Wenn man Empfindlichkeit und Sensibilität unterscheidet, hat dann dieser Begriff des Sensiblen (der Sensibilität) etwas mit der kantischen Unterscheidung von mundus sensibilis und intelligibilis zu tun? Wäre nicht Sensibilität die Voraussetzung der Intelligibilität?
Hängt die kantische Unterscheidung von „bloß reflektierten“, sprich Verstandes-Begriffen, und „geschlossenen“, d.i. Vernunft-Begriffen (S. 282), die er dann Ideen nennt, mit der Form des Raumes zusammen? Ist nicht der Raum der Deckel auf der Vergangenheit (auf der vergangenen Zukunft), der nur durch Reflexion sich öffnen läßt? Und ist nicht jeder Begriff ein unreflektierter Schluß?
Indem ich eine Sache vergegenständliche, begebe ich mich hinter ihren Rücken, betrachte ich sie von der Seite ihrer Vergangenheit. Der Gegenstand ist die tote Sache, und die alte Definition der Wahrheit als adaequatio intellectus et rei ist nicht identisch mit der neuen (auch bei Kant und Hegel), die die alte falsch übersetzt: der Übereinstimmung von Begriff und Gegenstand.
Ist nicht in dem Satz „Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch, und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen“ (Gen 126) mit gemeint, daß die Erde, die Fische, die Vögel und die Tiere Teil unserer selbst sind? Nicht Selbstbeherrschung, aber seiner selbst mächtig sein, darauf käme es an.
Bezeichnen die Dornen und Disteln nicht Momente des Raums, wobei zwischen den Dornen und Disteln noch zu unterscheiden wäre: zwischen dem intentionalen Zugriff (der Dornen) und den nicht intendierten Nebenfolgen (den Disteln)? Der Weizen fiel unter die Dornen, die Krone war eine Dornenkrone, der brennende Busch ein Dornbusch und der König der Bäume in der Jotamfabel der Dornenstrauch.
Das Königtum ist eine an die Stadt gebundene Einrichtung (der Pharao ist der Herr des Sklavenhauses), und Henoch, der (im Stammbaum Sets) nicht stirbt, gibt (im Stammbaum Kains) den Namen für die erste Stadt her: Ist Henoch eine Prophetie auf den Messias?
Ist der Hund der Wächter der Stadt und die Katze das Haustier?
Sind nicht die Heils- und die Unheilsprophetie zwei Seiten oder zwei Aspekte der gleichen Sache, anstatt zwei getrennte Sachen, zu denen sie erst unter dem Zwang des Identitätsprinzips der objektivierenden Logik werden? Und wird die objektivierende Logik nicht eo ipso zum Grund des Antisemitismus: hier erscheint die Heilsprophetie als in Jesus erfüllt, die Unheilsprophetie aber damit (mit der „Entsühnung der Welt“) als erledigt; sie gilt nur noch für die Juden.
Sprache
-
05.04.93
-
31.03.93
Das Geld zerrinnt im Gravitationsfeld der Bedürfnisse wie die Zeit in der Sanduhr.
Die JVA Weiterstadt sollte die Möglichkeit eines „humanen Strafvollzugs“ – was immer das sein mag – bieten. Frage: Wessen Vorstellung von einem humanen Strafvollzug und wessen Phantasie, liegen dem zugrunde? Wer ist in der Planungs- und Entwicklungsphase hinzugezogen und gehört worden? Sind ehemalige und noch einsitzende Strafgefangene hinzugezogen worden, Verteidiger (Strafverteidiger), Gefängnisseelsorger? Kann ein Strafvollzug human sein, der nicht von den Erfahrungen der Betroffenen ausgeht (aber gehört es nicht zum Wesen des Strafvollzugs, daß es die Erfahrungen der Betroffenen verdrängt)? Wird hier nicht Humanität mit dem Pflegeleichten verwechselt: Es soll der Verwaltung und den politisch Verantwortlichen möglichst wenig Probleme bereiten (deshalb das sterile Design, die Lage weitab von Wohngebieten, ohne unmittelbare Verkehrsanbindung, Cluster-Bau mit Kleingruppenstrukturen, die zwar von außen überschaubar und beherrschbar sind, im Innern jedoch die Kommunikationsschranken verstärken, die Kontakte im Innern und nach Außen erheblich einschränken: insbesondere für Angehörige und Verteidiger wäre die Anstalt nur noch schwer erreichbar). Aber nachdem das Ganze schon so teuer war, und jetzt zusätzlich unter dem durch den Anschlag der raf verstärkten Öffentlichkeitsdruck, sind diese Probleme, um die sich ohnehin niemand mehr kümmert, für die Öffentlichkeit endgültig tabu.
Gemeinheit ist kein strafrechtlicher Tatbestand: Ohne diesen Grundsatz (der sich aus der deutschen Staatsmetaphysik herleiten läßt) könnte es keine Knäste, keine Polizei, keine Staatsschutz-Gerichte und keine Staatsanwaltschaft geben. Gemeinheit gehört zu den (Ab-)Gründen des Strafrechts und des Rechtsstaats.
„Wenn die Welt euch haßt …“ Diese Erfahrung, in der die Erinnerung daran nachklingt, daß im Weltbegriff, in der Gestalt der Verknüpfung von Allgemeinheit und Öffentlichkeit, die er repräsentiert, das Urteil aller sich ausdrückt, wird durch den gleichen Weltbegriff, durch seine eigene Logik, unterdrückt, verdrängt, als erfahrungsfremde Natur, als Außenwelt abgespalten und neutralisiert. Das ändert am Sachverhalt nichts, hinterläßt nur ein Bewußtsein der Ohnmacht gegen die Welt, das dann an einer Theologie sich tröstet, die der Verantwortung für die Welt entsagt hat und sich damit begnügt, in Anlehnung an das allherrschende Prinzip der Selbsterhaltung in der Gestalt der Unsterblichkeit der Seele einen privaten Ausweg aus der Welt vor Augen zu stellen.
Stadt und Haus, der König von Babel und der Pharao:
– Ist die Stadt der Ort des Anschauens (Astronomie), das Haus der Ort des Denkens, des Begriffs (Pyramide)?
– Und hat das „gedacht“ etwas mit dem Dach des Hauses, oder umgekehrt: hat das Dach, das den Blick zum Himmel versperrt, etwas mit dem Denken zu tun, mit dem Begriff, unter den eine Sache gebracht wird?
„Es sind aber zwei Bedingungen, unter denen allein die Erkenntnis eines Gegenstandes möglich ist, erstlich Anschauung, dadurch dasselbe, aber nur als Erscheinung gegeben wird; zweitens Begriff, dadurch ein Gegenstand gedacht wird wird, der dieser Anschauung entspricht.“ (Kant, Kr.d.r.V., S. 119) Liegt die Unterscheidung von Anschauung und Begriff nicht der des Mathematischen und Dynamischen (Welt und Natur) zugrunde (und macht die Formulierung „dadurch ein Gegenstand gedacht wird, der der Anschauung entspricht“ nicht das projektive Element im Denken sichtbar)? Die Unterscheidung des Mathematischen und des Dynamischen ist keine Unterscheidung zwischen getrennten Objekten, von denen die einen mathematischer und die anderen dynamischer Natur wären, sondern die gleichen Objekten werden durch die Urteilsform in einen mathematischen und einen dynamischen Anteil aufgespalten, sie sind fürs Anschauen mathematisch (Teil der Welt), fürs Denken dynamisch (Teil der Natur). Entsprechen dem nicht die auch sprachlich unterschiedenen Erkenntnisbegriffe Kants, der feminine, natur- und objektbezogene (die Erkennnis) und der neutrale, welt- und begriffbezogene (das Erkenntnis)?
Mit den subjektiven Formen der Anschauung hat Kant zwar das Wissen begründet, aber der Erkenntnis (durch Neutralisierung der Umkehr) den Weg verstellt.
Sind nicht die Namen der Planeten Stationen einen genetischen Konzepts? Sonntag, Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag: Sonne, Mond, Merkur, Jupiter, Mars, Venus, Saturn. Die Reihe stimmt mit der nach Abständen von der Sonne geordneten Reihe nicht überein (1,(2, Mond),3,6,5,4,7). Ist nicht Venus der altorientalische, Saturn der jüdische Planet? Und wäre die Velikovskysche Hypothese nicht noch deutlicher zu machen, wenn man zur Venus-Katastrophe die Saturn-Katastrophe hinzunimmt?
„Nimrod … wurde der erste Held auf der Erde. Er war ein tüchtiger Jäger vor dem Herrn.“ (Gen 109) Worauf verweist die Unterscheidung „auf der Erde“/“vor dem Herrn“? Hat Nimrod etwas mit dem Orion, und dieser etwas mit dem Ursprung des Heros, zu tun?
Zur Lehre von der ewigen Wiederkehr des Gleichen: Ist das nicht der Versuch, der kopernikanischen Theorie von den Umläufen im Raum ein Konzept von ewigen Umläufen in der Zeit entgegenzusetzen, und zwar aus der immanenten Logik des Systems selber? Nietzsches Version der Lehre schließt jedenfalls an naturwissenschaftliche Spekulationen sich an?
Hat nicht die Geschichte von den drei Leugnungen Petri auch einen kosmologiekritischen Hintergrund?
Hängt nicht die Tatsache, daß Jesus in Gleichnissen redet (und handelt), mit Verschiebungen im prophetischen Erkenntnisbegriff nach dem Ursprung des Weltbegriffs zusammen? Die Kritik des Weltbegriffs ist die Voraussetzung (das Medium) der Rekonstruktion prophetischer Erkenntnis.
Die komfortable Zweiteilung der Prophetie in Heils- und Unheilsprophetie ist ein Produkt ihrer christologischen Vergegenständlichung. Sie hat den Vorteil, daß sie die Vergangenheit stillstellt, indem sie die Heilsprophetie auf Christus, die Unheilsprophetie auf die Juden abstellt. Der Preis ist der kirchliche Antijudaismus; die Juden haben ihn zahlen müssen, weil die Christen glaubten, sich die Nachfolge ersparen zu können.
Es gibt zwei Gestalten der christlichen Theologie. Die eine ist die paulinische; sie ist ein Theologie ex post. Die andere ist die johanneische (die Täufer-)Theologie, und das ist eine Theologie ex ante. Diese zweite ist verdrängt und unterdrückt worden, sie ist so interpretiert worden, daß sie präzise auf den Kopf gestellt worden ist. Das hat auch das Verständnis der paulinischen Theologie tangiert, sie entstellt. Die Täufertheologie besteht eigentlich nur aus zwei Sätzen:
Kehrt um, denn das Reich Gottes ist nahe.
Und:
Seht das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt auf sich nimmt.
Auf den Kopf gestellt wurde die Täufertheologie durch ein doppeltes Mißverständnis (oder durch zwei falsche Übersetzungen):
– Im ersten Satz wurde die freie Umkehr durch ein autoritäres Buße-Tun ersetzt;
– im zweiten Satz wurde das Auf-sich-Nehmen (der Sünden der Welt) als Hinweg-Nehmen (als Entsühnung der Welt) verstanden. Dieses Verständnis widerspricht zwar jeder Erfahrung der Welt (und den Abschiedsreden Jesu im Johannes-Evangelium); der Widerspruch zur Erfahrung wurde dann jedoch durch einen Begriff des Glaubens überbrückt, der seitdem die ganze Theologie verhext.
Was hier passiert ist, läßt sich wieder mit zwei Sätzen verdeutlichen:
– Die Umkehr und das Auf-sich-Nehmen der Sünden der Welt fallen unters Nachfolgegebot;
– das Buße-Tun und das Hinweg-Nehmen der Sünden der Welt (die „Entsühnung der Welt“ durchs „Opfer“ Jesu) leugnet die Nachfolge, ersetzt sie durchs Bekenntnis.
Bedeutet das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit nicht auch, daß das Licht dem Zeitablauf entzogen ist. Soweit das Licht dem Zeitablauf doch unterworfen ist, ist das Effekt, der dem Inertialsystem zuzurechnen ist, dieses System auf eine ganz neue Weise verzeitlicht (sic, B.H.). Den Schein des Überzeitlichen haben der Raum und das Inertialsystem allein vom Licht.
Hängt die Geschichte mit dem tohu wa bohu, der Finsternis über dem Abgrund und dem Geist Gottes über den Wassern mit den sechs Richtungen im Raum zusammen? Wären Goethes „Leiden und Taten des Lichts“ nicht über die Farben hinaus auf die Kosmologie und den Evolutionsprozeß zu beziehen? Gehören zu den Leiden und Taten des Lichts nicht auch die Sterne, die Umläufe der Planeten, das Leben der Pflanzen, der Tiere und am Ende auch der Menschen? Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Evolutionsgeschichte und der Geschichte des Sonnensystems?
Woher kommen die griechischen, lateinischen und deutschen Namen für Himmel und Erde (hängt Erde mit Er zusammen)? -
29.03.93
Fernsehen und Exkulpation: Unterhaltung hat u.a. die Funktion, Exkulpationsmodelle zu liefern, die eine Schuldabfuhr über Projektionsobjekte ermöglichen (erkennbar am Empörungsmechanismus).
Der Begriff des Reiches erscheint im AT nur im Buche Esra und bei Daniel (in der Apokalypse!). Im NT spricht Mt vom „Reich der Himmel“ (basileia ton ouranon), Mk, Lk (und gelegentlich Joh und Apg) vom „Reich Gottes“ (basileia tou theou). Bei Paulus ist das Reich Gottes Gegenstand der „Erbschaft“, er kennt außerdem das „Reich Christi“ und das „Reich des Sohnes“: Am Ende wird der Sohn das Reich dem Vater übergeben. Das Wort Reich hängt mit reg- König zusammen, auch in der adjektivischen Verwendung (reich im Gegensatz zu arm). Änderung der Bedeutung des Reichsbegriffs in der paulinischen Theologie (Zusammenhang mit dem apokalyptischen Millenarium?)
Der Antritt des Erbes setzt den Tod des Erblassers voraus. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die paulinische Theologie (für die das Reich Gottes – als „Reich Christi“, „Reich des Sohnes“? – Gegenstand einer Erbschaft ist)? Gibt es einen Zusammenhang mit dem Martyrium des Stephanus?
Der Name Imperium hängt mit parare, rüsten, sich zu etwas bereiten, zusammen: In ihm drückt sich das Moment der Verinnerlichung von Herrschaft aus.
Die subjektiven Formen der Anschauung tasten die Selbständigkeit der Dinge an: Sie verwandeln sie in ein „Gegebenes“, rücken sie in ein Herrschafts- und Besitzverhältnis. Die Bildung der Vorstellung des Raumes ist ein Begleitprozeß des Prozesses der „ursprünglichen Akkumulation“: Untersuche unter diesem Aspekt den Josefs-Roman, die Exodus-Geschichte und den Namen des Pharao (Haus und oikos). Beziehen sich nicht Sodom und die anderen Xenophobie-Geschichten auf Konflikte zwischen Haus und Stadt, und ist nicht der Tempel (das Haus Gottes) ein Symbol dieses Konfliktes?
Die ersten Städte in der Schrift (Vorgeschichte der Sprachverwirrung):
– die Von Kain gegründete und nach seinem Sohn Henoch benannte Stadt (Gen 417),
– Nimrod … wurde ein großer Held auf der Erde. Er war ein tüchtiger Jäger vor dem Herrn. … Kerngebiet seines Reiches war Babel, Erech, Akkad und Kalne im Land Schinar. Von diesem Land zog er nach Assur aus und erbaute Ninive, Rehobot-Ir, Kelach sowie Resen, zwischen Ninive und Kelach, die große Stadt (1012), und
– die Stadt Babel, in der die Menschen einen Turm bauen wollten, der bis an den Himmel reicht (114).
Und die ersten Häuser (Vorgeschichte des Tempels und des Gottesreichs):
– Noah und sein ganzes Haus (71),
– an Abram: Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters … (121),
– das Haus des Pharao (1215),
– die 318 Hausgeborenen des Abram (1414),
– Abram: Erbe meines Hauses (wird Elieser von Damaskus) (152).
Sind die toledot (des Schöpfungsberichts und der Genealogien) Haus-Geschichten? -
22.03.93
Ist der deutsche „Ernst“ (K.-H. Bohrer in der taz) nicht der tierische Ernst, und hängt er nicht mit der Bindung des Nationbegriffs an das Blut (mit der deutschen Staatsmetaphysik) zusammen?
„Jede Schuld rächt sich auf Erden“ (an wem?). Diese mythische Beziehung von Schuld und Rache ist die Geschäftsgrundlage des Strafrechts, gewinnt ihre volle mythischen Gewalt aber nur unter den Prämissen der deutschen Staatsmetaphysik, die glaubt, die Politik von der Politik erlösen, befreien zu können, die den Schein erzeugt, Politik könne durch Verwaltung ersetzt werden (durch den Rechtsstaat), und der Schein der Unschuld reiche aus, die politische Qualifikation zu beweisen. Sie ist eine Folge der unaufgearbeiteten Vergangenheit. Zu dieser nicht aufgearbeiteten Vergangenheit gehört auch das Fehlen eines Friedensvertrages: die Krisen der „Wiedervereinigung“, aber auch die Krisen in der dritten Welt, die nach dem Zusammenbruch der staatskapitalistischen Länder des Ostens (nach dem Ende der direkten Bedrohung) auf andere Weise nach Europa zurückkehren, sich in Jugoslawien und jetzt in den aus der Sowjet-Union hervorgegangenen Staaten reproduzieren, lassen das Versäumnis spürbar werden: Es ist nicht gelungen, reale Grundlagen für die veränderten Verhältnisse zu schaffen, ja, der Mangel wird nicht einmal gefühlt. Und niemand scheint in der Lage zu sein, die Dinge vom Grunde her zu bereinigen: Aber ist das nicht vielleicht sogar objektiv unmöglich geworden? Alle schlittern in Katastrophen hinein und niemand weiß, weshalb.
Ist nicht der Satz, der Staat sei der Schöpfer der Welt, insoweit umkehrbar (und auch umzukehren), als sich jetzt herausstellt, daß die Welt Schöpferin des Staates ist, die in ihm nur den Schein eines Herrn erzeugt, den sie aber dann in ihren Orkus mit hereinreißen wird, wenn die Dinge endlich selber Herr des Prozesses werden, in dem sie einmal entsprungen sind.
Die jüngstvergangene Mode ist das Längstvergangene.
Engholms Satz, daß man vor dem Einsatz der Bundeswehr außerhalb der NATO „die Familien befragen“ müsse, ist so brav, so privatistisch und so unpolitisch wie dieser ganze Mann. Hier läuft wieder einer in die Exkulpationsfallen hinein, in denen die Politik heute verkommt. Zu fragen wäre,
– ob es überhaupt sinnvoll ist, in diesem Weltzustand (der zugleich keine andere Alternative zuzulassen scheint) noch Politik auf militärische Gewalt zu gründen,
– ob den objektiven Aufgaben des Militärs (Sicherung der Einrichtungen und der Versorgung der Metropolen) das Institut einer allgemeinen Wehrpflicht noch gerecht werden kann, ob nicht eine Freiwilligen-Armee (eine Art Fremdenlegion der NATO) den Aufgaben besser gerecht würde.
– Die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht aus anderen (staatspolitischen, „erzieherischen“) Gründen, zum Zweck der „inneren Stabilisierung“ des Gemeinwesens, ist objektiv nicht zu begründen, es sei denn, man würde offen für einen faschistischen Staat votieren.
Es sind offensichtlich die naheliegendsten Gedanken, die keiner mehr offen auszusprechen (und in der Folge keiner mehr zu denken) wagt: Jeder hat Angst, von der Schubkraft des Bestehenden fortgespült zu werden. Das Denkbare ist zum Undenkbaren geworden. Aber sind die Probleme, die jetzt an allen Ecken und Enden der Welt aufbrechen, noch mit den Kurzschluß-Methoden einer Politik zu lösen, in der durch die wechselseitige Kontrolle aller sichergestellt wird, daß keiner mehr politisch zu denken wagt.
Ist das „Ich denke, das alle meine Vorstellungen muß begleiten können“ (sic, B.H.) nicht das Gegenteil des Denkens: eine exkulpierende Instanz? Ist hier nicht die Leerstelle, in der dann die Nationalismen und die Bekenntnisse sich ansiedeln? Das Kind der illegitimen Beziehung beider ist der Faschismus.
In der Studie über den autoritären Charakter gibt es einen Abschnitt mit dem Titel „no pity for the poor“; und die Studie insgesamt ist eine Studie über Xenophobie.
Schlimm und verhängnisvoll, und ein Teil jenes Ärgernisses, von dem Jesus gesagt hat, es müsse kommen: „aber wehe denen, durch die es kommt“, ist das opfertheologische Konzept einer „Entsühnung der Welt“, die Lehre von der „Hinwegnahme der Sünden der Welt“.
Die Philosophie oder das Herrendenken ist der Grund der Selbstzerstörung des Antlitzes.
Sind die staatlichen und wirtschaftlichen Verwaltungshierarchien, und in ihnen das Prinzip der Delegation der Verantwortung, nicht Formen der Säkularisation der andern Hierarchien, ihrer endgültigen Subsumtion unters Herrschaftsdenken. Die Vergesellschaftung von Herrschaft hat den Engeln den Existenzgrund entzogen, sie durch Regierungs- und Amtsräte ersetzt. Ist nicht die Verwaltung der Inbegriff der sieben unreinen Geister? Es käme in der Tat heute darauf an, die Theologie auf dem eigenen Rücken weiterzubefördern, anstatt sie weiterhin seßhaft zu verwalten.
Hat der gordische Knoten, der Joch und Deichsel des Ochsenkarrens verbindet, etwas mit dem Ursprung der Schrift zu tun (des Aleph, Bet): Alexander hat diesen Knoten nicht gelöst, nur durchschlagen. Der Weltbegriff ist der durchschlagene Knoten (der den Objektivations- mit dem Vergesellschaftungsprozeß verknüpft). Im Kern dieses Knotens stecken die subjektiven Formen der Anschauung Kants.
Durch die subjektiven Formen der Anschauung sind wir gleichsam exzentrisch an den Weltprozeß gefesselt.
Für Israel war die Schrift die hebräische Schrift: Ausdruck der Fremdheit, die im Namen des Hebräischen anklingt. Ist nicht die Lösung des Rätsels des Namens der Hebräer ein Anfang der Lösung des Rätsels des Ursprungs der Schrift?
Der Weg zu den Enden der Welt, die Bekehrung der Welt, bezeichnen einen Vorgang, der in der äußeren und inneren Welt zugleich sich abspielt.
„Muß in einer historischen Welt nicht jemand genau so alt sein wie die Welt?“ (Levinas: Schwierige Freiheit, S. 164)
S. 167 nennt Levinas das Bekenntnis ein „Beiwerk des bürgerlichen Komforts“.
Der Weltbegriff unterwirft auch die Vergangenheit dem Bann der Herrschaft: er begründet und stabilisiert ein gleichsam kolonialistisches Verhältnis zur Vegangenheit. Hier werden Vergangenheiten immer nur überwunden; der Ausschluß der Trauerarbeit (des Eingedenkens) ersetzt das Sich-Hinein-Versetzen durch die Einfühlung in die Vergangenheit (den Historismus). Der Weltbegriff versiegelt das Grab, in dem die Toten auf die Erweckung warten.
War nicht die Hexenfurcht auch die Furcht vor der Auferstehung der Toten (abzulesen an den Projektionen der Inquisitoren)? Aber die Alternative ist nicht die Leugnung der Auferstehung, die sich die Physik als Instrument geschaffen hat, sondern ein Verständnis, das die Erweckung der Toten Gott vorbehält. War die Hexenverfolgung von der Furcht vor den Toten bestimmt, dann war Auschwitz der Testfall (der Testfall des perfekten Verbrechens): der experimentelle Beweis dafür, daß es keinen Grund gibt, die Toten zu fürchten. Aber wie die Gräberschändungen beweisen, können die Rechten doch nicht so recht an das Ergebnis des Experiments glauben.
Ist nicht die Schrift der Friedhof, auf dem die Toten der Auferweckung harren?
„Name ist nicht Schall und Rauch.“ Ist nicht der Stern der Erlösung ein Versuch, in dieses Buch den eigenen Namen (Ich, mit Vor- und Zunamen) einzuschreiben?
Die Anonymität des Apokalyptikers, sein Versuch, sich in fremde Namen einzuschreiben: Sind das nicht auch Versuche, im andern sich der der eigenen Auferstehung zu versichern? Und bezieht sich das „Wenn ich will, daß er bleibt, was geht’s dich an“ nicht auf den Namen des Johannes, des Apokalyptikers?
Der Begriff der Erbsünde verweist auf den Zusammenhang des Weltbegriffs mit dem des Erbes; Zwischenglied ist das Wort von den Sünden der Welt.
Muß man sich die Sätze, mit denen die Philosophie die Logik demonstriert hat, nicht doch ein wenig genauer ansehen:
Alle Menschen sind sterblich.
Sokrates ist ein Mensch.
Also ist Sokrates sterblich.
Der Prämisse hat die Theologie seit je mit der Lehre von der Auferstehung wiedersprochen. Dem Schluß, daß Sokrates sterblich sei, wäre anzumerken, daß er nicht gestorben ist, sondern einem durch Rechtsspruch verordneten Selbstmord aus freiem Willen sich gefügt hat. Hat nicht dieser Tod, das dem Staat freiwillig dargebrachte Selbstopfer, mehr mit dem Ursprung und Charakter der Philosophie, auch mit dem sokratischen Daimon, zu tun, als bisher angenommen wurde? Zum Kreuzestod Jesu gehören die Worte „Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ und „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“. Ist nicht der Selbstmord des Sokrates ein Paradigma der Philosophie seitdem, bis hin zum „Vorlaufen in den Tod“ Heideggers? Die affirmative Beziehung zum Tod gehört zu den Grundlagen des philosophischen Welt- und Selbstverständnisses.
Die säuberliche Trennung der Seele vom Leib die dem christlichen Unsterblichkeitsverständnis zugrunde liegt, raubt ihm zugleich seinen Existenzgrund.
Ist nicht das Geld der Goldgrund des Staates, politisch-ökonomischer Reflex des Sonnensystems, die säkularisierte Sonne selbst? Und sind nicht die Ministerien und die Verwaltung ein Abbild des Planetensystems? Die Geschichte der Vergesellschaftung von Herrschaft, die Geschichte des Vergesellschaftungsprozesses insgesamt, hat in den Subjekten das Chaos hinterlassen, dessen Opfer sie zugleich geworden sind, weil sie es in den Ordnungen, die das Chaos produzieren, nicht erkennen können.
Dorn, Horn, Zorn, Korn, vorn: Sind das Wörter, die sich nur zufällig reimen?
Werden die verschiedenen Hörner (Ochs und Widder, Schofarhorn, Hörner des Altars, Hörner des Drachen) auch im Hebräischen durch das gleiche Wort bezeichnet?
In welcher Relation stehen die Massen, die Entfernungen von der Sonne und die Geschwindigkeiten der Planeten? -
21.03.93
Der Andere und der Fremde: Der Andere ist (wie das Eigentum) systemimmanent, die Welt Inbegriff des Andersseins (mit dem Sein als verandernder Kraft: Grund der grammatischen Struktur der indogermanischen Sprachen als Privateigentümer-Sprachen?), der Fremde hingegen ist wie der Arme systemtranszendent (deshalb ist Hegel zufolge die bürgerliche Gesellschaft bei all ihrem Reichtum nicht reich genug, um der Armut und der Erzeugung des Pöbels zu steuern: ist nicht der „Pöbel“ der aufgrund seiner Identifikation mit dem Aggressor xenophobe Repräsentant des Fremden im Innern der Privateigentums-Gesellschaft?).
Die Welt wird definiert durch das Anderssein (als Produkt von „Ent“-Fremdung): als Inbegriff aller Gegenstände des Wissens und als potentielles Eigentum.
Die Verwechslung des Fremden mit dem Andern (die in der Beziehung des Denkens zum Raum gründet) macht ihn zum potentiellen Eigentum, sie eröffnet und begründet eine Logik, die man als Mord-Logik bezeichnen kann.
Die Hegelsche Philosophie ist als Welt-Philosophie die Philosophie der absoluten Entfremdung: Hier ist alles Fremde, das bei Kant noch unter dem Namen der Dinge an sich erinnert wird, getilgt.
Barbaren, Natur, Materie: Der Begriff der Materie konstituiert sich im Verhältnis zum Inertialsystem, dessen Kern die Form des Raumes ist. Materie und Zeit scheinen „von außen“ in den Raum hereinzukommen, aber welches Außen gibt es gegen den Raum? Nur die zeitliche: die Zukunft und die Vergangenheit; wenn die Materie (das absolut Entfremdete) als Repräsentant der Zukunft, des Neuen, gefaßt werden kann, so ist die Zeit Repräsentant der Vergangenheit, die die Zukunft (die Materie) unter sich subsumiert und denaturiert. Fremdenhaß ist Haß auf die Zukunft (die nach einem Spruch an der Startbahnmauer „auch nicht mehr das (ist), was sie einmal war“). „Vergeßt die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.“ (Hebr 132)
Die Sünden der Welt hinwegnehmen? „Jetzt aber ist er am Ende der Zeiten ein einziges Mal erschienen, um durch sein Opfer die Sünde zu tilgen (aufzuheben: athetäsin täs hamartias). … so wurde auch Christus nur ein einziges Mal geopfert (prosenechtheis), um die Sünden vieler hinwegzunehmen (aufzuopfern: to pollon anenengkein hamartias) …“ (vgl. Hebr 926ff)
Ist nicht das Sünden-Vergeben (aus der Unfreiheit der Sünden Befreien) eine Folge des Auf-sich-Nehmen der Sünden der Welt? -
18.03.93
Nach Raymond Bogaert „Grundzüge des Bankwesens im alten Griechenland“ wurden Eingänge (Einzahlungen) im Genitiv, Ausgänge (Auszahlungen, Kredite) im Dativ bezeichnet (S. 11). Kann es sein, daß Genitiv und Dativ Links und Rechts (die Seiten) bedeuten? Und sind Genitiv und Dativ die sprachlichen Repräsentanten des Tauschs? Die Banken verwalten das Tauschprinzip wie die Planeten das Inertialsystem.
Die Anschauung abstrahiert von der eigenen Verstrickung ins Angeschaute; das Produkt dieser Abstraktion ist die Form des Raumes. Und sie überantwortet damit das Angeschaute den Gesetzen der Projektion (Barbaren, Natur, Materie).
Die ersten Privatbanken sind von Sklaven gegründet worden, generell liegt ihr Ursprung im Bereich des Opferwesens und der Tempelwirtschaft. Das Bankenwesen ein Begleitinstitut der Lohnarbeit, die den Systemcharakter des Geldes begründet? Die Bankentürme in der Skyline Frankfurts stehen in der Tradition des Turms von Babel.
Die Tradition des Opfers und ihre Verinnerlichung in der dogmatischen Theologie gehören zu den Fundamenten des Bankenwesens.
Die Instrumentalisierung des Opfers macht sich gemein mit dem Mord und leugnet das Antlitz (Kruzifix und Münze).
Sein, Haben und Werden, das sind die objektiven, naturhaften (den Naturbegriff begründenden) Hilfszeitverben. Ist nicht das Sein die veranderte Gegenwart, das Haben und das Werden die zukünftige Vergangenheit und vergangene Zukunft? Vergleiche die beiden Bildungen „Ich werde gehabt haben“ und „Ich werde geworden sein“ (aktives und passives Futur II).
Wann sagte Jesus: Bei Gott ist kein Ding unmöglich? Mt 1926, Mk 1027 und Lk 1827: Nach dem Wort über den Reichen, das Kamel und das Nadelöhr.
Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Im Sechstagewerk nutzt er dann den Himmel als Namen für die Feste, die die Wasser oben von den Wassern unten scheidet, und die Erde zur Hervorbringung der Pflanzen und Tiere. Die Finsternis über dem Abgrund nennt er nach der Erschaffung des Lichts Nacht, und die Wasser, über denen der Geist Gottes schwebt, trennt er durch das Firmament (Schuld und Segen).
Wer das Leben aus den Leiden und Taten der Atome und Moleküle herleiten will, verhält sich ähnlich wie der, der das Wachsen der Bäume aus dem darin investierten Kapital herleitet.
Die Merkaba ist sprachlichen Wesens, und wer sie entschlüsselt, begreift den Ezechiel.
Zu dem Siebengestirn Cohen, Rosenzweig, Bloch, Benjamin, Lukacs, Horkheimer und Adorno den Orion finden. (Vgl. Hi 3831, auch 99 und Am 58)
Die endliche Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichts und das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit sind die Bedingungen der Möglichkeit sowohl der dinglichen, körperlichen Existenz: der Vergangenheit der Dinge, als auch des Feuers: der dinglichen Gegenwart der Zukunft (entsprechen der Vergangenheit in Ding und Raum die Zukunft in Feuer und Licht?).Adorno, Banken, Bäume, Benjamin, Bloch, Bogaert, Cohen, Einstein, Geld, Horkheimer, Lohnarbeit, Lukacs, Philosophie, Rosenzweig, Sprache, Theologie, Tiere, Wasser -
16.03.93
Waren die Tempel die Brutstätten der semitische Sprachen, und das Königtum die der indogermanischen? Und haben in Ägypten die Pyramiden die Tempel abgelöst?
Der Schrecken Isaaks: Hängt das Lachen mit dem Fressen zusammen, und der Schrecken Isaaks mit der Erinnerung an das Menschenopfer, das Opfer der Erstgeburt?
Heute prallt die Idee der Güte, einer göttlichen Gerechtigkeit, am Zustand der Welt und an der Unaufhebbarkeit der Vergangenheit ab. Die Opfertheologie ist eine Kompromißbildung, die dem Eingedenken und der Güte den Grund entzieht.
Wird der letzte Satz des Geists der Utopie vielleicht wahr, wenn man in ihm den Namen Gottes durch den des Staates ersetzt? -Zumindest führt das in die Nähe der Lösung.
Was man von Rosenzweig lernen kann: Umkehr, Name und Antlitz: Aber Umkehr, Name und Angesicht: sind das nicht die eigentlich gemeinten Objekte der evangelischen Räte: der Armut, des Gehorsams und der Keuschheit?
Erst wenn man begreift, daß das Antlitz des andern die Epiphanie (das reale Ebenbild Gottes) ist, begreift man was Tod und Trauerarbeit heißt.
In Kafkas Strafkolonie wird der Name in den Rücken des Delinquenten eintätowiert. Liegt hier der Grund des Satzes: Es gibt unendlich viel Hoffnung, nur nicht für uns.
Wann und wo hat Jesus eine Priesterkirche und eine Priesterreligion gestiftet?
Als die Jünger nach ihrer ersten Aussendung zurückkehrten, berichteten sie, daß sie in seinem Namen Dämonen ausgetrieben hatten. Darauf antwortete Jesus, nicht das Dämonenaustreiben sei das Entscheidende, sondern daß ihr Name im Himmel verzeichnet sei. Und er fügt hinzu: Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen. (Luk 1018) Aber vom Menschensohn heißt es dann (1724): Denn wie der Blitz leuchtet von einem Ende unter dem Himmel bis zum andern Ende unter dem Himmel, so wird der Sohn des Menschen sein an seinem Tag.
Ähnlich wie die Richtungen im Raum sind auch der Raum, das Geld und die Bekenntnisform austauschbare und gleichwohl deutlich unterschiedene Kategorien, zusammengehalten nur durch den Weltbegriff.
Dem Naturbegriff, der die Auferstehung der Toten leugnet, wäre die Trauerarbeit allein angemessen, während dem affirmativen Naturbegriff der Begriff einer Versöhnung über Gräbern (des blasphemischen Kerns der deutschen Staatsmetaphysik) entspricht.
Welt ist der Inbegriff der Sünden der Welt, Natur die Schuld, die auf der Natur lastet.
Sind an Stammheim nicht beide Varianten erschreckend: sowohl der als Selbstmord getarnte Mord (das perfekte Verbrechen des Staates), als auch der als Mord getarnte Selbstmord (der vorgetäuschte Opfertod). Aber hat nicht das perfekte Verbrechen des Staates doch eine andere Qualität als der instrumentalisierte Selbstmord? Und sind nicht beide Formen der Säkularisation der Opfertheologie und des Bekenntnisses, einer zweiten Säkularisation?
Zum Bild vom Zug, der auf den Abgrund zurast: Sind nicht die Geschwindigkeit des Zuges und die Tiefe des Abgrunds von einander abhängige Variable? Ist die Energiequelle nicht die Zukunft, die hier verheizt wird; erzeugen wir nicht mit dem Reichtum auch die Armut, und erreichen wir nicht heute die Grenze, an der es nicht mehr möglich ist, sie nach draußen zu exportieren? – Die Ableitung des Geldes aus dem Tauschverhältnis setzt voraus, was eigentlich zu beweisen wäre (und macht es so unsichtbar): die Beziehung des Geldes zur Schuld; mit dem Privateigentum (mit der Privatisierung der Selbsterhaltung) entspringt auch die Schuldknechtschaft, die Versklavung durch Verschuldung, nicht mehr nur durch Gefangene aus Kriegen.
Wenn es stimmt, daß die Geschichte der Aufklärung die Geschichte der Verinnerlichung des Opfers ist, wäre es dann nicht notwendig, die Geschichte des Opfers genauer in Augenschein zu nehmen?
Ist nicht das Angesicht die Form der Auflösung (das Produkt der Inversion) der Form der Anschauung: des Raumes?
Glück ist eine nicht auf die Sexualität, sondern aufs Angesicht bezogene Kategorie (zum Begriff der Sinnlichkeit).
Geben nicht die Schelerschen/Hartmannschen Schichtentheorien (vom Anorganischen, Pflanzlichen, Tierischen bis zum Geist) einen Hinweis auf den Ursprung und die Bedeutung der geologischen Schichten? So wie ja dann auch in der Tat die Evolutionsstufen des Lebens bestimmten geologischen Schichten zugeordnet werden können.
Die babylonische Sprachverwirrung hat die benennende Kraft der Sprache nur eingeschränkt, nicht aufgehoben. -
14.03.93
Worin liegt die Differenz zwischen den logisch-grammatischen Konstruktionen der alten Sprachen und der Nutzung der Hilfszeitverben (sein, haben, werden) im Deutschen heute? Ist das nicht Ausdruck der vollendeten Verdinglichung, die in der griechischen und lateinischen Sprache noch gleichsam in statu nascendi zu beobachten ist.
Die Leviten galten als Abgeltung der Erstgeburt (Num 312), nur blieb da ein Rest von 273 Erstgeborenen, die nicht abgegolten waren (346; 273 ist die dreifache Summe aller Zahlen bis 13).
Ist der Hund, der domestizierte Wolf, das Realsymbol der Welt? Ist das Tier vom Lande ein Hund?
Die Person, der Träger des Namens, ist das objektive Korrelat des Polizeistaats, mit dem Personalausweis, dem vergesellschafteten Fahndungsplakat, an die Ermittlungsbehörden, als deren Inbegriff der Staat in Deutschland, dem Land der Staatsanwälte, sich versteht, unentrinnbar angebunden. Die Persönlichkeit steht auf der anderen Seite: sie hat das Personsein verinnerlicht und beherrscht es, kann damit umgehen.
Ist nicht der Rechtsstaat ein Polizeistaat: Jeder trägt sein eigenes Fahndungsfoto in der Tasche (und ist dazu gesetzlich verpflichtet). Gilt in Staaten ohne Staatsanwalt auch die Ausweispflicht?
Oculi omnium in te sperant. (Ps 14515)
Hat Habermas nicht mit der Verdrängung der Idee, daß auch die Natur sich ändert, wenn die Gesellschaft sich ändert, auch die Idee der Güte verdrängt, den Wunsch, endlich gut sein zu können?
Requiem aeternam: das kann das Ausruhen von der Last, von der Arbeit sein; es kann aber auch das sabbatliche Ausruhen in einer Verfassung sein, in der man endlich gut sein darf, in der Friede und Gerechtigkeit sich küssen.
Die Trägheit oder der Tod: Die Trägheit ist das Ausruhen von der Last der Moral, das Telos des Rousseauschen „Zurück zur Natur“. Ist nicht der Jesus der Opfertheologie, der vergöttlichte Jesus der, der uns die Last abnimmt: der uns von der Pflicht zur Nachfolge entbindet, indem er die Welt entsühnt, die Trägheit rechtfertigt? Ist diese Verkehrung der Dinge nicht das Werk der Kirche (der Kelch von Getsemane)? So verdankt sich zwar nicht der Begriff der Materie, wohl aber das Trägheitsprinzip der Theologie: es ist das Produkt der opfertheologischen Verarbeitung des philosophischen Materiebegriffs.
Der Raum (das System reversibler Richtungen) als das Opfer der Umkehr an den Schein der Unschuld der Natur.
Die Kirche hat den Himmel theologisch vergesellschaftet und insoweit der Physik vorgearbeitet.
Gegenstand der kirchlichen Eucharistieverehrung ist das vergöttlichte Ding, das vergöttlichte Objekt: reine Blasphemie.
Die Liturgiereform wäre erst dann eine geworden, wenn sie den Mut gehabt hätte, von der blasphemischen Eucharistiefrömmigkeit endlich zu lassen, und wenn das Brotbrechen die Form der gemeinsamen Speisung der Armen angenommen hätte: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.
Inneres Telos der (weltlichen und kirchlichen) Verwaltungsmoral: Selbstzerstörung der Verantwortung durch Delegation. Administrative Verantwortung übernimmt die Schuld (nicht die Sünde) der Welt (und die Bezahlung entspricht der „Last der Verantwortung“: Schuld ist der innere Wertmaßstab des Geldes, Arbeit die Abgeltung der Erbschuld, arm zu sein). -
13.03.93
Leer, gereinigt und geschmückt: Bezieht sich das nicht auf den Raum, das Geld und das Bekenntnis?
Entscheidend zum Verständnis des Sterns der Erlösung: Die Todesangst, mit der die Erkenntnis anhebt, weist auf eine gemeinsame Todes- und Erkenntnisgrenze hin: aufs Inertialsystem (nur Vergangenes kann gewußt werden). In diesem Zusammenhang ist der Naturbegriff bei Rosenzweig genauer zu bestimmen.
Beziehung des Orion und der Plejaden zum Binden und Lösen: Die Geschlossenheit des Kreises enthält ein Moment des Scheins, und zwar das gleiche, dem auch die Vorstellung von der Abgeschlossenheit der Vergangenheit sich verdankt. Die Geschlossenheit des Kreises verewigt die Abgeschlossenheit der Vergangenheit, sie verschließt damit die Zukunft.
Das Binden und Lösen beschreibt sowohl einen Gegensatz, als auch eine wechselseitige Bedingung: es gibt ein Binden oder Lösen wie auch ein Binden durch Lösen und ein Lösen durch Binden.
Hat die Türangel (der Angelpunkt) etwas mit angelus, dem Engel zu tun?
Es gibt den Stein als Fundament und als Eckstein. Was ist der dreimal leugnende Fels? Vgl. hierzu auch die rätselhafte Stelle: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. (Joh 2118) Wird nicht heute die Kirche geführt, wohin sie nicht will? Ist die Kirche dadurch nicht selber zum Herzen der harrenden und sich sehnenden Schöpfung geworden, und wartet sie nicht als ohnmächtige Kreatur auf die Freiheit der Kinder Gottes? Rührt nicht die Kirche allein noch an der Naturgrund von Herrschaft?
Der Baum des Lebens hat seine Wurzeln im Paradies. Merkwürdige Affinität von Wurzeln und Blitz (bei Frieda Kahlo).
Zu Joh 129: Im Buch Numeri (1117, sh. auch vorher V. 14) findet sich der Hinweis, daß der Geist die Übernahme der „Last des Volkes“ mit einschließt. Die „Sünden der Welt“ sind eine Potenzierung (und Universalisierung) der Last des Volkes.
Definition der Archäologie: In den Ruinen der untergegangenen Welt die Spuren der vergangenen Zukunft suchen.
Werden nicht heute die als trunken beschimpft, die die Trunkenheit aller nur wahrnehmen?
Zu Johann Baptist Metz: Das Lied „Mein Gott, wie schön ist deine Welt“ gilt nur noch für die zukünftige Welt, für den Inbegriff der göttlichen Verheißungen (die Ideen des Reiches Gottes, des seligen Lebens).
Die Vorstellungen vom Alter der Welt, von der Tiefenzeit, sind primär menschheits- und naturgeschichtlich, sekundär astronomisch und zuletzt geologisch begründet.
Ist nicht die Auferstehung Jesu ein Stück vergangener Zukunft, das nur durchs sogenannte Ostermysterium ins Heidnische zurückgebogen wurde: kein Natursymbol, sondern die Sprengung des Naturbegriffs selber?
Heute setzt die Welt die Menschen so unter Anklagedruck, daß jeder nur noch seine Unschuldsnische sucht. Und parakletisches, verteidigendes Denken gibt es nur noch im Kontext der Übernahme der Sünden Welt; das ist der Kern des Nachfolgegebots. Seit den Kirchenvätern verletzt die christliche Theologie das Gebot „Richtet nicht …“, und sie ist seitdem gerichtet.
Ist das Glaubensbekenntnis nicht in der Tat ein Sündenbekenntnis, dazu noch ein im Kern verstocktes: eins, das das Bewußtsein, ein Sündenbekenntnis zu sein, verloren/verdrängt hat und ins Affirmative verfälscht worden ist.
In welcher Beziehung steht das kreisende Flammenschwert des Cherubs am Eingang des Paradieses zu den Rädern des Gotteswagens, der Merkaba, bei Ezechiel?
Doppelaspekt des Opfers: als Opfer der Gegenwart um der Zukunft (des Lohnes) willen, oder aber die Errettung der der Vergangenheit geopferten Zukunft? -
11.03.93
Ist es eigentlich so ganz abwegig, wenn man den Begriff der Totalität mit dem des Tötens in Verbindung bringt?
Ist nicht der Komparativ der Hebel der Neutralisierung, und der Superlativ Ausdruck der Idolatrie: der Instrumentalisierung des Göttlichen?
Der Komparativ und der Ursprung des Sports (höher, schneller, weiter).
Das „Richtet nicht“, das „Liebet eure Feinde“ und das „Seid arglos wie die Tauben“ gehören zusammen und bilden ein System. Sie sind Teil der negativen Trinitätslehre: Der Richtende leugnet den Vater, der Hassende den Sohn und der Paranoide den Heiligen Geist.
– Richtet nicht: Kritik des Geldes,
– Liebet eure Feinde: Kritik des Bekenntnisses, und
– Seid arglos wie die Tauben: Kritik des Raumes.
Ist nicht das Problem des Ursprungs der Schrift noch rätselhafter als das des Ursprungs des Geldes? Waren die Keilschrift-Schuldscheine in den altorientalischen Tempeln nur Schuldscheine? Ist die Verflechtung des Ursprungs der Schrift mit dem Ursprung des Geldes, beide vermittelt durch das Realsymbol des Opfers, nicht doch enger? Krankt nicht das Heinsohn-Illingsche Konzept an der Unfähigkeit zur Reflexion von Sprache und Schrift (an der Verwechslung gesellschaftlicher und realer Naturkatastrophen), oder an der Verdrängung des Problems des Ursprungs von Sprache und Schrift (Beziehung der sumerischen zur hethitischen Sprache, Ursprung der indogermanischen Sprachen und der Buchstabenschrift)?
Theologie ist Sprachphilosophie, die die Dinge wieder zum Sprechen bringen will, indem sie den Bann des Verstummens löst. Die Todesgrenze ist eine Sprachgrenze (und die Existenz der Sprache die Widerlegung des Wahrheitsanspruchs der Physik).
Die Opfertheologie hat den Tod, den die Welt uns auferlegt, instrumentalisiert. Wenn der Begriff der Todsünde ein gegenständliches Korrelat hat, dann ist es die Opfertheologie (als Kern der Sünde der Welt). War nicht die Todesangst in Getsemane die Angst vor der Instrumentalisierung des Todes (und so die Angst vor dem Grund der Todesangst).
Hegels Wort von der „falschen Zärtlichkeit für die Welt“ ist projektiver Natur: es verbirgt Hegels eigene falsche Zärtlichkeit für den Geist. Zwar vermag nur der Geist den Widerspruch zu ertragen, aber dieser Widerspruch ist der Widerspruch der Welt, und: wer angesichts von Auschwitz den Verstand nicht verliert, der hat keinen zu verlieren.
Die Sprache, die aus dem Leiden Literatur macht, versündigt sich am Leiden (und nur dem Dichter gab ein Gott zu sagen, was er leidet). Aber gibt es eine Alternative?
Während Jesus einzig die Nachfolge fordert, begnügt sich die Kirche (im Auftrage der Welt) mit dem Bekenntnis.
Hängt die 3. Pers.-Endung -nd (sind) mit der Partizip-Endung -nd (seiend) zusammen?
Haben Infinitiv und Neutrum einen gemeinsamen Ursprung?
Öffentlichkeit, Medien und die Denunziation: Vor dem Gericht der Öffentlichkeit reicht jeder Verdacht aus, während Verteidigung keine Chance hat (Prinzip Drachenfutter). Man darf keine Fehler mehr machen, aber das zerstört die Phantasie und die Kreativität. Heute beherrschen die Medien die Phantasie, besetzen die letzten Schlupflöcher und lassen keine freie Phantasie mehr zu. -
10.03.93
Stimmt es eigentlich, wenn Szemerenyi (in seiner Einführung in die vergleichende Sprachwissenschaft, S. 26) schreibt, daß „die Phoneme … keine eigene Bedeutung besitzen, sondern dazu dienen, größere Einheiten zu differenzieren: sie sind nur diakritische Zeichen“? Ist es nicht genau diese Abstraktion, die den Weg zum Verständnis der Sprachgeschichte und des Ursprungs der Schrift, der Buchstabenschrift, versperrt? Wird nicht so ein auf die reine Materialität, auf ihren Kontext mit der Technik, reduzierter Begriff der Phoneme, die Abstraktion von ihrem Ausdrucksgehalt und ihre Subsumtion unters Inertialsystem, begründet und sanktioniert? Dem entspricht es, wenn Sz., soweit ich bis jetzt sehe, das, was das eigentliche Interesse am Studium der indoeuropäischen Sprachen begründen könnte, nicht zu sehen scheint: den Prozeß der Konstituierung und Ausgestaltung einer Sprache, die aufgrund ihrer strukturellen (grammatischen) Besonderheiten geeignet und in der Lage war, den Prozeß der Zivilisation in Europa zu eröffnen und seiner Entwicklung (u.a. auch als Kirchensprachen: Griechisch und Latein) den erforderlichen Rahmen zu bieten. Hier geht es um die einzige Sprachfamilie, die durch Strukturen wie z.B. das Futur, den Komparativ und das Neutrum dem Weltbegriff, der dann als Zivilisationsschwelle die moderne Aufklärung ermöglicht hat, die geeignete Grundlage geschaffen hat. Nur waren es dann allerdings auch die gleichen Strukturen, die diese Sprache am Ende auf eine ganz neue Weise barbarisch gemacht, nämlich gegen ihre Selbstreflexion immunisiert hat.
Der positivistische Wissenschaftsbetrieb gleicht dem Zustand des EDV-Bereichs darin, daß beide sich nicht mehr verständlich ausdrücken können. Weshalb geht es nicht mehr ohne eine zurechtgestutzte Sprache, eine Sprache, deren benennende Kraft konsequent zerstört wird. Für Szemerenyi sind die Phoneme bedeutungslos, weil das Gleiche für die Kategorien seiner Wissenschaft gilt.
Petrus und einige andere der Jünger waren Fischer: sie sollten den Leviatan fangen (vgl. die Geschichte vom Fischfang). Jesus war Zimmermann, Paulus Zeltmacher (ein Zelt ist ein Haus für Nomaden, es ist für den Abbruch bestimmt; hat das etwas mit dem Zug durch die Wüste und der Bundeslade zu tun? – Der Tabernakel ist ein Zelt).
In welcher Beziehung stehen die drei projektiven weltbegründenden und -stabiliserenden Begriffe Barbaren, Natur und Materie zu einander?
– Die Barbaren sind die Fremden (die Bärtigen und die Stammelnden),
– die Natur (physis) ist das Geborene (Gezeugte),
– die Materie ist das Woraus, die Mutter von allem.
Mit der Welt wurde nur die Entfremdung, das Für-andere-Sein der Dinge, aber nicht die Dinge selbst, erschaffen: Und der „Schöpfer“ der Welt ist der Staat, nicht Gott.
Wenn den Barbaren der Name der Hebräer entspricht, was entspricht dann den Begriffen Natur und Materie: das Opfer und die Unzucht?
Sind die Steigerungsformen Komparativ und Superlativ nicht die Winkelfunktionen der Sprache (und findet man sie nur im Indogermanischen)? Dem Komparativ liegen Wertverhältnisse, liegt die Meßbarkeit zugrunde: der Grad.
Die Raumvorstellung ist die Grundlage jeder Hypostasierung; und es gibt keine Hypostasierung ohne Komparation, ohne Vergleich, ohne den Blick auf anderes (Futur, Neutrum und Steigerung bilden ein System).
Wenn die Erkenntnis des Guten und Bösen etwas mit dem Komparativ, die Schlange mit dem Neutrum zu tun hat, hat dann der Engel mit dem kreisenden Flammenschwert etwas mit der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit zu tun (mit der Schicksalsidee und mit der Idee der ewigen Wiederkunft des Gleichen)? In der Vorstellung des Kreises wird die Herrschaft der Vergangenheit über die Zukunft besiegelt.
Das Johannes-Evangelium wird erst dann wirklich verstanden, wenn man in den „Juden“ die Kirche erkennt, die ohnehin seit je die Juden nur als Projektionsfolie benutzt hat. Ist nicht die Kirche die „Synagoge des Satans“ und ihr Gott der „Vater der Lüge“?
Die These, der Faschismus sei irrational, ist wahr und unwahr zugleich: Seine Irrationalität ist ein Moment der Wahrheit über die subjektive Rationalität. Dieses Wahrheitsmoment wird deshalb verdrängt, weil man glaubt, den Schrecken, den seine Wahrnehmung auslöst, nicht ertragen zu können.
Der Weltbegriff verräumlicht die Zeit, der Naturbegriff verzeitlicht das Räumliche. Darin ist die Beziehung von Natur und Welt zu Objekt und Begriff (zur Urteilsform) begründet.
Zur Definition des Rechtsstaats: In einem Rechtssystem, das aus seiner eigenen Logik heraus nicht mehr aufs Tun, sondern aufs Erwischtwerden abstellt (vgl. das Problem der Beweisbarkeit und die Bedeutung des Zeugen), wird nur noch das Erwischtwerden bestraft, aber das umso drastischer (es hat noch nie ein so gewaltiges Strafbedürfnis gegeben). Und wenn es (im gleichen Kontext) dann heißt, daß Leistung sich wieder lohnen muß, dann tendiert das dahin: Alles was sich lohnt, ist per definitionem Leistung.
Wer sind die Hethiter? Nach Gunnar Heinsohn die Chaldäer (mit Nebukadnezar als Hattusilis III). Was heißt das für die chaldäische (sumerische) und hethitische Sprache? -
06.03.93
Die subjektiven Formen der Anschauung (Raum und Zeit, aber auch das Geld und das Bekenntnis) sind ein Reflex des Gewaltmonopols des Staates. Die Grenze, die den Herrn von den Beherrschten trennt, ist eine Todesgrenze. Der Bann bezeichnet genau diese Todesgrenze. Das Recht zu töten bleibt der Natur und dem Staat vorbehalten, während Gott die Toten auferweckt. Stehen wir nicht unter dem Bann der subjektiven Formen der Anschauung, sind wir nicht allesamt Kaninchen vor der Schlange?
Das Zeichen des Jona: Bezieht sich dieses Wort nicht doch auf den letzten Satz des Buches Jona, und ist nicht die Nicht-Zerstörung von Ninive die Katstrophe? Aber hat Gott nicht hier den Grund seines Zuwartens (nicht seiner Barmherzigkeit) benannt? Hierauf antwortet erst wieder das Buch Tobit. Aber was hat es dann mit der „Buße“ des Königs, der Menschen und des Viehs auf sich?
Im Kontext des Begriffs ist die Beziehung der Sprache zum Wesen durch den Schein vermittelt, während die benennende Kraft der Sprache sich erst durch die Kritik des Scheins hindurch erschließt.
„Die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie einmal war.“ (Spruch an der Mauer der Startbahn West des Frankfurter Flughafens)
Die Deutschen: ein Volk ohne Gottesfurcht. Das ist der Grund der deutschen Staatsmetaphysik, und deshalb hat das Gewaltmonopol des Staates nur hier diese überschießende Bedeutung.
Nicht: Mach unser Herz von Sünden rein, sondern: Ersetze unser steinernes Herz durch fleischernes.
Zum Paradigma des Angesichts: An dem Beispiel mit dem Kind in der Familie läßt sich noch mehr verdeutlichen. Steckt in dem Reden über das Kind (hinter seinem Rücken) nicht bereits die ganze Welt? Ist nicht die Welt das Erbe, dessen Last wir den Kindern aufbürden?
Das Gefährliche an der Politik heute, das, was man ihre Abgehobenheit und die Arroganz der Macht nennt („Solidarpakt“ oder die „Sozialverträglichkeit“ der Kürzung der Sozialhilfe), ist begründet in dem Bündnis von Sprache und Macht, das den Machtlosen, den Objekten der Politik die Sprache raubt: diese finden in der Sprache der Politik ihre eigenen Erfahrungen nicht wieder, sie bleiben stumm und unmündig. Für sie ist der Sprache der Politik nur noch die Sprache der Gewalt.
Hat nicht die Rezeption des Weltbegriffs in der Theologie und das dem zugrundeliegende Bündnis der Kirche mit der Macht die Kirche in den Wiederholungszwang versetzt: den Logos seitdem immer wieder kreuzigen zu müssen. Für die Kirche ist Jesus zu einem geworden, der nicht wußte, was er sagte; aus ihrem Besserwissen hat sie die Theologie gemacht. Was ist das Dogma anderes als das entleerte Wort: auch das dann gereinigte und geschmückte Wort.
Wer wählt, gibt seine Stimme ab.
Ist das Allgemeine die Gemeinheit aller?
Im Anfang erschuf Gott den Himmel und die Erde. Aber nachdem der Kosmos endgültig vom Himmel gereinigt worden ist, ist der Himmel uns auf eine ganz andere Weise zum Greifen nahe gerückt. Hierauf bezieht sich das Wort vom Lösen.
Zum Schamanentum: Kann es nicht sein, daß in den Opfern und Riten der Religionen und in den sie begleitenden Anschauungen Aufschluß zu finden ist nicht nur über ihren eigenen Sozialcharakter, über ihre Stelle im historischen Prozeß, sondern auch über die Gründe der Welt?
Hat der Brief an die Philipper nur etwas mit der Stadt Philippi zu tun, oder auch etwas mit den Anhängern des Philippus (der den äthiopischen Eunuchen bekehrte und dann mit seinen vier prophetischen Töchten in Antiochia lebte)? Und ist Timotheus nicht einfach der Gottesfürchtige?
Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie