Die Astronomie ist die Babel-zugehörige Wissenschaft: ist sie Teil des Turmbaus zu Babel? In welchem Verhältnis steht die babylonische (chaldäische) Astronomie zur Tempelwirtschaft?
Machtfrage werden in der Kindheit entschieden. Die instrumentelle Nutzung des Liebesentzugs erzeugt die Bekenntnis-Logik und die Bekenntnis-Mentalität, mit all ihren Folgen: Lösung von Schuldfragen durch Projektion; Veränderung, Zerstörung der Erinnerung; Messung der Wahrheit am Urteil der Herren, Zerstörung der Rationalität. Erkennbar sind die Folgen der Bekenntnis-Logik daran, was wann unter Begründungszwang gesetzt wird (Zusammenhang der Heideggerschen „Sorge“ mit der Herrschaftsstruktur der Fundamentalontologie; es ist diese „Sorge“, die sich mit Vermutungen und Unterstellungen in die Privatangelegenheiten anderer einmischt, aber hierbei nicht helfen, sondern nur sein Besserwissen, seine Autorität, unter Beweis stellen will; es ist diese Sorge, die ihr Objekt von der Außenwelt und von der eigenen Bewältigung seiner Probleme aussperrt, es in die symbiotische Inzest-Bindung zurückzwingen will: Modell der Naturbeherrschung, Funktion der subjektiven Formen der Anschauung hierbei?).
Indem die Frauen sich selbst durch ihre Unterwerfung unter die Mode und die Privatsphäre durch Unterordnung unter das Ansehen dem Urteil der Welt unterwerfen („was mögen andere über uns denken?“), werden sie zu Hütern des Vorhandenen (der Natur), während die Männer dagegen das Gesetz der instrumentalen Praxis (des Zuhandenen) repräsentieren: beides sind eigentlich nur zwei Aspekte einer Sache. Die männliche Autonomie ist die der Beherrschung des Zuhandenen, die dadurch selber zu etwas Zuhandenem wird, während die Unterwerfung unter das Urteil der Welt die Frauen zu Multiplikatoren dieses Urteils machen, durch das sie sich gegenseitig in Schach halten.
Ist der Webersche Begriff der puritanischen Askese (der Zusammenhang von Rationalität und Sexualität) nicht doch schon teleologisch in der frühkirchlichen Dogmenentwicklung angelegt? In diesen Kontext paßt das Schicksal der (verdrängten und korrigierten) Erinnerung an Maria Magdalene, der einzigen Heiligen, die es aufgrund ihrer Umkehr geworden ist.
Steht bei Spengler etwas über die Geschichte der Banken und des Geldes:
– Banken und Tempelwirtschaft,
– mittelalterliche Restitution des Bankensystems: doppelte Buchführung und Vatikan-Banken;
– Kleidung der Bänker im 19. Jhdt. als Modell der Zivil-Kleidung seitdem überhaupt: Modell des zivilisierten Menschen; Archaik der rituellen Gewänder in Recht, Religion, Militär; Unterscheidung zwischen männlicher und weiblicher Kleidung (in welcher Beziehung stehen Hose und Rock, sowie die Bänker-Krawatte zur Geldwirtschaft)?
Die Kollektivschuld-Diskussion ist durch den Trick abgewürgt worden, daß unterstellt wurde, es ginge um die Zurechenbarkeit von Handlungen, während es in Wirklichkeit um die Zurechenbarkeit von Unterlassungen ging, d.h. um eine ebenso reale Schuld, die nicht durch den Begriff der Kollektivscham zu ermäßigen war.
Ist das Sumerische als agglutinierende Sprache eine besondere Sprache, der man dann auch ein besonderes Volk substituieren muß (vorausgesetzt, hier gilt auch bereits die Zuordnung von Sprache und Nation), oder ist es nicht ein technisches Instrument. Hier genügt nicht die bloß formale Beschreibung von Grammatik und Sprachstruktur, sondern wichtig wäre die Ermittlung des cui bono, des technischen terminus ad quem. – Im Sumerischen sind (wenn ich’s richtig verstehe) die Wörter (die Stammbegriffe) Substanzbegriffe, während ihre nominale oder prädikative Qualität sowie deren Konjugation und Deklination durch Präfixe, Infixe und Suffixe bestimmt werden: reine Trennung von Form und Inhalt. Ist das der Beginn der Anpassung der Sprache an die Mathematik, und ist diese Sprache wirklich gesprochen worden?
Unterschied zwischen der sumerischen und den semitischen Sprachen: auch in dem semitischen Sprachen gibt es die Wortstämme, die dann durch Modifikationen ihrer grammatischen Bedeutung funktional angepaßt werden.
Einfluß der Schrift (Selbstobjektivierung des Gedankens, Ursprung der Reflexion) auf die Struktur der Sprache (Vergegenständlichung als Vergesellschaftung und Grammatik; logische Durchbildung; Ausbildung der Ausdruckskraft; Technik und Magie).
Der Ursprung der Sprache muß in etwas gelegen haben, was man den seligen Sprachgeist nennen könnte, mit dem immanenten Anspruch, das Ganze durchsichtig zu machen und aus dem Ganzen heraus auch das Einzelne zu begreifen. Dieser „selige Sprachgeist“ ist dann in einer Geschichte (der Geschichte der Schrift?), auf die der Mythos von der babylonische Sprachverwirrung verweist, in einen Verarbeitungsprozeß hineingezogen worden, in dem sich dann die verschiedenen Sprachfamilien herausgebildet haben.
Was mit Griechenland und Rom eingetreten ist (Sprache als Einheit von Herrschafts- und Erkenntnismittel; Ursprung des Weltbegriffs), diese Potenzierung der babylonischen Sprachverwirrung, die reflektierte Idolatrie, war mit den Mitteln der jüdischen Tradition (mit dem Bilderverbot) nicht mehr zu bewältigen; diese waren ohnmächtig gegen den griechischen Mythos, aber dieser Ohnmacht ist nicht das Judentum, sondern das Christentum zum Opfer gefallen. Das ist zu erkennen an der bis heute unerledigten Auseinandersetzung mit dem Mythos und mit der Philosophie.
War Tertullian Jurist? Augustinus war ein vom Manichäismus zum Christentum bekehrter Rhetorik-Professor (Winkeladvokat?). Indem Augustinus die Kirche zum Subjekt gemacht hat, hat er ihr ein nur leicht entschärftes manichäisches Erbe übergeben.
Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn: Ist das nicht der Inbegriff eine politischen Philosophie?
Mechanik und Gravitationsgesetz: Wenn ich mit meinem Kopf gegen die Wand renne, dann geht es nach der Mechanik nicht um Kopf und Wand, sondern um die Beziehung zweier träger Massen; alles andere verschwindet dahinter. Ähnlich reproduziert das Gravitationsgesetz, das die darunter fallenden Erscheinungen in eine Äquivalenzbeziehung zur Mechanik bringt, dessen Kraft, das Ungleichnamige gleichnamig zu machen: es sind nicht mehr Sonne und Erde, die hier in Beziehung gesetzt werden, sondern zwei schwere / träge Massen. Dahinter verschwindet, was Sonne und Erde sonst noch sind. Der Rationalisierungsgewinn wird erkauft mit einem Verlust an Erkenntniswert.
Durch die Entdeckung der Lichtgeschwindigkeit ist das Bewegungsmoment des Raumes verschoben worden auf die Bewegung des Lichtes im Raum (Zusammenhang mit der Entdeckung des Gravitationsgesetzes?).
Das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit verändert auch die Subjekt-Objekt-Beziehung im Inertialsystem: Beide, Subjekt und Objekt, unterscheiden sich durch ihre Beziehung zur Lichtgeschwindigkeit: als Leuchtendes und Beleuchtetes (in ihrer paradigmatischen Gestalt sind beide Adressaten des Herrschaftsauftrags im Schöpfungsbericht: Sonne und Mond sollen herrschen über die Zeiten …; und die Planeten kreisen gemeinsam mit der Erde um die Sonne, während der Mond um die Erde kreist).
Ist Maria Magdalena, die von den sieben bösen (Planeten-?) Geistern Befreite, die erste Erlöste überhaupt gewesen?
Das Bekenntnis zum Rechtsstaat enthält die Distanz zu den Objekten des Rechts als notwendiges Moment in sich. Aber jeder ist als Rechtssubjekt zugleich Objekt des Rechts, d.h. er hat in sich selber etwas, von dem er sich distanzieren, das er verdrängen muß. Die Institutionen des Rechststaats, insbesondere die Vollzugseinrichtungen, sind Stützen dieses Verdrängungsapparats.
Das Bekenntnis ist das Medium und die Grundlage kollektiver Konkurrenzverhältnisse.
Gibt es Länder mit eigener Währung, aber ohne Militär?
Abraham: Vater der Menge; Sara: die Fürstin;
Isaak: Er lacht; Rebekka: „saginata“ (die Gemästete?);
Jakob: er möge schützen / er betrügt; Israel: El streitet / El herrscht; Lea: Kuh / Rahel: Mutterschaf.
Sara hat’s mit dem Pharao und mit Abimelech (ebenso Rebekka); Rebekka und Rahel werden am Brunnen getroffen (Bedeutung des Brunnens).
In jedem Menschen das Ebenbild Gottes erkennen und ehren: davon scheint nur der Götzendienst, die Idolatrie (die Bekenntnislogik), zu dispensieren.
Naturwissenschaft
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04.09.91
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30.08.91
Das Verständnis der speziellen Relativitätstheorie, ihrer Beziehung zum Objekt, dürfte nicht schwieriger sein als das des Bankengeschäfts und seiner Beziehung zur Wirtschaftsstruktur (vgl. Baecker: Womit handeln die Banken? Ffm 1991).
Der Verdinglichungsmechanismus besteht darin, daß ich etwas zu einem Ding mit festen Eigenschaften mache: z.B. jemanden, der gemordet hat, zu einem Mörder. Ich mache so eine Tat zu einer festen Eigenschaft, die sich nicht mehr ändern läßt; das Prädikat zu einer begrifflichen Bestimmung des Subjekts: zum Begriff. Auch der Adelstitel ist ein „Prädikat“, und jedes Prädikat eine Bewertung. Genau diesem Konzept gehorcht auch der Antisemitismus und der ist ohne den Rassismus ebenso wenig zu haben wie die Nobilitierung eines ganzen Volkes durch den gleichen Arier-Rassismus. Dieser Antisemitismus hat seine nur scheinbar harmlosen Vorläufer in der nationalistischen Geschichtsschreibung, zu deren Folgen unter anderem neben der antisemitischen Interpretation der ebenfalls national verstandenen Propheten und der Schrift insgesamt auch die Erfindung der Sumerer gehört. Modell dieses Verdinglichungskonzepts sind die Naturwissenschaften, die ein System aus lauter Prädikaten sind. Hier liegt der Ursprung der Mathematik, deren Vorgeschichte unter diesem Gesichtspunkt zu prüfen wäre (Sprache der Sumerer, „Turmbau zu Babel“, Ursprung der Idolatrie).
Die Ontologie entspringt mit dem Staat und mit dem Weltbegriff und stabilisiert beide; sie ist Erbe der Idolatrie und des Opfers; ihr genetisches Zentrum ist die Schicksalsidee.
Bei der Benennung der Tiere hat Adam nur die Arten benannt; die sind aber keine „Gefährten“ des Menschen.
Warum wendet Luhmann seine Systemtheorie nicht auf die Physik an?
Rechtfertigt Baecker („Womit handeln die Banken?“, Ffm. 1991) durch sein Konzept nicht die Funktion der Banken in diesem Wirtschaftssystem auf eine Weise, die eigentlich Anlaß zu begründetster Sorge wäre? Die Risiken, die die Banken verwalten und gegen die sie sich durch ihr Mangement absichern müssen, um die Stabilität des Wirtschaftsprozesses zu sichern: die Konsequenzen sind deutlich geworden in der „Wende“ in der deutschen Nachkriegspolitik, als alle Leute begriffen haben, was passiert, wenn diese Grundfakten nicht beachtet werden. Diese Risiken sind nur die offen zutage liegende Kehrseite der Verhältnisse, die die Existenz der Mehrheit der Bevölkerung bedroht.
Was würde eigentlich dabei herauskommen, wenn heute jemand Rosa Luxemburgs „Akkumulation des Kapitals“ und Rudolf Hilferdings „Finanzkapital“ auf den heutigen Stand der Dinge fortschreiben würde?
Die Katastrophen dieses Jahrhunderts, aus denen wir soviel gelernt haben, daß wir sie zur Zeit in die Dritte Welt exportieren, waren ja keine bloß ideologischen, sondern reale ökonomische Katastrophen.
Die Kreditschöpfung: eine creation ex nihilo. Beim deutschen Schöpfungsbegriff schwingt die Assoziation mit, daß jemand mit einer Schöpfkelle aus einer Flüssigkeit (einer Ursuppe gleichsam) „schöpft“. Das Flüssige, das Wasser (der erste Begriff der Philosophie übrigens), hat in biblischem Zusammenhang die Nebenbedeutung sowohl der Schuld, des Schuldzusammenhangs, als auch der Völker. Der Chaosdrache und das Tier aus dem Wasser gehören hier her. Aus einem solchen Medium (der Schuld und ihres kollektiven Ursprungs) „schöpft“ auch die „Kreditschöpfung“. -Ist das Geld, das eine Bank im Falle eines Kredits verleiht, real oder spekulativ; oder: ist diese Alternative real?
Die Frage „Womit handeln die Banken?“ ist präziser zu beantworten, wenn man den Baecker aus dem Verblendungsbann der Systemtheorie herauslöst. Die Banken handeln mit dem Tod, dessen Nichts so real wird.
Der real existierende Sozialismus ist u.a. daran gescheitert, daß er das Problem der Beziehung von Theorie und Praxis nicht ernst genug genommen hat. Die Vorstellung, die auf der unreflektierten Tauschprinzip-Theorie basiert, daß der Marxismus ein gleichsam technisches Konzept zur Beherrschung der wirtschaftlichen Prozesse biete, die die kapitalistischen Folgen vermeidet, war falsch. Dieser Instrumentalismus war ohne einen dann allerdings nur dilettantisch gehandhabten (Staats-)Kapitalismus nicht möglich. Der hatte dann weit schlimmere Folgen als der reale Kapitalismus. Lukacz hat das in „Geschichte und Klassenbewußtsein“ noch gewußt, dann aber schnell (und verzweifelt) verdrängt. Daß in diesem System dann so abenteuerliche Existenzen gedeihen konnten wie Schalck-Golodkowski, auch Mielke und Honegger, war kein Zufall. Zugrunde lag das durch die christliche Tradition abgesegnete Bekenntnis-Syndrom: die Vorstellung, daß das Bekenntnis zur Wahrheit hinreiche, um diese Wahrheit real werden zu lassen; sie hat wie im Christentum nur die schlaue Heuchelei und die Gemeinheit befördert und honoriert. Dadurch unterscheidet sich der Zusammenbruch des Sozialismus von der Niederlage des Faschismus, daß er die (durch Mißbrauch als Bekenntnis-Ideologie diskreditierten) Mittel, die eigene Situation zu begreifen, den Opfern aus der Hand geschlagen hat, und daß jetzt das Land Sündenböcke braucht. Deshalb glaubt man, die Probleme auf dem gleichen Bekenntniswege lösen zu können, der in die Katastrophe hineingeführt hat, während gleichzeitig diejenigen, die wirklich an den Hebeln der Macht sitzen, es besser wissen und sich ins Fäustchen lachen.
Die Wahrheit opponiert nicht der Lüge, sondern dem „Falsch-Zeugnis-Geben“. Die Lüge gehört bereits in den Kontext der verdinglichten, entmächtigten Wahrheit; Grundlage ist der Weltbegriff. Franz Rosenzweigs Begriff der „Bewährung“ macht das praktische (in letzter Konsequenz das herrschaftskritische) Moment an der Wahrheit kenntlich. Dieses Moment haben Juden unter der Idee der Heiligung des Gottesnamens verstanden (und die Christen – wie ihre eigene Theologie insgesamt – nicht verstanden).
Der Ödipus-Konflikt ist ein welthistorischer Konflikt, und zwar sowohl individuell wie auch gesamtgesellschaftlich. Die Möglichkeit der objektiven Anwendung des Verdrängungsbegriffs gründet in seinem Verhältnis zur Zeit. Verdrängt wird etwas Zukünftiges und Vergangenes zugleich, oder mit der verdrängten Vergangenheit wird zugleich ein Stück Zukunft verdrängt. Dieser Verdrängungsmechanismus konstituiert seit den Anfängen der griechischen Philosophie bis hin zu den modernen Naturwissenschaften den Begriff. (Dazu ein direktes Bespiel: Zwei Sechsjährige, ein Junge und ein Mädchen, fahren mit ihren Fahrrädern daher; ein anderer Sechsjähriger ruft den beiden mit offenkundig hämischem Ton nach: „Na, ihr beiden Verliebten.“)
Zur Konstruktion der Häme: Hier vermischt sich aufs trübste der Gestus der moralischen Überlegenheit, des moralischen Urteils, mit dem des schlecht verhohlenen Neids gegen den, über den man sich erhaben dünkt, indem man sich mit dem moralischen Urteil gemein macht.
Die Erkenntnis des Guten und Bösen ist die Klugheit der Schlange („Seid klug wie die Schlangen …“); sie ist die Erkenntnis auf die sich der Begriff der Umkehr bezieht.
Ist die Schöpfung die Umkehr des Chaos, und der Geist über den Wassern das Prinzip dieser Umkehr?
Sind Jahwist und Elohist nicht nur nebeneinander existierende (aus „verschiedenen Quellen“ stammende) Teile der Schrift, sondern durch eine Umkehrähnliche Relation aufeinander bezogen, und steckt in dieser Unterscheidung so etwas wie ein innertheologischer Reflex der babylonischen Sprachverwirrung?
Welche Sprachen wurden in Babylon gesprochen außer der sumerischen? Gibt es einen Sprachatlas der Antike?
Nur für die zerstreuten Leser (und die nationale Geschichtsschreibung, die sich an zerstreute Leser wendet) ist der eigentliche Gehalt der Schrift nicht sichtbar. Aber die heutige Schriftauslegung und der heutige Schriftgebrauch aller Kirchen hat die Zerstreutheit zur Grundlage (theologischer Grund ist offensichtlich). Die wesentlichsten Einsichten ergeben sich erst aus dem konzentriertesten Studium der Details.
Die Josephs-Geschichte: oder die Geschichte der Getreide-Versorgung als Teil der Geschichte der ursprünglichen Akkumulation des Kapitals (des Zusammenhangs von Privileg und Diskriminierung, Askese und Ausbeutung). Er holt die eigene Familie ins Land und liefert sie dem Schicksal derer aus, deren Schicksal er selber durch die Behandlung der Hungerkrise bestimmt hat.
Wie kommen die Philister und Amalek in die Abraham-Geschichte?
Fundamentalisten sind Religions-Hooligans.
Der Dogmatisierungsprozeß, die Entwicklung des Dogmas, vertritt den Ödipus-Konflikt in der Kirchengeschichte.
Konzept:
– Im Angesicht/hinter dem Rücken,
– Objektivation und Instrumentalisierung,
– Raum und Zeit, Geld, Bekenntnis,
– Ödipus-Konflikt: Ursprung des Weltbegriffs, des Säkularisationsprozesses; Philosophie und Ursprung der Weltreiche („Babylon“),
– Begriff und Namenlehre; Herrschaft und Erkenntnis (Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhang),
– Herrschaftskritik, Übernahme der Schuld der Welt, Auflösung des Verblendungszusammenhangs, Idee des Heiligen Geistes,
– Anklage, Gericht, Verteidigung, Sprachphilosophie,
– Natur und Welt, oder Bemerkungen zur feministischen Theologie
Rosenzweigs Erinnerung an den Tod: Umwandlung in ein Gedenken der Toten. Der Tod als das Sterben der anderen scheint in Rosenzweigs Konzept zu kurz zu kommen. Darauf bezieht sich die Lehre von der Auferstehung der Toten.
Im Angesicht Gottes leben, schließt die wahnwitzige Hoffnung auf die Auferstehung der Toten mit ein; ist diese Hoffnung als nicht nur kontemplative, sondern als aktive Hoffnung denkbar? Ist eine Praxis denkbar, die dieser Hoffnung entspricht, aus ihr sich nährt?
Zu Reinhold Schneiders Satz „Allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten …“: Welches Schwert hat er hier gemeint? Das der direkten Bedrohung durch den Faschismus, die Gefahr des Terrors, die Möglichkeit des Martyriums, oder das Schwert, das den bedroht, der durch Komplizenschaft mit dem Faschismus, durch die Mittäterschaft an Auschwitz, mitschuldig geworden ist?
„… und diese Welt den richtenden Gewalten durch ein geheiligt Leben abzuringen“: das scheint schon wieder eindeutig zu sein.
Das „Ehe Abraham war, bin ich“ drückt eine Zukunft aus, die in die Vergangenheit Abrahams hineinscheint und jetzt präsent ist.
Das „hinter dem Rücken“ ist der Verdinglichung äquivalent. Wenn ich eine Sache hinter ihrem Rücken betrachte, nagele ich sie fest auf ihre Eigenschaften, mache ich das Prädikat zum Herrn über das Subjekt, fälle ich ein Urteil (Urteile werden gefällt!), setze ich es als vergangen, als nicht mehr zu ändern. -
28.08.91
Die Begriffe Welt und Natur sind der gegenständliche Reflex der Klassengesellschaft.
Jesus hat nicht die Schuld der Natur, sondern die der Welt auf sich genommen. Eben das aber ist die Voraussetzung für die Befreiung der Natur (die Welt ist Subjekt, die Natur Objekt des Schuldzusammenhangs).
Die Welt ist der Inbegriff als Herrschaftsmittel in der Auseinandersetzung mit der Natur.
Zu Horkheimers „Aufstand der Natur“: Gibt es auch einen Aufstand der Welt, oder ist die Welt die Bank, die immer gewinnt?
Das zeitliche Moment im Weltbegriff, das Rosenzweig durch Begriffe wie Vorwelt und Überwelt und Schelling mit dem Begriff Weltalter zu fassen versucht, wird immer noch am genauesten durch den alten Begriff des Äons, des Zeitalters, ausgedrückt.
Paradigmenwechsel?
Drückte in der puritanischen Askese sich das Bild vom Ehrlichen Kaufmann aus? War sie nicht auch eine der Ursachen der Hexenverfolgung?
Das Schnüffeln und Pinkeln der Hunde ist der genaue terminus ad quem des zudringlichen Geschwätzes.
Zu Theweleit: Die grandioseste aller Männerphantasien ist die Naturwissenschaft.
Beziehung der Sprache zum Objekt: das sprechende Objekt (der Ausdruck), die benennende Kraft der Sprache (Adam), das Beim-Namen-Rufen (die Erlösung). Die Benennung der Tiere durch Adam war „unerhört“, es war ein Stück Willkür darin; er hat nicht die Tiere sprechen lassen, deshalb hat er keinen Partner gefunden. Die Benennung war die Fixierung auf einen zugleich instrumentalen und emblematischen Grundzug, auf einen bestimmten Charakter. Seitdem sind alle Tiere bis in ihre psycho-physische Organisation hinein Charaktermasken. (Was drückt sich vor diesem Hintergrund in der biblischen Unterscheidung des Reinen und Unreinen aus? – Daß man kein Hunde- oder Schweinefleisch essen soll, scheint mir nachvollziehbar zu sein.)
Aus dem Tempel hat Jesus die Händler der Opfertiere und die Geldwechsler vertrieben. Sind die Opfertiere ein Hinweis auf den undurchschauten Zusammenhang von Arbeit und Ware (Arbeits-, Güter- und Geldmarkt). Zur Interpretation, zum Verständnis sind die beiden anderen Geschichten mit hinzu zu nehmen: die vom Verwalter des ungerechten Gutes und die Antwort auf die Frage nach der Steuerpflicht.
Zur ägyptischen Mythologie gehören die Mischwesen (aus Tier und Mensch), während in der babylonischen (wie dann in der griechischen) Tiere und Menschen im allgemeinen streng getrennt sind.
Jedes Urteil trifft kraft seiner Allgemeinheit auch den Urteilenden: das ist der Grund des Satzes „Richtet nicht …“
Die Vorstellung des unendlichen Raumes repräsentiert die Expropriation der Natur. Der Reichtum der Welt ist nur die Kehrseite der Armut der Natur.
Zum Heinsohnschen Begriff der Schuldknechtschaft: die Nutzung der Ökonomie als Waffe gelingt nur vor dem Hintegrund einer der Wirtschaftskraft entsprechenden militärischen Macht.
Person ist ein Sein für andere, das sich als Persönlichkeit für sich setzt. (Woher kommt der Begriff „Leute“, und was bezeichnet er? Leute sind immer auch „meine Leute“, d.h. der Begriff bezeichnet ein Eigentums- und Herrschaftsverhältnis (ein verdinglichter Genitiv). Gehören Persönlichkeiten zu den Leuten?
Hat Hegel nicht schon auf den Zusammenhang der endlichen Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Lichts mit der Vergegenständlichung hingewiesen? Die Unterscheidung zwischen dem „eigentlich“ Realen und dem Uneigentlichen, die hier vielleicht anwendbar wäre, hilft nicht weiter, es sei denn, daß man akzeptiert, daß das Uneigentliche das Eigentliche ist: das Subjektive das Objektive. Wer davon ausgeht, daß die physikalische Realität das Eigentliche ist, entzieht den Instrumentalisierungsmechanismus der Reflexion, gibt dem Herrendenken das gute Gewissen (wie Heideggers Begriff der „Eigentlichkeit“).
Die subjektiven Formen der Anschauung, Ursprung und Medium des mathematischen Objektivitätsbegriffs, erlauben unsere Herrschaft über die Dinge nur insoweit, wie sie uns selber beherrschen. -
10.08.91
Der Satz „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ erhebt mit dem „mir“ auch den messianischen Anspruch des „Ich bin’s“. Und dieser Satz ist näher an der Realbedeutung des Bekenntnis des Namens als das kirchliche Credo.
Die Herrschaftsgeschichte – und mit ihr die Geschichte des Objektivationsprozesses – ist irreversibel.
Das Licht ist nicht selbst ewig, sondern ein Bild der Ewigkeit, das Ewige als vergangen gesetzt: das ist ableitbar aus dem Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit. Darin scheint der Herrschaftsauftrag an die Leuchten des Himmels begründet zu sein. Dann wären die Leuchten des Himmels Realsymbole der Last der Vergangenheit und insoweit geeignet, als Realsymbole weltlicher Macht benutzt zu werden (Problem: Beziehung der Sprache zur sichtbaren Welt!).
In der islamischen Version der Abraham-Geschichte liefert die Erkenntnis, daß weder die Sonne, noch der Mond, noch die Sterne göttlich sind, die Begründung für den Monotheismus.
Der Hinweis, daß der Gebrauch des Gottesnamens JHWH antisemitisch sei, ist vielleicht der schlimmste Satz bei Gunnar Heinsohn; er scheint mit dem verächtlichen Gebrauch des Namens der Hebräer zusammenzuhängen, der selber antisemitisch ist, und der vielleicht einmal sich auflöst in der Auflösung des Rätsel Abraham / Ibrahim. Ist Ibrahim vielleicht eine Parallelbildung zu Elohim (ein Singular-Plural, der sich auf die Hebräer, die Ibri bezieht – und dann die Isaak- und die Jakob-/Israel-Tradition adoptiert hat)?
Was heißt Israel? Bezieht sich Israel auf die Söldner-Vergangenheit (und Hebräer auf die Sklaven-Vergangenheit)? Wo heißt es im NT: „Ein wahrer Israelit“? (Joh 147: Jesus über Natanael; welche Bedeutung hat hier der Feigenbaum?)
Das Jesus-Wort „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 1030) und das andere „Ehe Abraham ward, bin ich“ (Joh 858): was bedeutet hier Vater? Die Juden kennen den Gott der Väter, sie kennen den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, sie kennen den Gott der Hebräer und den Gott Israels, aber kennen sie auch den Vater-Gott (ja, im Deut, 2Sam, Ps, Jes, Jer, Mal)? Ist nicht der Vater-Gott ein Reflex der Vergöttlichung des Sohnes?
Gibt es eine Beziehung zwischen dem Zeugungsbegriff, den toledot (auch in der Schöpfungsgeschichte) und den Stammbäumen, den Genealogien (überhaupt den Bäumen in der Bibel, insbesondere in der Paradies- und Sündenfall-Geschichte)?
Wie wär’s mit dem Titel „Zwischenbericht“?
Die Philosophie ist die falsche Erfüllung des Bilderverbots; sie hat die Auflösung des Mythos nicht geleistet, sondern nur vertagt.
Ist es nicht ein Stück reiner Projektion, wenn wir aufgrund des heutigen Zustands der Dinge zu den altorientalischen Sprachen generell Völker hinzudichten. Kann es nicht ebenso sein, daß diese Sprachen in einer von Katastrophen geprägten Welt sich auch auf soziale Gruppen, soziale Schichten beziehen („sumerische“, „hebräische“, „aramäische“ Sprachen). Dann wäre der Turmbau zu Babel Teil einer Geschichte des Ursprungs der Klassengesellschaft (Abraham der Hebräer kam aus Ur in Chaldäa). Die Verwirrung der Sprache wäre dann die Urform des marxschen „falschen Bewußtseins“. Ebenso scheint die Idolatrie (einschließlich des astralen Kultes als einer spezifischen Gestalt des Herrendenkens) sprachlichen Ursprungs zu sein, ein Verhältnis des Bewußtseins zur Objektivität zu beschreiben, das zwangsläufig sich in bestimmten sprachlich-grammatischen Strukturen ausdrückt und sedimentiert.
Gilt das „filius meus es tu, hodie genui te“, das ja wohl auch ein Adoptionsverhältnis mit ausdrückt, auch schon für die Genealogien, so daß z.B. Abraham nachträglich den Isaak und Jakob und mit dem Jakob die zwölf Stämme Israels (als Hebräer) gleichsam adoptiert hat?
Der Corpus Christi Mysticum ist in Auschwitz vernichtet, vergast worden.
Könnte es sein, daß die Geschichte der Verleugnungen auf die apokalyptischen drei Zeiten und eine halbe Zeit paßt?
Die Vorstellung, daß Gott die Welt aus dem Nichts erschaffen hat, ist eines der folgenreichsten theologischen Dogmen; indem sie voraussetzt, daß Sein und Nichts gleichsam als Totalitätsbegriffe einander gegenüber stehen, streng getrennt werden können, verhindert sie die Reflexion, die Hegel dann gewaltsam der traditionellen Philosophie abringen mußte. Ein spätes Echo dieser Vorstellung vom Nichts ist die Frage Heideggers: Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?
Teilhard de Chardin hat einmal darauf hingewiesen, daß Tiere hypertrophe Bildungen der Selbstinstrumentalisierung sind, aus dem Gefängnis ihrer Selbstinstrumentalisierung nicht mehr herauskommen. Paßt das zu Adams Benennung der Tiere und zu dem Satz aus der DdA, daß alle Tiere an eine Katastrophe in der Urzeit erinnern?
Zur Schlange (dem schlauesten unter den Tieren): Welche Funktion hatte die eherne Schlange des Moses beim Exodus, und wann wurde diese eherne Schlange aus dem Kult herausgenommen? -
09.08.91
Geldwirtschaft gründet in Schuldknechtschaft. Der Aspekt der Herrschaft des Tauschprinzips ist insoweit irreführend, als er das Unaufhebbare am Kapitalismus verdeckt, verdrängt. Die Vorstellung, daß gleichberechtigte Warenbesitzer mit einander tauschen und dafür irgendwann ein allgemeines Tauschmittel, das Geld, einführen, erweckt den Eindruck, als sei der Reichtum schlicht vorhanden, bloß gegeben, und bräuchte im Bedarfsfall nur umverteilt zu werden. Es gibt aber keinen Reichtum, der nicht die Armut zur Grundlage hat, die er selbst produziert. Daß die bürgerliche Gesellschaft bei all ihrem Reichtum nicht reich genug ist, der Armut zu steuern, hängt mit dem Ursprung und dem Begriff des Reichtums zusammen. Die Geschichte vom reichen Jüngling drückt genau diesen Sachverhalt aus.
Es gibt heute – draußen und drinnen – eine Armut, die nicht mehr mit dem Argument zu rechtfertigen ist, die Armen seien selbst schuld, daß sie arm sind.
Gibt es – neben dem Confessor und der Virgo, zu deren letzten Auswirkungen die Penner und die Huren gehören – auch die Heiligengestalt des Gerechten? Diese Gestalt des Gerechten, die kenntlich gemacht hätte, worauf das Ganze hinausläuft, scheint es im Christentum nicht gegeben zu haben. Mit dem Ursprung der Welt ist die Gerechtigkeit zu einer transzendenten, unerfüllbaren Idee geworden, das Recht als seine säkularisierte Gestalt in der verweltlichten Welt ist ein konstitutiver Teil des Schuldzusammenhangs. Erlösung war immer eine Erlösung von der Schuld, aber nicht Befreiung zu einem gerechten Leben. Das drückt sich dann aus in der Idee der Rechtfertigung, dem Kristallisationskern des mythischen Denkens in der Theologie.
Die kantischen synthetischen Urteile apriori und die Kategorientafel sind die Konstituentien des namenlosen Objekts.
Kann es sein, daß der Objektstatus heute nur noch zu ertragen ist, wenn er durch das, was sich heute Musik nennt, übertäubt wird. Beachte die Gesichter von Joggern: ohne Walkman verzerrt, wütend, aggressiv, mit Walkman selig lächelnd.
Heute nagelt das Christentum die Gläubigen an das Kreuz ihres Selbstmitleids, macht sie unsensibel sowie arrogant, böse und stumm.
Die Welt definiert sich gegen die Vorwelt durch die Vergesellschaftung der Gewalt, durch die Installation des Gewaltmonopols des Staates (durch das Recht); oder durch die damit begründete Vergesellschaftung und Internalisierung der Naturbeherrschung. Bevor sie ihren Siegeszug nach außen antreten konnte, mußte sie sich in der Gesellschaft, in den Subjekten konstituieren.
Die staatliche Instrumentalisierung der Gewalt ist die Voraussetzung des Objektivationsprozesses, Grundlage des Weltbegriffs.
Die Bäume in der Bibel:
– „Von allen Bäumen dürft ihr essen“: Vorausgesetzt war das Nahrungsgebot, das die Früchte des Feldes und die der Bäume den Menschen zuwies (und den Tieren das Kraut).
– „Nur nicht von dem Baum in der Mitte des Gartens“ (dem Baum der Erkenntnis, des Lebens?): Vom Baum der Erkenntnis haben sie dann gegessen, mit den bekannten Folgen.
– Die Jotam-Fabel (auch der Dornbusch ist demnach ein Baum), die Zedern des Libanon, der Weinstock, der Feigenbaum, der Ölbaum, das Kreuz.
– Gibt es zu Stammbaum eine biblische Entsprechung? Stammbaum = toledot; Stamm (Baum) und Stamm (Sippe): Jesus kommt aus dem Stamme Davids? Gibt es eine Beziehung zu den Türmen?
Nachdem die häresienbildende Kraft mit der Reformation verbraucht war, hat es neben den Konfessionen (den säkularisierten Gestalten der Kirche) nur noch Sekten gegeben.
Dummheit gründet im allgemeinen in mangelnder Idenfikationsfähigkeit (Aufmerksamkeit), in der Unfähigkeit, sich auf die Erfahrung des anderen einzulassen.
Früher haben Propheten eine Situation durch Symbolhandlungen aufgeschlüsselt, heute sind Symbolhandlungen (aufgrund des Wiederholungszwangs, dem sie unterworfen sind) Formen der Selbstverurteilung.
Opfertheologie und Instrumentalisierung gehören zusammen. Die gemeinsame Wurzel beider ist die Idolatrie.
Der Konkretismus der Heinsohn et al. rührt her von der Unfähigkeit, das, was sie durch Naturkatastrophen hervorgerufen verstehen, aus der genetischen Struktur der Erfahrung und der Geschichte der Sprache abzuleiten.
Fundamentalisten sind Religions-Hooligans (Bindeglied ist das Bekenntnis).
Das Prinzip der Delegation (im postmodernen Management) scheint daraus sich herzuleiten, daß insbesondere das Unangenehme, das, was moralische Skrupel verursachen könnte, an andere delegiert werden soll. Daher kommt es, daß die Bedenkenlosesten im allgemeinen als die besten Mitarbeiter angesehen sind
Warum gibt es keine objektive Moral, oder: warum schließt der Begriff einer moralisch begründeten Erkenntnis den Verzicht auf moralisches Urteil mit ein (Zusammenhang von Erkenntnis und Schuld: Grund des Nachfolge-Gebots)?
Heideggers „In-der-Welt-Sein“ ist das notwendige Korrelat der begrifflichen Aufteilung des Seienden in Vorhandenes und Zuhandenes. Der reflektorische Begriff des Zuhandenen verleiht dem Dasein den Charakter des In-der-Welt-Seins. Als Zuhandenes ist das Dasein uneigentlich, als Vorhandenes eigentlich? Der Trick zieht nicht: Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit sind wie Vorhandenes und Zuhandenes untrennbare Reflexionsbegriffe.
Inertialsystem und Gravitationsgesetz gehören zusammen: sie sind zwei Aspekte der Gleichnamigmachung des Ungleichnamigen.
Hat die Geschichte von Romulus und Remus etwas mit der von Kain und Abel zu tun? Auch Romulus erschlägt seinen Bruder Remus und gründet dann die Stadt Rom.
Sind die Astralreligionen als Herrschaftsreligionen schon in der Schöpfungsordnung (Herrschaftsauftrag an die Leuchten des Himmels) verankert?
Der Personbegriff ist die Stecknadel, mit der der Name getötet und wie ein Schmetterling aufgespießt wird; er nimmt dem Namen das Wesen: das Angesprochen- und Gehört-Werden. Sind Frauen Personen, und sind nur Personen bekenntnisfähig? Auch Gott ist nur ein Personbegriff.
Das Inertialsystem ist das Refenzsystem, auf das alle naturwissenschaftlichen Begriffe, Gesetze und Erscheinungen sich beziehen, und diese drei Begriffe bezeichnen nur drei Aspekte einer Sache (Grund der negativen Trinitätslehre).
Die Welt ist das entstellte Antlitz der Erde, auf das sich der Satz bezieht: emitte spiritum tuum, et renovabis faciem terrae.
Adornos Eingedenken der Natur im Subjekt gehorcht dem Nachfolge-Gebot.
Die Parole Rousseaus „Zurück zur Natur“, die zusammenhängt mit der romantischen Vorstellung von den edlen Wilden, fällt herein auf die christologisch begründete Hypostasierung der Natur (der Vergöttlichung des Opfers) und ist wider Willen einer der Auslöser der Barbarei. Vielleicht müßte man hierzu den zweiten Teil von Derridas „Grammatologie“ lesen.
Die Psychoanalyse und die Psychomatische Medizin sind keine Hilfen bei der Wiedergewinnung des Subjekts, sondern verlängern den Instrumentalismus ins Subjekt hinein. Nicht zufällig sitzt der Psychotherapeut bei der Anamnese hinterm Rücken des Patienten. -
01.08.91
Das „tu es Petrus“, die Schlüsselgewalt und die Verheißung, daß die Pforten den Hölle die Kirche nicht überwältigen werden, gehören zusammen. – Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen, aber die dritte Leugnung geht bis zu Selbstverfluchung (präzise Beschreibung dieser Selbstverfluchung im Kontext der Eucharistie: wer dieses Brot und diesen Wein unwürdig genießt, der ist und trinkt sich das Gericht?). – Die Pforten der Hölle: Sind das nicht Physik, Ökonomie und das Bekenntnis? Und hängt nicht insbesondere das Bekenntnis mit der Eucharistie zusammen?
Ist das Bekenntnis-Problem erst dem durch Faschismus und Auschwitz geschärften Blick sichtbar geworden?
Das Unverständnis dessen, was der Name in der jüdischen Tradition bedeutet, des Kontextes, in dem dann auch im NT der Begriff des Bekenntnisses des Namens steht, war der Preis, der für das Urschisma, für die Trennung des Christentums von seiner jüdischen Vergangenheit, gezahlt worden ist. War dieser Preis nicht zu hoch?
Der Begriff spricht das Objekt nicht an, sondern spricht über das Objekt, d.h. er entspricht präzise der Situation bei der zweiten Leugnung des Petrus.
Ist es von Bedeutung, daß die Geburt Jesu zusammenfällt mit einer Volkszählung, zu der Maria und Josef in ihre Heimatstadt Bethlehem gehen mußten?
Lukas: „Denkt an Lots Weib“.
Was ist der Unterschied zwischen Gewalt, Macht und Herrschaft? Gibt der Spruch: „Anarchie ist Macht ohne Herrschaft“ Sinn?
Die Erkenntnis des Guten und Bösen ist das Prinzip der urteilenden Erkenntnis. Darauf ist das „Richtet nicht …“ eine späte Antwort.
Was heißt conjugare und declinare? Haben Konjugation und Deklination etwas mit der Dreidimensionalität des Raumes (mit Orthogonalität und Irreversibilität) zu tun? Ist der Begriff der Umkehr nicht präzise definiert durch das Verhältnis von „im Angesicht“ und „im Rücken“ (statt Rechtfertigung: die Verteidigung des andern)?
Ist die Definition der Geraden im Raum nicht selbstreferentiell: die Gerade wird durch die Bahn des Lichtstrahls definiert; danach kann man erst sagen, daß das Licht geradlinig sich ausbreitet?
Die Stelle mit Assur, Ägypten und Israel: wer war das Werk seiner Hände? Gibt es hier eine Beziehung zur Trinitätslehre und zum dreidimensionalen Raum?
Es gibt nur zwei legitime Positionen zur Prophetie: Entweder man ist selbst ein Prophet, oder man ist Adressat der Prophetie. Die Position des objektiven, unbeteiligten Zuschauers gibt es nicht (es sei denn um den Preis des Antisemitismus). Kann es sein, daß im Christentum diese beiden legitimen Positionen zu Prophetie zusammenfallen, Jesus sowohl Prophet als auch Adressat der Prophetie ist, und diese Verbindung im Nachfolgegebot an die Christen weitergegeben wird? Repräsentieren Islam und Christentum diese beiden Momente getrennt (das Christentum den vergöttlichten Adressaten, der Islam einen der Propheten)? Der Islam macht halt, schrickt zurück vor der Vereinigung des Propheten mit dem Adressaten der Prophetie; für ihn ist Jesus nur einer der Propheten und Mohammed dann der letzte. Aber da ist kein Messias, kein Erlöser: keine Umkehr. Der Islam ist gleichsam die positivistische Religion.
Die Revolution der verlorenen Generation (insbesondere in der BRD) ist eine Folge der unaufgearbeiteten Vergangenheit: eine Revolution aus dem Blickwinkel frustierter Konsumenten (die an der Vorstellung festhalten, der Staat sei der Ernährer der Menschen); für das, was ihnen entgeht, halten sie sich schadlos an der Realität. Der Marxsche Revolutionsbegriff, der sich auf das Proletariat bezieht, bezieht sich damit auf die gesellschaftliche Schicht der Produzenten, erwartet damit, daß in der Revolution dieses produktive Element zu sich selber kommt und die Alternative zur bestehenden Gesellschaft dann auch realisiert, während bei der lost generation die Alternative nicht einmal im Ansatz sichtbar ist. Das Anarchie-Konzept trägt nicht. – Das Wahrheitsmomment in der verlorenen Revolution heute liegt in der Wahrnehmung, in der Einsicht, daß das, was heute Produktion heißt, die Lebensgrundlage derer, die hier in den Metropolen leben, die Zerstörung der der Lebensgrundlagen der überwiegenden Mehrheit der Menschen in der Dritten Welt mit einschließt, d.h. in einem alle Vorstellung übersteigenden Maße kontraporduktiv geworden ist.
Dieses schlimme christliche Harmonie-Bedürfnis: wir tun so, als brauchten wir nur ergriffen sein, und wenn wir spüren, daß wir in Gottes Hand sind, wären wir es auch schon. Dieses Harmonie-Bedürfnis (insbesondere in Deutschland) ist eine der Folgen der unbewältigten Vergangenheit. Wir können diese Vergangenheit nicht mehr abwerfen, wir haben nur diese eine. Wir können keine Vergangenheit mehr abwerfen; der einzige Weg führt durch die Erinnerungsarbeit hindurch.
Idolatrie: Entlastung, Exkulpierung durch Projektion der eigenen Schuld nach draußen, durch Delegation der Verantwortung: Schuldig sind die Götter; Freiheit gibt es nur durch Komplizenschaft. Dieses Konzept hat das Christentum durch die Opfetheologie in seine Theologie mit hereingenommen. Das jedoch war nur möglich unter gleichzeitiger massiver Verletzung des Nachfolge-Gebots.
Franz Rosenzweig ist wirklich der Mann, der unter die Räuber fiel. Vor allem eines macht die erkenntnistheoretische Rezeption des Begriffs der Umkehr so wichtig. Franz Rosenzweig gebraucht hier das Bild mit dem Koffer: was zuerst hineingetan wurde, wird nachher in umgekehrter Reihenfolge wieder entnommen. D.h. es geht nichts verloren (und es wird nichts überwunden)! – Die „Überwindung“ von Vergangenem ist der Einlaß des Heidnischen, des Vergangenen, ins Christentum; er bezeichnet die genaue Gegenposition zur Umkehr. Hier ist Umkehr vonnöten.
Das Hegelsche Absolute ist in der Jotam-Fabel beschrieben worden.
Es gibt eine Schuld, die nicht mehr beichtfähig ist. Diese Schuld („die Schuld der Welt“) ist der genaue Gegenstand des Nachfolgegebots (und der Schlüsselgewalt der Kirche). Die Welt ist der Inbegriff der unaufgelösten Last der Vergangenheit. Sie trifft alles, was in ihren Bannkreis hineingerät, von hinten. Der Kristallisationskern, an den sich der Weltbegriff, die Struktur und die Ausgestaltung der Philosophie und auch die Institution des Staates anschließt, ist das Prinzip der Selbsterhaltung; in der aus der Philosophie stammenden Lehre von der Unsterblichkeit der Seele wird dieses Prinzip der Selbsterhaltung über das zeitliche Ende des Lebens, den Tod, hinaus verlängert: verankert sich die Welt im Jenseits (und vergiftet es).
Früher haben die Philosophen die Schrift allegorisch gelesen. Heute sollten die Theologen die Philosophie allegorisch lesen.
Die Abtreibungsdebatte: der moralische Aufhänger, an dem man so schön die eigene Gemeinheit wieder ausleben kann. Wo steckt der Grund, die Ursache für den Projektionszwang; was motiviert diese Debatte und heizt sie an? Auf welche Abtreibung bezieht sich die Kampagne objektiv?
Woran hängt die Logik der kantischen Antinomien der reinen Vernunft; wird sie getroffen durch die Kritik des Objektivierungsprozesses (Zusammenhang mit den Hegelschen Reflexionsbegriffen, mit dem Beginn der Hegelschen Logik; nur hier sind die Dinge mit dem Begriff des Seins schon gelaufen, ist die Philosophie schon der ontologischen Sucht verfallen)?
Im Säkularisationsprozeß verlängert sich mit der Konstituierung der Welt das Gedächtnis, während die Erinnerung verschwindet (auch ein Problem der Zeitdilatation?). -
18.07.91
Der Urknall: So lösen Techniker das Problem der Schöpfung.
Bilderverbot und Nachfolgegebot: Ödipus als Grenzscheide?
Hat die Stabilisierung der Venusbahn zur Stabilisierung der Zeit (Ursprung des Plusquamperfekt; Regenbogen) geführt?
Heute genügen gesellschaftliche Naturkatastrophen (Änderungen nach Weltkrieg II?): Der bloß verdrängte Antisemitismus macht die Gesellschaft handlungsunfähig, geborgenheitssüchtig; Zusammenhang mit der Potenzierung der Bedürfnisse (Bedürfnisse der Objekte).
Das Eine ist das Andere des Anderen: Mit dieser Logik (Grund der Reflexionsbegriffe, der positiven Dialektik) rechtfertigt man die eigenen Untaten („die anderen sind auch nicht besser“; entscheidend ist nicht, nicht gemein zu werden, sondern sich nicht erwischen zu lassen; vgl. Ez 2227, Jer 526).
Die Wertphilosophie (der Personalismus) als entfremdete Wissenschaft vom „Antlitz“ (Parallelität zum Ursprung des Films, Organ der Selbstverfluchung).
Kants „Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung“: Die Einführung des Intersubjektivitäts-Prinzips in die Moral leugnet das Angesicht und vergißt, daß es keine Gesetzgebung gibt, die gegen Gemeinheit schützt.
Falsch an der Opfertheologie ist die Vorstellung, daß Gott das Leiden, die Unterwerfung, will. Die Opfertheologie gilt nur im Bereich des aus dem Tauschprinzip sich herleitenden Herrendenkens (und fürs entfremdete Bekenntnis, für die Konstitution der Materie – den Staub -, der das Zwangsbekenntnis – die Selbstlosigkeit, der „reine Altruismus“ – sich gleichmacht).
Nachdem die Aufklärung die richtende Gewalt endgültig als Inbegriff der Welt (als Weltgericht) etabliert hat, bleibt dem Jüngsten Gericht nur noch das Erbarmen, das Gericht der Barmherzigkeit über die gnadenlose Welt: Bleibt allerdings da noch ein Rest, der gerettet werden kann?
Nicht der Materialismus, sondern der Idealismus ist materialistisch.
Es gibt kein Bekenntnis ohne Härte. (Verdinglichung und Paranoia; Objektivation und Opfertheologie)
Wie hängt die Frage nach dem „Sinn“ (nach dem „Sinn von Sein“ z.B.), überhaupt der im Deutschen so belastete Sinnbegriff (auch die seit Heidegger so beliebten „Fragen“, wie die Seinsfrage, die Judenfrage, die deutsche Frage u.ä.) mit dem Zerfall der benennenden Kraft der Sprache, mit dem Stand der Geschichte des Begriffs, zusammen? -
17.07.91
Die Geschichte des Objektivationsprozesses ist eine einheitliche Geschichte, die von der Opfertheologie, vom Bekenntnis, bis hin zur Existenzphilosophie reicht.
Erst die Säugetiere (oder schon die Saurier?) sind Warmblüter, d.h. sie sind nicht auf den Wärmehaushalt der sie umgebenden Natur angewiesen, sondern sie reproduzieren ihn selber. Das ist die Voraussetzung dafür, daß sie sich dann vom Jahresablauf emanzipieren.
Bildet die Evolution des Lebens die Evolution, die Struktur und die Abfolge der Bildung des Kosmos ab?
Rosenzweigs Verständnis des Islam ist begründet in der Logik seines Systems und daraus nicht abzulösen. Sollten wir nicht aufhören mit der Erwartung, daß Religionen sich verhalten wie Standesverbände, die auch Kritik nicht ertragen (mit Abwehr darauf reagieren)? Die Selbstbesinnung ist fällig für alle Religionen.
Das „de mortuis nihil nisi bene“ läßt sich nicht auf die Religionen anwenden. (Die Religionen sind heute allesamt teils parfürmierte Mumien, teils stinkende Leichen – tourismusfördernde Folklore.)
Das „Seid klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben“, diese beiden Halbsätze sind im Mittelalter getrennt verkörpert worden durch den Dominikaner- und den Franziskanerorden.
Theologie hinter dem Rücken und Theologie im Angesicht Gottes sind zwei verschiedene Aggregatzustände der Erkenntnis. Theologie hinter dem Rücken Gottes stabilisiert die verschuldete Welt, macht sich gemein mit der Schuld und blendet sie ab: ist der Kern und der Grund der Heuchelei. Sie vergrößert die Last, die auf dem Messias ruht.
Wer die Wahrheit von der Beweislogik abhängig macht, begibt sich der Kraft zur Unterscheidung der Geister.
Als ich Theologie studierte, auch in der Zeit des Noviziats, hatte ich mir eigentlich nie vorstellen können, einmal Priester zu werden, mich zum Priester weihen zu lassen. Aber ich hatte auch das – in meiner apokalyptischen Zeitstimmung begründete -Gefühl, daß es hierauf auch garnicht mehr ankomme.
(FR-Serie über George Steiner: Von realer Gegenwart) … Da sieht man die spitzen Finger und den Papierkorb, da sieht man die Wölfe, die dem Lamm auflauern, da sieht man die Schlangen, die die Arglosigkeit der Tauben nur noch als Dummheit wahrnehmen (während es heute die Klugheit der Schlangen ohne die Arglosigkeit der Tauben schon nicht mehr gibt: sie in der Dummheit der Tauben den Beginn ihrer eigenen Dummheit anschauen.) Es ist zu offenkundig: Man fühlt sich angegriffen und glaubt sich durch Gegenaggression rechtfertigen zu können. In Wahrheit setzt die etablierte Zunft ihre Duftmarken, gibt Tabu-Hinweise für die eigenen Schüler. So erfüllt man aufs präziseste den tiefenpsychologischen Begriff der Abwehr.
Nochmals zu dem Satz „seid klug wie die Schlangen …“: Die Welt gleicht sich immer mehr der Paranoia an, die sie falsch abbildet, und es kommt alles darauf an, dieser Paranoia nicht zu verfallen.
Die Trennung von Futur und Imperfekt, von Zukunft und Vergangenheit, wird stabilisert durch das Plusquamperfekt. Sie verhindert das Verständnis der Prophetie und ist der Tod der Theologie. Sind die Bäume das Gestalt gewordene Plusquamperfekt, die Tiere das Futur und die Pflanzen das Imperfekt? (Gehört das Verbot von den Bäumen in der Mitte des Gartens zu essen, zum biblischen Nahrungsgebot?) Liegt hier der Grund, weshalb die Namengebung, die benennende Kraft Adams, sich nur auf die Tiere, nicht auf die Pflanzen sich bezieht?
Erst die Kritik der Physik eröffnet den Problemstoff, der in der Bibel steckt.
Die Bekenntnislogik ist das Medium der Vergesellschaftung des Herrendenkens. Die Vorbildtheorien gehören zur Bekenntnislogik.
Mein Eindruck ist, daß Entziehungskuren für Katholiken eingerichtet werden müßten: sie sind alle süchtig, sie stehen alle unter der Droge Kirche.
Das sogenannte naturwissenschaftliche Weltbild, das seine innere Konsistenz längst verloren hat, und nur noch deshlab weiterbesteht, weil keiner die Naturwissenschaften mehr versteht, ist ein Reflex des naturbeherrschenden Subjekts.
Die entsetzliche Verwechslung der sogenannten künstlichen Intelligenz mit der menschlichen Vernunft ist nur möglich, weil das Fehlen der Spontaneität, der Erfahrung, der Verarbeitung von Erfahrung nicht mehr wahrgenommen wird. Aber das ist (nicht zufällig insbesondere an katholischen Hochschulen) nur deshalb möglich, weil von dem gleichen Effekt heute die Kirche lebt, sich durch die Reproduktion dieses Effekts (über ihren Bekenntnis-, Lehr- und Glaubensbegriff, nachdem sie das Nachfolgegebot endgültig verworfen hat) selber reproduziert.
Die Bibel ist kein System. Der Versuch, sie dazu zu machen, hat in die Dogmatik, in die Trinitätslehre hineingeführt. Die Bibel ist vielmehr ein Wortfeld, gleichsam der Acker, dessen Bearbeitung uns auch aufgegeben ist. Vor diesem Hintergrund gewinnt das Wort „Schwerter zu Pflugscharen“, angewandt auf Dogma und Bekenntnis, plötzlich eine sehr erhellende Bedeutung.
Die Trinitätslehre ist die Form der Verpuppung der Wahrheit; sie hat, ohne daß die Theologen es bis heute gemerkt hätten, in der Hegelschen Logik, in seinem Begriff des Absoluten, sich selbst als leere Hölle zurückgelassen, ohne daß bisher der Schmetterling, der daraus entflogen ist, wahrgenommen worden wäre.
Eine Sache zum Objekt machen, heißt, sie da fassen, wo sie schuldig ist: sie in den Anklagezustand versetzen.
Ecce agnus dei, qui tollit paccata mundi:
– Es heißt peccata mundi, nicht peccata hominum; es geht also nicht um die zurechenbare Schuld, sondern um die Schuld, in die man hineingerät: den Zustand und die Verfassung der Welt, in die man hineingeboren wird.
– Und das tollit heißt nicht wegnehmen, sondern auf sich nehmen.
Nach dem Nachfolgegebot ist es diese Schuld der Welt, die der Christ auf sich zu nehmen hat
Der vom Nachfolgegebot befreite Bekenntnisbegriff liefert das Medium, in dem die Ausrede: „Die Andern tun’s auch“, möglich wird. Er kann so zur Entlastung von der eigenen Verantwortung genutzt werden, zur falschen und unwirksamen Exkulpierung. So gerät das Bekenntnis in den Wiederholungszwang des schlechten Gewissens. Die Logik des Bekenntniszwangs ist die Logik der Urteilslust aus schlechtem Gewissen: des Geredes, zu dem auch die Theologie heute verkommt. So induziert der Bekenntniszwang das Trägheitsprinzip in die Bekennenden und wird zum sozialen Kitt, der die Bekenntnisbedürftigen an die Gemeinschaften, an die sie gebunden sind, fesselt, aus denen sie nicht mehr herauskommen (auch wenn sie sich formal davon lösen). Das schlechte Gewissen, das dem Bekenntniszwang zugrundliegt (und durch ihn fixiert wird), objektiviert sich in dem vom Bekenntnis nicht abzulösenden Feindbild (primär im christlichen Antisemitismus).
Adornos Bemerkung, daß die Welt sich immer mehr der Paranoia angleicht, die sie zugleich falsch abbildet, ist eine präzise Beschreibung des Grundes der Naturwissenschaft.
Die Bekenntnislogik und die Logik des Inertialssystems konvergieren miteinander.
Zum Problem der Benennung der Tiere:
– Wenn die Katastrophe der Urzeit, an die Max Horkheimer zufolge die Tierwelt erinnert, näher bestimmt werden kann, dann dürfte sie mit der Benennung der Tiere durch Adam zusammenhängen.
– Die Benennung der Tiere durch Adam steht im zweiten Schöpfungsbericht; im ersten werden die Tiere – je nach ihrer Art -durch Gott erschaffen.
– In der Sintflut erhält Noah den Auftrag, die Tiere in Paaren mit in die rettende Arche zu nehmen.
– Im Buch Hiob führt Gott dem Hiob am Ende die apokalyptischen Tiere vor Augen, mit dem zusätzliche Hinweis: Warst du dabei, als ich sie schuf? (Löst sich das Rätsel des Endes des Buches Hiob durch die doppelte Gestalt der Schöpfungslehre?)
– Vgl. auch die Geschichte mit der Schlange beim Sündenfall (Staub fressen / zu Staub werden).
Zum Sündenfall:
– Adam hat den Tieren ihren Namen (ihre Bestimmung) gegeben, also auch der Schlange (der klügsten unter den Tieren): ist somit die Schuld der Schlange (die Schuld der Welt) die Schuld Adams?
– Die Schlange „wird Staub fressen“, Adam „ist Staub und wird wieder zu Staub werden“: Frißt die Schlange Adam?
– Das Weib dagegen ist in Feindschaft mit der Schlange, ihr Nachkomme wird der Schlange den Kopf zertreten.
– Vgl. auch
. Noach (Gen 9), die Arche und der Bund mit den Tieren,
. die Nahrungsgebote,
. Hiob / Apk,
. Hos 220: endzeitlicher Bund mit den Tieren.
– DdA: Tiere erinnern an Katastrophe in der Urzeit. -
25.06.91
Das Bekenntnis-Syndrom fördert und stabilisiert die Ghetto-Mentalität.
Kann es sein, daß das Trägheitsgesetz und das Tauschprinzip formal identisch, aber in der Tendenz entgegengesetzt sind (wie die beiden Richtungen einer räumlichen Geraden)? Darin scheint die Differenz zwischen Natur und Welt begründet zu sein. Das Bekenntnissyndrom verhält sich zum Tauschprinzip wie das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit zum Trägheitsgesetz (d.h.: der traditionelle Marxismus entspricht dem, was nach Einstein die „klassische Physik“ genannt wurde (Materialismus als Herrschaftswissen, als Ideologie; was entspricht dann der Längenkontraktion und der Zeitdilatation?).
– Es ist der regressive Geschichtsverlauf (die Weltgeschichte als Weltgericht), der Ziel und Ursprung in eine Beziehung rückt, die parakletisches Denken begründet.
– Sinnlichkeit und Bekenntnis?
Macht das Nachfolge-Gebot Theologie wieder möglich (das Bilderverbot reicht nur zur negativen Theologie)?
Hängt die Sohnes-Theologie nicht doch mit der römischen Praxis der Bestimmung des Nachfolgers durch Adoption (Caesar-Augustus) zusammen? Oder handelt es sich hier doch um ein Stück Biologie („Zeugung“) in der Theologie?
Das Pneuma, der Spiritus: Hat der Geist mit dem weder festen noch flüssigen Element Luft (weder mit der Erde, noch mit dem Wasser, erst nach dem Nachfolge-Gebot auch mit dem Feuer, den Feuer-Zungen) zu tun? -
19.06.91
Marquardt: Hinweis auf die theologische Begründung des Antijudaismus der wissenschaftlichen Theologie bei Gerhard Ebeling. (Verwegenheiten, S. 312) Wäre zu ergänzen durch den Hinweis auf den nationalistischen Hintergrund des Prophetie-Verständnisses, mit doppeltem Effekt: Prophetische Kritik trifft nicht mehr uns, sondern „die Juden“, beweist ihre Verstocktheit und Verworfenheit; Prophetie ist so zugleich ein Alibi für den Historismus: das eigene instrumentalistische und deshalb chauvinistische Geschichtsverständnis, mit dem Kaiser Wilhelm (und wenig später ersatzweise dem Führer) als Inkarnation des Herrn der Heerscharen. Beleg für den Zusammenhang von Objektivierung, Instrumentalisierung und Herrendenken: Konsequenz einer erinnerungslosen, kolonialistischen Geschichtsschreibung, Äquivalent des Inertialsystems in der Geschichte (die Vergegenständlichung der „subjektiven Formen der Anschauung“ im Inertialsystem macht sie selbst – wie zuvor ihre Objekte – immun gegen Erinnerungsarbeit).
Ebelings Begründung bezieht sich auf Luthers Begriff der Rechtfertigung durch den Glauben: sie trifft damit genau das Zentrum der Bekenntnislogik und verweist ex contrario auf den Zusammenhang der Erinnerungsarbeit mit den „guten Werken“, mit dem am Namen der Gerechtigkeit orientierten Handeln, der Befreiung durch Nachfolge: durch Übernahme der Schuld der Welt, zu der auch die Übernahme der vergangenen Schuld (der Last der Vergangenheit) gehört, die Auflösung der fortwirkenden Macht des Vergangenen durch Erinnerungsarbeit.
Die Bibel auf eine nicht fundamentalistische Weise wörtlich nehmen.
Hat Abraham (islamisch: Ibrahim) etwas mit den „Hebräern“ zu tun; vgl. der „Hebräer Abram“ (Gen 1413 – nur einmal?); ist der Gott der Hebräer (Ex 53) der spätere Gott Abrahams? Oder mit Eber, dem Vater des Peleg und Urgroßvater des Serug (nach E.L. Ehrlich Namen von Städten bei Harran – Geschichte Israels S. 6), oder mit den Habiru/Apiru aus anderen zeitgenössischen Quellen (S. 9), oder mit den ‚Ibri, welcher Name nach Ehrlich auch eine rechtlich-soziale Stellung bezeichnet („hebräischer Sklave“ -ebd.). – An welchen Stellen taucht der Name „Hebräer/hebräisch“ auf, und welche Bedeutung hat er dort? – Woher kommt die hebräische Sprache, haben die Juden (seit wann) nur aramäisch (die allgemeine Verkehrsspache?) gesprochen, und war das Hebräische nur Kultsprache?
Das christliche Nachfolge-Gebot entspricht seiner Bedeutung und seinem Stellenwert nach dem jüdischen Bilderverbot. Wie dieses sein Maß hatte am Götzendienst (am objektiven Schicksalsbegriff), so jenes an der Selbstvergötzung, an der Empörung (an der Verinnerlichung des Schicksals). Dazwischen liegt die Äonenwende: die Geschichte der Vergesellschaftung und Verinnerlichung von Herrschaft, gegen die das Nachfolge-Gebot sich richtet.
Das Bilderverbot richtet sich gegen die Hypostasierung des Objekts und sein logisches Korrelat: das Schicksal, das Nachfolge-Gebot gegen die des Subjekts, und beides gehört zusammen. Beide begründen die Gottesfurcht und konstituieren den Bereich, in dem die Götzen und Herrenlogik des Begriffs depotenziert werden und Sprache nach Befreiung aus dem Bann des Schuldzusammenhangs ihre benennende Kraft errettet und gewinnt (Zentrum der Sprachphilosophie). -
18.06.91
Wann und nach welchen Prämissen wurde die Chronologie der Erdgeschichte festgelegt? (Trifft es zu, daß die geologischen Formationen in anderen Regionen – in Südamerika? – in anderer, umgekehrter Folge sich vorfinden?)
Natura non facit saltum: Dieses Prinzip scheint die gleiche Funktion zu haben wie das Prinzip der Erhaltung der Energie: es konstituiert und stabilisiert das System und den Begriff der Natur, hat aber darüber hinaus keine Bedeutung.
Liegt der Unterschied zwischen Sklaven und Leibeigenen darin, daß Sklaven dazu gemacht worden sind (durch Unterwerfung), während Leibeigene dazu geworden sind (aufgrund wirtschaftlicher Zwänge, die eine funktionierende Geldwirtschaft schon voraussetzen: vor allem durch Schulden oder schuldenähnliche Bindungen). Gunnar Heinsohn hat den Vorgang unter dem Begriff „Schuldknechtschaft“ beschrieben; nur: hat er ihn nicht doch historisch falsch lokalisiert, ist er nicht erst anwendbar auf die Geschichte des Zusammenbruchs des römischen Latifundiensystems, am Ende der Antike?
Die Kirche hat mit der Opfertheologie Jesus zum vergöttlichten Ein-Mann-Proletariat und zum Symbol und Inbegriff der gesamten Vergangenheit gemacht (den Kreuzestod zum Inbegriff der Arbeit, die die Menschheit seit dem Sündenfall geleistet hat – „im Schweiße ihres Angesichts“), zum einzigen Produzenten der Gnaden, die die Kirche verwaltet und den Gläubigen zum Genuß gibt.
Bekenntnis und Masse: Durch den Zwang der Bekenntnislogik werden an dem, der sich dem Bekenntnis unterwirft, die gleichen Strukturen und Eigenschaften evoziert, die das Inertialsystem an der Materie bewirkt. Durchs Bekenntnis werden die Gläubigen zu der trägen und schweren Masse, die sich dann beherrschen und manipulieren läßt.
Kann es sein, daß die gesamte Mikrophysik, von der Elektrodynamik, über die Thermodynamik und Quantenphysik bis hin zur Chemie als Resultat einer Spiegelung des Gravitationsgesetzes am Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit sich begreifen läßt?
Die Nachkriegsdiskussion um die Kollektivschuld hätte ein Anlaß sein können, das Nachfolge-Gebot neu zu reflektieren und zu begreifen. Nur im Sinne des Nachfolge-Gebotes ist es nicht nur sinnvoll, sondern zwingend geboten, diesen Aspekt der Kollektivschuld (als Übernahme der Schuld der Welt) als ein zentrales christliches Motiv wieder in die Erinnerung zurückzurufen, allerdings mit der Folge der Relativierung der „persönlichen“, zurechenbaren (und deshalb beichtfähigen) Schuld.
Die Welt ist alles, was der Fall ist: Der Fall ist das, was das Subjekt von hinten: sein physis oder das Subjekt als Person, überfällt (der Blinddarm, der Diebstahl, die Onanie, der Mord, der Sozialfall; die Krankheit, das Verbrechen, die Sexualität, die Not), seine „Erscheinung“ im Wahrnehmungsfeld der Verwaltung, der Medizin, der Justiz, des moralischen Urteils, des Geredes. -
14.06.91
Zur Struktur des „Falls“ (des/der casus): Die Physik ist nicht einfach die Wahrheit, sondern ein Aggregatzustand der Erkenntnis, der dem der Theologie genau entgegengesetzt ist: Sie kennt von den Deklinationen (den casus) nur noch den Akkusativ (und erst die dazugehörige Erkenntnistheorie den Genitiv, der hier im übrigen indifferent ist gegenüber der Unterscheidung von genitivus subjectivus und objectivus: Grund der Differenz von Genesis und Geltung und der Reflexionsbegriffe; vgl. auch den gen. criminis: Der Genitiv ist Ausdruck einer Schuld- oder Herrschaftsbeziehung, die dann im Akkusativ sowohl vergegenständlicht, verdinglicht, als auch verdrängt wird; der Dativ ist Ausdruck einer Zuwendung, der Gnade: Restitution des Subjekts). Hierauf bezieht sich das „emitte spiritum tuum et renovabis faciem terrae“.
Grammatisch verwandelt das Sein – darin liegt seine „verandernde Kraft“ – jedes Handeln in ein Geschehen, verleiht ihm den Schein der Subjekt- und Schuldlosigkeit, begründet aber eben so den Schuldzusammenhang (begründet die insbesondere in der Verwaltung so beliebten -träger wie z.B. Verantwortungsträger; Grundlage des Personbegriffs: Namensträger; ähnlich ist die Materie „Träger“ ihrer Eigenschaften (Substanz und Akzidenz): Folge der Beziehungen der Dimensionen im Raum, der Beziehung von Orthogonalität und Reversibilität). Das Sein ist der Grund der Verwandlung des Prädikats in den Begriff und der Tod des Verbums (et verbum caro factum est).
Der wirkliche Name, ist nicht der Name, den man hat, sondern der, der – wie in der Kafkaschen Erzählung – sich erst bildet. Vergeblich, wenn nicht verhängnisvoll, ist der Versuch „sich einen Namen zu machen“ (wie Nimrod; er war ein großer Jäger vor dem Herrn und Begründer der großen Stadt).
Die Physik ist nicht die Sünde wider den Heiligen Geist, aber die bis heute stärkste Absicherung der Verführung dazu.
Hat das Fronleichnamsfest nicht etwas von einem barbarischen Triumphzug?
Zum Begriff der Gottesfurcht: Wir alle haben die ganze Gesellschaft als verinnerlichte Kontroll- und Zensurinstanz im Kopf. Daran müssen wir uns abarbeiten, um an den Punkt herzukommen, an dem wir in der Gottesfurcht, im Angesicht Gottes, uns wiederfinden. Das ist der einzige Punkt, von dem aus wir diese verinnerlichte Kontrollinstanz zu kritisieren und zu durchschauen in der Lage sind. Auf dieser Basis läßt sich die Adornosche Philosophie als der bis heute genaueste Ausdruck der Gottesfurcht begreifen.
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