Das Geld zerrinnt im Gravitationsfeld der Bedürfnisse wie die Zeit in der Sanduhr.
Die JVA Weiterstadt sollte die Möglichkeit eines „humanen Strafvollzugs“ – was immer das sein mag – bieten. Frage: Wessen Vorstellung von einem humanen Strafvollzug und wessen Phantasie, liegen dem zugrunde? Wer ist in der Planungs- und Entwicklungsphase hinzugezogen und gehört worden? Sind ehemalige und noch einsitzende Strafgefangene hinzugezogen worden, Verteidiger (Strafverteidiger), Gefängnisseelsorger? Kann ein Strafvollzug human sein, der nicht von den Erfahrungen der Betroffenen ausgeht (aber gehört es nicht zum Wesen des Strafvollzugs, daß es die Erfahrungen der Betroffenen verdrängt)? Wird hier nicht Humanität mit dem Pflegeleichten verwechselt: Es soll der Verwaltung und den politisch Verantwortlichen möglichst wenig Probleme bereiten (deshalb das sterile Design, die Lage weitab von Wohngebieten, ohne unmittelbare Verkehrsanbindung, Cluster-Bau mit Kleingruppenstrukturen, die zwar von außen überschaubar und beherrschbar sind, im Innern jedoch die Kommunikationsschranken verstärken, die Kontakte im Innern und nach Außen erheblich einschränken: insbesondere für Angehörige und Verteidiger wäre die Anstalt nur noch schwer erreichbar). Aber nachdem das Ganze schon so teuer war, und jetzt zusätzlich unter dem durch den Anschlag der raf verstärkten Öffentlichkeitsdruck, sind diese Probleme, um die sich ohnehin niemand mehr kümmert, für die Öffentlichkeit endgültig tabu.
Gemeinheit ist kein strafrechtlicher Tatbestand: Ohne diesen Grundsatz (der sich aus der deutschen Staatsmetaphysik herleiten läßt) könnte es keine Knäste, keine Polizei, keine Staatsschutz-Gerichte und keine Staatsanwaltschaft geben. Gemeinheit gehört zu den (Ab-)Gründen des Strafrechts und des Rechtsstaats.
„Wenn die Welt euch haßt …“ Diese Erfahrung, in der die Erinnerung daran nachklingt, daß im Weltbegriff, in der Gestalt der Verknüpfung von Allgemeinheit und Öffentlichkeit, die er repräsentiert, das Urteil aller sich ausdrückt, wird durch den gleichen Weltbegriff, durch seine eigene Logik, unterdrückt, verdrängt, als erfahrungsfremde Natur, als Außenwelt abgespalten und neutralisiert. Das ändert am Sachverhalt nichts, hinterläßt nur ein Bewußtsein der Ohnmacht gegen die Welt, das dann an einer Theologie sich tröstet, die der Verantwortung für die Welt entsagt hat und sich damit begnügt, in Anlehnung an das allherrschende Prinzip der Selbsterhaltung in der Gestalt der Unsterblichkeit der Seele einen privaten Ausweg aus der Welt vor Augen zu stellen.
Stadt und Haus, der König von Babel und der Pharao:
– Ist die Stadt der Ort des Anschauens (Astronomie), das Haus der Ort des Denkens, des Begriffs (Pyramide)?
– Und hat das „gedacht“ etwas mit dem Dach des Hauses, oder umgekehrt: hat das Dach, das den Blick zum Himmel versperrt, etwas mit dem Denken zu tun, mit dem Begriff, unter den eine Sache gebracht wird?
„Es sind aber zwei Bedingungen, unter denen allein die Erkenntnis eines Gegenstandes möglich ist, erstlich Anschauung, dadurch dasselbe, aber nur als Erscheinung gegeben wird; zweitens Begriff, dadurch ein Gegenstand gedacht wird wird, der dieser Anschauung entspricht.“ (Kant, Kr.d.r.V., S. 119) Liegt die Unterscheidung von Anschauung und Begriff nicht der des Mathematischen und Dynamischen (Welt und Natur) zugrunde (und macht die Formulierung „dadurch ein Gegenstand gedacht wird, der der Anschauung entspricht“ nicht das projektive Element im Denken sichtbar)? Die Unterscheidung des Mathematischen und des Dynamischen ist keine Unterscheidung zwischen getrennten Objekten, von denen die einen mathematischer und die anderen dynamischer Natur wären, sondern die gleichen Objekten werden durch die Urteilsform in einen mathematischen und einen dynamischen Anteil aufgespalten, sie sind fürs Anschauen mathematisch (Teil der Welt), fürs Denken dynamisch (Teil der Natur). Entsprechen dem nicht die auch sprachlich unterschiedenen Erkenntnisbegriffe Kants, der feminine, natur- und objektbezogene (die Erkennnis) und der neutrale, welt- und begriffbezogene (das Erkenntnis)?
Mit den subjektiven Formen der Anschauung hat Kant zwar das Wissen begründet, aber der Erkenntnis (durch Neutralisierung der Umkehr) den Weg verstellt.
Sind nicht die Namen der Planeten Stationen einen genetischen Konzepts? Sonntag, Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag: Sonne, Mond, Merkur, Jupiter, Mars, Venus, Saturn. Die Reihe stimmt mit der nach Abständen von der Sonne geordneten Reihe nicht überein (1,(2, Mond),3,6,5,4,7). Ist nicht Venus der altorientalische, Saturn der jüdische Planet? Und wäre die Velikovskysche Hypothese nicht noch deutlicher zu machen, wenn man zur Venus-Katastrophe die Saturn-Katastrophe hinzunimmt?
„Nimrod … wurde der erste Held auf der Erde. Er war ein tüchtiger Jäger vor dem Herrn.“ (Gen 109) Worauf verweist die Unterscheidung „auf der Erde“/“vor dem Herrn“? Hat Nimrod etwas mit dem Orion, und dieser etwas mit dem Ursprung des Heros, zu tun?
Zur Lehre von der ewigen Wiederkehr des Gleichen: Ist das nicht der Versuch, der kopernikanischen Theorie von den Umläufen im Raum ein Konzept von ewigen Umläufen in der Zeit entgegenzusetzen, und zwar aus der immanenten Logik des Systems selber? Nietzsches Version der Lehre schließt jedenfalls an naturwissenschaftliche Spekulationen sich an?
Hat nicht die Geschichte von den drei Leugnungen Petri auch einen kosmologiekritischen Hintergrund?
Hängt nicht die Tatsache, daß Jesus in Gleichnissen redet (und handelt), mit Verschiebungen im prophetischen Erkenntnisbegriff nach dem Ursprung des Weltbegriffs zusammen? Die Kritik des Weltbegriffs ist die Voraussetzung (das Medium) der Rekonstruktion prophetischer Erkenntnis.
Die komfortable Zweiteilung der Prophetie in Heils- und Unheilsprophetie ist ein Produkt ihrer christologischen Vergegenständlichung. Sie hat den Vorteil, daß sie die Vergangenheit stillstellt, indem sie die Heilsprophetie auf Christus, die Unheilsprophetie auf die Juden abstellt. Der Preis ist der kirchliche Antijudaismus; die Juden haben ihn zahlen müssen, weil die Christen glaubten, sich die Nachfolge ersparen zu können.
Es gibt zwei Gestalten der christlichen Theologie. Die eine ist die paulinische; sie ist ein Theologie ex post. Die andere ist die johanneische (die Täufer-)Theologie, und das ist eine Theologie ex ante. Diese zweite ist verdrängt und unterdrückt worden, sie ist so interpretiert worden, daß sie präzise auf den Kopf gestellt worden ist. Das hat auch das Verständnis der paulinischen Theologie tangiert, sie entstellt. Die Täufertheologie besteht eigentlich nur aus zwei Sätzen:
Kehrt um, denn das Reich Gottes ist nahe.
Und:
Seht das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt auf sich nimmt.
Auf den Kopf gestellt wurde die Täufertheologie durch ein doppeltes Mißverständnis (oder durch zwei falsche Übersetzungen):
– Im ersten Satz wurde die freie Umkehr durch ein autoritäres Buße-Tun ersetzt;
– im zweiten Satz wurde das Auf-sich-Nehmen (der Sünden der Welt) als Hinweg-Nehmen (als Entsühnung der Welt) verstanden. Dieses Verständnis widerspricht zwar jeder Erfahrung der Welt (und den Abschiedsreden Jesu im Johannes-Evangelium); der Widerspruch zur Erfahrung wurde dann jedoch durch einen Begriff des Glaubens überbrückt, der seitdem die ganze Theologie verhext.
Was hier passiert ist, läßt sich wieder mit zwei Sätzen verdeutlichen:
– Die Umkehr und das Auf-sich-Nehmen der Sünden der Welt fallen unters Nachfolgegebot;
– das Buße-Tun und das Hinweg-Nehmen der Sünden der Welt (die „Entsühnung der Welt“ durchs „Opfer“ Jesu) leugnet die Nachfolge, ersetzt sie durchs Bekenntnis.
Bedeutet das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit nicht auch, daß das Licht dem Zeitablauf entzogen ist. Soweit das Licht dem Zeitablauf doch unterworfen ist, ist das Effekt, der dem Inertialsystem zuzurechnen ist, dieses System auf eine ganz neue Weise verzeitlicht (sic, B.H.). Den Schein des Überzeitlichen haben der Raum und das Inertialsystem allein vom Licht.
Hängt die Geschichte mit dem tohu wa bohu, der Finsternis über dem Abgrund und dem Geist Gottes über den Wassern mit den sechs Richtungen im Raum zusammen? Wären Goethes „Leiden und Taten des Lichts“ nicht über die Farben hinaus auf die Kosmologie und den Evolutionsprozeß zu beziehen? Gehören zu den Leiden und Taten des Lichts nicht auch die Sterne, die Umläufe der Planeten, das Leben der Pflanzen, der Tiere und am Ende auch der Menschen? Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Evolutionsgeschichte und der Geschichte des Sonnensystems?
Woher kommen die griechischen, lateinischen und deutschen Namen für Himmel und Erde (hängt Erde mit Er zusammen)?
Theologie
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31.03.93
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29.03.93
Fernsehen und Exkulpation: Unterhaltung hat u.a. die Funktion, Exkulpationsmodelle zu liefern, die eine Schuldabfuhr über Projektionsobjekte ermöglichen (erkennbar am Empörungsmechanismus).
Der Begriff des Reiches erscheint im AT nur im Buche Esra und bei Daniel (in der Apokalypse!). Im NT spricht Mt vom „Reich der Himmel“ (basileia ton ouranon), Mk, Lk (und gelegentlich Joh und Apg) vom „Reich Gottes“ (basileia tou theou). Bei Paulus ist das Reich Gottes Gegenstand der „Erbschaft“, er kennt außerdem das „Reich Christi“ und das „Reich des Sohnes“: Am Ende wird der Sohn das Reich dem Vater übergeben. Das Wort Reich hängt mit reg- König zusammen, auch in der adjektivischen Verwendung (reich im Gegensatz zu arm). Änderung der Bedeutung des Reichsbegriffs in der paulinischen Theologie (Zusammenhang mit dem apokalyptischen Millenarium?)
Der Antritt des Erbes setzt den Tod des Erblassers voraus. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die paulinische Theologie (für die das Reich Gottes – als „Reich Christi“, „Reich des Sohnes“? – Gegenstand einer Erbschaft ist)? Gibt es einen Zusammenhang mit dem Martyrium des Stephanus?
Der Name Imperium hängt mit parare, rüsten, sich zu etwas bereiten, zusammen: In ihm drückt sich das Moment der Verinnerlichung von Herrschaft aus.
Die subjektiven Formen der Anschauung tasten die Selbständigkeit der Dinge an: Sie verwandeln sie in ein „Gegebenes“, rücken sie in ein Herrschafts- und Besitzverhältnis. Die Bildung der Vorstellung des Raumes ist ein Begleitprozeß des Prozesses der „ursprünglichen Akkumulation“: Untersuche unter diesem Aspekt den Josefs-Roman, die Exodus-Geschichte und den Namen des Pharao (Haus und oikos). Beziehen sich nicht Sodom und die anderen Xenophobie-Geschichten auf Konflikte zwischen Haus und Stadt, und ist nicht der Tempel (das Haus Gottes) ein Symbol dieses Konfliktes?
Die ersten Städte in der Schrift (Vorgeschichte der Sprachverwirrung):
– die Von Kain gegründete und nach seinem Sohn Henoch benannte Stadt (Gen 417),
– Nimrod … wurde ein großer Held auf der Erde. Er war ein tüchtiger Jäger vor dem Herrn. … Kerngebiet seines Reiches war Babel, Erech, Akkad und Kalne im Land Schinar. Von diesem Land zog er nach Assur aus und erbaute Ninive, Rehobot-Ir, Kelach sowie Resen, zwischen Ninive und Kelach, die große Stadt (1012), und
– die Stadt Babel, in der die Menschen einen Turm bauen wollten, der bis an den Himmel reicht (114).
Und die ersten Häuser (Vorgeschichte des Tempels und des Gottesreichs):
– Noah und sein ganzes Haus (71),
– an Abram: Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters … (121),
– das Haus des Pharao (1215),
– die 318 Hausgeborenen des Abram (1414),
– Abram: Erbe meines Hauses (wird Elieser von Damaskus) (152).
Sind die toledot (des Schöpfungsberichts und der Genealogien) Haus-Geschichten? -
27.03.93
Die Beziehung des Wissens zur Vergangenheit wirft ein interessantes Licht auf das Problem des kantischen Apriori: Nur ein apriorisch konstituiertes Wissen ist zurechenbar, bringt das Wissen in einen ethischen Zusammenhang (Vorang der praktischen vor der theoretischen Vernunft). Gleichzeitig wirft es Licht auf den Begriff der Erbsünde: Auch Vergangenes, das mich in meinem Handeln bestimmt (das „Schicksal“), muß ich mir (als Sünde) zurechnen lassen. Aus der Beziehung des Wissens zur Vergangenheit ergibt sich zwanglos die Notwendigkeit der Umkehr, ihre Beziehung zur Erkenntnis und zur Idee der Wahrheit.
Auch Gefängnisse sind Stützen der Begriffsbildung (die Isolationshaft ist ein Exzeß der transzendentalen Logik).
Bezieht sich das Wort „Laß die Toten ihre Toten begraben“ (Mt 822) auf die Kirche?
Liegt nicht die politische Bedeutung des biblischen Schöpfungsberichts darin, daß das Licht vor der Sonne erschaffen wurde? Verweisen die drei ersten Schöpfungstage nicht auf die Erschaffung der Gegenwart (das Licht), die Trennung von Vergangenheit und Zukunft (der Wasser oberhalb und unterhalb des Firmaments) und die Begründung der Geschichte (Trennung des Landes vom Meer)? Demnach bezeichnet der Satz des Thales „Alles ist Wasser“ genau den Ursprung des Inertialsystems (des begrifflichen Denkens): die Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit.
Die Sünden der Welt: das sind die Sünden der verweigerten Umkehr.
Die Vertreibung der Taubenhändler (Joh 213: Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben) und der Geldwechsler: ist das nicht die Vertreibung der Kirchen und der Banken? Und ist heute nicht die ganze Welt zu einer Markthalle und Räuberhöhle geworden? -
24.03.93
Durchs Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit geht in die Vorstellung der Richtung (Dimension) im Raum ein zeitliches Moment mit ein, das insbesondere das Prinzip der Umkehrbarkeit, der Reversibilität aller Richtungen im Raum affiziert. Es gibt weiterhin zu jeder Richtung eine Gegenrichtung, aber diese Richtungen sind nicht mehr unverändert umkehrbar.
Sind die Längenkontraktion und die Zeitdilatation Produkt von Drehungen im Minkowskischen Raum-Zeit-Kontinuum?
Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit: Keiner kann über seinen eigenen Schatten springen. In welcher Beziehung steht dieser Schatten zur Materie? Verweist die Finsternis über dem Abgrund auf den Ursprung der Materie? Bezeichnet der Begriff der Materie den Schatten, den das System in die Dinge wirft?
Das Inertialsystem gleicht insofern einem selbstreferentiellen, autopoietischen System im Sinne Dirk Baeckers (Womit handeln die Banken, Ffm. 1991, S. 33ff), als der Realitätskontakt innerhalb des Systems nicht mehr zu bestimmen ist (diese Stelle nimmt im Inertialsystem das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit ein). Die System sind nach außen abgeschlossen und blind: Isolationshaftsysteme, und wie diese durch Sichtblenden gegen jede Außenwahrnehmung abgedichtet (ist nicht das Fernsehen die Sichtblende, die heute die Privatexistenz gegen die Außenwelt abschirmt? Das Fernsehen instrumentalisiert heute in einem Maße die Information, daß es von einem Lenkungsinstrument nicht mehr sich unterscheiden läßt.).
Ist nicht die Systemtheorie das Modell der vollständigen und restlosen Selbstinstrumentalisierung?
Vor diesem Hintergrund wird die affektive Aufladung des Sinnbegriffs seit Heidegger in Deutschland (die von den Franzosen nicht wahrgenommen worden ist: sie haben Sinn weiterhin schlicht als Bedeutung verstanden) verständlich: In der Isolationshaft wird der Spalt, der allein noch einen Blick aus der Zelle auf den realen Himmel ermöglicht, zum Repräsentanten der ganzen Welt, die unerreichbar geworden ist (vgl. Heideggers eingeschrumpfte Repräsentationsbegriffe wie Eigentlichkeit, In-der-Welt-Sein, Mit-Sein u.ä.).
Wie ist das mit den Samaritern (der barmherzige Samariter, die Samariterin am Brunnen) im NT?
Num 3355: Wenn ihr die Einwohner des Landes vor euch nicht vertreibt, dann werden die, die von ihnen übrigbleiben, zu Splittern in euren Augen und zu Stacheln in euren Seiten. Vgl. hierzu:
– Mt 74f: Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Laß mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken. (sh. auch Adorno: Balken als Vergrößerungsglas, Minima Moralia)
– Gen 221: Heißt es hier, bei der Erschaffung Evas, Rippe oder Seite?
Joh 1934: … einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floß Blut und Wasser heraus.
Ps 1395: Du umschließt mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich.
Jer 203: Nicht mehr Paschhur nennt dich der Herr, sondern: Schrecken um und um. (Paschhur: ägypt. „Sohn des Horus“, hier ein Priester in Jerusalem, der Jeremias für eine Nacht in den Block legte.)
Kann es sein, daß in biblischen Texten die „Seite“ primär auf die Linke sich bezieht, während die Rechte in der Regel als Rechte auch benannt wird? Sind das Geld und der Raum (und das Bekenntnis) die linke Seite?
Haben Auge und Seite in Num 3355 etwas mit den subjektiven Formen der Anschauung (mit Raum und Zeit) zu tun?
Zu Auge und Seite vgl. auch Jos 2313 (Rücken und Auge), Ez 2824 (Dorn und Stachel), Hos 1314 (Scheol, wo ist dein Stachel), Apg 2614 (Saul, Waul, warum verfolgst du mich? Es wird dir schwer fallen, gegen den Stachel auszuschlagen), 1 Kor 1555 (Tod, wo ist dein Stachel), Off 910 (Sie haben Schwänze und Stacheln wie Skorpione).
Sieben hellenistische Diakone: Philippus hatte vier prophetische Töchter, aber was hat es mit Nikolaus und den Nikolaiten auf sich (sind in dem Namen nicht nikä und laos enthalten)?
Für den Kammerdiener ist der Held kein Held (Hegel), und: Mache dich nicht gemein mit den Spöttern (vgl. Ps 11 und 2 Pt 33). Erzieht nicht das Fernsehen die Menschen zu Kammerdienern und Spöttern?
Welches sind
– die sieben Todsünden,
– die sieben Gaben des Heiligen Geistes und
– die sieben Werke der Barmherzigkeit?
Thomas a Kempis: Die Verwechslung der Nachfolge Christi mit der Nachahmung.
Sind Himmel und Erde, tohu wa bohu und Abgrund und Wasser aufeinander bezogen: Enthüllt sich das tohu als Abgrund, und das bohu als Wasser? (Im Raum gibt es ebenso viele Richtungen wie Flächen, und ebenso viele Punkte wie Räume.)
Zum Ursprung der casus: Entspricht nicht der Genitiv-Ökonomie eine Dativ-Religion und eine Akkusativ-Politik? Sind Geld und Bekenntnis ähnlich auf einander bezogen wie Raum und Zeit? Heißen nicht die Planeten jenseits des Saturn Uranus und Pluto? -
23.03.93
Womit die Banken handeln: Ist es nicht schlicht und einfach fremder Leute Geld? Und sind die Banken nicht das Modell der repräsentativen Demokratie: Wie bei den Banken ihr Geld, so geben die Bürger bei der Wahl ihre Stimme ab; was dann mit beiden geschieht, darauf haben sie keinen Einfluß mehr, sie wissen es nicht einmal mehr (vgl. das Verhältnis von Kirche und Bekenntnis).
Was im Planetensystem selbsttätig, nämlich durchs Gravitationsgesetz, zu funktionieren scheint, muß im Geld-Kosmos durch Zentralbanken reguliert werden. Hat der Dopllereffekt etwas mit einer im Kosmos eingebauten Inflationsrate zu tun?
Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn: Die Zuordnung der Planeten zu den Wochentagen entspricht nicht der Reihenfolge ihres Abstands von der Sonne.
Kann es sein, daß die Lösung des Rätsels der sogenannten Venus-Katastrophe in dem Satz liegt: Geld macht sinnlich. Und ist das nicht auch ein Hinweis auf das Verhältnis der Venus zum Merkur? Aber die Sinnlichkeit ist die Quelle der Gewalt und des Kriegs, die dann mit Hilfe des Rechts und des Staats zu domestizieren versucht worden sind. Aber sind diese Fortschritte nicht ebensosehr Rückfälle, Regressionen?
Ist nicht das Schema Hure/Heilige ein Nachklang des astrologischen Verhältnisses von Erde und Venus? Und ist nicht dieses Echo im Namen des Materialismus festgehalten, in dem die mater anklingt, aber auch das Geld, der Egoismus und die Sinnlichkeit, die Sexualität? Merkwürdig, daß Jupiter und Mars eher idealistische Konnotationen mit sich führen: Ist nicht der Gegensatz Idealismus/Materialismus an den Gegensatz von Welt und Natur gebunden?
Ist nicht das Rosenzweigsche Konzept der Umkehr der Versuch, das Ergebnis des Objektivationsprozesses von der Sünde der Instrumentalisierung zu erlösen? Und sind nicht in der Tat die Sünden der Welt die Sünden der Instrumentalisierung?
Das Herrendenken sanktioniert den Schuldzusammenhang, macht ihn zur Natur. Dagegen steht das verteidigende, parakletische Denken, auch im Verhältnis zur Natur: als Kritik und Auflösung des Naturbegriffs.
Mit der Trennung des jüdischen und christlichen Wegs, und der Anerkennung auch des christlichen Wegs, hat Franz Rosenzweig den Christen den Tikkun übertragen. Ist nicht Franz Rosenzweig Christ geworden, als er Jude blieb?
Waren nicht die Schreiber die Herren und Verwalter der Sprache?
Sind die Schafe mitsamt den Schäfern nicht ein entsetzliches Bild der Trägheit, und gehören dazu nicht die Hunde?
Das „Alte Testament“ ist die babylonische Gefangenschaft der Tora. Und hatte Jesus nicht recht, als er sagte, daß eher Himmel und Erde vergehen werden, bevor auch nur ein Jota vom Gesetz vergeht (vgl. Lk 1617): Himmel und Erde sind (mit dem Weltbegriff: dem Konzept der creatio mundi und der Entsühnung der Welt durch den sogenannten Opfertod am Kreuz) vergangen. Damit war auch die Tora vergangen, domestiziert, zu einer Waffe des Antijudaismus geworden. Die Erben der griechischen Barbaren: für die Christen waren das die Juden, die Heiden, die Ketzer (und die Erben der Natur und Materie? – Himmel und Hölle, die Eucharistie und das verdinglichte Wort?).
Haschamajim: Sind es nicht die Feuer der Kritik, die die unteren Wasser in die oberen, den Mythos in Segen verwandeln? Und bezieht sich darauf nicht das Wort vom Binden und Lösen? Die Gebete der Heiligen sind Gott ein süßer Geruch (Reinhold Schneider: Allein den Betern kann es noch gelingen …). Und: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Und wie froh wäre ich, es würde schon brennen. (Lk 1249) -
21.03.93
Der Andere und der Fremde: Der Andere ist (wie das Eigentum) systemimmanent, die Welt Inbegriff des Andersseins (mit dem Sein als verandernder Kraft: Grund der grammatischen Struktur der indogermanischen Sprachen als Privateigentümer-Sprachen?), der Fremde hingegen ist wie der Arme systemtranszendent (deshalb ist Hegel zufolge die bürgerliche Gesellschaft bei all ihrem Reichtum nicht reich genug, um der Armut und der Erzeugung des Pöbels zu steuern: ist nicht der „Pöbel“ der aufgrund seiner Identifikation mit dem Aggressor xenophobe Repräsentant des Fremden im Innern der Privateigentums-Gesellschaft?).
Die Welt wird definiert durch das Anderssein (als Produkt von „Ent“-Fremdung): als Inbegriff aller Gegenstände des Wissens und als potentielles Eigentum.
Die Verwechslung des Fremden mit dem Andern (die in der Beziehung des Denkens zum Raum gründet) macht ihn zum potentiellen Eigentum, sie eröffnet und begründet eine Logik, die man als Mord-Logik bezeichnen kann.
Die Hegelsche Philosophie ist als Welt-Philosophie die Philosophie der absoluten Entfremdung: Hier ist alles Fremde, das bei Kant noch unter dem Namen der Dinge an sich erinnert wird, getilgt.
Barbaren, Natur, Materie: Der Begriff der Materie konstituiert sich im Verhältnis zum Inertialsystem, dessen Kern die Form des Raumes ist. Materie und Zeit scheinen „von außen“ in den Raum hereinzukommen, aber welches Außen gibt es gegen den Raum? Nur die zeitliche: die Zukunft und die Vergangenheit; wenn die Materie (das absolut Entfremdete) als Repräsentant der Zukunft, des Neuen, gefaßt werden kann, so ist die Zeit Repräsentant der Vergangenheit, die die Zukunft (die Materie) unter sich subsumiert und denaturiert. Fremdenhaß ist Haß auf die Zukunft (die nach einem Spruch an der Startbahnmauer „auch nicht mehr das (ist), was sie einmal war“). „Vergeßt die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.“ (Hebr 132)
Die Sünden der Welt hinwegnehmen? „Jetzt aber ist er am Ende der Zeiten ein einziges Mal erschienen, um durch sein Opfer die Sünde zu tilgen (aufzuheben: athetäsin täs hamartias). … so wurde auch Christus nur ein einziges Mal geopfert (prosenechtheis), um die Sünden vieler hinwegzunehmen (aufzuopfern: to pollon anenengkein hamartias) …“ (vgl. Hebr 926ff)
Ist nicht das Sünden-Vergeben (aus der Unfreiheit der Sünden Befreien) eine Folge des Auf-sich-Nehmen der Sünden der Welt? -
20.03.93
Die Einheit der Welt ist die Einheit des Herrschafts-, Schuld-und Verblendungszusammenhangs. Die Welt bezeichnet den Herrschaftszusammenhang, der sich auf den Schuldzusammenhang der Natur und den Verblendungszusammenhang des Wissens stützt.
Das Schicksal verurteilt zur Schuld, die Welt verurteilt zur Natur.
Wenn einer das „ganze Gewicht seiner Persönlichkeit“ einsetzt, macht er sich dann schwer?
Mene, mene, tekel, pharsin: Gewogen und zu leicht befunden. Bezieht sich das auf den Ursprung der Schrift (die Schrift an der Wand)?
Banken: der sich auf sich selbst beziehende Schuldzusammenhang. Hat Hegel etwas über Banken geschrieben? Gibt es eine Geschichte der Kunden der Banken?
Orientiert sich das Marxsche Konzept von Unterbau und Überbau nicht am scholastischen Konzept von Natur und Übernatur? -
19.03.93
Beschreiben die drei evangelischen Räte nicht die vollständige Umkehr:
– Der Gehorsam das Im Angesicht (vorn und hinten),
– die Armut die Barmherzigkeit (rechts und links) und
– die Keuschheit die Nachfolge (oben und unten)?
Sie hängen zusammen mit der Geschichte der Schrift, des Geldes und des Staates. Der Gehorsam bezieht sich auf die Schrift, die Armut auf das Geld und die Keuschheit auf den Staat.
Die dogmatische Theologie insgesamt ist politische Theologie, und das auf eine verhängnisvolle Weise vor allem dort, wo sie es nicht weiß.
Das Sechstagewerk ist auch Teil einer mystischen Erkenntnistheorie.
Das Thalessche „Alles ist Wasser“ macht die Trennung des zweiten Schöpfungstages rückgängig: es zerstört das Firmament, den Himmel, und eröffnet die Philosophie. -
18.03.93
Nach Raymond Bogaert „Grundzüge des Bankwesens im alten Griechenland“ wurden Eingänge (Einzahlungen) im Genitiv, Ausgänge (Auszahlungen, Kredite) im Dativ bezeichnet (S. 11). Kann es sein, daß Genitiv und Dativ Links und Rechts (die Seiten) bedeuten? Und sind Genitiv und Dativ die sprachlichen Repräsentanten des Tauschs? Die Banken verwalten das Tauschprinzip wie die Planeten das Inertialsystem.
Die Anschauung abstrahiert von der eigenen Verstrickung ins Angeschaute; das Produkt dieser Abstraktion ist die Form des Raumes. Und sie überantwortet damit das Angeschaute den Gesetzen der Projektion (Barbaren, Natur, Materie).
Die ersten Privatbanken sind von Sklaven gegründet worden, generell liegt ihr Ursprung im Bereich des Opferwesens und der Tempelwirtschaft. Das Bankenwesen ein Begleitinstitut der Lohnarbeit, die den Systemcharakter des Geldes begründet? Die Bankentürme in der Skyline Frankfurts stehen in der Tradition des Turms von Babel.
Die Tradition des Opfers und ihre Verinnerlichung in der dogmatischen Theologie gehören zu den Fundamenten des Bankenwesens.
Die Instrumentalisierung des Opfers macht sich gemein mit dem Mord und leugnet das Antlitz (Kruzifix und Münze).
Sein, Haben und Werden, das sind die objektiven, naturhaften (den Naturbegriff begründenden) Hilfszeitverben. Ist nicht das Sein die veranderte Gegenwart, das Haben und das Werden die zukünftige Vergangenheit und vergangene Zukunft? Vergleiche die beiden Bildungen „Ich werde gehabt haben“ und „Ich werde geworden sein“ (aktives und passives Futur II).
Wann sagte Jesus: Bei Gott ist kein Ding unmöglich? Mt 1926, Mk 1027 und Lk 1827: Nach dem Wort über den Reichen, das Kamel und das Nadelöhr.
Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Im Sechstagewerk nutzt er dann den Himmel als Namen für die Feste, die die Wasser oben von den Wassern unten scheidet, und die Erde zur Hervorbringung der Pflanzen und Tiere. Die Finsternis über dem Abgrund nennt er nach der Erschaffung des Lichts Nacht, und die Wasser, über denen der Geist Gottes schwebt, trennt er durch das Firmament (Schuld und Segen).
Wer das Leben aus den Leiden und Taten der Atome und Moleküle herleiten will, verhält sich ähnlich wie der, der das Wachsen der Bäume aus dem darin investierten Kapital herleitet.
Die Merkaba ist sprachlichen Wesens, und wer sie entschlüsselt, begreift den Ezechiel.
Zu dem Siebengestirn Cohen, Rosenzweig, Bloch, Benjamin, Lukacs, Horkheimer und Adorno den Orion finden. (Vgl. Hi 3831, auch 99 und Am 58)
Die endliche Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichts und das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit sind die Bedingungen der Möglichkeit sowohl der dinglichen, körperlichen Existenz: der Vergangenheit der Dinge, als auch des Feuers: der dinglichen Gegenwart der Zukunft (entsprechen der Vergangenheit in Ding und Raum die Zukunft in Feuer und Licht?).Adorno, Banken, Bäume, Benjamin, Bloch, Bogaert, Cohen, Einstein, Geld, Horkheimer, Lohnarbeit, Lukacs, Philosophie, Rosenzweig, Sprache, Theologie, Tiere, Wasser -
17.03.93
Zum aufrechten Gang: Die dritte Dimension (der Phallus, die Erektion, der Turm) stabilisiert nicht nur die Fläche, sondern den Raum insgesamt. Aber ist diese dritte Dimension, ihre orthogonale Beziehung zur Fläche, nicht das Produkt der Abstraktion vom Licht, die am Ende wieder eingeholt wird vom Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit?
Paßt nicht die Bemerkung von Edgar Morin, daß die Musik dem Flächenbild im Film die Tiefe gibt, die eigentlich räumliche Dimension, zu dem Hinweis Spenglers, daß in der modernen Welt (in der „faustischen Kultur“) die Musik die Stelle einnimmt, die in der alten Welt die Skulptur, die Statue, innehatte?
Das Bekenntnis zur Göttlichkeit Jesu hat deshalb diese ungeheure emotionale Bedeutung, weil es insgeheim als Akt der Wiedergutmachung an der Instrumentalisierung des Kreuzestodes in der Opfertheologie verstanden wird. Es ist Ausdruck des schlechten Gewissens der Gläubigen. Diese Instrumentalisierung begründet und sanktioniert die Verräumlichung der Dinge; sie gehört zu den Fundamenten der „christlichen Zivilisation“. Seine Geschichte ist Teil der Geschichte des Ursprungs und der Entwicklung des Bekenntnisbegriffs überhaupt. Bezieht sich hierauf nicht der Satz vom Binden und Lösen: Nicht Opfer, sondern Barmherzigkeit?
Keine Empörung ohne Projektion.
Die Sünden der Welt: Bezieht sich dieser Plural nicht auf eine genau bestimmbare Anzahl, nämlich sieben? War nicht die Astrologie die Instrumentalisierung dieser Sünden, und war nicht die Sakramentenlehre das kirchliche Erbe der Astrologie?
Die Scheidung der Wasser oberhalb von den Wassern unterhalb ist die Scheidung des Segens von der Schuld. Die Erkenntnis des Guten und Bösen ist das im Interesse der Selbsterhaltung und Selbstrechtfertigung instrumentalisierende und verdinglichende Denken; das befreiende Denken ist das verteidigende Denken.
Vergleiche die Geist-Rede des Petrus mit der Märtyrer-Rede des Stephanus.
Das Trägheitsgesetz, die Hochsicherheitstrakte des Inertialsystems und die Isolationshaft der Materie.
Rechtsstaat: Muß man nicht die kleinen Verbrechen verfolgen, um die großen decken zu können?
Gibt es eigentlich Privateigentum ohne den Staat, ohne Geld und ohne Banken (die Banken verwalten das Nichts, aus dem der Staat die Welt erschafft)? -
16.03.93
Waren die Tempel die Brutstätten der semitische Sprachen, und das Königtum die der indogermanischen? Und haben in Ägypten die Pyramiden die Tempel abgelöst?
Der Schrecken Isaaks: Hängt das Lachen mit dem Fressen zusammen, und der Schrecken Isaaks mit der Erinnerung an das Menschenopfer, das Opfer der Erstgeburt?
Heute prallt die Idee der Güte, einer göttlichen Gerechtigkeit, am Zustand der Welt und an der Unaufhebbarkeit der Vergangenheit ab. Die Opfertheologie ist eine Kompromißbildung, die dem Eingedenken und der Güte den Grund entzieht.
Wird der letzte Satz des Geists der Utopie vielleicht wahr, wenn man in ihm den Namen Gottes durch den des Staates ersetzt? -Zumindest führt das in die Nähe der Lösung.
Was man von Rosenzweig lernen kann: Umkehr, Name und Antlitz: Aber Umkehr, Name und Angesicht: sind das nicht die eigentlich gemeinten Objekte der evangelischen Räte: der Armut, des Gehorsams und der Keuschheit?
Erst wenn man begreift, daß das Antlitz des andern die Epiphanie (das reale Ebenbild Gottes) ist, begreift man was Tod und Trauerarbeit heißt.
In Kafkas Strafkolonie wird der Name in den Rücken des Delinquenten eintätowiert. Liegt hier der Grund des Satzes: Es gibt unendlich viel Hoffnung, nur nicht für uns.
Wann und wo hat Jesus eine Priesterkirche und eine Priesterreligion gestiftet?
Als die Jünger nach ihrer ersten Aussendung zurückkehrten, berichteten sie, daß sie in seinem Namen Dämonen ausgetrieben hatten. Darauf antwortete Jesus, nicht das Dämonenaustreiben sei das Entscheidende, sondern daß ihr Name im Himmel verzeichnet sei. Und er fügt hinzu: Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen. (Luk 1018) Aber vom Menschensohn heißt es dann (1724): Denn wie der Blitz leuchtet von einem Ende unter dem Himmel bis zum andern Ende unter dem Himmel, so wird der Sohn des Menschen sein an seinem Tag.
Ähnlich wie die Richtungen im Raum sind auch der Raum, das Geld und die Bekenntnisform austauschbare und gleichwohl deutlich unterschiedene Kategorien, zusammengehalten nur durch den Weltbegriff.
Dem Naturbegriff, der die Auferstehung der Toten leugnet, wäre die Trauerarbeit allein angemessen, während dem affirmativen Naturbegriff der Begriff einer Versöhnung über Gräbern (des blasphemischen Kerns der deutschen Staatsmetaphysik) entspricht.
Welt ist der Inbegriff der Sünden der Welt, Natur die Schuld, die auf der Natur lastet.
Sind an Stammheim nicht beide Varianten erschreckend: sowohl der als Selbstmord getarnte Mord (das perfekte Verbrechen des Staates), als auch der als Mord getarnte Selbstmord (der vorgetäuschte Opfertod). Aber hat nicht das perfekte Verbrechen des Staates doch eine andere Qualität als der instrumentalisierte Selbstmord? Und sind nicht beide Formen der Säkularisation der Opfertheologie und des Bekenntnisses, einer zweiten Säkularisation?
Zum Bild vom Zug, der auf den Abgrund zurast: Sind nicht die Geschwindigkeit des Zuges und die Tiefe des Abgrunds von einander abhängige Variable? Ist die Energiequelle nicht die Zukunft, die hier verheizt wird; erzeugen wir nicht mit dem Reichtum auch die Armut, und erreichen wir nicht heute die Grenze, an der es nicht mehr möglich ist, sie nach draußen zu exportieren? – Die Ableitung des Geldes aus dem Tauschverhältnis setzt voraus, was eigentlich zu beweisen wäre (und macht es so unsichtbar): die Beziehung des Geldes zur Schuld; mit dem Privateigentum (mit der Privatisierung der Selbsterhaltung) entspringt auch die Schuldknechtschaft, die Versklavung durch Verschuldung, nicht mehr nur durch Gefangene aus Kriegen.
Wenn es stimmt, daß die Geschichte der Aufklärung die Geschichte der Verinnerlichung des Opfers ist, wäre es dann nicht notwendig, die Geschichte des Opfers genauer in Augenschein zu nehmen?
Ist nicht das Angesicht die Form der Auflösung (das Produkt der Inversion) der Form der Anschauung: des Raumes?
Glück ist eine nicht auf die Sexualität, sondern aufs Angesicht bezogene Kategorie (zum Begriff der Sinnlichkeit).
Geben nicht die Schelerschen/Hartmannschen Schichtentheorien (vom Anorganischen, Pflanzlichen, Tierischen bis zum Geist) einen Hinweis auf den Ursprung und die Bedeutung der geologischen Schichten? So wie ja dann auch in der Tat die Evolutionsstufen des Lebens bestimmten geologischen Schichten zugeordnet werden können.
Die babylonische Sprachverwirrung hat die benennende Kraft der Sprache nur eingeschränkt, nicht aufgehoben. -
15.03.93
Zusammenhang der Raumvorstellung mit dem Begriff: Der Ursprung des Begriffs (Produkt der Verinnerlichung des Schicksals) fällt mit der Entdeckung der geometrischen Funktion des Winkels zusammen. Der Zwangscharakter der Orthogonalität ist der Grund der vergegenständlichenden Gewalt des Begriffs (der Naturerkenntnis). Insbesondere neutralisiert die Orthogonalität die Umkehr (und die Orthodoxie und das Bekenntnis die Nachfolge): jede Richtung im orthogonalen Raum ist umkehrbar, die qualitativen Differenzen der Umkehr:
– des Vorn und Hinten: Im Angesicht und Hinter dem Rücken,
– Links und Rechts: Recht und Barmherzigkeit,
– Oben und Unten: Herrschaft und Erlösung,
werden (ähnlich wie die sinnlichen Eigenschaften der Materie durchs Trägheitsprinzip) durch die Orthogonalität gelöscht. Zusammenhang mit der Beziehung von Licht und Schwere, Theorie des Feuers? Die Natur wird als Natur ausgegrenzt und verhext.
Zur Orthogonalität des Raumes: Nicht nur die Umkehr wird neutralisiert, sondern zugleich auch das Verhältnis der zueinander orthogonalen Richtungen selber. Die Beziehung Vorn/Hinten ist nicht gleich der Beziehung Rechts/Links oder Oben/Unten (Rechts/Links ist eine Paarbeziehung, die in der Übertragung auf die anderen Richtungsbeziehungen sich als Quelle der neutralisierenden Gewalt erweist). Wichtig ist das zeitliche Moment: der Zusammenhang der Othogonalität des Raumes und der Neutralisierung der Richtungen mit dem Vorrang der Vergangenheit, der Subsumtion der Zukunft unter die Vergangenheit. In der Orthogonalitätsbeziehung drückt sich die quasiorthogonale Beziehung des Raumes zur Zeit aus: Grund der Vorstellung der homogenen Zeit, in der die Zukunft wie die Vergangenheit ist, und Bedingung des Inertialsystems.
Wirkungen (Vorteile) der mathematischen Raumvorstellung: Sie dekonstruiert die Umkehr und begründet die Unschuldsfalle: Sie erweckt den Eindruck, wir wären die Last der Schuld, der Moral und der Verantwortung los, während wir sie in Wahrheit nur bewußtlos weiterwälzen; wir sind scheinbar geschützt durch eingebauten Projektionsmechanismen, wälzen sie ab auf die, die sich nicht wehren können: die Armen und die Fremden, und jetzt auch auf die nachfolgenden Generationen, die Erben. (Und was Politiker in den entscheidenden Fragen heute von „Sachverständigen“ erwarten, sind keine Handlungsanweisungen, sondern vorab Exkulpationstheorien. Das gilt außer für die wirtschaftlichen Entscheidungen heute vor allem für die ausbrechende Xenophobie.
Gegenstand der Umkehr ist die ungeheure Last der Vergangenheit.
Der Raum besiegelt den Herrschaftszusammenhang, das Geld den Schuldzusammenhang und das Bekenntnis den Verblendungszusammenhang.
Zu Billy Graham: Gott will nicht, daß wir sein Wort nur erleben, sondern daß es nicht leer zu ihm zurückkehrt.
Adornos Satz: Heute fühlen sich alle ungeliebt, weil keiner zu lieben fähig ist, läßt sich mit dem Hinweis darauf erläutern und begründen, daß heute alle das Glück, gut sein zu dürfen, sich versagen müssen. Und zwar nicht mehr nur deshalb, weil es dem Eigeninteresse widerspricht, sondern weil die Verhältnisse es nicht mehr zulassen. Das Glück, gut sein zu dürfen, Quelle der wirklichen theologischen Erfahrung, ist verkümmert zur Unschuldsfalle.
In welchen Weltregionen und in welchen Erdschichten wurden die Dinosaurier gefunden? Sind die geologischen Schichten einheitlich über die Regionen der Erde verteilt?
Gewitter, Blitz und Donner.
Adorno Aktueller Bezug Antijudaismus Antisemitismus Astrologie Auschwitz Banken Bekenntnislogik Benjamin Blut Buber Christentum Drewermann Einstein Empörung Faschismus Feindbildlogik Fernsehen Freud Geld Gemeinheit Gesellschaft Habermas Hegel Heidegger Heinsohn Hitler Hogefeld Horkheimer Inquisition Islam Justiz Kabbala Kant Kapitalismus Kohl Kopernikus Lachen Levinas Marx Mathematik Naturwissenschaft Newton Paranoia Patriarchat Philosophie Planck Rassismus Rosenzweig Selbstmitleid Sexismus Sexualmoral Sprache Theologie Tiere Verwaltung Wasser Wittgenstein Ästhetik Ökonomie