Mt. 2112ff: … trieb alle Händler und Käufer aus dem Tempel hinaus; er stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler um und sagte: In der Schrift steht: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein und keine Räuberhöhle.
Sh. Mk. 1115ff (ebenso, nur „Haus des Gebets für alle Völker), Lk. 1945ff (Kurzfassung), Joh. 214ff (Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler … macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle)
Jes. 567: … denn mein Haus wird ein Haus des Gebets für alle Völker genannt.
Jer, 71ff: …wenn ihr die Fremden, die Waisen und Witwen nicht unterdrückt, unschuldiges Blut an diesem Ort nicht vergießt … Stehlen, morden, die Ehe brechen, falsch schwören, dem Baal opfern und anderen Göttern nachlaufen, die ihr nicht kennt … Ist denn in euren Augen dieses Haus, über dem mein Name ausgerufen ist, eine Räuberhöhle geworden? Gut, dann betrachte auch ich es so – Spruch des Herrn.
Sach. 1421: Und kein Händler wird an jenem Tag mehr im Haus des Herrn der Heere sein.
Ps. 6910: Denn der Eifer für dein Haus hat mich verzehrt; die Schmähungen derer, die dich schmähen, haben mich getroffen.
Theologie
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04.02.91
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03.02.91
Dieser Tage eine Meldung in den Nachrichten: Das israelische Fernsehen bringt jede Nacht live das Bild der Skyline von Tel Aviv; so können die Menschen dort bei einem Raketenalarm in ihren Schutzbunkern direkt den Anflug und evtl. den Einschlag der irakischen Raketen beobachten. Erfüllung der ebenso wahnsinnigen wie makabren Vorstellung (letztlich der Idee des Fernsehens überhaupt): Zuschauer bei der eigenen Vernichtung, zuletzt auch beim Weltuntergang zu sein. – Konsequenzen für eine Kritik der Metaphysik (als Inbegriff der Theoria, der kontemplativen Erkenntnis – auch der Idee der seligen Anschauung Gottes?) und der Transzendentalphilosophie (der Bedeutung der subjektiven Formen der Anschauung für den Erkenntnisprozeß).
Selbstzerstörung der Theologie durch die Metaphysik, durch ihren Gegenstands- und Wahrheitsbegriff.
„Das Bekenntnis (zu den USA im Golfkrieg) begründet unsere Glaubwürdigkeit“: Mittlerweile sind Fragen, die durch Vernunft zu entscheiden wären, schon Bekenntnisfragen geworden; steckt darin die deutsche Krankheit, sich gleichsam nur noch von außen: im Spiegel der Öffentlichkeit zu sehen und so jede Äußerung als Bekenntnis vor der Öffentlichkeit (der Weltmeinung, der Geschichte: dem Weltgericht, als das wir in gut hegelscher Tradition das Ende des letzten Weltkrieges erfahren haben) zu bewerten? Geht es hier nur darum, daß andere „uns glauben“ (und so unser Selbstbewußtsein begründen), und nicht darum, daß wir die Souveränität einer Selbstgewißheit gewinnen, die aus der Kraft der Begründung unseres Handelns erwächst?
Die Abdankung des Subjekts vor der Natur (durchs Bekenntnis, durchs Tauschprinzip und durchs Trägheitsgesetz) ist der Grund der Aggression und des Fanatismus: der Mordlust des Existentiellen.
Identität und Gegensatz (Feindschaft) von Welt und Natur, Tauschprinzip und Trägheitsgesetz (Genesis und Geltung). Natur ist der Inbegriff des Anderen der Welt, des Nichtidentischen, des Nicht-Säkularisierbaren; aber dieses Andere, Nichtidentische, Nicht-Säkularisierbare ist durch die Konstituierung und die Geschichte der Welt vermittelt, ist Produkt der Säkularisation. Der Sieg der Welt über die Natur ist ein Pyrrhus-Sieg: der Besiegte ist nicht die Natur, sondern die Welt selber. Der Feminismus vertritt die Natur gegen die Welt.
Läßt sich die Geschichte von Kain und Abel (und dann Set) auf das Verhältnis von Welt und Natur beziehen? Abel (der Hirt) ist der Jüngere, Kain (der Ackerbauer) der Ältere (und nach dem Brudermord der Gezeichnete und ein Städtegründer, der die Stadt nach seinem Sohn Henoch benannte; und in der letzten Generation die Begründer von Technik und Kultur). Die Welt als urgeschichtlicher „Brudermörder“, der Brudermord die Grundlage des Fortschritts. – In der Nachfolge Sets „begann man den Namen des Herrn anzurufen“, sie endet mit Noach (Adam benannte die Tiere, Abel brachte das erste Tieropfer dar, Noach rettet die Tierwelt vor der großen Flut).
Ist der Zeugungsbegriff in der Trinitätslehre ein Indiz ihrer Unwahrheit? Er unterstellt, daß der Sieg der Welt über die Natur erreichbar, ja schon erreicht sei. Der Begriff der Zeugung ist ein Weltbegriff, kein Naturbegriff (oder vielmehr: ein von der Welt usurpierter Naturbegriff)? – Filius meus es tu, hodie genui te? Wie hängt die Zeugung mit dem Zeugen und dem Zeugnis zusammen (das patrimonium mit dem testimonium)? -
02.02.91
Bekenntnis, Welt, Komplizenschaft, Existenz (auch Schicksalsgemeinschaft, Volk): Das Bekenntnis der anderen fordert nur, wer sich seiner eigenen Haltung nicht sicher ist: wer ein schlechtes Gewissen hat, das er mit Hilfe der Zustimmung der anderen verdrängen, aber um keinen Preis aufarbeiten möchte (da er glaubt, die Konsequenzen, die sich daraus ergeben könnten, nicht ertragen zu können). Mit anderen Worten: er sucht Mittäter und Komplizen; und wer das Bekenntnis ablegt, erklärt sich dazu bereit. Gründe für eine Erpressbarkeit gibt es viele: bei den Oberen der zu erwartende Gewinn eines Geschäfts, unten die Verantwortung für Frau und Kinder (Beruf, Familie), in jedem Falle sind es Gründe, die man „existentielle Gründe“ wird nennen dürfen, oder auch Gründe der Welterhaltung (im privaten und im politischen Sinne: das Existentielle ist der Existenzfaktor der Welt, dessen Subjekt der Einzelne, ein Staat oder eine andere Gemeinschaftsbindung ist; Ursprung des Begriffs der „Eigentlichkeit“). Der philosophische Existenzbegriff hängt mit dem der transzendentalen Logik zusammen: Glaubensbekenntnis und Schöpfungsbegriff (Konsequenz des Bekenntnissyndroms: von des Erschaffung des Himmels und der Erde zur Erschaffung der Welt; Ursprung der Geschichte der Häresien und des Dogmas).
Wenn nicht mehr Gerechtigkeit die Welt trägt, dann wird das Bekenntnis zu ihrem Einheitsprinzip und zum Grund ihres Bestehens: Der Zerfall des Bekenntnisses löst Erdbeben und Überflutungsängste aus (vgl. Mt 2751).
Wenn Frauen (als Repräsentanten nicht der Welt, sondern der Natur) nicht bekenntnisfähig sind (und nur als Jungfrauen, kraft ihrer Unschuld, heilig werden konnten), so hängt das damit zusammen, daß sie aufgrund ihrer Stellung im System nicht erpressbar sind (was dann merkwürdigerweise von den Männern als Mangel angesehen wurde – vgl. Hegels Wort von der Schuld als der Ehre des großen Charakters!). – An der Formulierung des Dogmas waren keine Frauen mehr beteiligt; aber welche Funktion hatte die Frauen (Mütter?) im Umfeld der Kirchenväter? (Helena, Monika u.a.)
Sind die Frauen das seit Bloch vergeblich gesuchte „Subjekt der Natur“ (und die Männer das der Welt)?
War die Existenzphilosophie die letzte männliche (Bekenntnis-oder Welt-) Philosophie? – Reduziert auf den heroischen männlichen Charakter, die Stummheit und die Komplizenschaft: die Haltung.
Die Konfessionen sind die Endstationen des säkularisierten Christentums: deshalb war hier die Kraft der Häresienbildung verbraucht, erschöpft (Entkonfessionalisierung statt Ökumene). -
01.02.91
Das Existentielle ist die wütende Spitze der Betroffenheit, Verdrängung der Reflexion, zivilisiertes Schamanentum.
Erst wenn die Theologie selbst sich aus ihren double-bind-Fallen befreit, wird ihre Neubegründung möglich sein.
Philosophie als Internalisierung des Schicksals und Instrumentalisierung des Absoluten: das hat der Islam versucht, in Religion zurückzuübersetzen. Der Gott des Islam ist der Schicksalsgott: Versuch, den verinnerlichten Schicksalsbegriff wieder ins Objektive zu wenden, aber das in einer Phase, in der es eigentlich nicht mehr möglich war. Der Islam ist eine kosmologische Religion; er hat die naturwissenschaftliche Aufklärung, die die alte Kosmologie (und deren gesellschaftliches Äquivalent) auf den Kopf stellt, nicht mitvollzogen. Das Christentum hat dann – nach der Rezeption der islamischen Aufklärung – am islamischen Theologie- und Gesellschaftsbegriff festgehalten; es hat die naturwissenschaftliche Aufklärung und die gleichzeitigen gesellschaftlichen Veränderungen nur hilflos und ohnmächtig aus sich entlassen müssen, ohne sie durch Reflexion aufarbeiten zu können: diese Entwicklung lag im blinden Fleck des nachkonstantinischen und nachislamischen Christentums.
In der griechischen Philosophie macht sich das Subjekt selbst zum imaginären Herrn des Schicksals; es verfällt aber eben damit der Gewalt der Reflexionsbegriffe.
Gottvertrauen kann allein das Vertrauen in die göttlichen Verheißungen sein, aber ist das heute noch möglich?
Der Satz, daß Gott niemanden über seine Kraft vesucht, wird heute, da die Geschichte der Versuchung in einen Engpaß treibt und erstmals die ganze Menschheit umgreift, auf die Probe gestellt.
Die Verarbeitung des Kreuzestodes in der Opfertheologie und deren Realisierung in der Volksfrömmigkeit hat (durch die subjektiv gewendete Leidensmystik, durch den Kult des Selbstmitleids) mehr zur Verdrängung des Ereignisses als zu seiner wirklichen Erinnerung beigetragen. Sie hat uns auf die Täterseite transportiert.
Allein in dem Lied „O Haupt voll Blut und Wunden“ wurde der Mechanismus durchbrochen, der uns hinsichtlich des Kreuzestodes Jesu auf die Täterseite stellt.
Ist Hephaistos das Objekt des homerischen Gelächters?
Die spezielle Relativitätstheorie hat das Inertialsystem erstmals der Reflexion zugänglich gemacht, es als Grundlage der Reflexionsbegriffe und ihrer Wirksamkeit, insbesondere der Macht der Derealisierung, erwiesen (vgl. den Zusammenhang mit dem Objektbegriff); in diesem Zusammenhang ist die Quantenmechanik, die das kritische Moment des Prinzips der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit neutralisiert, es erneut instrumentalisiert, tatsächlich ein ferner Verwandter, ein später Nachkömmling der Hegelschen Dialektik.
Die Zensur bei der Berichterstattung über den Golfkrieg ist aus militärischer Sicht schon deshalb notwendig, weil dieser Krieg nicht mehr zu führen wäre, wenn wahrheitsgemäß mit der heute möglichen Aktualität über ihn berichtet würde.
Die ganze Adornosche Philosophie ist eine Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums.
Der Islam ist die Anpassung der jüdischen Religion an die Bedingungen des Heidentums, unter Fortfall der Opfertheologie. Allah ist der Gott des Erbarmens, er verzichtet jedoch auf die Forderung der Umkehr, an dessen Stelle der Islam, die Unterwerfung tritt. -
31.01.91
Gilt der von Walter Burkert nachgewiesene Zusammenhang von Ritual und Mythos (Wilder Ursrprung, S. 60ff) auch für die Aufklärung und ihren Rückfall in den Mythos? Trägt die neue Barbarei Züge des blutigen Rituals? War die christliche Opfertheologie Produkt einer mißlungenen Kritik der „heidnischen“? Und ist die Kritik dieser christlichen Opfertheologie die notwendige Grundlage der christlichen Selbstbekehrung, der bis heute mißlungenen Umkehr? Ist der Kapitalismus das säkularisierte mythische Ritual (die freie Marktwirtschaft, der Liberalismus, der Mythos zum Ritual der Ausbeutung, der säkularisierten Gestalt des Opfers)?
Ein Mythos, ein Glaube, begründet und begleitet ein Ritual; im Bekenntnis wird der Glaube selbst zum Ritual (Opfer der Vernunft, das reale Opfer nach sich zieht und zugleich verdrängt: unversöhnt exkulpiert). Zusammenhang von Geld (Münzen) und Opfer: der im Opfer vergöttlichte Heros wird auf der Münze verewigt („gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“ – Münze und Idol, „Götzenbild“, Ursprung der Geldwirtschaft – antike jüdische Münzen? – Begründung des Bilderverbots?).
Das Opfer begründet die Weltordnung (Gewalt, Schuld, Versöhnung; Ambivalenz des Opfers: Entsühnung und Rechtfertigung der Gewalt).
Die Maske verbirgt das Gesicht: leugnet das Antlitz und verwandelt jeden Blick in eine Sicht von hinten (vgl. die Funktion des Personbegriffs in der christlichen Theologie). Porträt als Maske?
„Der Schrecken der Maske soll den Schrecken des Totenreichs, des Dämonensturms bannen.“ (Reinhold Schneider: Winter in Wien, S. 171: „… Die Toten sind böse. Alles ist böse, das nicht die Angst des Lebens teilt. Aber auch die Toten haben Angst. …“)
„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“; gehört dazu nicht der andere Satz: „Niemand kann zwei Herren dienen, Gott und dem Mammon“. D.h. der erste Satz ist kein Kompromiß, sondern von äußerster Radikalität.
Das industrielle Endprodukt heute: Vernichtungspotential und Abfall (Müll). Alles andere, einschließlich des menschlichen Konsums, sind Zwischenstufen. Aber das Vernichtungspotential und der Abfall sind menschliches Vernichtungspotential und menschlicher Abfall. Das Ganze hat sich seit langem angekündigt in der naturwissenschaftlichen Aufklärung (dem sogenannten naturwissenschaftlichen Weltbild, in dem der Mensch – außer als abstraktes Prinzip der Herrschaft, das durch die Formen der Anschauung dieses Weltbild zusammenhält – nicht mehr vorkommt, und in der davon nicht zu trennenden Kritik des Anthropozentrismus; diese Kritik des Anthropozentrismus dient dabei als Rechtfertigung des allem zugrundeliegenden menschlichen Herrendenkens; und ihre eigentliche Funktion ist die Unterdrückung der wahnsinnigen Idee, daß es vielleicht doch eine Beziehung geben könnte zwischen dem Glück und dem Grund der Dinge: daß es etwas geben könnte, was der Idee des seligen Lebens objektiv entspricht).
Die Idee des seligen Lebens widerspricht jedem autoritären Religionsbegriff, macht die Vorstellung von einer jenseitigen Belohnung für hiesiges Wohlverhalten zu einer contradictio in adjecto, schließt a limine das Opfer der Vernunft aus. -
30.01.91
Das Christentum fängt an, sich selbst zu begreifen, wenn es das Opfer der Vernunft endlich durch die Forderung der Nachfolge ersetzt, oder, was auf das Gleiche hinausläuft: wenn es anfängt, Theologie im Angesicht Gottes statt hinter seinem Rücken zu betreiben.
Haben die Begriffe „Heiliger Krieg“, „Gläubige/Ungläubige“, „Teufel/Satan“ im Islam eine der christlichen vergleichbare Bedeutung? Lösen sie vergleichbare Effekte aus oder läßt sich der Eindruck verifizieren, daß – aus christlicher Sicht – ein Stück Großmäuligkeit mit drin steckt? Kann es sein, daß das Stück Irrationalität, Panik und Besinnungslosigkeit, sowie die latente bis offene Aggressivität nur den christlichen Gebrauch der Begriffe kennzeichnet, während im Islam ein bewußter instrumenteller Gebrauch diese Begriffe auf eine Weise versachlicht, die (unabhängig von der Bewertung) im Christentum so undenkbar wäre. Fehlt – mit einem Wort – im Islam das „Existentielle“?
Der Existenzbegriff bezeichnet historisch den Punkt, an dem die Verdrängung beginnt, die gesamte Vorgeschichte zu unterdrücken: Vollendung des Abstraktionsprozesses, Ende der Religion. Der Atheismus ist eine Funktion des Existentiellen; genau das widerlegt ihn.
„Die tragoidoi verstecken ihre Identität: Keine Tragödie ohne Masken.“ (Walter Burkert: Wilder Ursprung, Berlin 1990, S.26) -
28.01.91
Erst in der Gottesfurcht tritt Adam aus dem Versteck „unter den Bäumen im Garten“ heraus, aus dem Bann der Versuchung durch die Schlange, aus dem selbstentfremdenden Wissen („da gingen ihnen die Augen auf“) und seinem Schatten: der Scham oder dem Bewußtsein, nackt zu sein (Gen. 38ff). Angesichts der Unerträglichkeit der Gottesfurcht produziert die erste Regung des Bewußtseins von Schuld die erste Rechtfertigung. (Gefahr der Theologie, insbesondere ihrer pseudomystischen Varianten: vor der Gottesfurcht in die Hybris der falschen „Einheit mit Gott“ zu flüchten. – Vgl. auch Drewermann)
Gottesfurcht; Bewußtsein, nackt zu sein (Abtrennung und Konstituierung der Privat-, Intimsphäre; Geschwätz und Scham; Bewußtsein, im Intimbereich von außen gesehen zu werden; Begründung und Konstituierung dieses Außen durch das Wissen, was gut und böse ist: Gott, die Welt und der andere Mensch; Zusammenhang von Selbst-Objektivation, Schuld und Scham), Stellenwert der christlichen Sexualmoral (Verhältnis zum „zeugenden“ Vatergott).
Zu Schmied-Kowarzik: Das dialektische Verhältnis des Menschen zur Natur, Freiburg (Brsg.)/München 1984: Ist nicht die „produktive Tätigkeit der Menschen, ihre gesellschaftliche Praxis …“ (S. 69) die „Arbeit des Kapitals“, des Demiurgen und Weltschöpfers, der sich bewußtlos hinter dem Rücken der Menschen, die, indem sie nur ihre Selbsterhaltung betreiben, diesen Demiurgen erzeugen und nähren, bildet und so (als blindes „Gattungswesen“) die Menschen und ihre Geschichte beherrscht? Wird die Argumentation nicht durch eine kleine kosmetische Änderung (Ersetzung des Begriffs „gegenständlich“ durch „wirklich“ und „wirksam“ – S. 66) fehlgeleitet, wird hier nicht der Knoten durch ein kleines Versehen so festgezurrt, daß er dann nicht mehr zu lösen ist?
Ich habe Adornos Philosophie (mit sanfter Korrektur seines Selbstverständnisses, er möge es mir nachsehen) in der Sache immer als reinsten Ausdruck von Gottesfurcht begriffen, die dann so konsequent war, sowohl die Nennung des Namens als auch die Existenzbehauptung (jegliches verdinglichende „Bekenntnis“, den Konfessionalismus insgesamt) zu vermeiden: sie unterliegen dem Verdikt der Hybris. Verstößt aber dagegen nicht auch die eben erwähnte begriffliche Korrektur? Und reicht das zugrundeliegende Zitat (E I, 577) nicht von sich aus weiter: nämlich an den Punkt, an dem es notwendig wird, Totalitätsbegriffe wie Welt und Natur selber als Projektionen (des Staates und der vom Tauschprinzip beherrschten Gesellschaft), als Subjektstützen zu begreifen, die helfen sollen, die Gottesfurcht zu umgehen („Das Ganze ist das Unwahre“). Adornos Sensibilität und sein striktes Votum gegen den Bann der Identität haben hier ihren gleichsam systematischen Grund. – Dieses Verständnis der negativen Dialektik impliziert eine Kritik der Naturwissenschaften, an der ich mir lange den Kopf eingerannt habe, zu der ich aber heute glaube einige weiterreichende Hinweise geben zu können. Der Ursprung und die Entwicklung dieser „Hinweise“ erinnert vielleicht ein wenig an die Geschichte Kafkas vom Schauspieldirektor, der eine neue Inszenierung vorbereitet: er wechselt die Windeln des künftigen Hauptdarstellers (Vorbereitung der wissenschaftlichen Instrumentalisierung der Welt durch die theologische Instrumentalisierung des Glaubens im christlichen Dogma, genetischer und systematischer Zusammenhang der Ausbildung des „Bekenntnisses“ mit der Entwicklung der Grundlagen und der Instrumentarien zum historischen Objektivationsprozeß: Konstituierung des Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhangs im Zentrum des Christentums selber: Begründung und Konsolidierung des Trägheits- und Tauschprinzips durch Vergegenständlichung der Schwerkraft und des Hungers). -
27.01.91
Das transzendentale Subjekt ist das Subjekt der Selbsterhaltung und der wissenschaftlichen Naturerkenntnis: die Sozialisierung der Hybris, die durch die Erfolge der naturwissenschaftlichen Aufklärung stabilisiert wird (weil es keine Alternative dazu zu geben scheint), ist ohne gleichzeitige Vergesellschaftung der Paranoia (des Verfolgungswahns, des Systemzwangs) nicht zu haben. Die verdrängte Güte kehrt draußen als Feind wieder (in den Armen und den Fremden: zusammengefaßt als aufsässiges Objekt, dessen aufdringliche Fremdheit verfolgt und verdrängt, d.h. als Materie neutralisiert wird): aus diesem Konstrukt läßt sich das antisemitische Vorurteil als Nebenprodukt und zusätzlicher nützlicher Stabilisierungsfaktor zwanglos herleiten (die spezielle Relativitätstheorie Einsteins ist eine durchschlagende Widerlegung dieses Konstrukts, sie bleibt nur solange ohnmächtig und hilflos, wie ihre erkenntniskritische Bedeutung nicht begriffen ist).
Gegen Lukacs‘ Vorstellung vom kontemplativen Charakter der wissenschaftlichen Naturerkenntnis ist kritisch auf das Moment der Praxis, das im Experiment sich zeige, hingewiesen worden. Übersehen wird hierbei, daß beides zusammengehört; daß – nach der Dialektik der Aufklärung – die (theoriebegründende) Distanz zum Objekt durch die Distanz, die der Herr durch den Beherrschten gewinnt, vermittelt ist: D.h. das praktische Moment im naturwissenschaftlichen Erkenntnisprozeß, das Experiment, ist der Repräsentant, der Stellvertreter des unkenntlich gemachten, verdrängten Knechts, des Lohnarbeiters, nach Marx: der unterdrückten und ausgebeuteten Klasse. Hier kehrt im Zentrum der modernen Aufklärung der Kern des historischen Dogmatisierungsprozesses, die instrumentalisierte Opfertheologie, als Keim- und Quellpunkt des historisch-gesellschaftlichen Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhangs wieder. Der Vorhang, hinter dem sich dieser Prozeß (theologisch: die zwanghafte und ohnmächtig-hilflose Wiederholung des Kreuzesopfers) verbirgt, ist das Bekenntnis; heute – nach Auschwitz – ist dieser Vorhang zerrissen (Mt. 2751ff).
Augenlust: Denken, das sich am Sehen, an der Anschauung orientiert, anstatt am Hören (mit den Ohren denken); Fleischeslust: das Fleisch ist das Subjekt der Bedürfnisse, Fleischeslust die Fixierung aufs Prinzip der Selbsterhaltung; Hoffart des Lebens: die vergesellschaftete Hybris (Zusammenhang mit den drei evangelischen Räten: Armut, Keuschheit und Gehorsam).
Ist es eigentlich bloßer Zufall, und wenn nicht, welche Bedeutung hat es, wenn die Ausformung der heute noch gelehrten Gnadenlehre in die gleiche Zeit fällt, in der in den Moralkompendien jene kasuistischen Erörterungen der kirchlichen Sexualmoral sich ausbreiten, die nur noch obszön, voyeuristisch und von der Motivation her als pathologisch anzusehen sind.
Ideologie ist Rechtfertigung: zunächst die individuelle Rechtfertigung von Handlungen (vor sich selbst und vor anderen), dann aber die kollektive Absicherung der Rechtfertigung von Anschauungen, Meinungen durch die Forderung der Zustimmung der anderen: durchs Bekenntnis, und die Verfolgung derer, die sich dieser kollektiven Absicherung entziehen: der Ketzer. Die zweite Form der Rechtfertigung gehorcht den Gesetzen der Paranoia und ist systemerzeugend. Oder Umgekehrt: Der Übergang von der ersten zur zweiten Form der Rechtfertigung ist durch Paranoia vermittelt; diese Paranoia hat einen Realgrund, ist in der Struktur der Welt und des die Welt objektivierenden Subjekts begründet. Die historische Genese des „westlichen“, „abendländischen“ Subjekts ist hierin begründet: im Übergang zur „Theologie hinter dem Rücken Gottes“, in der christlichen Gestalt der instrumentalisierten Religion. -
26.01.91
Das Zwangsbekenntnis ist eine direkte Folge der kirchlichen Bekenntnis- und Glaubens-Verwaltung, d.h. die Konsequenz aus dem biblisch angekündigten Kleinglauben, der heute den Widerstand gegen die eigenen Selbstzerstörungskräfte aufgegeben zu haben scheint und dabei ist, sich selbst zum Verschwinden zu bringen.
Das Zwangsbekenntnis ist das Zeichen des Tieres: der Name des Tieres oder die Zahl seines Namens (Offb. 1317).
Nach Milan Machovec (Die Rückkehr zur Weisheit. Philosophie angesichts des Abgrunds, Stuttgart 1988) bezeichnet das griechische peirasmos nicht die (moralische) Versuchung, sondern die mit Angst erwartete (politische und kosmische) Katastrophe der Welt. Es müßte also im Herrengebet statt „und führe uns nicht in Versuchung“ heißen: „und führe uns nicht in die Katastrophe“.
Nicht „Unterwerfung unter den Willen Gottes“ (das ist islamisches Erbe), sondern das Erkennen und Tun des Willens Gottes (zur Erläuterung der NJB zu Mt. 41-11).
In der verdinglichten (verweltlichten) Welt ist das Selbstbewußtsein auf den Erfolg, den Sieg, die Unterdrückung dessen, was nicht das Selbstbewußtsein ist, des Nicht-Ich, des Feindes, aufgebaut. Die Sucht nach Sport und Unterhaltung drückt genau diese Siegessucht aus. Das Christentum ist keine Sieges-Religion: Alle seine Siege waren Niederlagen (insbesondere die Siege über die Juden, die Heiden, die Ketzer und schließlich die Frauen: am Ende waren es die Siege, in denen das Christentum selber untergegangen ist). Die Anpassung an den physikalischen Wahrheitsbegriff übernimmt auch dessen Sinn: den Sieg über die Natur und die reine Selbstbezogenheit des Herrendenkens. Diese Gestalt des Selbstbewußtseins kann nur anerkennen, was vor ihm am Boden liegt; und ein Mittel, hier sich als Selbstbewußtsein zu erhalten, ist die Komplizenschaft des kollektiven Bekenntnisses, die die Gegenständlichkeit der Welt, der Dinge und der Personen, sowie den kollektiven Verdrängungsapparat garantiert (zusammen mit dem Gewaltmonopol des Staates). -
25.01.91
Adornos negative Dialektik: die reinste Ausprägung der Gottesfurcht in der Philosophie, sein „Atheismus“ Konsequenz aus der Vergesellschaftung des Herrendenkens: die Weigerung hinter dem Rücken Gottes über Gott zu reden. Frage, ob Theologie im Angesicht Gottes möglich ist; die Ermächtigungen durch die kirchliche Tradition, durch Dogma und Bekenntnis, sind (fast) nicht mehr tragfähig. Kritik der kirchlichen Tradition nach Auschwitz überfällig.
Anwendung des Gebots der Feindesliebe (Balken im eigenen Auge) auf den kirchlichen Antijudaismus, die Ausgrenzung der Ketzer und den Sexismus. Erinnerungsarbeit und Trinitätslehre (Moses konnte Gott nur von hinten sehen – vgl. Ex. 3320ff -: in seinen vergangenen Taten, z.B. im brennenden Dornbusch; oder auch im gegenständlichen Reflex der eigenen Schuld, auch in der „Natur“? – Bezeichnet nicht der Naturbegriff die objektlose Stelle des Brennens im Dornbusch, die Schmerzstelle des transzendentalen Subjekts, der Hybris?).
Welche Gottesoffenbarungen gibt es in der Schrift? Vom Paradies über die j Urgeschichte, Noach, Abraham, Jakob, Moses, die Propheten, im NT? Vgl. „Gotteserscheinungen“ in der Neuen Jerusalemer Bibel.
Bekenntnis: Dt. 265ff „Du aber sollst vor dem Herrn, deinem Gott, folgendes Bekenntnis ablegen: …“
Konstituierung des Subjekts (der Philosophie) durch Kritik des Mythos (Auflösung des Orakels), Internalisierung des Schicksals, Ausgrenzung des Vergangenen (Konstituierung des historischen Objekts): Erkenntnis hinter dem Rücken der Dinge, Objektivation, Konstituierung der Welt und Begründung der Theorie (Bekenntnis -Geld, Formen der Anschauung – Inertialsystem, Herrendenken). -
25.01.92
„However, in many of the stories, Jesus uses the argument that other people are breaking Shabbat also …“ (Hilton/Marshall: The Gospels & Rabbinic Judaism, S. 112). Würde dieser Satz stimmen, er wäre eine Widerlegung des NT, er würde Jesus selbst zum Heuchler machen („Pharisäer“ als Projektionsfolie). Das Argument, „Sei du nur ruhig, du hast selber Dreck am Stecken“ ist eines der Selbstrechtfertigung und Schuldverschiebung, widerspricht dem Neuen, der „Übernahme der Sünde der Welt“. Aber die Sabbat-Heilungs-Geschichten scheinen auch noch eine andere Bedeutung zu haben: es sind Erlösungs-Geschichten. Insbesondere das „Nimm dein Bett und wandle“ in Joh 51-18 und Mk 21-12 (diese nicht am Sabbat), beide verbunden mit der Sündenvergebung, könnten auf den Zusammenhang von Schuldbefreiung und Übernahme der Sünde der Welt („nimm dein Bett“) hinweisen, dann wären die Argumente gegen die Pharisäer nicht ad personam, nicht personalisierend, sondern gegen die kasuistische (verdinglichende und weltstabilisierende) Gesetzesinterpretation gerichtet, allerdings um den Preis der erneuten Verdinglichung dieses Arguments: in der Vergöttlichung Jesu (der danach die Sünde der Welt nicht auf sich genommen, sondern hinweggenommen hat – Übersetzung von Joh 129; zum Zusammenhang von „nimm dein Bett …“ und Sündenvergebung vgl. auch Mt 91-9, Lk 517-28 und hierzu Hilton/Marshall S. 146f).
Sind „Juden“ verweltlichte „Hebräer“; hat die Bezeichnung „Juden“ die Bedeutung der Bezeichnung „Hebräer“ im Prozeß der Verweltlichung der Welt übernommen (nach der Verlagerung der „Außenwelt“ von Kanaan, Ägypten, Philistern, Ninive auf Griechen und Römer: hier sind die Israeliten keine „hebräischen Sklaven“ mehr, sondern nur noch im Exil)? Ist diese Differenz auch die Grundlage für den neutestamentlichen Gebrauch der Bezeichnung Juden oder Hebräer? (Vgl. Hilton/Marshall S. 124f, insbesondere die Unterscheidung zwischen mosaischem und jüdischem Gesetz in dem Text Mishna Ketubot 7.6)
Sünde und Buße gehören einem anderen Kontext an als Schuld und Versöhnung. Die Beichte hat die Christen der Idee der Versöhnung entfremdet. Zusammenhang mit dem Verschwinden der Wahrnehmung des Anderen, des „Im Angesicht“, der Einübung der Rechtfertigung hinter dem Rücken des Betroffenen (Verrechtlichung). Hier hat die Kirche – in einer Art Usurpation und in Anpassung eine vergleichbare Usurpation des Staats – sich selbst an die Stelle aller anderen gesetzt, die Versöhnungskompetenz sich angeeignet. Die Berufung auf diese Kompetenz ist nach Auschwitz nicht mehr zu begründen, nicht mehr zu halten. Falsche Interpretation der Binde- und Löse-Gewalt.
Mk 330: Zusammenhang zwischen der Sünde wider den Heiligen Geist und dem unreinen Geist (Vgl. Hilton/Marshall S. 144). Der Zusammenhang wird nur verständlich vor dem Hintergrund des Verweltlichungsprozesses, der Konstituierung des Weltbegriffs, auf den der Name des Heiligen Geistes dann auch bei Paulus bezogen ist (und nicht vor dem Hintergrund der beginnenden Feindschaft zwischen den getrennten Gemeinschaften, wie S. 145 suggeriert wird; Zusammenhang mit den drei petrinischen Verleugnungen und mit den „sieben unreinen Geistern“?).
Gibt es in der Schrift Hinweise oder Erörterungen zu einer mathematischen Tradition in Israel (gab es einen Begriff und ein Maß der Fläche)? -
23.01.91
Zu 1 Kor. 321ff (vgl. auch 1 Kor. 111f und Apg. 1824ff):
– Worauf verweist die Zusammenstellung von Paulus, Apollos und Kephas (Welt, Leben, Tod; Gegenwart, Zukunft)? – Apollos Verfasser des Hebräer-Briefes?
– Auffällig das Fehlen der Vergangenheit: Die Vergangenheit ist demnach nicht „unser“, sie liegt nicht (mehr) in unserer Gewalt; heißt das, daß wir der Vergangenheit gehören, Geiseln der Vergangenheit sind (Genealogie, Herrschaft der Logik und des Todes, Trinitätslehre), deren Macht erst in der Erlösung gebrochen wird? Macht über die Vergangenheit, das Vergangene beherrschbar machen (durch Instrumentalisierung der Theologie – z.B. durch die Opfertheologie, durch Verfügbarmachen der Geschichte – die eben so sich entzieht), ist das vielleicht die Ursünde im Christentum: Verweigerung der Gottesfurcht -Begriffslogik als Logik der Herrendenkens vergangenheitsfixiert; Instrumentalisierung des Todes, der eben dadurch Macht über die Menschen gewinnt?
– Theologie als Lehre von den göttlichen Namen ist Erinnerungsarbeit.
– Kein Zufall, daß Grabschändungen eine Spezialität von Rechtsradikalen sind: Zusammenhang mit Kohls blasphemischer „Versöhnung über Gräbern“ (zu Karl Lehmanns Bemerkung vor der Vollversammlung der deutschen Bischofskonferenz: das – und nicht die Erinnerungsarbeit – ist „Vergangenheitsbeschwörung“).
– Macht und Überleben: Unsterblichkeit der Seele und Auferstehung von den Toten.
– Heute ist die Verantwortung erstmals voll in das Gesetz der Nachfolge gestellt: Selbstverständigung (Hoffnung aufs selige Leben) ist nur noch möglich im Rahmen einer Erinnerungsarbeit, die die ganze Schuld der Welt, und d.h. heute die ganze Schuld der Weltgeschichte aufnimmt. Wir haben in der Tat die Sünde Adams geerbt: Gottesfurcht ist das Movens dieser Erinnerungsarbeit.
– Die drei Momente der negativen Trinitätslehre (Judenhaß, Ketzerverolgung, Frauenhaß) als Folgen der versäumten Erinnerungsarbeit; Zusammenhang mit der dogmatischen Vergegenständlichung der Theologie (Abwehr der Vergangenheit; Begründung des kirchlichen Schuldzusammenhangs), dem mißverstandenen Lehrauftrag (Feindesliebe als Erinnerungsgebot gilt auch für die Kirche).
– 1 Kor. 1526ff: „Der letzte Feind, der entmachtet wird, ist der Tod. … wird auch er, der Sohn, sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott herrscht über alles und in allem.“
Gratia perficit naturam (S. 45): Dieser Satz gilt nur auf der Grundlage des pluralen Gebrauchs des Naturbegriffs, nicht jedoch für den Begriff einer Naturtotalität (für den modernen, säkularisierten Naturbegriff, Ersatz des theologischen Schöpfungsbegriffs). Und nicht die Kirche, sondern der Staat (das in Militär, Justiz und Verwaltung institutionalisierte Gewaltmonopol des Staates) ist „Garant der Welt“ (ebd.). Die Kirche ist Statthalter der Verheißungen: der Hoffnung im Anblick des Weltuntergangs, den der Staat (nicht nur im Krieg, sondern auch in den der Erhaltung der Welt dienenden Institutionen) durch die vom Gesetz der Welterhaltung nicht zu trennende Logik des Zerfalls bewußtlos und zwangshaft betreibt.
J.B. Metz übersieht, daß Heideggers „andenkende Erinnerung“ (S. 91) das genaue Gegenteil der Anamnese, der Erinnerungsarbeit, ist; und die „Seinsvergessenheit“ kann durchaus die fundamentalontologische Blockade der Erinnerung durchbrechen. Die Erinnerungsarbeit, Voraussetzung der Befreiung vom Bann der Vergangenheit, eröffnet erst die Zukunft, die nicht dem direkten Zugriff sich erschließt. Das Neue ergibt sich erst in der Konsequenz der Nachfolge aus der Kritik des immergleichen Alten.
Auch ist die „brüderliche Liebe zum Nächsten“ kein „Wagnis“ (S. 89), sondern das durchaus antiheroische Produkt eines verdrängungsfreien, dem Selbstmitleid entronnenen Lebens.
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