Die Bildung des Neutrum scheint schon sehr früh erfolgt zu sein; Hängt sie mit der Hirten-Ökonomie zusammen (vgl. Benveniste)?
Merkwürdige Urbedeutung des Wortes sacramentum: Haftgeld (Benveniste, S. 46).
Gibt es einen etymologischen Zusammenhang zwischen Erbe, urbs und orbis (S. 68)? – Auch Schulden werden vererbt.
Die Existenz des Privateigentums ist an bestimmte gesellschaftliche und logische Voraussetzungen gebunden, die im Begriff der Welt zusammengefaßt sind. Im Begriff der Existenz schlägt der Weltbegriff (das Meer der Völker, Stämme, Sprachen und Nationen) über den Köpfen der Privateigentümer zusammen, setzt er sie der Gefahr aus, darin zu ertrinken (Heideggers „In-der-Welt-Sein“).
Die Erde gegründet und den Himmel aufgespannt: Der Begriff der Spannung bezeichnet sowohl einen räumlichen als auch einen zeitlichen Sachverhalt. Der räumliche Sachverhalt wurde im Gravitationsgesetz erstmals vergegenständlicht, der zeitliche im Roman. Auf den räumlichen Sachverhalt bezieht sich das Wort von den Sünden der Welt, auf den zeitlichen das von der Übernahme der Sünden der Welt. Wenn die Leuchten am Himmel, nach der Genesis, über die Zeiten „herrschen“, dann heißt das, daß sie die archä: die Anfänge und Urspünge der Zeiten repräsentieren.
Das Angesicht des andern ist die realsymbolische Gegenwart Gottes. Gründet nicht die Benennung der Tiere durch Adam in dem Unvermögen (oder in der Weigerung), das Angesicht der Tiere zu erkennen? Auch Eva erkennt Adam nur als „Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“, und die Erkenntnis Evas ist die Zeugung der Sühne Kain und Abel. In dem „Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“ klingt schon das „und sie erkannten, daß sie nackt waren“ an.
Nach Emile Benveniste hängt der Bedeutungswandel von hostis im Lateinischen (vom Gast und Fremden zum Feind, Zusammenhang mit hostia = Opfertier) mit dem Ursprung der Zivilisation (der das Eigentum begründenden und sichernden Institutionen) zusammen. Im Griechischen statt dessen die Trennung von xenos und barbaroi. Die biblischen Xenophobie-Berichte von Sodom, Jericho und Gibea setzen alle städtische Verhältnisse voraus (vgl. Ninive, die „große Stadt“).
Zerstörung des Angesichts durchs Zeitkontinuum (oder Sprengung des Zeitkontinuums durchs Angesicht): Die Differenz zwischen „Ihm, der ist, der war und der kommt“ (Off 14) und dem Tier, das „einmal war und jetzt nicht ist, aber wieder da sein“ wird (178) ist die Differenz zwischen dem Angesicht und dem Inertialsystem (was ist der Unterschied zwischen dem Seitenblick und dem Hinter dem Rücken?), sie bezeichnet genau das Problem der Genesis des Neutrum. Beachte, daß auf 178 der gleiche Hinweis folgt, der auch bei der Zahl des Tieres, die die Zahl eines Menschen ist, steht: „Hier braucht man Verstand und Kenntnis“ (179 und 1318).
Das Relativitätsprinzip überträgt die Homogeneität und Isotropie des Raumes auf die Vorstellung der Zeit (durch Herstellung einer quasiorthogonalen, metrikbegründenden Beziehung der Zeit zum Raum: durch Neutralisierung beider und mit der Folge der Konstituierung des Begriffs der trägen Masse: der physikalischen Materie).
Wäre der Raum orthogonal (und nicht die Orthogonalität Produkt des intersubjektiven, subjektlosen mathematischen Zwangs), so müßte die Zeit ohne Anfang und Ende sein (der Punkt als Bild der reinen Gegenwart). Die Homogenität der Zeit (der Ausschluß der Idee des Ewigen) ist durch die Dreidimensionalität des Raumes vermittelt, durch die innere Differenzierung der Zeit, die sich in den drei Dimensionen des Raumes manifestiert. Die Zeitdilatation in der speziellen Relativitätstheorie ist richtungsbezogen.
Die Atomphysik ist das physikalische Realsymbol der Xenophobie, und die AKW’s sind Realsymbole für den Risikostatus: für die Grenzen der Beherrschbarkeit der politischen Ökonomie.
Naturwissenschaft
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06.01.93
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31.12.92
Erst durch die Inquisition hat die Buße jene Bedeutung gewonnen, die sie als die Ausnahme erscheinen läßt gegenüber der Umkehr, die im Christentum der Normalfall hätte sein müssen. Erst hier wurde der Rückschluß, der insbesondere Maria Magdalena getroffen hat, nahegelegt: Wer so büßen muß, muß es schlimm getrieben haben, und nur wer unbehelligt bleibt, wer sich anpaßt, ist gerechtfertigt. Erst hier wurde die Buße zu einem Instrument der Zivilisierung, zum Herrschaftsmittel.
Das Wort: alle Menschen werden Brüder, bezeichnet eigentlich die Utopie der Herstellung einer gemeinsamen Welt (durch Beziehung der Welt auf einen gemeinsamen Vater).
Über die Identität von Schuldreflexion und Herrschaftskritik, oder über das paranoide Element im Objektbegriff. Die Übernahme der Sünde der Welt ist Inbegriff der christlich determinierten Erinnerung; sie wurde verdrängt durch die Opfertheologie.
Es gibt keine Offenbarung zu jeder Zeit, sondern die Offenbarung hat ihre bestimmte Zeit. So ist es beschrieben in der Lazarus-Geschichte: Dafür habt ihr Moses und die Propheten.
Hängen die Größe des Weltenraums und die Tiefe der Vergangenheit (die Zahl der Sterne am Himmel und des Sands am Meere) mit der Zahl der Menschen (der Nachkommenschaft Abrahams) zusammen?
Das Fremde ist die Präsenz der unreflektierten Vergangenheit (der unreflektierten Schuld der Vergangenheit).
Vergangenheit und Zukunft: Ebenso wie eine zukünftige Vergangenheit (Futur II) gibt es eine vergangene Zukunft (Fremdheit und Auferstehung), und beide sind durch Umkehr aufeinander bezogen.
Der Raum definiert das Medium der Praxis; und zwar sowohl fürs Subjekt (offener Raum, in den die Dinge von außen hereingebracht werden müssen: kopernikanisches System) als auch fürs Objekt (geschlossener Raum, der von anderen Objekt leer gemacht werden muß: Herstellung von Laborbedingungen, verschließbarer Tresor oder Gefängniszelle). Sind Subjekt und Objekt (Welt und Natur) definiert durch Verfügbarkeit (Besitzrechte)? Der offene Raum ist ein durch keine Besitz- und Verfügungsrechte anderer eingeschränkter Raum, während der geschlossene Raum (Labor, Tresor und Gefängnis) das absolute Verfügungsrecht über seinen Inhalt mit einschließt. Gibt es Gefängnisse erst, seit es Privateigentum gibt (Schuldknechtschaft)?
Hier gründet die Beziehung des Raumes zum Geld: Die mathematische Entfaltung der Raumvorstellung war erst möglich nach der mathematischen und technischen Beherrschung des Schuldenproblems (Erfindung der Null, Rechnen mit negativen Zahlen, Erfindung der doppelten Buchführung). -
28.12.92
Erst die Inquisition hat mit drastischen Mitteln das Bekenntnisprinzip eingeführt und die Bekenntnislogik durchgesetzt. Die grundsätzliche Konfikation des Besitzes eines als Ketzer Verurteilten verweist auf den Zusammenhang des Bekenntnisses mit dem Eigentumsprinzip. Die Inquisition hat die Religion als Herrschaftsmittel vergesellschaftet, das hat ihren Inhalt nicht unberührt gelassen: sie hat den Glauben in Isolationshaft genommen.
Die Konfiskation des Besitzes der Ketzer war der Vorläufer des Goldraubs in Amerika (Bedeutung der spanischen Inquisition).
Ist ein Zufall, daß die Inquisition gleichzeitig mit der Hochscholastik sich entwickelt und ihre Träger Vertreter der gleichen Orden sind, die auch die Hochscholastik repräsentieren?
Die Desensibilisierung des Glaubens durch die Inquisition war die Voraussetzung für die Entsinnlichung der Natur in den modernen Naturwissenschaften; und schon die Inquisition hat auch die Toten in ihr paranoides System hereingezogen, sie nicht mehr in Ruhe gelassen (Grund war die Konfiskation des Besitzes von den Erben: Zusammenhang mit dem paranoiden Weltbegriff).
Enthält die kantische Kategorienlehre nicht ein Stück verkehrter Theologie: einer Theologie, die durch Umkehr daraus „erwächst“? Es wäre eine Theologie, die aus den Totalitätsbegriffen Wissen, Natur und Welt die theologischen Kategorien Offenbarung, Auferstehung und Schöpfung rekonstruiert. Aus den Formen der Anschauung wäre die Offenbarung, aus den dynamischen Kategorien die Auferstehung und aus den mathematischen Kategorien die Schöpfung abzuleiten (genauer: die Formen der Anschauung konstituieren sich durch Leugnung der Offenbarung, die dynamischen Kategorien durch Leugnung der Auferstehung und die mathematischen durch Leugnung der Schöpfung). Ist der Existenzbegriff der Schlüsselbegriff, das Siegel, das zu lösen wäre (ist es nicht der Existenzbegriff, der die Mächte des Abgrunds evoziert; sh. Heideggers Frage, warum überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts sei)?
Der philosophische Weltbegriff, der Begriff des Kosmos, ist der Schatten des Naturbegriffs. -
25.12.92
Weihnachten: Der Geschenk-Wahn oder die Einstiegsdroge für den Ego-Trip.
Wenn der Himmel aus der räumlich-präsenten in die zeitlich-zukünftige Dimension rutscht, dann gewinnt der Satz „Was du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst sein“, eine ganz neue, aufs Bußsakrament nicht mehr anwendbare, ungeheure Bedeutung.
Die creatio mundi ex nihilo stellt den ersten Satz der Genesis auf den Kopf. Das bereschit wird durch das ex nihilo schlicht falsch übersetzt. Das Heideggersche „Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts“ ist eine Konsequenz aus dieser falschen Übersetzung und sein spätes, blasphemisches Echo (ähnlich schon das rousseausche „Zurück zur Natur“).
Hängen die Dornen und Disteln vielleicht mit einer durch den Sündenfall verursachten Veränderung des Raumes: mit der Genesis seiner mathematischen Struktur, die in den Dornen ihre biologische Entsprechung findet, zusammen? Und haben die Hörner (nur Hörnertiere sind Opfertiere) etwas mit den Dornen und Disteln zu tun?
Ist das Buch der Richter ein kosmologisches Buch (Kampf der Sterne bei Deborah, Simson und Dalilah, die linkshändigen Benjaminiten)?
Die Geschichte der Verweltlichung der Welt ist ist erkauft mit der Vergesellschaftung von Herrschaft. Das „Von allen Seiten hinter dem Rücken“ ist die Einheit von Herrendenken, projektiver Nutzung des Schuldverschubsystems und universaler Verblendung.
Was hat es mit den Witwen und Waisen auf sich (ist nicht Mitscherlichs vaterlose Gesellschaft eine Gesellschaft von Witwen und Waisen)?
Das Ungleichnamige gleichnamig machen geht nur innerhalb eines Systems, in dem (wie in der Physik und in der Ökonomie) jeder Vorgang sich theoretisch auch in umgekehrter Richtung denken läßt, in einem System, das die Umkehr neutralisiert: darin liegt die ungeheuerliche Bedeutung des mathematischen Raumes und des Geldes.
Der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit (Voraussetzung der Neutralisierung der Umkehr) antwortet die Rettung der vergangenen Hoffnung, die Idee der Auferstehung der Toten. So bestimmt sich das Verhältnis der Bibel zur Physik.
Ist die Differenz zwischen dem Dynamischen und Mathematischen (zwischen Natur und Welt) die zwischen dem Tun und der daraus abgeleiteten (und das Tun nachträglich begründenden) Eigenschaft (Verb und Begriff)? -
17.12.92
Von Empedokles gibt es zwei Titel, neben dem „Über die Natur“ (peri physeos) den zweiten „Entsühnungen“; beide zusammen umschreiben aufs genaueste den Objektbereich des Ursprungs der Philosophie.
Die Entdeckung des Winkels und die Erfindung der Null eröffnen jeweils einen neuen Äon. Die Entdeckung des Winkels gehört zu den Ursprungsbedingungen des Weltbegriffs (der Idee der Ewigkeit der Welt), während die Erfindung der Null präludiert wird durch das Theologumenon der creatio ex nihilo.
Das Nichts, aus dem der Theologie zufolge Gott die Welt erschafft, ist die Vergangenheit, die wir produzieren (deshalb gehört der Ursprung der Geschichtsschreibung zum Ursprung des Weltbegriffs). Es ist das Erinnerungsmal des vergessenen Mords oder der vergessenen Katastrophe (der gleichen Katastrophe an deren Herbeiführung wir alle bewußtlos arbeiten).
Die creatio ex nihilo war auch seit je ein Rechtfertigungs-Topos für die kirchlichen Ursprünge des Terrors und Mords.
Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten, daß sie nackt waren: Hier liegt der Ursprung des Weltbegriffs, der sich hinter unserm Rücken und über unsern Köpfen seitdem durchsetzt. Dieses Sehen ist sehr genau zu unterscheiden von dem, das die Blinden sehend macht und sich aufs Angesicht bezieht.
Die Idee des Kosmos ist ohne die Veränderungen, die die Erfindung der Schrift und der Ursprung des Geldes einleiten und bewirken, insbesondere ohne die neue Beziehung zur Vergangenheit, nicht denkbar.
Die staatliche Organisation einer Gesellschaft von Privateigentümern zitiert die Natur (die gefallene Natur).
Ist nicht die Schlange („seid klug wie die Schlangen“) auch ein Bild der Paranoia?
Die Zelle der Isolationshaft, in der wir alle stecken, ist mindestens mit drei Schlüsseln verschlossen: mit dem Begriff des Wissens, mit dem Natur- und mit dem Weltbegriff.
Nicht Glaube, sondern Treue (zu den Verheißungen Gottes). Der Glaube ist ein nur Anfang, aber einer, der – wie die Naturen bei Rosenzweig – der Umkehr bedürftig ist, und dann als Treue sich bewähren muß.
Wenn mein Verständnis von Joh 828 stimmt, hat sich dann nicht die Kirche in der Karfreitagsliturgie immer selbst verflucht?
Die Welt erträgt das Anderssein, weil sie selbst der Inbegriff des Andersseins ist, aber sie erträgt nicht den Fremden. Und durch ihre Beziehung zum theologischen Konzept der creatio ex nihilo bezieht sie sich ähnlich negativ auf die Schuld der Armen, die in diesem nihil sich ausdrückt.
Das Kuckucksei in der Verfassung ist das Blutprinzip, der genealogische Grund der Staatsbürgerschaft, wonach man Deutscher nur aufgrund seiner Abstammung ist (vgl. die Hegelsche Ableitung des Monarchen in seiner Rechtsphilosophie); das Kuckusei im Kopf sind die subjektiven Formen der Anschauung, in denen die Gesellschaft als unkenntlich gemachtes Prinzip enthalten ist. Objektivierung, Verweltlichung und Vergesellschaftung sind nicht gleichbedeutende Begriffe, aber Begriffe, die den gleichen Sachverhalt unter verschiedenen und zugleich organisch verbundenen Aspekten bezeichnen.
Es gibt zwei Ursprungsbegriffe des Privaten: den idiotes (der sich um Politik nicht kümmert) und die steresis (die privatio, Beraubung).
Wann gelingt es endlich, die Finsternis über dem Abgrund zu durchdringen (oder beide, die Finsternis und den Abgrund, aufzulösen)? Aber wie verhält es sich mit dem Schlüssel des Abgrunds in der Apokalypse (und den Pforten der Hölle, die die Kirche nicht überwältigen, verschlingen werden)?
Was heißt „denken“? (Nach Kluge hängt es mit einer indogermanischen Wurzel teng-, die „ziehen, spannen“, aber auch „wiegen, erwägen“ bedeutet, zusammen. Bezeichnet es eine der Schwere korrespondierende Kraft, mit dem Begriff als Trägheitsprinzip?) Ist die Theologie, wenn es sie denn einmal geben sollte, die durchs Denken vermittelte Prophetie oder das Denken nach der Umkehr? (Vgl. den Titel von Simone Weil: Schwerkraft und Gnade.) -
14.12.92
Ist die mittelalterliche Dämonenlehre nicht eine entfremdete und verdinglichte Erkenntnis- und Gesellschaftskritik, der notwendige Schatten der Aufklärung: der mit ihr dogmatisierten Form der Objektbeziehung? So ließe sich der Hexenwahn, auch seine inhaltliche Bestimmung (sh. u.a. Carlo Ginzburg: Hexensabbath), als Deckbild der beginnenden naturwissenschaftlichen Aufklärung begreifen, der Antisemitismus und Auschwitz als Widerspiegelung des Endes der Aufklärung.
„In der griechischen und in der von ihr herstammenden russisch-orthodoxen Kirche gab es keine Hexenverfolgung, keine Inquisition, keine Massenabschlachtungen.“ (Rudolf Krämer-Badoni, S. 180) Weil es dort den Ursprung der Naturwissenschaften nicht gegeben hat. -
09.12.92
„Den „Sozialkörper“ gibt es nicht im Sinne sichtbarer, greifbarer Wirklichkeit. Er ist eine Metapher, eine imaginäre Größe, ein soziales Konstrukt. Als solches aber gehört es durchaus der Wirklichkeit an.“ (S. 132) Und ich kann mir gleichwohl an ihm den Kopf einrennen: Er ist durchaus ein mechanisches Objekt (Frage: wie unterscheidet sich diese Materialität von der einer Wand?).
„Kulturelle Identität ist … die reflexiv gewordene Teilhabe an bzw. das Bekenntnis zu einer Kultur.“ (S. 134) (Problem: Teilhabe und Bekenntnis.)
Hier scheint es wirklich schlimm zu werden: wenn er als Kardinalsünde die „Habgier“ notiert und dazu die gesellschaftliche Wirkung der Unmoral mit dem Krebs vergleicht: „Der Habgierige ist gewissermaßen die „Krebszelle“ der Gesellschaft“ (unter dem Titel „Zirkulation“, S. 140f)
„Sprichwörter haben es vornehmlich mit Gemeinsinn als Common Sense zu tun.“ Z.B. „Gutheit ist Dummheit“ (vgl. auch Adornos Bemerkung über Sprichwörter). Vielleicht ist hier der Begriff „Gemeinsinn“ durchaus wörtlich zu nehmen. Aber das Zitat geht weiter: „Ihr zentrales Anliegen ist die Einübung von Solidarität, so „daß sich jede Zelle im Einklang mit dem Gesamtorganismus befindet.““ (S. 141f)
Wenn Gott die Welt erschaffen hat, dann hat er auch die Hölle erschaffen. Aber keine Auferstehung ohne den Abstieg zur Hölle!
Zu S. 150: Ich befürchte, auch Jan Assmann hat den Begriff der „Volksgenossenschaft“ nicht (oder doch zu gut?) verstanden.
Zum Ursprung der Sprache: Daß Gott die Seele liebt, muß ein Stück paradiesischer Welterfahrung, mit enthalten. Diese Liebe kann nicht nur die einer intimen Zweierbeziehung (eine „echte Begegnung“) sein, sie muß den Status der Erlösung der ganzen Welt als Vorbegriff mit enthalten.
Ist die zweite Schöpfungsgeschichte die nachgetragene Begründung der ersten (liegt der Sündenfall vor der Schöpfung)?
Die Vernunft hat das Maß ihrer Erkenntnis an der Idee des Paradieses (an der Idee des seligen Lebens).
Stehen Ziel und Maß nicht in Opposition zu einander? Konstituiert sich das Maß nicht erst im Untergang des Ziels, zusammen mit der Subjektivierung der Zwecke und der Instrumentalisierung der Dinge (Baum der Erkenntnis)? War die Entdeckung des Winkels (eines der Momente im Prozeß des Ursprungs der Philosophie) die erste Entdeckung einer selbstreferentiellen Maßbeziehung (Kreiszahl Pi)?
Sind die Gesten bei Kafka nicht Teil einer Sprache, die ihr Objekt verloren hat?
Das „ad litteram“ in dem augustinischen Titel „de genesi ad litteram“ bezeichnet schon das Inertialsystem in nuce. Es steht unter dem Verdikt des Pauluswortes, nach dem der Buchstabe tötet, während es der Geist ist, der lebendig macht. (Steckt darin nicht die ganze Lehre von Tod und Auferstehung?)
Erinnert die Geschichte der Bekehrung des äthiopischen Eunuchen in der Apostelgeschichte nicht an eine Begebenheit, eine Konstellation, einen Namen oder etwas ähnliches im AT?
Ist nicht der kirchliche Konfessionsstreit vorgebildet in dem Streit der Soldaten um den Rock Jesu, der keine Naht hat? Und hat dieser Rock etwas mit den Rücken aus Fell, die nach dem Sündenfall den Schurz aus Feigenblättern ersetzen, und dem bunten Rock des Josef zu tun?
Zu dem Schild am Kreuz:
– Heißt es Jesus Nazarenus oder Jesus, der Nazoräer?
– Weshalb fordern „die Juden“ von Pilatus, er solle nicht schreiben: der König der Juden, sondern: er habe gesagt, er sei der König der Juden; darauf antwortet Pilatus: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.
Die Phänomenologie des Geistes ist das Werk Hegels, das der Sache am nächsten kommt: Mit diesem Werk hat sich Hegel vorm Wahnsinn gerettet.
Der Sieg über den Nationalsozialismus hat dem Geist eine Ruhepause verschafft, die er nicht genutzt hat. Anstatt das Paradigmatische am Nationalsozialismus zu begreifen und aufzuarbeiten, hat er geglaubt, sich in den beruhigten Verhältnissen danach gemächlich einrichten zu können; er hat versäumt, die vor Augen liegenden Bedingungen gesellschaftlicher Naturkatastrophen zu studieren.
Hängen nicht Xenophobie und Abtreibungsdebatte auf eine sehr subtile Weise zusammen? -
06.12.92
Der Naturbegriff ist der Bann, unter dem die Natur steht.
Natur und Welt sind die durchs Herrendenken vermittelten Säkularisationsgestalten des Himmels und der Erde.
Wird nicht in dem Verfassungsgerichtsverfahren über die Frage der Indikationsregelung im Falle der Abtreibung über die Gültigkeit des Satzes entschieden „Fiat justitia, pereat mundus“? Ein Verfassungsgericht, das sich um die moralische Verfassung der Republik nicht mehr schert, trägt bei zu ihrem Untergang. Es wäre zweifellos auch für einen Verfassungrichter eine lohnende Frage, ob nicht die Aufhebung der strafmildernden Wirkung von Trunkenheit zur Lösung des Problems der Gewalt in dieser Gesellschaft ganz erheblich beitragen könnte. Aber ein Recht, in dem Trunkenheit strafmildernd und Denken strafverschärfend sich auswirkt, paßt zu einem Abtreibungsrecht, das noch den Uterus der Frau dem Gewaltmonopol des Staates unterwirft. Die Wut, mit der die raf verfolgt wurde (und immer noch verfolgt wird), sind aus den Taten der raf allein nicht mehr abzuleiten – dann müßte angesichts der derzeitigen Pogrome in Deutschland ähnlich verfahren werden -; begründet war sie vor allem als Reaktion auf die politische Kritik, deren Diskriminierung das vorrangige Ziel war.
Welches Übermaß an Gewalt notwendig ist, um den staatlichen Eigentumsschutz (nach außen und nach innen) heute noch zu gewährleisten, kennzeichnet den Zustand der Welt aufs genaueste. Und rechte Gewalt ist deshalb rechtlich so schwer zu fassen, weil es keine realen Eigentumsrechte tangiert (wieviel Asylanten wiegt ein Opfer der raf auf?).
Wie hängen Geld und Schrift mit dem Ursprung des Privateigentums (dem Ursprung der staatlichen Organisation einer Gesellschaft von Privateigentümern) zusammen, und wie tief greifen sie in die mit dieser gesellschaftlichen Verfassung verbundenen Gestalt der Vernunft ein?
In Hegels Philosophie ist der Weltbegriffs bereits vorausgesetzt und sein Ursprung (wie der von Raum und Zeit in der kantischen Philosophie) ins Unerkennbare verschoben.
Welche Bedeutung haben die Zweierkonsonanten phi, psi, chi, xi im Griechischen; steht ihr Ursprung in Zusammenhang mit der Einführung der Vokale in die Schrift und dem Verschwinden des Digamma (F) und des Aspiranten (H)? Gibt es ausßerdem einen Zusammenhang mit der Benennung der Kreiszahl Pi?
Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Vokalen und den Planeten? Und ist nicht der Name JHWHs eine Vokalfolge?
Wie wäre es mit dem Titel: Läuse im Pelz?
Beruhen nicht Scham, Entzündung, Fieber, Hitze auf einer Hemmung des Angesichts?
Steckt da nicht eine ebenso ungeheuerliche wie fatale Konsequenz drin, wenn bei den Velikovsky-Anhängern jetzt dem Venus-Konkretismus jetzt eine historische Verschwörungstheorie („Karl der Fiktive“) folgt?
Liegt das Barbaren-Hebräer-Problem nicht noch eine Stufe tiefer: Hängen der Schöpfungsgedanke und das Bewußtsein der Fremdheit logisch und inhaltlich zusammen, so daß beide nur gemeinsam bejaht oder verneint werden können?
Die Fundamentalontologie ist der Strick, mit dem sich die Vernunft in der staatlich verfaßten Gesellschaft von Privateigentümern selbst erdrosselt. An der Fundamentalontologie wäre wie an einem klinischen Objekt zu studieren, was die Sünde wider den Heiligen Geist bedeutet (die Sünde wider den Heiligen Geist ist – in der logischen Folge des Eigentumsdenkens – die Weigerung, die Sünden der Welt auf sich zu nehmen).
Zu Heideggers In-der-Welt-Sein: Das Paradigma Innen-Außen läßt sich von der Vorherrschaft des Außen (und der Selbstzerstörung des Innen) nicht mehr trennen. Der Gedanke an ein gegen das Außen sich behauptendes Innen ist durch die Geschichte der Naturwissenschaften obsolet geworden.
Die Erde ist der dritte Planet; zwischen ihr und der Sonne sind auf der Erdseite der Mond, auf der Sonnenseite Merkur und Venus, außerhalb sind Mars, Jupiter und Saturn. -
03.12.92
„Der Glaube, den ein Mensch nach außen hin bekennt, kann keinesfalls sein wahrer Glaube sein.“ (Scholem: Erlösung durch Sünde, S. 60) Problem des „nach außen hin“, des Begriffs der Öffentlichkeit, des Rechts und der Beweislogik (Gemeinheit ist kein strafrechtlicher Tatbestand), Kritik der Naurwissenschaften, Dialektik der Aufklärung (Begriff Produkt der Verinnerlichung des Schicksals, Konstruktion der Idee des Schicksals), die „verandernde Kraft des Seins“ (Rosenzweig), Adornos Atheismus.
Aber: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.
In Illustrationen zur Prähistorie werden die „Steinzeitmenschen“ generell mit Tierfellen bekleidet dargestellt. Ist das nicht ein Relikt unverstandener Bibellektüre? Was es wirklich mit den „Röcken aus Fellen“, die Gott „machte“ und Adam und Eva nach dem Sündenfall gab, um ihre Blöße zu bedecken (Gen 321), auf sich hat, ist – wie mir scheint – völlig offen. Kann es nicht sein, daß es mit den Fellen, die die Feigenblätter ersetzen, eine ganz andere Bewandnis hat: daß nämlich gleichsam die Feigenblätter zu Fellen mutieren und dann aus den Fellen, von außen nach innen, sich das apokalyptische Tier bildet?
Unterscheidet auch die Bibel zwischen Häuten und Fellen (haben Schweine und Pferde Felle; aber Hunde und Katzen, d.h. Raubtiere haben Felle)? Aus Häuten werden Lederwaren hergestellt. Häute assoziieren die Vorstellung der Nacktheit. Ist die Unterscheidung von Häuten und Fellen kompatibel zu der von Hufen und Pfoten? Gibt es Tiere mit Pfoten, die auch Hörner haben? Schafe und Ziegen haben Fell, Hufe und Hörner.
Wie hängen Scham und Kälte mit einander zusammen? Das Fell bedeckt nicht nur die Blöße, sondern schützt auch vor der Kälte. Sind Wärme und Kälte nicht auch Attribute des Blicks (und somit auf die Scham bezogen)? Ist nicht die Scham auch ein Frieren (und die Kälte eine Art neutralisierter Scham)? Und ist die Hitze, das Fieber, die Entzündung, eine Art Schamreaktion (ich werde rot und mich überläuft’s heiß)?
Die merkwürdigen Phänomene wie Horn und Schwanz: Der Schwanz ist ein Teil des Fells, die Hörner hängen mit den Krallen Fuß- und Zehennägeln, den Hufen, sowie mit den Haaren zusammen. Welches Tier hat außer dem Elefanten und dem Eber noch Stoßzähne? Ist das Horn des Nashorns ein Stoßzahn?
Ist das Widderhorn eines der ersten Blasinstrumente? War die Vorstellung vom gehörnten Moses nur eine Fehlübersetzung? Kommen die Schnäbel der Vögel vom Zahn oder vom Horn?
Gibt es eine Beziehung zwischen der Hörnerbildung bei Säugetieren und den korrespondierenden Erscheinungen bei Insekten, bei Käfern?
Die Evolutionstheorie wäre unter diesem Aspekt einmal zu untersuchen.
Haben sich die Tiere durch Sintflut und das Überleben in der Arche verändert? Verweist darauf nicht u.a. das erst nach der Sintflut ergangene veränderte Nahrungsgebot, das auch das Fleischessen erlaubt? Hängt das alles wiederum zusammen mit dem Weinanbau und der Bildung des Regenbogens? Weist die Sintflutgeschichte nicht prophetisch voraus auf den Ursprung der Philosophie (Thales: Alles ist Wasser)? Und verweist die Sintflutgeschichte nicht auch auf das realmythische Wesen der Tiere (Ver-körperungen der der Natur selber immanenten mythischen Kräfte)? Und hängt dieses realmythische Wesen der Tiere nicht zusammen mit dem apokalyptischen Realsymbol des Tieres und dem prophetischen Bild des Tierfriedens (der Löwe mit dem Kalb, der Wolf mit dem Lamm. die Natter mit dem Kind)? Sind nicht die Engelwesen, insbesondere in der Merkaba-Vision des Hesekiel, aber auch die paulinischen Archonten, außer auf die Planeten auch auf die Tierwelt bezogen? Und was hat es dann zu bedeuten, wenn neben dem (Erzmärtyrer) Stephanos neben Prochoros, Nikanor und Timon, Parmenas und Nikolaos, einem Proselyten aus Antiochia, auch ein Philippos (der in Samaria aus vielen Besessenen unreine Geister vertrieb, Simon den Zauberer bekehrte, dann dem Eunuchen aus Äthiopien die Schrift auslegte und ihn taufte, und zuletzt mit seinen vier Töchtern, die Prophetinnen waren, in Caesaraea lebte) zu den Sieben gehörte? Wer sind Prochoros, Nikanor und Timon, Parmenas und Nikolaos (was bedeuten diese Namen, haben die Nikoaliten aus der Geh.Off. etwas mit diesem Nikolaos zu tun)?
Wurde mit der Wahl und Einsetzung der Sieben, insbesondere mit dem Martyrium des Stephanos, der den Himmel offen und Jesus zur Rechten Gottes sah, die Parusie ad kalendas graecas verschoben? Und liegt nicht hier der Grund für die Berufung des Paulus (ist die Kirche die Fortsetzung der Diakonie, und nicht des Apostolats: Nach den Taufen des Philippos in Samaria kommen Petrus und Johannes und „legten ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist“)?
Merkwürdige Geschichte mit den Kleidern: Beim Tode Jesu haben die Soldaten seine Kleider unter sich aufgeteilt; beim Tod des Stephanos legten die falschen Zeugen vor der durch sie eröffneten Steinigung ihre Kleider dem Saulus zu Füßen.
Zur Farbe der Materie: Nachts sind alle Katzen grau.
Mit den Ne-Utrum wird die Sprache von den Wurzeln ihrer benennenden Kraft abgeschnitten.
In welchen Sprachen wird „eu“ wie „oi“ ausgesprochen? Oder: Seit wann heißt Zeus Zois und deutsch doitsch? Und hieß es nicht im Lateinischen tatsächlich ne-utrum, ähnlich wie de-us?
Ist die Lehre von der Auferstehung der Toten ein Teil der Lehre von der Versöhnung, oder ist die Lehre der Versöhnung ein Teil der Lehre von der Auferstehung der Toten? Die Hoffnung auf die Auferstehung der Toten gründet in der Intention, daß der Kampf derer, die gegen das Unrecht und die schlechten Verhältnisse angekämpft haben, mit ihrem Tod nicht zu Ende sein darf. Die vergangenen Hoffnungen sind mit dem Tod derer, die für sie gestorben sind, nicht abgegolten.
„… wie ein leuchtender Stern zwischen den Wolken“ (Sir 1613)
Sind nicht die Medien nach ihrer Professionalisierung zu Verkörperungen des falschen Zeugnisses geworden? BILD und HEUTE sind Beweise dafür, daß Gemeinheit kein strafrechtlicher Tatbestand ist. -
22.11.92
Das Horn ist ein Symbol der Macht. Hängt es damit zusammen, daß Opfertiere gehörnte Tiere sind?
Den Sünden der Welt korrespondiert die Schuld der Natur: Neigen wir deshalb dazu, auch in der Theologie von der „Schuld der Welt“ zu sprechen, gleichsam eine falsche Fährte zu legen? Mit den Sünden der Welt sind wir als Subjekte angesprochen, mit der Schuld der Welt nur als Objekte, die einem Schicksal unterworfen sind: der Begriff Schuld der Welt macht die aktiven Sünden der Welt zum bloß passiv erlittenen Schicksal.
Ist nicht der theologische Begriff des Übernatürlichen abgeleitet von dem der Metaphysik, gleichsam nur von der Logik transponiert ins Magische.
Heißt nicht im Griechischen, was wir heute Begriff nennen, Logos? D.h. war nicht die Philosophie in ihrem Ursprung grammatisch-logisch determinierte Sprachphilosophie? Ist nicht die Verdinglichung des logos zum Begriff der Beginn des Objektivationsprozesses?
Wie hat sich die Philosophie durch Übersetzung der Vätertheologie, des Dogmas, von der griechischen in die lateinische Sprache verändert? Wie verhält sich beispielsweise persona zu prosopon und hypostasis?
Demagogie ist heute keine besondere Art des Umgangs mit der Sprache mehr, sondern ein Ingrediens der Institution der Öffentlichkeit. Die Interpretation der „Fakten“ – und es gibt keine Fakten ohne das Bedürfnis nach Interpretation – ist zu einer reinen Machtfrage geworden: Heute ernennt die Regierung nicht mehr nur ihre Beamten, sondern auch die Begriffe, mit denen die Dinge benannt werden, so als wären sie Titel, denen man die Dinge per Gesetz zuordnen könnte. Die Gewalt steckt in der Sprache, und über die Sprache ist sie zu einem Teil, wenn nicht zur Grundlage der Kommunikation geworden. Das macht die Habermassche Kommunikationstheorie, insbesondere den Konsensbegriff, der auf die Legitimierung der Erpressung hinausläuft, so problematisch.
Hat das In-die-Ferse-Stechen etwas mit der Lähmung zu tun (als Ersatz fürs Einsperren)? Und wie verhält sich der Hinweis auf die Ferse im Fluch über die Schlange zu den Flügelschuhen des Hermes? Jakob der Fersenhalter ist zugleich Jakob der Betrüger, der erste, der von der List Gebrauch macht. Entspringt hier die später ins Bewußtsein eingebaute Automatik der List der Vernunft? Weshalb wurden den Frauen in China die Füße verstümmelt, und weshalb tragen die Frauen im „zivilisierten“ Europa Stöckelschuhe? Und weshalb ist es im Fluch über die Schlange der Nachkomme der Frau, und nicht der des Mannes (der Erbe, der Stammhalter)? Gründet hier (im vaterlosen Nachkommen) das Symbol der Jungfrauengeburt: Die Jungfrau wird einen Sohn gebären, und sein Name wird sein Immanuel, Gott mit uns?
Ist das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit der Stich in die Ferse?
Parvus error in principio magnus est in fine. Ist nicht dieser kleine Fehler im Ursprung der Theologie, die Rezeption des Weltbegriffs, der Ursprung und nicht die Folge der Parusieverzögerung?
Die Astrologie ist am Ende dadurch „überwunden“ worden, daß das Subjekt in der Astronomie sich selbst an die Stelle dieser Schicksalsmächte setzt (Verinnerlichung von Herrschaft: von Saturn und Jupiter bis zu Venus und Merkur sind die Planetenmächte, die paulinischen Archonten, ins Subjekt eingewandert).
Das aufgedeckte Antlitz ist das Gegenteil der Nacktheit (und wird nur unterm Zeichen des Antichrist als solche erfahren: im Antlitz des Hundes).
Wut ist der verweltlichte Zorn, die Person das traumatisierte Antlitz und seitdem beleidigungsfähig, Quelle der Wut.
Der Weltbegriff erzeugt den Schein eines angst- und schuldfreien Lebens. Aber dieser Schein ist wirksam nur auf der Herrenseite (der „Sonnenseite“) der Welt. Ihm entsprechen auf der Objektseite die Angst- und Schuldkomplexe, die nicht mehr aufgelöst, nur noch – mit den bekannten Folgen – verdrängt werden können.
Zum Problem der benennenden Kraft der Sprache: Benjamins Bemerkungen über das Gestische bei Kafka und die metaphorische Stelle in dem Kraus-Essay mit heranziehen.
Jede Naturphilosophie verfällt ihrem Objekt insoweit, als sie zwangsläufig verkennt, daß das metaphorische Element das eigentliche Erkenntnismedium ist, das man verfehlt, wenn man es wörtlich nimmt. Sobald sie die Natur „ad literam“ (wie Augustinus die Genesis) nimmt, verstrickt sie sich in die Logik der Verdinglichung, verfällt sie ihrem Bann.
Ist nicht die Kirche ein verwesender Leichnam, gleichsam ein Lazarus, der „schon riecht“. Aber dann wurde er doch von Jesus zum Leben erweckt. -
21.11.92
Mt 79f: Oder ist jemand unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bittet, oder eine Schlange, wenn er um einen Fisch bittet?
Inwieweit hängt das Naturschöne mit der Metaphorik und wie hängen beide mit der benennenden Kraft des Sprache zusammen?
Gemeinheit ist kein strafrechtlicher Tatbestand, wohl aber die Abtreibung.
Die Beziehung der Schöpfungslehre auf den Weltbegriff hat die Theologie insgesamt verdorben.
Hegels Satz, daß die Idee die Natur frei aus sich entläßt, ist insofern wahr, als der Naturbegriff in der Tat ein freies Produkt des Weltbegriffs ist. Nur was die Idee frei aus sich entläßt, ist der Begriff der Natur, der dann (aufgrund seines Ursprungs) mit dem Widerspruch behaftet ist, daß er den Begriff nicht halten kann (weil er sich als Korrelat des Begriffs definiert). Daran zerbricht die Hegelsche Philosophie.
Den Warnhinweis, den Kant vor die double-bind-Falle des Idealismus gesetzt hat, haben alle Kant-Interpreten bis heute übersehen.
Die als zeitunabhängig vorgestellte Reversibilität der Richtungen im Raum ist der Grund für die Neutralisierung (und Zerstörung) des Angesichts und für die Trennung von Natur und Welt. Der kantische Ausdruck, wonach die Begriffe Natur und Welt gelegentlich ineinander laufen, drückt diesen Sachverhalt aufs genaueste aus. Rechts und Links nicht unterscheiden können, das heißt genau, im Bann dieser beiden Begriffe verbleiben.
Drewermanns nun wirklich skandalöse Bemerkung zum Matthäus-Evangelium, wonach hier die Zerstörung des Tempels in Jerusalem als Strafe für den Tod des Gottessohnes dargestellt werde, hängt hiermit zusammen.
Zum Antlitz des Hundes: Auch Drewermann scheint den Anblick von außen nicht zu ertragen.
Der Antisemitismus verrät die Fremden, die Ketzerfeindschaft die Armen, die Frauenfeindschaft das parakletische Denken (die Sünde wider den Heiligen Geist, die weder in dieser, noch in der zukünftigen Welt vergeben werden kann). Bezieht sich das Wort vom Lösen nicht auf diese Sünde? Und ist nicht das Wort von der Sünde wider den Heiligen Geist der konkrete Hinweis auf den Teil der Erlösung, der nicht bei Gott, sondern bei den Menschen liegt: daß Gott nicht wider die Freiheit der Menschen handelt, und daß die Welt (als Objektivation der Unfreiheit) genau die Grenze seines Handelns bezeichnet?
Der Logos ist in der Tat das Licht, das in die Welt gekommen ist, aber die Welt hat es nicht begriffen (Joh 14ff): weil sie es als Welt nicht begreifen kann.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Midas, dem alles unter seinen Händen zu Gold wird, und der daran verhungert, und dem Gordion, der den Knoten geknüpft hat, an dessen Lösung die Herrschaft über Asien gebunden ist?
Die Sünde der Welt auf sich nehmen, heißt auch: den mythischen Wurzeln der Welt (ihrer Geburt aus der Idolatrie) nachgehen, die heute fällige Erinnerungsarbeit leisten.
Nochmals zur Geschichte vom Sündenfall: Reflektiert sich das Weibliche im Neutrum nicht anders als das Männliche, und steckt darin der aufzulösende Knoten?
Ob wir nur diese eine Welt haben, mag, nachdem der Multiplikator in den Weltbegriff mit eingebaut, davon nicht zu lösen ist, dahingestellt bleiben; aber es gibt gibt keinen begründbaren Zweifel daran, daß es nur diese eine Geschichte gibt. Und in diese Geschichte ist diese Welt verflochten.
Der Ursprung des Weltbegriffs und der des modernen Naturbegriffs bezeichnen Wendepunkte in der Geschichte, und in beiden Ursprungsgeschichte steht die Astronomie Pate.
Ist nicht der Glaube durch den Kontext des Weltzustandes, in den er heute gerückt ist, (und durch die Sprache, die diesen Weltzustand definiert) nur noch Vermessenheit? -
19.11.92
In Hegels Philosophie vereinigt sich die Klugheit der Schlange mit der Geschichte der drei Leugnungen. Ihr fehlt einzig die Arglosigkeit, um wahr zu sein.
Hans-Jochen Vogel übersieht, daß Engholm und Rau nur die Konsequenzen aus seinem eigenen politischen Konzept, das auch keins war und nur bis zur Häme reichte, ziehen: sie ziehen den Schmusekurs vor. Sie möchten eine Art der Versöhnung, ein Glück im Winkel, eine Politik des allseitigen Wohlgefallens. Aber so produzieren sie selber die Schallmauern, in die sie eingesperrt sind, und die eigentlich Gummiwände sind, deren Ausdehnung die CDU seit je so bestimmt hat, so daß die Drecksarbeit von der SPD (als „Ehrensache“) übernommen wurde. Die SPD hat als ehrlicher Heizer immer dann Feuer nachgelegt, wenn der konservative Zug in Gefahr geriet, ins Stocken zu geraten.
Mit der Diffamierung der Kritik an den Godesberger Beschlüssen, sie sei „bösartig“, appelliert Engholm an das Bild des unschuldigen Opfers, in dem er sich gern präsentieren möchte. Dieses Bild mag die Grundlage von (allerdings nicht unbedenklichen) Erlösungskonzepten sein, es ist keine Grundlage für eine eigene inhaltliche Politik. Mit der Geste des Beleidigtseins kann man sich in der Familienbande gegenseitig erpressen, aber man sollte dieses Spielchen aus der Politik heraushalten: Es liegt zu nahe an der Paranoia (die nach der Barschel-Affäre vielleicht in der Tat eine Gefahr Engholms ist); und Verschwörungstheorien sind dann nicht fern.
Das Bild vom Zug, der auf einen Abgrund zurast, wird immer deutlicher. Die, die heute skandieren: „Wir sind doitsch, wir sind doitsch“, antizipieren den Jubel über den Urknall, der in Wahrheit ein Endknall ist (wie die ganze Physik im Entscheidenden die Zeitrichtungen verwechselt, und die Korrektur dieser Verwechslung durchs Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit bis heute nicht begreift), und der der besorgten Heideggerschen Frage: „Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts“, einmal die empirische Grundlage zu verschaffen in der Lage wäre. Es fragt sich dann nur: für wen? Denn man mag es wenden wie man will: Die Selbstzerstörung der Welt wird keine Zuschauer haben (hier endet das Unbeteiligtsein des Zuschauers); aber vielleicht ist gerade das für die gewitzten Urheber (für die Politikerkaste und ihre Claqueure in den Medien und in Wissenschaft und Philosophie) der entscheidende Trost: Es wird keinen Kläger (kein Ausland, keine Geschichte, keine Welt, die dann noch ihr Urteil fällen könnte) mehr geben. So wird das letzte politische Verbrechen unwiderlegbar (und Auschwitz war nur die nicht ganz gelungene Generalprobe).
Die Vorstellung von der Unsterblichkeit der Seele korrespondiert der Vorstellung von der Ewigkeit der Materie; sie ist insoweit eine Gespensterlehre, und der christliche Himmel, das Jenseits über den Wolken, ist nie einer gewesen.
Das Eingedenken ist etwas anderes als der seis positive, seis negative Totenkult (die Mausoleen des real existierenden Sozialismus oder das Schänden der Gräber durch die Rechten).
Die Wehen und die Schmerzen der Geburt, die im Fluch über Eva genannt werden, beziehen sich auf den an die Schlange gerichteten Fluch: „Feindschaft will ich setzen zwischen dir und dem Weibe, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse.“ Dieser Zusammenhang scheint dem zu korrespondieren, der zwischen der Schlange und Adam im Bilde des Staubs benannt wird.
Robert von Ranke-Graves weist gelegentlich darauf hin (Die weisse Göttin, S. 417ff), daß der Fisch ein Realsymbol der Auferstehung sei. Das könnte ein Licht darauf werfen, daß neben Himmel und Erde und dem Menschen nur die großen Seeungeheuer, die Fische und die Vögel im strengen Sinne erschaffen sind. Mit der Schöpfung ist auch die Auferstehung erschaffen; das trennt die Schöpfung von der Natur (der Fisch als realsymbolische Präsenz des Rätsels der Auferstehung).
Ist nicht die Vorstellung, daß die Welt im Bilde der Natur die Menschen überlebt, ein Stück patriarchalische Paranoia? Ein Stück jener Paranoia, die mit dem Objektbegriff und mit der monadologischen Isolationshaft, in die sich das patriarchalische Denken selber versetzt, essentiell verknüpft ist.
Der Weltbegriff leugnet die Schöpfung: das bereschit, den Anfang und den Himmel und die Erde; der Natubegriff leugnet die Auferstehung: den fünften Schöpfungstag.
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