Entkonfessionalisierung, oder die Religion vom Bann des Absoluten befreien. Gibt es im Hebräischen einen Oberbegriff für Tiere, der auch die Fische, die Vögel und das Gewürm umfaßt? Oder sind Tiere nur die Land-(Säuge-)tiere, während die „großen Seetiere“ z.B. die Wasser-Säugetiere (und die Reptilien) sind? Seid barmherzig wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist. Aber muß sich diese Barmherzigkeit nicht erst noch erweisen? Ist in dem Freudschen Mythos von der Tötung des Urvaters das Christentum die Brüderhorde, die nach der Tötung der Juden sich konstituiert? Ist nicht die Vaterimago insofern ambivalent, als sie sowohl den getöteten Urvater als auch sein Deckbild: die Idee des Absoluten bezeichnet? Die Ontologie ist das steinerne Herz der Welt. Mythos und Scham, die Ehe, der Staat und das Recht sind aus einem gemeinsamen Boden erwachsen. Das läßt sich an Kants Definition der Ehe demonstrieren (das Recht auf wechselseitigen Gebrauch des Geschlechts). Ist nicht der Lendenschurz im Bilde des Gekreuzigten ein Symbol der Geheimsphäre des Staates? Der Absolutismus entstand, als Herrschaft bürgerlich: zu einer Privatsache der Herrschenden wurde. Wie verhält sich die Schamgrenze zur Todesgrenze? Kommen die vier Flüsse des Paradieses von den vier Enden der Erde? Müßte nicht auf die Revision der antiken (und frühmittelalterlichen) Chronologie die Revision der Astronomie folgen? Die naturwissenschaftliche Aufklärung (das Inertialsystem) hat das Angesicht, den Namen und die Umkehr in den blinden Fleck gerückt. Realsymbol dieses blinden Flecks ist der Objektbegriff, Produkt der absoluten Verletzung des Bilderverbots (Produkt aus Selbstreferenz und Projektion). Das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit ist Nabelschnur dieser Kunstgeburt, und die versucht die Kopenhagener Schule endgültig zu durchschneiden. Die subjektive Form der äußeren Anschauung ist der Inbegriff des Projektiven im Erkenntnisprozeß. Die Schlange symbolisiert die Leugnung des Angesichts, das Schwert die des Namens und der Kelch die der Umkehr. Unter dem Gesetz der Aufklärung wurde dieser Sensibilitätszusammenhang gesprengt und in isolierte Empfindungspunkte aufgelöst: Ursprung des blinden Flecks. War nicht die Theologie in ihren Anfängen die erste Gestalt der kritischen Reflexion der Philosophie, nur hat sie sich dabei von ihrem Gegenstand so infizieren lassen, daß sie am Ende selber davon aufgezehrt worden und daran zugrunde gegangen ist. Sie ist in den ontologischen Prozeß der Veranderung hineingezogen worden und findet heute den Ausweg nicht mehr. Das Gott niemanden über seine Kraft versucht, und daß die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwältigen werden, sind Hoffnungsansätze, die im Wort vom Binden und Lösen sich erfüllen. Ist das Wasser der Inbegriff der neutralisierenden Gewalt (der Philosophie), das Feuer der Inbegriff der lösenden (und reinigenden) Kraft des Namens (der Prophetie)? Sind die unreinen Geister Wassergeister? Und bezeichnet der Name des Himmels (schamajim) nicht aufs genaueste die Form der Beziehung von Philosophie und Prophetie, hierbei allerdings insbesondere im Namen des Feuers den Vorrang der Prophetie? Namen des Himmels: Ouranos, caelum, ciel, sky und heaven. Entspricht die Trennung von sky und heaven im Englischen der Trennung von Ding und Sache im Deutschen, und hängt sie damit zusammen, daß der bestimmte Artikel im Englischen geschlechtslos und undekliniert bleibt (Zusammenhang mit der Trennung von Begriff und Name; haben die Blinden und Lahmen in Davids Jerusalem und in der Botschaft Jesu an den Täufer etwas mit dieser Trennung von sky und heaven, Ding und Sache, und haben diese etwas mit der Ablösung der Buchrolle zu tun)? Hängt die Unterscheidung von sky und heaven mit der von Tag- und Nachthimmel zusammen, und hat sie etwas mit der Todes- und Schamgrenze und mit dem Hahn und dem Morgenstern zu tun? Welche Bewandnis hat es beim Geisterseher Swedenborg mit der Venus und generell mit den Planeten (Sterne als Orte der Toten)? Was ist das, was, wenn es auf Erden gelöst wird, auch im Himmel gelöst sein wird? Zweifellos muß es mit der Sündenvergebung, mit der Versöhnung zu tun haben (mit der Versöhnung vor dem Opfer, nicht durchs Opfer), aber damit auch mit der Befreiung der Sprache, der Befreiung ihrer benennenden Kraft. Es hat auch mit den sieben unreinen Geistern und den sieben Siegeln zu tun. Ist nicht jetzt die Stunde, in der der unreine Geist mit den sieben anderen unreinen Geistern aus der Wüste zurückkehrt; und hat dieser unreine Geist mit dem sokratischen Dämon (dem Geist der Philosophie), mit dem er den Namen gemeinsam hat, zu tun?
Theologie
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22.4.1994
Im Griechischen zieht das Verb
– „freuen“ den Dativ nach sich: der Gegenstand der Freude ist zugleich ihr Adressat; und
– „überlegen sein“ den Genitiv: die Überlegenheit ist eine dem Besitzverhältnis vergleichbare Abhängigkeit.
Vgl. Langenscheidts Kurzgrammatik Altgriechisch, S. 91, 94.
Die -tümer sind Namen, die durchs Urteil des Weltgerichts in Isolationshaft genommen worden, zu Substantiven gemacht worden sind. Modell: das „Deutschtum im Ausland“, vgl. aber auch den Reichtum, das Volkstum, das Christentum, Judentum oder Heidentum. Sind nicht die -tümer insgesamt Ungetümer (monströs wie die apokalyptischen Tiere)?
Reichtum und Armut: Ist die Umkehrung -tum/-mut reiner Zufall; haben -tum und Mut etwas mit einander zu tun?
Heldenmut und Heldentum (oder über die Signatur des Nationalismus am Ende): Der moderne Held (auch der Held im Kunstwerk) definiert sich – wie die Bekenntnislogik, die zu seinen Voraussetzungen gehört, gegen einen Feind (der für ihn den Tod repräsentiert), der antike (zivilisationsbegründende) Held, der Heros, begründet mit dem Recht einen Weltzustand, in dem es überhaupt erst Feinde gibt (und am Ende alle Fremden, die einmal als Gäste galten, zu Feinden geworden sein werden).
Die exkulpierende Kraft des Absoluten, oder: wie hängt der Kaufrausch mit der Ohrenbeichte (und das Absolute mit dem Geld) zusammen? Verwechselt die Theologie seit den Anfängen der Scholastik nicht die Sündenvergebung mit der Abstraktion, hat sie nicht das Opfer zu einem Moment im Abstraktionsprozeß gemacht (Zusammenhang von Theologie, Säkularisation und Inertialsystem)? Entspringt hier der Begriff des Absoluten: der Greuel der Verwüstung? (Ist das Absolute die christliche Version des Ahnenkults, als Abschaffung der Erinnerung?) Das Absolute entlastet von der Last der Vergangenheit, indem es sie verdrängt, sie dadurch aber zum Absoluten macht (vgl. Newtons Begriff des absoluten Raums und seine verborgene Beziehung zu Hegels Logik).
Zum Weltbegriff: Theologie muß heute durch die Wüste der Abstraktion, die Kritik des Absoluten, hindurch.
Das Ökumene-Konzept durch ein Entkonfessionalisierungs-Konzept ersetzen: die Kirche aus dem Bann der Bekenntnislogik (oder aus dem Bann des Absoluten) befreien. Das aber heißt: Theologie im Angesicht Gottes und nicht hinter seinem Rücken.
Im Anfang erschuf Gott den Himmel und die Erde: Wenn die Erde der Inbegriff des Benannten ist, ist dann der Himmel der Inbegriff der benennenden Kraft, die im Namen Gottes gründet (und das Herrendenken – der „Begriff“ – der Turm, der bis an den Himmel reicht)? Bezieht sich darauf das Bild, wonach der Himmel am Ende wie eine Buchrolle sich aufrollen wird? Die Benennung der Tiere durch Adam gehört in diesen Zusammenhang, aber auch das Wort: Der Himmel ist Sein Thron, die Erde der Schemel Seiner Füße. Am Ende, wenn es die Nacht und das Meer, den Tod und die Vergangenheit nicht mehr geben wird, wird Gott die Sonne sein. Und wenn der Sohn Ihm alles unterworfen hat, wird Gott alles in allem sein.
Im Hebräischen ist der Genitiv durch den Bezug zum Nomen, der Akkusativ durch den Bezug zum Verb bestimmt. Die Deklination ergibt sich (ohne Suffixflexion) aus der Stellung im Satz, während sie im (früheren?) Kanaanäischen durch Suffixe sprachlich sich anzeigt. Gibt es einen Zusammenhang dieser Differenz mit der Differenz im Besitzrecht (im Bodenrecht); ist das Eindringen der Deklination in die Nomina ein Symptom der Subsumtion der Erde unters Wertgesetz: der Beginn der flektierenden Sprachen überhaupt, die dann in der Substantivierung der Nomen (der Verlegung der Deklination in den bestimmten Artikel) endet? Sind die flektierenden Sprachen ein Reflex der sich ausbreitenden Geldwirtschaft und deshalb Herrensprachen? Hier ist die Welt zu allem, was der Fall ist, geworden; Der Bann unter dem die Welt steht, ist der Bann des Absoluten.
Sind die die „hebräischen Sklaven“ betreffenden Regelungen (Dt und Jer) nicht auch Sprachregelungen, und gilt das vielleicht für die die Armen und die Fremden geltenden Gebote insgesamt?
Hat die Gnade etwas mit der benennenden Kraft der Sprache zu tun (und mit ihr die Barmherzigkeit und die Gebärmutter: die messianischen Wehen)?
Verhält sich der Infinitiv Sein zum Possessivpronomen 3.Sg.m. wie das Glaubensbekenntnis zum Schuldbekenntnis (und werden Begriffe nicht überhaupt erst dort interessant, wo der Bruch sich zeigt, anstatt wie bei der Trennung der Begriffe Natur und Welt bloß verdrängt zu werden)?
Kontrafaktische Urteile: Der Historiker ist wie der Richter der Beweislogik unterworfen: Seine Urteile (die „Urteile der Geschichte“) müssen nicht wahr, sondern nur hieb- und stichfest sein. Der Fechtboden, auf dem sich das prüfen läßt, ist der Boden der kontrafaktischen Urteile (und auch hier gilt, was auf jedem Fechtboden eingeübt worden ist: Gemeinheit ist kein strafrechtlicher Tatbestand). Die Konsequenzen, die aus der Kritik des Historismus sich ergeben, sind bei Nietzsche und Rosenzweig nachzulesen. Liegt die Auflösung des Problems der kontrafaktischen Urteile in der Theologie? -
19.4.1994
Die Schrift, das Geld und das Bekenntnis: ihr Zusammenhang mit dem Relativitätsprinzip. Sie alle haben Teil an der Genesis des Abstraktionsprozesses, dessen Kern im Relativitätsprinzip sich kontrahiert (Abstraktion von der Aktualität, die das einzige Objekt der Prophetie ist). Die Physik ist die endgültig aufgedeckte Blöße; der Wein und die Trunkenheit: das Relativitätsprinzip; das Kleid, das die Blöße zudeckt: die Sprache. War der Rock aus Fellen die Sprache, die Morgengabe des Schöpfers an die Schöpfung; und die Trinitätslehre die Ursprungsgestalt der aufgedeckten Blöße im Christentum: der Greuel am heiligen Ort?
Durch die Opfertheologie hat sich die Kirche auf die Seite der Täter gestellt und ist selber zum sacred executioner geworden; so verstrickte sie sich in die Bekenntnislogik. Wenn der Säkularisationsprozeß der Prozeß der Verinnerlichung des Opfers ist, so ist er zugleich Teil der Geschichte der Selbstzerstörung der benennenden Kraft der Sprache. Das war die Grundlage der Ausbildung der Raumvorstellung und des Inertialsystems. Die Geschichte des Opfers ist ein Teil der Geschichte der Sprache: Die Sprache gewinnt ihre benennende Kraft zurück, wenn der Satz „Barmherzigkeit, nicht Opfer“ wahr wird.
Die Konstanten der Mikrophysik: insbesondere das Plancksche Wirkungsquantum und die elektrische Elementarladung, stehen in einer ähnlichen Beziehung zur Struktur des durchs Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit korrigierten Inertialsystems wie die Kreiszahl Pi und die Basis des natürlichen Logarithmus e zur Form des Raumes.
Interessant wäre es, den Schatten, der die drei Patriarchen der Endzeit der europäischen Aufklärung begleitet: Engels (der Schatten von Marx), Jung (der Schatten von Freud) und die Kopenhagener Schule (der Schatten Einsteins), genauer zu betrachten.
Von vier Katastrophen wurde Hiob getroffen:
– die pflügenden Rinder und die daneben weidenden Eselinnen wurden von den Sabäern fortgetrieben und die Knechte mit der Schärfe des Schwertes geschlagen,
– Feuer Gottes ist vom Himmel gefallen und hat zündend in die Schafe und Knechte geschlagen und sie verzehrt,
– die Chaldäer haben drei Heerhaufen gemacht, haben die Kamele überfallen und sie weggetrieben und haben die Knechte mit der Schärfe des Schwertes erschlagen,
– die Söhne und Töchter wurden im Hause des Erstgeborenen von einem starken Sturmwind aus der Wüste, der das Haus an den vier Ecken gepackt und auf die jungen Leute gestürzt hat, erschlagen.
Wer sind die Sabäer: Haben sie etwas mit der Königin von Saba und dem (JHWH) Sabaoth zu tun: den Himmelsheeren?
Nach der Dialektik der Aufklärung ist die Distanz zum Objekt, die den Aufklärungsprozeß begründet, vermittelt durch die Distanz, die der Herr durch den Beherrschten gewinnt. Wird diese Distanz nicht kontrahiert und verinnerlicht (und zugleich unkenntlich gemacht) durch die Raumvorstellung? Die Entfaltung der Form der äußeren Anschauung (der subjektiven Formen der Anschauung überhaupt) ist vermittelt durch die Herrschaftsgeschichte.
Das Opfer des Sohnes war das Opfer der Sprache (des Logos): Realsymbol der Verinnerlichung des Opfers. Der Leib Christi ist der Sprachleib, auf ihn beziehen sich die Passionsgeschichte und Ez 37. Das Kreuz, an das dieser Leib geschlagen wurde. ist die Mathematik (und den Rock ohne Naht haben die Soldaten unter sich verlost).
Ist nicht das Verhältnis der Philosophie zur Prophetie das Verhältnis von Angesicht zu Angesicht (das kein Sterblicher überlebt)? Erst wenn beide sich im andern erkennen, erkennen sie sich wirklich.
Gegen Gemeinheit hilft keine Empörung, sondern nur Selbstbewußtsein und geistesgegenwärtige und geduldige Reflexion.
Das „Grauen um und um“ beim Jeremias hängt mit dem Satz des Thales: „Alles ist Wasser“ zu zusammen. Das Grauen des babylonischen Krieges und das des Mythos haben einen gemeinsamen Ursprung.
Hängt die Raumvorstellung nicht auch insoweit mit der Sexualmoral zusammen, als sie das Herrendenken durch Ausblendung der Folgen exkulpiert?
Weist der Text im biblischen Schöpfungsbericht über die Erschaffung des Menschen (nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes) nicht auf einen grammatischen Unterschied zurück:
– der adjektivische Gebrauch des Possessivpronomens (nach seinem Bilde) entspricht dem Imperfekt (einer nicht abgeschlossenen, noch fortdauernden Handlung), während
– die Genitiv-Konstruktion (nach dem Bilde Gottes) aufs Perfekt verweist (die Handlung ist abgeschlossen, ihr Produkt liegt vor)?
Ist der nächste Satz: „Als Mann und Weib schuf er sie“ ein Erläuterung dazu, oder bezeichnet er einen zusätzliche Sachverhalt?
Daß Maria Magdalena von den sieben unreinen Geistern befreit wurde, steht nur bei
– Mk 169: „… erschien er zuerst Maria Magdalena, von der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte“ (evtl. späterer Nachtrag zum Evangelium) und
– Lk 82: „… und die zwölf begleiteten ihn und einige Frauen, die von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren: Maria, genannt die aus Magdala, aus der sieben Dämonen ausgefahren waren, …“.
Vgl. hierzu Mt 1243ff und Lk 1124ff. – Kann es sein, daß die Mk-Stelle wichtig ist deshalb, weil sie die Befreiung von den sieben Dämonen in Beziehung setzt zur Auferstehungsgeschichte, und daß der Schein des Bruchs zum vorhergehenden „Abschluß“ des Evangeliums zu den Indikatoren der Bedeutung dieser Stelle gehört? -
18.4.1994
Die Wüste vorn (im Angesicht), das Meer hinten (hinter dem Rücken): Hat das etwas mit dem tohu, dem Thalesschen Wasser, mit der Sintflut, dem Geist über den Wassern, der Trennung der Wasser, mit dem Wunder von Kana zu tun? Der Name gehört zum Angesicht, der Begriff ist hinter dem Rücken.
Adornos Satz „Heute fühlen sich alle ungeliebt, weil keiner zu lieben fähig ist“, findet seine konkrete Anwendung in einem Denken, dessen Hauptaugenmerk darauf gerichtet ist, sich selbst zu beweisen, daß die Welt nicht so ist, daß man sie lieben könnte. Der Durchbruch zu diesem Beweis war der Ursprung der Philosophie.
Die Rezeption des Weltbegriffs hatte die Konstituierung der Bekenntnislogik zur Folge, inhaltlich wurden beide abgesichert durch das Konzept der Opfertheologie: Darin lag die Notwendigkeit der christlichen Theologie begründet. Sie hat einen Prozeß ausgelöst, der am Ende auch die Theologie selber ergreift, sie gegen ihren eigenen Inhalt absperrt.
Haben sich nicht die beiden subjektiven Formen der Anschauung der kantischen Transzendentalphilosophie in den beiden Totalitätsbegriffen Natur und Welt kontrahiert? Darin ist es begründet, wenn die transzendentale Ästhetik Kants in der Folge immer als Rechtfertigung der subjektiven Anschauungsformen statt als Kritik verstanden wurden.
Zukünftige Vergangenheit und vergangene Zukunft: Aus dem Relativitätsprinzip (und dem Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit) den Beweis dafür entnehmen, daß das Vergangene nicht nur vergangen ist. Die Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit drückt diesen logischen Sachverhalt (den Knoten, der zu lösen wäre) aufs genaueste aus.
Die Verwechslung des Absoluten mit Gott gründet in der Verwechslung des Überzeitlichen mit dem Ewigen. Im Licht der „überzeitlichen Wahrheiten“ ist das Vergangene nur vergangen, im Lichte des Ewigen ist es nicht endgültig vergangen, sind die Pforten der Hölle nicht schon verschlossen.
In der Idee des Gottsuchens hat die Theologie ihren empirischen Kern. Aber davor sitzt die Kirche wie der Igel im Märchen von dem Fischer und seiner Frau und wiederholt ihr „Ick bün all do“ (Trinitätslehre). Entschlüsselt nicht der Türhüter in Kafkas „Vor dem Gesetz“ (in den Evangelien ist es die Türhüterin: die Magd des Hohepriesters) das Geheimnis der Trinitätslehre?
Jede Opfertheologie ist Herrschaftstheologie: Rechtfertigung derer, die Macht über das Leben anderer haben. Die Opfertheologie stellt die Botschaft des Kreuzestodes auf den Kopf (durch Instrumentalisierung). War nicht auch Paulus ein „Sacred Executioner“ (so der Titel eines Buchs von Hyam Maccoby)? -
17.4.1994
Zur Kritik des Weltbegriffs gehört die Kritik der Opfertheologie und der Bekenntnislogik.
Wie hängen die Interrogative wer, wie, was mit den bestimmten Artikeln der, die, das (und den Personalpronomina der dritten Person: er, sie, es) zusammen; was hat das Wie mit dem Femininum zu tun? Gibt es eine Beziehung zum Semitischen, wo bei den Interrogativa an die Stelle der Unterscheidung von Mask. und Fem. die von Person und Sache tritt (wer und was), ohne daß dem Was ein substantiviertes Neutrum korrespondiert. Heidegger hat die absolute Frage entdeckt, die dort entspringt, wo die Frage nach dem Absoluten gegenstandslos wird.
Ist nicht jede Frage die Frage nach dem Urheber, dem Schuldigen (der „Ursache“), eine Frage, die die Philosophie seit je mit dem Absoluten (der Zusammenhang des Absoluten mit der Absolution ist nicht nur ein sprachlicher), die Prophetie mit der Gottesfurcht beantwortet? Das Absolute ist die durch den Weltbegriff abgelenkte, projektiv vergegenständlichte und so unkenntlich gemachte Gottesfurcht.
Was bedeutet es, wenn in den semitischen Sprachen (Bergsträßer, S. 15) die Zahlen drei bis zehn mit dem zugehörigen Substantiv disgruieren, d.h. zu einem Mask. ein Zahlwort femininer Form tritt und umgekehrt? Die gleiche Polarität im Genus-Gebrauch tritt in hebräischen Pluralen im Verhältnis zum zugehörigen Singular auf (Beispiele bei Bergsträßer, vgl. auch das dort folgende zu Differenzen beim Kasus oder im Numerus u.ä.).
Zu S. 17 („Nach der Abwanderung der Semitenschicht, aus deren Sprache das Akkadische hervorgegangen ist, nach Babylon …“): War es nicht umgekehrt, ist nicht Abraham von Ur in Chaldäa über (das akkadische?) Harran nach Kanaan gegangen?
Woher kommt der Name des Sumerischen? Gibt es einen Zusammenhang mit dem Personalpronomen der dritten Pers. mask. (im Akkadischen: schu = „er“, S. 22, Zusammenhang mit dem deutschen Sein, der Beziehung des Infinitivs zum Possessivpronomen Sein?), ist das „Sumerische“ die früheste Ausprägung des Patriarchalischen, und bezieht sich darauf die Geschichte vom Turmbau zu Babel: das Ursymbol des Absoluten? -
15.4.1994
Intersubjektivität ist nicht nur ein Versteck vor dem Angesicht Gottes (unter den Bäumen des Gartens), sie wird am Ende zum Institut der kollektiven Isolationshaft. Die vorwerfbare Schuld – als Schuld im Blick der andern – ist der gemeinsame Grund des Mythos, der Natur und des Rechts. Umkehr ist das Instrument der Auflösung der vorwerfbaren Schuld: der Sünde der Welt (des projektiven Schuldverschubsystems). Alle Weltbegriffe sind, auch wenn sie es nicht wissen, nationalistisch: konkrete Anwendungen und Ausgestaltungen des Schuldverschubsystems: Es gibt keinen Weltbegriff ohne das Feindbild der Barbaren, Heiden oder Juden (der Fremden – nicht der Andern, die vielmehr Teil des Weltbegriffs sind). Dem Namen der Barbaren entspricht im Kontext der Naturerkenntnis der Begriff der Materie, der nicht zufällig an den Namen der Mutter – mater – erinnert. Zu prüfen wäre, ob und wie die Begriffe hyle und materia auch inhaltlich und genetisch sich unterscheiden (und ggf. mit den Unterschieden zwischen den Begriffen physis/natura bzw. kosmos/mundus zusammenhängen). Materie: Ist das nicht die von der schmutzigen Sinnlichkeit gereinigte und dadurch finster gewordene Materie, das genaue Pendant der sexualmoralischen Verstrickung der kirchlichen Theologie? Die Apokalypse ist ebenso wie ein historisches auch ein gnoseologisches Problem: die letzte Gestalt des Begriffs der Offenbarung. Der mechanische Stoß ist das gegenständliche Korrelat der Herrschaft der Vergangenheit über die Zukunft, Grund eines Systems von Äquivalenzbeziehungen, aus dem die Möglichkeit mathematischer Naturerkenntnis sich herleitet. Einzig vergleichbar der Macht des Tauschprinzips, der Herstellung von Äquivalenzbeziehungen im Bereich der gesellschaftlichen Reproduktion des Lebens auf der Grundlage des Privateigentums. Bei beiden wird ein Systemmoment impliziert, das mit den Begriffen Orthogonalität, Schuldknechtschaft und Lohnarbeit sich genauer bezeichnen läßt. Heinsohn hat recht, wenn er die Erfindung des Geldes auf das Institut der Schuldknechtschaft zurückführt, den frühesten Vorboten des Kapitalismus und der Lohnarbeit in der Vorvergangenheit. In der Lohnarbeit ist die Schuldknechtschaft instrumentalisiert worden. Ist die Wahrnehmung nicht faszinierend, daß das Institut der Schuldknechtschaft zur Ursprungsgeschichte der Hebräer gehört (und wirft sie nicht ein Licht auf den Namen der „hebräischen“ Schrift)? Hat der Vergleich des Dogmas mit den zwei Seiten eines Blattes (von denen wir nur die eine kennen, die nicht die der Wahrheit ist) eine sehr präzise Bedeutung? Hat die Theologie nicht insofern auch etwas mit der Idee der Auferstehung zu tun, als es in ihr um die Wiedergewinnung der vergangenen Zukunft geht? Die opfertheologische Instrumentalisierung des Kreuzestodes gehört zu den Mächten der Vergangenheit über die Zukunft (zu den „Pforten der Hölle“). Die Zukunft unter dem Verschluß der Vergangenheit halten: Darauf bezieht sich das Wort vom Binden und Lösen; und das Lösen ist das Lösen der Zunge, die vergangene Zukunft das Objekt der Sprache, des Namens. Erst wenn ich begreife, daß die Welt der Abgrund ist, der mich von den andern trennt, begreife ich, was es heißt, die Sünde der Welt auf sich zu nehmen. Die Idee des Absoluten ist der Greuel am heiligen Ort: das sich auf sich selbst beziehende Anderssein Gottes, seine Leugnung. Ist die Geschichte der drei Leugnungen die Geschichte der Idee des Absoluten? „Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt …“ (vgl. Joh Kap. 630ff.54ff)? Mein ATARI hat nicht nur einen Mülleimer, er ist ein Mülleimer, in den ich alles ablade: Aber sind Mülleimer nicht die Lebensquelle der Ausgeschlossenen, der Slumbewohner? Ist nicht der Antisemitismus, der Druck, der ihn produziert, ein Hinweis darauf, wie nahe die Lösung ist? Der Begriff der verwalteten Welt ist ein Pleonasmus: Ohne Verwaltung gibt es keine Welt (gibt es kein Allgemeines, wie auch die Verwaltung die Brutstätte der Gemeinheit ist – das Gemeine ist der Grund des Allgemeinen).
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13.4.1994
Das Absolute ist der Erbe der Idolatrie, die Funktion der Idolatrie läßt sich an der des Absoluten (des Andersseins Gottes) begreifen.
Donners Bemerkungen zur „assyrischen Krise der israelitischen Religion“, insbesondere seine Hinweise auf 2 Kön 1610-16, 2 Kön 184 (und ergänzend hierzu auf 1 Kön 1423, 2 Kön 1710, 213, 238), sowie auf Zephanja 11-6.8ff (S.332ff), werfen ein Licht auf den Zusammenhang von „Religion“ und Politik: die assyrische Krise in Juda (die ihren Vorläufer in der phönikischen Krise in der Omridendynastie in Israel hatte) ist ein Teil der Geschichte der Beziehung Israels zum Prozeß der Staatenbildung, zum Ursprung der „Weltgeschichte“, zur Geschichte des Absoluten.
S. 368f gibt Donner eine Zusammenfassung der gesamtorientalischen Restaurationsphase im 7./6. Jhdt.v.Chr. (von Assur über Babylon bis Ägypten), zu der er auch die josianische Reform und das Deuteronomium rechnet. War es eine reale Restaurationsphase (die dann geschichtlich abzuleiten wäre) oder wurde gleichsam eine inexistente Vergangenheit zur „Erklärung“ der Gegenwart neu erfunden (wurden Gestalten wie Moses und Abraham, dessen Lebensweg von Ur über Harran nach Kanaan insgesamt auf Orte der zeitgenössischen Geschichte sich bezieht, nur in die Vergangenheit projiziert, um die Gegenwart verständlich oder erträglich zu machen)? Wirft das nicht auch ein Licht auf die Kosmologien des Zeitalters (Erfindung einer Vergangenheit, einer Ursprungsgeschichte, zu der Welt, die anders nicht zu begreifen wäre)? Ist diese Rückprojektion der Zukunft in die Vergangenheit (sind die „göttlichen Verheißungen“, der prophetische Trieb) nicht das Gegenstück der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit: das Gegenstück des Inertialsystems (Problem der babylonischen Sprachverwirrung)? -
12.4.1994
Der Weltbegriff bezeichnet eine Momentaufnahme im Säkularisationsprozeß. Er bestimmt zugleich die Logik, die den Säkularisationsprozeß beherrscht: den immer wieder vergeblichen Versuch, diese Momentaufnahme zu stabilisieren. Während in Israel Grund und Boden Eigentum JHWHs waren, waren sie in Kanaan Gegenstand privater Kaufverträge (Donner, Geschichte des Volkes Israel, S. 265). Hängt damit der Name Kanaan, der auch die Händler bezeichnet, und die kanaanäische „Religion“, das Urbild der Idolatrie (Ba’al, Moloch, die Ascheren, die „Unzucht“), zusammen? Ist insbesondere Ba’al ein Gott des Privateigentums an Grund und Boden? Ist der Name Kanaans ein Name eines Volkes oder eine soziologische Kategorie (die Volksnamen, die unter dem Namen Kanaans zusammengefaßt werden, legen die Vermutung nahe, daß Kanaan wie der Name der Hebräer eine primär soziologische Bedeutung hat)? Bei den Grundstückskäufen handelt es sich um – Abraham (Gen 23: Kauf des Grundstücks und der Höhle Makpela von dem Hittiter Ephron für das Grab der Sara), – Jakob (Gen 3319: Kauf eines Grundstücks bei Sichem von den Söhnen Hamors zur Errichtung eines Malsteins und eines Altars „El, Gott Israels“), – David (2 Sam 2418ff: Kauf der Tenne des Jebusiters Arawna zur Errichtung eines Altars, Grundstein des späteren Tempels), – Omri (2 Kön 1624: Kauf des Berges Samaria von Semer zum Bau der Stadt Samaria). Kann es sein, daß das Land Israel die religiöse Tradition (die „Sünde Jeroboams“), Juda hingegen die politischen Institutionen Kanaans (Jerusalem, das Stadtkönigtum) übernommen hat? Hat die Unterscheidung zwischen den „Zelten Israels“ und dem „Haus Juda“ (dem nomadischen Israel und dem urbanen Juda) damit zu tun? Es gibt die Häuser Isaak, Jakob, Ephraim, Levi, Juda, Saul, David, aber keine Häuser Manasse, Benjamin. Hängt die Unterscheidung von Zelt und Haus mit der des Himmels und der Sterne zusammen? Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Kapitalisierung des Bodens, dem Ursprung der Banken und der Schuldknechtschaft? Das „gezeugt, nicht erschaffen“ im Credo bezeichnet den Punkt der tiefsten Verzweiflung im Dogma, im Glauben. Genau daraus hat die Trinitätslehre das Moment der Redundanz, der Selbstreferenz, gewonnen, das die theologische Erkenntnis dem Wissen angleicht, es zu einem abgeschlossenen System verdinglicht und vergegenständlicht, den Inhalt zu einem vergangenen („immer schon seienden“) macht. Es ist das untrügliche Symptom der Ontologisierung der Theologie: Nur der Raum zeugt sich in der immergleichen Form seiner selbst fort, nicht Gott. Die kirchliche Sexualmoral ist ein Produkt der Anwendung des des Eigentumsprinzips (Kanaans) auf die Prophetie (Herausnahme der „Sexualität“ als Symbol der Urteils- und Herrschaftskritik aus der Prophetie). Wenn die Kanaaniter die Händler waren, wer waren dann die Amalekiter? Hat das Mehrwertparadigma, das im Tauschparadigma gründet, den Blick auf den Schuldzusammenhang verstellt? Welche Metalle wurden den Planeten zugeordnet: – das Gold der Sonne, – das Silber dem Mond, – das Eisen dem Mars, – das Quecksilber dem Merkur, – das Blei dem Saturn. Und Jupiter und Venus? Mathematik: Die Rekonstruktion der Finsternis über dem Abgrund. Zum fünften und sechsten Schöpfungstag: Nur die großen Seetiere, die Fische und die Vögel des Himmels sind von Gott erschaffen, die anderen Tiere hat die Erde hervorgebracht. Bezieht sich diese Unterscheidung auf die von Matriarchat und Patriarchat (und gründet hierin das nur auf Adam bezogene Staubsymbol und die auf Eva bezogen Feindschaft zur Schlange)? Die Kopenhagener Schule, die Anbetung des Staubs und die renovatio faciei terrae (die Rücknahme des Staubs). Die Jonas-Geschichte ist hegelianisch: die Geschichte des Absoluten und des Weltgerichts, zu der dann aber die Enttäuschung und der Ärger des Jonas über die Barmherzigkeit Gottes gehört. Wie paßt dazu die Tobias-Geschichte (mit dem Engel, dem Fisch, der Erlösung Saras und dem Untergang Ninives)? Ist die Buchstabenschrift ein Produkt der Herrschaft der Fläche, der Geometrie über die Sprache? Wenn Israel der Augapfel Gottes ist, wer ist dann das Ohr (oder: wer sind dann die Lahmen)? Worauf bezieht sich die Orion-Geschichte (vgl. Donner, S. 75, Anm. 8)? Was hat es mit dem Hyrieus (Vater des Orion) auf sich? Franz Rosenzweig hat durch die Konstruktion des Stern der Erlösung (durch die Sprengung des All, das dreifache Nichts und die konstitutive Bedeutung des „und“) der unio mystica endgültig den Boden entzogen (vgl. auch Cohens Bemerkung, daß die Attribute Gottes Attribute des Handelns, nicht des Seins sind, und Levinas‘ Hinweis auf die Ethik als prima philosophia: die unio mystica ist die Besiegelung der Kapitulation vor der Ontologie).
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10.4.1994
Das Absolute ist der Gott für andere.
Sind nicht die drei „großen Weltreligionen“ in der Tat die einzigen, die an den Grund der Welt rühren, und gründet ihre Trennung nicht im Bann des Absoluten?
Muß nicht der Satz, daß wir uns selbst im blinden Fleck stehen, ergänzt werden durch den Hinweis, daß die genaueste Bestimmung dieses blinden Flecks die Idee des Absoluten ist.
Antlitz und Gestalt: Gehört nicht das Antlitz zur Theologie, die Gestalt aber zur Welt (Tiere unterscheiden sich durch ihre Gestalt)?
Der Raum ist nicht die Form der Gleichzeitigkeit (das ist ein Redundanz-, ein Rückkoppelungseffekt), sondern der Stabilisator der Vorstellung einer homogenen Zeit. Er neutralisiert die Differenzen und macht das Ungleichnamige gleichnamig.
Die falsche Übersetzung von Joh 129 ist der Quellpunkt aller „unbegrenzten Zumutbarkeiten“.
Wo die transzendentale Logik beginnt, hat die transzendentale Ästhetik ihr Werk schon getan. Und ist nicht die Bekenntnislogik ein Ableger der transzendentalen Logik? Daß die transzendentale Logik außer dem wissenschaftskritischen auch einen gesellschaftskritischen Aspekt hat, ist schon länger bekannt, während die Anwendung auf Erkenntnis im emphatischen Sinne auf die Kritik der Bekenntnislogik führt: Hier reicht sie in den Kern der Theologie hinein.
Aus Petrus, der die Vollmacht hat, den Himmel aufzuschließen, ist durch den Nichtgebrauch dieser Vollmacht ein Kerkermeister geworden.
Bezieht sich die Dewekut auf die Einigung des göttlichen Namens (die Heiligung des Namens) oder auf die unio mystica (die Vergöttlichung des Mystikers)? Durch die Antwort auf diese Frage unterscheidet sich die Prophetie von der Philosophie. -
9.4.1994
Haben die zwölf Stämme Israels (und die zwölf Apostel) etwas mit dem Tierkreis zu tun (und die sieben Schöpfungstage sowie die sieben Diakone etwas mit dem Planetensystem)? Hängt das Wort an Abraham, seine Nachkommenschaft werde zahlreich wie die Sterne sein, damit zusammen (und die hierarchische Organisation des kirchlichen Christentums mit dem Diakonat)? Sind die Zwölf und die Sieben nicht beide Totalitätssymbole, die den Totalitätsbegriffen Welt und Natur korrespondieren: die Zwölf bezeichnet den räumlich-weltlichen (Tierkreis, die Stämme Israels, die Apostel), die Sieben den zeitlich-naturhaften Aspekt (Planeten, das Schöpfungswerk, die sieben Diakone, die sieben Siegel). Gibt es eigentlich eine Beziehung der sieben kanaanäischen Völker zu den Planeten (oder zu den sieben Siegeln)? Kanaan als Grund oder das Allgemeine dieser Völker bezeichnet auch die Händler: Ist der Merkur der Grundplanet? Die Differenz zwischen Theologie und Herrschaftsmystik liegt in der Idee der Auferstehung. Die Mystik, zu deren historischen Voraussetzungen in der Tat die Philosophie gehört, fällt in die Geschichte der drei Leugnungen: Insbesondere die zweite Leugnung, in der die Magd mit den Umstehenden über Petrus redet, bezeichnet eine Stufe, in der jeder für sich die Welt ist, die dann alle bewußtlos, unreflektiert unter sich begreift. In der dritten Leugnung, in der die Umstehenden von der Magd sich emanzipiert haben und auf Petrus eindringen, wird das Objekt in das Subjekt mit hereingenommen; das Medium der Mystik kontrahiert sich zum Absoluten (zum Inertialsystem): das Modell dieser dritten Leugnung, die Subjektivierung des Objekts und die Vergesellschaftung der Erkenntnis und des Wissens (in der der Begriff der Welt sich in sich selbst konstituiert), ist die transzendentale Logik, die kantische Philosophie ihre erste Reflexionsgestalt. Nur die Kirche kennt kanonisierte Heilige (und das Institut der Heiligsprechung): sie sind die Nachfahren der Helden, und die Legenden Rückbildungen des Epos in den Mythos. Durch die Welt (durch die Absperrung von der benennenden Kraft der Sprache) wird der Mensch zum Tier: Nicht durchs Denken, sondern durch die davon noch unterschiedene Sprache unterscheidet sich der Mensch vom Tier (während er durch die subjektiven Formen der Anschauung wieder in den Bann der Animalität: der Selbsterhaltung hereingezogen wird). Im Indizienbeweis (sowie generell im juristischen wie im wissenschaftlichen Beweisverfahren) wird versucht, eine Lücke zu schließen, deren Offenhaltung das Grundinteresse der Theologie ist (hierauf bezieht sich das Wort, daß „die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden“). Diese Lücke wird im einsteinschen Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit offengehalten, während die Kopenhagener Schule in ihrer Interpretation der Mikrophysik (Unbestimmtheitsrelation, Komplementarität, Korpuskel-Welle-Dualismus) sie zu wieder zu schließen versucht (und die Spur dieses Versuchs, die sich nicht verwischen läßt, der falschen Theorie als Prestige gutschreibt): Die Physik hat sich durch ihre selbstgesetzten Prämissen (durchs Inertialsystem) gegen die sinnlich-übersinnliche Welt verschlossen. Und die Fundamentalontologie ist die Selbstreflexion dieses Status. Ist nicht die Rehabilitierung der unio mystica (Grözinger gegen Scholem, sowie in der Sache auch gegen Rosenzweig, Benjamin, Bloch, Horkheimer und Adorno) der Versuch einer Abschirmung der Mystik gegen ihre gesellschaftliche Selbstreflexion, deren Ansätze in der Kabbala, aber auch bei Jakob Böhme, Baader und Molitor doch eigentlich unübersehbar sind? Ziel dieser Mystik war nicht die unio mystica, sondern die Heiligung des Namens. Sie war determiniert durch das Bewußtsein, daß die unio mystica das Keuschheitsgebot (das in der christlichen Tradition, unter dem Zwang der Logik des Weltbegriffs jedoch auch in den anderen „Weltreligionen“, anstatt im genaueren Sinne theologisch immer nur sexualmoralisch verdinglicht angewandt worden ist) verletzt.
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8.4.1994
Hat das astrologische Planeten-Konzept (ebenso wie mit den Deklinationen der Nomen) etwas mit der Form des Raumes zu tun: das Verhältnis von Jupiter und Merkur mit dem von vorn und hinten, Mars und Venus mit rechts und links, Sonne und Mond mit oben und unten (mit dem Saturn als innerer Sprachgrenze dieser Beziehungen)? Gibt es nicht einer Beziehung der drei evangelischen Räte zu den Planeten: – der Armut zum Merkur und Jupiter, – der Keuschheit zum Mars und zur Venus und – des Gehorsams zur Sonne und zum Mond, sowie zum Saturn? Während Armut und Keuschheit eine doppelte Grenze haben, hat der Gehorsam eine dreifache. Woher kommen die Wochentagsnamen im Deutschen: – Dienstag: Tag des Mars (lat. Martis dies, lt. Kluge daraus abgeleitet), – Mittwoch (statt Tag des Jupiter, des Wotan, engl. wednesday) und – Donnerstag: Tag des Donar (auch Tag des Juppiter tonans?), – Freitag: Veneris dies, daraus frijatag, Tag der Freia, – Samstag (statt Saturni dies: sambiztag, abgeleitet aus Sabbat)? Welcher Jup(p)iter hat mit dem Merkur zu tun (nach dem Kleinen Pauly, Sp.1230, wurde Mercurius mit Wotan, dem Windgott, identifiziert: was bedeutet diese Rückbeziehung des Wotan auf den Mercurius, den Handelsgott, während Donar auf den „Himmelsgott“ Juppiter sich bezieht)? Ist der Instrumentalis entfallen, nachdem der Akkusativ diese Funktion mit übernommen und zugleich unkenntlich gemacht hat? Wie hängt das erste Wunder Jesu (die Verwandlung von Wasser in Wein bei Hochzeit von Kana) mit der Eucharistie zusammen: mit der Benennung des Weins als Blut? Und wie verhalten sich diese Geschichten zu den Wassern der Sintflut (und den Wassern des Himmels)? In seinem späteren (öffentlichen) Leben kommen nur noch die Mutter und die Brüder Jesu vor. Was ist mit seinem Vater (und seinen Schwestern), und was bedeutet das für die mit dem Christentum sich bildende Öffentlichkeit (für den Weltbegriff)?
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7.4.1994
Sind die Amoriter und Hethiter (der Vater und die Mutter Jerusalems, Ez 163) die Chaldäer und Perser, und sind die sumerisch-hethitisch-akkadischen Vokabulare Zeugen des Turmbaus zu Babel?
Der Feminismus und seine Kritik (die den Feminismus voraussetzt, nicht überflüssig macht) sind deshalb so wichtig, weil sie an die geschlechtlichen Wurzeln des Rassismus erinnern.
Was hat es mit dem Reflexivpronomen (mich, dich, sich, uns, euch, ihnen) auf sich: ist es eine akkusativische Reflexivbildung (Instrument der Selbstvergegenständlichung, Selbstinstrumentalisierung)? Gibt es die reflexiven Verben auch außerhalb des indogermanischen Sprachraums; in welcher Beziehung stehen sie zu den medialen Konstruktionen und zum Aorist?
Es kommt darauf, an die Religion
– von der Blasphemie,
– von der Idee des Absoluten und
– von der Bekenntnislogik
zu heilen: von den drei Gestalten der petrinischen Leugnung. Wie hängen sie mit
– dem Angesicht,
– der Umkehr und
– dem Namen
zusammen?
Wird die Trinität, wenn sie von der Umkehr, der Nachfolge und vom Angesicht getrennt wird (wenn sie zum Schibbolet einer dogmatischen Orthodoxie wird), nicht zu einer Leerformel, die dann in den
Begriffen der Natur und der Logik bewußtlos sich reproduziert? Schützt davor nicht allein die Heiligung des Namens?
Ist nicht der Marxsche Begriff einer resurrectio naturae der Ersatz für die fehlende Lehre des Namens?
Hündische Philosophie: Hegel hat zur Absicherung seines Reviers Duftmarken gesetzt, zu denen insbesondere die Diskriminierung des Sollens und die Warnung vor dem bloß Programmatischen, nicht Ausgeführten (vor der tatlosen Gesinnung, dem Innern, das sich nicht äußert) gehört. Duftmarken verfolgen aber auch das Ziel, Spuren zu beseitigen; sie haben etwas mit dem Konzept des vollkommenen Verbrechens, das ungeahndet bleibt, weil es sich nicht nachweisen läßt, gemein (vgl. Lyotard).
Adornos Satz „Das Ganze ist das Unwahre“ ist gegen die logikbegründende Paranoia gerichtet, von der Hegel sich nicht hat befreien können.
Zum Anfang der Hegelschen Logik (Sein, Nichts und Werden): Unterschlägt Hegel darin nicht das Haben und das Würde (die instrumentalisierende Kraft des Seins und ihre Grenze)? Das Sein (das nicht zufällig an das Personalpronomen 3. Pers. sing. erinnert) hat das Haben in sich und ist dadurch auf das Nichts bezogen (wie Heideggers Vor- und Zuhandenheit).
Die Würde: Was hat der Konjunktiv mit dem Feminismus zu tun?
Wie unterscheiden sich Eigentum und Besitz? Ist das Eigentum eine rechts- (und staats-) begründende Kategorie, während der Besitz privatrechtlicher Natur ist: im Vertrag gründet, und damit das Recht und den Staat bereits voraussetzt? Hängt der rousseausche Naturbegriff mit der Verwechslung von Besitz und Eigentum (Konsequenz aus der Begründung des Staats durch einen privatrechtlichen „Gesellschaftsvertrag“) zusammen (wäre auszuführen)?
Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie