„Das existentielle Zentrum des Handelns und Denkens“ (Engler, S. 45)
Drückt nicht im Ausländerhaß auch ein Stück Neid auf jene sich aus, die ohne eigene Arbeit wie ein Säugling versorgt werden und so der Last der Verantwortung enthoben sind. Das deutsche „Ausländerdeutsch“, kein empirischer, sondern ein projektiver Tatbestand, verweist auf den gleichen Sachverhalt: Mit der Verantwortung sind Ausländer auch der Last des artikulierten Sprechens enthoben. Karl Kraus‘ Bemerkung, daß die Deutschgesinnten in der Regel des Deutschen nicht mächtig sind, bezieht sich auf den gleichen Sachverhalt. In den Ausländern werden die eigenen verdrängten Regressionswünsche verfolgt.
Jeder Nationalismus spricht Regressionsbedürfnisse an.
Hängen Funktion und Gebrauch der Hilfszeitverben im Deutschen genetisch mit dem lateinischen AcI zusammen (insbesondere die Futur- und die Konjunktivbildungen)?
Ist die Welt nicht das gegenständliche Äquivalent des Futur II (und bezieht sich darauf nicht die Charakterisierung des apokalyptischen Tieres, das „war, nicht ist, und wieder sein wird“)?
Vergesellschaftete Herrensprache ist Sklavensprache: Sie unterdrückt nur das Bewußtsein, Sklave zu sein. Daraus resultiert der Fremdenhaß (und in der Philosophie Begriffe wie Natur und Materie). Die Unterdrückung des Bewußtseins, abhängig zu sein, ist die Unterdrückung der Fähigkeit zur Schuldreflexion; sie hat sich im Christentum über den Weltbegriff: über die Vorstellung, daß die Welt durch den Opfertod Jesu entsühnt worden sei, etabliert. Dies ist der Kern der Unbelehrbarkeit, der im Dogma sich vergegenständlicht hat.
Das Bewußtsein, daß die Natur schon alles zum besten lenken wird, ist ein Erbteil der unreflektierten Christologie, und wie diese obszön.
Der Begriff der Sünde entspricht dem dynamischen Aspekt des Naturbegriffs, der der Schuld dem mathematischen Aspekt des Weltbegriffs. Die Rechtfertigung, der apologetische Gebrauch der Vernunft macht die Schuld erneut zur Sünde (Quellpunkt der zweiten Schuld): die Verdrängung der Gottesfurcht. Die Sünden der Welt auf sich nehmen, heißt: den Schuldzusammenhang des Begriffs durch Reflexion auf seine tätige Wurzel auflösen. Gibt es eigentlich einen Zusammenhang zwischen dem regressiven Moment in der Fremdenfeindschaft heute und der kirchlichen Abtreibungskampagne?
Hat das „de mortuis nihil nisi bene“, bezogen auf das vierte Gebot, nicht auch insoweit ein fundamentum in re, als die Eltern mit der Zeugung und Geburt ein Stück mitsterben.
Gibt es eine Beziehung zwischen dem hebräischen Namen der Griechen (jawan, griechisch Ionier) und dem Namen JHWH?
Sprache
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23.12.92
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21.12.92
„Jeder Glückselige ist Gott.“ (S. 134) Aber was ist das für eine Glückseligkeit, die vom Zustand der Welt keine Kenntnis nimmt? Ist das nicht der obszöne Quellpunkt des Herrendenkens (das wahre Objekt der Sexualmoral, und die wirkliche Lust, über die sich die Erbsünde fortpflanzt)? Grund dieses Glückseligkeitsbegriffs und mit eingeschlossen ist der affirmative Gebrauch des Weltbegriffs (die durch den Opfertod Jesu entsühnte Welt).
Steht nicht die Geschichte des Objektivationsprozesses in der Tradition des hieros gamos, mit der Naturerkenntnus als Penetration und dem Orgasmus der Welterzeugung? Im Kontext dieser Geschichte läßt sich ermitteln, was eigentlich Gegenstand der kirchlichen Sexualpolitik und der Abtreibungskampagne ist.
Die Sexualität rührt in der Tat an den Grund der Welt.
Mit dem Sohn erzeugt man eine Welt. Hier liegt der Grund der Trinitätslehre, ihr partikulares Wahrheitsmoment. Nicht zufällig erinnert der Begriff der Materie an die mater, die Mutter.
Das „Werk der Zeugung, nach dem doch die Natur immer begehrt“. (Boethius, S. 140) Problem des innertrinitarischen Gebrauchs des Zeugungsbegriffs.
Physis kommt von phyein: erzeugen, wachen lassen, hervorbringen, Natur von nasci: geboren werden. Was drückt sich darin aus, daß im Lateinischen physis durch natura übersetzt wurde, die Tätigkeit durch ihre Produkt. In der physis steckt die volle Kraft des Erzeugens, im natura die reine Passivität und Ohnmacht des Geborenwerdens, das, was nun tatsächlich jeder Zurechenbarkeit sich entzieht.
Das peri physeos der Vorsokratiker erinnert noch an die hebräischen toledot, die Welt der Väter, die natura an das neugeborene Messiaskind, das die Sünden dieser Welt auf sich nimmt? -
17.12.92
Von Empedokles gibt es zwei Titel, neben dem „Über die Natur“ (peri physeos) den zweiten „Entsühnungen“; beide zusammen umschreiben aufs genaueste den Objektbereich des Ursprungs der Philosophie.
Die Entdeckung des Winkels und die Erfindung der Null eröffnen jeweils einen neuen Äon. Die Entdeckung des Winkels gehört zu den Ursprungsbedingungen des Weltbegriffs (der Idee der Ewigkeit der Welt), während die Erfindung der Null präludiert wird durch das Theologumenon der creatio ex nihilo.
Das Nichts, aus dem der Theologie zufolge Gott die Welt erschafft, ist die Vergangenheit, die wir produzieren (deshalb gehört der Ursprung der Geschichtsschreibung zum Ursprung des Weltbegriffs). Es ist das Erinnerungsmal des vergessenen Mords oder der vergessenen Katastrophe (der gleichen Katastrophe an deren Herbeiführung wir alle bewußtlos arbeiten).
Die creatio ex nihilo war auch seit je ein Rechtfertigungs-Topos für die kirchlichen Ursprünge des Terrors und Mords.
Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten, daß sie nackt waren: Hier liegt der Ursprung des Weltbegriffs, der sich hinter unserm Rücken und über unsern Köpfen seitdem durchsetzt. Dieses Sehen ist sehr genau zu unterscheiden von dem, das die Blinden sehend macht und sich aufs Angesicht bezieht.
Die Idee des Kosmos ist ohne die Veränderungen, die die Erfindung der Schrift und der Ursprung des Geldes einleiten und bewirken, insbesondere ohne die neue Beziehung zur Vergangenheit, nicht denkbar.
Die staatliche Organisation einer Gesellschaft von Privateigentümern zitiert die Natur (die gefallene Natur).
Ist nicht die Schlange („seid klug wie die Schlangen“) auch ein Bild der Paranoia?
Die Zelle der Isolationshaft, in der wir alle stecken, ist mindestens mit drei Schlüsseln verschlossen: mit dem Begriff des Wissens, mit dem Natur- und mit dem Weltbegriff.
Nicht Glaube, sondern Treue (zu den Verheißungen Gottes). Der Glaube ist ein nur Anfang, aber einer, der – wie die Naturen bei Rosenzweig – der Umkehr bedürftig ist, und dann als Treue sich bewähren muß.
Wenn mein Verständnis von Joh 828 stimmt, hat sich dann nicht die Kirche in der Karfreitagsliturgie immer selbst verflucht?
Die Welt erträgt das Anderssein, weil sie selbst der Inbegriff des Andersseins ist, aber sie erträgt nicht den Fremden. Und durch ihre Beziehung zum theologischen Konzept der creatio ex nihilo bezieht sie sich ähnlich negativ auf die Schuld der Armen, die in diesem nihil sich ausdrückt.
Das Kuckucksei in der Verfassung ist das Blutprinzip, der genealogische Grund der Staatsbürgerschaft, wonach man Deutscher nur aufgrund seiner Abstammung ist (vgl. die Hegelsche Ableitung des Monarchen in seiner Rechtsphilosophie); das Kuckusei im Kopf sind die subjektiven Formen der Anschauung, in denen die Gesellschaft als unkenntlich gemachtes Prinzip enthalten ist. Objektivierung, Verweltlichung und Vergesellschaftung sind nicht gleichbedeutende Begriffe, aber Begriffe, die den gleichen Sachverhalt unter verschiedenen und zugleich organisch verbundenen Aspekten bezeichnen.
Es gibt zwei Ursprungsbegriffe des Privaten: den idiotes (der sich um Politik nicht kümmert) und die steresis (die privatio, Beraubung).
Wann gelingt es endlich, die Finsternis über dem Abgrund zu durchdringen (oder beide, die Finsternis und den Abgrund, aufzulösen)? Aber wie verhält es sich mit dem Schlüssel des Abgrunds in der Apokalypse (und den Pforten der Hölle, die die Kirche nicht überwältigen, verschlingen werden)?
Was heißt „denken“? (Nach Kluge hängt es mit einer indogermanischen Wurzel teng-, die „ziehen, spannen“, aber auch „wiegen, erwägen“ bedeutet, zusammen. Bezeichnet es eine der Schwere korrespondierende Kraft, mit dem Begriff als Trägheitsprinzip?) Ist die Theologie, wenn es sie denn einmal geben sollte, die durchs Denken vermittelte Prophetie oder das Denken nach der Umkehr? (Vgl. den Titel von Simone Weil: Schwerkraft und Gnade.) -
12.12.92
„Die Götterwelt fungiert als eine völkerrechtliche Instanz, die auf die Einhaltung der Verträge achtet.“ (Assmann, S. 256)
Vertragsbruch als Urmodell der Sünde. (ebd.)
In welchem Zusammenhang stehen im Christentum Kanonbildung und Dogmatisierungsprozeß?
„Das Problem ist für die Wissenschaft das, was die „Mythomotorik“ für die Gesellschaft im Ganzen ist. Das Problem enthält ein Moment dynamischer Beunruhigung. Die Wahrheit ist einerseits problematisch, andererseits wenigstens theoretisch lösbar geworden.“ (S. 288)
Im Kontext des „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ gibt es den anderen, an die Pharisäer gerichteten Satz, wonach sie durch Wissen schuldig werden. Dieser Satz, der auf den Rat hinausläuft, dumm zu bleiben, denn „Was ich nicht weiß macht mich nicht heiß“, ist böse. Hier liegt der Grund der Verdrängungsmechanismen, der Verdummungsautomatik, die ihre schlimme Wirksamkeit dann entfaltet hat. Hier werden die Dummen heiliggesprochen.
Die systematische Stelle des Naturbegriffs im Stern der Erlösung macht deutlich, welchen Bann er begründet, und daß er nur durch Umkehr, in der der Bann sich löst, auf die Idee der Wahrheit zu beziehen ist.
„Gehet hin in alle Welt“, dieser Auftrag ist nicht nur geographisch, sondern auch begrifflich zu verstehen. Er bezieht sich auch auf die Apperzeption und vollständige Durchdringung der weltkonstituierenden Philosophie.
Staub, Schmutz und Abfall sind Kategorien der Xenophobie. (Hat der Name der Hebräer etwas mit dem Fluch über Adam und die Schlange, mit dem Staub, zum dem Adam wird und den die Schlange frißt, zu tun? Wird nicht die Erinnerung an das „Staub bist du, und zu Staub wirst du wieder werden“ zur Selbstbezeichnung? Als Hebräer aber sind sie Nahrung der Schlange. Ist in diesem Licht nicht die Schlange des Moses, ihr Kampf mit den Schlangen der Zauberer des Pharao, die erhöhte Schlange, zu sehen? Wann wurde die Schlange aus dem Tempel entfernt? – Wird im Christentum der Benennende und Fressende: Ägypten, die Philister, auch Holofernes ins hebräische Subjekt mit hereingenommen; ist das der Kelch, von dem Jesus wünschte, er möge vorübergehen; und drückt sich das im Kreuzestod, dem ambivalentesten Symbol des Christentums, für das das „Ein Gehenkter ist ein Fluch Gottes“ – 5 Mos 2123, Gal 313 – weiterhin gilt, aus? – Vgl. auch Hebr 1126, 122, 1313)
Der Weltbegriff macht die Schande (das Aufdecken der Blöße) allgemein, das Christentum macht sie reflexionsfähig: es relativiert die Schande, die Schmach, befreit die Menschen von ihrer Gewalt (das Kreuz ist Grund der Ästhetik, aber selbst kein ästhetisches Objekt; Beziehung der Schande zur Sexualmoral): Schande wird reflexionsfähig durch Übernahme der Sünde der Welt.
Hat der Name des Petrus etwas mit den drei Leugnungen zu tun, mit dem „Von allen Seiten von außen“ und der Hilflosigkeit dagegen, (Genesis der Verdinglichung, Versteinerung)?
Gethsemane, und nicht die Todesangst, wäre der Anfang einer christlichen Theologie, die dem mit dem Stern der Erlösung gesetzten Anspruchsniveau genügt.
Vorweihnachtliche Unzufriedenheit: omna animal post coitum triste.
Der Begriff unterscheidet sich vom Namen wie das Zeitlose vom Ewigen. Das Zeitlose gilt zu aller Zeit, das Ewige besteht zu keiner Zeit, außer „Heute, wenn ihr meine Stimme hört“. Das Zeitlose ist bis zur Strangulierung verstrickt in die Zeit, nur das Ewige bringt die Luft zum Atmen.
Das jesuanische „Die Blinden sehend machen“ sollte nicht verwechselt werden mit dem „Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten, daß sie nackt waren“. Gegenstand der erlösten Erkenntnis ist nicht die Nacktheit, sondern das Angesicht.
Es gibt eine Vergöttlichung Jesu, die ihn gleichsam stillstellt, unschädlich macht. Sie hat mehr mit dem Binden zu tun als mit dem, was in seinem Munde Bekenntnis hieß.
Gehört es mit zum Providentiellen in der deutschen Sprache, daß in ihr der Name der Taube an den der Taubheit anklingt (mit der Konnotation des Doven)?
Mit scheint, die Abtreibungsdiskussion hängt strukturell mit der Xenophobie zusammen. Innerkirchlich implodiert in der Abtreibungsdiskussion die Sexualmoral, Folge ihrer unaufgeklärten Beziehung zum theologischen Weltbegriff und seiner Verflochtenheit in die reale Geschichte (Zusammenhang mit der unaufgearbeiteten Frauenfeindschaft und dem Zölibatsproblem und mit den drei ungelösten Vergangenheitsproblemen: Antisemitismus, Ketzer- und Hexenverfolgung).
Lippen und Zunge, Phallus und Vagina: Weshalb heißt das Lippenbekenntnis Lippenbekenntnis?
Ist nicht heute die Nutzung der Welt als Exkulpationsmaschine die Wand, die uns von Auschwitz trennt, und der Grund der Unfähigkeit, Auschwitz und seine gegenwärtigen Metastasen wirklich wahrzunehmen?
Zu Metz am 11.12.: Die Verwechslung der Empfindlichkeit mit der Sensibilität beharrt auf der unzivilisierten Verletzbarkeit, während die Sensibilität ihrer selbst auch nach Verletzungen noch mächtig bleibt. Die Sensibilität unterscheidet sich von der Empfindlichkeit durch ihr parakletisches Element.
Errettung der vergangenen Zukunft: Siehe hierzu das Gleichnis vom armen Lazarus, der den Reichen darauf hinweist: deine Brüder haben Moses und die Propheten; an die sollen sie sich halten. -
10.12.92
Der Andere ist – wie das Objekt auf den Begriff – auf das Selbst bezogen und gehört zur Stabilität des Selbst dazu; es ist die Rückseite des Eigenen, zu dem es wie das Vorhandene zum Zuhandenen gehört. Der Fremde ist auf die kollektive Identität bezogen und stellt diese in Frage. Kollektive Identität ist die kollektive Form der Objektbeziehungen, die Identität des Einen und des Anderen: der Fremde ist anders als das Anderssein, mit dem man sich selbst identifiziert, und löst deshalb Identitätsängste aus: Xenophobie.
Der Andere ist ein Teil der Welt, der Fremde ist der Feind der Welt.
In Assmanns Hinweis darauf, daß der Tempel in Ägypten ein kulturhistorisches Äquivalent des Buches war, klingt mit an, welcher Sinn hinter den Tempelbeschreibungen in Prophetie und Apokalypse sich verbirgt. – Welche Bedeutung haben Tempel und Opfer für die Entstehung, den Ursprung der Schrift (Phonologische Analyse des Wortes, projektive Reflexion in der Schreibebene)? (Vgl. S. 177ff)
Hinweis, daß der Tempel „bis zu sieben ineinander geschachtelte Portale“ besaß. (S. 179)
Hinweis auf die ausgeprägte Xenophobie der Ägypter! (S. 180)
Der ägyptische Spätzeittempel ist gebaute Erinnerung.“ (S. 181)
Der ägyptische Spätzeittempel umfaßt aber nicht nur in der Art einer Enzyklopädie die Menge des Wißbaren, sondern wirklich die Welt. Wir befinden uns – Gegensatz zu den monotheistischen Religionen – im Kontext des „Kosmotheismus“. … Die Welt ist ein sinnerfülltes und daher göttliches Ganzes. Dies versucht der Spätzeittempel abzubilden.“ (S. 182f)
„… die ägyptischen Tempel waren die Zentren, in denen die Welt in Gang gehalten wurde.“ (S. 194)
Zu Petrus vgl. Jos 2427: „Dabei sagte er zu dem ganzen Volke: Seht her, dieser Stein wird ein Zeuge sein gegen uns; denn er hat alle Worte des Herrn gehört, die er zu uns gesprochen hat. Er soll ein Zeuge sein gegen euch, damit ihr euren Gott nicht verleugnet.“
„Die Bindungen, denen die Menschen mit der Herausbildung staatlich organisierter Gemeinwesen nach innen und außen untrworfen wurden, nahmen die Zukunft in Anspruch und schufen, zusammen mit dem sich herausbildenden Handlungsspielraum „Welt“, auch die sozial verfaßte Zeit, in der sich erinnerte Geschichte ereignet.“ (S. 231)
„Diese „Fluchformeln“ (sc. auf Verträgen, H.H.) brachte am deutlichsten zum Ausdruck, was man sich (sc. in Mesopotamien, H.H.) von den Göttern erwartete: die Gewährleistung der konnektiven Gerechtigkeit.“ (S. 234f)
Das paulinische „Kauft die Zeit aus“ schließt die Kritik des Dogmas mit ein.
Zum Begriff des Angesichts: Er ist ein angesehener Mann.
Der Begriff der Trauerarbeit ist auf die Zeit des Nationalsozialismus nur bedingt anwendbar: Es gibt keine Trauer über den Tod Hitlers, nur eine über das eigene Versagen.
Die Differenz von Theorie und Praxis am Beispiel der Sexualmoral erläutern. Aber das gilt dann für den Gesamtbereich der Moral; es gibt keinen bruchlosen Übergang von der Richtschnur des eigenen Handelns zum Maßstab für das Urteil über andere. Die Moral als Richtschnur des Handelns ist die Quelle der Gottesfurcht, die Moral als Maß das Urteils über andere ein Teil der Dynamik der Rechtfertigung (Ideologie und Vorurteil).
Hat nicht die Kirche mit den sieben Sakramenten selber die sieben apokalyptischen Siegel gesetzt, und war das nicht das Binden (auf Erden wie im Himmel)?
Die Kirche hat es nie gelernt, ihr eigenes Konfliktpotential aufzuarbeiten (siehe die Geschichte der Auseinandersetzung mit den Häresien). Damit hängt es zusammen, daß sie heute nur noch Mechanismen der Verdrängung und des Vergessens produziert.
Der Taumelkelch: Ist das nicht die Welt (und der Alkohol die Zivilisationsdroge)?
Gibt es in der Schrift außer den Geschichten von Ham und Noe und von Lot und seinen Töchtern noch andere zum Thema Trunkenheit? -
09.12.92
„Den „Sozialkörper“ gibt es nicht im Sinne sichtbarer, greifbarer Wirklichkeit. Er ist eine Metapher, eine imaginäre Größe, ein soziales Konstrukt. Als solches aber gehört es durchaus der Wirklichkeit an.“ (S. 132) Und ich kann mir gleichwohl an ihm den Kopf einrennen: Er ist durchaus ein mechanisches Objekt (Frage: wie unterscheidet sich diese Materialität von der einer Wand?).
„Kulturelle Identität ist … die reflexiv gewordene Teilhabe an bzw. das Bekenntnis zu einer Kultur.“ (S. 134) (Problem: Teilhabe und Bekenntnis.)
Hier scheint es wirklich schlimm zu werden: wenn er als Kardinalsünde die „Habgier“ notiert und dazu die gesellschaftliche Wirkung der Unmoral mit dem Krebs vergleicht: „Der Habgierige ist gewissermaßen die „Krebszelle“ der Gesellschaft“ (unter dem Titel „Zirkulation“, S. 140f)
„Sprichwörter haben es vornehmlich mit Gemeinsinn als Common Sense zu tun.“ Z.B. „Gutheit ist Dummheit“ (vgl. auch Adornos Bemerkung über Sprichwörter). Vielleicht ist hier der Begriff „Gemeinsinn“ durchaus wörtlich zu nehmen. Aber das Zitat geht weiter: „Ihr zentrales Anliegen ist die Einübung von Solidarität, so „daß sich jede Zelle im Einklang mit dem Gesamtorganismus befindet.““ (S. 141f)
Wenn Gott die Welt erschaffen hat, dann hat er auch die Hölle erschaffen. Aber keine Auferstehung ohne den Abstieg zur Hölle!
Zu S. 150: Ich befürchte, auch Jan Assmann hat den Begriff der „Volksgenossenschaft“ nicht (oder doch zu gut?) verstanden.
Zum Ursprung der Sprache: Daß Gott die Seele liebt, muß ein Stück paradiesischer Welterfahrung, mit enthalten. Diese Liebe kann nicht nur die einer intimen Zweierbeziehung (eine „echte Begegnung“) sein, sie muß den Status der Erlösung der ganzen Welt als Vorbegriff mit enthalten.
Ist die zweite Schöpfungsgeschichte die nachgetragene Begründung der ersten (liegt der Sündenfall vor der Schöpfung)?
Die Vernunft hat das Maß ihrer Erkenntnis an der Idee des Paradieses (an der Idee des seligen Lebens).
Stehen Ziel und Maß nicht in Opposition zu einander? Konstituiert sich das Maß nicht erst im Untergang des Ziels, zusammen mit der Subjektivierung der Zwecke und der Instrumentalisierung der Dinge (Baum der Erkenntnis)? War die Entdeckung des Winkels (eines der Momente im Prozeß des Ursprungs der Philosophie) die erste Entdeckung einer selbstreferentiellen Maßbeziehung (Kreiszahl Pi)?
Sind die Gesten bei Kafka nicht Teil einer Sprache, die ihr Objekt verloren hat?
Das „ad litteram“ in dem augustinischen Titel „de genesi ad litteram“ bezeichnet schon das Inertialsystem in nuce. Es steht unter dem Verdikt des Pauluswortes, nach dem der Buchstabe tötet, während es der Geist ist, der lebendig macht. (Steckt darin nicht die ganze Lehre von Tod und Auferstehung?)
Erinnert die Geschichte der Bekehrung des äthiopischen Eunuchen in der Apostelgeschichte nicht an eine Begebenheit, eine Konstellation, einen Namen oder etwas ähnliches im AT?
Ist nicht der kirchliche Konfessionsstreit vorgebildet in dem Streit der Soldaten um den Rock Jesu, der keine Naht hat? Und hat dieser Rock etwas mit den Rücken aus Fell, die nach dem Sündenfall den Schurz aus Feigenblättern ersetzen, und dem bunten Rock des Josef zu tun?
Zu dem Schild am Kreuz:
– Heißt es Jesus Nazarenus oder Jesus, der Nazoräer?
– Weshalb fordern „die Juden“ von Pilatus, er solle nicht schreiben: der König der Juden, sondern: er habe gesagt, er sei der König der Juden; darauf antwortet Pilatus: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.
Die Phänomenologie des Geistes ist das Werk Hegels, das der Sache am nächsten kommt: Mit diesem Werk hat sich Hegel vorm Wahnsinn gerettet.
Der Sieg über den Nationalsozialismus hat dem Geist eine Ruhepause verschafft, die er nicht genutzt hat. Anstatt das Paradigmatische am Nationalsozialismus zu begreifen und aufzuarbeiten, hat er geglaubt, sich in den beruhigten Verhältnissen danach gemächlich einrichten zu können; er hat versäumt, die vor Augen liegenden Bedingungen gesellschaftlicher Naturkatastrophen zu studieren.
Hängen nicht Xenophobie und Abtreibungsdebatte auf eine sehr subtile Weise zusammen? -
07.12.92
Zu Kant:
– In der Vorrede zur zweiten Auflage der Kritik der reinen Vernunft nennt Kant Natur den „Inbegriff der Gegenstände der Erfahrung“ (S. 18). Damit erläutert er selber den Definitionsversuch in der Antinomie der reinen Vernunft (S. 334)
– Im II. Teil der Einleitung findet sich eine Stelle, an der er in zwei auf einander folgenden Sätzen den Begriff der Erkenntnis einmal als Femininum (die Erkenntnis), das andere Mal als Neutrum (das Erkenntnis) verwendet. Das eine Mal handelt es sich um eine vergegenständlichte Erkenntnis („Kennzeichen einer Erkenntnis apriori“), das andere Mal um das „Vermögen des Erkenntnisses apriori“. Im Gebrauch (als Handeln, als Tätigkeit) ist Erkenntnis ein Neutrum (die neutralisierende Gewalt), als Ergebnis (in seiner vergegenständlichten, der Anschauung vorgegebenen Gestalt), ein Femininum. Bemerkenswert die Genauigkeit des noch nicht durch Regeln verdinglichten Grammatikgebrauchs.
Das Erkenntnis ist die erkennende Kraft, die Erkenntnis der erkannte Inhalt: an dieser Differenz arbeitet sich die Dialektik ab (das polymorph-perverse Resultat).
Das Erkenntnis als Neutrum, als tätige handelnde Kraft konstituiert sich durch Abstraktion von der Schuld, durch Unterdrückung und Verdrängung des moralischen Moments im erkennenden Subjekt.
Ist die Sexuallust ein Reflex der Urteilslust im Objekt (seine Materialität)? Ihr Repräsentant in der Philosophie ist das Sein.
Die Kirche verbietet Inzest, Homosexualität, Onanie und vor- und außerehelichen Verkehr, aber nicht die Vergewaltigung. Grund ist das Theologumenon von der Erschaffung der Welt (und ihrer Entsühnung durch den Opfertod des Gottessohnes).
Verhalten sich König und Priester wie Welt (Geschichte) und Natur? Aber nur der König ist der Gesalbte (der Priester wird gesalbt).
Die assoziative Verknüpfung von Geschäfts- und Sexualmoral wird erkennbar am Bild des ehrbaren Kaufmanns und des anständigen Beamten: Wer betrügt oder sich bestechen läßt, treibt es auch anderswo. Aber rutscht die Wirtschaft nicht immer tiefer und immer deutlicher in Verhältnisse hinein, in denen sich mafiose Praktiken aus Selbsterhaltungsgründen nicht mehr ausschließen lassen?
Verhält sich die Zeugung zur Schwangerschaft wie die Erkenntnis zur Umkehr? Und sind die Wehen der Geburt die Folgeschmerzen der Umkehr? Und ist nicht die Abtreibung ein Realsymbol der bei der Erkenntnis verweigerten Umkehr: des Positivismus (und wird sie nicht deshalb so wütend verfolgt)? Ist (in der Natur) das Licht der Beginn der Umkehr (Grund des Satzes: Stark wie der Tod ist die Liebe)?
Heidegger hat den Geburtsfehler der Philosophie zu ihrem einzigen Inhalt gemacht: Dieser Geburtsfehler war die projektive Verarbeitung der Schuld, erkennbar an der Zwangslogik der Xenophobie.
Jan Assmann: Das kulturelle Gedächtnis, S. 16: Die Definition der Gerechtigkeit durch ihre Beziehung zum „gemeinsamen Erfahrungs-, Erwartungs- und Handlungsraum“ kürzt sie gegen ihr Wesen: Hier sucht jemand eine bindende Tradition (seine kulturelle Identität), die „Bindung des Gestern ans Heute“ (nicht die des Heute ans Gestern?), die „prägenden Erfahrungen und Erinnerungen“.
Ursprung der persona in den Masken der Toten (in den Familienprozessionen)? (S. 33f)
Der Begriff der „Erinnerungsfigur“ scheint das mythische Element in dem Konstrukt Assmanns genau zu bezeichnen (Hinweis, daß sie sich nicht nur auf ikonische, sondern auch auf narrative Formen bezieht, S. 38, Anm. 19).
Kann es sein, daß der Karls-Mythos nicht in einer Fälschung, sondern in einer zwangshaften Vergangenheitsbildung gründet (einer Vergangenheitsbildung, die mit dem Ursprung der Universitäten, der Struktur und dem Fortgang der scholastischen Theologie und ihrer Beziehung zum Ursprung der modernen Naturwissenschaften zusammenhängt)?
Bezeichnen nicht der Titel Assmanns (Das kulturelle Gedächtnis) und dessen Gegenstand einen Teil des gegenwärtigen, aus Exkulpationsgründen gespeisten „kulturellen Gedächtnisses“. Ist nicht auch hier, was man im Hinblick aufs Mittelalter heute Fälschungen nennt, als Produkt einer Zwangslogik erkennbar?
Ist das Moment der Kollektivität in Halbwachs‘ Begriff des kollektiven Gedächtnisses nicht der Repräsentant des Weltbegriffs (und unter diesem Begriff zu bestimmen)?
„Die neue Idee, die sich mit dem Konzil von Nicäa als verbindlich durchsetzt, ist die Entsühnung der Welt durch den Opfertod des menschgewordenen Gottes.“ (S. 41)
Die Vergangenheit vermag sich in ihm (sc. im Gedächtnis, H.H.) nicht als solche zu bewahren. Sie wird fortwährend von dem sich wandelnden Bezugsrahmen der fortschreitenden Gegenwart her reorganisiert.“ (S. 41f) -
06.12.92
Der Naturbegriff ist der Bann, unter dem die Natur steht.
Natur und Welt sind die durchs Herrendenken vermittelten Säkularisationsgestalten des Himmels und der Erde.
Wird nicht in dem Verfassungsgerichtsverfahren über die Frage der Indikationsregelung im Falle der Abtreibung über die Gültigkeit des Satzes entschieden „Fiat justitia, pereat mundus“? Ein Verfassungsgericht, das sich um die moralische Verfassung der Republik nicht mehr schert, trägt bei zu ihrem Untergang. Es wäre zweifellos auch für einen Verfassungrichter eine lohnende Frage, ob nicht die Aufhebung der strafmildernden Wirkung von Trunkenheit zur Lösung des Problems der Gewalt in dieser Gesellschaft ganz erheblich beitragen könnte. Aber ein Recht, in dem Trunkenheit strafmildernd und Denken strafverschärfend sich auswirkt, paßt zu einem Abtreibungsrecht, das noch den Uterus der Frau dem Gewaltmonopol des Staates unterwirft. Die Wut, mit der die raf verfolgt wurde (und immer noch verfolgt wird), sind aus den Taten der raf allein nicht mehr abzuleiten – dann müßte angesichts der derzeitigen Pogrome in Deutschland ähnlich verfahren werden -; begründet war sie vor allem als Reaktion auf die politische Kritik, deren Diskriminierung das vorrangige Ziel war.
Welches Übermaß an Gewalt notwendig ist, um den staatlichen Eigentumsschutz (nach außen und nach innen) heute noch zu gewährleisten, kennzeichnet den Zustand der Welt aufs genaueste. Und rechte Gewalt ist deshalb rechtlich so schwer zu fassen, weil es keine realen Eigentumsrechte tangiert (wieviel Asylanten wiegt ein Opfer der raf auf?).
Wie hängen Geld und Schrift mit dem Ursprung des Privateigentums (dem Ursprung der staatlichen Organisation einer Gesellschaft von Privateigentümern) zusammen, und wie tief greifen sie in die mit dieser gesellschaftlichen Verfassung verbundenen Gestalt der Vernunft ein?
In Hegels Philosophie ist der Weltbegriffs bereits vorausgesetzt und sein Ursprung (wie der von Raum und Zeit in der kantischen Philosophie) ins Unerkennbare verschoben.
Welche Bedeutung haben die Zweierkonsonanten phi, psi, chi, xi im Griechischen; steht ihr Ursprung in Zusammenhang mit der Einführung der Vokale in die Schrift und dem Verschwinden des Digamma (F) und des Aspiranten (H)? Gibt es ausßerdem einen Zusammenhang mit der Benennung der Kreiszahl Pi?
Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Vokalen und den Planeten? Und ist nicht der Name JHWHs eine Vokalfolge?
Wie wäre es mit dem Titel: Läuse im Pelz?
Beruhen nicht Scham, Entzündung, Fieber, Hitze auf einer Hemmung des Angesichts?
Steckt da nicht eine ebenso ungeheuerliche wie fatale Konsequenz drin, wenn bei den Velikovsky-Anhängern jetzt dem Venus-Konkretismus jetzt eine historische Verschwörungstheorie („Karl der Fiktive“) folgt?
Liegt das Barbaren-Hebräer-Problem nicht noch eine Stufe tiefer: Hängen der Schöpfungsgedanke und das Bewußtsein der Fremdheit logisch und inhaltlich zusammen, so daß beide nur gemeinsam bejaht oder verneint werden können?
Die Fundamentalontologie ist der Strick, mit dem sich die Vernunft in der staatlich verfaßten Gesellschaft von Privateigentümern selbst erdrosselt. An der Fundamentalontologie wäre wie an einem klinischen Objekt zu studieren, was die Sünde wider den Heiligen Geist bedeutet (die Sünde wider den Heiligen Geist ist – in der logischen Folge des Eigentumsdenkens – die Weigerung, die Sünden der Welt auf sich zu nehmen).
Zu Heideggers In-der-Welt-Sein: Das Paradigma Innen-Außen läßt sich von der Vorherrschaft des Außen (und der Selbstzerstörung des Innen) nicht mehr trennen. Der Gedanke an ein gegen das Außen sich behauptendes Innen ist durch die Geschichte der Naturwissenschaften obsolet geworden.
Die Erde ist der dritte Planet; zwischen ihr und der Sonne sind auf der Erdseite der Mond, auf der Sonnenseite Merkur und Venus, außerhalb sind Mars, Jupiter und Saturn. -
03.12.92
„Der Glaube, den ein Mensch nach außen hin bekennt, kann keinesfalls sein wahrer Glaube sein.“ (Scholem: Erlösung durch Sünde, S. 60) Problem des „nach außen hin“, des Begriffs der Öffentlichkeit, des Rechts und der Beweislogik (Gemeinheit ist kein strafrechtlicher Tatbestand), Kritik der Naurwissenschaften, Dialektik der Aufklärung (Begriff Produkt der Verinnerlichung des Schicksals, Konstruktion der Idee des Schicksals), die „verandernde Kraft des Seins“ (Rosenzweig), Adornos Atheismus.
Aber: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.
In Illustrationen zur Prähistorie werden die „Steinzeitmenschen“ generell mit Tierfellen bekleidet dargestellt. Ist das nicht ein Relikt unverstandener Bibellektüre? Was es wirklich mit den „Röcken aus Fellen“, die Gott „machte“ und Adam und Eva nach dem Sündenfall gab, um ihre Blöße zu bedecken (Gen 321), auf sich hat, ist – wie mir scheint – völlig offen. Kann es nicht sein, daß es mit den Fellen, die die Feigenblätter ersetzen, eine ganz andere Bewandnis hat: daß nämlich gleichsam die Feigenblätter zu Fellen mutieren und dann aus den Fellen, von außen nach innen, sich das apokalyptische Tier bildet?
Unterscheidet auch die Bibel zwischen Häuten und Fellen (haben Schweine und Pferde Felle; aber Hunde und Katzen, d.h. Raubtiere haben Felle)? Aus Häuten werden Lederwaren hergestellt. Häute assoziieren die Vorstellung der Nacktheit. Ist die Unterscheidung von Häuten und Fellen kompatibel zu der von Hufen und Pfoten? Gibt es Tiere mit Pfoten, die auch Hörner haben? Schafe und Ziegen haben Fell, Hufe und Hörner.
Wie hängen Scham und Kälte mit einander zusammen? Das Fell bedeckt nicht nur die Blöße, sondern schützt auch vor der Kälte. Sind Wärme und Kälte nicht auch Attribute des Blicks (und somit auf die Scham bezogen)? Ist nicht die Scham auch ein Frieren (und die Kälte eine Art neutralisierter Scham)? Und ist die Hitze, das Fieber, die Entzündung, eine Art Schamreaktion (ich werde rot und mich überläuft’s heiß)?
Die merkwürdigen Phänomene wie Horn und Schwanz: Der Schwanz ist ein Teil des Fells, die Hörner hängen mit den Krallen Fuß- und Zehennägeln, den Hufen, sowie mit den Haaren zusammen. Welches Tier hat außer dem Elefanten und dem Eber noch Stoßzähne? Ist das Horn des Nashorns ein Stoßzahn?
Ist das Widderhorn eines der ersten Blasinstrumente? War die Vorstellung vom gehörnten Moses nur eine Fehlübersetzung? Kommen die Schnäbel der Vögel vom Zahn oder vom Horn?
Gibt es eine Beziehung zwischen der Hörnerbildung bei Säugetieren und den korrespondierenden Erscheinungen bei Insekten, bei Käfern?
Die Evolutionstheorie wäre unter diesem Aspekt einmal zu untersuchen.
Haben sich die Tiere durch Sintflut und das Überleben in der Arche verändert? Verweist darauf nicht u.a. das erst nach der Sintflut ergangene veränderte Nahrungsgebot, das auch das Fleischessen erlaubt? Hängt das alles wiederum zusammen mit dem Weinanbau und der Bildung des Regenbogens? Weist die Sintflutgeschichte nicht prophetisch voraus auf den Ursprung der Philosophie (Thales: Alles ist Wasser)? Und verweist die Sintflutgeschichte nicht auch auf das realmythische Wesen der Tiere (Ver-körperungen der der Natur selber immanenten mythischen Kräfte)? Und hängt dieses realmythische Wesen der Tiere nicht zusammen mit dem apokalyptischen Realsymbol des Tieres und dem prophetischen Bild des Tierfriedens (der Löwe mit dem Kalb, der Wolf mit dem Lamm. die Natter mit dem Kind)? Sind nicht die Engelwesen, insbesondere in der Merkaba-Vision des Hesekiel, aber auch die paulinischen Archonten, außer auf die Planeten auch auf die Tierwelt bezogen? Und was hat es dann zu bedeuten, wenn neben dem (Erzmärtyrer) Stephanos neben Prochoros, Nikanor und Timon, Parmenas und Nikolaos, einem Proselyten aus Antiochia, auch ein Philippos (der in Samaria aus vielen Besessenen unreine Geister vertrieb, Simon den Zauberer bekehrte, dann dem Eunuchen aus Äthiopien die Schrift auslegte und ihn taufte, und zuletzt mit seinen vier Töchtern, die Prophetinnen waren, in Caesaraea lebte) zu den Sieben gehörte? Wer sind Prochoros, Nikanor und Timon, Parmenas und Nikolaos (was bedeuten diese Namen, haben die Nikoaliten aus der Geh.Off. etwas mit diesem Nikolaos zu tun)?
Wurde mit der Wahl und Einsetzung der Sieben, insbesondere mit dem Martyrium des Stephanos, der den Himmel offen und Jesus zur Rechten Gottes sah, die Parusie ad kalendas graecas verschoben? Und liegt nicht hier der Grund für die Berufung des Paulus (ist die Kirche die Fortsetzung der Diakonie, und nicht des Apostolats: Nach den Taufen des Philippos in Samaria kommen Petrus und Johannes und „legten ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist“)?
Merkwürdige Geschichte mit den Kleidern: Beim Tode Jesu haben die Soldaten seine Kleider unter sich aufgeteilt; beim Tod des Stephanos legten die falschen Zeugen vor der durch sie eröffneten Steinigung ihre Kleider dem Saulus zu Füßen.
Zur Farbe der Materie: Nachts sind alle Katzen grau.
Mit den Ne-Utrum wird die Sprache von den Wurzeln ihrer benennenden Kraft abgeschnitten.
In welchen Sprachen wird „eu“ wie „oi“ ausgesprochen? Oder: Seit wann heißt Zeus Zois und deutsch doitsch? Und hieß es nicht im Lateinischen tatsächlich ne-utrum, ähnlich wie de-us?
Ist die Lehre von der Auferstehung der Toten ein Teil der Lehre von der Versöhnung, oder ist die Lehre der Versöhnung ein Teil der Lehre von der Auferstehung der Toten? Die Hoffnung auf die Auferstehung der Toten gründet in der Intention, daß der Kampf derer, die gegen das Unrecht und die schlechten Verhältnisse angekämpft haben, mit ihrem Tod nicht zu Ende sein darf. Die vergangenen Hoffnungen sind mit dem Tod derer, die für sie gestorben sind, nicht abgegolten.
„… wie ein leuchtender Stern zwischen den Wolken“ (Sir 1613)
Sind nicht die Medien nach ihrer Professionalisierung zu Verkörperungen des falschen Zeugnisses geworden? BILD und HEUTE sind Beweise dafür, daß Gemeinheit kein strafrechtlicher Tatbestand ist. -
02.12.92
„Unbekannt verzogen“: Das Vergehen des Umzugs wurde vor den zuständigen Behörden nicht „bekannt“; so bleibt sie schuldig.
Heideggers Fundamentalontologie ist Objektphilosophie, die das Konstitutionsproblem durchstreicht. Begriffe wie „Dasein“ und „Existenz“, man mag sie wenden wie man will, sind Kategorien der transzendentalen Logik, d.h. transzendental ableitbar und keine letzte Gegebenheiten.
Wie ergeht es einem Richter nach dem Urteil? Omne animal post coitum triste.
Wenn die Copula (das Urteil) etwas mit der Kopulation zu tun hat, dann ist das unreflektierte Dogma eine Verkörperung der Unzucht (und jede Verurteilung, wie in konzentriertester Gestalt dann auch die Fundamentalontologie, eine Vergewaltigung). Ex negativo wäre hieraus das Problem der Keuschheit der Sprache zu entwickeln: das Ideal der erkennenden, der theologischen Sprache. Und die drei evangelischen Räte, die im Kontext der verdinglichten mönchischen Weltverneinung selber verdinglicht worden sind: Armut, Gehorsam und Keuschheit, werden überhaupt erst begriffen, wenn man in ihnen Momente der Sprachreflexion, ihre Beziehung zum Problem der benennenden Kraft der Sprache, erkennt.
Wie dem Weltbegriff in den drei Offenbarungsreligionen die Lehre von der Schöpfung entgegensteht, so dem durch den Weltbegriff vermittelten Naturbegriff die Lehre von der Auferstehung der Toten. Die Welt nagelt die Dinge auf ihr Anderssein fest; dagegen hilft nur parakletisches Denken.
Ist die Wahrheit „beweisbar“; was heißt „beweisen“? Wie und in welcher Richtung wird die juristische (und wissenschaftliche) Wahrheitsfindung eingeschränkt durch die Beweisforderung? (Aus Gründen der Beweislogik ist Gemeinheit kein strafrechtlicher Tatbestand: Hängt hiermit, d.h. mit Systemgründen, und nicht mit Gründen der persönlichen Gesinnung, das Problem der unterschiedlichen rechtlichen Bewertung politischer Delikte danach, ob sie aus der rechten oder der linken Szene kommen, zusammen? Indizien: Bekennerschreiben und Grabschändungen.) Vergleiche hierzu die Bedeutung und die Geschichte des Zeugen und das Problem des perfekten Verbrechens. -
30.11.92
Der Satz des Thales „Alles ist Wasser“ ist ein prophetischer Satz. Er beschreibt das Schicksal der gesamten Philosophie.
Mit dem Satz „ens et unum convertuntur“ wurden das Neutrum und der Weltbegriff abgesichert.
Ist der Dualis die Vorstufe des Neutrum, ist das ne utrum durch Negation aus dem Dualis hervorgegangen? Und kann es sein, daß der Dualis in einer kritischen Beziehung zum Akkusativ steht, daß er das Moment des verteidigenden (gegen die identifizierende Gewalt des Akkusativ gerichtete) Denken noch in sich enthält? Hängt das lateinische Akkusativ-m (-um, -am) mit dem hebräischen Dualis-m (-jim) zusammen? Und ist die Negation, die den Dualis in das Neutrum umgewandelt hat, durch die Futurbildungen (durchs Herrendenken) in die Sprachstruktur hereingekommen: durch das Abschneiden der Utopie, durch die Sünde wider den Heiligen Geist (die Sünden der Welt als Folge der Sünde wider den Heiligen Geist)? Und dieses Negative, diese Negation drückt sich in einer Fülle von Strukturen aus: vom Weltbegriff über den Begriff des Seins bis hin zu den subjektiven Formen der Anschauung; theologisch wird es durch die Schlange und durch die Teufelsnamen, vom Ankläger über den Verwirrer bis zum Dämon, symbolisiert. (Beziehen sich darauf nicht auch die drei Versuchungen Jesu; und sind die drei Leugnungen nicht prophetische Hinweise darauf, daß die Kirche diesen Versuchungen erliegen wird?
Hängt der Ursprung des Neutrum mit all seinen Konnotationen mit der Geschichte der Entdeckung des Winkels in der Geometrie zusammen? Und steckt nicht in allen mit orthos zusammengesetzten Begriffen, von der Orthogonalität bis hin zur Orthodoxie, etwas von dieser neutralisierenden, verweltlichenden Gewalt (hängen etwa der Turmbau von Babel und der Name des Pharao mit dem Problem der architektonischen Beherrschung der Raumverhältnisse zusammen)?
Kann es sein, daß der Name des Pharao mit dem Prozeß der Neutrums-Bildung zusammenhängt, so daß es kein Zufall wäre,
– wenn die Anpassungstheologen wie Küng und Drewermann auf ägyptische Konzepte zurückfallen, und
– daß die Unsterblichkeitstheologie in Ägypten ihren Ursprung hat.
Gewinnen vor diesem Hintergrund nicht die Ägypten-Geschichten von Abraham und Sara über den Josefs-Roman bis zu Exodus-Geschichte einen anderen Sinn? Ägypten: das Sklavenhaus mit den Fleischtöpfen.
Beziehen sich drei inhaltlichen Bestimmungen des Hebräer-Namens: Kleinviehnomaden, Sklaven und Söldner, nicht auf die drei Völker: Babel (Ur in Chaldäa), Ägypten und die Philister?
Sind Idolatrie, Sternendienst und Opferdienst Hilfsmittel zur Begründung und Durchsetzung indogermanischer Sprachstrukturen, Hilfsmittel zur Durchsetzung jenes hypostasierenden und objektivierenden Denkens, das vermittelt ist über die Bildung des Futur II und des Neutrum, sowie der Kasus Genitiv und Dativ? Das Ganze im Kontext von Herrschaftsgeschichtlichen Zusammenhängen: Städtegründung, Ursprung der Institutionen des Priester- und Königtums, des Tempels (Religion und Wirtschaft), Ursprung der Schrift und des Geldes.
Was bedeutet der Wortstamm in dem Volksnamen mizrajim, und woher kommt und was bedeutet der Name der Philister?
Gegen Velikovsky und seine Nachfolger: Nach Auschwitz sollte es eigentlich möglich sein, auch gesellschaftliche Naturkatastrophen sich vorzustellen. Das Problem und Schwierigkeit scheint nur darin zu liegen, daß unser Bewußtsein mit einer Gewalt von Rechtfertigungszwängen beherrscht und durchdrungen ist, die durch den naiven Gebrauch des Weltbegriffs in den historischen Prozeß verflochten sind, daß es dadurch in einer Weise gehemmt und behindert ist, die es außerordentlich schwer macht, diese Hemmnisse real zu durchschauen. Da ist der Velikovskysche kosmische Konkretismus leichter zu akzeptieren.
Steckt in dem Benjaminschen Wort, daß heute alle entscheidenden Schläge mit der linken Hand geföhrt werden, ein verstecktes Zitat aus dem Buch der Richter?
Nochmal Jericho, Sodom und Gibea: Alle drei Städte wurden zerstört, aber auf verschiedene Weise:
– Jericho durch die Posaunen-Prozession um die Mauern der Stadt,
– Sodom durch Feuer und Schwefel und
– Gibea durch die restlichen elf Stämme Israels (mit der Stadt wurden zugleich die Frauen und Kinder der Benjaminiter vernichtet).
Ähnelt das Ergebnis der Zerstörung Gibeas nicht dem Ursprung Roms: die Bildung einer frauenlosen Männerhorde, die erst durch Frauenraub ihr Fortbestehn sichern können; außerdem ist Benjamin ein reißender Wolf, und Romulus und Remus wurden durch eine Wölfin ernährt.
Müssen wir nicht in der Begründung des Wortes „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, in diesem Nichtwissen endlich uns selbst wiedererkennen, anstatt dieses Bewußtsein unter den Rechtfertigungszwängen, die dieses Nichtwissen selber begründen, zu verdrängen. Christ kann nur sein, wer das Erschrecken über dieses Nichtwissen erfahren hat. Und ist auf das Wort im letzten Satz des Buches Jona noch Verlaß; sollten wir nicht endlich lernen, rechts und links wieder zu unterscheiden? Wenn man dem Buch Tobias glauben darf, wird Ninive am Ende doch zerstört. Aber zuvor wird Tobias, der die Toten begrub, von der Blindheit geheilt.
Woher kommt der Name Anatolien (die Weisen haben den Stern in Anatolien gesehen)? -
29.11.92
Wie ein geiles Ross ist ein gehässiger Freund, unter jedem Reiter wiehert es. (Sir 336)
Woher kommt und was bedeutet der Begriff Kamerad? Zusammenhang mit camera, Kammer: Gefährte, Kammergemeinschaft (Kluge). Bezieht sich die „Kameradschaft“ nicht primär auf die Situation einer physischen, durch Front und Feind bestimmten Gefahrensituation? In rechten Gruppierungen üblich, Abgrenzung gegen Feind und Verräter, Zusammenhang mit (oder durch?) Xenophobie: Xenophobie als Mittel der Selbstdefinition (Antisemitismus). Zur Kameradschaft gehört der „Kampf gegen den inneren Schweinehund“ (gegen die Versuchung zur Identifikation mit dem Fremden). Ist nicht der Kamerad der „gehässige (verräterische) Freund“? Die Kameradschaft hält so lange wie die Frontsituation (das „Fronterlebnis“), außerhalb wird sie nur zusammengehalten durch die ambivalente Führerbeziehung (die in der Gegenrichtung das Gegeneinander-Ausspielen der Kameraden mit einschließt). So hängt die Rolle des Soldaten (und die des Polizisten) zusammen mit Mord und Vergewaltigung. – Dekonstruktion des Liedes vom guten Kameraden (Kohls Besuch in Bitburg und Verdun, „Versöhnung über Gräbern“, Heldengedenken, Totenkult und „Beschwörung der Vergangenheit“, Gräberschändungen).
Wie verhalten sich die Begriffe Kamerad, Kollege und Genosse zueinander?
Vergleiche hierzu das mythische Bild des Pferdes (die durch den Wind trächtig werdenden Stuten), auch die Geschichte des Pferdes (seit wann Reiter, seit wann ziehen Pferde den Pflug?). Pferd und Sexualität: warum lieben 10-/12-jährige Mädchen Pferde? Pferd und Rasse (Rassepferd, Rasseweib). Nietzsches Wahnsinn wurde ausgelöst durch den Anblick einer Pferdemißhandlung.
Die thomistische Lösung des Universalienstreits, wonach die Universalien für Gott ante rem, für die Menschen post rem zu verstehen sind, ist durch Kant, durch die transzendentale Logik, durch das Konzept der synthetischen Urteile apriori, auf den Kopf gestellt worden. Hier sind die Zeitverhältnisse umgekehrt worden: das war der Preis für die Vorstellung einer homogenen Zeit. Wer glaubt, die kantische Philosophie thomistisch rezipieren zu können, für den werden in der Tat das Transzendente und das Transzendentale ununterscheidbar: er zerstört die Grundlagen der Theologie.
Das Evangelium ist eine Flaschenpost; und das Dogma enthält die Formel des Meeres, in dem diese Flaschenpost bis heute unentdeckt schwimmt.
Die offizielle Theologie heute ist maskierter Atheismus.
Bezieht sich das Neutrum (als ne utrum) nicht auf Himmel und Erde; und fällt sein Ursprung nicht zusammen mit dem des Weltbegriffs (die Welt ist keins von beiden, weder Himmel noch Erde)?
Jericho, Sodom und Gibea: Rahab und die Frau und die Töchter Lots (über die Moabiterin Ruth) finden sich im Stammbaum Jesu wieder. Die „Nebenfrau des Leviten“, die dem Mob geopfert wird, kommt wie Jesus aus Bethlehem in Juda.
Ist Daniel der einzige Prophet, der den Traum und seine Deutung kennt? (Dan 25,15ff)
Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie