Joh 13: panta di‘ autou egeneto, kai choris autou egeneto oude hen. Alles ist durch es selbst (das Wort) geboren/entstanden, und ohne es selbst ist auch nicht eines geboren/entstanden. -Das ginomai/egeneto bezieht sich nicht auf das Erschaffene, auch nicht aufs Gemachte, sondern aufs Erzeugte: auf das Produkt eines Gattungsprozesses, als welcher allein der Ursprung der Welt sich begreifen läßt (nicht die Schöpfung, nicht Himmel und Erde)! Falsch ist auf jeden Fall die Übersetzung des panta egeneto mit allem, was geworden ist: so wäre der logos bloß das Schicksal, Subjekt des subjektlosen Geschehens, fiele er in die Kompetenz der Hegelschen Logik.
Verweist das egeneto nicht auf einen Zusammenhang des Naturbegriffs mit dem des Logos? Ist nicht der Naturbegriff die logische Folge oder das logische Korrelat des „Hinwegnehmens“ (zu Joh 129)?
Rehabilitierung des Wunschdenkens: Wer das Wünschen diskriminiert, ergreift die Partei der gnadenlosen Welt.
Lachen und Weinen gehören (als Grenzbegriffe der Sprache) zur Logik des Angesichts; sie beschreiben die Grenze zwischen Hören und Sehen: das Lachen trennt Hören und Sehen, während das Weinen die Durchlässigkeit der Grenze bezeugt. Haben sie nicht etwas mit den Pforten der Hölle zu tun; ist nicht die Natur die durchs Lachen neutralisierte (gegen die Sprache indifferent gemachte) Schöpfung?
Ist nicht das Ich Produkt der Anklage, das mit dem Rechtfertigungszwang (als das Subjekt des Denkens, des transzendentalen Subjekts Kants) entspringt (sich entzündet)? – Gibt es einen Zusammenhang mit der Genesis und Logik des Materiebegriffs?
Die logische Äquivalenz von Einzelnem und Allgemeinem neutralisiert die Asymmetrie von Ich und Du (und begründet die Insuffizienz der Beweislogik).
physis und kosmos sind Produkte der philosophischen, natura und mundus Produkte der caesarischen Verarbeitung des Mythos. Die philosophische und die caesarische Verarbeitung des Mythos unterscheiden sich wie Erkenntnis und Wissen; deshalb waren die Konstituierung des Objektbegriffs und der Ursprung der modernen Wissenschaften (insbesondere der Naturwissenschaften) nur über die caesarische Verarbeitung des Mythos (und der Philosophie): über die Theologie des Christentums (über das Dogma und die Bekenntnislogik, über Trinitätslehre und Opfertheologie), möglich.
Wenn Freude die Freude am Glück und an den guten Handlungen anderer ist, dann gehört die Fähigkeit, das Glück und die guten Handlungen anderer neidlos sehen zu lernen, dazu.
Theologie
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16.11.93
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15.11.93
Wie stellen sich die Naturwissenschaftler das eigentlich vor, daß irgendwann in der Welt irgendwelche Dinge angefangen sind zu sehen und zu hören?
Unterscheiden sich die beiden Schöpfungsberichte nicht dadurch, daß
– der erste mit dem Licht beginnt (auf das Sehen, das Angesicht sich bezieht), während
– der andere den Menschen durch den Atem Gottes zum Leben erweckt (d.h.: auf die Sprache sich bezieht und mit der Geschichte vom Sündenfall endet)?
Wer den Wahrheitsbegriff auf die Übereinstimmung von Begriff und Gegenstand gründet, versperrt sich selbst den Weg zu der Wahrheit, die lebendig und frei macht. Dieser Weg führt durch die Schuldreflexion hindurch.
Ist der Rechtsradikalismus (und die gegenwärtige Form der Gewalt) nicht der Naturaspekt des heutigen Weltzustandes (die Welt ist blind, die Natur taub)?
Der Zuschauer konstituiert den Schuldzusammenhang, indem er sich davon distanziert. Er spaltet die Schöpfung in Natur und Welt (Gegenstand und Begriff).
Philosophie und Caesarismus haben der Theologie und der Kirche den Trägheitsschutz eingeimpft, der sie vor der Gotteserkenntnis schützt.
Das Buch Jona ist prä- und postapokalyptisch zugleich. Es bezeichnet den Angelpunkt zwischen Prophetie und Apokalyptik. Die Buße in Ninive geht vom Volke aus, ergreift dann auch den König, der die Tiere (die Welt) mit einbezieht. Nicht zuletzt wegen des Viehs wird Ninive verschont.
Innerweltlich gibt es trotz aller Probleme keine Alternative zur Deszendenztheorie; sie verändert sich vollständig, wenn man die Kritik des Weltbegriffs mit hereinnimmt.
Zum Weltbegriff gehören viele (Tier- und Herrschafts-)Götter; er ist an sich polytheistisch. Ist nicht die Welt ein plurale tantum, wobei die Frage nach der besten aller Welten gegenstandslos ist (die Religion, der man angehört, ist ohnehin die falsche)?
Ist nicht auch der Vater ein plurale tantum (Ursprung des plural majestatis) und seine Unterwerfung unters Identitätsprinzip Grund der Vermischung von Gewalt und Autorität?
Im Namen des Hundes begreife ich sowohl die Gattung Hund als auch die Welt des Hundes: alle drei sind ineinander verschränkt (und die Namen der Tiere sind in die Bestimmungsmacht der Menschen gegeben).
Zu Marx, Freud und Einstein: Haben nicht alle drei ihre Kopenhagener Schule, mit wachsender Zuspitzung des Problems, von Marx zu Engels, von Freud zu Jung und von Einstein zu den Promotoren der Atomphysik?
Die Selbstverfluchung Petri bei der dritten Leugnung entspricht dem Danielschen Greuel am heiligen Ort.
Ist der Objektbegriff die Grundlage der Seelenvorstellung?
Cohen, S. 522: Der Hass ist subjektlos, ein Weltaffekt, Produkt der Identifikation mit dem „Haß der Welt“.
S. 523: Ist nicht die Idee des „Naturfriedens“ wie auch die des Naturschönen, und damit die Idee des Friedens insgesamt, begründet im Wunder sinnlichen Naturerfahrung?
S. 524: Der Haß ist Rückfall in Biologie; und das gilt nicht nur für den Rassismus.
S. 527: Die Freude über eine gute Handlung bezeugt die Lebenskraft des Friedens. (Der Rechtsradikalismus ist ein Indikator für den Naturaspekt des Weltzustandes, der die Menschen zwingt, dem Verlangen, gut zu sein, zu entsagen und …)
Dem Glück sind die Tränen der Freude näher als das Lachen. -
13.11.93
Wie kann eine Rechsthistorikerin wie Marie Theres Fögen die vor allem rechtsbegründende Funktion der Diskriminierung divinatorischer Praktiken übersehen: Hat das Verbot der exkulpatorischen Institutionen wie Magie, Astrologie, Augurenwesen u.ä. nicht in erster Linie die Funktion, die, wie dann auch immer eingeschränkte, Rechtsfähigkeit des Subjekts, die Zurechenbarkeit seiner Taten sicherzustellen: die Menschen zu Objekten des Rechts, das Subjekt zur Person zu machen? Die Kritik des fatum und die Begründung der Willensfreiheit dienen dem gleichen Ziel.
Durch den Caesarismus ist das Recht zu einer innerweltlichen Institution geworden; diesen Schritt hat der Islam nicht mit vollzogen: für ihn blieb das Recht ein göttlich gesetztes Recht; deshalb blieb er dem Schicksal, das er mit dem Willen Gottes verwechselte, verhaftet. Aber auch im Christentum ist die prophetische Herrschaftskritik nie wirklich rezipiert, sind die Herrenfurcht und die Gottesfurcht nie deutlich geschieden worden.
Hat die Natur (und die für ihren Begriff konstitutive Leugnung der Auferstehung) etwas mit dem apokalyptischen Tier aus dem Wasser (Off 131; vgl. hierzu auch das „Alles ist Wasser“ des Thales) und die Welt (und mit ihr die Leugnung der Schöpfung: der Caesarismus) mit dem Tier aus der Erde (1311) zu tun? Die Zahl dieses Tieres, zu deren Berechnung es Weisheit und Verstand bedarf, ist die „Zahl eines Menschen“ (1318).
Ist nicht die Welt eigentlich die Welt des Tieres (das Korrelat der Gattung)? Wenn ich einen Hund als Hund erkenne, dann nicht aufgrund äußerer Merkmale (ein Bernhardiner gleicht eher einem Kalb als einem Zwergpinscher), sondern allein an seiner Welt, die ich an seinem Verhalten erkenne: an seinem Charakter oder an der Form, in der er sich auf seine Welt bezieht, sie repräsentiert (an dem „Antlitz des Hundes“).
Die Bemerkungen Cohens zum biblischen Wahrheitsbegriff (Religion der Vernunft, S. 477, die sich u.a. auf den Zusammenhang von emunah und amen beziehen) werfen auch ein neues Licht auf die großartige Stelle in 2 Kor 119, dessen Intention Johann Baptist Metz (Zur Theologie der Welt, Mainz 1968, S. 18, vgl. auch 51 und 61) leider völlig mißversteht, wenn er (zur Begründung seines nicht unproblematischen Säkularisations-Konzepts) das Ja und Amen auf die Welt (wie sie ist) anstatt, wie es eindeutig aus dem Text des Paulus-Briefs hervorgeht, auf die göttlichen Verheißungen bezieht. Die wirkliche Konsequenz aus dieser Stelle wäre, die Kritik des Weltbegriffs in die Begründung der Theologie (auch der politischen, der herrschaftskritischen Theologie) mit hereinzunehmen: endlich von der Theologie hinter dem Rücken Gottes Abschied zu nehmen. -
11.11.93
physis und natura: die beiden Begriffe beziehen sich auf den gleichen Sachverhalt, sie unterscheiden sich aber wie Zeugen und Geborenwerden, wie der aktive und der passive (der männliche und der weibliche) Aspekt der Sache.
Die Idee des Absoluten ist das Produkt der Neutralisierung Gottes, seiner Verweltlichung. Die Ambivalenz des Konzepts der Säkularisierung aller theologischen Gehalte ist darin begründet. Ist nicht die Säkularisierung die Enthebung des Denkens vom Denken, seiner Veranderung (weshalb Habermas vor der Kritik des Naturbegriffs kapituliert, die Natur, wie sie ist, akzeptiert)?
Die Enteignung der Wahrsager und die Herstellung des kaiserlichen Wissensmonopols in der Spätantike (Marie Theres Fögen) hängt mit der Beziehung der Institution des Caesars zur Idee des Absoluten (der Kaiser ist der Schöpfer der Welt: Ursprung der Reichsidee) zusammen.
Durch die „Enteignung der Wahrsager“ wurde der Weg freigemacht für den historischen Objektivationsprozeß. Der Cäsar steht unter dem Gesetz und dem Zwang des Absoluten, und genau hier liegt die verhängnisvolle Verwechslung Hegels, wenn er die Folgen, die dem Caesarismus zuzuschreiben sind, auf das Christentum projiziert. Bezieht sich nicht der Kelch von Getsemane auf den Caesarismus und seine Folgen?
Ist nicht der Märtyrer- und Reliquienkult (im Kontext der Instrumentalisierung des Kreuzestodes) ein logisches Appendix des Caesarismus?
Was und wer waren die Auguren, und was bedeutet es, wenn Cicero ein Augur war? Hängt die Selbstbenennung des Okatavian als Augustus mit dieser Konstellation zusammen? Haben Augustus und die Auguren eine gemeinsame sprachliche Wurzel, und wie ist dann der grammatisch-logische Zusammenhang? Hat Augustus sich durch seinen Namen zum aktiven Subjekt des passiven Augurentums gemacht, das Augurenwesen durch die Institution des Caesar Augustus säkularisiert (Zusammenhang mit dem Ursprung des Weltbegriffs und der logischen Stellung des Caesaren zum Weltbegriff; gründet darin die Zuwendung des Cicero zur Philosophie)? Ist die Geschichte des Mönchswesens in der Spätantike der Schatten des Caesarismus?
Zu Marie Theres Fögen: Wodurch Jesus sich von den übrigen Magiern und Wundertätern unterscheidet, ist seine Beziehung zur Prophetie.
Auffällig an den jüngsten Manifestationen der Gewalt in der Gesellschaft ist, daß und in welcher Weise Kopf und Gesicht zu Objekten der Gewalt (schon bei Kindern) werden; in den dreißiger Jahren waren es (auf den Schulhöfen) die Genitalien, an denen die Gewalt sich erprobte. Liegen die Angriffe auf den Kopf nicht in der logischen Konsequenz der Friedhofschändungen, und kehrt auf diesem Wege nicht Auschwitz an den Tatort zurück? Was haben die Großeltern dieser jugendlichen Delinquenten in der Nazizeit gemacht?
Assur und Babylon, Ninive und Babel: Ist nicht Assur der Typos der reinen Militärmacht, Babel hingegen der der Tempelwirtschaft: die früheste Gestalt der Marktwirtschaft? – Assur hat Jerusalem nicht einnehmen und zerstören können, wohl aber Babel. Vgl. hierzu die Gestalt des Jeremias.
Ist die Grenze der Anwendung des Weltbegriffs, die Tatsache, daß er auf Tiere, nicht jedoch auf Pflanzen sich anwenden läßt, darin begründet, daß das dem Weltbegriff logische zugehörige Subjekt der Selbstbewegung fähig sein muß? Deshalb gibt es eine kopernikanische („heliozentrische“) Welt. Ist nicht der Weltbegriff ein Tierbegriff, und beginnt das Humanum nicht erst mit der Übernahme der Sünde der Welt? – Liegt hier ein Hinweis auf die Lösung des Problems der Tiere (des „Behemot“, aber auch des Leviatan, des Rahab, der Tiere vom Wasser und vom Lande, der Tiere mit Köpfen, Kronen und Hörnern, der Zahl 666) im Kontext der Weltuntergangsvisionen in der Apokalypse?
Sind der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis Repräsentanten von Barmherzigkeit und Gericht? Durch die Erkenntnis des Guten und Bösen gewinnen die Menschen Anteil an der richtenden Gewalt. – Hat der Baum des Lebens dann etwas mit der Gebärmutter zu tun (und mit den messianischen Aspekten des Weiblichen: mit der Feindschaft zwischen dem Weibe und der Schlange und mit den Schmerzen des Gebärens nach dem Sündenfall)?
Haben die Blinden und die Tauben (Mt 115, Lk 722) etwas mit den Juden und Christen zu tun: Sind die Christen taub (und deshalb paranoid, seit sie das Hören durch den Gehorsam ersetzt haben) und die Juden blind? Vgl. die einzige Stelle, an der Jesus einen Taubstummen heilt (Mk 730, auch 925).
Wäre es nicht ein legitimes Ziel des jüdisch-christlichen Dialogs, die Christen von ihrer Taubheit und die Juden von ihrer Blindheit zu befreien?
Jes 4218ff: Ihr Tauben, höret, und ihr Blinden, schauet her und sehet! Wer ist blind, wenn nicht mein Knecht, und taub wie mein Bote, den ich sende? Wer ist blind wie der Gottgeweihte und taub wie der Knecht des Herrn? Viel hast du gesehen, doch nicht beachtet, hast mit geöffneten Ohren nicht gehört.
Gibt es einen Zusammenhang mit Ochs und Esel:
– Jes 13: Der Ochse kennt seinen Meister, der Esel die Krippe seines Herrn;
– Deut 154: Du sollst dem Ochsen, der da drischt, das Maul nicht verbinden;
– der gordische Knoten, den Alexander durchschlagen hat, war der Knoten, der das Joch des Ochsens mit der Deichsel des Ochsenkarrens verband; aber
– der Messias reitet auf einem Esel in Jerusalem ein, Sach 99.
Ist der Ochse (die Philosophie) taub und der Esel (die Prophetie) blind? Die Philosophie ist seit ihrem Ursprung taub (das begründet die Stellung und Funktion der Formen der Anschauung in der transzendentalen Logik Kants), und zwar taub durch den Begriff, der das Hören (das dann die Kirche in den Gehorsam verfälscht hat) sabotiert. Ist nicht der Begriff (und die indogermanische Sprache) taub und der Name (die semitische Sprache) blind (wie die Klugheit der Schlangen und die Arglosigkeit der Tauben)?
Erweist es sich nicht heute, daß die Taubheit (die Verwechslung von Hören und Gehorsam) schlimmer ist als die Blindheit? Ist nicht die Trinitätslehre, das Produkt des Versuchs, eine Theologie ohne Umkehr zu etablieren, zum Symbol der Taubheit geworden (sie macht die Theologie taubstumm: zur Theologie hinter dem Rücken Gottes)?
Und er ging hinaus und weinte bitterlich: Öffnet nicht erst das Weinen die Ohren (während das Lachen sie verschließt)?
Zur Blindheit vergleiche die Gestalt des Tobit (und das Buch Tobias, in dem Tobit wieder sehend, aber Ninive am Ende doch zerstört wird).
Jesus hat die Blinden und den Taubstummen durch eine Mischung aus Speichel und Erde geheilt? -
10.11.93
Die Welt ist immer Welt für jemanden (für andere): Es gibt die Welt des Jägers, und es gibt die Welt der Maus. Aber beide werden als Welt bestimmbar nur von außen: für andere (als den Jäger oder die Maus). Liegt die Grenze des Weltbegriffs zwischen Pflanze und Tier (oder gibt es eine Welt der Rose, der Eiche, des Farns)? Der Preis für die Hypostasierung der Welt ist ihre Subjektivierung. Die Welt ist das Produkt der Vergesellschaftung und Anonymisierung des Subjekts, ihr liegt kein bestimmtes Subjekt mehr zugrunde, nur noch das „Absolute“: die Leugnung Gottes durch den Staat, als welcher das Absolute bei Hegel sich enthüllt.
Das Problem der Kirche scheint heute darin zu liegen, daß die Welten der Eltern und ihrer Kinder logisch unversöhnbar geworden sind.
Zu Marie Theres Fögen, Die Enteignung der Wahrsager: Ist die Trinitätslehre nicht deshalb zur Römischen Staatsreligion geworden, weil sie das einzige Mittel war gegen die Paranoia der Caesaren? Aus dem gleichen Grunde stammen das Bekenntnis und die Opfertheologie; und zwangslogisch folgte die den historischen Aufklärungsprozeß begründende Konstituierung des Objektbegriffs. Die Dogmatik ist ein Teil der res publica (die als der geschichtsphilosophische Grund des Dingbegriffs zu bestimmen ist): sie steht unter dem Gesetz der Öffentlichkeit.
Schwert, Hunger, Pest und wilde Tiere: Was wird hier mit dem Wort Pest bezeichnet? Gibt es das zweischneidige Schwert erst in christlichem Kontext (in der Apokalypse)? -
09.11.93
09.11.93
Die Sünde der Welt ist die Idee des Absoluten als Inbegriff der Trennung von Gott: die systemgewordene Verweigerung der Umkehr.
Es gibt einen inneren Zusammenhang der Logiken des Feuers, des Namens und des Angesichts, der sich dem erschließt, der den Raum begreift. Denn der Raum ist nicht die Form der Gleichzeitigkeit, sondern die Grenze gegen die Vergangenheit.
Hat die Bindung Isaaks (der Schrecken Isaaks und das Lachen) etwas mit dem Binden und Lösen zu tun?
Die Instrumentalisierung des Kreuzestodes ist der innertheologische Grund des kirchlichen Antijudaismus. Seitdem ist der Kreuzestod in allen Pogromen, Ketzer- und Hexenverfolgungen präsent.
Grund der Prophetie war einmal das Votum für die Armen und die Fremden. Heute machen wir die Fremden zu Armen und die Armen zu Fremden.
Zum Begriff des Sklavenhauses Ägypten (Mizrajim, Zufluchts- und Unterdrückungsort der zwölf Stämme Israels): Ist der Tierkreis ägyptisch, und sind die Planeten babylonisch?
Die Welt ist das Prinzip der Anonymisierung von Schuld, Grund des Schuldverschubsystems.
Gibt es Hinweise dafür, daß die Werte der Gravitationskonstanten und der Lichtgeschwindigkeit (gemeinsam und in wechselseitiger Abhängigkeit) zeitabhängig sind? -
08.11.93
Der Mensch ist nach dem Bilde Gottes erschaffen: Heißt das nicht auch, daß wir nur in Seinem Angesicht unseres wiederfinden?
Jede Verwaltung wird auch im Rechtssinne kriminell, wenn sie den Schutz der Staatsgewalt, für die sie tätig ist, verliert. Die Gemeinheit, die vorher kein Straftatbestand war, wird es mit dem Ende des Staates, in dessen Namen sie begangen wurde.
Was bedeuten eigentlich die Prophetennamen, und ist nicht die Sonderstellung des Ezechiel (auch Daniel, Joel) unter anderem durch den Gottesnamen „El“ in seinem Namen bedingt?
. Hosea – (JHWH ist) Hilfe (Nordreich Israel, 750 – 725)
. Amos – der (von JHWH) Getragene (aus Tekoa in Juda, ab 750)
– Jesaja – JHWH hat geholfen (Jerusalem, 2. H. 8. Jhd.)
*/- Micha(el/ja) – wer ist wie (Gott/JHWH) (Juda, 2. H. 8. Jhd.)
* Nahum – Tröster (Juda, 7. Jhd.)
– Zefanja – JHWH hat geborgen (Juda, letztes Drittel d. 7. Jhd.s)
– Jeremia – JHWH gründet (Jerusalem, 627 – 587)
. Habakuk – (ein Gartengewächs) (Juda, ~600)
* Ezechiel – Gott möge kräftig machen (babyl. Exil, 593 – 571)
. Haggai – am Festtag geboren (Jerusalem, ~520)
– Sacharja – JHWH hat sich erinnert (Juda, Jerusalem, ~520)
. Maleachi – mein Bote (Jerusalem, 5. Jhd.)
-/* Joel – JHWH ist Gott (Jerusalem, 1. H. 4. Jhd.)
– Obadja – Knecht JHWHs (?, Gesicht über Edom)
. Jona – Taube (~760, geschr. ?)
* Daniel – Gott richtet (ab 597, geschr. ~165)
Wer ist Lot:
– Lot war Fremder in Sodom (und hat die Engel Gottes in sein Haus aufgenommen),
– Rahab war Einwohnerin in Jericho (die die Boten Josues aufgenommen hatte) und
– die Benjaminiten sind die Bewohner Gibeas, aus welcher Stadt Saul stammt; aber nicht sie, sondern ein Fremder hat dem Leviten und seiner bethlehemitischen Nebenfrau Gastfreundschaft gewährt.
Gleicht nicht die Wiederherstellung der deutschen Einheit einer operativen Trennung siamesischer Zwillinge, von denen eines den Eingriff überlebte? Wie sind die Überlebenschancen bei der Trennung siamesischer Zwillinge?
Wer heute den „großen Lauschangriff“ fordert, hat aus der Stasi-Katastrophe nichts gelernt. -
07.11.93
Cohen, S. 171: Unter Hinweis auf Jesaja: „Wenn du einen Nackten siehst, daß du ihn kleidest, und deinem Fleische dich nicht entziehst“, ergänzt Hermann Cohen: „Der Arme ist dein Fleisch“. Das Brot der Eucharistie ist das Fleisch, weil es durchs Brotbrechen aufs Austeilen und die Gemeinschaft bezogen ist.
Ist das gegen die Geschlechtsbezogenheit gleichgültige Adjektiv Ursprung und Modell des Neutrum (des Weltbegriffs)?
Es gibt kein göttliches Attribut, das auf den Habitus des passiven Zuschauens (des Genießens) abgestellt ist.
Gegenstand der Theologie hinter dem Rücken ist der gefallene Gott, der Gott für andere. Ist Gott der Kirche nicht endgültig entfallen?
Die Geschichte der Naturwissenschaften gehört zur dritten Phase der Geschichte der drei Leugnungen Petri (der Naturbegriff liegt der Leugnungsgeschichte insgesamt zugrunde). Sie endet in der Tat heute in der Selbstverfluchung. Der Antisemitismus gründet darin, daß die Existenz der Juden (und die Geschichte, für die sie stehen) hieran (an das christliche Urschisma) erinnert.
Nimmt nicht die Abtreibungsdebatte in der Theologie heute die Stelle ein, die vorher der Antijudaismus besetzte?
Der biblische Begriff der Einsicht läßt sich mit dem Hinweis darauf erläutern, daß heute Einsicht in politische Entscheidungen nicht mehr zu vermitteln ist. Ist die „Politikverdrossenheit“ ein Systemeffekt? Einsicht ist Einsicht in die Gründe: auf Praxis bezogen und durch Praxis vermittelt, innerhalb einer ontologisch vorbestimmten Welt (in der nur noch Zuschauer und Genießende ein Existenzrecht haben) nicht zu halten. Die Armen und die Fremden (ihr Ausschluß aus der Erkenntnis durch die Philosophie) repräsentieren das Schicksal der Einsicht und der benennenden Kraft der Sprache (ihre Neutralisierung durch den Begriff).
Die vollendete Welt: die Auflösung der (in der Utopie terminierten) Spannung und die Selbstzerstörung des Grundes, oder der vergangene Himmel und die zernichtete Erde. „Himmel und Erde“ ist kein mythischer Ausdruck für „alles, was ist“ (und die creatio mundi ex nihilo kein anderer Ausdruck für den ersten Satz der Genesis).
Cohens Bemerkungen über Ezechiel (Jecheskel), über den Zusammenhang von Individualisierung, Bewußtsein der Sünde, Bekenntnis und Vergebung der Sünde, seine Bemerkungen zum Begriff des Menschensohns: wie hängt das zusammen mit dem ezechielischen Bild der Auferstehung und der Merkaba-Vision?
Ist die Blendung durch die Sonne nicht ein Denkmal der Trennung vom Angesicht?
Gehört der hebräische Name der Barmherzigkeit zu den Verständnisvoraussetzungen der Bedeutung Evas in der Geschichte vom Sündenfall und der messianischen Wehen? Die Abtreibungskampagne gehört zur Geschichte Adams, der Schlange und des Staubs beim Sündenfall. -
05.11.93
Wie hängen das Aufspannen (des Himmels) und das Gründen (der Erde) zusammen, sind beide nicht wechselseitig als Voraussetzung aufeinander bezogen? Hat das Aufspannen und Gründen etwas mit dem Binden und Lösen zu tun (Orion und Plejaden, das Siebengestirn; hat Nimrod etwas mit dem Orion, und das Siebengestirn mit den sieben Völkern Kanaans, zu tun?)
Sind die Ninive-Geschichten (Nimrod, Sanherib, Jona, Tobias, Jesaja, Nahum, Sephanja) nicht interessanter als die Babel-Geschichten?
Geschichtsphilosophie des Symbols, der Allegorie und der Metaphorik (Geschichte der Mathematik und Grundlegung der Sprachphilosophie; der Tierkreis und die Logik des Charakters). -
01.11.93
Sind Brot und Wein Symbole für Nomen und Verb (sind Wein – und die Trunkenheit -, sowie Wasser und Blut gemeinsame Symbole des Verbs; und ist das Nomen nicht das abgestorbene – gemordete -und wieder auferstandene Verb)?
Die Nomina werden bestimmt durch Kasus (die „Fälle“), Geschlecht und Numerus, die Verben durch Modus, Tempus und Person.
Hermann Cohen (Religion der Vernunft, S. 89, vgl. auch S. 120) weist zu 4 Mos 208: „… und redete vor ihren Augen mit dem Felsen, daß er sein Wasser spendete“, darauf hin, daß Moses nach rabbinischer Tradition sich verfehlte („Gott als Geist verleugnete“), weil er auf den Felsen geschlagen hat, anstatt ihm durch das Wort das Wasser zu entlocken.
Adam, die Schlange und der Staub: Begriff und Vorstellung der Materie repräsentieren die zurückgestaute Kraft des Namens (und den Grund der Trunkenheit). Sie gründen in der selbstreferenziellen Struktur des Systems und konstituieren das projektive Moment in jeder begrifflichen Erkenntnis (keine Projektion ohne Mordlust).
Der Grund repräsentiert die benennende Kraft in der Erkenntnis: So hängt er mit dem Begriff der Materie, der ihn zugleich neutralisiert, zusammen.
Die Orthogonalität begründet die Negativität (das mathematische Element: die Ununterscheidbarkeit von Positivem und Negativem, von Richtung und Gegenrichtung) im Begriff der Dimension.
Beziehen sich die „Attribute des Seins“ (Cohen, S. 109): die Einheit, die Allmacht und die Allwissenheit, nicht auf die transzendentalen Totalitätsbegriffe: Welt, Natur und Wissen?
Das Opfer: eine Vorform des Tauschprinzips?
Ist der Löwe der Typos der Geldwirtschaft (und das Lamm Typos des Schuldenopfers)?
War das Opfer der Söhne und Töchter, die „durchs Feuer geschickt“ wurden, ein Opfer an den Drachen, und hängt es zusammen mit dem Staub, zu dem Adam wird und den die Schlange frißt?
Ist der Adressat des Erstgeburtsopfers (siehe die Exodusgeschichte) nicht der gleiche Dämon, dem der Ursprung des Staates und der Philosophie sich verdankt?
Die Ambivalenz des Lachens rührt her von seiner Beziehung zum Schmerz. Ist nicht heute alles Lachen projektives Lachen (der verdrängte, nicht der aufgehobene Schmerz): Schadenfreude (nach dem deutschen Sprichwort die „beste Freude“) ist das Gegenteil der Freude, ein Instrument der Selbsterhaltung der Ichschwäche. Setzt sich, wer sich das Lachen der Verzweiflung verbietet, nicht dem Irrsinn aus?
Das wirkliche Objekt des Darwinismus ist nicht die Naturgeschichte, sondern die Wirtschafts- und Geistesgeschichte.
Die Anwendung des Schiller-/Hegelschen Satzes „Die Weltgeschichte ist das Weltgericht“ auf den Darwinismus führt zu dem Resultat, daß alle Tiere verurteilt sind und nur als Verurteilte (als Gattung) überleben.
Hat das Joch des Jeremias etwas mit dem Gordischen Knoten (und mit Alexander) zu tun?
Ist die Beziehung des ersten Teils des Stern der Erlösung zum Mythos in der Funktion des Naturbegriffs, seiner Bedeutung für die Konstruktion des Ganzen, begründet? Und ist deshalb der „Übergang“ zur Offenbarung nur mit Hilfe des Erkenntnisgebrauchs der Umkehr, die allein das projektive Moment im Anfang tilgen kann, möglich?
Der Naturbegriff ist das Produkt der verweigerten Umkehr. Deshalb bezeichnet er aufs genaueste die „Pforten der Hölle“. -
20.10.93
Läßt sich die Struktur der hebräischen Sprache aus der Weigerung, sich der Logik des Andersseins anzugleichen, erklären? -Deshalb ist der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ein eifersüchtiger Gott, deshalb hat er keine anderen Götter „sich gegenüber“. Und Hegels Atheismus gründet in dem Satz: Das Eine ist das Andere des Anderen.
Durch Positivität verfällt die Trinitätslehre dem Anderssein, dem Götzendienst.
Zum Problem der Gematria: Ist nicht die Trennung der Mathematik von der Sprache in Alexanders Tat: der Durchschlagung des gordischen Knotens, symbolisiert (Trennung von Joch und Deichsel)?
Hypothese:
– Der Islam ist die ins Semitische übersetzte Philosophie (Rezeption des Weltbegriffs: ist nicht die creatio mundi ex nihilo eine islamische Erfindung?),
– das Christentum hingegen der Versuch, die Offenbarung ins Griechische zu übertragen (Feuer sollte es werden, und eine Sintflut ist es geworden). -
19.10.93
Die Beziehung des Begriffs zum Objekt (im Urteil) ist obszön: das Aufdecken der Blöße des Objekts und seine Vergewaltigung zugleich.
Das Objekt ist die Blöße der Sache und meine eigene zugleich.
Verweisen die Geschichten von den sieben unreinen Geistern nicht auf den Zusammenhang des kosmologischen und gesellschaftlichen Aspekts der antiken Astronomie (der Planetentheorie)?
Hat die Welt als Totalität des Andersseins sieben Wurzeln? So erscheint sie im Bilde des Unkrauts, das nicht ausgerissen werden soll. Aber die sieben Siegel wären zu lösen.
Das Eine ist das Andere des Anderen: Aber dieses Anderssein ist nicht einfach, sondern siebenfach.
Zwischen einer Theologie im Angesicht Gottes und einer Theologie hinter seinem Rücken liegt die Lösung der sieben Siegel.
Zu Maria Magdalena: Als sie Jesus nach der Auferstehung im Garten trifft (und mit dem Gärtner verwechselt), darf sie ihn nicht anrühren (denn er ist noch nicht zum Vater aufgefahren); Thomas dagegen soll ihn berühren.
In welchem Kontext steht (im Deuteronomium) der Satz von dem Rind, dem man beim Dreschen das Maul nicht verbinden soll; gibt es eine Beziehung zum gordischen Knoten, der das Joch und die Deichsel des Ochsenkarrens verknüpft, und den Alexander durchschlagen hat?
Entsteht nicht heute, nachdem die Folgen des Durchschlagens des Knotens offenkundig werden, die Gefahr, daß Politik auf des Verbinden des Maules des dreschenden Rindes sich zusammenzieht?
Die Pflanzen wurden vor der Sonne, dem Mond und den Sternen erschaffen (am dritten Tag), die Fische, die Vögel und die Tiere danach (am fünften und sechsten Tag).
Gründet nicht die Trennung der drei Weltreligionen in einem gemeinsamen Prinzip, das auch nur gemeinsam gelöst oder aufgehoben werden kann?
Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen; heißt das nicht: die Natur wird nicht siegen, aber auch: das Weltgericht behält nicht das letzte Wort?
Ist das „leer, gereinigt und geschmückt“ in der Geschichte von den sieben unreinen Geistern nicht auf
– die kopernikanische Wende,
– den bibelwissenschaftlichen Positivismus und
– die Remythisierung der Kirchen: die Errichtung komfortabler Religionsnischen
zu beziehen?
Hängt die Trennung von Leib und Seele mit der Trennung von Natur und Welt zusammen?
Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie