß selbst Dienste leisten, um Lea und Rahel zur Frau nehmen zu können.
– Abraham, der Hebräer, lebt als Fremder in Kanaan, in Ägypten und bei den Philistern; und der Pharao und Abimelech begehren seine Frau. Isaak lebt als Fremder in Kanaan und bei den Philistern, und Abimelech begehrt seine Frau. Jakob lebt als Fremder in Kanaan; sein Sohn Josef wird Vertreter des Pharao und holt ihn und seine Söhne nach Ägypten, wo die Israeliten dann zu Sklaven des Pharao werden. -
15.06.93
Der Aktualitätsbezug, das „Heute, wenn ihr seine Stimme hört“, und mit ihm der Begriff des Ewigen wird durch die Rezeption der Philosophie neutralisiert. Theologie im Angesicht Gottes ist nur im Kontext dieses Aktualitätsbezugs möglich. – War nicht die Vergegenständlichung der Theologie: das Konzept einer Theologie, die nur hinter dem Rücken Gottes möglich war, ein Entlastungsversuch, Grund und Folge eines subjektivierten Erlösungsbegriffs, der dann das Verständnis der Auferstehungslehre apriori ausschloß?
Man muß lernen, mit den Augen zu hören und mit den Ohren zu sehen.
Zum Naturbegriff: Kritik der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit durch Wiedergewinnung der vergangenen Zukunft: durch Erinnerungsarbeit.
Die Sünden der Welt auf sich nehmen, das heißt: Sich selbst als Kern einer Aktualität begreifen, durch die die Erkenntnis prophetische Qualität gewinnt. Die Sünden der Welt sind der Grund des Schuldzusammenhangs der Natur.
Historische und prophetische Gleichzeitigkeit unterscheiden: Ursprung und Ende der modernen Aufklärung, der modernen Naturwissenschaften und des modernen Kapitalismus sind mit der Hexenverfolgung und mit Auschwitz nicht nur historisch gleichzeitig.
Der Syrer Naaman sollte siebenmal in den Jordan eintauchen; dann werde er vom Aussatz geheilt. Nach Schoeps wurde Gehazi, der untreue Diener des Elisa, in der jüdischen Tradition als ein Typos des Paulus angesehen!
Was bedeuten die Namen Elisa, Naaman und Gehazi? – „Gott hat geholfen“, „lieblich“, – ? -.
Das Rätsel des Felsens lösen. -
11.06.93
„Wo Es ist, soll Ich werden.“ Das Unbewußte verhält sich zum Bewußtsein wie das Nicht-Ich zum Ich: Es ist Teil eines transzendentalen Systems; es gibt kein Unbewußtes ohne Bewußtsein, kein Es ohne Ich (kein Objekt ohne Begriff, keine Natur ohne Welt). Was beide trennt, hat einen Namen: das Urteil (biblisch: Baum der Erkenntnis). Freuds Aufforderung zieht seine Kraft aus dem, was einmal Umkehr hieß.
Die Beweisführung Julian Jaynes‘ zieht ihre Kraft aus der Zweideutigkeit des Begriffs des Bewußtseins: Er setzt das Unbewußte, daß sie doch erst in der Beziehung zum Bewußtsein (in einer bestimmbaren geschichtlichen Periode) konstituiert, als vom Bewußtsein getrennte Natur, das dann zwangsläufig (wie der Rassismus der Nazis) in der Biologie anzusiedeln ist.
„Wenn die Welt euch haßt“: Der Haß der Welt konstituiert die Natur; so leugnet der Weltbegriff die Schöpfung. Aber der Naturbegriff leugnet die Auferstehung: der Haß der Welt, in dem er sich konstituiert, trifft die Fähigkeit zu hören, auf die die Idee der Auferstehung sich bezieht, tödlich. Der evangelische Rat des Gehorsams, der diese Fähigkeit zu hören (das „Heute, wenn ihr meine Stimme hört“) meinte, ist erst durch die kirchlich-theologische Rezeption des Weltbegriffs (durch den kirchlichen Selbsthaß) zum bloßen Gehorsam, dem christlichen Pendant des Islam, verkommen. Deshalb ist die Idee der Auferstehung grundlos geworden. Aber hier wird erstmals deutlich, worauf sich der Satz von der „Sünde wider den Heiligen Geist“ bezieht: auf die Identifikation mit dem „Haß der Welt“.
Ihr Natursein ist der Grund, weshalb die Schöpfung seufzt und in Wehen liegt.
Der theologische Kompromiß der creatio mundi war keiner, sondern hat die Opferfalle (den Naturbegriff) eröffnet, aus der die Theologie sich bis heute nicht hat befreien können. Aber: die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen!
Schelers Wertphilosophie wird aufs genaueste durch die Umkehrung eines Sprichwortes getroffen: Viele Breie verderben den Koch.
Wer ist in einem Karussel vorn und wer ist hinten?
Stand das Schwert, mit dem Alexander den gordischen Knoten durchschlagen hat, in der Tradition des kreisenden Flammenschwerts? Mit der Durchschlagung des Knotens wurde das Retten gegenstandslos.
Die Kirche, die zu den Urhebern der Verweltlichung der Welt gehört, ist die Kirche der dreifachen Leugnung.
„Verflucht beim Herrn sei der Mann, der es unternimmt, Jericho wieder aufzubauen. Seinen Erstgeborenen soll es ihn kosten. wenn er sie neu gründet, und seinen Jüngsten, wenn er ihre Tore wieder aufrichtet.“ (Jos 626) „In seinen Tagen baute Hiel aus Bet-el Jericho wieder auf. Um den Preis seines Erstgeborenen Abiram legte er die Fundamente, und um den Preis seines jüngsten Sohnes Segub setzte er die Tore ein, wie es der Herr durch Josua, den Sohn Nuns, vorausgesagt hatte.“ (1 Kön 1634) -Jericho ist die Palmenstadt?
Zur Abtreibungsdiskussion vgl. Mt 2415ff: Wenn ihr den Greuel am heiligen Ort stehen seht, der durch den Propheten Daniel (927, 1131, 1211, H.H.) vorhergesagt worden ist – der Leser begreife -, dann sollen die Bewohner von Judäa in die Berge fliehen; … Weh aber den Frauen, die in jenen Tagen schwanger sind oder ein Kind stillen. Betet darum, daß ihr nicht im Winter oder an einem Sabbat fliehen müßt. Denn es wird eine so große Not kommen, wie es noch nie eine gegeben hat, seit die Welt besteht, und wie es auch keine mehr geben wird. Und wenn jene Zeit nicht verkürzt würde, dann würde kein Mensch gerettet werden; doch um der Auserwählten willen wird jene Zeit verkürzt werden.
Urknall-Theorie: Die Physiker projizieren ihre eigene Dummheit in die Dinge. Bei den globalen Theorien werden alle Differenzierungen, ohne die Detailforschung nicht mehr denkbar ist, vergessen; übrig bleiben der leere Raum und die Frage, wie die Materie da hinein gekommen ist. Im Hinterkopf haben sie die „christliche“ Vorstellung der creatio mundi ex nihilo, und zu diesem „nihil absolutum“, wie Kant es genannt hat, fällt ihnen nur der leere Raum, in dem „nichts drin“ ist, ein. Aber physikalische Anfänge gibt es nur innerhalb des Systems, in dem alle physikalischen Begriffe, Erscheinungen und Gesetze überhaupt erst sich konstituieren, und das absolute Anfänge per definitionem ausschließt: im Inertialsystem, während ein realer kosmischer Anfang auch den des Raumes und der Zeit mit enthalten müßte. -
28.05.93
Ist das Futur II der Turm, der bis zum Himmel reicht (Gen 114), die Trinitätslehre die Spitze des Turms und das Inertialsystem seine vollendete Gestalt? „Auf, formen wir uns Lehmziegel und brennen wir sie zu Backsteinen. So dienten ihnen gebrannte Ziegel als Steine und Erdpech als Mörtel. Dann sagten sie: Auf bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis zum Himmel, und machen wir uns einen Namen, dann werden wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen. Da stieg der Herr vom Himmel herab …“
– Lehmziegel: Bildung des Neutrum, Ursprung des Materiebegriffs (der Mensch aus Lehm erschaffen; Adam: aus Staub geworden, wird wieder zu Staub, den dann die Schlange frißt; Herstellung von Lehmziegel Symbol der Sklavenarbeit; vgl. Ex 114, 2 Sam 1231)?
– Erdpech: Organisation der Sprache und des Raumes, Ursprung der Flexionen (aus Prä- und Suffixen), Zusammenhang mit der Orthogonalität (Bau der Arche; Untergang der Könige von Sodom und Gomorra; Bau des „Kästchens aus Schilf“, in dem Moses gerettet wurde)?
– Stadt: Vergesellschaftung der Sprache; Zusammenhang von Begriff, Gesetz und Erscheinung (Kain erbaute die erste Stadt und benannte sie nach seinem ersten Sohn Henoch, während in der Set-Folge „Henoch … seinen Weg mit Gott gegangen (war), dann war er nicht mehr da; denn Gott hatte ihn aufgenommen“)?
– Machen wir uns einen Namen: Ursprung des Nominalismus (Zer-störung der benennenden Kraft der Sprache durch nationalistische Selbstbenennung als Volk, als „Schicksalsgemeinschaft“)? -
25.05.93
Welche Bedeutung hat es (welches Zeitverständnis drückt sich darin aus), wenn in den Genealogien der Genesis das Zeugen („er zeugte“, wobei Frauen nicht genannt werden) unterschieden wird vom Erkennen („er erkannte sein Weib, sie ward schwanger und gebar“). Die reinen Zeugungsreihen erscheinen erst in der zweiten Generation nach Adam.
Klingt nicht in der Unterscheidung von Zeugen und Erkennen (mit nachfolgendem Geborenwerden) die Differenz zwischen dem griechischen und lateinischen Naturbegriff an, und spielt diese Differenz in die Trinitätslehre mit herein?
War nicht die christliche Sexualmoral, ihre Trennung von der Welt und Politik, die erst möglich war, nachdem der metaphorische Grund der Sprache diskriminiert und verworfen wurde (im Kontext einer Schriftauslegung „ad litteram“), ein Mittel zur Ausbildung und Entfaltung des Neutrum, ein Instrument zur Verweltlichung der Welt, Auslöser des historischen Objektivationsprozesses? Die Verteufelung der Sexualität und die Objektivierung der Natur sind untrennbar mit einander verknüpft (Zusammenhang mit dem gordischen Knoten: dem Knoten, der das Joch des Ochsen mit der Deichsel des Ochsenkarren verband?). Ist das Neutrum ein Produkt von Herrschaft und die Unterdrückung und Verdrängung seiner Kritik ein Mittel der Unterdrückung und Verdrängung von Herrschaftskritik: ein Mittel der Entpolitisierung, und die Sexualmoral ein Ersatz und eine Ablenkung?
Sohar, S. 165: „Wer am Pessach Gesäuertes ißt, ist wie einer, der den Gestirnen dient.“ Und: „Als Israel aus Ägypten zog, zog es heraus aus … jenem Machtbereich, der „Sauerteig“, schlechtes Brot genannt ist.. Und dieses ist das Geheimnis des „bösen Triebs“, des „fremden Dienstes“.“
„Nackt kam ich aus dem Leib meiner Mutter und nackt kehre ich dorthin zurück.“ (Hiob 121) Wie hängt das mit dem „Sie waren nackt und sie schämten sich nicht“ zusammen?
Stufen der Erkenntnis:
– Der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.
– Sie erkannten, daß sie nackt waren. Und
– Adam erkannte Eva, und sie ward schwanger und gebar.
Jesus hat die Sünden der Welt (in der prophetischen Tradition) auf sich, und nicht hinweg genommen (das würde ihn in die philosophische Tradition stellen); und er hat der Kirche die Kraft zu binden und zu lösen verheißen, aber die Kirche hat bis heute nur gebunden, nicht gelöst. Erweist sich nicht am Ende das Binden als das, was in der Schrift die Sünde wider den Heiligen Geist genannt wird?
Die Welt ist das, was im Sohar einmal „der Geist, der „draußen“ ist“ genannt wird. (S. 179)
Der Begriff einer resurrectio naturae enthält den gleichen Widerspruch wie der der creatio mundi (und ist sein spätes Echo).
Im katholischen Versuch, Natur und Offenbarung zu harmonisieren, ist der Sieg der Natur über die Offenbarung vorprogrammiert.
Es war die Urentscheidung der modernen Aufklärung, die übrigens in Heideggers „Entschlossenheit“ dumpf nachhallt, daß die subjektiven Formen der Anschauung nicht mehr durch Reflexion aufzulösen seien. Dabei sind die Folgen dieser Dezision spätestens seit Newton bestimmbar. Das Gravitationsgesetz ist der Prototyp des abgehobenen theoretischen Konstrukts (sein historisch vielleicht entscheidender Erfolg war es, daß es der Engellehre den Garaus gemacht hat). Ebenfalls bei Newton tritt dann auch die andere Konsequenz erstmals hervor: die Zerstörung des Lichts durch Vergegenständlichung, das so zu einer materiellen Erscheinung im Raume überhaupt erst geworden ist. Und darin waren schon die widersprüchlichen Konzepte der Wellen- und Äthertheorien und der Korpuskulartheorien mitgesetzt.
Besteht ein Zusammenhang zwischen dem kreisenden Flammenschwert des Kerubs am Eingang des Paradieses und den Rädern der Merkaba bei Ezechiel?
Der Begriff der Tat, der im Begriff der Tatsachen steckt, drückt aufs genaueste die Sünden der Welt aus. Als Hegel die Idee der Substanz als Subjekt zur Grundlage seiner Philosophie machte, hat er die Welt als Inbegriff der Sünde mit eingebauter Exkulpations-Automatik begriffen.
Die Vorstellung, daß es einmal des Ich nicht mehr bedarf, bezeichnet einen Stand der Dinge, in dem es auch des Weltbegriffs nicht mehr bedarf.
Das Auf-sich-Laden, mit dem der Katechismus die Übernahme der Sünden der Welt ironisiert (um die Gläubigen von dieser „unmöglichen“ Idee abzuschrecken), stellt die Dinge polemisch auf den Kopf: das Aufladen (einer Schuld) ist von außen verursacht und so Teil eines Schuldverschubsystems, während die Übernahme (der Sünden der Welt) ein autonomer Akt ist: den Schuldzusammenhang sprengt.
Der Schuldzusammenhang konstituiert sich im Kontext und als Grundlage des verdinglichenden Denkens: des Weltbegriffs; Schuld ist in der Tat eine „Natureigenschaft“ des Dings, aber sie konstituiert sich als „Eigenschaft“ erst in der Abstraktion vom Schuldzusammenhang, in dem der Naturbegriff gründet. Der Schuldzusammenhang konstituiert sich als Natur in der Abstraktion vom Schuldzusammenhang. Daher die „christologische“ Logik des Naturbegriffs
– als Inbegriff des Opfers (des Objekts von Herrschaft),
– Grund seiner Vergöttlichung (Natur als der Grund, aus dem alles hervorgeht) und
– Grund des Scheins der Freiheit von Schuld (Natur als ein Jenseits des gesellschaftlichen Schuldzusammenhangs).
„Sitzet zur Rechten des Vaters“:
– Dt 332: „Ihm zur Rechten flammte vor ihnen das Feuer des Gesetzes“.
– Ps 177: „Wunderbar erweise deine Huld! Du rettest alle, die sich an deiner Rechten vor den Feinden bergen.“
– Ps 7411: „Warum ziehst du die Hand von uns ab, hältst deine Rechte im Gewand verborgen?“ (Buber: Warum ziehst du zurück deine Hand? Deine Rechte, hervor aus deinem Busen! beends!)
– Ps 1101: „Setze dich zu meiner Rechten, und ich lege dir deine Feinde als Schemel unter die Füße.“ (Buber: Sitze zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde lege als Schemel zu deinen Füßen.)
– Jes 4813: Meine Hand hat die Fundamente der Erde gelegt, meine Rechte hat den Himmel aufgespannt; ich rief ihnen zu, und schon standen sie alle da.“
– Mt 2664: „Von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen.“ (vgl. Mk 1462, Lk 2269)
– Mk 1619: „Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.“
– Apg 755f: Stephanus „aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen …“
Mit ausgerecktem Arm hat Gott den Himmel aufgespannt. Der erhöhte Jesus sitzt zur Rechten des Vaters; am Ende aber wird sich der Himmel wie eine Buchrolle zusammenrollen.
Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie