Theologie

  • 1.1.1995

    Zu Benveniste: Ist die Ehe nicht gleichursprünglich mit dem Staat, mit ihm zusammen entsprungen, und wie dieser zunächst „namenlos“ und eine der Quellen der Idee des Absoluten? Beide, Ehe und Staat, entspringen zusammen mit dem Weltbegriff. Verweist die Ehe auf das Moment der Unzucht in der Idee des Absoluten (den „Unzuchtsbecher“)?
    Der Weltbegriff ist der Inbegriff der Selbstlegitimation des Bestehenden, der durch den Naturbegriff und seinen Kern, die mathematische Raumvorstellung, gegen die Wahrnehmung seines eigenen Widerspruchs sich abschirmt (und mit Hilfe des Rechts gegen die Manifestation dieses Widerspruchs).
    Der Weltbegriff bezeichnet den Bedingungszusammenhang der Selbsterhaltung; daran mißt sich das Bestehende. Die drei evangelischen Räte sind die Erinnerungsmale an die parvi errores im Weltbegriff (die Formulierung am Anfang von de ente et essentia wäre zu korrigieren: parvi errores magni sunt in fine).
    Wie ist eigentlich die Beziehung des zweiten zum ersten Tier in der Apokalypse (des Tieres aus dem Meer zum Tier vom Lande)? Verweisen Meer und Land nicht auf den dritten Schöpfungstag („und Gott nannte das Trockene Land und die Ansammlung der Wasser nannte er Meer“)?
    Als Sprache der Rechtfertigung hat die Sprache ihre erkennende Kraft verloren, verstrickt sie sich in den Schuldzusammenhang, aus dem sie entrinnen möchte. Nur durch die Auf-sich-Nahme der Sünde der Welt gewinnt sie die erkennende Kraft zurück, wird der Logos zum Logos.
    Zur Geschichte der drei Leugnungen: Eine Barmherzigkeit, die vor der Vergangenheit Halt macht, erreicht auch die Gegenwart nicht mehr, verliert ihre Kraft für die Gegenwart. Hier liegt die Wurzel sowohl der Prophetie als auch des parakletischen Denkens. In diesen Kontext gehört die Habermassche Entscheidung, die Reflexion der Natur beiseite zu stellen, davon abzusehen. Ihm wurde die Erinnerung an die Theologie an der Stelle unheimlich, an der sie allein fähig ist, Barmherzigkeit zu begründen.
    Wenn die Idee des Ewigen die Vergangenheit von sich ausschließt, dann können die vergangenen Hoffnungen nicht nur vergangen sein: nicht an sich, sondern nur für uns sind sie vergangen (vgl. Kafka: Es gibt unendlich viel Hoffnung, nur nicht für uns). Ein Begriff der Vergangenheit, die nur vergangen ist, mag die Voraussetzung begrifflicher Erkenntnis sein, er ist aber zugleich das Verdammungsurteil über diese Erkenntnis.
    Zur „Kultur der Empfindlichkeit“: Ist das Kabarett nicht deshalb unwirksam, weil es die eigene Empfindlichkeit (die eigene Abhängigkeit vom Urteil anderer) in die andern (in sein Publikum) hineinprojiziert, und damit aufs präziseste sein Objekt verfehlt?
    Postmoderne: Wer in England, in Belgien, in Frankreich war, kennt den Schock bei der Rückkehr, nach dem Überschreiten der Grenze. Die Einübung in die Ellenbogen-Gesellschaft auf den deutschen Autobahnen entspricht dem horror vacui in den durch den „Wiederaufbau“ verwüsteten Städten: Jede Spur, die an die Vergangenheit erinnert ist getilgt; die pseudohistorische Fachwerkseligkeit der Fußgängerzonen besiegelt das nur. Lyotards an Auschwitz erarbeitetes Konzept des vollkommenen Verbrechens, zu dessen Ausführung die Beseitigung aller Zeugen und Spuren gehört, scheint der deutsche Wiederaufbau post festum realisiert zu haben.

  • 31.12.1994

    Wie verhält sich die narrative Theologie zu Benjamins Theorie des Erzählers?
    Ob es einen Gott gibt, ist eine offene Frage, aber die Wahrheit eines Textes ist an die Voraussetzung der Theologie gebunden.
    Zu analysieren wäre das Problem, das darin steckt, daß die Naturwissenschaften
    – ein Instrument der fortschreitenden Naturbeherrschung sind,
    – in der Geschichte der fortschreitenden Naturbeherrschung die Geschichte der Herrschaft in der Gesellschaft in sich abbilden und
    – indem sie das tun, sich als Instrument der Selbstlegitimation des Bestehenden erweisen.
    Daß aber heißt, daß diese Naturwissenschaften in der Tradition der Theologie stehen.
    Rousseau: der Augustinus der Aufklärung.
    Zur Geschichte des Naturbegriffs: Enthält nicht die lateinische Tradition, die physis mit natura übersetzt, in ihrem Ursprung die Sprengung der Vater-Imago (die Ersetzung der männlichen Zeugungslust durch die Wehen der Geburt)?
    Was hat es zu bedeuten, wenn die Lateiner die homousia mit consubstantialis übersetzen?
    Gehört nicht das „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen“ zusammen mit dem anderen Goethe-Satz „Der gute Mensch in seinem dunklen Drange ist sich des rechten Weges stets bewußt“, und bezieht sich nicht beides auf eine gleichsam embryonale, vorgeburtliche Erfahrung? (Ist Goethes „zu den Müttern“ ein Echo des Rousseauschen „zurück zur Natur“?)
    Ist nicht die parakletische Bedeutung des Wortes „Allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unsern Häupten aufzuhalten, und diese Welt den richtenden Gewalten durch ein geheiligt Leben abzuringen“ unermesslich?
    Drewermanns Problem der Angstbearbeitung verweist auf einen sehr wichtigen Sachverhalt, wäre aber aus seiner psychologischen Engführung herauszubringen und seiner objektiven, in der Apokalypse tradierten Wahrheit zuzuführen (Apokalypse: die Spiegelung der Erfüllung des Wortes im Medium der Schrift).

  • 29.12.1994

    Damnare heißt jemanden mit einem damnum belegen, ihm etwas von seinem Vermögen nehmen (Benveniste, S. 64). Damnare = verurteilen verweist auf das Eigentumsproblem und seine Konnotationen. Ist das Urteil nicht die Enteignung, die Ausbeutung, die Einbeziehung in den kollektiven Schuldzusammenhang?
    Ist nicht die Vater-Imago der Spiegel und der Katalysator des göttlichen Zorns (Vater und Kelch)? Als Gott den Menschen männlich und weiblich schuf, schuf er ihn im Bilde seiner Attribute (Gericht und Barmherzigkeit)?
    Was ist der Unterschied zwischen Haupt und Angesicht? Haben behaupten und enthaupten etwas mit einander zu tun? Ist nicht das Haupt das Angesicht von allen Seiten, das verdinglichte Angesicht? Zu den Häuptern gehören Kronen, zum Angesicht der Blick und das Wort. Welchen Kranz trugen die Caesaren (sh. die Dornenkrone Jesu)?
    Bereschit, im Anfang: Das be- bezeichnet das In, das reschit den Anfang? Hat das reschit ähnliche Konnotationen wie das griechische arche (Anfang, Ursprung, Ursache, Schuld)?
    Zur Rekonstruktion des Strafrechts: Diskriminiert der Staat nicht in den Strafrechtstatbeständen seine eigenen Taten an den Opfern? Ist nicht das Strafrecht ein Stück projektiver Verarbeitung der eigenen Wurzeln?
    Gemeinheit ist kein strafrechtlicher Tatbestand: wäre sie’s, würde sie dazu zwingen, das Strafrecht auf sich selber anzuwenden, nämlich als eine projektive Verfolgung der eigenen Verbrechen an anderen (Schuldverschubsystem). Das hat Carl Schmitt gesehen, und daraus die faschistische Konsequenz gezogen.
    Als Jesus die Sünde der Welt auf sich nahm, hat er dem Staat die Grundlage entzogen. Das war die causa prima seiner Verurteilung.
    Jesus ist in Bethlehem (im Haus des Brotes) geboren, er war ein Nazoräer (und hat in Nazareth gelebt), und in Kana (bei der Hochzeit von Kana, bei der man vom Brautpaar fast nichts hört, wohl von den Dienern und vom Kellermeister) hat er Wasser in Wein verwandelt.
    Zweck der Universitäten war seit ihrem Ursprung die Selbstlegitimation des Bestehenden. Das gilt auch für die Geschichte der Theologie seit dem Ursprung der Scholastik. Seit Kant, der an die Stelle der „Schulphilosophie“ die „Weltphilosophie“ gesetzt hat („kopernikanische Wende“), leistet die Welt (der Weltbegriff) diese Selbstlegitimation.
    Zum Begriff der Vergangenheit vgl. Benjamins Engel der Geschichte, zu dessen Füßen die Trümmer der Vergangenheit sich häufen, und Horkheimers Frage, ob sich auf einem solchen Leichenberg überhaupt noch die richtige Gesellschaft errichten lasse. Reinhold Schneider wollte als toter Hund am Fuße des Kreuzes begraben sein.

  • 28.12.1994

    Ist der „Vorwurf“ der Grund, aus dem das Futur II, die „zukünftige Vergangenheit“ (zuletzt das Inertialsystem) hervorgeht? Und rührt daher die Zweideutigkeit des „es wird gewesen sein“ („was wird schon gewesen sein“: das Futur II als Instrument der Irrealisierung der Folgen, die projektiv der Natur oder den anderen zugeschoben werden; als Grund des „sie wissen nicht, was sie tun“)?
    Der Naturbegriff hat das „Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ instrumentalisiert.
    Gegen den Weltbegriff, der das All dem Wissen überantwortet (unter die Vergangenheit subsumiert), eröffnet die Barmherzigkeit (der Heilige Geist) die Zukunft. Er wird wirklich „das Antlitz der Erde erneuern“.
    Ist nicht Babylon/Rom und das Futur II der Versuch, den Satz zu widerlegen, daß die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden?
    Wer sind die Throne, Herrschaften, Mächte und Kräfte: Sind das vielleicht Saturn, Jupiter, Mars und Merkur?
    Das Dogma verhält sich zur Bekenntnislogik wie das Objekt zum Raum.
    Während die Leugnung des Vaters und Sohnes (die Kirchenväter und die Scholastik) noch tolerabel sind, wird die Leugnung des Heiligen Geistes (die selbstverschuldete Hilflosigkeit der Theologie gegen die Aufklärung) weder in dieser noch in der zukünftigen Welt vergeben.
    Hängen Stämme und Völker, Sprachen und Nationen mit den vier Weltgegenden zusammen, mit Vorn und Hinten, Rechts und Links?
    Mit dem Begriff des Scheins und mit dem der List sind die Täuschung und die Heuchelei als strukturelle Voraussetzungen in die Logik mit eingegangen.

  • 27.12.1994

    In der letzten Nacht ein Traum: Eskalation der Autoritätserfahrung; die Angst, im Opfer der Vernunft mich selbst zu verlieren, steigert sich bis zur Todesangst.
    Die dritte Leugnung, der Greuel am heiligen Ort, oder Religion als Religion für andere: Im Bann der Bekenntnislogik ist Gott zu einem Herrschaftsinstrument (zu einem Instrument der Gottvergessenheit) geworden, und genau das bindet den autoritären Charakter an diese Gestalt der Religion, macht die Religion zum Instrument ihrer eigenen Verwerfung (Folge des Weltbegriffs und der Vorstellung des unendlichen Raumes; vgl. Heideggers „objektlose Angst“ und das „Vorlaufen in den Tod“).

  • 26.12.1994

    Mit der Objektivation und Instrumentalisierung der Welt wird auch die Sprache instrumentalisiert, verliert sie ihre benennende Kraft, ihre Beziehung zur Wahrheit.
    Mit der creatio mundi ex nihilo hat die Hybris Einzug gehalten in die Theologie. Sie war Caesarentheologie wie die homousia. Das nihil war das Denkmal der Abstraktion, des Verdrängten: Voraussetzung der Neutralisierung von Himmel und Erde. Mit der creatio ex nihilo ist die Schöpfung in eine Herrschafts- und Eigentumsbeziehung umgeformt, die Offenbarung zur Befehlsgewalt des Absoluten gemacht und die Erlösung spiritualisiert worden.
    Heute enthüllt sich der Antisemitismus als theologischer Selbsthaß. Unter den Nazis gab es noch das Bewußtsein: Nach den Juden sind wir (die Christen) an der Reihe. Dem folgte die Identifikation mit dem Aggressor.
    Der Satz, daß heute jeder Katholik so schlau ist wie früher bloß ein Kardinal, wäre zu ergänzen: und jeder so dumm wie früher die Herrschergestalten des Absolutismus.
    Wer Hegel nicht versteht, versteht sich selbst nicht.
    Die Schrift setzt an die Stelle des Hörens das Sehen; beim Übergang von der hebräischen zur griechischen Schrift hat sie Rechts und Links vertauscht.
    Wenn die Bibel außer zwischen Stämmen und Völkern („Heiden“) auch noch zwischen Sprachen und Nationen unterscheidet, verweist diese Differenzierung dann nicht auf den Unterschied der politisch-gesellschaftlichen Bedeutung von Schrift und Geld? Definiert sich die Nation durch die Einheit der Währung (und ist das den modernen Antisemitismus beunruhigende Problem einer „jüdischen Nation“ nicht im Hinblick auf die Propheten anachronistisch, ein reales Problem dagegen erst mit den Makkabäern – nach dem Ende der Prophetie)?
    Zur Geschichte der drei Leugnungen: War nicht die Geschichte der christlichen Theologie eine Geschichte der Erinnerung und Verdrängung zugleich; und verweist nicht die Geschichte von den drei Leugnungen auf den „Fortschritt“ in der Geschichte der Verdrängung?
    Der Bann, der auf den Tieren liegt, gründet in dem Namen, mit dem Adam sie benannt hat.
    Weihnachten erzeugt „Stimmung“, indem es den Boden des Selbstmitleids kultiviert; zu Silvester werden Stimmungskanonen benötigt, um eine Bombenstimmung zu erzeugen.

  • 22.12.1994

    Zum Begriff der Umkehr: Gehören nicht Levinas‘ Hinweis auf die imperative Struktur der Attribute Gottes, Rosenzweigs Bild vom Koffer und das letzte Stück aus Adornos „Minima Moralia“ und sein Konzept einer negativen Dialektik zusammen?
    Welch entsetzliche Menschenverachtung liegt in dem militärischen Gebrauch des Begriffs „Zivilbevölkerung“ (gibt es überhaupt noch einen anderen Gebrauch)? Zumal vor dem Hintergrund, daß es bereits Vernichtungewaffen gibt, die Häuser und Gerät aber unversehrt lassen und nur Bewohner und Benutzer, die Menschen, töten: die sogenannten „sauberen Waffen“. Wird nicht unter einer „sauberen Umwelt“ bereits eine von Menschen nicht beschmutzte Umwelt verstanden? Zivilbevölkerung: das sind die überflüssigen und nur im Wege stehenden „peanuts“ des Krieges (in einer Welt, in der es bereits „saubere“, arbeiterfreie Industrien gibt).
    Ist nicht die Eskalation der Schutzobjekte eigentlich eine Eskalation gefährdeten Objekte? Angefangen hat’s mit dem „Luftschutz“, mit dem sich die Zerstörung der deutschen Städte ankündigte, dem folgten der Kinderschutz, Natur- und Umweltschutz, Denkmalschutz und am Ende der Schutz der Zivilbevölkerung.
    Das reale Objekt eines Objektschutzes ist das Eigentum; Menschenrechte, Bevölkerungen, Minderheiten sind nur als Ausnahmen Schutzobjekte.
    Die Selbstlegitimation des Bestehenden gründet in der apriorischen und systematischen Ausblendung der Herrschaftsstrukturen durch den Positivismus. Der Kern dieses Mechanismus liegt in den Naturwissenschaften; sein Preis ist der projektive Erkenntnisbegriff, der den Naturbegriff begründet. Dieses projektive Moment im wissenschaftlichen Erkenntnisbegriff ist sehr genau aufgefaßt in der Konstruktion des Stern der Erlösung: in den drei Gestalten des Nichtwissens, das zunächst durch das (mythische) Projektionspotential der Namen der drei Gegenstände des Nichtwissens ausgefüllt wird, das dann durch Umkehr der theologischen Idee der Wahrheit (in der Konstellation Schöpfung, Offenbarung, Erlösung) zugeführt wird.
    Überzeugen ist unfruchtbar: Das Bekenntnis ist durch seine Beziehung zur Schuld nicht objektivierbar und nicht auf andere übertragbar. Es mag sich anderer in einem Bekenntnis wiedererkennen, jemanden von einem Bekenntnis „überzeugen“ heißt aber, es der Beweislogik unterwerfen, die es von innen zerstört. Jeder Bekehrungsversuch treibt den Teufel mit Beelzebul aus. Aber gleichwohl kann man nicht nur für sich und nicht alleine Christ sein, sondern nur mit anderen (die Gemeinschaft der Bekennenden ist eine Gemeinschaft der Einsamen).
    Als Jesus die Jünger aussandte, gab er ihnen den Auftrag, die
    – Kranken zu heilen,
    – Tote aufzuerwecken,
    – Aussätzige rein zu machen und
    – Dämonen auszutreiben (Mt 108).
    Auf die Anfrage des Täufers, ob er es sei, der da kommen soll, verwies Jesus auf das, „was ihr hört und seht:
    – Blinde werden sehend und Lahme gehen,
    – Aussätzige werden rein und Taube hören,
    – Tote werden auferweckt und Armen wird die frohe Botschaft gebracht, und
    – selig ist, wer sich an mir nicht ärgert“ (Mt 114f).
    Im Auftrag an die Jünger fehlen
    – die Blinden und Lahmen, die Tauben, die Armen und die Seligpreisung,
    in der Antwort an den Täufer
    – die Krankenheilung und die Austreibung der Dämonen.
    Wenn die Antwort Jesu an den Täufer am ersten Schöpfungsbericht sich orientiert, dann entspricht die Seligpreisung dem Sabbat.
    Die Verunreinigung kommt nicht von außen, sondern von innen (Mt 1511ff): Heißt das nicht, daß die Dämonengeschichte insgesamt auf die Kirche zu beziehen sind (und die Geschichte von den sieben unreinen Geistern auf die Geschichte von der dritten Leugnung)?
    Der Knotenpunkt des Inertialsystems (der dem Begriff des Objekts zugrunde liegt) ist das Produkt einer Abstraktion von der Totalität des Organismus, und das wiederum ist das Produkt der Abstraktion vom Angesicht.
    Das Inertialsystem ist das Realsymbol der Widerlegung, Überwindung und Verdrängung (leer, gereinigt und geschmückt, Mt 1244). Indem man das Vordere nach hinten, das Rechte nach links und das Obere nach unten gebracht hat, hat man das Hintere zum Vorderen, das Linke zum Rechten und das Untere zum Oberen gemacht (Ursprung der Herrschaftslogik).
    – Das Angesicht steht gegen den Herrschaftszusammenhang,
    – der Name gegen den Schuldzusammenhang und
    – das Feuer gegen den Verblendungszusammenhang.
    Im Kontext des Inertialsystems gibt es kein Angesicht, keinen Namen und kein Feuer mehr.
    Mit dem Weltbegriff macht man sich den Blick des andern zueigen: So gibt es zur Nacktheit keine Alternative mehr (systematischer Grund der Privatsphäre und der Sexualmoral, auch des Keuschheitsgebots).
    Gemeinheit ist kein strafrechtlicher Tatbestand, aber der Rechtsstaat eröffnet der Niedertracht Tür und Tor (Tür und Tor beziehen sich auf das Haus und die Stadt oder auf das Haus und den Hof).
    Zu Reinhold Schneiders „Allein den Betern kann es noch gelingen“: Ist das Schwert in diesem Vers nicht das biblische Schwert, das Realsymbol der Logik der Schrift?
    Nur über die Reflexion der Logik der Schrift ist es möglich, die Schrift dem Bann des Fundamentalismus zu entreißen.
    Ist Hegels Bemerkung zur französischen Revolution (bis heute nie gesehen, daß die Welt sich auf den Kopf gestellt hat) nicht schon auf Alexander zu beziehen, der die Welt begründet hat, indem er sie auf den Kopfe stellte (darauf bezieht sich die Geschichte von der Durchschlagung des gordischen Knotens)? Alexander hat das Geheimnis der Philosophie, ihren Zusammenhang mit der Begründung der Zivilisation, in seiner Welteroberung in die Realität überführt und offenkundig gemacht.
    Die merkwürdige sprachliche Bildung des Dingbegriffs: die Verknüpfung des deiktischen „D“ und mit dem Suffix „-ing“ (vgl. das maskulinisierende „-ling“). Die historische Wurzel wäre zu suchen im Thing, in der altgermanischen Gerichtsstätte, die im Dingbegriff sich reflektiert. Die verdinglichte Welt ist alles, was der Fall ist.
    Zur Beziehung von sach- und sprachphilosophischer Reflexion: Hat das unterscheidende -pr- etwas mit den Hapiru zu tun?

  • 21.12.1994

    Die Trinitätslehre ist das Produkt der herrschaftslogischen Verarbeitung der Theologie (gleichsam die Isolationshaft Gottes); deshalb war sie der Kristallisationskern der Häresien.
    Das Hegelsche Weltgericht (der Weltgeist in Aktion) ist ein anderer Ausdruck für die selbstlegitimatorische Kraft des Bestehenden.
    Das Marktgleichgewicht ist die Nachbildung der Äquivalenzbeziehungen, die das Inertialsystem in die Natur induziert.
    Kann es sein, daß der Himmel sich einmal als Realsymbol der Schrift und die Erde als das des Wortes enthüllen wird? Vgl. hierzu die Himmelsheere (Sabaoth), das Himmelreich, die Himmelfahrt, das Sich-Öffnen der Himmel, die Entrückung in den dritten Himmel, den Vater, „der du bist in den Himmeln“, dessen Wille geschehe „wie in den Himmeln so auf Erden“. Gehören in diesen Zusammenhang nicht die Vögel des Himmels und das Buch des Lebens? Am Ende wird der Himmel sich „wie ein Buch“ aufrollen.
    Zur Kritik der Unmittelbarkeit in den Naturwissenschaften: Nach der „Dialektik der Aufklärung“ ist die Distanz zum Objekt vermittelt durch die Distanz, die der Herr durch den Beherrschten gewinnt. Wer davon abstrahiert und (positivistisch) an der Unmittelbarkeit des Objekts festhält, gleichgültig, ob es sich um Billardkugeln, Planeten oder Elektronen handelt, verhält sich wie das naive Ökonomie-Verständnis, das die Tätigkeiten des Kaufmanns, des Angestellten und des Arbeiters unter den Oberbegriff Arbeit subsumiert und schließlich den Lohn des Arbeiters zu den Kosten zählt, die die „wirkliche“ Arbeit, nämlich die des Geldes, so erschweren und belasten. Aus diesem Geldbegriff wäre der horror vacui abzuleiten, auf dessen Realisierung der politisch-ökonomische Prozeß heute hinausläuft, aber auch das ökonomische Korrelat des physikalischen Energie- und Entropiebegriffs (und das physikalische Korrelat des Mehrwertbegriffs) zu bestimmen.
    Aus welchen Ursprungsbedingungen stammt die Erfindung der Null (und der negativen Zahlen), und welche gesamthistorische Bedeutung hatte diese Erfindung (Indien, der Islam und die Scholastik)?

  • 19.12.1994

    Prigogine: die Postmoderne in den Naturwissenschaften.
    Zum Weltanschauungstrieb der Naturwissenschaften: Kein Zufall, daß Prigogine sowohl den Snow (Die zwei Kulturen) als auch den Forman (Weimarer Kultur, …) zitiert.
    Wenn Prigogine den Namen Boltzmann nennt, kann man davon ausgehen, daß er in erster Linie die Weltanschauung, und nur am Rande den physikalischen Sachverhalt meint.
    Unberührt bleibt der in der Tat ungeheuerliche Gedanke, das Plancksche Wirkungsquantum zur Entropie in Beziehung zu setzen; nur daß dieser Gedanke verpufft, weil er das Konstitutionsproblem, das auf die spezielle Relativitätstheorie zurückweist, verdrängt. Der wichtigste Hinweis liegt darin, daß die gesamte Mikrophysik sich „jenseits“ der Lichtgeschwindigkeit konstitutiert, das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit zur Voraussetzung hat. Dieses „Jenseits“ hat die Atomistik zu einem Pseudo-Diesseits gemacht.
    Die Beziehung des Gravitationsgesetzes zum Gesamtbereich der Erscheinungen, auf den die Lichtgeschwindigkeit sich bezieht, der mit dem Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit sich konstituiert, ist eine inverse, keine additive Beziehung. Der logische und historische Ursprung dieser Inversion liegt in der Geschichte der Theologie, in der Bekenntnislogik.
    Die Physik als ein System allgemeingültiger Sätze, die zu den Erscheinungen im Verhältnis der Subsumtionslogik stehen, verwirrt den Erkenntnisbegriff.
    Interessant an allen zeitgenössischen kosmologischen Theorien ist eigentlich nur noch das, was sie verdrängen.
    Ist nicht diese ideologische Physik durchsetzt mit Wunschdenken, was kein Einwand wäre, wenn es nicht mit der Prätention aufträte, kein Wunschdenken zu sein, wenn es nicht mit der Unfähigkeit, sich selbst zu reflektieren, verbunden wäre? Diese Form des Wunschdenkens ist der im Hoffnungslosen verrottete Rest der Hoffnung.
    Bemerkenswert an allen Versuchen, nichteuklidische Geometrien zu entwickeln, daß sie die „euklidische Geometrie“ logisch voraussetzten: Läßt eine „Krümmung“ anders als am euklidischen Referenzmodell sich bestimmen? Widerlegt werden sollte ohnehin nicht Euklid, sondern das kantische Konzept der subjektiven Form der äußeren Anschauung. Deren (ebenso mathematischer wie logischer) Kern aber war nicht das Parallelenaxiom, sondern die Orthogonalität: der innerräumliche Reflex seiner Beziehung zur Form der inneren Anschauung, zur Zeit. Aber waren das nicht schon Paradigmen der gleichen Konstellation, die seitdem rapide sich durchgesetzt hat: daß alle Angriffe schon im Ansatz als Niederlagen sich erwiesen, alle gleichsam die Züge des Harakiri trugen. Jeder Angriff steht unter der Zwangslogik des Begriffs, der sein Objekt verloren oder auch abgetrieben hat (steht unter der Zwangslogik der Paranoia und des Herrendenkens).
    Wenn unsere Politiker gegen den Rechtsextremismus auf den Blick und das Urteil des Auslands verweisen, machen sie den Rechtsextremismus zu einem Selbstläufer, zu einem Perpetuum mobile, das an seinen entropischen Folgen scheitert.
    Der Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus wird erst dann verstanden sein, wenn er als das Ende der Bekenntnislogik begriffen wird. Die Bekenntnislogik bleibt auf den Staat fixiert, gewinnt in dieser Fixierung ihre „Identität“. Wenn die raf-interne Diskussion immer mehr auf das Verhältnis „des Staates“ zu den Gefangenen sich zuspitzt, auf die Erhaltung der „Identität“, dann hat der Staat genau in dieser Zuspitzung der raf-Position auf das Recht, ein Bekenntnis zu haben (das ohne Feindbild nicht auskommt: und sei es das Feindbild „Staat“), bereits gesiegt. Er kann diese Gefangenen freilassen, weil sie jetzt auch draußen ungefährlich (nämlich berechenbar und kontrollierbar) geworden sind. Der Staat vermag seine Gegner auch an der langen Leine der Feindschaft noch in der Hand zu halten. Haben die Gefangenen nicht mit der Feindschaft gegen den Staat (mit der Paranoia) ihre Isolationshaft verinnerlicht (und ist die „Identität“, die sie sich nicht rauben lassen wollen, nicht der Schlüssel dazu)? Zur Frage, ob man den Staat hassen kann, wäre an die Antwort Gustav Heinemanns auf die Frage, ob er den Staat liebe, zu erinnern: er liebe seine Frau. Im Kontext des Bekenntnisses instrumentalisieren sich alle Objektbeziehungen, geht es nur noch darum, wofür oder wogegen einer ist; im Kontext des Bekenntnisses stirbt die Welt den Kältetod, als dessen Hypostase der Staat sich etabliert.
    Hat nicht die raf (unterm Bann der Bekenntnislogik) seit je die Logik des Systems personalisiert?
    Magischer Ursprung des Naturbegriffs: Wenn ein Kind sich an einer Tischkante stößt, ist der Tisch schuld.
    Ist nicht alle Philosophie deshalb Bewußtseinsphilosophie, weil das Bewußtsein erst mit dem „Wissen“ entspringt, seine Organisation der Organisation und Logik des Wissens verdankt?
    Alle Unschuld ist Schein.
    Verweist der Satz, daß, was ihr auf Erden lösen werdet, auch im Himmel gelöst sein wird, nicht darauf, daß es ein Ungelöstes (noch Gebundenes) auch im Himmel noch gibt; und ist die Bindung dieses Ungelösten nicht das Werk der Kirche (was ihr auf Erden binden werdet, wird auch im Himmel gebunden sein)? Hängt nicht das Binden und Lösen auf ganz andere Weise mit dem Bußsakrament zusammen: Hat dieses Sakrament das Lösen zu einem Teil des Bindens gemacht?

  • 16.12.1994

    Die Tatsache, daß der Kapitalismus nur über seine erweiterte Reproduktion sich stabilisieren läßt (Geldwertstabilität und Standort Deutschland), ist eine Folge der Entropie in der Ökonomie: der Verwertung der Armut.
    Gibt es eine Untersuchung über die Entstehung der Bibelübersetzung Luthers und ihre Bedeutung für die Ursprungsgeschichte der deutschen Schriftsprache? Wenn Luther für seine Bibelübersetzung die Kanzleisprache gewählt hat, ist das nicht ein Hinweis auf die Affinität seiner Theologie zu dieser Sphäre?
    Kannte Hegel schon das Substantiv, oder ist das eine spätere Erfindung? Kann es sein, daß das Substantiv (Hegels Substanz als Subjekt?) gleichsam das schwarze Loch der Hegelschen Philosophie ist, das sie ganz in sich aufgesogen, ihre Strahlungskraft zerstört hat?
    War die ideologische Krise der Physik in den zwanziger Jahren nicht auch ein Indiz für das Schwinden der legitimatorischen Kraft der Naturwissenschaften?
    Vergleich der invisible hand mit dem newtonschen Konzept des absoluten Raumes.
    Das Inertialsystem hat die Erinnerung zu einer folgenlosen Sache gemacht (es hat sie neutralisiert und die Vergangenheit zu einem Gegenstand des Zuschauens, der Kontemplation gemacht); erst so war die historische Erforschung der Vergangenheit möglich, aber nur als Herrschaftsgeschichte.
    Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten, daß sie nackt waren: War das die Geburtsstunde der Astronomie?
    Wenn Kant den Raum als subjektive Form der Anschauung begreift, so bezieht sich das nicht auf „den Raum“, sondern auf sein Erzeugungsgesetz. Und die Antinomien der reinen Vernunft, die sich auf die transzendentale Ästhetik beziehen, erzwingen eigentlich die Reflexion dieses Erzeugungsgesetzes. Das Gelingen dieser Reflexion ließe sich daran ermessen, ob es gelingt, daß die Naturwissenschaften sich selbst durchsichtig werden.
    Ist das Christentum nicht zugleich die Finsternis über dem Abgrund und der Geist über den Wassern (und beziehen sich darauf die Ideen der descensio ad inferos und der resurrectio mortuorum)?
    Wenn Prigogine den „Zeitpfeil“ (das Moment der Irreversibilität an der Zeit) an die Entropie anschließt (und den Zerfall als eine Gestalt des Werdens ansieht), wird dann nicht wiederum (wie in der Kausalitätsdebatte nach dem Ersten Weltkrieg) die Physik als Rechtfertigungsmittel der Ökonomie mißbraucht?

  • 12.12.1994

    Gemeinheit ist kein strafrechtlicher Tatbestand: Im Recht gibt es Unrechts-Tatbestände, die mit dem Mitteln des Rechts nicht zu beheben sind, vergleichbare Probleme gibt es in der Ökonomie (im Bereich des Geldes) und in der Wissenschaft (im Bereich des Wissens).
    Daß das Rechtsstaatsprinzip die Anwendung politischer Prinzipien nicht ausschließt, läßt sich an der unterschiedlichen Behandlung der Nazi-Richter gegenüber den SED-Richtern erkennen. Das, was die Nazi-Richter getan haben, war sicher im Effekt schlimmer als das, was man das Unrecht des SED-Staates nennen muß. Nur: Die Nazi-Justiz war (dank eines eingebauten Rechtfertigungssystems) schlau genug, sich an die formalen Grundsätze des Rechts zu halten, die ihre Taten rechtlich „unbeweisbar“ gemacht haben.
    Zum Begriff des Tieres: Sein logischer Kern ist das Prinzip der Selbsterhaltung (dem das „Leben“ aller gesellschaftlichen Institutionen, auch der kirchlichen, sich verdankt); das gegenständliche Korrelat der Selbsterhaltung bezeichnet der Natur- und der Weltbegriff (Tiere haben eine Welt).
    Beitrag zur Grammatik: Der Tod Jesu war kein Mord, und das Todesurteil gegen ihn war nicht das Produkt einer Rechtsbeugung. Dafür hat der Tod Jesu Politik und Recht, und mit ihnen den Staat insgesamt, in den Akkusativ versetzt. Und das (mitsamt seinen durchsichtigen weltgeschichtlichen Folgen) war der Kelch, von dem Jesus wünschte, er möge an ihm vorübergehen. Hier liegt die Wurzel der Selbstbegründung der subjektiven Formen der Anschauung (des Inertialsystems).
    Dieser Akkusativ ist hat den Kreuzestod Tod Jesu selbst verhext: Mit der Vergegenständlichung des Staates (die ein sprach- und vernunftgeschichtlicher Vorgang war) ist der Grund für die Objektivation des Kreuzestodes gelegt worden (für die Opfertheologie, die Vergöttlichung Jesu und die Trinitätslehre, für das Dogma und die Bekenntnislogik, letztendlich für die Konstruktion der Kirche). Hat dieser Akkusativ etwas mit dem Namen des Petrus zu tun, mit dem Felsen, auf den ER seine Kirche bauen wollte?
    Das Dogma, die hierarchische Struktur der Kirche und die Konstruktion der sakramentalen „Heils“-Vermittlung waren Instrumente zur Rettung des Grundes und der grammatischen Konstruktion der flektierenden Sprache (zwangshafte Spiegelung und Wiederholung des Turmbaus zu Babel).
    Ist die Person nicht wirklich Eigentum des Staates und der Personbegriff in sich selber politisch (herrschaftsgeschichtlich) vermittelt? Der Instinkt der Rechten heute steht unter dem Gesetz dieser Zwangslogik: Ausländer sind Unpersonen, haben kein Existenzrecht.
    Ist nicht jede Berufung auf die „Tatsachen“ hoffnungslos (und ist das nicht ein gelegentlich erwünschter Effekt: den andern die Hoffnungen auszutreiben)? Genauer: sie ist kleingäubig, hoffnungslos und unbarmherzig.
    Der Satz über Rind und Esel bei Jesaias ist ein Hinweis auf den Mechanismus, dem es sich verdankt, daß der Komfort-Zug, in dem wir sitzen, den Abgrund, auf den er zurast, selbst erzeugt.
    Der Marxsche Satz, es käme darauf an, die Hegelssche Philosophie vom Kopf auf die Füße zu stellen, hat etwas mit dem Begriff der Umkehr zu tun.
    Unvorstellbar, heute noch Mitglied einer politischen Partei zu werden. Wenn überhaupt, dürfte es in keinem Falle um die „Identifikation“ mit einer Partei (mit ihren Zielen) gehen, sondern um die Frage, ob die Mitgliedschaft die Möglichkeit eines ändernden Eingriffs bietet. Diese Möglichkeit wäre in einer rechten Partei grundsätzlich ausgeschlossen, in der SPD (aber auch in einer anderen „linken“ Partei) aufgrund ihrer Organisationsstruktur und ihres Selbstverständnisses fast unmöglich, in der FDP durch ihren – wie es scheint – irreversiblen Trend zum Neoliberalismus real unmöglich. Die Grünen sind durch ihren ökologischen Konkretismus zu harmlos, im Kern unpolitisch. Bleibt etwa nur die irrsinnige Möglichkeit in einer CDU, die durch ihre eigene Umkehr zum Ferment einer Änderung der Gesellschaft werden könnte? Ist es nicht vielleicht die logische Konsequenz aus der vertrackten Situation, in der die SPD von innen, die CDU hingegen von außen nicht mehr zu erreichen ist?
    Lassen sich beiden theologischen Konstrukte, daß
    – Gott die Welt erschaffen und
    – Jesus durch sein Leiden und seinen Tod die Welt entsühnt hat,
    noch durch eine andere Logik als als die der Selbstbegründung und Selbstrechtfertigung der Bekenntnislogik (als Stützen eines Verdrängungssystems) zusammendenken? Die theologische Rezeption des Weltbegriffs hat außer dem des Opfers der Vernunft und der Selbstverfluchung keinen Ausweg mehr gelassen.

  • 9.12.1994

    Gehört das Neutrum in die Vorgeschichte des Geldes oder das Geld in die Vorgeschichte des Neutrums? Das Neutrum ist der sprachliche Ausdruck der Vergesellschaftung, deren Ursprung in die Geschichte des Ursprungs der Schrift und des Geldes fällt. Die hebräische Schrift heißt die hebräische, weil sie der Logik der Schrift (die die Sprachen der Völker beherrscht, die ohne Idolatrie nicht zu halten sind) die Gottesfurcht entgegensetzt. Zentrale Symbole der Bibel, wie
    – die Schlange (das Neutrum: die Beziehung des Weltbegriffs zum Staat),
    – der Kelch (die subjektiven Formen der Anschauung: die Zerstörung der benennenden Kraft der Sprache durch die Urteilsform, durch Objektivation und Instrumentalisierung), und
    – die Dornen und Disteln (die mit dem Neutrum logisch verknüpften Formen der Konjugation und Deklination: das Gesetz der Profangeschichte, der durch Gewalt und durch Herrschaft von Menschen über Menschen definierten Geschichte – vgl. hierzu das Gleichnis Jesu von dem Weizen, der unter die Dornen fiel),
    sind sprach- und herrschaftskritische Symbole zugleich.
    Die Begriffe Wissen, Natur und Welt (die drei kantischen Totalitätsbegriffe) sind die Schlüssel zu der Isolationszelle, in der die transzendentale Logik das Subjekt gefangen hält (gegen die Erkenntnis der Dinge, wie sie an sich sind [nicht der „Dinge an sich“, die es nicht gibt], abschirmt oder absperrt).

Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie