Theologie

  • 13.1.96

    Der Satz aus der Dialektik der Aufklärung, wonach die Distanz zum Objekt vermittelt ist durch die Distanz, die der Herr durch den Beherrschten gewinnt, bedeutet realhistorisch, daß der Objektbegriff vermittelt ist durch die Geschichte der Unterwerfung und Ausbeutung fremder Völker. (Bezeichnen nicht die Planetennamen, vor allem Venus, Mars und Merkur, die Konstituentien des Objektbegriffs, sind sie nicht die Konstituentien eines Vorläufers des Inertialsystems? – Phantastische Vorstellung, daß die „Planeten“ im Sinne der alten Astronomie als Verkörperungen der Unendlichkeiten der sechs Richtungen im Raum sich begreifen lassen.)
    Die Kollektivscham, die die Reflexion der Kollektivschuld zum Schweigen gebracht hat, war das Ferment der Chronifizierung des Rechtfertigungszwangs, unter dem die Deutschen seitdem leiden, wobei der Rechtfertigungszwang, unter dem die Zeitgenossen des Faschismus stehen, zu unterscheiden ist von dem, unter dem die Nachgeborenen stehen. Für die Zeitgenossen des Faschismus war die Nachkriegsgesellschaft eine Gesellschaft von Irren, für die Nachgeborenen war sie eine Gesellschaft von Verbrechern (reproduzierte sich in diesem distanzierenden und diskriminierenden Blick nicht das Irresein?).
    Der Satz „Ihr seid das Licht der Welt“ ist nur zu verifizieren unter der Voraussetzung, daß Joh 129 unters Nachfolgegebot fällt. Joh 129 ist der theologische Lichtgenerator, der durch die Opfertheologie außer Funktion gesetzt, zum Scheffel über dem Licht umgeformt worden ist.
    Die konstantinische Wende war die Voraussetzung der kopernikanischen Wende (und die paulinische die der konstantinischen).
    Bemerkung zu Paulus: Ist nicht die Opfertheologie aus der Rationalisierung seiner Mittäterschaft am Martyrium des Stephanus abzuleiten?
    Die Vorstellung, daß der Ursprung des Geldes aus frühen Tauschbeziehungen (aus dem Tausch überflüssiger Güter) sich ableiten läßt, ist idyllisch; sie abstrahiert von den realen Ursprüngen des Handels, des Geldes und des Tauschprinzips, die im Raub, in der Eroberung und Ausbeutung fremder Völker, im Verkauf der Gefangenen als SklavInnen und im antiken Institut der Schuldknechtschaft suchen sind. Aber gehört dieses idyllische Bild nicht zu den Prämissen einer technologisch instrumentalisierten Kapitalismuskritik, zu den Gründen der Verwechslung der Vergesellschaftung der Produktionsmittel mit ihrer Verstaatlichung (des Kommunismus mit dem Staatskapitalismus)?

  • 11.1.96

    Habermas hat mit dem Begriff der „objektiven Welt“, in dem er Natur und Ökonomie nicht mehr unterscheidet, und nachdem er die Naturwissenschaft aus dem Bereich der philosophischen Kritik herausgenommen hat, auch die Ökonomie der Kritik entzogen. Damit scheint es zusammenzuhängen, wenn er zwar eine Theorie der Argumentation zu etablieren versucht, hierbei jedoch hinter den Stand der hegelschen Reflexion der Dialektik des Grundes zurückfällt und insbesondere das Problem der Beweislogik nicht sieht, nicht erkennt. Die Entfaltung und Bestimmung des Problems der Beweislogik wäre die Basis einer Theorie der Argumentation (der Begründung).
    Hier verstellt Habermas sich selbst den Weg zur Erkenntnis der systematischen Bedeutung des Begriffs des Scheins in der hegelschen Logik (aber hätte nicht die Reflexion des Scheins seiner Theorie des kommunikativen Handelns die Grundlage entzogen?).
    Die Theorie des kommunikativen Handelns ließe als die letzte Gestalt der Säkularisation des Dogmas sich begreifen. Damit scheint die Wahlverwandtschaft, die insbesondere katholische Theologen zu Habermas zu verspüren scheinen, zusammenzuhängen.
    Kann es sein, daß Habermas‘ Begriff der Rationalisierung, der sprachlich auf eine produktive, das Objekt verändernde, nicht auf eine erkennende Tätigkeit verweist, seinen systematischen Grund in Adornos Begriff der Säkularisierung hat. Auch Adorno hatte, als er von der restlosen Säkularisierung aller theologischen Gehalte sprach, deren Selbstaufklärung gemeint, nicht jene Gestalt der Säkularisierung, als welche (im Kontext von Objektivierung und Instrumentalisierung) das Dogma sich begreifen läßt. Ähnlich scheint Habermas seinen Begriff der Rationalisierung verstehen zu wollen, wobei er von den Konnotationen absehen muß, die diesem Begriff z.B. durch die Psychoanalyse zugewachsen sind: Hier bezeichnet er die Rechtfertigung im Kontext von Abwehr und Verdrängung, das genaue Gegenteil der Selbstaufklärung. Verwischen sich in Habermas‘ Theorie nicht in der Tat die Grenzen zwischen Rechtfertigung und Begründung?
    Durch die universale Herrschaft des Kausalitätsprinzips, Pendant der Apriorisierung des Objektbegriffs, ist die Logik der Begründung, die Grundlage der Argumentation, vom Objekt getrennt worden, ist sie zu einem Instrument der Rechtfertigung geworden (Propaganda und Reklame sind Anwendungen der transzendentalen Logik der Rechtfertigung). Grund ist die Vertauschung des ex ante mit dem ex post: Die nachträgliche Begründung einer Handlung dient ihrer Rechtfertigung; die Antizipation dieser Rechtfertigung, die das eigene Tun in ein subjektunabhängiges, objektives und neutrales Geschehen verwandelt, gibt sich nur noch den Schein der Begründung, der darüber hinwegtäuscht, daß es in der verwalteten, durchrationalisierten Welt wirkliches Handeln nicht mehr gibt.
    Eine Begründung, die mehr sein will als eine antizipierte Rechtfertigung, setzt die Kritik einer Logik voraus, die insbesondere in den modernen Naturwissenschaften sich verkörpert, sie zielt auf eine Rationalität, die dem Bann der Rationalisierung entronnen ist.
    Zum Begriff der Herrschaft: Die Idee, daß Gerechtigkeit und Friede herrschen, unterscheidet sich von jedem Begriff einer Weltbeherrschung. Die erste Idee wird in die zweite transformiert, wenn Gerechtigkeit und Friede als Elemente einer Rechtsordnung sich bestimmen.
    Habermas verlegt den Ort der Differenz zwischen Wahrheit und Richtigkeit in die Grenze zwischen objektiver Erkenntnis und normativer Geltung. Er vergißt nur, daß Erkenntnis und Geltung sich nicht real so trennen lassen, sondern durch einander vermittelt sind, sich wechselseitig definieren. Jede objektive Erkenntnis erhebt den Anspruch der Geltung für andere, ist durch diesen Anspruch (der in der Kopula des Urteils sich ausdrückt) vermittelt.
    Tatsachen, res factae, sind durch Handeln geschaffene Sachen, deren Urheber die Welt, der Inbegriff der Intersubjektivität, ist. Das logisch-reale Organisationsprinzip der Welt aber ist der Staat.
    Nur Herrschaftskritik vermag die Theologie aus dem Bann einer Tradition zu befreien, in den sie durch ihre Verstrickung in den historischen Objektivationsprozeß geraten ist. Deshalb gehört zur Herrschaftskritik konstituv Erinnerungarbeit dazu. Mit dieser Erinnerungarbeit hat die Dialektik der Aufklärung den Anfang gemacht.
    Hätte Habermas in seine Theorie der Begründung eine Theorie der Kritik mit aufgenommen, so hätte er die hegelsche Logik, nach der, was aus dem Grunde hergeht, auch zugrunde geht, rezipieren müssen. Das aber hätte die Konstituierung einer autonomen Handlungstheorie unmöglich gemacht. Kritik ist Kritik der Ästhetik und der ästhetisch begründeten (transzendentalen) Logik. Kritik heißt, das Bewußtsein der Asymmetrie (die Sprengung der subjektiven Formen der Anschauung) in die Logik hineintreiben. Das setzt die Kritik des Weltbegriffs voraus.
    Grundmotive sind Joh 129 (die Sünde der Welt) und die Dt-Stelle über Rind und Esel (Joch und Last).
    Mit der säkularen Herrschaftsgeschichte verschiebt sich die Idee der göttlichen Gerechtigkeit in die der Barmherzigkeit. Diese Verschiebung drückt sich trinitarisch in der Idee des Heiligen Geistes (des Parakleten) aus.
    Als Hegel glaubte, die Antinomie der reinen Vernunft zum Motor der dialektischen Arbeit des Begriffs instrumentalisieren zu können, hat er die Logik ästhetisiert (und dem Schein das Tor zum Eintritt in die Logik eröffnet).
    Ist nicht Herbert Schnädelbach dem Grund dieser Transformation (der Instrumentalisierung der Antinomie der reinen Vernunft) einmal sehr nahe gekommen, als er das Konstruktionsgesetz der hegelschen Dialektik herausgearbeitet hat: die herrschaftslogische Beziehung von Unmittelbarkeit und Vermittlung. Das erkennende Bewußtsein, dessen Gegenstand das An sich ist, ist selber Gegenstand für ein anderes Bewußtsein, für das, was für das erste Bewußtsein an Sein an sich ist, ein Sein für ein anderes Bewußtsein ist. Diese Struktur wird insgesamt instrumentalisiert (und neutralisiert) durch die Form des Raumes, durch die Form der Beziehungen der Dimensionen (die Form der orthogonalen Beziehungen der Richtungen) im Raum. Die Mathematisierung des Raumes ist das Produkt der Abstraktion von der Selbstbegründung des Raumes.
    Es ist das ungeheure Resultat der kantischen Vernunftkritik, daß sie die Form des Raumes als vermittelt durch die subjektive Form der inneren Anschauung, durch die Vorstellung des Zeitkontinuums, begreift. Adornos Satz „Das Ganze ist das Unwahre“ richtet sich gegen die Totalisierung der Totalitätsbegriffe als Folge der Hypostasierung der Zeit (in der Theologie entspricht dem die Verwechslung der Idee des Ewigen mit dem Überzeitlichen: überzeitlich ist die Zeit, das Ewige ist innerzeitlich; deshalb hat die Wahrheit einen Zeitkern).
    Die „leeren Blätter“ der Weltgeschichte sind die Blätter des Buches, das im Jnngsten Gericht aufgeschlagen wird (Erinnerungsarbeit versucht, diese „leeren Blätter“ zu entziffern).
    Mit dem Begriff der concupiscentia, der Begierde, hat die Theologie von der Vermittlung abstrahiert, der die concupiscentia sich verdankt, zugleich dem einzelnen Subjekt aufgebnrdet, was ebensosehr dem Weltzustand sich aufbürden läßt. Nicht die Begierde ist der Grund des Bösen, sondern die Instrumentalisierung des Triebs, die dem Weltbegriff, der in ihm verkörperten Logik, sich verdankt: der Herrschaftslogik.
    Habermas Versuch, die Philosophie durch Konservierung eines Begriffs der objektiven Erkenntnis zu retten, mußte mißlingen, es sei denn, er hätte zur Begründung dieser Objektivität – worauf Franz Rosenzweig erstmals hingewiesen hat – die Theologie zur Hilfe genommen, er hätte Herrschaftsreflexion und Reflexion der Sprachlogik zum Organ der Philosophie gemacht. Die logische Konsequenz wäre die Neubegründung der Namenslogik (die Logik der „Heiligung des Gottesnamens“) und die Kritik der erkennenden Kraft des Begriffs gewesen. Die Idee der Heiligung des Gottesnamens ist das Feuer, das die eherne Zwangslogik des Begriffs schmilzt (vgl. den Eisenschmelzofen Ägypten) und das Licht der erkennenden Kraft des Namens befreit.
    Im Kontext der Kritik des Begriffs als Herrschaftskritik gewinnt die realsymbolische Erkenntnis ihre Kraft.
    Was bedeutet „triftig“ und welche Sprachwurzel hat dieses Wort (abgeleitet von „treffen“)?
    Wolfgang Pohrt: Theorie des Gebrauchswerts. Erster Eindruck: Triumph des Besserwissens. Er genießt die Genugtuung darüber, daß, wenn sich schon nichts ändern läßt, er es wenigstens im voraus gewußt hat. Er weiß, daß alle als Marionetten des gleichen Systems figurieren, dessen Urheber sie zugleich sind, und er weiß zugleich, daß dieses Wissen unwiderlegbar ist (so wird die negative Dialektik zu einer Spezialität der transzendentalen Logik, eines Systems apriorischer Urteile, die er wie ein Hagelgewitter auf die apriorischen Objekte dieser Logik herunterprasseln läßt. Der Prophet als Richter ist ein eitler Prophet. – Kann es sein, daß diese Konstruktion in der Logik seines Themas begründet ist: Eine Theorie des Gebrauchswerts, die nachweist, daß die politische Ökonomie heute einen Zustand erreicht, in dem sie ihre eigen Basis, den Gebrauchswert, aufzehrt und vernichtet, ist ein Produkt der Verzweiflung darüber, daß der Trieb zu helfen kein Objekt mehr findet; aber er findet nicht deshalb kein Objekt mehr, weil keins mehr da ist, sondern weil er’s systembedingt nicht mehr sieht. Das „no pity for the poor“ gesellt sich zu den Grundsätzen einer Kapitalismuskritik, die unterm Begriff des Profits nicht mehr dessen gesamtgesellschaftliche Folgen begreift, sondern nur noch den Reichtum der andern verurteilt, und die am Ende nur noch die eigene Empörung genießt. Nachdem die Waren ihren Gebrauchswert verloren haben, soll wenigstens die Kritik noch ihren Gebrauchswert behalten. So implodiert das System.

  • 10.1.96

    Der gordische Knoten, den Alexander nur durchschlagen hat, wird durch das Lamm gelöst,durch das die Erstgeburt des Esels ausgelöst wird.
    Habermas formuliert das Problem auf eine Weise, die seine Lösung zugleich diskriminiert.
    Die Beziehung des Rechts zu Gerechtigkeit ist durch eine Folge von Abstraktionsschritten definiert, die in den drei Suffixen des Begriffs Ge-recht-ig-keit sich manifestieren. Zusätzlicher Hinweis: Es gibt das Recht, den Gerechten und die Gerechtigkeit, aber kein gerechtig, nur das richtig.
    Ist nicht die Opfertheologie ein Produkt der Leugnung der Barmherzigkeit durch Instrumentalisierung? Und steckt das Prinzip dieser Instrumentalisierung im Recht: in der Verrechtlichung der Barmherzigkeit? Hängt der Begriff der Orthogonalität (der dem Raum seine Zwangsstruktur verleiht, ihn zur Norm, zur Grundlage gesetzlicher Strukturen macht) und der der Orthodoxie (die das gleiche Verfahren auf den Glauben anwendet) hiermit zusammen? Ist die Opfertheologie in einem Sinne, der dem geometrischen Gebrauch dieses Begriffs entspricht, die „Norm“ der Orthodoxie (und ist die Bestafung des Mörders die Norm des Rechts)?
    Die Zwangsstruktur des Raumes (und ebenso die opfertheologisch fundierte normative Gewalt des Dogmas und die Hypostasierung des Rechts, Produkt einer Beweislogik, die die Gemeinheit in den blinden Fleck des Rechts rückt, sie rechtlich gegenstandslos, nicht faßbar macht) drückt in der Nichtunterscheidbarkeit von Rechts und Links sich aus.
    Die Imitatio Christi hat hat das Christentum blind fürs Nachfolgegebot gemacht (sie hat das Talent, mit dem die Kirche hätte arbeiten sollen, bloß vergraben: das Grab der Nachfolge ist das Dogma).
    Zum Haus des Namens des Herrn gehören die Halle, das Allerheiligste mit der Lade und den Cheruben, die beiden Säulen, das Meer auf den zwölf Rindern und die Geräte. Das Haus Salomos war größer als das Haus des Namens des Herrn. Dazu hat Salomo der Tochter des Pharao ein Haus gebaut. Gibt es eine Beziehung zwischen den Maßen des Tempels und des Königspalastes (L/B/H Tempel: 60:20:40, Königspalast: 100:50:30), hat diese Beziehung etwas mit der des Hexagonal- zum Dezimalsystem zu tun?

  • 9.1.96

    Das Inertialsystem ist das naturalisierte Dogma: Es hat eine unsichtbar gemachte Opfertheologie im Kern, und es entsühnt die Welt.
    Die Theorie des kommunikativen Handelns befreit das Handeln vom Realitätsbezug, macht es zu einem kommunikativen Akt. Sie ist das Endprodukt der Ästhetisierung der Theorie, sie verwechselt die Realität mit ihrer literarischen Wiederspiegelung (sie verwechselt Realität und Roman); sie setzt die restlose Vergesellschaftung des Handelns voraus und ratifiziert sie.
    Der Rechtfertigungszwang, unter den der Faschismus die Nachkriegsgesellschaft in Deutschland gesetzt hat, gründet in dem Akt der Verdrängung 1945, seit dem alle glauben, nichts gewußt zu haben. Der Versuch, sich durch Verurteilung der Vergangenheit selber freizusprechen, ist mißlungen.
    Ist nicht Habermas ein Paradebeispiel dafnr, daß die Verurteilung des Faschismus als Alibi für die Normalisierung des Gegenwartsverständnisses mißbraucht werden kann? Führte die Verurteilung des Faschismus nicht auch über die Logik der Personalisierung in den Terrorismus?
    Steckt nicht in jeder Verurteilung etwas von der Kombination von Verdrängung, Selbstexkulpation und Projektion (gehört die Verurteilung nicht zum Schuldverschubsystem)?
    Ist das Buch der Richter ein antinationalistisches (ein antimakkabäisches) Buch?
    Die Leistungsgesellschaft ist die Gesellschaft derer, die sich alles leisten können.
    Das Schaufenster als Instrument der Verblendung: Das Zerschlagen von Schaufenstern ist ein realsymbolischer Angriff auf die Herrschaft des Tauschprinzips. Das Schaufenster trennt den potentiellen Käufer von der Warenwelt auf ähnliche Weise, wie das Fernsehen den Bürger von der Politik trennt (der Ort des kommunikativen Handelns ist der Bildschirm). Das Schaufenster ist die Umkehrung des Fensters: Es macht die Außenwelt zur Innenwelt (Pendant, wenn der realgesellschaftliche Grund der Ästhetik des modernen Kirchenbaus, der die Außenseite der Mauer zur Innenseite macht, Außen- und Innenwelt vertauscht). Seit wann gibt es Schaufenster (gibt es einen Zusammenhang mit dem Ursprung des Kolonialwarenladens, mit der Geschichte des Imperialismus, der in der globalen Ausbreitung des „freien Marktes“ sich vollendet)?
    Der Habermassche Begriff der Dezentralisierung der Weltbilder hat den gleichen Systemgrund wie die Erfindung des Schaufensters. Beide entziehen das Wertgesetz (das Tauschprinzip) und das Trägheitsprinzip der Reflexion (Zusammenhang mit dem Habermasschen Theorem vom Ende der Bewußtseinsphilosophie: das Bewußtsein ist zu einer abhängigen Variablen geworden). Die Objektivität der Begriffe Kommunikation und Handeln wie die der gesamten vergegenständlichenden Erkenntnis ist eine ästhetisch vermittelte (auch das Tauschprinzip ist eine subjektive Form der Anschauung).
    Die Welt, die Logik, die dieser Begriff verkörpert, gründet in der Abstraktion vom Gegenblick; deshalb gehören die subjektiven Formen der Anschauung zu ihren Voraussetzungen. Die Theologie antwortet darauf mit der Theologie im Angesicht Gottes, mit der Heiligung des Gottesnamens.
    Die kantische Lehre von den subjektiven Formen der Anschauung hat die Geschichte der Theologie hinter dem Rücken Gottes (die Geschichte des Dogmas und der Bekenntnislogik) beendet. In der Kritik der reinen Vernunft erfüllt sich die Geschichte der Logik der Schrift.

  • 8.1.96

    „… in den Sozialwissenschaften (hat) der Wettstreit der Paradigmen einen anderen Stellenwert als in der modernen Physik. Die Originalität der großen Gesellschaftstheoretiker wie Marx, Weber, Durkheim und Mead besteht, wie in den Fällen Freud und Piaget, darin, daß sie Paradigmen eingeführt haben, die in gewisser Weise heute noch gleichberechtigt konkurrieren. Diese Theoretiker sind Zeitgenossen geblieben, jedenfalls nicht in demselben Sinne ‚historisch‘ geworden wie Newton, Maxwell, Einstein oder Planck.“ (Theorie des kommunikativen Handelns, S. 201) Hier weiß Habermas nicht, wovon er redet. Newton, Maxwell, Einstein oder Planck sind sicher in einem sehr viel genaueren Sinne „aktuell“, als es Weber, Durkheim und Mead, oder auch Piaget, je gewesen sind. Wer die Naturwissenschaften von Kopernikus/Newton bis Einstein/Planck heute entschlüsseln, wer sie erkenntnis-, und d.h. herrschaftskritisch begreifen würde, wäre einer kritischen Theorie der Gesellschaft näher als die Habermassche Theorie des kommunikativen Handelns.
    Die drei Stufen der modernen naturwissenschaftlichen Erkenntnis lassen sich als Phasen der Erkenntnisumkehr begreifen:
    – die Mechanik als universale Richtungsumkehr (von allen Seiten hinter dem Rücken: der umgestülpte Raum),
    – das Gravitationsgesetz als Objekt- und Begriffsumkehr (es macht das Ungleichnamige gleichnamig) und
    – die Maxwellschen Gleichungen und das Gesamtsystem der durch die Lichtgeschwindigkeit bestimmten Erscheinungen als Zeitumkehr, die im Phänomen der Lichtgeschwindigkeit selber enthalten ist (Paradox eines mit Lichtgeschwindigkeit bewegten Objekts).
    Modell dieser Umkehrungen ist die Etablierung und Entfaltung des Selbsterhaltungsprinzips in der vom Tauschprinzip beherrschten Gesellschaft.
    Der Marxsche Satz, der die Waffe der Kritik an die Kritik der Waffen bindet, enthält den Hinweis, daß die Revolution heute auch ein Problem der Kritik der Logik ist. Eine Herrschaftskritik, die nicht zugleich die Kritik der Herrschaftslogik mit einschließt, bleibt in der Herrschaftslogik gefangen und stärkt die Macht des Staates.
    Der Begriff des „herrschaftsfreien Diskurses“ steht unterm Unschuldsbann; gemeint ist der schuldfreie Diskurs, ein Diskurs, der glaubt, von der Schuldverstrickung sich freihalten zu können. Aus der Schuldverstrickung aber gibt es nur den einen Weg der Schuldreflexion, und die führt nber die Herrschaftsreflexion. Der herrschaftsfreie Diskurs glaubt, die Last abwerfen zu können, von der sich nur befreit, wer sie auf sich nimmt.
    Steht nicht Habermas‘ Konzept eines herrschaftsfreien Diskurses in der Tradition der Opfertheologie, und zwar in ihrer protestantischen Version als Rechtfertigungslehre?
    Weder die raf noch ihre Verurteilung löst das Problem, deren Symptom die raf ist. Die Trennung von Theorie und Praxis ist ein Teil des technologischen Verständnisses der Wirklichkeit und zugleich ein Instrument der Instrumentalisierung der Moral: Die raf und ihre Verurteilung unterliegen dem gleichen logischen Bann.
    Ist nicht Petrus wirklich der Fels, und ist nicht die Selbstreflexion dieses Felsen die Voraussetzung der Ersetzung des steinernen durch ein fleischernes Herz? Ist Petrus der Stein, gleich einem großen Mühlstein, der ins Meer geworfen wurde, und ist die Kirche dieser ins Meer geworfene Stein (vgl. Off 1821)?
    Wenn nach dem Strafrecht nicht das Töten, sondern der Mord bestraft wird, hat dies auch den Zweck, das Militär aus dieser Regelung herauszunehmen, d.h. dem Staat das Recht zu töten (oder zumindest das Recht, das Töten zu exkulpieren) zu lassen. Das aber begründet die Vermutung, daß es bei der Bestrafung des Mords nicht um die Bestrafung des Tötens geht, sondern um die Bestrafung der Anmaßung eines Rechts, das der Staat sich vorbehalten will. Deshalb ist der Mord kein Tatdelikt, sondern ein Täterdelikt, deshalb wird der Mörder bestraft, nicht der Mord.
    War nicht die mittelalterliche Eucharistiefrömmigkeit das Opfer einer Logik, die dem Tauschprinzip sich verdankt, war nicht das Modell der Transsubstantiation die Beziehung von Ware und Geld? Der wirkliche Leib Christi wäre das Brot, das gebrochen wird, das Brot, das man mit den Hungrigen teilt, nicht das Brot, das man als einzelner oder in Gemeinschaft ißt.
    Welchen Ursprung haben die englischen Begriffe mankind (kind: Gattung, Sorte, Art; adj. freundlich) und woman?

  • 7.1.96

    Die Verurteilung des Faschismus hängt zusammen mit dem Status der Vergangenheit, den sie bestätigt. Die Verurteilung schließt jedes „Verständnis“ aus, sie begründet aber eben damit den nicht mehr durchschaubaren Wiederholungszwang. Die Verurteilung ändert nichts, sie ist so etwas wie ein magischer Akt, ein Akt der Exkulpation; sie gehört in den Zusammenhang der Bekenntnislogik, die auch nichts ändert, nur den Urteilenden aus dem Objektbereich der Schuld heraushilft (Problem der Sündenvergebung und der Rechtfertigungslehre). Kann es sein, daß das Interesse an der Verurteilung in einem anderen Interesse verwurzelt ist: sich ein Alibi zu verschaffen (vgl. die Position von Habermas im Historikerstreit)? Und verweist das nicht auf die Zweideutigkeit, den dämonischen Charakter der Verurteilung und des Rechts? Ist das Weltgericht ein Instrument der Verdrängung des Bewußtseins des Jüngsten Gerichts?
    Die Verurteilung ist die aufgeklärte Gestalt der Totenbeschwörung: Indem sie den Schrecken der Erinnerung und das Grauen durch Personalisierung zu bannen versucht, weigert sie sich, dessen fortbestehende Ursachen wirklich zur Kenntnis zu nehmen. Die Verurteilung des vergangenen Faschismus, mit der man glaubt, der Komplizenschaft, in die heute alle verstrickt sind, entrinnen zu können, macht den gegenwärtigen unsichtbar (verleiht der nachfaschistischen Welt den Schein der Normalität).
    Der Begriff des „dramaturgischen Handelns“ (Theorie des kommunikativen Handelns, S. 135ff), der am Schauspiel sich orientiert, und zu dessen Voraussetzungen ein Publikum, eine Gesamtheit von Zuschauern, gehört, wirft ein Licht auf die kopernikanische Wende, die, durch den ihr korrespondierenden Begriff des unendlichen Raumes, die Natur insgesamt zu einem ästhetischen Objekt gemacht hat. Das Sonnensystem ist ein Schauspiel, aufgeführt auf der Bühne der subjektiven Form der äußeren Anschauung. Kopernikus hat die Natur zu einer Totalität gemacht, in der der Mensch nicht mehr vorkommt. Die kopernikanische Wende hat gleichsam den Habitus des Zuschauers ontologisiert; daraus hat Kant mit seinem Konzept der subjektiven Formen der Anschauung die philosophischen Konsequenzen gezogen. Fürs Publikum gibt es zwar Normen (Kriterien der Beurteilung), aber keine Moral: In eine Schauspiel greift man nicht ein (die ästhetische Grenze ist eine Vergangenheitsgrenze).
    Beachte den unterschiedlichen Gebrauch des Begriffs der Erfüllung in den Evangelien:
    – Mt: der einzige, der extensiven Gebrauch macht von dem Begriff der Erfüllung der Schrift,
    – Mk: gebraucht diesen Begriff der Erfüllung der Schrift nur zweimal (und beidemale in eindeutigem Zusammenhang mit der Passion),
    – Lk: hier sind Personen mit dem Heiligen Geist, mit Schrecken, mit Freude erfüllt, und hier erfüllt sich die Zeit, nicht die Schrift,
    – Joh: hier erfüllt sich die Zeit, das Haus (mit dem Duft des Öls), auch die Schrift.
    Welche Verben werden mit „Erfüllen/Erfüllung“ übersetzt:
    – gemo/gemizo (bin erfüllt, erfülle mit),
    – teleioo/teleiosis (vollende, Passiv: in Erfüllung gehen/ Vollendung, Erfüllung),
    – pleroo/pleroma (erfülle, vollende/Erfüllung, Vollzahl, Mt, Mk, Lk),
    – pimplemi (fülle mit <Eifersucht, Hl. Geist, Zorn>, Lk).
    Joh 33/7 und 331: das anothen bedeutet sowohl „von oben her“ als auch „von neuem“: Ist der Himmel die zukünftige Welt?

  • 6.1.96

    Die Theorie des kommunikativen Handelns, der ihr zugrundeliegende Begriff der Sprache, verwechselt Wort und Schrift, sie verdrängt die sprachlogische Differenz beider. Die Sprache, deren Begriff dem Konzept zugrunde liegt, ist die einer bücherinternen Kommunikation. Die Levinassche Asymmetrie gründet in der Beziehung zwischen mir und dem Andern (zwischen Ego und Alter), sie ist der Grund der Differenz zwischen Wort und Schrift, in deren Kontext sie sich (im Staat, im Recht, in der Wissenschaft) entfaltet. Sie begründet die Logik der Schrift und am Ende das Konzept einer „Erkenntnistheorie ohne erkennendes Subjekt“ (Titel eines Vortrags von Karl Popper, vgl. Habermas, S. 115). Die Logik der Schrift bringt die Stimme zum Schweigen, ersetzt das Gebot durchs Gesetz, schafft eine Welt (ex nihilo), in der man alles darf, sich nur nicht erwischen lassen (der Nominalismus hat gleichsam grundsätzliche Vorkehrungen gegen das Erwischtwerden getroffen; vgl. das Feigenblatt und die Bekenntnislogik).
    Habermas‘ „Verletzlichkeit der Person“ und seine Ranküne gegen Adorno gründen in seiner Abwehr der Theologie.
    Ist in dem Gleichnis vom Weizen der steinige Grund die Kirche („auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen“), und sind die Dornen und Disteln der Staat und die Ökonomie?
    Nicht die Kirche, sondern der Kapitalismus, die Ökonomie, ist das steinerne Herz der Welt; er hat deshalb gesiegt, weil er der Erbe und die Verkörperung aller Sieger ist: das Subjekt des Hegelschen Weltgerichts.
    Enthält nicht Mt 16 (zusammen mit Mt 18) über die Gründungs- und Bestandsgarantie der Kirche hinaus eine weit darüber hinausreichende Dramatik?
    Das Inertialsystem ist als Instrument der Instrumentalisierung der externe (anorganische) Kern des Animalischen. Das Tier unterscheidet sich von der Pflanze durch seine sinnliche Wahrnehmungsfähigkeit, durch die Selbstbewegung und durch seine objektivierende Tätigkeit (sein „kommunikatives Handeln“). Nur daß beim Tier diese objektivierende Tätigkeit insgesamt zwangshaft ist: instinktgebunden.
    Indikativ und Imperativ: Wäre Gott allwissend, wäre er nicht barmherzig.
    Die Sprache lebt aus der Kraft des göttlichen Namens. Deshalb können Tiere nicht sprechen.

  • 3.1.96

    „… laß die Toten ihre Toten begraben“ (Mt 822): Beschreibt dieser Satz nicht aufs genaueste die Automatik des Inertialsystems, des Weltbegriffs und der Bekenntnislogik? Wer die Vergangenheit nur überwindet (sie „bewältigt“), ist ihr schon verfallen. (Dieser Zusammenhang läßt sich demonstrieren an Habermas‘ eigener Darstellung seiner Beziehung zu Adorno <in der Neuen Unübersichtlichkeit>, die nicht ohne Ranküne ist – wenn er z.B. aus Adornos „Eingedenken der Natur im Subjekt“ ein „Eingedenken der ‚gequälten‘ Natur“ macht, S. 204 – und auf eine Verletzung zurückzuweisen scheint, die Habermas nicht mehr reflektieren kann oder will; der gleiche Zusammenhang ist anwendbar aufs vierte Gebot: Vater und Mutter ehren heißt nicht, sie wie Tote behandeln und von ihnen nur Gutes denken).
    Logik als Trauma: Sind nicht die subjektiven Formen der Anschauung, der Weltbegriff und die Bekenntnislogik Produkte einer in ihnen sich fortpflanzenden Verletzung und Instrumente der Ranküne?
    Das Inertialsystem (das Trägheitsgesetz) verdankt sich der Abstraktion von der Schwerkraft. Mit der Vergegenständlichung der Schwerkraft, mit dem newtonschen Gravitationsgesetz, wurde die Vergangenheit entrealisiert, wurde sie vergegenständlicht, ästhetisiert und zugleich verdrängt. Verhält sich nicht das Trägheitsgesetz zur Gravitation wie das Tauschprinzip zur Schuldknechtschaft? Die Abstraktion von der Schwere, Bedingung jeder ästhetischen Vergegenständlichung und Grund der subjektiven Formen der Anschauung, war der Schnitt, der die Theorie von der dialogischen Asymmetrie der Sprache befreit, der sie monologisiert hat. Die Abstraktion von der Schwere hat das Ungleichnamige gleichnamig gemacht, die Sprache von der Last der Herrschafts- und Schuldreflexion befreit; sie hat die Sprache selbst neutralisiert, die ihr einwohnende und sie belebende Kraft des Namens verhext. Die Monologisierung der Theorie ist das Produkt der Verdrängung des Bewußtseins der Asymmetrie zwischen mir und dem Andern, sie ist der Grund eines Universalismus, der die Gewalt der Sprache in die Sprache der Gewalt transformiert. Ein Universalismus, der die Asymmetrie mit reflektiert, damit die Gewalt der Sprache zurückgewinnt, wäre der Universalismus der Lehre (einer Lehre, die nicht mehr belehrt).

  • 2.1.96

    Das Tier aus dem Meer ist das Land, aus dem das Tier vom Lande hervorgeht. Deshalb ist das Tier vom Lande der falsche Prophet. Das Tier aus dem Meer ist die Ökonomie, die Geldwirtschaft, die ihren Ursprung
    – im „Fernhandel“, der ersten, aus dem Raub hervorgegangenen Gestalt „außenpolitischer“ Beziehungen, und
    – in der Schuldknechtschaft, der Gleichstellung des Schuldners mit dem Sklaven, dem Kriegsgefangenen,
    hat (der Sklave ist nach griechischer Auffassung kein Mensch: er ist kein Bürger der Polis, kein Mitglied der staatlich organisierten Gemeinschaft der Privateigentümer). Die Ökonomie ist gleichsam die dem animalisch-organischen Staat zugehörige anorganische Natur: der Boden unter den Füßen derer, die ihn besitzen, oder das Land, aus dem das Tier vom Lande, der falsche Prophet, hervorgeht.

  • 30.12.95

    Der Schrecken ist das Feuer, das die eiserne Schale des Begriffs schmilzt.
    Die Verurteilung ist das sprachliche Korrelat des Lachens (deshalb hat Jesus nicht gelacht).
    Rückt nicht die Beziehung das Namens des Wassers zum Fragepronomen „Was“ die „großen Meeresungeheuer“, den Chaosdrachen, die Schlange, in eine Beziehung zum Neutrum (hat die Klugheit der Schlange etwas mit der Wasserseite des Himmels zu tun)?
    Hat der Dominus Deus Sabaoth, der Herr der Himmelsheere, etwas mit den Sternen des Himmels, die die Nachkommenschaft Abrahams repräsentieren, zu tun?
    Deutsche Verwaltungen kennen in der Regel keine zivilen Umgangsformen. Ausdruck der Verwaltungsmentalität ist u.a. der Begriff der „Bevölkerung“, der seinem Sprachsinn nach unterstellt, daß leere Gegenden von irgendwem „bevölkert“ worden sind (wahrscheinlich von einer Verwaltung). Ist nicht der Begriff der Bevölkerung ein gleichsam physikalischer Ausdruck: Auch hier werden die Dinge von außen in einen an sich leeren Raum gebracht.
    Die Gesetzesbindung des Verwaltungshandelns verleiht diesem Handeln die Qualität eines Naturprozesses, dessen Kenntnis Voraussetzung der Beherrschung (und Verwertung) der zweiten, gesellschaftlichen Natur ist. Der Vergleich der Verwaltungen, ihrer hierarchischen Strukturen und ihres gesetzmäßigen Handelns, mit den planetarischen Strukturen und Prozessen, der den alten Engelspekulationen zugrundeliegt, hat hier sein fundamentum in re. Die kopernikanische Wende hat die Verwaltung aus ihrer theologischen Verankerung gelöst, sie hat ihr eine kosmologische Begründung gegeben (für das Verständnis der neuen Astronomie ist es nicht unerheblich, sich daran zu erinnern, daß Kopernikus wie auch Newton in der Münz-/Finanzverwaltung tätig waren).

  • 29.12.95

    Bekenntnislogik ist Stellvertreter-Logik (mit der Opfertheologie als Schuldverschubsystem). Hierzu ist Joh 129 in der Tat ein Schlüsseltext (Ersetzung des Nachfolgegebots durch das theologische Konstrukt der „Entsühnung der Welt“).
    In den gleichen Zusammenhang gehört das Paulus-Wort, daß durch das Gesetz die Sünde gekommen sei, das nur durch die Bekenntnislogik zur Grundlage der Rechtfertigungslehre geworden ist. Bezieht es sich nicht auf die vorausliegende Transformation des Gebots ins Gesetz, in der die Bekenntnislogik gründet (auf das gemeinsame Pflügen von Ochs und Esel)?
    Die Transformation des Gebots „Du sollst nicht töten“ in ein Gesetz läuft auf die Verurteilung des Mörders hinaus.
    Hegel hat einmal auf die Veränderung des Krieges (und in der Konsequenz dieser Veränderung auf die des Staates) durch die Erfindung der Fernwaffen (die technische Perfektionierung von Pfeil und Bogen durch die Erfindung des Pulvers: durch Kanone und Gewehr) hingewiesen, die den Feind endgültig aus der Konstellation des Angesichts herausgenommen, das Töten im Krieg zu einem abstrakten Vorgang gemacht hat: Das Töten ist zu einem technischen Vorgang geworden. Die Erfindung des Schießpulvers hat den realen Feind durch das Feindbild (und die Barbaren durch die Wilden) ersetzt. Die gleiche Logik (die Logik der Verdrängung des Angesichts und des Schreckens) liegt der „Erfindung“ der Gefängnisse, der Irrenanstalten und der Schlachthäuser zugrunde.
    In Auschwitz wurde sowohl technisch-industriell als auch von Angesicht zu Angesicht getötet. Himmler: „… und dabei anständig geblieben zu sein“.
    Ist der „Hinterhalt“ (die strategische Form der List) zusammen mit Pfeil und Bogen (und sind beide zusammen mit dem Staat) erfunden worden? Gibt es nicht biblische Geschichten, die diese Beziehung dokumentieren (Zusammenhang mit dem „Bogen in den Wolken“)?
    Nach 2 Sam 1 läßt David den Amalekiter töten, der (im Widerspruch zu der Darstellung in 1 Sam 31) bekannte, er habe Saul getötet. „Dein Blut über dein Haupt! Denn dein eigner Mund hat wider dich gezeugt, da du sprachst: Ich habe den Gesalbten des Herrn getötet.“ (Vgl auch 2 Sam 4: Die Ermordung Isbaals durch Baana und Rechab, die Söhne Rimmons aus Beeroth, und deren Tötung durch David.)
    In 2 Sam 5 übersetzt nur Riesler mit „die Dunklen und die Blonden“, während die Zürcher Bibel, aber auch Zunz mit „die Blinden und die Lahmen“ (und Buber mit „die Blinden und die Hinkenden“) übersetzen.
    Steht nicht das Prophetenwort „Mein ist die Rache, spricht der Herr“ gegen die Instrumentalisierung der Rache durch den Staat, durchs Recht? (Und ist nicht die Diskriminierung dieses Worts, die es als Beweis für einen „altorientalischen Rachegott“ nimmt, nur ein Mittel, die Erinnerung an die staatskritischen Elemente der Prophetie zu verdrängen: Die Rache soll das Monopol des Staates bleiben. Aber genau das ist das Ursprungsmotiv der Judenfeindschaft und des Antisemitismus.)
    Was geht in den Köpfen vor sich, wenn die Polizei Bewohner der Slums in Montevideo festnimmt und zwingt, durch den Slum zu laufen und zu rufen „Hoch lebe die Polizei“?
    Oder: Was ist in der Ursprungsgeschichte der Kirche passiert, als sie den Kreuzestod Jesu instrumentalisiert, ihn zur Grundlage der Opfer- und Sakramententheologie gemacht hat?
    Und was geht hier vor, wenn in deutschen Staatsschutz-Verfahren die Angeklagten generell zu Feinden werden?
    Muß nicht jeder Befreiungskampf heute auch ein Kampf gegen bestimmte Formen der Logik sein: gegen jene Formen der Logik, die verhindern sollen, die Folgen des eigenen Tuns noch wahrzunehmen?
    Die Grenze zwischen Offenbarung und Mythos ist identisch mit der Grenze, die die Schuld von der Sünde trennt. Jesus hat „die Sünde der Welt“ auf sich genommen, nicht die „Schuld der Welt“ hinweggenommen. Die Bemerkung Emmanuel Levinas‘, daß alle Gewissensprobleme (man könnte auch sagen: alle Schuldprobleme) apriorische Probleme sind, hängt hiermit zusammen.
    Die subjektiven Formen der Anschauung haben die Welt „verurteilt“ (dadurch ist die Welt zur Welt geworden). Sie haben die Logik des kopernikanischen Systems zu einer apriorischen Logik gemacht. Die Bedeutung der speziellen Relativitatstheorie Einsteins liegt darin, daß sie die verurteilende Gewalt des Systems auf das System selber angewandt hat: daß sie es verurteilt hat.
    Gegenständlich, stillgestellt, ist das Vergangene nicht an sich, sondern nur für den, für den es vergangen ist. Die Objektivität der Vergangenheit ist in sich selber subjektiv vermittelt, zu ihren Konstituentien gehört der Akt der Objektivierung (wie die Geschichtsschreibung zur Geschichte). Mit dem Fortschreiten der Geschichte ändert sich nicht nur unser Blick auf die Vergangenheit, sondern es ändert sich die Vergangenheit selber (die allein durch unsern Blick, durch unsere Erinnerung, Sein gewinnt). Der Weltbegriff und die ihn konstituierenden subjektiven Formen der Anschauung leugnen diese Veränderung. Wirkliche Objektivität gewinnt die Vergangenheit nur im Licht der Erlösung, der Idee der Auferstehung.
    Das Ideal einer objektiven, die Tatsachen ein für allemal feststellenden Geschichtsschreibung leugnet die Hoffnung, die auch die Toten mit umfaßt.

  • 26.12.95

    Für den „Leidenskelch“, von dem Bedenbender gelegentlich spricht, gibt es zwei neutestamentliche Belegstellen: die Getsemane-Geschichte und die Stelle, an der Jesus den Jakobus fragt, ob Jakobus den Kelch trinken könne, den er, Jesus, wird trinken müssen. Aber meinen diese Stellen nicht eigentlich etwas anderes: Ist der „Leidenskelch“ nicht in Wahrheit der Taumelkelch, der Kelch des göttlichen Zorns und Grimms, am Ende der Unzuchtsbecher: Symbol der Geschichte des Herrendenkens (der Taumelkelch ist der Kelch, den die Herrschenden trinken, der sie besoffen macht; vgl. Hegels Definition des Wahren in der Vorrede zur Phänomenologie des Geistes, Theorie-Werkausgabe, S. 46)?
    Zur Jotham-Fabel: Der Feigenbaum ist ein Symbol des Friedens (das Sitzen unterm Feigenbaum). Die Dornen und Disteln wachsen in der Wüste (mit der Wüste als Symbol der wachsenden Herrschaft des Äußeren über das Innere: der Geschichte des Weltbegriffs).
    Verweist nicht der strafrechtliche Begriff des Mordes auf eine merkwürdige Über-Kreuz-Verschiebung (ursprünglich verweist das lateinische mors, aus dem der Begriff des Mordes sich herleitet, auf das subjektlose Sterben, während der Begriff des Todes auf ein Töten durch einen andern zurückweist)? Im Begriff des Mords ist nicht mehr die Tat, sondern der Täter das eigentlich definierende Moment: in ihn ist das Moment der Konkurrenz zum Staat mit eingegangen, das den Mord zum Mord und den anderen Tod zu einem neutralen Ereignis, einem Naturereignis, gemacht hat (darin spiegelt sich die Beziehung des Ursprungs und der Geschichte des Staats zum Ursprung und zur Geschichte des Naturbegriffs).
    Gehört nicht das strafrechtliche Konstrukt des Mörders zu den logischen Bedingungen des Objektbegriffs, fällt es nicht unter die Kritik der Verdinglichung? Die Begründung einer Eigenschaft durch eine vergangene Tat, die zugleich verurteilt wird (die Begründung der Eigenschaft und des Dings in der Logik der Verurteilung): Steht dagegen nicht Joh 129, die Forderung der Übernahme der Sünde Adams, die den christlichen Namen begründet? Es gibt keine Theologie ohne die so begriffene Idee der Erbsünde: Die Sünde der Welt ist die Erbsünde (und die Taufe, die „von der Erbsünde befreit“, das Symbol der Erfüllung des Nachfolgegebots).
    Die Theologie im Angesicht Gottes gründet in der Erinnerung des Paradieses.
    Im Gegensatz zum Gott der Philosophen ist der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs einer, den etwas gereut: der lernfähig ist. Diese Lernfähigkeit gehört zu den Attributen Gottes, die im Imperativ, nicht im Indikativ stehen.
    Die kantische Vernunftkritik hat (als Kritik des Wissens) die Idee eines „allwissenden“ Gottes widerlegt; sie hat damit eine Gottesvorstellung widerlegt, zu deren Konsequenzen die Leugnung der Lernfähigkeit: die Leugnung des Attributs der Barmherzigkeit, gehört.
    Der aristotelische Gott war der „erste Beweger“; den „allwissenden“ Gott hingegen haben die Muslime erfunden, die dann konsequenterweise aus der Barmherzigkeit Gottes seine unterschiedslose „Allbarmherzigkeit“ gemacht haben.
    Gott ist nicht allwissend, er sieht ins Herz der Menschen (das ist das Feuer, das Jesus vom Himmel bringen wollte, und er wollte, es brennte schon).
    Die InfoAG gleicht darin dem Gericht sich an, daß sie die Beziehung der „Kirchenleute“ zur Angeklagten zu diskriminieren versucht, ihnen in ähnlicher Weise wie das Gericht Hubertus Janssen unterstellt, er unterstütze die raf, den Verdacht, „objektiv“ für den VS zu arbeiten, anzuhängen versucht. Beide Konstrukte sind paranoid, beide arbeiten nach der Methode der Umkehr der Beweislast: der Ankläger braucht seine Unterstellung nicht zu begründen, der Beschuldigte soll seine Unschuld beweisen. Beide machen Gebrauch von dem Satz, wonach Gemeinheit kein strafrechtlicher Tatbestand ist.
    Das Feinddenken und die Ausgrenzung und Diskriminierung des Verräters sind, weiß Gott, nicht unbegründet, sie sollten aber reflexionsfähig gehalten werden, weil sie anders in eine Logik hineinführen, die am Ende als Logik der Identifikation mit dem Aggressor sich erweist. Diese Logik ist die Logik des Staates, die es zu durchbrechen gilt.
    Die Bekenntnislogik hat einen paranoiden Kern.
    Der Begriff der Erscheinung erinnert nicht zufällig an den Bereich des Gespenstischen: Sind nicht die neutestamentlichen Dämonen Vorläufer der Naturwissenschaften (in deren Bann die Welt insgesamt heute steht)?
    Hegel hat den kantischen Kritikbegriff vergegenständlicht (ins Vergangene transformiert), ihn in den Begriff der Objektivität selbst hineingetrieben, wo er dann in der Idee des Weltgerichts sich verkörpert. So ist Kritik zu einer im Interesse der Herrschaft instrumentalisierten und domestizierten Kritik geworden. Dieser Kritikbegriff hat die Dialektik begründet, er ersetzt Solidarität durch Komplizenschaft. Er hat den Erkenntnisbegriff durch ein eingebautes Freund-Feind-Denken vergiftet.
    Das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit läßt auch eine Interpretation zu, in der die Lichtgeschwindigkeit selber als unendliche Geschwindigkeit sich erweist, während die schlechte Unendlichkeit der räumlichen Ausdehnung (und mit ihr das die Raumvorstellung konstituierende Prinzip der Gleichzeitkeit) auf die Logik der Zeitumkehr, der im Objekt nichts entspricht, zurückweist. Nur im Kontext dieser Logik, die die Vorstellung des Zeitkontinuums begründet (die Zukunft zu einer zukünftig vergangenen Zukunft macht), sind die Richtungen des Raumes reversibel. Die Logik der Zeitumkehr verwirft die Idee der Rettung, sie macht den katastrophischen Lauf der Geschichte unumkehrbar. In den indoeuropäischen Sprachen beherrscht diese Logik über die Formen der Konjugation (insbesondere über das Präsens und über den darin fundierten Ursprung des dritten Geschlechts, des Neutrums) die Grammatik (in der Geschichte vom Sündenfall symbolisiert die Schlange das Neutrum). Die Logik der Zeitumkehr ist der Kern der Logik der Schrift.
    Zum Verständnis der „subjektiven Formen der Anschauung“: Ein Kind, das etwa 20 m hinter seiner Mutter hergeht, blickt mich, als ich ihm begegne, ganz kurz aus seinen Augenwinkeln an, senkt dann seinen Blick, verschließt sein Gesicht und drückt so seine Weigerung aus, aus dem Status des Objekts meiner Anschauung (dem Status des räumlichen Objekts) herauszutreten und mit mir, und sei es nur durch den Blick, zu kommunizieren.
    Es gibt nichts Neues unter Sonne (Kohelet): Es ist die gleiche Sonne, die Homer und die uns bescheint, aber es sind nicht die gleichen Sterne.
    Gehört nicht das Auftreten der Ehrenbataillone beim Empfang fremder Staatsmänner im Fernsehen ebenso zu den Formen der politischen Verdummung wie der Auftritt der MP- und Schußwesten-bewehrten Polizeibeamten beim Hogefeld-Prozeß? In beiden Fällen verselbständigt sich die öffentliche Demonstration gegen das, was wirklich dort passiert (und gegen die Öffentlichkeit abgeschirmt werden soll). Dieser Prozeß darf nicht einmal mehr ein Schauprozeß sein, weil er sich damit selbst entlarven würde. Daß Justitia eine Binde vor den Augen trägt, heißt, daß sie ohne Ansehen der Person urteilt (sie soll nicht den Rang der Person, sondern nur die Tat vor Augen haben). Dieser Grundsatz jeden rechtsstaatlichen Verfahrens wird suspendiert, wenn statt des Angeklagten ein Feind zum Gegenstand des Verfahrens wird.
    Zu den Konstruktionsprinzipien synthetischer Urteile apriori gehört das Prinzip der Austauschbarkeit, der Reversibilität von Subjekt und Prädikat. Im Rahmen dieser Logik begründet der Satz „Alle Mörder sind Staatsfeinde“ den Schluß „Alle Staatsfeinde sind Mörder“. Das aber ist die Logik des Vorurteils (der moralischen Version des synthetischen Urteils apriori) ebenso wie die der mathematischen Erkenntnis (diese Logik liegt u.a. der kopernikanisch-newtonschen Astronomie zugrunde): Sie macht das Ungleichnamige (e.g. Himmel und Erde) gleichnamig. Die kantischen Antinomien der reinen Vernunft (die Hegel, um seine dialektische Logik zu begründen, neutralisieren muß) beziehen sich auf diesen Sachverhalt, sie haben ihn erstmals kenntlich gemacht, und zwar mit Hilfe der logischen Figur des „apagogischen Beweises“, mit dessen Hilfe Kant dem Prinzip der Reversibilität von Subjekt und Prädikat endgültig die Grundlage entzogen hat. Dieser Nachweis aber reicht weiter, als es zunächts erscheint: Er rührt an den Grund und die Grenze der Beweislogik, und damit an den Grund und die Grenze des Satzes, daß Gemeinheit kein strafrechtlicher Tatbestand ist (der u.a. dazu dient, das Verfahren der Umkehr der Beweislast unangreifbar zu machen). Der kantische Nachweis ist die erste Demonstration der logischen Relevanz des Levinas’schen Hinweises auf die Asymmetrie zwischen mir und dem Andern, ein Hinweis, der den logischen Universalismus sprengt (und in diesem Zusammenhang den Erkenntnisbereich, auf den in der theologischen Tradition der Begriff Lehre sich bezog, neu begründet). In der kantischen Antinomie der reinen Vernunft hat die Philosophie das Prophetenwort vom Rind und Esel (und dessen biblischen Konnotationen, die tief in den theologischen Begriff des Opfers hineinreichen) eingeholt.
    Das Prinzip der Umkehr der Beweislast begründet das positivistische Rechtsverständnis, indem es das Recht zu einem Subsumtionsrecht macht (das dann den Weg frei macht für ein Verfahren, in dem der Angeklagte zum Feind wird).
    Gemein ist jede Präventiv-Anklage, die dem andern die Last des Unschuldsbeweises zuschiebt, die davon ausgeht, daß die Verteidigung allein Sache des Angeklagten sei. Diese Form der Präventiv-Anklage geht davon aus, daß Unbarmherzigkeit und Gnadenlosigkeit erlaubt sind (und das ist der logische Abgrund, aus dem der Staat hervorgeht). Dieser Logik hat Kant den Boden entzogen.
    Was ist von einem Verfahren zu halten, in dem durch Gerichtsbeschluß die Wege verstellt werden, auf denen vielleicht der Unschuldsbeweis zu führen möglich wäre?
    Ist nicht die Bekenntnislogik der Knoten, den Alexander nur durchschlagen hat, der eigentlich zu lösen wäre: der Knoten, der den gesellschaftlichen Herrschafts-, Schuld- und Verblendungszusammenhang zusammenbindet? Wäre nicht die Kritik der Bekenntnislogik das Ende des Bücherschreibens (die Widerlegung des Kohelet), das Heraustreten aus dem Bann der Logik der Schrift, das Heraustreten aus dem Bann der Logik des Weltbegriffs?
    Hängt die Bedeutung der apokalyptischen Formel „der ist, der war und der sein wird“ nicht auch von der Reihenfolge der Zeitbestimmungen ab?
    Zu den Orionen (vgl. das Jesaia- Zitat bei Bedenbender) wäre die Hiob-Stelle hinzuzunehmen (über den Orion und die Plejaden). Beschreiben nicht die Planeten die Außengrenzen, zu denen neben dem König, dem Krieg und dem Handel (der Geldwirtschaft) auch die Frauen gehören (Zitat eines Ethnologen: das ist ein feindlicher Stamm, mit dem heiraten wir nur).
    Empfindlichkeiten sind Wege in die Opferfalle: Bezeichnen sie nicht genau den Punkt, in den das Wort, daß die Pforten der Hölle sie nicht überwinden werden, Hoffnung zu pflanzen versucht?
    Pharisäer und Schriftgelehrte: Nur unterm Rechtfertigungszwang, der selber aus dem Vergangenheitscharakter des Gebots entspringt, wird das Gebot zum Gesetz.
    Zu Kafkas Parabel vom Schauspieldirektor, der eine Neuinszenierung vorbereitet: Müßte er nicht den zukünftigen Schauspieler, dessen Windeln er wechselt, erst zeugen?
    Diente nicht die Verschiebung des Naturbegriffs von der Zeugung zur Geburt (von physis zur natura) dazu, die messianischen „Wehen der Geburt“ zu verdrängen, sie unsichtbar zu machen, sie zu individualisieren, sie als individuelle Strafe für die „Sünde der Welt“ dem ganzen Kollektiv der Frauen anzuhängen? Verweist die Bedeutungsverschiebung in den Begriffen Natur und Welt nicht auf eine sprachlogische Differenz, die auf die Beziehung der griechischen zur lateinischen Grammatik zurückweist? Und liegt dieser sprachlogischen Differenz nicht die Differenz in den politischen Institutionen zugrunde, der Unterschied der institutionellen und imperialen Entfaltung des Römischen Reiches und des Caesarismus zur philosophiebegründenden polymorphen Gestalt der griechischen Polis?
    Gab es die hagiographische Unterscheidung von Confessor und Virgo schon in der griechischen Kirche, oder gehört sie zur Gründungsgeschichte der lateinischen Kirche? Hängt sie mit der Umformung des Symbolums in eine Confessio, mit der nicht nur der Name, sondern zugleich die Logik der Sache sich ändert, zusammen? Die Vermutung wäre zu begründen, daß das Symbolum (das für Augustinus noch ein sacramentum war) im Schuldzusammenhang der imperialen lateinischen Sprachlogik zur Confessio geworden ist.

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