Sprache

  • 29.3.1995

    Die Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit begründet den Weltbegriff und installiert im Subjekt den Mord-, Rache- und Rechtfertigungstrieb. Die Opfertheologie hat diesen Trieb bewußtseinsfähig gemacht, ihn aber mit dem Konzept der „Entsühnung der Welt“ zugleich gerechtfertigt und stabilisiert.
    Die Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit ist das Gegenteil der Erinnerung, der innere Kern des Verdrängungsapparats, der über den historischen Objektivationsprozeß auch die Vergangenheit noch in seinen Dienst nimmt. Die Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit treibt die Zukunft aus der Vergangenheit aus, macht sie erst wirklich zur toten Vergangenheit: Das ist die conditio sine qua non ihrer Vergegenständlichung. Das aber bedeutet, daß Erinnerungsarbeit nicht auf die Geschichte sich beschränken läßt: Sie schließt auch die Natur mit ein. (Ulrich Sonnemann: Zukunft ist von außen wiederkehrende Erinnerung; daher hat die Gedächtnislosigkeit keine.)
    Enthält das Griechische in den im Lateinischen bereits verdrängten Konjugationsformen (insbesondere in Aorist und Medium) Erinnerungsspuren seines Ursprungs?
    Wenn die drei Dimensionen des Raumes drei verschiedene Formen seiner Beziehung zur Zeit repräsentieren, steckt dann nicht in der Linearisierung der Zeit ein Konstruktionsfehler?
    War nicht das Newtonsche Konzept des absoluten Raumes Reflex und Grundlage historischen (herrschaftsgeschichtlichen) Absolutismus, aus dessen Bann wir bis heute nicht herausgetreten sind?
    Der Fundamentalismus verwechselt die zweite Natur mit der ersten.
    Enthält nicht die Figur des Henoch in den pseudepigraphischen Schriften des Alten Testamentes Hinweise zur Lösung der Beziehung von Astronomie, Zeitmessung und Schrift?
    Die Orthogonalität macht das Ungleichnamige gleichnamig. Ist nicht die christliche Theologie (als Theologie hinter dem Rücken Gottes) das Opfer dieses bis heute unbegriffenen Mechanismus?
    Sind nicht Pflanzen und Tiere verschiedene Formen der Verkörperung der Beziehung des Lebendigen zur Zeit?
    Wenn Recht im Namen des Volkes gesprochen wird, ist dann nicht das Volk das Kollektivsubjekt, das zur Entlastung der Richter in Haftung genommen und eben dadurch zur Schicksalsgemeinschaft zusammengeschweißt wird? Dieser Begriff des Volkes drückt genau das aus, was dann vergeblich versucht wurde, im Namen der Heiden vom Begriff des Volkes, aus dem er sich herleitet, zu trennen. So wurde der Name der Heiden neutralisiert und dem griechischen Namen der Barbaren angeglichen. Das Wort, das in unseren Bibeln mit Heiden übersetzt wird, heißt im Original Völker.
    Wenn die Sekten die Apokalypse als Angstgenerator benutzen, beuten sie dann nicht einen Mechanismus aus, den die Kirchen zuvor installiert haben? Und dagegen hilft nicht das Tabu auf der Apokalypse, sondern dagegen hilft einzig die Selbstaufklärung der Apokalypse. Und die ist möglich.
    Johann Baptist Metz auf die innere Differenzierung des Begriffs des Universalen hinweisen:
    – Gericht und Barmherzigkeit, Vergangenheit und Zukunft, Ich und Du (Asymmetrie),
    – Rind und Esel (Joch und Last),
    – Adornos „erstes Gebot der Sexualmoral“,
    – Levinas: Die Attribute Gottes stehen nicht im Indikativ, sondern im Imperativ,
    – Ontologie als vergeblicher Versuch, die Ethik als prima philosophia zu leugnen.

  • 26.3.1995

    Der Name der Erbsünde ist sehr wörtlich zu nehmen: Die Menschen verhalten sich in der Tat so, als hätten sie eine Sünde geerbt, zu der niemand sich zu bekennen wagt. Anders sind die Paranoia und der Rachetrieb, die in Institutionen wie Zucht- und Irrenhäusern (die heute zwar nicht mehr so heißen, es der Funktion nach aber immer noch sind) und Kasernen sich manifestieren, nicht zu erklären. Aber auch der Ursprung der „romantischen“ Liebe, des im Begriff des Subjekt selber verankerten Triebs geliebt zu werden (die Erwartung, durch den Andern erlöst, von der Erbsünde freigesprochen zu werden: eines der Signa der Moderne, struktureller Kern des modernen Dramas), verweist auf diesen Sachverhalt. Die unmittelbaren Repräsentanten dieser Erbsünde sind die subjektiven Formen der Anschauung, die der Barmherzigkeit den Weg zum Objekt versperren: Grund der „kommunikativen“ Selbstbeschränkung (und Selbstzerstörung) der Sprache in der folgenlosen Rede (der folgenlosen „Rede von Gott“). Die Welt ist das Medium, in dem diese Erbsünde sich fortpflanzt (der „Unzuchtsbecher“). Die „Sünde der Welt“ ist nicht „hinweggenommen“, und nur wer sie auf sich nimmt, befreit sich von dieser Last.
    Ist das Wissen der Taumelbecher, die Natur der Kelch des göttlichen Zorns und die Welt der Unzuchtsbecher (und alle drei zusammengehalten durch die „subjektiven Formen der Anschauung“, den Kelch)?
    Hat sich die Frage Rosenzweigs, ob Künstler selig werden können, angesichts einer völlig durchästhetisierten Welt nicht schlicht auf alle ausgedehnt? Aber hat Rosenzweig mit seiner Kritik des All nicht bereits den Grund der Lösung dieser Problems bezeichnet?
    Waldspaziergang (Kritik der deutschen Ideologie): Wenn einer „vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht“, wäre zu fragen, ob es nicht in der Tat wichtiger ist, die Bäume anstatt den Wald zu sehen.
    Gott ist auf keine Weise gegenständlich zu machen. Das drückt sich aus in der Idee des Ewigen, die den Grund der Gegenständlichkeit, die Vergangenheit, von sich ausschließt. Die Objektivation Gottes gehört zu den Ursachen des Kreuzestodes, sie macht die Objektivierenden nachträglich noch zu Tätern. (Der Preis für die Göttlichkeit Jesu war die Vorstellung vom Gottesmord, der dann projektiv auf die Juden verschoben wurde.)
    Wenn die Idee des Absoluten der Schatten ist, den das Subjekt auf Gott wirft, dann hat die Theologie seit den Kirchenvätern in diesem Schatten gestanden. Dieser Schatten wird in den Fundamentalismen heute handgreiflich.
    Verhält sich nicht der Name der Hebräer zu der Logik, zu der der Name der Barbaren gehört, wie das verteidigende zum apologetischen Denken?
    Auch für die Opfertheologie gilt: Barmherzigkeit, nicht Opfer, oder auch: verteidigendes, nicht apologetisches Denken. Die Resultate des apologetisches Denkens gelten ein für allemal (sie gehören zur Logik der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit), die des verteidigenden Denkens sind immer neu (sie eröffnen die Zukunft, die jeden Tag neu beginnt).
    Das katastrophische Moment in der Apokalypse ist als Realsymbol der Kritik des Scheins selber Schein, es ist ein Produkt der Logik der Schrift, die in ihm zugleich sich auflöst (nachzuweisen an der Funktion des Traums und des Engels in der Apokalypse).
    Warum kommt am Ende des Ezechiel nur der Osten und der Norden vor (und zwar beide als Orte des Erscheinens der göttlichen Herrlichkeit)? Und worauf beziehen sich hier der Thron und der Schemel (verbinden sie den Osten mit dem Himmel und den Norden mit der Erde)?
    Die „Buße“ Ninives beginnt beim Volk, geht von da zum König, der dann das Vieh mit einbezieht. Aber im Buch Tobias (das die katholische Kirche in den Kanon mit aufgenommen hat) wird Ninive am Ende doch zerstört. – Ist es nicht der gleiche Fisch, der den Jonas verschlingt und wieder ausspeit, der dann im Buch Tobias gefangen und geschlachtet wird, und aus dem die Mittel gewonnen werden, mit denen Sara vom Dämon Asmodei befreit und Tobias von seiner Blindheit geheilt wird? Zugleich wird das Symbolum eingelöst, und zwar durch den Engel Raphael (nicht Gabriel, der nach islamischer Tradition – und nach der Verkündigungsgeschichte – den Heiligen Geist repräsentiert). War das Vermögen des Tobias nicht in Susa deponiert, dem Ort der Esther-Geschichte? – Kann es sein, daß der apokryphe Teil des Buches Daniel (mit der Susanna-Geschichte) dem gleichen symbollogischen Zusammenhang angehört?
    Haben Sara und Asmodei etwas mit der Maria Magdalena und ihrer Befreiung von den sieben unreinen Geistern zu tun?
    Welche Anspielungen und Bezüge stecken in den Namen der Apostel? Gibt es ebenso wie den hellenistischen (Andreas und Philippus) auch einen makkabäischen Bezug (Simon, Judas)? Worauf verweisen Jakobus und Johannes? Welche Väter werden genannt (Simon Barjona, Bartholomäus, Jakobus und Levi, Söhne des Alphäus), welche Mütter (die Mutter der Zebedäussöhne) und welche Schwiegermütter (die des Simon Petrus)?
    War Johannes Scottus Eriugena ein Laie (trägt seine Theologie nicht die Züge einer Laientheologie)?
    Die Theologie hinter dem Rücken Gottes ist durch die Apokalypse auf die Theologie im Angesicht Gottes bezogen.
    „Als Mann und Weib schuf er sie“: Ist das nicht die Besiegelung des vorhergehenden „Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn“? Hat die Geschlechtertrennung etwas mit der Beziehung des Nomen zum Personalpronomen zu tun?
    „Im Schweiße deines Angesichts“: Bezieht sich das auf Gethsemane? Und haben die Dornen und Disteln etwas mit dem brennenden Dornbusch zu tun?
    Unterm Bann der indoeuropäischen Sprachlogik, die das Inertialsystem antizipiert, ist das Symbolum zum Bekenntnis geworden, hat die Bekenntnislogik sich gebildet.
    In welcher Beziehung stehen die Sünde Adams, die Sünde der Welt und die Sünde wider den Heiligen Geist?
    Die Figur des Kleinbürgers, in der nach Walter Benjamin Teufel und arme Seele konvergieren, ist nicht vergangen, sondern mit dem Faschismus universal geworden. Das war der Modernisierungsschub, der ökonomisch abzuleiten wäre. Wäre nicht aus der Logik des Kapitals, aus der gegenwärtigen Entwicklung ihrer Strukturen, sowohl die gegenwärtige Renaissance der Bekenntniskriege (der Weltanschauungs- und Vernichtungskriege) wie auch die eklatante Unfähigkeit der politischen Institutionen, das was hier vor sich geht, zu begreifen und konstruktiv zu bearbeiten, abzuleiten? Hinweis: Ist nicht alle Ökonomie (aufgrund der Währungshoheit der Staaten) Nationalökonomie, die im Außernationalen ihre „Natur“ vor sich hat, die Hegel zufolge den Begriff nicht halten kann, d.h. der staatlichen Herrschaftslogik sich entzieht? Dringen über die Internationalisierung des Marktes Naturverhältnisse in die Ökonomie ein, die zur Machtanarchie keine Alternative mehr zuläßt? (Paradigma: Hat sich nicht das Militär im Golfkrieg und jetzt in der Jugoslawienkrise als ohnmächtig und hilflos erwiesen, und zwar aus strukturellen, mit institutionellen Mitteln nicht zu behebenden Ursachen?)
    In einer Welt, die ohne Rest von den Marktmechanismen, vom Wertgesetz, so durchdrungen wird, daß sie auch die Politik (und ihre Grundlage: eine funktionierende Öffentlichkeit), wie das schwarze Loch jegliche Strahlung, in sich aufsaugen, wird auch die Sprache in den Strudel mit hereingerissen, die allein fähig wäre, das, was hier sich zuträgt, zu begreifen.
    Privatfernsehen: Wenn Information zur Unterhaltung wird, übernimmt Unterhaltung die Rolle der Information (Politiker wissen das; die Konsequenz, die sie daraus ziehen, heißt Imagepflege).
    Kritik der Wissenschaft ist Kritik der Verwaltungswissenschaft, der Versuch, Erkenntnis hinter dem Rücken in eine im Angesicht zu transformieren.
    Unsterblichkeitslehre: Das Präsens ist die Gegenwart unterm Primat der Selbsterhaltung.
    Gerechter Preis/gerechter Lohn: Woher kommt es, daß Europäer die festgelegten Preise in Schaufenstern, Warenlisten, auf Werbeprospekten nicht nur als vorgegeben und feststehend, sondern auch als „gerecht“ anzusehen geneigt sind, während sie in „orientalischen“ Bazaren, in den gehandelt und gefeilscht wird, das Gefühl nicht loswerden, belogen und betrogen zu werden? Liegt nicht in der kapitalistischen Preisgestaltung (entgegen der Theorie, die außer denen, die sie anwenden, niemand ernst zu nehmen scheint, und deren katastrophische Folgen, nämlich im Falle des Konkurses, genau die trifft, denen man sie permanent ausredet: daß der Preis auf dem Markt, durch Angebot und Nachfrage, sich bestimmt) die Suggestion, die Preise seien kalkulatorisch begründbar: Ausdruck der Erstellungskosten? Darin steckt das Bewußtsein, daß erst mit der Subsumtion der Arbeit unters Tauschprinzip (der differentia specifica des Kapitalismus) für den Preis ein Maß gefunden worden ist, das einer objektiven Überprüfung offensteht. Der Preis entspricht dem „Wert“, und der ist gleiche Weise „objektiv“ wie das Gewicht eines materiellen Dings (dessen Logik in ihm sich reproduziert: Liegt hier, in der Beziehung des Wertgesetzes zur Gravitation, der Grund der logischen Affinität des Staates zur Astronomie?).

  • 23.3.1995

    Prima philosophia: Auch die Ontologie gründet in der Ethik, nur ist diese eine Ethik der in der Ohnmacht gründenden Passivität, eine Ethik der Nicht-Handelnden, der Herren und der Zuschauer.
    Auf das homologein, das die Theologie mit Bekennen übersetzt, bezieht sich das Gleichnis von den Talenten: Das kirchliche Glaubensbekenntnis ist das vergrabene Talent. Dieses Vergraben ist ein anderer Ausdruck für eine Theologie hinter dem Rücken Gottes.
    Mizrajim ist ein Bruder Kanaans, beide sind Söhne des Ham.
    Die Distanz zum Objekt ist vermittelt durch die Distanz, die der Herr durch den Beherrschten gewinnt: Ein Beispiel hierfür ist der Film, die logische Konstellation Regisseur, Schauspieler, Zuschauer, die auf seinen genetischen Zusammenhang mit der Logik der Schrift zurückweist. Gehört nicht zum „Star“ die diesen Zusammenhang konstituierende kopernikanische Konstellation? Der Film gehört in jene „Sphäre“, die Hegel von der des Lichts noch unterscheidet: die seiner „Fortpflanzung im Raum“, die durch die kopernikanische Wende begründet wird.
    „Es gibt einen Stamm, dessen Angehörige sich für unsichtbar halten: Die Ethnographischen Filmer: Wenn sie, mit Maschinen beladen, Kabel hinter sich herschleifend, einen Raum betreten, in dem ein Fest gefeiert wird, in dem Kranke geheilt oder Tote betrauert werden, dann bilden sie sich ein, sie würden nicht bemerkt …“ (Eliot Weinberger: Die Kamera-Menschen, Lettre Heft 28, I. Vj, 95, S. 62): Gehört nicht die ganze zivilisierte Welt zu diesem Stamm; sind nicht Film und Fernsehen ihre Initiationsrituale? Was hier offenkundig wird, die endgültige Trennung der optischen von der sprachlichen Kommunikation, hat mit der kopernikanischen Wende, dem astronomischen Ursprung des Inertialsystems, begonnen. Die Monologisierung der Kommunikation, die mit der Schrift begonnen hat, wird im Fernsehen vollendet. Die Entwicklung vom Leser, der den Dialog mit dem Autor verinnerlichte, zum Zuschauer, der dieses Dialogs nicht mehr mächtig, dem Bild ohnmächtig und hilflos preisgegeben ist, ist ein Beleg für das Hegelsche Theorem vom Umschlag von Quantität in Qualität. Fernsehen ist atheistisch; das „Wort zum Sonntag“ liefert den allwöchentlichen Beweis.
    Das Fernsehen ist ein Instrument der Vergesellschaftung jener Situation, die Edgar Morin einmal so beschrieben (und dann u.a. im Bilde des entwaffneten SS-Manns erläutert) hat: „Die Passivität des Zuschauers, seine Ohnmacht, versetzen ihn in eine verhältnismäßig regressive Situation: …, wir alle werden sentimental, empfindsam, wehleidig, wenn wir unserer Aktionsmöglichkeiten beraubt werden.“ (Der Mensch und das Kino, Stuttgart 1958, S. 109). Zum Film als gesellschaftliches Reflexionsmedium vgl. auch Eliot Weinberger: „Die Kamera-Menschen“ (Lettre Nr. 28) und Christina von Braun „Nicht-Ich“.
    Der Raum exiliert die Dinge aus der Gegenwart, er ist der Feuerofen, in dem das sinnlich Gegenwärtige zur Asche verbrennt.
    Das Freund-Feind-Denken schafft klare Fronten, aber es verwirrt die Urteilskraft. Wer kann noch sicher sein, daß die Freunde wirklich Freunde sind? Das Freund-Feind-Denken ist der Infektionsherd der Paranoia.
    War nicht der Streit um die homousia ein Streit um die Möglichkeit des Selbstbewußtseins in einer imperialen Gesellschaft? Die symbiotische Teilhabe am Caesarismus war der Ursprungspunkt der Geschichte der Vergesellschaftung von Herrschaft. In diesem Kontext ist die Theologie zu einer Phase in der Geschichte der Aufklärung geworden.
    Nicht Gott ist empfindlich, sondern die Gläubigen sind es. Der zweckrationale Kern des Glaubens ist die Idee des Absoluten, das Medium der Hybris in der Theologie.
    Die Kritik der Religion und ihrer Grundlagen ist so weit in die Religion hineinzutreiben, bis sie sich in einer vom Angesicht Gottes erleuchteten Welt wiederfindet. Das wäre zugleich die Lösung des Rätsels der Apokalypse.
    Findet der Blochsche Satz über die Guten und die Bösen am Ende des Geistes der Utopie nicht seine Auflösung in dem Satz vom Binden und Lösen?
    Wenn das Subjekt der Welt das Tier ist, was hat es dann zu bedeuten, wenn die Schlange das klügste aller Tiere ist?
    Die Welt brennt: Sie hat sich an den steinernen Herzen entzündet.
    Memoria passionis: Das heißt unfähig werden, das wahrgenommene Leiden anderer zu verdrängen. Das aber ist der Ursprungspunkt der Sensibilität, nicht der Empfindlichkeit.
    Das Prinzip des Wissens gründet in der Konvertibilität des vergangenen Sehens mit dem Sehen der Anderen. Bezieht sich hierauf nicht der Satz: „Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten, daß sie nackt waren“?
    Durch welche logische Konstruktion wurde das hebräische Perfekt in das griechische Perfekt umgeformt?
    „Denn während Juden Zeichen fordern und Griechen nach Weisheit fragen, predigen wir Christus den Gekreuzigten, für Juden ein Ärgernis, für Heiden aber eine Torheit, für die Berufenen selbst aber, sowohl Juden als Griechen, Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit.“ (1 Kor 122ff) Hat dieses „Ärgernis“ etwas mit den Ärgernissen in Mt 187 u. Lk 171f zu tun? Stehen die Sätze nicht in einer inversen Beziehung zueinander: gilt das Wehe in den Evangelien-Texten dem Wir im Paulusbrief?
    Wodurch unterscheiden sich die Präfixe von den Suffixen? Kann es sein, daß, während die Präfixe auf räumliche Beziehungen sich erstrecken (und mit der Entfaltung der Raumvorstellung sich differenzieren), im Ursprung und in der Funktion der Suffixe die fortschreitende Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit sich ausdrückt? So werden die indogermanischen Formen der Flexion durch Suffixe ausgedrückt (die in den modernen Sprachen dann weithin durch Hilfsverben ersetzt werden), während die semitischen Flexionsformen in der Vokalisierung sich manifestieren.
    Sein und Haben beziehen sich auf Perfektbildungen (auf die Vollendung der Vergangenheitsform), und zwar das Sein auf die reflexive, das Haben auf die objektbezogene Pefektbildung: Ich bin geworden, und Ich bin gewesen, aber Ich habe getan (und Ich habe gehört und Ich habe gesehen). Vgl. die Sequenz: Ich habe getan, ich bin schuldig geworden und ich schäme mich.
    Die Scham führt in die Isolationshaft des Gesehenwerdens: man erfährt sich als Objekt des Wissens anderer; der Schutz der Privatsphäre ist der Schutz vor diesem Zum-Objekt-des-Wissens-anderer-Werden. Die Materie ist die aufgedeckte Scham der Dinge (sie gehört zu den nackten Tatsachen).
    Ohne Ansehen der Person: Schließt das nicht die Kritik der Person als des Repräsentanten der Welt im Subjekt (dem Äquivalent des Dingbegriffs) mit ein, eine Kritik, die den Vorrang des Angesichts wiederherzustellen sucht.
    Die Entsühnung der Welt, das Hinwegnehmen der Sünden der Welt, steht in der Tradition des Alexander, der den Knoten nur durchschlagen, nicht gelöst hat.
    Die Beziehung der Sprache zum Objekt ist nicht nur eine äußerliche; diese Äußerlichkeit ist vielmehr in sich selber sprachlich vermittelt. Während es in der Philosophie die subjektiven Formen der Anschauung sind, ist es in der Theologie die Bekenntnislogik (und in ihr insbesondere deren opfertheologischer Grund), denen die Trennung beider sich verdankt. (Legitimation des Bestehenden, Theologie hinter dem Rücken Gottes, Konstitution des Weltbegriffs durchs Konzept der „Entsühnung der Welt“, Vorrang der Anschauung, Name und Begriff)

  • 22.3.1995

    Die Opfertheologie ist herrschaftsstabilisierend, weil die ihr zugrunde liegende Gottesvorstellung auf die blinde Hypostasierung der Macht sich gründet.
    In Antje Vollmers Begriff der „Bleilast der Moral“ drückt die politische Erfahrung einer christlichen Theologin sich aus, die Moral (auch politische Moral) nur als private Moral, als ein Problem der Gesinnung, kennt. Aber muß man erst PolitikerIn werden, um den Bruch, der Öffentlichkeit und Privatexistenz trennt und die christliche Theologie heute mehr denn je verhext, zu begreifen? Und was ist von einer Theologie zu halten, die Politik nur aus der Sicht der Privatexistenz glaubt begreifen zu können?
    Die Täter der Logik der Schrift: Ist der Begriff des Volkes nicht ein Produkt der Logik der Schrift, und ist es nicht dieser Begriff (und die ihm zugrunde liegende Idee der Schicksalsgemeinschaft), den der deutsche Name der Heiden projektiv verfremdet hat, nachdem der ursprüngliche Name des Volkes in dem der „Deutschen“ zum Eigennamen dieses Volkes geworden ist?

  • 16.3.1995

    Abgeschlossen und vollendet („perfekt“) ist im Indogermanischen nur die Vergangenheit. Das ist der Grund des Neutrum, der indogermanischen Formen der Konjugation, die an den Zeitablauf sich anlehnen, und nur so, nicht mehr unmittelbar, aufs Handeln sich beziehen, und der Steigerungsformen der Adjektive. Hier entspringt das Verdinglichungsgesetz, das dann als Inertialsystem von der Sprache sich ablöst, sie als „leeres, gereinigtes und geschmücktes Haus“ (als Ort der sieben unreinen Geister) zurückläßt.
    Die Wirkung dieses Verdinglichungsgesetzes hängt mit der Funktion und Bedeutung des Begriffs Sühne zusammen. Die Bemerkung eines (amerikanischen) Zeugen im Prozeß gegen Birgit Hogefeld (am 14.03.95), er habe mit seiner (offensichtlich falschen) Aussage „der Regierung und dem Recht“ einen Dienst erweisen wollen, verweist auf eine Logik, in deren Kern ein Begriff der Sühne steht, der fürs Strafrecht insgesamt grundlegend ist (und das Strafrecht mit der Logik des Objektivationsprozesses, mit der er durch den Begriff des Urteils verknüpft ist, verbindet). Dieser Logik liegt die Vorstellung einer gleichsam reinigenden Kraft der Sühne zugrunde. Hiernach hat die Sühne (und auf ihrem Grunde das Strafrecht) eine hygienische Funktion für den Gesellschaftskörper (Element einer Logik, zu deren wahnhaften Konsequenzen der Antisemitismus gehört, der u.a. dazu diente, die Sühne-Logik des Strafrechts gegen jede Anfechtung durch Empathie, durch Identifikation mit dem Angeklagten, abzuschirmen und zu stützen).
    Die Sühne-Logik konstituiert das Kausalprinzip in der sittlichen Welt (im Rahmen dieser Logik ist der Antisemitismus die Atomphysik des zugehörigen Welt- und Gesellschaftsbildes, zu dem u.a. auch der Begriff des Volkes gehört, der die Gesellschaft als Schicksalsgemeinschaft definiert, deren mythischer Kern in der Sühne-Logik gründet). Die Sühne-Logik ist eine völkische Logik.
    Das „Entsühnungs“-Konzept (die Entsühnung der Welt durch den Kreuzestod Jesu, Grund der Opfertheologie) hat den historischen Säkularisationsprozeß in der Theologie eröffnet; es ist u.a. eine Voraussetzung des Begriffs der Materie. Und es ist dieses Konzept, das dem Schein eine wesenskonstituierende Funktion gibt, und zu dessen eigenen Konstituentien die Hegelsche „List der Vernunft“ gehört (vg. Hegels Logik). Aber dieses Konzept zerstört zugleich – zwar schon in ihrer theologischen Fassung, in der mit ihr verbundenen Gottesvorstellung – die Idee der Barmherzigkeit in der Wurzel.
    Die Sühnelogik ist die Logik des Schuldverschubsystems, die auch die Bekenntnislogik mit ihren speziellen (Feigenblatt-)Effekten begründet.

  • 15.3.1995

    Die paradigmatischen Dimensionen eines Nomens sind Kasus, Numerus und Genus; nach Rix (Historische Grammatik des Griechischen, S. 107) beim Substantiv Kasus und Numerus, beim Adjektiv Kasus, Numerus, Genus und Gradus. Heißt das, daß das Neutrum über das Adjektiv sich gebildet hat (und der bestimmte Artikel gleichsam ein absolutes Adjektiv darstellt), und daß es zusammen mit dem Gradus (mit dem sprachlichen Äquivalent der hierarchischen Struktur) sich gebildet hat (vgl. Jürgen Ebachs Hinweis auf den Zusammenhang von Fleischessen und hierarchischer Gesellschaftsstruktur)? Gibt es einen sprachlogischen Zusammenhang der grammatischen mit den räumlichen Dimensionen (z.B. der Hierarchien in Kosmos und Gesellschaft: Ist die spätantike/frühmittelalterliche Engellehre sprachgeschichtlich und sprachlogisch determiniert, und dann zur logischen Grundlage des Feudalismus geworden)?
    Gründet die Bemerkung von Rix über die Dimensionen des Substantivs im Griechischen (zu denen er nur Kasus und Numerus, nicht das Genus zählt) darin, daß das Genus fürs Substantiv keine dimensionale Kategorie ist (jedes Substantiv hat ein Genus, aber anders als bei Kasus und Numerus und anders als das Adjektiv vermag es nicht alle drei Genus – m, f, n – zu durchlaufen)? Aber eignet nicht dem Genus gleichwohl eine quasidimensionale Struktur, die an der besonderen Funktion des Neutrum zu demonstrieren wäre: Ist nicht der Name des Substantiv ein Hinweis auf seine innere Neutralisierung, die an der Trennung des Nomens vom Objekt und der darin gründenden Transformation des Männlichen und Weiblichen in bloße Eigenschaften des Objekts sich erweist? Hier ist der Punkt, an dem Grammatik und Inertialsystem sich berühren (in der Depotenzierung des Namens, theologisch gesprochen: in der Entmächtigung des göttlichen Gebots). Liegt hier der Grund, weshalb im Deutschen die Logik der Kasus und die Zuordnung des grammatischen zum natürlichen Geschlecht willkürlich und zufällig erscheint (vgl. die entsprechenden Artikel in H. Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft)? Läßt der zugrundeliegende Sachverhalt sich aber nicht auch so verstehen, daß die Genus-Dimension das Substantiv nur von außen trifft, seine innere logische Struktur hingegen unberührt läßt? Welche Schlüsse lassen sich hieraus ableiten hinsichtlich der Beziehungen der grammatischen Dimensionen des Substantivs zu den Dimensionen des Raumes; oder in welcher logischen Beziehung steht das grammatische Substantiv zum räumlichen Ding? (Gibt es eine Beziehung des Taumelbechers, Kelch des göttlichen Zorns und des Unzuchtbechers zu Kasus, Numerus und Genus?)
    Wer sagt, Gott sei ein Substantiv, leugnet Gott.
    Spekulation und Reflexion sind beide optische Kategorien; sie reflektieren den Vorrang des Sehens vor dem Hören in der Geschichte der europäischen Aufklärung. Bezieht sich hierauf der Satz „Da gingen ihnen die Augen auf“ sowie auch sein Kontext (Vertreibung aus dem Paradies und Ursprung der Scham, die Fähigkeit, sich in den Augen der anderen wahrzunehmen); bezeichnet auch die Paradies- und Sündenfall-Geschichte einen sprachgeschichtlichen (und sprachlogischen) Vorgang? Ist nicht die Fähigkeit, sich in den Augen der anderen wahrzunehmen, der logische Kern der grammatisch entfalteten Sprache, auf den auch die Mathematik, die zugleich von dieser Fähigkeit abstrahiert (ihren eigenen Grund „leugnet“), zurückweist. Mathematik und Scham: Die Mathematik hat den Blick des andern ins eigene Innere mit aufgenommen; so glaubt sie, ihm zu entkommen, während sie gerade dadurch unentrinnbar in ihn sich verstrickt. Die Mathematik (und die Physik als Emanation der Mathematik) ist Ausdruck der Logik dieser Verstrickung (oder das irre Herumlaufen im Käfig der verstummten Sprache). Der gleiche Vorgang drückt im Ursprung der Schrift und in der Logik der Schrift sich aus: Mit der Schrift sind dem Menschen „die Augen aufgegangen“.
    Ist nicht der Unzuchtsbecher, dessen einzelne Momente schon bei Ezechiel auftreten, der Hinweis darauf, daß das Keuschheitsgebot ein politisches Gebot ist, das dann durch die Logik des Weltbegriffs privatisiert worden ist? Die (reale und die Sprach-) Geschichte dieser Privatisierung wäre zu demonstrieren anhand der kirchlichen Geschichte von der Pornokratie zur Pornographie, die die Geschichte einer Befreiung und einer Verstrickung zugleich war. Im Kontext dieser Geschichte müßte der gesamte Problembereich von der Pseudepigraphie über die Fälschungen im Mittelalter, von der Reorganisation der Kirche durch Zölibat, Ohrenbeichte, Inquisition bis hin zum steinernen Herzen der Welt, zu dem die Kirche heute geworden ist, sich durchsichtig machen lassen.
    Definition des Katholizismus: Verweltlichung durch Sakralisierung.
    Wenn einer einen auf Praxis abzielenden humanen Impuls in die Philosophie gebracht hat, dann war es Max Horkheimer, und das ist einer der Gründe, weshalb er am Ende kein „Werk“ mehr geschrieben hat.
    Die Geschichte der drei Leugnungen beschreibt genau die Entfaltung der inneren Beziehungen der Theologie zur Logik der Schrift. Diese Geschichte gehört zur Geschichte der „Erfüllung der Schrift“.
    Mit der Vergesellschaftung von Herrschaft ist das hierarchische Moment im Begriff der Herrschaft nur verdrängt, nicht aufgehoben worden: Jeder will oben sein. Diese Logik liegt der gesamten Geschichte des Sports seit den Wettkämpfen in Olympia zugrunde.
    Im Hebräischen gibt es keine Steigerung der Adjektive; die Steigerungsformen der Adjektive sind zusammen mit dem Ursprung des Neutrum entstanden. Die Steigerung der Adjektive gründet in einer Form des Vergleichs, für die es im Hebräischen noch keine Grundlage gab, die erst im Kontext der Bildung des Neutrum (oder mit der Bildung des Neutrum als Preis) möglich war.
    Das „gut“ und „sehr gut“ (gut gar sehr) im biblischen Schöpfungsbericht ist keine Vorstufe dieser Steigerungsform, sondern eine Entsprechung der Beziehung von Imperfekt und Perfekt: „Gut gar sehr“ ist das Vollendete (und gar sehr ist der Tod; aber stark wie der Tod ist die Liebe). Die Steigerungsformen im Griechischen sind das Produkt der Neutralisierung der Beziehung von Unvollendetem und Vollendung. Sie gehorchen der gleichen Logik, der die Verwandlung der Barmherzigkeit in Hysterie sich verdankt. Die Steigerungsformen in den indoeuropäischen Sprachen sind Folgen einer Logik, die das Unvergleichliche vergleichbar, das Ungleichnamige gleichnamig macht. (Ähnlich macht die Logik des Geldes das Unvergleichliche vergleichbar, während sie über den eingebauten Gewinnmechanismus, das Konkurrenzprinzip, das Handeln dem Rekordtrieb unterwirft.)
    Die Steigerungsformen sind der sprachliche Reflex des Konkurrenzverhältnisses, in dem die Hierarchie in der Gesellschaft gründet. (Es stimmt nicht, daß Rix in seiner Historichen Grammatik des Griechischen nichts über den Ursprung des Neutrum sagt; sein Werk handelt von nichts anderem.)
    Hat nicht auch der Zusammenhang der nicht-vegetarischen Lebensweise mit hierarchischen Strukturen in der Gesellschaften seinen sprachlichen Grund in der gleichen Konstellation, der die Steigerungen des Adjektivs sich verdanken? Wäre nicht in dieser Konstellation die Logik dieses Zusammenhangs zu bestimmen? Und gründet nicht in dieser Logik das opfertheologische Mißverständnis der Eucharistie (das dann zum begriffsgeschichtlichen Grund des modernen Dingsbegriffs geworden ist)?
    Im Christentum ist das Stier- und Rindopfer abgeschafft worden, während die Auslösung der Erstgeburt des Esels durch das Lamm zum Kern der Theologie geworden (ähnlich wie die Auslösung des Erstgeborenen der Armen durch die Taube, die dann jedoch schon früh verdrängt worden ist).
    Hat die Tradition der Eucharistie etwas mit den mysterienkultischen Ursprüngen der Mysterientheologie zu tun, insbesondere unter dem Gesichtspunkt, daß die Mysterienkulte hauptsächlich im Militär üblich und gebräuchlich waren?
    Das Tier aus dem Meer und das Tier vom Lande: Bezieht sich das Meer auf die Vergangeheit, die uns beherrscht, und das Land auf die Vergangenheit, auf der wir stehen?
    Gibt es zu gesinnt und gesonnen noch andere vergleichbare Bildungen (wie verwirrt und verworren)?

  • 10.3.1995

    Namen:
    Wer sind die Zebedäussöhne, wer ist Alphäus (Jakobus, Levi?), Thaddäus (Judas?)? Was bedeuten die griechischen Namen (Andreas, Philippus)? Wer ist Nathanael (aus Kana), hat er etwas mit Simon Kananäus zu tun? Wer ist die Mutter der Zebedäussöhne (wer war Salome?), wer war die Schwiegermutter des Simon Petrus? Was bedeuten die Namen Petrus/Kephas (Simon Barjonas), Paulus (Saulus)? Was heißt Iskarioth (Judas, der ihn verraten hat)?
    Die Apostel in den Evangelien:
    Mt Mk Lk Joh Apg
    Simon (Pt) Simon (Pt) Simon (Pt) Simon (Keph) Petrus
    Johannes Johannes Johannes Zeb.söhne Johannes
    Jakobus Jakobus Jakobus Zeb.söhne Jakobus
    Andreas Andreas Andreas Andreas Andreas
    Philippus Philippus Philippus Philippus Philippus
    Thomas Thomas Thomas Thomas (Zw) Thomas
    Bartholom. Bartholom. Bartholom. ) Bartholom.
    Matthäus Matthäus Matthäus ) ?? Matthäus*
    Jak. (Alph) Jak. (Alph) Jak. (Alph) ) Jak. (Alph)
    Simon (Kan) Simon (Kan) Simon (Eif) ) Simon (Eif)
    Thaddäus Thaddäus Judas (Jak) Judas (n.I.) Judas (Jak)
    Jud.Isk. Jud.Isk. Jud.Isk. Jud.Isk. — (Matthias)
    Nathanael (aus Kana)
    * Matthäus, der Zöllner, bei Mk und Lk auch Levi.
    Wer sind die Cherubim:
    – der Cherub mit dem kreisenden Flammenschwert vorm Eingang des Paradieses,
    – die Cherubim im Allerheiligsten des Tempels (die Träger des Gottesnamens und der Herrlichkeit Gottes)
    – in der Merkaba-Vision des Ezechiel (mit den vier Gesichtern – Stier, Löwe, Adler und Mensch -, den Flügeln und Rädern, den Augen), sie tragen den Thron Gottes („der Himmel ist sein Thron“).
    – Erscheint mit den Cherubim zum erstenmal der Name des Menschensohns (bei Ezechiel)?
    – Sind die Cherubim die ersten Objekte der Sprachvision?
    – Was bedeuten die vier Gesichter, die Flügel, die Räder, die Augen, in welcher Beziehung stehen sie zum Flammenschwert?
    – Sind die Cherubim die Instrumente des Aufspannens („Er hat die Erde gegründet und den Himmel aufgespannt“)?
    – Sind die Cherubim, die „überall Augen“ haben, Verkörperungen des Gegenblicks, die andere Seite des Gesehenwerdens: die kosmischen Entsprechungen der Scham nach dem Sündenfall, der Inbegriff dessen, wovon der Raum als „Form der Anschauung“ abstrahiert (in welcher Beziehung stehen sie zu den „sieben unreinen Geistern“)?
    Der Raum ist einäugig wie der Polyphem. Was bedeutet der Name Polyphem (hängt das -phem mit phemi, ich sage, zusammen: ist die Einäugigkeit ein Konstituens der Sprachverwirrung)?
    Oculi omnium in te sperant, Domine: Hat das etwas mit den Augen der Cherubim zu tun; sind die Augen der Cherubim die Augen aller?
    Der Mythos verhält sich zur Wahrheit wie die Häresie zur Orthodoxie, und das auch in dem Sinne, daß auch in ihm, im Mythos wie in den Häresien, der Schlüssel zur Wahrheit liegt, auch wenn er sie nicht „enthält“. Der Mythos enthält – wie auch die Häresien – die entstellten Gestalten des Vergessens.
    Der Mythos ist die durchs Prinzip der Anschauung stillgestellte Kosmogonie. Hinter der mythischen Anschauung bildete sich die Schicksalsidee (als Abspaltung des projektiven Elements im Mythos). Deren Erbe ist der die begriffliche Erkenntnis und mit ihr die Objektivierung und Instrumentalisierung der Dinge legitimierende Weltbegriff. Diese Beziehung von Begriff und Objektivierung (der Begriff als die subjektive Form des Stands der Objektivierung) im Weltbegriff begründet die Selbstlegitimation des Bestehenden im Prozeß der Aufklärung. Der Weltbegriff bezeichnet den jeweils aktuellen Stand des Säkularisationsprozesses und begründet dessen Selbstlegitimation. Darin, in dieser Selbstlegitimation (in ihrem kollektiven Exkulpationseffekt), liegt das Wesen der Aufklärung.
    Wer das Resultat der Naturwissenschaften für die Wahrheit hält, ist wie einer, der die Mühle anbetet, weil sie Mehrwert produziert, aber das Mehl und das Brot nicht mehr wahrnimmt. Überzeitlich, das „Bleibende“, ist das Geld, die Gebrauchswerte hingegen sind vergänglich. Aber war nicht das Vergängliche seit je das Wesentliche?
    Ich werde das steinerne Herz durch ein fleischernes ersetzen. Was daraus geworden ist, kann man dem Kirchenlied entnehmen:
    „Mach unser Herz von Sünden rein,
    damit wir würdig treten ein
    zum Opfer Deines Sohnes.“
    Was hat der (moralische) Anstand mit dem Anstand des Jägers zu tun? Bezeichnet nicht der moralische Begriff des Anstands die Reduktion der Moral auf die Sexualmoral? Anständig ist, wer sich in sexualibus nichts zuschulden kommen läßt. Deshalb konnte Himmler vor dem Mordpersonal in Auschwitz vom Anstand reden. Findet hier nicht der jagdtechnische Begriff des Anstands (hatten nicht die Wachtürme auch dieses Anstandsfunktion?) seinen Bezugspunkt? Hat nicht der Anstand etwas mit dem Anstehen und der Schlange zu tun? Oder, auf eine kurze Formel gebracht: Der Anstand verknüpft den Mord mit der verdrängten Lust zur Mordlust. – War nicht die kirchliche Sexualmoral eine der Voraussetzungen der fürchterlichen Kriege und Verfolgungen in der christlichen Ära? Sich an anderen dafür rächen, was man sich selbst versagen muß: Das Schuldverschubsystem ist die Seele des apokalyptischen Tieres.
    Auschwitz, eine Folge des Wiederholungszwangs, unter den die Christen geraten sind, nachdem sie die Frage, vor die sie durch den Kreuzestod gestellt waren, falsch beantwortet hatten.
    Die Staatsmetaphysik, die im anklagenden und richtenden Prinzip wurzelt, ist das Instrument der Sprachverwirrung. In der Geschichte vom Turmbau zu Babel bezeichnet das Niederfahren Gottes den Ursprung des Staates. Niedergefahren ist die Linke Gottes.
    Die Anpassung an die Welt, oder das Sichverstecken im Andersein, im Nicht-Ich, ist im Konzept der „Entsühnung der Welt“ institutionalisiert worden. Dieses Entsühnungskonstrukt ist die Geschäftsgrundlage ist die Geschäftsgrundlage der kirchlichen Gnadenverwaltung (der Theologie als Verwaltungswissenschaft: als Theologie hinter dem Rücken Gottes).
    Die sieben Siegel und die Auflösung des projektiven Erkenntnisbegriffs.
    Die sieben Wunder im Johannes-Evangelium:
    – Hochzeit zu Kana (21),
    – Heilung des Sohns des königlichen Beamten in Kapernaum (446),
    – Heilung eines seit 38 Jahren Kranken am Teich Bethesda in Jerusalem (53),
    – die Speisung der Fünftausend am jenseitigen Ufer des Sees von Tiberias (61),
    – Jesus wandelt auf dem See (616),
    – Heilung eines Blindgeborenen am Sabbath (91),
    – Auferweckung des Lazarus (111).
    In Rosenzweigs Stern der Erlösung sind Gott Mensch Welt Grenzbegriffe der Vorwelt (der Wachs, aus dem die sieben Siegel gefertigt sind?).
    Das Konzept der Entsühnung der Welt ist die theologische Legitimierung der Selbstlegitimation des Bestehenden, damit zugleich die Tabuisierung der Kritik.
    Während das Armutsgebot eindeutig ist, sind die beiden anderen evangelischen Räte (Gehorsam und Keuschheit) unterm Bann des Weltbegriffs zum Gegenteil dessen geworden, was sie ursprünglich meinten.
    Ist nicht das, was Drewermann und fast die ganze Theologie vor ihm den „jüdischen Rachegott“ nennt, eigentlich das Instrument gegen den Rachetrieb (indem sie die „Rache“ Gott überantwortet); und hängt das „Mißverständnis“ nicht mit der unaufgearbeiteten Vergangenheit, konkret mit Auschwitz, zusammen?

  • 9.3.1995

    Umkehr: Die Frage ist nicht, ob man nach Auschwitz noch beten kann, sondern was es heißt, nach Auschwitz zu beten. In der heutigen Morgenpredigt, in der der Theologe die Frage von J.B. Metz zitierte, wurde die Frage nach Versöhnung an das Opfer statt an die Täter gerichtet. Und den Opfern, nicht den Täter wurde Verhärtung, die Versteinerung der Herzen unterstellt. Vgl. aber Mk 1125 und Mt 524. Steht unsere Theologie sich hier nicht selber im blinden Fleck?
    Nicht eine narrative Theologie – die Zeit des Erzählens ist vorbei -, sondern begreifen, daß in der Haggada die Prophetie sich verbirgt.
    Verhalten sich nicht die Naturwissenschaften zur Wahrheit wie das Recht zur Gerechtigkeit? Darin ist die Notwendigkeit einer Kritik der Naturwissenschaft begründet.
    Anmerkung zu Heinsohn: Gibt es nicht auch einen islamischen Antisemitismus, mit gleichem Effekt, aber ohne Menschenopfertradition?
    Was bedeutet es eigentlich,
    – wenn die Hure Rahab die Kundschafter des Jesus (wie Flavius Josephus den Josue nennt) vor der xenophoben Verfolgung durch den König von Jericho schützt,
    – wenn die Tamar durch den Verkehr mit dem Schwiegervater den Stammbaum Davids und Jesu begründet,
    – wenn Jericho gegen das Verbot, es wieder aufzubauen, nur wieder aufgebaut werden kann durch das Opfer des Erstgeborenen und des Jüngsten?
    Die Sekten sind die letzte Gestalt der Häresie. Sie erinnert die Kirche daran, daß sie endlich die Apokalypse begreift und sie denen entreißt, die sie als Angstgenerator benutzen, um die Schäflein in ihre eigenen profitablen Hürden zu treiben. Es gibt fatale Ähnlichkeiten (bis hin zur Identität) heute zwischen den Methoden, mit denen Sekten neue Mitglieder werben, und der Kundenwerbung unseriöser Wirtschaftsunternehmen.
    Sind nicht die theologischen Mucken der Waren die Geschäftsgrundlage der Sekten; und sind sie nicht solange wirksam, wie sie nicht in die theologische Reflexion mit aufgenommen werden?
    Ebenso wie das Selbsterhaltungsprinzip und das Eigeninteresse ist auch das Inertialsystem ein Vorurteilsgenerator und eine Verdrängungsmaschine. Der naturwissenschaftliche Blick auf die Dinge gründet in einer Tradition, die in den Naturwissenschaften sich vollendet: in der Tradition der Anschauung. Fällt dieser Blick nicht unter das Ezechiel-Wort: „Mein Auge soll nicht gütig blicken, und ich will mich nicht erbarmen“ (Ez 818 u.a.).
    Ist nicht durch die kleine Differenz, die das Anschauen vom Schauen, von der Vision, unterscheidet, indem sie das Schauen von seinem sprachlichen Grund trennt, der Quellpunkt der Unbarmherzigkeit? Ist nicht das Anschauen der mitleidlose, nur dem Eigeninteresse gehorchende Blick? Die Anschauung Gottes macht Ihn verstummen; sie macht den Anschauenden blind und lähmt ihn.
    Das Anschauen ruft, mit der Objektivation des Angeschauten, hinter seinem Rücken die „Form der Anschauung“: den Kelch (den Taumelbecher, den Kelch des göttlichen Zorns und den Unzuchtbecher) hervor. Die durch die Form der Anschauung veränderte Sprache ist der Inhalt des Kelchs. Während nur fürs Schauen der „Himmel sich öffnet“, ist es das Anschauen, das ihn verschließt. Die „Wörtlichkeit“ des Fundamentalismus steht (seit dem „ad litteram“ des augustinischen Genesis-Kommentars) unter dem Bann (den Gesetz) dieses Anschauens (des Kelchs). Paulus, der nicht den Himmel offen sah, sondern „in den dritten Himmel entrückt“ war, steht am Anfang, an der Wasserscheide dieser Geschichte. War nicht Stephanus, an dessen Mord Saulus beteiligt war, der Letzte, der den Himmel offen (und „den Sohn des Menschen zur Rechten Gottes“) sah (Apg 755)? War der Mord an Stephanus (dessen am zweiten Weihnachtstag gedacht wird) das Zwischenglied zwischen dem Kreuzestod und der Opfertheologie?
    Hat das Präfix Er- in Begriffen wie „Erscheinung“ etwas mit dem Personalpronomen der dritten Person m. sing. zu tun? Im Begriff der Erscheinung steckt die Reflexionsbeziehung zu den Formen der Anschauung mit drin.
    Bezeichnet nicht der Begriff der Weltanschauung den Unzuchtsbecher? Gegenstand der Anschauung ist das Naturobjekt; so macht die Weltanschauung die Welt zu einem Naturobjekt, damit aber zu einem Herrschaftsobjekt. Jede Weltanschauung ist ihrer eigenen Logik nach ein Instrument der Weltherrschaft (mit ebenso destruktiven wie nekrophilen Konsequenzen: nicht zufällig war der erste „Weltanschauungskrieg“, der gegen „den Bolschewismus“, ein Vernichtungskrieg).
    Karl Kraus hat einmal auf die Beziehungen zwischen der Phrase und ihren blutigen Folgen hingewiesen. Die schlimmsten Dinge künden sich in der Sprache an, und wer die nötige Sensibilität besitzt, nimmt sie wahr, bevor sie eintreten (Beispiel: die „Dritte Walpurgisnacht“ von Karl Kraus). Wäre nicht endlich das homologein aus seiner verdinglichten Bindung ans „Bekenntnis“ herauszulösen und als Sprachsensibilität zu begreifen? Das „Bekenntnis des Namens“ wird so zum Inbegriff der Nachfolge. Im Namen wird der Indikativ zum Imperativ, das Sein zum Handeln, die Ontologie zur Ethik. Im Namen gründet die eingreifende Qualität der Erkenntnis, durch die sie über das Wissen hinausweist. Diese Erkenntnis begnügt sich nicht mehr mit „überzeitlichen Wahrheiten“, sie sucht in den Zeitkern der Wahrheit einzudringen, in dem sie Anteil an der Prophetie gewinnt. Das ist in der Schrift mit Gotteserkenntnis gemeint, die so mit der Erfüllung des Worts konvergiert. Ihr Organ wäre eine Theologie, die frei im Angesicht Gottes statt unter den von der Welt aufgezwungenen Rechtfertigungszwängen hinter seinem Rücken sich bewegt. Hierauf bezieht sich das Wort vom Binden und Lösen (Mt 1619 und 1818).
    Die Söhne Leas (der Kuh) waren Ruben, Simon, Levi, Juda, Issachar und Sebulon, die Söhne Rahels (des Mutterschafs): Josef und Benjamin.
    Jericho: Welcher König hat Jericho wieder aufgebaut, und kommt in den Evangelien, außer in der Geschichte vom barmherzigen Samariter, Jericho noch einmal vor?
    Zwei Stellen aus Büchners „Lenz“:
    – „Aber ich, wär ich allmächtig, sehen Sie, wenn ich so wäre, ich könnte das Leiden nicht ertragen, ich würde retten, retten“ (S. 106) und
    – „… und mit dem Lachen griff der Atheismus in ihn und faßte ihn ganz sicher und ruhig und fest“ (S. 100).
    Was Hegel so gelassen niederschreibt: Das Eine ist das Andere des Anderen, ohne die Gewalt dieses Andersseins zu reflektieren, führt genau in den leeren Kern des Weltbegriffs (in das darin sich reflektierende Verhältnis von Lachen und Schrecken). Die Dialektik von Lachen und Schrecken läßt sich an der Ästhetik des modernen Kirchenbaus demonstrieren, wenn im Innern die Ornamente und die Fresken verschwinden und die Außenwand nach innen gekehrt wird, so als wäre die Differenz der kirchlichen Innenwelt gegen die Außenwelt (gegen Ökonomie und gegen die durch Naturbeherrschung definierte Natur) aufgehoben, die Außenwelt zur alles beherrschenden Macht geworden.
    Die Geschichte der Barmherzigkeit hat die zivilisationsbegleitende Phase, ihre Metamorphose in der Hysterie, mit Freud beendet, aber so, daß sie zu einer strukturellen Bestimmung der Objektivität selber geworden ist: Die Geschichte ist in ihre faschistischen Phase eingetreten. Nachdem die Hysterie in der Gestalt psychosomatischer Erkrankungen den Frauenkörper durchwandert hat, hat sie als Lüge die Dingwelt ergriffen.

  • 8.3.1995

    Der Plural majestatis ist ein Produkt der Logik der Schrift. Durch die Monologisierung der Sprache (eine Folge der Logik der Schrift) wird sie zum Selbstgespräch. Ein König hat Berater, aber entscheiden muß er für sich (dieser Satz scheint eine conditio des autoritären Charakters zu sein, der wie die Majestät, dialogunfähig ist).
    Scheler hat das Paradigma einer Religionsphilosophie geliefert, deren Grundlage die theologischen Mucken der Ware sind.
    Die Prophetie ist der Eckstein, den die Bauleute verworfen haben.
    Die Grundlage des theologischen Satzes von der Erhaltung der Welt ist nicht die Form des Raumes (das Inertialsystem), sie liegt in der Konstruktion des Himmels verborgen.
    Was bedeutet es, wenn nach islamischer Tradition Gott jeden Tag die Welt neu erschafft? Wie verhält sich der islamische Schöpfungsbegriff zum biblischen Schöpfungsbericht (insbesondere zum siebten Tag)?
    Haben das tohu wa bohu und die Finsternis über dem Abgrund und der Geist Gottes, brütend über den Wassern, etwas mit den drei abrahamitischen Religionen zu tun, mit Judentum, Islam und Christentum (jeweils in dieser Reihenfolge)?
    Eine Kritik des Ansatzes der Kant-Laplaceschen Weltentstehungs-Theorie würde auch deren moderne Derivate (Urknall und schwarzes Loch) treffen.
    Der Orion und die Plejaden: Sind sie die Reflexion des Planetensystems am Fixsternhimmel?
    Die Naturwissenschaften rücken die Welt in die Perspektive des Eigeninteresses. Aber dieses Eigeninteresse steht unterm Bann der Äquivalenz von Einzelnem und Allgemeinem (der Beziehung von Privateigentum und Staat). Das Gewaltmonopol des Staates und der Nationalismus (das logische Fundament der Privateigentums-Gesellschaft) gehorchen einer Logik, die in den Naturwissenschaften gegen die Natur sich richtet. Kein Zufall, daß die Objektivation der Natur zu Beginn sowohl der alten als auch der neuen Geschichte mit der Astronomie anhebt (als Legitimationswissenschaft des Staates: Newtons „absoluter Raum“ war einer der logischen Gründe des politischen Absolutismus: der Privatisierung der Herrschaft).
    Die kopernikanische Wende hat die „Völker, Stämme, Sprachen und Nationen“ im Begriff der Nation kontrahiert (und neutralisiert): Die rassistische Wendung der Sprachwissenschaft (die Rückführung der indogermanischen Sprachen auf eine indogermanische Rasse) gründet in dieser Logik. Die sprachgeschichtliche Aufklärung des zugrunde liegenden Sachverhalts wird erst möglich sein, wenn es gelingt, den sprachlogischen Grund der indogermanischen Sprache zu entschlüsseln.
    Einstein hat die im Relativitätsprinzip verkörperte Beziehung von Bewegung und Ruhe neu definiert und durchs Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit konkretisiert. Das Licht, nicht der Raum definiert die Dauer, von der Folge und Zugleichsein (die anderen Attribute der Zeit) unterschieden werden müssen. Nicht mehr zu halten ist das im Raum verkörperte Moment des Zugleichseins, zumindest in dem Sinne, in dem es Vergangenheit und Zukunft von sich (vom Präsens) ausschließt, den Raum zur Wasserscheide der durchs Inertialsystem äqualisierten (zum Zeitkontinuum verräumlichten) Dimensionen der Zeit macht. Das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit ist die Rache der Asymmetrie von Zukunft und Vergangenheit an der homogenisierten Zeitvorstellung. Es gibt ein Zugleichsein mit dem Vergangenen (die auch die zukünftige Vergangenheit umgreift): das Überzeitliche, und mit dem Zukünftigen (auch der vergangenen Zukunft): die Idee des Ewigen.
    Hat der Satz über die „Lichter … an der Feste des Himmels“: „sie sollen als Zeichen dienen und zur Bestimmung von Zeiten, Tagen und Jahren“ (Gen 114), etwas mit den Zeichen an Hand und Stirn (in Ex 131ff, 1311ff, Dt 64ff und 1113ff) und haben beide etwas mit den Zeichen an Hand und Stirn in Off 1316 zu tun? Hat die kopernikanische Wende das Zeichen an Stirn und Hand geheftet (sowohl Kopernikus als auch Newton waren Geldtheoretiker), und hat dieses Zeichen etwas mit dem Zeichen des Kain zu tun?
    Der Traum von einer Laientheologie, den ich mit einigen Freunden während des Theologiestudiums kurz nach dem Krieg geträumt habe, war ein Nebukadnezar-Traum: Ich mußte den Traum erst finden, um ihn dann deuten zu können.
    Heute morgen eine Karikatur in der FR, zum Welt-Frauentag: ein Globus mit dem Abdruck eines Kußmundes. Angesichts der Zustände, an die dieser Tag erinnern soll, schlicht eine Geschmacklosigkeit. Aber erinnert es nicht an das Problem der Schiller-Beethovenschen Ode an die Freude: Auch hier gibt es „diesen Kuß der ganzen Welt“, und das im Kontext einer schrecklichen (dazu anatomisch unmöglichen) Vision: Alle Menschen werden Brüder. Wäre es nicht an der Zeit, daß endlich alle Brüder Menschen werden?

  • 7.3.1995

    Apologetik gibt es nur im Kontext der Bekenntnislogik, die von Grund auf dogmatisch strukturiert ist. Deshalb gibt es keine Apologetik ohne projektives Moment. Genau das ist der Knoten, der zu lösen wäre.
    Fällt der theologische Gebrauch des Begriffs der Stellvertretung nicht auch unter den Satz von Rind und Esel (beruht er nicht auf der Verwechslung von Joch und Last)? Ich trage Mitschuld an den Sünden der andern, kann aber meine Sünden nicht andern anlasten. Bezieht sich darauf nicht der Begriff der Geiselhaft bei Levinas? Die Übersetzung von Joh 129, wonach das Lamm die „Sünden“ der Welt „hinweggenommen“ hat, beruht auf dieser Verwechslung: Das Lamm hat die Sünde der Welt auf sich genommen. Mit der kirchenüblichen Übersetzung ist ein Anfang gesetzt, dessen bitteres Ende Hitler war.
    Die Kirchen sollten im Ernst ihren Erlösungsbegriff überprüfen. Wenn Luther die Söldner für rechtfertigungsfähig hält, wenn sie das, was sie tun, nur ohne egoistisches Interesse tun (sondern nur im Interesse der Wahrung der staatlichen Ordnung), wäre dann nicht auch Hitler der Rechtfertigung würdig?
    Die kirchliche Erlösungslehre, das Konstrukt der „Entsühnung der Welt“ durch den Opfertod Jesu, hat dadurch, daß sie zur Entzauberung der Welt beigetragen hat, zugleich den Menschen aus der Welt, die unabhängig von ihm vorhanden ist, herauskomplimentiert, ihn eben dadurch aber auch an die Welt gebunden. Mit der kopernikanischen Wende wurde diese Logik auch auf die Natur ausgedehnt; an dieser Stelle entspringt der Dingbegriff (der apriorische Objektbegriff und der transzendentale Apparat). Heute, in der nachhegelschen Ära des Positivismus, wird das Subjekt aus dem Wissen herauskomplimentiert: verliert es seinen objektiven Grund. Alle drei Formen der Befreiung waren zugleich Formen der Bindung. Die ersten beiden Formen der Befreiung und Bindung konnten durch Vätertheologie und Scholastik theologisch aufgefangen werden, die dritte kann es nicht mehr. Zur dritten gehört die ergänzende Bemerkung, daß mit dem wachsenden Rechtfertigungsbedarf und -zwang auch das destruktive Potential der Bekenntnislogik wächst.
    Ist nicht die Rechtfertigungslehre eine Emanation der apologetischen Logik (unter den veränderten weltgeschichtlichen Bedingungen der beginnenden Aufklärung)?
    Heute morgen eine Notiz in der FR: Einige Prähistoriker beschweren sich darüber, daß die in den Schulen genutzten Lehrbücher nicht auf dem gegenwärtigen wissenschaftlichen Stand seien; so werde z.B. in einem Lehrbuch das Alter der Neandertaler mit 800 000 statt 600 000 Jahren angegeben. Sollten nicht, anstatt die „Ergebnisse“ zu dogmatisieren, die Methoden, die zu diesen Ergebnissen geführt haben, und die Kriterien, die der Ermittlung zugrundegelegt wurden, offengelegt und diskussionsfähig gehalten werden? Und gilt dieser Hinweis nicht auch für naturwissenschaftliche Theorien wie die über den Urknall, das Alter des Universums oder die „schwarzen Löcher“, ja eigentlich schon das Gravitationsgesetz, die Optik, die gesamte Atomistik?
    Gemeinheit ist kein strafrechtlicher Tatbestand: Hört sie damit nicht auch auf, Gegenstand der Diskriminierung zu sein? und Läßt sich daraus nicht heute schon fast eine Rechtfertigung der Gemeinheit herleiten (insbesondere im Bereich der Strafrechtspflege: und hier vor allem in den Knästen und im Bereich der Staatsschutz-Rechtsprechung)? In welcher Beziehung steht dieser Tatbestand (und mit ihm das Recht insgesamt) zum Satz über Rind und Esel?
    Gibt es nicht im Staatsschutzbereich bereits offenkundige Fälle der Komplizenschaft, der rechtlich nicht mehr überprüfbaren Zusammenarbeit von Staatsschutzsenaten, Bundesanwaltschaft, Bundeskriminalamt und den anderen Staatsschutzbehörden wie BND und Verfassungsschutz?
    Führt nicht heute der Versuch, den Rechtsstaat mit Hilfe der Idee der Gerechtigkeit zu begründen, in unauflösbare Probleme?
    Wäre es nicht aufschlußreich, wenn man einmal alle Geschichte, in denen Petrus, Jakobus und Johannes zusammen auftreten, sich anschauen würde (dazu gehören insbesondere die Verklärungsgeschichte und Getsemane)?
    Unterscheidung des Ewigen vom Überzeitlichen: Wäre es nicht an der Zeit, den Schelerschen Titel („Die Idee des Ewigen“) daraufhin zu überprüfen?
    Waren nicht die Tempel seit je realsymbolische Bilder des Himmels und zugleich Grabstätten des toten Gottes (hat die Eucharistie etwas mit den Pyramiden und den Pharaonen zu tun)?
    Wenn heute die Neigung besteht, vorgeschichtliche Grabstätten und Begräbnisriten (bis hin zu den Pyramiden) als frühe Dokumente der Unsterblichkeitslehre anzusehen, wäre es dann nicht notwendig, auch den prähistorischen Kontext dieser Dokumente mit hereinzunehmen?
    Tatsachenwissen ist fallbezogenes Wissen. Heute – und eigentlich gilt das schon für die Situation, in der Wittgenstein seinen logisch-philosophischen Traktat schrieb – ist der Fall nicht mehr ein Problem der Welt, sondern eines des Wissens.
    Der Antijudaismus leugnet den Dank (den Namen Judas), der Antisemitismus die Kraft des Namens (den Namen Sems). Sind nicht beide Formen der Halsstarrigkeit, die die Schrift im Symbol des Esels sieht?
    Ochs und Esel hat erst das Mittelalter der Krippe hinzugefügt; bei Matthäus sind es nur die Hirten, die zur Krippe eilen.
    Erst mit der Trennung des Gebots von seiner Innenseite, von den göttlichen Verheißungen, wird die Last des Gebots zum Joch des Gesetzes. Es ist das gleiche Verhältnis, das die sinnliche Welt von der Welt der durchs Inertialsystem (durchs System der Naturgesetze) vermittelten „Erscheinungen“ trennt.
    Eine sanfte Kritik an Emanuel Levinas: Die Attribute Gottes stehen sehr wohl im Indikativ, nur: dieser Indikativ ist ein Imperativ.

  • 6.3.1995

    Die Sünde Hitlers: Das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt („die Welt entsühnt“), ist das nicht der Wolf?
    Zur Logik der Schrift: Dem Autor geht es wie dem Fernsehmoderator: Er sieht und hört seine Leser nicht, aber sie sehen und hören ihn.
    Jede Wand hat eine Rückseite: Darin liegt der Grund der Mathematik. Und wenn in modernen Kirchen die Rückseite nach innen gekehrt wird, so ist das ein Indiz für den Grad der Versteinerung des Herzens.
    Setzt die Verdrängung der Vergangenheit nicht an dem Punkt ein, an dem das Bewußtsein, daß diese Vergangenheit (und zwar nicht nur, aber vor allem das prophetische Wort) uns richten wird, unerträglich wird? Jetzt richtet uns die verdrängte Vergangenheit (die „Sünde der Welt“). Das Produkt dieser verdrängten Vergangenheit ist die verinnerlichte Scham, und deren kosmisches Korrelat die Feste des Himmels.
    Der Begriff einer historischen Naturkatastrophe ist real und paradox zugleich: Wenn es so etwas gibt, ist es eben keine Naturkatastrophe.
    Gewinnen die neutestamentlichen Texte, die auf die Hölle sich beziehen, nicht einen ganz anderen Sinn, wenn man den Namen der Hölle durch der Unterwelt, des Grabs (Scheol), ersetzt? Hier werden auch die Verweise auf das Feuer, das nicht erlischt, und den Wurm, der nicht stirbt, konkret.
    Die Bedeutung und Funktion der Astronomie für die Herrschaftsgeschichte (für die Geschichte des Ursprungs des Staates) gründet darin und verweist darauf, daß die Grenze, die uns von den Sternen trennt, der Grenze zur Vergangenheit korrespondiert. Kann es sein, daß die Wahrheit des Gravitationsgersetzes (der Zusammenhang der physikalischen Bedeutung des Falls mit seiner grammatischen und theologischen Bedeutung) in diesem Sachverhalt begründet ist? Und verweist nicht Wittgensteins Satz, daß die Welt alles ist, was der Fall ist, daß sie alles ist, was sich unter die Vergangenheit subsumieren läßt?
    In der Äußerlichkeit, die in der Form des Raumes begründet ist, drückt die Gewalt der Vergangenheit sich aus. Die gleiche Form der Äußerlichkeit beherrscht über das Geld die durchs Privateigentum definierten materiellen, gesellschaftlichen Verhältnisse. Die Banken verwalten das vergangene Unrecht.
    Das Paradies liegt nicht in der Vergangenheit, es hat vielmehr Teil an der zeitlichen Struktur des Ewigen, das nicht als vergangen gedacht werden kann.
    Die Feste des Himmels: Sind die „Leuchten“ und „Sterne“ nur an diese Feste „geheftet“, oder sind sie nicht die Instrumente, die den Himmel aufspannen und die Feste begründen? Das aber würde bedeuten, daß die „Planeten“ (im Sinne der Astrologie, nicht des heliozentrischen Systems) in der gleichen Sphäre gründen, in der auch die Sprache gründet: daß sie eine Konstellation repräsentieren, die der Grammatik entspricht. Frage: Was hat die Venus mit dem Ursprung des Neutrum zu tun? Sie ist der Morgen- und der Abendstern, die astrologische Entsprechung des A und O. Berührt sich hier das Signum des Tieres, das war, nicht ist und wieder sein wird, mit dem Luzifer?
    Hat nicht der Versuch, den Ursprung des Weltbegriffs zu begreifen, etwas mit dem Lösen zu tun?
    Die Mathematik ist eine Emanation der Logik der Schrift: Sie ist das Schwert, das den Knoten durchschlagen hat, den es zu lösen gilt. Die Ursprungsgestalt dieses Schwertes: das kreisende Flammenschwert des Kerubs vorm Eingang des Paradieses.
    Gott hat am ersten Tag das Licht von der Finsternis geschieden, und er nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Am zweiten Tag hat er durch die Feste die oberen von den unteren Wassern geschieden; während die Wasser namenlos geblieben sind, nannte er die Feste Himmel. In die dritte Scheidung war Adam verstrickt: Nachdem er die Tiere benannt hatte, scheidet Gott selbst ihn von seiner Seite: Eva. Zu dieser Scheidung, die dann die ganze Schöpfung ergreift, gehört dann die Geschichte vom Sündenfall. Das Symbol dieser dritten Scheidung ist das kreisende Flammenschwert, Symbol der Trennung der Welt vom Paradies.
    Der Sündenfall ist der Grund der Trennung von Welt und Natur, der Grund der Urteilsform, die mit dieser Trennung sich konstituiert, in ihr sich ausdrückt. Mit dem Sündenfall (und durch die Urteilsform) ist dem Menschen sein Anteil an der richtenden Gewalt in die Hand gegeben. Seitdem wissen sie nicht mehr, was sie tun.
    Haben die Menschen im Kreuzestod nicht die Folgen des Nichtwissens vor Augen? Und hat das Wort „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“ nicht den Toten, der am Kreuz hängt, als Objekt? Ist Sein Kreuzestod nicht das stellvertretende Objekt unseres Richtens, und dadurch der Anfang des Gerichts über uns (der Anfang des Gerichts der Barmherzigkeit über das gnadenlose Weltgericht, dessen Subjekt wir sind)? Die opfertheologische Instrumentalisierung des Kreuzestodes verletzt das Verbot zu richten. Ist nicht das Dogma die gegenständliche Repräsentation dieses Richtens, der Kelch, von dem er wollte, er ginge an ihm vorüber, Ursprung und Produkt der Bekenntnislogik und seiner drei Emanationen: Antijudaismus, Ketzerfurcht und Frauenfeindschaft?
    Das entsetzliche theologische Konstrukt, daß Jesus die Sünden Welt hingweggenommen habe, hat das Lamm zum Wolf gemacht und macht uns selbst zu dem Esel, für den kein Lamm mehr eintritt, und dem das Genick gebrochen wird (hat dieses Brechen des Genicks etwas mit der „Halsstarrigkeit“ zu tun: mit der Starrheit der Orthogonalität, mit der Erstarrung der Rechten – vgl. Ps 1375)?
    Kann es sein, daß die Erklärung von Birgit Hogefeld im Prozeß am vergangenen Donnerstag als Hinweis verstanden werden muß, daß der Anschlag am Flughafen, der auch ihr mit angelastet werden soll, nicht die raf als Urheber hat?

  • 28.2.1995

    Was unterscheidet das Frommsein von der Frömmigkeit, die Eigenschaft vom Attribut? Die Eigenschaft hat ihre Substanz im Ding, das Attribut im Namen. Deshalb sind die Attribute Gottes Attribute des Handelns, nicht des Seins. Die Einung des Namens ist sinnvoll nur im Hinblick auf die Attribute; die Eigenschaften haben ihre Einheit im Ding. Aber jedes Ding ist ein totes Ding, es steht unter der Herrschaft der Vergangenheit. Ist das Ding der Inbegriff der Leugnung des Gottesnamens?
    Wie unterscheiden sich die Suffixe -keit und -heit? Es gibt die Barmherzigkeit, die Gerechtigkeit und die Göttlichkeit; und es gibt die Gottheit. Kann es sein, daß das -heit neutralisiert und subjektiviert (verdinglicht), während das -keit den Inhalt in ein Attribut verwandelt? Die Gottheit ist nicht barmherzig; für die Gottheit wäre die Barmherzigkeit eine Eigenschaft, kein Attribut. Barmherzig ist nur Gott.
    Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist. Heißt das nicht auch, daß alle Attribute, die nur dem Vater eigen sind, Attribute der Barmherzigkeit sind (wie die Kenntnis des Tages der Wiederkunft, die Vergabe der Plätze zur Rechten und zur Linken)?
    Theologischer Glaube heißt nicht „für wahr halten, was man nicht sieht“ (sich einreden, etwas sei wahr), auch nicht „jemandem glauben“ (die Bindung der Wahrheit an eine glaubwürdige Person): der so formalisierte Glaube (der Gegenstand des Bekenntnisses) wäre der Oberbegriff für jeden Aberglauben. Glaube ist vielmehr die praktische Treue zu den göttlichen Verheißungen (die für uns zugleich Gebote sind). Der Glaube, der dieser Treue (durch das „für wahr halten“) die Form des Wissens verleihen möchte, leugnet die Gottesfurcht und ist blasphemisch.
    Zur Frage der Hoffnung gehört heute die Zuspitzung der Gottesfurcht, die bei Kafka in dem Satz „Es gibt unendlich viel Hoffnung, nur nicht für uns“ sich ausdrückt. Walter Benjamin hat diesen Satz ein wenig zurechtgerückt: „Hoffnung ist uns nur um der Hoffnungslosen willen gegeben“.
    BILD-Leser haben wieder Grund stolz zu sein: „Die ganze Welt flüchtet in die DM“ (Schlagzeile heute). Aber sind die Opfer von BILD (und zu ihnen gehören sowohl die Objekte von BILD wie die Leser) nicht die Opfer dieses Stolzes?
    Hat die Liturgische Bewegung nicht aus einem sehr realen geschichtlichen Zustand der Liturgie die falschen Schlüsse gezogen? Anstatt liturgische Kuschelecken in einer gnadenlosen und mörderischen Welt einzurichten, wäre es vielmehr darauf angekommen, die real existierenden Gestalten säkularisierter Liturgien (den Faschismus, die BILD-Zeitung, die technischen Medien) ins Auge zu fassen und als gesellschaftliche Rituale der „theologischen Mucken der Ware“ zu begreifen? Hier werden wieder Menschenopfer dargebracht, und das läßt das Verständnis des Kreuzestodes und der Eucharistie nicht unberührt.
    Ist nicht die feministische Theologie (soweit man sie überhaupt unter einem Begriff zusammenfassen kann) ein Beleg dafür, daß ein Symptom zu einem Mittel der Heilung, der Therapie, werden kann?
    Die „Imitatio Christi“ des Thomas a Kempis ist ein Beispiel dafür, was die Bekenntnislogik aus der Nachfolge gemacht hat.

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