Hätte Jesus gelacht, er wäre nicht der Logos.
Ist der „herniederfahrende“ Gott in Babel das Ego (Babel sein erstes Exil)? Und ist der Schöpfungsgedanke in einer Sprache, die das Futur (und damit den Begriff der Materie) kennt, überhaupt noch möglich? Und wie hängen beide Fragen mit der Entfaltung der Raumvorstellung zusammen?
Tabus und Konventionen instrumentalisieren das Lachen, den Schrecken und die Schuld.
Fremdworte zitieren die ganze Sprache, aus der sie genommen sind?
Die grammatische Organisation der Sprache, insbesondere die Bildung des Futur, scheint mit der Bildung der Personalpronomina, der Hilfszeitverben und dem exzessiven Gebrauch von Prä- und Suffixen zusammenzuhängen (räumliche und zeitliche Durchorganisation der Sprache, Verdinglichung und Hypostasierung). Und ist die agglutinierende Sprache (die „sumerische“ Sprache) der Ausgangspunkt der grammatischen Durchbildung der Sprache?
In den deutschen Präfixen wie be-, ver-, zer-, ge-, er- etc. drücken sich räumlich praktische Beziehungen aus, deren Resultat in den Hypostasen, in den Substanzen, in den Gerundivbildungen (in den Suffixen -keit, -heit, -ung, -nis etc.) sich manifestiert.
Drücken die Suffixe (als Determinanten der Hypostasierung der Begriffe)
– -heit den Objektaspekt (die unter einen Begriff subsumierte Menge),
– -keit den begrifflichen Aspekt (die begriffliche Allgemeinheit und das Subsumtionsverhältnis),
– -ung die Durchdringung des Objekts von innen (Natur),
– -nis die Affizierung des Objekts von außen (Welt)
aus,
und die Präfixe (als Determinanten der Verben, Ursprung und Reflex ihrer Hypostasierung im Begriff)
– be- die begriffliche Affizierung des Objekts von außen (bestrafen, bekennen, begreifen, behandeln),
– an-, anti-, wider-, gegen- die materielle Affektion von außen (Feindschaft, Objektivierung; anklagen, anerkennen, ansagen, anmahnen, anbeten)?,
– er- die Affizierung des Objekts von innen (erkennen, erlösen),
– ver- die Zerstörung des Objekts (die Zerstörung von außen und/oder von innen; vernichten, verlassen, veranlassen, vermögen),
– zer- die vollständige Zerstörung des Objekts, des Begriffs, des Wesens (die Zerstörung von innen: Grund der Trennung von Begriff und Objekt; Inbegriff des Raumes; zernichten, zerstören, zerfallen, zermalmen)
– ge- das Produkt des -zer (nach Trennung von Begriff und Objekt: die Vergangenheit; die Zerstörung des Begriffs als Bedingung seine Genesis; Partizip Perfekt, verbal nur noch verwendbar mit Hilfszeitverben: Sein – von innen, Haben – von außen, Werden – von außen nach innen).
Vgl. ge-lassen, be-lassen, ver-lassen, zer-lassen.
(genauer)
Hängt der Begriff Volk mit dem Verhältnis von Außen und Innen zusammen (Wadler, S. 161)? Gibt es einen Zusammenhang von Schuld und Schild? Entsteht der Schuldzusammenhang im Zuge der Rechtfertigung, der Abwehr eines Angriffs?
Zum weiteren Zusammenhang des Begriffs der Maske vgl. Wadler, S. 166.
Gegen Wadler: Nicht der Ursprung an sich ist das Ziel, sondern der reflektierte Ursprung: die reflektierte, ins Bewußtsein ihrer selbst gehobene Sprache, zu der auch die Reflexion der Geschichte der Grammatik und die des Ursprungs und der Bedeutung der Prä- und Suffixe gehört.
Zum Prinzip des Turmbaus zu Babel: S. 167.
Frage: Form der Schuldverarbeitung?
Geschichte der Sprache und kollektive Formen der Schuldverarbeitung.
Der Verknüpfung des Rassebegriffs mit Problemen der Sprachgeschichte ist Teil des nationalistischen Geschichtsverständnisses und eine der Ursachen des Antisemitismus: sie rührt an ein Grundproblem einer historischen Sprachphilosophie.
Die Konsonantenschrift ist eine entsubjektivierte Schrift, eine reine objektive Schrift.
Wie es scheint, kommt die altorientalische Geschichte bei Franz Rosenzweig nicht vor; und er sieht auch nicht die jüdische Geschichte als eine Parallelgeschichte zur griechischen, sondern als eine Antwort auf die griechische: erst das Christentum ist eine (die?) jüdische Antwort aufs Griechentum (nur hat das Christentum das bis heute nicht begriffen).
Wächst nicht eine Situation heran, die auch der Satire noch spottet? Und gegen deren Spott kommt das Kabarett nicht mehr an. Mit diesem Spott darf sich das Kabarett nicht gemein machen (gegen Dieter Hildebrands letzten „Scheibenwischer“).
Beziehung der Vokale zur Zeit und zur Hypostasierung: Sind der Infinitiv und das Futur nicht potentielle Hypostasierungsformen? (das Dreschen; der Drescher wird dreschen; er hat gedroschen; Ergebnis: der Drusch. Drei Gestalten der Hypostasierung: Täter, Tat und Produkt aus dem Verb abgeleitet).
Wie beeinflußt die pikto- oder ideographische Schrift die Sprache: insbesondere dadurch, daß sie das Instrument, die Tat und den Täter in einem Bild zusammenfaßt (den Pflug, das Pflügen und den Pflüger)? – Ursprung des Zusammenhangs von Objektivität, Instrumentalisierung und Verdinglichung.
„Ein System siegt sich zu Tode“: Ärgerlich der verdinglichende Herrenblick des Westens, der auf die „Bevölkerungsexplosion“ der Dritten Welt fällt sowie auf die „Alten und Kranken“, die als Ursachen der „Kostenexplosion“ im Gesundheitswesen erscheinen. Dieser Konkretismus hängt aufs engste mit dem zusammen, der das Problem auf den Energiebereich abschiebt und glaubt, es mit Hilfe der (physikalischen) Gesetze der Thermodynamik (einer Konsequenz des Energieerhaltungssatzes) zureichend analysieren zu können. Der Unterschied, den wir bei Betrachtung des Zustandes der Dritten Welt vor und nach der Geschichte der Kolonisierung machen (dort „Kultur“, hier Barbarei), liegt nicht zum wenigstens in unserer Optik: Den Zustand vor der Kolonisierung sehen wir als Folge von Natur, die das „ohne uns“ angerichtet hat; hier sind wir im Unterschied zu den Verhältnissen nach der Kolonisierung moralisch entlastet (exkulpierende Funktion des Naturbegriffs: die „Kultur“ vorher verwehrt es uns noch heute, die „Eingeborenen“ als Menschen, und in ihnen unsere eigene Vergangenheit zu erkennen).
Begründen läßt sich die Anwendung physikalischer Gesetz auf Gesellschaftliches einzig durch den Kontext der Schuldzusammenhangs, der fortwährenden Schuldknechtschaft.
Ziel wäre nicht die resurrectio naturae, sondern die renovatio faciei terrae. (Die resurrectio naturae gehört zum christologischen Naturbegriff, ist eine Folge der nicht geleisteten Erinnerungsarbeit; und der Naturbegriff rührt an die Bindegewalt der Kirche).
Die Naturwissenschaften sind das Korrelat der ohnmächtigen moralischen Urteilslust und der folgenlosen Empörung; und die moralische Urteilslust und die Empörung sind Instrumente der Rechtfertigung und Exkulpierung, der Konstituierung der Gemeinheitsautomatik und der Verhinderung der Gottesfurcht.
Ist die Geschichte mit Nebudkadnezzar im Buch Daniel eine Kurzfassung der gesamten Herrschaftsgeschichte (Babylon; Nabuchodonosor: Planctus judicii; planctus = laute Wehklage)?
Muß die Hoffnung heute durch den Unglauben, durch die Verzweiflung hindurch?
Wenn der Geist kommt, dann werden die Söhne und Töchter, die Knechte und Mägde weissagen: aber weder die Eltern noch die Herren? – Und es gibt keine Herrschaft ohne die Vergegenständlichung des Raumes (die Zahl, die Mathematik, neutralisiert die Genealogie, die Hegel dann für die Monarchie nochmals zu rechtfertigen gezwungen ist; sie macht nicht nur die Dinge gleichnamig, sondern die natürlichen Abhängigkeitsverhältnisse unkenntlich; dem Zählen geht die paarweise Zuordnung, und dem Begriff, wie der Multiplikation, das Zählen voraus; wird die Multiplikation zusammen mit dem Winkel entdeckt, und hängen die Fähigkeiten der Multiplikation und der Begriffsbildung zusammen?).
Hängt die Fußwaschung vor dem Tode Jesu mit der Bereitung des Schemels SEINER Füße zusammen? Und warum wehrt sich Petrus zunächst, um dann umgekehrt gleich ein ganzes Vollbad zu verlangen? – Alle Petrus-Stellen?
Der Hegelsche Satz: das Eine ist das Andere des Anderen, ist wahr in der Anwendung auf mich, er ist unwahr in der Anwendung auf Andere. Darin drückt sich präzise der Grund der Übernahme der Sünde der Welt aus. Die Mathematik konstituiert sich in der umgekehrten Anwendung des Satzes: Sie macht alle zu Anderen für Andere. Und die Differenz zwischen mir und den Anderen ist der Grund dafür, daß indikativische Sätze nicht fähig sind, die Wahrheit auszudrücken.
Der Zusammenhang der Bekenntnislogik mit dem Raum, der subjektiven Form der äußeren Anschauung, hat zur Folge, daß das Bekenntnis des Namens erst möglich sein wird, wenn die Theologie ihre Beziehung zu den Naturwissenschaften aufgearbeitet und geklärt hat. In diesem Zusammenhang wird auch der Schöpfungsbericht in einem neuen Zusammenhang auch neue Bedeutung gewinnen: Hier wird das Rätselwort von der Befreiung von den sieben unreinen Geistern möglicherweise sich aufklären.
Gegen die Ontologie: Das Wesen ist das Unwesen, das Fortleben der Vergangenheit in der Gegenwart, die fortexistierende Macht der Vergangenheit über die Zukunft: es wird bezeichnet im Begriff des Schuldzusammenhangs, der hervorgerufen, hervorgezwungen wird im Kontext der Geschichte der Selbsterhaltung. Das Ich ist das Ding; und das ist die unaufhebbare Schuld bei Hegel, deren ohnmächtige Erinnerung die Gestalt des Absoluten ist.
Totalitätsbegriffe wie Welt und Natur sind automatisierte Verdrängungsapparate; sie dienen einzig noch dazu, die Selbsterhaltung gegen Reflexion abzuschirmen. Und Adornos „Eingedenken der Natur im Subjekt“ ist der Versuch, durch Erinnerungsarbeit und Mimesis an das Gewimmel im Schlangennest der Widersprüche des Naturbegriffs an die Wahrheit sich heranzutasten. Adornos Hinweis auf ein scheinbar harmloses Gespräch im Eisenbahncoupee, in dem der Nichtwiderspruch auf die Zustimmung zum Mord hinausläuft.
Adornos Philosophie als Verkörperung der Gottesfurcht, wobei die Gottesfurcht geleitet wird durch eine Scham (Indikator dessen, was sich heute noch öffentlich schreiben und sagen läßt), die am Ende dann auch den Gedanken an Gott selber ergreift. Er hat damit, weiß Gott, mehr recht als jene, die weiterhin den Namen Gottes munter auf ihren Lippen führen, und deren Theologie eine einzige Verletzung des zweiten Gebots ist.
Die Physik ist ein System der Niedertracht.
Rosenzweig
-
24.02.92
-
19.02.92
Heute sind alle Schuldknechte des Systems, dessen Herren sie zu sein glauben.
Sind nicht die Begriffe „Ganzheit“ und „holistisch“ entfremdete Erinnerungsspuren des Angesichts, und verhalten sie sich nicht dazu wie das Grinsen zur Katze, das im Raum stehenbleibt, nachdem die Katze verschwindet? Dieses Ganze ist in der Tat das Unwahre, die „Leiche des Königs“.
Es ist eigentlich ein ganz einfacher logischer Schluß: Wenn die träge Masse das genaue Korrelat der Vorstellung der homogenen Zeit ist, dann muß eine innere Differenzierung des Zeitbegriffs (durchs Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit) sich als innere Differenzierung in der Struktur der Materie manifestieren.
Die jüdische und die christliche Form der Todesstrafe (die Steinigung und die Verbrennung) scheinen den Anfang und das Ende der naturwissenschaftlichen Aufklärung zu symbolisieren: die Mechanik und den Realgrund der Mikrophysik (das Feuer: die Plancksche Strahlungsformel).
Die Geschichte des Weltgeistes ist die Geschichte des Sündenfalles: das Versinken in den Zwangsproduktionen unseres Denkens.
Die Droge Kirche ist die Droge der kollektiven Einsamkeit (gefangen im Bekenntnis, Verinnerlichung der Gesellschaft), die nur noch getröstet, nicht mehr befreit sein will. Das ist eine Folge der Wirksamkeit der kirchlichen Bindungskräfte; aber käme es nicht heute endlich darauf an zu lösen?
Dieses ungeheure Wort, das die Kirche zum Bußsakrament instrumentalisiert hat.
Ist die Kirche die Sphinx? Und wie hängt die Sphinx mit den Kerubim (mit dem Sündenfall und der ezechielischen Vision) zusammen?
Steckt im bereschit das berith und das resch? Und hängt das bara mit dem Hebräern, mit Abraham und mit den Barbaren zusammen? Und wird nicht das bereschit im Anfang der Johannes-Evangeliums zitiert, in dem gleichen arche-Begriff, in dem auch die Philsophie zitiert wird? Das würde heißen, daß mit der Diskriminierung der Barbaren der Schöpfungsgedanke tabuisiert (und in der Selbstbezeichnung als Hebräer auch der Schöpfungsgedanke festgehalten) wird. Diese Tabuisierung drückt sich im Zusammenhang von kosmos, nous und theoria aus.
hoi barbaroi: die Bärtigen, die Stammelnden. Wie hängen der Bart und das Stammeln mit dem Antlitz und der Sprache derer zusammen, die dem Herrendenken entsagen und sich solidarisch wissen mit der unerlösten Schöpfung. (Was hat der Bärtige zu verbergen, wenn nicht die Weigerung, mit den Wölfen zu heulen?)
Die Schöpfungsidee bezeichnet einen auch sprachlogisch (für die Differenz zwischen der griechischen und der hebräischen Sprache, vor allem aber für das Verhältnis der mathematischen Vorstellung des Raumes zur Sprache) relevanten Sachverhalt.
Die Griechen haben über die geometrische Reflexion von Thales bis Euklid, insbesondere über die Reflexion des Winkelbegriffs, die Logik des Raumes entfaltet, die Moderne über die Infinitesimalrechnung und den Bewegungsbegriff die Logik des Inertialsystems, damit aber auch die Logik des Bekenntnisses.
Franz Rosenzweig hat einmal darauf hingewiesen, daß das antike Äquivalent der Technik die Rhetorik gewesen sei: Hier rührt er an einen wesentlichen Punkt für eine Theorie des Ursprungs und der Bedeutung der Schrift und der Entwicklung der Sprachen.
Adornos Philosophie als die bis heute genaueste Verkörperung der Gottesfurcht: Diese Gottesfurcht reicht soweit, daß A. gegen die Gemeinheit der Öffentlichkeit, die heute auch die Religion ergreift und insbesondere den Namen Gottes mit dem Geheul der Wölfe vermischt, sich als Atheist bekennt. -
18.02.92
Die Kirchenväter haben aufgrund der Rezeption des Weltbegriffs und in der Konsequenz des philosophischen Erkenntniskonzepts die Schuld von der Urteilslust (dem Grund des Weltbegriffs) auf die Sexuallust verschieben müssen, mit den bekannten dogmatischen Folgen für die Theologie. Diese Theologie war nicht nur Teil, sondern Avantgarde und „Erfüllung“ der philosophischen Aufklärung; hiernach war das jüdisch-christliche Urschisma (und die anschließende Folge der Häresien) zwangsläufig; und die biblische Tradition wurde nur noch soweit mit einbezogen, wie sie das philosophische Konzept stützte (und das war nicht mehr ohne Mißverständnisse und Fehlinterpretationen möglich).
Müßte es bei Reinhold Schneider nicht anstelle „das Schwert ob unsern Häupten“ heißen „das Schwert in unsern Händen“? Bedienen wir nicht selber das „Schwert ob unsern Häupten“?
Was ist der Unterschied zwischen Antlitz, Angesicht und Gesicht? Ist
– das Antlitz: das expressive Gesicht (der erscheinende Eindruck, den die Welt im Gesicht hinterläßt, Ausdruck der Welterfahrung und Gegenstand der Physiognomie: das leidende Gesicht des Opfers: vgl. das „Antlitz“ der Erde),
– das Angesicht: das sprechende Gesicht im Dialog mit anderen und
– das Gesicht: die Verkörperung des aktiven und passiven Sehens?
Vgl. Rosenzweigs Konstruktion des Angesichts Gottes im „Stern der Erlösung“ und Bubers Übersetzung des Schöpfungsberichts („Braus Gottes brütend über Urwirbels Antlitz“).
Ist nicht die Ontologie eine moderne (mit dem „christologischen“ Naturbegriff gemeinsam entsprungene und diesen Naturbegriff stützende) philosophische Disziplin, zu deren Voraussetzungen die Entstehung der Hilfszeitverben und der Personalpronomina (und die Großschreibung der Substantive, die das Objekt mit Bedeutung auflädt, um die des Subjekts zu steigern) gehört? – Beachte die Doppelbedeutung von Bedeutung (die wie der Begriff des Sinns sowohl den Inhalt eines Prädikats als auch den Rang, den ein Prädikat einem Subjekt verleiht, bezeichnet: das Prädikat verleiht dem Subjekt „Sinn“, den es als namenloses Objekt von sich aus nicht gehabt hätte). Diese Doppelbedeutung (z.B. des Heideggerschen „Sinn des Seins“) ist der gebrochene Widerschein des Namens in der namenlosen Sphäre des Begriffs.
Gehören die griechische und die lateinische Sprache (als ontologische Sprachen) in den Kontext des Ursprungs des Weltbegriffs, und sind die modernen europäischen Sprachen nicht schon „nach-weltliche“ Sprachen (von der Instrumentalisierung ergriffen und verfremdet, deshalb grammatisch durchorganisiert)?
Dadurch daß Heidegger den Geburtsfehler der Philosophie zu ihrem einzigen Inhalt gemacht hat, hat er ihn auch kenntlich gemacht.
Die Geschichte vom Hasen und vom Swinegel mit dem „Ick bün all do“ beschreibt das Grundparadigma der Hegelschen Logik. Wie der Swinegel un sin Fru sind bei Hegel das Eine und das Andere ununterscheidbar.
Die griechische Zivilisation war zweifellos keine Menschenrechts-Zivilisation, sondern eine Zivilisation, deren Daseinsgrund die Durchsetzung der Rechte einer Herrenschicht (der Rechte der Privateigentümer) war.
Begriffliches Denken bewegt (und verstrickt) sich in jenem Schuldverschubsystem, das möglicherweise in der Geschichte vom gordischen Knoten sich versteckt (Alexander hat den Knoten bloß durchschlagen, nicht gelöst).
Hat der gordische Knoten, den Alexander durchschlagen, nicht gelöst hat, etwas mit dem Rätsel der Sphinx (und seiner „Auflösung“ durch Sokrates, dem Urbild der Hegelschen „List der Vernunft“) zu tun, und in welcher Beziehung steht er zur Binde-und Lösegewalt der Kirche?
Toledot: Steht zwischen Vater und Sohn die Erschaffung der Welt? Und ist der Himmel die Erneuerung des Antlitzes der Erde?
Das Gebot, Vater und Mutter zu ehren, hängt mit der „Übernahme der Sünde der Welt “ zusammen („auf daß du lange lebest auf Erden“).
Das Christentum verstößt seit den Anfängen seiner gesellschaftlichen Ausbreitung gegen das Gebot, Vater und Mutter zu ehren: Grund ist die Patriarchalisierung und Vergeistigung der Trinitätslehre und die (damit zusammenhängende) Verteufelung der Vergangenheit und Tabuisierung der Erinnerung.
Wer waren die beiden „Schächer“ (Lk 2339ff – „den einen rechts, den anderen links“ 2333)? Und was bedeutet der Ausdruck „Schächer“?
Rousseau und die Sehnsucht nach einer stummen und menschenfreien Natur: Ziel der Ökologie-Bewegung? Er sucht die Unschuld vor dem Sündenfall, nicht die Versöhnung, möchte die Last der Sprache abwerfen.
Gibt es im Gesetz das Hammurabi vergleichbare Gebote zu denen des Dekalogs (Du sollst Vater und Mutter ehren, Du sollst kein falsches Zeugnis geben …)? Die Regelung, daß ein Rechtsstreit gerichtlich nur möglich ist, wenn der Streitgrund durch Zeugen oder Vertrag nachprüfbar ist (vgl. Universalgeschichte der Schrift, S. 233), ist das Gegenteil der Gebote des Dekalogs: Hier werden erstmals die im Rahmen des Rechts unvermeidbaren Lücken für die Gemeinheit definiert, wird das Recht als Mittel der Berechenbarkeit des vom Tauschprinzip bestimmten Handelns begründet.
Thales: Alles ist voller Götter; und Epikur siedelt die Götter in den Zwischenräumen der Welt an.
Im Urteil entspringen die Begriffe auf der Seite des Prädikats; sie sind – wie das Prädikat, das Verb im Satz – zeitlich bestimmt; sie drücken das Verhältnis der Dinge zur Zeit, die Macht der Zeit über die Dinge aus. Damit hängt die Bedeutung des Raumes für die Begriffsbildung zusammen (Inbegriff des Begriffs und der Trennung von Prädikat und Subjekt, Begriff und Objekt; deshalb muß der Raum selber unbegrifflich: reine Form der Anschauung sein).
Eine Botschaft erwartet eine Antwort, während man von einer Nachricht nur betroffen ist (Bedeutung der Medien; Sensation und Betroffenheit; Exkulpation des Zuschauers durch Skandalenthüllung).
Ist nicht das Problem, das Adorno mit seinem „ersten Gebot der Sexualmoral“ angesprochen hat, ein gemeinsames Problem der drei großen Offenbarungsreligionen (der Funktion des unaufgeklärten Weltbegriffs in ihnen)?
Die Verdinglichung unter der Herrschaft des Weltbegriffs fixiert die Menschen an das mit der Sexualmoral bezeichnete Objekt, und die Lösung von den „Schuldgefühlen“ löst das Problem nicht. Adornos „erstes Gebot der Sexualmoral“ ist nur ein anderer Ausdruck für das (es ist ein Teilaspekt dessen), was im Evangelium die „Übernahme der Sünde der Welt“ heißt.
Das Inertialsystem ist nicht nur ein Apriori der Physik, sondern zugleich eines des Historismus und der (Bekenntnis-)Theologie; seine Kehrseite sind der Nationalismus und das Sexualtabu. Die Benjaminsche Kritik der Vorstellung einer homogenen Zeit schließt die Kritik des Inertialsystems mit ein.
Die Aufdeckung der Scham: geschieht das nicht real in der „sumerischen“ Schrift?
Das Gewissen ist das Organ des Ursprungs der Sprache.
Wenn der Spiegelbericht stimmt, dann scheint die Konfliktunfähigkeit vom Drewermann ein Reflex und Korrelat der Konfliktunfähigkeit der Kirche zu sein; sie gehorcht dem gleichen Prinzip der Verdinglichung.
Wenn man den johanneischen Namen des Logos ins Hebräische zurückübersetzte, wie würde er dann heißen, und was würde er bezeichnen? Enthält der Name des Logos nicht den Anspruch, daß hier die Schrift-Tradition in reale Sprache zurückübersetzt wird und darin sich erfüllt?
Das heideggersche „In-der-Welt-Sein“ und die objektlose Angst sind der genaueste Ausdruck des „Schreckens um und um“.
Zur Idee des Islam: Die Ergebenheit kann sich nur auf das ungerechte Schicksal, das ich selbst erleide, beziehen, nicht auf das ungerechte Leiden, das anderen zugefügt wird.
Die lösende Kraft des Weinens und die Erschütterung Jesu vor der Auferweckung des Lazarus (Joh 1133ff – Ursprung und Idee des Logos).
Steinigung und Verbrennung (in der postchristlichen Moderne: Hängen, Enthauptung, Guillotine, elektrischer Stuhl, Gift): welche Todesart verhängt der Islam?
Alle drei Offenbarungsreligionen lehrten einmal das Zinsverbot. Durch die kapitalistische Wirtschaftsweise ist dieses Verbot von der Realität selber unterlaufen worden; es ist nicht mehr anwendungsfähig, aber damit zum Urteil über diese Welt geworden.
Es ist die Orthogonalität, die den Raum zu einem gerichteten, und damit zu einem richtenden System macht. Und wenn heute Politiker von „unserem Rechtsstaat“ sprechen, dann meinen sie ein vergleichbares System. Der Staat ist in der Tat zu einem nützlichen Instrument in den Händen derer, die von ihm Gebrauch machen, geworden. Gegen die, die bloßes Objekt des Systems sind, richtet er seine richtende, zerstörerische Gewalt, sowohl nach innen wie nach außen. Neutral ist Technik nur für den Herrn, niemals für die Beherrschten (außer durch Identifikation mit dem Aggressor: durch Idolatrie oder Chauvinismus).
Die „Persönlichkeit“ ist es nur in den Augen der Welt, und die Person ist das sich selbst entfremdete Antlitz, das Gesicht, von außen gesehen. Im Personalausweis beansprucht der Staat die Herrschaft über unser Gesicht. Zerstörung des Angesichts durch die Person, Ursprung der Hörigkeit?
Im Lichte der Kritik der reinen Vernunft wird man sagen dürfen, daß das Dogma die Theologie als Erscheinung präsentiert, aber nichts über die Dinge an sich sagt.
Hat die Barmherzigkeit der Kirche heute nicht Ähnlichkeit mit der der Ärzte, die einem Kranken einreden, er sei nicht krank.
Es gibt einen Zugang zur Theologie, wenn man sie aus dem Gefängnis des Bekenntnisses befreit und in das Licht ihrer praktischen Konsequenzen rückt.
Wer einen anderen anschwärzt, wäscht sich damit nicht selbst rein.
Dur sollst kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten. Übersetzt heißt das: Du sollst über sie hinter ihrem Rücken nicht anderes reden als in ihrem Angesicht; genauer: du sollst, wenn du über einen Abwesenden redest, seinen Redepart mit übernehmen. So ist im achten Gebot eigentlich schon die Umkehr mit einbegriffen.
Wie kann ER sein Angesicht leuchten lassen über uns, wenn wir nicht umkehren.
Die Habermassche Vorstellung, daß „hinter den Erscheinungen“ das „An sich“ nicht zu finden ist, ist wahr, bedarf aber der Ergänzung: Wir können die Dinge wenden wie wir wollen, wir bleiben immer hinter ihrem Rücken, wir bleiben immer im „Reich der Erscheinungen“, der Weg heraus ist allein der labyrinthische der Umkehr.
Ist das Herniederfahren Gottes in Babylon der Ursprung der Idolatrie? Und ist das Telos dieses Herniederfahrens nicht der Minotaurus und der Rückweg der labyrinthische?
Für wen sind die Israeliten Hebräer? Zunächst für den Pharao und für die Philister, aber auch für Assur und Babylon? Worauf bezieht sich beim Ezechiel das Wort von der Hurerei und den Leichen der Könige? Sind das die Philister (die Liebhaber der Astarte), und sind es die Pharaonen?
Die Rechtfertigungstheologie verhindert die Gottesfurcht.
Die Kirche verstrickt sich immer mehr in ihren Fundamentalismuszwängen: Vgl. dazu die Schibboleth-Geschichte im Buch der Richter (Ri 126). -
06.02.92
Sind nicht die „Richter“ das Gegenstück zu den griechischen Heroen, damit aber zwangsläufig in jüdischem Kontext Gegenstand der Ironie? Oder ist die Ironie nicht die zwangsläufige Folge der Hypostasierung des „Richtens“, der „linken Seite“: deshalb schließt die Berufung der Richter sowohl das Richten im Sinne des Schlichtens von Streit als auch die „Befreiungstaten“, das Kriegführen gegen die umliegenden Herrschaftsmächte, mit ein.
Gegen Habermas: Hinweis auf den Ursprung und den Kontext der Gemeinheit (Zusammenhang mit dem Weltbegriff); Konsens ist nicht Versöhnung; Verzicht auf Schuldreflexion macht die Natur unerkennbar. Gibt es überhaupt eine „Diskursethik“?
Ist das „Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht“ die Erschaffung der reinen Gegenwart, die vom Raum als der Form der Gleichzeitigkeit zu unterscheiden ist, während die Finsternis die ungeschiedene Zeit als Einheit von Vergangenheit und Zukunft sich darstellt, die so auf den Raum sich bezieht? Das Licht verweist auf das Angesicht, die Finsternis auf das „Hinter dem Rücken“. Dann wäre die Sonne auf andere Weise an die Gegenwart (und an die Zeit) gebunden als der Mond, der die erste zeitliche Einheit (nach dem Tag, der kein Zeitmaß ist, sondern die vergängliche, aber wiederkehrende Gestalt der Gegenwart: Es gibt den Tag des Herrn, und Gott hat die Welt an sechs Tagen geschaffen, während er am siebten Tage ruhte) bezeichnet: den Monat. Das Jahr hingegen ist die vergängliche und wiederkehrende Gestalt der Zeiten, des Naturkreislaufs (oder des Weltenumlaufs). Aber bei Gott sind tausend Jahre wie ein Tag: Seine Gegenwart hat ein anderes Maß als die des Menschen. Deshalb kann niemand Gott von Angesicht zu Angesicht schauen (aber welche Bedeutung hat es dann, wenn Moses die Herrlichkeit Gottes von hinten schauen durfte?). Rosenzweigs Konstruktion des göttlichen Antlitzes im „Stern“ hat hier seinen rationalen Grund. -
16.01.92
Unter der Voraussetzung, daß es gelingt, den Weltbegriff, seinen Zusammenhang mit der Idolatrie und deren erkenntnistheoretische (erkenntnisleitende) Funktion durchsichtig zu machen, findet der Cohensche Titel „Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums“ eine überraschende Auflösung: diese Religin ist das Christentum.
Gemessen an der Sprache des Buches der Richter ist die christliche Theologie eine Theologie aus dem Hinterhalt.
Zwei haben Anteil an der künftigen Welt: die Opfer (die Märtyrer, die Zeugen) und die Helfenden (die Verteidiger). Die christologische Vergöttlichung des Opfers verrät beide.
Die Idee des Ewigen bezeichnet etwas, das sich nicht als vergangen denken läßt, etwas, das die Vergangenheit von sich ausschließt. Nicht zu verwechseln mit der Idee des Überzeitlichen, zu der sämtliche Begriffe gehören (die Idee des Ewigen gehört nicht in den Bereich des Begriffs): Im Überzeitlichen drückt sich allein die Macht der Vergangenheit über die Zukunft aus, das Schicksal oder die Quelle der Gewalt, theologisch gesprochen die Erbschuld. Die Philosophie hat seit je das Ewige mit dem Überzeitlichen verwechselt; nur so ließ sich die Erkenntniskraft der Begriffe sichern. Damit hängt es zusammen, wenn die Philsophie (und das philosophische Subjekt) sich begreifen läßt als Produkt der Verinnerlichung des Schicksals (des Opfers); nicht zufällig erweist sie sich in der Hegelschen Philosophie als Reflex der Geschichte der Herrschaft, sie steht in einer noch aufzuklärenden Beziehung zum Sternendienst, zur Vorgeschichte der Astronomie. Im Gegensatz zum Überzeitlichen, das den Quellpunkt der Begriffe bezeichnet, bezeichnet die Idee des Ewigen den Quellpunkt der Sprache: nicht der Begriff, sondern der Name hat Anteil an der Idee des Ewigen.
Mir scheint, es ist kein Zufall, daß der Ursprung des begrifflichen Denkens bei den Griechen zusammenfällt mit der Erkenntnis der Bedeutung und der Funktion des Winkels in der Geometrie, der Orthogonalität als des Grundes der Unabhängigkeit der Dimensionen im Raum. Die Form der Beziehungen der Richtungen im Raum ist Grund und Modell des Abstraktionsprozesses, in dem
– die Begriffe sich bilden und
– am Ende der Raum gegen die Zeit und die Materie sich verselbständigt, alle drei hypostasiert werden.
Es gibt keine Wissenschaft, kein System apodiktischer Urteile, ohne ontologische Absicherung. Kritik der Wissenschaft ist nur möglich im Rahmen der Reflexion der Ontologie: im Rahmen der Reflexion des Satzes „das Eine ist das Andere des Anderen“ und des Rosenzweigschen Hinweises auf die „verandernde Kraft des Seins“, die sich genau auf den Kontext und die Folgen des Hegelschen Satzes bezieht. (Heideggers berühmter Titel wäre zu variieren: Raum und Sein.)
Der Weltbegriff und sein unreflektierter Gebrauch ist die Grundlage und die Rechtfertigung zugleich für Machtpolitik und Gewinnökonomie, fürs Herrendenken. Die gleiche politisch-ökonomische Funktion und den gleichen Zweck erfüllte vor Konstituierung der „Welt“ die Idolatrie, der Götzendienst.
Ethik als prima philosophia: die Ethik ist kein additum zu einer fix und fertigen Welt, sondern sie besetzt die Stelle, an der die Welt noch offen ist, und von der aus der die Welt begründende Schuldzusammenhang und die von der Welt ausgehende Verblendung durchschaut werden kann. Die Physik, oder allgemein die naturwissenschaftliche Aufklärung entgründet die Welt in gleichem Maße, in dem sie den Himmel entspannt.
„Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel schauen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.“ (Mt 1810) „Ihre Engel“: Sind das die Engel der Kinder, und wie unterscheiden diese sich von den Engeln Gottes (Engel Elohims, Engel JHWHs)? Woher kommt die Vorstellung vom Schutzengel (im Christentum seit dem 9. Jhdt. nachweisbar; an deren Stelle ist im 20. Jhdt. – in Auschwitz – die „Schutzstaffel“ getreten)? -
15.01.92
Christentum: Trinitätslehre als Verinnerlichung der Genealogie für Nicht-Juden, für die Heiden? Zusammenhang mit dem mißverstandenen vierten Gebot? Bedeutung der Opfertheologie (antisemitische Struktur: wird nicht der Vater als Vater, d.h. durch Aufspaltung: durch Verinnerlichung als „lieber Vater“ und Vergegenständlichung als Sadist, geleugnet)?
Großartig der Nachweis Lillian Kleins, daß das Buch „Richter“ doch strenger an diesen Titel gebunden ist, als bisher wahrgenommen wurde: als Darstellung des Zwangs und der Folgen, die sich aus der Trennung des Richtens vom Bund JHWHs mit Israel, des Richtens von der Barmherzigkeit und der Verknüpfung von Richten und Gewalt (aus der weltkonstitutierenden Logik des Richtens) ergeben? (Bei Lillian Klein Abensohn keine Bemerkung zur Jotam-Fabel oder dazu, daß Samson auf dem Schoße der Dalilah stirbt?) Beschreibt das Buch nicht die Entstehung der Raumvorstellung, der „subjektiven Form der Anschauung“ (kein König in Israel, jeder tat was er wollte; hier werden die Bejaminiten zu „Linkshändern“, bis hin zum Mord an der Konkubine des Leviten, am Ende zu Opfern; und hier werden die entscheidenden Siege „aus dem Hinterhalt“ erfochten – es verschwinden das „Angesicht“ und Gottes Rechte)?
Saul kam aus Gibea in Benjamin, während David den Goliat mit Hilfe einer Steinschleuder erschlug.
Gegen Rousseau: Es gibt keine ursprüngliche heile Natur, die erst durch Vergesellschaftung (durch den Gesellschaftsvertrag: durchs Eigentum, durch das Inzestverbot und die Monogamie, durch die Schrift und den Logozentrismus) verdorben worden wäre. (Auch die Schellingsche Naturphilosophie steht noch im Banne Rousseaus: Was bedeutet der Begriff der Welt in Schellings Titel „Weltalter“?)
Der moderne Naturbegriff gründet nicht in der Gewalt, sondern er begründet auch Gewalt: die Gewalt, die das Äquivalent der Stummheit ist (wenn Sprache nichts mehr bewegt). Heute ist die ganze Sprache durchsetzt von der Stummheit: sie spricht nicht mehr, seitdem sie im Objektivationsprozeß ihr Subjekt verloren hat.
Wenn die Sumerer die Erfinder des Privateigentums waren, war Babylon dann die erste Stadt?
Der Kampf gegen die Idolatrie ist die erste Phase der Auseinandersetzung mit der städtischen, verdinglichenden, weltproduzierenden Gewalt.
Ist die Marxsche „resurrectio naturae“ eine Konsequenz aus dem Rousseauschen Naturbe#griff?
Freuds „Totem und Tabu“ krankt daran, daß es als ein pyschologischen (innerlichen) Vorgang faßt, was in Wirklichkeit eine gesellschaftlicher ist; er projiziert das Problem in ein dem Stand der Sache nicht ganz entsprechendes gesellschaftliches Umfeld, in das der sogenannten „Primitiven“. Die „Wilden“ sind erst in der Aufklärung entdeckt worden; sie haben hier eine entscheidende systemabsichernde Funktion (das Erbe Rousseaus: Kriterium der Unterscheidung ist für ihn die Schrift; piktographische, ideographische und alphabetische Schrift – haben Arnold Hauser und Max Raphael etwas über den Ursprung der Schrift geschrieben?).
Satan: der Ankläger; Teufel (diabolos): der Verwirrer; Dämon: Verteiler, Zuteiler (des Schicksals).
Benjamins Wort über Rosenzweig, daß er es vermocht habe, die Tradition auf dem eigenen Rücken weiter zu befördern anstatt sie seßhaft zu verwalten, steht in der christlichen Tradition: das „Auf dem eigenen Rücken“ entspricht präzise der Übernahme der Schuld der Welt.
Emmanuel Levinas Einwand der Asymmetrie gegen Bubers dialogisches Prinzip hat die Unterscheidung von „Hinter dem Rücken“ und „Im Angesicht“ zu Grundlage. In der Symmetrisierung von Ich und Du triumphiert das „Hinter dem Rücken“, triumphiert die Gemeinheit, die unter der Buberschen Prämisse ins Unbestimmbare verschwindet.
Der biblische Begriff des „Schreckens um und um“ bezeichnet den Ursprung des Selbstmitleids (beachte den Unterschied, mit dem Mann und Frau der Verführung des Selbstmitleids unterliegen: der Verführung, sich als Gegenstand oder als Subjekt als Natur oder als Welt, von außen zu sehen).
Das „Im Angesicht“ ist ein sprachlicher Sachverhalt, das „Hinter dem Rücken“ ein optischer (es steht unter dem Primat der Anschauung). Und „der Fall“ ist ein Fall aus der Sprache in die Anschauung. Das „Im Angesicht“ liegt vor dem Moment, in dem „ihnen die Augen aufgingen“: und sie „erkannten, daß sie nackt waren“, und sie “ schämten sich“. Die Scham ist ein Zeichen dessen, daß das „Im Angesicht“ nicht ganz vergessen ist. – Hängt damit die strukturelle Differenz zwischen Radio und Fernsehen (Faschismus und Post-Faschismus) zusammen? Erst das Fernsehen liefert zur Stimme (zur Stimme Hitlers) auch das Bild, verschiebt das Antlitz aus dem sprachlichen in den optischen Bereich, macht es damit endgültig unkenntlich.
Der Heideggersche Begriff der Frage (der zum Rundfunk-Zeitalter gehört) hat seinen Focus in der „Seinsfrage“, und zu dessen Metastasen gehören die „Judenfrage“ oder die „deutsche Frage“; er bezieht sich nicht mehr auf die Möglichkeit einer Antwort sondern – wie das Rätsel und die mathematische Aufgabe – auf die einer „Lösung“ (der Vergleich der „Lösungen“ der letztgenannten „Fragen“ wirft Licht auf den zentralen Punkt), das aber heißt, er ist ohne Gewalt nicht zu denken; seine früheste Anwendung findet er in der Geschichte von Alexander und dem gordischen Knoten.
Sprachlich unterscheidet sich die Frage von der Antwort durch das Heben oder Senken der Stimme am Ende. Das Senken der Stimme ist zugleich der autoritäre, der beruhigende Gestus, während die hohe Stimme Unselbständigkeit, Unsicherheit, Panik signalisiert (das Erheben der Stimme zeigt Empörung an: sie erhebt sich gegen die Ruhe der Autorität). – Wodurch unterscheidet sich das Sich Senken vom Fall? Der Empörung folgt der Fall, während das Sich Senken eine autonome, selbstbewußte Handlung ist.
Die eigentlich Botschaft in Hitlers Reden lag in der Stimme, in ihrem Tonfall; Hitlers Stimme vereinigte den autoritären mit dem panikerzeugenden Gestus (das Gleiche gilt heute von jeder politischen Rede; ihre Vorläufer hat sie in der Predigt).
Merkwürdig, daß Rousseau (und Derrida übernimmt das unreflektiert) die Artikulation der Rede, als Voraussetzung der Ausbildung der alphabetischen Schrift, negativ besetzt. Er erfährt darin (wie im Logozentrismus) nur den autoritären Gestus, den Gestus dessen, der dem anderen etwas einreden will, während er den daran geknüpften Wahrheitsbegriff und allgemein das Menschenfreundliche der sich artikulierenden Vernunft (gleichsam im Vorgriff auf das Derridasche Konzept der Dekonstruktion) denunziert. Grund ist die Rousseausche Versenkung des Göttlichen in die stumme Natur.
Ist es ein Zufall, daß der Sozialismus als erster seine fundamentalistische Phase hatte? Und wäre nicht eine Kritik des vergangenen „real existierenden Sozialismus“, die auf dieses Moment abstellt, die einzige, die dem derzeitigen Stand noch angemessen wäre?
Ist nicht der Darwinismus ein Vulgär-Hegelianismus, in dem das Herrschaftsmoment des Begriffs sich endgültig durchsetzt?
Ist die Wendung „den Himmel aufspannen“ nicht ein sprachlicher Ausdruck der Spannung, mit der das Im Angesicht und die Barmherzigkeit (die Bewahrung der rechten Seite) gegen die neutralisierende Gewalt des Raumes ankämpft: ein anderes Wort für das „emitte spiritum tuum et renovabis faciem terrae“: Der Gerechte trägt seinen Teil bei zur Erhaltung der Welt, indem er deren Schuld (den Grund der Asymmetrie zwischen Ich und Du) auf sich nimmt und so seinen Teil beiträgt zur Aufspannung des Himmels und zur Begründung der Erde, zur Erneuerung des Antlitzes der Erde (die Asymmetrie zwischen Ich und Du begründet das „Im Angesicht“, während die Symmetrisierung der Beziehung unter der neutralisierenden Gewalt des Raumes steht und „hinterm Rücken“ verbleibt). -
20.12.91
Die kirchliche Sexualmoral, die Verlagerung der Erbschuld in die sexuelle Lust, ist Produkt und Ursache der Zurückweisung des Nachfolgegebots: Wer nicht bereit ist, die Schuld der Welt auf sich zu nehmen, muß die Schuld (das wölfische Gesetz: die Gewalt und die Herrschaft von Menschen über Menschen) in der Welt belassen und kann sich nur an deren Reflex im Subjekt: an die Sexualität halten. Zusammenhang mit Trinitätslehre und Opfertheologie. Heute zur Selbstverfluchung zugespitzt: Da man den theologiebegründenden kritischen Weltbegriff selbst nicht mehr begründen kann, verfällt die Sexualmoral endgültig dem Gesetz der Heuchelei, der Doppelmoral, der Moral für andere: Man darf alles, sich nur nicht erwischen lassen. Metaphysik ist heute (nach Faschismus und Heidegger) nur noch als Zynismus möglich. Darin ist auch die säkularisierte Welt noch mit christlichem Erbe belastet.
Wer sich heute weigert, im Begriff der Objektivität die Herrschaftsstrukturen zu reflektieren, nimmt Gemeinheit in Kauf.
Die Selbstverfluchung (bei der dritten Leugnung) beginnt dort, wo die Kirche Unkraut und Weizen (rechts und links) zu unterscheiden verlernt hat (hängt der Ursprung der Gen-Forschung mit den vielfältigen Versuchen, das Unkraut zum Weizen zu machen, zusammen?).
Das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit relativiert Raum und Zeit als subjektive Formen der Anschauung. Es relativiert damit die Herrschaft von Subjektivität.
Nicht über die sexuelle Lust, sondern über die unreflektierte Herrschaft des transzendentalen Apparats pflanzt sich die Erbschuld fort.
Mathematik, das Kontinuum (die Ausdehnung) und das Diskrete (die Zahl): wie hängen beide mit einander zusammen? Auch die Kontinuen sind als Dimensionen gegeneinander diskret (vermittelt über die Orthogonalität). Die Spiegelung des dreidimensionalen Raumes schließt die Umkehr einer Richtung im Raum mit ein, d.h. verändert die Beziehung einer Richtung im Raum zu den beiden anderen. Ist dies der Gordische Knoten, den Alexander durchschlagen, aber nicht gelöst hat? Und hat die dreifache Leugnung etwas mit der Dreidimensionalität, mit der dreifachen Verkehrung zu tun?
Die Materie ist der gegenständliche Inbegriff des Schreckens um und um, der Raum der Inbegriff des allseitigen Lachens.
Es ist der Unterschied ums Ganze, ob ich selbst den Tod auf mich nehme oder einen anderen in den Tod schicke, das Menschenopfer vollziehe.
Das ist die letzte Versuchung, der die Kirche zu erliegen droht: die Selbstexkulpation durch das moralische Überlegenheitsbewußtsein, das sie glaubt, durch die Abtreibungskampagne noch für sich selbst retten zu können.
Hat Hegel von der falschen Zärtlichkeit für die Dinge, oder von der falschen Zärtlichkeit für die Welt gesprochen?
Ist der Inhalt der Verleugnungen nicht präzise zu bezeichnen, wenn die Kirche sich in der Opfertheologie (dem Grund der Dogmatik) auf die Seite der Täter stellt?
Die kantische Unterscheidung zwischen dem mathematischen und dem dynamischen Ganzen (zwischen dem Welt- und Naturbegriff): betrifft sie nicht den Unterschied zwischen dem Resultat der mathematischen Erkenntnis und ihrer Genese?
Ist die Kirche nicht längst zu einem U-Boot geworden, mit einer fatalen Nähe zu den Seeungeheuern? Was bedeutet es, wenn Kirchen heute die Außenseite ihrer Wände nach innen kehren, die Innenwelt zur Außenwelt der Außenwelt machen?
Mitscherlich hat das Denken als Probehandeln bezeichnet; Franz Rosenzweig hat die erkenntnistheoretische Bedeutung der Umkehr, ihren Zusammenhang mit dem Wahrheitsbegriff entdeckt: Ich glaube, in dieser Richtung wird man die Bedeutung und die Realität des Gebetes suchen müssen. Die Unfähigkeit zur Reflexion, der die kirchliche Sexualmoral und das Dogma sich verdanken, und die die Menschen für autoritäre Strukturen verfügbar macht, zerstört die Fähigkeit zu beten an der Wurzel. -
17.12.91
Rosenzweigs Konstruktion, wonach durch den Tod, durch das „Ich mit Vor- und Zunamen“ die Einheit des All gesprengt wird, gelingt nur, weil der Weltzustand, auf den er sich bezieht, fast ausweglos mythisch geworden ist. Deshalb die Rekonstruktion der Theologie über die Konstruktion des Mythos, durch dessen Umkehr hindurch.
Ein ins Agentenmilieu transportierter jüdischer Witz (J.Ebach) verändert mit seiner Umgebung seinen Sinn: er nimmt paranoische Züge an.
Wenn Christen die Juden Hebräer nennen, dann erinnert mich das an den Prüfer der Vorprüfungsstelle des Ministeriums, der das freiwillige Bekenntnis eines Betroffenen in seinem Prüfbericht unter dem Anschein eines selbstermittelten Tatbestands in eine Anklage umformte (und damit seiner Karriere diente). Hier ist das Stück Gemeinheit, das in dem objektivierten Gebrauch der Bezeichnung Hebräer steckt, mit Händen zu greifen (Genese der Gemeinheit, Funktion und Sinn der Reflexionsbegriffe). Den gleichen Gebrauch haben die Christen seit je von der Prophetie gemacht. Hier ist einer der Belege für die Wahrheit des Satzes „Ärgernisse müssen sein …“
Ist nicht der paulinische Begriff „Stückwerk“ als Erläuterung der Bezeichnung Symbolum zu verstehen; und ist das Symbolum nicht selber in diesem Sinne Stückwerk (vgl. auch das Wort „Jetzt sehen wir wie im Spiegel, dereinst aber von Angesicht zu Angesicht“).
Hegels Philosophie, gipfelnd in der trinitarischen Struktur des Absoluten, ist als Entfaltung der Struktur des Begriffs die Selbstreflexion der Geschichte des Schicksals. Wenn es zutrifft, daß der Islam unter den gleichen Prämissen wie die Philosophie und das Christentum angetreten ist, nur gleichsam die andere Seite im Schicksalszusammenhang repräsentiert: dessen Objekt (so wie im Begriff des Islam, der Ergebung, das Schicksal als der Wille Gottes vorgestellt wird), so gewinnt der zentrale Begriff des Islam: der der Allbarmherzigkeit, eine auf ganz andere Weise exkulpierende Bedeutung. Die Allbarmherzigkeit ist die zwangsläufige Folge davon, daß Allah als Personifizierung des Fatum die Schuld der Welt auf sich nimmt und den ihm ergebenen, dem Handeln entsagenden Muslim entlastet. Auch hier bezieht sich die Allbarmherzigkeit auf das Sündenbewußtsein, das dadurch gelöscht wird, daß die Schuld auf Allah abgewälzt wird. Hier nimmt Allah die Schuld der Welt auf sich (er nimmt sie hinweg). Unterscheidet sich Gott im Islam nicht doch nur dadurch vom Teufel, daß er zugleich der Allbarmherzige ist.
Der Schwindel, den Adornos Philosophie beim ersten Lesen zu erzeugen scheint, ist in Wahrheit die Aufhebung des Schwindels. -
15.12.91
War der König das überlebende Opfer (ein Nachfahre und Erbe des Helden)? Welche Bedeutung hatte dann die Salbung (Zusammenhang mit dem ägyptischen Totenkult)?
Das kann man wieder ganz wörtlich verstehen: die Theologie aus den Verstrickungen der Welt lösen.
Sind die Menschensöhne die „Söhne Adams“ und ist der „Menschensohn“ der Sohn Adams (während die Menschentöchter die Töchter Adams sind) (Gen 6 u. 11)?
Zu den Geheimnissen der Schrift: Gehören die Hieroglyphen zum Totenkult (und den Pyramiden) und gehört die Keilschrift zur Verbindung von Sternendienst, Opferkult und hieros gamos (und zum Turmbau zu Babel)?
Babylon und Ägypten: Aber wer waren dann die Perser, wer war Kyros, der den Juden die Rückkehr nach Israel ermöglicht hat?
3 + 4 + 5 = 12: Ein Dreieck mit den Seitenlängen 3, 4 und 5 bildet einen rechten Winkel.
Das Bekenntnis wird gewöhnlich im Hinblick auf das Verhältnis von Innen und Außen verstanden. Die Bindung nach innen rückt den Feind, den Verräter und die Frauen nach draußen. Eine völlig andere Bedeutung gewinnt das Bekenntnis, wenn es auf das Verhältnis Im Angesicht / Hinter dem Rücken bezogen wird (Bekenntnis als Heiligung des Namens). Das Verhältnis Innen / Außen ist das der Menschen in Ninive, die Rechts und Links nicht unterscheiden können.
In dem noch nicht durchs Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit berichtigten Inertialsystem würde es die Möglichkeit der Richtungsumkehr im Raume nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch geben müssen; dagegen steht jetzt das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit.
Der Unterschied zwischen der Umkehr und dem Wenden (das Innere nach außen kehren, wobei gleichzeitig eine Dimension umgekehrt wird).
Was ist der Unterschied zwischen schwachen und starken Verben (unregelmäßiger und regelmäßiger Konjugation): „geschnien“ (wie ich als Kind einmal gesagt habe) und „geschneit“.
Zernichten:
– „Ich fühlte mich wie zernichtet unter dem gräßlichen Fatalismus der Geschichte.“ (Georg Büchner an seine Braut im November 1833)
– „Zeit ists zu handeln für den Herrn – sie zernichten deine Lehre.“ (Ps 119126, so übersetzt und zitiert bei Franz Rosenzweig)
Desiderate materialistischer Geschichtsforschung:
– die Geschichte der Banken und des Geldwesens;
– die Ursprungsgeschichte der gegenwärtigen Situation in Deutschland:
. die Funktion der Treuarbeit bei der Arisierung des jüdischen Vermögens und bei der Umstellung und Reorganisierung der Wirtschaft in den fünf neuen Bundesländern;
. die Bedeutung von Auschwitz, der Ausbeutung der Häftlinge, der Zwangs- und Fremdarbeiter sowie
. deren Ersatz durch den Einsatz der „Gastarbeiter“ und die Ausbeutung der Dritten Welt (durch die ihr auferlegten Handelsmechanismen) nach dem Krieg
für den Modernisierungsschub, die Anpassung an die veränderten Reproduktionsbedingungen, die Grundlagen und die Stabilität der Wirtschaft nach dem „Wirtschaftswunder“ und schließlich für den Reichtum im Westen insgesamt. -
06.12.91
Ist die analogia entis, dieses Kernstück der thomistischen Theologie (ein Begriff übrigens, der heute sein fundamentum in re verloren zu haben scheint), der katholische Ersatzbegriff für die Umkehr?
Wenn der Ursprung der Philosophie sich aus der Verinnerlichung des Schicksalsbegriffs begreifen läßt, repräsentieren dann nicht Islam und Christentum die beiden verschiedenen Seiten des Schicksals (das Christentum die Subjektseite, der Islam die Objektseite)? Lassen sich daraus nicht sogar die Differenzen in der Theologie ableiten (z.B. die islamische Vorstellung, daß Gott in jedem Augenblick die Welt neu erschafft, auch daß es neben dem Koran weder eine besondere Philosophie noch einen kritischen Wissenschaftsbegriff geben kann)? Bedeutet das aber nicht umgekehrt, daß das Problem Islam sich nur mit der Selbstaufklärung des Christentums (mit der Selbstaufklärung der Philosophie) lösen läßt, weil anders der Islam als Projektionsfolie für das unbekehrte Christentum ebenso notwendig bleibt wie der Terrorismus für den Staat?
Wenn Franz Rosenzweig Mohammed den großen Plagiator nennt, so erinnert das daran, daß auch der Muslim unmittelbar bei Allah sein möchte, aber beim Schicksal sich wiederfindet. Der Islam repräsentiert die mythische Gestalt der Monotheismus-Rezeption.
Im Begriff des Ewigen ist auch das Vergangene gegenwärtig: als das noch unversühnte Gericht. -
01.12.91
Bemerkung zu Ferdinand Ebner: Indem das Ich vor dem Du sich verschließt, öffnet sich der Raum ins Unendliche, verschwindet die sinnliche Welt (Beziehung der sinnlichen Wahrnehmung zur Sprache; Sprache, Wahrnehmung und Selbsterhaltung).
Franz Rosenzweig: Gott hat die Welt und nicht die Religion erschaffen. Gershom Scholem: Die Religion, der man angehört, ist ohnehin die falsche (in einer Vorlesung über die Dönme-Sekte). -Und warum kann man dann nur einer Religion oder Konfession angehören (genauso: warum gibt es in Deutschland nur die Möglichkeit einer Einzelstaatsangehörigkeit)? Die Kritik des Bekenntnisses trifft nicht nur die Konfessionen, sondern auch den Staat. Die Entkonfessionalisierung der Kirchen entzieht der Staatsmetaphysik (dem Prinzip Staatsanwalt) den Boden. -
07.11.91
Das Prädix „be-“ drückt Herrschaft aus: das Bekenntnis ist Herrschaft übers Erkennen (vgl. lehren/belehren, deuten/bedeuten u.a.). Vermittelt ist die Herrschaft über den Personenbezug: das „be-“ zieht einen Adressaten nach sich (im Dativ ist der Adressat der Herrschende, im Akkusativ der Adressierende: hier, in der Umkehrbeziehung Dativ/Akkusativ, läuft die Herrschaftsbeziehung über eine vermittelnde Tätigkeit, in der genitivischen Umkehrbeziehung – gen. objektivus/subjektivus – geht es um eine direkte, unvermittelte Herrschaftsbeziehung). Dieser Zusammenhang ist der Grund dafür, daß es ein Bekenntnis ohne Opfertheologie und ohne Trinitätslehre nicht gibt. Ist das Produkt des Bekenntnisses das Bekannte (das Tote, Vergangene, auch dann wenn es die Wahrheit selber ist, die als Dogma gekreuzigt, gestorben und begraben ist und auf ihre Auferstehung wartet)?
Rosenzweigs Trennung von „Ja“, „Nein“ und „Und“ gemahnt daran, daß die Sprache mit der Subsumtion unters Identitätsprinzip zerstört wird. Aber diese Zerstörungskraft ist in der Sprache selbst durch den Seinsbegriff (die „verandernde Kraft des Seins“) präsent (nach K. Heinrich ist das Sein der „wortlose Rest“ der Sprache).
Das Sein ist nicht nur der Generator des transzendentalen Subjekts (des idealistischen Scheins), es bezeichnet genau den blinden Fleck in der Sprache, der sie (wie die kantische Form der äußeren Anschauung die Wahrnehmung) von sich selbst ausschließt und gegen sich selbst abschirmt, und der auch dann nicht zu reden beginnt, wenn man – wie Heidegger – ihn beschwörend anstarrt und seinen Mangel – den fehlenden Gegenstands- und Inhaltsbezug – als besonderen Vorzug anpreist (das Sein ist der Geburtsfehler der Philosophie; es gehört zu einer Sprache, die die Barbaren ausschließt, während die reflexive Hereinnahme der Fremden – der „Hebräer“: der „Fremden im Lande“ – das Sein ausschließt: wodurch unterscheidet sich die hebräische Sprache von der kanaanäischen? Vermutung: durch die Kraft der Identifikation mit den Fremden?).
Das Problem der Terrorismus-Bekämpfung (insbesondere der Verfahren gegen die raf, gegen Mitglieder einer „terroristischen Vereinigung“) liegt darin, daß das Objekt einerseits als Feind deklariert wird, andererseits aber die Verfahren im Rahmen des Rechts (durch Urteil und Strafe) abgewickelt werden sollen. Die Feinddefinition müßte eigentlich (wie im Weltanschauungskrieg gegen das „bolschewistische Russland“ oder in der „Endlösung der Judenfrage“) auf Krieg und Vernichtung hinauslaufen; dieser Weg ist aber durch die Systematik und Logik des Rechts versperrt. So stehen die damit befaßten Institutionen – von GBA und BKA bis zu zuständigen Strafsenaten und den Vollzugseinrichtungen („Hochsicherheitstrakt“) vor der unlösbaren Aufgabe, ihre Ziele mit Mitteln zu erreichen, die eigentlich nicht dafür gedacht und geeignet sind. Zugrunde liegt die heute immer deutlicher hervortretende Problematik der Bekenntnislogik: dazu gehören u.a. der Feind und der Verräter; und nur für letztere (z.B. für Sympathisanten) ist das Instrument des Strafrechts geeignet, nicht jedoch für den „inneren“ oder „äußeren Feind“. So war denn auch die Anpassung des Strafrechts an diese Problemlage nicht ohne substantielle Eingriffe in die Grundsätze eines fairen Verfahrens und in die Rechte der angeklagten und verfolgten „Feinde“ möglich. Es gehört zur Signatur des Zeitalters, daß beide nicht mehr sich trennen lassen (der in Rußland bekämpfte äußere Feind war zugleich Repräsentant des inneren: des Kommunismus und der Juden; und der im Inneren bekämpfte Terrorismus ist Repräsentant der Außenwelt (der Dritten Welt in jeder Version), von der man sich in der Substanz bedroht weiß aufgrund der nicht mehr zu verdrängenden Schuldbeziehungen (Zusammenhang mit der Gemeinheitsautomatik?).
Der Gebrauch des Feindbegriffs im Rechtsverfahren ist der klassische Befangenheitsfall; dagegen sollten die Unschuldsvermutung und das Verbot der Vorverurteilung schützen, die hier (wie im alten Inquisitionsverfahren, aus dem die Instrumentarien stammen) generell außer Kraft gesetzt sind.
Der Feind ist das apriorische Objekt der Wut, ohne die es die Komplizenschaft des Bekenntnisses nicht gibt: die Furcht vor dem Verrat des Betrugs, der List, die in jenem Bekenntnis steckt. Deshalb gibt es das Gebot der Feindesliebe: als Chance, dieses Dunkle im eigenen Innern aufzuarbeiten.
Der Himmel, der sich wie eine Buchrolle aufrollt: ist das nicht ein Hinweis sowohl auf den Ursprung der Schrift, als auch auf ein Konstruktionselement der Astronomie (den Zusammenhang von Schrift und Astronomie)?
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