Das Existentielle ist die wütende Spitze der Betroffenheit, Verdrängung der Reflexion, zivilisiertes Schamanentum.
Erst wenn die Theologie selbst sich aus ihren double-bind-Fallen befreit, wird ihre Neubegründung möglich sein.
Philosophie als Internalisierung des Schicksals und Instrumentalisierung des Absoluten: das hat der Islam versucht, in Religion zurückzuübersetzen. Der Gott des Islam ist der Schicksalsgott: Versuch, den verinnerlichten Schicksalsbegriff wieder ins Objektive zu wenden, aber das in einer Phase, in der es eigentlich nicht mehr möglich war. Der Islam ist eine kosmologische Religion; er hat die naturwissenschaftliche Aufklärung, die die alte Kosmologie (und deren gesellschaftliches Äquivalent) auf den Kopf stellt, nicht mitvollzogen. Das Christentum hat dann – nach der Rezeption der islamischen Aufklärung – am islamischen Theologie- und Gesellschaftsbegriff festgehalten; es hat die naturwissenschaftliche Aufklärung und die gleichzeitigen gesellschaftlichen Veränderungen nur hilflos und ohnmächtig aus sich entlassen müssen, ohne sie durch Reflexion aufarbeiten zu können: diese Entwicklung lag im blinden Fleck des nachkonstantinischen und nachislamischen Christentums.
In der griechischen Philosophie macht sich das Subjekt selbst zum imaginären Herrn des Schicksals; es verfällt aber eben damit der Gewalt der Reflexionsbegriffe.
Gottvertrauen kann allein das Vertrauen in die göttlichen Verheißungen sein, aber ist das heute noch möglich?
Der Satz, daß Gott niemanden über seine Kraft vesucht, wird heute, da die Geschichte der Versuchung in einen Engpaß treibt und erstmals die ganze Menschheit umgreift, auf die Probe gestellt.
Die Verarbeitung des Kreuzestodes in der Opfertheologie und deren Realisierung in der Volksfrömmigkeit hat (durch die subjektiv gewendete Leidensmystik, durch den Kult des Selbstmitleids) mehr zur Verdrängung des Ereignisses als zu seiner wirklichen Erinnerung beigetragen. Sie hat uns auf die Täterseite transportiert.
Allein in dem Lied „O Haupt voll Blut und Wunden“ wurde der Mechanismus durchbrochen, der uns hinsichtlich des Kreuzestodes Jesu auf die Täterseite stellt.
Ist Hephaistos das Objekt des homerischen Gelächters?
Die spezielle Relativitätstheorie hat das Inertialsystem erstmals der Reflexion zugänglich gemacht, es als Grundlage der Reflexionsbegriffe und ihrer Wirksamkeit, insbesondere der Macht der Derealisierung, erwiesen (vgl. den Zusammenhang mit dem Objektbegriff); in diesem Zusammenhang ist die Quantenmechanik, die das kritische Moment des Prinzips der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit neutralisiert, es erneut instrumentalisiert, tatsächlich ein ferner Verwandter, ein später Nachkömmling der Hegelschen Dialektik.
Die Zensur bei der Berichterstattung über den Golfkrieg ist aus militärischer Sicht schon deshalb notwendig, weil dieser Krieg nicht mehr zu führen wäre, wenn wahrheitsgemäß mit der heute möglichen Aktualität über ihn berichtet würde.
Die ganze Adornosche Philosophie ist eine Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums.
Der Islam ist die Anpassung der jüdischen Religion an die Bedingungen des Heidentums, unter Fortfall der Opfertheologie. Allah ist der Gott des Erbarmens, er verzichtet jedoch auf die Forderung der Umkehr, an dessen Stelle der Islam, die Unterwerfung tritt.
Naturwissenschaft
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01.02.91
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31.01.91
Gilt der von Walter Burkert nachgewiesene Zusammenhang von Ritual und Mythos (Wilder Ursrprung, S. 60ff) auch für die Aufklärung und ihren Rückfall in den Mythos? Trägt die neue Barbarei Züge des blutigen Rituals? War die christliche Opfertheologie Produkt einer mißlungenen Kritik der „heidnischen“? Und ist die Kritik dieser christlichen Opfertheologie die notwendige Grundlage der christlichen Selbstbekehrung, der bis heute mißlungenen Umkehr? Ist der Kapitalismus das säkularisierte mythische Ritual (die freie Marktwirtschaft, der Liberalismus, der Mythos zum Ritual der Ausbeutung, der säkularisierten Gestalt des Opfers)?
Ein Mythos, ein Glaube, begründet und begleitet ein Ritual; im Bekenntnis wird der Glaube selbst zum Ritual (Opfer der Vernunft, das reale Opfer nach sich zieht und zugleich verdrängt: unversöhnt exkulpiert). Zusammenhang von Geld (Münzen) und Opfer: der im Opfer vergöttlichte Heros wird auf der Münze verewigt („gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“ – Münze und Idol, „Götzenbild“, Ursprung der Geldwirtschaft – antike jüdische Münzen? – Begründung des Bilderverbots?).
Das Opfer begründet die Weltordnung (Gewalt, Schuld, Versöhnung; Ambivalenz des Opfers: Entsühnung und Rechtfertigung der Gewalt).
Die Maske verbirgt das Gesicht: leugnet das Antlitz und verwandelt jeden Blick in eine Sicht von hinten (vgl. die Funktion des Personbegriffs in der christlichen Theologie). Porträt als Maske?
„Der Schrecken der Maske soll den Schrecken des Totenreichs, des Dämonensturms bannen.“ (Reinhold Schneider: Winter in Wien, S. 171: „… Die Toten sind böse. Alles ist böse, das nicht die Angst des Lebens teilt. Aber auch die Toten haben Angst. …“)
„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“; gehört dazu nicht der andere Satz: „Niemand kann zwei Herren dienen, Gott und dem Mammon“. D.h. der erste Satz ist kein Kompromiß, sondern von äußerster Radikalität.
Das industrielle Endprodukt heute: Vernichtungspotential und Abfall (Müll). Alles andere, einschließlich des menschlichen Konsums, sind Zwischenstufen. Aber das Vernichtungspotential und der Abfall sind menschliches Vernichtungspotential und menschlicher Abfall. Das Ganze hat sich seit langem angekündigt in der naturwissenschaftlichen Aufklärung (dem sogenannten naturwissenschaftlichen Weltbild, in dem der Mensch – außer als abstraktes Prinzip der Herrschaft, das durch die Formen der Anschauung dieses Weltbild zusammenhält – nicht mehr vorkommt, und in der davon nicht zu trennenden Kritik des Anthropozentrismus; diese Kritik des Anthropozentrismus dient dabei als Rechtfertigung des allem zugrundeliegenden menschlichen Herrendenkens; und ihre eigentliche Funktion ist die Unterdrückung der wahnsinnigen Idee, daß es vielleicht doch eine Beziehung geben könnte zwischen dem Glück und dem Grund der Dinge: daß es etwas geben könnte, was der Idee des seligen Lebens objektiv entspricht).
Die Idee des seligen Lebens widerspricht jedem autoritären Religionsbegriff, macht die Vorstellung von einer jenseitigen Belohnung für hiesiges Wohlverhalten zu einer contradictio in adjecto, schließt a limine das Opfer der Vernunft aus. -
27.01.91
Das transzendentale Subjekt ist das Subjekt der Selbsterhaltung und der wissenschaftlichen Naturerkenntnis: die Sozialisierung der Hybris, die durch die Erfolge der naturwissenschaftlichen Aufklärung stabilisiert wird (weil es keine Alternative dazu zu geben scheint), ist ohne gleichzeitige Vergesellschaftung der Paranoia (des Verfolgungswahns, des Systemzwangs) nicht zu haben. Die verdrängte Güte kehrt draußen als Feind wieder (in den Armen und den Fremden: zusammengefaßt als aufsässiges Objekt, dessen aufdringliche Fremdheit verfolgt und verdrängt, d.h. als Materie neutralisiert wird): aus diesem Konstrukt läßt sich das antisemitische Vorurteil als Nebenprodukt und zusätzlicher nützlicher Stabilisierungsfaktor zwanglos herleiten (die spezielle Relativitätstheorie Einsteins ist eine durchschlagende Widerlegung dieses Konstrukts, sie bleibt nur solange ohnmächtig und hilflos, wie ihre erkenntniskritische Bedeutung nicht begriffen ist).
Gegen Lukacs‘ Vorstellung vom kontemplativen Charakter der wissenschaftlichen Naturerkenntnis ist kritisch auf das Moment der Praxis, das im Experiment sich zeige, hingewiesen worden. Übersehen wird hierbei, daß beides zusammengehört; daß – nach der Dialektik der Aufklärung – die (theoriebegründende) Distanz zum Objekt durch die Distanz, die der Herr durch den Beherrschten gewinnt, vermittelt ist: D.h. das praktische Moment im naturwissenschaftlichen Erkenntnisprozeß, das Experiment, ist der Repräsentant, der Stellvertreter des unkenntlich gemachten, verdrängten Knechts, des Lohnarbeiters, nach Marx: der unterdrückten und ausgebeuteten Klasse. Hier kehrt im Zentrum der modernen Aufklärung der Kern des historischen Dogmatisierungsprozesses, die instrumentalisierte Opfertheologie, als Keim- und Quellpunkt des historisch-gesellschaftlichen Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhangs wieder. Der Vorhang, hinter dem sich dieser Prozeß (theologisch: die zwanghafte und ohnmächtig-hilflose Wiederholung des Kreuzesopfers) verbirgt, ist das Bekenntnis; heute – nach Auschwitz – ist dieser Vorhang zerrissen (Mt. 2751ff).
Augenlust: Denken, das sich am Sehen, an der Anschauung orientiert, anstatt am Hören (mit den Ohren denken); Fleischeslust: das Fleisch ist das Subjekt der Bedürfnisse, Fleischeslust die Fixierung aufs Prinzip der Selbsterhaltung; Hoffart des Lebens: die vergesellschaftete Hybris (Zusammenhang mit den drei evangelischen Räten: Armut, Keuschheit und Gehorsam).
Ist es eigentlich bloßer Zufall, und wenn nicht, welche Bedeutung hat es, wenn die Ausformung der heute noch gelehrten Gnadenlehre in die gleiche Zeit fällt, in der in den Moralkompendien jene kasuistischen Erörterungen der kirchlichen Sexualmoral sich ausbreiten, die nur noch obszön, voyeuristisch und von der Motivation her als pathologisch anzusehen sind.
Ideologie ist Rechtfertigung: zunächst die individuelle Rechtfertigung von Handlungen (vor sich selbst und vor anderen), dann aber die kollektive Absicherung der Rechtfertigung von Anschauungen, Meinungen durch die Forderung der Zustimmung der anderen: durchs Bekenntnis, und die Verfolgung derer, die sich dieser kollektiven Absicherung entziehen: der Ketzer. Die zweite Form der Rechtfertigung gehorcht den Gesetzen der Paranoia und ist systemerzeugend. Oder Umgekehrt: Der Übergang von der ersten zur zweiten Form der Rechtfertigung ist durch Paranoia vermittelt; diese Paranoia hat einen Realgrund, ist in der Struktur der Welt und des die Welt objektivierenden Subjekts begründet. Die historische Genese des „westlichen“, „abendländischen“ Subjekts ist hierin begründet: im Übergang zur „Theologie hinter dem Rücken Gottes“, in der christlichen Gestalt der instrumentalisierten Religion. -
22.01.91
Zu Metz: „Zur Theologie der Welt“. Es ist immer wieder erstaunlich, wie leicht den Theologen ihr „Wissen über Gott“ aus der Feder rinnt. Wie schnell sie den biblischen Hinweis auf die Gottesfurcht (den „Anfang der Weisheit“) beiseitelegen. In dem Zitat aus 2 Kor 119 (S. 18) wird der entscheidende Satz einfach ausgelassen, dann werden aus dem verkürzten Zitat Konsequenzen gezogen, die dem Kontext exakt zuwiderlaufen. Das Ja gilt nicht der Welt (auch nicht „dem Menschen“ – S. 51), sondern den göttlichen Verheißungen. So verbaut sich J.B. Metz schon a limine den Weg zum Verständnis des Weltbegriffs und seiner in der Tat zentralen Bedeutung für die Theologie der Geschichte: Theologie als Erinnerungsarbeit und parakletisches Denken (Kritik des realen und historischen Kolonialismus: der Hypostasen der Empörung, der Verführung zum Richten; Errettung der vergangenen Hoffnung, der Hoffnung für die Opfer und für die bis heute unabgegoltene Güte; Auflösung der den Weltbegriff konstituierenden Verdrängungen).
Ableitung der christlichen Weltkritik aus Mt. 1016: Aus der Prämisse, eine kritische Aufarbeitung der Erfahrung der Wolfswelt und eine Begründung der Güte, sei unmöglich, zieht jeder Faschismus seine zynisch-verzweifelten Schlüsse: von der Mordlust bis zur Gräberschändung.
Beispiel theologischer Hybris: Metz fragt nicht mehr, ob, sondern nur noch „wodurch (es sich) zeigt, daß unser Glaube eben ein christlicher Glaube ist, der weiß (!), daß die weltliche Welt von Gott je schon eingeholt ist, ja, daß sie in ihrer radikalen Weltlichkeit nur erscheinen kann, weil sie von Gottes befreiendem Ja jeweils schon übergriffen ist“ (S. 42, Hervorhebungen von mir, H.H.). Ein Glaube, der „weiß“, verletzt sein eigenes Prinzip; und das „je schon“ erinnert außer an die Heideggerei und den Jargon der Eigentlichkeit nicht zufällig an die Geschichte vom Hasen und vom Igel: Ick bün all do. Dabei ist das Metzsche Konstrukt nicht einfach nur erfunden, erbauliches Geschwätz, sondern es verweist auf einen sehr ernst zu nehmenden Sachverhalt: Es ist in der Tat dieses christliche Erbe eines Glaubens, der im Kontext der Geschichte des Dogmas und des Bekenntnisses, der Konfessionalisierung der Kirche(n), für sich die Form des Wissens beansprucht: Grund der anders nicht zu erklärenden Neigung des konfessionalisierten Christentums (und seiner politisch-staatlichen Erben) zur wütenden Aggression gegen jeden, der das geforderte Zwangsbekenntnis verweigert (Bekenntnis als technisches Instrument zur Nutzung des Mechanismus der Identifikation mit dem Aggressor). Nicht zufällig war der „Weltanschauungskrieg“ der Nazis, der in der Tradition der christlichen Ketzerverfolgungen und der Bekehrungskriege steht, einer der brutalsten Kriege der Geschichte, und dazu einer, der die Täter fast ohne das Bewußtsein von Schuld zurückgelassen hat. In diesem Kontext ist das Konzept von der „Annahme der weltlichen Welt“ und von „Gottes befreiendem Ja“ zumindest mißbrauchbar.
Die Welt ist alles, was der Fall ist (Wittgenstein): Aber das Ja und Amen ist nicht das Ja und Amen zum Fall, dessen unwiederrufliche Bestätigung, sondern im Gegenteil: das Ja und Amen zur Verheißung, daß das Opfer und die alltägliche Erfahrung des Unrechts nicht das letzte Wort sind.
Das fundamentalontologische „je schon“ ist der genaueste Ausdruck der aktiven Verdrängung, der Unterdrückung von Erfahrung, des Nicht-Wahrhaben-Wollens; es schafft genau die double-bind-Situation.
Bevor die Grundlagen der Instrumentalisierung der Welt (das Trägheitsgesetz und die Prinzipien der Mechanik) draußen entdeckt werden konnte, mußten sie (unterm Gesetz des Zwangsbekenntnisses) internalisiert und als Form der Welterfahrung schon ausgebildet und vorhanden sein. In diesen Zusammenhang gehört die ganze Säkularisierungsdiskussion.
Das Bekenntnis ist die Grundlage des Zivilisationsprozesses (die Fähigkeit zum Bekenntnis die Grundlage des zivilisierten Lebens). Aber es ist nur haltbar, wenn es die Selbstreflektion mit in sich aufnimmt.
Die kritische Selbstreflektion des Bekenntnisses ist die Voraussetzung für eine kritische Reflektion der Naturwissenschaften (und des Naturbegriffs): Einheitspunkt einer sich wechselseitig aufklärenden Natur- und Geschichtsphilosophie (einer wechselseitigen Kritik von Schelling und Hegel).
Die Naturwissenschaft ist seit Galilei das Trauma der katholischen Theologie: Grund der entsetzlichen und heute explosiv sich ausbreitenden Verwirrung.
Zusammenhang von: Bekenntnis, Empörung, richtendem Urteil, Freund-Feind-Denken, Herrendenken, Gemeinheit; Weigerung, Begriffe wie Fall und Empörung durch Definition zu entschärfen, anstatt durch Hinhören wieder in ihren theologischen Rang einzusetzen.
Ursprung der Gemeinheit aus dem Christentum: Bekenntnis als Alibi und Erinnerungsersatz; Komplizenschaft der Gläubigen; Bekenntnis als Zwangsbekenntnis des anderen; Rache für das, was man sich selbst antun muß; Christentum als Ausrede; Verdrängung und Projektion. Opfertheologie, Gnaden- und Sakramentenlehre; Rechtfertigungslehre: Ausbeutung des Leidens Jesu statt Nachfolge (Opfer statt Barmherzigkeit). Veränderung des Glaubens durchs Zwangsbekenntnis, durch Verdinglichung, durch Zeitumkehr (Rosenzweig: die verandernde Kraft des Seins. Studium der Berichte aus Auschwitz.
Daß nach Metz „das Christentum … als zunehmende Entgöttlichung und in diesem Sinne Profanisierung der Welt erscheinen (muß), als deren Entzauberung und Entmythisierung“ (S. 30), stimmt nur zum Teil und da auch nur bedingt, nämlich insoweit, als die Entmythisierung im Verhältnis zur Offenbarung, nicht jedoch zur wissenschaftlichen Aufklärung, verstanden wird. Die Entzauberung im Sinne der Säkularisation (und Instrumentalisierung, Subsumtion unter die gesellschaftliche Herrschaft) unterliegt der Dialektik der Aufklärung: Auch diese Entzauberung fällt in den Mythos zurück (nur daß er als gegenwärtiger Mythos nicht so leicht wie der vergangene sich durchschauen läßt).
Wird in dem Konstrukt „Freisetzung der Welt ins Eigene und Eigentliche“ (S. 31) nicht Sündenfall und Erlösung verwechselt? Das ist nun wirklich bürgerliches Christentum (das Proletariat wird nicht der Gesellschaft, zu der man selbst gehört, zugerechnet, sondern der im historischen Prozeß unterworfenen, beherrschten Natur. Und die Vorstellung, „in der Verweltlichung der Welt (setze sich) ein genuin christlicher Antrieb geschichtlich durch“ (S.31), erinnert an die Apartheidstheologie, an die Gleichsetzung von Kolonialismus und Christianisierung. Hierauf paßt der Horkheimersche Satz: Es gibt keine menschenfreundlichere Religion als das Christentum (die Religion der Feindesliebe), aber auch keine, in deren Namen vergleichbare Untaten begangen wurden. Daß auch diese letzteren Dinge christlichen Ursprungs sind, soll nicht bestritten werden; aber das ist dann das Gegenteil einer Rechtfertigung (und nach Rechtfertigung klingt zumindest der oben zitierte Satz). Die Theologie ist nur zu retten, wenn die Säkularisationsdebatte endlich der paranoiden Vorstellung sich entzieht, nach Galilei sei eine Kritik der Naturwissenschaften nicht mehr möglich. Sie ist nicht nur möglich; ohne diese Kritik ist die Theologie nicht zu retten: sowohl im Rahmen einer immanenten Diskussion des Stands der naturwissenschaftlichen Erkenntnis selbst, als auch als Teil einer Kritik des philosophischen und mythischen Erbes der Theologie, gleichsam als Teil ihrer Selbstbekehrung.
Die Säkularisation als Verweltlichung der Welt ist so aus Herrensicht gesehen: Ausgeschlossen sind die Juden, die Frauen, die Arbeiter, die gesamte „nichtzivilisierte Welt“; ausgeschlossen ist der Rohstoff- und der Produktionsbereich, zu der auch die Arbeitskräfte gehören (als Teil der ausgebeuteten Natur); im Blickfeld ist nur die (heile) Warenwelt. Hierauf beziehen sich auch die unreflektierten Erlösungsvorstellungen: Wer oben ist, ist dem Bann der Natur entronnen, ist befreit, ist exkulpiert. Und solange das, was unten erfahren und erlitten wird, nicht laut wird, ist die Welt in Ordnung.
Theologie nach Auschwitz ist Kritik der Theologie hinter dem Rücken des lieben Gottes (Kritik der Hybris und der Anmaßung, die vorgibt, „über Gott“ etwas zu wissen; Rosenzweigs: „Von Gott wissen wir nichts, aber dieses Nichtwissen ist Nichtwissen von Gott“ ist die geniale Lösung dieses Problems). -
20.01.91
Die Übernahme der Schuld der Welt: das war das antiimperialistische Moment und zugleich das Moment des göttlichen Selbstbewußtseins im Leiden Jesu. Wie konnte das in eine christliche Reichsreligion integriert werden?
Die historische Auseinandersetzung mit der Natur und der Kampf mit dem (gefesselten) Drachen: Überschreiten nicht Chemie und Atomphysik mutwillig eine Grenze? Woher kommt die St. Georgs-Legende? Wie hängt sie mit dem Michaels-Mythos zusammen?
Hängen die Rätsel, die der Islam uns stellt, mit seinen nomadischen Wurzeln zusammen: vergleichbar ist die Fremdheit der Roma und Sinti. Gibt es auf dieser Stufe schon den Unterschied zwischen Händler und Dieb; gibt es hier das institutionalisierte Tauschprinzip und den „gerechten Lohn“ oder den „gerechten Preis“, die Äquivalenz von Lohnarbeit und Ware; ist der Islam in einem strukturellen Sinne (kraft theologischer Bindungen) vorkapitalistisch? Zusammenhang mit der Weigerung, in den Objektivationsprozeß einzutreten (aus einer Welt, die durch den Anblick Gottes definiert ist, herauszutreten, sie von außen – von hinten – zu betrachten)? Spielt in den latenten Haß auf den Islam (wie auch auf die „Zigeuner“) der Haß auf jene mit herein, die sich weigern, wie wir (die bürgerlichen Christen) schuldig zu werden?
Die Attraktivität des Islam scheint aus der „Ergebung“ und der Schicksalsgläubigkeit herzurühren: sie enthebt das Subjekt der realen Verantwortung, exkulpiert es dadurch, daß, was es auch immer tut, vorherbestimmt ist und in jedem Falle dem Willen Gottes entspricht. Hier ist das pathologisch gute Gewissen vorgebildet, daß dann (nach Rezeption des islamischen Religionsverständnisses) unter christlichen Voraussetzungen erst vollends böse geworden ist.
Der Islam kommt über den Widerspruch nicht hinweg, kann ihn nicht auflösen, daß die Ergebung in den Willen Gottes einen instrumentalisierten Gott zur Grundlage hat: Die Ergebung ist die falsche Konsequenz aus einer Religiosität, die glaubt, sich ganz im Angesicht Gottes zu bewegen, in Wahrheit jedoch auf einen vergegenständlichten Gott sich bezieht, dessen Vorstellung und Begriff gleichsam hinter seinem Rücken gebildet wurde. Der Islam ist eine Seins-Religion, eine Philosphie-Religion, sozusagen die Fundamentalontologie als Religion. Allahu akbar: Der einzige Allah ist in der Tat nur der Größte. Alle übrigen Bestimmungen stehen unverbunden nebeneinander.
Kennt der Islam eigentlich das Opfer, die Versöhnung oder Erlösung, den Kult, oder nur die kultische Pilgerschaft und das rituelle Gebet? Fällt der Islam ohne Rest unter die Dialektik der Aufklärung?
Im Elektromagnetismus und in den mikrophysikalischen Erscheinungen drückt sich die Gewalt des Inertialsystems aus; sie sind nicht einfach im Inertialsystem „gegeben“, sondern durch das Inertialsystem produziert. Wer das Geheimnis dieser Gewalt, das Geheimnis der Funktion und Bedeutung des Inertialsystems (im Zusammenhang mit dem Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit) löst, wird die Welt mit anderen Augen sehen. Er wird insbesondere begreifen, was es bedeutet, wenn es heißt, daß ihnen (sc. den ersten Menschen nach dem Sündenfall) die „Augen aufgingen“, und sie sahen, daß sie nackt waren (Nackheit als Folge des Falls).
Schelers Konzept einer Rangordnung der Werte hing zusammen mit den hierarchischen Strukturen in den Verwaltungen und den Gehaltsstufen in den Angestellten-Tarifverträgen (letztlich an der militärischen Hierarchie); wie überhaupt der Wertbegriff das Moment der Masse im physikalischen Objekt widerspiegelt.
Adornos Satz „das Ganze ist das Unwahre“ wird konkret in der Kritik des Natur- und des Weltbegriffs: er führt mitten in die Theolgoie. -
18.1.91
Der Objektivationsprozeß vollzieht am Objekt die Taufe des Allgemeinen, überzieht die Dinge mit dem Begriffsnetz, hinter dem sie am Ende (wie der Terrorist in der Isolationshaft) verschwinden. Der Knoten in diesem Netz ist das Inertialsystem, dessen Hauptleistung die Identifizierung der Zukunft mit der Vergangenheit ist (unter Ausschluß des jede Gegenwart konstituierenden realen Zukunftsmoments); Keimzelle und Modell ist der mechanische Stoßprozeß (der Widerstand der Außenwelt): er definiert die Äquivalenzbeziehungen, die das innere Formgesetz, gleichsam den Schlüssel bilden für jede mathematische Naturerkenntnis und für alle physikalischen Begriffe, vorab Raum, Zeit und Materie; eingefangen in diesem Netz wird das entfremdete Objekt, das hier wie auch in den anderen, vergleichbaren Objektivationsprozessen als „Masse“ erscheint (Objekt, Masse und Materie bezeichnen den gleichen Sachverhalt unter den getrennten, aber zusammengehörenden Aspekten des Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhangs).
Die „Tatsache“ und ihre „Feststellung“ sind Produkt der Objektivation, der Vergegenständlichung durch Abstraktion: durch den Vollzug der Weihe des Allgemeinen, der Subsumtion unter die Vergangenheit, Konstituierung des Wissens (der transzendentallogischen Strukturen und Gesetze des Wissens).
Dem Islam ist es wegen der Identität von Gott- und Machtgläubigkeit nicht gelungen, den Stoßprozeß, das Grundmodell der Mechanik, zu objektivieren. Wenn Heideggers Fundamentalontologie diesen Objektivationsprozeß und sein Ergebnis nur diskriminiert anstatt ihn kritisch zu begreifen, fällt sie zurück ins islamische Erbe der europäischen Tradition; wie der Islam Weltreligion ist (die in der Welt untergeht, die Objektivation der Welt – durch das der europäischen Staatsidee zugrunde liegende säkularisierte Gewaltmonopol des Staates – nicht mitgemacht hat; Konsequenz aus der Vorstellung, daß Gott „die Welt“ erschaffen hat, vor Gott aber nur der „Islam“, die Ergebung erlaubt ist; Erkenntniskritik, d.h. die gesellschaftlich-historische Ableitung des Weltbegriffs, und die Emanzipation durch Aufklärung, die in der Konsequenz des mechanischen Erkenntnismodells liegen, sind damit blockiert), so ist die Fundamentalontologie Weltphilosophie (Philosophie mit der Welt als Subjekt, Konsequenz aus dem modernen Naturbegriff, der damit ebenfalls der Reflexion entzogen wird). Die Unfähigkeit zur Erkenntniskritik schlägt als Verdummung nach innen.
Der Staat, nicht Gott, hat die Welt erschaffen. Die Differenz zwischen den Buchreligionen läßt sich aus den unterschiedlichen Staatsideen (den historisch begründeten unterschiedlichen Stellungen des Bewußtseins zum Staat) ableiten.
Subjekt und Objekt, Staat und Welt, Gesellschaft und Natur sind aufeinander bezogene und miteinander verknüpfte Reflexionsbegriffe. Sie bedingen (konstituieren) sich wechselseitig. (Subjekt und Person nicht gleichbedeutend; Subjekt hieß einmal das Objekt: der Bezugspunkt des Prädikats im Urteil.)
Jede Religion enthält eine kosmologische Komponente (einen kosmologischen Hintergrund, der in ihre Definition und Struktur mit eingeht), steht in einer Beziehung zur Geschichte der Auseinandersetzung mit der Natur, in die die Geschichte des Weltbegriffs verflochten ist. Der Verzicht darauf, die Reflexion dieser Beziehung ins Selbstverständnis der Religion mit hereinzunehmen, ist der Grund der religiösen Barbarei. Theologie im Angesicht Gottes betreiben schließt eine Beziehung zur Welt mit ein, die im Christentum unter der Idee des heiligen Geistes zusammengefaßt wurde und mit der schärfsten Sanktionsdrohung belegt wurde. Diese Sanktionsdrohung ist heute – in Kenntnis der Dialektik der Aufklärung – erstmals rational begründbar geworden. Zugespitzt könnte man sagen, daß das Christentum durch diese Lehre vom Heiligen Geist von den anderen Religionen, auch von den anderen Buchreligionen, sich unterscheidet. Die Differenz läßt sich anhand der Weltbeziehung dieser Religionen (vorweltlich, weltlich, weltkritisch) entfalten.
Der mechanische Stoß, die wechselseitige Übertragung der Impulse beim Stoß (die Ansteckung durch die Außenwelt, in die das Subjekt mit hereingezogen wird), ist das Abbild, die analoge Nachbildung des Kaufakts und Modell der Vorstellung vom gerechten Preis. Diese hat die Subsumtion der Arbeit unters Tauschprinzip – logischer Quellpunkt des Kapitalismus und Äquivalent des Inertialsystems – zur Voraussetzung. Die Äquivalenzbeziehung zwischen Arbeit und Warenwert, auf die die Vorstellung vom gerechten Lohn sich bezieht, ist das Modell für die Objektivation der Beziehung von Inertialsystem und Gravitationsgesetz, der Identität von träger und schwerer Masse (das Inertialsystem konnte erst durch Ausgrenzung und Subsumtion der Schwerkraft sich konstituieren: Zusammenhang mit der Geschichte der Instrumentalisierung des Opfers, der Ausbildung der modernen theologischen Gnadenlehre). -
17.01.91
Der Konfessionalismus hat die Religion neutralisiert. Er hat sie zur Sonntagsreligion gemacht. Das führt dazu, die Prägekraft der Religionen in vorindustriellen Gesellschaften zu unterschätzen, sie nicht mehr ernst zu nehmen. Eine Form dieses Nicht-mehr-ernst-Nehmens ist die Toleranz, die alle Religionen in einen Topf wirft, sie zu einem religiösen Einheitsbrei verrührt (Hauptsache, die Menschen haben noch Religion).
Mit der Ökonomie hat seit dem Ursprung des Kapitalismus auch die Kosmologie sich von der Religion emanzipiert. Und diese Emanzipation verstärkt die unreflektierte Macht der Ökonomie. Beide zusammen, Ökonomie und Physik, definieren den Begriff der Realität, auf den die Religion eigentlich keinen Einfluß mehr hat. Der Lauf der Dinge wird von anderen Gesetzen und Faktoren beherrscht.
Im Westen ist die Religion zur bloßen Konfession, zu einem Teil der Privatsphäre geworden, in der sie weiterhin in ihrer instrumentalisierten Form sich als nützlich erweist: als Mittel zur „Kindererziehung“, zur Stützung der Autorität der Eltern. So jedoch wird sie zugleich verraten; und alle, die an der religiösen Bindung festhalten, werden damit zu Komplizen in der Auseinandersetzung mit den Kindern. Diese Komplizenschaft ist der Kitt der sogenannten religiösen Bindung und der Grund dafür, daß der Bann sich nicht mehr sprengen läßt. Das Bekenntnis (als Zwangsbekenntnis) war seit je das Siegel auf dieser Komplizenschaft.
Wir sind nicht Zuschauer und Herren der Geschichte, sondern deren Objekte und Opfer. Alle Versäumnisse, alle Entlastungsversuche der Vergangenheit haben die Last vermehrt, die auf den Nachgeborenen lastet. Das pseudomagische Potential ist dem Bekenntnis in dem Maße zugewachsen, in dem die Bekennenden sich als nicht verantwortliche Zuschauer des Geschichtsspektakels begriffen.
Der Kreuzweg wäre so neu zu konzipieren, daß er nicht nur die Einfühlung in den Leidensgang, den Passionsweg Christi intendiert, sondern dessen Anwendung auf die gesamte Geschichte.
Horkheimers Satz: „Das Christentum ist die menschenfreundlichste Religion, aber es gibt keine Religion, in deren Namen so ungeheure Verbrechen begangen worden sind“, dieser Satz läßt sich nicht nur belegen, sondern auch begründen.
In der Folge der enttäuschten Parusie-Erwartung wurde das Bekenntnis zugleich entmächtigt und demoralisiert. Das war die Grundlage und das Ergebnis des Dogmatisierungsprozesses. Zurückzugewinnen wäre die Einsicht, daß die Kritik und die Auflösung der Demoralisierung auch den Ausblick auf die Neubegründung der eingreifenden Kraft mit einschließt: an den Namen Gottes rührt. Oder umgekehrt, wenn die jüdische Religion die Heiligung des Namens Gottes als wesentliches Moment des Zeugnisses – bis hin zum Martyrium – begreift, so rührt sie damit an das Geheimnis des Bekenntnisses.
Auch der Islam ist eine Religion der Selbsterhaltung. Der Islam, die Ergebenheit in den Willen Gottes, ist sozusagen der Trick, durch den das Subjekt sich erhält: gegen die unendliche und undurchschaubare Macht der Verhältnisse, an der es sich nicht den Kopf einrennen will, deshalb sich klein macht, um zu überleben. Der Islam ist die Religion der Anpassung an die Welt, das Christentum die des Aufbegehrens, der Empörung: Das Christentum manifestiert sich am deutlichsten in der Geschichte der Häresien.
Die Geschichte des Bekenntnisses bewegt sich zwischen dem Symbolum und dem (apokalyptischen) Zeichen des Tieres (Verfehlung der benennenden Kraft, die uns seit Adam gegenüber den Tieren anvertraut ist).
Die Dogmenkritik kann sich nicht mehr an dem Verhältnis von Schale und Kern orientieren, so als müsse man die Schale aufbrechen, um an den Kern zu kommen; wenn, dann hätte sie sich zu orientieren an dem Modell von Tod und Auferstehung. Das Dogma ist tot: gekreuzigt, gestorben und begraben, abgestiegen zur Hölle; wird es am dritten Tage auferstehen? (Verweist der „dritte Tag“ hier auf die Schöpfungsgeschichte, die Trennung des Landes vom Meer und damit auf die Tiere der Apokalypse?)
Theologie im Angesicht Gottes heißt Theologie als Erinnerungsarbeit betreiben, als Aufarbeitung der Last der Weltschuld seit dem Sündenfall.
Die Neutralisierung der Namenslehre durch den Person-Begriff in der Dogmengeschichte ist der parvus error in principio, Grund der Nicht-Ansprechbarkeit. -
15.01.91
Georg Lukacs hat in „Geschichte und Klassenbewußtsein“ Hinweise auf eine marxistische Kritik der Naturwissenschaften gegeben, die er zwar später wieder zurückgenommen hat, deren produktiver Ansatz heute duetlich gemacht werden kann: Die von Frankfurter Seite mit dem Hinweis auf die experimentelle „Praxis“ geübte Kritik an Lukacz‘ Begriff des „Kontemplativen“ (der rein anschauenden Beziehung zum Objekt) vergißt die Einsicht der „Dialektik der Aufklärung“, wonach die Distanz zum Objekt durch die Distanz der Herrschenden über die Beherrschten vermittelt ist. Es ist diese (in der kantischen Philosophie durch die Unterscheidung von transzendentaler Anschauung und transzendentaler Logik bereits angezeigten) besonderen Beziehung von Anschauung und Praxis, Ursprung der Beziehung von Verwaltung und Industrie, die hier näher zu bestimmen wäre (Rückwirkung der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Natur auf die Gesellschaft; Einbeziehung auch des Motors der Emanzipation – des naturwissenschaftlichen Aufklärungsprozesses: in den Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhang – negative Trinitätslehre?). Hier ist der Ansatzpunkt für eine gesellschaftlich-geschichtliche Kritik der Naturwissenschaften.
Die kantischen Formen der Anschauung (Raum und Zeit) sind sowohl die subjektiven Bedingungen der transzendentalen Logik (des historischen Objektivationsprozesses) als auch selber objektivierungsfähig (Inertialsystem; Bedeutung des Prinzips der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit und der Identität von träger und schwerer Masse). Sie sind so der Statthalter sowohl des Naturgrundes von Herrschaft als auch seiner Vergesellschaftung im Subjekt (Ursprung der Reflexionsbegriffe und Grund der Konstituierung des Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhangs). Die europäische Gesellschaft ist die historische Gestalt der dem Bewußtsein entfremdeten Empörung, die exakt dem Naturgrund von Herrschaft korrespondiert: Deshalb ersetzt hier immer noch die Empörung das Argument. Bekenntnis als Empörung (Bekenntnis als „Weltanschauung“ – Brutalität der „Weltanschauungskriege“ bei gleichzeitiger Verdrängung des Bewußtseins und der Erinnerung der Brutalität darin begründet).
Der Entkonfessionalisierung der Kirchen entspräche eine Form des Bekenntnisses, die nicht mehr zur Empörung sich anreizen läßt, der Empörung nicht mehr bedarf (wohl des Zorns).
Die Formen der Anschauung sind die Formen der gegenständlich gewordenen, versteinerten Empörung; die Form ihrer Objektbeziehung entspricht der des Hohns, des kalten Auslachens: der apriorischen Verurteilung. Grund der Gemeinheit.
Startbahnprozeß: Die Empfindlichkeit ist ein Gradmesser der verdrängten Sensibilität (Konstruktion des Selbstmitleids; Ableitung seiner gesellschaftlichen, rechtlichen und politischen Folgen; Zusammenhang mit der Geschichte des Christentums). -
11.01.91
Von der geschlossenen Welt zum offenen Universum: Mit der Begründung der modernen Naturwissenschaften ist der antike Kosmos in der Tat untergegangen: im Strudel des Universums. Prinzip des Universums und seiner „Offenheit“ ist die verdinglichende Gewalt des Inertialsystems, das jedes Einzelobjekt zu einem Weltzentrum macht, ihm (allerdings nur als Objekt, d.h. ohne die Chance einer Änderung: gleichsam als reines Opfer) die Last des gesamten Universums aufbürdet. Das physikalische – oder allgemein: das naturwissenschaftliche – Objekt ist reines Exemplar eines Systems, dessen Gewalt in seiner Materialität (im Begriff der Masse und der sie beherrschenden Gesetze) sich ausdrückt. – So erweist sich die Naturwissenschaft als Erbe der Opfertheologie, deren Instrumentalisierung zu den Voraussetzungen der naturwissenschaftlichen Aufklärung gehört.
Das offene Universum ist die Bedingung der Möglichkeit des Plurals „Welten“, die Eröffnung des Abgrunds, der diese Welten von einander trennt und sie zugleich zur selbstzerstörerischen Einheit zusammenschließt, ihr den Schein des selbständigen gegenständlichen Bestehens verleiht. Heidegger hat in seiner Fundamentalontologie die Innenerfahrung dieses Abgrunds beschrieben. Das schwarze Loch ist in jedem Ding (so ist jedes Ding eine Projektion des Selbstmitleids, Ursprung und Produkt der Panik, in der die Vernunft, die Kraft der Identifikation und der Empathie sich von außen nach innen kehren, sich auflösen und verschwinden; die Panik, die objektlose Angst ist der verdrängte Grund der instrumentellen Vernunft, vor dessen Wahrnehmung nur die universale Verblendung noch schützt). – Notwendigkeit der Erinnerungsarbeit: Wenn es Unsterblichkeit und ein seliges Leben gibt, dann wäre das das stärkste, ja das unwiderlegbare Argument für die Notwendigkeit der Erinnerungsarbeit, die die Geschichte und die Natur mit einbezieht. Die Einmaligkeit und Unwiederholbarkeit der realen Geschichte, in der die hypostasierte Natur das Vergessen repräsentiert, macht den zentralen Gedanken der Nachfolge: die Übernahme der Schuld der Welt (oder die Gottesfurcht), zu einer zwingenden und alternativlosen Notwendigkeit. Hier wird das Gebot der Feindesliebe verständlich; und erst hier lösen sich auch die Rätsel der Natur.
Erinnerungsarbeit ist Arbeit gegen den Sog des bleiernen Selbstmitleids und seiner gegenständlichen Derivate. (Das Bekenntnis und seine Inhalte sind im Gravitationsfeld des Selbstmitleids zunächst instrumentalisiert und dann von innen aufgezehrt und zerstört worden; Zusammenhang des Selbstmitleids mit dem Inzest-Tabu; Internalisierung im Rahmen des Ödipus-Konflikts; Zusammenbruch, Einsturz des Gewissens, Faschismus. Neurose/Psychose: Untergang der Neurose in den beiden Weltkriegen; Fortfall des Ödipus-Konflikts; Konsequenzen für die Theologie: Theologie nach Auschwitz)
Natur als Schauplatz der Geschichte: Ästhetisierung der Geschichte nach dem Weltuntergang nicht mehr haltbar; Status des Zuschauers; Affektion auf der Basis des Selbstmitleids = Kunst (Selbstmitleid hat jeder für sich, aber alle gemeinsam das gleiche: Grund des gemeinsamen Selbstgefühls). Rosenzweigs Theorie der Kunst (Zusammenhang mit dem Mythos). Ende der Kunst: Gefühl nicht mehr tragfähig.
Die aristotelische Theorie vom „natürlichen Ort“, dem alle Dinge zustreben, hat ein spätes Echo in Heideggers „Geworfenheit“ und dem „Vorlaufen in den Tod“. -
10.01.91
Die Person ist Gegenstand von (Wert-)Urteilen: darin ist der Zusammenhang der Wertphilosophie mit dem Personalismus bei Scheler begründet. Als Urteilsobjekt aber kann die Person nicht „ich“ sagen (erst die – logisch nicht haltbare – Hypostase des „Ich“ kann zum Gegenstand gemacht werden: das idealistische Absolute).
Ich und Du: Im Liebesbekenntnis wird der Geliebte als göttliches Du angesprochen; darauf antwortet er mit dem Schuldbekenntnis: Ich bin nur ein Mensch. So wird der Schuldzusammenhang aufgelöst: durch Ausbreitung dieser Liebe. – Das Christentum hat dieses Verhältnis auf die Beziehung zu Jesus tendentiell eingeschränkt und so dogmatisch verdinglicht (im christlichen Bekenntnis, in dem die Spuren dieses Verhältnisses noch zu erkennen sind: insbesondere in der Lehre von den zwei Naturen in Christus; das verdinglichte Bekenntnis ist dann zum Modell des politischen Zwangsbekenntnisses geworden – um den Preis der falschen Vergöttlichung des Staates (des falschen Gottessohns), der Hypostasierung des Staates als Prinzip der Anklage, der Stabilisierung des Herrendenkens und des ihm korrespondierenden Verhältnisses des Bewußtseins zur Objektivität, der Erhaltung des so unauflösbar gewordenen Schuldzusammenhangs). Die Ausbreitung durch Nachfolge (in der das Verhältnis von Liebes- und Schuldbekenntnis erlösende Kraft gewinnt) ist von den Kirchen seit je unterbunden worden. – Hierauf beziehen sich die Sätze Adornos: „Heute fühlen sich alle ungeliebt, weil keiner mehr zu lieben fähig ist“, und: „der Ankläger hat immer Unrecht“.
Vor diesem Hintergrund ist die Physik ein Teil der Staatsphilosophie, und ihre Kritik ist ein notwendiges Moment der Kritik an der Selbsterhöhung des Subjekts (der „Empörung“), die stabilisiert und der Reflexion entzogen wird durch eine gleichsam mystische Partizipation an der richtenden Gewalt des Staates. Die Geschichte dieser „Empörung“ läßt sich ablesen an der Geschichte des Natur- und des Weltbegriffs (oder der Herrschaft des Trägheits- und des Tauschprinzips).
Gibt es außer dem Natur- und Weltbegriff noch eine dritte Hypostase des Rosenzweigschen Begriffs des Alls (neben der Neutralisierung des Schöpfungs- und Erlösungsbegriffs durch den Natur- und Weltbegriff die des Offenbarungsbegriffs durch den Begriff der Wissenschaft)?
Raum und Zeit werden nicht von außen an die Dinge herangetragen (oder die Dinge von außen in sie hereingebracht), sondern haften den Dingen an wie das Schneckenhaus der Schnecke. Jedenfalls ist das die mit dem Relativitätsprinzip verbundene Vorstellung. Das einzige Objekt, dessen Beziehung zu Raum und Zeit sich nicht unter diese Vorstellung bringen läßt, ist das Licht (Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit: niemand kann über seinen eigenen Schatten springen). Was bedeuten eigentlich das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit und die Identität von träger und schwerer Masse für den Stellenwert des Inertialsystems?
Kabarett, Satire, Empörung oder der Genuß, Recht zu behalten: daher die Wirkungslosigkeit des Kabaretts? Lachen als Identifikation mit dem Aggressor (Lachen und Konstituierung des Inertialsystems)?
Alle Religionen tragen heute museale Züge, sind anachronistisch. Gleichwohl gibt es keine Religionskriege mehr. Wenn Kriege so bezeichnet werden (vom Nordirland-Konflikt bis zur Golf-Krise), dann hat das real nur die Bedeutung, daß auch obsolet gewordene Religionen Stellungen des Bewußtseins zur Objektivität repräsentieren und damit Verhaltensweisen stabilisieren, die rationale Konfliktlösungen zumindest erschweren, wenn nicht ausschließen. Die Eröffnung und Begründung von Friedensmöglichkeiten muß die Selbstreflektion der durch religiöse Traditionen bedingten Blockaden von Konfliktlösungsstrategien mit einschließen (im Golf-Konlikt die kritische Selbstreflektion der drei Buch-Religionen).
Ontologie, Wissenschaft und Sprachzerstörung, die „verandernde Kraft des Seins“: das Sein (die Kopula, der indikativische Satz, das apodiktische Urteil) nagelt das Objekt fest, macht es überhaupt erst zum Objekt: setzt es – durch Verwandlung in ein Objekt des Wissens – unter Narkose, durch Subsumtion unter die Vergangenheit (gewußt wird nur das Vergangene, und die Natur nur insoweit, als sie unter die Vergangenheitsform sich bringen läßt). Das Sein ist das sprachliche Äquivalent des Inertialsystems und des Tauschprinzips in der Wissenschaft: Es macht wie diese das Ungleichnamige gleichnamig, es zerstört die Sprache.
Das heutige naturwissenschaftliche „Weltbild“ (das gegenständliche Korrelat eines an Reproduzierbarkeit und Intersubjektivität gebundenen Wahrheitsbegriffs, in dem das Subjekt nicht mehr vorkommt) zieht seine Teilhaber zwangsläufig in den Bann des Vergangenen mit herein. Insoweit ist es ebenso zwangsläufig atheistisch (und jeder Versuch, mit naturwissenschaftlicher Begründung eine Rehabilitierung der Religion zu betreiben, schändet die Religion). Grundlage einer Kritik der Naturwissenschaften ist die Idee des seligen Lebens, ihr Modell die Lehre von der Auferstehung der Toten, nicht die von der Unsterblichkeit der Seele: d.h. die Kritik der Naturwissenschaften verknüpft die Idee einer Resurrektion der Natur (aus dem Totenreich des Inertialsystems) mit der einer Resurrektion des Subjekts (der Befreiung, Erlösung vom Inbegriff und von der Hypostasierung der Selbsterhaltung: vom Bann der Identität und von der Idee des transzendentalen Subjekts).
„Die Ablösung der Herrschaft über Menschen durch die gemeinschaftliche Verwaltung von Sachen“ wäre nur möglich, wenn sich beides wirklich voneinander trennen ließe (vgl. P. Bulthaup: Zur gesellschaftlichen Funktion der Naturwissenschaften, S. 139). Die Vorstellung, beides ließe sich trennen, fällt hinter die Dialektik der Aufklärung zurück; sie resultiert aus dem undurchschauten Stellenwert der Naturwissenschaften, aus der unbegriffenen Stellung des naturwissenschaftlichen Bewußtseins zur Objektivität. Dazu paßt es, wenn P.B. in seinen Bemerkungen über die Offenbarungsreligion (S. 120ff) unbewußt in antisemitische Konstrukte hineingerät (er hätte vielleicht doch einmal die Propheten und Hermann Cohen lesen sollen). -
08.01.91
Vorrangiges Objekt der Physikkritik ist das Inertialsystem: als Grundlage und Referent aller physikalischen Begriffe. Bedeutung der zwei zentralen Entdeckungen Einsteins:
– spezielle Relativitätstheorie: das System ist gegen gleichförmig-geradlinige Bewegungen invariant (Lichtbewegung keine Trägheitsbewegung; Elektromagnetische Gleichungen nur Form der Objektivation unter den Bedingungen des Inertialsystems, Hinweis auf Differenz zur zugrundeliegenden Realität; Konstanz der Lichtgeschwindigkeit: das System ist endlich, „nach innen“ begrenzt);
– allgemeine Relativitätstheorie: träge und schwere Masse sind identisch: Fallbewegung gleich Trägheitsbewegung: Anpassung des Inertialsystems: das System muß auch gegen gleichförmig beschleunigte Bewegungen invariant sein („Krümmung“ falsche Erscheinung im Inertialsystem, selbstreferentielle Beziehung: „nach außen“ begrenzt).
Das Licht und die Schwerkraft sind dem Inertialsystem transzendent. Ihre Subsumtion unters Inertialsystem (die Schwerkraft am Anfang, das Licht am Ende des naturwissenschaftlichen Objektivationsprozesses): ihre Vergegenständlichung ist Produkt einer Vermittlung, die ihr Resultat nicht unberührt läßt (gibt es hierzu gesellschaftliche Korrelate: die Subsumtion der Arbeit unters Tauschprinzip begründet den Kapitalismus, die der Privatsphäre, der sinnlichen Qualitäten, der technischen Reproduzierbarkeit der sinnlichen Welt: des Inbegriffs der entfremdeten Subjektivität und der Verinnerlichung der Dialektik von Herr und Knecht, beschließt ihn).
Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit und der Identität von träger und schwerer Masse?
Die Trägheitsbewegung ist ein Derivat der Fallbewegung („die Welt ist alles, was der Fall ist“). Nur das Licht ist dem Fall enthoben? Die Simultaneität des Raumes (des Inertialsystems) ist ein durch den Fall vermitteltes Derivat der Gegenwart (des Lichts), die dem Vergehen – und dem Wissen – ein Objekt verschafft (die Vergangenheit, die nur als eine der Gegenwart entfallene Vergangenheit sich denken läßt: es gibt keine ursprüngliche Vergangenheit).
Gegenstand des Wissens ist das Vergangene: wie wird es zum Gegenstand des Wissens? In der Physik durchs Inertialsystem, in der Philosophie durch den Begriff (Vernichtung und Aufhebung des Objekts).
War die Virginitas (das weibliche Korrelat des Bekenntnisses) ein Protest gegen den Warencharakter der Frau (Ehevertrag als Kaufvertrag; Beischlaf als Kauf- und Nutzungsakt)? Steckt darin auch ein Hinweis auf die Bedeutung des Bekenntnisses (Vergeistigung der Zeugung: objektiviert in der Trinitätslehre)? Zusammenhang mit der Geldwirtschaft. Bedeutung der evangelischen Räte (Gehorsam, Armut und Keuschheit): Ihr könnt nicht zugleich Gott dienen und dem Mammon. Die unbefleckte Empfängnis war demnach die vom Tauschprinzip unbefleckte Empfängnis; und Maria ist Jungfrau geblieben heißt: sie ist nicht Eigentum des Mannes geworden. Die Biologisierung des Keuschheitsgebots ist (zusammen mit den damit verbundenen paranoiden Blut- und Reinheitsvorstellungen) Modell und Ursprung des Rassenantisemitismus.
Das Bekenntnis liegt in der Nachfolge des Martyriums: der Zeugenschaft. Frauen waren nicht bekenntnisfähig, weil sie nicht Zeugen sein konnten (das Martyrium war möglich, das Bekennertum nicht: Folge der Anpassung an die Welt; gleichzeitig Biologisierung der Jungfrauenschaft). Ursprung der Zeugenschaft ist das (Straf- und Zivil-)Recht: der Nachweis eines Verbrechens und der Vertragsstreit, der Streit über ein Schuldverhältnis, der durch zwei Zeugen aufgelöst, befriedigt werden kann (Vgl. hierzu die Bemerkungen von Lyotard zu Auschwitz).
Die paulinische Kritik des Gesetzes, sein Rechtfertigungs- und Glaubensbegriff, seine Gnadenlehre, seine Christologie, seine Lehre von der Eucharistie, von Tod und Auferstehung, auch seine Frauenfeindlichkeit werden vor diesem Hintergrund verständlich?
Ödipuskonflikt in der realen Geschichte des Christentums begründet? Inzesttabu und Verletzung des Inzesttabus (Mutterideologie als letzte und gefährlichste Phase des Säkularisationsprozesses: vgl. Drewermanns Kleriker-Buch). -
07.01.91
Die Gewalt der ökonomischen und politschen Anpassungsmechanismen, die den Herrschenden zugute kommt und sie gegen Kritik abschirmt und immunisiert, wird stabilisiert und verstärkt durch einen Naturbegriff, der zum Produkt und zum Inbegriff der Instrumentalisierung geworden ist: durch den Stand der Naturwissenschaften und die Unfähigkeit, ihn kritisch zu reflektieren.
Modell des Instrumentalisierungsprozesses in der Natur war der in der Religion: der Dogmatisierungsprozeß. Sein Resultat, das „Bekenntnis“ (und seine dogmatische Ausgestaltung, insbesondere die Trinitätslehre, die Lehre von der Göttlichkeit Jesu und die Opfertheologie) steht zu ihrem Inhalt, zur Religion, in ähnlicher Beziehung wie das Inertialsystem zur äußeren Natur. Die Theologie war ein Teil des Aufklärungsprozesses, dessen immanentes Telos die Naturbeherrschung ist.
Die dogmatische Theologie (hinter dem Rücken ihres Gegenstandes; deshalb ist sie auf den Begriff der Person angewiesen) ist schon durch ihr Objektverständnis, durch die Form ihrer Beziehung zur Objektivität, blasphemisch: Sie leugnet nicht nur die Gottesfurcht, sie verstellt sie, macht sie unkenntlich.
Ob es „einen Gott gibt“, diese Frage ist ebenso müßig wie die, warum es überhaupt etwas gibt und nicht vielmehr nichts. Sowohl ihre positive wie ihre negative Beantwortung wäre anmaßend. Aber unabhängig davon ist jede Erkenntnis irrelevant, die nicht an den Bedingungen sich messen läßt, die einmal im Begriff der Gottesfurcht zusammengefaßt waren; die Nachfolge ist zu einer Überlebensfrage der Menschheit geworden.
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