Hängt der Name des Pharao („das große Haus“?) mit dem gesellschaftlichen Begriffsfeld Haus (domus, dominus) zusammen; und gehört der Name des Sklavenhauses dazu?
Zu Franz Rosenzweigs Bemerkung über Eugen Rosenstock: Ist nicht das Christentum generell die systematische Vermantschung der Symbole, notwendig im Kontext des projektiven Bibellesens, die den biblischen Text insgesamt zu einer erbaulichen Soße zusammenfließen läßt.
Ist das Christentum nicht vorgebildet in der Geschichte Kains: mit dem zurückgewiesenen Opfer und dem daraus erfolgenden Brudermord am Anfang, dem „Bin ich denn der Hüter meines Bruders“, der anschließenden Stadtgründung und Kulturentwicklung, und schließlich mit Lamech am Ende. Welche Bedeutung haben hier die Parallelen und Differenzen der Geschlechterfolge Kains zu der des Set? Und was hat es mit dem Kainszeichen auf sich, und wer sind Ada und Zilla?
Set ist nach Kain geboren (als Abel redivivus), aber Kenan, der den Stammbaum Kains im Stammbaum Sets eröffnet, ist sein Enkel (der Sohn seines Sohnes Enosch, Menschlein: Klein-Adams). Und Kain gründet eine Stadt, die er nach seinem Sohne Henoch nennt, Henoch aber, als Urenkel des Kenan (die Folge Henoch-Irad-Mehujael wird umgekehrt in Mahalalel-Jered-Henoch, danach kommen dann Metuschael/Metuschelach und Lamech), „war seinen Weg mit Gott gegangen, dann aber war er nicht mehr da; denn Gott hatte ihn aufgenommen“. Der kainitische Lamech nahm sich zwei Frauen, Ada und Zilla, und zeugte Jabal und Jubal, sowie Tubal-Kajin und Naama, der setische Lamech zeugte Noach.
Ist nicht Metz‘ Theologie der Welt eine Konsequenz aus dem undurchschauten kainitischen Christentum (Folge der Verwechslung der göttlichen Verheißungen mit der Welt?
Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit (Begriff der Kritik): Gibt es eine selbstreferentielle Anwendung des Urteils auf die Urteilsform? Das Schwert, das die Wunde schlägt, heilt sie auch?
Sprache
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09.01.93
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08.01.93
Futur II (Vorstellung der homogenen Zeit) und Materie: Ist die indoeuropäische Sprachstruktur nicht doch durch das kräftig überwiegende patriarchalische Element bestimmt? Die Zeiten Gliedern sich zunächst nach Generationen (Tagen), dann nach Stämmen (Monaten) und Sprachen (Jahren); erst der Staat schafft die unendliche, homogene Zeit.
Gilt Besoffenheit im deutschen Rechtswesen deshalb als Strafmilderungsgrund, weil sie an den mystischen Grund des Gewaltmonopols des Staates erinnert?
Gibt es einen Zusammenhang zwischen den „vier Kreisen der gesellschaftlichen Zugehörigkeit“ (Benveniste, S. 230ff) und den biblischen „Stämmen, Völkern, Sprachen und Nationen“?
Die Rechtfertigung führt über den Schein der Befreiung in den Wiederholungszwang (Grund der Vorstellung einer homogenen Zeit und des Naturbegriffs).
Adornos Satz „Das Ganze ist das Unwahre“ macht die Begriffe Natur und Welt für die Erkenntnis der Wahrheit (außer im Kontext der Umkehr) unbrauchbar.
Daß die Berufung Heideggers auf die Vorsokratiker nur erschlichen ist, läßt sich leicht daran erkennen, daß es den Naturbegriff bei ihm nicht gibt, sondern nur den Weltbegriff als einen selbstreferentiellen Herrschaftsbegriff. Und Heideggers Satz „Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts“ ist Ausdruck der Furcht des Herrn (der objektlosen Angst), sein Objekt zu verlieren: Der Begriff des Nichts ist Ausdruck der philosophischen Hybris und der Verworfenheit zugleich.
Das erkenntniskritische Moment im ontos on, im Seienden des Seienden wird durch die Übersetzung als „Sein des Seienden“ storniert und positivistisch verfälscht.
Man muß sein Denken den sanften Erschütterungen des Gehens aussetzen: Nur so gelingt ist, die Begriffe in neuen Konstellationen neu sich begründen zu lassen. Insbesondere gilt es, endlich einen Begriff der Kritik zu gewinnen, der nicht auf Widerlegung abzielt (nicht unter dem Gesetz der Erkenntnis des Guten und Bösen: dem Gesetz der Urteilslogik steht), sondern auf Reinigung, Befreiung. -
07.01.93
„Wotans Heer“ ist das wütende Heer oder das verkleidete Heer der Toten (Benveniste, S. 92). Also auch vor den Toten muß man Angst haben (Ausbeutung der Angst vor den Toten)? Gründet das Urteil im Mord oder in der Todesstrafe?
Ursprung der Begriffe Kauf und Verkauf, sowie Wert, aus der Gefangennahme und dem Verkauf (Loskauf?) eines Gefangenen (S. 105)? Asymmetrie von Verkaufen und Kaufen (S. 106): Im Verkauf wird geopfert, im Kaufen wird befreit. Hängt das lateinische „sum“ (ich bin) mit dem sumere, dem Nehmen (consum), zusammen?
Das Vorhandene und das Zuhandene, der Handel, die Nutzung (die Industrie als Subsumtion der Nutzung unter die Gesetze des Handels) und das Begreifen.
Das Neutrum ist auf den Tausch bezogen (sh. die Bedeutung von mutuus, S. 147), es ist in der Tat das ne-utrum: keins von beiden (oder die Identität von Opfer und Befreiung).
Röm 623: Der Lohn der Sünde ist der Tod. (Aber „Stark wie der Tod ist die Liebe“, Hl 86.) Wie hängt das mit dem Weltbegriff, mit den Sünden der Welt, mit der Beziehung von Welt und Tod zusammen? Es heißt zu Recht: der Lohn der Sünde (nicht der Lohn der Schuld), wie es auch zu Recht heißt: Übernahme der Sünden (nicht der Schuld) der Welt.
Drücken nicht die Hilfszeitverben Possessiv-, Herrschafts- und Schuldbeziehungen aus: sein, haben, werden, sollen, müssen?
Entspringt die Ontologie nicht erst im Barock, aber nur aus dem Grunde, weil hier erstmals das ontos on unverständlich wird und deshalb in das Heideggersche Sein des Seienden übersetzt (verkürzt) werden muß? Folge der Isolationshaft im transzendentalen Apparat (durch den Objektbegriff, der den intellectus: den Blick nach draußen, versperrt). Ist nicht die Ontologie der Versuch der Philosophie, nachdem sie endgültig zur Erkenntniskritik geworden ist, sich noch einen eigenen Gegenstand zu sichern, um so den Status der Wissenschaft sich zu erhalten? So hängt die Fundamentalontologie in der Tat, wie von Weizsäcker vermutet, mit der Atomphysik zusammen, die auch die Reflexionsgestalten (die mikrophysikalischen „Objekte“) eines in der Physik selber entsprungenen erkenntniskritischen Moments (des Prinzips der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit) zu einem Gegenstand der Physik zu machen versucht. Aber ist dieser „Gegenstand“ nicht hier wie dort das Gegenteil des Gegenstandes: der Schlüssel, der die Zelle der Isolationshaft verschließt?
Hat die Geschichte mit den beiden Wangen (in der Bergpredigt) etwas mit dem Problem von Rechts und Links zu tun? Und wird Jesus in der Passionsgeschichte nicht auch auf die Wange geschlagen?
Das Thalessche „Alles ist Wasser“ bezeichnet den Indifferenzpunkt im Übergang vom Mythos zur Philosophie. Im Mythos selber ist dieser Übergang in der Sintflutgeschichte dokumentiert.
Im Angesicht und Hinter dem Rücken, Rechts und Links, Oben und Unten: Sind das nicht alles Innen-Außen-Relationen? Wenn ich einen rechten Handschuh umstülpe, paßt er zur linken Hand.
Im Begriff der Existenz wird das Prinzip der Selbsterhaltung auf den Punkt gebracht. -
06.01.93
Die Bildung des Neutrum scheint schon sehr früh erfolgt zu sein; Hängt sie mit der Hirten-Ökonomie zusammen (vgl. Benveniste)?
Merkwürdige Urbedeutung des Wortes sacramentum: Haftgeld (Benveniste, S. 46).
Gibt es einen etymologischen Zusammenhang zwischen Erbe, urbs und orbis (S. 68)? – Auch Schulden werden vererbt.
Die Existenz des Privateigentums ist an bestimmte gesellschaftliche und logische Voraussetzungen gebunden, die im Begriff der Welt zusammengefaßt sind. Im Begriff der Existenz schlägt der Weltbegriff (das Meer der Völker, Stämme, Sprachen und Nationen) über den Köpfen der Privateigentümer zusammen, setzt er sie der Gefahr aus, darin zu ertrinken (Heideggers „In-der-Welt-Sein“).
Die Erde gegründet und den Himmel aufgespannt: Der Begriff der Spannung bezeichnet sowohl einen räumlichen als auch einen zeitlichen Sachverhalt. Der räumliche Sachverhalt wurde im Gravitationsgesetz erstmals vergegenständlicht, der zeitliche im Roman. Auf den räumlichen Sachverhalt bezieht sich das Wort von den Sünden der Welt, auf den zeitlichen das von der Übernahme der Sünden der Welt. Wenn die Leuchten am Himmel, nach der Genesis, über die Zeiten „herrschen“, dann heißt das, daß sie die archä: die Anfänge und Urspünge der Zeiten repräsentieren.
Das Angesicht des andern ist die realsymbolische Gegenwart Gottes. Gründet nicht die Benennung der Tiere durch Adam in dem Unvermögen (oder in der Weigerung), das Angesicht der Tiere zu erkennen? Auch Eva erkennt Adam nur als „Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“, und die Erkenntnis Evas ist die Zeugung der Sühne Kain und Abel. In dem „Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“ klingt schon das „und sie erkannten, daß sie nackt waren“ an.
Nach Emile Benveniste hängt der Bedeutungswandel von hostis im Lateinischen (vom Gast und Fremden zum Feind, Zusammenhang mit hostia = Opfertier) mit dem Ursprung der Zivilisation (der das Eigentum begründenden und sichernden Institutionen) zusammen. Im Griechischen statt dessen die Trennung von xenos und barbaroi. Die biblischen Xenophobie-Berichte von Sodom, Jericho und Gibea setzen alle städtische Verhältnisse voraus (vgl. Ninive, die „große Stadt“).
Zerstörung des Angesichts durchs Zeitkontinuum (oder Sprengung des Zeitkontinuums durchs Angesicht): Die Differenz zwischen „Ihm, der ist, der war und der kommt“ (Off 14) und dem Tier, das „einmal war und jetzt nicht ist, aber wieder da sein“ wird (178) ist die Differenz zwischen dem Angesicht und dem Inertialsystem (was ist der Unterschied zwischen dem Seitenblick und dem Hinter dem Rücken?), sie bezeichnet genau das Problem der Genesis des Neutrum. Beachte, daß auf 178 der gleiche Hinweis folgt, der auch bei der Zahl des Tieres, die die Zahl eines Menschen ist, steht: „Hier braucht man Verstand und Kenntnis“ (179 und 1318).
Das Relativitätsprinzip überträgt die Homogeneität und Isotropie des Raumes auf die Vorstellung der Zeit (durch Herstellung einer quasiorthogonalen, metrikbegründenden Beziehung der Zeit zum Raum: durch Neutralisierung beider und mit der Folge der Konstituierung des Begriffs der trägen Masse: der physikalischen Materie).
Wäre der Raum orthogonal (und nicht die Orthogonalität Produkt des intersubjektiven, subjektlosen mathematischen Zwangs), so müßte die Zeit ohne Anfang und Ende sein (der Punkt als Bild der reinen Gegenwart). Die Homogenität der Zeit (der Ausschluß der Idee des Ewigen) ist durch die Dreidimensionalität des Raumes vermittelt, durch die innere Differenzierung der Zeit, die sich in den drei Dimensionen des Raumes manifestiert. Die Zeitdilatation in der speziellen Relativitätstheorie ist richtungsbezogen.
Die Atomphysik ist das physikalische Realsymbol der Xenophobie, und die AKW’s sind Realsymbole für den Risikostatus: für die Grenzen der Beherrschbarkeit der politischen Ökonomie. -
05.01.93
Nicht die Philosophie war die ancilla theologiae, sondern die Theologie die ancilla philosophiae. Die Philosophie, die über den Christus-Mythos gerettet wurde, hat sich nur als Theologie (miß-)verstanden. Aber diese Magd ist es, von der es heißt, daß sie am Ende weissagen werde.
Im Faschismus explodiert das Sein als männliches Possessivpronomen.
Wittgenstein ist der Beweis dafür, daß die Sprache auch den Prozeß ihrer Selbstzerstörung noch benennen und bestimmen kann. Der Grund hierfür wurde gelegt in der Benennung der Tiere durch Adam (Zusammenhang des Logos mit dem Rock aus Fellen?).
Kritik des projektiven Bibel-Lesens: Die Projektion wäre u.a. zu demonstrieren an
– den johanneischen Juden,
– den Petrus-Geschichten,
– dem Schicksal Hams in der Noe-Geschichte,
– insbesondere aber am offenen Problem der Erfüllung der Schrift im Handeln und im Schicksal Jesu (vgl. die Emmaus-Geschichte und die Geschichte der Bekehrung des äthiopischen Hofbeamten durch Philippus). -
03.01.93
Gibt es nicht Reflexionsbeziehungen zwischen den Begriffen Natur und Welt, und ist nicht die Adornosche Formel vom Eingedenken der Natur im Subjekt eine Übersetzung des Nachfolgegebots: der Übernahme der Sünden der Welt? Ist nicht die Sünde der Welt: die Produktion der Natur? Und ist nicht die Produktion der Natur (Ursprung und Geschichte des historischen Objektivationsprozesses) das Aufdecken der Blöße und das Herstellen von Schurzen aus Feigenblättern: die Selbstexkulpation (und gab Gott deshalb den Menschen Röcke aus Fellen)?
Entspringt nicht der Naturbegriff in einer Konstellation, die aufs genauste in der Noe-Geschichte beschrieben ist: insbesondere im Zusammenhang mit der Sintflut (dem das Thalessche „Alles ist Wasser“ korrespondiert), aber auch mit dem Weinanbau, der Trunkenheit, dem Aufdecken der Blöße und dem Ursprung der Knechtschaft? Und was hat es dann mit dem Regenbogen auf sich?
Erscheint bei Franz Rosenzweig nicht der Naturbegriff nur in seiner „Metaphysik“, als Ursprungsbegriff der Schicksalsidee und des mythischen Gottes?
Die Weltgeschichte des Christentums ist die Geschichte der Leugnungen.
Die Beziehung des Neuen zum Alten Testament ist nicht zuletzt auch ein Stück Sprachbeziehung. Das „Alte Testament“ gehört deshalb dazu, weil man nur so den Bann der Sprache, in der das Neue Testament geschrieben wurde und in der es sich auch ausgebreitet hat, sprengen kann: dem Bann der Welt- und Herrensprache. Ist nicht die Verweltlichung, die Säkularisierung, ein Prozeß der Neutralisierung auch in dem Sinne, in dem die Schlange in der Geschichte vom Sündenfall dem Neutrum in der Sprache entspricht? Und bezieht sich ne-utrum auf die Himmel und die Erde, den Ur-Dualis: auf diese die logische Beziehung von Allgemeinem und Besonderem sprengende Sprachbeziehung (eine duale Beziehung, entsprechend dem Rosenzweigschen „Und“) von Plural und Singular? Und ist hierin nicht die Beziehung Abrahams zu seinen Nachkommen (zahlreich wie die Sterne am Himmel und der Sand am Meer) vorgebildet?
Gegen die Opfertheologie (Entsühnung der Welt durch den Opfertod Christi) spricht das Paulus-Wort, wonach die ganze Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Wehen liegt und sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Sühne Gottes wartet (vgl. Röm 819-22).
Über den Zusammenhang von Sprache und Politik (politische Bedeutung des Nominalismus). Woher kommt der Titel „Kanzler“ (Reichskanzler, Bundeskanzler, Kanzler der Universität?): hat das etwas mit der Kanzlei, mit der Kanzel und der Predigt (auch der Vorlesung) zu tun; steckt sprachgeschichtlich auch das englische „to cancle“ mit in diesem Titel (vgl. „abkanzeln“)? Hängt der Ursprung des Titels mit dem des Staatsanwalts, und hängen beide mit der Geschichte des Nominalismus und der daraus abgeleiteten Hegelschen Staatsphilosophie, der deutschen Staatsmetaphysik, zusammen? Und erfüllt sich die mit dem Titel gesetzte Teleologie nicht tatsächlich in der Sprache Kohls (ist der Staat in Deutschland nicht eben so leer wie diese: Verkörperung des horror vacui moralis)? Und ist nicht der Titel des Bundeskanzlers, gemessen an den zivilisierteren Titeln des Premierministers oder des Ministerpräsidenten, der sprachliche Kristallisationskern der deutschen Staatsmetaphysik? Zu erinnern wäre an das klassische Adenauer-Wort: Je einfacher denken ist eine gute Gabe Gottes. Aber dagegen betreibt Kohl nun wirklich nur noch Totenbeschwörung. Sprachgewalt ist nicht dasselbe wie wenn die Gewalt selber Sprache, und die Sprache eine bloße Machtdemonstration wird. Auch Hitler war „Führer und Reichskanzler“ (und Heidegger wollte der Führer des Führers sein).
Befreiung der Theologie aus der babylonischen Gefangenschaft (oder aus der Isolationshaft): Theologie im Angesicht Gottes und nicht mehr hinter seinem Rücken; das wäre eine Theologie, die Gott nicht mehr zum Objekt macht, für die der Objektbegriff selber unters Bilderverbot fällt. Befreiung aus der Haft des Bekenntnisses, des Dogmas. -
02.01.93
Die Geschichte der Kunst ist ein Teil der Geschichte der Scham und der Begriff der Natur steht (wie die Institution der Knechtschaft) in der Tradition des Aufdeckens der Blöße. Der Satz „der Mensch ist von Natur aus böse“ ist unwiderlegbar und trotzdem falsch (Problem der Beweislogik in der durch Herrschaft definierten Gesellschaft, Grund der Antinomie der reinen Vernunft). Vgl. hierzu die Geschichte der Söhne Noes (Gen 918ff).
„Sie warfen das Los um sein Gewand“ (Joh 1923f, Ps 2219): Was hat es mit diesem Los auf sich, und hat der Rock (nach Kirchenvätertradition Symbol der Kirche und ihrer Einheit) etwas mit dem Rock aus Fellen zu tun, den Gott nach dem Sündenfall (als Ersatz für die Feigenblätter) den Menschen zur Bedeckung ihrer Scham gibt?
Ohne die benennende Kraft der Sprache, wenn der Name Schall und Rauch ist, gibt es keine Wahrheit. -
01.01.93
Ist nicht das „Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ auch ein Echo auf das Ende des Buches Jonas?
Das Bekenntnis zur Göttlichkeit Jesu ist ein Moment der institutionellen Selbsterhaltung der Kirche.
Die Zerstörung der Sprache durch die Staatsmetaphysik: Die Herrschaftssprache Kohls. Kohl ersetzt die benennende Kraft der Sprache durch seine Ernennungsbefugnis: Er ernennt das deutsche Volk zum ausländerfreundlichsten Volk.
Erinnert das Wunder von Kana nicht an die Noe-Geschichte, an den Zusammenhang von Sintflut und Entdeckung des Weinbaus, bis hin zur Geschichte mit Ham, dem Aufdecken der Blöße (und dem neuen Nahrungsgebot) und der Begründung der Knechtschaft? Während der Sündenfall die Scham begründet, ist die Knechtschaft begründet in der Aufdeckung der Blöße. Die Erlösung hängt zusammen mit der Hinnahme und Auflösung der Schande (Penner, Knast und Huren): mit der Übernahme der Sünden der Welt. Die Weltgeschichte ist die Geschichte der Kausalität und Wechselwirkung von Scham und Schande.
In den Metropolen sind Basisgemeinden nur als Knast-, Penner-und Hurengemeinden denkbar: Hängt das nicht zusammen mit den drei evangelischen Räten? -
31.12.92
Erst durch die Inquisition hat die Buße jene Bedeutung gewonnen, die sie als die Ausnahme erscheinen läßt gegenüber der Umkehr, die im Christentum der Normalfall hätte sein müssen. Erst hier wurde der Rückschluß, der insbesondere Maria Magdalena getroffen hat, nahegelegt: Wer so büßen muß, muß es schlimm getrieben haben, und nur wer unbehelligt bleibt, wer sich anpaßt, ist gerechtfertigt. Erst hier wurde die Buße zu einem Instrument der Zivilisierung, zum Herrschaftsmittel.
Das Wort: alle Menschen werden Brüder, bezeichnet eigentlich die Utopie der Herstellung einer gemeinsamen Welt (durch Beziehung der Welt auf einen gemeinsamen Vater).
Über die Identität von Schuldreflexion und Herrschaftskritik, oder über das paranoide Element im Objektbegriff. Die Übernahme der Sünde der Welt ist Inbegriff der christlich determinierten Erinnerung; sie wurde verdrängt durch die Opfertheologie.
Es gibt keine Offenbarung zu jeder Zeit, sondern die Offenbarung hat ihre bestimmte Zeit. So ist es beschrieben in der Lazarus-Geschichte: Dafür habt ihr Moses und die Propheten.
Hängen die Größe des Weltenraums und die Tiefe der Vergangenheit (die Zahl der Sterne am Himmel und des Sands am Meere) mit der Zahl der Menschen (der Nachkommenschaft Abrahams) zusammen?
Das Fremde ist die Präsenz der unreflektierten Vergangenheit (der unreflektierten Schuld der Vergangenheit).
Vergangenheit und Zukunft: Ebenso wie eine zukünftige Vergangenheit (Futur II) gibt es eine vergangene Zukunft (Fremdheit und Auferstehung), und beide sind durch Umkehr aufeinander bezogen.
Der Raum definiert das Medium der Praxis; und zwar sowohl fürs Subjekt (offener Raum, in den die Dinge von außen hereingebracht werden müssen: kopernikanisches System) als auch fürs Objekt (geschlossener Raum, der von anderen Objekt leer gemacht werden muß: Herstellung von Laborbedingungen, verschließbarer Tresor oder Gefängniszelle). Sind Subjekt und Objekt (Welt und Natur) definiert durch Verfügbarkeit (Besitzrechte)? Der offene Raum ist ein durch keine Besitz- und Verfügungsrechte anderer eingeschränkter Raum, während der geschlossene Raum (Labor, Tresor und Gefängnis) das absolute Verfügungsrecht über seinen Inhalt mit einschließt. Gibt es Gefängnisse erst, seit es Privateigentum gibt (Schuldknechtschaft)?
Hier gründet die Beziehung des Raumes zum Geld: Die mathematische Entfaltung der Raumvorstellung war erst möglich nach der mathematischen und technischen Beherrschung des Schuldenproblems (Erfindung der Null, Rechnen mit negativen Zahlen, Erfindung der doppelten Buchführung). -
26.12.92
Das Zölibat soll das Erben verhindern: so bleiben die Institutionen und die Lehre Eigentum der Kirche. Der Staat hingegen ist das Eigentum der Bürger, der sich in der Geschlechterfolge durch Geburt, durch das Blut) vererbt; deshalb gilt es, seine Einrichtungen und sein Eigentum (zu dem auch „unsere Frauen“ gehören) gegen fremde Eingriffe (gegen „Ausländer“) zu schützen.
Hängt es nicht mit dem Blutprinzip zusammen, daß das Sein im Deutschen das männliche Possessivpronomen ist (ist im Deutschen das Präfix be- in die erste und zweite Person Singular gerutscht: ich bin, du bist)?
Merkwürdig, daß im Englischen das you are (in der zweiten Person, es hat das thou verdrängt) identisch ist mit der Pluralbildung (we/you/they are). Wie lautete das Verb in der zweiten Person Singular, als anstelle des you noch das thou in Gebrauch war? Hängt die englische Pluralbildung in der zweiten Person (die im Deutschen nur regional, und dann despektierlich, üblich ist, während sonst die dritte Person Plural an dessen Stelle getreten ist) damit zusammen, daß die Welt als kollektives Subjekt im Anderen repräsentiert wird: die zweite Person Singular ist Repräsentant dieses kollektiven Subjekts. Es ist die reine Mannigfaltigkeit.
Im Futur II wird der Infinitiv des Seins als Konstruktionselement mit verwandt: It will be have done, es wird getan worden sein.
Ist die Musik in dem Abgrund zwischen Natur und Welt angesiedelt, und kann es sein, daß Musikalität deshalb, weil sie das Unrecht in der Herrschaft der Sprache wahrnimmt, nicht selten mit grammatischen oder orthographischen Problemen einhergeht? Musik als Ausdruck des Leidens an der Unzulänglichkeit der Sprache (Zusammenhang mit der Struktur der deutschen Sprache: mit ihrer besonderen Ich-Bezogenheit, ihrer Egoität, dem deutschen Idealismus?).
Egoität und Blut-Bezogenheit (Definition der Staatsbürgerschaft): Hegels Deduktion der Geburt des Monarchen aus der Logik des Begriffs hängt zusammen damit, daß das Sein ein männliches Possessivpronomen ist, Besitz sich durch Vererbbarkeit definiert und die Welt über den Seinsbegriff im Institut der Erbschaft begründet ist (deshalb die zentrale Bedeutung des Andersseins für die Logik). Sie bezeichnet genau den Kontrapunkt zum Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit.
Dem heidnischen Primat von Zeugung und Geburt (sedimentiert im Naturbegriff) entsprechen in der jüdischen Tradition die Schuld der Väter und die Sünden der Mutter.
War Galiläa der pagane, der ländlich-heidnische Teil Israels?
Die Verweltlichung der Welt ist das Fegfeuer der Theologie: ihre Reinigung von der Herrschaftsmetaphorik. Nicht die Anbetung des Logos, sondern Gott will nicht, daß das Wort leer zu ihm zurückkommt: „So ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verläßt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück …“ (Jes 5511)
Jes 5511: Ist das nicht die Widerlegung des Dogmas? Und ist das Wort, das aus dem Munde Gottes kommt, anders als durch Erinnerungsarbeit und Tun zu füllen (durch die Klugheit der Schlange und die Arglosigkeit der Tauben)?
Das Dogma hat das Vakuum in der Gotteserkenntnis erzeugt und zugleich den horror vacui verdrängt: Das ist der Grund der Desensibilisierung durch Theologie.
Das Bekenntnis ist das sprachimmanente (welterzeugte) Prinzip der Zerstörung der Sprachlogik (der sprachlichen Sensibilität: des Wahrnehmungsorgans der Gotteserkenntnis). Es hat die Bahn freigemacht für das Herrendenken.
Steckt nicht im Namen Israels die Sara und im Namen der Hebräer der Abraham? -
25.12.92
Weihnachten: Der Geschenk-Wahn oder die Einstiegsdroge für den Ego-Trip.
Wenn der Himmel aus der räumlich-präsenten in die zeitlich-zukünftige Dimension rutscht, dann gewinnt der Satz „Was du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst sein“, eine ganz neue, aufs Bußsakrament nicht mehr anwendbare, ungeheure Bedeutung.
Die creatio mundi ex nihilo stellt den ersten Satz der Genesis auf den Kopf. Das bereschit wird durch das ex nihilo schlicht falsch übersetzt. Das Heideggersche „Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts“ ist eine Konsequenz aus dieser falschen Übersetzung und sein spätes, blasphemisches Echo (ähnlich schon das rousseausche „Zurück zur Natur“).
Hängen die Dornen und Disteln vielleicht mit einer durch den Sündenfall verursachten Veränderung des Raumes: mit der Genesis seiner mathematischen Struktur, die in den Dornen ihre biologische Entsprechung findet, zusammen? Und haben die Hörner (nur Hörnertiere sind Opfertiere) etwas mit den Dornen und Disteln zu tun?
Ist das Buch der Richter ein kosmologisches Buch (Kampf der Sterne bei Deborah, Simson und Dalilah, die linkshändigen Benjaminiten)?
Die Geschichte der Verweltlichung der Welt ist ist erkauft mit der Vergesellschaftung von Herrschaft. Das „Von allen Seiten hinter dem Rücken“ ist die Einheit von Herrendenken, projektiver Nutzung des Schuldverschubsystems und universaler Verblendung.
Was hat es mit den Witwen und Waisen auf sich (ist nicht Mitscherlichs vaterlose Gesellschaft eine Gesellschaft von Witwen und Waisen)?
Das Ungleichnamige gleichnamig machen geht nur innerhalb eines Systems, in dem (wie in der Physik und in der Ökonomie) jeder Vorgang sich theoretisch auch in umgekehrter Richtung denken läßt, in einem System, das die Umkehr neutralisiert: darin liegt die ungeheuerliche Bedeutung des mathematischen Raumes und des Geldes.
Der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit (Voraussetzung der Neutralisierung der Umkehr) antwortet die Rettung der vergangenen Hoffnung, die Idee der Auferstehung der Toten. So bestimmt sich das Verhältnis der Bibel zur Physik.
Ist die Differenz zwischen dem Dynamischen und Mathematischen (zwischen Natur und Welt) die zwischen dem Tun und der daraus abgeleiteten (und das Tun nachträglich begründenden) Eigenschaft (Verb und Begriff)? -
24.12.92
Was drückt sich in den Worten Raum, Traum, Baum, Schaum, kaum, Zaum gemeinsam aus?
Zwischen dem „es gingen ihnen die Augen auf“ und dem „die Blinden sehend Machen“ (der Aufdeckung des Angesichts) liegt die Umkehr. Das Angesicht ist ein sprachlicher Sachverhalt.
Steckt nicht in dem Metzschen Begriff der Empfindlichkeit und in der Hemmung, den Begriff der Sensibilität zu gebrauchen, die Instrumentalisierung des Kreuzestodes durch die Opfertheologie, die in der Tat für das Entsetzliche dieses Todes (indem sie ihn tendentiell zum Gottesmord macht) unempfindlich macht. – Die kantischen subjektiven Formen der Anschauung sind ein Produkt der Instrumentalisierung des Kreuzestodes, der Verinnerlichung des Opfers: der davon nicht ablösbaren Verstocktheit und Unbelehrbarkeit, die dann (zusammen mit der Lehre von Erfüllung der Prophetie in Jesus) auf die Juden projiziert wurde.
Einer der Nebeneffekte des Dogmas ist die Unbelehrbarkeit, für die das Christentum seit je besonders anfällig war, und die sie insbesondere im „Kampf gegen die Häresien“ exekutiert hat.
Hegels Rezeption und Begriff des Christentums war unter dem Schein seiner Bestätigung in Wahrheit seine Widerlegung. Aber widerlegt wurde ein Christentum, das sich wider das Gebot seines Ursprungs mit der Welt eingelassen hatte. Grund dessen ist in der Hegelschen Philosophie die Funktion und Bedeutung des Begriffs des Scheins: Der „Übergang“ vom Schein zum Wesen ist kein Übergang und kein Werden, sondern die verhinderte Umkehr, die geleugnete Auferstehung. Hier liegt der Angelpunkt, der das Christentum an die Welt gebunden hat: der Kleinglaube.
Ist nicht der erste Dialogpartner des Menschen in der Schrift die Schlange, und sind nicht alle anderen sprachlichen Äußerungen vorher
– Imperative: Gott sprach und es ward,
– Benennungen: von „und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht“ bis zur Benennung der Tiere durch Adam,
– Gebote: „Seid fruchtbar und mehret euch“, „Von allen Bäumen darfst du essen, nur von dem einen nicht“, und
– Monologe: „Laßt uns Menschen machen …“, „Das endlich ist Bein von meinem Bein, …“?
Kann man im Hebräischen erkennen, ob das „Uns“ im „Lasset uns den Menschen machen“ ein Pluralis oder ein Dualis ist?
Die Seligsprechung der Frau, die, weil sie die Abtreibung verweigert hat, gestorben ist, um ihr Kind zu retten, wäre wahr, wenn die Kirche sich darin selbst erkennen würde. Die Abtreibungskampagne rührt an die Wahrheit, es wird aber von keiner der beiden Seiten begriffen, daß hier von einem messianischen Sachverhalt die Rede ist.
Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie