Durchs Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit geht in die Vorstellung der Richtung (Dimension) im Raum ein zeitliches Moment mit ein, das insbesondere das Prinzip der Umkehrbarkeit, der Reversibilität aller Richtungen im Raum affiziert. Es gibt weiterhin zu jeder Richtung eine Gegenrichtung, aber diese Richtungen sind nicht mehr unverändert umkehrbar.
Sind die Längenkontraktion und die Zeitdilatation Produkt von Drehungen im Minkowskischen Raum-Zeit-Kontinuum?
Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit: Keiner kann über seinen eigenen Schatten springen. In welcher Beziehung steht dieser Schatten zur Materie? Verweist die Finsternis über dem Abgrund auf den Ursprung der Materie? Bezeichnet der Begriff der Materie den Schatten, den das System in die Dinge wirft?
Das Inertialsystem gleicht insofern einem selbstreferentiellen, autopoietischen System im Sinne Dirk Baeckers (Womit handeln die Banken, Ffm. 1991, S. 33ff), als der Realitätskontakt innerhalb des Systems nicht mehr zu bestimmen ist (diese Stelle nimmt im Inertialsystem das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit ein). Die System sind nach außen abgeschlossen und blind: Isolationshaftsysteme, und wie diese durch Sichtblenden gegen jede Außenwahrnehmung abgedichtet (ist nicht das Fernsehen die Sichtblende, die heute die Privatexistenz gegen die Außenwelt abschirmt? Das Fernsehen instrumentalisiert heute in einem Maße die Information, daß es von einem Lenkungsinstrument nicht mehr sich unterscheiden läßt.).
Ist nicht die Systemtheorie das Modell der vollständigen und restlosen Selbstinstrumentalisierung?
Vor diesem Hintergrund wird die affektive Aufladung des Sinnbegriffs seit Heidegger in Deutschland (die von den Franzosen nicht wahrgenommen worden ist: sie haben Sinn weiterhin schlicht als Bedeutung verstanden) verständlich: In der Isolationshaft wird der Spalt, der allein noch einen Blick aus der Zelle auf den realen Himmel ermöglicht, zum Repräsentanten der ganzen Welt, die unerreichbar geworden ist (vgl. Heideggers eingeschrumpfte Repräsentationsbegriffe wie Eigentlichkeit, In-der-Welt-Sein, Mit-Sein u.ä.).
Wie ist das mit den Samaritern (der barmherzige Samariter, die Samariterin am Brunnen) im NT?
Num 3355: Wenn ihr die Einwohner des Landes vor euch nicht vertreibt, dann werden die, die von ihnen übrigbleiben, zu Splittern in euren Augen und zu Stacheln in euren Seiten. Vgl. hierzu:
– Mt 74f: Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Laß mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken. (sh. auch Adorno: Balken als Vergrößerungsglas, Minima Moralia)
– Gen 221: Heißt es hier, bei der Erschaffung Evas, Rippe oder Seite?
Joh 1934: … einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floß Blut und Wasser heraus.
Ps 1395: Du umschließt mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich.
Jer 203: Nicht mehr Paschhur nennt dich der Herr, sondern: Schrecken um und um. (Paschhur: ägypt. „Sohn des Horus“, hier ein Priester in Jerusalem, der Jeremias für eine Nacht in den Block legte.)
Kann es sein, daß in biblischen Texten die „Seite“ primär auf die Linke sich bezieht, während die Rechte in der Regel als Rechte auch benannt wird? Sind das Geld und der Raum (und das Bekenntnis) die linke Seite?
Haben Auge und Seite in Num 3355 etwas mit den subjektiven Formen der Anschauung (mit Raum und Zeit) zu tun?
Zu Auge und Seite vgl. auch Jos 2313 (Rücken und Auge), Ez 2824 (Dorn und Stachel), Hos 1314 (Scheol, wo ist dein Stachel), Apg 2614 (Saul, Waul, warum verfolgst du mich? Es wird dir schwer fallen, gegen den Stachel auszuschlagen), 1 Kor 1555 (Tod, wo ist dein Stachel), Off 910 (Sie haben Schwänze und Stacheln wie Skorpione).
Sieben hellenistische Diakone: Philippus hatte vier prophetische Töchter, aber was hat es mit Nikolaus und den Nikolaiten auf sich (sind in dem Namen nicht nikä und laos enthalten)?
Für den Kammerdiener ist der Held kein Held (Hegel), und: Mache dich nicht gemein mit den Spöttern (vgl. Ps 11 und 2 Pt 33). Erzieht nicht das Fernsehen die Menschen zu Kammerdienern und Spöttern?
Welches sind
– die sieben Todsünden,
– die sieben Gaben des Heiligen Geistes und
– die sieben Werke der Barmherzigkeit?
Thomas a Kempis: Die Verwechslung der Nachfolge Christi mit der Nachahmung.
Sind Himmel und Erde, tohu wa bohu und Abgrund und Wasser aufeinander bezogen: Enthüllt sich das tohu als Abgrund, und das bohu als Wasser? (Im Raum gibt es ebenso viele Richtungen wie Flächen, und ebenso viele Punkte wie Räume.)
Zum Ursprung der casus: Entspricht nicht der Genitiv-Ökonomie eine Dativ-Religion und eine Akkusativ-Politik? Sind Geld und Bekenntnis ähnlich auf einander bezogen wie Raum und Zeit? Heißen nicht die Planeten jenseits des Saturn Uranus und Pluto?
Naturwissenschaft
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24.03.93
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23.03.93
Womit die Banken handeln: Ist es nicht schlicht und einfach fremder Leute Geld? Und sind die Banken nicht das Modell der repräsentativen Demokratie: Wie bei den Banken ihr Geld, so geben die Bürger bei der Wahl ihre Stimme ab; was dann mit beiden geschieht, darauf haben sie keinen Einfluß mehr, sie wissen es nicht einmal mehr (vgl. das Verhältnis von Kirche und Bekenntnis).
Was im Planetensystem selbsttätig, nämlich durchs Gravitationsgesetz, zu funktionieren scheint, muß im Geld-Kosmos durch Zentralbanken reguliert werden. Hat der Dopllereffekt etwas mit einer im Kosmos eingebauten Inflationsrate zu tun?
Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn: Die Zuordnung der Planeten zu den Wochentagen entspricht nicht der Reihenfolge ihres Abstands von der Sonne.
Kann es sein, daß die Lösung des Rätsels der sogenannten Venus-Katastrophe in dem Satz liegt: Geld macht sinnlich. Und ist das nicht auch ein Hinweis auf das Verhältnis der Venus zum Merkur? Aber die Sinnlichkeit ist die Quelle der Gewalt und des Kriegs, die dann mit Hilfe des Rechts und des Staats zu domestizieren versucht worden sind. Aber sind diese Fortschritte nicht ebensosehr Rückfälle, Regressionen?
Ist nicht das Schema Hure/Heilige ein Nachklang des astrologischen Verhältnisses von Erde und Venus? Und ist nicht dieses Echo im Namen des Materialismus festgehalten, in dem die mater anklingt, aber auch das Geld, der Egoismus und die Sinnlichkeit, die Sexualität? Merkwürdig, daß Jupiter und Mars eher idealistische Konnotationen mit sich führen: Ist nicht der Gegensatz Idealismus/Materialismus an den Gegensatz von Welt und Natur gebunden?
Ist nicht das Rosenzweigsche Konzept der Umkehr der Versuch, das Ergebnis des Objektivationsprozesses von der Sünde der Instrumentalisierung zu erlösen? Und sind nicht in der Tat die Sünden der Welt die Sünden der Instrumentalisierung?
Das Herrendenken sanktioniert den Schuldzusammenhang, macht ihn zur Natur. Dagegen steht das verteidigende, parakletische Denken, auch im Verhältnis zur Natur: als Kritik und Auflösung des Naturbegriffs.
Mit der Trennung des jüdischen und christlichen Wegs, und der Anerkennung auch des christlichen Wegs, hat Franz Rosenzweig den Christen den Tikkun übertragen. Ist nicht Franz Rosenzweig Christ geworden, als er Jude blieb?
Waren nicht die Schreiber die Herren und Verwalter der Sprache?
Sind die Schafe mitsamt den Schäfern nicht ein entsetzliches Bild der Trägheit, und gehören dazu nicht die Hunde?
Das „Alte Testament“ ist die babylonische Gefangenschaft der Tora. Und hatte Jesus nicht recht, als er sagte, daß eher Himmel und Erde vergehen werden, bevor auch nur ein Jota vom Gesetz vergeht (vgl. Lk 1617): Himmel und Erde sind (mit dem Weltbegriff: dem Konzept der creatio mundi und der Entsühnung der Welt durch den sogenannten Opfertod am Kreuz) vergangen. Damit war auch die Tora vergangen, domestiziert, zu einer Waffe des Antijudaismus geworden. Die Erben der griechischen Barbaren: für die Christen waren das die Juden, die Heiden, die Ketzer (und die Erben der Natur und Materie? – Himmel und Hölle, die Eucharistie und das verdinglichte Wort?).
Haschamajim: Sind es nicht die Feuer der Kritik, die die unteren Wasser in die oberen, den Mythos in Segen verwandeln? Und bezieht sich darauf nicht das Wort vom Binden und Lösen? Die Gebete der Heiligen sind Gott ein süßer Geruch (Reinhold Schneider: Allein den Betern kann es noch gelingen …). Und: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Und wie froh wäre ich, es würde schon brennen. (Lk 1249) -
17.03.93
Zum aufrechten Gang: Die dritte Dimension (der Phallus, die Erektion, der Turm) stabilisiert nicht nur die Fläche, sondern den Raum insgesamt. Aber ist diese dritte Dimension, ihre orthogonale Beziehung zur Fläche, nicht das Produkt der Abstraktion vom Licht, die am Ende wieder eingeholt wird vom Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit?
Paßt nicht die Bemerkung von Edgar Morin, daß die Musik dem Flächenbild im Film die Tiefe gibt, die eigentlich räumliche Dimension, zu dem Hinweis Spenglers, daß in der modernen Welt (in der „faustischen Kultur“) die Musik die Stelle einnimmt, die in der alten Welt die Skulptur, die Statue, innehatte?
Das Bekenntnis zur Göttlichkeit Jesu hat deshalb diese ungeheure emotionale Bedeutung, weil es insgeheim als Akt der Wiedergutmachung an der Instrumentalisierung des Kreuzestodes in der Opfertheologie verstanden wird. Es ist Ausdruck des schlechten Gewissens der Gläubigen. Diese Instrumentalisierung begründet und sanktioniert die Verräumlichung der Dinge; sie gehört zu den Fundamenten der „christlichen Zivilisation“. Seine Geschichte ist Teil der Geschichte des Ursprungs und der Entwicklung des Bekenntnisbegriffs überhaupt. Bezieht sich hierauf nicht der Satz vom Binden und Lösen: Nicht Opfer, sondern Barmherzigkeit?
Keine Empörung ohne Projektion.
Die Sünden der Welt: Bezieht sich dieser Plural nicht auf eine genau bestimmbare Anzahl, nämlich sieben? War nicht die Astrologie die Instrumentalisierung dieser Sünden, und war nicht die Sakramentenlehre das kirchliche Erbe der Astrologie?
Die Scheidung der Wasser oberhalb von den Wassern unterhalb ist die Scheidung des Segens von der Schuld. Die Erkenntnis des Guten und Bösen ist das im Interesse der Selbsterhaltung und Selbstrechtfertigung instrumentalisierende und verdinglichende Denken; das befreiende Denken ist das verteidigende Denken.
Vergleiche die Geist-Rede des Petrus mit der Märtyrer-Rede des Stephanus.
Das Trägheitsgesetz, die Hochsicherheitstrakte des Inertialsystems und die Isolationshaft der Materie.
Rechtsstaat: Muß man nicht die kleinen Verbrechen verfolgen, um die großen decken zu können?
Gibt es eigentlich Privateigentum ohne den Staat, ohne Geld und ohne Banken (die Banken verwalten das Nichts, aus dem der Staat die Welt erschafft)? -
15.03.93
Zusammenhang der Raumvorstellung mit dem Begriff: Der Ursprung des Begriffs (Produkt der Verinnerlichung des Schicksals) fällt mit der Entdeckung der geometrischen Funktion des Winkels zusammen. Der Zwangscharakter der Orthogonalität ist der Grund der vergegenständlichenden Gewalt des Begriffs (der Naturerkenntnis). Insbesondere neutralisiert die Orthogonalität die Umkehr (und die Orthodoxie und das Bekenntnis die Nachfolge): jede Richtung im orthogonalen Raum ist umkehrbar, die qualitativen Differenzen der Umkehr:
– des Vorn und Hinten: Im Angesicht und Hinter dem Rücken,
– Links und Rechts: Recht und Barmherzigkeit,
– Oben und Unten: Herrschaft und Erlösung,
werden (ähnlich wie die sinnlichen Eigenschaften der Materie durchs Trägheitsprinzip) durch die Orthogonalität gelöscht. Zusammenhang mit der Beziehung von Licht und Schwere, Theorie des Feuers? Die Natur wird als Natur ausgegrenzt und verhext.
Zur Orthogonalität des Raumes: Nicht nur die Umkehr wird neutralisiert, sondern zugleich auch das Verhältnis der zueinander orthogonalen Richtungen selber. Die Beziehung Vorn/Hinten ist nicht gleich der Beziehung Rechts/Links oder Oben/Unten (Rechts/Links ist eine Paarbeziehung, die in der Übertragung auf die anderen Richtungsbeziehungen sich als Quelle der neutralisierenden Gewalt erweist). Wichtig ist das zeitliche Moment: der Zusammenhang der Othogonalität des Raumes und der Neutralisierung der Richtungen mit dem Vorrang der Vergangenheit, der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit. In der Orthogonalitätsbeziehung drückt sich die quasiorthogonale Beziehung des Raumes zur Zeit aus: Grund der Vorstellung der homogenen Zeit, in der die Zukunft wie die Vergangenheit ist, und Bedingung des Inertialsystems.
Wirkungen (Vorteile) der mathematischen Raumvorstellung: Sie dekonstruiert die Umkehr und begründet die Unschuldsfalle: Sie erweckt den Eindruck, wir wären die Last der Schuld, der Moral und der Verantwortung los, während wir sie in Wahrheit nur bewußtlos weiterwälzen; wir sind scheinbar geschützt durch eingebauten Projektionsmechanismen, wälzen sie ab auf die, die sich nicht wehren können: die Armen und die Fremden, und jetzt auch auf die nachfolgenden Generationen, die Erben. (Und was Politiker in den entscheidenden Fragen heute von „Sachverständigen“ erwarten, sind keine Handlungsanweisungen, sondern vorab Exkulpationstheorien. Das gilt außer für die wirtschaftlichen Entscheidungen heute vor allem für die ausbrechende Xenophobie.
Gegenstand der Umkehr ist die ungeheure Last der Vergangenheit.
Der Raum besiegelt den Herrschaftszusammenhang, das Geld den Schuldzusammenhang und das Bekenntnis den Verblendungszusammenhang.
Zu Billy Graham: Gott will nicht, daß wir sein Wort nur erleben, sondern daß es nicht leer zu ihm zurückkehrt.
Adornos Satz: Heute fühlen sich alle ungeliebt, weil keiner zu lieben fähig ist, läßt sich mit dem Hinweis darauf erläutern und begründen, daß heute alle das Glück, gut sein zu dürfen, sich versagen müssen. Und zwar nicht mehr nur deshalb, weil es dem Eigeninteresse widerspricht, sondern weil die Verhältnisse es nicht mehr zulassen. Das Glück, gut sein zu dürfen, Quelle der wirklichen theologischen Erfahrung, ist verkümmert zur Unschuldsfalle.
In welchen Weltregionen und in welchen Erdschichten wurden die Dinosaurier gefunden? Sind die geologischen Schichten einheitlich über die Regionen der Erde verteilt?
Gewitter, Blitz und Donner. -
14.03.93
Worin liegt die Differenz zwischen den logisch-grammatischen Konstruktionen der alten Sprachen und der Nutzung der Hilfszeitverben (sein, haben, werden) im Deutschen heute? Ist das nicht Ausdruck der vollendeten Verdinglichung, die in der griechischen und lateinischen Sprache noch gleichsam in statu nascendi zu beobachten ist.
Die Leviten galten als Abgeltung der Erstgeburt (Num 312), nur blieb da ein Rest von 273 Erstgeborenen, die nicht abgegolten waren (346; 273 ist die dreifache Summe aller Zahlen bis 13).
Ist der Hund, der domestizierte Wolf, das Realsymbol der Welt? Ist das Tier vom Lande ein Hund?
Die Person, der Träger des Namens, ist das objektive Korrelat des Polizeistaats, mit dem Personalausweis, dem vergesellschafteten Fahndungsplakat, an die Ermittlungsbehörden, als deren Inbegriff der Staat in Deutschland, dem Land der Staatsanwälte, sich versteht, unentrinnbar angebunden. Die Persönlichkeit steht auf der anderen Seite: sie hat das Personsein verinnerlicht und beherrscht es, kann damit umgehen.
Ist nicht der Rechtsstaat ein Polizeistaat: Jeder trägt sein eigenes Fahndungsfoto in der Tasche (und ist dazu gesetzlich verpflichtet). Gilt in Staaten ohne Staatsanwalt auch die Ausweispflicht?
Oculi omnium in te sperant. (Ps 14515)
Hat Habermas nicht mit der Verdrängung der Idee, daß auch die Natur sich ändert, wenn die Gesellschaft sich ändert, auch die Idee der Güte verdrängt, den Wunsch, endlich gut sein zu können?
Requiem aeternam: das kann das Ausruhen von der Last, von der Arbeit sein; es kann aber auch das sabbatliche Ausruhen in einer Verfassung sein, in der man endlich gut sein darf, in der Friede und Gerechtigkeit sich küssen.
Die Trägheit oder der Tod: Die Trägheit ist das Ausruhen von der Last der Moral, das Telos des Rousseauschen „Zurück zur Natur“. Ist nicht der Jesus der Opfertheologie, der vergöttlichte Jesus der, der uns die Last abnimmt: der uns von der Pflicht zur Nachfolge entbindet, indem er die Welt entsühnt, die Trägheit rechtfertigt? Ist diese Verkehrung der Dinge nicht das Werk der Kirche (der Kelch von Getsemane)? So verdankt sich zwar nicht der Begriff der Materie, wohl aber das Trägheitsprinzip der Theologie: es ist das Produkt der opfertheologischen Verarbeitung des philosophischen Materiebegriffs.
Der Raum (das System reversibler Richtungen) als das Opfer der Umkehr an den Schein der Unschuld der Natur.
Die Kirche hat den Himmel theologisch vergesellschaftet und insoweit der Physik vorgearbeitet.
Gegenstand der kirchlichen Eucharistieverehrung ist das vergöttlichte Ding, das vergöttlichte Objekt: reine Blasphemie.
Die Liturgiereform wäre erst dann eine geworden, wenn sie den Mut gehabt hätte, von der blasphemischen Eucharistiefrömmigkeit endlich zu lassen, und wenn das Brotbrechen die Form der gemeinsamen Speisung der Armen angenommen hätte: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.
Inneres Telos der (weltlichen und kirchlichen) Verwaltungsmoral: Selbstzerstörung der Verantwortung durch Delegation. Administrative Verantwortung übernimmt die Schuld (nicht die Sünde) der Welt (und die Bezahlung entspricht der „Last der Verantwortung“: Schuld ist der innere Wertmaßstab des Geldes, Arbeit die Abgeltung der Erbschuld, arm zu sein). -
13.03.93
Leer, gereinigt und geschmückt: Bezieht sich das nicht auf den Raum, das Geld und das Bekenntnis?
Entscheidend zum Verständnis des Sterns der Erlösung: Die Todesangst, mit der die Erkenntnis anhebt, weist auf eine gemeinsame Todes- und Erkenntnisgrenze hin: aufs Inertialsystem (nur Vergangenes kann gewußt werden). In diesem Zusammenhang ist der Naturbegriff bei Rosenzweig genauer zu bestimmen.
Beziehung des Orion und der Plejaden zum Binden und Lösen: Die Geschlossenheit des Kreises enthält ein Moment des Scheins, und zwar das gleiche, dem auch die Vorstellung von der Abgeschlossenheit der Vergangenheit sich verdankt. Die Geschlossenheit des Kreises verewigt die Abgeschlossenheit der Vergangenheit, sie verschließt damit die Zukunft.
Das Binden und Lösen beschreibt sowohl einen Gegensatz, als auch eine wechselseitige Bedingung: es gibt ein Binden oder Lösen wie auch ein Binden durch Lösen und ein Lösen durch Binden.
Hat die Türangel (der Angelpunkt) etwas mit angelus, dem Engel zu tun?
Es gibt den Stein als Fundament und als Eckstein. Was ist der dreimal leugnende Fels? Vgl. hierzu auch die rätselhafte Stelle: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. (Joh 2118) Wird nicht heute die Kirche geführt, wohin sie nicht will? Ist die Kirche dadurch nicht selber zum Herzen der harrenden und sich sehnenden Schöpfung geworden, und wartet sie nicht als ohnmächtige Kreatur auf die Freiheit der Kinder Gottes? Rührt nicht die Kirche allein noch an der Naturgrund von Herrschaft?
Der Baum des Lebens hat seine Wurzeln im Paradies. Merkwürdige Affinität von Wurzeln und Blitz (bei Frieda Kahlo).
Zu Joh 129: Im Buch Numeri (1117, sh. auch vorher V. 14) findet sich der Hinweis, daß der Geist die Übernahme der „Last des Volkes“ mit einschließt. Die „Sünden der Welt“ sind eine Potenzierung (und Universalisierung) der Last des Volkes.
Definition der Archäologie: In den Ruinen der untergegangenen Welt die Spuren der vergangenen Zukunft suchen.
Werden nicht heute die als trunken beschimpft, die die Trunkenheit aller nur wahrnehmen?
Zu Johann Baptist Metz: Das Lied „Mein Gott, wie schön ist deine Welt“ gilt nur noch für die zukünftige Welt, für den Inbegriff der göttlichen Verheißungen (die Ideen des Reiches Gottes, des seligen Lebens).
Die Vorstellungen vom Alter der Welt, von der Tiefenzeit, sind primär menschheits- und naturgeschichtlich, sekundär astronomisch und zuletzt geologisch begründet.
Ist nicht die Auferstehung Jesu ein Stück vergangener Zukunft, das nur durchs sogenannte Ostermysterium ins Heidnische zurückgebogen wurde: kein Natursymbol, sondern die Sprengung des Naturbegriffs selber?
Heute setzt die Welt die Menschen so unter Anklagedruck, daß jeder nur noch seine Unschuldsnische sucht. Und parakletisches, verteidigendes Denken gibt es nur noch im Kontext der Übernahme der Sünden Welt; das ist der Kern des Nachfolgegebots. Seit den Kirchenvätern verletzt die christliche Theologie das Gebot „Richtet nicht …“, und sie ist seitdem gerichtet.
Ist das Glaubensbekenntnis nicht in der Tat ein Sündenbekenntnis, dazu noch ein im Kern verstocktes: eins, das das Bewußtsein, ein Sündenbekenntnis zu sein, verloren/verdrängt hat und ins Affirmative verfälscht worden ist.
In welcher Beziehung steht das kreisende Flammenschwert des Cherubs am Eingang des Paradieses zu den Rädern des Gotteswagens, der Merkaba, bei Ezechiel?
Doppelaspekt des Opfers: als Opfer der Gegenwart um der Zukunft (des Lohnes) willen, oder aber die Errettung der der Vergangenheit geopferten Zukunft? -
09.03.93
Notwendig wäre eine Kritik des positivistischen Wissenschaftskonzepts der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft.
Sind nicht Qualitäten in Eigenschaften zurückübersetzte Handlungen (objektivierte Tätigkeiten)? Ist nicht das Prinzip der Qualitäten das der Verdinglichung (das Ding und seine Eigenschaften)? Qualifikationen sind instrumentalisierte und lernbare Tätigkeiten, und Tätigkeitsmerkmale sind Vergütungskriterien.
Den drei Dimensionen des Raumes entsprechen sechs Außenflächen des Dings. In welcher Beziehung stehen diese zu den durch fünf Nächte getrennten sechs Schöpfungstagen?
Merkwürdig, daß die Erde im Schöpfungsbericht auch als tätiges Subjekt erscheint, und zwar als erstes nach Gott. Sie bringt sowohl die Pflanzen als auch die Tiere hervor. Nur die Tiere des Wassers und des Himmels werden wie Himmel und Erde und wie die Menschen von Gott erschaffen. War die Hervorbringungskraft der Erde mit den Pflanzen und Tieren erschöpft? Und mußte Gott sich selbst gleichsam wieder hervorrufen, wenn er sich selbst anspricht: Lasset uns den Menschen machen, und dann in einem dreimaligen Ansatz den Menschen erschafft: als Gottes Bild, als sein Ebenbild, als Mann und Weib?
Der Demiurg ist von Gott durch das Schicksal geschieden. Der Schöpfungsgedanke ist der ungeheuerlichste Gedanke, den die Menschheit je gehabt hat. Er ist nicht zufällig dann verdrängt und durch das Herrschafts-Konzept einer creatio mundi ersetzt worden. Die Geschichte dieser Verdrängung ist die der Theologie, ihre Vorgeschichte die der Idolatrie. Der Kampf der Propheten gegen die Idolatrie ist der Kampf für die Schöpfungsidee. Das creatio-mundi-Konzept, das konsequent abgesichert wurde durch Trinitätslehre, Opfertheologie und Christologie, unterbindet heute die Fähigkeit zur Reflexion der Naturwissenschaften. Es unterbindet sie ebenso wie die Kapitalismus-Kritik. Das Dogma war von Anfang an politische Theologie.
Die Naturwissenschaften lassen eine andere als technologische Beziehung von Theorie und Praxis nicht mehr zu.
Rast die Welt nicht auf einen Abgrund zu, den sie selbst produziert, und mit dem eins zu werden sie trachtet: Wäre das nicht der endgültige hieros gamos?
Das Bekenntnisprinzip ist von der Instrumentalisierung des Kreuzestodes in der Opfertheologie (von der Herausnahme des Kreuzestodes aus der Nachfolge) nicht zu trennen.
Lassen nicht am Schicksal des römischen Latifundiensystems die Entwicklung und die Tendenzen des gegenwärtigen Systems der politischen Ökonomie sich ablesen?
Jeder Tauschwert für mich ist es nur als Gebrauchswert für andere: das ist die Differenz zwischen Tausch- und Gebrauchswert. Die Grenze, die das Vorhandene vom Zuhandenen trennt, ist die Grenze zwischen der ersten und der dritten Person. Oder die Eigentlichkeit für mich ist die Uneigentlichkeit für andere. Deshalb sind beide nicht unterscheidbar. Ist nicht die Heideggersche Eigentlichkeit der entsetzlich verkümmerte Rest des Hegelschen Bewußtseins der Freiheit?
Sind nicht die Aktionen der Rechtsradikalen heute Kamikaze-Aktionen?
Der Begriff der Entfremdung bezeichnet sehr genau einen richtigen Sachverhalt: Indem ich mich dem Anderssein der Welt anpasse, entfremde ich mich, löse ich das nur im Verhältnis zu Fremdem sich konstituierende Selbst auf. Die Entfremdung ist das Produkt der verandernden Kraft des Seins. Die Rechten übersetzen diesen Begriff heute in die Praxis. Gefährliche Verwechslung des Fremden mit dem Andern. Das Anderssein ist systemimmanent, der Fremde sprengt das System. Deshalb ist die Tötung des Fremden systemerhaltend.
Die Unterscheidung von realprojektiven Begriffen wie Raum, Welt, Natur, Materie von realsymbolischen Begriffen wie Wasser, Angesicht, Finsternis, Licht gehört zu den Grundlagen der Theologie. Der Kampf gegen den Anthropomorphismus ist ein Kampf gegen realsymbolische Begriffe.
Haben die paulinischen Archonten etwas mit den Sakramenten zu tun? Die christliche Gnadenlehre ist ein Produkt der Subsumtion der göttlichen Barmherzigkeit unter das Herrendenken, der kirchlichen Instrumentalisierung der göttlichen Barmherzigkeit: ein Folgekonstrukt der Opfertheologie.
Mein erster Brief an Buber stand noch unter dem Vorzeichen einer positiven kirchlichen Theologie (Identifizierung des Leibs Christi mit der Philosophie). Deshalb mußte ich mich im zweiten Brief hinter dem Alles und Nichts verstecken. -
08.03.93
Die Beziehung des Raumes zum Objekt ist die Grundlage der Beziehung sowohl des Schicksals wie auch des Begriffs zum Objekt (das Schicksal ist der zentrale Begriff des Mythos, weil er dessen Funktion beschreibt: die Begründung des Objekt-Begriffs). Die Geschichte der Verinnerlichung des Schicksals (und damit die Geschichte des Ursprungs des Weltbegriffs) läßt sich ablesen an der Geschichte der Vergegenständlichung des Raumes. Nicht zufällig entspringt das begriffliche Denken mit der Entdeckung des Winkels (und mit den Anfängen der Astronomie, der Verräumlichung der Sternenwelt: waren die Sterne nicht das Modell der Objektvorstellung?).
Sind die sieben Sakramente die Äquivalente der Astrologie (der sieben „Planeten“) nach dem Ursprung und nach der theologischen Stabilisierung des Weltbegriffs?
Was bedeutet es, wenn es vom unreinen Geist heißt: er ging in die Wüste?
Die ersten und die letzten Opfer der Naturbeherrschung sind die Frauen.
Am Ende des Buches Levitikus unterscheidet die Schrift zwischen Häusern in einer ummauerten Stadt und Häusern in Ortschaften, die keine Mauern haben. Die Häuser in einer ummauerten Stadt fallen nicht unter die Jobel-Jahr-Regelungen: sie sind frei verkaufbar, sind nicht zurückzugeben.
Die Welt ist der Inbegriff der Last der Vergangenheit, die wir nur vermehren und dann unsern Kindern aufbürden.
Die Fremden sind die Sündenböcke, die die Reichen den Armen zur Ablenkung anbieten (Theorie des Fernsehens).
Ist der Ursprung der Schrift nicht ein Teil und eine Vorstufe des Ursprungs der Philosophie, nur daß hier das begriffliche Element schon eine Stufe tiefer, in den Buchstaben, gesetzt wird?
Die politische Sprache wird immer mehr zur Orakelsprache: Wie es auch kommt, sie behält immer recht; sie wird sich nie bei einer nachweisbaren Lüge erwischen lassen. Oder genauer: sie darf sich bei einer Lüge erwischen lassen, denn das wissen ohnehin alle, daß es auf das, was einer sagt, nicht ankommt, ja nicht einmal darauf, was einer tut; nur darauf, ob er sich erwischen läßt. „Die deutsche Sprache … kann gleichzeitig nach verschiedenen Richtungen ganz verschiedene Dinge ausdrücken. Deutschland ist das klassische Land der Doppelwahrheit, der hochtönenden Sätze, die alles und nichts bedeuten können, je nachdem wer sie ausspricht und an wen sie gerichtet sind.“ (David Marsh: Die Bundesbank. Geschäfte mit der Macht, München 1992, S. 349)
Die politische Sprache in Deutschland zeichnet sich durch die Fähigkeit aus, die Bedeutungen der Sprache, den intentionalen Charakter der Worte (wie die Richtungen im Raum) reversibel zu halten. Das hängt mit der Fähigkeit zum instrumentellen Gebrauch des Schuldverschubsystems zusammen (Nutzung der Exkulpationsstrategien).
Die Beziehungen des Raumes zum Schicksal, in dessen Herrschaftsbereich es keinen Ausblick auf Unschuld und Glück gibt, gründet in der Reversibilität aller Richtungen im Raum. Die „verandernde Kraft des Seins“ ist seine verschuldende Kraft: der Blick auf Schöpfung Offenbarung Erlösung ist vom Grunde her versperrt (Finsternis liegt über dem Abgrund). -
02.03.93
Der Weltzustand fördert heute eher das kurzfristige Drauflos-Wirtschaften, das Nach-uns-die-Sintflut, als die langfristige Vorsorge. Aber ist nicht die Beziehung des Kurzfristigen zum Langfristigen vertrackter als in Hans Jonas‘ Begriff der Verantwortung erscheint? Handelt es sich hier nicht – ähnlich wie in der Antinomie der reinen Vernunft – um ein objektives Dilemma, dessen Wurzeln wahrscheinlich in der subjektiven Form der Anschauung, in der orthogonalen Struktur des Raumes, liegt (ein objektives Dilemma, dessen Wurzeln heute in der unaufgeklärten Beziehung von Ökonomie und Technologie zu suchen wäre). Steuern wir auf einen Zustand hin, in dem jede Alternative nur noch falsch ist?
Sind die drei Leugnungen nicht zu beziehen auf
– das Urschisma, die Trennung vom Judentum (die Magd des Hohepriesters),
– die Geschichte der Häresien und den Islam (die Magd des Hohepriesters mit den Umstehenden) und
– die Aufklärung (die Umstehenden)?
Ist nicht die Geschichte der drei Leugnungen die Geschichte des fortschreitenden Falls?
War das homousia die erste Leugnung, die Vergesellschaftung der Buße und der Eucharistie die zweite; müßte dann nicht die dritte Leugnung sich auf das Syndrom von Rechtfertigung und Bekenntnis beziehen?
Nach Karl Thieme war Hitler nicht der Antichrist, sondern die Generalprobe, heißt das: die reale (und die letzte?) Warnung vor der Selbstverfluchung?
Ist der Objektbegriff (Quellpunkt des Nominalismus) nicht das schwarze Loch, in das die Sprache hereingezogen wird wie in die astronomischen „schwarzen Löcher“ das Licht?
Walter Burkert weist am Ende des zweiten Kapitels seiner „Antiken Mysterien“ darauf hin, daß erst das Judentum und das Christentum sich zum Weltlauf distanzierende Gemeinschaften gründen, das Christentum als „Bekenntnisgemeinschaften“, die z.T. eine sehr lange Lebensdauer hatten. Die heidnischen Gemeinschaften, insbesondere auch die Mysterienkulte, haben als Kern die Riten, die das ansonsten normale Leben der Bürger begleiten.
Wäre nicht das Motiv der „Enttäuschung der Parusieerwartung“ genauer zu bestimmen als das Prinzip der Verinnerlichung des Opfers?
Ist der Regenbogen nach der Sintflut nicht das Realsymbol der Stabilisierung der Tiefendimension des Raumes (der Dreidimensionalität)? Vergleiche hierzu Goethes Farbenlehre, sein Verständnis der Farben als Verhältnis von Licht und Finsternis (als „Taten und Leiden des Lichts“).
Zusammenhang von
– Regenbogen und Tiefendimension des Raumes,
– Farben als Taten und Leiden des Lichts und
– Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit:
In welcher Beziehung steht die Lorentz-Transformation, stehen die Differenzen bei der Anwendung dieser Gleichungen auf die Bewegungsrichtung und auf die Gegenrichtung, zur Tiefendimension, und in welcher Beziehung stehen beide zur Orthogonalität des Raumes? Ist der Regenbogen und sind die Farben nicht ein Ausdruck der Gewalt, die die unreflektierte Anwendung des Raumes auf die Dinge diesen antut?
Ist nicht die Dreidimensionalität des Raumes und mit ihr das Inertialsystem ein Konstrukt, das nur zusammen mit der Vorstellung einer endlichen Ausbreitungsgeschwindigkeit des Licht sich konstituieren ließ?
Ist nicht die moderne Aufklärung die Selbstaufklärung der Finsternis über dem Abgrund: das Wasser, über dem der Geist Gottes schwebt (sind nicht der Geist über den Wassern und die Finsternis überm Abgrund durch Umkehr auf einander bezogen?).
Lev 11: Welche Bewandtnis hat es hier mit der Unterscheidung des Unreinen von den Greueln (Buber; das Makligen von dem Scheuel)? Erinnern die Greuel nicht an das (Propheten- und) Jesus-Wort von den Greueln am heiligen Ort? Worauf bezieht sich die Vision des Petrus (Apg 109ff): nur auf Unreines, oder auch auf Greuel (in der Schale, die aussah wie ein großes Leinentuch, das an den vier Ecken gehalten wurde, waren „alle möglichen Viefüßler, Kriechtiere der Erde und Vögel des Himmels“)? Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Aufhebung der Reinheitsgebote und der Beziehung des Christentums zur „Welt“?
Trifft unsere Unterscheidung von Parabel (Gleichnis) und Ereignis den wirklichen Sachverhalt? Sind nicht auch Ereignisse, und diese auf z.T. sehr eindringlichere Weise Parabeln? Und hängt dieses Problem nicht mit dem Chronologie-Problem, mit seiner Beziehung zum prophetischen Charakter wirklicher theologischer Erkenntnis, zusammen? (Vgl. die beiden Lazarus-Geschichten, Maria Magdalena und die sieben unreinen Geister, die Petrus-Geschichten.)
Gründet die Todesangst in der Angst, den messianischen Auftrag, der an jeden ergeht, nicht erfüllt zu haben? Ist nicht jeder Tod ein Weltuntergang? -
01.03.93
Nochmal zu den „Spitzen“ (Dornen und Disteln, Form des Raumes, sh. 28.02.93): Liegt hier nicht der Schlüssel zum Ursprung des Weltbegriffs (Projektion und Herrschaft: Barbaren, Natur, Materie; Gemeinheit, Recht und Grenzen der Beweisbarkeit), zum Verständnis der Zivilisationsschwelle?
Der Raum subsumiert die Zukunft unter die Vergangenheit und verdrängt die reale Vergangenheit: er zerstört die Erinnerung und desensibilisiert die Erfahrung. Grund und Ausdruck davon ist die Reversibilität aller Richtungen im Raum. Basis der Vorstellung der homogenen Zeit und Grund der Entsinnlichung der Natur. Er begründet das Trägheitsprinzip und vertreibt das Subjekt aus Natur und Welt, zerstört mit der Erfahrung des andern den Grund der Selbsterfahrung. Die philosophische Kritik des Anthropomorphismus, die von der Theologie übernommen wurde, und die die Erfahrungsunfähigkeit besiegelt, ist darin begründet. – Zusammenhang mit der dogmatischen Tradition im Christentum, insbesondere mit der Opfertheologie: Geopfert wird die Selbsterfahrung.
Gottesmörder, Hostienfrevel und Ritualmordlegende, jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung: An der Geschichte dieser projektiven Verkörperungen des antisemitischen Vorurteils läßt sich die Geschichte des Ursprungs und der Funktion der Theologie hinter dem Rücken Gottes und des Trägheitsprinzips ablesen (die Geschichte der drei Leugnungen). Sie lassen sich begreifen als Folgegestalten der Projektion im Kontext der Dogmenentwicklung (Opfertheologie), des scholastischen Objektrealismus (Universalienstreit) und der paranoiden Selbstverfluchung (Unfähigkeit zur Welt- und Herrschaftskritik: zur Aufklärung der Aufklärung). Ist der Faschismus die dritte Leugnung?
Ist die paranoide Form des Antisemitismus nicht der Schatten des im Bekenntnisprinzip und in der Rechtfertigungslehre sich verkörpernden Herrendenkens?
Steckt nicht in jeder Leugnung ein Stück präventiver Identifikation mit dem Aggressor, und ist die größte Gefahr heute nicht die der Paranoia (der Unfähigkeit zur Arglosigkeit)? Genau das, was die Kirche selbst als Erlösung verstanden hat, treibt die Leute heute aus der Kirche heraus. Das leisten heute die säkularen Instanzen besser, letztlich der Säkularisationsprozeß selber, der mit der kirchlichen Theologie begonnen hat. Der Exkulpationstrieb, den die Kirche erzeugt hat, wendet sich heute gegen die Kirche: weil niemand mehr die Schuld, die der Kirche zugewachsen ist, tragen kann.
Wenn das Bekenntnis die verdinglichte, instrumentalisierte und entfremdete Gestalt der Nachfolge ist, dann wäre die Kritik der Bekenntnislogik die erste Voraussetzung für die Freilegung des Nachfolgegebots. Wichtig die Beziehung zur Zeit: Zusammenhang mit einem Schöpfungsbegriff, der durch das Konzept der creatio mundi nur verstellt worden ist. Der Anfang ist nicht im Anfang, er wird am Ende sein.
Ist nicht die physikalische Idee einer Herstellung des Vakuums die der Herstellung der reinen Vergangenheit, deren Deckbild der Raum als die Form der Gleichzeitigkeit ist. Für die Naturwissenschaften sind die Dinge immer noch mit Zukünftigem „beschmutzt“.
Märchen beginnen mit dem „Es war einmal“, Sagen zitieren vergangene Zeiten. Sagen lehren den Stolz auf vergangene Herrlichkeit, Märchen die Trauer über vergangenes Glück. Das Märchen ist völlig frei von jeder heroischen Attitüde. Im Märchen wird der dumme Teufel von der ganz unheroischen List der Kleinen und Schwachen besiegt, und selbst des Teufels Großmutter hilft noch bei der Übertölpelung des Teufels.
Heute ist der Himmel leer: Inbegriff der (seit Kopernikus) vergangenen Zukunft.
Wird durchs Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit nicht das Moment des Gesehenwerdens in das Licht mit hereingenommen: Quellpunkt des Angesichts? Und ist es ganz illusionär, darin die beiden Augen des Rosenzweigschen Antlitzes zu erblicken?
Blut als verinnerlichte Scham: Es darf nicht nur kein Blut vergossen, nach der Tradition der Schrift darf auch kein Blut getrunken oder gegessen werden. Das Rot des Bluts ist das verinnerlichte Chlorophyll: darin steckt die gleiche Beziehung zum Licht, die in der Scham aufs Gesehenwerden, auf die Erkenntnis, nackt zu sein, sich bezieht. Pflanzen haben das Licht außer sich, Tiere haben es verinnerlicht. Stecken hier nicht die Verständnisgründe für das Symbol des Schwerts, für die Geschichte von der vom Blutfluß befallenen Frau, fürs Schwarzmondtabu?
Bezieht sich die Geschichte vom Binden und Lösen (auch in Hiob 3811) nicht auf die Macht der Vergangenheit? Und steckt nicht noch in den Anachronismen der Schrift ein Fingerzeig, ein Hinweis?
Wäre die Physik die Wahrheit über die Dinge, dann säßen die Menschen von Natur aus im Gefängnis. Aber ist nicht der Objektbegriff in der Tat der Schlüssel, der das Gefängnis der Subjektivität verschließt und die Subjektivität immer mehr zu einer Form der Isolationshaft macht? -
28.02.93
Wer es nicht wagt, einen Konflikt offen (im Angesicht des Adressaten) anzusprechen, kann, was er denkt, nicht in jedem Falle vor dem andern verbergen: die offene Frage erscheint dann als entlastende Aggression (einmal muß es doch heraus), als „Spitze“. Hat diese „Spitze“ etwas mit den Dornen und Disteln der Bibel zu tun: am Ende auch mit dem Konzept und der Form des Raumes und seiner Hypostasierung? – „Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten, daß sie nackt waren.“ Ist nicht der Raum (als „Spitze“) die Form der Beziehung zu anderen, in der jeder sich als nackt erkennt?
Sind nicht die Geschichten von Judith und Holofernes, von Esther und Haman, Geschichten, die den Satz aus dem Fluch an die Schlangen nach dem Sündenfall erläutern: „Feinschaft will ich setzten …, ihr Nachkomme wird dir den Kopf zertreten“?
Beziehung des Bilderverbots zum Gebot der Feindesliebe: Sind nicht seit dem Ursprung des Weltbegriffs alle Bilder Feindbilder? – Der Raum oder die Instrumentalisierung und Neutralisierung der Umkehr. Liegt hier nicht die weltgeschichtliche Bedeutung der Entdeckung des Winkels und der Orthogonalität?
Worin liegt der logische Kern der Begründungen, die der Antinomie der reinen Vernunft zugrunde liegen? Wird hier die „verandernde Kraft“ des Seins bestimmbar? Ebenso die Beziehung der Begriffe Welt und Natur, die sich gleichsam wechselseitig widerlegen und bestätigen?
Zum Buch Jonas: Wir können Oben und Unten unterscheiden, ebenso Vorn und Hinten; aber Rechts und Links können wir nicht mehr unterscheiden.
Ist Habermas der Buber der kritischen Theorie? Mit der Verdrängung des Naturproblems verdrängt Habermas den theologischen Ursprung und damit einen zentralen Teil der Tradition der Philosophie. Die Emanzipation der Philosophie von der Theologie, Ursprung der modernen Aufklärung, ist selber theologisch vermittelt. Über die Theologie wurde das gleiche Schicksal (Urteil) verhängt (gefällt), das sie ihrem eigenen jüdischen Ursprung hat widerfahren lassen.
In der Geschichte der Aufklärung wurde die Orthodoxie ersetzt durch das Inertialsystem. Und die Orthodoxie darin (in den kantischen Formen der Anschauung) wiederfinden, sie so entschlüsseln, daß diese Beziehung durchsichtig wird, wäre ein entscheidender Beitrag zur Aufklärung der Aufklärung.
Stephanus war der erste Märtyrer, der zweite Jakobus, der Bruder des Johannes, den Herodes mit dem Schwert hinrichten ließ (Apg 121f).
„Maria aber bewahrte all diese Worte in ihrem Herzen“. Unterm Kreuz hat Jesus sie dem Johannes anvertraut. -
26.02.93
Erinnert nicht das Verhältnis der Kopenhagener Schule zu Einstein an die Beziehung von Hegel zu Kant? In beiden Fällen wird die Systemkritik als Motor des Systems ins System zurückgenommen und integriert, das kritische Moment herausgebrochen.
Der Gott der Philosophen ist nicht der Gott der Offenbarung. Wenn man versucht, beide mit allen Konsequenzen zu harmonisieren, kommt der Islam dabei heraus.
Dein Wille geschehe, fiat voluntas tua: Wie heißt und welche genaue Bedeutung hat das griechische Verb, das hier mit „geschehen“, „fieri“ übersetzt wurde? – „Genätäto to teläma sou“ (Mt. 610: von ginomai, werde geboren, entstehe, werde erfüllt, getan). Wenn aus dem ginomai das Tun herausgebrochen wird, entsteht genau das, was die Christen immer in den Islam hinprojiziert haben (zusammen mit der nur kriegerischen Interpretation des jihad): die Unterwerfung unter den Willen Gottes anstelle des Tuns. Ist hier nicht eines jener Beispiele, an denen sich (wie an den Begriffen Welt und Natur) nachweisen läßt, welche Folgen die Übersetzung der Philosophie und der Theologie aus dem Griechischen ins Lateinische gehabt hat?
Was ist das movens der Ursprungsgeschichte des Römischen Reiches? War nicht so etwas wie ein sprachlich-logischer Zwang mit darin enthalten, der sich aus dem Übergang von der heidnischen Idolatrie (vgl. die römische Religion, ihren Unterschied zur griechischen) zur Aufklärung und zur Installation des Weltbegriffs herleiten läßt? Ist hier nicht der Ort des aristotelischen „Ersten Bewegers“, der noesis noeseos; und muß hier nicht daran erinnert werden, daß Alexander ein Schüler des Aristoteles war? Lag nicht der Keim der Orientalisierung der griechischen Philosophie im Hellenismus in der inneren Tendenz und Logik dieser Philosophie selber?
Das ex nihilo in der philosophisch-theologischen Schöpfungslehre ist mit der Einführung der Null in die Mathematik (im Kontext des Ursprungs der doppelten Buchführung und des Inertialsystems) gegenstandslos, obsolet geworden; es hat nur noch niemand bemerkt. An dem Unvermögen, das zu begreifen, ist die nachislamische kirchlich-christliche Theologie (Grund des Universalienstreits) zugrundegegangen.
War nicht die Nazizeit eine Zeit der Einübung in das Heulen mit den Wölfen?
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