Theologie

  • 05.01.91

    Zusammenhang des Bekenntnisses mit den Strukturen und Mechanismen, die die Markenzeichen und -namen begründen. Der Markenname ist ein reiner Kollektivname, kein individueller Name; er steht aber auch nicht in der hierarchisch-genealogischen Folge von Gattung und species; er tendiert vielmehr zur reinen Differenz, und zur Tautologie (mit der Nähe zur Blasphemie: Persil bleibt Persil). Er usurpiert die Funktion des Namens, im Gegensatz zum Begriff (die gleiche Struktur und Funktion wie Markennamen haben heute Firmen-, Partei- und Vereinsnamen: auch diese fordern heute das Bekenntnis; und überall reagieren die Anhänger so wie die Kinder, die nur Adidas-Schuhe tragen wollen; jeder Kauf- und Wahlakt ist bereits ein Bekenntnisakt). Genau an dieser Stelle wird etwas vom Problem des Bekenntnisses sichtbar, das ursprünglich das Bekenntnis des Namens war, diesem Bekenntnis befreiende Funktion zusprach. Wenn Christus später dann gleichsam als Familienname (Vorname Jesus) verstanden wurde, nicht mehr als Bezeichnung des Messias, so zeichnet sich hier der Zerfall des Bekenntnisses ab: die Ersetzung des Namens durch die Person, die er bezeichnet, und den Begriff, der dann am Ende wieder zum Namen wird. (Reklame verschweigt den Tod: verweigert und verdrängt wie das Zwangsbekenntnis die Erinnerungsarbeit.)
    Das christliche Bekenntnis tritt die Nachfolge der Magie an, wenn es von der Nachfolge Christi getrennt wird. Die Geschichte der Dogmenentwicklung ist die Geschichte der Remagisierung des Christentums (Sakramentenlehre). Das Zwangsbekenntnis ist genau so hilf- und wirkungslos wie der Regenzauber. Und die Hexen wurden nur deshalb so wütend vefolgt, weil sie an dieses magische Selbstverständnis des Christentums erinnerten. Die Gewaltbereitschaft der Gläubigen ist der Reflex auf dieses magische Selbstverständnis, an das man selber nicht mehr glaubt: die reale Gewalt soll ersetzen, was die magische nicht mehr leistet.
    Das jüdische Bekenntnis, das „Höre Israel“ ist ein Liebesbekenntnis und ein Schuldbekenntnis zugleich. Das christliche Bekenntnis behält davon nur die formale Hülle zurück: die Verknüpfung eines vergangenen Ereignisses (Repräsentant der Schuld, die zugleich das Projektionsangebot enthält) mit einer zukünftigen Hoffnung, Erwartung (der Begründung der Möglichkeit der Liebe, des rechten Handelns).
    Ist der Neue Bund (das Novum Testamentum) ohne das Nachfolgegebot überhaupt tragfähig?
    Das Christentum ist heute zentral vom Gedächtnisverlust, vom Vergessen, von der Erinnerungslosigkeit geprägt; Ausdruck dessen sind seine erbaulichen Versionen (die es in verschiedenen Gestalten gibt). Es bedarf großer Anstrengung, um durch Erinnerungsarbeit wieder zum eigentlichen Inhalt durchzudringen. Theologie könnte diese Erinnerungsarbeit sein. Voraussetzung wäre, daß die Vorkehrungen außer Kraft gesetzt werden, die durch ihr Gegenstands- und Wahrheitsverständnis diese Erinnerungsarbeit gerade ausschließen. Die dogmatische Theologie leistet durch ihr Erkenntnisgesetz gegenüber ihrem eigenen Inhalt dasselbe wie die Naturwissenschaften gegenüber der Natur. Kann man Theologie treiben ohne Gottesfurcht?
    Der sogenannte Urknall, der Big Bang, war nicht am Anfang, sondern kommt, wenn wir den Dingen ihren Lauf lassen, am Ende.
    Welt und Natur sind – auch als philophische Begriffe – politischen Ursprungs, in der Theologie nur Gegenstand der Kritik.
    Ist der Turmbau zu Babel ein Typos des hierarchischen Denkens? -Zur Geschichte der Architektur: Vom Turmbau zu Babel zum Haus des Seins.
    Der Personbegriff, der den Träger des Namens bezeichnet, neutralisiert den Namen, macht ihn verwaltungsfähig.
    Die Neutralisierung des Messiasnamens durch das griechische Christus, hat diesen Namen herrschaftsfähig (und in einer fatalen neuen Weise bekenntnisfähig) gemacht: Durch die neue Form des Bekenntnisses wurde das Christentum unter Narkose gesetzt.
    Herrendenken setzt Reflexion voraus und verdrängt sie zugleich (durch listigen Gebrauch). Oder: Herrendenken ist zweite Unmittelbarkeit, die die erste verdrängt.
    Die Ursprünge des Christentum liegen bei Juden, Ketzern und Frauen: Deshalb wurden diese in der Geschichte des Christentums immer wieder verfolgt (Kampf gegen die Erinnerung). Zusammenhang mit der Entwicklung der Kirche, der Einführung des Bischofsamtes, der Entstehung und Festlegung des Schriftkanons und der Entwicklung des Dogmas: Der Kanon ist antijüdisch, das Dogma antihäretisch, das Bischofsamt sexistisch. Oder die Gefahr des Kanons ist die der Leugnung des Vaters, die des Dogmas die der Leugnung des Sohnes und die des Bischofsamtes die der Leugnung des Heiligen Geistes.
    Das Bekenntnis ist das vergeistigte Martyrium, und die Vergeistigung die Identifikation mit dem Aggressor. Zusammenhang mit den evangelischen Räten (Gehorsam, Armut, Keuschheit: Absterben des Eigenwillens, des Eigentums und der Sinnlichkeit): darin ist das Martyrium (durch Formalisierung) im Hegelschen Sinne aufgehoben. Zugleich wird das zentrale Moment der Nachfolge verraten und unkenntlich gemacht.
    In der Auseinandersetzung mit den Häresien hat die Kirche durch Identifikation mit dem Aggressor das häretische Prinzip in sich mit aufgenommen: jeder Sieg über die Häresie war eigentlich eine Niederlage.
    Der Faschismus ist die letzte Verkörperung der Sünde wider den Heiligen Geist; er war aber insofern nur die „Generalprobe“, als der Antichrist am Ende diese Verkörperung in der Verkleidung des Christentums selber darstellen wird.
    Pater noster, qui es in caelis: nicht „in caelo“ (aber: fiat voluntas tua sicut in caelo et in terra).
    Das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit rührt an die Idee des Ewigen. Wenn es gelingt, diesen Punkt genau herauszuarbeiten, müßte es möglich sein, die Naturwissenschaften von ihrem Bann zu befreien.
    Ist die dogmatische Bindung des Christen an die Trinitätslehre, an die Bekenntnispflicht, Modell der Beziehung des materiellen Objekts zum dreidimensionalen und ein früher Vorgriff darauf?
    Ist das Bekenntnis, das Symbolum ein reales oder ein stellvertretendes Bekenntnis (für die ganze Kreatur)? Nur so wäre das Zwangsmoment in Freiheit umzukehren. Ein Glaube, der nur für sich glaubt, der nicht die Armen und die Fremden, die Leidenden, die Unterdrückten und die Zukurzgekommenen mit einschließt, ist irreal.
    Eine Lehre, die wie ein Besitztum streng gehütet wird, anstatt im Wandel des historischen Prozesses neu gewonnen zu werden, verkommt, stirbt ab.
    Ist die Kirche etwa der Lazarus („Herr, er riecht schon“ – oder auch der, der die Brosamen an den Tischen der Reichen aufliest).
    Wer ist der Adressat des Confiteor (deus omnipotens etc.)? Und in welchem (inhaltlichen und funktionalen) Verhältnis steht das Confiteor zum Credo in der Messe? Konstruktion der Messe: Stellung und Bedeutung des Lavabo?
    Das pathologisch gute Gewissen ist sowohl katholisches Erbe als auch ein Rechtsinstitut (Bedingung des Urteilens): Niemand hat das autoritäre Exkulpationsritual nötiger als Staatsanwälte und Richter.
    Die Derrik- uund Schymanski-Mentalität, die im Vorhinein schon weiß, wer der Schuldige ist, ihn dann nur mit allen Mitteln zur Strecke zu bringen sucht (wobei das Vorauswissen als Rechtfertigung auch brutaler Mittel benötigt wird).
    Wenn man Längenkontraktion und Zeitdilatation zusammennimmt, wie ändern sich dann die Geschwindigkeiten? Die Strecken werden kürzer, die Zeiten dehnen sich: müßte nicht die Geschwindigkeit sich gleich bleiben? Gibt es auch den umgekehrten Effekt der Zeitkontraktion und der Längendilatation? – die umgekehrte Relation des ruhenden zum bewegten System (anhängig von der relativen Richtung von Licht und bewegtem Objekt)? Gibt es eine Beziehung zwischen diesen beiden Beziehungen?
    Verweist das Verhältnis von Körpergröße und Gewicht bei den Dinosauriern auf eine andere Gravitationsstruktur? Und weist das plötzliche Aussterben der Dinosaurier auf eine Änderung in dieser Struktur hin? – Maus/Elefant: Kurz-/Langzeitgedächtnis?
    Die Weltkriege als Phasen des Weltuntergangs begreifen. Wir leben in den Trümmern, die der Wiederaufbau nur verdeckt, nicht wirklich beseitigt hat, und merken es immer noch nicht. Geduld und langer Atem sind notwendig, um in den Bruchstücken die Elemente der neuen Welt zu finden und an ihrer erneuten, veränderten Zusammensetzung mitzuarbeiten.
    Wer der Gewalt der Sprachzerstörung, die in den Begriffen liegt, nicht verfallen will, muß die benennende Kraft der Sprache zurückgewinnen. Das wäre die Aufgabe der Philosophie heute. Insbesondere bedarf es heute der adamitischen Kraft, die beiden Tiere zu benennen. Zentrales Modell für die Wiedergewinnung der benennenden Kraft der Philosphie wäre heute die Kritik der Naturwissenschaften. Die Naturwissenschaften sind keine Weltbild-Produzenten, sondern sie bergen in sich die subversive Kraft, die die Weltbilder zerstört.
    Hegel hatte geglaubt, das Bild einer neuen Welt erstellen zu können; das war sein Fehler. – Die kommende Welt – wie immer sie auch sonst beschaffen sein mag -, eines ist gewiß: sie ist bilderlos.
    Die Umkehrung des Trotzes war die Liebe, die des Charakters die geliebte Seele. Nach Rosenzweig ist das Bekenntnis der Seele die Antwort auf die Offenbarung.
    Ist der dreifache Verrat des Petrus auch inhaltlich unterschieden?
    Die Virginitas ist ein Symbolum, kein Biologicum.
    Seit der Phänomenologie ist der theologische Gebrauch des Begriffs der Anschauung obsolet geworden. Die Phänomenologie hat als reine Theorie zugleich dieses zentrale Moment der philosophischen Tradition, die Theoria, liquidiert (Zusammenhang von Anschauung und Bekenntnis!).
    Nicht die Umwertung aller Werte, die vielmehr genau in die Katastrophe hineinführt, zu deren ersten Vorboten gehört, sondern die Kritik des Wertbegriffs selber, genauer: die Kritik jenes Begriffs der Objektivität, in dem der Begriff des Werts entspringt, sich konstituiert, ist der Anfang der neuen Philosophie.
    Der engliche „cant“ war für Max Scheler die Projektions-Müllhalde, auf der er alles abladen konnte, was er in sich selbst verdrängen mußte.
    Man kann sich zu einer Sache bekennen, von der man überzeugt ist.
    Schellings „das Zukünftige wird geahnt“ stellt eine Beziehung zur Zukunft her, die dem des Schicksals entspricht. Die Zukunft ist etwas, was von außen her eintritt, außer jeder Beziehung zum eigenen Handeln, von dem für den, der nur noch „ahnt“, nichts mehr abhängt.
    Eine Zukunft, von der man „überzeugt“ ist, ist entweder Gegenstand einer negativen Prognose (Vorteil: wenn’s eintrifft, behält man recht, wenn nicht, wird die Prognose vergessen) oder aber Gegenstand eines (zwangsweise) geglaubten Bekenntnisses. Das reale Verhältnis zur Zukunft ist das der Gottesfurcht: eben diese wird durch die Überzeugung verdrängt.
    Wer die Zukunft dingfest machen will, erträgt es nicht, in der Gottesfurcht zu bleiben: er verachtet die Weisheit. Er ist zum Verdummen verurteilt.
    Wenn Erkennen etwas mit der Zeugung zu tun hat (Adam erkannte sein Weib …), dann ist das Überzeugen eine Vergewaltigung.
    Verhältnis von chemischem und juristischem Prozeß: Am Ende bleibt die Asche.
    Die Fundamentalontologie ist die in objektloser Angst erstarrende Hypostasierung des Wissens, das dann keines mehr ist.
    Zur philosophischen Bildung heute gehört die Lektüre des „Angehörigen-Info“.

  • 26.12.90

    Der nominalistische „flatus vocis“ hat in der Tat zwei Konnotationen: den Hauch der Stimme, der auch den lebenschöpfenden Gottesatem und den Geist repräsentiert, wie den anderen Flatus, den Drewermann der Genesis-Stelle unterlegt: den Furz. Gegen die Drewermannsche Konsequenz (die das Verdienst hat, den blasphemischen Charakter der Begriffs-Theologie endlich auszusprechen) ist aber auch daran festzuhalten, daß die nominalistische Realismus-Kritik den Weg freigemacht hat zu einer neuen, dem theologischen Erkenntnisbegriff endlich angemessenen Namenslehre: zum parakletischen Denken. Erst jetzt ist begreiflich zu machen, was mit der Sünde wider den Heiligen Geist gemeint ist.
    Durch die Subsumtion der Arbeit unters Tauschprinzip wird das Geld zu geldheckendem Geld (Kapital), gewinnt es die Potenz der Fortpflanzung, der Selbstvermehrung (Zeugungskraft?). Das Geld pflanzt sich im Warenkosmos ähnlich ins Unendliche fort wie -seit der kopernikanischen Wende – der Raum in der Natur: die unendliche Ausdehnung des Raumes ist identisch mit der unendlichen Ausdehnung des Trägheitsprinzips, sie repräsentiert (und ist der Vorgriff auf) die Unterwerfung der Welt unter die Herrschaft des Tauschprinzips. Das Jesus-Wort: Ihr könnt nicht zwei Herren dienen, Gott und dem Mammon, anwenden auf die Trinitätslehre. (Preisfrage: Was hat die Physik mit der Sexualität zu tun?)

  • 24.12.90

    Information als Unterhaltung: Fernsehnachrichten und BILD-Zeitung kommen darin überein, daß sie Informationen nicht nach ihrem objektiven Stellenwert, sondern nach ihrem Unterhaltungs- oder Sensationswert (Empörungsreiz) beurteilen. Der Begriff der Sensation erinnert nicht zufällig an den erkenntnistheoretischen Begriff der Empfindung (des sinnlich Gegebenen: nach Kant des chaotischen Materials, aus dem die transzendentale Logik die Urteile fertigt, durch die es Teil der Erfahrung wird). Diese Sensationen (die im Unterhaltungsbereich „Erlebnisse“ heißen) konstituieren sich erst im Kontrast zur transzendentalen Logik, nach Abzug ihres Erfahrungsgehalts, der nur als Kommentar, als Meinung zugelassen ist. Der Begriff der Sensation setzt die Unterscheidung von Tatsache und Meinung voraus und widerlegt sie zugleich. Die Ideologie, die geheimen Zusatzinformationen, die mit transportiert werden, resultieren aus dem ersten Gebot der Unterhaltungsindustrie: der Zuschauer/Leser darf aus der passiven Rolle nicht herausgerissen werden, er darf nicht (jedenfalls nicht politisch) zum Handeln verführt werden: die Fakten müssen so zubereitet werden, daß sie zur Entlastung des Zuschauers/ Lesers von dem moralischen Druck, den jede ungefilterte Information heute erzeugt, beiträgt: d.h. sie muß den Mechanismen der Schuldverschiebung, den Sündenbockmechanismen, mit einem Wort: dem Vorurteil das Feld überlassen. Bezeichnend das Interview mit einem Tagesthemen-Moderator der ARD in einer Unterhaltungssendung zum Jahresende 1990 (in der kritischen Phase der Golfkrise, über die der Interviewte täglich berichtete). Auf die Frage nach seinem zentralen Wunsch für das Neue Jahr: Er hoffe, daß es ihm endlich gelinge, das Rauchen aufzugeben.
    Zusammenhang zwischen zweiter Schuld und dem Verschwinden der Schamgrenze, die das Private, den Intimbereich von der Öffentlichkeit trennt (BILD, Werbung, Fernsehen, Bedeutung der Familienserien, Gestaltung der Wohnungen: die Privatisierung der Politik und die Politisierung des Privaten; das unaufhaltsame Vordringen der Gemeinheit).
    Der deutsche Begriff für Sexualität: das Geschlecht, das Geschlechtliche (auch die Geschlechter, z.B. die Genealogien? Zusammenhang mit der Trinitätslehre, der Zeugung des Sohnes?) scheint vom Ursprung her mit dem der Scham zusammenzuhängen. Das Geschlecht wäre demnach die Hypostase des Schlechten, des Verurteilten, das apriorische Objekt der Scham. Verletzt die Trinitätslehre die Schamgrenze Gottes?
    Zur Trinitätslehre: Umkehrung der Vater-Mutter-Sohn-Beziehung? Der Beistand (das Mütterliche) geht aus dem Vater und dem Sohne hervor und wendet sich nach außen, während im traditionellen Familienkonzept die Mutter dem Mann und den Kindern „Beistand“ ist, der empathische Anwalt, der alles versteht (auch den richtenden Vater).

  • 22.12.90

    Empörung schneidet jedes weitere Argument ab, gibt zu verstehen, daß der Empörte von diesem Punkt an sich selbst (seine Person) in die Waagschale wirft und nicht mehr mit sich reden läßt (vgl. Sartres Portrait eines Antisemiten). Empörung ist vergeistigtes „Martyrium“, zeigt die verzerrten Züge des „Bekenners“: Diese Empörung steht der Frau nicht zu (wird hier als Hysterie diffamiert); ihr bleibt nur der Ausweg der biologischen Unschuld: die Jungfrauenschaft. Empörung ist das säkularisierte Bekenntnis (und zugleich das aktive Bekenntnis zur Welt). So ist der Antisemit der letzte Nachfahre des Bekenners (und Vorbote des Antichrist: sein Bekenntnis drückt sich aus im apokalyptischen Zeichen des Tieres). Die confessio und die virginitas sind komplementäre Formen der christlichen Selbst- und Weltverleugnung, der mißlungenen Umkehr (in der das Selbst und die Welt aufgehoben, erhalten bleiben). Mißlungen deshalb, weil die Selbst- und Weltverleugnung selber bereits Folgen der Anpassung an die Welt (der Identifikation mit der Welt als selbstlosem Aggressor: Vorlaufen in den Tod) sind.
    Empörung instrumentalisiert die Moral und begründet so den modernen Naturbegriff.
    Bekenntnis und Messianismus: Gegenstand des Bekenntnisses ist der Name des Messias (der dann nur noch als quasi Familienname des Jesus Christus verstanden wurde). Der autoritäre Charakter erträgt es nicht, wenn dieser Name nicht sein Name (in notwendiger Verbindung mit einer der weltlichen Derivate des Messianischen: der Nation oder des Markennamens) ist. (Die Befreiung von dieser Säkularisation des Messianischen oder von der Neid-Beziehung auf das Messianische wäre die Entkonfessionalisierung.) Die tiefe Ambivalenz der Rezeption der Lehre vom mystischen Leib Christi, die ohne den Begriff der Nachfolge direkt in die Barbarei regrediert, in der Ära des Faschismus hängt hiermit zusammen.
    Bekenntnis = confessio, homologia.
    Adornos Bemerkungen „zum Ende“ auf die Heideggersche Philosophie anwenden.
    „Auf dem Gebiet der Malerei und Skulptur lautet heute das Credo der Leute von Welt: […] „Ich glaube an die Natur und glaube einzig an die Natur (und das hat seine guten Gründe). Ich glaube, daß die Kunst nichts anderes ist und sein kann, als die genaue Wiedergabe der Natur (eine furchtsame und abtrünnige Sekte will die Dinge widerwärtiger Natur, so einen Nachttopf oder ein Skelett nicht zugelassen wissen). Und so wäre denn die Industrie, die uns ein mit der Natur identisches Resultat geben würde, die absolute Kunst.“Ein rächerischer Gott hat die Stimmen dieser Menge erhört. Daguerre ward sein Messias. Und nunmehr sagt sie sich: „Da uns also die Photographie alle wünschenswerten Garantien für Genauigkeit gibt (das glauben sie, die Unsinnigen!), ist die Photographie die Kunst.“ (Charles Baudelaire, zit. nach Christina von Braun: Nicht ich, Frankfurt 1993, S. 441)
    „Was die Photographie ermöglichte, war die Verwandlung der alten, dem Untergang geweihten Natur in ein Kunstwerk. Sie diente nicht so sehr der Wahrung des Untergehenden; auf ihre Weise trieb sie diesen Untergang auch voran.“ (Christina von Braun, ebd.)
    Das Fernsehen befreit den Faschismus durch Verinnerlichung und Vergesellschaftlichung vom Bilde des Führers. Auschwitz bleibt in verwandelter Form erhalten und allgegenwärtig.
    Zum Begriff des Charakters: „Der kommende deutsche Mensch wird nicht ein Mensch des Buches, sondern ein Mensch des Charakters sein. Und deshalb tut ihr gut daran, zu dieser mitternächtlichen Stunde den Ungeist der Vergangenheit den Flammen anzuvertrauen. Das ist eine große, starke und symbolische Handlung …“ (Goebbels anläßlich der Bücherverbrennung am 10.05.1933 auf dem Berliner Opernplatz, zit. nach Christina von Braun, a.a.O. S. 445). Heute ersetzt das Fernsehen die Bücherverbrennung (und bildet den Charakter; Charakter das caput mortuum des Geistes -seine nature mort, sein Stilleben).
    Geschichte des Scheiterhaufens: Ketzer, Hexen, Bücher, die Vergangenheit – Vergeblichkeit des Opfers und Wiederholungszwang (Fernsehen: das materialisierte Totenreich oder das Absterben, die Vergängnis des Sehens) – Hegels Philosophie lt. Baader das Autodafe der bisherigen Philosophie – Vergegenständlichung des universalen Verdrängungsprozesses (Abstraktion und Verdrängung).
    Bekenntnis und Symbol (Credo und symbolum): Absterben, Verwesung und Vergiftung des Symbols durchs Zwangsbekenntnis (säkularisiertes Bekenntnis) – Verwandlung des Symbols ins Bild (Bedeutung des Bilderverbots!) – Reklame und Propaganda – das Zeichen des Tieres.
    Name und Begriff: Während der Begriff Ausdruck der Herrschaft über das Objekt (Befreiung von Angst durch deren Verdrängung durch Depotenzierung, Entmächtigung des Objekts), ist der Name Ausdruck der Anerkennung des Leidens (der passio, des Selbstgefühls): Befreiung von Angst durch deren empathische, parakletische Aufarbeitung. Voraussetzung ist, daß das Tabu über die Angst (die Gottesfurcht) aufgehoben, ihre Verdrängung nicht mehr notwendig ist.
    Das letzte Bekenntnis wird ein Schuldbekenntnis sein.

  • 18.12.90

    Bekenntniszwang, Wut und Selbstmitleid, oder über das Verhältnis des Bekenntnisses zu den Formen der Anschauung (zum Inertialsystem): Das Zwangsbekenntnis befreit, erlöst den Bekennenden ebensowenig wie die Arbeit die unbearbeitete Natur, das rohe Naturobjekt; er erzwingt vielmehr die Anpassung und eine mittlerweile unerträgliche Verdrängungsleistung, die die Grundlage war für die Einbeziehung der Menschen in den Zivilisationsprozeß. Ausdruck und Folge dessen ist die selbstzerstörerische oszillierende Mischung von Wut (nach außen) und Selbstmitleid (nach innen), die die Grundlage bilden für die massenhafte Verbreitung des autoritären, faschistischen Charakters (Reflex des Inertialsystems im Subjekt). Die Wirkungslosigkeit der gesellschaftskritischen Aufklärung ist begründet in der Unfähigkeit, die Natur in diesen Aufklärungs-und Reflexionsprozeß mit einzubeziehen. Die Relativierung der naturwissenschaftlichen Erkenntnis, die Einsicht in ihre Abhängigkeit vom gesellschaftlichen Prozeß, vom Prozeß der gesellschaftlichen Naturbeherrschung (in die das naturbeherrschende Subjekt mit verflochten ist), vermag vielleicht den Bann zu lösen.

  • 17.12.90

    Das Bekenntnis war im Anfang das „Bekenntnis des Namens“. In welcher Beziehung steht dieses Bekenntnis zur „Heiligung des Namens“ (z.B. im Herrengebet, aber auch in der jüdischen Tradition, in der die Heiligung des Gottesnamens besiegelt wurde durchs Martyrium). War dieses Bekenntnis von Anfang an ein Formelbekenntnis? Vor wem wurde es abgelegt? Unterschied zwischen dem Bekenntnis vor dem Verfolger und dem vor der kirchlichen Autorität (seit der Abgrenzung von der Häresie; im Rahmen der Dogmenentwicklung: Identifikation mit dem Aggressor)? Seit wann gibt es das Taufbekenntnis? Bei Augustinus war die Aushändigung des Symbolums bei der Taufe noch ein Sakrament; wann trat an die Stelle der Aushändigung an den Täufling das Bekenntnis des Täuflings (an die Stelle der Gnade die Leistung)? Wer war Subjekt des Bekenntnisses: die Kirche oder der einzelne Christ? War das individuelle Bekenntnis (des Märtyrers, des Confessors) nur ein Derivat des Bekenntnisses der Kirche? – Logisches Äquivalent: der Markenname (ein Teil der „theologischen Mucken“ der Warenform? – ist diese logische Beziehung so zufällig?). Zusammenhang von Trägheitsgesetz/materielles Objekt/Naturbeherrschung, Tauschprinzip/Eigentum/Recht und Bekenntnis/Person/Dogma (Kirche als Herr des Bekenntnisses)? Der Konfessionalismus leugnet die Gnade (und die Gottesfurcht). Das Inertialsystem hat eine andere Bedeutung fürs eigene Zentrum, für den Ursprung des I. (Repräsentant des Subjekts), und für das Objekt, auf das es sich bezieht. Das Relativitätsprinzip drückt nur die Äquivalenz von Subjekt und Objekt aus (ähnlich wie das Tauschprinzip die Äquivalenz von Verkäufer und Käufer, von Produzent und Konsument). Das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit verweist auf die Subjekt-Objekt-Differenz im Inertialsystem. In der malerischen Perspektive hat der Betrachter die Unendlichkeit des Raumes im Rücken; und das Zentrum (der Ursprung) des Raumes liegt im Fluchtpunkt der Perspektive: der Betrachter ist demnach nicht Subjekt, sondern Objekt des Raumes. Hierbei ist der Fluchtpunkt, in dem alle zur Blickrichtung parallellen Linien sich treffen, kein Punkt, sondern die zur Blickrichtung senkrechte Ebene im Unendlichen. Wo trifft eine zur Blickrichtung nicht parallelle und nicht senkrechte Gerade diese Ebene? Was liegt hinter dem Fluchtpunkt? Das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit und das Gravitationsgesetz bezeichnen die Grenzen des Inertialsystems (nach innen: im Verhältnis zum Begriff, zum Subjekt, und nach außen: im Verhältnis zu den Naturobjekten). In welcher Wechselbeziehung stehen Licht und Schwerkraft (Licht als Innenseite der Gravitation)? Stehen die resp. Konstanten in einer rationalen Beziehung zueinander? Das Trägheitsprinzip macht Ungleichnamiges gleichnamig: Die physikalischen Unterscheidungsmerkmale (Masse, Konfiguration der Atome und Moleküle) entspringen bei der Verdrängung der realen Differenzen und sind Produkt der Gleichnamigkeit des Ungleichnamigen.

  • 16.12.90

    Der Personbegriff konstituiert sich durch Neutralisierung der „persönlichen Fürwörter“, durch Verdrängung der Differenzen zwischen Ich, Du und Er; das aber heißt: in der Neutralisierung und Verdrängung des besonderen Schuldverhältnisses (der Grundlage dessen, worauf sich das Nachfolgegebot bezieht, und des Verständnisgrundes des parakletischen Denkens) und durch Konstitutierung des allgemeinen Schuldzusammenhangs (abgesichert durch den Weltbegriff). Person ist das Selbst als Objekt: jemand, über den hinter seinem Rücken gedacht und geredet wird. Der Begriff der Person gehört zu der durchs Tauschprinzip definierten Gesellschaft wie der Pass zum Staat (vgl. Brecht: Flüchtlingsgespräche). Person ist das Objekt der Identifikation (durch den Namen, durchs Bild und durch die individuellen Merkmale). Zusammen mit der Einführung des Personbegriffs in die Theologie (in der lateinischen Variante der Dogmenentwicklung) wurde Christus zum Eigennamen (schon im 2. Petrusbrief werden die Begriffe Soter und Christus zusammen verwendet, der des caesarischen Retters, der den hebräischen go’el verdrängt, mit dem des jüdischen Messias, den er dann neutralisiert, überdeckt und verdrängt: Grund der getrennten christlichen Kaiser- und Königstradition). Physei ist thesei: Seit wann gibt es „die Natur“ als Totalitätsbegriff? In der philosophischen und theologischen Tradition wurde Natur als die von Einzeldingen (bis hin zu den zwei Naturen in Jesus) verstanden, in enger Beziehung zum Wesensbegriff. In der griechischen Philosophie (bei Aristoteles) hatten Bedeutung und Funktion dieses Begriffes die Idee einer ungeschaffenen, mit Gott gleich ewigen Welt zur Voraussetzung. Vorausgesetzt war die klare Trennung von physei und thesei: von Natürlichem (als nicht Geschaffenem) und gesellschaftlich Bedingtem. Der logische Zwang dieser Trennung war über den Ursprung des Weltbegriffs politisch vermittelt (in der Geschichte der orientalischen, ägyptischen, hellenistischen und römischen Staatsidee). Der moderne Naturbegriff dagegen hat das entwickelte Bürgertum zur Voraussetzung. (Das biblische Herrschaftsgebot: Macht euch die Erde untertan, bezieht sich nicht auf die Natur – es ist nicht imperialistisch -, sondern auf die Erde: Es schließt den/die Himmel nicht mit ein; erst das kirchliche Christentum hat versucht, auch den Himmel sich untertan zu machen, und damit die Voraussetzungen für den totalitären Naturbegriff und eine grenzenlose Naturbeherrschung geschaffen.)

  • 12.12.90

    Der Stand der naturwissenschaftlichen Aufklärung und der der polit-ökonomischen Entwicklung sind ein Index für den Stand der „Welt“-geschichte (im Sinne der Geschichte der Welt: der Säkularisation, der Herrschaft). Die Vorstellung, daß die Welt eine statische, in der Zeit sich nicht verändernde Struktur besitze und nur unsere Erkenntnis der Welt sich im Sinne einer immer größeren Annäherung an die Wahrheit sich ändere („fortschreite“), verdrängt den massiven, brutalen Eingriff durch den parvus error in principio, den imgrunde seit je politischen Weltbegriff und die Geschichte der Konzeption des Materie-, schließlich des Trägheitsbegriffs; sie verdrängt das Herrschaftsmoment in der Struktur dieser Welterkenntnis. Und diese Verdrängung ist der Grund für die Blindheit hinsichtlich der Funktion und Bedeutung des Tauschprinzips in diesem Prozeß.

    Eric Voegelin verfällt selbst dem, was er die gnostische Revolution nennt: wenn er den Gnosis-Begriff instrumentalisiert, ihn als Waffe gegen revolutionäre Bewegungen verfügbar macht. Dies ist geradezu ein Paradebeispiel dafür, daß der Kampf gegen einen Feind (die „gnostische Revolution“ als das „absolut Böse“) zwangsläufig in den Netzen der Identifikation mit dem Aggressor sich verfängt (oder auch: projektive Züge annimmt; das Fatale der christlichen Höllen- und Teufels-Vorstellung liegt in den Konsequenzen der Verletzung des Gebots der Feindesliebe).

    Hobbes‘ These, daß der Friede mit dem Mitmenschen zu den wichtigsten politischen Grundsätzen gehört (Voegelin, S. 212), rührt an einen in der Tat wichtigen Punkt (an den Grund der Notwendigkeit von Gewaltfreiheit): die Welt und die Menschen in ihr stehen in einer Wechselbeziehung, die grundsätzlich den Gebrauch von Gewalt beim Versuch der Weltveränderung ausschließt. Gewalt gehört zu den Konstituentien der Welt und bestätigt und verhärtet sie. Wer Gewalt gebraucht, macht sich mit der Welt gemein, die er zu bekämpfen glaubt. Der einzige Ausweg ist der der Arbeit an der Auflösung des Schuld- und Verblendungszusammenhangs: der Aufklärung. Die Welt gründet in den Köpfen der Menschen (und zwar aller Menschen: der Menschheit), während die subjektiven Konstituentien der Welt zugleich objektive Realität besitzen, unabhängig sind vom Anschauen und Denken der einzelnen Menschen.

  • 11.12.90

    Natur ist ein Weltbegriff (ein Begriff, der vollständig abhängt von den transzendentalen Konstitutionsbedingungen der Welt) und in theologischem Zusammenhang nicht zu gebrauchen. Natur usurpiert den Schöpfungsbegriff, ist mit der Vorstellung eines zweckmäßig (als Vorsehung) handelnden innerweltlichen Subjekts verbunden. Anders wäre Leben (als Teil der Natur – nicht nur unter Bedingungen der Natur) nicht zu begreifen. Dagegen die Vorstellung Horkheimers (in der DdA), daß die Tiere an ein Unglück in der Vorzeit erinnern. – Es ist in der Tat ein Unterschied, ob das Leben als „von der Natur“ hervorgebracht oder unter Naturbedingungen sich entwickelnd vorgestellt und begriffen wird. Die Anwendung des Naturbegriffs auf theologische Gegenstände und Zusammenhänge ist (nach der epochalen Entdeckung Franz Rosenzweigs) nur im Kontext der Umkehr (im besonderen Verhältnis des Mythos zur Offenbarung) möglich.

    Mit dem Radikalenerlaß und mit der späteren Sympathisanten-Hatz begann die mehr oder weniger sanfte faschistische Umkehrung der öffentlichen Meinung in der BRD; seitdem hat dieses moralische Klima (die Kohlsche ingeniöse Konsequenz daraus: das Aussitzen moralischer und politischer Probleme) wirtschaftlich und politisch nur noch Erfolge gebracht und ist dadurch fast unangreifbar geworden. Unangreifbar vor allem auch deshalb, weil es unmittelbar an kirchliche Traditionen (insbesondere der Ketzer-und Hexenverfolgung) anknüpfen konnte.

    Tentari non patitur Deus suos supra id quod possunt. 1 Kor. 1013, 2 Petr. 29, Offb. 210.

    Was bedeutet im NT das Bekennen (homologein) des Namens Jesu? Hat das Bekennen etwas mit der Nennung des Namens im Sinne des Ansprechens, des Aufrufens zu tun?

  • 09.12.90

    Die Reflexion des Bekenntnisses ist das Zentrum der kritischen Selbstverständigung (und Selbstbegründung) des Christentums; sie ist sowohl Inbegriff des Neuen, Befreienden, als auch Ansatzpunkt für die Selbstinstrumentalisierung: Verwandlung in ein Herrschaftsinstrument; Ursprung der Instrumentalisierung der Natur; Zusammenhang mit dem Weltbegriff. – Gegenstand des Bekenntnisses ist das Bekannte? Säkularisation des Bekenntnisses durch die Formen der Anschauung, durch die Mathematik, die in der historischen Auseinandersetzung mit der Natur diese Natur ähnlich repräsentieren wie das Bekenntnis die Kirche. Oder: Das Zwangsbekenntnis leistet am Subjekt die gleiche Entrealisierung und Entsinnlichung wie die Formen der Anschauung (das Inertialsystem) und die daraus abgeleiteten Strukturen der Mathematik an der Natur. Die Person als Träger des Namens ist das Produkt der Zurichtung zum Objekt des Urteils (vom Tratsch übers Recht bis hin zur Theologie), der Instrumentalisierung, der Verwaltung.

    Ebenso wie die Person den individuellen Menschen neutralisiert das Bekenntnis (der vom Wissen getrennte anstatt sein Verhältnis zum Wissen reflektierende Glaube) seinen Gegenstand, seinen Inhalt. Die Person (als Gegenstand hoffnungslosen Wissens) muß sich ihre Taten als feste Eigenschaften zurechnen lassen: wer gestohlen hat, ist ein Dieb, wer gemordet hat, ein Mörder. Nur durch ihr vergangenes Handeln und ihr Leiden kommt die Person zu Eigenschaften, Qualitäten; diese sind Urteile über ihre Vergangenheit. In der Theologie ist es denn auch das Handeln und Leiden, das die Unterscheidung der Personen in der Trinität begründet: der Zeugende und der Schöpfer der Welt ist der Vater, der Gezeugte und in die Welt Ausgesandte (und zur Hölle, zum Ziel des Sündenfalls, Abgestiegene) der Sohn, der von beiden Ausgehende und der das Antlitz der Welt Erneuernde der Hl. Geist (Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft; Glaube, Liebe, Hoffnung?). Und am Ende, wenn der Sohn sein Rettungswerk vollendet hat, wird Gott alles in allem sein: werden mit der „Welt“ auch die Personen in Gott untergegangen sein. (Die Trinitätslehre besteht ebenso wie ihr Tradent, das „Welt-„Priestertum und die Hierarchie: die organisierte Kirche, solange, wie die Welt besteht.)

    (Die Welt der Kinder ist die private Welt der Familie. Und für die Kinder ist es auch der Vater, der durch seine außerweltliche Tätigkeit diese Privatwelt gleichsam ex nihilo erschafft, jedenfalls ihr absoluter Herr ist. Nur die Mutter ist in der Privatsphäre physisch anwesend, der Vater ist ihr transzendent. – Das orthodoxe Urteil über die Häresie als Abweichung orientiert sich an diesem Modell.)

  • 08.12.90

    Zusammenhang von Essen („Gericht“), Inertialsystem (orthogonales, gerichtetes System: Bedeutung der „Orthodoxie“), Herrschaft des Tauschprinzips: diese Welt (als Produkt) ist das Gericht. Das Gericht ist, bezogen auf die Dingwelt, der Inbegriff der Vergängnis, der Vernichtung. Arbeit als Befreiung (durch Tod und Auferstehung der rohen Natur) und Exkulpation (Befreiung von Schuld, Selbstverteidigung: Folge des Sündenfalls).

  • 07.12.90

    1 Kor. 1126,29,32: „Sooft ihr dieses Brot esset und aus diesem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er wiederkommt.“ – Zusammenhang von Essen und Gericht. – „Wenn wir jedoch vom Herrn gerichtet werden, dann werden wir gezüchtigt, damit wir nicht mit der Welt verdammt werden“.

    ebd. 124-5: Kyrios-Christologie setzt den Geist als Parakleten frei (ein Geist, ein Herr, ein Gott).

    ebd. 141ff: Prophetie: für die Gemeinde; Sprachen reden: für Gott und für sich selbst; Sprachen auslegen: für die Gemeinde.

    ebd. 1522: „Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle auch das Leben haben.“

    ebd. 1524-28: „…, nachdem er alle Herrschaft, Gewalt und Macht vernichtet hat. … Als letzter Feind wird dann der Tod vernichtet … Dann wird auch der Sohn sich selbst dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, auf das Gott alles in allem sei.“

    ebd. 1556: „Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft der Sünde aber das Gesetz.“ Nach Elaine Pagels (Versuchung durch Erkenntnis, S. 180f) entstammt das griechische Wort für Sünde (hamartia) dem Umkreis des Bogenschießens und bedeutet wörtlich das „Verfehlen des Kennzeichens“. Die Sünde ist somit nicht ein bewußtes und gewolltes falsches Tun, sondern ein Unvermögen, ein Mißlingen. Nur vor diesem Hintergrund wird deutlich, was Gottesfurcht, was Gnade und was Erlösung bedeutet.

    Zum Hebräerbrief nachlesen, welche Aufgaben, Bedeutung und Funktion der „Hohepriester“ hatte?

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